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	<title>Konrad Schily &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Konrad Schily &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Jeder Bürger hat die Pflicht, sich zu versichern&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Donnerstag, den 6. April, war 
Konrad Schily, MdB der FDP zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Er beantwortete Fragen 
zu den Reformvorschlägen der FDP zum Gesundheitssystem.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Donnerstag, den 6. April, war<br />
Konrad Schily, MdB der FDP zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Er beantwortete Fragen<br />
zu den Reformvorschlägen der FDP zum Gesundheitssystem.<!--break-->
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Liebe Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen zum tagesschau-Chat. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
erwartet jetzt Konrad Schily Ihre Fragen. Vielen Dank Herr Schily,<br />
dass Sie zu uns gekommen sind. Konrad Schily sitzt für die<br />
FDP im Gesundheitsausschuss des Bundestags, ist Arzt und Mitbegründer<br />
der privaten Universität Witten/Herdecke – geballte Kompetenz<br />
also in Sachen Bildung, Gesundheitswesen und Situation der Ärzte.<br />
Wie immer gibt es keine feste Reihenfolge, Sie können Ihre<br />
Fragen jederzeit stellen, es geht nichts verloren. Wenn Sie sich<br />
auf eine Antwort von Herrn Schily beziehen am besten das in der<br />
Frage vermerken, damit wir wissen, worum es geht. Die erste Frage:
</p>
<p>
<b>Gesund:</b> Können Sie einem Abiturienten noch<br />
ohne ein schlechtes Gewissen raten, Medizin zu studieren?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily</b>: Uneingeschränkt ja. Arztsein<br />
ist ein wunderbarer Beruf, wo immer man ihn auch ausführt.<br />
Und die wirtschaftlichen Verhältnisse können sich ja auch<br />
wieder verbessern.
</p>
<p>
<b>Klassenkampf:</b> Hallo Herr Schily. Inwiefern unterstützen<br />
Sie die Haltung der streikenden Ärzte?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Ich wiederhole noch einmal einige<br />
Argumente: die Ärzte leiden nicht nur unter einem Lohnverzicht<br />
in den letzten Jahren. Sie leiden unter einer überbordenden<br />
Bürokratie und wer einmal schon viele sinnlose Zettel ausgefüllt<br />
hat, weiß wie demotivierend das ist. Und sie leiden unter<br />
einer Arbeitsfülle, es wird von keinem Berufsstand erwartet<br />
über 24 Stunden oder mehr einen hochpräzisen Einsatz zu<br />
fahren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Sachen Bürokratie: Da ist ja<br />
viel Kontrolle der Ärzte durch die Krankenkassen. Muss das<br />
nicht in Zeiten knapper Finanzen sein?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Man kann &#8211; das weiß die Industrie<br />
&#8211; Firmen auch mit Controlling umbringen. Dadurch, dass wir es im<br />
Wesentlichen mit den gesetzlichen Krankenkassen zu tun haben, muss<br />
alles eine verwaltungsrechtliche Begründung haben. Es ist eben<br />
ein bürokratisches System und Bürokratien sind nicht flexibel,<br />
was ich in der Situation dem Kranken gegenüber nun mal sein<br />
muss. Also knappe Kassen heißt: flexibel werden, d.h. auf<br />
den Einzelnen vertrauen und die Bürokratie abbauen.
</p>
<p>
<b>sabine_56:</b> Welche Verbesserungen bei der Ärzteausbildung<br />
wären wünschenswert?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Mehr Praxisorientierung. Die Universität<br />
Witten/Herdecke schickt ihre Studierenden bereits im 1. Semester<br />
in die Praxen von niedergelassenen Ärzten. Hier lernen sie<br />
die Wirklichkeit kennen. Ein Knie kommt ja nicht allein zum Arzt,<br />
es hängt immer ein ganzer Mensch daran. Und an diesem eine<br />
soziale Situation, Familie oder was auch immer. Nur jeder tausendste<br />
Patient kommt in ein Uni-Krankenhaus. Bei diesem Patienten lerne<br />
ich also nur einen kleinen Ausschnitt aus der medizinischen Wirklichkeit.<br />
Das wäre der Aspekt der Praxis, den man mit einem Schlagwort<br />
charakterisieren kann: Gestuft zu immer umfassenderen Hilfeleistung<br />
befähigen. Das zweite ist, möglichst wenig Verschulung<br />
des Studiums, möglichst viel selbstbestimmtes Lernen. Das dürfte<br />
die beste Voraussetzung zu sein, um sich später als Arzt fortzubilden<br />
oder für das lebenslange Lernen.
