<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Koalition &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/koalition/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Fri, 01 Mar 2013 14:26:29 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Koalition &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Der Bundestag beschließt das LSR für Presseverlage</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/der-bundestag-beschliesst-das-lsr-fuer-presseverlage-127263/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/der-bundestag-beschliesst-das-lsr-fuer-presseverlage-127263/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Mar 2013 14:26:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
		<category><![CDATA[Lobbyismus]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Presseverlage]]></category>
		<category><![CDATA[Axel-Springer-Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Flipboard]]></category>
		<category><![CDATA[Newsaggregatoren]]></category>
		<category><![CDATA[Snippets]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=127263</guid>

					<description><![CDATA[Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage wurde heute im Bundestag mit 293 Ja-Stimmen und 243 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen beschlossen. Eine Entscheidung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Tobias-Schwarz-Leistungsschutzrecht.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-127279" alt="Tobias Schwarz (CC BY-SA 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Tobias-Schwarz-Leistungsschutzrecht-630x419.jpg" width="630" height="419" /></a><br />
Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage wurde heute im Bundestag mit 293 Ja-Stimmen und 243 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen beschlossen. Eine Entscheidung der schwarz-gelben Bundesregierung gegen die Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland, gegen Innovation, die Informationsfreiheit aller und vor allem gegen die Interessen der urhebenden Journalist_innen. So schlimm diese Entscheidung ist, umgesetzt wird die nun beschlossene Gesetzesvorlage wahrscheinlich nie.<br />
<strong>Das Leistungsschutzrecht ist ein Beweis von Macht</strong><br />
Bis auf 81 Abgeordnete waren heute alle Bundestagsabgeordneten bei der Abstimmung anwesend. Das lag sicher nicht nur am Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Die engagierten Redebeiträge aller Parteien zeigten aber, dass das Thema nicht ohne Bedeutung ist. Es geht auch um Macht. Besonders um zu zeigen, wer die Macht besitzt und das ist immer noch die schwarz-gelbe Regierungsfraktion.<br />
Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. Max Weber hat das vor über 100 Jahren in seinem Werk <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_und_Gesellschaft">″Wirtschaft und Gesellschaft″</a> geschrieben und wie so vieles von Weber, trifft diese Feststellung auch heute noch zu. Die Regierungsfraktion hat, gegen jede Vernunft und Warnung von den verschiedensten Seiten, das viel kritisierte Leistungsschutzrecht für Presseverlage durchgesetzt. Es ist schwerer gefährlichen Unsinn durchzusetzen als etwas vernünftiges. Die Regierung hat Macht bewiesen.<br />
Die Presseverlagslobby, angeführt vom Axel Springer Verlag und Hubert Burda Media, hat ihre eigenen Wünsche mit einer dafür empfänglichen Bundesregierung in einen Gesetzestext gießen können. Wer die inzwischen vier Gesetzesentwürfe, die das Leistungsschutzrecht von Springer-Lobbyist Christoph Keeses ersten Idee bis zum heute beschlossenen Gesetzestext liest, wird aber feststellen, dass die Verlage viele Forderungen verloren haben. Vieles davon wird jedoch sowieso nur Verhandlungsmasse gewesen sein und mit dem jetzigen Gesetz werden die Verlage zufrieden sein.<br />
<strong>Das Leistungsschutzrecht schafft noch mehr Rechtsunsicherheit</strong><br />
Die an dem Gesetzesvorhaben aktiv beteiligten Politiker_innen von CDU/CSU und FDP rühmen sich damit, dass ″einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte″ weiterhin ohne Lizenz benutzt werden können. Was das bedeutet, wie lange diese Snippets genannten Textausschnitte genau sind, wissen sie auch nicht. Das wollen sie auch gar nicht, denn ihrer Meinung nach werden das die Gerichte klären. Ein merkwürdiges Verständnis von Gesetzesmacher_innen, die aber ganz im Interesse der Verlage ist. Erst am Montag erklärte Thomas Höppner vom Bundesverband der Zeitungsverleger (BDZV) in einer Anhörung im Bundestag, dass Details sowieso erst nach Verabschiedung des Gesetzes zu klären seien.<br />
Die Presseverlage haben jetzt ein Gesetz bekommen, dass noch befüllt werden muss. Eine Welle an Gerichtsverfahren um jedes einzelne nicht lizenzierte Wort ist vorprogrammiert und von den Verlagen auch gewünscht, denn hier können sie ihre Marktmacht vollkommen ausspielen. Kleine Aggregatoren werden durch ihre schlechtere Position nicht mit am Tisch sitzen, wenn sich die wenigen großen Newsaggregatoren mit den wenigen großen Presseverlagen den Markt aufteilen werden. Die beliebte Newsaggregatoren-App Flipboard hat es vorgemacht und Verträge mit der New York Times, dem Guardian oder Forbes abgeschlossen.<br />
Passiert dies in Deutschland wird eine Folge sein, dass eine Hand voll Presseverlage die einzelnen Lieferanten von Nachrichten auf den Plattformen sein werden, die von den meisten Menschen zum Konsum von Informationen genutzt werden. Kleinere oder neue Startups werden leer ausgehen, genau wie die kleinen Verlage und vor allem die urhebenden Journalist_innen. Wie viel sie bekommen werden ist ungewiss, das es am Ende wenig sein wird, ist anzunehmen. Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage war auch nicht für sie gemacht.<br />
<strong>Warum das Leistungsschutzrecht doch nicht kommen wird</strong><br />
Das Gesetz muss nun in den Bundesrat gehen, in dem die Oppositionsparteien aus dem Bundestag eine Mehrheit gegenüber Schwarz-Gelb besitzen. Bereits am 6. März wird sich der Rechtsausschuss des Bundesrats mit dem Gesetz beschäftigen, am 22. März folgt dann die Diskussion im Plenum. Das Gesetz ist zwar nicht zustimmungspflichtig, aber ein Einspruchgesetz &#8211; der Bundesrat kann es deshalb immer wieder vertagen. Theoretisch bis nach der Bundestagswahl, falls es nicht vorher im Vermittlungsausschuss erledigt wird. Das Leistungsschutzrecht würde dann unabgeschlossen versanden und müsste in der nächsten Legislaturperiode neu eingebracht werden. Sollten CDU/CSU und FDP dann nicht mehr in der Regierung sein, wäre das Gesetz beendet.<br />
Im Oktober äußerten sich zwar auch einige rot-grünen Ländern nicht so ablehnend wie die Bundestagsfraktionen zum Leistungsschutzrecht, aber seitdem haben sich die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein konsequent gegen das Gesetz ausgesprochen. Um sich klarer gegen Schwarz-Gelb abzugrenzen, werden auch die anderen Ländern sich in das Lager der LSR-Gegener einordnen. Und die Europäische Kommission könnte auch noch mitreden wollen, denn falls sich das Gesetz als Zertifizierungspflicht herausstellt, könnte die Kommission es stoppen. Eine Sprecherin der Kommission erklärt auf Anfrage von Süddeutsche.de, man habe beim Bundesjustizministerium Informationen angefordert, um diese Frage zu klären. Auf einen der beiden Wege wird das Leistungsschutzrecht für Presseverlage gestoppt werden.<br />
<em>Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href="http://carta.info/54938/der-bundestag-beschliest-das-lsr-fur-presseverlage/">carta.info</a></em><br />
Bild: Tobias Schwarz (cc by-sa 3.0)<br />
<img decoding="async" class=" wp-image-123958 alignnone" alt="CC-BY-SA" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/der-bundestag-beschliesst-das-lsr-fuer-presseverlage-127263/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Koalitionsvertrag NRW: Öffentliches WLAN und Open Data</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/koalitionsvertrag-nrw-oeffentliches-wlan-und-open-data-4944/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/koalitionsvertrag-nrw-oeffentliches-wlan-und-open-data-4944/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Bergemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 12:40:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[E-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Durchsuchung]]></category>
		<category><![CDATA[Breitband]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Matthi Bolte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/koalitionsvertrag-nrw-oeffentliches-wlan-und-open-data-4944/</guid>

					<description><![CDATA[Stärkung des Datenschutzes und der Medienkompetenz, ein „Breitband-Masterplan“ sowie Open-Government: Die künftige rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich im <a href="http://www2.malte-spitz.de/uploads/100707_koalitionsvertrag_nrw.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvertrag</a> große netzpolitische Baustellen vorgenommen. politik-digital.de hat genau hingeschaut und mit dem Landtagsabgeordneten Matthi Bolte gesprochen: Welche <a href="/nrw-wahlprogramme-internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlversprechen</a> von SPD und Grünen fanden ihren Weg in den Vertrag? Und: Was fehlt noch für ein digitales Nordrhein-Westfalen?
<p>
&#160;
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://www2.malte-spitz.de/uploads/100707_koalitionsvertrag_nrw.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img src="/sites/politik-digital.de/files/spdkovertrag.jpg" alt="Koalitionsvertrag NRW" title="Koalitionsvertrag NRW" height="216" width="320" /></a>
</div>
<p>
&#160;
</p>
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Stärkung des Datenschutzes und der Medienkompetenz, ein „Breitband-Masterplan“ sowie Open-Government: Die künftige rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich im <a href="http://www2.malte-spitz.de/uploads/100707_koalitionsvertrag_nrw.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvertrag</a> große netzpolitische Baustellen vorgenommen. politik-digital.de hat genau hingeschaut und mit dem Landtagsabgeordneten Matthi Bolte gesprochen: Welche <a href="/nrw-wahlprogramme-internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlversprechen</a> von SPD und Grünen fanden ihren Weg in den Vertrag? Und: Was fehlt noch für ein digitales Nordrhein-Westfalen?</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://www2.malte-spitz.de/uploads/100707_koalitionsvertrag_nrw.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/spdkovertrag.jpg" alt="Koalitionsvertrag NRW" title="Koalitionsvertrag NRW" height="216" width="320" /></a>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<!--break--><br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Freiheitlich-rechtsstaaliches Netz</b>
</p>
<p>
Im Koalitionsvertrag heißt es: „Das Internet darf nicht zum bürgerrechtsfreien Medium werden!“ SPD und Grüne  einigten sich daher auf eine verbesserte Ausstattung des Landeskriminalamtes und eine Stärkung des Landesdatenschutzbeauftragten. Nach den Kürzungen unter Schwarz-Gelb in diesem Bereich werde man diese „nicht nur rückgängig machen“, sondern noch „mehrere Stellen obendrauf legen“, so <a href="http://matthibolte.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Matthi Bolte</a>, Landtagsabgeordneter der Grünen, im Gespräch mit politik-digital.de.
</p>
<p>
<br />
Internetsperren erteilt der Koalitionsvertrag eine Absage. Auch online solle „Rechtsstaatlichkeit“ garantiert werden. Dazu gehöre das Löschen „verbotener Inhalte“, wie im Vertrag zu lesen ist.<br />
Laut Matthi Bolte hätten die Grünen Überzeugungsarbeit leisten müssen, um „Pläne zur Online-Durchsuchung“, die es seitens der SPD-Innenpolitiker während der Verhandlungen gegeben hätte, zu „unterbinden“. Netzpolitisch habe sonst aber „große Einigkeit“ in den Koalitionsverhandlungen geherrscht, sagte Bolte.
</p>
<p>
<b>Zugang für Jedermann</b>
</p>
<p>
Neben dem Ausbau des Breitbandnetzes ist im Koalitionsvertrag die Schaffung „öffentlicher WLAN-Zugänge“ festgeschrieben. Auf die  Realisierbarkeit dieses Vorhabens angesprochen, sagte Bolte, dass man hier wahrscheinlich auf „kommunaler Ebene“ und mit „Hilfe von Sponsoren“ agieren werde.
