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	<title>Kongo &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Dass &#8220;unsere Jungs&#8221; Weihnachten wieder zu Hause sind, sehe ich noch nicht&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Jul 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 10. Juli, war 
Wim Dohrenbusch, ARD-Korrespondent in Nairobi, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete 
Fragen zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr, den bevorstehenden Wahlen 
und den Perspektiven der Demokratisierung Afrikas.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 10. Juli, war<br />
Wim Dohrenbusch, ARD-Korrespondent in Nairobi, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete<br />
Fragen zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr, den bevorstehenden Wahlen<br />
und den Perspektiven der Demokratisierung Afrikas.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Herzlich willkommen<br />
zum tagesschau-Chat. Unser heutiger Gast ist uns aus Nairobi zugeschaltet:<br />
Wim Dohrenbusch berichtet von dort aus für die ARD über<br />
20 Länder Ost- und Zentralafrikas. Zu seinem Berichtsgebiet<br />
gehört auch die Demokratische Republik Kongo. Der Bundeswehreinsatz<br />
in Kongo und die Wahlen dort werden heute unser Schwerpunktthema<br />
sein. Fragen zu anderen Themen aus Herrn Dohrenbuschs Berichtsgebiet<br />
werden wie immer gerne entgegengenommen. Frage nach Nairobi: Können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Jambo sana aus Nairobi. Hier ist Wim Dohrenbusch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heute beginnt die Bundeswehr mit der Verlegung des Hauptkontingents<br />
für den EU-Einsatz in Kongo. Zu dieser Mission die erste Frage:
</p>
<p>
<b>MOEs &#8211; Taverne:</b> Wie viele Soldaten werden zum<br />
Einsatz kommen und werden auch Frauen eingesetzt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Es werden insgesamt 780 Soldaten nach Afrika gehen.<br />
280 nach Kinshasa, etwa 500 in den Nachbarstaat Gabun.
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Hallo Herr Dohrenbusch. Wie ist<br />
die Stimmung in Kongo gegenüber dem Einsatz fremder Soldaten<br />
im Land?
</p>
<p>
<b>Anna: </b>Wie ist die Stimmung bei den deutschen Soldaten,<br />
die schon in Kongo sind?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Allgemein hat man großen<br />
Respekt vor den Soldaten aus Europa. Respekt im positiven Sinn.<br />
Weil diese Soldaten wirklich Schutz und Sicherheit versprechen.<br />
Die Deutschen sind im Kongo durchaus beliebt, denn sie gelten als<br />
zuverlässig und verbindlich. Außerdem haben sie keine<br />
koloniale Vergangenheit. Ich war bis vor ein paar Tagen in Kinshasa.<br />
Es sind inzwischen 70 Soldaten dort, übrigens auch eine Handvoll<br />
Frauen. Die Stimmung ist allgemein gut. Man fühlt sich relativ<br />
sicher und überhaupt nicht bedroht. Andererseits ist es für<br />
viele Soldaten tatsächlich sehr verunsichernd, mit der Armut<br />
und dem Elend der Menschen umzugehen.
</p>
<p>
<b>Jakob: </b>Stimmt es, dass ein Bundeswehrsoldat bereits<br />
in Kinshasa verletzt wurde? Die Nachricht kam aus Gabun. Wenn es<br />
stimmt &#8211; wie ist es geschehen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Davon weiß ich nichts. Am Wochenende ist<br />
ein kongolesischer Journalist in seinem Haus von uniformierten und<br />
bewaffneten Männern erschossen worden. Ein deutscher Journalisten-Kollege<br />
ist vor einer Woche bei einem Raubüberfall verletzt worden.
</p>
<p>
<b>konrad.k.l: </b>Spielt diese Kolonialvergangenheit<br />
wirklich so eine Rolle? Oder anders: Die Belgier sind also im Kongo<br />
nicht beliebt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Das Verhältnis zu den Belgiern ist zumindest<br />
zwiespältig, das gilt auch für die Franzosen. So ist es<br />
aber überall in Afrika mit den ehemaligen Kolonialmächten.<br />
Einerseits ist die Bindung immer noch eng, aber es sind eben doch<br />
die alten Ausbeuter und Unterdrücker.
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Wie werden die Aufgaben der Soldaten aussehen<br />
und wie werden diese durchgeführt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die wichtigste Aufgabe ist laut Oberkommando &quot;Sichtbarkeit<br />
demonstrieren&quot;. Umgekehrt darf auf keinen Fall der Eindruck<br />
entstehen, dass man nur da ist, um den Wahlsieg des Präsidenten<br />
abzusichern, wirtschaftliche Interessen zu verteidigen oder nur<br />
im Notfall Landsleute zu evakuieren. Für die deutschen Soldaten<br />
ist der &quot;Bereich Kinshasa&quot; das Einsatzgebiet. Wie eng<br />
das gefasst wird, das muss sich in den nächsten Monaten herausstellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt einige Fragen zur Dauer des Einsatzes:
</p>
<p>
<b>Bobo:</b> Hallo Herr Dohrenbusch. Denken Sie, dass<br />
nach Ablauf der regulären Zeit des Einsatzes sich dieser verlängern<br />
wird? Schließlich wird sich die Situation auch nach den demokratischen<br />
Wahlen nicht schlagartig ändern. Wie sehen Sie also die Zukunft<br />
der Bundeswehr in Afrika?
</p>
<p>
<b>Konga: </b>Ist es Ihrer Meinung nach realistisch,<br />
dass die deutsche Truppe Weihnachten wieder zu Hause sein wird?<br />
Was bringt so ein Einsatz wirklich, wenn er nur über einen<br />
relativ kurzen Zeitraum erfolgt? Müssten die Soldaten nicht<br />
eigentlich über ein, zwei Jahre bleiben, um nachhaltige Wirkungen<br />
zu hinterlassen?
</p>
<p>
<b>taoli:</b> In den Angaben der Politik zum Einsatzrisiko<br />
wurde nicht präzisiert, man müsse &quot;bei Null&quot;<br />
anfangen mit dem Einsatz &#8211; wie heute in den Nachrichten angegeben.<br />
Dieses intendiert meines Erachtens, dass man schon jetzt erste Hinweise<br />
gibt, dass die öffentlich benannte zeitliche Begrenzung des<br />
Einsatzes nicht funktionieren wird und dieses jetzt schon absehbar<br />
ist auf Kommandoebene des Einsatzes. Wie beurteilen Sie diese Einschätzung?
</p>
<p>
<b>Hhiu: </b>Es gab ja viel Kritik über einen so<br />
kurzen Einsatz der Bundeswehr in Kongo. Verteidigungsminister Jung<br />
will die Jungs ja im Dezember wieder zu Hause haben. Halten Sie<br />
dies für realistisch und welche Konsequenzen hat das?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Der gesamte EUFOR-Einsatz ist durch Beschluss<br />
der EU-Gremien, bzw. der deutsche durch den Bundestag auf vier Monate<br />
vom Wahltag am 30. Juli an, begrenzt. Ich halte das für sehr<br />
optimistisch, denn der gesamte Wahlprozess ist kompliziert und langwierig,<br />
mit zweitem Wahlgang bei den Präsidentschaftswahlen und Provinzialwahlen.<br />
Dann wird die Regierungsbildung sicher ein Kraftakt werden, weil<br />
es darum geht, die Verlierer in den Demokratisierungsprozess einzubeziehen.<br />
Die werden nämlich nicht so einfach an der Wahlurne wieder<br />
abgeben, was sie im Krieg mit Waffengewalt erbeutet haben. Also:<br />
Ernst wird es wahrscheinlich erst ab Ende August, wenn das Wahlergebnis<br />
feststeht. Dass &quot;unsere Jungs&quot; Weihnachten wieder zu Hause<br />
sind, wie es Verteidigungsminister Jung behauptet, das sehe ich<br />
noch nicht. Außenminister Steinmeier sagt inzwischen auch,<br />
dass man da wohl etwas flexibler sein muss.
</p>
<p>
<b>lichtgestalt:</b> Ich habe in Ihrem Beitrag gelesen,<br />
dass die Deutschen in kürzester Zeit, Ihr Lager aufgebaut haben<br />
&#8211; mit fließend Wasser und Satellitenanlagen. Schürt so<br />
etwas keinen Neid bei der Bevölkerung, die schon jahrelang<br />
auf fließendes Wasser wartet?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die Bundeswehr bemüht sich um Öffentlichkeitsarbeit.<br />
Nach dem Ende des Einsatzes sollen die Brunnen, das Krankenhaus<br />
und alle anderen Einrichtungen den Kongolesen übergeben werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Thema, zu dem es mehrere Fragen gibt, sind Kindersoldaten.
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Wird sich der Einsatz nur auf Kinshasa<br />
beschränken oder auch außerhalb der Stadt abspielen.<br />
Zum Beispiel Eingriffe bei Unruhen (gerade nach der Wahl). Wie sind<br />
die Reaktionen auf einen Konflikt mit &quot;Kindersoldaten&quot;<br />
geplant? Sicherlich ein schwieriges Thema, gerade in anbetracht<br />
etwaiger Reaktionen der deutschen (Welt-) Öffentlichkeit!
</p>
<p>
<b>Hannes:</b> Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit,<br />
dass deutsche Soldaten im Kongo auf Kindersoldaten treffen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Zum Einsatzgebiet: EUFOR kann im Prinzip im ganzen<br />
Kongo eingesetzt werden, die Deutschen nur im Großraum Kinshasa.<br />
Kindersoldaten sind so ein Thema. In Kinshasa, davon kann man ausgehen,<br />
gibt es keine Kindersoldaten. Bei den zahlreichen Rebellenmilizen<br />
im Osten und Norden sieht das schon anders aus. Aber mal so gefragt:<br />
Wie sollten Friedenstruppen damit umgehen, wenn sie in einen Hinterhalt<br />
geraten und möglicherweise Kindersoldaten bei dem Angriff dabei<br />
sind. Erst nach dem Ausweis fragen, und dann zurückschießen?<br />
Und wie geht man mit bewaffneten Jungendbanden und &quot;normalen“<br />
Kriminellen um? Da sind die Grenzen fließend.
</p>
<p>
<b>petermann:</b> Denken Sie, dass der Kongo-Einsatz<br />
ein Vorbild für mögliche Einsätze in anderen Teilen<br />
Afrikas sein könnte?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Sicher, es wird ja auch schon relativ offen über<br />
eine deutsche Beteiligung an einer Friedensmission in der Darfur-Region<br />
im Sudan diskutiert.
</p>
<p>
<b>zinedine:</b> Zu den Kindersoldaten: Gab es denn schon<br />
Konflikte zwischen den Uno-Soldaten in Kongo, die jetzt schon da<br />
sind, und Kindersoldaten? Und wie gehen die damit um?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die 17.000 Blauhelme, die seit Jahren in Kongo,<br />
vor allem in den Unruheregionen stationiert sind, sind schon häufig<br />
in Gefechte verwickelt worden. Wenn man dabei auf Kindersoldaten<br />
trifft, dann werden die festgenommen und Organisationen wie UNICEF<br />
übergeben. Das sollte übrigens auch die kongolesische<br />
Armee tun. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir nun vom Einsatz der Bundeswehr zum Grund<br />
ihrer Anwesenheit &#8211; den Wahlen:
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Wie ist denn eigentlich die politische<br />
Situation im Kongo? Und: ist durch die Wahl eine echte Stabilisierung<br />
absehbar?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Es hat seit der Unabhängigkeit, also seit<br />
45 Jahren nur Diktatur, Krieg und Korruption im Kongo gegeben. Das<br />
Land ist sechsmal so groß wie Deutschland und verfügt<br />
praktisch über keine Straßen und Eisenbahnen, keinerlei<br />
Infrastruktur. So gesehen ist es fast unregierbar. Ob sich durch<br />
die Wahlen wirklich die Situation spürbar verbessert, da habe<br />
ich meine großen Zweifel. Nur: Ohne den Versuch sind Chaos<br />
und Krieg vorprogrammiert.
