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	<title>Karikaturen-Streit &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Karikaturen-Streit &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs auf der Suche nach neuen Feindbildern.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotseit_dem_fall_des_eisernen_vorhangs_auf_der_suche_nach_neuen_feindbildernquot-158/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Karikaturen-Streit]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Leclercq]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, den 10. Februar, war Patrick 
Leclercq zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Nahost-Korrespondent der ARD 
in Kairo beantwortete den Chat-Teilnehmern Fragen zu den ägyptischen 
Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, er sprach über die 
Strategie des iranischen Präsidenten und das alltägliche 
Miteinander von Christen und Moslems.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, den 10. Februar, war Patrick<br />
Leclercq zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Nahost-Korrespondent der ARD<br />
in Kairo beantwortete den Chat-Teilnehmern Fragen zu den ägyptischen<br />
Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, er sprach über die<br />
Strategie des iranischen Präsidenten und das alltägliche<br />
Miteinander von Christen und Moslems.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett">Moderator:</span></span></span><br />
Herzlich willkommen aus dem ARD-Hauptstadtstudio zum tagesschau-Chat.<br />
Unser heutiger Chat-Gast ist uns aus Kairo zugeschaltet. Ich begrüße<br />
ganz herzlich Patrick Leclercq, den Nahost-Korrespondenten der ARD.<br />
Thematisch soll sich in der kommenden Stunde alles um den Karikaturen-Streit<br />
und dessen Auswirkung auf die Weltpolitik drehen.
</p>
<p>
<b>glaeubiger:</b> Hallo Herr Leclercq, diese Woche sind<br />
&quot;Spiegel&quot; und &quot;Focus&quot; in Ägypten verboten<br />
worden, wegen des Titelthemas Karikaturen-Streit. Wie schätzen<br />
Sie diese Maßnahme der ägyptischen Regierung ein?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist eine vorübergehende<br />
Maßnahme. Sie wurde ergriffen, um den Fundamentalisten keine<br />
zusätzliche Munition zu liefern.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Wie hat sich die Lage in den<br />
vergangenen Tagen verändert? Eher Beruhigung oder eher zunehmende<br />
Eskalation? Oder beides?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Nach meiner Beobachtung<br />
hat sich die Lage beruhigt, und das wird sich auch die nächsten<br />
Tage so fortsetzen.
</p>
<p>
<span class="fett">dann:</span> Herr Leclercq, wie stark sind die<br />
Ressentiments der Bevölkerung in Wirklichkeit? Stichwort Medienwirkung.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Moslems sind tatsächlich<br />
schwer getroffen. Die bildhafte Darstellung des Propheten ist ein<br />
klarer Verstoß gegen alle Regeln. Das versteht der kleine<br />
Mann auf der Straße nicht.
</p>
<p>
<b>huslah:</b> Was denken Sie über die Karikaturen<br />
des Propheten. Dürfte ich Ihre Meinung hören?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Man sollte sie ganz<br />
einfach weglassen. Das erfordert der Respekt vor der anderen Religion.
</p>
<p>
<b>kirchenaustreter: </b>Wieso rasten die Menschen immer<br />
gleich so aus? Hier in Europa dauert es z.B. ziemlich lange, bis<br />
mal demonstriert wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube, dass ein<br />
großer Teil der weltweiten Demonstrationen von halbstaatlichen<br />
Stellen organisiert wurde.
</p>
<p>
<b>Burgund:</b> Wenn man die Berichte über die Proteste<br />
aufmerksam verfolgt, kommt man zu dem Schluss, dass wohl viele der<br />
Protestierenden zusätzlich aufgestachelt werden. Wer schürt<br />
diese Proteste? Mit welchem Ziel? Wird hier eine &quot;Strategie<br />
der Spannung&quot; verfolgt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Proteste werden<br />
von Fundamentalisten in allen islamischen Ländern genutzt,<br />
um ihre Ziele, nämlich rein religiös ausgerichtete Staaten,<br />
weiter zu forcieren. Die Provokation war also ein willkommener Anlass.
</p>
<p>
<b>Firework:</b> Herr Leclercq, herrscht denn auch derzeit<br />
keine Vergebungsbereitschaft bei den Moslems? Ich muss auch dazu<br />
sagen, dass ich so manch einen Moslem verstehen kann: Über<br />
heilige Dinge macht man keine Witze oder Karikaturen.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es gibt DIE Moslems<br />
genauso wenig wie DIE Christen oder DIE Hindus. Ein großer<br />
Teil der Muslime ist friedlich gestimmt und man sollte sich nicht<br />
von den Demonstranten irritieren lassen.
</p>
<p>
<span class="fett">Dino:</span> Für wie groß halten<br />
sie den Einfluss von Mahmud Ahmadinedschad im Nahen Osten? Speziell<br />
bezogen auf die Fragestellung, wie sehr er die aufgeheizte momentane<br />
Stimmung durch den Karikaturenstreit für seine Ziele nutzen<br />
kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Sein Einfluss steigt<br />
täglich, weil er als geschickter Propagandist die Defizite<br />
des Westens zu nutzen weiß, z.B. was die Palästinafrage<br />
angeht.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Gibt es auch kritische, reflektierte<br />
Stimmen in den Medien der so genannten arabischen Welt? Wenn ja<br />
&#8211; aus welchem Spektrum und mit welchem Inhalt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die gibt es natürlich<br />
in den Reihen der Intellektuellen, Künstler, bis hinein in<br />
die hohe arabische Geistlichkeit.
</p>
<p>
<b>yavuzph:</b> Herr Leclercq, haben die Pressemitteilungen<br />
der islamischen Verbände in Europa und auch aus Deutschland<br />
Auswirkungen auf die Muslime in den betroffenen Ländern? Oder<br />
werden diese überhaupt nicht wahrgenommen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> In den überregionalen<br />
Zeitungen und auch in den Medien, die überregional und international<br />
arbeiten, finden solche Stimmen selbstverständlich Beachtung.<br />
Auch die Vielzahl an arabischen Nachrichtenkanälen reflektiert<br />
durchaus solche Stellungnahmen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Aber bekommen die einfachen<br />
Demonstranten auf der Straße diese Stimmen überhaupt<br />
mit?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Demonstranten auf<br />
der Straße sind in der Regel sicher nicht an versöhnlichen<br />
Tönen interessiert, sondern wollen erst mal ihren Unmut und<br />
ihre Wut zum Ausdruck bringen. Sie sind aber nur ein kleiner Teil<br />
der arabischen Welt.
</p>
<p>
<b>randolph: </b>Wieso regen die Muslime sich eigentlich<br />
nicht so auf, wenn im Namen ihres Glaubens Unschuldige in die Luft<br />
gejagt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Frage ist völlig<br />
berechtigt, wird aber spätestens seit der Regelmäßigkeit<br />
solcher Anschläge im Irak auch hierzulande immer lauter gestellt.<br />
Selbst im Irak gibt es jetzt diese Diskussion.