</p>
<p>
Zum „barrierefreien Zugang“ gehört laut Koalitionsvertrag auch die Einführung eines „altersgemäßen Medienkompetenzführerscheins“. Interessant ist, dass der Koalitionsvertrag explizit auch die Kompetenzvermittlung für „freie Medien- und Softwareangebote“ erwähnt.
</p>
<p>
Aber: Die Nutzung von Open-Source-Software, zum Beispiel in der Verwaltung, steht nicht im Vertrag. Man habe aber trotzdem „eine Übereinkunft“ dazu getroffen, so Matthi Bolte. Hier sind beide Parteien ihren Wahlversprechungen nicht zu 100 Prozent gerecht geworden.
</p>
<p>
<b>Transparentes Regieren</b>
</p>
<p>
In Sachen elektronischer Partizipation will die Landesregierung neue Wege beschreiten. In Wettbewerben sollen Entwickler Anwendungen entwerfen, die mit öffentlich bereitgestellten Daten „Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit“ für die Bürger ermöglichen. Der „Chief Technology Officer“ aus dem <a href="http://nrwspd.de/db/docs/doc_28254_201032415641.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SPD-Wahlprogramm</a> ist aber im Koalitionsvertrag nicht mehr zu finden. Dieser Staatssekretär oder „Minister mit besonderen Aufgaben“ hätte sich um die Entwicklung des E-Government in der Staatskanzlei kümmern sollen, hieß es im SPD-Wahlprogramm „Unser NRW.“
</p>
<p>
<b>Neue Medien</b>
</p>
<p>
Die Koalition will das duale Rundfunksystem stärken. Das öffentlich-rechtliche Programmangebot solle um die „dritte Säule“ des Internet erweitert werden. Die Bandbreite an Medien wollen die Koalitionspartner im „Lokalen und Regionalen“ auch mit Blogs vergrößern. Und im Zusammenhang mit der aktuellen Leistungsschutz- und Urheberrechtsdebatte heißt es: „Wir wollen Chancen eröffnen, Qualitätsjournalismus über alle Verbreitungsformen und -wege zu ermöglichen“<b></b>
</p>
<p>
<b>Was unklar bleibt&#8230;</b>
</p>
<p>
Zum einen wollen die Koalitionspartner die <a href="/internet-enquete-sitzung-netzneutralit%C3%A4t" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Netzneutralität“</a> gesetzlich festschreiben. Was dieser Begriff in Zukunft für die Politik bedeutet, ist aber noch nicht geklärt. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe der <a href="http://www.bundestag.de/internetenquete/index.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft</a> im Deutschen Bundestag an der Definition des Begriffs. Im Koalitionsvertrag in NRW ist im Moment nur von „diskriminierungsfreier Bereitstellung der Inhalte“ die Rede.
</p>
<p>
Zum anderen: Die SPD versprach in ihrem Wahlprogramm die Weiterentwicklung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV). Dieser ist aber inzwischen fast schon <a href="http://www.telemedicus.info/article/1783-Ministerpraesidenten-haben-JMStV-Novelle-unterzeichnet.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verabschiedet</a>. Im Koalitionsvertrag fanden Vorhaben zum JMStV dann keine Erwähnung mehr. Laut Matthi Bolte prüfe die Koalition, wie man „nochmal in das Verfahren gehen kann“. Er fürchte aber, dass „keine gravierenden Änderungen“ mehr möglich seien.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/koalitionsvertrag-nrw-oeffentliches-wlan-und-open-data-4944/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„An uns wird das nicht scheitern“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/an-uns-wird-das-nicht-scheitern-4860/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/an-uns-wird-das-nicht-scheitern-4860/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Felix Melching]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 May 2010 15:10:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Gregor Gysi]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzhilfen]]></category>
		<category><![CDATA[Rot-Rot-Grün]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/an-uns-wird-das-nicht-scheitern-4860/</guid>

					<description><![CDATA[Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, diskutierte am 4. Mai 2010 im <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll564.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Videochat</a> in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Dabei ging es um eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken in Nordrhein-Westfalen, Finanzhilfen für Griechenland und mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, diskutierte am 4. Mai 2010 im <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll564.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Videochat</a> in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Dabei ging es um eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken in Nordrhein-Westfalen, Finanzhilfen für Griechenland und mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><center><br />
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll564.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/GysiChat.jpg" title="Gregor Gysi im Videochat" height="210" width="350" /></a><br />
</center></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/an-uns-wird-das-nicht-scheitern-4860/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#034;Wir haben verloren&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-haben-verloren-4715/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-haben-verloren-4715/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 17:48:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Ebermann]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/wir-haben-verloren-4715/</guid>

					<description><![CDATA[Erstmals zwei Gäste im tagesschau-Videochat: Volker Beck, Grünen-MdB, und Thomas Ebermann, 1990 aus der Partei ausgetretener Mitbegründer, diskutierten am 30. Jahrestag der Grünen-Gründung live untereinander und mit den Nutzern von tagesschau.de und politik-digital.de. Ebermann hat &#34;seit 20 Jahren gute Gründe, nicht mehr bei den Grünen mitzumachen&#34;, Beck verteidigte den Wandel der Partei.<br />
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals zwei Gäste im tagesschau-Videochat: Volker Beck, Grünen-MdB, und Thomas Ebermann, 1990 aus der Partei ausgetretener Mitbegründer, diskutierten am 30. Jahrestag der Grünen-Gründung live untereinander und mit den Nutzern von tagesschau.de und politik-digital.de. Ebermann hat &quot;seit 20 Jahren gute Gründe, nicht mehr bei den Grünen mitzumachen&quot;, Beck verteidigte den Wandel der Partei.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll540.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/BeckEbermann_Chat.jpg" alt="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll540.html" title="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll540.html" height="170" width="280" /></a>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<div>
Wenn Sie den Videochat noch einmal sehen wollen, einfach auf das Bild klicken.
</div>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-haben-verloren-4715/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Silvana Koch-Mehrin</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/projekt/chat-mit-silvana-koch-mehrin-4260/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/projekt/chat-mit-silvana-koch-mehrin-4260/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[ctekoning]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2009 10:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Ampelkoalition]]></category>
		<category><![CDATA[Jamaikakoalition]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Europäisches Parlament]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[große Koalition]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/chat-mit-silvana-koch-mehrin-4260/</guid>

					<description><![CDATA[Am Freitag ist die FDP-Spitzenkandidatin der Europawahlen Silvana Koch-Mehrin zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Von 13.30 bis 14.30 Uhr beantwortet sie die Fragen der User. Was möchten Sie von Silvana Koch-Mehrin wissen? <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=228&#38;id=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stellen Sie hier bereits Ihre Fragen!</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag ist die FDP-Spitzenkandidatin der Europawahlen Silvana Koch-Mehrin zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Von 13.30 bis 14.30 Uhr beantwortet sie die Fragen der User. Was möchten Sie von Silvana Koch-Mehrin wissen? <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=228&amp;id=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stellen Sie hier bereits Ihre Fragen!</a><!--break--></p>
<p>
Im Juni stehen Europawahlen an. Nachdem die FDP 2004 mit Silvana Koch-Mehrin nach zehn Jahren Abwesenheit den Wiedereinzug ins Europäische Parlament schaffte, sollen es diesmal mehr als 6,1 Prozent der Stimmen werden. Koch-Mehrin kritisiert und verteidigt den EU-Reformvertrag von Lissabon zugleich. Für welche Inhalte steht die FDP in Europa?
</p>
<p>
Sollten weitere Übertragungen von Kompetenzen auf die EU nur durch Volksentscheid möglich sein &#8211; wie es etwa die CSU jüngst forderte? Lassen sich die positiven Umfragewerte der FDP in reale Wählerstimmer verwandeln? Will Kanzlerin Merkel nach der Bundestagswahl wirklich eine Regierung aus Union und FDP? Oder hat sie sich in der Großen Koalition mit der SPD eingerichtet? Wie stabil wäre eine Ampelkoalition? Kann Silvana Koch-Mehrin sich einen Ministerposten in Berlin vorstellen?
</p>
<p>
Fragen Sie Silvana Koch-Mehrin im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de
</p>
<p>
<b>Zur Person:</b>
</p>
<p>
Silvana Koch-Mehrin, geboren 1970 in Wuppertal. Bis zum Schulalter aufgewachsen in Marokko und im Sudan. Von 1990 bis 1995 studierte sie Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Hamburg, Straßburg und Heidelberg, im Anschluss Promotion. 1999 wurde Koch-Mehrin in den Bundesvorstand der FDP gewählt, seit 2004 ist sie Mitglied des Präsidiums ihrer Partei. Bei der Europawahl 2004 führte sie die Liberalen – nach zehn-jähriger Abstinenz – zurück ins Europaparlament. Im Januar 2009 wurde Koch-Mehrin erneut zur Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl gekürt. Silvana Koch-Mehrin lebt mit Partner und ihren drei Töchtern in Brüssel. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/projekt/chat-mit-silvana-koch-mehrin-4260/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bleibt alles anders?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders_0-30/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders_0-30/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Kandidat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Personalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Helmut Kohl]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Machtwechsel]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampagne]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/bleibt_alles_anders_0-30/</guid>

					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders_0-30/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bleibt alles anders?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders-21/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders-21/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Kandidat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Personalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Helmut Kohl]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Machtwechsel]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/bleibt_alles_anders-21/</guid>

