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	<title>Köpfe &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Köpfe &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Mayte Peters: &#8220;Das politische Interesse liegt auf der Straße&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Mar 2012 11:57:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schon während ihres Studiums wollte sich Mayte Peters mit politischer Agonie und Parteienverdrossenheit nicht einfach abfinden und hob ein eigenes [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/?attachment_id=13173"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-13173" title="Peters_305x149" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Peters_305x149.jpg" alt="Mayte Peters" width="305" height="149" /></a>Schon während ihres Studiums wollte sich Mayte Peters mit politischer Agonie und Parteienverdrossenheit nicht einfach abfinden und hob ein eigenes Informations- und Beteiligungsportal aus der Taufe. Wenige Wochen vor dem Start sprach die  Staatswissenschaftlerin mit politik-digital.de über das Potenzial von „Publixphere“ und die Zukunft digitaler Bürgerbeteiligung.</p>
<p>Eine Ideenschmiede für ein zukunftsträchtiges Online-Beteiligungsformat erwartet der Besucher im Berliner Villenvorort Dahlem zunächst nicht. Zwischen großbürgerlichen Wohnhäusern, Parkanlagen und Hochschulgebäuden verschiedenster Epochen, mitten auf dem Campus der Freien Universität, arbeitet Mayte Peters. Auch in dem Dachgeschosszimmer der Juristischen Fakultät deutet bis auf einen Laptop und ein Telefon zunächst wenig auf ihre Mission hin. Der Arbeitsplatz der gebürtigen Hamburgerin sieht so ganz anders aus als die Kreativlabore von Google oder die Fabriketagen digitaler Start-Ups in Mitte oder Kreuzberg. Ein karges Büro mit zwei Stühlen. Hochschulalltag eben, denkt man.</p>
<p>Der unbewusst aufkeimende Gedanke an eine Sprechstunde verfliegt schlagartig, als Mayte Peters beginnt, über ihr Projekt „Publixphere“ zu erzählen. Voller Elan und ansteckender Begeisterung, in druckreifen Sätzen spricht Peters über ihre ersten eigenen Erfahrungen mit politisch relevanten Entscheidungen. Ihr persönlicher „Klick-Moment“ sei die Erkenntnis gewesen, nach einer Schulzeit im Ausland nicht ohne weiteres in Deutschland studieren zu können. Sie entschied sich für Staatswissenschaft, eine Fächerkombination aus Jura, VWL und Politikwissenschaft. Nach dem Studium im schweizerischen St. Gallen und der Promotion entstand so der Wunsch, einen Beitrag zur Überwindung von Parteien- und Politikverdrossenheit zu leisten. „Ich hatte mir immer etwas gewünscht, woran ich politisch teilhaben kann, ohne an einen Ort gebunden zu sein“. Diesen Wunsch setzt die 30-Jährige nun selbst in die Praxis um.</p>
<h3>Redaktionell-betreute Online-Debatte in den Startlöchern</h3>
<p>Auf der Plattform „Publixphere“, die bereits in einer Beta-Version existiert und ab Mai <a title="Publixphere" href="http://publixphere.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">öffentlich</a> verfügbar sein wird, sollen Diskussionsthemen nicht vorgegeben, sondern vor allem von den Nutzern selbst vorgeschlagen und „niedrigschwellig“ diskutiert werden können. Unterstützt wird die Initiatorin und Projektleiterin Peters durch den jüngst gegründeten Verein Publixphere, e.V. Eine Redaktion soll die eingegangenen Vorschläge zudem künftig aufbereiten und betreuen. Kooperationen mit Medienhäusern und Zeitungsverlagen sind angestrebt, gerade auch, um die Nutzung von Online-Publikationen rechtlich abzusichern.</p>
<p>Denn Medienberichte sollen die Grundlage für Diskussionen auf „Publixphere“ sein, sie sollen von den Nutzern nach Relevanz bewertet werden und der Anlass dafür sein, dass sich „ein Diskussionsfaden entspinnt“, wie Peters es ausdrückt. Über etwaige Fallstricke beim Aufbau einer solchen Plattform scheinen sich die Macher von „Publixphere“ durchaus bewusst zu sein, gebe es doch gerade in den Foren etablierter Online-Medien „Diskussionen, in denen es schnell persönlich wird“. Ein langer Weg also, auf dem das Team seit dem vergangenen Jahr aber schon ein ganzes Stück vorangekommen ist.</p>
<p>Neben der Projektleiterin zählen zu diesem Team unter anderem Journalisten, Wissenschaftler und Doktoranden. „Mir war von Anfang an wichtig, dass ich da nicht nur sieben Freunde frage, ob sie mit mir einen Verein gründen wollen“, sagt Mayte Peters, die auf Unterstützung angewiesen ist. Denn die Suche nach Multiplikatoren aus der Medienbranche und Trägern der politischen Bildungsarbeit dauert noch an. Nach einer Anschubfinanzierung durch einen privaten Unterstützer, dank derer die Universität Räumlichkeiten und Infrastruktur zur Verfügung stellen kann, muss das Projekt irgendwann auf eigenen Beinen stehen. Bis dahin ist man von Spenden abhängig. Das Politmagazin <a title="Online-Ausgabe des &quot;Cicero&quot;" href="http://www.cicero.de/">„Cicero“</a> habe man bereits als journalistischen Kooperationspartner gewinnen können, ebenso wie das <a title="&quot;Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland&quot;" href="http://www.europaeische-bewegung.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland“</a> als inhaltlichen Kooperationspartner.</p>
<p>Mayte Peters weiß, wie öffentliche Meinungsbildung funktioniert, geholfen haben dabei auch ihre Erfahrungen als Praktikantin in einer Unternehmensberatung, beim Fernsehen, in einer Bank und ihre Arbeit für die Kulturinitiative &#8220;Ruhr.2010&#8221;. Diese Stationen waren wichtig, um den persönlichen Horizont zu erweitern und auch Perspektiven außerhalb der Hochschule kennenzulernen.</p>
<p>Zielgruppe der bislang privat finanzierten Online-Plattform sind junge Erwachsene. Als großen Vorteil ihrer Idee sieht Peters generell das Vertrauensverhältnis an, das eine parteiunabhängige Plattform garantieren kann. Vor allem in Abgrenzung zu existierenden parteipolitischen Online-Partizipationsformaten. „Publixphere“ wolle bei der Ausbildung politischer Meinung ganz bewusst als „anderer Akteur“ auftreten. Die Unabhängigkeit und Nicht-Korrumpierbarkeit liegen der Initiatorin dabei besonders am Herzen. Die Tatsache, dass „Publixphere“ von der Grundanlage her einiges mit bestehenden Online-Partizipationsplattformen gemein habe, ficht Mayte Peters dabei gar nicht an. Mit Blick auf Software wie <a title="Adhocracy" href="http://wiki.liqd.net/Adhocracy" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Adhocracy“</a> bezeichnet sie ihre Idee aber als „komplementär“. Das Projekt werde, da ist sie sich sicher und betont es mehrmals, Erfolg haben, solange es unabhängig bleibt.</p>
<h3>Die Universität als Unterstützung im Rücken</h3>
<p>Unabhängig ist die Projektleiterin schon allein durch ihr Arbeitsumfeld. Und der Arbeitsplatz an der Universität ist, das wird im Laufe des Gesprächs klar, mit Bedacht gewählt. Mayte Peters promovierte im Anschluss an ihr Studium über das Problem demokratischer Legitimation in der Europäischen Union. Bereits in diesem Zusammenhang habe sie immer wieder Kontakt zu dem Rechtswissenschaftler <a title="Lehrstuhl Calliess" href="http://www.jura.fu-berlin.de/einrichtungen/we3/professoren/ls_calliess/jeanmonnetchair/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christian Calliess</a>, Inhaber des Jean-Monnet-Lehrstuhls am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin, gehabt. Calliess fördert das inzwischen an seinem Lehrstuhl angesiedelte Projekt.</p>
<p>„Großartig“ sei diese Unterstützung durch das universitäre Umfeld, wichtig der intellektuelle Austausch zum Thema, so Peters. Mitarbeiter des Lehrstuhls sind zudem im Trägerverein engagiert, und eine Lehrveranstaltung zu den Zielen von „Publixphere“ und den Herausforderungen politischer Partizipation schließt sie für die Zukunft nicht aus. Auch außerhalb der akademischen Welt will sie sich jedoch für gesellschaftlich relevante Anliegen wie die Stärkung politischen Engagements einsetzen.</p>
<h3>Engagiert &#8211; auch in der analogen Welt</h3>
<p>Die Beteiligung an und die Einmischung in gesellschaftliche Prozessen liegt Mayte Peters, die sich mit keiner parteipolitischen Strömung identifizieren mag, auch in der analogen Welt am Herzen, und so engagiert sie sich außerdem im Berliner Komitee von <a title="&quot;Human Rights Watch&quot;" href="http://www.hrw.org/de/home" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Human Rights Watch“</a>. Gerade erst ist sie von der Initiative „Deutschland. Land der Ideen“ als eine von <a title="&quot;100 Frauen von morgen&quot;" href="http://www.land-der-ideen.de/100-frauen-von-morgen/100-frauen-von-morgen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„100 Frauen von morgen“</a> gewürdigt worden. Auf die Auszeichnung angesprochen, muss Peters zunächst schmunzeln. Sie sei selbst sehr überrascht über den Anruf gewesen.</p>
<p>Die Auszeichnung bezog sich neben ihrem Engagement für Bürgerbeteiligung und Europapolitik auf das Bekanntwerden ihres Einsatzes für das Projekt „Publixphere“. Für Themen wie Europäische Integration und Bürgerbeteiligung habe sie sich auch in der Vergangenheit immer schon eingesetzt. Dass sich Mayte Peters über die Auszeichnung tatsächlich um der Sache willen gefreut hat, glaubt man ihr am Ende des Gesprächs gerne.</p>
