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	<title>Kinderschutz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Kinderschutz &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Kinderrechte ins Grundgesetz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Dec 2007 16:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschutz]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
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		<category><![CDATA[Kindergipfel]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Bundesregierung will Kinderrechte stärken. Wie das konkret aussehen soll, darüber berieten die Politiker am Mittwoch, 19. Dezember, auf dem diesjährigen &#34;Kindergipfel&#34;. Aus diesem Anlass war Georg Kohaupt vom Kinderschutzzentrum Berlin zu Gast im tagesschau.de-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Verantwortung von Eltern und Ärzten und gab Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn man Misshandlungen bemerkt. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesregierung will Kinderrechte stärken. Wie das konkret aussehen soll, darüber berieten die Politiker am Mittwoch, 19. Dezember, auf dem diesjährigen &quot;Kindergipfel&quot;. Aus diesem Anlass war Georg Kohaupt vom Kinderschutzzentrum Berlin zu Gast im tagesschau.de-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Verantwortung von Eltern und Ärzten und gab Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn man Misshandlungen bemerkt. <!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Herzlich willkommen im tagesschau-Chat! Am Tage des<br />
&quot;Kindergipfels&quot;, der eigentlich ein Routinetreffen von<br />
Kanzlerin Merkel mit den Länder-Ministerpräsidenten ist,<br />
beschäftigt uns heute das Thema &quot;Schutz von Kindern&quot;.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich dazu Georg Kohaupt,<br />
Psychologe und Familienberater beim Kinderschutzzentrum Berlin, der<br />
zugleich Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der<br />
Kinderschutzzentren ist. Vielen Dank, Herr Kohaupt, dass Sie sich<br />
Zeit für die Diskussion mit den Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de nehmen. Bitte bei Nachfragen an ein kurzes<br />
Stichwort denken, dann kann man die Fragen besser zuordnen. Können<br />
wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Ja natürlich, gerne!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/gkohaupt_150x130_1.jpg" alt="Gerhard Kohaupt, Kinderschutzzentrum Berlin" title="Gerhard Kohaupt, Kinderschutzzentrum Berlin" height="130" width="150" />
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="center">
<i>Gerhardt Kohaupt vom Kinderschutzzentrum Berlin </i>
</p>
<p>
<b>Harald:</b><br />
Gehört der Kinderschutz ins Grundgesetz, was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Der Kinderschutz ist schon im Grundgesetz und<br />
zwar im Artikel 6.
</p>
<p>
Dennoch<br />
denke ich, dass eine Aufnahme von weiteren Kinderrechten im<br />
Grundgesetz sinnvoll ist. Jetzt aber kommt es darauf an, den<br />
Kinderschutz finanziell und fachlich qualitativ gut auszustatten.
</p>
<p>
<b>Gollum:</b><br />
Halten sie das Treffen von Merkel und den Ministerpräsidenten<br />
heute für Aktionismus &#8211; was kann es bewirken?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Ich bin froh, dass es so viel öffentliche<br />
Anteilnahme am Kinderschutz gibt.
</p>
<p>
Ich<br />
hoffe, dass deutlich wird, dass Kinderschutz in den Kommunen und in<br />
den Ländern gut ausgestattet werden muss. Ich habe Angst, dass<br />
möglicherweise vorschnelle gesetzliche Schnellschüsse<br />
beschlossen werden, die dem Kinderschutz nicht dienlich sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Was wäre für Sie so ein Schnellschuss?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Zum Beispiel eine Meldepflicht für<br />
Kinderärzte bei Anhaltspunkten für Kindeswohlgefährdung<br />
in Richtung Jugendamt. Das Vertrauensverhältnis zwischen<br />
Kinderärzten und Familien könnte dadurch nachhaltig gestört<br />
werden, so dass Familien mit ihren Sorgen um ihre Kinder sich nicht<br />
mehr zum Kinderarzt trauen &#8211; aber auch die Familien, um die es im<br />
Kinderschutz geht, brauchen Ansprechpartner und Menschen, an die sie<br />
sich vertraulich wenden können. Notwendig ist viel mehr, dass<br />
Kinderärzte diagnostisch sicherer werden, wenn ein Kind in Not<br />
ist. Vor allem, dass sie mit deren Eltern vertrauensvoll, behutsam<br />
und zugleich bestimmt darüber sprechen, was ihnen Sorgen macht<br />
und sie zu Hilfe ermutigen.
</p>
<p>
<b>Orchid:</b><br />
Welche Verantwortung haben Ärzte? Was müssen sie<br />
unternehmen, wenn sie bei einem Kind zum Beispiel Untergewicht oder<br />
blaue Flecken feststellen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Erstens müssen sie es feststellen. Zweitens:<br />
Sie müssen mit den Eltern darüber sprechen, um zu sehen, ob<br />
man sich gemeinsam um das Wohlergehen des Kindes sorgen kann. Sie<br />
könnten mit den Eltern erarbeiten, was passieren muss, dass das<br />
Kind gedeihen kann. Wenn der Kontakt zu den Eltern abbricht, oder die<br />
Eltern bei der Hilfe nicht mitwirken, könnte man die Eltern noch<br />
einmal einladen und ihnen deutlich machen, dass man aus Verantwortung<br />
um das Kind seine Diagnose dem Jugendamt mitteilen muss, wenn man<br />
selbst mit seinem Latein am Ende ist. Wenn das Wohl eines Kindes<br />
gefährdet ist und die eigenen Handlungsmöglichkeiten<br />
erschöpft sind, haben Ärzte und alle anderen schon jetzt<br />
das Recht, das Jugendamt zu informieren.