					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders-21/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Erneuerung der europäischen Demokratie kann nur in der Tradition des Demokratischen Sozialismus stehen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_erneuerung_der_europaeischen_demokratie_kann_nur_in_der_tradition_des_demokratischen_sozialis-171/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_erneuerung_der_europaeischen_demokratie_kann_nur_in_der_tradition_des_demokratischen_sozialis-171/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdie_erneuerung_der_europaeischen_demokratie_kann_nur_in_der_tradition_des_demokratischen_sozialis-171/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Michael Müller, 
der stellv. SPD-Fraktionsvorsitzende und umweltpolitische Sprecher 
war am 12. September zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de. Koalitiosszenarien, Mehrheitsverältnisse, 
Energie- und Steuerpolitik wurden ausführlich dikutiert.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Michael Müller,<br />
der stellv. SPD-Fraktionsvorsitzende und umweltpolitische Sprecher<br />
war am 12. September zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Koalitiosszenarien, Mehrheitsverältnisse,<br />
Energie- und Steuerpolitik wurden ausführlich dikutiert.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen<br />
zum tacheles.02-Chat. Die letzte Woche vor der Wahl in der sich<br />
so viele unentschlossene Wähler noch entscheiden sollen ist<br />
angebrochen. Zum Chat ist jetzt Michael Müller, SPD-Vizefraktionschef<br />
und bekannter SPD-Linker ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Vielen<br />
Dank, dass Sie gekommen sind. Kann es losgehen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Prima.</p>
<p><b>Moderator:</b> Herr Müller, eine Fortsetzung der<br />
rot-grünen Koalition ist so gut wie ausgeschlossen. Wie es<br />
auch am Wahltag aussieht, einen Kanzler Schröder wird es danach<br />
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben. Wie<br />
geht man als Parteilinker damit um?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Nachdem was ich heute von<br />
der Forschungsgruppe Wahlen gehört habe, ist rot-grün<br />
nicht vollständig ausgeschlossen. Und wenn es nicht vollständig<br />
ausgeschlossen ist, kämpft man natürlich zuerst für<br />
das, was man für das Beste hält und das ist nun mal rot-grün.</p>
<p><b>09113758493: </b>Kann Schröder überhaupt<br />
besser regieren, wenn er die Wahl wider Erwarten gewinnen sollten<br />
und die Machtverhältnisse im Bund sich ja nicht verändert<br />
haben?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Diese Sichtweise halt ich<br />
für falsch. Denn erstens ist die Ausgangssituation so, dass<br />
eine Fortsetzung der bisherigen Koalition bis 2006 die Möglichkeit<br />
einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundesrat bedeutet hätte. Dann<br />
wäre es zu einer totalen Blockade gekommen, weil der Bundestag<br />
alle wichtigen Gesetze mit Zwei-Drittel-Mehrheit hätte beschließen<br />
müssen. Zweitens kann sich bei den vier anstehenden Wahlen<br />
2006 einiges ändern. Und drittens &#8211; das Wichtigste &#8211; elf von<br />
sechzehn Ländern haben große Haushaltsprobleme, die betroffenen<br />
Unionsländer lassen sich sicher nicht noch 4 Jahre unter die<br />
Knute der Blockadestrategie des Konrad-Adenauer-Hauses nehmen. Insofern<br />
wird die Bundestagswahl einen Knoten aufbrechen.</p>
<p><b>robotron74: </b>Ganz richtig Herr Müller, Rot-Grün<br />
ist nicht ganz ausgeschlossen, da muss aber schon noch eine doppelte<br />
Flut kommen. Wenn nur die Große Koalition bleibt, macht die<br />
SPD-Linke ihrer Parteispitze dann genauso viel Ärger wie Schröder?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Erstens haben wir Schröder<br />
keinen Ärger gemacht, sondern Gesetze verbessert und zweitens<br />
kommt hoffentlich keine zweite große Flut. Und drittens gehört<br />
die Auseinandersetzung immer noch zur Demokratie. Im Gegenteil,<br />
uns fehlt oft die inhaltliche Auseinandersetzung.</p>
<p><b>DonCarlos:</b> Hat es eigentlich noch was mit politischer<br />
Aufrichtigkeit zu tun, wenn ein Neuankömmling in der Politik<br />
wie Kirchhof in Grund und Boden geredet, seine Vision bewusst falsch<br />
rezipiert und zu einer Negativkampagne missbraucht wird?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Erstens ist Herr Kirchhof<br />
kein Neuankömmling in der Politik, sondern steht schon seit<br />
Jahren in der öffentlichen Debatte. Zweitens halte ich seine<br />
Visionen nicht für reformerisch, sondern für erzkonservativ<br />
und restaurativ. Meines Erachtens steht auch kein steuerpolitisches<br />
Konzept dahinter, sondern der neokonservative Versöhnungsgedanke,<br />
der anders als früher durch die Orientierung auf einen Marktradikalismus,<br />
dass die Menschen auf sich selbst zurückfallen und Heimat,<br />
Familie und Nation wieder zu schätzen lernen. Ich habe in den<br />
letzten Wochen zahlreiche Aufsätze von Herrn Kirchhof gelesen<br />
und kann nur sagen: Herr Kirchhof, mir graust vor Ihnen, dass ist<br />
19. Jahrhundert.</p>
<p><b>gégé:</b> Warum macht die SPD eigentlich<br />
so stark auf Negativkampagne, das ist doch auch für den eigenen<br />
Ruf schlecht, oder?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich weiß nicht, was<br />
sie damit meinen, denn im Zentrum stehen ja eher Themen wie Agenda<br />
2010 und die Energiepolitik. In beiden Fällen geht es eher<br />
um die Vorsorge, um die Zukunft und nicht einfach um Abgrenzung<br />
gegen den Gegner.</p>
<p><b>nadine:</b> Wo wollen Sie das Geld für verstärkte<br />
Innovationen im Energiebereich hernehmen, den Sie ja als zukunftsträchtigen<br />
Arbeitsmarkt sehen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Investitionen in die Energieeinsparungen<br />
haben, wenn sie zu einer absoluten Reduktion des Energieverbrauchs<br />
führen, sehr positive Effekte. Dadurch lassen sich nicht nur<br />
sehr viele Arbeitsplätze schaffen und die Märkte von Morgen<br />
besser entwickeln Es werden auch die externen Kosten gesenkt und<br />
die Importkosten für Energie reduziert. Ich will ein Beispiel<br />
zum Verdeutlichen nehmen: Eine Reduzierung des Energieumsatzes in<br />
der deutschen Wirtschaft um 10 Prozent würde rund 800.000 neue<br />
Arbeitsplätze schaffen, weil Energie und Rohstoff durch Technik<br />
ersetzt wird. Hinzu kommt, dass wir es in der Welt mit einer großen<br />
Knappheits- und Preiskrise im Energiesektor zu tun haben werden,<br />
denn die Energierohstoffe, die heute von rund 1,3 Milliarden Menschen<br />
genutzt werden, müssen schon in wenigen Jahren im selben Umfang<br />
für 5 bis 7 Milliarden Menschen zur Verfügung stehen.<br />
Wer heute in die Effizienz- und Solartechniken investiert, wird<br />
die Märkte von morgen bestimmen.</p>
<p><b>DerWindimWald: </b>Herr Müller, halten Sie es<br />
nicht auch für dringend geboten, dass die Solarenergie endlich<br />
deutschland- und europaweit so gefördert wird, dass sie eine<br />
echte Energiealternative wird?<br />
Schtimm: Wie sehen Sie die Chancen für die Aufrechterhaltung<br />
des Atomausstiegs im Falle einer großen Koalition?</p>
<p><b>Michael Müller: </b>Ich habe gerade in einem umfangreicheren<br />
Buch &#8211; „Weltmacht Energie“ &#8211; herausgearbeitet, dass<br />
die Leittechniken dieses Jahrhunderts die Kombination aus Solarwirtschaft<br />
und Effizienzrevolution sein müssen. Wir wollen im Jahre 2020<br />
einen Anteil von 25% regenerativer Energien in Deutschland erreichen.<br />
Wir haben den Anteil in den letzten Jahren schon verdoppelt und<br />
sind bei Strom bei rund 11 Prozent. Diese Erfolge werden nur möglich,<br />
wenn wir aus der Atomenergie aussteigen, genauso wie aus den anderen<br />
Großkraftwerken. Wir brauchen eine dezentrale und effiziente<br />
Energiestruktur in der Zukunft. Wogegen die Atomenergie höchst<br />
ineffizient, verbraucherfern und viel zu teuer ist. Deshalb ist<br />
es für uns ein Eckpunkt, bei einer hoffentlich nicht eintretenden<br />
rot-schwarzen Konstellation, dass am Atomausstieg nicht gerüttelt<br />
wird.</p>
<p><b>MobyDick:</b> Was halten Sie von den Vorschlägen<br />
Sigmar Gabriels, eine Ampelkoalition im Bund zu installieren? Was<br />
will er damit wohl erreichen? Verunsichert die Wähler doch<br />
nur, oder? </p>
<p><b>Lennart.Zweitwähler:</b> Herr Müller, wäre<br />
eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP denkbar? Gerade die<br />
Grünen und die FDP sind in innenpolitischen und rechtlichen<br />
Fragen doch sehr ähnlicher Auffassung. Ich denke, dass viele<br />
Menschen auch diese Koalition befürworten würden.</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich halte nichts von dem Gerede<br />
Sigmar Gabriels, der sollte mehr Wahlkampf und weniger Interviews<br />
machen. Im Augenblick geht es nicht um Koalitionen, sondern darum,<br />
stärkste Fraktion zu werden. Auf dieser Basis kann man anders<br />
entscheiden, als spekulativ.</p>
<p><b>Sommerhoch:</b> Ist zu befürchten, dass die Gewerkschaften<br />
als treibende Kraft für die SPD ausfällt, wenn sie sich<br />
zwischen den linken Parteien entscheiden müssen?</p>
<p><b>Michael Müller: </b>Ich glaube, dass das Hauptproblem<br />
der Gewerkschaften wie der Linken insgesamt ist, dass sie in dieser<br />
veränderten Epoche der Globalisierung mit den alten Antworten<br />
nicht mehr hinkommt. Wir sind in der Situation, dass die soziale<br />
Frage mit aller Schärfe zurückkehrt, aber die traditionellen<br />
Rezepte aus hohem Wachstum, Flächentarifvertrag und nationalstaatlicher<br />
Souveränität immer weniger greifen. Aus meiner Sicht muss<br />
die Linke sehr viel stärker auf die Idee der Regionalisierung<br />
der Weltwirtschaft, der Gestaltung einer modernen Wissensgesellschaft<br />
und einer effizienten Neuordnung der Energie- und Ressourcenbasis<br />
setzen. Sie braucht ein neues Fortschrittsmodell. Deshalb habe ich<br />
auch Zweifel, die Linke als die Linkspartei zu bezeichnen, weil<br />
erstens zu links nicht nur die Kritik, sondern auch die Selbstkritik<br />
gehört. Und die Linkspartei zweitens in den Zukunftsfeldern,<br />
wozu auch die Ökologie gehört, wenig bietet. Ob also die<br />
SPD zerrieben wird, liegt letztlich daran, ob die Linke die programmatische<br />
Erneuerung schafft oder nicht.</p>
<p><b>helm:</b> Was sollen eigentlich immer die Verräter-Vorwürfe<br />
gegen Lafontaine? Auch wenn es ja vielleicht okay ist, nach einer<br />
Wahl, wenn sich vieles auf einmal ändert, alte Positionen zu<br />
räumen, ist doch der, der an den alten Positionen festhält,<br />
vielleicht alles mögliche (Sturkopf, Profilneurotiker usw.),<br />
aber doch sicher kein Verräter. Was meinen Sie?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich bin deshalb in einer schwierigen<br />
