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	<title>Klimawandel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Klimawandel &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Die Welt retten? Ein Kinderspiel!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Feb 2017 10:34:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ein Tag als UN-Katastrophenhelfer oder doch eher syrischer Flüchtling? Mit den “Serious Games” ist genau dies möglich. Spiele, die politische- [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2017-02-02-um-15.02.11.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-151235 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2017-02-02-um-15.02.11-630x497.png" alt="" width="630" height="497" /></a><strong><span style="font-weight: 400;">Ein Tag als UN-Katastrophenhelfer oder doch eher syrischer Flüchtling? Mit den “Serious Games” ist genau dies möglich. Spiele, die politische- und gesellschaftskritische Themen vermitteln wollen, verbreiten sich zunehmend im Netz. Doch gerade in Anbetracht der Häufung humanitärer Krisen in den letzten Jahren stellt sich die Frage: steigern die Spiele Empathie und Mitgefühl oder sind sie ethisch bedenklich? </span></strong></p>
<p><i><span style="font-weight: 400;">Diego hat sich verletzt. Du hast nun drei Möglichkeiten: ihm deine letzte Medizin zu geben, mit ihm weiterzulaufen, oder ihn zurückzulassen. Was möchtest du tun?</span></i> <span style="font-weight: 400;"><br />
</span><span style="font-weight: 400;">Ratlos sitze ich vor meinem Bildschirm. Gebe ich ihm meine letzte Medizin, haben wir keine Reserven mehr für womöglich schlimmere Verletzungen. Wenn wir ihn so mitnehmen, sind wir als Gruppe wesentlich langsamer und werden schneller von den Parkwächtern entdeckt. Und ihn zurücklassen? Das hieße, wir lassen Diego in der Wüste von New Mexiko verdursten. Ein kurzer Blick auf den linken Rand des Bildschirms zeigt mir, dass auch meine Energie- und Kraftreserven sich langsam dem Ende zuneigen. Das schaffen wir doch nie.</span></p>
<p><a href="http://themigranttrail.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">The Migrant Trail</span></i></a> <span style="font-weight: 400;">&#8211; so heißt das Spiel, an dessen schwierigen Entscheidungen ich verzweifle. Als Teil der Website</span> <a href="http://theundocumented.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">theundocumented.com</span></i></a> <span style="font-weight: 400;">soll es auf die vielen Lateinamerikaner aufmerksam machen, die als illegale Einwanderer durch die Wüste von New Mexiko fliehen, um in den USA Fuß zu fassen. Es ist ein Teil der amerikanischen Webseite </span><a href="http://www.gamesforchange.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">gamesforchange.org</span></i></a><i><span style="font-weight: 400;">, </span></i><span style="font-weight: 400;">einem der führenden Anbieter für Serious Games. Seit einigen Jahren wird das Konzept von digitalen Spielen, die nicht bloß der Unterhaltung, sondern auch der Wissensvermittlung dienen sollen, immer populärer. Von Umweltschutz, unheilbaren Krankheiten bis zur Entwicklungszusammenarbeit, werden hier fast alle problematischen Themen der heutigen Zeit verarbeitet.</span></p>
<p><b>Wissen durch Mitgefühl?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während das Ziel aller Serious Games die Wissensvermittlung ist, gibt es doch große Unterschiede in der Umsetzung der Spiele. Hier kommt es vor allem auf das Medium an, mit dem gespielt wird.  Der Großteil der Spiele lässt sich online aufrufen und direkt in einem Webbrowser spielen. Diese Minispiele sind meist so konzipiert, dass sie in 30 Minuten abgeschlossen werden können. Sie dienen also als erst Annäherung an ein Thema und lassen sich zum Beispiel sinnvoll in den Unterricht einbinden. Einige der Browsergames, wie zum Beispiel </span><a href="http://www.das-kostet-die-welt.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">Das kostet die Welt</span></i></a> <span style="font-weight: 400;">der NGO Welthungerhilfe, sind mit Spendenaufrufen verknüpft. Der erspielte Highscore kann direkt als Geldsumme gespendet werden, um die Tätigkeiten der NGO zu unterstützen. Ausführlichere Spiele mit zahlreichen Levels und verschiedenen Aufgaben gehen tiefer auf die Problematik ein, und versuchen so komplexere Themen detailliert zu erklären. Sie zeichnen sich außerdem meist durch eine wesentlich bessere Grafik aus, und benutzen teilweise sogar reales Videomaterial, wie das Spiel </span><a href="http://www.insidedisaster.com/experience/Main.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">Inside the Earthquake Haiti</span></i></a><i><span style="font-weight: 400;">.</span></i><span style="font-weight: 400;"> Solche Spiele sind meist nicht kostenlos, und können für den Computer heruntergeladen oder für die Spielekonsole gekauft werden. Hier wird teilweise der Erlös des Spiels an eine unterstützte Organisation gespendet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Laut Tobias Miller, Medienpädagoge der Webseite spielbar.de, ist vor allem die Balance zwischen Wissen und Entertainment ausschlaggebend für den Erfolg des Spiels. Nur wenn die Kindern und Jugendlich auch Spaß am Spiel haben, werden sie auch freiwillig und über einen längeren Zeitraum gespielt. Ein zweites Merkmal, das für den Lerneffekt eines Serious Games ausschlaggebend ist, ist das Vermitteln von Empathie. Wenn ein Spiel so ausgerichtet ist, dass beim Spieler Mitgefühl erzeugt wird, ist die Chance höher, dass er oder sie sich auch danach noch mit den Inhalten beschäftigt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2017-02-02-um-14.42.30.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-151230 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2017-02-02-um-14.42.30.png" alt="" width="959" height="291" /></a><br />
Spendenaufruf des Spiels <em>Das kostet die Welt </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Serious Games ernsthaft spielen? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Effektivität der Spiele in Hinblick auf die Wissensvermittlung ist also von Spiel zu Spiel unterschiedlich. Selbst wenn ein Spiel in der Theorie gut konzipiert ist, bedeutet dass für die Praxis noch nicht viel. Nicht alle Kinder und Jugendliche für die ein Großteil der Serious Games ausgerichtet ist, nehmen die Spiele ernst nur weil das Thema ein reales ist. Ein Beispiel hier ist das Spiel </span><a href="http://www.1378km.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">1378 (km)</span></i></a><span style="font-weight: 400;"> aus dem Jahr 2010, in dem die Thematik der Grenze zur Zeiten der DDR vermittelt wird. Hierbei kann man unter anderem in die Rolle des Grenzsoldaten schlüpfen, der die Flüchtlinge möglichst mit friedlichen Mitteln aufhalten soll, jedoch auch seine Waffe benutzen könnte. Schnell wurde das Spiel als “makaber” und “Ego-Shooter” Spiel bezeichnet, da Spieler doch öfter zur Waffe gegriffen hatten, als sie das eigentlich tun sollten.  </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch aktuellere Spiele, in denen Themen wie syrische Flüchtlingsrouten, Bürgerkriege oder Naturkatastrophen dargestellt werden, können aus ethischer Sicht hinterfragt werden. Ist es in Ordnung, dass wir vor unserem Computer sitzen und den Überlebenskampf von Menschen simulieren, die womöglich im selben Moment genau dies erleben? Realisieren wir, nachdem unsere Spielfigur viermal gestorben ist und wir das Spiel einfach neu gestartet haben, dass Menschen in der realen Welt dies nicht tun können? Auch wenn die eindrucksvollsten Grafiken und ein durchdachtes Skript ein Spiel leiten, bleibt es für uns eben doch nur ein Spiel, während es für tausende Menschen die Realität ist. Wird so nicht die Diskrepanz zwischen “uns” und “ihnen” umso größer?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Manche Spielen führen wiederum die eigene Intention gleich selbst ad absurdum. </span><a href="http://phonestory.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><i><span style="font-weight: 400;">Phone Story</span></i></a><span style="font-weight: 400;"> möchte auf die Nachteile unseres Smartphone-Verschleißes aufmerksam machen. Das Spiel will zeigen, wie die Giftstoffe der entsorgten Handys in afrikanischen Ländern immense Schäden anrichten. Der erste Klick auf die Webseite des Spiels zeigt jedoch, dass man das Spiel unter Anderem als App auf sein Smartphone herunterladen kann. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In der Theorie sind Spiele, die über die bloße Entertainment-Funktion hinausgehen, also sicherlich sinnvoll. Kindern spielend beizubringen, was es denn nun mit dem Klimawandel auf sich hat, ist eine gute Alternative zu langweiligen Lehrbüchern. Gerade jedoch wenn es um das Leiden anderer Menschen geht bleibt es fraglich, ob es gerechtfertigt ist so etwas auf dem Computerbildschirm zu simulieren, um möglicherweise einen nur geringen Lerneffekt zu erzielen.</span></p>
<p><i><span style="font-weight: 400;">Bist du sicher, dass du mit Diego weiterlaufen möchtest? Das Risiko von einem Ranger erfasst zu werden erhöht sich nun stark.<br />
</span></i>Sicher bin ich mir nicht, jedoch entscheide ich mich trotzdem fürs Weiterlaufen. Mal sehen was passiert. Schon nach wenigen Minuten werden wir von den Rangern entdeckt &#8211; ein paar Sekunden später sitze ich im Gefängnis und mein American Dream hat sich in Luft aufgelöst. Seufzend klappe ich meinen Bildschirm zu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Screenshot from <a href="http://theundocumented.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">theundocumented.com</a>, The Migrant Trail Game</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>InfoMonitor Dezember 2009: Top-Nachrichtenthema im Dezember: Klimagipfel in Kopenhagen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/infomonitor-dezember-2009-top-nachrichtenthema-im-dezember-klimagipfel-in-kopenhagen-0-4714/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jan 2010 09:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachrichtenthemen]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Dezember führten die Klimapolitik und der Weltklimagipfel in Kopenhagen die Liste der Topthemen in den deutschen Fernsehnachrichten an, wie aus dem aktuellen InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, hervorgeht.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Dezember führten die Klimapolitik und der Weltklimagipfel in Kopenhagen die Liste der Topthemen in den deutschen Fernsehnachrichten an, wie aus dem aktuellen InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, hervorgeht.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Insgesamt 152 Minuten berichteten die vier Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 über dieses Thema. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Themen Weihnachten (128 Minuten) und Winterwetter/Verkehrschaos (90 Minuten). Weitere Themen unter den Top-10 waren: Diskussion um Flugsicherheit und so genannte Nacktscanner, Streit um den Luftangriff in Afghanistan, Debatte um die Steuerpolitik und das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Proteste im Iran, Lage in Afghanistan, Comeback von Rennfahrer Michael Schumacher sowie Gedenken an die Opfer des Tsunami von 2004.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/top10-themen_in-tv_6.jpg" alt="Top-10-Themen" title="Top-10-Themen" height="397" width="468" />
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Auffällig ist, das mehr als die Hälfte der Berichterstattung über das Weihnachtsthema allein auf die Sendung &quot;RTL aktuell&quot; entfiel. Auch das Winterwetter mit dem üblichen Verkehrschaos wurde hauptsächlich von RTL und Sat.1 thematisiert. Das Comeback von Michael Schumacher war vor allem für RTL ein Topthema. Themen, über die &quot;Tagesschau&quot; und &quot;heute&quot; im Dezember deutlich mehr berichteten als die privaten Nachrichten, waren unter anderem der Nato-Luftangriff in Afghanistan und der Steuerstreit.
</p>
<p>
Die Nachrichtenmagazine „Tagesthemen“ und &quot;heute-journal&quot; berichteten im Dezember erheblich umfangreicher als die anderen Nachrichtensendungen über die Lage in Afghanistan (jeweils Rang 2 hinter der Klimapolitik). Das „heute-journal“ befasste sich außerdem intensiv mit dem Steuerstreit zwischen Bund und Ländern, die &quot;Tagesthemen&quot; mit den Protesten im Iran.
</p>
<p>
<b><br />
CDU baut Vorsprung bei  Politikerauftritten in den Nachrichten aus</b>
</p>
<p>
Die CDU konnte im Dezember ihren Vorsprung bei der Anzahl der Auftritte ihrer Politiker in den Fernsehnachrichten nochmals deutlich gegenüber der SPD ausbauen. 401 Auftritte konnte die CDU insgesamt verbuchen, die SPD dagegen nur 155. Relativ knapp dahinter lagen bereits die CSU mit 126 Auftritten und die FDP mit 121 Auftritten. Die Linke und die Grünen waren 47-mal bzw. 44-mal in den Nachrichten vertreten.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/parteienpraesenz-in-tv_4.jpg" alt="Praesenz der Parteien bei Politikerauftritten" title="Parteienpraesenz" height="355" width="468" />
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Insgesamt 901 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Afghanistan, die Klimapolitik und die Steuerdiskussion sorgten im Dezember dafür, dass sich die Bundesminister zu Guttenberg (70 Auftritte), Röttgen (42 Auftritte) und Schäuble (36 Auftritte) ganz oben auf der Liste der am häufigsten in den Fernsehnachrichten präsenten deutschen Politiker etablieren konnten. Angeführt wird die Topliste jedoch unangefochten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die 132-mal in den Fernsehnachrichten präsent war. Diese Mal konnten sich auch die Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (10 Auftritte) und Gerhard Schröder (9 Auftritte) unter den Top-20 platzieren.
</p>
<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/top20-politikerpraesenz_dezember_2009.jpg" alt="Top-20-Politikerpräsenz" title="Top-20-Politikerpräsenz" height="558" width="468" /></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Insgesamt 901 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
<b>Klimaschutz führt zu hohem Anteil für Wissenschaftsthemen</b>
</p>
<p>
Alle sechs untersuchten Sendungen wiesen im Dezember einen niedrigeren Anteil an Politikthemen auf als im Vormonat. Dies erklärt sich zum großen Teil durch die Berichterstattung über den Klimaschutz im Zusammenhang mit dem Weltklimagipfel, die zu außergewöhnlich hohen Anteilen für die Themenkategorie Wissenschaft/Kultur führte, sowie durch die üblichen Weihnachts- und Winterthemen. Die &quot;Tagesschau&quot; kam auf 45 Prozent Politikanteil (entspricht 7 Minuten pro Ausgabe), &quot;heute&quot; auf 33 Prozent (6 Minuten), &quot;Tagesthemen&quot; auf 36 Prozent (10 Minuten) und &quot;heute-journal&quot; auf 33 Prozent (9 Minuten). Die privaten Nachrichtensendungen lagen deutlich darunter mit 24 Prozent (3 Minuten) für die &quot;Sat.1 Nachrichten&quot; und 16 Prozent (3 Minuten) für &quot;RTL aktuell&quot;.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/themenstruktur-in-prozent_3.jpg" alt="Klimaschutz führt zu hohem Anteil für Wissenschaftsthemen" title="Themenstruktur Klimaschutz" height="506" width="468" />
</p>
<p>
<i><br />
Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/themenstruktur-in-min_6.jpg" alt="Themenstruktur in TV-Nachrichten" title="Themenstruktur in TV-Nachrichten" height="532" width="468" />
</p>
<p>
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2009<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln.<br />
Grafik: politik-digital.de</i></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Klimakonferenz: &#8220;Europäer haben gekämpft&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/klimakonferenz-europaeer-haben-gekaempft-4696/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jknocha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 17:27:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaforscher]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[CO2]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Joachim Schellnhuber]]></category>
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					<description><![CDATA[Im tagesschau-Chat am 21.12.2009 beantwortete der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber die Fragen der User von tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über die Ergebnisse der Kopenhagener Klimakonferenz und stellte sich den Fragen skeptischer User. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im tagesschau-Chat am 21.12.2009 beantwortete der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber die Fragen der User von tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über die Ergebnisse der Kopenhagener Klimakonferenz und stellte sich den Fragen skeptischer User. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zu unserem Chat mit Hans Joachim Schellnhuber &#8211; dem Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Wir wollen den Verlauf und den Ausgang der UN-Klimakonferenz von Kopenhagen diskutieren.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/hschellnhuber_225x195.jpg" alt="Hans Joachim Schellnhuber" title="Hans Joachim Schellnhuber" width="189" align="left" height="160" />Herr Schellnhuber hat die Ergebnisse des zweiwöchigen Treffens in der dänischen Hauptstadt kritisiert. Vor allem die Verhandlungsstrategien der USA und China hätten zum Misserfolg von Kopenhagen geführt. Im Laufe unseres halbstündigen Chats wollen wir klären, wie es nun weitergeht und welche Chancen auf ein echtes Klimaabkommen es überhaupt noch gibt. Ein weiteres großes Themenfeld ist der Streit, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht. Eine zahlenmäßig deutlich kleinere Gruppe unter den Forschern behauptet, dass die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen keinerlei Auswirkungen auf das Weltklima hätten. Mit diesem Streit wollen wir in den Chat einsteigen &#8211; es gilt aber zu bedenken, dass wir nicht vom Hundertstel ins Tausendstel gehen können, da dies keine wissenschaftliche Diskussion ist. Hier nun die erste Frage:
</p>
<p>
<b>Schlimmer:</b> Ist es eigentlich seriös, die Erderwärmung ausschließlich an den CO2-Ausstoß zu koppeln? Kann man tatsächlich alleine durch eine CO2-Ausstoßreduktion vorhersagbar Einfluss auf die globale Durchschnittstemperatur nehmen?