</p>
<p>
<b>liggelow: </b>Wie empfinden Sie die Situation jetzt<br />
persönlich als Journalist? Ist man Ihnen gegenüber zurückhaltender<br />
oder aggressiver?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Für mich persönlich<br />
hat sich bisher nichts geändert. Man muss allerdings sicher<br />
in einigen unserer Berichtsgebiete in Zukunft noch etwas vorsichtiger<br />
und umsichtiger vorgehen.
</p>
<p>
<b>tobias1: </b>Herr Leclercq, ich habe folgende Stellungnahme<br />
gehört: &quot;Der Islam ist die größte Bedrohung<br />
für den Weltfrieden und es besteht die Gefahr eines 3. Weltkrieges<br />
&quot;. Teilen Sie diese Auffassung?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das halte ich für<br />
sehr unüberlegt &#8211; derartige Bedrohungsszenarios zeugen nicht<br />
von sehr viel Überlegtheit und auch Verständnis für<br />
andere Teile dieser Welt.
</p>
<p>
<b>talentfrei23: </b>Herr Leclercq, empfinden Sie die<br />
Veröffentlichung dänischer Karikaturen in deutschen Medien<br />
als taktlos? Wird der Begriff Pressefreiheit hier verwendet, um<br />
über den Sachverhalt hinweg zu täuschen, dass möglicherweise<br />
seitens der Medien verantwortungslos gehandelt wurde?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Im Zuge der journalistischen<br />
Information kann man durchaus darüber diskutieren, auch in<br />
Deutschland zumindest die Anmutung solcher Karikaturen darzustellen.<br />
Allerdings muss dabei eine Einordnung stattfinden, damit die Verletzung<br />
der religiösen Gefühle der Muslime verhindert wird. Eine<br />
Veröffentlichung ganz alleine und unkommentiert, sozusagen<br />
1:1 halte ich für falsch.
</p>
<p>
<b>s.tustra:</b> Kann man eigentlich ein Ziel formulieren,<br />
auf das die Proteste ausgerichtet sind? Man hat nicht den Eindruck,<br />
als sei es mit einer Entschuldigung getan.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das Ziel sollte sicher<br />
auch in dieser Debatte auf allen Seiten die religiöse Toleranz<br />
sein. Leider scheint es mir so, dass sich doch einige fundamental<br />
religiöse und politische Richtungen einfach des Anlasses bedienen,<br />
um ihre Ziele zu verfolgen.
</p>
<p>
<span class="fett">Dino:</span> Gibt es einen nachweisbaren Zusammenhang<br />
zwischen der Rolle der gewaltbereiten Muslime und ihrer sozialen<br />
Stellung in der Gesellschaft? Sind es oft unzufriedene oder ärmere<br />
Menschen, oder sind sie aus allen sozialen Schichten?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist ein Zusammenhang,<br />
der ja schon am 11. September hergestellt wurde, der sicher im Kern<br />
auch nicht zu leugnen ist. Das zeigen auch die großen Demonstrationen<br />
in bettelarmen Ländern wie dem Jemen und anderswo.
</p>
<p>
<b>Apfelsaftschorle: </b>Wer demonstriert eigentlich<br />
täglich da? Die Menschen haben doch auch Arbeit und Familie<br />
wie in anderen Erdteilen und dadurch nur wenig Zeit für Demonstrationen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Zeit nehmen sie<br />
sich, weil die Beleidigung für sie eine sehr große ist<br />
und sie bis ins Mark getroffen sind.
</p>
<p>
<b>thorstenl:</b> Lässt die Tatsache, dass Muslime<br />
nie oder nur sehr selten gegen terroristische Aktivitäten,<br />
die im Namen des Islam geschehen, demonstrieren, den Schluss zu,<br />
dass es sich in Wirklichkeit nicht um die Beleidigung der Person<br />
Mohammed, sondern um einen Hass auf den Westen im allgemeinen dreht?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Erfahrungen früher<br />
aus der Kolonialzeit, später aber auch in der Palästinenserfrage<br />
und jüngst bei der Besetzung des Irak haben tatsächlich<br />
bei einem Teil der Bevölkerung in den arabischen Ländern<br />
zu einem eher negativen Bild des Westens geführt. Man sollte<br />
das aber nicht verallgemeinern sondern eher den Dialog suchen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie soll ein solcher Dialog<br />
konkret aussehen? An was für Maßnahmen denken Sie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ein solcher Dialog<br />
findet im Moment beispielhaft schon auf der Ebene der Kirchen statt,<br />
z.b. wie ich weiß, in Deutschland sogar auf der Ebene der<br />
Gemeinden. Und auch hierzulande gibt es christliche Pfarreien, die<br />
dieses seit Jahren mit den Moslems praktizieren.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Die Muslime sind bis ins Mark<br />
getroffen, sagen Sie. Aber eine reflektierte gesamtgesellschaftliche<br />
Diskussion ist nicht möglich? Das geht doch bei uns auch!
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Da haben Sie sicher<br />
recht. Sie müssen aber den arabischen Gesellschaften einfach<br />
noch Zeit geben.
</p>
<p>
<b>s.tustra: </b>Die nächste Reaktion in der Kette<br />
ist ja leider, dass die anti-islamistische Einstellung gerade in<br />
Deutschland gestärkt wird. Ist das den Demonstranten bewusst<br />
oder eventuell sogar beabsichtigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich denke, dass das<br />
den meisten Demonstranten nicht unbedingt bewusst ist. Ihre Möglichkeiten,<br />
sich darüber ein aktuelles Bild zu machen, sind im Regelfall<br />
auch eher begrenzt.
</p>
<p>
<b>yavuzph: </b>Glauben Sie persönlich daran, dass<br />
islamische Geistliche oder Großmuftis, Imame und Sheichs überhaupt<br />
noch einen theologischen oder persönlichen Einfluss auf Muslime<br />
und deren Denken haben? Zum Beispiel Al-Azhar-Uni?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ja, unbedingt. Fast<br />
täglich verlassen &quot;Fatwas&quot; Kairo und gehen in die<br />
ganze Welt.
</p>
<p>
<b>Neuhier: </b>Ist man in der arabischen Welt eigentlich<br />
auch in der Lage, zwischen dem, was eine Karikatur darstellt, und<br />
dem, was sie eigentlich ausdrücken will, zu differenzieren?<br />
(Es ging ja nicht um eine religiöse Darstellung Mohammeds,<br />
sondern um aus westlicher Sicht durchaus nachvollziehbare Kritik<br />
und Ängste).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Sobald es um die Darstellung<br />
des Propheten geht, setzt nach meiner Einschätzung jegliche<br />
Differenziertheit aus. Ein Moslem versteht das einfach nicht.