</p>
<p>
<b>Ottfried:</b> Wenn sie sagen, dass gesetzliche Krankenversicherungen<br />
bürokratische Systeme sind, welche die notwendige Flexibilität<br />
nicht aufweisen können, welche erforderlich ist, plädieren<br />
Sie also für eine Abschaffung der gesetzlichen Krankenversicherung?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Dass das System jetzt in der Krise<br />
ist, ist unzweifelhaft. Das gegenwärtige System ist etwas mehr<br />
als 120 Jahre alt und wurde für die entwickelt, die entweder<br />
aus finanziellen oder anderen Gründen keine eigene Vorsorge<br />
treffen konnten. Dieses System haben wir auf 90 Prozent der Bevölkerung<br />
ausgedehnt. Ich meine, wir sollten 80 &#8211; 90 Prozent der Bevölkerung<br />
wieder in den Stand versetzen, eigene Vorsorge zu treffen. Auch<br />
kleinere Versicherungsgemeinschaften können sich dann am Markt<br />
bewegen und das wichtige ist: Es entstehen Preise für die Versicherungsleistungen.<br />
Kleine Versichertengemeinschaften sind oft viel wirtschaftlicher,<br />
weil sie die große Bürokratie nicht brauchen. Das Schlagwort<br />
der FDP ist Abschaffung der Zwangsversicherung, aber jeder Bürger<br />
hat die Pflicht, sich zu versichern.
</p>
<p>
<b>Dosenfutter:</b> Offensichtlich spaltet sich die deutsche<br />
Gesellschaft in die Gebildeten und die Ungebildeten. Folgt man Ihrer<br />
Argumentation, können sich die Gebildeten im Wettbewerb die<br />
besten Angebote heraussuchen. Die Ungebildeten im Niedriglohnsektor<br />
aber nicht. Wie fangen Sie diese auf?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Ich glaube, dass auch viele sehr<br />
Gebildete im unteren Lohn- oder Einkommensniveau sind. Leider war<br />
das schon immer so. Diejenigen, die den unteren Lohnsektoren angehören,<br />
treffen jeden Tag viele Entscheidungen über Miete, Wohnung<br />
und anderes. Warum will ich ihnen die Entscheidung darüber,<br />
welcher Versichertengemeinschaft sie sich anschließen sollen,<br />
nehmen? Diese können auch wie die so genannten Gebildeten durch<br />
Beratung unterstützt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nachfrage vom gleichen User:
</p>
<p>
<b>Dosenfutter:</b> Also mal klar formuliert: die Abschaffung<br />
des Sozialsystems?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Das ist der häufigste Vorwurf.<br />
Die Befürworter der gesetzlichen Krankenversicherung, wie sie<br />
jetzt ist, wollen diese auf 100 Prozent der Bevölkerung ausdehnen.<br />
Damit würden wir eine staatliche Gesundheitsbürokratie<br />
haben. Es ist die Täuschung, dass Bürokratie sozial sei.<br />
Der ursprüngliche Gedanke einer Versichertengemeinschaft ist<br />
die Abfederung des Risikos des Einzelnen durch die anderen. Also<br />
die Gesunden sollen über ihre Gesundheit glücklich sein,<br />
auch dann wenn sie wissen, dass sie die Kosten der Kranken zahlen.<br />
Dies ist die eigentliche Idee der Versicherung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Fanpost:
</p>
<p>
<b>Otto Konrad:</b> Natürlich geht es um die Abschaffung<br />
des bestehenden Sozialsystems, Herr Schily. Und das ist ja auch<br />
gut so. Also ruhig etwas offensiver!
</p>
<p>
<b>Journalist:</b> Wie wollen sie die Qualität im<br />
System garantieren, ich höre immer von der FDP, dass man die<br />
Kosten senken will!
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Um die Kostensenkung geht es ja<br />
allen. Zurzeit geht es allerdings um Einnahmenerhöhung. Ein<br />
System kann nur immer etwas weniger von dem zurückgeben, was<br />
es einnimmt. Je größer die Bürokratien sind oder<br />
je höher die Verwaltungskosten, desto weniger wird zurückgegeben<br />
und so unübersichtlicher werden die Preise. Die überschaubare<br />
Organisation kann da viel wirtschaftlicher arbeiten, das beweisen<br />
viele Betriebskrankenkassen.