</p>
<p>
<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Es wäre wissenschaftlich natürlich nicht seriös zu behaupten, dass die globale Mitteltemperatur alleine vom CO2-Gehalt der Atmosphäre abhinge. Es spielen andere Treibhausgase eine Rolle &#8211; wie Methan &#8211; und natürlich auch die Intensität der Sonnenstrahlung. Es ist aber so, wie man durch sowohl viele Experimente als auch durch Computersimulationen zeigen kann, dass die Sonne etwa nur mit zehn bis fünfzehn Prozent beiträgt zu der globalen Erwärmung, die sich im letzten Jahrhundert schon vollzogen hat. Und man kann exakt nachweisen, dass dieses CO2 aus industriellen Quellen stammt &#8211; also vom Menschen freigesetzt wurde. CO2 ist also der überwiegende Treiber für die globale Erwärmung. Das ist etwa seit 100 Jahren in der Wissenschaft bekannt und tausende Male bestätigt worden.
</p>
<p>
<b>Wollux:</b> Wenn denn das CO2 ursächlich für die Erderwärmung(en) ist, warum hat es dann zwischen ca. 1940 und ca. 1970 keine Erderwärmung gegeben? Reichlich CO2 ist in dieser Zeit ja zweifellos in die Atmosphäre geblasen worden! Hat das CO2 da Urlaub gemacht?
</p>
<p>
<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Das ist eine sehr gute Frage, weil sich die Klimawissenschaftler das auch schon gefragt haben. Es gibt eben weitere Faktoren, die dafür sorgen, dass der Temperaturtrend nicht im völligen Gleichschritt dem CO2-Trend folgt. Dass CO2 in der Atmosphäre ansteigt, kann man durch viele Messungen belegen, vor allem durch die berühmten Messungen auf Hawaii. Aber es kommt eben für die globale Mitteltemperatur dann kurz- und mittelfristig etwas hinzu, das wir natürliche Variabilität nennen. Das sind z.B. Schwankungen der Ozeantemperatur. Das berühmte El-Nino Phänomen, wo der Pazifik sich in bestimmten Regionen erwärmt. Vulkanausbrüche spielen eine Rolle und generell die Dynamik der Meeresströmungen. Insofern haben wir einen Hintergrundtrend der Erwärmung, der aber überlagert wird von kurzfristigen Schwankungen im komplexen Klimasystem, wo die globale Erwärmung für einige Jahre Pause zu machen scheint. In einer ähnlichen Situation befinden wir uns heute. Und die ist im Grunde genommen fatal. Wenn wir neben CO2 Schadstoffe in die Luft blasen &#8211; vor allem Schwefeldioxid, und dass vor allem aus der Verbrennung billiger Kohle,  wie das in China derzeit passiert &#8211; dann legt sich ein Schmutzschleier über die Erde, der einen Teil des Sonnenlichts ins All zurückreflektiert. Wir nennen das die Maskierung des globalen Treibhauseffektes. Es scheint so zu sein, dass gerade nach dem Zweiten Weltkrieg diese Luftverschmutzung eine sehr starke Rolle gespielt hat.
</p>
<p>
Und auch im Augenblick haben wir wieder eine Phase, wo durch die industrielle Entwicklung in den Schwellenländern sehr viele von diesen Maskierungsstoffen in der Atmosphäre sind. Unterm Strich bedeutet das: Wenn wir die Luftverschmutzung zurückfahren würden, aber nicht den CO2-Ausstoß, dann würde es sogar noch sehr viel schneller warm werden auf der Erde.
</p>
<p>
<br />
<b>wily2802:</b> Das Klima hat sich zu allen Zeiten geändert, auch ohne jeden menschlich verursachten CO2-Ausstoß. Es verändert sich auch gegenwärtig und wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Unser Einfluss darauf durch CO2-Vermeidung ist vermutlich minimal. Wie können die Politiker daher &quot;festlegen&quot;, dass die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigen soll? Und warum sollen Billionen (tausende von Milliarden) Euro ausgegeben werden für geringfügige Einflussnahme auf die natürliche Klimaveränderung?
</p>
<p>
<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Dieser Wandel von Warmzeiten zu Eiszeiten etwa im Rhythmus von 100.000 Jahren ist geophysikalisch gut verstanden. Das hängt vor allem mit den Veränderungen von Parametern der Erdumlaufbahn zusammen. Aber auch mit der Neigung der Erdachse. Als Physiker kann man sehr gut verstehen, wie die Erde sich durch die Gravitationskräfte der Sonne und der Planeten immer wieder ein bisschen anders verhält in ihrer Bewegung. Das führt dann zu den Vereisungszyklen. Seit etwa zweieinhalb Millionen Jahren befindet sich die Erde im Wesentlichen in dieser Achterbahnfahrt zwischen Eis- und Heißzeiten. Gegenwärtig befinden wir uns aufgrund der rein natürlichen Faktoren in einer Warmzeit. Die nächste Eiszeit wäre &#8211; wenn der Mensch eben nicht dazwischenpfuscht, was er gerade tut &#8211; erst in etwa 40.000 Jahren. Jetzt setzen wir aber quasi in einer Warmzeit nochmal eine globale Erwärmung obendrauf. Und das in einer Geschwindigkeit, die mindestens hundertmal so groß ist, wie sich der Wandel auf natürliche Weise vollziehen würde. Damit würde sich die Erde in einem Bereich bewegen, der noch niemals betreten wurde, seit die Menschheit entstanden ist.
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<b>Wosi:</b> Einige Skeptiker fordern, dass die Programmcodes der Klimasimulationen und sämtliche Rohdaten im Zuge der Nachvollziehbarkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Warum ist das bisher nicht der Fall? Wieso weigert sich z.B. die Climate Research Unit (CRU) in einigen Fällen, ihre Rohdaten preiszugeben? Wie denken Sie über die generelle Veröffentlichung dieser Daten?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Zunächst einmal persönlich und auch unser Institut: Wir haben eigentlich die Politik, dass wir unsere Daten und auch unsere Computercodes zur Verfügung stellen. Physiker haben damit generell eigentlich keine Probleme. Meine Vorträge sind generell auch open access. Sie werden ins Netz gestellt und jeder kann sich meine Grafiken herunterladen. Das Problem ist eher &#8211; und das haben wir selbst schon erlebt als Institut -, dass Rohdaten, die für die Berechnung etwa der globalen Mitteltemperatur verwendet werden, häufig von nationalen Wetterdiensten stammen und einfach bestimmten Datenschutzauflagen unterliegen. Das gilt auch etwa für den Deutschen Wetterdienst, mit denen wir einen Sondervertrag haben, um die Daten überhaupt nutzen zu dürfen. Bei CRU in East Anglia laufen ja viele nationale Daten zusammen, um die globale Mitteltemperatur zu bestimmen. Die speziellen Bestimmungen der einzelnen Institutionen und Länder, die diese Rohdaten liefern, müssen natürlich beachtet werden.
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Ich denke aber, dass man in der Tat &#8211; um auch die geringsten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Forschung in diesem Zusammenhang auszuräumen &#8211; darauf drängen sollte, dass alle Daten, die für so wichtige Berechnungen genutzt werden, für jedermann zugänglich sind. Die Klimawissenschaft hat nichts zu verbergen. Und deswegen kann sie auch all ihre Analysen im Lichte der Öffentlichkeit vollziehen.
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<b>Moderator:</b> Nun sollten wir uns aber dem eigentlichen Thema unseres Chats &#8211; der UN-Klimakonferenz von Kopenhagen &#8211; zuwenden:
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<b>Jojo:</b> Was hat man jetzt eigentlich verbindlich in Kopenhagen beschlossen?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Also verbindlich hat man in Kopenhagen nichts beschlossen. Nichts, außer dass der Verhandlungsprozess weitergeht. Und zwar mindestens bis zur nächsten offiziellen Konferenz in Mexiko im November 2010. Und das von der Konferenz selbst nur zur Kenntnis genommen wurde. Es ist ein Papier entstanden, dass die Mächtigen dieser Welt im Hinterzimmer ausgekungelt haben. Allerdings, da es sich um ein Papier der Mächtigen handelt, werden die dort festgehaltenen Inhalte wegweisend sein für die weiteren Verhandlungen. Aber seine Inhalte werden wahrscheinlich diktiert werden durch die Sonderinteressen der mächtigen Nationen &#8211; und das sind  im Zusammenhang mit der Klimadebatte vor allem die USA, China, Indien und Brasilien.  Die Europäer, das sollte man auch sagen, haben engagiert gekämpft. Aber wenig Unterstützung von anderen Ländern bekommen.
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<b>KingLouie:</b> Wenn eine so groß angelegte, durch die Medien so gefragte Konferenz scheitert, gibt es dann tatsächliche Chancen, dass in naher Zukunft ein verbindliches und vor allem zufriedenstellendes Abkommen hervorgeht?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> In diesem Abkommen, das vielleicht dann das Mexiko-Protokoll heißen wird, wird hoffentlich das generelle Klimaschutzziel festgehalten werden. Nämlich, dass die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen ist. Das immerhin für die Klimapolitik aus dem völligen Vakuum heraus. Was überdies zu hoffen ist:  Dass es Zahlen geben wird für die Industrieländer und vielleicht auch für die Entwicklungs- und Schwellenländer. Welche Reduktionen von Treibhausgasen vorgeben werden, um die Zwei-Grad-Linie überhaupt zu halten. Bisher haben wir zwar ein Ziel, wenn auch noch nicht völkerrechtlich verbindlich. Aber es ist völlig unklar, welche Wege zu diesem Ziel führen werden.
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<b>lukas:</b> An welchen Ländern lag es, dass es in Kopenhagen keine greifbaren Ergebnisse gab?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Ich glaube, dass sehr wenige Länder bereit waren, in Kopenhagen das Wohl der gesamten Menschheit über ihre nationalen Egoismen zu stellen. Wenn, dann wäre eine solche Haltung am ehesten noch im Kreis der Europäischen Union zu finden gewesen. Nicht einmal bei den Inselstaaten, denen ja buchstäblich das Wasser bis zum Hals steht, und die natürlich auch aus Eigeninteresse an einem kraftvollen Klimaabkommen interessiert sein müssen. Wer allerdings das Blatt hätte wenden können und wer damit auch die Hauptverantwortung für das kümmerliche Ergebnis trägt, sind die USA und China, die im Grunde genommen keinen Millimeter Kompromissbereitschaft gezeigt haben.
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<b>master 93:</b> Meine Frage: Ist es nicht möglich, Ökonomie und Ökologie zu verbinden, damit beide Werte etwas davon haben?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Im Prinzip völlig richtig. Ich glaube sogar, dass ohne Berücksichtigung von ökologischen Aspekten &#8211; bzw. allgemeiner ausgedrückt Nachhaltigkeitsgesichtspunkten &#8211; unsere Ökonomie weltweit nicht mehr lange funktionieren wird. Aber selbst wenn wir die Folgen des Klimawandels beiseite stellen (die wir mit Sicherheit bekommen werden, wenn wir die Zwei-Grad-Leitplanke durchbrechen, alleine schon aus Fragen der Energiesicherheit und Energieunabhängigkeit, aus Fragen des schonenden und effizienten Umgangs mit Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen), ist klar, dass das von Verschwendung und scheinbarem Überfluss geprägte Wirtschaftsmodell, das die Welt seit dem zweiten Weltkrieg dominiert, nicht zukunftsfähig ist.
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<b>TaddL:</b> Es wird immer nur über den Ausstoß von CO2 geredet. Mir wurde auch gesagt, dass die Zerstörung des Regenwaldes auch einen Teil zur Klimaerwärmung beitrüge. Wird in dem Fall auch etwas unternommen?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Es ist wichtig, das anzusprechen, weil dort in Kopenhagen am ehesten Fortschritte zu erzielen gewesen wären. Ja, sogar gewisse Fortschritte erzielt wurden. Die Industrieländer sind bereit, in einem bescheidenen bis mittelmäßigen Umfang Gelder zur Verfügung zu stellen. Nach dem zur Kenntnis genommenen Papier ab 2020 bis zu 100 Milliarden Dollar, um insbesondere die Regenwälder zu schützen,  bzw. ihre Plünderung zu verlangsamen. In diesem Zusammenhang hat sich Brasilien auch zu weitgehenden Schutzmaßnahmen bekannt. Nämlich das Abholzen des Amazonas-Regenwaldes um etwa achtzig Prozent zu reduzieren. Dafür möchte man aber Bargeld sehen.
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<b>frager:</b> Herr Schellnhuber, welche Rolle spielt die industrielle Landwirtschaft, mithin die Haltung von Tieren wie Kühen bei der Erderwärmung? Sollten wir nicht alle vegetarisch leben, wenn wir ernsthaft den CO2-Ausstoß reduzieren wollen?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Ich habe so etwas bisher zwar als sympathische und sinnvolle Anregung eingeordnet, aber nicht als eine wirklich strategische Möglichkeit. Ich muss allerdings sagen, dass ich nach Kopenhagen anders denke. Weil es durchaus möglich ist, dass wir den Klimaschutz im Rahmen der Vereinten Nationen nicht mehr bewerkstelligen können. So dass er eher durch eine Bewegung von unten, also aus der Zivilgesellschaft heraus, durch die Konsumenten, durch die Wähler, durch die Bürger allgemein vorangetrieben werden muss. Und wenn wir vom Fleischkonsum, insbesondere vom übermäßigen Fleischkonsum, wegkommen würden, würden wir nicht nur dem Klima und damit unseren Nachkommen etwas Gutes tun. Wir würden auch gesünder und schöner werden.
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<b>Antonius:</b> Da die Politiker gescheitert sind, ist die Frage, was wir selber tun können? Wie kriegen wir es hin, z.B. Wände zu dämmen und Thermopenfenster einzubauen, wenn viele Hausbesitzer nur an ihrer Rendite interessiert sind und selbst einfachste Reparaturen verweigern?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Es ist natürlich auch so &#8211; wie vorhin gesagt: Jeder, der ein Haus besitzt oder eine Wohnung, jeder, der Produkte kauft, könnte darauf achten, welcher CO2-Ausstoß etwa mit dem Produkt verbunden ist oder welchen CO2-Ausstoß er vermeiden könnte, wenn er zu Wärmedämmungsmaßnahmen greift. Oder gar seine Energieversorgung auf Erneuerbare umstellt. Es gibt dafür inzwischen eine Fülle von Unterstützungsprogrammen, etwa durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Das heißt, man kann für relativ geringe Summen und mit staatlicher Subvention etwas tun, was ohnehin sinnvoll ist. Weil man damit nicht nur das Klima schützt, sondern auch seine eigenen Energierechnungen deutlich vermindert. Wenn also alle Hausbesitzer Deutschlands sich einig sind, dass sie weniger Geld für ihre Energiedienstleistungen bezahlen wollen, dann wird gleich nebenbei dem Klima ein Dienst erwiesen.
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<b>ksl:</b> Was würde eine Überschreitung der Zwei-Grad-Celsius-Grenze für Deutschland bedeuten?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Zwei Grad Erwärmung hört sich sehr wenig an. Aber Sie können das ein bisschen vergleichen mit der Körpertemperatur des Menschen. Wenn Sie zwei Grad auf die 37 Grad Körpertemperatur hinzuzählen, die wir normalerweise haben, dann hat man Fieber (39 Grad). Wenn dann noch ein oder zwei Grad dazukämen, wäre man schon im tödlichen Bereich. So ähnlich ist es mit der Erde. Wobei wir &#8211; wenn wir an Deutschland denken &#8211; uns vor allem vor Augen halten müssen: Zwei Grad Erwärmung bedeutet über den Kontinenten drei bis vier Grad Erwärmung (weil die Meere länger kühl bleiben). In nördlichen Breiten kann sich das aber schon auf vier bis fünf Grad belaufen. Wenn wir in Deutschland im Jahresdurchschnitt vier bis fünf Grad höhere Temperaturen hätten, dann würden wir alle paar Jahre Hitzewellen mit über 45 Grad Celsius bekommen. Die Alpengletscher dürften fast komplett verschwinden. Und damit die Flüsse, die vom Gletscherwasser gespeist werden, im Sommer trocken fallen. Wir würden mit Sicherheit eine Invasion von subtropischen Arten und Schädlingen bekommen. Möglicherweise auch von Krankheiten, die in unseren Breiten normalerweise nicht vorkommen. Das alles nur für zwei Grad Erwärmung. Nach den Beschlüssen oder vielmehr Nicht-Beschlüssen von Kopenhagen steuern wir eher auf eine drei bis vier Grad wärmere Welt zu.