</p>
<p>
<b>Manfred<br />
Brandl:</b> Sie haben Recht. Doch die Personen, die davon als<br />
Eltern betroffen sind, haben sowieso kein Vertrauensverhältnis<br />
zu einen Kinderarzt, da sie damit zugeben würden, dass sie nicht<br />
in der Lage sind ihre persönliche Situation &#8211; und damit die des<br />
Kindes &#8211; zu bewältigen.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Es gilt bei der politischen Debatte im Moment,<br />
dieses Vertrauensverhältnis nicht zu beschädigen. Das<br />
droht, weil Kinderärzte und andere als Wächter des<br />
Kindeswohles mit schnellen Meldepflichten gehandelt werden. Die<br />
Eltern, um die es hier geht, haben nach meiner Erfahrung sowohl Angst<br />
vor der Hilfe, sind misstrauisch und isoliert &#8211;  aber sie merken<br />
auch, dass sie Hilfe brauchen. Sie benötigen gute und<br />
vertrauensvolle Kinderärzte, die sich Zeit für sie nehmen<br />
und ihnen ein solidarisches Hilfsangebot machen. Dafür brauchen<br />
Kinderärzte selbst Aus- und Fortbildung für diesen<br />
schwierigen Kontakt zu diesen schwierigen Eltern und möglicherweise<br />
auch Fachleute, mit denen sie über ihre Erfahrungen sprechen<br />
können. Im Kinderschutzzentrum gibt es viele Familien, die den<br />
Weg zu uns über Brücken durch Kinderärzte finden.
</p>
<p>
<b>Lana:<br />
</b>Was ist mit den Kindern, die kein Arzt zu sehen bekommt?<br />
Meine Pflegetochter war mehr als 18 Monate (als sie ein bis drei<br />
Jahre alt war) weder krankenversichert noch bei einem Arzt!
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Was wir brauchen, ist ein einladendes System bei<br />
den Vorsorgeuntersuchungen. Was wir nicht brauchen, ist, dass die<br />
Kinderärzte in ein Zwangskontext gestellt werden. Bei den<br />
Eltern, die nicht zur Vorsorge kommen, muss die Jugendhilfe oder das<br />
Gesundheitswesen ein Angebot machen.
</p>
<p>
Sinnvoll<br />
ist es auch, die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen.<br />
Vorsorgeuntersuchungen sollen aber dem Wesen nach der gemeinsamen<br />
Sorge zwischen Arzt und Kindern dienen: Ist mein Kind auf einem guten<br />
Weg, entwickelt es sich gut, hat es Förderbedarf &#8211; und nicht zu<br />
einem Misshandlungs-TÜV werden. Das würde den Zugang zu den<br />
Vorsorgeuntersuchungen zusätzlich erschweren und dazu führen,<br />
dass Eltern mit der Haltung &quot;Hier muss ich etwas verbergen&quot;<br />
den Kinderarzt aufsuchen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Sie haben die Ausbildung von Kinderärzten genau für diesen<br />
schwierigen Bereich angesprochen. Verstehe ich Sie richtig, da fehlt<br />
es noch?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Ja. Beim Kinderschutz kommt es immer auf zwei<br />
Dinge an: Man muss erkennen, dass ein Kind in Not ist und man muss in<br />
den Kontakt mit den Eltern kommen. Diese Eltern haben oft schwere<br />
biographische Nöte, sind im Kontakt gestört, haben<br />
hochgradig Angst, wenn sie zum Beispiel mit einem Kinderarzt zu tun<br />
haben.
</p>
<p>
Nicht<br />
nur bei Kinderärzten, sondern insgesamt auch in der Jugendhilfe,<br />
ist der Aufbau eines vertrauensvollen Kontakts zu diesen Eltern das<br />
zentrale Problem. Insofern ist die Qualifizierung dieses Kontakts<br />
eine zentrale Aufgabe zur Verbesserung des Kinderschutzes.
</p>
<p>
<b>Name:</b><br />
Ist es nicht so, dass gerade Familien, die Hilfe brauchen würden,<br />
die vorhandenen Angebote nicht in Anspruch nehmen? Wie kann man<br />
selbst bei optimalen Hilfsangeboten sicherstellen, alle Eltern zu<br />
erreichen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Ich wäre zufrieden, wenn wir uns auf den Weg<br />
machen würden, mehr Eltern zu erreichen und für sie auch<br />
ausreichend und angemessene Hilfsangebote zu haben. Ansonsten gibt es<br />
in der Jugend- und in der Gesundheitshilfe eine Vielzahl von Ideen,<br />
besser mit Eltern in Kontakt zu kommen, in verschiedenen<br />
Lebensaltersstufen ihrer Kinder. Die traurige Realität ist, dass<br />
nach einem massivem Abbau von präventiven Hilfen jetzt einzelne<br />
Modellprojekte gefördert werden, von denen viele sinnvoll sind,<br />
aber gleichzeitig ist viel Bewährtes weggebrochen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Haben Sie ein Beispiel für den Abbau von präventiven<br />
Hilfen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Zum Beispiel gab es in Berlin die Kinder- und<br />
Jugendgesundheitsdienste, die früher flächendeckend<br />
Erstbesuche bei Neugeborenen gemacht haben. Diese präventive<br />
Hilfe und dieses Sich-frühzeitig-bekannt-machen &#8211; zu wissen,<br />
dass es dort Unterstützung gibt, ist soweit zusammengestrichen,<br />
dass der präventive Aspekt gar nicht mehr vorhanden ist. Und es<br />
gibt unzählige Beispiele aus anderen Städten und Kommunen.
</p>
<p>
<b>Student:<br />
</b>Die meisten Kinder werden schon in sehr jungem Alter<br />
misshandelt und vergewaltigt. Jedoch wissen sie nicht, dass dies<br />
nicht normal ist und dass ihnen theoretisch geholfen werden kann.<br />
Sollte nicht gerade durch frühe Aufklärung zum Beispiel in<br />
Kindergärten oder Grundschulen den Kindern diese Themen näher<br />
beigebracht werden? Dadurch könnte ihnen viel früher<br />
geholfen werden und schlimme psychische Schäden schon früh<br />
geheilt werden.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Kleine Kinder sind besonders schutzlos. Sich um<br />
diese Kleinen zu kümmern, ist eine der wichtigsten Aufgaben des<br />
Kinderschutzes. Sie können sich nicht selber schützen,<br />
sondern sie brauchen Menschen, die ihre Not wahrnehmen. Das sind z.B.<br />
Kinderärzte oder Erzieher und Erzieherinnen. Diese haben die<br />
Aufgabe, mit den Eltern über ihre Sorgen zu sprechen. Wenn das<br />
nicht gelingt und Kinder gefährdet sind, sind sie verpflichtet,<br />
das Jugendamt zu informieren. Seit zwei Jahren gibt es ein Gesetz,<br />
das Erziehern in Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen<br />
eine fachkundige Person zur Seite stellt, um die Gefahr für das<br />
Kind gut einzuschätzen und sie bei dem schwierigen Kontakt zu<br />
den Eltern zu beraten. Die Umsetzung dieses Gesetztes geht mir zu<br />
langsam und wird in vielen Ländern und Kommunen ausgebremst, da<br />
das möglicherweise Geld kostet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Wie sieht ihre Praxis im Kinderschutzzentrum Berlin aus? Welche<br />
Altersgruppe ist da die größte? Kleine, Jüngere<br />
oderndliche?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Im Kinderschutz-Zentrum Berlin haben wir Kinder<br />
aller Altersgruppen &#8211; das beginnt bei schwangeren Müttern und<br />
endet manchmal bei schon erwachsen Kindern. Zu uns kommen Kinder und<br />
Eltern aus eigener Not sowie Kinder und Eltern, denen eine Brücke<br />
gebaut worden ist (in der Kita oder beim Kinderarzt) und es kommen<br />
auch Familien über das Jugendamt, manche freiwillig aber die<br />
meisten mit einem gehörigen Druck.