Situation zu antworten, weil ich am Abend vor seinem Rücktritt<br />
mit Lafontaine 5 Stunden zusammen war. Meines Erachtens hat Oskar<br />
Lafontaine ein zentrales Problem, das er nicht zugeben kann: als<br />
Finanzminister gescheitert zu sein. Hintergrund: er war bei der<br />
Finanzministerkonferenz der G7 von den anderen Ministern völlig<br />
im Stich gelassen worden. Die Konsequenz war, Lafontaine hätte,<br />
um die EU-Vorgaben zu erfüllen, hart arbeiten und den Haushalt<br />
um 10 Milliarden kürzen müssen. Das konnte und das wollte<br />
er nicht. An dem Abend vor seinem Rücktritt war von Kritik<br />
an Schröder nichts zu hören.</p>
<p><b>Marcus M:</b> Hallo, ich bin Anfang des Jahres Genosse<br />
geworden, weil mich der Demokratische Sozialismus, so wie er im<br />
SPD-Programm steht, anspricht. Sind sie Demokratischer Sozialist?<br />
Wie beurteilen Sie (eigentlich du als Genossen) die Politik der<br />
SPD im Hinblick auf das Parteiprogramm, das den Demokratischen Sozialismus<br />
enthält?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich glaube, dass wir weltweit<br />
eine neue Form von &quot;Systemauseinandersetzung&quot; erleben.<br />
Einerseits zwischen dem anglo-amerikanischen Modell des Individualkapitalismus<br />
und der europäischen Idee der Sozialdemokratie. Mit der Vorherrschaft<br />
der Finanzmärkte ist die soziale Demokratie immer mehr in die<br />
Defensive geraten. Das bedeutet faktisch auch das Ende der früheren<br />
demokratischen Marktwirtschaft. Meines Erachtens hat nicht nur die<br />
SPD, sondern mehr noch die europäische Demokratie, nur dann<br />
eine Zukunftschance, wenn sie zu einer Erneuerung ihres Modells<br />
kommt. Und das kann nur in der Tradition des Demokratischen Sozialismus<br />
stehen.</p>
<p><b>Spdverlasser:</b> Nach der Wahl haben wir doch immer<br />
noch eine 2/3 Mehrheit Schwarz im Bundesrat, wie soll dann ihre<br />
Politik da durchflutschen? Ich glaube, dass es eine Große<br />
Koalition geben wird! Überzeugen Sie mich vom Gegenteil?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Erstens haben wir noch keine<br />
2/3-Mehrheit, diese droht &#8211; das war ja ein Grund für die vorgezogene<br />
Wahl. Die Strategie der Union ist Blockade und Chaos. Ich war Vorsitzender<br />
vieler AGs im Vermittlungssausschuss und dort sind Entscheidungen,<br />
die von allen Fraktionen inhaltlich getragen wurden, trotzdem nicht<br />
beschlossen worden, weil man öffentlich die Signalkultur aufbauen<br />
wollte, dass Rot-Grün, und insbesondere der unfähige grüne<br />
Minister Trittin es nicht schaffen. Hinzu kommt, dass neben der<br />
allein machtpolitischen Ausrüstung der Union, sie sich inhaltlich<br />
nicht erneuert hat. Bis heute sieht sie die Wahlniederlagen von<br />
1998 und 2002 als &quot;Betriebsunfälle&quot; an. Ich weiß<br />
nicht, wie man mit dieser Partei zusammen arbeiten soll. Deshalb<br />
bin ich für eine Fortsetzung von Rot-Grün, die aber nur<br />
kommen wird, wenn sich die Kräfte nicht zersplittern.</p>
<p><b>Kowa:</b> Herr Müller, wird es bei entsprechenden<br />
Mehrheitsverhältnissen eine rot/ rot/ grüne Koalition<br />
geben?</p>
<p><b>JH_:</b> Was halten Sie von Rot/ Rot/ Grün?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Das wird nicht kommen, weil<br />
es die SPD zerreißen würde. Das weiß innerhalb<br />
der SPD jeder, der Verantwortung trägt.<br />
Infam: Wenn aber Schröder abgewählt ist, wird die SPD<br />
danach (auch durch die &quot;Linke &quot;) sich wieder mehr auf<br />
linke Politik besinnen oder bleibt es bei Entlastung von Spitzenverdienst<br />
und Agenda 2010?<br />
Fiete_Schulze: Ist die SPD nicht schon zerrissen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Nein dass sehe ich nicht,<br />
sie ist zur Zeit einiger denn je, wenn ich die Ausrutscher einiger<br />
weniger weg lasse. Man muss natürlich fragen, was ist links?<br />
Ich halte den Begriff Agenda 2010 für falsch, weil es im Kern<br />
um eine Agenda 2000 geht. Tatsächlich werden die Fehler der<br />
90&#8217;er Jahre beseitigt, ein Blick in den Bericht der Arbeitsgruppe<br />
Bündnis für Arbeit zeigt, dass alle Länder, z.B.<br />
die skandinavischen, die heute gut dastehen, entsprechende Reformen<br />
zwischen &#8217;90 und &#8217;95 gemacht haben. Im unserem Land herrschte damals<br />
Reformstau. Deshalb ist es auch falsch, ja ein Ausweis von Unwissen,<br />
wenn z.B. Gysi und Lafontaine empfehlen, die Bundesrepublik solle<br />
sich ein Beispiel an Schweden nehmen. Dort waren die Eingriffe in<br />
die Sozialsysteme viel einschneidender.</p>
<p><b>JH_:</b> Also darf man, wenn man Rot/ Rot/ Grün<br />
will, NICHT die SPD wählen, denn das führt doch nur zu<br />
Schwarz/ Rot, das wissen sie doch auch, oder?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Das teile ich nicht, aber<br />
wie soll man Rot-Rot-Grün erreichen, wenn man die SPD verhindern<br />
will? Ich bin nicht dafür, aber diese Logik begreife ich nicht.</p>
<p><b>wolchan:</b> Vermutlich ist doch jeder vernünftige<br />
Mensch in Deutschland momentan für eine Vereinfachung des Steuersystems.<br />
Warum äußert sich die SPD dazu nicht eindeutiger? Das<br />
würde doch wohl der UNION den letzten Wind aus den Segeln nehmen.</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich bin sehr für eine<br />
Vereinfachung des Steuersystems. Aber ich bin auch für den<br />
Grundsatz &quot;Mit Steuern steuern&quot;. Wir brauchen z.B. einen<br />
leistungsstarken öffentlichen Sektor, um die Bildungschancen<br />
zu verbessern und die Umwelt zu schützen.</p>
<p><b>nordlicht:</b> warum wird Herr Kirchhoff eigentlich<br />
nicht von Ihrer Partei als (zunächst) unabhängiger Finanzexperte<br />
akzeptiert?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Was ist unabhängig? Was<br />
ist Experte? Ich kenne beispielsweise viele Experten, die mir im<br />
Umweltbereich lange gesagt haben, von den FCKWs gehen keine Gefahren<br />
für die Ozonzerstörung aus. Das Gegenteil war richtig.<br />
Und auch bei den Steuerexperten muss ich erst mal fragen: Wem dient<br />
es? Dahinter steht ein Verständnis, das wie Herr Kirchhof selber<br />
sagt, die Idee der Gesellschaft sehr kritisch sieht. Ich glaube,<br />
dass die Idee der Gesellschaft Basis der europäischen Kultur<br />
ist. Hierin unterscheiden wir uns fundamental von den USA, wo der<br />
Schwerpunkt auf einem Individualkapitalismus liegt. In Europa ist<br />
es das Ergebnis jahrhundertelanger Auseinandersetzungen und die<br />
Bändigung von Konflikten, dass wir uns sehr bewusst im letzten<br />
Jahrhundert für die Idee der sozialen Demokratie entschieden<br />
haben. Herr Kirchhof vertritt dagegen den amerikanischen Weg der<br />
Neocons.</p>
<p><b>benboi:</b> Aber warum ist eine Einheitssteuer von<br />
25% nicht gerecht???<br />
Michael Müller: Weil sie erstens zu Lasten des öffentlichen<br />
Sektors geht. Zweitens eine Lücke von mindestens 40 Milliarden<br />
Euro aufreißt. Drittens die Lasten höchst ungleich verteil.<br />
Hier empfehle ich die Bücher von Krugman und Stieglitz über<br />
die Folgen der Flat-Tax in den USA auf die sozialen Schichtungen.<br />
Und schließlich schränkt dieses System in gravierender<br />
Weise die staatliche Handlungsfähigkeit ein.</p>
<p><b>Fiete_Schulze:</b> Will die SPD endlich höhere<br />
Steuern für die Reichen und Wohlhabenden, damit es den Armen<br />
besser geht und diese nicht mehr den Großteil der Steuern<br />
zahlen müssen?</p>
<p><b>Koopsi:</b> Warum hat die SPD den Spitzensteuersatz<br />
gesenkt und will jetzt wieder eine Reichensteuer? Das ist doch eine<br />
Täuschung der Wähler.</p>
<p><b>Michael Müller: </b>Erstens haben wir auch die<br />
Eingangsteuersätze massiv gesenkt, sie sind von 25,9 % auf<br />
15 %, also um rund 9 Prozentpunkte abgesenkt worden. Dadurch hat<br />
sich auch der Progressionsverlauf geändert. Ich habe mich sehr<br />
dafür eingesetzt, dass die Absenkung auf 42 % nicht stattfindet,<br />
sondern der Satz bei 45% bleibt. Dies wurde mehrheitlich vom Bundesrat<br />
überstimmt. Trotzdem muss ich noch eine Illusion beenden: Unter<br />
den Bedingungen weltweit offener Märkte gerät die nationale<br />
Steuerpolitik an Grenzen, zumal in einem Exportland wie der BRD.<br />
Deshalb müssen wir zur europäischen Lösungen in der<br />
Steuerpolitik kommen.</p>
<p><b>Sojus:</b> Herr Müller, wie schätzen Sie<br />
das Wahlziel des Kanzlers ein, 38 Prozent am kommenden Sonntag für<br />
die SPD zu bekommen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Realistisch.</p>
<p><b>EarlMobile:</b> Was halten Sie eigentlich von einem<br />
gemeinsamen Auftritt von Gerhard Schröder und Joschka Fischer<br />
noch vor der Wahl als Bekenntnis zu Rot-Grün, wie 2002? Wäre<br />
die nicht eine gute Möglichkeit die Alternative Merkel/ Gerhardt<br />
noch mal zu verdeutlichen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Die Antwort zeigt, dass Herr<br />
Westerwelle schon auf dem Abstellgleis steht. Ich bin sehr für<br />
einen gemeinsamen Auftritt, nur muss man wissen, dass der gemeinsame<br />
Auftritt 2002 die Einladung einer Unterstützerorganisation<br />
war. Eine solche Einlandung hat es diesmal nicht gegeben. Trotzdem<br />
ist es aus meiner Sicht klar, dass es um das Duo Fischer &#8211; Schröder<br />
geht.</p>
<p><b>JH_: </b>Wollen sie wirklich weitere 4 Jahre Rot/ Grün<br />
mit nur einem Abgeordneten Stimmmehrheit im Bundestag? Das ist doch<br />
totale Blockade.</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich weiß nicht, wie<br />
sie schon zu dem Wahlergebnis kommen. Ich finde, man sollte erst<br />
mal die Bürgerinnen und Bürger entscheiden lassen.</p>
<p><b>Simon Haber:</b> Haben Sie nicht auch den Eindruck,<br />
dass im Wahlkampf alles außer die Wirtschaftspolitik zu kurz<br />
kommt?</p>
<p><b>Michael Müller: </b>In den letzten Tagen haben<br />
wir viel über Energie- und Klimafragen gehört. Ich finde<br />
zu Recht, weil dies eine zentrale Zukunftsfrage ist. Ein Beispiel:<br />
in den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil an den Meeresregionen,<br />
in denen in der Deckschicht für länger Zeit 27 Grad Celsius<br />
überschritten wird, um knapp 20% erhöht. Die Folge ist<br />
&#8211; weil das eine kritische Grenze ist für die Bildung von Orkanen<br />
&#8211; dass es immer häufiger zu gewaltigen Naturkatastrophen kommt.<br />
Diese Extreme beschränken sich nicht nur auf den pazifischen<br />
Raum, wir müssen vielmehr davon ausgehen, dass im Nordatlantik<br />
die dort überdurchschnittlich hohen Temperaturanstiege &#8211; rund<br />
3 Grad Celsius &#8211; gefährliche Folgen für die Lebensverhältnisse<br />
in Nordeuropa haben werden. Noch kann man dies durch eine andere<br />
Energie &#8211; und Verkehrspolitik verhindern, aber nicht mehr lange.</p>
<p><b>jessikaxxl:</b> Ich wohne in der Südeifel und<br />
auf der Landkarte steht &quot;Naturpark Südeifel &quot;. Wenn<br />
man allerdings durch diesen Naturpark wandert oder fährt, gibt<br />
es mittlerweile kaum eine Stelle, von der aus man nicht mindestens<br />
30 bis 40 hässliche Windräder sehen kann. Ist das nicht<br />
auch eine Art Umweltverschmutzung? Die Lärmbelästigung<br />
