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	<title>Kerstin Plehwe &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Kerstin Plehwe &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Franzosen wollten im Wahlkampf mitreden</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/franzosen-wollten-im-wahlkampf-mitreden-2355/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kerstin Plehwe]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Voigt]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, den 23. Juli, beantworteten Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative ProDialog, und der Politikberater Mario Voigt von Blueberry Consulting im ProDialog-Chat Fragen der User zum Dialog mit den Wählern im Französischen Präsidentschaftswahlkampf.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, den 23. Juli, beantworteten Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative ProDialog, und der Politikberater Mario Voigt von Blueberry Consulting im ProDialog-Chat Fragen der User zum Dialog mit den Wählern im Französischen Präsidentschaftswahlkampf.<br />
<!--break--></p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zum ProDialog-Chat! Thema ist am heutigen Montag das politische Marketing am Beispiel des Frankreichwahlkampfes unter anderem mit Blogs, Communities und Co. Zu Gast im Chat sind die Kommunikationsexpertin Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative ProDialog, und der Politikberater Mario Voigt von Blueberry Consulting Frau Plehwe, Herr Voigt, sind Sie bereit?<img decoding="async" src="/salon/photos/kplehweuvoigttest.jpg" alt="Mario Voigt und Kerstin Plehwe" align="right" height="113" width="151" />
</p>
<p>
<b>Mario Voigt:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Ja, mit Freude.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier die erste Frage:
</p>
<p>
<b>go_figure:</b> Warum immer wieder der Hype ums Internet? Sarkozy gewann wegen der besseren Strategie und klareren Botschaft, oder?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Technik und Botschaften gehen Hand in Hand. Richtig ist, dass Sarkozy erfolgreich über Themen wir Integration und Einwanderung emotionalisiert hat. Gleichzeitig hat er es geschickt verstanden, den modernen Internetwahlkampf in das enge Dach französischer Wahlkampfregulierung einzubinden: „Message over mechanics&quot;.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Und um auf das Thema Hype zu kommen: Genau darum soll es eigentlich nicht gehen. Für Deutschland wird es darauf ankommen, jenseits des Hype die Chance des Internets für den politischen Dialog mit dem Wähler zu nutzen.
</p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/salon/photos/KplehweImChat390.jpg" alt="Kerstin Plehwe und Rik Spirka" height="251" width="372" /><br />
<i>Tipper Rik Spirka mit Kerstin Plehwe während des Live-Chats</i>
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>An den letzten Satz von Herrn Voigt fügt sich diese Frage an:
</p>
<p>
<b>Wahlkämpfer: </b>Lässt sich über Internet-Kampagnen tatsächlich die Wahlbeteiligung steigern? Sind die inhaltlichen Aussagen und Programme der Kandidaten/Parteien nicht relevanter als das Übermittlungsmedium?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Auch wenn aus Frankreich keine wissenschaftlichen Zahlen vorliegen, die beweisen, dass die Wahlbeteiligung dank des Interneteinsatzes gesteigert wurde, so wissen wir aus vorangegangenen Studien, dass sich Wählermobilisierungen über die Dialogmedien Brief, Internet und Telefon deutlich steigern lassen.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Wer heutzutage effektiv kommunizieren will, muss eine person-to-person-Kommunikation aufbauen. Nur so können Botschaften durch das Informationsdickicht gelangen. Dabei ist das Internet das effektivste und kostengünstigste Medium.
</p>
<p>
<b>daniel: </b>Haben Sie untersucht, inwieweit der Einsatz moderner Wahlkampfmittel inhaltliche Aussagen der Kandidaten ersetzen konnte?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt:</b> Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 vertrauten knapp 42 Prozent dem Fernsehen, 33 Prozent der nationalen Presse und 21 Prozent dem Internet. Gerade die höher qualifizierten Meinungsmacher nutzten das Internet und die nationale Presse.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/salon/photos/MvoigtImChat390x.jpg" alt="Mario Voigt" height="305" width="372" /><br />
<i>Mario Voigt verfolgt den Live-Chat am Computer</i>
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Eine Frage, die sich direkt mit der<a href="http://www.prodialog.org/content/dialogwissen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Studie</a> beschäftigt („Moderner Wahlkampf und politisches Marketing am Beispiel der Präsidentschaftswahlen in Frankreich<br />
2007&quot;):
</p>
<p>
<b>Audrey: </b>Wie sind Sie für Ihre Studie methodisch vorgegangen? Welche Quellen haben Sie genutzt?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Es wurden sowohl eine Medienrecherche als auch intensive Interviews mit den relevanten Wahlkämpfern geführt und erste wissenschaftliche Studien zum Beispiel zum Internetverhalten herangezogen. Die Studie ist übrigens für Interessierte kostenlos unter<a href="http://www.prodialog.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
www.prodialog.org</a> abrufbar.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Diese Studie leistet einen wichtigen Beitrag, moderne Wahlkampfmöglichkeiten, die sich auch für Deutschland ergeben können, vergleichend im französischen<br />
Präsidentschaftswahlkampf beobachten zu können.
