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	<title>Konjunktur &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Konjunktur &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Wir halten die Kernenergie für richtig&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2009 17:02:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, den 29.01.09 war CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen der Chatter zur kommenden Bundestagswahl, zur CDU-Parteiprogrammatik und möglichen Koalitionspartnern. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, den 29.01.09 war CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen der Chatter zur kommenden Bundestagswahl, zur CDU-Parteiprogrammatik und möglichen Koalitionspartnern. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen beim tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Mein Name ist Corinna Emundts. Ich darf den CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla herzlich begrüßen, der<br />
inzwischen samt Pressesprecher Matthias Barner eingetroffen ist. Herr<br />
Pofalla, danke dass sie für uns Zeit haben &#8211; sind Sie bereit?<b> </b>
</p>
<p><b></b></p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Ich bin bereit!
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die erste Frage an Sie ist zugleich eine, die viele User vorab als besonders wichtig bewertet haben.
</p>
<p>
<b>PAT</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Pofalla, Sie und die CDU sprechen von der FDP als<br />
Wunschpartner, mit dem nach der Bundestagswahl im September regiert<br />
werden soll. Wie kategorisch ist diese Aussage? Sollten CDU/CSU nicht<br />
eher sagen, dass wir uns eine schwarz-gelbe Koalition wünschen und, da<br />
Wünsche nicht immer in Erfüllung gehen, gleichzeitig sagen, dass wir<br />
uns andere Konstellationen vorstellen können, wenn Inhalte der Union<br />
umgesetzt werden können? Zum Beispiel mit den Grünen?!
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Wir werden eine klare Koalitionsaussage zugunsten der FDP in unser<br />
Wahlprogramm aufnehmen. Die Schnittmengen mit der FDP sind am größten.<br />
Wir wollen eine Bundesregierung aus Union und FDP.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Weshalb wollte sich die CDU-Vorsitzende bisher dann so wenig auf die FDP festlegen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Dieser Eindruck ist falsch. Sie hat ja unter anderem in ihrer<br />
Parteitagsrede am 1. Dezember des vergangenen Jahres in Stuttgart<br />
deutlich gemacht, dass sie die Zusammenarbeit mit der FDP will und dass<br />
sie auch eine Koalitionsaussage zugunsten der FDP will.
</p>
<p>
<b>TW</b>: Glauben Sie, dass die FDP bei der Bundestagswahl ähnlich erfolgreich sein kann wie in Hessen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Das glaube ich nicht, weil es in Hessen ganz spezifische hessische<br />
Gründe gab, die zu diesem tollen Ergebnis der FDP beigetragen haben.
</p>
<p>
<b>me2</b>:<br />
Die CDU hat sich klar für den Bündnispartner FDP ausgesprochen,<br />
bedeutet dies im Endeffekt auch eine Abwendung von Klimazielen hin zu<br />
Zielen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die FDP hat von Anfang an in den vergangenen zwölf Monaten nach der<br />
Wahl im Januar 2008 deutlich gemacht, dass sie nur eine Regierung mit<br />
der CDU haben will und bei dieser Aussage ist sie verlässlich und<br />
standhaft geblieben. Um diese Fragen wird es aber bei der<br />
Bundestagswahl gar nicht gehen. Zur zweiten Frage: Die Klima- und<br />
Umweltschutzpolitik der CDU bleibt ambitioniert. Wir haben in unserem<br />
Grundsatzprogramm außerordentlich ambitionierte Umweltschutzziele<br />
festgeschrieben, daran wird die FDP nichts ändern können. Wir führen<br />
einen eigenständigen Wahlkampf &#8211; Leihstimmen wird es für die FDP nicht<br />
geben.
</p>
<p>
<b>GehtsLos</b>: Um welche Fragen wird es bei der Bundestagswahl gehen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Auch familienpolitische Fragen, Umweltschutzfragen, Fragen der Integrationspolitik werden ihre eigenständige Bedeutung haben.
</p>
<p>
<b>GehtsLos</b>: Familienpolitik, Umweltfragen, Integrationspolitik, und das in Zeiten der Finanzkrise?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die drohende Klimakatastrophe ist ja nicht abhängig von<br />
Wirtschaftskrisen und die Bewältigung dieser drohenden Klimakatastrophe<br />
ist unabhängig von Konjunkturzyklen. Diese Frage ist von zentraler<br />
Bedeutung, sie wird jetzt nicht im zentralen Mittelpunkt stehen, aber<br />
sie wird die Menschen weiter bewegen.
</p>
<p>
<b>Julien B.</b>:<br />
Wird die Energiepolitik, besonders die Energiesicherheit und das damit<br />
verbundene &quot;Ja&quot; zur Kernkraft eines der Hauptwahlkampfthemen der Union?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Es wird kein Hauptwahlkampfthema sein, aber wir werden deutlich machen,<br />
dass wir die Kernenergie als Brückentechnologie für richtig halten. Wir<br />
werden uns für eine Verlängerung der Laufzeiten der vorhandenen<br />
sicheren Kernkraftwerke in Deutschland aussprechen. Damit erreichen wir<br />
Energiesicherheit und wir könnten die zusätzlichen Gewinne der<br />
Unternehmen, die sie durch die Verlängerung der Laufzeit der<br />
Kernkraftwerke erzielen, in Energiepreissenkungen und in zusätzliche<br />
Forschungsprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien investieren.
</p>
<p>
<b>Stefan</b>: Glauben Sie, dass das Ergebnis der Hessenwahl aus der Stärke der CDU resultiert oder vielmehr aus der Schwächung der SPD?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Beides. Roland Koch hat bewiesen, dass er in den vergangenen zwölf<br />
Monaten in einer nie dagewesenen schwierigen Situation Nervenstärke und<br />
Führungskraft gezeigt hat. Die SPD ist mit zwei Köpfen drei Mal gegen<br />
dieselbe Wand gelaufen, hat das Wort gebrochen und sich dabei auch noch<br />
wohl gefühlt. Dafür ist sie abgestraft worden.
</p>
<p>
<b>Lars</b>: Wird es im Wahlkampf eine Aussage der CDU über einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan geben?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Diese Frage stellt sich gar nicht. Der Einsatz der Bundeswehr in<br />
Afghanistan ist unverzichtbar und wir werden jetzt mit dem neuen<br />
amerikanischen Präsidenten &#8211; aber auch unseren anderen Verbündeten &#8211;<br />
darüber zu reden haben, wie der Einsatz aller ausländischer Soldaten in<br />
Afghanistan in den nächsten Jahren ausgestaltet sein muss.
</p>
<p>
<b>Hans Müller</b>: Was wird dann das Hauptwahlkampfthema der Union sein?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass das zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht vorhergesehen<br />
werden kann. Wenn wir uns die Entwicklung der letzten drei Monate<br />
ansehen, bekommt man ja einen Eindruck davon, wie schnell und<br />
dramatisch sich die Themen verändern. Ein moderner Wahlkampf muss sich<br />
an den aktuellen Themen der Menschen, die sie für wichtig halten,<br />
orientieren und nicht an theoretischen Überlegungen, die Monate vorher<br />
unternommen worden sind.
</p>
<p>
<b>balduin</b>: Was sagen Sie zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen? Wurden die Konjunkturprogramme zu spät gestartet?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ganz im Gegenteil. Der Anstieg der Kurzarbeiter auf 404.000 bedeutet<br />
eine Zunahme um rund 300.000 und dies beweist, dass die Regelungen zur<br />
Kurzarbeit aus dem Maßnahmenpaket I der Bundesregierung jetzt greifen.<br />
Kurzarbeit soll ja Arbeitslosigkeit verhindern, dieses Instrument ist<br />
höchst effizient und wirksam.
</p>
<p>
<b>balduin</b>: Warum wurden bei der Kfz-Steuerreform die großen Spritfresser und CO2-Abgasschleudern nicht stärker zur Kasse gebeten?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich bin erstmal riesenfroh darüber, dass nach einer jahrelangen<br />
Diskussion wir zum 1.7. diesen Jahres die Kfz-Steuer zu einer<br />
CO2-orientierten Steuer umbauen werden. Damit wird der richtige Anreiz<br />
gesetzt, CO2-arme Autos zu kaufen, weil man dadurch insgesamt den<br />
CO2-Ausstoß bei den Automobilen reduzieren will.