</p>
<p>
Einen<br />
Schwerpunkt haben wir bei Müttern, wo der Aufbau einer ersten<br />
Bindung zu den Kindern nicht gut gelingt, beim Trotzalter, bei der<br />
Einschulung und weiteren Schulproblemen und bei Pubertätskonflikten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Kommentar von:
</p>
<p>
<b>Gabs:</b><br />
Sie gehen mir viel zu stark auf die Rechte der Eltern ein. Und darum<br />
müssen meiner Meinung nach die Kinderrechte ins Grundgesetz.<br />
Dort sind bislang nur Eltern und Familie geschützt, aber nicht<br />
die Kinder vor ihren Eltern.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Im Artikel 6 des Grundgesetzes ist die Erziehung<br />
Aufgabe der Eltern, aber auch eine Pflicht der Eltern. Weiter heißt<br />
es, dass über die Ausübung der elterlichen Sorge die<br />
staatliche Gemeinschaft wacht. Das bedeutet, dass die Jugendhilfe die<br />
Aufgabe hat, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu<br />
unterstützen und einzugreifen, wenn diese Unterstützung<br />
nicht funktioniert. Im Konflikt zwischen dem Elternrecht und dem<br />
Kindeswohl ist rechtlich eindeutig, dass das Elternrecht hinter dem<br />
Kindeswohl zurücktreten muss (§1666 BGB).
</p>
<p>
Aus<br />
Kindersicht ist zu sagen, dass Kinder in der Regel bei ihren Eltern<br />
bleiben wollen und dass daher eine wirksame Hilfe für das Kind<br />
vor allem in einem veränderten Verhalten und einer veränderten<br />
Beziehung zu den Eltern besteht. Darüber hinaus brauchen Kinder<br />
Förderung außerhalb der Familie und manchmal Angebote, die<br />
schwierigen Erfahrungen mit ihren Eltern zu verarbeiten. Und<br />
natürlich müssen Kinder auch von den Eltern getrennt<br />
werden, wenn diese das Wohl ihres Kindes gefährden. Aber selbst<br />
in der Trennung bleiben Eltern immer Eltern. Untersuchungen zeigen,<br />
dass die Art der Trennung und das Gelingen der Trennung wesentlich<br />
zum Erfolg eines Neuanfangs beiträgt, zum Beispiel in einer<br />
Pflegefamilie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Zweimal zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Kathi:<br />
</b>Die meisten Fälle von Kindesmisshandlung und<br />
Vernachlässigung betreffen wohl Familien in prekärer<br />
finanzieller Situation. Wie weit ist sind Überforderung,<br />
finanzielle Engpässe und Zukunftsunsicherheit Auslöser? Ist<br />
eine Politik für mehr soziale Gerechtigkeit nicht auch eine<br />
Politik für mehr Kinderschutz?
</p>
<p>
<b>Filber:<br />
</b>Gibt es eigentlich wirklich einen Zusammenhang zwischen<br />
Armut und Vernachlässigung von Kindern?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Ja. Ganz wichtig: Zwischen der Vernachlässigung<br />
von Kindern und Armut sowie sozialer Ausgrenzung besteht ein<br />
ursächlicher Zusammenhang. Dabei geht es nicht in erster Linie<br />
um das mangelnde Geld, sondern um den Verlust an Lebensperspektive<br />
und das Gefühl in dieser Gesellschaft nicht gebraucht zu sein.
</p>
<p>
Diese<br />
Rahmenbedingungen begünstigen sowohl depressive Entwicklungen<br />
als auch den Griff zum Alkohol. Das heißt, die Armut findet in<br />
der Geschichte der Eltern einen Platz.Das heißt, diese Eltern<br />
haben sich oft schon selbst aufgegeben, bevor sie die Sorge für<br />
ihre Kinder nicht mehr ausreichend leisten können.
</p>
<p>
Natürlich<br />
brauchen wir sozialpolitische Programme, die allen einen &#8211; nicht nur<br />
finanziellen ausgestatteten &#8211;  Platz in dieser Gesellschaft zuweisen.<br />
Zugleich brauchen gerade diese Kinder Förderung auch außerhalb<br />
des Elternhauses wie etwa einen frühzeitigen Kindergartenplatz.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Die Top-Frage aus unserem &quot;Warteraum&quot;:
</p>
<p>
<b>Dresdner:</b><br />
Was kann man tun, wenn man glaubt, in seiner Nachbarschaft<br />
Vernachlässigung zu sehen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Wenn man glaubt, Vernachlässigung zu sehen,<br />
wäre der erste Schritt, sich über die Einschätzung<br />
Sicherheit zu verschaffen. Das heißt, seine Sorgen mit seiner<br />
Familie zu besprechen, aber möglicherweise auch mit einem<br />
Fachmann. Das geht in einem Kinderschutzzentrum (telefonisch oder<br />
persönlich) oder anonym mit einem Jugendamt.
</p>
<p>
Der<br />
zweite Schritt ist zu überlegen, ob man selbst etwas tun kann<br />
oder will, um auf diese Familie zu zu gehen und möglicherweise<br />
eine Brücke zur Hilfe zu bauen. Oder vielleicht gibt es jemand<br />
anderen, der guten Kontakt zur Familie hat und mit ihr sprechen kann.<br />
Wenn diese Schritte nicht möglich sind, kann man bei<br />
gravierenden Sorgen das Jugendamt informieren, das dann seinerseits<br />
versucht, mit der Familie in Kontakt zu kommen und Hilfe anzubieten<br />
bzw. bei akuter Gefahr auch das Kind in Obhut nehmen muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Stimmen Sie diesem Leser zu?