</p>
<p>
<b>stift:</b> Glauben Sie, die Wahl der Medien war entscheidend für den Ausgang der Wahl?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Unterschiedliche soziale Gruppen haben ein unterschiedliches Medienverhalten. Dies gilt besonders in einem stark regulierten Medienmarkt wie in Frankreich. Für das Internet gesprochen, finden sich dort besonders hochqualifizierte und sozial aktive Menschen, die daher für die Wahlkampfplaner wichtige Kommunikatoren waren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Okay, wir haben zwei Sorten von Fragen verstärkt hier: Die einen fragen nach Übertragbarkeit der Studie auf andere Länder, die anderen Fragen wollen genaueres<br />
über den französischen Wahlkampf wissen. Wir fangen mal mit dem Frankreich-Wahlkampf an, um die Basis-Infos zu haben:
</p>
<p>
<b>SecretAgentMan:</b> Welche neuen Phänomene gibt es im französischen Internetwahlkampf?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt</b>: Es gibt eine sehr starke Konzentration auf web-basierte Video- und Fernsehangebote. Sarkozy schuf 17 eigene Kanäle unter einer Internetdomain, die sowohl ihn als Person, sein Programm als auch die Auseinandersetzung mit der Gegnerin beinhalteten. Quasi für jeden Geschmack ein Angebot. Damit umging Sarkozy den sehr stark normierten Fernsehwahlkampf und schuf einen eigenständigen TV-Kanal.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Spannend ist auch, dass beide Kandidaten das Thema Partizipation intensiv in ihrem Wahlkampf eingebettet haben. Ségolène sprach sogar von der partizipativen Demokratie.
</p>
<p>
<b>Fiona.fr:</b> Setzt ein Wahlkampf, der auf Dialogkommunikation und Online-Partizipation basiert, nicht eine partizipative politische Kultur voraus (wie sie in Frankreich verfassungsrechtlich verankert, in Deutschland jedoch begrenzt ist)? Wie glaubwürdig wären daher partizipative Elemente in deutschen Wahlkämpfen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Wir sehen parteienübergreifend auch in Deutschland den Trend zur Nutzung stärkerer partizipativer Elemente. Auch wenn die politische Kultur hierzulande sicher anders als in England oder Frankreich ist, so weiß doch die Politik, dass nur über eine Kommunikation, die Vertrauen schafft und Wähler stärker einbindet, erfolgreiche politische Kommunikation in der Zukunft gewährleistet werden kann.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt:</b> Ein Beispiel: In Frankreich existierten rund 40.000 Blogs zum Thema „Präsidentschaftswahlkampf&quot;. In Frankreich existiert eine reichhaltige Kultur an politischer Teilhabe und Kommentierung. Die Bürger wollen mitreden und Dialog zu den politisch Handelnden aufbauen. Das Internet kann dazu eine mögliche Brücke sein.
</p>
<p>
<b>globblo:</b> Royal hat mehr auf Partizipation gesetzt als Sarkozy &#8211; es scheint ihr nichts genützt zu haben. Oder hat es ihr sogar geschadet?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Meiner Meinung nach lagen bei Frau Royal andere Ursachen vor, zum Beispiel der interne Rückhalt in der Partei, Schwächen im Bereich Außenpolitik et cetera. Nichtsdestotrotz haben ihre politischen Gegner versucht, ihr hohes Maß an partizipativen Elementen als eigene Einfallslosigkeit darzustellen. Dennoch sehen wir auch beim Gewinner eine so hohe Zuwendung zum Dialog mit den Bürgern über alle Kanäle, dass deutlich wird, dass Partizipation und Dialog heutzutage unumgänglich<br />
sind.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt:</b> Royal hat es nicht verstanden, dem Wähler ein klares inhaltliches Profil anzubieten. Sarkozy hat zwar polarisiert, aber er hat auch mobilisiert &#8211; durchaus eine Lektion für Deutschland.
</p>
<p>
<b>uncle benz: </b>Hat Royal vielleicht einfach zu lange gewartet, bis sie ein ausgearbeitetes Programm präsentiert hat? Die Wähler mitentscheiden zu lassen ist ja ganz schön,<br />
aber gehörten zu den vertrauensbildenden Maßnahmen nicht auch eigene Standpunkte?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Guter Punkt und hier ist sicherlich einer der Kritikpunkte an der Strategie von Frau Royal.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Wer keinen eigenen Standpunkt hat, kann auch kein eigenes Angebot formulieren. Gerade als Sozialistin musste sie bestimmte soziale Themen ansprechen, die in ihrem Konzept von partizipativer Demokratie durchaus zu kurz kamen. Als Lektion kann man daher verstehen, eigene Angebote formulieren, aber trotzdem ein Höchstmaß an Beteiligung und Einbindung von Bürgern ermöglichen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein großer Teil der Fragen, die jetzt hier eingehen, fragen nach der Übertragbarkeit des französischen Wahlkampfes auf die Situation in Deutschland. Zunächst Frau Plehwe: Ist es übertragbar?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Wie immer im Leben ist eine Eins-zu-Eins-Kopie nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Aber ein genaues Hinsehen auf die bereits angesprochenen spannenden Elemente der Dialogmedien-Nutzung lohnt schon. Man darf auch nicht vergessen, dass Frankreich eine Rekordwahlbeteiligung verzeichnen konnte, wir in Deutschland aber immer weitere Tiefpunkte in der Wahlbeteiligung zu verzeichnen haben. Deswegen kommen auch wir Deutschen um die Umsetzung der Grunderkenntnis, dass Dialog mobilisiert, nicht herum.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Herr Voigt, wollen Sie ergänzen?