</p>
<p>
<b>kay</b>: Wie ökologisch durchdacht ist Ihrer Meinung nach die Abwrackprämie?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Bei der Abwrackprämie geht es ja vor allem darum, den eingebrochenen<br />
Automobilverkauf neu anzuregen. In Deutschland ist jeder siebte<br />
Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängig<br />
und jetzt geht es darum, insbesondere alte Autos, die älter als 9 Jahre<br />
sind, aus dem Verkehr zu nehmen und die neuen Autos werden deutlich<br />
CO2-ärmer sein als diese alten Autos. So gesehen ist auch die<br />
Abwrackprämie eine Prämie, die eine klare eindeutige ökologische<br />
Komponente hat.
</p>
<p>
<b>me2</b>: Ist ein der CDU<br />
nahestehender Wähler, der eine Abweichung der CDU von energischen<br />
Klima- bzw. Energiezielen realisiert, nicht besser beraten, die Grünen<br />
zu wählen, um ein Bündnis, das sich nur aus CDU und FDP zusammensetzt,<br />
zu vermeiden?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Die Frage verstehe ich  nicht.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Ich versuche, zu übersetzen: Wenn ein CDU-Fan befindet, dass die CDU<br />
derzeit nicht grün genug ist, wäre er dann besser beraten, grün zu<br />
wählen, um Schwarz-Grün zu erhalten und Schwarz-Gelb zu verhindern?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die Klimaschutzziele der CDU sind so ambitioniert, dass wir zum<br />
Zeitpunkt unserer Beschlüsse offensiver beim Klima- und Umweltschutz<br />
waren als es die geltende Beschlusslage der Grünen im Dezember 2007<br />
wiedergab. Im Anschluss daran haben die Grünen einen Großteil unserer<br />
Klimaschutzziele übernommen und sind an einer speziellen Stelle über<br />
unsere Beschlusslage hinausgegangen. Ich würde ihnen empfehlen, das<br />
Original zu wählen und CDU zu wählen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Übrigens fällt auf, dass Sie als alter Schwarz-Grün-Fan sich irgendwie<br />
um das Thema drücken : Bei der ersten Frage hatten Sie auch nicht<br />
darauf reagiert. Gibt es dafür einen Grund? Ist Schwarz-Grün für Sie<br />
immer noch eine Option, an die Sie gerne denken, auf die Sie neugierig<br />
wären? Schließlich könnten Sie die Union ein bisschen verändern?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Dass ich persönlich ökologisch ausgerichtet bin und der Frage der<br />
Ökologie eine zentrale Bedeutung beimesse, ist nicht neu. Und in der<br />
Tat: Ich bin bei der schwarz-grünen Pizza-Connection am Beginn der 90er<br />
Jahre bei der Gründung mit dabeigewesen. Aber es bleibt dabei: Ich<br />
persönlich und auch die CDU halten eine Koalitionsaussage zugunsten der<br />
FDP für richtig, weil ich glaube, dass man ökologische Fragen mit<br />
ökonomischen Fragen zusammen verbinden muss und genau diese Verbindung<br />
klappt mit der FDP bestens.
</p>
<p>
<b>JuppZupp</b>: Wie unterscheidet sich eigentlich noch die CDU von der FDP?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die CDU ist die Partei der sozialen Marktwirtschaft. Zur sozialen<br />
Marktwirtschaft gehören Freiheit und Sicherheit als zwei Seiten ein und<br />
derselben Medaille zusammen. Die einseitige Betonung der FDP nur des<br />
Marktes entspricht überhaupt nicht dem breit aufgestellten<br />
programmatischen Anspruch der CDU.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Es kommen viele Nachfragen zu Ökologie/CDU/Abwrackprämie:
</p>
<p>
<b>Aaron</b>:<br />
Zur ökologischen Komponente: Ist es nicht so, dass es ökonomisch und<br />
auch ökologisch effizienter ist, ein altes Auto &quot;runterzufahren&quot;? Das<br />
ZDF behauptete dies in seiner letzten Sendung &quot;Abenteuer Wissen&quot;.
</p>
<p>
<b>Fredson999</b>:<br />
Weder die Abwrackprämie noch die Kfz-Steuer setzten ein Zeichen für die<br />
Umwelt, die Autoindustrie wird unterstützt. Warum wird das<br />
Konjunkturpaket nicht dazu genutzt, eine klares Zeichen für ÖPNV zu<br />
setzten und diesen zu subventionieren? Arbeitsplätze, die in der<br />
Autoindustrie verloren gehen, werden dort neu entstehen.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die ganzen Berechnungen zeigen, dass die Herausnahme insbesondere der<br />
über neun Jahre alten Autos und der Anreiz, neue Autos zu kaufen, die<br />
die Euronorm 4 erfüllen, zu einer erheblichen Reduzierung des<br />
CO2-Ausstoßes beitragen. Und deshalb ist die Abwrackprämie auch eine<br />
Umweltprämie und ein guter Beitrag zur CO2-Reduktion. Die<br />
Arbeitsplätze, die wir in der Automobilindustrie haben, sind<br />
außerordentlich wichtig. weil sie auch die Zukunft hunderttausender von<br />
Menschen sichern. Und deshalb war es richtig, dass sich die<br />
Bundesregierung hier auf die Sicherung dieser Arbeitsplätze<br />
konzentriert hat.
</p>
<p>
<b>TOBL</b>: Herr Pofalla, Sie sagen, dass die CDU<br />
die Partei der sozialen Marktwirtschaft sei, während die FDP an einer<br />
einseitigen Betonung des Marktes festhalte. Wären dann nicht<br />
Sozialdemokraten oder Grüne die sinnvolleren Koalitionspartner der CDU?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Dass bei der SPD der Markt besonders betont wird, sehe ich auch nicht,<br />
aber die SPD ist immer eine Partei gewesen, die staatliche Eingriffe<br />
und Regulierungen für richtig hält und nie darüber nachdenkt, wie sie<br />
vielleicht auch einmal zurückgenommen werden können. Die Grünen<br />
verstehen viel von Ökologie aber so gut wie gar nichts von Ökonomie.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Vergessen Sie da nicht Schröder und die Agenda 2010?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die Agenda 2010 hat dazu beigetragen, dass wir mehr Geld als jemals<br />
vorher in Deutschland für Soziales ausgegeben haben, beim<br />
Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II ausgeben. Wenn man<br />
vergleicht, was vorher für Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe ausgegeben<br />
wurde, dann geben wir heute zwischen drei und fünf Milliarden Euro mehr<br />
aus. Eine Zurücknahme des Staates und eine Reduzierung staatlicher<br />
Ausgaben kann ich darin nicht erkennen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die CDU hat die Agenda 2010 mit unterstützt und Merkel lobt sie heute noch.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die Kritik, die ich geübt habe, bezieht sich ja nicht auf das neue<br />
System, sondern versuchte, dem Einwand zu begegnen, dass Schröder nun<br />
mit der Agenda 2010 volkswirtschaftlich gesehen besonders ökonomisch<br />
gehandelt hätte.
</p>
<p>
<b>Jan87</b>: Haben Sie denn die Agenda 2010 nicht im Bundestag/-rat unterstützt und sogar verändert?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Wir haben zusätzliche neue Arbeitsplätze in einer Größenordnung von bis<br />
zu 1,6 Millionen Arbeitsplätzen, wir haben in den vergangenen drei<br />
Jahren das größte Wirtschaftswachstum dieses Jahrzehnts und wir hatten<br />
das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes fast erreicht. Und schließlich<br />
haben wir die Sozialversicherungssysteme wieder zukunftsfest gemacht<br />
und wir haben die Arbeitslosigkeit in der Spitze um über zwei Millionen<br />
abgebaut.
</p>
<p>
<b>frankk</b>: Sind Sie zufrieden mit dem was die Große Koalition bisher geleistet hat?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass die Große Koalition eine gute Bilanz vorweisen kann.<br />
Wir haben eine Abnahme der Arbeitslosigkeit in einem Umfang von fast<br />
zwei Millionen Arbeitslosen gehabt.