</p>
<p>
<b>Interessix:</b> Ergibt es Sinn, einem Land wie Kongo<br />
Demokratie nach europäischem Muster aufdrücken zu wollen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Tun wir das? Die Kongolesen haben sich um den<br />
Jahreswechsel eine neue Verfassung gegeben, der das Volk mit 84<br />
Prozent zugestimmt hat. Der Wahlprozess ist eine kongolesische Angelegenheit.<br />
Zur Absicherung der Wahlen haben die Vereinten Nationen nun die<br />
Europäer um Hilfe gebeten. Also, die Bevormundung hält<br />
sich doch sehr in Grenzen.
</p>
<p>
<b>Maximo:</b> Wie kommt es denn eigentlich, dass ein<br />
Diktator es &quot;zulässt&quot;, dass es demokratische Wahlen<br />
geben soll?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die Luft wird dünn für Diktatoren in<br />
Afrika. Allein schon durch neue Medien, Satellitenfernsehen, Internet<br />
usw. ist zumindest die kleine Mittelschicht viel besser auf dem<br />
Laufenden, was im Rest der Welt und vor ihrer eigenen Haustür<br />
passiert. Diktatoren haben es heute viel schwerer, ihre Völker<br />
für dumm zu verkaufen. Außerdem haben sich seit dem Ende<br />
des &quot;Kalten Krieges&quot; die Maßstäbe für<br />
Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit verändert. Heute wird<br />
schon mehr auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte<br />
geachtet. Es sei denn, man verurteilt das als unangemessene Einflussnahme<br />
oder Aufdrücken westlicher Demokratiemodelle.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein paar konkrete Fragen zum Wahlkampf:
</p>
<p>
<b>lolle: </b>Wie läuft der Wahlkampf im Kongo ab?
</p>
<p>
<b>Maximo:</b> Gibt es eine Möglichkeit der Bevölkerung,<br />
sich zu organisieren? Wie funktioniert das System in Kongo, das<br />
ja offensichtlich stabil zu sein scheint?
</p>
<p>
<b>Wegbereiter:</b> Wie sind die Chancen der politischen<br />
Wettbewerber und welche gibt es? Welche politischen Forderungen<br />
verfolgen diese?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Offiziell ist der Wahlkampf seit Anfang des Monats<br />
eröffnet. Man sieht in Kinshasa und anderen größeren<br />
Städte Banner, Spruchbänder und Plakate. Vor allem von<br />
Präsident Joseph Kabila und seinen Vizepräsidenten Bemba<br />
und Ruberwa. Es gibt Kundgebungen, Demonstrationen usw. Auf dem<br />
Land oder im Busch haben aber sicher ganz viele Leute noch nichts<br />
von den bevorstehenden Wahlen gemerkt.
</p>
<p>
<b>Leiden:</b> Welche Rolle spielen Medien im Kongo in<br />
Bezug auf eine Demokratie im Kongo?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Oh je. Es gibt 33 Präsidentschaftskandidaten<br />
und rund 9.000 Bewerber um 500 Parlamentssitze, mehr als 200 Parteien,<br />
viele Einzelkandidaten. Selbst bei den Präsidentschaftskandidaten<br />
gibt es einige, von denen selbst die Kongolesen noch nie etwas gehört<br />
haben. Es gibt staatlichen Rundfunk und Fernsehen, ein gutes Dutzend<br />
privater Tageszeitungen, aber die Verbreitung ist natürlich<br />
sehr mäßig (siehe Infrastruktur). Das wichtigste Medium<br />
&#8211; wie übrigens überall in Afrika &#8211; ist das Radio. Und<br />
hier tut sich der Sender der UN-Blauhelmmission, &quot;Radio Okapi&quot;,<br />
besonders positiv hervor. Die haben eine enorme Verbreitung, senden<br />
in vielen verschiedenen Sprachen und haben einen sehr guten Ruf<br />
in der Bevölkerung.
</p>
<p>
<b>polski:</b> Wie unabhängig ist der staatliche<br />
Rundfunk?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ist das eine ernsthafte Frage? Staatliche Medien<br />
sind immer das Sprachrohr der Herrschenden.
</p>
<p>
<b>Hanns:</b> Wie erklären sie die Kluft zwischen<br />
Stadt und Land, die unter anderem dadurch zum Ausdruck kam, dass<br />
in der Hauptstadt Kinshasa gerade mal 50,29 Prozent für die<br />
Verfassung stimmten, wogegen die Zustimmung in denen von Krieg betroffen<br />
Provinzen Nord- und Sud-Kivu bei 96,67 und 97,6 Prozent lag?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Das ist eine spannende Frage, auf die ich keine<br />
eindeutige Antwort habe. Auch Vertreter von Hilfsorganisationen,<br />
die im Nordosten aktiv sind, hat das sehr überrascht. Aber<br />
vielleicht liegt es daran, dass gerade dort die Menschen ihre ganze<br />
Hoffnung auf Frieden und Sicherheit in die neue Verfassung und die<br />
Wahlen setzen.
</p>
<p>
<b>polski: </b>Wie weit ist das Internet in Kongo verbreitet.<br />
Haben auch ärmere Leute Zugriff darauf?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Internet braucht Elektrizität, Internet braucht<br />
Nutzer, die lesen und schreiben können. Außer in den<br />
Städten spielt sich da also nicht ganz so viel ab. Aber die<br />
Verbreitung von Handys ist unglaublich hoch. Und die Leute informieren<br />
sich gegenseitig. Insofern ist das Internet auch in einem Land wie<br />
dem Kongo von großer Bedeutung.
</p>
<p>
<b>Wurstbrot:</b> Glauben Sie, dass Präsident Kabila<br />
jedes Wahlergebnis akzeptiert? Oder wird er sich eher wie Berlusconi<br />
verhalten und nichts unversucht lassen, die Wahl zu annullieren?<br />
Wie geht Kabila denn überhaupt mit der Mission um, die ihm<br />
ja ganz und gar nicht gefallen könnte?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Über genau diese Fragen zerbrechen sich viele<br />
kluge Leute den Kopf. Vielleicht ist Kabila das kleinere Übel,<br />
jedenfalls im Gegensatz zu den ehemaligen Milizenchefs und Politgangstern.<br />
Ob aber Kabila tatsächliche eine Niederlage akzeptieren würde,<br />
da habe ich so meine Zweifel. Aber niemand glaubt ernsthaft, dass<br />
Kabila verliert. Spätestens im zweiten Wahlgang dürfte<br />
er die absolute Mehrheit erreichen. Und viele Menschen auf dem Land<br />
kennen ja niemanden anders als Kabila. Das war für mich schon<br />
sehr eindrucksvoll zu erleben, als ich in der Ituri-Provinz unterwegs<br />
war.
</p>
<p>
<b>Basisdemokratie:</b> Welche afrikanischen Länder<br />
werden derzeit noch von Diktaturen regiert? Gibt es hier ähnliche<br />
Prozesse hin zu einer Demokratisierung? Wann ist damit zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Bei allem Elend, Bürgerkrieg und Not in Afrika<br />
muss man sich auch einfach mal klar machen, dass die Entwicklung<br />
der letzten Jahre doch eher hoffnungsvoll war. Friedensvertrag zwischen<br />
Nord- und Südsudan, Frieden in Angola, Sierra Leone, Liberia,<br />
Burundi. Aber oft ist es noch sehr brüchig. Und wenn man heute<br />
nach Somalia schaut, oder in die Darfur-Region, kann man nur das<br />
nackte Grauen kriegen.
</p>
<p>
<b>alf:</b> Wäre es nicht endlich an der Zeit die<br />
Folgen des Kolonialismus zu beseitigen, d.h. diesem absurden überdimensionierten<br />
Flächenstatt aufzulösen und der Multi-Ethnizität<br />
in diesem Gebiet Rechnung zu tragen? Man kann nicht so viele Ethnien<br />
in einem künstlichen Staat zusammenwerfen, aufgrund der Loyalität<br />
zu seiner Ethnie wird es immer zu Zwistigkeiten kommen.
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ganz sicher nicht! Die Afrikaner &#8211; so verrückt<br />
es vielleicht klingen mag &#8211; wollen das so. Andererseits, wo sollte<br />
man aufhören? Den Kongo in zwei, drei oder 300 Staaten aufteilen.<br />
Wenn man damit anfangen würde, dann bräche das Chaos endgültig<br />
aus. Es gibt ja den Fall Äthiopien-Eritrea. Und auch dort stehen<br />
Blauhelme an der Grenze, nachdem sich die einstigen Bürger<br />
einen blutigen Krieg geliefert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben noch fünf Minuten. Schon<br />
jetzt eine Entschuldigung an dieser Stelle, dass wir nicht alle<br />
Fragen berücksichtigen können. Es liegen noch viele unbeantwortete<br />
Fragen vor. Hier kommen noch einige persönliche:
</p>
<p>
<b>lolle:</b> Unter welchen Bedingungen können Sie<br />
im Kongo arbeiten?
</p>
<p>
<b>Pretender2006:</b> Wie sieht Ihre Familie Ihren Einsatz<br />
in einem, unter Umständen nicht ganz so ungefährlichen<br />
Land. Hat sie Angst? Haben Sie selber Angst?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ehrlich gesagt, Voraussetzung ist ein ordentliches<br />
Hotel, ein kongolesischer Mitarbeiter, der weiß, wen man wo<br />
bestechen kann, um überhaupt geradeaus über die Straße<br />
zu kommen. Also, einerseits ist es das reine Chaos, andererseits<br />
gefallen mir die Menschen, mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem<br />
unbeugsamen Überlebenswillen. Deshalb habe ich mich trotz Elend<br />
und Chaos nicht unwohl gefühlt. Ohne ein bisschen Angst geht<br />
es nicht. Das ist auch ein nützlicher Sender für Gefahr.<br />
Und die Familie hat’s nicht leicht, ist aber dran gewöhnt<br />
und wartet in Nairobi, dass ich wieder heil nach Hause komme.
</p>
<p>
<b>martin78:</b> Wieso wollten Sie gerade nach Afrika?<br />
Was hat Sie daran gereizt?
</p>
<p>
<b>hannes:</b> Was reizt Sie an der Arbeit als Afrika-Korrespondent?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ich habe hier in Kenia vor 23 Jahren mal einen<br />
Schulfreund besucht, der in der Entwicklungshilfe war und mich &#8211;<br />
platt gesagt &#8211; in Land und Leute verliebt. Manches nervt, vieles<br />
ist anstrengend. Aber Natur, Klima, die Freundlichkeit und Offenheit<br />
der Menschen faszinieren mich bis heute.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Deutschland hat im letzten Monat vor allem ein Thema<br />
die Menschen und die Medien beschäftigt. Dazu die letzte Frage<br />
nach Nairobi:
</p>
<p>
<b>vivelafrance:</b> Sind die Afrikaner eigentlich genau<br />
so fußballverrückt wie die Deutschen in den letzten vier<br />
Wochen gewesen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Jaaa! Schade nur, dass die Länder und Menschen<br />
hier in Ost- und Zentralafrika besser ohne Ball als mit durch die<br />
Gegend laufen können. Ich hätte gern auch ein oder zwei<br />
Vertreter aus Afrika in &quot;meinem&quot; Berichtsgebiet gehabt.<br />
Aber warten wir mal auf 2010.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat. Vielen Dank Herr Dohrenbusch,<br />
dass Sie sich Zeit genommen haben. Das Protokoll des Chats ist wie<br />
immer in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de zu finden. Das Tagesschau-Chat-Team dankt<br />
allen Teilnehmern für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen<br />
und wünscht noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ich bin ganz begeistert über die vielen tollen<br />
und interessanten Fragen. Vielen Dank an alle und: Kwaherini ya<br />
Ugerumani!