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<b>Moderator:</b> Wir sind fast am Ende unseres Chats, deshalb die letzte Userfrage:
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<b>kilhat:</b> Haben Sie einen Literaturtipp für Normalsterbliche? 🙂
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Stefan Rahmstorf und ich haben ein wirklich allgemeinverständliches Buch geschrieben. Es heißt &quot;Der Klimawandel&quot;. Umfasst, glaube ich, nur 144 Seiten im kleinen Format und liefert Informationen, die man auf einer längeren Zugfahrt komplett verdauen kann. Nach allem, was ich von Lesern gehört habe, ist es verständlich genug, um sich einen relativ umfassenden Eindruck über die Klimadebatte zu verschaffen. Ich darf aber an dieser Stelle gleich ankündigen &#8211; und Kopenhagen bestärkt mich in diesem Vorhaben &#8211; , dass ich im nächsten halben Jahr ein größeres Buch zum Klima-Thema schreiben werde. Für ein breites Publikum und auch mit einem Blick hinter die Kulissen der Klimapolitik, wo es zum Teil ziemlich trübe aussieht.
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<b>Moderator:</b> Und nun noch unsere letzte Frage &#8211; basierend auf unserer Umfrage: Ist das Zwei-Grad-Ziel noch erreichbar? 26 Prozent haben ja gesagt, 74 Prozent nein. Was sagen Sie dazu?
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<b>Hans Joachim Schellnhuber:</b> Wir müssen unterscheiden zwischen der Möglichkeit und der Vorhersage. Die Zwei-Grad-Linie ist technisch, wirtschaftlich, physikalisch und sogar politisch noch zu halten. Aber ob entsprechende Bewegungen, entweder im Rahmen der Vereinten Nationen oder in der Zivilgesellschaft, in Gang kommen werden, dieses Potential des Klimaschutzes wirklich ausschöpfen, das ist nach Kopenhagen deutlich weniger wahrscheinlich geworden. Umgekehrt muss man sich einfach vor Augen halten, was auf dem Spiel steht. Ich glaube, Ihre Zuschauer oder Zuhörer haben eine relativ realistische Einschätzung gegeben. Aber wenn wir auch nur noch eine 25-prozentige Chance haben, das Weltklima zu retten, dann bleibt uns gar nichts anderes übrig, als zu versuchen diese Chance zu nutzen.
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<b>Moderator:</b> Sehr geehrter Herr Schellnhuber, wir danken Ihnen sehr herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben, in dem Chat die Fragen unserer User zu beantworten. Wir danken auch den vielen Fragestellern und bitten um Nachsicht, dass es unmöglich ist, tatsächlich alle Fragen abzuarbeiten. Ihnen allen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2010 &#8211; hoffentlich mit einem verbindlichen und wirksamen Klimaschutzabkommen, das im neuen Jahr beschlossen wird.</p>
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		<title>Klimakonferenz: &#8220;Unter historischem Erfolgsdruck&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 16:07:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Live von der Klimakonferenz aus Kopenhagen stand Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Nichtregierungsorganisation Germanwatch, im tagesschau-Chat am 15.12.2009 Rede und Antwort. Die User von tagesschau.de und politik-digital.de interessierten sich dabei besonders für den Stand der Verhandlungen und die Rolle der Entwicklungsländer.<b></b>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Live von der Klimakonferenz aus Kopenhagen stand Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Nichtregierungsorganisation Germanwatch, im tagesschau-Chat am 15.12.2009 Rede und Antwort. Die User von tagesschau.de und politik-digital.de interessierten sich dabei besonders für den Stand der Verhandlungen und die Rolle der Entwicklungsländer.<b></b></p>
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<b>Moderator:</b> Willkommen zum Chat mit dem Germanwatch-Chef Klaus Milke live von der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Klaus Milke beobachtet hier in der dänischen Hauptstadt kritisch die politischen Verhandlungen für ein neues Klimaabkommen. Germanwat<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/kmilke250x300_1.jpg" alt="Foto: Germanwatch" title="Foto: Germanwatch" width="160" align="left" height="189" />ch setzt sich für ein Abkommen ein, das einen nachhaltigen Ausgleich für die Folgen des Klimawandels zwischen reichen und armen Ländern beinhaltet. Dafür hält Milke mit seinen Mitarbeitern engen Kontakt zu den Regierungsdelegationen &#8211; vor allem zu der deutschen &#8211; um über aktuelle Entwicklungen bei den komplexen Verhandlungen der Klimakonferenz informiert zu sein und bei Bedarf beratend zur Seite zu stehen. Er ist in Kopenhagen als Umwelt- und Entwicklungsaktivist und nicht als Klimawissenschaftler. Wir bitten also um Verständnis, dass dieser Chat sich um die Gespräche in Kopenhagen und die Folgen des Klimawandels dreht und nicht um die Frage &quot;ist der Klimawandel von Menschen verursacht&quot;. Und nun begrüßen wir Klaus Milke und gehen zur ersten Frage:
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<b>Alternativo:</b> Sie sind ja hautnah am Gipfelgeschehen. Was ist Ihr Eindruck: haben die Teilnehmer den Ernst der Lage erkannt? Oder wird seitens der Regierungen nur taktiert?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Alle Teilnehmer, die hier in Kopenhagen sind, sind sich des Ernstes der Lage bewusst. Allerdings haben auch viele erkannt, dass sie von einem ambitioniertem Abkommen in Dänemarks Hauptstadt auch in ihren Interessen eingegrenzt werden. Das sind z.B. die OPEC-Staaten. Die Gegner eines Abkommens sind mehr und mehr in die Defensive geraten und versuchen trotzdem, Nebelkerzen zu werfen und den Prozess zu verlangsamen oder sogar gänzlich zu stoppen.
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<b>Mareike:</b> Wie viel Einfluss haben Ihrer Meinung nach hartnäckige Gegner von Klimaverträgen, wie z.B. einige mächtige Herren aus den Emiraten oder Russland, die ökonomisches Wachstum ohne Rücksicht auf die Umwelt verteidigen<b>.</b>
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<b>Klaus Milke</b>: Es geht hier nicht um einen reinen Umweltgipfel, sondern im Grunde um einen Weltwirtschafts- und Weltentwicklungsgipfel. Einige haben sich schon sehr viel Wohlstand durch das fossile Industriemodell geschaffen &#8211; andere wollen ähnlichen Wohlstand für die bisher arme Bevölkerung erreichen.<b></b>
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<b>suomi:</b> Ich vermisse Staatenlenker, die über das Ende ihrer Amtszeit hinaus denken. Wie kann man erreichen, dass diese Haltung sich ändert?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Wir müssen zu unserem Schrecken feststellen, dass viele Politiker nur sehr kurzfristig denken. Nämlich an die Zeit ihrer Legislaturperiode und nicht an die Lebensnotwendigkeiten für zukünftige Generationen.<b></b>
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<b>Gast:</b> Welche Nation/Staatengemeinschaft steht Ihrer Meinung an erster Stelle, die Gespräche in Kopenhagen zum Erfolg zu führen?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Wir sind fest davon überzeugt, dass auf der einen Seite die Europäer eine Vorreiterrolle spielen können und müssen. Dass aber auf der anderen Seite die ärmsten Entwicklungsländer und die kleinen Inselstaaten den notwendigen Druck erzeugen, damit die Mächtigen dieser Welt sich bewegen.<b></b>
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<b>Hansi:</b> Welches Druckmittel haben die Entwicklungsländer in den Verhandlungen?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die Entwicklungsländer haben zwei Hebelmöglichkeiten hier, Einfluss zu üben. Zum einen stellen sie zahlenmäßig im UN-Prozess die Mehrzahl aller Länder, zum anderen können sie für sich den moralischen Druck in Anspruch nehmen, dass den Opfern des von den reichen Ländern verursachten Klimawandels unverzüglich geholfen wird.<b></b>
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<b>Tamino:</b> Wie agieren die Vertreter von Ländern wie Tuvalu oder den Atollen auf der Konferenz in Kopenhagen? Die sind klein, aber das Wasser steht ihnen buchstäblich bis zum Hals. Wie schaffen die es, von den Großen wie USA oder China gehört zu werden?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die kleinen Inselstaaten spielen hier eine sehr konstruktive Rolle, auch durch symbolhafte Aktionen schon im Vorfeld von Kopenhagen. Und sie können am Allerdeutlichsten vermitteln, dass um ihre Existenz verhandelt werden muss.<b></b>
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<b>Moderator</b>: Können die kleinen Länder &#8211; wie etwa Tuvalu &#8211; die Verhandlungen ernsthaft blockieren oder gar zum Scheitern bringen?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Da es in Kopenhagen ein Ergebnis nur im Konsens geben kann, also alle Staaten  zustimmen müssen, können auch die kleinen und die ärmsten Länder ein schlechtes Ergebnis oder eine reine Showveranstaltung am Schluss verhindern oder dies als Scheitern brandmarken.<b></b>
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<b>Klimaschützer:</b> Frau Merkel lehnt derzeit weitere Zugeständnisse Deutschlands und Europas ab: Andere Staaten sollen erstmal nachziehen. Die von Wissenschaftlern als notwendig angesehenen finanziellen Zusagen an die Entwicklungsländer gibt Merkel nicht. Wie schätzen Sie die Macht von Entwicklungsländern und Umweltschützern ein, die Bundeskanzlerin noch zum Umdenken bewegen zu können?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Deutschland hat in den Jahren der Klimaverhandlungen immer eine sehr konstruktive Rolle gespielt und wir erwarten, dass dies auch am Schluss dieser Woche so sein wird, aber auch andere im gleichen Zug anzuspornen, ebensolches zu tun.<b></b>
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<b>Redondo:</b> Hier in Deutschland wird ja gerade angesichts der Wirtschaftskrise über die Höhe der Zahlungen an Entwicklungsländer diskutiert &#8211; welche Rolle spielt Norbert Röttgen auf dem Gipfel?<b></b>
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<b>Klaus Milke:</b> Es hat sich inzwischen in Deutschland herumgesprochen, dass ein ambitioniertes Klimaabkommen in Kopenhagen für die deutsche Wirtschaft und für deutsche grüne Jobs von unmittelbarem Vorteil sein kann. Also sind auch Zahlungen seitens Deutschland für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel letztlich positiv, weil daraus wieder Aufträge für Deutschland erwachsen. Wir gehen davon aus dass Herr Röttgen diese Position teilt.<b></b>
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<b>MbM:</b> 2,4 Milliarden pro Jahr Transferzahlungen von der EU an Entwicklungsländer. Die G77 fordern dagegen 200 Milliarden. Ich gehe davon aus, dass Sie zustimmen, dass mehr getan werden müsste. Fraglich ist nur, woher das Geld stammen soll. In einem Nullsummenhaushalt bedeuten Mehrausgaben Kürzungen anderswo. Streicht man beim Arbeitslosengeld, gibt es Montagsdemos, bei der Bildung Studentendemos. Die Deutschen sind nicht bereit, mehr zu opfern. Sind also nicht wir, die verantwortlich sind für das &quot;Nein&quot;, zu mehr verpflichtet?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die Mittelaufbringung für das notwendige Geld an die Entwicklungsländer &#8211; vor allem die Ärmsten &#8211; ist eine der zentralen Fragestellungen hier in Kopenhagen. Insofern kann man nur mit innovativen Instrumenten, die unabhängig von den vorgegebenen Haushalten der Industrieländer erwirtschaftet werden, erfolgreich sein. Zwei Stichworte: Der globale Emissionshandel und Abgaben auf die Emissionen im Flugverkehr und im internationalen Schiffsverkehr können hier weiterhelfen.<b></b>
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<b>Kurt:</b> Wissen Sie etwas zum derzeitigen Stand der Dinge? <b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Heute am Dienstag der Schlusswoche werden die Fachberatungen zu einem vorläufigen Ende geführt, die in vielen Untergruppen verhandelt wurden und nun in zwei Protokollentwürfen zusammengeführt werden müssen. Die Fachminister werden in den zwei folgenden Tagen die offenen Fragen, die sie klären können, im Konsens beraten, um dann sehr einfache Entscheidungspakete zu schnüren, die von den Staatsoberhäuptern am Freitag entschieden werden können.<b></b>
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<b>Merds:</b> Sehr geehrter Herr Milke, glauben Sie, dass auf dem Klimagipfel in Kopenhagen konstruktive Ergebnisse herauskommen werden?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Wir versuchen seitens der internationalen Gemeinschaft der Umwelt- und Entwicklungsorganisationen den Druck aufzubauen und den Sachverstand hier einzubringen, damit wir noch in diesem Jahr zu einem globalen Rahmen kommen für ein völkerrechtliches Abkommen. Wobei die Staatschefs hier verpflichtend die Eckpunkte festlegen müssen. Der Vertragstext im Detail muss innerhalb von sechs Monaten nach Kopenhagen schlussverhandelt werden.<b></b>
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<b>bella i:</b> Was passiert, wenn es nicht zu einem Konsensus kommt?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Ein Konsens muss gefunden werden. Die Staatschefs haben sich selber unter historischen Erfolgsdruck gesetzt und werden nicht ohne ein Erfolgsergebnis nach Hause fahren wollen. Es besteht die Gefahr, dass der Weltöffentlichkeit reine Sonntagsreden als Ergebnis verkauft werden und die faire völkerrechtliche Verbindlichkeit hier nicht verabredet wird. Dies werden wir als Nichtregierungsorganisationen sofort als Skandal öffentlich machen.<b></b>
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<b>SP71:</b> Viele Ökonomen sehen in einem globalen Emissionshandelssystem den wirksamsten Weg zum effektiven Erreichen definierter Klimaziele und kritisieren unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als nutzlos für den Klimaschutz. Halten Sie einen globalen Emissionshandel denn für eine politisch erreichbare Option?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Ein zentrales Element eines fürwahr sehr komplexen Vertragswerkes von  Kopenhagen muss ein globales Emissionshandelssystem sein. CO2, das sonst einfach ohne Kosten in der Atmosphäre gelagert wird, muss einen hohen Preis bekommen. Dies können wir aber nur schaffen, wenn möglichst alle emittierenden Länder sich an so einem System beteiligen.<b></b>
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<b>Weiterdenker:</b> Ist Klimaschutz nicht mehr als die bloße Reduzierung des CO-2-Ausstoßes? Wie steht es um den Schutz (!) von Wäldern, um eine klimaverträgliche Nahrungsmittelproduktion angesichts der dramatischen Entwicklung der Weltbevölkerung? Wie lange hält uns unser Planet noch aus (Stichwort Tragfähigkeit der Erde)<b>.</b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die Wissenschaftler sagen uns in aller Deutlichkeit, dass wir den Waldschutz, die Speicherungsmöglichkeit der Böden, aber auch den Bereich der Ernährung, der Nahrungsmittelproduktion mit in die Betrachtung und Verhandlungen einbeziehen müssen. Wir hoffen alle, dass in Kopenhagen gerade für den Waldschutz etwas Nachhaltbares herauskommt. Die Besorgnis ist, dass der Waldschutz auch als großes Schlupfloch genutzt wird, weil die Staaten jeweils selbstbestimmen wollen, mit welchen Reduktionsprozenten ihr individueller Waldschutz in die Zielediskussion miteinbezogen wird.<b></b>
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<p>
<b>pearson:</b> Wie stehen Sie dazu, dass Kritiker nicht zu Wort kommen oder abgewürgt werden. Ich habe das schon oft gesehen auch bei Veranstaltungen, bei denen ich war. Was halten Sie von den E-Mails, vom Einfluss der Sonne (Klimawandel auf anderen Planeten). Warum glauben Sie, erkennt man, wenn man sich die Klimagrafiken anguckt, dann doch ein Absenken der Wärmephasen? Man kann ne Menge Beispiele nennen, aber die werden im Mainstream nicht zugelassen. Wenn man was weiß, dann, dass man nichts weiß.<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Der sogenannte Treibhauseffekt &#8211; der dazu führt, dass wir moderate Verhältnisse auf diesem Planeten haben und Leben und menschliche Tätigkeiten sich entwickeln konnten &#8211; hat sehr viel mit der Sonne zu tun und unterschiedliche Sonnenintensität hat immer zu Warm- und Kaltzeiten geführt. Der Mensch hat jedoch in 150 Jahren Industrialisierung dieses Treibhaus durch insbesondere CO2-Konzentration immer dichter gemacht und damit den menschverursachten Klimawandel vorangetrieben.<b></b>