</p>
<p>
<b>TOBL</b>: SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier sagt, das Konjunkturpaket sei zu 90 Prozent sozialdemokratisch, was entgegen Sie ihm?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ein putziger Beitrag des Kanzlerkandidaten der SPD. Die SPD wollte<br />
Steuern erhöhen, wir senken Steuern. Hieran wird alleine deutlich, wer<br />
sich durchgesetzt hat.
</p>
<p>
<b>SusiSun</b>: Wie werden die nachfolgenden Generationen die Rekordschulden tilgen?
</p>
<p>
<b>lollo</b>:<br />
Was tut die CDU konkret, um eine weitere Schuldenzunahme zu Lasten der<br />
jungen Generation einzuschränken? Das Konjunkturpaket I und II stellen<br />
immerhin eine enorme Belastung dar, sind aber in ihrer Wirkung<br />
umstritten.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Es wird einen klaren<br />
Tilgungsplan geben. Die zusätzlichen Schulden durch das Maßnahmenpaket<br />
I und II werden in einen Fonds kommen und dieser Fonds wird in den<br />
nächsten Jahren schnell getilgt werden. Zusätzlich sprechen wir uns zum<br />
Schutz der jungen Generationen klipp und klar für die Aufnahme einer<br />
Schuldenbremse im Grundgesetz aus. Hier müssen sich vor allem die<br />
Sozialdemokraten endlich bewegen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Die Kanzlerin wertet die Konjunkturpakete der Koalition als<br />
erfolgreiche Maßnahme im Kampf gegen die Finanzkrise, die FDP fordert<br />
Nachbesserungen. Was spricht da eigentlich gegen die Fortsetzung der<br />
Großen Koalition mit der SPD?
</p>
<p>
<b>balduin</b>: Wenn<br />
durch die Agenda 2010 viele Arbeitsplätze geschaffen wurden und die<br />
große Koalition erfolgreich gearbeitet hat, warum wollen Sie dann nicht<br />
mit der SPD weiterregieren?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Eine<br />
Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass die unterschiedlichen<br />
Grundströmungen auch immer in eine Alternativstellung gebracht werden.<br />
Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass wir die große Koalition<br />
aufgrund des Wahlergebnisses für vier Jahre für richtig halten &#8211; aber<br />
eben darüber hinaus sie auch nicht fortsetzen wollen. Also ersteinmal<br />
habe ich nicht gesagt, dass durch die Agenda 2010 viele Arbeitsplätze<br />
geschaffen worden sind. Ich halte die Agenda 2010 in Teilen für<br />
richtig, aber vieles von dem war auch falsch. Und Schröder hat die<br />
Agenda 2010 erst aufgelegt, als das Kind bereits in den Brunnen<br />
gefallen war. Das zeigt, dass Sozialdemokraten immer erst zu spät<br />
reagieren und ich wünsche mir eine Regierung, die so flexibel und<br />
sensibel reagiert, dass man auf strukturelle Schwierigkeiten so früh<br />
wie möglich reagiert&#8230;
</p>
<p>
<b>aleks</b>: Wieviel Prozent trauen sie der SPD bei der nächsten Bundestagswahl zu?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Die SPD liegt im 20-Prozent-Turm. Noch vor einigen Jahren hatte sie die<br />
Chance, auf Ende-20 zu kommen. Da sie ihr Verhältnis zur Linkspartei<br />
nicht geklärt hat, wird die Linkspartei ihr weiter Stimmen abnehmen und<br />
nun besteht die Gefahr, dass der 20-Prozent-Turm sich eher an 20<br />
Prozent orientiert.
</p>
<p>
<br />
<b>Eugen</b>: Was halten Sie von Frank-Walter Steinmeier?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Frank-Walter Steinmeier ist kein guter stellvertretender<br />
SPD-Vorsitzender. Er hat die Beschlüsse, die die SPD in die<br />
Schwierigkeit mit der Linkspartei gebracht haben, zu verantworten. Er<br />
hat sich nicht in den vergangenen zwölf Monaten gegen die hessische SPD<br />
gestellt und den Wortbruch der hessischen SPD kritisiert. In dieser<br />
Frage hat der stellvertretende SPD-Vorsitzende Steinmeier der SPD<br />
geschadet.
</p>
<p>
<b>gans</b>: Es findet eine weltweite<br />
Politikwende statt, Stichwort Obama. Steht die wirtschaftsliberale CDU<br />
nicht für die Politik von gestern?
</p>
<p>
<b>börder11</b>: Was erhoffen Sie sich von Obama?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich kann jetzt gar nicht erkennen, wo zwischen der praktischen Politik,<br />
die Obama in den wenigen Tagen seiner Präsidentschaft deutlich gemacht<br />
hat, ein Unterschied zur CDU zu erkennen ist. Er hat jetzt den Versuch<br />
unternommen, ein umfangreiches Konjunkturprogramm für die USA<br />
umzusetzen. Wir haben bereits zwei Maßnahmenpakete beschlossen. Ich<br />
erhoffe mir von Obama, dass wir eine neue Belebung des<br />
transatlantischen Verhältnisses bekommen und dass Europa im<br />
deutsch-amerikanischen Verhältnis eine zentrale Rolle behält.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Kommen wir zum Thema Bildung. Hier eine der im Pre-Chat hoch bewerteten Fragen:
</p>
<p>
<b>Advocat</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Pofalla, die Wirtschaft und Politik sind einer<br />
Meinung, dass mehr hochqualifizierte Menschen gebraucht werden. Warum<br />
wird aber im Gegenzug der Zugang zum Studium erschwert, indem bspw.<br />
hohe finanzielle Hürden geschaffen werden und die Studienzeit nicht<br />
einmal mehr auf die Rente anrechenbar ist?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Der Zugang zum Studium ist doch eher erleichtert worden in den letzten<br />
Jahren. Das Bafög ist erhöht worden, um nur ein Beispiel zu nennen. Und<br />
genau damit soll doch gerade finanzschwächeren Studenten die<br />
Möglichkeit zu einem Studium gegeben werden. Auf dem Bildungsgipfel ist<br />
deutlich beschlossen worden, dass insgesamt die Ausgaben für Bildung<br />
und Hochschule in Deutschland deutlich erhöht werden müssen. Alles das<br />
halte ich für richtig.
</p>
<p>
<b>Jan87</b>: Als Student kann ich das ganz und gar nicht bestätigen.
</p>
<p>
<b>ole</b>: Bafög Erhöhung gleicht doch nicht mal die Inflation aus&#8230;
</p>
<p>
<b>suppi</b>: Wer bekommt heute noch Bafög? Das ist doch eine Minderheit.
</p>
<p>
<b>blub</b>: Studiengebühren sprechen aber genau vom Gegenteil.
</p>
<p>
<b>Haifa2009</b>: Welches Konzept bieten Sie, um mehr junge Erwachsene zu einem akademischen Uni-/FH-Abschluss zu bewegen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
In dem wir die Bildungsdurchlässigkeit propagieren. Wir halten es für<br />
richtig, dass berufliche Abschlüsse &#8211; sei es der Gesellenbrief oder der<br />
Meisterbrief &#8211; Eingangsvorraussetzungen sein sollen, um studieren zu<br />
können.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Studiengebühren sollen<br />
ja zu 100 Prozent den Universitäten zur Verbesserung ihrer Situation<br />
zur Verfügung stehen und wirken sich deshalb außerordentlich positiv<br />
auf die Studienbedingungen der Studenten aus. Im Übrigen ist es<br />
Länderangelegenheit, über Fragen der Studiengebühren zu entscheiden und<br />
keine Bundesangelegenheit.
</p>
<p>
<b>besserwisser1</b>: Das<br />
meinen Sie doch nicht im Ernst? An meiner Hochschule sieht es ganz<br />
anders aus! Studiengebühren sollen zur Renovierung und Sanierung<br />
eingesetzt werden?! Kaum einer bekommt Bafög und nahezu jeder muss fast<br />
Vollzeit arbeiten um auch nur annähernd über die Runden kommen! Das<br />
kann Ihnen doch nicht entgehen!