</p>
<p>
<b>Ottfried:</b> Aber ist es sozial, wenn sich die Gruppen,<br />
die geringere Risiken zu tragen haben, zu Gemeinschaften zusammenschließen,<br />
also wenig zahlen müssen? Die teuren Risikofaktoren werden<br />
dann natürlich nicht angenommen und müssen sich dann zu<br />
kostenintensiven Gemeinschaften zusammenschließen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ergänzend: Wo liegt die Berechtigung,<br />
dass sich Besserverdienende Privat versichern dürfen?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Da liegt überhaupt keine Berechtigung.<br />
Dadurch, dass die Systeme immer teurer wurden, hat man immer wieder<br />
neues Geld gesucht und hat deshalb die Versicherungspflichtgrenze<br />
ständig angehoben. Jetzt sind halt nur noch die 10 Prozent<br />
übrig. Im unteren Bereich der Einkommen haben die gesetzlichen<br />
Krankenversicherungen das Monopol. Eine private Krankenversicherung<br />
darf auf diesem Markt gar nicht konkurrieren. Damit schließen<br />
wir meines Erachtens das Finden einer möglichen besseren Lösung<br />
aus. Bei Öffnung der Märkte muss man natürlich dem<br />
so genannten Kontrahierungszwang einführen, d.h. die Krankenkasse<br />
darf nicht nur die &quot;Rosinen picken&quot;. Aber jede Versichertengemeinschaft<br />
geht sowieso immer von einer Mischkalkulation aus. Die Risikoverteilung<br />
gibt es auch bei den gegenwärtigen Krankenkassen. Ich sagte<br />
schon, dass dort etwa 50 Prozent Beamte versichert sind, auch aus<br />
niedrigsten Lohngruppen. Auch hier gibt es Großschadensfälle,<br />
wie man das versicherungstechnisch nennt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In den Niederlanden sind gesetzliche<br />
und private Kassen praktisch gleichgestellt. Ist das für Sie<br />
ein Modell? Bzw:
</p>
<p>
<b>Journalist:</b> Es ist keine Schande von anderen Ländern<br />
ab zugucken. Was wäre für Sie in Sachen Gesundheit ein<br />
Vorbild für Deutschland?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Ein wirklich übertragbares<br />
Modell kenne ich nicht, aber das mag auch an meiner Unbildung liegen.<br />
Beim holländischen System würde ich empfehlen, abzuwarten.<br />
Es ist zu neu, als dass man abschließend etwas sagen könnte.<br />
Auch fände ich es schön, wenn die Deutschen etwas entwickeln<br />
könnten, woran andere Länder sich orientieren könnten.
</p>
<p>
<b>Ausrufezeichen:</b> Betriebskrankenkassen sind doch<br />
nur deshalb so billig, weil sie viele junge Leute mit niedrigen<br />
Beiträgen locken. Und warum konkret sollen große Bürokratien<br />
ineffizient sein? Wenn es viele kleine gibt, wird doch nur vieles<br />
doppelt gemacht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einige Experten behaupten, die Verwaltungskosten<br />
bei den Privaten seien wesentlich höher als bei den Gesetzlichen.
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Es wird wahnsinnig viel behauptet<br />
und viel Staub aufgewirbelt. Denn schließlich stehen hohe<br />
Summen Geld und damit Interessen auf dem Spiel. In einer kleineren<br />
Versichertengemeinschaft kennt man die Einzelfälle und kann<br />
direkt entscheiden. Je größer die Systeme, desto größer<br />
die Versuchung, etwas &quot;mitzunehmen&quot;, d.h. bestimmte Rechte<br />
auszunutzen. Damit müssen Instanzen geschafft werden, die diese<br />
Missstände beseitigen sollen und so fügt sich Instanz<br />
um Instanz hinzu. Die heutigen Betriebskassen versichern nicht nur<br />
junge Gesunde, sondern eine ganze Belegschaft, auch die Ausgeschiedenen.<br />
Und damit haben sie wieder eine Normalverteilung der Risiken.