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		<title>Björn Böhning: „Netzpolitik als Gesellschaftspolitik verstehen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 10:50:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Abgeordnetenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Björn Böhning]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning ist unter anderem für das Thema Netzpolitik zuständig. Mit den Veränderungsprozessen durch das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_11912" aria-describedby="caption-attachment-11912" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/netzpolitik-als-gesellschaftspolitik-verstehen/boehning-kl/" rel="attachment wp-att-11939"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-11939" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/boehning-kl.png" alt="Björn Böhning" width="305" height="232" /></a><figcaption id="caption-attachment-11912" class="wp-caption-text">© Senatskanzlei Berlin</figcaption></figure>
<p><strong>Der Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning ist unter anderem für das Thema Netzpolitik zuständig. Mit den Veränderungsprozessen durch das Internet ist er als netzpolitischer Sprecher der SPD jedoch bereits länger vertraut. Im Gespräch mit politik-digital.de nimmt Böhning Stellung zu seiner persönlichen Motivation und der netzpolitischen Herausforderung durch andere Parteien.</strong></p>
<p>Durch lange Gänge und über schrittdämpfende Teppichböden geht es zum Chef der Berliner Senatskanzlei. Schwere Türen, hinter denen man beim Betreten des Berliner Rathauses so gar nicht den Arbeitsplatz eines Politikers vermutet, dem die „taz“ schon mal das Etikett „Typ Sportjackenträger“ anheftete. Das geräumige Büro sieht dann auch eher nach Verwaltungsalltag und politischer Verantwortung aus. Akten und Zeitungen auf dem Schreibtisch, dazu ein Besprechungstisch in der Mitte des Raumes und ein stummes Fernsehbild im Hintergrund. Der Bundespräsident wird gleich zurücktreten. Das Rednerpult im Schloss Bellevue ist aber noch verwaist und so nimmt Björn Böhning sich Zeit.</p>
<h3>Initialzündung #Zensursula</h3>
<p>Mit norddeutsch-unaufgeregtem Zungenschlag erzählt der in Lübeck aufgewachsene SPD-Politiker, der vor seinen Aufgaben in der Berliner Landesverwaltung bereits von 2004 bis 2007 Bundesvorsitzender der Jusos war, von seiner  politischen Sozialisation und dem Aufwachsen im und mit dem Internet. Während „frühere Juso-Generationen“ sich stets physisch hätten treffen müssen, war die digitale Kommunikation in seiner Zeit an der Spitze des Verbandes bereits gang und gäbe. Schon damals stand unter anderem das Thema Vorratsdatenspeicherung für die Jusos auf der Tagesordnung. Die politischen Herzensanliegen des Politikwissenschaftlers waren jedoch zunächst Sozialstaats- und Beschäftigungspolitik. Und auch seine Arbeit im Grundsatz- und Planungsreferat von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, wo er vor seiner Ernennung zum Staatssekretär tätig war, hatte keinen explizit netzpolitischen Schwerpunkt.</p>
<p>Ausschlaggebend für das eigene netzpolitische Engagement sei für ihn wie bei vielen anderen der „C64-Generation“ die im Sommer 2009 aufkeimende Diskussion rund um das kontroverse Thema Netzsperren gewesen. Seine Partei, zur damaligen Zeit mitten in den Vorbereitungen eines ohnehin nicht einfachen Bundestagswahlkampfes, hatte die von der christdemokratischen Familienministerin Ursula von der Leyen initiierten Regelungen in der Großen Koalition auf Bundesebene mitzutragen. Er selbst hat damals auf einem Bundesparteitag in der Schlussphase der Großen Koalition einen Antrag gegen Netzsperren eingebracht, der in der eigenen Partei „nicht vorgesehen war“.</p>
<p>Gerade außerhalb der Sozialdemokratie, deren Mitglied der 33-Jährige seit 1994 ist, sei dieses Engagement auf positive Resonanz gestoßen und so blieb Björn Böhning an dem Thema dran. Mit Alexander Görlach, dem Herausgeber des Debattenmagazins „The European“, hat er im vergangenen Sommer <a title="&quot;Freiheit oder Anarchie&quot;" href="http://www.vorwaertsbuchverlag.de/buecher/freiheit-oder-anarchie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Freiheit oder Anarchie“</a>, einen Band zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen durch das Internet veröffentlicht. Eine Streitschrift, deren Spannung vor allem in den so unterschiedlichen &#8211; und paradoxerweise zugleich wieder ähnlichen &#8211; Analysen des konservativen Publizisten Görlach und des prominenten Parteilinken liegt. Vor Terminen zum Thema Netzpolitik jedenfalls könne er sich, wie er inzwischen sagt, „nicht retten“.</p>
<h3>Von der technikzentrierten Netzpolitik zur gesellschaftlichen Debatte</h3>
<p><strong></strong>Was denn einen „Netzpolitiker“ charakterisiere? Auf diese Frage kann auch der ansonsten begriffssicher und präzise formulierende Polit-Profi auf Anhieb keine abschließende Antwort, sondern allenfalls Anhaltspunkte, geben. Als Sozialdemokrat wolle er jedenfalls „weg von einer doch sehr technikzentrierten Netzpolitik“ und dieses Feld zukünftig als „Gesellschaftspolitik“ verstanden wissen. Es gehe hierbei unter anderem um verantwortungsvolles Nutzungsverhalten, Medienkompetenz und die Frage der Bildung im Internetzeitalter. Dass er gerade an den letztgenannten Punkten nicht nur aufgrund seiner politischen Verantwortung, sondern auch im Privaten ein besonderes Interesse haben wird, nimmt man Böhning, der vor einigen Wochen zum ersten Mal Vater geworden ist, ohne weiteres ab.</p>
<p class="smarterwiki-linkify">Eng mit diesem Verständnis von Netzpolitik als umfassende Gesellschaftspolitik hängt auch die Mitgliedschaft im <a title="D64 - Zentrum für digitalen Fortschritt" href="http://d-64.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verein „D64“</a> zusammen. Dieser prominent besetzte Think Tank, zu dessen weiteren Gründungsmitgliedern unter anderem der Hamburger Blogger und Social Media-Experte Nico Lumma oder Mario Sixtus zählen, setze „nicht allein auf Bürgerrechtspolitik“, sondern wolle den Prozess der Digitalisierung ebenfalls umfassend begreifen. Damit grenzt der Verein sich ganz bewusst von anderen Berliner Think Tank-Gründungen der jüngeren Vergangenheit ab, mit denen sich die D64-Macher aber austauschen und selbstverständlich ein kooperatives Verhältnis pflegen. Natürlich habe man, dies ist Böhning wichtig, bei der Gründung des Vereins auch auf Unterstützung parteiferner Netzaktivisten, Wissenschaftler, Unternehmer und Blogger gesetzt, gleichwohl leugnen die Vereinsgründer ihre Nähe zur SPD nicht.<strong></strong></p>
<h3 class="smarterwiki-linkify"><strong></strong>Die SPD und das Internet: „Kultureller Wandel dauert länger als ein Beschluss&#8221;</h3>
<p class="smarterwiki-linkify">Wie geht eine bald 150 Jahre alte <a title="SPD" href="http://www.spd.de/aktuelles/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Partei</a> mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung um? Knapp zweieinhalb Jahre nach seinem ersten Parteitagsauftritt zum Thema Netzpolitik sei „die Sensibilität beim Thema auf allen Ebenen da“, so Björn Böhnings Fazit des vergangenen Berliner Parteitages. Unter breiter Beteiligung von Internet-Nutzern sei beispielsweise im letzten Jahr ein einstimmig verabschiedeter <a title="Leitantrag zum Thema Netzpolitik" href="http://spd-netzpolitik.de/berlin/leitantrag-freiheit-gerechtigkeit-solidaritaet-digitalen-gesellschaft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leitantrag</a> zur sozialdemokratischen Netzpolitik erarbeitet und diskutiert worden. „Einmalig“ sei, und hier schwingt merklich Stolz mit, dieser Prozess in der Geschichte der deutschen Parteienlandschaft und ein „Erfolg“ der Arbeit der inzwischen zahlreichen sozialdemokratischen Netzpolitiker.</p>
<p>Eine Mitgliederpartei mit etablierten Strukturen und Geschichte wie die SPD könne und solle jedoch nicht einfach so ihr Programm und ihre Arbeitsweise verändern, so Böhning, und meint mit dem „historischen Bruch“, von dem er nun spricht, wohlgemerkt die digitale Revolution und nicht etwa die dreieinhalbminütige Rücktrittserklärung Christian Wulffs, die in der Zwischenzeit auf dem Fernseher zu betrachten gewesen ist. Zwei Dinge seien aus seiner Sicht wichtig. Zum einen würde er seiner eigenen Partei raten, beim Thema Netzpolitik „nicht anderen Parteien hinterzulaufen“. Zum anderen müsse die SPD sich jeden Tag von Neuem die Mühe geben „sich diesen neuen Fragen zu öffnen“. Konkreter wird er hier jedoch zunächst nicht.</p>
<p>Die Tatsache, dass die Sozialdemokratie im Internet eben nicht immer Avantgarde ist, sondern mit Blick auf neue Phänomene wie die Piratenpartei, bestimmte Entwicklungen verspätet realisiert hat, gibt Böhning unumwunden zu. Die Struktur des Internets habe man anfangs „nicht ausreichend nachvollzogen“ und bei Themen wie dem Urheberrecht zunächst zu sehr aus industriepolitischer Perspektive argumentiert. Zur Zukunft des Urheberrechts hat sich Böhning nach dem Gespräch mit politik-digital.de soeben in der &#8220;Süddeutschen Zeitung&#8221; <a title="Süddeutsche Zeitung" href="http://www.sueddeutsche.de/digital/spd-netzpolitiker-bjoern-boehning-zum-urheberrecht-langfristig-ist-die-kulturflatrate-der-richtige-weg-1.1290698" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geäußert</a>. Gerade mit Blick auf sein eigens Arbeitsfeld, die Berliner Landespolitik und die dortigen Erfolge der Piraten im vergangenen Herbst, schaltet Böhning jedoch sogleich wieder in den Angriffsmodus um. „Politisch-programmatisch“ seien die 15 neuen Mitglieder des Berliner Landesparlaments bislang „nicht besonders wahrnehmbar“ und für ihn viel mehr ein „kulturelles Phänomen“, das in einer Stadt wie Berlin natürlich einen gewissen Resonanzboden habe.</p>