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt:</b> Der französische Wahlkampf lehrt uns für die deutsche Perspektive vier Dinge: Erstens: Message over mechanics &#8211; Polarisierung und Emotionalisierung durch Themen und Person steigert das Interesse und die Wahlbeteiligung. Zweitens: Es kommt zu einer Konvergenz der Medien. Der kostengünstige Kommunikationskanal Internet bietet neue Möglichkeiten, alte Formate wie das Fernsehen zu erweitern. Drittens: Eine Vermittlung von Lebensstilen der Kandidaten trägt zur Personalisierung bei. Ob in zahlreichen selbst geschriebenen Büchern oder durch die Kamera ins Web übertragen: Die Kandidaten wählen geschlossene Kommunikationskanäle, um sich selbst vorzustellen. Viertens: Ein response-orientierter Dialogaufbau ermöglicht Hightech mit Hightouch, wo sich Online- und Offlinebereich gegenseitig ergänzen.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> &#8230; und sogar gegenseitig verstärken. Darüber gibt es auch entsprechende Studien.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nochmal Vergleich Deutschland-Frankreich:
</p>
<p>
<b>Knietschig:</b> Lassen sich die Voraussetzungen in Bezug auf Internetwahlkampf (Breitbandanschlüsse, Internetnutzung) vergleichen? Wer hatte die bessere Ausgangsposition für einen Internet-gestützten Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Übrigens zum gleichen Thema auch diese Frage:
</p>
<p>
june: Wie unterscheiden sich denn französische von deutschen Internetnutzern? Können Sie dazu was sagen?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Frankreich und Deutschland haben annähernd vergleichbare Voraussetzungen. Richtig ist, dass in Frankreich der Grad der Internetbeteiligung etwas höher liegt: Etwa 3,5 Millionen Franzosen betreiben regelmäßig ein Blog. Die Franzosen sind mit rund 150.000 regelmäßigen Nutzern in Second Life eine der größten drei Communities<br />
(zusammen mit den USA und Deutschland).
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Unterschiedlich sind auch die Parteien und die Nutzung ihrer Webseiten zu betrachten. In Deutschland, so zeigt eine aktuelle dimap-Studie, schneiden die Parteien leider schlecht bei denen ab, die politische Informationen im Internet suchen. Nur drei Prozent besuchen dafür die Webseiten der Parteien, das ist in Frankreich anders.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei Fragen zur Besonderheit des französischen Wahlkampfes und den auferlegten Sende-Restriktionen:
</p>
<p>
<b>sarko:</b> Laut Ihrer Studie sind in Frankreich die Möglichkeiten für einen Wahlkampf über Fernsehen und Print viel stärker reguliert als in Deutschland. Was könnte deutsche Politiker animieren, das Internet stärker für den Wahlkampf zu nutzen, wenn sie hier ihre Positionen übers TV verbreiten können und damit auch mehr potentielle Wähler erreichen?
</p>
<p>
<b>feunzt: </b>Das Internet ist in Frankreich auch deshalb so wichtig gewesen, weil es so restriktive Möglichkeiten gibt, für eine Partei zu werben. So ist die Zahl der Plakate und TV-Werbezeit streng reglementiert; im Internet ist das noch nicht der Fall. Ist das Internet deshalb so wichtig gewesen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Vollkommen richtig, genau das zeigt auch das Ergebnis der Studie, die ProDialog in Zusammenarbeit mit Blueberry erstellt hat.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Deutsche Politiker werden nach eigenständigen Möglichkeiten suchen, an den konventionellen Medien vorbei direkte Kommunikation zu betreiben. Dabei ist das Internet die kostengünstigste Alternative, die zudem einen response-orientierten Dialogaufbau ermöglicht.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Ein Kapitel der Studie beschäftigt sich auch mit Massen-Mailversendungen:
</p>
<p>
<b>globblo:</b> Direct Mail geht in Frankreich nicht, schreiben Sie in ihrer Studie. Wie ist das in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>In Deutschland ist das anders. Auch deswegen gewinnen die Parteien zunehmend Vertrauen in die Dialogformen Brief, Telefon und Internet.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Ohne diese direkte Kommunikation werden Parteien in Zukunft nicht effektiv mit ihren Wählern kommunizieren können, da die Streuungsverluste im Fernsehmarkt<br />
zu groß und zu teuer geworden sind.
</p>
<p>
<b>globblo:</b> Nochmal zu Direct Mailings: Deutsche Parteien haben hier noch Berührungsängste. Warum? Haben Adresshändler dem Thema ein „unseriös &quot;-Image verschafft?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Die deutschen Parteien sehen Direct Mailings als sinnvolle Ergänzung des bisherigen Kommunikationsmixes an. Zudem nutzen sie es schon in der regelmäßigen Mitgliederkommunikation.
</p>
<p>
<b>feunzt: </b>Was ist besser für Parteien: Daten für Mailings selber sammeln oder im großen Stil kaufen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Am sinnvollsten ist sicherlich eine Mischung. Innerhalb der Partei gibt es vielfältige Möglichkeiten der Datengenerierung. Aber auch außerhalb gibt es wertvolle Quellen zur Anreicherung und Erweiterung der Basis an Interessierten.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Deutsche Parteien kommen in vielfältigen Veranstaltungsformen mit dem Bürger in Dialog. Insofern wäre es nachlässig, nicht einen dauerhaften Kontakt mit einer Adressgewinnung aufzubauen. Zugleich können große Adressanbieter wie die Deutsche Post oder Schober Information Group spannende und wichtige Zusatzlieferanten sein.