</p>
<p>
<b>interessierte:</b> Gab es eigentlich auch Proteste<br />
in den arabischen Ländern, als von höchster politischer<br />
Stelle der Holocaust geleugnet wurde? Oder wurde darüber nur<br />
nicht berichtet?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es wurde darüber<br />
nur wenig berichtet. Proteste größerer Art hat es meines<br />
Wissens nach nicht gegeben.
</p>
<p>
<b>Achim: </b>Ist es nicht vor diesem Gesichtspunkt &#8211;<br />
dass Sie die arabische Welt noch nicht für offen genug für<br />
eine gesellschaftliche Debatte halten &#8211; nicht gerade wichtig, dass<br />
&quot;der Westen &quot; seine Haltung zu zentralen Werten wie der<br />
Meinungsfreiheit bekräftigt bzw. verteidigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich persönlich<br />
&#8211; das habe ich auch schon mehrfach gesagt &#8211; bin natürlich der<br />
Meinung, dass wir am Begriff der Meinungsfreiheit nicht rütteln<br />
sollten.
</p>
<p>
<b>johannsen: </b>Was, denken Sie, wird passieren, wenn<br />
die EU und die USA bewusst noch mehr solcher Karikaturen veröffentlichen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Dann werden die Proteste<br />
wieder aufflammen, weil hier vorausgesetzt wird, dass eine klare<br />
Absicht dahinter stecken würde.
</p>
<p>
<b>Domenico: </b>Stimmt es, dass die Bilder der Karikaturen<br />
den Menschen in Ägypten nicht gezeigt werden? Das heißt,<br />
in den Medien, Zeitschriften etc.?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das stimmt so nicht.<br />
In Ägypten sind die Karikaturen in den letzten Wochen in einer<br />
großen Wochenzeitung abgedruckt worden und waren zu sehen.
</p>
<p>
<b>Bender-robot: </b>Dem Westen wird immer vorgeworfen,<br />
er würde mit zweierlei Maß messen. Die islamische Welt<br />
scheint das ja nun aber auch zu tun, sogar noch viel extremer. Was<br />
ist ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist sicher so,<br />
aber es wird uns nicht weiter führen, wenn wir jeweils nur<br />
immer Interesse daran haben, den anderen vorzuführen.
</p>
<p>
<span class="fett">jox:</span> Denken Sie, dass es zu immer mehr<br />
Konflikten zwischen den beiden Kulturkreisen kommen wird? Es gibt<br />
nun mal wirklich große Unterschiede!
</p>
<p>
<b>Feanor: </b>Besteht die Möglichkeit, dass es<br />
infolge dieser Glaubendifferenzen zu einem Flächenbrand im<br />
Nahen Osten kommt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Den Krieg der Kulturen<br />
sehe ich bisher nicht. Mir scheint es eher so, dass man nach dem<br />
Zusammenbruch des eisernen Vorhangs schon seit Jahren verzweifelt<br />
auf der Suche nach neuen Feindbildern ist. Im Kern glaube ich aber<br />
an keinen Flächenbrand.
</p>
<p>
<b>Lord Knut:</b> Heißt Verteidigung der Meinungsfreiheit<br />
zwingend, dass wir uns auch künftig als &quot;frei &quot; betrachten,<br />
die religiösen Gefühle frommer Moslems zu verletzen? Bedeutet<br />
Zusammenrücken in einer globalisierten, vernetzten Welt nicht<br />
auch, stärker als bislang auf die Empfindungen anderer Kulturkreise<br />
Rücksicht zu nehmen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich rate in diesem<br />
Zusammenhang zu weniger Aufgeregtheit und Schaum vor dem Mund. Es<br />
ist bis zum heutigen Tage so, dass sich die meisten Menschen aus<br />
beiden Kulturkreisen durchaus eher freundschaftlich begegnen.
</p>
<p>
<b>frankfurter: </b>Wie tief ist Judenhass tatsächlich<br />
in den arabischen Gesellschaften verankert?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Durch die Gründung<br />
des Staates Israel gibt es in der arabischen Welt bis zum heutigen<br />
Tage große Ressentiments. Es sind eben die fundamentalistischen<br />
Hardliner, die versuchen, solche Stimmungen zu nutzen, um gegen<br />
den Staat Israel zu agitieren.
</p>
<p>
<span class="fett">jw:</span> Verstehen die Menschen denn, dass<br />
europäische Zeitungen selbstbestimmt entscheiden, was sie drucken?<br />
Dass also einzelne private Akteure provozieren und kein staatlicher<br />
Einfluss dahinter steckt. Sind Menschen in autoritärer Staaten<br />
in der Lage, hier zu differenzieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist von Land zu<br />
Land sicher verschieden. In einem Staat, wo die Meinungsfreiheit<br />
relativ groß ist, wie z.b. Libanon, verstehen das die Menschen<br />
sehr wohl. In anderen, die seit Jahrzehnten von Diktatoren regiert<br />
werden, natürlich nicht.
</p>
<p>
<b>FriendofJews: </b>Man muss sich nur mal die arabischen<br />
TV-Sender ansehen, da schaudert&#8217;s einen (soviel zur arabischen Meinungsfreiheit).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Durch Sender wie Al<br />
Jazeera und später auch Al Arabia hat sich da aber auch einiges<br />
geändert. Eine so umfassende und schnelle und unzensierte Berichterstattung<br />
wäre vor 15 Jahren noch völlig undenkbar gewesen.
</p>
<p>
<b>pokemon: </b>Wie schaut es denn mit der Entwicklung<br />
hinsichtlich der Ausübung christlichen bzw. jüdischen<br />
Glaubens z.B. im Iran, Saudi Arabien etc. aus? Wird diese Toleranz<br />
der Muslime auch diskutiert??
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das kann man mit einem<br />
klaren Nein beantworten.
</p>
<p>
<b>FriendofJews: </b>Hat das ganze Theater nicht auch<br />
etwas Positives darin, dass man sieht, was für ein Hass ans<br />
Tageslicht kommt, und wir wissen, woran wir eigentlich sind?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube nicht, dass<br />
dieser Hass tatsächlich so durchgängig ist. Ich lebe seit<br />
vielen Jahren in der Region und habe Erfahrungen, die eigentlich<br />
eine andere Sprache sprechen.