</p>
<p>
<b>Walser:</b> Wie stehen Sie dazu, die Pharmaindustrie<br />
stärker als bisher in die Pflicht zu nehmen?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Ich weiß nicht genau, wie<br />
die Frage gemeint ist. Die Pharmaindustrie hat das Interesse, Geld<br />
zu verdienen und dies eben mit Heilmitteln oder Hilfsmitteln. Inwieweit<br />
die Pharmaindustrie gerade in solchen riesigen Systemen, wie wir<br />
sie haben, Preise durchsetzen können, wie es ihnen unter mehr<br />
wettbewerblichen Bedingungen nicht möglich wäre, ist einer<br />
der Streitpunkte. Das jetzt von der Koalition verabschiedete Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz<br />
ist nicht nur als Wort ein Ungetüm, sondern es belastet den<br />
Arzt genau mit diesen Fragen. Und dies wieder in einer ganz hoch<br />
komplexen Art. Meines Erachtens wird dies nicht zur Kostenreduktion<br />
führen, auch nicht der Arzneimittel, sondern insgesamt ein<br />
Kostentreiber bleiben. Dazu kommt, dass die Regierungskoalition<br />
damit hofft, die Kosten für Arzneimittel um etwa eine Milliarde<br />
zu senken. Aber gleichzeitig durch die Erhöhung der Umsatzsteuer<br />
ab 2007 eine bereits jetzt berechenbare Verteuerung in diesem Bereich<br />
um 700 bis 800 Millionen bewirkt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorschlag von:
</p>
<p>
<b>Madmud:</b> Warum sollte die Pharmaindustrie nicht<br />
wie Ärzte auch mit Punkten bezahlt werden und dann entsprechend<br />
ein halbes Jahr später erst Geld bekommen &#8211; so könnte<br />
man die Pharmaausgaben effektiv deckeln.
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Schöner Vorschlag. Wenn sie<br />
die Situation der Ärzte aber auf die Pharmaindustrie übertragen<br />
wollen, müssen sie ein Stück weiter gehen. Die Ärzte<br />
wissen, dass sie später bezahlt werden. Sie wissen aber nicht,<br />
zu welchem Preis und ob zumindest zu einem Teil ihrer Leistungen<br />
eine Zahlung erfolgt. Jedes Pharmaunternehmen wird ihnen dann sagen:<br />
unter diesen Umständen kann ich nicht produzieren oder liefern.<br />
Insgesamt beleuchtet ihr Vorschlag aber sehr gut die Situation.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn der Wettbewerb so förderlich<br />
ist, würde sich aber doch bestimmt jemand finden, der es so<br />
billig macht oder nicht? In Deutschland kosten schließlich<br />
einige Medikamente deutlich mehr als in anderen Ländern?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Dieses Argument wird immer wiederholt<br />
und es trifft für sehr wenige Medikamente zu. Es sind ganz<br />
andere Faktoren, die hier preistreibend sind. Natürlich sucht<br />
ein Pharmaunternehmen einen hohen Umsatz zu einem günstigen<br />
Preis. Es wird sich also um Krankheiten kümmern, die weit verbreitet<br />
sind. Wir alle kennen Fälle, wo Medikamente weltweit gepusht<br />
wurden, wo ein Verdrängungswettbewerb stattfand, was sicher<br />
nicht zu einer Kostenreduktion beigetragen hat.
</p>
<p>
<b>jo_2:</b> Hallo Zusammen! Eine weit in die Zukunft<br />
gerichtete Frage: Werden uns die immer neuen Möglichkeiten<br />
der Medizin nicht automatisch eine Kostenexplosion erzeugen, wenn<br />
wir nicht ab einer Altersgrenze die Versorgungen abbauen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drastischer formuliert:
</p>
<p>
<b>Mhh: </b>Sind sie auch dafür, künstliche<br />
Gelenke u.ä. ab einem gewissen Alter nicht mehr oder nur auf<br />
eigene Kosten einzusetzen?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Ich denke, das ist nicht notwendig.<br />
Wir haben in den letzten hundert Jahren, eigentlich auch schon länger,<br />
eine gigantische technische Entwicklung hinter uns. Vor 120 Jahren<br />
lebten noch 30 Prozent unserer Bevölkerung vom Landbau. Wenn<br />
wir heute ein Auto kaufen, kaufen wir zu einem eigentlich immer<br />
noch geringen Preis um ein vielfaches mehr Auto als vor vielen Jahren.<br />
In der Medizin ist es wie in vielen anderen technischen Bereiche<br />
auch: Geräte können immer billiger werden. Auch der heutige<br />
Computertomograph ist um ein vielfaches leistungsfähiger als<br />
die ersten Prototypen und erheblich billiger. Insgesamt ist unsere<br />
Gesellschaft sehr viel wohlhabender geworden und wir alle werden<br />
älter und bleiben dabei jünger. Deswegen sind die Altersgrenzen<br />
kein Ausschlusskriterium für eine Behandlung, sofern diese<br />
eine Lebensqualität für weitere Lebensjahre ermöglicht.<br />
Also eine Prothese kann dazu führen, dass ich nicht gepflegt<br />
werden muss. Dies ist kostengünstiger und humaner.
