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	<title>Kontrollverlust &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Kontrollverlust &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#034;Bitte gönnen Sie sich diese Post!&#034; – Die digitale Presseschau KW 42</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Morgenroth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Oct 2013 16:41:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn Gewalt eskaliert, dann bietet das Internet für unbewaffnete und leicht verletzbare Menschen einen Weg, sich zu äußern und Einfluss [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Gewalt eskaliert, dann bietet das Internet für unbewaffnete und leicht verletzbare Menschen einen Weg, sich zu äußern und Einfluss zu nehmen. So erklärt Carina Pesch die sich ausbreitende Nutzung der Möglichkeiten des Internets unter syrischen, vor allem weiblichen, Oppositionellen. Derweil fordert Jörg Heiser von der zeitgenössischen Kunstszene, das Internet nicht nur zu nutzen, sondern auch zum Gegenstand zu nehmen. Ob Privatsphäre dabei noch eine Rolle spielen sollte, oder doch eher Post-Privacy, wird woanders heftig debattiert. Mit ordentlich Wut im Bauch macht ein Drehbuchautor einen konstruktiven Vorschlag zum Urheberrechtsstreit. Und Constanze Kurz und Frank Rieger wagen einen breiten und kritischen Blick auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeit und Alltag. In dem Video der Woche geht es schließlich um das EU-Datenschutzabkommen, das am Montag, dem 21.10. beschlossen werden soll.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=JkUZEn9oKZg&amp;hd=1" title="Rette deine Privatsphäre! - Stoppt den &quot;Lobby-Krieg&quot; gegen EU-Datenschutz!" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/JkUZEn9oKZg?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Rette deine Privatsphäre! &#8211; Privacy League/EUDataP<br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2013/10/wohin-im-krieg-friedensaktivisten-und-frauen-in-syrien-fluechten-ins-internet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">“Die Revolution ohne Internet kann ich mir nicht vorstellen. Aber die Revolution ist nicht nur im Internet.”</a></h3>
<p>Die Bedeutung von Social Media und Internet für die Aufstände im Nahen Osten und Nordafrika der letzten zwei Jahre ist kontrovers. Carina Pesch ist sich jedoch sicher, dass sie zumindest in Syrien jetzt „essentieller denn je“ seien. Auf Hyperland beschreibt sie, wie unbewaffnete Oppositionelle die Möglichkeiten des Internets ausnutzen, um der fortwährenden Eskalation von Gewalt zu entkommen oder ihr sogar etwas entgegenzusetzen. Gerade Frauen, die anfangs stark bei den Protesten mitwirkten, seien durch männliche Gewalt und fehlende Anerkennung von den Straßen und aus der medialen Berichterstattung verdrängt worden. Das Internet böte nun viel genutzte Möglichkeiten, weiterhin aktiv und öffentlich zu bleiben, wie das <a href="http://nfsjworkshop.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzwerk Syrischer Journalistinnen</a> oder das Online-Kunstprojekt <a href="http://www.creativememory.org/?lang=en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„The Creative Memory of the Syrian Revolution“</a> zeigen.<br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/urheberrecht-verschenkt-meine-filme-1.1794040" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sie wollen nicht kaufen? Schenkt&#8217;s ihnen!</a></h3>
<p>Im Internet floriert der illegale Filmmarkt, die großen Vermarktungsgesellschaften sind allerdings nicht die Hauptleidtragenden. Fred Breinersdorf, Jurist und Drehbuchautor von mehreren Tatorten sowie von „Sophie Scholl“, will nun eine „radikale neue“ Lösung, die sowohl Urhebern ihre Rechte und Einnahmen sichert, als auch die „schützenswerten Interessen“ der Öffentlichkeit beachtet. In einem detaillierten Beitrag auf süddeutsche.de schlägt er vor, Filme im Internet per Zwangslizenz zu verschenken. So sollten Seitenbetreiber Filme frei im Internet bereitstellen können, jedoch unter der Bedingung, dass sie die Urheber an den Einnahmen durch Werbung oder anderes beteiligen. Davon erhofft Breinersdorf sich nicht nur ein Ende des Missbrauchs seiner Rechte, sondern auch die Chance auf eine Vielzahl von Online-Programmkinos.<br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://www.carta.info/65492/zwei-sichtweisen-die-post-privacy-falle/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Privatsphäre ist tot. Es lebe die Privatsphäre!</a></h3>