<h3>Die (politische) Debatte im Netz</h3>
<p class="smarterwiki-linkify">Die Debatte über die Piraten und ihre Anhängerschaft gärt jedenfalls nicht nur in Berlin. Und so möchte man gerne wissen, wie ein in konventionellen Parteigremien und mit herkömmlichen, wie er selbst es nennt, „holzigen“ Verwaltungsprozessen erfahrener Politiker, die politische Debattenkultur im Netz wahrnimmt. Der Wowereit-Vertraute, der anderseits bald 15.000 Follower auf <a title="Twitter" href="http://twitter.com/#!/boehningb" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter</a> hat, wird dann doch noch einmal deutlich. „Die Aufregung im Internet, der vielbeschworene <a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shitstorm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Shitstorm</a>“, ist zu Böhnings spürbarer Verärgerung bislang „häufig noch größer als die Lösungskompetenz mit Blick auf zeitgemäße Fragen“. Die „schnelle Aufregung“ wirkt in diesen Debatten nach seiner Ansicht wichtiger als das über den Tag hinausgehende Interesse an politischen Themen. Was Björn Böhning damit gemeint haben könnte, zeigt sich schon relativ bald nach dem Gespräch in der digitalen Praxis: Im Internet tobt derzeit eine veritable <a title="Cicero-Online" href="http://www.cicero.de/berliner-republik/wie-das-netz-den-boesen-gauck-erfand/48369?seite=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Meta-Debatte</a> über die Bewertung der Wulff-Nachfolge.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Krystian Woznicki: Netzpionier als Autodidakt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 08:58:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Krystian Woznicki]]></category>
		<category><![CDATA[Autodidakt]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Journalist, Buchautor und Netzaktivist Krystian Woznicki ist schon viel um den Globus gereist und dabei am stärksten mit der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/krystian-woznicki-netzpionier-als-autodidakt/krystian_woznicki_slider/" rel="attachment wp-att-10942"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10942" title="Krystian Woznicki" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/krystian_woznicki_slider.png" alt="" width="630" height="317" /></a>Der Journalist, Buchautor und Netzaktivist Krystian Woznicki ist schon viel um den Globus gereist und dabei am stärksten mit der Kultur Japans in Berührung gekommen – ganze sieben Jahre lebte er dort. Im Gespräch mit dem „Berliner Gazette“-Herausgeber kristallisiert sich heraus, dass es für ihn keine Heimat oder Nationalität im klassischen Sinne gibt.</p>
<p>Der Einstieg in das Gespräch mit dem Gründer der „<a href="http://berlinergazette.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Gazette</a>“ verläuft nicht ganz glatt. In den Redaktionsräumen seiner Online-Zeitung im Prenzlauer Berg auf seine polnischen Wurzeln angesprochen, ist Krystian Woznicki anzumerken, dass er die Frage für überflüssig hält. Woznicki fühlt sich zuerst als Weltbürger, nicht als Pole oder Deutscher. Die politischen Unruhen in Polen und die daraus hervorgehende Solidarność-Bewegung Anfang der 1980er Jahre erlebte der 1972 in dem polnischen Dorf Kłodzko Geborene und Aufgewachsene nur am Rande. Zumal er in eben diesem historischen Moment im Alter von acht Jahren nach Deutschland übersiedelte: ins hessische Bad Pyrmont. Das Leben auf dem Dorf habe ihn geprägt. Seine Liebe zu ländlichen Gebieten – zu Stille, Natur und der Konzentration auf das Lokale – rührt daher. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Landbewohner, die intimer und weniger anonym seien als im Stadtleben, sind etwas, was er am Leben auf dem Land schätze und in einem Kiez wie dem Prenzlauer Berg in der urbanen Variante wiederfinde, ohne sich dabei auf den lokalen Horizont festzulegen. Gerade im Netz finde er den nötigen Ausgleich: eine weitgehend offene, teils anonyme Form der weltweit verzweigten Kommunikation.</p>
<p><strong>20 Jahre selbst erlebte Netz-Geschichte</strong></p>
<p>Auch auf die stereotype Rolle des „Netzaktivisten“ habe er sich nie reduzieren lassen wollen, denn bei seinem Schaffen geht es Woznicki um eine ganzheitliche und gesamtkulturelle Perspektive. Inzwischen hat er jedoch kein Problem mehr damit, als Internet-Experte oder Netzpionier bezeichnet zu werden. Schließlich sei das Internet längst auch ein gesamtgesellschaftliches Thema. Wenn es etwas wie ein Kontinuum oder einen roten Faden in seiner Arbeit gibt, dann ist es nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit den digitalen Medien: „Für mich ist das auch deshalb wichtig, weil ich das seit bald 20 Jahren mache und die ganze Entwicklung selbst erlebt habe, die die digitale Welt seit den 1990er Jahren durchlief. Vor diesem Hintergrund weiß ich auch, dass die Dinge, die jetzt passieren, keineswegs aus dem Nichts kommen und es schon so einige Hypes rund ums Netz gegeben hat.“ Mit diesem mittlerweile historischen Wissen ließe sich auch besser verstehen, was das Besondere an dem jeweiligen aktuellen Internet-Hype sei. Beispielsweise seien Überwachung und Kontrolle von oben schon vor der Vernetzung aller Haushalte durch Firmen wie AOL ein Thema gewesen und von Intellektuellen wie Bruce Sterling angeprangert worden. Das Neue der gegenwärtigen Entwicklung bestehe laut Woznicki nicht nur darin, dass dieses Thema kein Randphänomen in gesellschaftlichen Debatten sei, wie etwa die Causa des &#8220;Staatstrojaner&#8221; zeige, sondern dass nicht mehr nur Leit-Intellektuelle mitreden, sondern alle, die es auch betrifft: die Masse. Dass es in der Debatte um „totale Transparenz“ keine einfachen Lagerbildungen gäbe, kein einfaches Pro und Contra, müsse als Errungenschaft gesehen werden. Wo viele mitreden, gäbe es auch viele Meinungen, und, so hofft Woznicki, auch neue Horizonte, die gesamtgesellschaftlich angesteuert werden können – jenseits alter Holzschnittschemata.</p>
<p><strong>Der Einstieg ins Digitale</strong></p>
<p>Krystian Woznicki ist Autodidakt. Er agiert gerne selbstbestimmt: „Ich brauche kein Lehrbuch, um eine Zeitung im Internet zu machen.“ Die Formel „Learning by doing“ bringt seine Motivation sehr gut auf den Punkt. Dieses Lebensmotto hat er auch mit dem Sammelband „<a href="http://www.panama-verlag.de/programm/modell-autodidakt/index.html">Modell Autodidakt</a>“ aufgegriffen, das er zusammen mit der Journalistin und Medienwissenschaftlerin Magdalena Taube im Sommer 2011 herausgegeben hat. Die Anthologie versammelt Texte von Philosophen, Journalisten, Künstlern und Architekten, die das selbstbestimmte Lernen an ihrer eigenen Person kritisch reflektieren. Das erste Mal loggte sich Woznicki Anfang der 1990er Jahre im Internet ein. Nachdem er im Technologie- und Elektronikviertel der Stadt Tokio in einem Second-Hand-Laden ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/PowerBook_100" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Apple Powerbook</a> erworben hatte, begann er, das sich eben erst entwickelnde Web zu nutzen – anfangs rein beruflich. Damals war er am Anfang seiner journalistischen Laufbahn. Von Tokio aus schrieb er für das Kulturmagazin Spex, das Netzmagazin Telepolis sowie die Japan Times und Wired Japan zu Themen im Spannungsfeld von Kultur, Gesellschaft und Internet. Seine bevorzugten Interviewpartner waren Philosophen und Künstler, darunter der Filmemacher Takeshi Kitano und der Komponist David Grubbs. Zur selben Zeit startete Woznicki auch seine ersten Webprojekte: 1995 wirkte er aktiv an der von <a href="http://www.medienkunstnetz.de/kuenstler/u.gabriel/biografie/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medienkünstlerin Ulrike Gabriel</a> entwickelten Online-Plattform „Views“ mit, auf der Persönlichkeiten aus Kultur und Medien ihre Gedanken und Beiträge veröffentlichten und sich untereinander vernetzten, darunter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Grassmuck" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sozialwissenschaftler Volker Grassmuck</a> oder der japanische <a href="http://www.t0.or.at/0ntext/tokyogas.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kulturtheoretiker Sawaragi Noi</a>. Die Inhalte und Texte wurden digital visualisiert – als Kartographie der Gedanken und Ideen.</p>
<p><strong>Die Berliner Gazette: Nur die Leser dürfen reinreden</strong></p>
<h5><a href="http://politik-digital.de/krystian-woznicki-netzpionier-als-autodidakt/berliner-gazette-team/" rel="attachment wp-att-10884"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-10884 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/berliner-gazette-team-305x214.png" alt="" width="305" height="214" /><br />
</a><a href="http://berlinergazette.de/ueber-uns/was-ist-die-berliner-gazette/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Team der Berliner Gazette</a></h5>