ist auch nicht zu vernachlässigen. Bei ungünstiger Windrichtung<br />
kann ich die nächsten Windräder sogar bei mir ihm Tal<br />
hören.</p>
<p><b>Michael Müller: </b>Ich will darauf hinweisen,<br />
dass wir in der Novelle des erneuerbaren Energiengesetzes eine Reihe<br />
von schärferen Anforderungen gestellt haben, um den Naturschutz<br />
zu berücksichtigen. Dennoch fällt es mir auf, dass diese<br />
Kritik selten in Bezug auf die 70.000 Hochspannungsmasten in Deutschland<br />
geübt wird.</p>
<p><b>von_Stern:</b> Wäre auch Rot-Grün unter Tolerierung<br />
der PDS möglich?<br />
Michael Müller: Das kann man nicht abstrakt beantworten. Ich<br />
wüsste aber nicht, wie auf dieser instabilen Basis eine stabile<br />
Außenpolitik möglich sein sollte, zum Beispiel der Einigungsprozess<br />
in Europa.</p>
<p><b>Moderator:</b> Sie wollen es aber nicht ausschließen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Doch, das sagte ich damit.</p>
<p><b>Franz Josef VII.:</b> Ist Ihnen eigentlich schon einmal<br />
aufgefallen, dass es in den Ländern (z.B. Schweiz, Luxemburg,<br />
Singapur etc.), die erwiesenermaßen ein höheres Wohlstandsniveau<br />
wie Deutschland haben, Gewerkschaften und linke, sozialistische<br />
Parteien wie die SPD überhaupt gar keine Rolle spielen? Was<br />
schließen Sie daraus?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Die Frage ist falsch, die<br />
Schweizer Demokraten waren in den letzten Jahren immer an der Regierung,<br />
in Luxemburg ebenfalls und Singapur kann ich nicht vergleichen.</p>
<p><b>Maler2:</b> Herr Müller, warum können nicht<br />
mehr Gelder in die Unterstützung junger Familien fließen?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Es ist in den letzten Jahren<br />
erhebliches Geld in die Familien geflossen, nicht nur beim Kindergeld,<br />
sondern auch in die Ganztagsschulen und in der Kinderbetreuung.<br />
Allerdings haben die Länder das sehr unterschiedlich umgesetzt.<br />
Der nächste Schritt soll das Elterngeld sein, um noch zu einer<br />
konzentrierteren Förderung zu kommen.</p>
<p><b>KurtSchumacher: </b>Was sagen Sie zum Niveau der politischen<br />
Auseinandersetzung in diesem Wahlkampf? Gebietet es z. B. nicht<br />
bei aller inhaltlichen Differenz die Achtung der Person, dass man<br />
einander beim Namen nennt, anstatt über &quot;einen Professor<br />
aus Heidelberg &quot; herzuziehen?</p>
<p><b>Michael Müller: </b>Naja, das halte ich für<br />
eine vertretbare Polemik und die gehört sicher auch zum Wahlkampf.<br />
Entscheidend aber sind die Konzepte, die dahinter stehen. Und da<br />
macht die Zuspitzung die Unterschiedlichkeit auch klarer. Im Übrigen<br />
habe ich nicht den Eindruck, dass die anderen Parteien in ihren<br />
Argumenten jederzeit fair sind. Ich will mir Beispiele jetzt ersparen.</p>
<p><b> EarlMobile: </b>Wenn es trotz aller programmatisch-inhaltlichen<br />
Differenzen zwischen CDU/ CSU und SPD dennoch zu einer Großen<br />
Koalition kommen sollte, wer wäre in der SPD dann für<br />
den Posten des Außenministers vorgesehen (angenommen, die<br />
CDU würde den Kanzler stellen)?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich habe schon gesagt, dass<br />
ich mich an derartigen Spekulationen nicht beteilige.<br />
Moderator: Eine letzte Frage:</p>
<p><b>Leo1: </b>Denken Sie nicht, dass Schröders Politik,<br />
die offensichtlich nicht die der SPD-Linken ist, eine neue, erfolgreiche<br />
politische Position der SPD in Zukunft darstellt?</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Ich glaube persönlich,<br />
dass das Grundproblem der modernen Politik ist, die pragmatische<br />
Politik mit einer sittlichen Idee zu verbinden. Dies ist sehr selten<br />
bisher gelungen. Ich glaube, dass das auch nur beschränkt möglich<br />
ist, wenn man unter alltäglichen Regierungszwängen steht.<br />
So wichtig einzelne Personen sind, die brauchen immer die Rückkopplung<br />
in den demokratischen Diskurs. Ich habe eher den Eindruck, dass<br />
dieser demokratische Diskurs in der Mediokratie zu kurz kommt.</p>
<p><b>Moderator: </b>Das war&#8217;s. Unsere 60 Minuten Politik-Chat<br />
sind um. Vielen Dank für Ihr Interesse und die vielen Fragen.<br />
Herzlichen Dank Herr Müller, dass Sie heute Zeit für den<br />
Chat fanden. Alle unsere Chat-Protokolle finden Sie wie immer auf<br />
den Seiten der Veranstalter. Dort erfahren Sie auch die Termine<br />
für die nächsten Chats. Einen schönen Tag wünschen<br />
tagesschau.de, politik-digital.de und tagesspiegel.de.</p>
<p><b>Michael Müller:</b> Wer will, kann mich auch über<br />
mein Büro im Bundestag erreichen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_erneuerung_der_europaeischen_demokratie_kann_nur_in_der_tradition_des_demokratischen_sozialis-171/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht mit einer großen Koalition&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_habe_schlechte_erfahrungen_gemacht_mit_einer_grossen_koalitionquot-175/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_habe_schlechte_erfahrungen_gemacht_mit_einer_grossen_koalitionquot-175/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Wowereit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotich_habe_schlechte_erfahrungen_gemacht_mit_einer_grossen_koalitionquot-175/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister 
des Landes Berlin, stellte sich am 29. August im tacheles.02 Live-Chat 
von tageschau.de und politik-digital.de den vielfältigen Fragen 
der Teilnehmer. Themen waren mögliche Koaltionen nach der Wahl, 
die Zusammenarbeit zwischen SPD und PDS in Berlin, aber auch Fragen 
der internationalen Politik</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister<br />
des Landes Berlin, stellte sich am 29. August im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tageschau.de und politik-digital.de den vielfältigen Fragen<br />
der Teilnehmer. Themen waren mögliche Koaltionen nach der Wahl,<br />
die Zusammenarbeit zwischen SPD und PDS in Berlin, aber auch Fragen<br />
der internationalen Politik</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der regierende Bürgermeister<br />
Berlins, Klaus Wowereit ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine<br />
Stunde lang wird er Ihre Fragen beantworten. Herr Wowereit, können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ja, ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Wowereit, macht der Wahlkampf<br />
überhaupt Spaß bei den Umfragewerten?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wahlkampf ist ein Kampf, und da<br />
muss man um jede Stimme kämpfen. Die Stimmung ist besser als<br />
die Umfragewerte, und die SPD-Leute vor Ort kämpfen, und deshalb<br />
macht es auch Spaß.
</p>
<p>
<b>gerol:</b> Herr Wowereit, glauben Sie, ein schlechtes<br />
Abschneiden der SPD würde auch Ihre Regierung beeinträchtigen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Nicht direkt, aber natürlich<br />
ist für Berlin auch wichtig, wer im Bund regiert. Und die Bundesregierung<br />
und wir haben gut zusammengearbeitet und deshalb schauen wir natürlich<br />
mit Spannung auf das Ergebnis.
</p>
<p>
<b>jhgfdjhf:</b> Wie genau wollen Sie als rot-rot-grüner<br />
Fan in Zukunft mit einer schwarz-gelben Bundesregierung kooperieren?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich bin kein Fan von rot-rot-grün<br />
sondern ein Fan von SPD-rot. Aber unabhängig von der parteipolitischen<br />
Zugehörigkeit müssen die Landesinteressen gegenüber<br />
der Bundesregierung vertreten werden.
</p>
<p>
<b>Musterknabe:</b> Welche Chancen räumen Sie der<br />
Linkspartei in der Bundestagwahl ein? Und halten Sie sie für<br />
koalitionsfähig mit den Grünen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Die Linkspartei wird zur Zeit<br />
in den Umfragen überschätzt. Sie wird verlieren bis zu<br />
den Bundestagswahlen. Wer den Parteitag der Linkspartei am Samstag<br />
verfolgt hat, konnte leicht feststellen, dass diese Partei überhaupt<br />
nicht regieren will, sondern den Menschen das Blaue vom Himmel verspricht,<br />
aber keine realistischen Politikantworten gibt.
</p>
<p>
<b>helles:</b> Sie werden ja gerade in der Presse auch<br />
als heimliches Vorbild für die SPD / für eine PDS-Grünen-SPD-Regierung<br />
auf Bundesebene ziemlich zerrissen. Macht ihnen das was aus?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Als Politiker muss man auch Zerreißproben,<br />
wenn sie denn da sein sollten, überstehen. In einer solchen<br />
befinde ich mich aber zur Zeit nicht. Wir leisten in Berlin eine<br />
gute Regierungsarbeit, was daran liegt, dass die PDS-Senatoren das<br />
Gegenteil von dem tun, was ihre Bundespartei fordert.
</p>
<p>
<b>Kennedy:</b> Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit<br />
mit der PDS in Berlin? Wo sehen Sie Erfolge, wo gab es die größten<br />
Schwierigkeiten? Kann man Erfahrungen aus der Koalition auf Landesebene<br />
auf den Bund überhaupt übertragen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir haben gut zusammen gearbeitet<br />
und werden dies auch weiter tun. Wir haben das, was Bundeskanzler<br />
Schröder für den Bund gefordert hat, nämlich die<br />
Systeme grundlegend zu reformieren, in Berlin in weiten Feldern<br />
umgesetzt. Dies war schwer, zeigt aber Erfolge. Man kann die Situation<br />
in Berlin nicht automatisch auf den Bund übertragen, da beispielsweise<br />
die ganze Thematik der Außenpolitik in Berlin einen anderen<br />
Stellenwert einnimmt als im Bund.
</p>
<p>
<b>Titus:</b> Haben Sie Lust, auch mal in der Bundespolitik<br />
aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>kasimir_gott:</b> Wäre für Sie eigentlich<br />
auch ein Amt als Bundesminister interessant?
</p>
<p>
<b>Super-Moderator:</b> Wollen sie Schröder beerben<br />
Herr Wowereit?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Als Quasi-Ministerpräsident<br />
ist man automatisch auch auf der Bundesebene präsent und natürlich<br />
werde ich die Interessen Berlins im Bund weiter mit Nachdruck vertreten.<br />
Ich bin nicht auf Jobsuche und mache das Amt des Regierenden Bürgermeisters<br />
gerne und kandidiere nächstes Jahr erneut für dieses Amt.
</p>
<p>
<b>Capitano:</b> Als noch einer der wenigen Sympathieträger<br />
der SPD: würde es für Sie in Frage kommen, in 4 Jahren<br />
als Kanzlerkandidat anzutreten? Wenn nein, weshalb?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das ist eine schöne Frage,<br />
die von jedem Politiker wie folgt beantwortet wird: Ich bin Regierender<br />
Bürgermeister und will die Arbeit gut machen.
</p>
<p>
<b>engelebrt:</b> Finden Sie nicht, dass die SPD immer<br />
unglaubwürdiger wird, da Gerhard Schröder erst das Vertrauen<br />
absichtlich verloren hat, und dann wird er wieder Spitzenkandidat.<br />
Finden sie das nicht auch etwas komisch?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das glaube ich nicht. Schröder<br />
hat Mut bewiesen, den Weg der Neuwahl zu gehen mit allen damit verbundenen<br />
Risiken. Er braucht und will ein erneutes Votum der Wähler,<br />
um die schwierige Arbeit fortzusetzen. Dies ist ein ganz klarer<br />
Weg.