</p>
<p class="normal">
</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der BND braucht ein reinigendes Gewitter&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/der-bnd-braucht-ein-reinigendes-gewitter-142/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Renate Künast]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Auslandseinsatz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 17. Mai, war Renate 
Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Sie beantwortete Fragen zur BND-Affäre und zum geplanten Bundeswehreinsatz 
im Kongo.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 17. Mai, war Renate<br />
Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Sie beantwortete Fragen zur BND-Affäre und zum geplanten Bundeswehreinsatz<br />
im Kongo.<!--break-->
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Liebe Freunde des tagesschau-Chats,<br />
heute ist die Chefin der Grünen Bundestagsfraktion, Renate<br />
Künast, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen und dafür danken<br />
wir ihr herzlich. In ihrer Funktion ist Frau Künast für<br />
alle wesentlichen Politikfelder zuständig &#8211; daher sind auch<br />
Fragen aus allen Bereichen willkommen. Die Fülle wird uns wie<br />
immer zwingen, zu sortieren. Frau Künast, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ja, wir können anfangen,<br />
ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Harry M:</b> Thema: BND &#8211; Sehr geehrte Frau Künast,<br />
es ist sehr traurig, dass Sie als führende Politikerin den<br />
BND (eine der wichtigsten Einrichtungen) als Sauladen bezeichnen.<br />
Denn erstens würde in keinem Land über dieses Thema so<br />
ein Wind gemacht. Es ist traurig genug, dass die Information so<br />
an die Öffentlichkeit gekommen ist. Wenn es aber Ihre ehrliche<br />
Meinung ist, dann frage ich mich, wieso Sie zur Zeit Ihrer Regierung<br />
so gar nichts gemacht haben.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Da stecken viele Einzelfragen<br />
drin, ich versuche sie einzeln abzufragen: Ich habe mich sehr kritisch<br />
über den BND geäußert, weil er in der letzten Zeit<br />
immer wieder gezeigt hat, dass er sich nicht an die Regeln hält.<br />
Mich ärgert, dass sie auch die Pressefreiheit und das Recht<br />
aller Menschen, sich durch eine unabhängige Presse zu informieren,<br />
nicht respektieren. Einige führen in der Behörde ein Eigenleben,<br />
tricksen sogar ihren Präsidenten aus. Deshalb muss man hier<br />
ganz klare Worte sagen. Ich meine, der BND braucht ein reinigendes<br />
Gewitter. Erstens muss alles öffentlich gemacht werden. Zweitens<br />
sind notfalls personelle Entscheidungen zu treffen und man muss<br />
ein Verwaltungssystem entwickeln, das sicherstellt, dass sie sich<br />
wirklich an Weisungen halten. Übrigens täuschen Sie sich<br />
nicht: Auch in den USA wird sehr scharf, beispielsweise im Kongress,<br />
über die CIA und ihre Aktivitäten diskutiert.
</p>
<p>
<b>S. Rolfsson:</b> Wenn sich der BND zu einem &quot;Sauladen&quot;<br />
entwickelt hat, fand das ja wohl auch während Ihrer Regierungszeit<br />
statt. Wo waren Sie bzw. Ihre Partei da?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Bezüglich des Themas<br />
Pressefreiheit hat sich der BND bereits Anfang der 90er Jahre falsch<br />
verhalten und systematisch Journalisten benutzt. Wenn ich Aufklärung<br />
sage, gehört auch dazu, ob in der grünen Regierungszeit<br />
Fehler gemacht worden sind.
</p>
<p>
<b>labersack:</b> Frau Künast, der BND wird regelmäßig<br />
von Skandalen eingeholt. Wäre es nicht an der Zeit, ihn grundlegend<br />
umzustrukturieren, anstatt Bauernopfer zu bringen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Ja, er braucht ein reinigendes<br />
Gewitter und mindestens ein internes Kontrollsystem, was dafür<br />
Sorge trägt, dass Weisungen eingehalten werden. Mir reicht<br />
es nicht, wenn die Bundesregierung jetzt sagt, der BND dürfe<br />
keine Journalisten anwerben, um Eigenschutz zu betreiben.
</p>
<p>
<b>silke:</b> Befürworten Sie einen Rücktritt<br />
Ernst Uhrlaus vom Posten des BND-Chefs?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Mir scheint, das Hauptproblem<br />
ist weit vor der Zeit von Ernst Uhrlau entstanden, nämlich<br />
Anfang der 90er Jahre. Wir müssen als erstes aufklären,<br />
wer die Verantwortung dafür trägt und dann geht es an<br />
personelle Konsequenzen. Mir fällt auf, dass es damals um die<br />
Namen Schmidtbauer und Hanning ging. Schmidtbauer war im Kanzleramt<br />
der verantwortliche Koordinator. Der heutige Staatsminister im Innenministerium,<br />
Herr Hanning, war damals seine rechte Hand.
</p>
<p>
<b>S. Rolfsson:</b> Sie wollen &quot;alles öffentlich<br />
machen&quot;. Das geht aber bei einem Geheimdienst nicht, da dieser<br />
ja dann kein Geheimdienst mehr ist!
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Tja, Geheimdienst in einem<br />
Rechtsstaat darf aber nicht heißen, dass der einen Fehler<br />
nach dem anderen macht, ohne dass alle Abgeordneten oder die Öffentlichkeit<br />
erfährt, was vorgefallen ist. Hier hat der Geheimdienst übrigens<br />
in ein Grundrecht eingegriffen. Die Pressefreiheit ist im Grundgesetz<br />
geschützt. Die Grenzen der Veröffentlichung des Berichtes<br />
können jetzt nur darin liegen, dass z.B. die Daten von Opfern<br />
nicht veröffentlicht werden.
</p>
<p>
<b>Maass:</b> Ich hätte gerne, dass sie auf die<br />
Frage eingehen, wo ihre Partei war als das alles passierte, denn<br />
das besteht ja nicht erst seit der neuen Legislaturperiode.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir klären ja jetzt die<br />
Details auf und ich werde mir genau die Abläufe vorlegen lassen.<br />
Ich weise aber auf eines hin: Die Probleme haben massiv begonnen<br />
und stattgefunden vor unserer Regierungszeit. Im Parlamentarischen<br />
Kontrollgremium ist damals darüber nicht berichtet worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das PKG die einzige Möglichkeit<br />
für eine Partei, an solche Informationen zu kommen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Außer sie haben einen<br />
Informanten direkt im Dienst. Jetzt aber kommt es auf eines an:<br />
Dass wir die Aufarbeitung nicht nur im PKG machen, das auch unter<br />
Geheimhaltung arbeitet. Ich meine, dieses muss auch im Rechts- und<br />
Innenausschuss besprochen werden. Dort geht es schließlich<br />
um die Wahrung von Grundrechten. Was mir noch fehlt, ist eine Äußerung<br />
der Medien selbst. Schließlich müssen sich auch Journalisten<br />
die Frage stellen, ob es ihren ethischen Grundsätzen entspricht,<br />
mit Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Ich meine nein, weil auch<br />
sie das Vertrauen brauchen bei Informationen, die sie weitergeben,<br />
sauber zu sein und nicht beeinflusst zu werden.
</p>
<p>
<b>meier22:</b> Ist das PKG nicht ohnehin überholt?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Nein, das PKG ist nicht überholt.<br />
Wenn man einen BND braucht, um sich gegen Angriffe von außen<br />
zu schützen, dann braucht man logischerweise eine Kontrolle,<br />
die ebenso wie der Dienst selbst unter Bedingungen der Geheimhaltung<br />
eine parlamentarische Kontrolle gewährleistet. Die Grünen<br />
haben allerdings einen Änderungsantrag für das Gesetz<br />
über das PKG eingebracht. Wir halten einige Punkte für<br />
veränderungsbedürftig. Das PKG soll in Zukunft eine Art<br />
Selbstbefassungsrecht haben, also Punkte auf die Tagesordnung setzen<br />
können und nicht auf die Verwaltung warten müssen.
</p>
<p>
<b>Langzeitstudent:</b> Als Laie stellt man sich einen<br />
&quot;Eingriff in die Pressefreiheit&quot; so vor, dass die Presse<br />
darin gehindert wird, über bestimmte Themen zu berichten. Wieso<br />
stellt es einen Eingriff in die Pressefreiheit dar, wenn sich der<br />
BND darüber informiert, womit sich Journalisten beschäftigen?<br />
Ist das nicht auf gewisse Weise sogar Pflicht des BND? Wäre<br />
ja peinlich, wenn die Presse regelmäßig schneller wäre,<br />
als der BND&#8230;
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Erstens ist die Presse bei<br />
uns frei und unabhängig. Unser GG sagt, dass eine Zensur nicht<br />
stattfindet. Und in unserem System darf der Staat Eingriffe nur<br />
vornehmen, wenn er dazu ausdrücklich berechtigt ist. Es gibt<br />
aber keine Ermächtigung, in der Arbeitsweise der unabhängigen<br />
Medien rumzuschnüffeln. Und die Medien brauchen ja gerade diesen<br />
Schutz, der sich auch auf ihre Informanten bezieht, um Dinge herauszufinden,<br />
die andere z.B. vertuschen wollen.
</p>
<p>
<b>volvic:</b> Thema: Murat Kurnaz. Sehr geehrte Frau<br />
Künast, &quot;Zeit&quot; und &quot;Spiegel&quot; behaupten,<br />
die amerikanische Regierung hätte der rot-grünen Regierung<br />
die Freilassung von Murat Kurnaz aus Guantanamo nach Deutschland<br />
angeboten und die rot-grüne Regierung hätte das abgelehnt,<br />
obwohl die Grünen offiziell die Freilassung von Kurnaz fordern.<br />
Ist das wahr?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Jetzt bewegen wir uns auf<br />
einem schwierigen Terrain mit zum Teil Geheimhaltung. Ich will aber<br />
soviel sagen: Nach meinem Kenntnisstand wollten die USA, dass die<br />
Bundesrepublik ihn als Informanten des Geheimdienstes benutzt. Das<br />
ist abgelehnt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Siegfried Kauder ist gegen eine Veröffentlichung<br />
des BND-Untersuchungsberichtes. Argument: Die Arbeit des BND würde<br />
behindert. Hat er Recht?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Nein, er hat nicht Recht.<br />
Man muss sich zwar den Umfang der Veröffentlichung genau ansehen,<br />
aber im Prinzip gilt, wer Fehler macht, soll nicht durch Geheimhaltung<br />
geschützt werden. Den allergrößten Schaden für<br />
den BND und seine Arbeit haben die Mitarbeiter angerichtet, die<br />
Journalisten angeworben oder abgeschöpft haben mit dem Ziel,<br />
Eigensicherung zu betreiben. Ich mache mir heute weniger Sorgen<br />
um Geheimnisverrat und die Frage, wie die Wahrheit ans Licht kam,<br />
als vielmehr darüber, welches Verständnis von Demokratie<br />
eigentlich im BND vorherrscht.
</p>
<p>
<b>Maßanzug:</b> Wie bewerten Sie die Kosten, die<br />
durch den Umzug des BND nach Berlin entstehen? Ist das wirklich<br />
nötig? Womit werden diese Kosten (1,5 Mrd.) gerechtfertigt?
</p>
<p>
<b>Schuppe:</b> Was ist Ihre Meinung zu dem geplanten<br />
Umzug des BND; nur weil in Bayern ein paar Sturköpfe sitzen,<br />
kommen nun immense Kosten auf die Steuerzahler zu, auf Grund der<br />
zwei getrennten Standorte, oder?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir Grünen waren nie<br />
Befürworter eines Umzuges. Probleme innerhalb des BND muss<br />
man durch gute Führung lösen. Insgesamt ist dieser Umzug<br />
einfach sündhaft teuer, das Geld könnte man bestens für<br />
andere Dinge verwenden. Mir fällt als erstes Bildung ein. Der<br />
faule Kompromiss, der mit dem Land Bayern jetzt geschlossen wurde,<br />
macht durch einen Teilumzug das Ganze noch teurer.