<p>Sein verstärktes (netz-)politisches Engagement verbindet Woznicki mit der Gründung der Berliner Gazette. Er hob die Online-Zeitung im Jahre 1999 aus der Taufe – von seinem damaligen Home Office in der Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg. Der Ideengeber und Initiator war von Anfang an auch Chefredakteur der digitalen Zeitung, bis 2009 <a href="http://berlinergazette.de/author/magdalena-taube/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Magdalena Taube</a> die Funktion übernahm; seitdem agiert Woznicki in erster Linie als Herausgeber: Projekte entwickeln, Fundraising betreiben, etc. Die Idee hinter der Gründung der Berliner Gazette sei ganz banal gewesen: „Wir wollten damals herausfinden, ob und wie man mithilfe des Mediums Internet eine neue Form des Vermittelns von Inhalten kreieren kann.“ Eine der Prämissen war damals, dass die journalistische Arbeit ergebnis- und zeitoffen sein sollte – politisch wie ökonomisch. Von Anfang an unabhängig von wirtschaftlichen Überlegungen und gegen die Launen des Mainstreams gerichtet war die Haltung, die Berliner Gazette ohne Druck und Erwartungen von außen zu entwickeln. Getreu dem Motto: „Wir lassen uns hier nicht reinreden!“ Ausgenommen davon waren natürlich die Leser. Im ersten Jahr ihrer Existenz wurde die digitale Zeitung ausschließlich per E-Mail verbreitet. Die Kommunikation mit den Lesern war sehr direkt. „Da hast du sofort das Leser-Feedback gehabt, das mich teilweise auch sehr hart, weil vollkommen ungeschützt traf.“ Im Fokus der thematischen Ausrichtung stand damals Berlin: „Es ging anfangs immer um kritische Diskurse rund um Berliner Themen, zum Beispiel Stadtentwicklung, Gentrifizierung, Festivalisierung der Kultur. Dabei ging es stets darum, das mit der digitalen Interaktivität verbundene Versprechen einzulösen, in einen Dialog mit den Lesern zu treten.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/krystian-woznicki-netzpionier-als-autodidakt/berliner-gazette-international/" rel="attachment wp-att-10897"><img decoding="async" class="size-large wp-image-10897 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/berliner-gazette-international-630x304.png" alt="" width="630" height="304" /></a></p>
<h5 style="text-align: center;">Die Grafik zeigt das internationale Netzwerk der Berliner Gazette<br />
im Jahre 2006: je dichter die Kreise, desto dichter das Netzwerk</h5>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die weltweit immer größere Verbreitung des Internet sorgte dafür, dass die Berliner Gazette auch international wahrgenommen wurde. Die Redaktion erhielt Leserbriefe aus Marseille, war im Dialog mit Kulturschaffenden aus Russland und führte Online-Interviews mit Intellektuellen aus New York. Bis heute seien rund 800 Autorenprofile in der Berliner Gazette angelegt worden, mit Beiträgen aus so gut wie allen Kontinenten. Inspiriert von der eigenen Erfahrung, startete die Berliner Gazette im Jahre 2006 „<a href="http://berlinergazette.de/feuilleton/jahresthemen/mcdeutsch2006" target="_blank" rel="noopener noreferrer">McDeutsch</a>“ &#8211; ein interdisziplinäres Projekt zur Kartierung der deutschen Sprache und deren Globalisierung.</p>
<p><strong>Lektionen aus Japan: „Auch das Geistige ist Boulevard“</strong></p>
<p>Ganz anders als seine Kindheit in Polen habe ihn das Leben in Japan geprägt, bekräftigt Woznicki. Beispielsweise seien seine Sensibilität und auch das Bewusstsein für das in Japan hoch entwickelte Alltagsdesign größer geworden. Es gehöre zur dortigen Kultur, auch auf kleine Dinge zu achten – ob nun im eigenen Haushalt oder im Stadtbild. „Wo gestaltet werden kann, wird kaum etwas dem Zufall überlassen“, so Woznicki. Er habe insbesondere erfahren, was man aus wenig Platz machen könne: So lebte er mit seiner damaligen Partnerin in einer 25 Quadratmeter kleinen Wohnung, was in etwa die durchschnittliche Wohnungsgröße für eine japanische Familie in Tokio sei. „Man überlegt sich sehr genau, was man aus den Mitteln macht, die einem zur Verfügung stehen. Man nutzt Dinge multifunktional. Beispielsweise ist es üblich, dass es keine Schlafzimmer im eigentlichen Sinne gibt, sondern die Betten aus dem Schrank geholt werden“. Diese Philosophie sei auch in seine Arbeit als Macher der Berliner Gazette eingeflossen. Wie bei Low-Budget-Produktionen in Film und Theater müsse der Herausgeber Woznicki auch bei seiner digitalen Zeitung immer genau überlegen, wie er mit begrenzten Mitteln möglichst ökonomisch und effizient arbeitet und dabei zugleich seinen Qualitätsansprüchen gerecht wird.</p>
<p>In Japan habe er auch gelernt und erfahren, dass intellektuelle Fragen nicht nur einer Elite vorbehalten sein müssen. Dort können auch Philosophen mit sehr existenziellen und komplexen Themen ein Massenpublikum erreichen, was hierzulande – wie im Fall Peter Sloterdijk – noch ein Ausnahme-Phänomen darstelle. „Es gibt in Japan eine Massenkultur, auch Philosophen und Denker im Mainstream wahrzunehmen. Jemand wie der sehr von mir geschätzte Dietmar Dath, der hierzulande vielleicht noch vielen Menschen als zu elitär vorkommen mag, könnte in Japan ein Massenpublikum erreichen.“ So sei es auch nicht verwunderlich, dass es in Japan mit Hiroki Azuma derzeit einen sehr populären Intellektuellen gibt, der eine Art „Mischung aus Sascha Lobo, Peter Sloterdijk und Daniel Kehlmann“ ist. Woznicki hat in den 1990er Jahren mit ihm zusammengearbeitet und kann sehr gut den literarischen, medialen und philosophischen Horizont dieser gesellschaftlichen Resonanz nachvollziehen: „Auch das Geistige ist Boulevard“.</p>
<p>In Reaktion auf die Katastrophe von Japan im März 2011 hat er im vergangenen Herbst das internationale Symposium „<a href="http://berlinergazette.de/symposium/learning-from-fukushima" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Learning from Fukushima</a>“ in Berlin organisiert. Dabei ging es primär um die Frage, wie in Krisenzeiten eine kritische (Netz)Öffentlichkeit entsteht. Spätestens seitdem kann wohl auch Krystian Woznicki selbst die Bezeichnung Netzaktivist nicht mehr von sich weisen.</p>
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		<title>Daniel Dietrich: Evangelist für Open Data</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 18:03:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Dietrich]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Open Data Network]]></category>
		<category><![CDATA[Open Knowledge Foundation]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Weg zu seinem Steckenpferd Transparenz und Offene Regierungsdaten führte für Daniel Dietrich über Medienaktivismus und ein Start Up-Unternehmen. Seit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-9621" title="Daniel Dietrich" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/slider_ddietrich.png" alt="" width="378" height="203" />Der Weg zu seinem Steckenpferd Transparenz und Offene Regierungsdaten führte für Daniel Dietrich über Medienaktivismus und ein Start Up-Unternehmen. Seit einigen Jahren versucht der IT-Experte, sein Thema in die Chefetagen der Politik zu bringen.</p>
<p>Open Data ist ein Thema, das spätestens seit dem vergangenen Jahr auch in Deutschland heiß diskutiert wird und erste Fortschritte vorweisen kann. <a href="http://daten.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen02.c.730.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bremen</a>, <a href="http://daten.berlin.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berlin</a> und <a href="http://offenedaten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">weitere</a> Städte und Behörden eröffneten eigene Datenportale. Unter der Schirmherrschaft des Innenministers findet ein <a href="http://politik-digital.de/wettbewerb-apps-f%C3%BCr-deutschland" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wettbewerb</a> für offene Daten statt, und auf <a href="http://politik-digital.de/40-milliarden-durch-offene-daten" target="_blank" rel="noopener noreferrer">europäischer Ebene</a> sollen Verwaltungsdaten für Wirtschaftswachstum sorgen. Dennoch <a href="http://blog.zeit.de/open-data/2011/09/08/viele-hadern-noch-mit-der-idee-open-data/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beklagen </a>vor allem Blogs und Organisationen die rückständige Entwicklung der Bundesrepublik im Bereich Open Data und Open Government. Einer, der nicht nur kritisiert, sondern auch aktiv an einer Verbesserung der Situation arbeitet, ist Daniel Dietrich. Gemeinsam mit der <a href="http://okfn.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open Knowledge Foundation</a> setzt er sich leidenschaftlich für die Veröffentlichung von freien Daten und Wissen ein.</p>
<h3>„Es geht nicht darum, Daten irgendwie ins Netz zu stellen“</h3>
<p>Es sei nicht so, dass deutsche Behörden grundsätzlich zu wenige Daten preisgeben, erklärt Dietrich, sie seien sogar durch entsprechende Gesetze dazu verpflichtet. Das Problem sei jedoch, dass die Behörden  Open Data nicht aus Überzeugung und nicht in der Form betreiben, die er sich wünschen würde. „Es geht nicht darum, Daten irgendwie ins Netz zu stellen. Sie müssen in maschinenlesbaren Formaten verfügbar sein und unter Lizenzen, die die Weiterverarbeitung rechtlich ermöglichen“, kritisiert der Open Data-Experte. Der explizite Verweis auf eine bestimmte Lizenz schaffe eine Rechtssicherheit für Nachnutzer. Außerdem sollten Daten in Zukunft besser auffindbar werden. „Da sind wir in Deutschland in der Tat noch nicht sehr weit“, resümiert Dietrich, nennt aber das Statistische Bundesamt sowie das Umweltbundesamt ausdrücklich als positive Ausnahmen.</p>