</p>
<p>
<b>mokassi: </b>Ist die Abbildung des Propheten im Koran<br />
tatsächlich verboten? Soweit ich weiß, gibt es zahlreiche<br />
Miniaturen, in denen der Prophet abgebildet wurde.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Diskussion darüber,<br />
besonders wenn es in die Details geht, ist sicher kontrovers. Die<br />
allgemeine Auffassung aber sagt, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Philipp Ströhle:</b> Sie sind schon lange in<br />
dieser Region. War es abzusehen, dass es früher oder später<br />
zu solch einem &quot;Kampf der Kulturen &quot; kommen könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">GPK:</span> Wie lange noch zum &quot;Clash of<br />
Civilisations &quot;? Oder haben Sie wirklich Hoffnung, dass dieser<br />
verhindert werden kann? Wenn ja, wie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es ist in den letzten<br />
Jahren, insbesondere nach der Besetzung des Irak, zu einer Verschärfung<br />
der Kritik am Westen gekommen. Auch die Hilflosigkeit des Westens<br />
gegenüber dem Palästinaproblem hat sicher dazu beigetragen.<br />
Das hat bei vielen Menschen in der Region zur Flucht in die Religion<br />
geführt
</p>
<p>
<b>M.Bieniakonski: </b>Ist es überhaupt möglich,<br />
die islamische Welt als eine Einheit anzusehen, wie es in Medien<br />
häufig getan wird? Sollte man nicht viel stärker differenzieren<br />
zwischen Staaten wie Algerien und Iran?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Seit Nassers Versuch,<br />
einen arabischen Nationalismus zu installieren, ist es zweifellos<br />
so, dass sich viele arabische Staaten sehr weit auseinander entwickelt<br />
haben und es deshalb nur hilfreich sein kann, tatsächlich von<br />
Fall zu Fall zu differenzieren. Algerien ist da sicher ein sehr<br />
guten Beispiel, weil da die Bevölkerung sehr viele unterschiedliche<br />
Erfahrungen machen musste.
</p>
<p>
<span class="fett">sven:</span> Haben Sie Angst vor der Muslimbruderschaft,<br />
die eigentlich illegal ist, und trotzdem bei Ihnen in Kairo im Parlament<br />
sitzt? Der Einfluss dieser Organisation ist doch sehr groß<br />
und ihre antiwestliche Haltung seit 1928 nicht neu&#8230; Auch die Gewalt<br />
zur Wahl in Ägypten sagte da sehr viel aus: alte Methoden,<br />
alte Ziele.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es ist sicher so, dass<br />
bei tatsächlich richtig freien Wahlen die Moslembruderschaft<br />
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit bekommen würde.<br />
Wer denn nun von sich behauptet, die demokratischen Ziele hochzuhalten,<br />
muss dann auch dieses akzeptieren.
</p>
<p>
<b>Der Araber: </b>Was denken Sie, könnten die Karikaturen<br />
zu einer Eskalation im iranischen Atomstreit führen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die iranische Propaganda<br />
ist geschickt genug, um den Vorfall genau zu diesem Zweck auszunutzen.<br />
Wir haben es seit kurzem mit ideologisch hoch erfahrenen Revolutionswächtern<br />
zu tun.
</p>
<p>
<span class="fett">kocht:</span> Es gibt ja Hinweise darauf, dass<br />
die USA &#8211; wie vor dem Irakkrieg &#8211; auf geschickte Art und Weise zweifelhafte<br />
Beweise für den Bau einer iranischen Atombombe lanciert. Für<br />
wie wahrscheinlich halten Sie eine militärische Eskalation<br />
dieser explosiven Stimmung im Nahen Osten bzw. vor allem im Iran?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube, dass uns<br />
die Frage der iranischen Atomanlagen bis hin zu einem militärischen<br />
Schlag trotz aller Dementis in der kommenden Zeit sehr wohl beschäftigen<br />
wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wir haben noch fünf Minuten.<br />
Schon jetzt eine Entschuldigung an dieser Stelle, dass wir nicht<br />
alle Fragen berücksichtigen können. Es liegen noch weit<br />
über hundert unbeantwortete Fragen vor&#8230;
</p>
<p>
<b>nina_S: </b>Wie erklären Sie sich, dass es in<br />
Ägypten gegenüber anderen Staaten der arabischen Welt<br />
die Lage so &quot;ruhig &quot; ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das hängt ganz<br />
schlicht damit zusammen, dass der Sicherheitsapparat, sprich: Polizei<br />
und Militär, immer ein Auge auf mögliche Unruhen und Demonstrationen<br />
haben.
</p>
<p>
<b>adabartist: </b>Wie ist eigentlich die Resonanz in<br />
Israel zu diesem Thema: Gibt es eine grundsätzliche Stellungnahme<br />
zu Karikaturen aus den Reihe der Orthodoxie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Da bitte Entschuldigung,<br />
das kann ich Ihnen aber hier aus der arabischen Welt nicht mit letzter<br />
Sicherheit beantworten.
</p>
<p>
<b>Lebesgue: </b>Sie sagten, dass man den arabischen<br />
Gesellschaften Zeit lassen sollte. Ist es aber überhaupt realistisch,<br />
dass in den arabischen Gesellschaften auch so etwas wie eine Aufklärung<br />
stattfinden wird?
</p>
<p>
<b>brians: </b>In meiner Zeitung stand geschrieben: Es<br />
gibt keine Aufklärungstradition im Islam. Stimmt das so?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Im Zuge der Globalisierung<br />
haben die arabischen Gesellschaften nach meiner Ansicht nur zwei<br />
Chancen: Sie müssen sich entweder mit diesen ganzen Fragen<br />
ab der Aufklärung intensiver beschäftigen oder sie werden<br />
zwangsweise auf einem der hinteren Plätze weltweit landen.
</p>
<p>
<b>apol: </b>Eine etwas provokative Frage: Wie erklären<br />
Sie sich, dass Sie auf der einen Seite behaupten, &quot;dass sich<br />
die meisten Menschen aus beiden Kulturkreise sich durchaus freundlich<br />
begegnen &quot;, Sie aber weiterhin schreiben, dass die Moslembruderschaft<br />
bei richtig freien Wahlen wohl eine Mehrheit der Stimmen bekommen<br />
würde (ich möchte hier auch noch auf den Wahlerfolg der<br />
Hamas in den Palästinensergebieten verweisen).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich denke, das ist<br />
kein Widerspruch. Ein freundlicher Umgang miteinander ist die eine<br />
Seite, eine stramme religiöse Überzeugung muss dem nicht<br />
unbedingt widersprechen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Die Zeit ist fast um. Eine<br />
letzte Frage nach Kairo:
</p>
<p>
<b>ARD-Zuschauer:</b> Sie sind mit Peter Dudzik der wohl<br />
erfahrenste Kriegsberichterstatter der ARD. Aber warum haben Sie<br />
nun Ihren warmen und sicheren Chefredakteursposten wieder gegen<br />
die kugelsichere Weste eingetauscht? Was zieht Sie immer wieder<br />
in Krisengebiete? Ist es wirklich das sprichwörtliche Wasser<br />
aus dem Nil?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Nach vielen Jahren<br />
spannender Programm- und Verwaltungsarbeit in Deutschland ist, glaube<br />
ich, bei mir einfach wieder die Reporterneugier durchgebrochen &#8211;<br />
und das mache ich jetzt.
