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	<title>Klaus Schroeder &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Klaus Schroeder &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Die Gewalttäter müssen nicht nur juristisch in die Schranken gewiesen werden&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Freitag, den 21. April, war Prof. 
Klaus Schroeder, Professor für Politikwissenschaft an der FU 
Berlin und Experte für Rechtsextremismus, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. </span>Er 
stellte sich den Fragen der User zu den aktuellen extremistischen 
Übergriffen und möglichen Ursachen der rechten Gewalt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Freitag, den 21. April, war Prof.<br />
Klaus Schroeder, Professor für Politikwissenschaft an der FU<br />
Berlin und Experte für Rechtsextremismus, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. </span>Er<br />
stellte sich den Fragen der User zu den aktuellen extremistischen<br />
Übergriffen und möglichen Ursachen der rechten Gewalt.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen zum tagesschau-Chat. Heute diskutiert mit Ihnen Professor<br />
Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin. Er hat sich<br />
intensiv mit dem Thema Rechtsextremismus und Jugendgewalt in Deutschland<br />
beschäftigt. Einen schönen Gruß an die Freie Universität,<br />
wo jetzt Prof. Schroeder auf die Fragen wartet. Vielen Dank, dass<br />
Sie Zeit für den Chat haben und die Frage: Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder: </b>Ja, wir können beginnen.
</p>
<p>
<b>hanniAusBerlin:</b> Ist rechtsextreme Gewalt Ihrer<br />
Erfahrung nach in den ostdeutschen Bundesländern tatsächlich<br />
häufiger oder wird das in den Medien überzogen dargestellt?<br />
Und woran könnte es liegen, wenn rechtsextreme Übergriffe<br />
im Osten öfter vorkommen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ja, in Ostdeutschland werden<br />
deutlich mehr rechtsextreme Übergriffe registriert. Dies liegt<br />
einerseits an den Nachwirkungen der DDR-Sozialisation, andererseits<br />
an den Erfahrungen im Vereinigungsprozess.
</p>
<p>
<b>H4n5:</b> Sind Sie der Meinung, dass Rechtsextremismus<br />
als Folge einer anerzogenen Verhaltensweise oder eher als Reaktion<br />
auf persönlichen Frust zurückzuführen ist, der auf<br />
der Perspektivlosigkeit einzelner Gruppen basiert?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Beide Ursachen überlagern<br />
sich, im Einzelfall dürfte einmal die Erziehung, bzw. das familiäre<br />
Umfeld und zum anderen auch die individuelle soziale Perspektivlosigkeit<br />
eine Rolle spielen. Aber in vielen Fällen handelt es sich auch<br />
um eine Provokation gegenüber einer Gesellschaft, die diesem<br />
Personenkreis keine Anerkennung verleiht.
</p>
<p>
<b>plexus: </b>Soziodemografische Faktoren spielen sicher<br />
auch eine Rolle. Glauben Sie, dass man den gewalttätigen Rechtsextremismus<br />
unter Kontrolle bringen könnte, gäbe es mehr Arbeit und<br />
Perspektive für die Jugend in Ostdeutschland?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Sicherlich könnte man durch<br />
verbesserte soziale Perspektiven den Rechtsextremismus etwas eindämmen,<br />
aber nicht völlig beseitigen, wie die Erfahrungen in anderen<br />
Ländern, wie bspw. in der DDR, zeigen. Dort gab es keine Arbeitslosigkeit<br />
und dennoch Jugendliche mit rechtsextremer Gesinnung und hoher Gewaltbereitschaft.
</p>
<p>
<b>TakaUshte:</b> Ist es nicht ein wenig einfach, immer<br />
auf die Folgen der DDR zu verweisen. Rechtsextremismus ist in Belgien<br />
zum Beispiel ein viel größeres Problem als in Deutschland,<br />
obwohl Belgien bekanntermaßen nichts mit der DDR zu tun hatte.
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ostdeutsche Jugendliche werden<br />
sicherlich mehr von der Geschichte ihres Landes als von den Verhältnissen<br />
in Belgien beeinflusst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal ähnlich:
</p>
<p>
<b>Arnulf Zwirnlein:</b> Sehr geehrter Herr Prof. Schröder,<br />
ist der Angriff in Potsdam ein Anzeichen ansteigender rechter Gewalt<br />
gewesen? Wie bewerten Sie diesen Vorfall?