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Zur Verbesserung der Situation von Studenten zählt doch unter anderem<br />
auch die Verbesserung der gebäudlichen Situation der Hochschulen.<br />
Dieses Geld wird doch so gesehen ausschließlich zur Verbesserung der<br />
Situation der Studienbedingungen von Studenten eingesetzt. Ich bleibe<br />
dabei: Der Anteil der Bafög-Bezieher steigt in den letzten Jahren und<br />
im übrigen will ich aus meiner eigenen Studien-Vita sagen: Ich habe<br />
während meiner beiden Studien, die ich begangen und abgeschlossen habe,<br />
selber immer arbeiten müssen, um mir das Studium zu finanzieren. Ich<br />
kann nicht erkennen, dass mir das geschadet hat.
</p>
<p>
<b>blub</b>:<br />
An meiner Uni merke ich nichts von besseren Studienbedingungen durch<br />
die Studiengebühren. Überfüllte Kurse, schlechte Ausstattung usw. sind<br />
hier immer noch normal. Wenn ich mit dem Argument rangehe &quot;Ich bezahle<br />
was dafür, ich will was dafür bekommen&quot; &#8211; kann man studieren in<br />
Deutschland vergessen.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Aber es<br />
bleibt dabei: Die Länder, die Studiengebühren erheben, können in allen<br />
Fällen nachweisen, dass das Aufkommen der Studiengebühren zu 100%<br />
Prozent den Hochschulen zur Verfügung gestellt wird. Und diesen Ansatz<br />
halte ich für richtig&#8230;
</p>
<p>
<b>Christoph R.</b>: Was<br />
wollen Sie in Zukunft unternehmen, damit nicht noch mehr junge Ärzte,<br />
die gerade erst ihr Studium abgeschlossen haben in Deutschland, ins<br />
Ausland wechseln, weil die dortigen Arbeitsbedingungen (Lohn, Zeit<br />
etc.) deutlich besser sind?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Deshalb haben wir gerade mit der Gesundheitsreform, die seit dem 1.1.<br />
diesen Jahres umgesetzt worden ist, rund zweieinhalb Milliarden Euro<br />
mehr für die Arztvergütung in Deutschland zur Verfügung gestellt. Wir<br />
wollen, dass Ärzte in Deutschland gut und ausreichend vergütet werden.
</p>
<p>
<b>knorr</b>:<br />
In der deutschen Bildungspolitk ist innerhalb der Länder und des Bundes<br />
in den letzten Jahren eine unglaubliche Hektik entstanden &#8211; alles muss<br />
reformiert werden. Ob es die Hochschulabschlüsse oder die Bildungspläne<br />
sind. Schüler, Eltern, Lehrer, Studenten und Hochschulabgänger sind<br />
unzufrieden und nach jeder Studie wird alles nur noch weiter<br />
beschleunigt. Wie könnte Ihre Partei es schaffen dies zu<br />
entschleunigen, Druck herauszunehmen, den Menschen wieder Vertrauen in<br />
die Bildung zu geben? Wird das Thema Bildung auch Bundeswahlthema sein,<br />
obwohl es weiterhin Ländersache bleibt?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass Thema Bildung wird weiter von zentraler Bedeutung<br />
sein, weil sich Deutschland gerade im Übergang von der<br />
Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft befindet. Dass sich<br />
unsere Bildungsinstitutionen reformieren mussten, zeigen alle<br />
internationalen Vergleiche und Ruhe kann nun wirklich nicht an der<br />
Bildungsfront das oberste Ziel sein. Oberstes Ziel muss es sein, sowohl<br />
die Institution Schule als auch die Institution Hochschule so zu<br />
verändern, dass wir mit den internationalen Standards Schritt halten<br />
können.
</p>
<p>
<b>iSoul</b>: Versuchen Sie mal, unter den<br />
aktuellen Bedingungen noch einmal zu studieren. Das Bachelor-Studium<br />
macht das Arbeiten nebenher fast unmöglich!
</p>
<p>
<b>tim</b>: Was halten sie von Ganztagsschulen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich glaube, dass Ganztagesschulen von immer größerer Bedeutung werden.<br />
Deshalb bin ich der Auffassung, dass die Erhöhung der Investitionen in<br />
den Bereich Schule notwendig sind, um überhaupt an vielen Schulen<br />
Ganztagsangebote unterbreiten zu können. Ich glaube, dass das ein<br />
Zukunftsweg ist, der noch energischer beschritten werden muss.
</p>
<p>
<b>tim</b>: Wie könnte man Deutschland familienfreundlicher machen?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Indem wir den Eltern, die Kinder in die Welt gesetzt haben, zusätzliche<br />
weitere Hilfen geben. Die Einführung des Elterngeldes war richtig, ist<br />
aber im wesentlichen auf zwölf Monate beschränkt worden. Sobald wir<br />
dafür wieder finanzielle Möglichkeiten haben, muss man über die<br />
Verlängerung des Elterngeldes nachdenken und entscheiden.
</p>
<p>
<b>Margret</b>: Herr Pofalla, was halten Sie vom Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich stehe diesem Ansatz eher skeptisch gegenüber.Ich glaube, dass<br />
staatliche Leistungen an Voraussetzungen gebunden sein müssen, weil<br />
sonst der Anteil der Menschen steigen wird, die sich auf diesen<br />
bedingungslosen Grundeinkommen ausruhen.
</p>
<p>
<b>Dennis Neubert</b>:<br />
Es ist eine wahre Armut, dass die Wirtschaft erst zusammenbrechen muss,<br />
dass mehr in Bildung investiert wird! Was meinen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Das Thema Bildung ist seit Jahren ein zentrales Thema und der<br />
Bildungsgipfel war übrigens terminlich schon festgelegt zu einem<br />
Zeitpunkt, da hat kein Mensch über die Wirtschaftskrise geredet&#8230;
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Thema schon, aber handeln?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
&#8230;die Wirtschaftskrise hat allerdings uns noch einmal deutlich vor<br />
Augen geführt, wie wichtig das Thema Bildung ist. Je höher die Bildung,<br />
je geringer die Wahrscheinlichkeit auf Arbeitslosigkeit. Man kann immer<br />
mehr tun. Aber auf dem Bildungsgipfel ist ja vereinbart worden, die<br />
Ausgaben für Bildung und Forschung bis zum Jahre 2015 auf 10 Prozent<br />
des Bruttosozialproduktes zu steigern. Wenn dieses Ziel erreicht wird,<br />
haben wir einen Meilenstein in die Zukunft gelegt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Wir haben im Chat nebenbei eine (nicht repräsentative) Umfrage unter<br />
den Usern gemacht &#8211; ob die Fortsetzung der Großen Koalition gewünscht<br />
ist. Hier das Ergebnis: 22 Prozent für, 78 Prozent gegen Fortsetzung &#8211;<br />
Herr Pofalla, wollen Sie darauf kurz reagieren?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Wunderbar. Ich teile die Mehrheitsmeinung der User.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
(Er lacht ziemlich breit.) Die Süddeutsche Zeitung schreibt heute über<br />
die &quot;verunsicherte CDU&quot; und den Eiertanz der Vorsitzenden um eine<br />
undefinierte Mitte: War es ein Fehler, dass Sie den Slogan &quot;Die Mitte&quot;<br />
für sich ausgesucht haben?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Es<br />
war ein richtiger Schachzug. Wir haben damit deutlich gemacht, dass die<br />
SPD sich von Schröders &quot;Neuer Mitte&quot; endgültig verabschiedet hat. Und<br />
wir haben deutlich gemacht, dass die CDU die Partei der Leistungsträger<br />
in unserer Gesellschaft ist &#8211; der Menschen, die arbeiten und für andere<br />
sorgen, der Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, der<br />
Menschen, die der Hilfe bedürfen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Eine persönliche User-Frage an Sie zum Schluss 😉
</p>
<p>
<b>TSG</b>: Sehen Sie sich als einen möglichen Nachfolger für Angela Merkel?