<p>Post-Privacy sagen die einen. Privatsphäre ist alles, worum es geht, sagen die anderen. Für Michael Seemann ist die Zeit gekommen, in der Datenschutz zur Illusion wird. Eine Antwort auf NSA und den gläsernen Bürger ist nur die Flucht nach vorne zur totalen Transparenz. Denn, so <a href="http://www.carta.info/65473/zwei-sichtweisen-macht-privilegien-und-privatsphare/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Seemann auf Carta</a>, Kontrollverlust betrifft alle und die Mächtigen haben mehr zu verlieren. John F. Nebel stimmt der Diagnose des Kontrollverlusts auf <a href="http://www.metronaut.de/2013/10/privatsphaere-z/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">metronaut.de</a> zu, sieht jedoch das Problem des durch Herrschaft produzierten informationellen Vorsprungs: „Die Mächtigen lesen Deine Akte, Du nicht ihre“. Das sieht auch <a href="http://www.carta.info/65492/zwei-sichtweisen-die-post-privacy-falle/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thomas Stadler</a> so und fordert Privatsphäre als einzige Waffe gegen staatliche Überwachung ein. Er will den maximal transparenten Staat mit größtmöglich intransparenten Bürgern. Die Debatte ist sicher nicht zu Ende.<br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/e-mail-ueberwachung-im-alltag-sehr-uebles-verhalten-1.1793066" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bitte gönnen Sie sich diese Post!</a></h3>
<p>Derweil holt Bernd Graff die theoretische Debatte um Privatsphäre auf den praktischen Boden der digitalen Selbstverteidigung zurück. In dem Blog „Keep me covered!“ auf süddeutsche.de erklärt er, verständlich für Laien und analog-veranlagte Menschen, wie die Datensammlung bzw. Überwachung über E-Mails funktioniert. Wie einfach es ist, über E-Mails Informationen über die Empfänger zu erhalten, und dass auch gerade Unternehmen dies tatkräftig ausnutzen, nimmt der Autor dann zum Anlass, um einfach durchführbare Gegenstrategien aufzuzeigen. Um den Lesern die Tragweite zu verdeutlichen, empfiehlt er Seiten wie <a href="https://emailprivacytester.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">emailprivacytester.com</a>, mithilfe derer man sich selber probeweise „überwachen“ kann. Sein Fazit: „Bitte gönnen Sie sich diese Post!“<br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/nsa-affaere-in-der-kunst-das-schweigen-der-vernetzungsjunkies-12619171.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kunst ohne Hammer</a></h3>
<p>Bei der Bundestagswahl waren die Themen Überwachung und Netzpolitik weitestgehend zur Bedeutungslosigkeit verdammt, während Politiker fröhlich über Twitter zwitscherten und per Facebook ihre Basis mobilisierten. Ähnliches attestiert Jörg Heiser der zeitgenössischen Kunstszene, welche stark von der digitalen Vernetzung und dem Informationsreichtum des Internet profitiere, jedoch keinen Pinselstrich zur NSA und dem gläsernen Bürger verliere. Auf faz.net plädiert er für eine Beschäftigung der Kunstszene mit diesen abstrakten Themen, um Digitalisierung, Überwachung, Vernetzung und Kontrollverlust erfahrbar zu machen. Als positive Beispiele nennt der Autor schließlich ein paar Projekte, denen noch diese <a href="http://www.ctrl-verlust.net/zkmb-de-kontrollverlust-und-kunst-ein-werksbericht/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beschreibung von Kunstprojekten</a> von Michael Seemann hinzugefügt werden kann.<br />
&nbsp;</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/automatisierung-des-denkens-die-freisetzung-12615442.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalisierung zwischen Utopie und Dystopie</a></h3>
<p>Was passiert mit der Gesellschaft, wenn Maschinen und Algorithmen immer bedeutender für ihr Funktionieren werden? Constanze Kurz und Frank Rieger wagen einen großen Blick auf die digitale Gesellschaft auf faz.net. Sie fragen nach den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Revolution der Informationstechnologie und setzen bei der Arbeit an. In ihrer kurzen Analyse fallen sie keinem technologischen Determinismus anheim, sondern fragen nach den Mechanismen in der Gesellschaft, in welchen die neuen Technologien eingebettet werden. Was bedeutet Digitalisierung des Alltags und der Arbeitswelt, wenn sie mit Kommerzialisierung einhergeht, Daten privatisiert werden und sich Kapital konzentriert? Auch wenn die Autoren eine eindeutige Antwort schuldig bleiben, so betonen sie doch, dass viel politische Gestaltung im Gegensatz zum Vertrauen auf Marktmechanismen notwendig ist, um nicht in eine „hässliche Dystopie“ zu rutschen.<br />