</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Eine Stunde ist vorüber.<br />
Es liegen noch jede Menge Fragen vor, die aus Zeitgründen leider<br />
nicht mehr von Patrick Leclercq beantwortet werden können.<br />
Im Namen der User von tagesschau.de bedanke ich mich bei Herrn Leclercq,<br />
dass er sich die Zeit genommen hat. Den vielen Chat-Teilnehmern<br />
danke ich für die rege Diskussion.<br />
Unser nächster Chat ist am kommenden Donnerstag, den 16. Februar<br />
um dreizehn Uhr. Dann wird die FDP-Bundestagsabgeordnete und ehemalige<br />
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum tagesschau-Chat<br />
ins ARD-Hauptstadtstudio kommen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Familienpolitik sollte aus Sicht der Kinder gemacht werden&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Familienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Karikaturen-Streit]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Göring-Eckardt]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderbetreuung]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Montag, den 6. Februar, war Katrin Göring-Eckardt 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Die Bundestagsvizepräsidentin und MdB von Bündnis90/Die 
Grünen stellte sich den Fragen der Chatter und diskutierte 
mit ihnen über Familienpolitik, Kinderbetreuung und den sogennanten 
&#34;Karikaturen-Streit&#34;.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Montag, den 6. Februar, war Katrin Göring-Eckardt<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Die Bundestagsvizepräsidentin und MdB von Bündnis90/Die<br />
Grünen stellte sich den Fragen der Chatter und diskutierte<br />
mit ihnen über Familienpolitik, Kinderbetreuung und den sogennanten<br />
&quot;Karikaturen-Streit&quot;.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett">Moderator:</span></span><br />
Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute die Vizepräsidentin<br />
des Deutschen Bundestags, Frau Katrin Göring-Eckardt von den<br />
Grünen. Ihr Thema ist die Familienpolitik, es können aber<br />
auch Fragen zu allen anderen Themen gestellt werden.</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Frau Göring-Eckardt, die<br />
Familienpolitik &#8211; jahrelang eine vernachlässigte Nische im<br />
Politikbetrieb &#8211; scheint derzeit das große Profilierungsding<br />
in der Großen Koalition zu sein. Überrascht Sie das?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Ja und nein. Einerseits<br />
reden wir seit mindestens fünf Jahren intensiv darüber<br />
und schließlich geht es um die Lebensrealität Vieler.<br />
Andererseits haben gerade Union und die SPD lange gebraucht dem<br />
Thema die Bedeutung zu geben, die es praktisch hat.</p>
<p><span class="fett">Erzkonservativer:</span> Glauben sie, dass die<br />
Verstärkung der staatlichen Kinderbetreuung die Familie als<br />
Einheit schwächt?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Kinderbetreuung<br />
ist in Deutschland bei weitem nicht nur staatlich. Neben den öffentlichen<br />
gibt es auch freie Träger. Die Familie wird entlastet aber<br />
nicht geschwächt.</p>
<p><span class="fett">kleist:</span> Warum hat es rot-grün nicht<br />
geschafft, in fast acht Jahren eine neue Kultur für Familienpolitik<br />
und -unterstützung aufzubauen? Ich rede gar nicht vom Geld,<br />
sondern eher von einer Grundstimmung, die die Politik durchaus hätte<br />
beeinflussen können.</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Vielleicht sollte<br />
man sagen, dass wir bei unter Null angefangen haben. Immerhin hat<br />
Gerhard Schröder beim Beginn seiner Regierungszeit von &quot;Gedöns&quot;<br />
geredet, aber wir brauchen uns auch mit den Ergebnissen nicht zu<br />
verstecken. Das Tagesbetreuungsausbaugesetz ist nur ein Beispiel.<br />
Die Bündnisse für Familie, die Kommunen und Wirtschaft<br />
einbeziehen, zeigen dass sich wirklich etwas getan hat.</p>
<p><b>johannest.: </b>Frau Göring-Eckardt, es ist Fakt,<br />
dass die rot-grüne Regierung viel zu wenig für Familien<br />
unternommen hat. Wie rechtfertigen Sie vor diesem Hintergrund Ihre<br />
Kritik an der neuen Initiative zur steuerlichen Absetzbarkeit von<br />
Kinderbetreuungs-Ausgaben?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Zunächst mal<br />
ist Fakt, dass wir die Ausgaben für Kinder und Familien drastisch<br />
erhöht haben. Aber natürlich waren wir nicht am Ende unserer<br />
Ideen. Meine Kritik bezieht sich darauf, dass die steuerliche Absetzbarkeit<br />
weder hilft, wenn es um mehr Kinderbetreuungseinrichtungen geht,<br />
noch bei der Armutsbekämpfung. Genau das sind aber die zentralen<br />
Punkte, besonders wenn sie bedenken, dass Kinder, die in Armut leben,<br />
heute gleichzeitig weniger Chancen in der Schule und damit im Beruf<br />
haben.</p>
<p><b><span class="fett">hansi:</span> </b>Warum sollten<br />
sich junge Menschen für Kinder entscheiden, wenn dies z.B.<br />
bei der Rente nicht belohnt wird? Die Einen ziehen die Kinder groß,<br />
die Anderen sparen fürs Alter. Die mit den Kindern sind dann<br />
später die Dummen!</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Erstens gibt es<br />
Berücksichtigung bei der Rente. Zweitens sind Kinder ein Gewinn,<br />
der sich weder in Geld noch in Rentenpunkten ausdrücken lässt.<br />
<b><br />
hansdampf:</b> Was ich immer wieder bedauere ist die Konzentration<br />
auf die Förderung von Alleinerziehenden und Doppelverdienern!<br />
Ist die Familie in Ihrer klassischen Form &#8211; ein Elternteil geht<br />
arbeiten, einer kümmert sich um die Kinder &#8211; nicht mehr gefragt</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Ob das die klassische<br />
Form ist, sei einmal dahin gestellt. Immerhin wollen die meisten<br />
Mütter arbeiten. Bei der Förderung geht es um die Unterstützung<br />
derjenigen, die Hilfe brauchen um die Berufstätigkeit und Familie<br />
zu vereinbaren. Da brauchen gerade Alleinerziehende und Familien<br />
Unterstützung, wo beide arbeiten. Das Problem ist, dass wir<br />
heute eben keine Wahlfreiheit haben, weil nicht genügend Betreuungsangebote<br />
zur Verfügung stehen. Wie jemand lebt bleibt ihm in jedem Fall<br />
selbst überlassen.</p>