</p>
<p>
<b>jockl-g:</b> Gibt es denn Parteien, die schon ein bisschen weiter sind in Deutschland als andere &#8211; in Sachen elektronischer Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Die Frage überlasse ich Frau Plehwe als „überparteiliche&quot; Chat-Diskutantin gern 😉
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Man sieht quer durch die Parteienlandschaft spannende und auch erste viel versprechende Ansätze .So haben zum Beispiel die Grünen bereits bei der letzten Bundestagswahl Partizipation im Hinblick auf die Parteiprogrammgestaltung ermöglicht, die FDP hat intensiv die verschiedensten Dialogmöglichkeiten zur Stärkung des Bürgerfonds genutzt, die CDU wiederum hat für die jungen Zielgruppen bei der letzten Wahl hoch innovative mobile Dialogangebote initiiert.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt:</b> Doch noch ein kurzer Einwurf: Die CDU hat bereits im Wahlkampf 2002 mit <a href="http://wahlfakten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> wahlfakten.de</a> eine internetbasierte Rapid-Response-Zentrale gehabt. Das haben sich sogar die amerikanischen Wahlkämpfer abgeschaut.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Schluss noch diese:
</p>
<p>
<b>melone: </b>Herr Voigt, was empfehlen Sie den deutschen Parteien für den nächsten Bundestagswahlkampf angesichts der Ergebnisse der Studie?
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Mut zur Emotionalisierung. Vertrauen in moderne Techniken. Und das Bewusstsein, dass der Bürger an der Politik teilhaben will.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo sehen Sie die Zukunft des Wahlkampfes, Frau Plehwe?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Ich kann die drei Punkte von Herrn Voigt nur bestätigen. Und aus der Kenntnis der Parteien heraus um den Punkt „Mut zum Inhalt&quot; ergänzen. Dialog braucht Inhalt und Kontinuität. In beiden Bereichen ist in Deutschland noch viel Luft nach oben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzer! Wir kommen zum Ende dieses Chats. Die Stunde ist schon wieder vorbei. Herzlichen Dank für Ihre Fragen! Das Transkript wird auf der Seite <a href="http://www.prodialog.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.prodialog.org</a> sowie auf der Seite www.politik-digital.de veröffentlicht, so dass Sie weitere interessiere Personen darauf hinweisen können. Sehr geehrte Frau Plehwe, sehr geehrter Herr Voigt: Auch an Sie ein herzliches Dankeschön dafür, dass Sie eine Stunde lang Fragen beantworteten! Ein kurzes Schlusswort?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Vielen Dank an alle Chatbesucher und unseren Moderator. Wir bleiben jetzt zunächst im beginnenden amerikanischen Wahlkampf mit unserem Wahlkampfblog am Ball.
</p>
<p>
<b>Mario Voigt: </b>Herzlichen Dank für die interessanten Fragen und für die rege Beteiligung! Es hat sich gezeigt, dass es in Deutschland ein hohes Interesse an modernen Wahlkampfformen gibt. Ich würde mich freuen, weiter mit Ihnen im Dialog zu bleiben. Herzlichen Dank an das Team von politik-digital.de!
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe: </b>Natürlich gerne auch bei einer der nächsten Live-Veranstaltungen der Initiative ProDialog!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Infostände und Wahlplakate reichen nicht mehr&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotinfostaende_und_wahlplakate_reichen_nicht_mehrquot-514/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Mar 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Politikverdrossenheit]]></category>
		<category><![CDATA[ProDialog]]></category>
		<category><![CDATA[Kerstin Plehwe]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span class="fett">
Frisch aus den USA zurückgekehrt, erklärte Kerstin Plehwe,
Vorsitzende der Initiative ProDialog, am 30.3. im ProDialog-Chat,
wie die US-Präsidentschaftskandidaten das Web 2.0 für ihren
Wahlkampf einsetzen und was deutsche Politiker gegen Politikverdrossenheit
tun können.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span class="fett"><br />
Frisch aus den USA zurückgekehrt, erklärte Kerstin Plehwe,<br />
Vorsitzende der Initiative ProDialog, am 30.3. im ProDialog-Chat,<br />
wie die US-Präsidentschaftskandidaten das Web 2.0 für ihren<br />
Wahlkampf einsetzen und was deutsche Politiker gegen Politikverdrossenheit<br />
tun können.</span></b><!--break--></p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zum ProDialog-Chat mit Kerstin Plehwe, Vorsitzende der Initiative<br />
ProDialog. Unser Thema ist heute Politikverdrossenheit und was man<br />
dagegen unternehmen kann. Frau Plehwe ist übrigens gerade von<br />
einer Studienreise aus Washington zurück, auf der sie die aktuellen<br />
Entwicklungen mit US-Wahlkämpfern und Experten diskutieren<br />
konnte.