</p>
<p>
<b>KonstantinS: </b>Wird der BND eigentlich auch die<br />
Aktivitäten im Kongo begleiten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Jetzt geht es beim Kongo um<br />
etwas ganz anderes, nämlich die Bitte der UN, den Demokratisierungsprozess<br />
zu unterstützen. Seit 2003 gibt es dort das MONUC-Mandat. Der<br />
Kongo steht nach einem Bürgerkrieg, der über 3,8 Millionen<br />
Menschen das Leben kostete, jetzt vor demokratischen Wahlen und<br />
die UN hat die EU gebeten, durch die Anwesenheit von Soldaten quasi<br />
potentielle Putsch-Aktivitäten ein Stück weit abzuschrecken.<br />
Das wird im Ansatz von den meisten von uns für richtig gehalten.<br />
Europa hat auch einfach eine Verpflichtung, Afrika bei Demokratisierung<br />
zu helfen.
</p>
<p>
<b>Maßanzug:</b> Können da 800 Soldaten wirklich<br />
ausreichen? Für das ganze Land bräuchte man doch wesentlich<br />
mehr?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ja, sie müssen sehen,<br />
es sind schon MONUC-Soldaten im Land und der deutsche Beitrag ist<br />
nur Teil eines gesamteuropäischen Einsatzes. Die UN hat gebeten<br />
und der Bitte wird entsprochen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<br />
Für uns Grüne ist wichtig, dass der Teil, den die deutschen<br />
Soldaten in Kinshasa leisten, nicht allein auf die Stadt beschränkt<br />
wird. Das vom Bundestag abzustimmende Mandat soll unserer Meinung<br />
nach die Möglichkeit schaffen, im Umfeld von Kinshasa gegebenenfalls<br />
Nothilfe leisten zu können. Alles andere wäre unverantwortlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erst war von 500 Soldaten die Rede,<br />
jetzt von 800 &#8211; war Verteidigungsminister Jung da nicht richtig<br />
im Bilde und fühlen sie sich schlecht informiert?
</p>
<p>
<b>Renate Künast: </b>Die Information hat jetzt<br />
gerade erst richtig begonnen, nachdem die EU ihre Planung vervollständigt<br />
hat. Nach meinem jetzigen Stand geht es um 500 Soldaten im Einsatz<br />
und ca. 280 Reservesoldaten. Wir werden über die Details am<br />
Freitag im Bundestag und dann in den Ausschüssen diskutieren.<br />
Uns ist wichtig, dass die deutschen Soldaten nicht eng auf die Stadtgrenzen<br />
reduziert sind. Wir Grüne haben darüber hinaus einen Antrag<br />
gestellt, dass die Bundesregierung über diesen militärischen<br />
Beitrag hinaus Leistungen auf der zivilen Ebene erbringen muss.<br />
Das fängt bei einer stärkeren Hilfe an, eigene Sicherheitskräfte,<br />
z.B. Polizei, auszubilden und geht bis dahin, dass der Kongo zu<br />
unterstützen ist in der Bekämpfung von Korruption. Das<br />
Land wird nur wirksam unterstützt, wenn das langfristig geschieht.
</p>
<p>
<b>Assassini:</b> Sehr geehrte Frau Fraktionsvorsitzende,<br />
glauben Sie, dass die Anstrengungen der Bundesregierung bezüglich<br />
des Kongoeinsatzes etwas mit der Erweiterung des UN-Sicherheitsrats<br />
zu tun haben, der ja erweitert werden soll und um den sich Deutschland<br />
bewirbt?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich sehe keinen Zusammenhang.<br />
Es hat aber etwas damit zu tun, dass die EU jetzt zum ersten Mal<br />
wirklich international geprüft wird, ob sie bereit und in der<br />
Lage ist, eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik zu<br />
praktizieren. Die Frage an uns Europäer ist doch, ob wir auch<br />
wirklich ein Interesse haben, international Verantwortung zu übernehmen.<br />
Mir kommt es darauf an, dass die Europäer in Zukunft immer<br />
mehr zeigen, dass Konflikte mit zivilen Mitteln gelöst werden,<br />
statt mit Militäreinsätzen und dass wir bei Demokratisierungsprozessen<br />
helfen. Es wäre falsch, wenn die EU das immer anderen allein<br />
überlässt.
</p>
<p>
<b>Katena:</b> Hätten die Soldaten nicht schon vor<br />
geraumer Zeit in den Kongo entsandt werden müssen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Die UN hat ihre Bitte gerade<br />
für den Zeitraum der Wahlen und der Installierung einer neuen<br />
Regierung ausgesprochen. Deshalb ist es richtig, den Einsatz dann<br />
auch auf den Zeitraum von vier Monaten zu beschränken. Wie<br />
ich schon gesagt habe, sind weitere Unterstützungen nicht durch<br />
das Militär zu leisten.
</p>
<p>
<b>Mikaelle:</b> Wieso leistet Deutschland mit 800 von<br />
insgesamt 1500 Soldaten den größten Teil?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Es gibt innerhalb der EU für<br />
solche Fälle immer genaue Absprachen. Einzelne Mitgliedstaaten<br />
der EU machen dann z.B. Zusagen, wie viel Personal mit welcher besonderen<br />
Qualifikation sie gegebenenfalls einsetzen könnten. Das dient<br />
der besseren Planung. So kommt auch zustande, dass absprachegemäß<br />
das Leitungszentrum dieses Einsatzes geografisch in Deutschland<br />
&#8211; nämlich in Potsdam &#8211; sein soll, obwohl es sich um einen europäischen<br />
Einsatz handelt. Der Leiter wird ein deutscher Soldat sein, allerdings<br />
tätig als Europäer und entsprechend weisungsgebunden.
</p>
<p>
<b>earsonic:</b> Sehr geehrte Frau Künast, inwieweit<br />
ist der Einsatz der deutschen Soldaten im Kongo auch als Beginn<br />
einer strategischen Platzierung von europäischen Interessen<br />
auf dem Afrikanischen Kontinent im Sinne z.B. von Ressourcensicherung<br />
für die Zukunft (bevor andere zuschlagen: USA, China, Stichwort<br />
Öl vor Nigeria, etc.) zu sehen?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Das ist eine sehr gute Frage.<br />
Es soll nach grüner Auffassung eben nicht ein Zugriff auf die<br />
dortigen Bodenschätze sein. Der Demokratisierungsprozess im<br />
Kongo soll ja gerade bewirken, dass nicht nur Eliten des Landes<br />
und ausländische Unternehmen den Zugriff auf die reichhaltigen<br />
Bodenschätze haben. Unsere Idee ist, dass Europa auch wegen<br />
der Kolonialgeschichte z.B. Belgiens heute eine Verantwortung hat,<br />
diesen Ländern bei der Demokratisierung zu helfen. Deshalb<br />
haben Europäer die verschiedenen afrikanischen Staaten schon<br />
lange Zeit dabei beraten, eine afrikanische Union zu gründen<br />
und stärker auszubauen. Gemeinsam wären diese Entwicklungsländer<br />
stärker in ihrer Interessenvertretung gegenüber anderen.<br />
Das war auch immer ein starkes Interesse von Joschka Fischer.
</p>
<p>
<b>Cow: </b>Falls es zu Problemen in Kongo kommen sollte,<br />
wie würden sich die europäischen Soldaten verhalten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Einmal ist klar, wenn einige<br />
versuchen würden, im Kongo zu putschen, müssten die deutschen<br />
Soldaten eingreifen. Das ist gerade der Zweck ihrer Anwesenheit,<br />
die Missachtung des Wahlergebnisses zu verhindern. Absprachegemäß<br />
haben die deutschen Soldaten in diesem Einsatz speziell die Aufgabe,<br />
in Notfällen zu evakuieren. Dafür sind sie speziell trainiert.<br />
Ich habe natürlich die große Hoffnung, dass es am Ende<br />
nicht zu einem Einsatz von Waffen kommen wird. Natürlich machen<br />
wir uns auch Gedanken um den Schutz unserer Soldaten. Deshalb schauen<br />
wir uns im Parlament den Auftrag sehr genau an.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Muss man nicht bei solchen Einsätzen<br />
die Bevölkerung vorher immer wieder massiv darauf hinweisen,<br />
dass die Möglichkeit besteht, dass deutsche Soldaten sterben<br />
könnten?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich glaube, das wissen alle,<br />
dass, wenn man solcherart Verantwortung übernimmt, darin auch<br />
konkrete Gefahren für die Menschen stecken. Deshalb nehmen<br />
die Bundestagsabgeordneten ihre Verantwortung bei der Planung jetzt<br />
sehr ernst.
</p>
<p>
<b>June2006:</b> Die FDP möchte sich nun mehr der<br />
Umweltpolitik annehmen. Sehen die Grünen ihr Stammgebiet gefährdet?
</p>
<p>
<b>silke:</b> Die FDP will jetzt auch in das Thema Umweltpolitik<br />
einsteigen. Braucht die Partei der Grünen ein neues Profil,<br />
um sich deutlicher von anderen abgrenzen zu können?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Also wir Grünen sind<br />
immer dafür vorzudenken. Wir analysieren: Was sind eigentlich<br />
die Bedingungen in 10, 20 Jahren und machen daraus kreative und<br />
innovative Politik &#8211; schon heute. Deshalb haben wir auch immer gedrängelt,<br />
aus der unsicheren Atomenergie auszusteigen und erneuerbare Energien<br />
zu fördern, für Einsparmaßnahmen zu sorgen und Effizienztechnologien<br />
zu fördern.
</p>
<p>
Bei der FDP kann Guido Westerwelle gerne jeden Monat ein neues<br />
Image erfinden, man wird es ihm nicht glauben. Er will Umweltpartei<br />
sein, beschließt dann aber sofort längere Laufzeiten<br />
für Atomkraftwerke. Er will Bürgerrechtspartei sein, hat<br />
aber nicht mal einen Frauenförderplan innerhalb der FDP. Er<br />
will Bürokratie abbauen, beschließt aber gleich an den<br />
überholten Pflichtmitgliedschaften in den Handwerkskammern<br />
festzuhalten. Sie sehen, ich bin gelassen.
</p>
<p>
<b>Sozialdemokrat21:</b> Werte Frau Künast, macht<br />
es für ihre Partei einen Unterschied, dass Kurt Beck neuer<br />
SPD-Vorsitzender ist?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Wir betrachten jetzt mal sehr<br />
gespannt, welche Politik Kurt Beck jetzt vertreten wird. Er ist<br />
eigentlich ein Vertreter der alten konservativ-etatistischen SPD,<br />
hat aber das Papier von Matthias Platzeck für die Programmdebatte<br />
übernommen. Wir werden es beobachten. Ein Problem für<br />
die SPD wird sicherlich auch sein, dass ihr Koalitionspartner, die<br />
CDU, sich ja gerade verändert. Auch da wissen wir noch nicht<br />
wohin.
</p>
<p>
<b>hallodri:</b> Wie beurteilen Sie eigentlich die Arbeit<br />
Ihres Nachfolgers Horst Seehofer?
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Sie wissen mein Herz schlägt<br />
für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die haben es eigentlich<br />
verdient, dass man ihre Interessen vertritt. Bei der Verbraucherinformation,<br />
bei der Agrogentechnik zum Beispiel.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Renate Künast, bei der wir uns herzlich bedanken, dass<br />
sie sich Zeit für uns genommen hat. Vielen Dank auch an unsere<br />
User für ihre Fragen &#8211; verbunden mit der Bitte um Verständnis<br />
an all jene, die heute nicht zum Zuge gekommen sind. Unser nächster<br />
Chatgast wird am 22. Mai ab 13.20 Uhr Fritz Kuhn sein.