</p>
<p>
<b>J.O.:</b> Wie beurteilen Sie die Möglichkeit<br />
einer großen Koalition, sollte schwarz-gelb keine Mehrheit<br />
haben? Gäbe es mehr Schwierigkeiten als Chancen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich habe schlechte Erfahrungen<br />
gemacht mit einer großen Koalition. Es ist ein Irrtum zu glauben,<br />
große Koalitionen lösen große Probleme. Eine große<br />
Koalition sollte man nicht anstreben, weil sie klare politische<br />
Konzepte verwässert.
</p>
<p>
<b>kalle55:</b> Sie werden es ja bestimmt nicht sagen<br />
wollen, aber was machen Sie, wenn Sie der Ruf zur Mitarbeit in einer<br />
Großen Koalition erreicht? Koalitionserfahren sind Sie ja<br />
genug.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich bin Regierender Bürgermeister<br />
und kandidiere nächstes Jahr noch einmal zum Regierenden Bürgermeister.
</p>
<p>
<b>kobra:</b> Steuert die SPD auf einen großen<br />
personellen Umbruch zu? Wenn Schröder geht, geht dann auch<br />
Müntefering? Wer kommt dann?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich gehe davon aus, dass die SPD<br />
die Wahlen erfolgreich bestehen wird. Dementsprechend wird Gerhard<br />
Schröder Kanzler bleiben und Müntefering in seinen Ämtern.<br />
Aber selbstverständlich muss sich jede Partei erneuern und<br />
deshalb werden in der nächsten Legislaturperiode andere Personen<br />
eine wichtigere Rolle einnehmen, als es bislang der Fall war.
</p>
<p>
<b>Uwe Drahn:</b> Sie und Herr Platzeck gelten als neue<br />
Generation, als Kronprinzen in der SPD. Wie sehen Sie Ihre persönliche<br />
Zukunft in der SPD?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Platzeck und Wowereit werden als<br />
Ministerpräsidenten in der Bundespolitik stärker Gehör<br />
finden und gerade auch die besonderen Interessen Ostdeutschlands<br />
vertreten.
</p>
<p>
<b>Wowi:</b> Was halten Sie vom Comeback ihres ehemaligen<br />
Wirtschaftssenators Gregor Gysi?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Dies ist schon sehr verwunderlich<br />
und zeigt, dass die PDS ohne Gysi nichts zu bieten hat. Gysi hatte<br />
die Chance, im Berliner Senat praktische Politik zu betreiben. Er<br />
hat hingeschmissen und damit gezeigt, dass es ihm mehr ums Reden<br />
als ums Handeln geht.
</p>
<p>
<b>Robin:</b> Wie schätzen Sie die Kompetenzen der<br />
CDU-Riege ein? Welche Konsequenzen fürchten Sie bei einem Wahlerfolg<br />
der Schwarzen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich denke, die CDU hat ein gänzlich<br />
anderes Gesellschaftskonzept als die SPD. Die SPD tritt für<br />
soziale Gerechtigkeit ein, bei der CDU hat man den Eindruck, dass<br />
nur der Starke sich durchsetzen wird. Deswegen sollte jeder gut<br />
überlegen, welche Gesellschaft er in Deutschland haben will:<br />
Eine solidarische oder eine egoistische.
</p>
<p>
<b>andreas82:</b> Was halten Sie vom Kirchhofschen Steuermodell?<br />
Und ganz allgemein: Halten sie das jetzige Steuersystem reformierbar<br />
oder meinen Sie nicht auch dass ein ganz Neues her muss?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Ich bin sehr für Subventionsabbau,<br />
damit auch alle die unterschiedlichen Steuersätze zahlen müssen.<br />
Nur der Reiche kann viel von der Steuer absetzen, der Normalbürger<br />
kann dies nicht. Aber wir brauchen Geld in den öffentlichen<br />
Kassen, deshalb können wir uns zur Zeit Steuersenkungen nicht<br />
leisten. Aber Subventionsabbau ist notwendig, um mehr in Bildung<br />
und Wissenschaft zu investieren. Kirchhof hat keine Mehrheit in<br />
der CDU/CSU.
</p>
<p>
<b>wise:</b> Warum ist es keiner Partei möglich,<br />
konsequent Reformen umzusetzen? Sind die Politiker ihren Lobbies<br />
so sehr verpflichtet, dass es nicht möglich ist beispielsweise<br />
Subventionen zu kürzen? Was denken Sie?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir brauchen auch außerhalb<br />
der Politik ein gesellschaftliches Klima, das grundlegende Reformen<br />
ermöglicht. Wenn man sieht, wie die SPD für die Reformpolitik<br />
der Agenda 2010 bei den Landtagswahlen schlecht abgeschnitten hat,<br />
dann macht das nicht gerade Mut. Also vielmehr Unterstützung<br />
für Politiker, die bereit sind auch unangenehme Dinge zu sagen<br />
und zu verändern.
</p>
<p>
<b>carn123:</b> Herr Wowereit, die SPD hat ja in der<br />
letzten Legislaturperiode Reformen gemacht, die vielfach als unsozial<br />
bezeichnet wurden. Glauben sie, dass eine rot-grüne Regierung<br />
in den nächsten 4 Jahren noch mehr Reformen anpacken wird,<br />
die viele für unsozial halten oder ist es erst einmal genug?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir müssen noch weiter Reformen<br />
in der BRD umsetzen, z.B. die Fragen im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung.<br />
Aber alle Reformen müssen sozial gerecht und ausgeglichen sein<br />
und es muss den Menschen erklärt werden, wozu sie notwendig<br />
sind.
</p>
<p>
<b>S. Haber:</b> Halten Sie eine hohe Kapitalsteuer für<br />
vertretbar?
</p>
<p>
<b>beefybiker:</b> Wer ist denn nach Ihrer Auffassung<br />
reich?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich denke, dass jemand, der &#8211;<br />
wie in unserem Wahlmanifest geschrieben &#8211; als Single 250.000 Euro<br />
und als Verheirateter 500.000 Euro Jahreseinkommen bezieht, durchaus<br />
als reich zu bezeichnen ist. Deshalb ist es auch vertretbar, dass<br />
diese hohen Einkommen stärker besteuert werden. Bei der Kapitalsteuer<br />
muss man die Summe der Belastungen für Unternehmen sehen. Sie<br />
dürfen Investitionen nicht verhindern aber große Gewinne<br />
nicht schonen.
</p>
<p>
<b>Musterknabe:</b> Wie sieht Ihre Politik der Familienförderung<br />
aus? Warum sollte ich mir bei der wirtschaftlichen Lage Kinder zulegen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Erstens ist die Frage nur sehr<br />
persönlich zu beantworten, d.h. jeder muss aufgrund seiner<br />
Lebenssituation die eigene Entscheidung treffen. Der Staat muss<br />
aber Rahmenbedingungen schaffen, dass Familien finanziell gut dastehen,<br />
dass Betreuungsangebote in Kita und Schule dem Bedürfnissen<br />
von Familien entsprechen und natürlich müssen Familien<br />
steuerlich begünstigt werden. Wir brauchen vor allem eine Ganztagsbetreuung<br />
in Schulen.
</p>
<p>
<b>wise: </b>Herr Wowereit, Sie schreiben &quot;alle<br />
Reformen müssen sozial gerecht &#8230; sein&quot;. Ich denke, dieser<br />
Aussage würde auch ohne Zögern ein Mitglied einer anderen<br />
Partei zustimmen. Die Frage ist doch, wo man eine Trennlinie ziehen<br />
kann und muss. Wie viel Sozialstaat können wir uns leisten?<br />
Denken Sie an die Renten. Ich bin 27 Jahre alt und glaube nicht,<br />
dass ich eines Tages eine (wenn überhaupt) tragfähige<br />
Rente erhalten werde. Wie könnte man die Rentenfrage also &quot;sozial<br />
gerecht&quot; anpacken?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Eine reiche Industrienation wie<br />
die Bundesrepublik Deutschland muss Vorsorge treffen, damit Menschen<br />
im Alter nicht in Armut leben müssen und auch für den<br />
Fall der Pflege menschenwürdige Bedingungen finanziert bekommen.<br />
Deshalb müssen heute die Systeme dem demographischen Wandel<br />
angepasst werden. Das bedeutet, dass Veränderungen notwendig<br />
sind. Wer heute nicht 5 % spart, wird zukünftig nicht mehr<br />
95 % bezahlen können.
</p>
<p>
<b>S. Haber:</b> Was halten Sie von einer Grundrente?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das Rentensystem muss sich nach<br />
den bisherigen Beiträgen richten. Falls die erworbenen Ansprüche<br />
nicht ausreichen, muss die Sozialkasse die Ergänzungen vornehmen.
</p>
<p>
<b>genosse:</b> Herr Wowereit, in meinem Ortsverein (NRW)<br />
war man sehr verärgert darüber, dass Schröder und<br />
Müntefering noch am Wahlabend Neuwahlen angekündigt haben<br />
&#8211; wovon vorher niemand etwas wusste. Die Motivation, jetzt noch<br />
mal Wahlkampf zu machen, ist dementsprechend vielerorts im Keller.<br />
Glauben Sie nicht, Schröder hätte vorher wenigstens im<br />
Parteivorstand über Neuwahlen abstimmen lassen sollen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es ist heute ganz schwierig, hinter<br />
verschlossenen Türen Gremien bei solchen Entscheidungen zu<br />
beteiligen. Ich glaube, dass in solch einer Situation die Partei<br />
dem Vorsitzenden und dem Kanzler so viel Vertrauen einräumen<br />
müssen, dass solch eine Frage auch ohne vorherige Beschlussfassung<br />
durch die Gremien als Weg der Öffentlichkeit präsentiert<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Capitano:</b> Was sagen Sie zum Thema Föderalismus?<br />
Soll alles so bleiben wie es ist? Was würden Sie ändern?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Berlin tritt dafür ein, föderale<br />
Strukturen zu verändern, d.h. klare Verantwortlichkeiten zu<br />
schaffen. Wo die Kommune bessere Arbeit leisten kann, soll sie es<br />
tun. Wo es das Land tun kann, das Land und natürlich der Bund<br />
in seinen Kompetenzfeldern. Wir brauchen eine klarere Trennung der<br />
Zuständigkeiten, sonst ist die Neigung zur Blockade sehr groß.<br />
Dies kann sich die Republik nicht leisten. Ich selber bin für<br />
ein Zusammengehen von Berlin und Brandenburg, und auch andere Regionen<br />
sollten sich überlegen, ob der Zuschnitt der Bundesländer<br />
noch zeitgemäß ist.
</p>
<p>
<b>miesseler:</b> Herr Wowereit, die SPD muss langfristig<br />
auch im Bundesrat wieder Mehrheiten bekommen. Wie sehen sie die<br />
langfristige Entwicklung?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es ist klar, dass wir unsere Stärke<br />
in der Kommunal- und Landespolitik wieder gewinnen müssen.<br />
Dementsprechend werden wir alles daran setzen, Länder wieder<br />
zurückzugewinnen.
</p>
<p>
<b>Ödipus:</b> Befürchten Sie, dass die SPD<br />
im Osten langfristig nur noch dritte Kraft sein wird? Was kann dagegen<br />
unternommen werden?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Die SPD ist eine Partei, die für<br />
ganz Deutschland da ist. Wir setzen nicht nur auf eine West- oder<br />
eine Ostkarte. Dies tun andere Partein bewusst. Wir müssen<br />
Lösungen für ganz Deutschland finden. Aber natürlich<br />
die besonderen Notwendigkeiten der Förderung in Ostdeutschland<br />
garantieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein paar Fragen zu Berlin:
</p>
<p>
<b>herbasveezer:</b> In Berlin sind die Schulen dramatisch<br />
unterbesetzt. Wie stellen sie sich die Einstellung neuer Lehrer<br />
oder die bessere Betreuung der Schüler vor?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir haben in diesem Schuljahr<br />
über 500 neue Lehrer eingestellt und die Betreuung ist damit<br />
sicher gestellt. Natürlich kann man mehr für Bildung fordern,<br />
aber es muss auch finanziert werden. Wir haben zum neuen Schuljahr<br />
viele auch kostenwirksame Reformen umgesetzt und werden deshalb<br />
eine verbesserte Situation in der berliner Schule in den nächsten<br />
Jahren beobachten können.