</p>
<p>
<b>delphi:</b> Steigt die Politikverdrossenheit der Bürger<br />
in Zeiten der Großen Koalition?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Es kommt darauf an, an welchen<br />
Faktoren man Politikverdrossenheit abliest. Wir betrachten vor allem<br />
die Zahlen der Nichtwähler und die steigen massiv an. Nicht<br />
erst seit der Großen Koalition, sondern seit den 80er Jahren<br />
kontinuierlich.
</p>
<p>
<b>Undsonstso?:</b> Sollten unkonventionelle Formen politischer<br />
Partizipation, also Demonstrationen, Bürgerinitiativen, nicht<br />
stärker gefördert werden? So dass man merkt, dass so etwas<br />
auch wirklich Einfluss auf die Tagespolitik hat? Ich habe bis jetzt<br />
nur beim Irakkrieg miterlebt, dass die Politiker auf die Meinung<br />
der Menschen auf der Straße hören.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Der Vorteil an bürgerbetriebenen<br />
Verfahren ist ganz ohne Zweifel, dass der Bürger und die Bürgerin<br />
direkt erlebt, wie sie ihr Engagement und ihren Einfluss geltend<br />
machen können. In einer gesunden Demokratie sollte meiner Meinung<br />
nach ein „sowohl als auch&quot; realisiert werden.
</p>
<p>
<b>martina:</b> Viele meiner Freunde behaupten immer,<br />
dass sie nicht zur Wahl gehen, weil ihre Stimme eh nichts bringt<br />
und die Politiker sowieso machen, was sie wollen. Wie kann ich sie<br />
vom Gegenteil überzeugen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Es gibt viele gute Argumente,<br />
wählen zu gehen. Das beginnt im direkten Umfeld (Schule, Arbeitsstelle<br />
et cetera). Und es geht weiter in der Akzeptanz des Fakts, dass<br />
jede nicht abgegebene Stimme den unter Umständen ungewünschten<br />
politischen Kurs stärkt.
</p>
<p>
<b>lilalu:</b> Was kann man gegen Politikverdrossenheit<br />
denn tun? Was macht die Initiative ProDialog dafür?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Politikverdrossenheit oder genauer<br />
gesagt Politikerverdrossenheit ist ein Phänomen, wogegen konkret<br />
etwas unternommen werden kann. Die Initiative ProDialog hat beispielsweise<br />
eine Aktion in Rheinland-Pfalz mit über 300.000 potentiellen<br />
Nichtwählern durchgeführt und diese per Brief zum Urnengang<br />
animiert. Die Ergebnisse wurden ausgewertet und es wurde deutlich,<br />
dass mit der direkten und sehr konkreten Ansprache &#8211; übrigens<br />
in einem eher unpolitischen Ton &#8211; Menschen mobilisiert werden können,<br />
zur Wahl zu gehen.
</p>
<p>
<b>Blade77:</b> Welche Erfahrungen haben Sie eigentlich<br />
in puncto Politik und Partizipation(sprojekte)? Ist Ihnen das wirklich<br />
eine Herzenssache? Sie haben doch vorher vor allem für die<br />
Industrie gearbeitet und im Direktmarketing &#8211; und mit Demokratie<br />
hat das doch nicht so viel zu tun, oder?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Sie haben vollkommen recht. Zwischen<br />
Politik und Wirtschaft besteht in der Zielsetzung ein großer<br />
Unterschied. In der Wirtschaft geht es um den Abverkauf von Produkten<br />
oder Dienstleistungen, in der Politik um das Schaffen von Konsens<br />
und Vermitteln von Inhalten. <br />
Die Instrumente, die aber in beiden Bereichen eingesetzt werden<br />
können, so zum Beispiel die Instrumente des Direkt-Marketing,<br />
sind aber per se die gleichen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir einmal zu Kerstin Plehwes<br />
Aufenthalt in den USA.
</p>
<p>
<b>anfrank:</b> Hallo Frau Plehwe! Worum ging es denn<br />
bei der Konferenz, auf der Sie in Washington waren?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Die Konferenz war an der George<br />
Washington-Universität zum Thema „Politik online“<br />
und behandelte maßgeblich die neuen Instrumente und Anwendungsbereiche<br />
des Internet (vor allem des Web 2.0) für die politische Kommunikation.
</p>
<p>
<b>Kirelli:</b> Auf prodialog.org gibt es ein Blog über<br />
den US-Wahlkampf allerdings ohne Kommentarfunktion. Wieso wird an<br />
dieser Stelle der für Blogs typische Dialog verhindert?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Kommentare zum US-Wahlkampfblog<br />
sind durchaus möglich und erwünscht. Im Gegensatz zu anderen<br />
Blogs muss sich der Kommentierende aber einmal registrieren. So<br />
wollen wir den hohen Qualitätsanspruch der Leser erfüllen.
</p>
<p>
<b>FK017:</b> Was kann die deutsche Politik in Sachen<br />
Kommunikation von Amerika lernen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Vieles. Man darf aber nicht vergessen,<br />
dass das politische System und die Einstellung der Menschen zu Politik<br />
sehr unterschiedlich ist. Was im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf<br />
am meisten auffällt, ist der sehr professionelle Einsatz von<br />
Vodcasts und Web 2.0-Technologien.
</p>
<p>
<b>Obama:</b> Was halten Sie bis jetzt von dem Online-US-Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Zum einen gefällt mir ihr<br />
Benutzername 🙂 Zum anderen ist auffällig, dass fast alle<br />
Kandidaten den intensiven und breiten Dialog mit den Wählern<br />
forcieren.