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Ich bin Generalsekretär der CDU Deutschland. Mir macht der Job riesig<br />
Spaß und ich will mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin und<br />
CDU-Vorsitzenden die Wahlen im September gewinnen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war aber eine sehr vorgedruckte Antwort, also nochmal:
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>:<br />
Angela Merkel ist eine tolle CDU-Vorsitzende und eine Bundeskanzlerin,<br />
die Deutschland sicher in die Zukunft führt. Beide Ämter werden von ihr<br />
super ausgefüllt. Es gibt überhaupt keinen Bedarf an irgendeiner<br />
Veränderung.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Okokok, capito! Sie können<br />
nicht aus der Rolle&#8230; Das war bereits eine gute Stunde hier im<br />
tagesschau-Chat. Herzlichen Dank, Ronald Pofalla, dass Sie sich hier im<br />
ARD-Hauptstadtstudio Zeit für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de genommen haben. Ein Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle<br />
stellen konnten. In kurzer Zeit finden Sie das Protokoll dieses Chats<br />
auf unserer Homepage. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Ronald Pofalla</b>: Ich bedanke mich wirklich für die tollen Fragen und wenn ich von der ARD noch einmal eingeladen werde, komme ich gerne wieder.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>InfoMonitor Dezember 2008: Konjunkturpolitik war Topthema</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/infomonitor-dezember-2008-konjunkturpolitik-war-topthema-4216/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 12:18:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[Gaza]]></category>
		<category><![CDATA[Automobilkrise]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Klimapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[CSU]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Konjunkturpolitik führt im Dezember 2008 die Liste der Topthemen in den Fernsehnachrichten an, wie der InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, ermittelt hat. Insgesamt 140 Minuten berichteten die vier Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 über dieses Thema. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Konjunkturpolitik führt im Dezember 2008 die Liste der Topthemen in den Fernsehnachrichten an, wie der InfoMonitor des Instituts IFEM, Köln, ermittelt hat. Insgesamt 140 Minuten berichteten die vier Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 über dieses Thema. <!--break--> </p>
<p>
Vor allem wegen der starken Berücksichtigung in den privaten Nachrichtensendungen platzierten sich die Themen rund um das Weihnachtsfest mit insgesamt 113 Minuten an zweiter Stelle der Topthemen. Es folgen die israelische Militäraktion im Gazastreifen (89 Minuten), die Krawalle in Griechenland (52 Minuten), die Krise der Autoindustrie (42 Minuten) und die Militäreinsätze gegen Piraten im indischen Ozean (41 Minuten) auf den Rängen 3 bis 6. Weitere Top-10-Themen waren: der Anschlag auf den Polizeichef von Passau, Klimaschutz/Klimapolitik, Datenskandal/Datenhandel sowie der CDU-Parteitag in Stuttgart.
</p>
<p>
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/12_top-10_themen_tv_hauptnachrichten.jpg" height="270" width="468" /> <br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten.<br />
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Während bei „Tagesschau“ und „heute“ die Konjunkturpolitik im Dezember an erster Stelle stand, war es bei „RTL aktuell“ mit großem Vorsprung das Weihnachtsthema, in den „Sat.1 Nachrichten“ lagen beide Themen gleichauf an der Spitze. Das Thema Klimaschutz/Klimapolitik erreichte bei ARD und ZDF einen Top-10-Platz, bei RTL und Sat.1 jedoch nicht. Dafür platzierten RTL den Anschlag auf den Passauer Polizeichef und Sat.1 den Wintereinbruch in den USA als einzige auf einen der ersten zehn Plätze.
</p>
<p>
Für die Nachrichtenmagazine „Tagesthemen“ und „heute-journal“ waren die Konjunkturpolitik sowie die israelische Militäraktion im Gazastreifen die Topthemen des Monats Dezember. Deutlich mehr als die anderen Nachrichtensendungen berichtete das „heute-journal“ unter anderem über die Militäreinsätze gegen Piraten. Für die „Tagesthemen“ war die Krise in Thailand ein Top-10-Thema.
</p>
<p>
<br />
<b>CDU überholt SPD bei Zahl der Politikerauftritte in den Nachrichten</b>
</p>
<p>
Erstmals seit Juni 2008 konnte die CDU wieder einmal die Spitzenposition bei der Zahl der Auftritte ihrer Politiker in den Fernsehnachrichten erklimmen. Mit 272 Auftritten lag sie im Dezember knapp vor der SPD mit 254 Auftritten. Die CSU erreichte mit 94 Auftritten Platz drei, vor FDP und den Grünen mit jeweils 35 Auftritten.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/12_parteienpr_tv_nachrichten.jpg" height="319" width="468" /> <i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2008<br />
Insgesamt 698 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
Bei den Top-20 der am häufigsten in den Fernsehnachrichten präsenten deutschen Politiker führt Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 118 Auftritten vor Frank-Walter Steinmeier mit 58 Auftritten. Erstmals konnte sich der neue Spitzenkandidat der SPD in Hessen, Thorsten Schäfer-Gümbel, unter den ersten 20 platzieren. Einzige Vertreter von FDP und Grünen in der Liste sind Guido Westerwelle und Joschka Fischer.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/12_top-20_politiker_nachrichten.jpg" height="444" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2008<br />
Insgesamt 698 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder O-Ton).<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
<br />
<b>Hoher Anteil an Human-Interest-Themen bei Privatsendern</b>
</p>
<p>
Wohl vor allem wegen der Weihnachtsthemen enthielten „RTL aktuell“ und „Sat.1 Nachrichten“ im Dezember hohe Anteile an Human-Interest-Berichterstattung. Bei RTL erreichten die „bunten“ Themen den gleichen Anteil wie die Politikthemen (jeweils 19 Prozent, das entspricht 4 Minuten pro Ausgabe). Bei Sat.1 machten die Human-Interest-Themen 20 Prozent der Nachrichten aus (3 Minuten).
</p>
<p>
Die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF weisen dagegen keine besonderen Spitzen auf, sondern zeigen die gewohnt hohen Anteile an Politikthemen. Diese machten bei der „Tagesschau“ 48 Prozent (entspricht 7 Minuten pro Ausgabe) aus, bei „heute“ 39 Prozent (7 Minuten), bei den „Tagesthemen“ 39 Prozent (10 Minuten) und beim „heute-journal“ 46 Prozent (12 Minuten).
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/12_themenstruktur_tv_nachrichten_prozent.jpg" height="402" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de</i>
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/12_themenstruktur_tv_nachrichten_minuten.jpg" height="419" width="468" /> <i>Untersuchungszeitraum: 1.12.-31.12.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau (20 Uhr); heute (19 Uhr); RTL aktuell; Sat.1 Nachrichten;Tagesthemen; heute-journal.<br />
Quelle: IFEM, Köln. Grafik: politik-digital.de</i></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Börsencrash nur kurze Delle&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/boersencrash-nur-kurze-delle-3709/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jan 2008 15:39:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Börse]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Dreger]]></category>
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					<description><![CDATA[Globaler Börsencrash: Christian Dreger, Chef der Konjunkturabteilung im deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) chattete am 24. Januar 2008 mit den Usern über die Wirtschaftskrise in den USA und deren Auswirkungen für Deutschland. Gegen Ende des tagesschau-Chats in Zusammenarbeit mit politik-digital.de verriet der Wirtschaftswissenschaftler ein paar Anlagetipps. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Globaler Börsencrash: Christian Dreger, Chef der Konjunkturabteilung im deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) chattete am 24. Januar 2008 mit den Usern über die Wirtschaftskrise in den USA und deren Auswirkungen für Deutschland. Gegen Ende des tagesschau-Chats in Zusammenarbeit mit politik-digital.de verriet der Wirtschaftswissenschaftler ein paar Anlagetipps. <!--break--></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Heute ist Christian Dreger, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Die Bundesregierung hat ihre Erwartungen an das Wirtschaftswachstum heruntergeschraubt und warnt vor den Folgen der US-Finanzkrise. Wie reagieren die deutschen Unternehmen? Was bedeutet das für den Bürger als Sparer und Anleger? Herr Dreger, noch einmal herzlich willkommen. Können wir beginnen?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/cdreger_0.jpg" alt="Christian Dreger" title="Christian Dreger" height="237" width="178" />
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Auf jeden Fall. Hallo!
</p>
<p>
<b>JoJo:</b> Wie<br />
sieht Ihre Konjunkturprognose für 2008 aus?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir haben ein Konjunkturprognose Anfang Januar<br />
vorgestellt und dort eine Wachstumsrate von 2,1% für das reale<br />
BIP (Bruttoinlandsprodukt, Anm. der Redaktion)<br />
prognostiziert.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Anfang Januar &#8211; ist das<br />
noch aktuell?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das würde ich schon sagen. Diese Prognosen haben ja<br />
eine gewisse Halbwertzeit. Sie sind schon auf Basis reiflicher<br />
Überlegungen entstanden. Wir sehen jetzt, dass die Risiken wohl<br />
zugenommen haben, aber wir sehen noch keinen Bedarf für eine<br />
Prognosekorrektur.