</p>
<p>
<b>klaus005:</b><br />
Ich finde die Debatte verkürzt sich viel zu sehr auf die Frage<br />
einer Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Dabei geht wie so<br />
oft völlig verloren, dass so eine Aktion evtl. ein Beitrag zu<br />
einer Kinder- und Jugendarbeit sein kann. Lösen wird dies ein<br />
Kinderarmuts- oder Vernachlässigungsproblem nicht! Vielmehr<br />
wären dafür Maßnahmen notwendig, die Geld, Personal<br />
und Zeit kosten. Und da Kinder nun einmal kaum bis keine Lobby in<br />
Deutschland haben, wäre in meinen Augen eine<br />
Grundgesetz-Ergänzung zu diesem Zeitpunkt einzig und allein<br />
Augenwischerei und zum Wogenglätten geeignet. Vielmehr müsste<br />
sich die Debatte konzentrieren auf die erbärmlichen Budgets<br />
öffentlicher Hand für Kinder-und Jugendarbeit und<br />
Familienbetreuung. Aber vielleicht ist dieses Thema noch zu früh<br />
für die Öffentlichkeit, die gerade erst mal begreift, dass<br />
Kinder alles andere sind als lästig oder noch nicht reife<br />
Erwachsene.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Diesen Vorwurf teile ich. Wir brauchen sowohl<br />
einen Ausbau der Jugendämter als auch einen Ausbau der<br />
präventiven Hilfen und der Hilfen in Kinderschutzkrisen. In der<br />
gegenwärtigen Debatte ist von den Jugendämtern nur als<br />
Eingriffsbehörde die Rede, die bei akuter Gefahr wie die<br />
Feuerwehr zum Hausbesuch losfährt (das ist gewiss oft<br />
notwendig). Die Jugendhilfe als Anbieter von Hilfen, die mit offen<br />
Armen und offenen Türen die betroffen Familien einlädt und<br />
sagt, wir haben die richtigen Hilfen für euch, ist in dieser<br />
Debatte nicht präsent. Manche Jugendämter in Berlin zum<br />
Beispiel sagen: &quot;Dafür haben wir auch gar keine Zeit&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Können Sie einmal die Größenordnung benennen: Wieviel<br />
Geld fehlt? Brauchen wir doppelt so viel, dreimal so viel? Das ist<br />
sicher schwierig zu beantworten, aber um eine Vorstellung zu haben,<br />
wäre Ihre Einschätzung interessant.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Das kann man letztendlich nicht beantworten. Das<br />
Ausgestaltung der Jugendhilfe ist kommunale und Ländersache und<br />
der Mangel der Jugendhilfe unterscheidet sich auch von Kommune zu<br />
Kommune. Ich würde es selbst begrüßen, wenn es<br />
verlässliche Zahlen über die Entwicklung der<br />
Jugendhilfebudgets gäbe.
</p>
<p>
Im<br />
Kinderschutzzentrum Berlin &#8211; und das gilt auch für die anderen<br />
Kinderschutzzentren in Deutschland &#8211; haben wir mehr Zugang von<br />
Familien als wir bewältigen können. Zugleich haben wir<br />
viele neue Ideen, Zugänge zu verbessern oder präventive<br />
Angebote zu machen, für die wir kein Geld haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Ein zufriedenstellendes Ergebnis des &quot;Kindergipfels&quot; wäre<br />
also schon einmal: Mehr Geld für die Kinder- und Jugendhilfe?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Mehr Geld, mehr um Familien werben  &#8211; statt<br />
Maßnahmen und Kontrollen zu beschließen. Keine neuen<br />
Gesetze sind notwendig. Die Aufnahme von Kinderrechten ins<br />
Grundgesetz ist vielleicht mittelfristig für die Kinder<br />
sinnvoll. Qualitativer Kinderschutz braucht vor allem gute<br />
Bedingungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Unsere 60 Minuten tagesschau-Chat sind vorbei &#8211;<br />
herzlichen Dank, Herr Kohaupt, das Sie für den Chat Zeit hatten.<br />
Vielen Dank an alle Nutzer von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
für Ihr Interesse und die Fragen. Das war unser letzter fest<br />
geplanter Chat in diesem Jahr. tagesschau.de und politik-digital.de<br />
wünschen allen eine geruhsame und friedliche Weihnachtszeit und<br />
einen guten Rutsch!
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Das wünsche ich Ihnen auch!</p>
]]></content:encoded>
					
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			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir brauchen weltweite Mindeststandards</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/wir-brauchen-weltweite-mindeststandards-912/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[pstradtmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Dec 1998 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Provider]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Medienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Christine Bergmann]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Filtersoftware]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderpornografie]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschutz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/wir-brauchen-weltweite-mindeststandards-912/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr.