<p><span class="fett">vater:</span> Als Familienvater mit zwei kleinen<br />
Kindern im Alter von 2 und 4 Jahren bin ich vor 2 Jahren aus Protest<br />
gegen ihre Steuerpolitik aus ihrer Partei ausgetreten. Es passt<br />
einfach nicht zusammen, wenn man vorgibt viel für Familien<br />
tun zu wollen, und gleichzeitig den berufstätigen Familienangehörigen<br />
die Pendlerpauschale kürzt. (Sie wollen sie ja sogar ganz streichen!!)<br />
Familien können nicht mal eben schnell dem Arbeitsplatz hinterher<br />
ziehen.</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Die Pendlerpauschale<br />
ist ja nun wirklich keine familienpolitische Maßnahme. Ich<br />
weiß wohl, dass sie vielen hilft, die auf dem Land leben,<br />
und das sind oft Familien. Trotzdem ist mir Familienförderung<br />
dann lieber als eine Pendlerpauschale, die jeder bekommt und die<br />
zusammen mit der Eigenheimzulage in der Vergangenheit falsche Akzente<br />
gesetzt hat.</p>
<p><span class="fett">hansi:</span> Noch einmal zurück zur Rente:<br />
Für jedes Kind gibt es noch Rentenpunkte die dem durchschnittlichen<br />
Rentenbeitrag eines Arbeitnehmers von 3 Jahren entsprechen!! Sie<br />
sprechen von Gewinn!! Wenn es ein gesamtgesellschaftlichen Gewinn<br />
ist Kinder zu haben, dann sollte die Gesellschaft dies auch entsprechend<br />
belohnen!</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Ja, wir haben eingeführt,<br />
dass Ausfallszeiten für Kinder so behandelt werden, als ob<br />
die- oder derjenige ein Durchschnittseinkommen erzielt. Ich finde,<br />
es geht nicht um Belohnung, sondern um Rahmenbedingungen, die das<br />
Leben mit Kindern erleichtern. Und dafür ist der Staat zuständig.</p>
<p><b>ParisShanghai: </b>Frankreich, Schweden, Dänemark<br />
und andere Nachbarstaaten leben es vor&#8230; Weniger Investition in<br />
einzelne Haushalte, sondern kollektiv in Kindertagestätten<br />
und Schulen Gelder einfließen lassen. Würde das nicht<br />
mehr bringen?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Genau.<br />
<b><br />
derhesse:</b> Was halten Sie von der realitätsfernen Idee<br />
von Müntefering, den Rentnern auf Kosten der jüngeren<br />
Generation zu versprechen, dass es nicht zu Rentenkürzungen<br />
kommen wird? Das ist doch hoch ungerecht und ein purer Klientelismus<br />
zur Befriedung der älteren Wählerschichten, oder?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Ich habe Müntefering<br />
so nicht verstanden. Klar ist jedenfalls, dass wir einen Ausgleich<br />
zwischen den Generationen brauchen. Weder die Jüngeren noch<br />
die Älteren dürfen über die Maßen belastet<br />
werden.</p>
<p><b>derhesse:</b> Na, so wie Sie das darstellen war ja<br />
schon alles familienpolitisch Gold, was in Ihrer Regierungszeit<br />
gelaufen ist. Da müssen wir dann eigentlich gar nichts mehr<br />
reformieren?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Das habe ich gerade<br />
nicht gesagt. Ich habe nur dargestellt, wo wir begonnen haben und<br />
wo weiter gemacht werden muss: nämlich bei den Institutionen.<br />
Vor allem finde ich, Familienpolitik sollte aus Sicht der Kinder<br />
gemacht werden. Und der Arbeitsmarkt und andere Interessen, die<br />
gerechtfertigt sind, kommen für mich an zweiter Stelle.</p>
<p><b>derhesse:</b> OK, wo müssen wir denn dann weitermachen?<br />
Wo machen die Grünen mit, auch wenn die Ideen von der Großen<br />
Koalition kommen?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Weitermachen müssen<br />
wir z.B. beim Rechtsanspruch bei Kinderbetreuung, auch für<br />
die unter 3-Jährigen und bei der Besserstellung derer, die<br />
heute in Armut leben. Bei Maßnahmen wie dem Elterngeld werden<br />
wir über die richtige Ausgestaltung mitreden. Trotzdem finde<br />
ich, dass dort das Geld nicht an den richtigen Stellen ausgegeben<br />
wird.</p>
<p><b>regenbogen:</b> Wann wird es endlich Kinderbetreuungsplätze,<br />
die vom Staat finanziert werden, geben?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Sie meinen wahrscheinlich<br />
kostenfreie Kinderbetreuungsmöglichkeiten, denn schon heute<br />
geben ja Länder und Kommunen Geld dazu. Zunächst brauchen<br />
wir genug Kinderbetreuungseinrichtungen, dann können wir über<br />
Kostenfreiheit reden. Und auch darüber, woher das Geld kommt.</p>
<p><b>Sebastian Heck:</b> Familienpolitik dreht sich derzeit<br />
zentral um das Thema Geld. Familien mit Kindern sollen wieder mehr<br />
in der Tasche haben. Ist der Staat überhaupt in der Lage &#8211;<br />
und ich meine damit explizit die monetäre Förderung &#8211;<br />
spürbare Anreize zu setzen? Oder haben die derzeit diskutierten<br />
Maßnahmen zwar symbolischen Charakter, für die Durchschnittsfamilie<br />
ändert sich aber kaum etwas? Ich meine, dass die paar hundert<br />
Euro im Jahr den Familien kaum helfen.</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Der Versuch, die<br />
Geburtenrate über Geld zu erhöhen, ist auch in anderen<br />
Ländern gescheitert. Dass der Staat aber versucht, die Bedingungen<br />
für Familien zu ändern, bleibt richtig. Jede Akademikerin<br />
wird sich jedenfalls genau überlegen, ob sie nach der Inanspruchnahme<br />
eines neuen Elterngeldes auch tatsächlich eine Kinderbetreuungsstätte<br />
hat oder nicht.</p>
<p><b>Münster: </b>Was halten Sie von Familienwahlrecht?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Meine Kinder wären<br />
nicht einverstanden, wenn ich für sie wählen würde.</p>
<p><span class="fett">jens0:</span> Wäre angesichts der hohen<br />
Arbeitslosigkeit nicht ein &quot;Erziehungsgeld&quot; für Elternteile,<br />
die zu Hause bleiben, gut?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Nein, ich glaube<br />
damit kämen wir nicht weiter. Es wäre dann wie immer,<br />
wenn es knapp am Arbeitsmarkt wird: Dann sollen die Frauen zu Hause<br />
bleiben.</p>
<p><b>Zwecknase: </b>Liebe Frau Göring-Eckardt, sie<br />
haben ParisShanghai recht gegeben, dass weniger in einzelne Haushalte<br />
investiert werden sollte, sondern bzgl. Familienbetreuung direkt<br />
in die Kassen der Kitas usw. Aber (der größte Teil der)<br />
Bildungspolitik ist Ländersache. Würden Sie sagen, dass<br />
nach nun bald 60 Jahren Bundesrepublik der Föderalismus überdacht<br />