</p>
<p>
<b>Militia:</b> Sie waren eben in den USA und haben den<br />
Wahlkampf beobachtet. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Internet<br />
wirklich? Haben Blogs oder YouTube-Videos auch einen Einfluss außerhalb<br />
der Blogosphäre?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Die Grenzen zwischen den Medien<br />
verschwinden immer mehr. Das sieht man zum Beispiel daran, dass<br />
Blogs auf CNN zitiert werden oder YouTube-Videos ihren Weg ins Fernsehen<br />
finden. Und das macht die Sache natürlich auch um so spannender.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>cjung:</b> Aus was bestehen denn diese Web-2.0-Technologien,<br />
die dort zum Einsatz kommen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Die Technologien per se sind nicht<br />
das eigentlich Neue. Sondern eher die Anwendung bestehender Technologien<br />
mit einem Fokus auf der deutlich stärkeren Einbindung des Internet-Nutzers<br />
und der Schaffung von Möglichkeiten für ihn, selber gestaltend<br />
aktiv zu werden.
</p>
<p>
<b>Christoph:</b> Was haben Sie von der Konferenz konkret<br />
mitgenommen, was Sie hier umsetzen können / wollen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Vieles, was nicht alles in einem<br />
einstündigen Chat diskutiert werden kann. Deswegen an dieser<br />
Stelle schon die Einladung zu einem Follow-Up bei ProDialog. Aber<br />
herausragende Themen waren aus meiner Sicht erstens die Nutzung<br />
persönlicher Netzwerke für politische Inhalte, zweitens<br />
das Thema politisches Entertainment (das politische Branding von<br />
Online-Spielen) und drittens der Blick über den Tellerrand<br />
von Web 2.0 hinaus. Hierbei wurde übrigens auch immer deutlich,<br />
dass es in der Medienwahl für die politische Kommunikation<br />
kein „entweder oder“, also on- oder offline, sondern<br />
ein „sowohl als auch“ geben wird.
</p>
<p>
<b>shoffmann:</b> Sie betonten den Einsatz von Web 2.0<br />
und deren Anwendung für die direkte Kommunikation der Politiker<br />
mit den Wählern. Was bedeutet das für den hiesigen Wahlkampf?<br />
Für die deutschen Politiker?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Das Web 2.0 eröffnet auch<br />
für die anstehenden Wahlkämpfe in Deutschland neue Möglichkeiten<br />
für die Interaktion zwischen Politiker und Wähler. Und<br />
mal sehen, wie das genutzt werden wird&#8230;
</p>
<p>
<b>obama:</b> Was halten Sie davon, dass Unterstützer<br />
von Obama die YouTube-Zahlen seiner Videos manipuliert haben (sollen,<br />
Anm. der Redaktion) &#8211; auch wenn die Macher davon nichts wussten.<br />
Wie geht man mit solchem Aktionismus um?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Meine Vermutung ist – leider<br />
&#8211; dass dies nicht der erste und auch nicht der letzte Fall von gut<br />
gemeintem, aber falschem Aktionismus ist. Rechnen wird sich dies<br />
in keinem Fall, denn in einer Welt der Kurzfristigkeit und extrem<br />
aufmerksamen Blogosphäre bleibt nichts unentdeckt.
</p>
<p>
<b>terrier07:</b> Hat Ihrer Meinung nach der Wahlkampf<br />
in Web-2.0-Zeiten das Auftreten der amerikanischen Politiker verändert?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Ja, aber das kam nicht nur durch<br />
das Web 2.0, sondern durch den Anstieg der Online-Mediennutzung<br />
und die gestiegenen Ansprüche der Menschen an Authentizität.<br />
Heutzutage haben aufgesetzte Images und hohle Kampagnenphrasen einen<br />
kurzen Lebenszyklus beim Bürger.
</p>
<p>
<b>Penny:</b> Glauben Sie, dass die Bürger sich<br />
durch Angebote im Internet mehr an der Politik aktiv beteiligt?<br />
Es gibt ja wirklich viele sehr gute Angebote im Netz, aber alle<br />
Umfragen zeigen, dass Politik das Letzte ist, was Leute sich im<br />
Internet angucken&#8230;
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Ja, das glaube ich. Entscheidend<br />
ist aber die Aufmachung und der Inhalt der Politik. Die große<br />
Aufgabe der Politik heute ist es, in den Lebenswelten der Bürger<br />
wieder präsent zu werden. Das ist nicht nur im Internet, aber<br />
auch dort.
</p>
<p>
<b>qwertz:</b> Bringt es eigentlich noch was nach Washington<br />
zu fahren, wenn man ungefähr alles über das Internet mitbekommen<br />
kann?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> 🙂 Das ist ungefähr so,<br />
als ob sie fragen, ob Internet-Dating genauso effektiv ist wie persönliches<br />
Dating. Das persönliche Gespräch und der Austausch wird<br />
&#8211; Spaß beiseite &#8211; heute leider oft in seiner Wichtigkeit unterschätzt.