</p>
<p>
<b>Mahler:</b> Erholt sich der Dax auf<br />
Dauer, war das nur eine kurzfristige Delle?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Ich denke, das war eine kurzfristige Delle, die sich<br />
zurückbilden wird, wenn die Unsicherheit aus den Märkten<br />
verschwunden ist. Auf Dauer ist der Trend weiter nach oben<br />
gerichtet.
</p>
<p>
<b>Böse Überraschungen mit Banken</b>
</p>
<p>
<b>Spekulantius:</b> Warum sind die Börsen<br />
so hypersensibel, das ist ja schon irrational, oder?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das hat mit der Unsicherheit zu tun. Man hat einfach<br />
unvollständige Informationen. Auf der anderen Seite erlebt man<br />
dann immer wieder böse Überraschungen. In Deutschland haben<br />
wir da als Beispiel etwa die Hypo Real Estate letzte Woche und auch<br />
die Westdeutsche Landesbank. Man hat in beiden Fällen die<br />
Schwere der Verluste eigentlich nicht erwartet. Insofern ist es auch<br />
ein Problem der Informationspolitik der beteiligten Banken. Es ist<br />
damit zu rechnen, dass die Volatilität an den Aktienmärkten<br />
mit der Zeit abnehmen wird, wenn eben mehr Informationen eingehen &#8211;<br />
oder verlässlichere. Aus fundamentaler Sicht sind die aktuellen<br />
Kursschwankungen weit überzogen.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Hier kommt eine Nachfrage, es gibt noch Zweifel an Ihrer<br />
Prognose:</p>
<p><b>Jugo:</b> Aber die Bundesregierung und<br />
andere Institute haben die Prognose schon nach unten korrigiert &#8211; wie<br />
schlimm ist die Krise?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir sehen eigentlich schon, dass die Risiken zugenommen<br />
haben. Aber wir sehen noch keinen dringenden Korrekturbedarf. 2008<br />
ist nach unserer Prognose das Jahr des Konsums, der insbesondere von<br />
zwei Faktoren gestützt wird: Dies ist zum einen die positive<br />
Beschäftigungsentwicklung, die auch 2008 noch anhält, und<br />
zum anderen der Reallohnzuwachs. Beides erhöht die Einkommen und<br />
damit den Konsum. In Deutschland ist der Konsum weitgehend unabhängig<br />
von den Vermögen.
</p>
<p>
<b>Holger:</b> Was bedeutet der<br />
Börsencrash für die Preisentwicklung?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Die Preisentwicklung wurde hauptsächlich bisher von<br />
den Energiepreisen und von der Situation auf den Lebensmittelmärkten<br />
bestimmt. Der Börsencrash hat keine unmittelbaren Auswirkungen.<br />
Man könnte indirekte Effekte konstruieren, z.B. wenn aus dem<br />
Börsencrash eine schwächere realwirtschaftliche Entwicklung<br />
aufgrund zurückgehender Nachfrage folgen würde, würde<br />
diese eher preisdämpfende Folgen haben. Ein weiterer Effekt<br />
ergibt sich auch aus der Zinssenkung der US-Zentralbank, die zur<br />
Beruhigung der Situation an den Aktienmärkten erfolgte.
</p>
<p>
Dies wird<br />
tendenziell den Dollar weiter unter Druck setzen, so dass die<br />
Importpreise in Euro gerechnet rückläufig sein sollten.<br />
Also gibt es auch hier sozusagen Preisdämpfung.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Konstruiert die Bundesregierung also Effekte, wenn sie von<br />
Preissteigerungen ausgeht?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Die Bundesregierung hat noch eine persistentere<br />
Preisentwicklung im Kopf.<br />
Bei uns ist es ja auch so, dass wir in<br />
der ersten Hälfte des Jahres eine höhere Inflationsrate<br />
haben werden, als in der zweiten. Hier kommen beispielsweise<br />
Nachwirkungen des Energiepreisanstiegs zum Tragen. Wir erwarten<br />
allerdings nicht, dass sich höhere Lohnabschlüsse in dem<br />
Maße in höheren Preisen niederschlagen werden, wie dies<br />
offenbar die Bundesregierung tut. Lohn-Preis-Spiralen haben wir in<br />
nennenswertem Umfang in den letzten Jahren nicht mehr gesehen.
</p>
<p>
<b>Harlinger:</b> Ich bin kein Experte:<br />
Was heißt denn persistent?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Dauerhaftigkeit. Inflation geht eben langsam zurück,<br />
in dem Sinne. Hohe Inflationsraten bleiben über einen längeren<br />
Zeitraum erhalten.<br />
<b><br />
Auswirkungen der US-Krise in Europa</b>
</p>
<p>
<b>AlexDD:</b> Guten Tag. Eins<br />
verstehe ich nach den Börsencrash der letzten Tage nicht. Da wo<br />
die Krise eigentlich stattfinden soll &#8211; in den USA &#8211; gingen die<br />
Börsen relativ wenig nach unten. In Deutschland, wo die<br />
Konjunktur noch gut läuft, hat der DAX aber gleich ein<br />
Vielfaches verloren. Wie kann man so etwas erklären? Oder ist da<br />
einfach nur Psyche im Spiel gewesen?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das kann man nicht erklären. Aus fundamentaler Sicht<br />
sind die Kursschwankungen nicht zu rechtfertigen. Sie haben mit Ihrer<br />
Analyse durchaus Recht.
</p>
<p>
Die Krise ist<br />
zunächst nur in den USA relevant und sorgt dort für eine<br />
schwächere konjunkturelle Entwicklung, während sich der<br />
Euroraum noch im Aufschwung befindet. Offensichtlich erwarten die<br />
Marktteilnehmer ein erhebliches Übergreifen der Krise, das wir<br />
allerdings bei derzeitiger Kenntnislage noch nicht sehen.</p>
<p><b>kt:</b><br />
Warum sind wir Deutsche / Europäer scheinbar immer am meisten<br />
betroffen? Die asiatischen Börsen hatten zwar auch riesige<br />
Kurseinbrüche, der HangSeng hatte aber am Mittwoch ein Plus von<br />
fast elf Prozent und damit das Meiste wieder ausgeglichen.
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das ist zum großen Teil nur psychologisch zu<br />
erklären. In Europa ist es so, dass die wirtschaftliche<br />
Entwicklung in Großbritannien in Mitleidenschaft gezogen wird,<br />
weil die Märkte dort auch von der Immobilienkrise erfasst<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Schimmelreiter:</b><br />
Wird die Wirtschaft durch Börsenschwankungen immer anfälliger?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Gute Frage. Es ist nun einmal so, dass wir die<br />
Börsenentwicklung im Moment nur als temporär sehen. Der<br />
Einbruch wird sich wieder zurückbilden. Es hätte<br />
realwirtschaftliche Konsequenzen, wenn die Einbrüche dauerhaft<br />
sind. Prinzipiell kommen hier mindestens zwei Einflusskanäle in<br />
Frage. Zum einen sind dies Vermögenseffekte beim Konsum, zum<br />
anderen die Effekte auf das Investitionsverhalten der Unternehmen.<br />
Der Konsum in Deutschland ist praktisch unabhängig von der<br />
Entwicklung der Vermögenspreise. Was die Investitionen angeht,<br />
wären die börsennotierten Unternehmen betroffen. Da ihr<br />
Marktwert sinkt, verschlechtern sich die Kreditkonditionen. Dies<br />
würde für sich genommen die Investition dämpfen,<br />
allerdings sind die deutschen Unternehmen derzeit in einer günstigen<br />
Gewinnsituation. Dazu hat auch die mehrjährige Lohnzurückhaltung<br />
beigetragen. Die Investitionen werden in Deutschland auch in<br />
besonderer Weise durch Eigenmittel finanziert. Kredite spielen eine<br />
geringe Rolle.<br />
<b><br />
&quot;2008 wird positiv für den Konsum&quot; </b>
</p>
<p>
<b>savalat:</b> Im Einzelhandel ist seit Montag<br />
absolute Flaute: die Kunden reagieren auf den Crash und die negativen<br />
Nachrichten. Wird der Binnenhandel in Deutschland dieses Jahr noch<br />
mal an Schwung gewinnen oder ist 2008 &quot;schon gelaufen&quot;?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir sagen eigentlich schon, dass 2008 positiv für<br />
den Konsum wird. <br />
Wir hatten ja 2007 den Dämpfer, der uns<br />
durch die Mehrwertsteuererhöhung beschert worden ist. <br />
2008<br />
ist es eben so, dass die Beschäftigung zunimmt und es<br />
Reallohnzuwächse geben wird.