(wenn nicht gar abgeschafft) werden sollte? Haben wir es mit Strukturproblemen<br />
zu tun?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Auf jeden Fall<br />
hat der Föderalismus nicht dazu geführt, dass die Länder<br />
in einen Wettbewerb um beste Betreuungsmöglichkeiten eingetreten<br />
wären. Ich finde es schade, dass sich nicht alle entschließen<br />
konnten, bei diesem wichtigen Thema an einem Strang zu ziehen.</p>
<p><span class="fett">gilfi:</span> Welche Akzente sollte die Politik<br />
ihrer Meinung nach setzen, damit sich wieder mehr Paare für<br />
Kinder entscheiden?</p>
<p><span class="fett">Erzkonservativer:</span> Wie wollen sie für<br />
die Erhöhung der Geburtenrate unter Akademikern tun?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Zu <span class="fett">Erzkonservativer:</span><br />
Sie haben Recht, das Problem sind eben oft die Akademiker, die von<br />
ihrer anverheirateten Akademikerin selbstverständlich verlangen,<br />
dass sie sich um die Kinder kümmert. Letztlich kommt es sicher<br />
darauf an, dass neben guter und ausreichender Betreuung und Bildung<br />
auch ein bestimmtes Maß an Sicherheit da ist. Wer sich von<br />
Praktikum zu Honorarvertrag hangelt, und das auch noch immer in<br />
einer anderen Stadt, wird sich kaum entscheiden können, Kinder<br />
zu bekommen.</p>
<p><span class="fett">jully:</span> Was wäre denn Ihrer Meinung<br />
nach der richtige Zeitpunkt für einen Akademiker ein Kind zu<br />
bekommen?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Wenn’s passt<br />
oder auch wenn’s nicht passt. Nein, den richtigen Zeitpunkt<br />
gibt es nicht, aber auch nicht den falschen.</p>
<p><span class="fett">Catharina:</span> Die Geburtenrate lässt<br />
sich nicht über Geld, wohl aber durch eine Veränderung<br />
der gesellschaftlichen Einstellung zu Kindern verändern. Erst<br />
wenn es gesamtgesellschaftlich nicht mehr als sozialer Niedergang<br />
angesehen wird, Kinder zu haben, wird sich hier etwas ändern.<br />
Was sind Ihre Vorschläge, um eine solche Bewusstseinsveränderung<br />
in der Gesellschaft zu erreichen?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Zum Beispiel der<br />
ARD-Chat über dieses Thema, aber auch jede andere Debatte.<br />
Gut wäre, wenn sich nicht nur die Politik sondern auch die<br />
Wirtschaft und vor allem die Eltern daran beteiligen würden<br />
(auch wenn letztere natürlich die wenigste Zeit dafür<br />
haben).</p>
<p><b>fisons: </b>Haben Sie selbst Kinder?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Zwei.</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Themawechsel:</p>
<p><b>ChristianB:</b> Hallo Frau Göring-Eckardt! Was<br />
denken Sie über den &quot;Karikaturen-Streit&quot;? Droht uns<br />
nun ein Kampf der Kulturen?
</p>
<p class="normal">
<b>Katrin Göring-Eckardt: </b>Wir<br />
sollten sehr klar sein bei der Verteidigung unserer Werte. Die Pressefreiheit<br />
gehört dazu. Gleichzeitig gehört zur Freiheit natürlich<br />
auch Verantwortung und Respekt, gerade wenn es um religiöse<br />
Gefühle geht. Ich würde gerne unterscheiden zwischen denen,<br />
die sich verletzt fühlen und denen, die diesen Streit nutzen,<br />
um mit Gewalt ganz andere Ziele durchzusetzen.</p>
<p><b>bombenkopf: </b>Sind sie dafür, dass noch weitere<br />
deutsche Zeitungen die Karikaturen als Zeichen für Pressefreiheit<br />
abdrucken?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Zeichen für<br />
Pressefreiheit ist es, dass wir darüber diskutieren. Ich glaube,<br />
einige der Karikaturen sind nicht einfach nur Satire und Überzeichnung,<br />
sondern verletzen ganz grundsätzlich religiöse Gefühle.<br />
Solche Zeichensetzung ist nicht weiter nötig.</p>
<p><span class="fett">hellno:</span> Müsste sich nicht der Bundestag<br />
mit einer Stimme gegen die Hetze der arabischen Welt gegen die Veröffentlichung<br />
der Karikaturen zu Wort melden, Frau Göring-Eckardt?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Man kann nicht<br />
von &quot;der arabischen Welt&quot; reden. Vor allem kann es nicht<br />
eine Vorverurteilung geben. Der Bundestag wird aber sicher über<br />
die aktuelle Entwicklung diskutieren. Jedenfalls bin ich sehr froh,<br />
dass die Muslime in Deutschland sich ausdrücklich gegen Gewaltanwendung<br />
ausgesprochen haben.</p>
<p><span class="fett">hellno:</span> Glauben Sie, dass Deutschland<br />
nun wegen der auch hier veröffentlichten Karikaturen wieder<br />
ins Fadenkreuz von Attentätern rückt?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Das wäre zu<br />
einfach. Terroristische Angriffe machen sich sicher nicht daran<br />
fest.</p>
<p><span class="fett">Erzkonservativer:</span> Ist die multikulturelle<br />
Gesellschaft gescheitert?<br />
bombenkopf: Sind die Integrationsbemühungen, wie die Grünen<br />
sie verfolgen, nicht an ihr Ende gelangt? Ist ein hartes und präventives<br />
Vorgehen à la Baden-Württemberg nicht inzwischen angezeigt,<br />
wie der Konflikt um die dänischen Karikaturen zeigt?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Die multikulturelle<br />
Gesellschaft ist Realität, und die Frage ist, wie wir sie gestalten.<br />
Der Test in Baden-Württemberg stellt Muslime unter Generalverdacht<br />
und hilft sicher nicht, zu einem gegenseitig respektvollen Zusammenleben<br />
zu kommen.</p>
<p><span class="fett">heidelberger:</span> Zeigt der Karikaturen-Streit<br />
nicht, dass es grundsätzliche Mentalitätsunterschiede<br />
zwischen der &quot;westlichen&quot; und arabischen Welt gibt? Und<br />
täte uns in der westlichen Welt nicht manchmal mehr Zurückhaltung<br />
in solchen Fragen gut?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Nein, es geht nicht<br />
um Zurückhaltung sondern um Respekt und Toleranz. Voraussetzung<br />
dafür ist natürlich, dass man vom anderen etwas weiß.</p>
<p><span class="fett">Catharina:</span> Denken Sie, dass es sich bei<br />
den Randalierern (z.B. in den Botschaften in Syrien) um Minderheiten<br />
handelt, mit denen nicht zu verhandeln ist? Oder handelt es sich<br />
hier um einen repräsentativen Teil der arabischen/islamischen<br />
Bevölkerung?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Die, die gewalttätig<br />
sind, sind ganz sicher Minderheiten. Trotzdem muss uns klar sein,<br />