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<b>vektor:</b> Mich würde interessieren, wie weit die Klimaskeptiker die Klimakonferenz beeinflussen oder beeinflusst haben und ob eine wirklich sachliche und gewinnbringende Diskussion überhaupt noch möglich ist?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die Klimaskeptiker spielen in den dramatischen Verhandlungen hier in Kopenhagen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Lediglich Saudi-Arabien hat zu Beginn versucht, das Thema aufzumachen. Doch kein anderes Land hat sich darauf bezogen.<b></b>
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<b>feliz:</b> Ein Klimagipfel kann ja politisch richtungsweisend wirken. Welche Chancen aber sehen Sie, das Verhalten der Menschen dauerhaft zu ändern? Hinkt die Wahrnehmung der Problematik in der Bevölkerung nicht deutlich hinter den wissenschaftlichen Erkenntnissen her?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Es ist ohne Frage &#8211; insbesondere wenn wir uns für demokratische Verhältnisse einsetzen &#8211; erforderlich, alle Menschen in einem Land mitzunehmen und zu überzeugen, dass Klimaschutz und Waldschutz und Schutz der Ressourcen dringend erforderlich ist. Und jeder einzelne und jede einzelne kann auch etwas dazu beitragen. Allerdings gibt es eine schiefe Ebene, gegen die Mann und Frau anlaufen muss. Diese schiefe Ebene muss von der Politik zu einer flachen Ebene umgestaltet werden.<b></b>
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<b>Mattes:</b> Die Menschen auf der Straße haben die Brisanz der Klimaveränderung erkannt und sind bereit, ihr Konsumverhalten zu ändern. Welche Möglichkeiten haben sie als Verbraucher hier möglichst effektiv zu handeln?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die Verbraucherverbände und Verbraucherzentralen in Deutschland haben eine große Kampagne gestartet, um viele Möglichkeiten aufzuzeigen, wo mit dem Portemonnaie Klimaschutz betrieben werden kann, also durch tägliche Entscheidungen im Bereich Verkehr, Haushaltsgeräte und Wohnen.<b></b>
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<b>Moderator</b>: Sollten die Bundesregierung und die Länderregierungen umweltfreundliche Technologien noch stärker fördern bzw. belohnen?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Wir brauchen auf der einen Seite klare Begrenzungen, gegebenenfalls auch Verbote (in Deutschland steht ein Tempo-Limit immer noch aus). Zum anderen sollten aber weiterhin und noch stärker finanzielle Anreize für das Umsteuern in ein solares Zeitalter gegeben werden.<b></b>
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<b>Merds:</b> Sind auch diverse Großkonzerne auf der Versammlung vertreten, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Die Wirtschaft und auch die ganz großen weltweit operierenden Unternehmen haben die Herausforderung des globalen Klimawandels inzwischen verstanden und entwickeln neue Geschäftsmodelle, die darauf ausgerichtet sind, dass wir im Jahre 2050 ein neues Wohlstands- und Wirtschaftsmodell auf der Basis vom 100-Prozent-erneuerbaren-Energien haben.<b></b>
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<b>Moderator</b>: Liebe Teilnehmer, der Terminplan von unserem Gast Klaus Milke ist sehr eng gestrickt. Deshalb sind wir leider schon fast am Ende und müssen nunmehr zum Ende kommen.<b></b>
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<b>Romema:</b> Wie kann sichergestellt werden, dass die in Kopenhagen gemachten Versprechen auch tatsächlich in den jeweiligen Ländern umgesetzt werden?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Genau das ist das, was auf dem Spiel steht. Wir brauchen ein völkerrechtlich verbindliches globales Abkommen, das fair ist und alle Teilnehmer miteinbezieht. Und damit brauchen wir auch Sanktionsmöglichkeiten gegenüber denen, die hier Versprechungen abgeben und die sie nachher nicht halten. Das hat uns Kyoto schon gelehrt.<b></b>
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<b>Moderator</b>: Nun zu unserer letzten Frage &#8211; unserer Abstimmung. 65 Prozent der Nutzer sind der Überzeugung, dass ein Klimaschutzabkommen Deutschland nützt. Was sagen Sie dazu?<b></b>
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<b>Klaus Milke</b>: Das Ergebnis der Umfrage macht deutlich, dass auch in Deutschland immer noch sehr viel Informations- und Bewusstseinsarbeit betrieben werden muss. Das aber im Vergleich zu vielen anderen Ländern in der Welt das Verständnis in der deutschen Bevölkerung schon sehr viel größer ist als dort. Dies ist wichtig, weil erst durch die Wahrnehmung der Chancen, die in einer Transformation aus dem fossilen Zeitalter in ein solares Zeitalter resultieren, wir die weltumspannende Dynamik gewinnen können, um auch wirklich bis zum Ende dieses Jahrhunderts nicht über zwei Grad Celsius Erderwärmung im globalen Durchschnitt gegenüber der vorindustriellen Zeit zu kommen.<b></b>
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<b>Moderator</b>: Sehr geehrter Herr Milke, wir danken Ihnen sehr, dass Sie einen Teil ihrer kostbaren Zeit aufwendeten, um diesen Chat zu machen. Wir sind leider am Ende unserer Zeit. Und wünschen Ihnen noch viel Erfolg bei den Verhandlungen hier in Kopenhagen. Einen herzlichen Dank hier aus Kopenhagen auch den Teilnehmern.</p>
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		<title>Klimakonferenz: Kein Stress, keine Reisekosten</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/klimakonferenz-kein-stress-keine-reisekosten-4631/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jasmin Reitzig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 16:49:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Live-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[online-Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei der internationalen Klimakonferenz „Klima 2009“ (2. bis 6. November) fallen keine Reisekosten und kaum CO2-Emissionen für die Teilnehmer an. Die Veranstaltung findet ausschließlich im Internet statt und zieht fast alle Register der Online-Kommunikation.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei der internationalen Klimakonferenz „Klima 2009“ (2. bis 6. November) fallen keine Reisekosten und kaum CO2-Emissionen für die Teilnehmer an. Die Veranstaltung findet ausschließlich im Internet statt und zieht fast alle Register der Online-Kommunikation.<!--break--></p>
<p>
Alle CO2-Emissionen, die für die eine Million erwarteten Teilnehmer anfallen, werden von deren Computern verursacht. Insgesamt so viel wie für einen Langstreckenflug, schätzt Claus Barthel vom <a href="http://www.wupperinst.org/" target="_blank" title="wupperinst.org" rel="noopener noreferrer">Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie</a>. Die Konferenzorganisatoren wollen auch diesen Ausstoß durch Unterstützung eines Klimaschutzprojekts in der Türkei kompensieren.
</p>
<p>
Registrierte Teilnehmer können englischsprachige Beiträge lesen und E-Mails an die Autoren schreiben. Sie können in Live-Chats mit Experten über Klimawandel fachsimpeln und sich in einer umfangreichen Projektdatenbank über Initiativen aus aller Welt informieren. Wer sich nicht extra registrieren will, kann die Tagung als Informationsportal nutzen, Videos über die Folgen in aller Welt anschauen und in der Klimawandel-Bibliothek recherchieren.
</p>
<p>
Mitmachen kann man bis zum 6. November unter <a href="http://www.climate2009.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Klima2009.de</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tempolimit für den Klimaschutz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tempolimit-fuer-den-klimaschutz-3544/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Troge]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Tempolimit]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltbundesamt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, dem 21. November, war Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Energiequellen, Umweltschutz und forderte ein Tempolimit auf Autobahnen.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, dem 21. November, war Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Energiequellen, Umweltschutz und forderte ein Tempolimit auf Autobahnen.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Liebe Umwelt- und Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Der vierte Bericht des Weltklimarat<br />
ist verabschiedet und seine Aussage ist klar: Der Klimawandel kommt<br />
und möglicherweise schneller und intensiver als bislang gedacht.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich einen höchst<br />
kompetenten Gast zum Thema Klimawandel und praktischer Umweltschutz:<br />
Den Präsidenten des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Herzlichen<br />
Dank Herr Troge, dass Sie sich Zeit für den Chat mit den Usern<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de nehmen. Können wir<br />
loslegen, Herr Troge?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/salon/photos/atroge85x.jpg" alt="Andreas Troge" height="120" width="85" /><br />
<i>Andreas Troge<br />
Präsident des Umweltbundesamtes</i>
</p>
<p align="left">
<b>Bummi:</b> Wie wird das Umweltbundesamt<br />
in der Bundesregierung gehört, was zählt Ihre Expertise<br />
dort?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Die Expertise zählt zumeist<br />
im besonderen Maße, was langfristige Wirkung angeht: Beispielsweise<br />
haben wir zum Thema Waldschäden bereits in den siebziger Jahren<br />
unsere Expertisen geliefert, kurz nach Gründung des Amtes.<br />
Im Jahre 1986 ist dies erst in praktische Politik, also in Gesetze<br />
zu Entstickung und Entschwefelung der Kraftwerke, gegossen worden.
</p>
<p>
Wir sind im Grunde die größte Bundesfacheinrichtung<br />
und unterstützen die Bundesregierung in allen fachlichen Fragen,<br />
außer Strahlenschutz / Reaktorsicherheit und speziellen Fragen<br />
des Naturschutzes. Unser Leitbild ist &quot;Für Mensch und<br />
Umwelt&quot;, wir schützen also die menschliche Gesundheit<br />
vor Umwelteinflüssen und kümmern uns um die natürlichen<br />
Lebensgrundlagen, wie es das Grundgesetz in Artikel 20 a verlangt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Beispiel Waldschäden: In den<br />
1970er Jahren kommen die Studien, Mitte der 1980er passiert was,<br />
ist das immer noch das Tempo der Politik?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja, wir erleben es beim Klimawandel.<br />
Die Warnungen kommen hier aus Mitte der Achtziger Jahre und wir<br />
haben erst im Jahre 1997 die völkerrechtliche Vereinbarung,<br />
das Kyoto-Protokoll, unterschrieben. Wenn ich sage &quot;wir2, dann<br />
sind das weit über hundert Staaten, von denen alle Industriestaaten<br />
Verpflichtungen eingegangen sind, ihre Treibhausgasemmissionen um<br />
durchschnittlich fünf Prozent bis 2012 gegenüber 1990<br />
zu vermindern.
</p>
<p>
Wir erleben diese langen Wirkungszeiträume in der Politik<br />
auch bei der Chemikaliengesetzgebung: Erst im letzten Jahr beschloss<br />
die Europäische Union, alle auf dem Markt befindlichen ungeprüften<br />
(über 30.000) Chemikalien daraufhin zu prüfen, ob sie<br />
der Natur und der menschlichen Gesundheit auch keine Schäden<br />
zufügen. Und das, obwohl die Wissenschaften schon lange vor<br />
Gründung des Umweltbundesamtes im Jahre 1974 die Chemikalienrisiken<br />
erkannten. Auch Politiker sind Erfahrungswesen.
</p>
<p>
<b>Klima2004: </b>Die Klimasituation hatte sich bereits<br />
2004 deutlich abgezeichnet. Schröder hatte die Klimaschutzpläne<br />
der Bundesregierung im April 2005 dennoch abgeschrieben. Warum findet<br />
die Diskussion erst 2007 statt? Geben die Lobbygruppen der Industrie<br />
das politische Handeln vor?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Die Lobbygruppen geben das Handeln<br />
nicht vor, denn sonst wären wir noch nicht so weit. Sie grätschen<br />
allerdings in progressive Vorschläge hinein. Klimaschutz findet<br />
in Deutschland aktiv seit Anfang der 1990er Jahre statt. Ich erinnere<br />
daran, dass der damalige Bundeskanzler Kohl gesagt hat, wir wollen<br />
die CO²-Emissionen bis 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990<br />
senken. Dieses Ziel haben wir nicht ganz erreicht, aber wir werden<br />
unser Ziel erreichen bis 2012 alle sechs Treibhausgase zu reduzieren,<br />
und zwar um 21 Prozent. Hier ging es früh los und die neuen<br />
Beschlüsse der Bundesregierung &#8211; Stichwort Kabinettsklausur<br />
Meseberg &#8211; sind eine wesentliche Stärkung des klimapolitischen<br />
Trends.
</p>
<p>
<b>John Harris:</b> Was können wir tun, um die Macht<br />
von den Lobbys, die gegen den Klimaschutz arbeiten, zu brechen?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Indem man mit den Lobbys nicht<br />
umgeht nach dem Sumoringer-Prinzip, sondern nach dem JiuJitsu-Prinzip,<br />
also nicht Kraft gegen Kraft, sondern mit der Kraft wirken. Symptomatisch<br />
ist hier die europäische Automobilindustrie das Beispiel. Die<br />
Märkte der europäischen und der weltweiten Autoindustrie<br />
liegen in der Motorisierung sich stark entwickelnder Länder.<br />
Die Motorisierung läuft dort ähnlich ab wie bei uns in<br />
den 1950er Jahren, kleine verbrauchsarme Autos machen die Massenmotorisierung<br />
aus.
</p>
<p>
Ein Automobilangebot, das auf Surpreme-Fahrzeuge setzen würde,<br />
kickte sich aus dem Weltmarkt weitgehend heraus. Deshalb ist die<br />
Botschaft des Klimaschutzes: Wer zukünftig Geld verdienen will,<br />
muss energiesparsame Produkte anbieten, sonst ist er vom Markt weg.<br />
Schönes Beispiel sind die erneuerbaren Energien. Deutschland<br />
hat 1990, als noch ein gewisser Herr Töpfer Umweltminister<br />
war, ein Stromeinspeisegesetz für Windenergien beschlossen.<br />
Dann kam das Erneuerbare-Energien-Gesetz in den 1990ern, setzte<br />
auf das alte Stromeinspeisegesetz auf und heute haben wir hoch effiziente<br />
Windenergieanlagen. Ohne diesen Vorlauf wären wir heute nicht<br />
Weltmarktführer und Exportweltmeister in Windenergieanlagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein bisschen provokativ gefragt:
</p>
<p>
<b>Ruupe:</b> Die Prognosen lauten auf einen Energiebedarf<br />
von weiteren circa 50 Prozent in den kommenden Jahren. Um wie viel<br />
lässt sich dieser weltweite Mehrbedarf reduzieren, wenn ich<br />
Energiesparlampen reindrehe?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge: </b>Das ist das typische Argumentationsmuster,<br />
das wir in jeder Politik, nicht nur in der Klimapolitik, haben.<br />
Welchen Teil macht mein möglicher Beitrag zum Gesamtziel aus?<br />
Jeder Beitrag ist nur klein, aber setzt auch Vorbilder für<br />
andere und regt zum Nachahmen an. Insbesondere dann, wenn man mit<br />
Energiesparlampen, rechnet man Einkaufspreis und Strom zusammen,<br />
richtig Geld sparen kann. Wie ich es gestern mal wieder in einer<br />
Talkrunde gehört habe: &quot;Warum ist der Flugverkehr im Klimaschutz<br />
so wichtig, da doch die Kohlekraftwerke viel mehr Co² ausstoßen?&quot;
</p>
<p>
Jetzt wird es für mich wichtig: Die Klimaänderung ist<br />
eine so große Bedrohung, dass wir gar nicht mehr fragen dürfen:<br />
&quot;Tun wir dieses oder jenes?&quot;, sondern uns aufraffen müssen,<br />
alles zu tun, was in unseren Kräften steht. Also weniger Kohlekraftwerke,<br />
weniger Treibhausgase aus dem Flugverkehr, sparsamere Autos, gedämmte<br />
Autos und gedämmte Häuser.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben ja vor dem Chat wie immer<br />
Fragen gestellt: Das hier war die am höchsten bewertete:
</p>
<p>
<b>AGER e.V.</b>: In Deutschland sind mehr als 20 neue<br />
Kohlekraftwerke geplant. Der Co²-Ausstoß wird immens<br />
sein. Warum erlaubt die Regierung den Bau dieser Kraftwerke? Sind<br />
diese Emissionen in der aktuellen Co²-Kalkulationen für<br />
Deutschland schon enthalten? Wenn nicht, wären es zusätzliche<br />
Emissionen? Wo würde das Co² eingespart werden?</p>
<p><b>Andreas Troge:</b> Erstens: Nach meiner Kenntnis sind<br />
momentan neun Kraftwerke, davon drei Gaskraftwerke, geplant oder<br />
in Bau, die bis zum Jahr 2012 ans Netz gehen. Es gibt andere Zahlen,<br />
die reden von 20 &#8211; 40 Kraftwerken. Dabei handelt es sich bei diesen<br />
anderen höheren Zahlen um bloße Absichtserklärungen,<br />
die bei der deutschen Netzagentur angemeldet werden.