</p>
<p>
<b>Renate Künast:</b> Ich freue mich, dass es so<br />
viele nachdenkliche Fragen gab, sowohl über den BND als auch<br />
über den Kongo-Einsatz. Daran merkt man, dass in Wahrheit uns<br />
allen die gleichen Fragen auf den Nägeln brennen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Untersuchungsausschüsse sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war 
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur 
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im 
Kongo.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war<br />
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur<br />
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Freunde und Gegner von FDP und BND-Ausschuss, willkommen zum<br />
Tagesschau-Chat. Ins ARD-Hauptstadtstudio ist heute Jörg van<br />
Essen gekommen, der Parlamentarische Geschäftsführer der<br />
FDP-Fraktion, in allen Oppositionsfragen mit Sicherheit gut informiert.<br />
Wie immer sind Fragen zu allen Themen möglich, von BND-Affäre<br />
über Tarifstreit und Kongo-Einsatz der Bundeswehr bis zur Landtagswahl.<br />
Wir sortieren ein bisschen und dann gehen Sie an Jörg van Essen.<br />
Los geht’s:
</p>
<p class="normal">
<b>Kaja: </b>Haben Sie aus dem Visa-Ausschuss<br />
und u.a. dem unsäglichen Lügenausschuss immer noch nichts<br />
gelernt? Ihre Untersuchungsausschüsse nimmt doch keiner mehr<br />
ernst!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Untersuchungsausschüsse<br />
sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition. Der Visa-Ausschuss<br />
hat das Bild des damaligen Außenministers Fischer dramatisch<br />
verändert. Ich finde, der Untersuchungsausschuss zu den jetzigen<br />
Fragen (CIA, El-Masri) ist wichtig, weil die Bundesregierung ihre<br />
Chance, aus eigener Kraft aufzuklären, nicht genutzt hat.
</p>
<p>
<b>annett:</b> Herr van Essen, wie stehen Sie zu dem<br />
Vorwurf, dass ein Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre das<br />
Verhältnis zu den USA erneut belasten würde?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Befürchtung muss<br />
man ernst nehmen, aber ich teile sie im Endeffekt nicht. Der wissenschaftliche<br />
Dienst im Bundestag hat uns aufgelistet, wie offen und streng das<br />
amerikanische Parlament mit seinen Geheimdiensten umgeht.<br />
Von daher erwarte ich Verständnis dafür, dass auch wir<br />
das tun. Geheimdienste, die aus Fehlern gelernt haben, können<br />
besser zusammen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nun hat man nach den Geheimdienst-Vorlagen<br />
für den Irak-Krieg aber nicht unbedingt den Eindruck, dass<br />
die US-Geheimdienste gut kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe dazu keine Erkenntnisse,<br />
wie die Qualität der Kontrolle ist. In aller Regel versuchen<br />
Geheimdienste, sich der Kontrolle zu entziehen. Umso wichtiger ist<br />
es, dass wir notwendige Konsequenzen ziehen. Einige liegen schon<br />
auf der Hand. Wir werden deshalb als FDP-Fraktion einen Gesetzentwurf<br />
für eine Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums des<br />
Bundestags vorlegen.
</p>
<p>
<b>Marcus: </b>Ich glaube schon, dass ein Untersuchungs-Ausschuss<br />
sinnvoll ist. Aber warum geben Sie den Grünen und insbesondere<br />
den Linken hier eine Steilvorlage? Bei einer Schröder-Schelte<br />
bin ich immer dabei, aber damit schaden Sie doch auch der großen<br />
Koalition und damit der CDU, mit denen Sie doch eigentlich koalitionsfähig<br />
und -willig sind, oder?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zunächst einmal: Der<br />
Untersuchungsauftrag kann nur gemeinsam von der Opposition formuliert<br />
werden. Wir sind damit mit Grünen und der Linken in einer ähnlichen<br />
Zwangsehe wie CDU/CSU und SPD. Uns geht es natürlich um die<br />
politische Verantwortung. Ich bin froh, dass wir uns da gegen die<br />
Grünen durchsetzen konnten, die ihren Auftrag nach dem Motto<br />
formuliert hatten: „die Kleinen hängt man, die Großen<br />
lässt man laufen“. Wir sehen als bürgerliche Opposition<br />
unsere Pflichten und haben deshalb einen Ermittlungsbeauftragten<br />
vorgeschlagen, der bei dieser sensiblen Materie hilfreich ist und<br />
außerdem zur Beschleunigung der Untersuchung beitragen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wer soll diesen Job übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir haben bisher keinen Vorschlag<br />
gemacht. Ein Ermittlungsbeauftragter muss von einer Zweidrittel-Mehrheit<br />
der Mitglieder des Untersuchungsausschusses gewählt werden,<br />
damit er über Vertrauen verfügt. Wir denken an Kandidaten,<br />
mit denen wir aber noch nicht sprechen konnten. Deshalb wäre<br />
es unfair, ihre Namen schon zu nennen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage zur Erweiterung der Kompetenzen<br />
des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG):
</p>
<p>
<b>georg: </b>Wie soll ihrer Meinung nach denn eine erweiterte<br />
Kontrolle aussehen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Eine der Ideen, die wir diskutieren,<br />
ist ein Vorschlag des ehemaligen Präsidenten für Verfassungsschutz,<br />
Werthebach, ähnlich wie beim Wehrbeauftragten des Bundestages<br />
einen Geheimdienst-Beauftragten zu installieren, der das Parlament<br />
in seinen Aufgaben unterstützt. Wir werden im Übrigen<br />
mit Sicherheit vorschlagen, dass die Mitglieder des PKG die Fraktionsvorsitzenden<br />
unterrichten, um politisch brisante Fragen mit diesen diskutieren<br />
zu können. Derzeit steht unser einziges Mitglied, Max Stadler,<br />
bei allen Fragen ohne die Möglichkeit einer Rücksprache<br />
und Diskussion da. In der gleichen Situation sind auch die Vertreter<br />
von Linksfraktion und Grünen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist denn inzwischen klar, wer ihr Obmann<br />
im BND-Ausschuss wird? Max<br />
Stadler ziert sich ja noch ein bisschen.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Ja, das ist richtig. Max<br />
Stadler hat darum gebeten nach Möglichkeit nicht Mitglied zu<br />
werden. Wir haben mehrere gute Bewerbungen aus der Fraktion und<br />
wollen mit diesen Bewerbern noch Gespräche führen. Diese<br />
Zeit haben wir aber auch noch, da der Ausschuss frühestens<br />
in der letzten Märzwoche eingesetzt wird und erst in der ersten<br />
Aprilwoche seine Arbeit aufnimmt.
</p>
<p>
<b>Kaja: </b>Zur Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums:<br />
Sind da nicht irgendwann zu viele Köpfe involviert? Lähmt<br />
das nicht die Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Es müssen zwei Ziele<br />
unter einen Hut gebracht werden: Einmal wirksame Kontrolle, die<br />
auch dem BND dient, weil jeder vermiedene Fehler die Arbeit des<br />
BND stärkt. Und auf der anderen Seite nicht zu viele Personen,<br />
die damit befasst sind, weil sonst Geheimhaltung schwieriger wird.<br />
Die Neigung zu plaudern &#8211; besonders gegenüber den Medien &#8211;<br />
nimmt mit der Zahl der Mitglieder zu. Aus diesem Grunde ist dem<br />
Ermittlungsbeauftragten im Gesetz ausdrücklich verboten, öffentliche<br />
Erklärungen abzugeben.
</p>
<p>
<b>Herr der Ringe:</b> Warum hat sich Ihre Fraktion doch<br />
für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen? Anfangs zögerten<br />
Sie doch!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zu den Zögernden habe<br />
ich auch selbst gehört. Mich haben zwei Dinge letztendlich<br />
überzeugt: Einmal hatte Wolfgang Gerhardt die Chance, den geheimen<br />
Teil der Bundesregierung zu studieren und war entsetzt, wie wenig<br />
die Bundesregierung die Chance genutzt hat, klar begangene Fehler<br />
einzugestehen &#8211; z.B. die Nichtunterrichtung des Parlamentarischen<br />
Kontrollgremiums über die Entsendung der BND-Mitarbeiter nach<br />
Bagdad. Zweitens hat unser Mitglied Max Stadler, dem ich sehr vertraue<br />
und den ich als exzellenten Juristen schätze, in der Fraktion<br />
erklärt, dass er weitere Fragen habe. Dies hat sich im Übrigen<br />
auch bei meinen Verhandlungen mit den anderen Oppositions-Fraktionen<br />
bestätigt, wo wir bei jeder der Fragen abgeklopft haben, ob<br />
diese noch offen sind und das jeweils von den anwesenden PKG-Mitgliedern<br />
Stadler, Neskovic und Ströbele bestätigt wurde.
</p>
<p>
<b>Billy@SPD:</b> Wäre die Wahl 2002 zu Gunsten<br />
der Union und FDP ausgegangen, hätte die FDP doch sicher kein<br />
Problem damit gehabt, den BND mit den USA zusammenarbeiten zu sehen.<br />
Wieso kritisieren Sie es also an der alten Regierung?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Hauptkritikpunkt ist für<br />
uns das Bild, das die alte Regierung in der Öffentlichkeit<br />
gezeigt hat &#8211; nämlich strikt gegen den Krieg zu sein &#8211; und<br />
das Bild, das sich jetzt zeigt, dass über die bekannten Dinge,<br />
wie Überflugrechte, Bewachung von Kasernen hinaus, intensiv<br />
kriegswichtiger Gedankenaustausch betrieben wurde. Im Übrigen<br />
hat die FDP den Irakkrieg immer aus politischen und rechtlichen<br />
Gründen für falsch gehalten. Wir haben aber unsere Kritik<br />
gegenüber den Amerikanern als Freunde vorgetragen und haben<br />
im Gegensatz zu Schröder und Fischer für unsere Kritik<br />
deshalb offene Ohren gefunden.
</p>
<p>
<b>Ludwig:</b> Hat die FDP einen weitergehenden Untersuchungsauftrag<br />
verhindert, wie es die Grünen suggerieren?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das Gegenteil ist der Fall.<br />
Die Grünen hatten nur zwei Fragen zu El-Masri und überhaupt<br />
keine Fragen zu den Vernehmungen unter Folterumständen formuliert.<br />
Und die politische Verantwortlichkeit zu all dem was geschehen ist,<br />
hat sie auch nicht interessiert. Die FDP hat durchgesetzt, dass<br />
alles dies geschehen kann. Im Übrigen haben wir auch keinerlei<br />
Generalabrechnung mit Rot-Grün beabsichtigt, wie es mein Kollege<br />
Volker Beck immer wieder behauptet. Wir wollten einen Untersuchungsausschuss<br />
zu politisch brisanten Fragen und keinen historischen Ausschuss<br />
zur Regierungszeit von Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal in der gleichen Sache:
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Sind die Handlungen des BND unrechtmäßig<br />
gewesen?
</p>
<p>
<b>Michi: </b>War das Vorgehen des BND gesetzlich korrekt?<br />
Wenn ja, handelt es sich dann nicht um einen politischen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ob rechtliche Grenzen überschritten<br />
worden sind, soll der Untersuchungsausschuss gerade klären.<br />
Da der Krieg gegen den Irak ohne völkerrechtliches Mandat geführt<br />
wurde, war es der Bundesregierung und ihren Organen, darunter dem<br />
BND, untersagt, aktiv diesen Krieg zu unterstützen. Deshalb<br />
ist die Frage, ob beispielsweise Zielkoordinaten geliefert wurden<br />
von enormer Bedeutung. Hier muss der Untersuchungsausschuss noch<br />
Aufklärungsarbeit leisten. Dass der BND zwei Mitarbeiter zur<br />
Aufklärung dorthin entsandt hat, um der Bundesregierung ein<br />
eigenes Lagebild zu ermöglichen, ist allein für sich rechtlich<br />
und politisch nicht zu beanstanden.