</p>
<p>
<b>groschen:</b> Werden Studiengebühren in Berlin<br />
kommen, wenn die PDS nicht mehr an der Macht ist?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Die SPD schließt sowohl<br />
auf Bundes- wie auch auf Landesebene Studiengebühren für<br />
das Erststudium aus. Aber man muss auch die Entwicklung in den anderen<br />
Bundesländern beobachten.
</p>
<p>
<b>Pythagoras:</b> Herr Bürgermeister, was hindert<br />
Sie, das Problem Bankgesellschaft offensiv anzugehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir sind das Problem offensiv<br />
angegangen, die Bank ist auf einem guten Konsolidierungskurs. Wir<br />
haben versucht, die verantwortlichen Manager sowohl zivilrechtlich<br />
wie auch strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.
</p>
<p>
<b>Pythagoras:</b> Der sozial ungerechteste Vorgang in<br />
Deutschland ist der Milliardenbetrug der Bankgesellschaft Berlin.<br />
Was haben Sie getan um das Geld wieder zurück zu holen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Zur Zeit laufen die Strafprozesse.<br />
Wir haben mit einer Verstärkung der Staatsanwaltschaft von<br />
Anfang an versucht, die Verantwortlichen zu stellen. Juristisch<br />
sind die Verfahren nicht einfach zu führen, und wir haben leider<br />
auch schon einige Zivilprozesse verloren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur internationalen Politik:
</p>
<p>
<b>acs: </b>Frau Merkel sagt auch mit der CDU hätte<br />
es keine Soldaten im Irak gegeben, glauben sie das?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das glaube ich nicht. Sie hat<br />
in Washington deutlich gemacht, dass sie bedingungslos hinter Herrn<br />
Bushs Irakpolitik steht, und dies zeigt, dass die Entscheidung von<br />
Gerhard Schröder keine Soldaten in den Irak zu entsenden, richtig<br />
war.
</p>
<p>
<b>ProContra:</b> Was sagen Sie zu der Thematisierung<br />
der Türkei-Frage der Union?
</p>
<p>
<b>annonymus:</b> Wie stehen Sie zu einem möglichen<br />
Beitritt der Türkei zur EU? Insbesondere vor dem Hintergrund<br />
der Bevölkerungsstruktur Berlins?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich bin für einen Beitritt<br />
der Türkei, wenn die Aufnahmebedingungen erfüllt sind.<br />
Ich hoffe, dass keine Partei versucht, durch das Wecken von Ressentiments<br />
im Wahlkampf Stimmung gegen unsere türkischen Mitbürgerinnen<br />
und Mitbürger zu machen.
</p>
<p>
<b>Authentio:</b> Welche mittel- u. langfristigen nationalen<br />
Konsequenzen sehen Sie durch den Globalisierungs-Trend?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Globalisierung ist einerseits<br />
eine Chance, andererseits aber auch ein Risiko für nationale<br />
und lokale Interessen. Deshalb müssen gesamtstaatliche Organisationen<br />
wie die EU oder auch Weltorganisationen Mechanismen finden, um weltweite<br />
Fehlentwicklungen zu korrigieren. Insbesondere den ärmsten<br />
Ländern der Welt muss internationaler Schutz auch im ökonomischen<br />
Bereich geboten werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur Türkei:
</p>
<p>
<b>JungerLiberaler:</b> Wie gehen Sie mit dem Unionsargument<br />
um, die Türkei habe eine völlig andere historische und<br />
kulturelle Entwicklung?
</p>
<p>
<b>elvy:</b> Empfinden sie es nicht so, dass die EU einfach<br />
zu groß wird durch den Türkei-Beitritt? Und dass die<br />
EU Bewohner übergangen werden? Die meisten sind doch gegen<br />
ein EU-Beitritt der Türkei.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich glaube, dass es ökonomisch<br />
sinnvoll ist, aber auch für die Stabilität in Europa und<br />
in angrenzenden Regionen sehr wichtig ist, die Türkei bei ihrem<br />
Reformprozess weiterhin zu unterstützen. Wer sich die moderne<br />
Türkei von heute anschaut, der wird feststellen, dass vieles<br />
getan worden ist, aber natürlich vieles noch vor der Türkei<br />
liegt.
</p>
<p>
<b>ProContra:</b> Wann ist die EU vollständig? Im<br />
Sinne von: wie vielen Ländern.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Diese Frage müssen die Staaten<br />
der EU beantworten. Es ist klar, dass die Beitrittsverhandlungen,<br />
die jetzt laufen, von vielen skeptisch gesehen werden. Wichtig ist,<br />
dass die Aufnahmekriterien erfüllt werden.
</p>
<p>
<b>Roter Horst:</b> Was entgegnen Sie dem Vorwurf, Gerhard<br />
Schröder versuche beim Thema Iran eine Friedenskarte auszuspielen,<br />
obwohl eine militärische Option von keinem der Beteiligten<br />
(auch nicht von den USA) je ins Spiel gebracht wurde?
</p>
<p>
<b>Chef-Moderator:</b> Will die SPD mit Kriegsangst die<br />
Wahlen gewinnen??
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es ist richtig, dass auch im Wahlkampf<br />
Friedensfragen thematisiert werden. Wir wissen, dass die CDU eine<br />
gänzlich andere Außenpolitik machen möchte. Es ist<br />
richtig und notwendig, dass der Bundeskanzler auch zum jetzigen<br />
Zeitpunkt die klare Position der Bundesregierung auch gegenüber<br />
unseren Bündnispartnern deutlich macht.
</p>
<p>
<b>Marcus (SPD):</b> Hallo. Wissen Sie, dass die Sozialdemokratie<br />
auf dem Demokratischen Sozialismus basiert (das steht u.a. in unserem<br />
Grundsatzprogramm)? Aber warum macht die SPD derzeit eine völlig<br />
entgegengerichtete Politik?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Reformpolitik im Rahmen der Agenda<br />
2010 ist notwendig, um soziale Sicherung auf zukünftige Generationen<br />
sicherzustellen und deshalb gibt es keine Alternative zu Reformen<br />
in sozialer Verantwortung.
</p>
<p>
<b>ruhrpott:</b> Sie wollen die besonderen Interessen<br />
Ostdeutschlands vertreten. Was ist denn dort besonders? Fahren Sie<br />
mal nach Gelsenkirchen, da gibt`s mehr Probleme als in manchen Städten<br />
in den neuen Bundesländern.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Es ist richtig, dass Regionen<br />
in der gesamten Republik, die strukturschwach sind, Hilfe von ihrem<br />
Land oder von der Bundesebene bekommen müssen. Aber unbestreitbar<br />
ist, dass die wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland im Vergleich<br />
zu den alten Ländern deutlich schlechter ist. Deshalb braucht<br />
man dies nicht in Ost und West kategorisieren, sondern auch sagen,<br />
es muss dort geholfen werden, wo die Hilfe am notwendigsten ist.
</p>
<p>
<b>snudel:</b> Guten Tag &#8211; glauben Sie ernsthaft, dass<br />
sich nach den Neuwahlen etwas signifikant an der Lage Deutschlands<br />
ändern wird &#8211; obgleich welche Partei regieren wird?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es muss sich vieles ändern,<br />
vieles ist erreicht worden, aber Deutschland muss sich weiterhin<br />
modernisieren. Sonst werden wir im internationalen Wettbewerb nicht<br />
mithalten können.
</p>
<p>
<b>BK:</b> Mal ehrlich: Wie viel Jahre geben Sie Deutschland<br />
noch, bevor uns die sozialen Lasten zusammenbrechen lassen? Immerhin<br />
können wir nicht endlos Schulden machen wie die USA.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wenn wir nichts tun, wird sich<br />
relativ deutlich zeigen, dass der Staat nicht mehr das leisten kann,<br />
was notwendig ist. Heute ist noch die Chance da, durch Veränderungen<br />
die Vorsorge zu treffen. Aber man muss es konsequent tun.
</p>
<p>
<b>Agamemna:</b> Glauben sie, dass es mit der Union an<br />
der Spitze Deutschland eine solch starke transatlantische Annäherung<br />
gibt, dass das zu Lasten der deutschen (französischen) EU-Politik<br />
geht?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich glaube, dass Deutschland gut<br />
beraten ist, das gute Verhältnis zu unseren direkten Nachbarn<br />
weiter zu pflegen. Dazu gehört natürlich Frankreich, aber<br />
auch Polen.