</p>
<p>
<b>zelando75:</b> Es gab schon vorher ähnliche Fälle,<br />
warum erregt das jetzt erst so viel aufsehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> In Brandenburg sind rechtsextreme<br />
Gewalttaten im Jahre 2005 etwas zurückgegangen, sind dennoch<br />
immer noch auf sehr hohem Niveau. Gemessen an der Einwohnerzahl<br />
gibt es in Brandenburg den höchsten Anteil an Gewalttaten.<br />
Dieser Fall erregt zu Recht die Öffentlichkeit, da er in der<br />
Brutalität besonders grauenvoll war.
</p>
<p>
<b>placebo:</b> Ist Gewalt nicht ein gesamtgesellschaftliches<br />
Problem, das vielmehr mit einem mangelhaften Bildungssystem, fehlenden<br />
Freizeitangeboten und Gewaltverherrlichung in den Medien zu tun<br />
hat, als mit einer tatsächlichen rechtsextremen Einstellung<br />
der Täter?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ja, in vielen Fällen war<br />
die Gewaltbereitschaft zuerst vorhanden und die (diffuse) rechtsextreme<br />
Gesinnung kam erst später hinzu. Das scheint mir auch eine<br />
Folge der medialen Berichterstattung zu sein, da gewalttätige<br />
Jugendliche eine höhere negative Anerkennung erhalten, wenn<br />
sie ihre Gewalttaten gesinnungsmäßig unterlegen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In welchem Alter setzen sich den rechts-<br />
(oder auch links-) extreme Einstellungen bei Jugendlichen fest?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder</b>: Das Einstiegsalter in die jeweilige<br />
Szene liegt zum Teil schon bei 13 bis 14 Jahren.
</p>
<p>
<b>Klammeraffe:</b> Können Sie mir erklären,<br />
warum die Mitglieder des Rechtsextremismus oft gewalttätiger<br />
sind als die aus dem linksextremen Milieu? Oder irre ich mich da?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Die rechtsextremen Gewalttäter<br />
richten ihre Aggressionen gegen Personen, die sie als Feinde erklären,<br />
die Linksextremen dagegen sind öfter gegen die Polizei oder<br />
Eliten der Gesellschaft gewalttätig. In den letzten Jahren<br />
gibt es deutlich mehr rechtsextreme als linksextreme Gewalttaten,<br />
aber es gab schon Zeiten wo es umgekehrt war.
</p>
<p>
<b>zagQ:</b> In Ostdeutschland leben ja verhältnismäßig<br />
wenige Bürger ausländischer Herkunft. Würden Sie<br />
sagen, dass die Unkenntnis und vielleicht auch das Desinteresse<br />
an &quot;nicht-deutschen &quot; Kulturen einen entscheidenden Punkt<br />
in der rechten Gesinnung ausmachen. Könnte hier nicht die schulische<br />
Ausbildung eine Chance für das beidseitige Verständnis<br />
ermöglichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Das rechtsextreme Milieu rekrutiert<br />
sich zumeist aus bildungsfernen Schichten, bei denen die Schule<br />
kaum Einfluss hat. Ob der Kontakt zu Ausländern zu einem besseren<br />
Verständnis führt, ist spekulativ und hängt sicherlich<br />
von beiden Seiten ab. Die Gewalttätigkeit von Rechtsextremen<br />
richtet sich nicht nur gegen Ausländer, sondern auch Linke,<br />
Punks, Obdachlose etc.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal zum Thema Bildung durch &quot;Bild&quot;:
</p>
<p>
<b>jk85:</b> Ich denke, es ist zu einfach Rechtsextremismus<br />
nur auf gewaltbereite Kameradschaften zu reduzieren. Die Bild-Zeitung<br />
hetzt regelmäßig gegen Ausländer, vor allem gegen<br />
Muslime, mit überzogenen Negativdarstellungen. Was kann man<br />
denn gegen die Gefahr des unterschwelligen bürgerlichen Rassismus<br />
tun?
</p>
<p>
<b>Tim thr Jim:</b> Wie groß ist der Einfluss der<br />
Medien auf diese Entwicklung?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ob die Bild-Zeitung gegen harmlose<br />
Muslime hetzt, ist mir nicht bekannt. Der Unterschied zwischen gewaltbereiten<br />
islamistischen Extremisten und dem großen Teil der friedfertigen<br />
islamischen Bevölkerung sollte uns immer bewusst sein.