</p>
<p>
<b>Gnudel:</b> Was können Politiker tun, um die<br />
Bürger mehr für Politik zu begeistern? Offener und zugänglicher<br />
werden? Helfen dabei die Medien?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Zum einen müssen Politiker<br />
lernen, die sehr komplex gewordenen Inhalte zielgruppengerecht aufzubereiten.<br />
Konkretes Beispiel: Die Vorteile einer Steuerreform sollte in einem<br />
ersten Schritt denjenigen näher gebracht werden, für die<br />
es relevant ist &#8211; sprich, die die Steuern zahlen &#8211; und nicht jeder<br />
Bürgerin und jedem Bürger unabhängig von Alter und<br />
Sozialsituation. Zum anderen muss der direkte Weg zu vielen Menschen<br />
gefunden werden. Es reicht eben nicht mehr, sich auf den Infostand<br />
und das Wahlplakat zu verlassen. Brief, E-Mail und Telefon sind<br />
solche Wege.
</p>
<p>
<b>ArenA:</b> Denken Sie, dass Onlinemedien gegen Politikverdrossenheit<br />
wirken? Warum?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Auch wenn mir keine wissenschaftlichen<br />
Ergebnisse hierfür bekannt sind, glaube ich, dass die Möglichkeit<br />
der Interaktivität und Crossmedialität des Internets gut<br />
dazu geeignet sind, Politikverdrossenheit abzubauen. Denn eines<br />
ist klar: Wer sich engagiert, sprich aktiv einbringt (und die Möglichkeit<br />
dazu hat), verliert die Distanz zur Politik.
</p>
<p>
<b>dollar: </b>Kerstin Plehwe Warum verfolgen Sie nur<br />
den US-Wahlkampf? In Frankreich ist doch auch ziemlich viel los.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Wir verfolgen viele Wahlkämpfe.<br />
Unter anderem die letzten Wahlkämpfe in England, aber auch<br />
den aktuellen in Frankreich. Die großen Trends sind spannenderweise<br />
länderübergreifend wiederzufinden.
</p>
<p>
<b>überwacher:</b> Was ist überhaupt „Dialogmarketing&quot;?<br />
Warum muss Dialog denn mit Marketing vereinigt werden?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Der Fachbegriff des Dialogmarketing<br />
beschreibt seit vielen Jahren den Bereich des Marketing, der von<br />
Agenturen oft „below the line&quot; genannt wird. Der Begriff<br />
beinhaltet alle Medien, die dem Empfänger die Möglichkeiten<br />
zum Response (zur Antwort) geben.
</p>
<p>
<b>Zumnorde:</b> Ist Politikverdrossenheit ein rein deutsches<br />
Problem? Wie sieht es zum Beispiel in den USA aus?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Es ist leider ein gesellschaftliches<br />
Phänomen, was in vielen Ländern festgestellt werden kann.<br />
Wenn wir auch hierbei wieder auf das Thema Nichtwähler schauen,<br />
stellen wir fest, dass der Anteil von Nichtwählern in den USA<br />
noch höher als in Deutschland ist. Wir dürfen aber nicht<br />
vergessen, dass das politische System in den USA (zwei Parteien)<br />
wenig Gefahr für von Rechts oder Links mobilisierbare Radikalpotenziale<br />
eröffnet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage:
</p>
<p>
<b>shoffmann:</b> Sie sprechen von Brief, E-Mail, Telefon.<br />
Letzteres ist im Allgemeinen untersagt, E-Mail-Kontakt kann leicht<br />
als Spam verstanden werden und Briefe landen schnell im Papierkorb.<br />
So ist ein Wahlkampf á la USA hier kaum möglich. Binden<br />
die Gesetze damit nicht die Politiker beziehungsweise Wahlkämpfer?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Man muss sehr genau innerhalb<br />
der Medien unterscheiden, welche Gesetzgebung trifft. Ein Brief<br />
zum Beispiel ist jederzeit erlaubt, eine E-Mail nur nach vorheriger<br />
Einwilligung. Ich persönlich glaube aber, dass der Trend insgesamt<br />
weiter wegführen wird von der werblichen Ansprache hin zur<br />
(gewünschten) Kommunikation beziehungsweise Dialogführung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Haben deutsche Politiker also weniger<br />
Möglichkeiten als die us-amerikanischen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Ja. Das ist leider so. Zumindest<br />
aus Sicht derjenigen, deren Aufgabe es ist, politische Inhalte zu<br />
vermitteln. Dennoch haben die deutschen Politiker eine Vielzahl<br />
von Möglichkeiten, die auch heute noch nicht ganz ausgeschöpft<br />
sind.
</p>
<p>
<b>Meike:</b> Welche Rollen spielen unabhängige<br />
Initiativen? Lassen sich die Bürger von solchen eher überzeugen,<br />
zur Wahl zu gehen als von den Parteien?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Initiativen aber auch Communities<br />
genießen oft ein höheres Vertrauen beim Bürger als<br />
die Politik. Gerade deswegen gilt es, sowohl entsprechende Initiativen<br />
zu stärken als auch der Politik zu helfen, verloren gegangenes<br />
Vertrauen wiederzugewinnen.
</p>
<p>
<b>Bodo:</b> Gibt es nicht auch sehr große Unterschiede<br />
im Verhalten der Generationen? Politiker kommen doch nur über<br />
neue Medien an junge Wähler.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Es ist ein weit verbreiteter Irrtum,<br />
dass die ältere Generation nicht im Internet vertreten ist.<br />
Anders sieht die Sache bei mobilen Medien und der Nutzung mobiler<br />
Dienste aus.