</p>
<p>
Die<br />
Arbeitslosigkeit geht dabei erheblich zurück, so dass sich auch<br />
die Risiken, den Arbeitsplatz zu verlieren, zurückbilden. Dies<br />
fördert die Konsumbereitschaft.
</p>
<p>
<b>Jugo:</b><br />
Werden die Zinsen für Guthaben und Kredite sich verändern?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir gehen nicht davon aus. Im Prinzip könnte die EZB<br />
die Zinsen wie die US-Notenbank senken. Die Geldpolitik in Europa<br />
achtet aber mehr auf inflatorische Entwicklung als die Notenbank in<br />
den USA. Kommt der Dollar jedoch weiter unter Druck, könnte die<br />
EZB eher die Zinsen senken, aber steigern werden sie sie nicht.</p>
<p><b>Herr<br />
Müller:</b> Wie wird sich der Dollarkurs in den nächsten<br />
Monaten Ihrer Meinung nach entwickeln und was für einen Einfluss<br />
könnte die neue Währung Amero auf den Dollar nehmen? Wird<br />
man in Zukunft wieder mehr Euro für Dollar/Amero bekommen?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir erwarten eigentlich einen recht stabilen Wechselkurs<br />
im Bereich zwischen 1,45 und 1,50 Dollar pro Euro. Prinzipiell hat<br />
man hier zwei Effekte zu unterscheiden:
</p>
<p>
Zum einen hemmt<br />
ein schwacher Dollar die Exporttätigkeit, andererseits bestehen<br />
deutsche Exporte zum großen Teil aus Investitionsgütern,<br />
die in geringerem Maße im preislichen Wettbewerb stehen. <br />
Für<br />
diese Exporteure dürfte der schwache Dollar leichter zu<br />
verkraften sein. Zudem werden heute 75 Prozent aller Exporte in Euro<br />
abgerechnet, so dass sie von der Dollarabwertung zunächst nicht<br />
betroffen sind.  Darüber hinaus verbilligt der schwache Dollar<br />
die Rohstoffimporte in Euro. Hätte es die Euroaufwertung nicht<br />
gegeben, würden wir heute an der Zapfsäule zwei Euro pro<br />
Liter Normalbenzin bezahlen. Insofern kommt der starke Euro den<br />
Verbrauchern zugute.
</p>
<p>
Der schwache<br />
Dollar hilft außerdem, die globalen Ungleichgewichte zu<br />
reduzieren, die ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft<br />
darstellen. Das Handelsbilanzdefizit der USA, das derzeit etwa bei<br />
sechs Prozent des BIP liegt, wird dadurch teilweise<br />
abgebaut.
</p>
<p>
<b><br />
Euro als neue Leitwährung</b>
</p>
<p>
<b>gesell:</b> Könnte der Euro, wenn der Dollar<br />
weiter schwächelt, zur neuen Leitwährung werden?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Es gibt Indizien, dass der Euro innerhalb der<br />
Weltwährungsreserven an Bedeutung gewinnt. Dies geht zunächst<br />
einmal zu Lasten des US-Dollars. Gleichwohl bleibt die USA die<br />
wichtigste Volkswirtschaft in der Weltwirtschaft, so dass der Dollar<br />
eine starke Position innerhalb der Weltwährungsreserven behält.
</p>
<p>
<b>merz331:</b><br />
Wie stark ist eigentlich dieser Einfluss des Euro-Kurses auf die<br />
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft? Das müsste<br />
sich doch absichern lassen.
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das lässt sich sicherlich absichern. Aber Sie müssen<br />
hier auch sehen, dass der Wechselkurseinfluss im Zeitablauf eher<br />
gesunken ist. So ist der Euroraum für deutsche Exporte deutlich<br />
wichtiger als bspw. der bilaterale Handel mit den USA.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Lässt sich das in Zahlen ausdrücken?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wenn der Dollarkurs um 10 Prozentschwächer wird,<br />
sinken die Exporte um durchschnittlich etwas weniger als ein Prozent.<br />
Diese Zahl ist allerdings gegenwärtig noch etwas übertrieben,<br />
weil sie auf den vergangenen Verhaltensweisen beruht und damit auch<br />
eine Periode umfasst, in der der Wechselkurs tendenziell wichtiger<br />
war. Es ist also ein zeitlicher Durchschnitt und die tatsächliche<br />
Bedeutung dürfte heute etwas niedriger liegen.
</p>
<p>
<b>Charlie Alphasierra:</b> Wie kann<br />
die EZB der Inflation im Binnenmarkt entgegenwirken ohne im<br />
Wechselkurs noch teurer zu werden? Ist das nicht ein Widerspruch?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: In diesem Widerspruch lebt die EZB derzeit. Es ist<br />
allerdings auch so, dass sich die aktuell höhere Inflation im<br />
Euroraum über das Jahr 2008 tendenziell nicht fortsetzen wird.
</p>
<p>
Wir haben in 2008<br />
keine drastischen Energiepreiserhöhungen, wie wir sie in 2007<br />
gehabt haben.<br />
Außerdem dürfte<br />
sich die Preisentwicklung bei den Lebensmitteln beruhigen. Die EZB<br />
fürchtet vor allem das Aufkommen von Lohn-Preis-Spiralen.<br />
Allerdings dürfte der hohe Wettbewerb im Euroraum dazu führen,<br />
dass im Fall höherer Lohnabschlüsse eher Beschäftigung<br />
abgebaut wird, als dass Preise erhöht werden. Insofern sehen wir<br />
eigentlich nur ein geringes Risiko für eine anziehende<br />
Inflation.<b><br />
</b>
</p>
<p>
<b>Rolle der Zentralbanken</b>
</p>
<p>
<b>katmai:</b> Wird durch das von den<br />
Zentralbanken massiv ins Finanzsystem gepumpte Geld der wirkliche<br />
Crash nicht erst verschoben und verschlimmert?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Grundsätzlich ist es so, dass die Zentralbanken<br />
eingreifen, um mehr Liquidität in den Markt zu pumpen und<br />
Anspannungen zwischen den Geschäftsbanken zu vermeiden.<br />
<br />
Insofern wird durch das Verhalten<br />
der Zentralbanken die Krise eher eingedämmt. Aus<br />
ordnungspolitischer Sicht kann man natürlich fragen, inwieweit<br />
es die Aufgabe der Zentralbanken ist, Risiken von Geschäftsbanken<br />
abzusichern.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Das fragen sich auch die User:</p>
<p><b>Vordina:</b> Wieso können<br />
Banken wie die West-LB, wenn sie Mist bauen, nicht einfach in die<br />
Insolvenz gehen? Warum muss der Steuerzahler die Fehler auch noch<br />
subventionieren?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Die West-LB ist ja eine Bank, die im Eigentum des Landes<br />
und der Sparkassen ist und die Eigentümer verfolgen mit der<br />
West-LB natürlich auch noch weitere, übergeordnete Ziele,<br />
die über den speziellen wirtschaftlichen Rahmen hinausgehen.<br />
Aber es ist sicherlich auffällig, dass in Deutschland bisher<br />
hauptsächlich von den Banken in öffentlicher Hand die Rede<br />
ist, die von der Finanzkrise betroffen sind.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Woran liegt das?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Ein Grund dafür könnte sein, dass das<br />
Risikomanagement bei Banken des öffentlichen Sektors<br />
verschiedentlich nicht so gut funktioniert wie bei den<br />
Geschäftsbanken.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Zum Stichwort Ordnungspolitik:</p>
<p><b>johann1978:</b> Hallo<br />
Herr Dreger, was ist denn Ihr Tipp für die Bundesregierung:<br />
Eisernes Sparen oder kann sie trotz Verschuldung die Zügel ein<br />
bisschen lockerer lassen?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Wir würden schon sagen, dass es darauf ankommt,<br />
jetzt ein bisschen mehr zu sparen, die Konsolidierung also<br />
fortzusetzen. Gegenwärtig wird ja verstärkt diskutiert, ob<br />
man der Finanzmarktkrise nicht mit einem Konjunkturprogramm begegnen<br />
soll. Das ist aus unserer Sicht ein Irrweg. Deutschland befindet sich<br />
im Aufschwung, so dass ein Konjunkturprogramm deplaziert wäre.<br />
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass solche<br />
Programme im Allgemeinen eine erhebliche Wirkungsverzögerung<br />
aufweisen. Das Programm würde bspw. erst in ein bis 1,5 Jahren<br />
wirksam. Dann dürfte sich die wirtschaftliche Situation aber<br />
erheblich von der gegenwärtigen unterscheiden, so dass das<br />
Konjunkturprogramm nicht optimal zugeschnitten sein kann.<br />
Außerdem kommt es für Deutschland<br />
darauf an, die Konsolidierung der Staatsfinanzen voranzubringen.<br />
Dabei geht es nicht um den Budgetausgleich an der Spitze des<br />
Konjunkturzyklus, sondern über den Konjunkturzyklus hinweg.<br />
Infolge der absehbaren demografischen Entwicklung müsste man<br />
heute sogar strukturelle Überschüsse realisieren, um die<br />
finanziellen Probleme im Bereich der sozialen Sicherung abzufedern.