</p>
<p>
<b>Tafkadasom2k5:</b> Ich glaube, jk85 meint die &quot;Verallgemeinerungen<br />
&quot;, die die Bildzeitung über solche Gruppierungen schreibt.
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder: </b>Verallgemeinerungen sind immer<br />
falsch.
</p>
<p>
<b>hippommfrit:</b> Denken Sie nicht, dass es zu weniger<br />
rechtsradikalen Übergriffen kommen würde, wenn man bestimmte<br />
Tabuthemen offen diskutieren könnte?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ja, dem stimme ich zu. Die Rechtsextremen<br />
haben in der Vergangenheit sehr davon profitiert, dass bestimmte<br />
Themen in der öffentlichen Debatte tabuisiert waren.
</p>
<p>
<b>Hannover:</b> Und welche Themen sollen das sein?
</p>
<p>
<b>zelando75:</b> Welche Tabuthemen sind das denn, über<br />
die man nicht reden kann? Beispiele?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Die Frage des Verhältnisses<br />
zur eigenen Nation zum Beispiel, oder die hohe Kriminalitätsrate<br />
unter jugendlichen Ausländern.
</p>
<p>
<b>Kät:</b> Ist die Rechtstoleranz in Deutschland<br />
gestiegen? Ich habe den Eindruck, dass der Rechtsextremismus der<br />
Unterschicht entwächst und selbst in akademischen Bereichen<br />
ein Fundament erhält.
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Nein, diese Tendenz sehe ich<br />
nicht. Abgesehen von einigen &quot;intellektuellen&quot; Wortführern<br />
entstammt die rechtsextreme Szene, vor allem die gewaltbereite,<br />
zumeist aus unteren sozialen Schichten und erinnert eher an die<br />
SA.
</p>
<p>
<b>monse:</b> Muss man nicht zwischen Neonazi-Schlägern<br />
und rechten Parteien wie der NPD und DVU differenzieren?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Die gewaltbereiten Schläger<br />
haben oft nur ein diffuses rechtsextremes Weltbild und die rechtsextremen<br />
Überzeugungstäter werden nicht in dem Maße gewalttätig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hilft verbieten?
</p>
<p>
<b>Meyers:</b> Sind sie der Meinung, dass ein Verbot<br />
der NPD die Situation entschärft hätte, da dadurch die<br />
breite Basis für Rechtsextreme beseitigt wäre, oder dass<br />
sie sich zugespitzt hätte, da das Gedankengut in kleinen, unüberschaubaren<br />
Kameradschaften/Gruppierungen weiterexistiert hätte?
</p>
<p>
<b>Birgit32:</b> Halten Sie ein Verbot rechtsextremer<br />
Parteien für sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ein Verbot der NPD wird das Problem<br />
rechtsextremer Gewalt nicht beseitigen, es könnte aber gerade<br />
Jugendlichen signalisieren, wo die Grenzen in einer demokratischen<br />
Gesellschaft liegen.
</p>
<p>
<b>MaikGruen:</b> Wie beurteilen Sie die Aussage des<br />
Bundesinnenministers Schäuble, dass auch blonde, blauäugige<br />
Menschen Opfer von Gewalttaten werden, zum Teil auch von Tätern<br />
nicht deutscher Staatsangehörigkeit, was auch nicht besser<br />
sei. Leisten solche Äußerungen nicht dem Rechtsextremismus<br />
in Deutschland Vorschub?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Nein, solche Äußerungen<br />
leisten dem Rechtsextremismus keinen Vorschub, denn selbstverständlich<br />
werden auch Deutsche Opfer von rechtsextremen Gewalttaten. Wir sollten<br />
das Problem der Gewalttätigkeit in der Gesellschaft nicht auf<br />
den Rechtsextremismus oder das Verhältnis von Deutschen zu<br />
Ausländern reduzieren.
</p>
<p>
<b>Nachdenklicher:</b> Findet die Abgrenzung der Politik<br />
gegenüber dem Rechtsextremismus Ihrer Meinung nach klar genug<br />
statt?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Ja, die Parteien grenzen sich<br />
deutlich vom Rechtsextremismus ab. Strittig ist allenfalls, was<br />
unter Rechtsextremismus verstanden wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal zum Thema, wie uns andere Menschen<br />
sehen:
</p>
<p>
<b>frisch6:</b> Wie schätzen Sie die Reaktionen<br />
des Auslandes ein? Eine nigerianische Handelsdelegation hat ihre<br />
Reise storniert. Ist das die richtige Antwort?