</p>
<p>
<b>Hunger:</b> Was wären den die rechtlichen Grenzen?<br />
Ist der Informationsaustausch illegal?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist in der Allgemeinheit<br />
schwer zu sagen. In der NATO gibt es ein gut funktionierendes Nachrichtenwesen,<br />
das sicherlich auch in diesem Zusammenhang zu einem Informationsaustausch<br />
geführt hat. Es kommt auf die einzelne Nachricht an, die bewertet<br />
werden muss. Dinge die unmittelbar zu militärischen Reaktionen<br />
geführt haben im Krieg, sind wegen der Rechtswidrigkeit des<br />
Krieges höchst problematisch.
</p>
<p>
<b>Markus R: </b>Der Jugoslawien-Krieg wurde doch auch<br />
ohne völkerrechtliches Mandat durchgeführt, da gab es<br />
aber keinen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Richtig. Zunächst einmal:<br />
Die Problematik hatten wir auch beim Jugoslawien-Krieg. Die Entscheidung<br />
ist mir aus diesem Grund damals sehr schwer gefallen. Es gibt aber<br />
einen wesentlichen Unterschied: Wegen des andauernden Völkermordes<br />
im Kosovo war nach der Meinung aller Demokratien dringendes Handeln<br />
angesagt und man scheiterte an einem angedrohten Veto einer Diktatur,<br />
der Volksrepublik China. Man hatte im Übrigen alle Möglichkeiten<br />
ausgeschöpft, die die UN-Charta bietet. Ich habe damals deshalb<br />
mit einem nicht guten Gefühl eine ähnliche Situation wie<br />
bei einem innerstaatlichen, übergesetzlichen Notstand gesehen.<br />
Alle diese Voraussetzungen treffen auf den Irak nicht zu. Es ist<br />
mit getürkten Geheimdienstmeldungen gearbeitet worden. Auch<br />
viele Amerikaner haben das Gefühl, man hätte sich ein<br />
paar Wochen mehr Zeit geben sollen, um über die Richtigkeit<br />
des Vorgehens nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Martin: </b>Rechtwidrigkeit des Krieges? Das klang<br />
ja vor vier Jahren noch etwas anders. Oder hat nicht die FDP damals<br />
im Wahlkampf die SPD für ihre Stellungnahmen gegenüber<br />
den USA verurteilt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist völlig falsch.<br />
Wir haben unsere rechtlichen und politischen Bedenken immer geltend<br />
gemacht. Wir haben die SPD aber zu Recht kritisiert, dass sie das<br />
wichtige Verhältnis zu dem USA durch das törichte Verhalten<br />
des Bundeskanzlers und des Bundesaußenministers beschädigt<br />
hat. Mit der Konsequenz, dass die deutsche kritische Stimme in Washington<br />
nicht mehr gehört wurde. Bei einem Besuch von Wolfgang Gerhardt<br />
und mir haben wir unsere Kritik klar und eindeutig vorgetragen und<br />
uns ist gesagt worden, wenn Schröder und Fischer uns gesagt<br />
hätten, sie wären unsere Freunde und nicht unsere Feinde,<br />
würden wir ernsthafter mit ihnen diskutieren. Das hat uns nicht<br />
gefallen und das kritisieren wir zu Recht.
</p>
<p>
<b>Volker: </b>Und das stellen Sie erst jetzt fest (falsche<br />
Geheimdienstberichte)? Hat die FDP 2002 nicht auch das Regime im<br />
Irak verurteilt und vor der Gefahr des internationalen Terrorismus<br />
gewarnt und somit die Ängste in der Bevölkerung geschürt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir hatten damals schon,<br />
wie viele, Zweifel an den Geheimdienstberichten. Trotz des politischen<br />
Fehlers des Krieges ist doch aber nicht zu übersehen, dass<br />
es sich bei Saddam Hussein um einen besonders gewalttätigen<br />
Mörder handelt, der für viel tausendfachen Tod verantwortlich<br />
ist. Ich erinnere nur an die Giftgasangriffe auf schiitische Dörfer.<br />
Wir haben deshalb den politischen Kampf gegen Saddam Hussein unterstützt.<br />
Er steht zu Recht vor Gericht.
</p>
<p>
<b>Newroz:</b> Herr Jörg van Essen, ich bin ein<br />
irakischer Staatsbürger, meine Frage: Wir wissen jetzt alle,<br />
dass Deutschland sich an den irakischen Krieg beteiligt hat. Ist<br />
jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, dass die Deutschen jetzt beim<br />
Aufbau des Iraks helfen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das tun sie doch bereits<br />
in vielfältiger Form, beispielsweise durch finanzielle Mittel<br />
aber auch durch Ausbildungshilfe. Unser Wunsch ist ein demokratischer<br />
Irak und ein friedliches Zusammenleben von Schiiten, Sunniten und<br />
Kurden in diesem Land. Die Hilfe wird natürlich erschwert,<br />
wenn deutsche Staatsbürger, die als Helfer kommen, entführt<br />
und mit dem Tode bedroht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müsste mehr getan werden? Vielleicht<br />
auch um das Ansehen Deutschlands wieder zu verbessern? In der arabischen<br />
Welt dürfte das durch die BND-Affäre vermutlich auch beschädigt<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe noch keine gesicherten<br />
Erkenntnisse, ob das deutsche Ansehen in der arabischen Welt, welches<br />
immer sehr hoch gewesen ist, wirklich geschädigt worden ist.<br />
Eine solche sichere Feststellung kann man derzeit noch nicht feststellen.<br />
Die FDP hat allerdings vorgeschlagen, für den Nahen Osten eine<br />
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit einzurichten,<br />
die in der gegenwärtigen Krisensituation sowohl im Irak als<br />
auch in Palästina besonders hilfreich sein könnte.
</p>
<p>
<b>Extremleber:</b> Warum stellt sich die Union denn<br />
quer, wenn es um das Thema Untersuchungsausschuss geht? Liegt es<br />
wirklich daran das die Union mit nicht mit einer Partei koalieren<br />
kann, wenn es rauskommt, dass die SPD in der Frage nicht ganz die<br />
Wahrheit gesagt hat?!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe das Gefühl,<br />
dass genau das der Grund ist. Unter der Hand kommen immer wieder<br />
Kollegen aus der Union auf einen zu und sagen: Der Untersuchungsausschuss<br />
ist doch genau richtig. Schade, dass wir soviel Ärger in der<br />
Koalition haben, dass wir jetzt auch schon in dieser Frage Rücksicht<br />
auf die SPD nehmen müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorgeschlagenen Konferenz:
</p>
<p>
<b>lagavulin:</b> Wer sollte Ihrer Meinung nach an einer<br />
derartigen Konferenz teilnehmen? Wer die Leitung innehaben?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Natürlich die beteiligten<br />
Länder der Region, einschließlich Israel. Im Übrigen<br />
die EU, die Vereinigten Staaten und Russland. Also eine Zusammensetzung<br />
wie sie erfolgreich ja auch bei der Konferenz über Sicherheit<br />
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) schon einmal erprobt worden<br />
ist und zum Zusammenbruch des Ostblocks geführt hat.
</p>
<p>
<b>Inge: </b>Sehr geehrter Herr Essen, ich selbst komme<br />
aus Sachsen-Anhalt. Vor einigen Tagen habe ich in der Zeitung gelesen,<br />
dass die FDP in ihrem neuen Haushaltsplan schon die Mehrwertsteuererhöhung<br />
eingeplant hat, obwohl in diesem Wahlkampf sie damit werben, die<br />
Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Wie ist das zu erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ein kluger Kaufmann stellt<br />
sich auf unangenehme Entwicklungen sicherheitshalber ein. Ob wir<br />
als FDP das bei unserem Haushalt getan haben, ist mir gar nicht<br />
bekannt, weil ich nicht sehen kann, wo wir als Partei überhaupt<br />
Mehrwertsteuer zu zahlen hätten. Das ändert aber nichts<br />
an unserer klaren politischen Haltung gegen die Mehrwertsteuererhebung,<br />
die zu konjunkturellen Einbrüchen in der Wirtschaft und damit<br />
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Es wäre<br />
schade, wenn Sachsen-Anhalt, das bei den Arbeitslosen bei der rot-roten<br />
Regierung das Schlusslicht der Bundesrepublik war, und unter der<br />
jetzigen schwarz-gelben Regierung diese Position verloren hat, wieder<br />
mehr Arbeitslose haben würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Mehrwertsteuererhöhung bringt<br />
viele Milliarden auf einen Schlag. Selbst wenn man ihren Vorschlägen<br />
zur Subventionskürzungen folgen würde, wäre das im<br />
kommenden Jahr noch nicht zu realisieren. Sollte Finanzminister<br />
Steinbrück also lieber noch mal den EU-Stabilitätspakt<br />
reißen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Nein, das kann er gar nicht,<br />
weil eben in diesen Tagen von den EU-Finanzministern deutlich gemacht<br />
worden ist, dass man einen weiteren Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien<br />
nicht hinnehmen wird. Die FDP hat es sich schon im vergangenen Jahr<br />
bei den Haushaltsberatungen nicht leicht gemacht. Wir haben nämlich<br />
nicht, wie andere Oppositionsparteien, kräftige Ausgabenerhöhungen<br />
gefordert, sondern ein dickes Sparbuch vorgelegt, um die Maastricht-Kriterien<br />
zu erfüllen und eine Mehrwertsteuererhöhung überflüssig<br />
zu machen. Das werden wir bei den diesjährigen Haushaltsberatungen<br />
wieder ähnlich tun.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Herr van Essen, bei einem Neujahrsempfang<br />
in Göttingen haben Sie sich gegen einen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo ausgesprochen. Jetzt scheint ein solcher Einsatz aber bevorzustehen.<br />
Wie verhält sich die FDP in dieser Frage?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich bin weiterhin strikt<br />
dagegen und freue mich sehr, dass heute der Bundeswehrverband in<br />
ähnlicher Weise Stellung genommen hat. Die Frage z.B., ob die<br />
Soldaten der EU im Kongo wirklich willkommen sind, ist von der EU<br />
bis heute nicht geklärt. Auch der mögliche Auftrag für<br />
die deutschen Soldaten liegt im Nebel. Unsere Kollegen aus dem Verteidigungsausschuss,<br />
die in der letzten Woche in Brüssel waren, kamen entsetzt über<br />
den Stand des Planungsergebnissen zurück. Nach meiner Auffassung<br />
darf die Bundeswehr in diesen Abenteuer nicht geschickt werden.<br />
Ich halte die Zusage der Bundeskanzlerin für einen schweren<br />
Fehler.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat den Einsatz angesichts von drei Millionen Toten im Kongo im<br />
tagesschau-Chat als &quot;wichtiges politisches Signal&quot; bezeichnet.<br />
Und Kinshasa ist derzeit kein Kampfgebiet, betont sie. Ist das für<br />
Sie kein Argument?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Überhaupt nicht. Denn<br />
diese Millionen Toten sind ja eben nicht in Kinshasa zu beklagen<br />
gewesen. Wenn man an der Situation in den Bürgerkriegsgebieten<br />
nichts ändert, darf man mit diesen Zahlen nicht operieren.<br />
Die Ministerin ist im Übrigen erschreckend blauäugig.<br />
Seit langem kann man lesen, dass die Konfliktparteien derzeit intensiv<br />
Kindersoldaten in die Region Kinshasa bringen.