</p>
<p>
Warum verhindert die Bundesregierung keine Kohlekraftwerke? Die<br />
einfache Antwort wäre, jeder, der ein Kohlekraftwerk haben<br />
möchte, kann eines bauen, falls er die Anforderung nach dem<br />
Imissionsschutzrecht und die örtlichen Voraussetzungen erfüllt.<br />
Also genügend Kühlwasser, Zufahrtsmöglichkeiten und<br />
die Beachtung der Lärmbelästigung. Trotzdem regulieren<br />
die Bundesregierung und die Europäische Union Kohlekraftwerke,<br />
aber aus einer ganz anderen Ecke, nämlich über den Emissionshandel.<br />
Der Emissionshandel beschränkt die Menge der jährlich<br />
aus Kraftwerken ausgestoßenen Kohlendioxidemission.
</p>
<p>
Man muss sich das so vorstellen: Ein großes Kraftwerk erhält<br />
ein Emissionszertifikat, also eine Berechtigung Emissionen auszustoßen<br />
(beispielsweise 2,5 Millionen Tonnen). Diese Menge hat die Bundesregierung<br />
jetzt herabgesetzt, um 57 Millionen Tonnen für Gesamtdeutschland.<br />
Das bedeutet beispielsweise, dass ein Kraftwerk nicht mehr zwei<br />
Millionen Tonnen für ein Jahr bekommt, sondern 1,9. Das heißt,<br />
es muss, wenn es weiterhin zwei Millionen ausstoßen wollte,<br />
sich von einem anderen Kraftwerk Emissionsberechtigungen kaufen<br />
in Höhe von 100.000 Tonnen. Das macht Kohle teuer.
</p>
<p>
Zweitens wird ab 2013 aller Voraussicht nach kein Zertifikat, keine<br />
Emissionsberechtigung, mehr unentgeltlich vom Staat an die Stromerzeuger<br />
gegeben, sondern nur noch gegen Entgelt. Der Preis für die<br />
2008er Zertifikate liegt zur Zeit zwischen 21 und 23 Euro pro Jahrestonne<br />
Co². Das heißt, wer Kohlendioxid ausstößt,<br />
muss die immer knapper werdenden Zertifikate zu immer höheren<br />
Preisen kaufen. Das macht Kohle immer weniger konkurrenzfähig<br />
und zwar aus Klimaschutzgründen, so dass die Antwort auf die<br />
Frage heißt: Die Bundesregierung regelt nicht das einzelne<br />
Kraftwerk, sondern die Gesamtmenge des Kohlenstoffdioxidausstoßes<br />
aller Kraftwerke. Welches Kraftwerk wie stark Strom produziert,<br />
hängt dann von den wirtschaftlichen Überlegungen der einzelnen<br />
Kraftwerksbetreiber ab. Den Umweltschützern kommt es aber auf<br />
eines an: Mit der Co²-Menge pro Jahr, die wir ausstoßen,<br />
muss es runter gehen, egal wo Co² herkommt und aus welchem<br />
Kraftwerk.
</p>
<p>
Meine Prognose ist, jeder Investor ist heute schlecht beraten,<br />
ein Kondensationskraftwerk neu zu bauen, also ein Kraftwerk, das<br />
nur Strom produziert und die Wärme in die Umwelt entlässt,<br />
weil diese Kraftwerke pro Kilowattstunde viel Co² ausstoßen<br />
und wertvolle Zertifikate brauchen, die man sonst am Markt verkaufen<br />
könnte oder nicht kaufen müsste. Kohlekraftwerke haben<br />
eine Zukunft als dezentrale, relativ kleine Kraftwärmekopplungsanlagen.
</p>
<p>
<b>Smallville:</b> Bezogen auf die Frage mit den Kraftwerken:<br />
Wurden bei der Einführung des Emissionshandels nicht erhebliche<br />
Fehler gemacht? Schließlich liegt der Preis pro Tonne Co²<br />
aktuell bei gerade mal fünf Cent?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja und Nein. Ja deshalb, weil wir<br />
rückblickend sagen können, dass zuviel Zertifikate vor<br />
allem auch noch kostenlos verteilt worden sind. Nein, weil damals<br />
niemand wusste, wie viel Co²die einzelnen Kraftwerke ausstießen.<br />
Und nein auch deshalb, weil es damals (im Jahre 2003/2004) überhaupt<br />
um die Frage ging, einen Emissionshandel einzuführen. Denn<br />
die Ausgangslage hieß, jedes Kraftwerk durfte unentgeltlich<br />
so viel Co² ausstoßen, wie es wollte &#8211; und betrachtete<br />
dies als sein Eigentumsrecht. Plötzlich kam der Staat und sagte<br />
&quot;Du darfst das nicht mehr unbegrenzt ausstoßen, Kraftwerksbetreiber&quot;<br />
und da war es klug, zwei Dinge zu tun: Erstens: die Menge nicht<br />
allzu sehr zu verkürzen, die jährliche Emissionskraft<br />
nicht zu sehr zu verkürzen, weil der Widerstand sonst enorm<br />
gewesen wäre. Und zweitens: die Zertifikate auch unentgeltlich<br />
zu verteilen.
</p>
<p>
Jetzt ist die Situation eine andere: Das Umweltbundesamt weiß<br />
genau, wie viel Co² die Kraftwerke pro Jahr ausstoßen.<br />
Und wir wissen also genau, wenn wir diese Gesamtmenge um zehn oder<br />
20 Prozent reduzieren, was dieses für Kraftwerke bedeutet und<br />
was für Größenordnungen das sind. Im Schritt von<br />
2007 zu 2008 gibt es 57 Millionen weniger Erlaubnisse, Co²<br />
zu emittieren. Das heißt, der Preis steigt und jetzt können<br />
wir aus diesem Gelernten herangehen: Wir als Umweltbundesamt empfehlen<br />
der Bundesregierung in jedem Jahresschritt (Emissionshandelsperiode)<br />
um gut 50 Millionen weitere Tonnen herunterzugehen, was die Gesamtemissionen<br />
an Co² angeht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben gerade den Investoren von<br />
Kohlekraftwerken einen guten Rat gegeben &#8211; wie ist das Echo aus<br />
der Industrie? Wird dieser Rat angenommen? Die medialen Proteste<br />
der Stromkonzerne aus der letzten Zeit sprechen da eher dagegen.
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ein Rat wird erst angenommen, wenn<br />
man im Grunde mit dem letzten Finger am Brunnenrand hängt.<br />
Will heißen, solange die Europäische Union &#8211; das will<br />
sie Anfang des Jahres machen &#8211; nicht den Entwurf einer neuen Emissionshandelsrichtlinie<br />
vorgelegt haben wird, werden die Co²-Emittenten ihre Lobbyposition<br />
verteidigen. Das ist das übliche Geschäft.
</p>
<p>
Ich bin dennoch guten Mutes, dass die kaufmännische Einsicht<br />
darin, wie teuer Kohlekraftwerke sind, die nur Strom produzieren<br />
und nicht gleichzeitig Wärme, dazu führen wird, das viele<br />
Kraftwärmekopplung machen. Weil nur dies im europäischen<br />
Rahmen wettbewerbsfähige Strompreise bringt. Die Industrie<br />
hat das lange erkannt. Sie baut nämlich praktisch ausschließlich<br />
Kraftwärmekopplung, sei es mit Kohle, sei es mit Gas. Deshalb<br />
ist es wichtig, dass die Bundesregierung jetzt mit einem neuen Kraftwärmekopplungsgesetz<br />
diese Tendenz in Richtung Kraftwärmekopplung stärkt und<br />
auch Industrieanlagen, die nicht das öffentliche Stromnetz<br />
bedienen, mit einbezieht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur beliebten Tempolimit-Debatte:
</p>
<p>
<b>hanswurschd:</b> Warum wird immer der Pkw-Fahrer verteufelt<br />
und soll Schuld an allem sein, speziell der Dieselfahrer?
</p>
<p>
<b>Hacken:</b> Macht ein Tempolimit auf Autobahnen Sinn,<br />
um das Klima zu schützen, oder ist der Preis eines Tempolimits<br />
zu hoch, um einen zu geringen Anteil der Co²-Ausstöße<br />
zu verhindern?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Zum ersten Aspekt: Niemand verteufelt<br />
Pkw-Fahrer oder Dieselfahrer, sondern wir fragen ganz vernünftig<br />
nicht nach Schuld, sondern nach dem möglichen Beitrag zum Klimaschutz.<br />
Richtig ist, dass das Bundesumweltamt weniger die öffentliche<br />
Debatte, sondern alle Co²-Quellen im Blick hat &#8211; übrigens<br />
schon im September 2005 umfangreich publiziert (auf der Internetpräsenz<br />
des Umweltbundesamtes finden sich 21 Thesen zum Thema &quot;Klimaschutz<br />
im 21. Jahrhundert&quot;). Ich sage nur zwei Dinge: Wir brauchen<br />
alle Beiträge möglichst schnell, um mit den Treibhausgasemissionen<br />
herunterzukommen.
</p>
<p>
Denn die internationale Wissenschaftsgemeinde sagt, wir müssen<br />
die nächsten fünfzehn Jahren nutzen, um einen Temperaturanstieg<br />
um mehr als zwei Grad global bis Ende des Jahrhunderts zu vermeiden.<br />
Beim Diesel geht es um alle Diesel, Pkw, Lkw, Bahn, Schiffe &#8211; überall<br />
muss der Ruß verringert werden. Manches können wir in<br />
Europa (Pkw, Lkw), manches können wir allein in Deutschland<br />
(Bahn), manches können wir nur im Rahmen der UN (Schiffe).<br />
An allem sind wir dran (die Bundesregierung).
</p>
<p>
Was bringt das Tempolimit auf Autobahnen? Es bringt nach unseren<br />
(allerdings etwas alten Berechnungen) etwa drei Millionen Tonnen<br />
weniger Co² pro Jahr in Deutschland. Bei Tempo 120, bei Tempo<br />
130 vermutlich etwas weniger. Zum Vergleich: Das Gebäudesanierungsprogramm<br />
der Kreditanstalt für Wiederaufbau zum Energiesparen in unseren<br />
Wohnungen brachte im letzten Jahr knapp eine Million Tonnen.
</p>
<p>
Auch hier gilt: Jeder Beitrag zählt. Insbesondere weil jede<br />
Erneuerung langlebiger Güter wie Häuser (100 Jahre Lebenserwartung),<br />
wie Autos (12 Jahre Lebenserwartung) sehr lange braucht, bis die<br />
energiesparenden Güter den jeweiligen Bestand prägen.<br />
Also, wir brauchen etwa zwölf Jahre ab 2012 gerechnet, bis<br />
alle Pkw im Durchschnitt nur noch 130 Gramm Co² pro Kilometer<br />
ausstoßen.
</p>
<p>
Ein Tempolimit wirkt (nachdem sich die Fahrerinnen und Fahrer an<br />
intensivere Geschwindigkeitskontrollen gewöhnt haben), etwa<br />
schon nach zwei bis drei Jahren. Und beim Tempolimit nicht zu vergessen:<br />
Wer weiß, dass er nicht mehr als 120 oder 130 fahren darf<br />
und bei 150 bis 160 richtig Punkte und Fahrverbote bekäme,<br />
kommt vielleicht auf die Idee, dass das nächste Auto nicht<br />
unbedingt über 200 fahren muss &#8211; und schon deshalb (geringere<br />
Motorisierung, leichtere Bauweise) viel weniger Sprit als das Hochleistungsauto<br />
braucht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zur Frage der Kontrolle ein Kommentar<br />
von:
</p>
<p>
<b>ingmar:</b> Ich habe Angst vorm Tempolimit &#8211; nicht<br />
weil ich dann nicht mehr rasen kann, das werde ich immer noch können.<br />
Angst habe ich vor der Technik, die das Tempolimit kontrollieren<br />
werden wird (siehe momentane Diskussion um Kennzeichenerfassung).
</p>
<p>
<b>Andreas Troge: </b>Wenn Sie sich ans Tempolimit halten,<br />
haben Sie ja keine Personenkontrolle zu fürchten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Tempolimit: Wird die öffentliche<br />
Diskussion von Seiten der Politiker fair geführt? Eigentlich<br />
sollte man meinen: &quot;Zahlen lügen nicht&quot;?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Soweit Politik überhaupt fair<br />
ist, wird die Diskussion fair geführt. Ich gestehe ja auch<br />
freimütig: Leider sind die Zahlen die wir aus dem Verkehrsministerium<br />
haben von 1993. Wir argumentieren mit alten Zahlen, weil es leider<br />
keine neue amtliche Statistik oder amtliche Erhebung gibt. Nämlich<br />
erstens, wie lang sind die Strecken ohne Tempolimit auf deutschen<br />
Autobahnen? Zweitens: Wie viel Fahrstrecke passiert auf diesen Autobahnabschnitten?<br />
Und drittens: Wie viele Autos fahren über 120, über 130,<br />
über 150 und welche Autos sind dies? Wir stoßen jetzt<br />
gerade eine neue Untersuchung an und können dann berechnen,<br />
wie viel Co² ein Tempolimit von 130 oder 120 erbrächte.<br />
Meine Erwartung: Weil die Autobahnen immer mehr Verkehr anziehen<br />
und die Fahrzeuge immer mehr PS unter der Motorhaube haben, dürfte<br />
die Tendenz des Co²-Ausstoßes aus Pkw heute eher nach<br />
oben denn nach unten gehen.
</p>
<p>
<b>Smallville:</b> Zum Tempolimit: Aber es gibt doch<br />
auch andere Länder mit Tempolimit (USA) und dort werden trotzdem<br />
Autos gekauft und gebaut, die deutlich schneller fahren können.<br />
Ist es nicht blauäugig zu denken, dass man die Menschen so<br />
zu einem anderen Verhalten anregt?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Blauäugig nicht. Der Umstand,<br />
dass schnell fahrende Fahrzeuge auch in den USA zugelassen sind,<br />
zeigt ja im Grunde, dass unser Premium-Sortiment bei schnellen und<br />
starken Fahrzeugen nicht davon abhängt, dass wir freie Fahrt<br />
auf deutschen Autobahnen zulassen. Wir sind Gewohnheitstiere. So<br />
lange wir daran gewöhnt sind, jede Geschwindigkeit zu fahren,<br />
die das Auto hergibt, werden wir dies auch immer mal tun. Und dieses<br />
„immer mal“ führt dazu, dass die Geschwindigkeitsdifferenzen<br />
zwischen langsamen und schnellen Fahrzeugen (Pkw) auf den Autobahnen<br />
größer werden. Weil diese Geschwindigkeitsdifferenzen<br />
größere Abstände brauchen, sinkt damit die Aufnahmekapazitäten<br />
der Autobahnen. Dies drängt zu Ausbau und Neubau.
</p>
<p>
Wer also die natürlichen Lebensgrundlagen schonen will, sollte<br />
für einen gleichmäßigeren Verkehr auch auf unseren<br />
Autobahnen plädieren. Vor allen Dingen deshalb, weil damit<br />
das Risiko von Unfällen mit Todesfolge oder schweren Verletzungen<br />
um etwa einen Drittel abnimmt. Wir werden uns an das Gleichmäßige<br />
gewöhnen, wie uns viele deutsche Schnellfahrer erklären,<br />
die mal einige Monate in den USA lebten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Den zweiten Teil der Frage haben Sie<br />
ja schon beantwortet, aber der erste Teil ist noch offen:
</p>
<p>
<b>KeinRaser:</b> Ist die Forderung nach einem Tempolimit<br />
gerade in Deutschland nicht superschwierig durchzusetzen? Was würde<br />
das Limit für die Umwelt bringen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Prognostizieren Sie doch mal: In welchem<br />
Jahr kommt das Tempolimit?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge</b>: Also ich habe Zeit. Das Umweltbundesamt<br />
fordert dies seit mehr als fünfzehn Jahren. Ich rechne in den<br />
nächsten fünf Jahren damit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weil es auch in unserem Einführungstext<br />
stand: Zurück zur Kohle und Akw-Diskussion:
</p>
<p>
<b>emjay:</b> Es wird immer gern die Kernenergie als<br />
alternative klimafreundliche Energie angegeben. Dabei handelt es<br />
sich bei der Annahme, wie viel spaltbares Material tatsächlich<br />
abbaubar ist, nur um grobe, vielleicht auch zu optimistische Schätzungen.<br />
Womit sollen wir aber heizen / PCs betreiben et cetera?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Eine Faustregel, die wir seit einigen<br />
Jahren als ein Ziel im Umweltbundesamt vorgeschlagen haben: Bis<br />
2050 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch durch Energieeffizienz<br />
und hiervon 50 Prozent Anteil erneuerbare Energien, Restgas und<br />
Kohle. Das würde uns erlauben, die Kohlenstoffdioxidemissionen<br />
in Deutschland um 80 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Wie<br />
es bereits die Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der<br />
Erdatmosphäre“ 1989 öffentlich formulierte: Es gibt<br />
noch Konstanz in der Entwicklung.