Christine Bergmann, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
im politik-digital-Interview über wirksame Maßnahmen zum Kinder- und Jugendschutz,
den Fall Felix Somm und die Verantwortung der Provider.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr.<br />
Christine Bergmann, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,<br />
im politik-digital-Interview über wirksame Maßnahmen zum Kinder- und Jugendschutz,<br />
den Fall Felix Somm und die Verantwortung der Provider.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Über wirksamen Kinder- und Jugendschutz im<br />
Internet wird viel diskutiert, wo sehen Sie als Ministerin für Kinder<br />
und Jugend konkreten Handlungsbedarf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bergmann:</b><br />
Die Entwicklung zur Informationsgesellschaft ist auch für Kinder und Jugendliche<br />
mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen verbunden. Sie müssen zum<br />
einen die Möglichkeit haben, die Chancen dieser Entwicklungen wahrzunehmen<br />
&#8211; zugleich müssen sie vor Gefährdungen geschützt werden. Der Kinder- und<br />
Jugendschutz im Multimediazeitalter stellt deshalb neue nationale und<br />
internationale Anforderungen. Nach meiner Überzeugung ist Medienkompetenz<br />
neben den Vorschriften des gesetzlichen Jugendmedienschutzes und den Maßnahmen<br />
der Freiwilligen Selbstkontrolle eine der wichtigsten Voraussetzungen<br />
für einen effektiven Jugendschutz in diesem Bereich. Deshalb ist die Vermittlung<br />
von Medienkompetenz an Eltern, Kinder und Jugendliche ein Schwerpunkt<br />
der Arbeit meines Hauses. Junge Menschen sollen lernen, zu problematischen<br />
Medieninhalten kritische Distanz zu wahren und zu einem eigen-verantwortlichen<br />
Umgang mit ihnen zu kommen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Was könnten Ihrer Meinung nach sinnvolle Schutzmaßnahmen<br />
sein? Sollten alle Provider zum Angebot von Filtersoftware verpflichtet<br />
werden? Sollte es staatliche Cyberpolizisten geben, die das Angebot kontrollieren?<br />
Oder sind andere Ansätze denkbar? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bergmann:</b><br />
Bei der Suche nach notwendigen Schutzmaßnahmen muß zwischen Straftaten<br />
einerseits und dem Kinder- und Jugenschutz andererseits unterschieden<br />
werden.Die Bekämpfung von Straftaten im Internet &#8211; und hier liegt mir<br />
die Bekämpfung von Kinderpor-nographie ganz besonders am Herzen &#8211; ist<br />
zu allererst Aufgabe der Strafverfolgungsbehör-den, das heißt, Aufgabe<br />
der Länder. Das Bundeskriminalamt wird hier überwiegend in seiner Zentralstellenfunktion<br />
tätig. Ihm obliegt unter anderem die Durchführung des nationalen und internationalen<br />
Nachrichtenaustausches &#8211; z.B. mit EUROPOL, INTERPOL &#8211; sowie die zentrale<br />
Sammlung und Auswertung aller verfügbaren Daten und Bilder aus dem In-<br />
und Ausland. Hier sind sich Bund und Länder darüber einig, daß zu den<br />
Aufgaben des Bundeskriminalam-tes als Zentralstelle auch gehört, im offenen<br />
Bereich des Internet anlaßunabhängige Recherchen durchzuführen. Stößt<br />
es bei seinen Recherchen auf konkrete Verdachtsfälle, so werden diese<br />
zur Bearbeitung an die zuständigen Landespolizeidienststellen weitergeleitet.<br />
Die Suche &#8211; z.B. nach Kinderpornographie &#8211; auch ohne eine Anzeige halte<br />
ich für einen sehr erfolgversprechenden Weg zur Bekämpfung dieser abscheulichen<br />
Verbrechen. Im übrigen tragen auch die Provider eigene Verantwortung,<br />
und wir setzen darauf, daß sie Filtersoftware freiwillig verwenden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Die Zuständigkeiten für den Kinder- und Jugendschutz<br />
im Internet sind unklar. Sowohl Polizei, als auch Bundesprüfstelle und<br />
Jugendschutz.net befassen sich mit dem Thema. Halten Sie eine Neuordnung<br />
der Kompetenzen für sinnvoll? Sollte es eine zentrale staatliche Institution<br />
geben? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bergmann:</b><br />
Für den Bereich des Jugendschutzes im Internet hat der Bund mit dem Informations-<br />
und Kommunikationsdienstegesetz aus dem Jahr 1997 bereits wichtige rechtliche<br />
Änderungen vorgenommen. Die Bundesregierung wird dem Bundestag darüber<br />
berichten, an welcher Stelle Anpassungs- und Ergänzungsbedarf besteht.<br />
Der Abstimmungsprozeß innerhalb der Ministerien ist derzeit im Gange,<br />
und ich möchte dem Ergebnis, das in 10 Monaten vorliegen wird, nicht vorgreifen.<br />
Aber Sie können versichert sein, daß ich alles tun werde, um zu erreichen,<br />
daß Kinder und Jugendliche vor jeder Art von Beeinträchtigungen und Gefährdungen<br />
geschützt werden. Zeitgleich mit diesem Gesetz des Bundes haben die Länder<br />
auf der Grundlage des Mediendienstestaatsvertrages in ihrem Zuständigkeitsbereich<br />
eine zentrale Stelle &#8211; Jugendschutz.net &#8211; eingerichtet. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Werden Sie als Ministerin sich mit einer eigenen<br />
(gesetzlichen) Initiative in die Debatte einschalten? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bergmann:</b><br />
Als Jugendministerin gehört es zu meinen Aufgaben alles dafür zu tun,<br />
daß unsere Kinder und Jugendlichen vor Gefährdungen geschützt werden.<br />
Deshalb werde ich mich selbstverständlich in die Diskussion einschalten<br />
und mich dort, wo Gesetzesänderungen notwendig werden, dafür einsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Der ehemalige Compuserve-Geschäftsführer Felix<br />
Somm ist wegen der Verbreitung von Kinderpornographie in erster Instanz<br />
verurteilt worden. Das Urteil und seine Begründung haben in Deutschland<br />
und vor allem im Ausland Widerspruch ausgelöst. Halten Sie die Verurteilung<br />
für gerechtfertigt? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bergmann:</b><br />
In diesem Fall läuft das Verfahren noch. Eine Bewertung ist erst nach<br />
Abschluß des Verfahrens möglich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Reicht angesichts der Globalität des Internets<br />
ein nationales Vorgehen zum Kinder- und Jugendschutz im Internet aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bergmann:</b><br />
Angesichts des grenzüberschreitenden Mediums Internet reichen nationale<br />
Maßnahmen natürlich nicht aus. Deshalb müssen sie durch internationale<br />
Maßnahmen flankiert werden. Unser Ziel muß die Schaffung eines internationalen<br />
Übereinkommens über Computer- und Datennetz-Kriminalität sein, in dem<br />
strafrechtliche Mindeststandards und einheitliche Rechtshilferegelungen<br />
weltweit verbindlich festgelegt werden. Weltweite Mindeststandards brauchen<br />
wir auch zur wirksamen Bekämpfung jugendgefährdender Netzinhalte. Darüber<br />
hinaus halte ich hier die Stärkung der Medienkompetenz, die Entwicklung<br />
von Filter- und Bewertungssystemen sowie die freiwillige Selbstkontrolle<br />