</p>
<p>
<b>richard:</b> Haben sie nicht vor ein paar Minuten<br />
(Irak) die internationale Verantwortung angemahnt und ist die Ermöglichung<br />
von friedlichen Wahlen nicht Aufgabe der internationalen Gemeinschaft?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Das ist so, aber nur dann,<br />
wenn durch die Wahlen tatsächlich eine Änderung der Situation<br />
erreicht werden kann. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wahlen<br />
im Kongo die Demokratie in diesem Land voranbringen und zu einem<br />
Ende des Bürgerkrieges beitragen. Im Übrigen müssen<br />
Sicherheitsprobleme nach meiner Erfassung zunächst einmal in<br />
der Region gelöst werden. Hier im Herzen Afrikas ist deshalb<br />
zunächst einmal die Organisation Afrikanischer Staaten (OAU)<br />
gefragt. Bevor Deutschland auf den Plan tritt, sind nach m.A. zunächst<br />
einmal die ehemaligen Kolonialstaaten in der Verantwortung, die<br />
diese Länder ausgebeutet haben und in vielen Fällen zu<br />
den heutigen Problemen im Wesentlichen beigetragen haben. Es ist<br />
ein Fehlglaube, wenn man meint, durch die Entsendung deutscher Soldaten<br />
in der Welt für Frieden sorgen zu können. Es ist für<br />
mich eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz deutscher<br />
Militärs, dass deutsche Interessen betroffen sind. Das sehe<br />
ich im Kongo nicht.
</p>
<p>
<b>HIT: </b>Herr van Essen, ist das Argument, dass nur<br />
in reicheren Regionen Interventionen Erfolgen (Schutz von Eigeninteressen<br />
vs. Risiko) nur paranoid oder ist da was dran?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe gerade schon gesagt,<br />
dass eigene Interessen eine Rolle spielen dürfen und müssen.<br />
Trotzdem sind wir selbstverständlich in der Verpflichtung überall<br />
auf der Welt die Situation der Menschen zu verbessern und Freiheit<br />
und Demokratie zu stärken. Aber wie gesagt, ich halte es für<br />
einen Fehlglauben, wenn Deutschland wieder meinen sollte, das sei<br />
seine militärische Aufgabe.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Jörg van Essen. Vielen<br />
Dank, Herr van Essen, dass Sie zum Chat gekommen sind. Das Protokoll<br />
gibt’s zum Nachlesen auf tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Der<br />
nächste fest geplante Chat findet am 21. März statt. In<br />
der Woche<br />
vor den Landtagswahlen diskutieren Sie und wir mit dem<br />
Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen<br />
(CDU). Dieser Chat beginnt ein wenig später als üblich<br />
– um<br />
sechzehn Uhr. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen<br />
Ihnen noch einen schönen Tag.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;EU-Militäreinsatz im Kongo als politisches Signal&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war 
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit 
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen 
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz 
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen, 
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen<br />
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz<br />
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen,<br />
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat aus dem ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Heute diskutiert mit Ihnen Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ministerin<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Vielen<br />
Dank, Frau Ministerin, dass Sie Zeit für den Chat haben. Ihre<br />
Fragen können Sie jederzeit stellen, nichts geht verloren,<br />
alles kommt in den großen Fragentopf. Beginnen wir damit:
</p>
<p class="normal">
<b>Klapauzius:</b> Ist es richtig, dass<br />
viele gegenwärtige Probleme in Afrika auf die Kolonisation<br />
durch die Europäer und ihre schonungslose Ausbeutung wie auch<br />
willkürlichen Handlungen gegenüber der afrikanischen Kultur<br />
zurückzuführen sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ein<br />
großer Teil der Probleme Afrikas hängt sicher mit der<br />
kolonialen Vergangenheit zusammen, z.B. die Fixierung auf Rohstoffausbeutung.<br />
Aber es gibt natürlich auch die Eigenverantwortung der afrikanischen<br />
Völker selbst.
</p>
<p class="normal">
<b>herbert</b>: Ich frage mich, wie aktiv<br />
die EU in politischen Fragen im Kongo eingreift oder ob sie lediglich<br />
passiv als Schützer der kommenden Parlamentswahl fungieren<br />
soll. Vielen Dank.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
plädiere dafür, dass sich möglichst viele Mitgliedstaaten<br />
der EU an einem Kontingent beteiligen, das zum Schutz der Wahlen<br />
im Kongo sein sollte. Diesen Schutz der Wahlen halte ich für<br />
zentral, damit der Friedensprozess voran kommt und die Gewalt ein<br />
Ende findet. Denn in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre<br />
sind dort drei Millionen Menschen gestorben. Deshalb gibt es auch<br />
die europäische Verantwortung, zu helfen.
</p>
<p class="normal">
<b>QN_Eisenmann:</b> Warum tragen Frankreich<br />
und Deutschland bei einem eventuellen Kongo-Einsatz die Hauptrolle?<br />
Deutschland entsendet genauso wie Frankreich jeweils ca. 400 Soldaten.<br />
Warum können nicht die anderen europäischen Staaten ihren<br />
Beitrag zu einem Kongo-Einsatz beisteuern? Liegt es an der Tatsache,<br />
dass Deutschland und Frankreich der &#8216;EU-Motor&#8217; sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
Ziel soll ja auch sein, möglichst viele EU-Staaten zu beteiligen.<br />
Daher ist die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen.<br />
Aber die größeren Länder haben natürlich auch<br />
die größere Verantwortung.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Schutz<br />
der Wahlen:
</p>
<p class="normal">
<b>Georg: </b>Schutz ist aber immer ein<br />
relativer Begriff. Erinnern wir uns an Ruanda oder Somalia! Wie<br />
weit kann und darf dieser Schutz gehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Mit<br />
dem Kontingent von geplant 1500 europäischen Soldaten ist ein<br />
politisches Signal verbunden. Und zwar das Signal, dass wir wollen,<br />
dass die Wahlen tatsächlich stattfinden und sie auch den Friedensprozess<br />
voranbringen. Es geht nicht um einen Kampfeinsatz, denn in der schwierigsten<br />
Region &#8211; dem Osten des Kongo &#8211; ist bereits eine sehr große<br />
Zahl von UN-Friedenstruppen vorhanden, die so genannten MUNUC. Insgesamt<br />
befinden sich 16.500 Soldaten im Kongo. Es geht also um das politische<br />
Signal.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> &quot;Was sollen deutsche<br />
Soldaten im Kongo?&quot; &quot;Was haben wir da verloren?&quot;<br />
&quot;Die Hölle Kongo muss nicht auch noch sein!&quot; &#8211; so<br />
texten die Kommentatoren einiger Zeitungen heute. Haben Sie mit<br />
Ihrer Position hier einen schweren Stand?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Mancher<br />
macht natürlich auch Berichterstattung mit dem Fernstecher.<br />
Ich selbst war im Kongo. Die Situation ist so, dass die Menschen<br />
aus der Zivilgesellschaft, mit denen ich gesprochen habe, sagen:<br />
&quot;Wir wollen, dass die Wahlen stattfinden und wir wollen denen<br />
auch das Handwerk legen, die in dieser Region Gewalt ausüben&quot;.<br />
Wenn wir dazu beitragen können, dass wir in dieser Region,<br />
die größer ist als ganz Europa &#8211; der Region der großen<br />
Seen &#8211; einen Prozess des Friedens voranbringen, dann hätten<br />
wir in der Region so etwas ähnliches bewirkt, wie es der Prozess<br />
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erreicht hat. Afrika<br />
ist unser Nachbarkontinent und alle Probleme, die in der Welt stattfinden,<br />
können auch uns erreichen. Daher gibt es aus meiner Sicht eine<br />
humanitäre und auch eine sicherheitspolitische Begründung.
</p>
<p class="normal">
<b>M:</b> Wurde denn überhaupt daran<br />
gedacht, was nach den vier Monaten Bundeswehreinsatz kommt? Oder<br />
wird das wieder ein Abenteuer ohne Ende wie auf dem Balkan?
</p>
<p class="normal">
<b>samir: </b>Wie lange sollte denn ihrer<br />
Meinung nach eine EU-Truppe intervenieren? Geht es ihnen um die<br />
Absicherung der anstehenden Wahlen oder wird ein längerfristiger<br />
Einsatz angestrebt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es geht<br />
darum, die Bedingungen für den Einsatz des Kontingentes festzulegen.<br />
Die Bedingungen &#8211; die ich auch teile &#8211; sind Stationierungen in der<br />
Hauptstadt Kinshasa und im Umland. Zeitlich befristet. Möglicherweise<br />
ein Zeitraum von vier Monaten und möglichst breite Beteiligung<br />
von Europa. Nach den Wahlen wird es vor allem darauf ankommen, dass<br />
die Wirtschaft voran kommt und dass vor allem die Nutzung der Ressourcen<br />
im Kongo für die Bekämpfung der Armut eingesetzt und der<br />
Ausplünderung der Ressourcen entgegengearbeitet wird.
</p>
<p class="normal">
<b>SaiSai:</b> Ich frage mich, ob das<br />
politische Signal nicht auch falsch verstanden werden kann, gerade<br />
von der lokalen Bevölkerung. Die Wurzeln der Konflikte liegen<br />
oft in der Kolonialvergangenheit. Kann da eine &quot;Einmischung&quot;<br />
durch Nationalstaaten &#8211; und nicht die UNO &#8211; nicht falsch verstanden<br />
werden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Wenn<br />
es ein solches Kontingent gäbe, kann das nur mit einem UN-Auftrag<br />
versehen werden.
</p>
<p class="normal">
<b>Maiglöckchen:</b> Wozu sollen<br />
Wahlen im tribalistischen Kongo führen? Durch eine aufgesetzte<br />
Demokratie werden doch keine Probleme gelöst.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Manchmal<br />
hat man den Eindruck, dass wir den anderen erzählen sollen,<br />
was sie machen sollen. Die Menschen, mit denen ich im Kongo gesprochen<br />
habe &#8211; auch im Osten des Kongo &#8211; sagen: &quot;Wir wollen mit den<br />
Wahlen dazu beitragen, dass die, die Gewalt anwenden, sanktioniert<br />
werden, mit unserer Stimme&quot;. Das ist einer der Gründe,<br />
warum ich in dieser Frage so eine entschlossene Position habe.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Sollte sich nicht<br />
Belgien viel mehr im Kongo engagieren? Schließlich ist Belgien<br />
als ehemalige Kolonialmacht doch für den Schlamassel mitverantwortlich.
</p>
<p class="normal">
<b>Fleischer:</b> Welche Staaten waren<br />
denn im Besitz von Kolonien im momentanen Kongo gebiet? Sollte es<br />
nicht zu deren Aufgaben gehören das angerichtete Unheil wieder<br />
auszubaden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
teile ich überhaupt nicht. Es ist gerade so, dass Deutschland,<br />
gerade weil es nicht ehemalige Kolonialmacht in dem Gebiet ist,<br />
eher geeignet ist, sich zu engagieren. Wenn wir eine gemeinsame<br />
Außen- und Sicherheitspolitik der EU wollen, können wir<br />
doch nicht sagen, dass sollen die ehemaligen Kolonialmächte<br />
machen.