<p>Bei all seinem Engagement für offene Daten sieht sich Daniel Dietrich schon lange nicht mehr als Aktivist, sondern bezeichnet sich auf seinem <a href="http://ddie.me/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog</a> und auf seinem <a href="http://twitter.com/ddie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter-Account</a> als Evangelist. „Aktivist klingt so, als müsse man gegen etwas kämpfen. Das fühlt sich aber nicht so an, ich bin eher für etwas. Mir geht es um gesellschaftliche Emanzipation“, begründet er dies. Ein Evangelist sei nicht nur Experte für ein Thema, sondern wolle dieses auch aus Überzeugung voranbringen. Was ihn persönlich antreibe, sei das Streben nach Transparenz. Zwar seien auch andere Aspekte wichtig, wie die Möglichkeit, in Open Data eine Ressource für gesellschaftliche und wirtschaftliche Innovationen zu sehen. „Mein Interesse wurde aber durch den Transparenzfaktor geweckt“, betont Dietrich.</p>
<p><img decoding="async" class="size-full wp-image-9638 alignnone" title="opendata_ddietrich" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/opendata_ddietrich.png" alt="" width="600" height="338" /><br />
(Berlin Open Data Day / by <a href="http://www.flickr.com/photos/63096517@N02/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Opendata Network</a> in <a href="http://www.flickr.com/photos/63096517@N02/5738502704/sizes/l/in/set-72157626635937403/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>; Lizenz: CC BY 2.0)</p>
<h3>Vom Transparenz-Evangelisten zur Open Knowledge Foundation</h3>
<p>Vor vier Jahren stieg er so richtig in die Materie ein. Ursprünglich war er in der freien Wirtschaft tätig, in einem IT-Start Up, das sein Bruder gegründet hatte. Dort sah der Technikbegeisterte eine Perspektive für sich. Sein Studium der Politikwissenschaft, Medienwissenschaft und Informatik hat er nie beendet. Der Prozess, sich Wissen und Technologien anzueignen um damit zu arbeiten, hingegen war etwas, was ihn schon früh fasziniert habe. Zudem habe er sich dafür interessiert, wie Menschen Technologien nutzen können, um einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten und nicht nur, um im Internet Geld zu verdienen.</p>
<p>Bereits damals waren ihm das Thema Transparenz in Regierung und Verwaltung besonders wichtig. In Deutschland habe es keine Organisation oder Interessenvertretung gegeben, die in der Lage gewesen wäre, das Thema auf die politische Agenda zu setzen, und so gründete Dietrich schließlich 2009, gemeinsam mit Gleichgesinnten, das <a href="http://opendata-network.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open Data Network</a>, dessen Vorstand er noch bis 2011 war. Durch sein ehrenamtliches Engagement gelangte er zu einer bezahlten Stelle bei der Open Knowledge Foundation und ist nun seit Anfang 2011 Mitbegründer und Vorstand der <a href="http://okfn.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open Knowledge Foundation Deutschland</a>.</p>
<h3>„Das Thema Open Data gehört ins Kanzleramt“</h3>
<p>Als  Hauptproblem für die Entwicklung einer Open Data Kultur in Deutschland sieht Daniel Dietrich den Umgang mit dem Thema auf oberster politischer Ebene. „Die Schwachstelle ist, dass das Thema zwar in allen Parteien von netzpolitischen Ausschüssen und jüngeren Politikern diskutiert wird, aber es noch nicht auf Entscheidungsebene und in der Chefetage angekommen ist“, stellt er fest. Die Pilotprojekte, die es aktuell gebe, gingen von Verwaltungen  aus und das sei falsch, da diese an politische Weisungen gebunden seien.  Auch die Tatsache, dass die Zuständigkeit für Open Data in der Abteilung Verwaltungsmodernisierung im Bundesinnenministerium angesiedelt ist, beurteilt Dietrich als schwierig, da dieses nicht weisungsbefugt über andere Ministerien oder über Bundesländer sei. Als Querschnittsthema gehöre Open Data eigentlich in das Kanzleramt. „Klar zu erkennen ist jedoch, dass Open Data im Jahr 2011 durch zivilgesellschaftliche Gruppen wie die Open Knowledge Foundation auf die politische Agenda gesetzt wurde“, weist er auf die erfolgreiche Arbeit seiner Organisation hin.</p>
<p>Seit Beginn dieses Jahres kann sich Dietrich allein auf die Open Knowledge Foundation konzentrieren. Er arbeitet nun Vollzeit für die Stiftung, nachdem seine Stelle im Fachbereich Informatik und Gesellschaft an der Technischen Universität Berlin ausgelaufen  und er aus dem Vorstand des Open Data Network ausgetreten ist. Diesen Schritt sei er allein deshalb gegangen, um nicht für zwei Organisationen gleichzeitig sprechen zu müssen und beiden die Möglichkeit zu bieten, sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu positionieren. Mit der Open Knowledge Foundation führte er bereits <a href="http://okfn.de/projekte/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Projekte</a> in Deutschland durch, die sehr erfolgreich waren. Dazu zählen unter anderem die Beteiligung am Programmierwettbewerb „Apps für Deutschland“, das Open Government Data Camp sowie die Webseiten <a href="https://fragdenstaat.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frag den Staat</a> und <a href="http://bund.offenerhaushalt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Offener Haushalt</a>.</p>
<p>Offener Haushalt bietet Bürgern die Möglichkeit, sich detailliert und übersichtlich über den Bundeshaushalt zu informieren. Der Start und die Öffentlichkeit für das Projekt seien toll gewesen. „Alle Haushaltsexperten aus den Parteien haben sich gefreut, dass sie endlich an strukturierte Daten herankommen können. Wir haben von diesen Fachpolitikern viel positives Feedback bekommen.“ Das eigentliche Ziel des Projekts, das Finanzministerium dazu zu bewegen, die Daten selbst in maschinenlesbaren Formaten zu veröffentlichen, habe jedoch nicht realisiert werden können. Dietrich erzählt, das Finanzministerium habe nun selbst eine ähnliche Visualisierung in Auftrag gegeben. Die Open Knowledge Foundation befürchtet jedoch, dass lediglich ein weiteres hübsches Tool geschaffen werden wird, ohne dass die Daten an sich strukturiert veröffentlicht werden würden.</p>
<h3>Offene Daten für mündige Bürger</h3>
<p>Und was bringt eigentlich das Veröffentlichen all dieser Daten den Menschen? Darauf hat Daniel Dietrich eine klare Antwort: „Ein mündiger Bürger muss sich informieren können, um Zusammenhänge besser zu verstehen“. Offene Daten machten nichts per se besser, sondern seien Grundvoraussetzung für Demokratie- und Gesellschaftsbeteiligung. So könne der Bürger Politiker in die Rechenschaftspflicht nehmen und deren Handlungen würden somit nachvollziehbar und überprüfbar werden. Offene Regierungsdaten gelten für Dietrich als Allgemeingüter und sollen aus dieser Motivation veröffentlicht werden,  nicht nur deshalb, weil der Steuerzahler dafür bezahlt habe. Dietrich beschwört den Vergleich zu öffentlichen Bibliotheken: „Als die ersten öffentlichen Bibliotheken gebaut wurden, wurde das nicht getan, weil da draußen so viele Leute waren die lesen konnten und diese Bibliotheken brauchten, sondern sie wurden geschaffen, damit mehr Leute über die Jahre lesen lernen können“. Der Bedarf und die Nachfrage seien durch die Installation der Bibliotheken entstanden. Ähnlich sei es auch mit den offenen Daten.</p>
<p>Evangelist ist man solange, wie das Ziel noch nicht erreicht ist und es noch Aufklärungsbedarf gibt. Somit wird Dietrich seine Rolle wohl noch eine ganze Weile beibehalten.</p>
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		<title>Sandro Gaycken: Diskotür und Cyberwar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frank Vaccaro]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 10:39:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Cyberwar]]></category>
		<category><![CDATA[Cyberkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Sandro Gaycken]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/gayken1.png" align="left" height="160" width="160" />Cyberwar und Cybercrime sind Begriffe, die viele Menschen vor allem Videospielen oder Sience-Fiction-Literatur zuordnen. Einer, der weiß, dass es sich dabei keineswegs nur um kreative Auswüchse von Spieleentwicklern handelt, ist der Technikphilosoph und Sicherheitsforscher Sandro Gaycken. Ein Porträt.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-6727" title="Sandro Gaycken" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/sandro-gaycken.png" alt="" width="185" height="120" />Cyberwar und Cybercrime sind Begriffe, die viele Menschen vor allem Videospielen oder Sience-Fiction-Literatur zuordnen. Einer, der weiß, dass es sich dabei keineswegs nur um kreative Auswüchse von Spieleentwicklern handelt, ist der Technikphilosoph und Sicherheitsforscher Sandro Gaycken. Ein Porträt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Man stelle sich vor: ein landesweiter Stromausfall, verursacht durch einen Cyberangriff. Auch wenn ein solches Horrorszenario bisher glücklicherweise nicht Realität geworden ist:<br />