</p>
<p>
Wer auf Kernenergie setzt, der sagt im Grunde, wir machen nur noch<br />
&quot;Umweltschutz ist Klimaschutz&quot;. Kernenergie hat aber Strahlenrisiken,<br />
durch im Betrieb normale Unfälle, durch Terroranschläge<br />
(also vorsätzliche Unfälle &#8211; ich hoffe, so etwas kommt<br />
nie) und letztlich durch die Frage &quot;Was machen wir mit den<br />
Abfällen?&quot;. Eine Frage, die wir in Deutschland noch nicht<br />
beantwortet haben.
</p>
<p>
Wir müssen aufpassen, dass wir mit der weiteren Nutzung von<br />
Kernenergie das Klimarisiko nicht durch das Strahlenrisiko ersetzen.<br />
Um ein Beispiel zu geben: Eine mit Biomasse betriebene Kraftwärmekopplung<br />
hat ähnlich niedrige Kohlendioxidwerte wie ein Kernkraftwerk.<br />
Und in der weltweiten Betrachtung gilt vor allem: Wer Kernenergie<br />
weltweit durch Zubau von Kraftwerken nutzen will (wir haben jetzt<br />
etwa 440) müsste schon in Größenordnungen von etwa<br />
1000 kommen. Die Uranreserven hierfür wären zu erschließen,<br />
mit dem Effekt wesentlich höherer Kosten. Und sie würden<br />
nicht reichen, denn wir müssten dann in die Wiederaufarbeitung<br />
gehen. Die Wiederaufarbeitung ist einer der chemisch und energetisch<br />
intensivsten Prozesse, die wir kennen. Anders formuliert: Die Verallgemeinerung<br />
der Kernenergie zum Klimaschutz lässt nicht nur das Strahlenrisiko<br />
wachsen, sondern auch das Klimaproblem.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal aus dem unserem &quot;Warteraum&quot;<br />
ganz konkret zum Thema Auto:
</p>
<p>
<b>ReneWabel:</b> Elektroautos bzw. Plug-In-Fahrzeuge<br />
&#8211; Wie kann man die Marktdurchdringung unterstützen?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ich darf zunächst mal sagen,<br />
bei Elektroautos sind wir beim Umweltbundesamt sehr optimistisch,<br />
dass wir im nächsten Jahr bei Lithium-Ionen-Akkus vorankommen.<br />
Die sind zu begünstigen beispielsweise durch eine Kraftfahrzeugssteuer,<br />
die sich neben den üblichen Schadstoffen auf den Co²-Ausstoß<br />
der Fahrzeuge bezieht. Gleiches gilt übrigens für eine<br />
zweite hoffnungsstimulierende Entwicklung, nämlich den Gasantrieb<br />
mit Hilfe biogenerzeugten Gases. Hier haben wir mit der Markteinführung<br />
von Erdgasautos und Tankstellen schon eine gewisse Infrastruktur<br />
geschaffen, die auch von Biogas zu nutzen ist.
</p>
<p>
Nicht zuletzt deshalb ist es ein Fortschritt, dass die Bundesregierung<br />
die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz fördern will. Denn<br />
man muss ja nicht rein Bio fahren, sondern kann das auch gemischt<br />
machen. Vorteil der Biogasverwendung: Man kann die bisherigen Antriebe<br />
weitgehend nutzen und ich sagte eingehend: Was schnell geht, nutzt<br />
dem Klimaschutz doppelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mal ab von der Treibhausgas-Debatte:<br />
Welche Umweltthemen werden in der Öffentlichkeit zu wenig diskutiert?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Zu wenig wird all das diskutiert,<br />
was uns aus der Umwelt krank macht. Lärm, Chemikalien in den<br />
Innenräumen und Feinstaub. Zu wenig diskutiert wird das Thema<br />
biologische Vielfalt, weil die Vielfalt des uns umgebenden Lebenden<br />
unsere eigene Existenz darstellt. Nur wenn wir Vielfalt haben, gleichen<br />
sich Risiken in unseren Lebensbedingungen aus und wir haben die<br />
Möglichkeit unser Leben (am Ende der Nahrungskette stehend)<br />
hierauf auszubauen.
</p>
<p>
Ein weiteres wichtiges Thema scheint mir das Thema &quot;Die Flächennutzung<br />
für Siedlung und Verkehr&quot; zu sein. Denn dieses haben wir<br />
noch nicht als Problem begriffen. Wir brauchen heute etwa 118 Hektar<br />
für Siedlung und Verkehr zusätzlich. Die Bundesregierung<br />
hat das Ziel, diesen Zusatzbedarf bis 2020 auf dreißig Hektar<br />
pro Tag zu drücken. Das bedeutet, wir müssen uns in unsere<br />
angestammten Siedlungsgebiete zurückziehen, um der Mitgeschöpflichkeit<br />
mehr Entfaltungsraum zu lassen. Denn das Besondere der biologischen<br />
Vielfalt ist, wir müssen sie praktisch um ihrer selbst schützen.<br />
Und logisch deshalb, weil wir nicht wissen, was sie uns –<br />
zukünftig &#8211; nutzen kann. Nicht, was sie uns heute nutzen kann,<br />
sondern die Nutzungsoption. Auch hier werden wir es ähnlich<br />
haben, wie beim Klimaschutz: Wirtschaftliche Erwägungen werden<br />
uns in die richtige Richtung bringen. Bei abnehmender Bevölkerung<br />
stellt sich nämlich die Frage, ob diese auf immer mehr Fläche<br />
verteilt werden sollte, denn pro Kopf stellen sich die Infrastrukturkosten<br />
(Wasser, Abwasser, Gas, Strom, öffentlicher Personennahverkehr)<br />
progressiv.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 60 Minuten tagesschau-Chat sind leider<br />
schon wieder vorbei. Vielen Dank Herr Troge, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind. Das tagesschau-Chat -Team wünscht noch einen<br />
schönen Abend!
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Herzlichen Dank!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Öl aus Menschenfleisch: Yes Men foppen Öl-Lobby</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Gievert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Jun 2007 12:48:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[eCampaigning]]></category>
		<category><![CDATA[Yes Men]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
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					<description><![CDATA[Yes! Die Yes Men haben auf einer Ölindustriekonferenz in Kanada ihre Lösung für die weltweite Ölkrise präsentiert: Vivoleum (TM). Der aus den Körpern toter Menschen gewonnene Energieträger soll unter dem Motto "You light up my life" die ausgehenden Ressourcen an Öl ersetzen, behaupteten zwei Aktivisten - die auf dem Podium als angebliche Mitarbeiter des Öl-Multis ExxonMobil und Vertreter des National Oil Councils sprachen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Yes! Die Yes Men haben auf einer Ölindustriekonferenz in Kanada ihre Lösung für die weltweite Ölkrise präsentiert: Vivoleum (TM). Der aus den Körpern toter Menschen gewonnene Energieträger soll unter dem Motto &#8220;You light up my life&#8221; die ausgehenden Ressourcen an Öl ersetzen, behaupteten zwei Aktivisten &#8211; die auf dem Podium als angebliche Mitarbeiter des Öl-Multis ExxonMobil und Vertreter des National Oil Councils sprachen.</p>
<p><!--break--><br />
Schließlich würden jährlich 150.000 Menschen an den Folgen des Klimawandels sterben &#8211; und es sei doch grausam, diese Chance nicht zu nutzen, so die fiktiven Öl-Lobbyisten. Die 300 Zuhörer der Rede entzündeten Gedenk-Kerzen aus <a href="http://www.vivoleum.com" >Vivoleum (TM)</a>, die angeblich aus dem verstorbenen ExxonMobile-Hausmeister <a href="http://www.vivoleum.com/event/ppt/vids/Tributenew.mov" >Reggie Watts (Quicktime-Video)</a> hergestellt worden seien. Die Präsentation der beiden Redner ist ebenfalls auf der angeblichen ExxonMobile-Homepage als .ppt <a href="http://www.vivoleum.com/event/ppt/exxon.ppt" >online</a>.<br />
Mit der Aktion wollten die Yes Men auf die umweltschädliche Ausbeutung von Ölsand in Kanada aufmerksam machen. Die <a href="http://www.yesmen.org" >Yes Men</a> sind eine Gruppe von Aktivisten, die sich als angebliche Vertreter von Konzernen oder Behörden als Redner auf Podien einladen lassen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Merkel will keine faulen Klima-Kompromisse&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/merkel_will_keine_faulen_klima_kompromisse-488/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jun 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[G8]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Töpfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span class="fett"><b> Klaus Töpfer war am 4. Juni zu Gast im
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der ehemalige
Leiter des UN-Umweltprogramms und Ex-Bundesumweltminister sprach
über den Einfluss der G8-Staaten auf den Klimawandel und den
neuen klimapolitischen Weg von USA und China.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span class="fett"><b> Klaus Töpfer war am 4. Juni zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Der ehemalige<br />
Leiter des UN-Umweltprogramms und Ex-Bundesumweltminister sprach<br />
über den Einfluss der G8-Staaten auf den Klimawandel und den<br />
neuen klimapolitischen Weg von USA und China.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Liebe Globalisierungs- und Klima-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist unser Chat-Gast heute Klaus Töpfer, langjähriger Bundesumweltminister,<br />
langjähriger Leiter des UN-Umweltprogramms und damit einer<br />
der fachkundigsten Politiker bei den Themen Klimaschutz und Globalisierungsproblematik.<br />
Vielen Dank fürs Kommen, Herr Töpfer, kann es losgehen.</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ja. Ich freue mich, dass ich<br />
hier bin. Hoffentlich haben wir viele Interessierte an der anderen<br />
Seite der Leitung. </p>
<p><b>arzt im einsatz:</b> Was könnte es denn für<br />
Auswirkungen haben, wenn sich die USA nicht am Klimaschutz beteiligen?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Die Auswirkungen wären<br />
erstens, dass die Schwellenländer dies als Signal nehmen, selbst<br />
Anstrengungen zu einer kohlenstoffärmeren Energieversorgung<br />
mit einer geringer Priorität zu behandeln. Zweitens, dass auch<br />
andere entwickelte Länder in Europa die Besorgnis hätten,<br />
dadurch Wettbewerbsnachteile zu haben. Drittens, dass viele Menschen<br />
in der Welt die Rolle und die Aufgaben der Vereinigten Staaten von<br />
Amerika extrem kritisch betrachten und an der Leistungsfähigkeit<br />
demokratischer Systeme zweifeln könnten. Letztlich, dass über<br />
25 Prozent der globalen CO²-Emissionen, die von der USA verursacht<br />
werden, in den Kampf gegen den Klimawandel nicht einbezogen würden.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ktoepfer85x.jpg" alt="Klaus Töpfer" height="120" width="85" /><br />
<i>Klaus Töpfer, <br />
ehemaliger Leiter des UN-Umweltprogramms <br />
und Ex-Bundesumweltminister</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt: Klimaschutz-Förderung<br />
ist auch Demokratieförderung?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass ist sehr, sehr<br />
ernst zu betrachten. Wir müssen sehen, dass gegenwärtig<br />
das hohe Wohlstandsniveau der entwickelten Länder auch zu einem<br />
Teil über die Klimafolgekosten durch die Ärmsten der Armen,<br />
etwa in Afrika, durch Wetteränderungen, durch Wüstenbildung,<br />
durch Veränderung der Niederschläge, bezahlt wird. Dies<br />
hat weitreichende Konsequenzen für Spannungen und Krisen in<br />
dieser Welt, auch für Flüchtlingsströme und &#8211; wie<br />
gesagt &#8211; für die Glaubwürdigkeit und moralische Integrität<br />
der hoch entwickelten Demokratien. </p>
<p><b>Moderator:</b> Doppelt zum Thema:</p>
<p><b>davidper: </b>Glauben Sie persönlich an eine konstruktiven<br />
Mitwirkung der Bush-Administration in Sachen Klimaschutz?</p>
<p><b>dreigradkälter:</b> Wie lange können sich<br />
Bush bzw. die USA eigentlich noch weigern, das Kyoto-Protokoll zu<br />
unterzeichnen? Wird der internationale Druck nicht irgendwann zu<br />
stark?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Der internationale Druck ist<br />
Grund dafür, dass Präsident Bush jetzt zum ersten Mal<br />
die Notwendigkeit eines quantitativen Ziels auch für die USA<br />
akzeptiert hat. Nach wie vor bedeutet das nicht die Annahme einer<br />
rechtlichen Verbindlichkeit. Nach wie vor ist dies nicht eingebunden<br />
in den rechtlichen Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen. Und<br />
es war in besonderer Weise der Druck in den USA, der in der jüngsten<br />
Vergangenheit drastisch angestiegen ist. Die Aktivitäten großer<br />
Unternehmen, etwa des weltweit größten Unternehmens,<br />
General Electric, ja selbst General Motors, auf die Bush-Administration<br />
für eine Klimapolitik bestätigen das. Ebenso die Entwicklung<br />
in den Bundesstaaten, so vor allem in Kalifornien mit Gouverneur<br />
Schwarzenegger und in den Neuenglandstaaten. Nicht zuletzt aber<br />
in einem breiten Druck der Zivilgesellschaft, der in besonderer<br />
Weise durch den Film von Al Gore völlig neue Dimensionen erreicht<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Erneuerbare Energien sichern die Wettbewerbsfähigkeit</b></p>
<p><b>malnor:</b> Spätestens seit dem „Stern-Review“<br />
dürften doch die wirtschaftlichen Risiken eines ungebremsten<br />
Klimawandels angekommen sein. Wieso weigern sich die sonst immer<br />
so wirtschaftlich denkenden Amerikaner dann, endlich aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Es ist richtig, die wirtschaftliche<br />
Dimension nicht mit Hinblick auf die Amerikaner, sondern auch mit<br />
Hinblick auf die wachsenden Schwellenländer zu sehen. Zum einen<br />
mit Blick auf die Anpassungskosten an den Klimawandel. Der Bericht<br />
von Sir Nicolas Stern belegt dies und hat gerade auch in der Wirtschaft<br />
der USA, wie bereits zuvor kurz angesprochen, Wirkung gezeigt. Zum<br />
anderen: Die globale wirtschaftliche Entwicklung, so vor allem auch<br />
in China und Indien, bedeutet einen massiven Anstieg der Energienachfrage.<br />
Sie kann nur bei massiv steigenden Preisen und bei erheblicher Versorgungsunsicherheit<br />
bewältigt werden, wenn sich das Energieangebot nur auf Kohle,<br />
Erdöl und Gas begrenzt. Auch die Energieeffizienz ist Voraussetzung<br />
für die Wettbewerbsfähigkeit. Daher sind erneuerbare Energien<br />
und Energieeffizienz auch für die USA eine Grundvoraussetzung,<br />
auch für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. </p>
<p><b>DasWetter:</b> Was ist von Bushs Plan zu halten, mit<br />
China und Indien einen Alleingang in Sachen Klimaschutz zu starten?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dieser Ansatz ist ja gemeinsam<br />
mit Japan und Australien bereits vor einiger Zeit als gemeinsame<br />
Technologie-Initiative gestartet worden. Als Ergänzung zu erfolgreichen<br />
Klima-Verhandlungen im Rahmen der UN ist dieses sinnvoll. Auch Europa<br />
hat mit den asiatischen Staaten und darüber hinaus diese energiebezogene<br />
Technologie-Kooperation deutlich verstärkt. Die Initiative<br />
der USA ist jedoch kein Ersatz, sondern eben nur eine Ergänzung,<br />
eine wichtige Ergänzung, des Klimaprozesses.