dass sich sicher viele Muslime verletzt fühlen.</p>
<p><span class="fett">Axel38:</span> Ich bin der Meinung, dass sich<br />
hier radikale Kräfte dieser Karikaturen nur als Mittel zum<br />
Zweck bedienen. Und da muss ich sagen fällt mir kein Mittel<br />
ein, um diesen zu begegnen.</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Mit dem Mittel<br />
zum Zweck haben Sie Recht. Darüber, wie wir dem begegnen können<br />
werden wir noch viel diskutieren müssen. Unsere Freiheitsrechte<br />
werden wir allerdings immer verteidigen.</p>
<p><span class="fett">vivache:</span> Ich hab mit einem Muslimen gesprochen,<br />
der die Karikaturen als &quot;Auslöser&quot; dieser Unruhen<br />
mit dem Auslöser des ersten Weltkriegs verglich, der an und<br />
für sich ebenso wenig Bedeutung hatte, aber in einer schwierigen<br />
politischen Situation eben zur Katatrophe führte. Was sagen<br />
sie zu diesem Vergleich?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Sicher gibt es<br />
welche, die den Anlass nutzen, um andere Ziele zu verfolgen und<br />
Feindschaft zu schüren. Der Vergleich stimmt dennoch nicht.<br />
Schließlich haben sich Regierende ausdrücklich von den<br />
Anschlägen distanziert.</p>
<p><span class="fett">lujano:</span> Wie viel Toleranz halten Sie in<br />
anbetracht der derzeitigen Lage für sinnvoll? Muss auch Toleranz<br />
gegen die Intoleranten geübt werden?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Ich finde, Toleranz<br />
ist einfach nicht messbar. Unsere Grenzen sind dort, wo unser Grundgesetz<br />
sie setzt. Wir würden es ja genau so machen wie die, die uns<br />
herausfordern wollen und damit den Wert der Toleranz aufgeben.</p>
<p><span class="fett">heidelberger:</span> Fänden Sie die geforderte<br />
Entschuldigung Dänemark richtig oder nötig?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Die Regierung ist<br />
nicht zuständig für das, was Zeitungen schreiben oder<br />
abdrucken. Das ist so in einer freien, demokratischen Gesellschaft.<br />
Wie eine Regierung aber mit rassistischen Stimmungen umgeht, ist<br />
eine andere Frage.</p>
<p><b>Frager17:</b> Kaufen Sie dänische Produkte, um<br />
Ihre Unterstützung zu den Dänen zu zeigen?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Persönlich<br />
kaufe ich, wenn ich es mir aussuchen kann, vor allem Produkte aus<br />
meiner Region.<br />
luther: Was kann man als Politikerin eigentlich in so einem Fall<br />
noch tun, wenn der Streit schon längst die politische Ebene<br />
verlassen hat und vor allem die Bevölkerung (und seien es dort<br />
auch die radikalen Teile) den Ton angibt?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Den Ton geben die<br />
an, die mitreden. Aber es ist richtig, dass es längst nicht<br />
mehr um Politik geht oder um PolitikerInnen, sondern im Grunde ist<br />
jeder gefragt, sich verantwortlich zu zeigen. Von mir aus auch am<br />
Stammtisch oder im Sportverein.</p>
<p><b>Carsten37: </b>Wie stehen Sie zu der Forderung nach<br />
einem Anspruch auf islamischen Religionsunterricht in den Schulen<br />
wie von Herrn Wulf gefordert?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Das finde ich richtig,<br />
schließlich soll dieser Anspruch für alle Religionen<br />
gelten. Er müsste in deutsch gehalten werden und der Staat<br />
braucht ein Gegenüber auf islamischer Seite. Ich meine also<br />
Religionen, mit denen Staatsverträge gemacht werden können.</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Kleines Themenhopping in den<br />
letzten Minuten:</p>
<p><b>oleoleoleole: </b>Wie stehen Sie zum Einsatz von Bundeswehrsoldaten<br />
bei der WM?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Dafür ist<br />
die Bundeswehr nicht da.</p>
<p><b>Bernd K.: </b>Was sagen Sie zu Protestierenden gegen<br />
Castortransporte, die unserem Lande und dem Steuerzahler finanziell<br />
schaden, indem sie Gleise zerstören, aushöhlen und sich<br />
daran befestigen? Ich habe für solche Aktionen kein Verständnis<br />
und würde außerhalb einer Demonstration definitiv vor<br />
Gericht kommen, wenn ich Bahngleise beschädige und somit Unfälle<br />
ermöglichen! Wie ist Ihre Meinung dazu?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Erstens bin ich<br />
froh, dass wir die Demonstrationsfreiheit haben. Unfälle sollen<br />
damit gerade nicht provoziert werden. Zweitens werden diejenigen<br />
durchaus rechtlich belangt.</p>
<p><b>Sonnenblume: </b>Frau Göring-Eckardt, sie sind<br />
für den Abriss des Palasts der Republik, was auch verständlich<br />
ist, aber was soll ihrer Meinung nach an dieser Stelle neues gebaut<br />
werden? Vielleicht ein weiteres Denkmal?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Weder ein Denkmal<br />
noch ein Schloss. Ich bin für ein modernes Gebäude, das<br />
in die Mitte Berlins und in unsere Zeit passt, und öffentlich<br />
genutzt werden kann.</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> letzte Frage:</p>
<p><span class="fett">geros:</span> Wie hat sich ihre Arbeit in der<br />
Opposition verändert? Vermissen Sie als Grüne die Macht?</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Auf jeden Fall<br />
die schnellere Einflussmöglichkeit. Aber in der Demokratie<br />
geht es nun mal nicht ohne Opposition. Und die werden wir nutzen,<br />
uns neue Konzepte auszudenken, die wir dann später hoffentlich<br />
wieder beim Regieren umsetzen können.</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Leider konnten nicht alle Fragen beantwortet werden. Im Interesse<br />
eines geregelten Gesprächsflusses moderieren wir die Chats.<br />
Vielen Dank für Ihr Interesse. Vielen Dank an Sie, Frau Göring-Eckardt,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Nächster Gast<br />
bei uns ist die FDP-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bundesjustizministerin<br />
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie wird am Donnerstag, den<br />
16. Februar zum tagesschau-Chat ins ARD-Hauptstadtstudio kommen.<br />
Beginnen werden wir auch dann pünktlich um 13 Uhr.</p>
<p><span class="fett">Katrin Göring-Eckardt:</span> Ganz herzlichen<br />
Dank für die rege Diskussion.</p>
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