der Diensteanbieter für überaus wichtig. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> Das Interview mit<br />
Dr. Christine Bergmann führte Philipp Stradtmann</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Filter gegen Kinderpornos?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderpornografie]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Petra Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Computerkriminalität]]></category>
		<category><![CDATA[Pornografie]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Kinderschutz und Kriminalität: DIE WOCHE lud vier Experten zum digitalen
Streitgespräch über Freiheit oder Zensur</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Kinderschutz und Kriminalität: DIE WOCHE lud vier Experten zum digitalen<br />
Streitgespräch über Freiheit oder Zensur</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Herzlich willkommen zur ersten &#8222;virtuellen Podiumsdiskussion&#8220;<br />
der WOCHE. Nach den Funden elektronisch gespeicherter und über Online-Medien<br />
vertriebener Kindersex-Pornografie im niederländischen Zandvoort stellt<br />
sich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen digitalen Technologien und<br />
solchen kriminellen Handlungen. Zunächst quantitativ: Wie viel Prozent<br />
von allem, was übers World Wide Web, über Newsgroups*, Chatrooms* und<br />
E-Mails* ausgetauscht wird, lässt sich mit kriminellen Handlungen in Verbindung<br />
bringen, Herr Blottnitz? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Blottnitz:</b><br />
Zum Glück sehr, sehr wenig. 1 Prozent der Nutzung ist pornografisch und<br />
davon ist wiederum nur ein Bruchteil kinderpornografisch. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Stimmt das, Herr Richard? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Das sind auch unsere Erkenntnisse, aber trotzdem müssen wir das Thema<br />
ernst nehmen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Das tun wir auch! </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Lassen sich eindeutige Zusammenhänge zwischen kriminellen<br />
Handlungen und digitalen Technologien herstellen? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elke Wülfing:</b><br />
Nein, Kriminelle bedienen sich stets der modernsten Technologie, um ihre<br />
Ziele zu erreichen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Das sagt etwas über die Kriminellen. Was aber sagt es<br />
über die Technologie? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Allein in Deutschland gibt es Hunderte von Anbietern, die frei zugänglich<br />
strafbare Pornografie ins Netz stellen. Außerdem dient das Netz der extremistischen<br />
Szene als optimale Plattform für anti-demokratische Propaganda. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Lädt die Technologie durch ihre Schnelligkeit und die<br />
mögliche Anonymität zur Kriminalität ein? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Nein,<br />
unser Medium kann für einen Zwischenschritt missbraucht werden, ist aber<br />
auf keinen Fall die Ursache des Problems. Das Stichwort Anonymität ist<br />
aber wichtig. Irgendwann in der Kette der Handlungen wird allerdings die<br />
tatsächliche Identität sichtbar. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Aber technologische Neuerungen, das zeigt die Praxis, aktivieren stets<br />
bis dahin nur latent vorhandene kriminelle Veranlagungen oder bringen<br />
diese sogar erst hervor. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b>Welche Kanäle sind denn die gefährlichsten ­ das öffentliche<br />
World Wide Web, kommerzielle Online-Angebote, wie die von AOL, Compuserve<br />
und T-online, oder die Newsgroups*, etwa des Usenets*, also digitale schwarze<br />
Bretter? Oder sind es die Chatrooms*, in denen geplaudert wird, also schriftliche,<br />
kurze Nachrichten ausgetauscht werden? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Das www nimmt in der Gesamtheit sicherlich den kleinsten Platz ein. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Diejenigen, die sich strafbar machen, beispielsweise durch die Verbreitung<br />
von Kinderpornografie, wollen nicht erkannt werden und nutzen daher eher<br />
geschlossene Bereiche. Im frei zugänglichen Bereich finden sich allerdings<br />
auch strafbare Inhalte. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Vor allem Chat-Bereiche sowie das Usenet* gelten nach wie vor als hauptsächlicher<br />
Treffpunkt der Kriminellen. Der E-Mail*-Verkehr muss ganz ausgeklammert<br />
werden. Hier gilt einfach das Briefgeheimnis. Derzeit laufen allerdings<br />
Diskussionen, es bei Verdacht auf bestimmte Verbrechen wie Organisierte<br />
Kriminalität oder Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aufzulockern.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Welcher Meinung sind Sie, Herr Richard ? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Ich bin der Meinung, dass die Strafprozessordnung in mehreren Teilen den<br />
neuen Techniken angepasst werden sollte: z. B. durch den Einsatz verdeckter<br />
Ermittler und zusätzliche ,Telefonüberwachung&#8220; des E-Mail-Verkehrs beim<br />
Verdacht auf bestimmte Straftaten. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Das Netz ist kein rechtsfreier Raum; was im Offline-Bereich gilt, muss<br />
im Grundsatz auch online gelten. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Natürlich, aber die Frage ist doch, wie das durchgesetzt<br />
werden kann. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Im Netz ist es mitunter sehr schwierig, die Verursacher oder Verantwortlichen<br />
zu finden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Mit dem Multimedia-Gesetz und dem Mediendienste-Staatsvertrag* haben wir<br />
eine klare gesetzliche Grundlage geschaffen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Wenn in Deutschland gefährdende oder strafbare Angebote ins Netz gestellt<br />
werden, reichen die deutschen Gesetze aus. Allerdings haben wir bei der<br />
globalen Vernetzung Schwierigkeiten, alle in Deutschland strafbaren Inhalte<br />
auch in anderen Ländern zu verfolgen, weil etwa Rassismus in den USA nicht<br />
in der Weise verfolgt wird wie bei uns. Auch die Provider*, also die Betreiberfirmen,<br />
die Internet-Zugänge anbieten, müssen ihre Verantwortung ernst nehmen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Was erwarten Sie konkret von den Providern? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Die technischen Lösungen müssen von den Providern kommen, nicht vom Gesetzgeber.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Hier muss immer zwischen den beiden großen Themen Datenschutz und Ermittlung<br />
von Straffälligen unterschieden werden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> An die Provider: Warum ist es nicht möglich, einfach<br />
einen großen Filter gegen Kinderpornografie zu entwickeln? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Weil es im Moment rechtlich und technisch nicht möglich ist, einen Filter<br />