</p>
<p>
<b>g-Achter:</b> Ist die Bundeskanzlerin in Sachen Klimaschutz<br />
zu zögerlich, was ein Ergebnis beim G8-Gipfel angeht?</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass die Bundeskanzlerin<br />
sehr herausfordernd in die Verhandlungen eines Schlussdokumentes<br />
in das Thema hineingegangen ist. Sie konnte dies von einer guten<br />
Basis tun, nämlich von dem Beschluss der EU, 20 Prozent &#8211; bei<br />
gemeinsamem Handeln sogar 30 Prozent &#8211; des CO²-Ausstoßes<br />
zurückzuführen. Auch die Akzeptanz der wissenschaftlichen<br />
Fakten, so vor allem die Begrenzung des Klimaanstiegs auf maximal<br />
zwei Grad, sind als nicht verhandlungsfähig gestellt worden.<br />
Dies ist sicherlich keine Zögerlichkeit. Der neue Ansatz aus<br />
Washington führt natürlich dazu, das gemeinsam Erreichbare<br />
so kurz vor dem Gipfel zu analysieren und das Nötige auch als<br />
Untergrenze festzulegen. Zu Recht hat Angela Merkel unmissverständlich<br />
klar gemacht, dass sie faule Kompromisse nicht zu unterzeichnen<br />
gedenkt. </p>
<p><b>Moderator:</b> War der Klimaschutzplan von Bush ein<br />
Versuch, Merkel den Wind aus den Segeln zu nehmen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Es war sicherlich der Versuch,<br />
wieder Wind in die eigenen Segel zu bekommen. Die USA waren und<br />
sind nach wie vor in der Klimafrage unter den hoch entwickelten<br />
Ländern weitgehend isoliert, verbunden mit Australien und neuerdings<br />
auch mit Kanada. Die Chancen der Führerschaft auf diesem Gebiet<br />
wurden vertan. Die technologischen Möglichkeiten der USA sind<br />
für eine wirksame Klimapolitik dringlich erforderlich. </p>
<p><b>Substitut:</b> Sind die Treffen der G8 überhaupt<br />
noch zeitgemäß? Müssen nicht viel mehr Interessenvertreter<br />
beteiligt werden, um über die Themen zu beraten?</p>
<p><b>tom l.: </b>Denken Sie, dass die Teilnehmer des G8-Gipfels<br />
legitimiert sind, für die Völker dieser Welt zu entscheiden?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Die G8 entscheiden nicht für<br />
die Völker dieser Welt. Noch einmal ist zu betonen, dass die<br />
Beratungen und Überlegungen der G8, wie die auch anderer Staatengemeinschaften,<br />
etwa die der Gruppe der 77 &#8211; also der Entwicklungsländer &#8211;<br />
in den rechtlichen Prozess der UN einzubinden sind. Die G8 hat keine<br />
rechtlich verbindliche Entscheidungsmöglichkeit für die<br />
globale Staatengemeinschaft.
</p>
<p>
<b>Globalisierung bedarf der Auseinandersetzung</b></p>
<p><b>Räato: </b>Können Sie die (auch gewalttätigen)<br />
Proteste gegen den Gipfel nachvollziehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer: </b>Ich kann gewalttätige<br />
Proteste nicht nachvollziehen. Und ich bin auch deswegen empört,<br />
weil durch solche Proteste eine Diskussion, die dringlich erforderliche<br />
Diskussion über die Gestaltung der Globalisierung, ganz verdrängt<br />
oder an den Rand gedrückt wird. Globalisierung bedarf auch<br />
der sehr strittigen Auseinandersetzung. Aber eben einer Auseinandersetzung<br />
mit Argumenten und mit Überzeugung, nicht mit Gewalt, die wiederum<br />
nur entsprechende Gegenreaktionen auslöst. So wird die Chance<br />
vertan, anlässlich eines solchen globalen Gespräches den<br />
Verantwortlichen der hoch entwickelten Staaten die Konsequenzen<br />
der Globalisierung vorzustellen und ergänzende Lösungsmöglichkeiten<br />
zu vermitteln. Globalisierung wird nur erfolgreich mit den Menschen<br />
gestaltet werden können. Dies wiederum ist nur möglich,<br />
wenn Globalisierung die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter<br />
vertieft, sondern sie Stück für Stück abbaut. </p>
<p><b>Moderator:</b> Die Veranstalter der Demonstration in<br />
Rostock und Attac-Vertreter haben sich sehr deutlich von den gewalttätigen<br />
Demonstranten distanziert. Wie bewerten Sie das?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist eine gute Entwicklung.<br />
Ich bin sicher, dass sie auch in entsprechende Verhaltensweisen<br />
einmündet und dass man sich von diesen chaotischen Gruppen,<br />
denen die Argumente fehlen und die Gewalt suchen, bei Demonstrationen<br />
distanziert. Dies ist eine gute Voraussetzung für ernsten und<br />
auch fordernden Dialog, auch für Demonstrationen und Protest.<br />
Diese grundgesetzlichen Rechte dürfen in keiner Weise in Frage<br />
gestellt werden. </p>
<p><b>Daniel Fischer: </b>Wie schätzen Sie den Einfluss<br />
der Zivilgesellschaft und die Bedeutung von friedlichen, gewaltfreien<br />
Protesten ein, um den notwendigen Druck auf die Politik auszuüben,<br />
damit der Klimaschutz in der Praxis tatsächlich vorankommt?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dieser Einfluss ist sehr weit<br />
reichend und in demokratischen Staaten auch sehr wirksam. Die klaren<br />
Signale, dass ein wirksamer Klimaschutz auch von den Menschen definitiv<br />
und ultimativ eingefordert wird, ist für die politischen Entscheidungen<br />
in einem demokratischen System von entscheidender Bedeutung. Gerade<br />
deswegen bin ich so daran interessiert, dass diese friedlichen Demonstrationen,<br />
diese Artikulationen an politisches Handeln, sehr machtvoll bestätigt<br />
wird, und nicht durch Chaos und Gewalt erdrückt wird.
</p>
<p>
<b>Das Umweltkapital begrenzt das Wirtschaftswachstum</b>
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie haben die Kluft zwischen Arm und<br />
Reich angesprochen:</p>
<p><b>tom l.:</b> Herr Töpfer, glauben Sie, dass maximale<br />
Profite mit einem ehrlichen und kurzfristigen Umweltschutz vereinbar<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, verantwortliches<br />
wirtschaftliches Handeln kann sich nicht ausrichten an maximalen<br />
kurzfristigen Profiten. Die Stabilität der Gesellschaft im<br />
nationalen und globalen Bereich sind entscheidende Voraussetzungen<br />
für globale wirtschaftliche Entwicklung. Ohne diese Stabilität<br />
in Zeiten von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen<br />
werden auch wirtschaftliche Entwicklungen massiv beeinträchtigt.<br />
Dies gilt auch für den Umweltbereich. Nicht zuletzt in China<br />
ist klar geworden, dass man wirtschaftliches Wachstum nur über<br />
eine begrenzte Zeit ohne Rücksicht auf die Umweltkonsequenzen<br />
maximieren kann. Inzwischen ist das Umweltkapital, also die Verfügbarkeit<br />
und die Sauberkeit von Wasser, die Belastung der Böden, die<br />
Auswirkungen chemischer Stoffe, aber auch die Folgen des Klimawandels,<br />
etwa auf die Wasserwirtschaft, zum begrenzenden Faktor für<br />
das Wirtschaftswachstum geworden. Investitionen in dieses Umweltkapital<br />
erweisen sich nicht als Luxus, sondern als Grundvoraussetzung weiterer<br />
wirtschaftlicher Entwicklung. Diese Erkenntnis wird nicht nur in<br />
China gewonnen und hat auch vor etwa 30, 40 Jahren die Entwicklung<br />
einer bewussten Umweltpolitik in den hoch entwickelten Ländern<br />
zwingend gemacht &#8211; nebenbei auch herausgefordert von einer sehr<br />
kritischen, sehr fordernden Zivilgesellschaft und Bürgerinitiativen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In diesem Zusammenhang: </p>
<p><b>Marbastmann: </b>Wie bewerten Sie den aktuellen chinesischen<br />
CO²-Plan? Wie wird sich China bei den Verhandlungen verhalten?<br />
Moderator: Ist dieser chinesische Plan ein echter Fortschritt?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Zunächst ist festzuhalten,<br />
dass sich China auch in der chinesischen Öffentlichkeit dieser<br />
Herausforderung des Klimawandels stellt. Die Rede des Premierministers<br />
im Parteikongress ist ein Zeichen dieser neuen Orientierung, die<br />
eben nicht mehr nur auf das Wirtschaftswachstum, sondern auch auf<br />
die sozialen Verwerfungen, regionalen Unterschiede zwischen Stadt<br />
und Land sowie auf die weit reichenden Umweltprobleme konkret eingeht.<br />
Der Plan ist umzusetzen und wird, nicht zuletzt auch aus der engen<br />
technologischen Zusammenarbeit mit den hoch entwickelten Staaten,<br />
deutlich weitergehen müssen. Die Entscheidung in China, 20<br />
Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu erhalten,<br />
entspricht der Zielsetzung, die sich auch die EU gegeben hat. <br />
Moderator: Sie sind ja einer der Menschen, der in Sachen Klimaschutz<br />
am meisten unterwegs war:
</p>
<p>
<b>Es gibt nur Verlierer des Klimawandels</b></p>
<p><b>Dogmatix: </b>Ich lebe hier in Irland &#8211; was von der<br />
Distanz nicht weit weg von Deutschland ist. Aber Umweltschutz ist<br />
hier nicht so präsent, man freut sich eher über wärmeres<br />
Wetter durch den Klimawandel. In Tschechien hat der Präsident<br />
sogar ein Buch über das Thema geschrieben. Wie sehr ist das<br />
Klimaproblem eigentlich global gesehen bei den Menschen angekommen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Eine ganz wichtige Frage. Nach<br />
wie vor gibt es die Meinung, dass vom Klimawandel auch viele Menschen<br />
positiv betroffen sind. Dies kann für eine Übergangszeit<br />
sicher auch der Fall sein. Mittel- und langfristig gibt es jedoch<br />
nur Verlierer des Klimawandels: Von den Klimaflüchtlingen bis<br />
hin zu den veränderten Eismassen auf dieser Welt und den damit<br />
verbundenen Veränderungen der Meeresspiegel. Nicht zuletzt<br />
wird auch durch die immer wieder erfolgende Überlegung einiger<br />
Wissenschaftler, dass Klimawandel nicht auf menschliche Aktivitäten<br />
zurückzuführen ist, der Handlungsdruck abgeschwächt.<br />
So ist Klimawandel sicherlich noch nicht überall auf diesem<br />
Globus angekommen. Auch in den Entwicklungsländern wie etwa<br />
in Afrika, die gegen den Klimawandel angesichts ihrer Energiestruktur<br />
nichts tun können &#8211; diesen auch nicht verursachen, wird der<br />
Kampf gegen den Klimawandel als Verpflichtung der hoch entwickelten<br />
Länder angesehen, der das Streben nach mehr wirtschaftlicher<br />
Perspektive nicht in Frage stellen darf. </p>
<p><b>Gerhard123: </b>Gibt es noch wissenschaftlich ernstzunehmende<br />
Zweifel an den Ergebnissen des Weltklimarates?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Wissenschaft besteht immer<br />
darin, dass man bemüht ist, gesichertes Wissen wieder in Frage<br />
zu stellen. Wissenschaft ist nicht die Suche nach bestätigenden<br />
Ereignissen, sondern die gezielte Suche nach widerlegenden, nach<br />
falsifizierenden Fakten. Deswegen muss jeder Wissenschaftler auch<br />
die gesicherten Kenntnisse über den Klimawandel in Frage stellen.<br />
Dies ist nicht zu kritisieren, sondern herauszufordern. Nicht hinzunehmen<br />
ist allerdings, dass die geäußerten Vorbehalte oder Bedenken<br />
als Alibi für Nicht-Handeln missbraucht werden. Eine weniger<br />
kohlenstoffhaltige Energieversorgung ist unter allen Aspekten zwingend<br />
geboten. Wenige Felder politischen Handelns sind wissenschaftlich<br />
so gut abgesichert und erforscht wie die im Klimabereich. <br />
Moderator: Ein Problembereich, den wir im industrialisierten Deutschland<br />
vielleicht gelegentlich aus den Augen verlieren:<br />
mattes: Herr Töpfer, die Entwicklung der Landwirtschaft, vor<br />
allem der Kampf gegen Bodenerosion als erster Schritt, um Umweltkapital<br />
zu sichern, scheint unterzugehen. Welche Rolle spielt die Landwirtschaft<br />
beim G8-Gipfel?</p>
<p><b>baldur:</b> Für wie wichtig halten Sie den Beitrag,<br />
den eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft zum Thema<br />
Klimawandel machen kann?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Der Beitrag der Landnutzung<br />
insgesamt in der Beeinflussung des Klimas ist außerordentlich<br />
weit reichend. Es ist gesichert, dass sowohl die Ozeane als auch<br />
die Lebewesen in den Böden und die Biomasse so genannte Senken<br />
für Kohlendioxid sind. Besonders bedeutsam sind in diesem Zusammenhang<br />
Wälder. Eine ökologisch bewusste Landbewirtschaftung,<br />
eine Erhaltung und Weiterentwicklung von Wäldern erhöhen<br />
damit auch die Senken und ist ein wichtiger Bestandteil jeder Klimapolitik.<br />
So wird zum Beispiel die Aufforstung auch in die Zusammenarbeit<br />
zwischen entwickelten und Entwicklungsländern im so genannten<br />
„sauberen Entwicklungsmechanismus“ (CDM) finanziell<br />
gefördert. Raubbau an Wäldern, Brandrodung und andere<br />
Eingriffe erhöhen dagegen die Risiken des Klimawandels. Nicht<br />
zuletzt ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass auch die Art<br />
der landwirtschaftlichen Produktion und der damit verbundenen Energienutzung<br />
sowie der Einsatz von Kunstdünger Rückwirkungen auf den<br />
Klimawandel haben. Etwas pointiert ist oft gesagt worden: &quot;Wir<br />
essen Öl&quot;. </p>
<p><b>malnor: </b>Sehen sie eine Gefahr in den steigenden<br />
Bestrebungen, Pflanzen als Treibstoffe und ähnliches zu benutzten?<br />
Wird mit diesen theoretisch nachhaltigen Energieträgern nicht<br />
der Druck auf die bestehenden Regenwälder erhöht und der<br />
positive Effekt damit wieder ausgeglichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist eine sehr berechtigte<br />
Besorgnis. Es ist ein Fakt, dass etwa in Malaysia oder Indonesien<br />
der Anbau von Ölpalmen zur Erzeugung von Palmöl weitreichende<br />
Veränderungen in den Wäldern bewirkt hat. Deswegen ist<br />
es zwingend nötig, schnellstmöglich ökologische Standards<br />
als Voraussetzung für die Erzeugung von Biomasse zu verabschieden,<br />
die selbstverständlich auch bei uns selbst gelten müssen.<br />
Die Weiterentwicklung zu einer zweiten Generation der Treibstoffe<br />
aus Biomasse ist massiv in der Forschung und Entwicklung zu unterstützen.<br />
Der Konflikt zwischen &quot;vollen Tellern, vollen Tanks und intakter<br />
Natur&quot; ist stets zu beachten.
</p>
<p>
<b>Das Konsumverhalten muss sich verändern</b></p>
<p><b>Marko: </b>Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen<br />
Klimaschutz und Bevölkerungspolitik? Etwas platt gefragt: Muss<br />
die Weltbevölkerung nicht möglichst abnehmen, um einen<br />
effektiven Klimaschutz zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Klaus Töpfer:</b> Ich glaube, dass wir zunächst<br />
einmal hinterfragen müssen, ob es sinnvoll ist, dass 20 Prozent<br />
der Weltbevölkerung, also die Menschen in den hoch entwickelten<br />
Ländern, 80 Prozent der Ressourcen für sich in Anspruch<br />
nehmen. Die Bevölkerungsfrage stellt sich bereits gegenwärtig,<br />
wenn jeder Mensch dieser Welt denselben Anspruch an Energie, Rohstoffen<br />
und Lebensmittelversorgung hätte wie der Durchschnitt in den<br />
hoch entwickelten Ländern. Es muss also der Einsatz auch bei<br />
einer Veränderung des Konsumverhaltens in diesen Ländern<br />
glaubwürdig in Angriff genommen werden. Es zeigt sich auch,<br />
dass die Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Regionen<br />
sehr eng geknüpft ist an die Lebensmöglichkeiten in diesen<br />
Ländern. </p>
<p><b>mpichemieAndreas:</b> Menschen, die den Klimawandel<br />
ernst nehmen und differenziert betrachten, tun dies oft, weil sie<br />
viel gereist sind und verschiedensten Landschaften und Kulturen<br />
begegnet sind. Andererseits sollten wir insbesondere Flugreisen<br />
einschränken. Ich würde mich über einen Kommentar<br />
zu diesem Widerspruch sehr freuen.</p>
<p><b>Klaus Töpfer:</b> Dies ist im Kern kein Widerspruch.<br />
Auch in Zukunft bedeutet Globalisierung immer die Möglichkeit,<br />
Kontakt zu haben mit anderen Menschen, andere Regionen kennen zu<br />
lernen, Verständnis zu entwickeln für unterschiedliche<br />
Kulturen, Werte und Überzeugungen. Dies ist durchaus in Einklang<br />
zu bringen mit einem sehr viel bewussteren, sparsameren Reisen,<br />
mit weniger Kurzzeittrips und längeren, aber wesentlich wenigeren<br />
Reisen. Es ist auch in Einklang zu bringen damit, dass Flugbenzin<br />
besteuert wird und dass die Kosten der Umweltnutzung auch bei diesen<br />
Reisen in den Preisen berücksichtigt werden. So wünsche<br />
ich Ihnen auch weiterhin viele gute Kontakte um die ganze Welt herum,<br />
die, wie sie ja wissen, auch sehr gut gepflegt werden können<br />
mit den modernen Techniken der Informations- und Kommunikationstechnologie<br />
&#8211; nicht zuletzt mit der Technologie, durch die ich mich heute mit<br />
ihnen unterhalten konnte. Nebenbei: Ohne Reisen, ohne CO²-Belastung,<br />
ohne Lärm &#8211; von Irland bis Deutschland, sicherlich auch rund<br />
um die Erde. Herzlichen Dank, dass Sie in dieser Stunde mitgewirkt<br />
haben.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren unsere 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wer ihn verpasst hat, kann wie immer das komplette Protokoll dieser<br />
Diskussion in Kürze auf www.tagesschau.de oder www.politik-digital.de<br />
nachlesen. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und die zahlreichen<br />
Fragen und herzlichen Dank an Herrn Töpfer, dass Sie sich die<br />
Zeit für den Chat genommen haben.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Mehr als eine Vorbildfunktion kann ein einzelnes Land nicht leisten&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Vockenroth]]></category>
		<category><![CDATA[Spitzbergen]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsstation]]></category>
		<category><![CDATA[Globale Erwärmung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Norwegen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Donnerstag, 10. August, <span style="font-size: x-small">war Rainer Vockenroth in 
Spitzbergen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. 