</p>
<p>
<b>groschen:</b> Was sagen Sie dazu, dass die Umweltpolitik<br />
im Wahlkampf der SPD so vernachlässigt wird? Sind der Atomausstieg<br />
oder die Verbraucherschutzpolitik nur Themen, die wir den Grünen<br />
zu verdanken haben ?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Nein, die SPD hat in ihrer Regierungsverantwortung<br />
klare Antworten zum Atomausstieg geben. Es ist aber immer schwierig,<br />
alle politischen Themen in die öffentliche Diskussion einzubringen.<br />
Gerade im Umwelt- oder Verbraucherschutz gibt es deutliche Unterschiede<br />
zur CDU/CSU, und die müssen im Wahlkampf heraus gestellt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Zeit ist fast um. Eine letzte Frage:
</p>
<p>
<b>Pille90:</b> Schließen sie auch wie unser Bundeskanzler<br />
Gerhardt Schröder ein Linksbündnis auf jeden Fall aus<br />
?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Dies schließe ich für<br />
die nächste Legislaturperiode auf jeden Fall aus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und danach?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich will die Wählerinnen<br />
und Wähler, die heute den Linkspopulisten folgen, wieder zurückgewinnen.<br />
Dies ist die Aufgabe für die nächsten Jahre.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Wowereit,<br />
dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie in Kürze auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Den nächsten Chat gibt es am Dienstag, den 6. September. Von<br />
13.00 bis 14.00 Uhr wird Grünen-Chef Reinhard Bütikofer<br />
auf Ihre Fragen antworten.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Vielen Dank für die vielen<br />
interessanten Fragen und hoffe auf weiterhin so viel Interesse an<br />
der Politik.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_habe_schlechte_erfahrungen_gemacht_mit_einer_grossen_koalitionquot-175/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Wolfgang Gerhardt</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_wolfgang_gerhardt-465/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_wolfgang_gerhardt-465/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Gerhardt]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/chat_mit_wolfgang_gerhardt-465/</guid>

					<description><![CDATA[<table border="0">
	<tbody>
		<tr valign="top">
			<th align="right">Moderator:</th>
			<td>Sehr geehrter Herr Gerhardt, im Namen von Tomorrow und politik-digital 
			möchten wir Sie ganz herzlich begruessen!<br />
			</td>
		</tr>
		<tr valign="top">
			<th align="right">Moderator:</th>
			<td>Hier die erste Frage:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Sehr geehrter Herr Gerhardt, im Namen von Tomorrow und politik-digital<br />
			möchten wir Sie ganz herzlich begruessen!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Hier die erste Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Christian:</th>
<td>Herr Gehrhardt, meinen Sie nicht, die FDP hat eine zeitlang den<br />
			nationalliberalen Flügel zu stark vernachlässigt? ist sie deswegen von 12<br />
			auf 6% ABGERUTSCHT? 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Sehr geehrter Herr Gerhardt, im Namen von Tomorrow und politik-digital<br />
			möchten wir Sie ganz herzlich begruessen! 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">zuhÃ¶rer:</th>
<td>Herr Gerhardt, wieviel Prozent erreicht die FDP in NRW (8%)?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>nein, das ist das erste mal. aber es wird sicher nicht dabei<br />
			bleiben
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>nein, wir sind auch jetzt wieder im aufwind, ohne daß wir<br />
			flügeldiskussionen führen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Sputnik:</th>
<td>Herr Gerhard, ist Ihre Position als FDP-Parteivorsitzender nach der<br />
			Niederlage in Hessen beschädigt worden ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>nein, eher bestärkt. die ganze partei hat meine position gesehen, ich<br />
			habe sie in einer guten rede dargelegt. ich muß mich nach meinen<br />
			überzeugungen richten, nicht nur nach mehrheiten
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Falco:</th>
<td>Wie stehen sie eigentlich jetzt zu Roland Koch? Wollen sie weiterhin<br />
			an der Koalition festhalten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Christoph:</th>
<td>Glauben sie dass die FDP in Zukunft wieder mehr im politischen Leben<br />
			der Bundesrepublik zu sagen hat?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Herr Gerhardt, kommen die Fragen nicht an?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>hatten hier leichte probleme. jetzz müßte es aber wieder<br />
			gehen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>wunderbar, neue frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Johansson:</th>
<td>Herr Gerhardt, wie finden Sie das jüngste Verhalten von Herrn Dr. Kohl<br />
			in der Spendenaffäre?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>nach der wahl in schleswig-holstein können wir auch in NRW erfolgreich<br />
			sein, die grünen wieder verdrängen und wieder eine größere rolle<br />
			spielen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>vielleicht noch zu &quot;Johansson&quot;?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>ok, die nächste Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">GAP:</th>
<td>hallo herr gerhardt, was ist ihr hauptwahlkampfthema bei der nächsten<br />
			bundestagswahl?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>bei der bundestagswahl wird es mehr als ein thema geben. entscheidend<br />
			ist das image der parteien´. die leute müssen sich mit einer partei<br />
			identifizieren&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>können. die menschen möchten glaubwürdigkeit haben. bildungsthemen<br />
			werden eine entscheidende rolle spielen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">denzau:</th>
<td>Herr, Gerhardt, sehen Sie einen Wählerzuwachs bei der FDP durch die<br />
			Finazkrise der CDU?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir haben einen wählerzuwachs in schleswig-holstein durch<br />
			wechselwähler&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>erhalten. wir haben es geschafft leute zu mobilisieren, die sonst gar<br />
			nicht wählen. aber die wähler sehen in uns auch eine&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>glaubwürdige partei, etwas, was die cdu momentan nicht ist
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Christoph:</th>
<td>Wie sehen sie die Chancen der FDP bei der Landtagswahl in NRW?<br />
			
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">sven:</th>
<td>Herr Gehrhardt, mit wieviel Prozent rechnen Sie bei der Wahl in NRW?<br />
			Herr Möllemann sagt 8%.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>Möllemann hat sich ein gutes ziel gesetzt&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>aber wie schleswig-holstein gezeigt hat, ist es nicht<br />
			unerreichbar.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">torben:</th>
<td>Herr Gerhardt, was meinen sie, wie würde eine aktuelle bundesweite<br />
			Umfrage aussehen wenn sie mit der SPD liebäugeln?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ich glaube, wir werden in dieser größenordnung einlaufen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Sputnik:</th>
<td>Herr Gerhard, der FDP-Spitzenkandidat Möllemann strebt offensichtlich<br />
			bei den Lantagswahlen 2000 in NRW eine Koalition mit der SPD an, ist dies<br />
			auch in Ihrem Sinne ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>eine koalition mit der spd würden uns die wählerinnen und wähler eher<br />
			übel nehmen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir stimmen auch in vielen punkten nicht mit der spd überein. das<br />
			konzept muß stimmig sein
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Azzurro:</th>
<td>Herr Gerhardt, auf welcher Basis begründen Sie noch Ihre Koalition mit<br />
			der CDU?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>es gibt keine vorfestlegung in nrw, weder zur einen noch zur anderen<br />
			seite. die anderen parteien verhalten sich genauso
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ich muß keine koalition mit der cdu begründen, denn es gibt keine<br />
			solchen koalition.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Grafe:</th>
<td>Sollten die parteien nicht offener sein für verschiedene Koalitionen.<br />
			Ist es nicht ein Gebot der Demokratie sich mit verschiedenen Parteien<br />
			regieren zu können. Ich denke die FDP sollte sich nicht auf die Koalition<br />
			mit einer Partei festlegen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>in der gegenwärtigen situation kann ich dieser fragestellung viel<br />
			positives abgewinnen. &#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>aber das programm muß stimmen. nur bei ausreichenden gemeinsamkeiten<br />
			macht eine koalition sinn
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">frank:</th>
<td>Wie steht die FDP zur aktellen Entwicklung in Österreich ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>das beobachten wir als nachbarn. wir halten&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>von der Reaktion der EU nichts. damit wird nichts erreicht
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Markus:</th>
<td>wie sehen sie die Auswirkungen auf die BRD im Bezug der politischen<br />
			Lage in Österreich 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ich stelle keine auswirkungen fest. der breite teil der öffentlichkeit<br />
			hält die eu-reaktionen für lächerlich. schröder und fischer sollten dies<br />
			einsehen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Voltaire:</th>
<td>Herr Gerhardt, was haltet Sie von den Green Cards?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">ICE_COOL:</th>
<td>Herr Gerhardt, Thema Greencard; liegt dies nicht auch an einer<br />
			schlechten bzw. rückständigen Ausbildung durch unsrer Hochschulen gerade<br />
			im Bereich IV , dass Kräfte aus dem Ausland geholt werden müssen<br />
			?!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>sie ist nicht ausreichend und eine kurzatmige reaktion&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>deshalb bin ich für ein einwanderungsgesetzt, das sinnvolle grenzen<br />
			festsetzt. das ganze ist ein typischer schröder-vorschlag, mit dem er kurz<br />
			auftaucht und dann wieder verschwindet
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Parteifrau:</th>
<td>Was denken sie über Helmut Kohl der jetzt mit den legalen Spenden<br />
			weiter kommen will ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir brauchen nicht nur studiengänge, die für die zukunft das land fit<br />
			machen, sondern auch facharbeiter
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>kohl hat den versuch gemacht, einen schaden wieder gut zu<br />
			machen&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>sdas ehrenwort eines bundeskanzler darf aber nicht über dem gesetz<br />
			stehen. ein solches denken ist nicht akzeptabel
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>nochmal zum Thema &quot;Greencard&quot;:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">merzbow:</th>
<td>wie stehen sie zur auslädnerfeindlichen &quot;Inder&quot;-Kampagne von Herrn<br />
			Rüttgers?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>das ganze ist keine finanzielle wiedergutmachungsfrage. niemand darf<br />
			sich über das gesetzt stellen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>merzbow &#8211; weiter oben
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>rüttgers aussage ist reichlich dümmlich und wird der lage überhaupt<br />
			nicht gerecht. &#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>kinder brauchen eine gewisse herstellungszeit. das weiß auch<br />
			rüttgers
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Christoph:</th>
<td>Wie sehen Sie die Chancen Deutschlands als Technologieland?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir sollten alle qualifizierungsanstrengugen in deutschland<br />
			nutzen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ohne die geistigen verrenkungen zu technologiefragen wären wir schon<br />
			viel weiter&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>trotzdem hat deutschland sehr gute voraussetzungen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">denzau:</th>
<td>Sie sprechen von Glaubwürdigkeit, die die Leute suchen. Als<br />
			jahrelanger Regierungspartner der CDU, glauben Sie, daß man die FDP als<br />
			glaubwürdig und durchsetzungsfähig empfindet?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>das gilt auch für die anforderung , ausländer ins land zu<br />
			locken
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>mit 6,nochwas Prozent ist es natürlich schwieriger, eigene politik zu<br />
			machen, als der große koalitionspartner. trotzdem haben wir die<br />
			entscheidenden punkte sowohl in der alten koalition, als auch danach<br />
			gesetzt&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>z.b. bei der doppelten staatsbürgerschaft. zwanzig prozent wären<br />
			natürlich trotzdem mal nett
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">felix__:</th>
<td>Hallo Herr Gerhard, ich bin heute 18 Jahre geworden und jetzt<br />
			Wahlberechtigt Da ich mich für Politik sehr interessiere möchte ich auch<br />
			in eine Partei eintreten vielleicht auch in die FDP Welche Argumente<br />
			würden sie mir geben, die dafür sprechen in die FDP einzutreten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir sind im vergleich zu allen anderen parteien freiheitlicher<br />
			organisiert&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir respektieren unterschiedliche lebensvorstelllungen und können<br />
			entsprechend, wenn wir uns durchsetzen, jungen menschen größere<br />
			wahlvielfalt in der zukunft bieten
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir denken, daß wir uns in deutschland auf eine internationalere<br />
			situation einstellen. dafür brauchen wir junge leute
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">BigLiberal:</th>
<td>Wie können Sie die liberale Idee in Deutschland durchsetzen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>vor der frage stehe ich dauernd, weil die deutsche tradition weniger<br />
			liberaler, staatsorientierter als in manch anderem europäischen<br />
			land
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>die deutschen verwechseln manchmal politik mit staat. eine<br />
			freiheitlichere mentalität ist notwendig. alle anderen parteien sind aber<br />
			staatsparteien, die menschen müssen sich selber mehr helfen&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>der wille zu eigenständigen denken muß sich durchsetzen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">ICE_COOL:</th>
<td>Wie sehen Ihre Pläne im Bereich der Umweltpolitik aus = Weitere<br />
			Erhöhung von Mineralöl/oder Umweltsteuer ? Stärkere reglemnetierung der<br />
			Industrie ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>die mineralölsteuer ist hoch genug und bringt umweltpolitisch keine<br />
			lösung weil das geld in die rentenfinanzierung fließt&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>die deutschen manager wissen außerdem, daß sie ökologische aspekte<br />
			berücksichtigen müssen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>um zu weniger benzinverbrauch zu kommen, hilft die mineralösteuer<br />
			nicht. wir müssen den verbrauch der autos reduzieren. große gesetzgebund<br />
			hilft nichts, wenn in den nachbarländern nicht mitgezogen wird.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Christoph:</th>
<td>Ist die nominierung eines europäischen Kandidaten für den IWF<br />
			Chefposten ein Test für das Verhältnis USA-Europa?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ja und nein&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ich bin froh, daß herr köhler den posten übernimmt. ich habe das<br />
			amerikanische verhalten auch nicht für gut befunden&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>die art und weise, wie die usa über den ersten kandidaten diskutiert<br />
			haben, war nicht akzeptabel. wir können uns nicht bei jeder frage von den<br />
			usa über den tisch ziehen lassen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>letzte Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Hartmut:</th>
<td>Was hat denn die FDP noch im Internet vor?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir präsentieren uns. wir wollen im internet erkennen lassen, daß man<br />
			hier vertieft zu unserem programm nachfragen kann&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>wir wollen diejenigen für uns gewinnen, die das internet argumentativ<br />
			nutzen
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Sehr geehrter Herr Gerhardt, wir möchten uns im Namen von<br />
			politik-digital und Tomorrow ganz herzlich bei Ihnen für diese digitale<br />
			Diskussionsrunde bedanken und bitten noch um ein abschliessendes<br />
			Statement! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangGerhardt:</th>
<td>ich bedanke mich auch
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>Gruesse aus HH nach Berlin</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_mit_wolfgang_gerhardt-465/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