zu entwickeln, der ständig alles, was ausgetauscht wird, scannt* und Strafbares<br />
kennzeichnet. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Weil immer gilt, dass von Menschen beurteilt werden muss, ob ein Straftatbestand<br />
wie Kinderpornografie vorliegt. Die Sichtung ist durch keine Maschine<br />
zu ersetzen. Allerdings gibt es schon technische Hilfsmittel wie die jetzt<br />
vorgestellte ,Suchsoftware&#8220; Perkeo*, um Kinderpornografie zu finden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Internationale Zusammenarbeit ist wichtig, z. B. in der OECD, der EU und<br />
den UN. Unserer Meinung nach ist so ein Filter zu entwickeln, Ansätze<br />
­ z. B. PICS* ­ gibt es bereits. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Das Perkeo*-Programm des Hessischen Landeskriminalamtes scannt nur bereits<br />
bekannte Bilder ab. Es hat sich in der Praxis nicht als tauglich erwiesen,<br />
da es nach einem Prüfsummenverfahren arbeitet. Sobald auch nur ein Bit*<br />
verändert wird, greift das Programm nicht mehr. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Es gibt zwar Software, die feststellen kann, ob auf einem Bild Haut abgebildet<br />
wird oder nicht, aber ob diese Abbildung von Haut nun Straftatbestände<br />
erfüllt oder nicht, kann zur Zeit nur ein Mensch entscheiden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Wir haben festgestellt, dass Perkeo* ein wichtiges Hilfsmittel ist, weil<br />
viele bekannte kinderpornografische Fotos einfach gespiegelt sind und<br />
als neu verkauft werden. Das erkennt Perkeo. Im Umfeld findet man dann<br />
auch neue Fotos. Hier muss aber mehr getan werden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Wir erwarten von den Providern vor allem benutzerfreundliche Filtertechnologien<br />
und Kindersicherungen * </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
AOL hat heute ein System, welches Kinder schon sehr gut davor schützt,<br />
in hässliche Bereiche zu gelangen * </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
* z. B. bei Eingabe ,Porno&#8220;, ,XXX&#8220; usw. entsprechende Suchbefehle nicht<br />
ausführt. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Es<br />
muss aber zwischen dem Zugang zu diesen Inhalten und dem Handel unterschieden<br />
werden. Was den Zugang angeht, da ist AOL bereits sehr weit, beim Handel,<br />
der ausschließlich über E-Mail läuft ­ für die das Briefgeheimnis gilt<br />
­, fehlen allerdings die rechtlichen Mittel. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Der Handel wird nie ganz unterbunden werden können. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Lobenswert ist die Initiative, zur Suche krimineller Pornos Lotsen* einzusetzen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Über unsere Lotsen* unterstützen wir die Suche nach Kriminellen. Damit<br />
unterstützen wir aber nur die Behörden und ermitteln nicht selber. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Herr Blottnitz, ich denke auch, dass es nicht Ihre Aufgabe ist, Ihre Kunden<br />
zu überwachen. Aber die Zusammenarbeit mit Behörden und Institutionen<br />
sollte möglichst unbürokratisch sein. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Die Freiwillige Selbstkontrolle, wie z. B. die FSM*, ist ein Schlüssel<br />
zum Erfolg gegen Netzmissbrauch. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Wie kann sich die Politik auf freiwillige Selbstkontrolle<br />
verlassen? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Selbstkontrolle ist ein neues Zauberwort. Sie funktioniert nach unserer<br />
Erfahrungen aber nur, wenn mit den öffentlichen Stellen zusammengearbeitet<br />
wird, wenn es also doch Kontrolle gibt. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Freiwillige Selbstkontrolle allein reicht sicherlich nicht aus, deshalb<br />
haben wir ja einen entsprechenden rechtlichen Rahmen geschaffen und arbeiten<br />
auf internationaler Ebene mit unseren Partnern an einer besseren Ausstattung<br />
z. B. von Europol und der Justiz in der EU. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Leider wird der Datenschutz im Teledienste-Datenschutz-Gesetz (TDDG)*<br />
noch zu groß geschrieben. So sieht Art. 4 TDDG explizit einen anonymisierten<br />
Zugang von Kunden in die Datennetze vor. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Uns<br />
liegt aber auch der Datenschutz am Herzen. Auf keinen Fall wollen wir<br />
unseren Mitgliedern das Gefühl geben, dass sie überwacht werden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Wegen dieser Problematik ist das Gesetz auf dem Prüfstand (Evaluierung).<br />
Der Bundestag setzt auf praktische Erfahrungen, Mitte nächsten Jahres<br />
werden sie in einem ausführlichen Bericht ausgewertet. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Der Compuserve-Geschäftsführer Felix Somm wurde zu 2<br />
Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 100 000 Mark verurteilt.<br />
Der Münchner Amtsrichter stützt das Urteil auf eben dieses Multimedia-Gesetz?<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Es handelt sich um ein erstinstanzliches Urteil. Hier verbietet sich eine<br />
voreilige Bewertung. Eigentlich sind die Regelungen zur Verantwortlichkeit<br />
deutlich. Wir werden aber auch diese Regelungen im Rahmen der Evaluierung<br />
genauer unter die Lupe nehmen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Ich bin nicht sicher, ob die Verurteilung nicht deshalb so ausgefallen<br />
ist, weil zum Zeitpunkt der Untersuchungen das Informations-und-Kommunikationsdienste-Gesetz*<br />
noch nicht in Kraft war. Dessen Regeln sind eindeutig: Ein Anbieter ist<br />
verantwortlich, wenn er weiß, was er verbreitet, und wenn er technisch<br />
in der Lage ist, etwas dagegen zu tun. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Inzwischen ist die Urteilsbegründung ja bekannt. Der Richter urteilte<br />
so, weil Compuserve seinen Mitgliedern Newsgroups zur Verfügung gestellt<br />
hat, obwohl man wusste, dass dort Kinderpornografie verbreitet wird. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Muss ein Anbieter (AOL, T-online usw.) tatsächlich wissen,<br />
was er alles verbreitet? Und: Wie kann er das alles wissen? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Nein.<br />
Er ermöglicht zu diesen Inhalten nur den Zugang. Er kann es nicht wissen.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Das kommt darauf an * </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Im Bereich des Usenets* ist dies relativ einfach: Er kann explizit darüber<br />
entscheiden, welche News-Gruppen er seinen Kunden zur Verfügung stellt.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Klar ist, dass strafbare Inhalte im Usenet*, die man kennt, gesperrt werden<br />
müssen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Wenn eine Stelle den Anbieter informiert, muss dieser alle Möglichkeiten<br />
nutzen, die technisch machbar und zumutbar sind. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Aber wenn man nicht weiß, was gerade verbreitet wird, kann man nicht auf<br />