</p>
<p>
<b>Arne-Steffen_Moeller:</b><br />
Abgesehen von dem Kapitalbedarf der Banken &#8211; wie wird sich Ihrer<br />
Meinung nach die Krise auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der<br />
Unternehmen (sowohl große Unternehmen als auch kleinere und<br />
mittlere Unternehmen) auswirken? Ist hier mit sinkenden Investitionen<br />
von Seite der Unternehmen zu rechnen? Wenn ja in welchem Umfang?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das wäre nur der Fall, wenn die Krise tatsächlich<br />
dauerhafte Auswirkungen zeigt. Wir müssen für Deutschland<br />
davon ausgehen, dass die Unternehmen eine höhere<br />
Eigenmittelquote für Investitionen aufweisen. Hier ist auch zu<br />
berücksichtigen, dass die finanziellen Bedingungen für<br />
Investitionen durch die Politik der Lohnmoderation in der<br />
Vergangenheit verbessert wurden.
</p>
<p>
<b>Niedriges Wachstum in Deutschland</b>
</p>
<p>
<b>WilliCoburg:</b><br />
Also ist alles in Ordnung in Deutschland angesichts der Krise in USA<br />
und Asien?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Na ja, die fundamentalen Fakten stimmen eben immer noch<br />
in Deutschland.<br />
Deutschland wird in 2008 eine recht positive<br />
Entwicklung nehmen. Dabei muss man aber ganz generell sehen, dass die<br />
Wachstumsraten in Deutschland im internationalen Vergleich eher<br />
niedrig sind.  Insofern müsste man sich darauf konzentrieren,<br />
Strukturen zu schaffen, die wachstumsfördernd sind. Dazu ist die<br />
Zeit des Aufschwungs besonders geeignet.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Die User zweifeln weiter:</p>
<p><b>Heiner:</b> Die<br />
Entwicklung der wirtschaftlichen Situation in den USA lässt sich<br />
ja schon einige Zeit beobachten. Wird diese Entwicklung so<br />
weitergehen? Wenn ja, wird das dauerhafte Konsequenzen für die<br />
deutsche Wirtschaft haben und welche?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Natürlich hat die Dämpfung der wirtschaftlichen<br />
Aktivität in den USA negative Konsequenzen für die<br />
Weltwirtschaft und damit auch für die deutschen Exporte.
</p>
<p>
Allerdings sollte<br />
man die Effekte auch nicht übertreiben. Bei einem Rückgang<br />
der Wachstumsrate in den USA von etwa einem Prozentpunkt sinkt nach<br />
Informationen des internationalen Währungsfonds das Wachstum in<br />
der Eurozone um 0,2 Prozentpunkte. Allgemein ist die Bedeutung der<br />
USA für die Weltwirtschaft eher zurück gegangen.
</p>
<p>
<b>lustig:</b> Hallo, woran liegt es,<br />
dass wir zurzeit einen Aufschwung haben?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Der Aufschwung, den wir im Moment haben, kommt<br />
letztendlich von der weltwirtschaftlichen Entwicklung, die ja schon<br />
seit einigen Jahren überaus positiv verlaufen ist. Dies hat dazu<br />
geführt, dass zunächst die Exporte angezogen sind.<br />
Verspätet hat dann die Entwicklung auf die Binnenkonjunktur<br />
übergegriffen. Die Verzögerungen<br />
sind im Wesentlichen durch die Restrukturierungen in den Unternehmen<br />
begründet, die die allgemeinen Wettbewerbspositionen der Firmen<br />
erheblich verbessert haben. Dazu hat auch die Lohnmoderation<br />
beigetragen. Dies hat über anziehende Investitionen zu einem<br />
Beschäftigungsanstieg geführt, der nun den höheren<br />
Konsum nach sich zieht &#8211; also ein klassisches Muster für<br />
Deutschland, allerdings mit Verzögerungen bzgl. des Übergreifens<br />
der Welt- auf die Binnenkonjunktur.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Wir haben in der Zwischenzeit bei den Chatteilnehmern nachgefragt:<br />
Schüren die Börsenturbulenzen bei Ihnen Angst um den<br />
Arbeitsplatz? 21 Prozent sagen ja, 79 sagen nein. Wie stehen sie<br />
dazu, Herr Dreger?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Würde ich auch unterschreiben. Arbeitsplatzverluste<br />
könnten ja nur bei einer Abkühlung der Konjunktur drohen.<br />
Wenn die Konjunktur nachhaltig zurückgeht, wird sicherlich die<br />
Schaffung neuer Arbeitsplätze behindert und bestehende gehen<br />
verloren. Das ist aber nicht das Szenario, was wir von den<br />
Börsenentwicklungen her erwarten, jedenfalls nicht für<br />
Deutschland.
</p>
<p>
<b>levi:</b> Wie<br />
sieht das Worst Case Szenario aus?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Das Worst Case Szenario sieht so aus, dass wir jetzt<br />
tatsächlich einen erheblichen Rückgang der konjunkturellen<br />
Expansion haben und dass uns die Finanzkrise der USA in erheblich<br />
stärkerem Maße trifft und den Aufschwung in Deutschland<br />
beendet. Dies ist aber eher ein unwahrscheinliches Szenario.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>:<br />
Noch ein Expertentipp für den Bürger:</p>
<p><b>afw9:</b><br />
Würden sie (langfristig orientierten) Anlegern weiterhin dazu<br />
raten, ihr Geld in Aktien anzulegen (vgl. Kostolanys<br />
Schlaftabletten-Taktik)?
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Sicherlich ist es eine gute Idee, sein Portfolio<br />
teilweise in Aktien zu halten. Aktienanlagen sind zwar mit höherem<br />
Risiko ausgestattet als andere, haben dafür aber auch eine<br />
höhere Rendite. Wenn man sich die langfristige Entwicklung<br />
ansieht, dann sind wir im DAX immer noch erheblich höher, als<br />
die Indexstände in der ersten Hälfte des Jahres 2006. Der<br />
Index stand bei etwa 5300 bis 5500 Punkten. Gegenwärtig sind wir<br />
20 Prozent darüber. Es kommt natürlich immer darauf an,<br />
welche Aktien man wählt. So sind Unternehmen des TecDAX heute<br />
teilweise noch erheblich unter ihren Höchstständen aus der<br />
Zeit des New Economy Booms. Bei Standardwerten sollte die<br />
langfristige Tendenz eindeutig nach oben zeigen.</p>
<p><b>Moderatorin</b>:<br />
Eine Stunde tagesschau-Chat ist vorbei. Dankeschön an Herrn<br />
Dreger für die Ausführungen und Analysen. Dankeschön<br />
auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht<br />
alle stellen konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Christian<br />
Dreger</b>: Vielen Dank!</p>
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