Spionage- und Sabotageversuche über das Internet haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nicht wenige dieser Attacken lassen sich inzwischen gar als Angriffe in staatlichem Auftrag deuten. Ziele können militärische und wirtschaftliche Infrastrukturen, die nationale Energieversorgung oder auch Forschungsabteilungen in großen und mittelständischen Unternehmen sein. Dass solche Cyber-Angriffe mittlerweile ein sehr reales Problem sind, mit dem sich viele Staaten auseinandersetzen müssen, wird auch bei einem Blick in Sandro Gayckens Terminkalender deutlich. Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit als Technik- und Sicherheitsforscher an der Freien Universität Berlin berät er Unternehmen und Sicherheitsinstitutionen im In- und Ausland, unter anderem die Bundeswehr, aber auch ausländische Militärs und verschiedene Kriminalämter u.a. zu den Risiken durch Cyberwar und alternativen Sicherheitsstrategien. Zudem ist er in Gremien auf Bundes- und EU-Ebene tätig. Vor allem im ablaufenden Jahr sei er viel unterwegs gewesen, habe Konferenzen besucht und sei mit Stellungnahmen und Gutachten beschäftigt gewesen. „Der Informationsbedarf in der Politik ist sehr groß“, so der Technikphilosoph, der Ende 2010 ein Buch mit dem Titel „Cyberwar: Das Internet als Kriegsschauplatz“ veröffentlichte, in dem er Ursachen und Risiken dieser neuen Form der Kriegsführung im Internet beschreibt und gleichzeitig Verteidigungsstrategien vorstellt.</p>
<p>Mit seiner ruhigen und nüchternen, fast norddeutsch kühlen Art kann man sich den in der Nähe von Hamburg aufgewachsenen Gaycken gut in der Rolle des ernsthaften Sicherheitsberaters vorstellen, dem hohe Beamte und Politiker aufmerksam zuhören. Philosoph sei er eigentlich schon immer gewesen. In seinem Studium noch mehr mit formalen Inhalten beschäftigt, wurden die Themen, mit denen er sich befasst, mit der Zeit immer techniklastiger. Seine Magisterarbeit verfasste er zum Thema Philosophie der Quantenmechanik. Promoviert hat er schließlich in Technikforschung.</p>
<p>Gaycken forscht zu den Themen Cyberwar, Cybercrime und Hochsicherheits-IT und zeigt sich besorgt angesichts der aktuellen Lage der internationalen Beziehungen. Es kristallisiere sich eindeutig eine Zuspitzung auf eine Situation heraus, die auf längere Sicht in das Szenario eines Kalten Kriegs münden könne. Erst vor knapp zwei Wochen hatte Gaycken zusammen mit der Uno und dem Außenministerium die Sicherheitskonferenz „Challenges in Cybersecurity“ ausgerichtet. Hier sei sehr deutlich geworden, wie angespannt die Situation ist. Vor ein paar Jahren noch undenkbar, haben die US-Amerikaner hier nun klar Position bezogen und damit gedroht, Spionageaktionen aus China und Russland in Zukunft nicht mehr zu akzeptieren. Dieser Strategiewechsel könne natürlich zu Verhärtungen führen. „Daher sehe ich mich in solchen Situationen in der Verantwortung, Hilfestellung zu leisten “, so Gaycken. Zurzeit bestehe in vielen Bereichen in Wirtschaft, Regierung und auch bei den Militärs noch hoher Aufklärungs- und Beratungsbedarf, da nahezu alle Bereiche der Sicherheits-IT bislang ungenügend seien und keinen ausreichenden Schutz vor staatlich organisierten „Hacks“ bieten würden. Es müsse eine komplett neue IT entwickelt werden, die gegen die neue Qualität staatlich finanzierter Cyber-Angriffe gerüstet ist.</p>
<p>Das Thema Sicherheit spielt in Gayckens Leben auch außerhalb des akademischen Betriebs eine wichtige Rolle. 15 Jahre lang hat er in Hamburger und Berliner Clubs als Türsteher gearbeitet. Ein wenig Box-Training als Grundlage habe ausgereicht, um sich – buchstäblich &#8211; „durchzuschlagen“. Man dürfe nie mehr trinken als diejenigen, die man rausschmeißen muss, dann sei das kein Problem. Für seine jetzige Arbeit seien diese Erfahrungen auch hilfreich gewesen. Es gebe einfach grundlegende Mechanismen hinter dem Sicherheitsdenken. Das sei in der internationalen Politik nicht anders als an der Diskotür. „Es sind im Prinzip die gleichen Strukturen“, analysiert Gaycken knapp.</p>
<p>Über die Techno- und Clubszene lernte er auch die Leute vom Chaos-Computer-Club kennen, dessen assoziiertes Mitglied er lange Zeit war. „Die wollten immer umsonst in meine Clubs rein“, erinnert er sich. Eine langjährige freundschaftliche Verbindung sei damals entstanden, die erst durch machtpolitische Spielereien führender Köpfe des CCC nachhaltig gestört worden sei. „Ich hatte keine Lust, da reinzugrätschen, die haben mich da ziemlich rausgeekelt“, erinnert sich Gaycken noch immer verärgert. Man werfe ihm vor, auf die „dunkle Seite der Macht“ gewechselt zu sein, womit wohl seine Arbeit für Regierungen, Militärs und Sicherheitsinstitutionen gemeint sein dürfte. Noch 2008 hatte er zusammen mit CCC-Sprecherin Constanze Kurz das Buch „1884.exe“ herausgegeben, in dem sie gesellschaftliche, politische und juristische Aspekte moderner Überwachungstechnologien thematisierten.</p>
<p>Trotz seiner Tätigkeiten für den Staat nimmt Gaycken eine kritische Position ein, wenn es um staatliche Überwachungsmaßnahmen geht. Insbesondere im Vergleich zur Datensammelwut von Google, Facebook und Co.: „Bei Google und Facebook habe ich keine Angst, dass die mich an die Wand stellen, weil ich nicht deren Meinung teile. Bei Staaten kann ich mir nicht so sicher sein. Das ist zumindest eine Erfahrung, die wir historisch gemacht haben“, meint Gaycken. Viele Menschen im Ausland würden die Deutschen wegen ihres strengen Datenschutzrechts belächeln. Dabei sei es doch gut, dass Deutschland diese Lektion aus der Vergangenheit gelernt und gesagt habe: „Wir wollen dem Staat nicht so viel Macht einräumen, weil das auch schief gehen kann“. Das sei eine berechtigte Sorge und für uns Deutsche auch eine Verantwortung.</p>
<p>Wie Firmen mit unseren Daten umgehen, beunruhigt den Sicherheitsexperten Gaycken wenig. Natürlich würden sich die Datenschützer routinemäßig darüber aufregen, aber schlimmstenfalls erhalte man eben gezielt Werbung. Das sieht Sandro Gaycken entspannt, auch wenn er Facebook selbst gar nicht nutzt: „Brauche ich nicht, habe ich keine Zeit für. Und Mädels habe ich immer so kennengelernt“, winkt er ab. Beruflich nutze der 38-Jährige das Netz so oft wie nötig, aber privat sei er ein zurückhaltender Internet-User. Insgesamt sei einfach zu viel „bullshit“ darin zu finden. Wenn seine Familie es erlaubt, entspannt sich der passionierte Gamer lieber mit einem Shooter oder einem anderen Videospiel im Keller, im Sommer auch beim Motorradfahren. Dass sein Beruf und die Leidenschaft für martialische Spiele irgendetwas miteinander zu tun haben könnten, lässt Gaycken nicht gelten: „Beim Gamen wird nicht theoretisiert, sondern nur entspannt“. Obwohl er ja eigentlich gar keine Zeit habe, zu entspannen &#8211; zu viel zu tun.</p>
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		<title>Ein Historiker und das Zukunftsthema Netzpolitik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzpolitik-im-bundestag/ein-historiker-und-das-zukunftsthema-netzpolitik-5919/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Johann Eggert]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 15:33:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzpolitik im Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Tauber]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><img src="/sites/politik-digital.de/files/peter_tauber_0.png" align="left" height="105" width="100" /></b>Was bringt einen Historiker dazu, sich mit der netzpolitischen Materie zu befassen, wie bewertet er die Arbeit in der Internet-Enquete und wie wird das Netz die politische Kultur verändern? politik-digital.de hat Peter Tauber getroffen.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-6725" alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/peter-tauber.png" width="185" height="198" />Was bringt einen Historiker dazu, sich mit der netzpolitischen Materie zu befassen, wie bewertet er die Arbeit in der Internet-Enquete und wie wird das Netz die politische Kultur verändern? politik-digital.de hat Peter Tauber getroffen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gemessen an der medialen Aufmerksamkeit und der Frequenz der Tweets, kann man in den letzten Wochen wohl Peter Altmaier, den parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, als den umtriebigsten „Netzpolitiker“ der Unionsparteien bezeichnen. Doch ist der Saarländer Altmaier in Sachen Internet geradezu ein Spätstarter. Die Beschäftigung mit dem Netz begann für Peter Tauber bereits, als er vor über zehn Jahren in der Jungen Union in Hessen als deren Landesgeschäftsführer Verantwortung trug und das Internet als einen Weg entdeckte, mit politisch interessierten Menschen in Kontakt zu treten. Damals, Anfang des Jahrtausends, so resümiert Tauber heute, sei allein die Frage, ob ein politischer Jugendverband eine eigene Internetseite besitzt, „entscheidend dafür gewesen, ob man als up-to-date galt“. Und auch im Verlauf seiner weiteren parteipolitischen Laufbahn hat das Internet den gebürtigen Frankfurter, der auch Mitglied des hessischen CDU-Landesvorstandes ist, stets begleitet. Bei seiner Bundestagskandidatur im Wahlkreis Hanau-Gelnhausen gelang ihm im Jahr 2009 die Verstärkung der eigenen Bekanntheit unter anderem mit Hilfe der Präsenz in sozialen Netzwerken.</p>