&nbsp;<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a></p>
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		<title>Michael Seemann &#8211; Im Herzen der digitalen Boheme</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexa Schaegner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 09:08:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sein Beruf: Blogger, Journalist, Redner, Denker, vielleicht sogar digitaler Philosoph. Michael Seemann lebt vom und im Netz und ist Teil [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/michael-seemann-im-herzen-der-digitalen-boheme/seaman-final/" rel="attachment wp-att-127828"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-127828" title="CC-BY-SA  Alexa Schaegner,  politik-digital" alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Seaman-final.jpg" width="616" height="357" /></a>Sein Beruf: Blogger, Journalist, Redner, Denker, vielleicht sogar digitaler Philosoph. Michael Seemann lebt vom und im Netz und ist Teil einer Community, die sich von vielen Selbstverständlichkeiten verabschiedet hat: von einer klassischen Erwerbsarbeit, von finanzieller Sicherheit und dem Schutz der eigenen Privatsphäre. Porträt eines digitalen Bohemien.<br />
Sich mit Michael Seemann zu verabreden ist nicht schwierig. Das liegt zum einen daran, dass er nicht wie ein Großteil der Welt unter chronischem Zeitmangel leidet. Zum anderen weiß man dank einer Location App und einer Karte auf seinem Blog aber auch immer genau, wo er sich gerade aufhält. Seemann findet es praktisch, dass Leute jederzeit bei ihm zuhause (oder wo auch immer er sich gerade befindet) vorbeikommen und ihm Gesellschaft leisten können. Wen das jetzt bereits irritiert, muss beim Weiterlesen mit weiterem Unbehagen rechnen, denn Michael Seemann macht sich nicht viel aus Privatsphäre und Datenschutz.</p>
<h3>Der Internethype und die Selbstfindungsphase</h3>
<p>Ende der 1990er Jahre, zu Beginn des Internethypes und der „New Economy“, in der Informationen erstmals wichtiger wurden als materielle Güter, war Michael Seemann zunächst nur technikaffiner Kulturwissenschaftler. Nach seinem Studienabschluss an der Universität Lüneburg arbeitete er anfänglich als Programmierer in Hamburg. Zum Bloggen kam er 2005 durch seine ehemalige Freundin, die ihre anstehende Weltreise online dokumentieren wollte. Um eine Alternative zu den bereits altmodisch gewordenen „Rundmails“ zu finden, erstellte Seemann ihr ein Blog und richtete sich bei der Gelegenheit gleich sein erstes eigenes ein.<br />
Dass er damit bereits den Weg für seine berufliche Zukunft ebnete, war dem gebürtigen Wolfsburger damals aber noch nicht sofort klar. Nach dem Studium begann für den heute 35-Jährigen nämlich zunächst eine Phase der Selbstfindung, in der er sich die klassischen Zukunftsfragen stellte: „Was mache ich jetzt, was will ich eigentlich werden?“. Über viele Berufsoptionen dachte er damals nach, um sie alle wieder zu verwerfen, weil sie ihm zu eng und eingeschränkt erschienen. Zur selben Zeit veröffentlichte ein gewisser Sascha Lobo gemeinsam mit Holm Friebe das Buch „Wir nennen es Arbeit“, eine kritische Bestandsaufnahme klassischer Arbeitsverhältnisse und eines sich neu herausbildenden Milieus, das sie als „Digitale Boheme“ bezeichneten. Wer Teil dieser Welt ist, lebt in thematisch selbstbestimmten, digitalen Arbeitsverhältnissen jenseits von Festanstellung und geregeltem Arbeitsalltag. Ein Lebensentwurf, der Michael Seemann inspirierte: „Es war tatsächlich so, dass mir das Buch damals eine Idee davon gegeben hat, wie ich leben möchte“.</p>
<h3>Der Kontrollverlust-Freak</h3>
<p>Seit dem Umzug nach Berlin 2008 und einem kurzen Intermezzo als Blogger bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwei Jahre später, das im Streit um Bildlizenzen endete, ist Seemann nun freier Blogger, Journalist, Berater, Aktivist, Meinungsmacher und vor allem Teil der „Digitalen Boheme“.<br />
Und davon kann man leben? Michael Seemann kann es offensichtlich. Geld verdient er unter anderem mit seinem Blog <a href="http://mspr0.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mspr0</a> über Flattr, einem Bezahlsystem nach Belohnungsprinzip. Wem Inhalte gefallen, der kann mit sogenannten Mikrospenden die jeweiligen Produzenten unterstützen. Den größten Teil seiner finanziellen Einnahmen erzielt Seemann aber durch öffentliche Vorträge, <span style="color: #000080"><a href="http://11.re-publica.de//blog/panel/twitterlesung/">Twitterlesungen</a> </span>oder journalistische Artikel und andere Publikationen.<br />