</p>
<p>
<b>fragender:</b> Hat die Politik überhaupt Interesse<br />
an Dialog mit dem Volk &#8211; was wollen Sie mit ihrer Initiative ausrichten?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Das Interesse der Politik am Dialog<br />
und am Bürger selbst erleben wir jeden Tag in Beratungsgesprächen<br />
oder Seminaren. Oftmals stehen allerdings interne Schwierigkeiten<br />
oder ganz einfach fehlendes Wissen dem medialen Dialog mit dem Bürger<br />
entgegen. Gewünscht wird er auf jeden Fall, denn auch der Politik<br />
ist klar, dass sie nur im Dialog die Politik der Zukunft gestalten<br />
werden kann.
</p>
<p>
<b>shoffmann:</b> Welche unausgeschöpften Möglichkeiten<br />
der Übermittlung politischer Inhalte sehen Sie?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Das beginnt beim Kandidatenbrief,<br />
also der Vorstellung des Kandidaten im Wahlkreis, geht weiter über<br />
eine zielgruppengerechte Kommunikation des Umweltministeriums zu<br />
anstehenden Klimaschutzaktivitäten, und endet noch lange nicht<br />
bei den besten Wünschen der Kanzlerin per E-Mail zum Jahresende.
</p>
<p>
<b>Blade77:</b> Hallo Frau Plehwe, wie finanziert sich<br />
eigentlich Ihre Organisation?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Wie auf der Website ersichtlich,<br />
werden wir aus der Wirtschaft finanziert (wofür wir dankbar<br />
sind). Unser Partner ist die Deutsche Post.
</p>
<p>
<b>dfg:</b> Wie sieht eigentlich ein Arbeitstag von Ihnen<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Wahrscheinlich ähnlich wie<br />
der von vielen von Ihnen. Massen von E-Mails, viele Meetings, spannende<br />
Beratungsgespräche mit Mitarbeitern aus Parteien oder Ministerien,<br />
und (mein Favorit) manchmal ein Glas Rotwein abends am Gendarmenmarkt.
</p>
<p>
<b>W-Lan:</b> Was fanden Sie bis jetzt die interessanteste<br />
Veranstaltung von ProDialog?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Schwierige Frage. Wir decken ja<br />
viele Themen ab. Von der direkten Demokratie in der Schweiz bis<br />
hin zu Videocasts im Wahlkampf und dem perfekten Spendenbrief für<br />
Parteien. Unsere Gäste haben aber die besten Bewertungen abgegeben<br />
für unsere Abendveranstaltungsserie „Kampagnenmacher<br />
im Dialog&quot;.
</p>
<p>
<b>Eple:</b> Ist es nicht etwas paradox, Politikverdrossenheit<br />
mit Dialogen entgegen zu wirken? Wenn kein Interesse an Politik<br />
besteht, wieso sollte dann Bereitschaft zur Kommunikation vorhanden<br />
sein? Erreichen Initiativen wie ProDialog nicht nur Menschen die<br />
sich sowieso schon beteiligen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Überhaupt nicht. Denn das<br />
Vogel Strauss -Phänomen bringt ja niemandem etwas. Viele Umfragen<br />
zeigen, dass die Bürger ein hohes Interesse am Dialog mit der<br />
Politik haben, aber (ganz spannend) vermuten, dass dort kein Interesse<br />
besteht. Diesem Irrtum kann und muss man abhelfen. Zudem bin ich<br />
fest davon überzeugt, dass der Bürger sehr wohl Interesse<br />
an einzelnen politischen Themen hat. Spätestens dann, wenn<br />
sie sein direktes Leben betreffen &#8211; zum Beispiel Kindergartengeld<br />
für Eltern mit Kindern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die letzten Frage für heute, die<br />
Zeit ist leider schon fast um:
</p>
<p>
<b>max:</b> Beraten Sie alle politischen Parteien gleichermaßen?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Hallo Max 🙂 Wir sind eine überparteiliche<br />
Initiative und beraten deswegen alle demokratischen Parteien gleichermaßen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, die Chatzeit ist fast um. Ein Schlusswort<br />
vielleicht noch?
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Gerne. Ich glaube wir stehen allesamt<br />
&#8211; ob Politiker, Kommunikationsberater oder Wähler &#8211; vor einer<br />
großen Aufgabenstellung, nämlich die Demokratie in Deutschland<br />
mit mehr Leben und Engagement zu füllen. Da nützt es nichts,<br />
wenn der schwarze Peter von einem zum anderen geschoben wird &#8211; zum<br />
Beispiel von der Politik zu den Medien und umgekehrt. Die großen<br />
anstehenden Aufgaben müssen in einem breit angelegten gesellschaftlichen<br />
Dialog gelöst werden. Und in dem dürfen nicht nur die<br />
(leider wenigen) derzeitigen Wähler eingebunden sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, das war der Chat für heute.<br />
Vielen Dank an alle Chatter und an Kerstin Plehwe von der Initiative<br />
ProDialog für das Beantworten der Fragen.
</p>
<p>
<b>Kerstin Plehwe:</b> Ich wünsche schöne Ostertage,<br />
viel Sonne und natürlich viele gute Dialoge.</p>
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