<p>Jedoch sieht Peter Tauber die vielfältigen Entwicklungen in der digitalen Welt nicht nur positiv. Die Kommunikations- und Debattenkultur im Internet erlebe er persönlich als eine Kultur, die durchaus unmittelbar, oft weniger diplomatisch und „ehrlicher“ sei als der hergebrachte Austausch von Standpunkten. Zudem fasziniert Tauber am Kontakt mit jungen Leuten und Studenten, denen er auch als Lehrbeauftragter an der Frankfurter Universität begegnet, wie sehr sich Recherche- und Arbeitstechniken sowie Kommunikationsmöglichkeiten fortentwickelt hätten. Aber, und hier wird Peter Tauber merklich nachdenklicher, die Kommunikationskultur im Netz „ist noch nicht so, wie sie sein müsste, damit sie fruchtbar ist“. Er selbst sei durchaus bereit, sich auch mithilfe des Kurznachrichtendienstes Twitter über politische Inhalte zu streiten, es gäbe jedoch Fälle, in denen das partout nicht möglich sei. Fälle, an denen das Medium Internet jedoch keine unmittelbare Schuld trage, wie Tauber zugibt, den man sich mit seiner gelassenen und bedächtigen Art auch nur schwerlich als Auslöser eines Twitter-Shitstorms vorstellen mag.</p>
<p>Im Deutschen Bundestag ist Tauber, der in Frankfurt am Main Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft studierte und am dortigen historischen Seminar über die Entwicklung des deutschen Sports in der Folge des Ersten Weltkrieges promovierte, Mitglied in den Ausschüssen für Arbeit und Soziales sowie Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Politikfelder, die er mit seinem netzpolitischen Engagement unbedingt verknüpft wissen will. Angesprochen auf die Frage, was denn für ihn den Typus „Netzpolitiker“ charakterisiere, muss Tauber nicht lange nachdenken. Er begreift sein aktuelles Engagement in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ sowie im Arbeitskreis Netzpolitik der CDU ganz klar als Querschnittsaufgaben. „Das Internet als Teil der Daseinsvorsorge“, diese sozialpolitische Fragestellung möchte Peter Tauber beispielsweise in naher Zukunft in der Arbeitsgruppe für Arbeit und Soziales seiner Fraktionsgemeinschaft breiter diskutieren.</p>
<p>Mit Blick auf die eigene politische Sozialisation und sein Grundverständnis politischer Prozesse ist Netzpolitik, genauso wie alle anderen Politikbereiche, für ihn als Christdemokraten dabei ein „ständiges Abwägen von verschiedenen Werten“, was dann eben „nicht so sexy wie eine rein dogmatische Position“ sei. Der Wert der Freiheit, der in diesen Debatten gegenüber anderen Werten abzuwägen sei, war für Tauber nach eigener Aussage jedoch der ursprüngliche Antrieb für sein politisches Engagement bei den Christdemokraten und der Leitgedanke im Kanon der Werte, für die seine Partei stehe.</p>
<p>Freiheit für alles und jeden auch im digitalen Zeitalter? Auf das vielfach als kritisch beschriebene Verhältnis von christdemokratischen Innen- und Rechtspolitikern zu Netzaktivisten angesprochen, merkt man Peter Tauber deutlich an, dass er, der sich im Gegensatz zu anderen Unionspolitikern gegen Netzsperren und die Vorratsdatenspeicherung positioniert hat, mit dieser Frage schon gerechnet hatte. Hinsichtlich der Debatte in seiner eigenen Partei gibt er unterschiedliche parteiinterne Auffassungen zu netzpolitischen Fragestellungen ganz unumwunden zu. „Die Union muss aufpassen, dass sie bei dem Thema die richtigen Positionen findet“, konstatiert Peter Tauber &#8211; einer der wenigen Momente, in denen der ansonsten abwägend formulierende Bundestagsabgeordnete einen Konflikt andeutet. Wichtig sei ihm jedoch bei allen parteiinternen Debatten, dass es zwischen den Unionspolitikern einen in der Sache zwar harten, jedoch stets auf Kommunikation ausgelegten Diskussionsstil zu Fragen des Urheberrechts, der Netzneutralität oder der Vorratsdatenspeicherung gäbe.</p>
<p>Die Enquete-Kommission habe im Rahmen ihrer bisherigen Arbeit zwar zu wichtigen Fragen der digitalen Gesellschaft Positionen erarbeitet, sie sei, wie Tauber offen zugibt, für ihn natürlich auch ein „Vehikel, sich in der Debatte zu beteiligen“. Es störe ihn jedoch, wenn einzelne Kommissionsmitglieder nicht über ihren Schatten springen und allein aus parteitaktischen Überlegungen heraus ihre Übereinstimmung mit den Positionen der Gegenseite nicht zeigen würden. Tauber vermisst zudem &#8211; hier wird er mit Blick auf die Arbeit des Gremiums dann auch selbstkritisch &#8211; eine allgemeine Sensibilisierung für die dort diskutierten Themen der digitalen Zukunft. „Was ist denn diese Enquete, was macht ihr da eigentlich? Dies seien typische Fragen, die er bei Besuchen im heimischen Gelnhausen, im Wahlkreis und in Diskussionen seines CDU-Kreisverbandes häufig gestellt bekomme. Die Arbeit würde zu seinem Bedauern eher über ihn als Person und weniger über die gesellschaftliche Wirkung der Kommissionsarbeit wahrgenommen. Seine Erfahrungen aus der Arbeit der Enquete-Kommission versuche er nichtsdestotrotz mit der Präsenz im Wahlkreis zu verknüpfen und nennt hier beispielhaft die Versorgung des ländlichen Raumes mit Breitbandanschlüssen oder die Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen.</p>
<p>Von dem medialen Hype rund um die Piratenpartei will sich Peter Tauber übrigens nicht in die Defensive drängen lassen. Ob die Piraten beispielsweise die Frage beantworten könnten, wie wichtig das Internet für die Gesellschaft sei, diese Frage sei, so Peter Tauber, derzeit noch offen. Von der Zukunft der netzpolitischen Debatte erwartet der 37-Jährige eine immer stärkere Verknüpfung mit den übrigen Politikbereichen: „Im Idealfall wird es irgendwann vielleicht sogar so sein, dass es den expliziten Netzpolitiker gar nicht mehr braucht“. Direkt nach dem Gespräch ist dann aber doch erst einmal wieder der Netzpolitiker Peter Tauber gefragt. Er muss zurück an den Schreibtisch. Die Formulierung eines Newsletterbeitrags für die eigenen Fraktionsmitglieder zur aktuellen Arbeit der Enquete-Kommission steht an.</p>
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		<title>Jeff Jarvis: Das war erst der Anfang</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Herzog]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 10:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Konrad-Adenauer-Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratiekongress]]></category>
		<category><![CDATA[Jeff Jarvis]]></category>
		<category><![CDATA[Public Parts]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/JeffJarvis_0.png" width="160" align="left" height="160" />Für den einen ist er Blogger und Journalist, für den anderen digitaler Visionär. Eines ist Jeff Jarvis jedoch zweifelsfrei: ein vehementer Verteidiger der freien Öffentlichkeit im Netz. Er warnt vor einem Rückzug in die Privatsphäre und vor dem deutschen „Verpixelungsrecht“. Ein Porträt und Videointerview.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/JeffJarvis_0.png" alt="" width="160" height="160" align="left" />Für den einen ist er Blogger und Journalist, für den anderen digitaler Visionär. Eines ist Jeff Jarvis jedoch zweifelsfrei: ein vehementer Verteidiger der freien Öffentlichkeit im Netz. Er warnt vor einem Rückzug in die Privatsphäre und vor dem deutschen „Verpixelungsrecht“. Ein Porträt und Videointerview.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Hände in den Hosentaschen &#8211; so steht Jeff Jarvis auf der riesigen Bühne, die die Konrad-Adenauer-Stiftung Ende November auf ihrem <a href="/sehnsucht-nach-der-analogen-welt" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Demokratiekongress 2011</a> für ihre Redner bereitgestellt hat. Auf den ersten Blick wirkt der hagere Mann dort etwas verloren, doch als er zu reden beginnt, verschwindet dieser Eindruck augenblicklich. Man registriert unmittelbar Jarvis&#8217; Selbstsicherheit, spürt, dass er regelmäßig vor einem großen Publikum spricht und seine Thesen zum Internet zu verteidigen weiß. Die Hände in den Hosentaschen zeugen nun eher von amerikanischer Lässigkeit als von Verunsicherung. Auch im anschließenden Gespräch zeigt sich Jarvis professionell und vor allem sympathisch. Er wiederholt geduldig seine Antworten, obgleich er diese zweifelsohne schon mehrere Male an diesem Tag formuliert hat. Man kann sich gut vorstellen, dass Jarvis als Professor der Graduate School of Journalism an der City University in New York bei seinen Studenten gut ankommt. Zurzeit macht er allerdings weniger in dieser Funktion und auch nicht als Journalist für diverse Zeitungen und Zeitschriften von sich reden, vielmehr wird er als Buchautor und Blogger auch außerhalb der Netzgemeinde immer bekannter. Im September dieses Jahres hat der 57-Jährige nach „What Would Google Do?“ sein zweites Buch, „Public Parts“, veröffentlicht. Darin erklärt er, wie virtuelles Teilen im digitalen Zeitalter unsere Art zu arbeiten und zu leben seiner Erfahrung nach verbessert. Auf seinem Blog <a href="http://www.buzzmachine.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„BuzzMachine“</a> schreibt er regelmäßig über seine Ideen,neue Entwicklungen und über Projekte im Internet, die er interessant findet.</p>
<p><strong>Öffentlichkeit bringt jeden Einzelnen weiter</strong></p>
<p>Angefangen hatte Jarvis&#8217; Netzkarriere vor zehn Jahren, genau genommen am 11. September 2001. Er befand sich damals als „dummer Journalist“, wie er selbst sagt, nur einen Block entfernt vom Südturm des World Trade Centers in New York, als dieser einstürzte. „Das war eine Erfahrung, die mein Leben veränderte. Ich entschied mich, für einige Wochen zu bloggen, um Gedanken und Erinnerungen an das Geschehen teilen zu können“. Dabei ist es nicht geblieben. Jarvis erklärt, das Bloggen habe nicht nur geholfen, die Ereignisse zu verarbeiten, sondern es habe auch seine Auffassung von Medien verändert. Seither versteht er diese als Mittel, um mit anderen in Dialog zu treten. „Wir alle sind Schöpfer geworden, jeder von uns ist Medium. Die alten<br />