</p>
<p>
<b>Deutschland:</b> Was bedeutet der Mordversuch für<br />
die deutsche Politik und für das ganze Land? Mit welchen Reaktionen<br />
aus dem Ausland rechnen Sie?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Die Reaktionen aus dem Ausland<br />
halte ich zum Teil für überzogen, denn schließlich<br />
gibt es solche Übergriffe auch in anderen Ländern. Wenn<br />
Politik und Öffentlichkeit, wie im Potsdamer Fall geschehen,<br />
deutliche Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt setzen, dürfte<br />
das nicht vorurteilsmotivierte Ausland die Angelegenheit gelassener<br />
sehen. Es muss jedoch deutlich werden, dass es keine Toleranz gegenüber<br />
dieser Gewalt in Deutschland gibt.
</p>
<p>
<b>zelando75:</b> Wie gut organisiert sind Rechtsextreme?<br />
Sind solche Angriffe geplanter Natur oder geschehen sie spontan?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder: </b>Diese Gewalttaten geschehen zumeist<br />
spontan unter Alkoholeinfluss. Die Täter sind aber gewaltbereit<br />
und warten oft nur auf Anlässe, Gewalt auszuüben.
</p>
<p>
<b>BWL-Student:</b> Viele Brandenburger sagen mir, ihnen<br />
fehle der gesellschaftliche Zusammenhalt, eine gemeinsame Sache,<br />
Solidarität. Kann nicht aus dies dazu führen, dass die<br />
Jugendlichen so besonders anfällig sind für rechte Gruppengefühle?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Anscheinend fehlt es in Brandenburg<br />
und anderswo an einer stabilen zivilen Gesellschaft, die diese Jugendlichen<br />
von ihrem Handeln abhält. Allerdings ist auch in Brandenburg<br />
die breite Mehrheit der Bevölkerung gegen Gewalt und Rechtsextremismus.<br />
Es wäre falsch, die Brandenburger oder die Ostdeutschen insgesamt<br />
hierfür verantwortlich zu machen.
</p>
<p>
<b>ölkh</b>: Was sind Ihrer Meinung nach wirksame<br />
Maßnahmen, um gegen die Ausbreitung rechten Gedankenguts und<br />
der Naziszene vorzugehen?
</p>
<p>
<b>mjolk</b>: Es entsteht der Eindruck, dass die bisherigen<br />
Maßnahmen gegen den jugendlichen Rechtsextremismus nicht ausreichend<br />
waren. Brauchen wir neue Strategien? Falls ja: Wie könnte eine<br />
neue wirksame Strategie Ihrer Ansicht nach aussehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Da es in vielen Ländern<br />
eine zum Teil breite rechtextreme Szene gibt, unabhängig von<br />
den jeweiligen Gegenmaßnahmen, gibt es kein Patentrezept gegen<br />
die Ausbreitung rechtsextremen Gedankenguts. Nur wenn auch in der<br />
kleinen Gemeinschaft, in der Familie, im Bekanntenkreis, etc schon<br />
im Ansatz hiergegen argumentiert wird, gibt es eine Chance der Begrenzung.
</p>
<p>
<b>arzt-im-einsatz:</b> Müssen nicht schon die Schulen<br />
verstärkt gegen rechtsextremes Auftreten bei Jugendlichen einschreiten?<br />
Wie könnte man denn hier vorgehen, wenn z.B. Schüler mit<br />
Nazi-Kleidung in die Schule kommen oder Nazi-Parolen loslassen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Mit Verboten erreicht man zum<br />
Teil nicht viel oder sogar das Gegenteil, jedenfalls bei den Jugendlichen,<br />
die mit der Kleidung provozieren wollen. Ein gelassener Umgang mit<br />
diesen Jugendlichen scheint mir angebrachter als Verbote. Werden<br />
diese Jugendlichen ignoriert oder lächerlich gemacht, dürfte<br />
die Wirkung größer sein. Dies gilt allerdings nur bei<br />
Jugendlichen, die nicht gewalttätig sind. Die Gewalttäter<br />
müssen nicht nur juristisch in die Schranken gewiesen werden.<br />
Leider hat die Justiz in den ersten Jahren nach der Vereinigung<br />
durch milde Urteile gegen rechtsextreme Gewalttäter potentielle<br />
Mitläufer nicht abschrecken können.