Er beantwortete Fragen zum globalen Klima, zur Verlangsamung des 
Golfstroms und zu den Schreckensszenarien, die Hollywoodfilme zeichnen.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Donnerstag, 10. August, <span style="font-size: x-small">war Rainer Vockenroth in<br />
Spitzbergen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Er beantwortete Fragen zum globalen Klima, zur Verlangsamung des<br />
Golfstroms und zu den Schreckensszenarien, die Hollywoodfilme zeichnen.</span></span></span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Ich begrüße<br />
heute bei uns im Tagesschau-Chat den Klimaexperten Rainer Vockenroth,<br />
Leiter einer deutschen Forschungsstation auf Spitzbergen. Der Chat<br />
wird aus der tagesschau.de-Redaktion in Hamburg moderiert. Ein Hinweis<br />
an die User: Wir werden die Fragen thematisch sortieren. Herr Vockenroth<br />
ist uns nun in Spitzbergen zugeschaltet. Können wir anfangen?</p>
<p><b>Rainer Vockenroth:</b> Von mir aus können wir<br />
starten.</p>
<p>Moderator: In den vergangenen Wochen gab es viele Medienberichte<br />
über die sommerlichen Hitzerekorde. Sind wir bereits mitten<br />
im Klimawandel?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Es gibt Anzeichen für<br />
klimatische Veränderungen. Dass es sich um den Klimawandel<br />
handelt, kann man noch nicht sagen.
</p>
<p>
<b>manes1:</b> Stimmt es, dass die durchschnittliche<br />
Erwärmung in kälteren Gebieten überdurchschnittlich<br />
stark ansteigen wird?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Die Temperaturen in den arktischen<br />
Gebieten sind während der letzten 50 Jahre stärker gestiegen<br />
als im weltweiten Mittel. Die arktischen Regionen sind für<br />
die klimatische Entwicklung auf der Erde von großer Bedeutung.<br />
Aus dem Temperaturgefälle zwischen Äquator und Pol ergibt<br />
sich die Dynamik des Wetters und Klimageschehens. Deshalb sind Veränderungen<br />
in den Polaren Gebieten mit besonderer Aufmerksamkeit zu verfolgen.
</p>
<p>
<b>christoph m:</b> Der Golfstrom soll schon 25% an Fahrt<br />
verloren haben. Wie wahrscheinlich ist das komplette Abreißen<br />
und welche Zeiträume sind zu erwarten?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Auch dazu gibt es noch keine<br />
exakten Daten der Golfstrom ist ein wichtiger Bestandteil im globalen<br />
Energie-Wärmeaustausch. Temperatur und Flußveränderungen<br />
wurden gemessen. Die Modelle können aber noch nicht vorausberechnen,<br />
ob der Golfstrom zum Erliegen kommt. Etliche Untersuchungen zu diesem<br />
Thema sind noch Gegenstand der aktuellen Forschung.
</p>
<p>
<b>Holden20:</b> Was halten sie von den Aussagen einiger<br />
Wissenschaftler sowie des Schriftstellers Michael Crichton, dass<br />
die Umweltverschmutzung nicht Schuld sei am Klimawandel, sondern<br />
dass es gar kein Klimawandel gäbe?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Nach dem ACIA Arctic Climate<br />
Impact Assessment, einem internationalen Forschungsbericht, sind<br />
die Hinweise darauf, dass menschlicher Einfluss die Erwärmung<br />
verändert, heißt verstärkt, sehr deutlich. Es gibt<br />
einen Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und der Zunahme der Erwärmung.<br />
Ein Teil dieser Erwärmung hat aber immer noch mit dem Ausklingen<br />
der letzten Eiszeit zu tun.
</p>
<p>
<b>MatthiasBN:</b> Das Thema Klima ist so komplex und<br />
unser blauer Planet ist so riesengroß. Wenn wir heute die<br />
Zeichen eines Klimawandels sehen, ist es nicht schon zu spät<br />
etwas zu tun? Ist das Kind nicht schon in den Brunnen gefallen?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth: </b>Schwierige Frage, da sich unsere<br />
Zukunftssicht aus berechneten Modellen ergibt. Wir arbeiten noch<br />
immer daran, diese Modelle zu verbessern. Dazu sind langfristige<br />
Messreihen von Nöten. Bei einigen Phänomenen, wie z. B.<br />
dem Ozonabbau zeigt sich, dass die Verminderung des FCKW-Ausstoßes<br />
auch zu einer Verlangsamung des Abbauprozesses führt. Wohin<br />
die letztendliche Entwicklung führt, kann man aber nicht sicher<br />
vorhersagen. Im Augenblick zeigen die Modellrechnungen in Richtung<br />
Erwärmung und es wird auch daran gearbeitet, zu berechnen,<br />
was passiert, wenn man erkannte Ursachen abstellt. Dass das Kind<br />
bereits in den Brunnen gefallen ist, würde ich nicht sagen.
</p>
<p>
<b>Catherine:</b> Gibt es Modellansätze, die die<br />
Frage beantworten, wie weit die Klimaerwärmung fortschreiten<br />
wird ehe sich ein neues Gleichgewicht auf der Erde (CO2-Temperatur)<br />
eingestellt hat, das auf langfristiger (geologischer) Zeitskala<br />
Bestand hat? Wie sehen die Lebensbedingungen für den Menschen<br />
dann aus?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Es wird zu einer großen<br />
Anzahl von zivilisatorischen Wanderungsbewegungen kommen, da die<br />
Menschen sich in Lebensräume zurückziehen müssen,<br />
an die sie angepasst sind. Wie die Bedingungen genau aussehen kann<br />
ich nicht konkret beantworten.
</p>
<p>
<b>Glenn Hinze-Tully:</b> Findet Ihrer Meinung nach hier<br />
in Deutschland eine ausreichende Aufklärung der Bevölkerung<br />
seitens der Bundesregierung und der Medien statt, oder sollte aufgrund<br />
der noch oder nicht mehr so unklaren Folgen für unsere Zukunft<br />
und die unserer Kinder nicht ein sofortiges Umdenken gefordert werden,<br />
wobei der Klimaveränderung höhere Priorität im Bundestag<br />
eingeräumt wird und über die Medien eine wirkungsvolle<br />
Aufklärung der Bevölkerung gestartet wird.</p>
<p><b>Rainer Vockenroth:</b> In Deutschland gibt es bereits<br />
eine sehr hohe Sensibilität für umweltbezogene Fragen.<br />
Jede Form von Maßnahmen, die sich klimarelevant auswirken<br />
sollen, müssen auf globaler Ebene entschieden werden. Mehr<br />
als eine Vorbildfunktion kann ein einzelnes Land nicht leisten.<br />
Die internationalen Diskussionen zu diesen Themen ist im Gange,<br />
gerät aber auch immer wieder ins Stocken. Also, aus meiner<br />
Sicht wird bereits gute Arbeit in Umweltsensibilsierung geleistet.<br />
Internationale Zusammenarbeit kann noch ausgebaut werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Viele unserer User wollen mehr darüber<br />
wissen, wie Ihr täglicher Arbeitsalltag auf Spitzbergen aussieht?</p>
<p><b>Rainer Vockenroth:</b> Wir leben hier in einem Dorf<br />
mit ca. 50 kleinen Häusern. Der Ort ist eine ehemalige Bergbausiedlung.<br />
Mittlerweile ist der Ort ganz der Forschung gewidmet. Wir werden<br />
in einer Mensa mit Essen versorgt und haben in den Häusern<br />
und an den Arbeitsplätzen einen Standard, wie wir ihn aus Mitteleuropa<br />
kennen. Im Ort leben dauerhaft ca. 30 Personen. Das heißt<br />
Leute, die über ein ganzes Jahr hier verweilen. Während<br />
der Sommermonate steigt die Bevölkerungsanzahl auf bis zu 130<br />
Personen an. Die Temperaturen, mit denen wir zu tun haben, liegen<br />
zwischen –30 Grad Celsius im Winter und +10 Grad Celsius im<br />
Sommer.
</p>
<p>
<b>Chris333:</b> Was versuchen Sie in Spitzbergen über<br />
das Klima herauszufinden und vor allem wie?</p>
<p><b>Rainer Vockenroth:</b> Wir messen den Strahlungshaushalt<br />
der Atmosphäre. Mit Ballon-Sondierungen erhalten wir Daten<br />
über Temperatur, Druck und Feuchte der Luft. Mit anderen Methoden<br />
bestimmen wir den Aerosolgehalt in der Luft. Alle diese meteorologischen<br />
Messungen dienen dazu, die Modelle zum physikalischen und chemischen<br />
Verständnis der Atmosphäre zu verbessern. Auf diese Weise<br />
können Modellrechnungen, die zukünftiges Klimageschehen<br />
vorhersagen können, verbessert werden. Neben der direkten Messung<br />
von meteorologischen Werten wird mit geowissenschaftlichen Methoden<br />
quasi ein indirekter Weg beschritten. Die Untersuchung von den Volumina<br />
von Gletschern z. B. steht im Zusammenhang mit Temperaturveränderungen.<br />
Deshalb versucht man auch solche nicht-meteorologischen Systeme<br />
besser zu verstehen. Auch in der Biologie werden klimatische Veränderungen<br />
sichtbar. Ein Projekt hier vor Ort beschäftigt sich mit der<br />
Verbreitung von Blattläusen und der Frage, ob sich die Verbreitungsgrenzen<br />
sowie die Anzahl der Arten in Abhängigkeit von klimatischen<br />
Faktoren verändert.
</p>
<p>
<b>mgehling: </b>Hallo, ich bin begeisterter Bergsteiger.<br />
Was kann ich auf den Gletschern in den nächsten Jahren erwarten?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Hm, es kommt natürlich<br />
darauf an, welche Gletscher sie besteigen möchten. Hier auf<br />
Spitzbergen werden sie Gletscher finden, die wachsen, aber auch<br />
viele Gletscher, die kleiner werden. (Wachsen heißt hier,<br />
dass die Gesamtmasse des Gletschers zunimmt.) Für das konkrete<br />
Verhalten von Gletschern muss man sehr genau auf die lokalen Besonderheiten<br />
schauen und diese analysieren.
</p>
<p>
<b>golfstrom:</b> Wenn Sie die Volumina von Gletschern<br />
&quot;vermessen &quot; dann werden Sie ja bestimmt auch etwas ähnliches<br />
mit den Polkappen machen?</p>
<p><b>Rainer Vockenroth:</b> Das ist richtig. Die Eisbedeckung<br />
des arktischen Ozeans wird untersucht. Am besten lassen sich diese<br />
Werte über Fernerkundungsmethoden beobachten. Leider hat es<br />
dort einen Rückschritt gegeben, da der Start eines Satelliten<br />
fehlschlug. Die Vermessung vom Meer oder Land aus ist sehr aufwendig<br />
und enthält Lücken in der Erfassung. Die Bedeckung in<br />
der Arktis nimmt ab.
</p>
<p>
<b>Richie Rich:</b> Wann kann man endlich Öl am<br />
Nordpol fördern?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Ein genaues Datum kann ich<br />
nicht nennen. Theoretisch könnte man das jetzt schon mit einem<br />
nicht zu rechtfertigenden Aufwand. Ferner ist die Diskussion um<br />
die Nutzungsrechte der zukünftigen Seegebiete noch immer Gegenstand<br />
von diplomatischen Auseinandersetzungen.
</p>
<p>
<b>LeDude:</b> Öl am Nordpol fördern? Das scheint<br />
mir keine gute Idee &#8211; bestehen dort nicht ganz besonders hohe Risiken<br />
für die Umwelt?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Genau das ist auch ein Problem,<br />
das es zu berücksichtigen gelte. Ölbohrungen am Pol halte<br />
ich auch erstmal für hypothetisch.
</p>
<p>
<b>alanfa26: </b>Hat der Klimawandel auch positive Auswirkungen?<br />
Rainer Vockenroth: Es ist schon schwer vorherzusagen welche konkreten<br />
Veränderungen auftreten werden, dann auch noch eine positiv-negativ<br />
Abschätzung zu entwickeln, ist fast unmöglich. Für<br />
kleine Sektoren oder Interessengruppen mögen sich auch Vorteile<br />
ergeben. Ohne Eis am Nordpol würde sich der Seeweg von Europa<br />
nach Asien erheblich verkürzen. Dafür wären aber<br />
auch viele andere Nachteile in Kauf zu nehmen.</p>
<p><b>MarcBiele:</b> Gestern wurde in der Presse bekannt,<br />
dass sich US-Wissenschaftler Gedanken zur Reduktion von CO2 gemacht<br />
haben. Es wurde berichtet, dass man sich vorstellen kann, das CO2<br />
im Meeresboden in 3000 Meter Tiefe zu lagern. Dort soll es sich<br />
verflüssigen! Was halten Sie von dieser Idee?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Es gibt verschiedene Überlegungen,<br />
wie man aktiv eine CO2-Senke erzeugen kann. Eine ist das Verbringen<br />
von CO2 in Gesteinsschichten oder den Meeresboden. Ich persönlich<br />
denke, dass man viele Visionen offen halten sollte und die Machbarkeit<br />
prüfen. Momentan finden diese Überlegungen nur auf dem<br />
Papier statt, ohne Einfluss auf die globale CO2-Bilanz zu haben.
</p>
<p>
<b>MarcBiele:</b> Wie hoch schätzen Sie das Risiko<br />
ein, dass auf Grund der Speicherung von CO2 in den Weltmeeren irgendwann<br />
ein Grenzwert erreicht wird, der die Marine Lagerstätten für<br />
Methanhydrate destabilisiert und große Mengen davon in die<br />
Atmosphäre gelangen?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Die Frage liegt zu weit von<br />
meinem Kenntnissen entfernt, als das ich dazu eine Aussage machen<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Schaefer:</b> Besteht nicht ein sehr großes<br />
Eigeninteresse seitens der Klimawissenschaftler, das Horror-Szenario<br />
Klimawandel aufrechtzuerhalten, um die Zukunft der eigenen Forschungsprogramme<br />
abzusichern?
</p>
<p>
<b>Rainer Vockenroth:</b> Ohne langfristige Messprogramme,<br />
Analysen und Prognosen hätten wir eine Veränderung im<br />
Klimageschehen gar nicht bemerkt. Wenn man überhaupt eine Chance<br />
haben will, Maßnahmen zu ergreifen, kann man dies nur über<br />
intensive Forschung tun. Dies ist unabhängig von Horrorszenarien.<br />
Forschung ist wichtig für die menschliche Entwicklung.
</p>
<p>
<b>Dr. Ahna, Mario:</b> Was kann man im Alltag gegen<br />
den Klimawandel tun?<br />
Rainer Vockenroth: Das einfachste ist es, auf die Menge des persönlich<br />
erzeugten CO2s zu achten. Auto oder Bus, Schiff oder Flugzeug als<br />
Beispiele der Sensibilisierung für Energiebilanzen von Produkten<br />
usw.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Leider müssen wir nun abbrechen.<br />
Das war der Chat mit Rainer Vockenroth. Vielen Dank an unsere User<br />
für die vielen, sehr interessanten Fragen. Leider konnten wir<br />
nicht alle berücksichtigen, sondern mussten eine Auswahl treffen.<br />
Vielen Dank auch an Sie, Herr Vockenroth, nach Spitzbergen und viel<br />
Glück und Erfolg für Ihre weiteren Forschungsarbeiten<br />
in der Arktis.<br />
Der nächste Tagesschau-Chat findet am 31. August statt, von<br />
13 bis 14 Uhr. Unser Gast wird dann der CSU-Bundestagsabgeordnete<br />
Wolfgang Zöller sein.
</p>
<p class="normal">
</p>
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