</p>
<p>
<b>Otto Konrad:</b> Wie groß würde ihrer Meinung<br />
nach der Unterschied im Leistungskatalog bei höheren und niedrigeren<br />
Einkommensgruppen liegen, wenn das System privatisiert würde?<br />
Auf welche Leistungen müsste ein Wenig-Verdiener verzichten?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Der Sinn einer Versichertengemeinschaft<br />
ist immer die Abdeckung des eigentlichen Risikos, und das Risiko<br />
heißt Krankheit in unserem Fall. Dieses Risiko bleibt voll<br />
abgedeckt. Aber eine Versichertengemeinschaft, die kostenbewusst<br />
ist, wird sich fragen, was eine Krankenkasse heute zahlt, tatsächlich<br />
noch mit Krankheit zu tun hat. Oder ob die Krankenkasse selbst als<br />
Gesundheitsunternehmer, z.B. mit einer Rückenschule, auftreten<br />
muss. Deswegen plädiere ich nicht dafür, alle Krankheiten<br />
aufzuzählen und einem Katalog zu erfassen &#8211; das ist letztlich<br />
gar nicht möglich &#8211; sondern einfach von Krankheit zu sprechen<br />
oder Behinderung. Beides sind klare und umfassende Definitionen.<br />
Zurück zur Frage: Diese müssen abgesichert sein &#8211; in jedem<br />
System.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Die FDP plädiert für eine<br />
Beschränkung der Leistungen der gesetzlichen Kassen auf das<br />
„unbedingt Notwendige“. So sagt das jedenfalls ihr Kollege<br />
Daniel Bahr. Stimmen Sie dem zu?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Ja, weil Herr Bahr mit dem unbedingt<br />
Notwendigen die Krankheiten meint. Es gibt aber eine Reihe von so<br />
genannten versicherungsfremden Leistungen die man oder die Regierung,<br />
den Versicherten untergeschoben haben, und da muss man genau hinschauen.
</p>
<p>
<b>Walser:</b> Sollten Risikogruppen, wie beispielsweise<br />
Fallschirmspringer, Raucher etc. ihr erhöhtes Risiko auch finanziell<br />
übernehmen? Was ist mit denen, die nichts für ein höheres<br />
(genetisch bedingtes) Risiko können?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Danke für die Frage. Diejenigen,<br />
die mit einem Krankheitsschicksal leben müssen, sind krank.<br />
Es liegt nicht in ihrer freien Willensbestimmung. Sie sind ja, durch<br />
Schicksal oder Vererbung, eben krank. Ob ich rauche oder Fallschirm<br />
springe oder ob ich meine Hände besonders versichere, weil<br />
ich Pianist bin, ist meine freie Willensbestimmung und hier sind<br />
auch besondere Aufschläge denkbar. Viele schließen ja<br />
mit dem Abschluss ihrer Urlaubsreise auch eine Versicherung ab über<br />
Rückholung im Krankheitsfall.
</p>
<p>
<b>Herdecker1980:</b> Guten Tag Herr Schily, wissen Sie<br />
schon etwas über die gestern beschlossenen Eckpunkte der Gesundheitsreform?<br />
Ich frage ganz speziell im Bezug auf die Private Krankenversicherung<br />
&#8211; bleibt diese erhalten, fallen die Versicherungspflichtgrenzen<br />
oder wird sich jeder gesetzlich versichern müssen?
</p>
<p>
<b>Konrad Schily:</b> Genaues weiß ich nicht. Eins<br />
wissen wir alle: Frau Merkel hat es gesagt: es wird alles teurer<br />
werden. Ich hoffe nur, dass die Regierung auch selber weiß,<br />
was sie beschlossen hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war es schon wieder. Eine Stunde<br />
tagesschau-Chat ist vorbei. Vielen Dank, Herr Schily für den<br />
Chat. Vielen Dank an alle Chatter für Ihr Interesse. Noch ein<br />
Hinweis auf unseren nächsten Chat: Am kommenden Dienstag, 11.<br />
April, chatten wir voraussichtlich ab 13.30 Uhr mit unserem Rom-Korrespondenten<br />
Jörg Seisselberg, der mit Ihnen die Ergebnisse der Wahl in<br />
Italien aus der Sicht vor Ort diskutiert. Mal sehen, ob der höchst<br />
umstrittene italienische Ministerpräsident Berlusconi noch<br />
mal gewinnt. Das Protokoll dieses Chats gibt es in Kürze zum<br />
Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Das tagesschau-Chat-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
interaktiven Tag!
</p>
<p><b>Konrad Schily:</b> Der Gast schließt sich an.</p>
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