</p>
<p>
<b>Babsi:</b> Ich bin gerade die Chronik der rechtsextremen<br />
Gewalttaten im Osten (auf www.ard.de) durchgegangen, dabei ist mir<br />
aufgefallen, dass gerade bei Todesfällen die Täter mit<br />
&#8211; aus meiner Sicht &#8211; recht milden Strafen davongekommen sind (um<br />
die vier Jahre).Glauben Sie, dass da ein härteres Strafrecht<br />
die Gewaltbereitschaft vermindern könnte?
</p>
<p>
<b>Birgit32:</b> Welches Strafmaß halten Sie in<br />
einem solchen Fall wie in Potsdam für angemessen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Gesetze müssen nicht verändert<br />
werden, denn schon jetzt sind hiernach härtere Strafen möglich.<br />
Sollte es sich beim Potsdamer Fall um einen Mordversuch handeln,<br />
bzw. sollte das Gericht dies beweisen können, halte ich die<br />
Höchststrafe für angemessen.
</p>
<p>
<b>andereralias:</b> Wie geht man mit jugendlichen Nachbarn<br />
um, die offenbar familiär in rechtsextremen Verhältnissen<br />
aufwachsen, selbst aber sehr intelligent zu sein scheinen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Das hängt vom Einzelfall<br />
ab. Man sollte versuchen, falls dies möglich ist, diese Jugendlichen<br />
dem Einfluss ihres familiären Umfeldes zu entziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie könnte das konkret aussehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Indem z.B. mit dem Jugendlichen<br />
auch über sein Elternhaus und den Diskussionen dort gesprochen<br />
wird.
</p>
<p>
<b>tu:</b> Mein Kind ist in die rechtsradikale Szene<br />
abgerutscht! Was soll ich tun?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Versuchen Sie, mit Freunden ihres<br />
Kindes, die nicht rechtsextrem sind, zu sprechen und sie zu bitten,<br />
ihr Kind zu beeinflussen. Es sind zumeist Peergroups, in die Jugendliche<br />
geraten. Wenn es gelingt, sie in andere Gruppen zu integrieren,<br />
legen sie auch schnell die zumeist nur oberflächliche Gesinnung<br />
ab. Der Einfluss der Eltern scheint bei einem gewissen Alter der<br />
Kinder nur sehr begrenzt zu sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was genau verstehen Sie unter Peergroups?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Peergroups sind Gruppen von Gleichaltrigen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn es nicht das eigene Kind betrifft:
</p>
<p>
<b>Fabian:</b> Was kann der einfache Bürger im Alltag<br />
tun, ohne große Demos organisieren zu müssen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Er kann und sollte, wenn er rechtsextreme<br />
Argumentationen hört, sofort verbal Gegenposition einnehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie wichtig ist Zivilcourage. Sollte<br />
man eingreifen oder lieber die Polizei rufen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Eingreifen sollte man nur, wenn<br />
man sich nicht selbst in Gefahr begibt. Ansonsten ist es sinnvoller,<br />
die Polizei zu rufen oder gemeinsam mit anderen zu handeln. Alleingänge<br />
bewirken angesichts der Kontrahenten oft nichts, bzw. gefährden<br />
die eigene Gesundheit.
</p>
<p>
<b>Studentica: </b>Wie beurteilen Sie die &quot;Abschwächung&quot;<br />
der äußeren Erkennbarkeit von Neonazis? Man kann das<br />
ja in vielen Fällen gar nicht mehr &quot;äußerlich<br />
&quot; erkennen.
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Diese Leute sind erst an ihren<br />
Äußerungen zu erkennen, da sie ja nur ihre Kleidung aber<br />
nicht ihre Gesinnung ablegen. Generell sollte man aber vorsichtig<br />
sein, Personen nach ihrem Äußeren gesinnungsmäßig<br />
einzuordnen.
</p>
<p>
<b>Meyers:</b> Könnten sie bitte einmal auf Hooligans<br />
eingehen, und inwieweit diese dem Rechtsextremismus zuzurechnen<br />
sind, bzw. wie diese Bewegung zustande gekommen ist?