Die Themen, mit denen er sich beschäftigt: Datenschutz, Post- Privacy, Plattformneutralität, Urheberrecht und Informationshoheiten von Medien und Politik. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Theorie über den „Kontrollverlust“, über die er unter „<span style="color: #000080"><a href="http://www.ctrl-verlust.net/">ctrl-verlust</a>&#8221; </span>bloggt. Die Etablierung des Internets und dessen unaufhörliche Datenproduktion gehen für Seemann zwangsläufig mit einem Verlust von Kontrolle der eigenen Daten einher. Diesem unvermeidlichen Prozess entgegnet er mit der sprichwörtlichen „Flucht nach vorne“, der Forderung nach Transparenz und prinzipieller Offenlegung von Daten.<br />
Dazu zählen auch seine persönlichen Daten. So lebt Seemann frei nach der Handlungsmaxime „Ich kann keine Kontrolle über Dinge verlieren, über die ich keine Kontrolle habe“. Als Anhänger der Post-Privacy- Bewegung, für die Privatsphäre in der digitalen Welt immer weniger realisierbar wird, lässt er sich eben nicht nur virtuell „verfolgen“, sondern <span style="color: #000080"><a href="https://twitter.com/mspro">twittert</a> </span>zum Beispiel auch jährlich seine Steuererklärung. Das erklärt er mit einer solchen Selbstverständlichkeit, der jegliche Koketterie abgeht, dass man sich zu fragen beginnt, was denn eigentlich dagegen sprechen soll, die eigenen finanziellen Verhältnisse vor aller Welt offen zu legen. Auch der Technik-Enthusiasmus für die Location-Apps <span style="color: #000080"><a href="https://de.foursquare.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Foursquare</a> </span>und Google <a href="http://www.google.de/intl/de_at/mobile/latitude/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Latitude</a>, die Seemann im Übrigen anfangs gruselig fand, wirkt ansteckend. Grund dafür ist wohl die Glaubwürdigkeit, die Seemann ausstrahlt, weil er Ideengeber, und Versuchskaninchen für die eigenen Theorien zugleich ist. Er versucht das umzusetzen, worüber er schreibt und spricht. Auf die Frage, ob er sich denn auch selbst als Aktivist für seine Überzeugungen verstehe, antwortet er mit einem Schmunzeln: „ Ich verstehe mich schon auch als Aktivist, aber ich arbeite eben nicht besonders gerne“.<br />
Dass es Menschen gibt, die sich an solchen Aussagen aufreiben und diese Lebenseinstellung naiv finden, damit kann Michael Seemann leben. Wer weiß, insgeheim beneiden ihn vielleicht auch einige seiner Kritiker ein wenig.</p>
<h3> Die Kunst der Ignoranz</h3>
<p>Seemann selbst ist nicht immun gegen Kritik, sieht das Ganze aber eher gelassen. Er habe zwar schon ordentliche Shitstorms einstecken müssen, das sei aber in letzter Zeit weniger geworden und stresse ihn auch nicht so sehr wie andere Menschen. Auch von einer Überforderung durch Kommunikationsdruck in sozialen Netzwerken spürt er wenig. Den Twitter-Rückzug des Piraten Christopher Lauer könne er zwar verstehen, denn er habe auch in etwa so viele Follower wie Lauer sie hatte, doch stehe er ja nicht so sehr unter öffentlichem Druck wie ein Politiker. Zudem hält Seemann die Kunst des Ignorierens von nicht konstruktiver Kritik für eine der wichtigsten Kulturtechniken der heutigen Zeit. Kann man eigentlich überhaupt jemanden kritisieren, der alles von sich preis gibt und sich mit dem eigenen Kontrollverlust abgefunden hat?<br />
Und was ist, wenn Kritiker versuchen, ihn in eine Schublade zu stecken? Michael Seemann polarisiert gerne, und wenn die einen ihn als „Kommunisten“ und die anderen als „Neoliberalen“ bezeichnen, ist das für ihn nicht unbedingt ein Widerspruch und erst recht kein Grund, sich klar zu positionieren. „Ein bisschen stimmt ja auch beides“, meint er und lacht. Am wohlsten fühle er sich sowieso „zwischen den Stühlen“.<br />
Neuerdings ist Seemann übrigens auch unter die Koch-Blogger gegangen. Nudeln mit mspr0 ist Seemanns erstes Videoformat, in dem es „um Nudeln und bescheuerte Gespräche“ geht. Noch weiß er nicht, ob das anfänglich als „Gag“ gedachte Format sich auf Dauer tragen wird.<br />
Es bleibt zu hoffen, dass es sich hierbei nicht um eine Eintagsfliege handelt, denn der Kochblog ist wie das Treffen mit Michael Seemann: „ eine Sozialstudie aus dem Herzen der digitalen Boheme“.<br />
Bild:  Alexa Schaegner, politik-digital.de</p>
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