Verdacht vorgehen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Eine News-Gruppe mit der Bezeichnung alt.sex.paedophilia dürfte relativ<br />
eindeutig sein. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Es könnte sich bei dieser Newsgroup* auch um einen Raum handeln, in dem<br />
sich Opfer austauschen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
In solchen, meiner Meinung nach eindeutigen Gruppen muss sich der Provider*<br />
dann eben auch selbst darum bemühen, die Inhalte zu prüfen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Herr Blottnitz, ist es machbar, einen abgrenzbaren Rechner ­ in Japan<br />
oder sonstwo ­, auf dem Kinderpornografie liegt, zu sperren? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Nur wenn es sich um Angebote des Usenets* handelt, können wir die entsprechende<br />
Newsgroup* als ganze sperren ­ und wir tun das auch. Unser Problem dabei<br />
ist, dass sich diese Inhalte beliebig oft kopieren lassen und wir immer<br />
hinterherlaufen müssen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Herr Richard, was ist die rechtliche Grundlage Ihrer<br />
Online-Recherchen? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Für uns ist das jeweilige Polizeirecht des Bundeslandes die Grundlage<br />
zur präventiven Überwachung, zum Streife gehen auf dem Daten-Highway.<br />
</span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Bayern ist hier vorbildlich. Andere Länder sollten sich anschließen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Bei<br />
AOL können die Strafverfolgungsbehörden sich an die Lotsen* wenden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>MÜLLER: </b>Wir<br />
haben die Erfahrung gemacht, dass viele, vor allem kleinere Anbieter,<br />
die Gesetze nicht ausreichend kennen. Der Hinweis auf einen Verstoß reicht<br />
dann oft aus und sie verändern ihr Angebot. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Wir arbeiten mit den Behörden zusammen, aber verfolgen die Übeltäter nicht,<br />
das müssen die Behörden selbst machen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Würde ein automatisches Scannen* des digitalen Datenverkehrs<br />
das Grundgesetz verletzen? Würde dann noch gelten: Eine Zensur findet<br />
nicht statt? Wo bleibt die gepriesene Freizügigkeit im Cyberspace, wenn<br />
überall Blockwarte umherstreifen? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Es geht nicht um Blockwarte, sondern um Hinweise auf kriminelle Taten.<br />
Denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Dem<br />
schließen wir uns ausdrücklich an. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Bevölkerung auf Grund der letzten<br />
Ereignisse sensibilisiert ist und auf kriminelle Inhalte achtet. Tagtäglich<br />
gehen bei unserer Dienststelle Hinweise auf strafbares Material ein. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Auch Kinder, für die das Internet ein wichtiges Zukunftsmedium ist, haben<br />
Informationsfreiheit, können aber noch nicht mit allen Gefährdungen umgehen.<br />
Sie müssen besonders geschützt werden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Gerade für Kinder brauchen wir Filter, damit diese gefahrenfrei surfen<br />
können. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Eine Forderung an die Provider. Die Eltern werden mit dem Problem allein<br />
gelassen und sind meist überfordert. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Wir brauchen eine benutzerfreundliche Filtersoftware. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Also ,Kennwort Kindersicherung&#8220; versteht sogar meine Mutter. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Die Software darf aber nicht allein von den Anbietern kontrolliert werden.<br />
Dann ist Missbrauch nämlich nicht auszuschließen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Reden wir über Grauzonen: Was in Bayern als nicht korrekt<br />
gilt, wird andernorts im globalen Dorf womöglich als Ausdruck sexueller<br />
Freiheit aufgefasst. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Rainer Richard:</b><br />
Das kann ich nur bestätigen. Allein in Europa wird Pornografie völlig<br />
unterschiedlich aufgefasst. Was in Holland erlaubt ist, steht bei uns<br />
oder in anderen Ländern bereits unter Strafe. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Die Moralvorstellungen sind weltweit zu unterschiedlich. Deshalb brauchen<br />
wir ja individuelle Filter beim User*. Elternverantwortung ist gefragt.<br />
Im Straßenverkehr müssen Kinder erzogen werden, ebenso auf dem Daten-Highway.<br />
Staatliche Instanzen allein können das Problem nicht lösen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b>Ich<br />
unterscheide zwischen zwei Bereichen: 1. Wie schützen wir unsere Mitglieder,<br />
besonders die Kinder, davor, Zugang zu strafbaren Inhalten zu bekommen?<br />
Das haben wir im Griff. 2. Wie spüren wir strafbare Inhalte auf und machen<br />
sie unzugänglich? Wir versuchen ein System zu installieren, mit dem wir<br />
zumindest teilweise die Datenflut durchsuchen, das haben wir aber noch<br />
nicht gelöst und können es auch unmöglich allein. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Die Zusammenarbeit zwischen Anbietern und staatlichen Stellen muss besser<br />
organisiert werden. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Das ist mit FSM* bereits geschehen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Die FSM* benötigt derzeit sehr viel Zeit, um Beschwerden zu bearbeiten.<br />
Außerdem ist nicht transparent, wie sie das tut. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b><span style="color: #ff6600;">Die<br />
Woche:</span></b> Der Bundesforschungsminister hat einen Internet-Kodex<br />
gefordert, der Finanzminister eine Internet-Konvention. Wie kommt man<br />
im ,globalen Dorf&#8220; des Cyberspace zusammen, um gefundene Regeln auch einzuhalten,<br />
Regelverstöße zu ahnden ­ und die Schuldigen zu bestrafen? </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Petra Müller:</b><br />
Stellen wie <a href="http://www.jugendschutz.net/">Jugendschutz.net</a><br />
sollten in Europa vernetzt werden, so dass Beschwerden schnell an die<br />
richtige Adresse kommen. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Elka Wülfing:</b><br />
Wir sind mit allen relevanten internationalen Organisationen im Gespräch.<br />
Wir wollen auf der Unesco-Konferenz über ,Info-ethics&#8220;, die im Oktober<br />
in Monaco stattfinden wird, das Thema Kinderpornografie ganz oben auf<br />
die Tagesordnung setzen. Erste Schritte sind getan, weitere müssen folgen.<br />
Wenn es um Verbrechen an Kindern geht, lohnt sich jeder Aufwand. </span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif;"><b>Andreas von Plottnitz:</b><br />
Es dauert lange, und die Schritte sind klein, aber wir müssen dranbleiben.<br />
Wir können uns keineswegs zurücklehnen, bis das Netz in Verruf gerät.<br />
</span></p>
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