</p>
<p>
<b>Pesa:</b> Besteht die Gefahr, dass Rechtsradikale<br />
sich die WM als Bühne suchen?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Hooligans entstammen zumeist<br />
den Mittelschichten und wollen ihre Aggressionen gewaltsam ausleben.<br />
Zwar gibt es Überschneidungen zum rechtsextremen Milieu, aber<br />
die meisten Hooligans sind keine &quot;Gesinnungstäter&quot;.<br />
Rechtsextremisten werden sicherlich versuchen, die WM als Bühne<br />
für ihre Propaganda zu nutzen. Das müssen Polizei und<br />
Bevölkerung gemeinsam unterbinden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Fußball ist ja cool, daher liegt<br />
die Frage nahe:
</p>
<p>
<b>Hans Erdling:</b> Nach meiner Beobachtung liegt der<br />
Tätigkeitsschwerpunkt in der Bekämpfung des Rechtsextremismus<br />
nach wie vor in der Information von (potentiellen) Problemgruppen.<br />
Ich zweifle daran, dass sich junge Männer (aus bildungsfernen<br />
Schichten) von Informationen beeindrucken lassen. Vielmehr müsste<br />
es attraktive, identitätsstiftende Alternativangebote geben,<br />
die auch &quot;in &quot; und &quot;cool &quot; sind, oder?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Rechtsextreme Gewalttäter<br />
sind sicherlich schwer zu beeinflussen, aber die Aussteigerprogramme<br />
z.B. zeigen erste Wirkungen. Wichtiger scheint mir, dass die Gewaltprävention<br />
schon im frühen Kindesalter beginnt, denn die meisten Gewalttäter<br />
sind schon als kleine Kinder durch Aggressionen und Gewaltbereitschaft<br />
auffällig geworden. Die Gesinnung haben sie sich erst später<br />
zugelegt. Die meisten rechtsextremen Gewalttäter haben nur<br />
ein diffuses Weltbild.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt, wer sich um &quot;auffällige&quot;<br />
Kindergartenkinder besonders kümmert, verhindert möglicherweise,<br />
dass diese sich später rechtsextremen Ideologien zuwenden?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Er verhindert zumindest, dass<br />
diese Kinder später gewalttätig werden.
</p>
<p>
<b>italienfan:</b> Einerseits fordert die Politik mehr<br />
Integration, andererseits gründet z.B. Frau von der Leyen ein<br />
Bündnis zur Werteerziehung nur mit den christlichen Kirchen.<br />
Fördert eine solche Politik nicht gegenseitige Ablehnung und<br />
Vorurteile?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Die Werteordnung unserer Gesellschaft<br />
beruht auf abendländisch -christlichen Wertvorstellungen. Sie<br />
sind auch in unserem Grundgesetz verankert. Diese Werte zivilen<br />
Zusammenlebens müssen stärker vermittelt werden, ob mit<br />
oder ohne Kirche.
</p>
<p>
<b>Jorges:</b> Sollte gegen rechtsradikale Schriften<br />
und Webseiten härter vorgegangen werden als jetzt? Sehen sie<br />
in diesen eher eine Gefahr oder eine gute Grundlage zur politischen<br />
Auseinandersetzung?
</p>
<p>
<b>Klaus Schroeder:</b> Gesinnung verbal oder schriftlich<br />
vorgetragen ist nicht strafbar und kann nur die Grundlage für<br />
politische Auseinandersetzungen sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Vielen Dank für Ihr Interesse. Jede Menge Fragen übrig.<br />
Herzlichen Dank, Herr Prof. Schroeder für das interessante<br />
Gespräch. Am kommenden Donnerstag, den 27. April, chatten wir<br />
ab dreizehn Uhr mit DGB-Chef Michael Sommer. Der Chat mit SPD-Generalsekretär<br />
Hubertus Heil am kommenden Montag musste leider abgesagt werden.<br />
Das Protokoll dieses Chats gibt es in Kürze zum Nachlesen auf<br />
den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de. Das tagesschau-Chat-Team<br />
wünscht allen noch einen schönen Frühlingstag!
</p>
<p><b>Klaus Schroeder:</b> Ebenfalls vielen Dank für<br />
die rege Teilnahme und die interessante Diskussion.</p>
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