</p>
<p class="normal">
<b>barita:</b> Wie soll in Zukunft die<br />
Zusammenarbeit zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Militär<br />
aussehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Eine<br />
wirklich zentrale Frage: Auf keinen Fall darf Entwicklungszusammenarbeit<br />
militärischen Belangen untergeordnet werden. Aber eines ist<br />
auch klar: Ohne Frieden gelingt Entwicklung nicht. Und es braucht<br />
auch auf Dauer Entwicklung, damit der Frieden gelingt. Das heißt,<br />
bezogen auch auf den Kongo und viele andere sogenannte &quot;failing<br />
states&quot; &#8211; oder möglicherweise &quot;failed states&quot;<br />
&#8211; zu erreichen, dass die staatlichen Strukturen wieder aufgebaut<br />
werden und dazu beitragen, dass Rebellengruppen entwaffnet werden<br />
und dass Zukunftsperspektiven bei Bildung, Gesundheit und in der<br />
Wirtschaft für die Menschen existieren. Beide Bereiche, Entwicklungspolitik<br />
und Sicherheitspolitik und militärische Aktionen, finden unter<br />
der jeweils eigenen Verantwortung statt. Das zeigen wir ja auch<br />
bezogen auf ein Land wie Afghanistan.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Sie waren auch bereits<br />
vor 2001 Entwicklungsministerin. Die Anschläge vom 11.September<br />
und die Krise in Irak haben die Welt verändert. Ist Entwicklungspolitik<br />
heute schwieriger?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Insgesamt<br />
würde ich sagen, dass Entwicklungspolitik generell nicht nur<br />
seit 2001 schwieriger ist, weil wir diese Tendenz &#8211; die ich vorhin<br />
schon angesprochen habe &#8211; zu &quot;failing state&quot; sehr stark<br />
haben. Und damit auch das Vorherrschen von Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen<br />
innerhalb von Staaten. Darauf muss sich Entwicklungspolitik einstellen.<br />
Aber insgesamt gilt auch, dass dem Terrorismus nicht auf Dauer durch<br />
Krieg der Boden entzogen wird, sondern dass wir den Nährboden<br />
für Terrorismus in Form von Armut, von Ohnmacht, austrocknen<br />
müssen. Dasa heißt auch, Schwerpunkt in Bezug auf die<br />
Bekämpfung von Armut, in Bezug auf gerechte Gestaltung der<br />
Globalisierung und das heißt auch, die zahlenmäßigen<br />
Gewichte zu verschieben. Weltweit werden wieder eine Billion US-Dollar<br />
für Rüstung ausgegeben, davon die Hälfte Rüstungshaushalt<br />
der USA und nur 78 Milliarden US-Dollar für Entwicklungszusammenarbeit.<br />
Hier müssen die Gewichte verschoben werden.
</p>
<p class="normal">
<b>hugo: </b>Müsste Europa in der<br />
Entwicklungspolitik nicht verstärkt auf Bildung setzen (z.B.<br />
Entsendung von Lehrern, Gründung von Schulen/Hochschulen etc.),<br />
um religiösen Fanatismus einzudämmen und die Ideen einer<br />
aufgeklärten Gesellschaft zu verbreiten?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Sie<br />
haben absolut Recht. Weil wir sehr lange über den Kongo gesprochen<br />
haben, haben wir nicht über die Schwerpunkte von Entwicklungszusammenarbeit<br />
gesprochen. Sie haben völlig Recht, öffentliche Schulen<br />
statt Koranschulen, Erziehen zu Dialog und Verständigung, das<br />
fördern wir &#8211; zumal in vielen islamisch geprägten Ländern.<br />
Ein Erfolg durch den Schuldenerlass für ärmste, hochverschuldete<br />
Entwicklungsländer und die Verbindung mit der Bekämpfung<br />
von Armut hat dazu geführt, dass z.B. ein Land wie Tansania<br />
heute statt 800.000 Schüler und Schülerinnen, seine Zahl<br />
auf 1,6 Millionen verdoppelt hat.
</p>
<p class="normal">
<b>Leila:</b> Worin sehen Sie die Ursachen<br />
für die so unterschiedlichen Entwicklungen Afrikas und Asiens<br />
nach dem zweiten Weltkrieg? Beide Kontinente haben eine koloniale<br />
Vergangenheit und dienten den Industrieländern als Rohstofflieferanten.<br />
Während Asien floriert, scheitern in Afrika fast alle Demokratisierungsversuche<br />
an der Unfähigkeit der Revolutionäre, die von ihnen erkämpfte<br />
Macht nicht für eigene (Stammes-)Interessen zu missbrauchen.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Eines<br />
ist richtig: Afrika ist in der Globalisierung an den Rand gedrängt<br />
worden. Aber ich warne auch vor einer pauschalen Bewertung der afrikanischen<br />
Länder. Afrika ist auch Ghana, Botswana, Tansania, Südafrika<br />
&#8211; um positive Beispiele zu nennen. Aber es ist auch Simbabwe, um<br />
das schlimmste Beispiel zu nennen.<br />
Wenn man nach den Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungstrends<br />
fragt, sehe ich eher zwei mögliche Erklärungsansätze.<br />
Der Eine: Afrika ist nicht der große Markt &#8211; oder noch nicht<br />
&#8211; wie ihn ein Teil asiatischer Länder darstellen. Und die asiatischen<br />
Länder haben sich weniger an die früheren verfehlten Empfehlungen<br />
der internationalen Finanzinstitutionen gehalten.
</p>
<p class="normal">
<b>demos:</b> Geht nicht ein guter Teil<br />
der Entwicklungshilfe durch Korruption verloren? Was gedenken Sie<br />
dagegen zu tun?</p>
<p><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Das, was wir an Entwicklungszusammenarbeit<br />
leisten, fließt nicht in korrupte Kanäle oder Regime.<br />
Das stellen wir sicher über Kontrolle nach Projektfortschritt,<br />
aber auch durch die Stärkung der Kontrolle der Zivilgesellschaft<br />
in den betroffenen Ländern. Dazu arbeiten wir eng mit Transparency<br />
International zusammen.<br />
Ein Beispiel, wie Korruption am besten verhindert werden kann: Dazu<br />
beitragen, dass Öleinkommen in afrikanischen Ländern nach<br />
dem Muster transparent gemacht werden: &quot;publish what you pay<br />
and publish what you receive&quot;. D.h. die ölfördernden<br />
Unternehmen müssen ihre Zahlungen offen legen und die Entwicklungsländer<br />
die Verwendung der Einnahmen in ihren Haushalten offen legen.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Aber in Palästina<br />
ging doch ein großer Teil der Entwicklungshilfe nicht an die<br />
Bevölkerung, sondern an korrupte Funktionäre der Fatah.<br />
Das war doch mit ein Grund dafür, dass die Hamas so stark geworden<br />
ist.
</p>
<p class="normal">
<b>Tristan: </b>Frau Wieczorek-Zeul, glauben<br />
Sie, dass sich die entwicklungspolitische &#8216;good governance&#8217; Theorie<br />
mit einer finanziellen Unterstützung der Hamas vereinbaren<br />
lässt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Also<br />
zunächst mal, was wir an Entwicklungszusammenarbeit in den<br />
palästinensischen Gebieten machen, umfasst folgende Bereiche:<br />
Beschäftigungsprogramme für Jugendliche und verbesserte<br />
Wasser- und Abwasserversorgung.<br />
Wir finanzieren von unserer Seite aus die palästinensische<br />
Autonomiebehörde nicht über Budgethilfe. Die Ursachen<br />
für den Wahlerfolg sind sicher vielfältig, z.B. die Korruption<br />
im Fatah-Bereich, aber auch dass es über lange Zeit nicht gelungen<br />
ist, das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen<br />
Staat an der Seite Israels zu verwirklichen. Es bleiben die Anforderungen<br />
an die Hamas, als gewählte Regierungspartei sich in den Friedensprozess<br />
einzufügen und die Prinzipien der so genannten Road-Map zu<br />
verfolgen. Ich plädiere dafür, diesen Prozess mit Nachdruck<br />
voran zu bringen.<br />
Ob eine Isolierungsstrategie, die die US-Regierung verfolgt, wirklich<br />
den gewünschten Erfolg bringt, oder nicht erst recht eine Solidarisierung<br />
mit Hamas zur Konsequenz hat, ist die große Frage.
</p>
<p class="normal">
<b>sunshine:</b> Ich bin gerade seit einem<br />
Monat in Kenia und frage mich doch, wie man bei einer Regierung,<br />
die aufgrund ihrer korrupten Politik schon von der Bevölkerung<br />
nicht ernst genommen wird, denn sicher gehen kann dass Gelder nicht<br />
veruntreut werden. Oder geht nichts an die Regierung von der Entwicklungshilfe?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Grundsätzlich<br />
noch einmal: Wir unterstützen nicht Regierungen, sondern Menschen<br />
in den beteiligten Ländern. Zwei Beispiele für Kenia:<br />
Wir unterstützen Grundschulbildung von Kindern und wir haben<br />
Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit umgewidmet, um Hilfe für<br />
die hungernde Bevölkerung in bestimmten Regionen Kenias zur<br />
Verfügung zu stellen. Wir dürfen ja nicht die Menschen<br />
für ihre schlechten Regierungen bestrafen.
</p>
<p class="normal">
<b>Kolping:</b> Ich selbst habe lange<br />
in Kenia gelebt und erlebt wie Nichtregierungsorganisationen mit<br />
gleichen Aufgaben nebeneinander herarbeiten. Sollte nicht das Bundesministerium<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung koordinierend<br />
wirken, um Synergieeffekte zu nutzen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es kann<br />
natürlich nicht &#8211; wie der Name schon sagt &#8211; Aufgabe der Regierung<br />
sein, die Aufgaben von Nichtregierungsorganisationen zu koordinieren.<br />
Unabhängig davon macht es aber Sinn, dass die staatlichen Geber,<br />
die in einem Entwicklungsland tätig sind, sich mit Nichtregierungsorganisationen<br />
konzertieren, um Doppelarbeit zu vermeiden.
</p>
<p class="normal">
<b>zacharias:</b> Welche Rolle spielen<br />
Public-Private-Partnerships für Sie im Kontext der internationalen<br />
Entwicklungszusammenarbeit? Sehen sie das als Chance oder Risiko<br />
(Verlust von Kontrolle etc)?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
betrachte es als große Chance. Wir haben eine Initiative schon<br />
im Jahr 1999 gestartet, die wir Entwicklungspartnerschaft mit der<br />
Wirtschaft nennen. Derartige Entwicklungspartnerschaften mit der<br />
Wirtschaft umfassen mittlerweile rund 1.600 Projekte. Und wir mobilisieren<br />
mit dem Einsatz von einem Euro jeweils zwei Euro aus dem Bereich<br />
der privaten Wirtschaft. In der globalen Welt braucht es möglichst<br />
viele Beteiligte, um die Milleniums-Entwicklungsziele zu erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>ichsachrheingau&#8230;:</b> Wäre es<br />
nicht eine hübsche Idee, und außerdem viel besser für<br />
Frieden und Sicherheit, den Etat Ihres Hauses mit dem des Verteidigungsministers<br />
zu tauschen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Spannende<br />
Perspektive. Aber Spaß beiseite. Wir haben uns als Bundesregierung<br />
auf einen Aktionsplan zur Steigerung der Entwicklungshilfe festgelegt.<br />
In diesem Jahr werden wir 0.33 Prozent des BNP erreichen. Im Jahr<br />
2010 0,51 und spätestens im Jahr 2015 0,7 Prozent. Dieses Ziel<br />
werden wir auch erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Ministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat einen vollen Terminplan, daher superpünktlicher Schluss<br />
heute. Das war unser tagesschau-Chat mit Entwicklungsministerin<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul. Vielen Dank, Frau Ministerin für<br />
diesen interessanten Chat, vielen Dank an alle Leserinnen und Leser<br />
für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen rund um die Entwicklungspolitik.<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Unsere nächsten Chats sind am 15. März<br />
und 21. März. Dann stellen sich Jörg van Essen, Parlamentarischer<br />
Geschäftsführer der FDP und Peter Harry Carstensen (CDU),<br />
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein der Diskussion. Die<br />
Chats beginnen um dreizehn bzw. sechzehn Uhr. tagesschau.de und<br />
politik-digital.de wünschen Ihnen noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Bleiben<br />
Sie der Entwicklungspolitik gewogen!</p>
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