Verteiler von Informationen werden nicht mehr so sehr wie früher<br />
gebraucht, sie sind nicht mehr die Vermittler und die<br />
Zwischenhändler, die entscheiden konnten, was mit der Gesellschaft<br />
geteilt werden soll.“<br />
Dass das Internet allen Menschen &#8220;eine Gutenberg-Druckerpresse&#8221; zur Verfügung zu stellen vermag, begeistert ihn nach wie vor, und er sieht gewaltige Vorteile in der daraus entstehenden Öffentlichkeit. Sie schaffe nicht nur Transparenz und Zusammenarbeit, sondern verhindere auch das Schubladendenken. Mit dem Internet sei ein neuer Wissensfluss entstanden und man könne neue Beziehungen aufbauen. Alles, was geteilt werden kann, solle geteilt werden. Jarvis selbst hat damit auch persönlich gute Erfahrung gemacht, als er vor zwei Jahren an Prostatakrebs litt und dies auch auf Twitter und Facebook bekannt gab. Damit fand er nicht nur Unterstützung durch seine Leser, sondern sieht darin auch eine Gelegenheit, andere Männer auf die Risiken aufmerksam zu machen und mit den eigenen Krankheitsdaten einen Beitrag zur Forschung zu leisten. Das Internet sei eine einmalige Gelegenheit, um sich auszudrücken und zu organisieren, so Jarvis, und damit ein einmaliger Machtgewinn für jeden Einzelnen.</p>
<p><strong>Wir müssen nicht dem Internet vertrauen, sondern den Menschen</strong></p>
<p>Wenn man all diese Argumente hört, könnte man meinen, Jeff Jarvis sei blind für negative Aspekte des Internet. Tatsächlich sieht er in Google oder Facebook längst nicht nur die datenhungrigen Konzerne, die zahlreiche andere in ihnen sehen. „Ich finde es sehr wichtig, dass Facebook und Google+ die Art, wie wir teilen, verändert haben“. Wen etwas an diesen Netzwerken störe, der könne ja jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln. „Wir haben zu viel Angst“, meint Jarvis. „Wir müssen den Menschen vertrauen, das ist die Grundvoraussetzung für Demokratie, freie Märkte, für Bildung und Journalismus.“ Selbstverständlich gebe es gute und schlechte Menschen in der Netzwelt genauso wie im Leben. Diese voneinander zu unterscheiden, müssten wir lernen, und die Kompetenz auch an unsere Kinder weitergeben.</p>
<p><strong>Das Internet benötigt Schutz</strong></p>
<p>Nicht unsere Privatsphäre, sondern das Internet selbst sieht Jarvis in Gefahr. Die Öffentlichkeit habe viel zu wenige Beschützer. Anstatt neuer Gesetze für das Internet sei dringend eine Diskussion über dessen Regulierung notwendig, sagt Jarvis, und meint, sich damit der deutschen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger anzuschließen. Ansonsten ist er aber weniger begeistert vom Umgang der Deutschen und ihrer Politiker mit dem Internet. In „Public Parts“ widmet er Deutschland und seiner Einstellung zum Datenschutz sogar ein eigenes Kapitel. Er mokiert sich darüber, dass Deutsche ein „Verpixelungsrecht“ für Google Street View fordern, sich aber mit wildfremden Menschen nackt in die Sauna setzen. Dass dies ein billiger Witz war, musste er sich mittlerweile selbst eingestehen. Seinem Ruf bei all den Fans, die ebenfalls genug von der Angst um die Privatsphäre haben, konnte dies trotzdem nicht schaden. Auch wenn <a href="/internet-freiheit-macht-nicht-frei" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Evgeny Morozovs</a> öffentliche Kritik an seinem Buch vor einigen Wochen zu einem regelrechten „Kritiker-Krieg“ zwischen den beiden bekannten Netz-Publizisten führte.</p>
<p>Worin Jarvis und Morozov sich wohl einig sein sollten, ist die Tatsache, dass Regierungen zur Gefahr für die Menschen werden können. Der Zugang zu einem freien Netz, zu unabhängigen Informationen und zu freier Rede im Internet stellt für beide Wissenschaftler ein Menschenrecht dar. Jarvis fügt hinzu, dass es einer Ethik bedürfe, die fordert, dass wir die uns im Netz anvertrauten Informationen vertraulich behandeln. Trotzdem müsse sich jeder der öffentlichen Sphäre bewusst sein und sollte auch nicht zum Teilen privater Informationen gezwungen werden. Facebook sei nun mal kein Platz für Geheimnisse. Jarvis hegt dennoch einen dringenden Wunsch: „Ich möchte nicht in einer privaten Gesellschaft leben, sondern in einer sozialen.“ Um diesen Wunsch verwirklichen zu können, müssten aber alle Menschen bereit sein, öffentlich Fehler zu machen und voneinander zu profitieren, statt das Wissen egoistisch für sich zu behalten.</p>
<p>Allen Skeptikern seiner Ideen gibt Jeff Jarvis auf seiner Tour stets einen Lieblingssatz mit auf den Weg, so auch an diesem Tag in Berlin: „We ain&#8217;t seen nothing yet“ – Das war erst der Anfang!</p>
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		<title>&#8220;Frauenquote wäre billige Symbolpolitik&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 12:48:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Marina Weisband]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><img src="/sites/politik-digital.de/files/marina_weisband.png" alt="by Bastian Bringenberg (CC BY 3.0)" align="left" height="149" width="100" /></b>Marina Weisband tanzt auf vielen Hochzeiten: als Künstlerin, Studentin und politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Öffentlich bekannt wurde sie durch ihren Auftritt bei der ersten Bundespressekonferenz der Piraten. Viele Medien stilisieren sie seitdem zur neuen Ikone der Piraten. Sie ist jedoch vor allem eins: eine engagierte und sympathische Parteiarbeiterin.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-6722" title="Marina Weisband" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/marina-weisband.png" alt="" width="185" height="194" />Marina Weisband tanzt auf vielen Hochzeiten: als Künstlerin, Studentin und politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Öffentlich bekannt wurde sie durch ihren Auftritt bei der ersten Bundespressekonferenz der Piraten. Viele Medien stilisieren sie seitdem zur neuen Ikone der Piraten. Sie ist jedoch vor allem eins: eine engagierte und sympathische Parteiarbeiterin.</p>
<p>Als freischaffende Künstlerin <a href="http://www.marinaslied.de/?page_id=493&amp;file=Zeichnungen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zeichnet sie besonders gerne Menschen</a>, sie schreibt gefühlvolle Lieder, spielt Gitarre und absolviert ein Psychologiestudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Unter <a href="http://www.marinaslied.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.marinaslied.de</a> betreibt sie ein eigenes Blog und erhielt erst kürzlich eine Kolumne auf faz.net, in der sie über Kleinigkeiten des Alltags schreibt. Der Titel: „<a href="http://faz-community.faz.net/blogs/skurril/default.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Salon Skurril</a>”. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die 24-jährige gebürtige Ukrainerin Marina Weisband jedoch durch ihr Engagement für die Piratenpartei Deutschland als deren <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Marina#Public_Key" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politische Geschäftsführerin</a> bekannt. Trotz dieser beträchtlichen Bandbreite an Interessen und Aktivitäten sieht Weisband sich nicht etwa als Workaholic, im Gegenteil: Sie bezeichnet sich selbst als faul. Jedoch sei sie ziemlich gut darin, viele Sachen zu machen, an denen sie Spaß habe. „Wenn man etwas mit Leidenschaft angeht, ermüdet das sehr viel weniger. Und ich liebe alles, was ich tue“.</p>
<p>Mit ihrem persönlichen Lebensweg und ihrem Selbstverständnis als Kosmopolitin findet Weisband sich auch im Menschenbild der Piraten vom selbstbestimmten, global denkenden und freiheitsliebenden Wesen wieder. Die Ukrainerin wuchs in Kiew auf und wanderte 1994 mit ihrer Familie nach Deutschland aus. Mit ihrem Geburtsland fühlt sie sich auch heute noch eng verbunden und verfolgt mit Sorge die aktuellen politischen Entwicklungen. Ihrer Ansicht nach braucht die Ukraine dringend eine Revolution. Die dortige Regierung funktioniere ohne Geld nicht mehr, nicht einmal, wenn ehrliche Politiker es versuchen. Niemand in der Ukraine mache Politik, ohne in irgendwelche Machenschaften verwickelt zu sein. Auch die Ikone der „Orangenen Revolution“, Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, nicht. Dass aber nur sie dafür angeklagt wurde und nicht alle anderen im Kabinett, sei ein unfaires Vorgehen gegen eine Politikerin gewesen, die sich für Demokratie und Mitbestimmung einsetze. „Die Ukrainer müssen mehr an sich glauben und den Stolz wiederfinden, der sie zur Orangenen Revolution getrieben hat“. Es brauche dort noch dringender eine Piratenpartei als in Deutschland, befindet Weisband.</p>
<p>Als politische Geschäftsführerin ihrer Partei vertritt sie diese in Öffentlichkeit und Medien. Zudem ist sie für den Betrieb des Beteiligungstools LiquidFeedback verantwortlich, das der innerparteilichen Meinungsbildung dient. Ihre Aufgabe ist es aber auch, unterschiedliche Positionen innerhalb der Partei zusammenzubringen – sicherlich der schwierigere Part ihrer Arbeit. Ihre politische Motivation beschreibt sie als „Liebe und Neugier gegenüber Menschen“. Aus dieser Einstellung heraus reifte im Jahre 2009 auch ihr Entschluss, in die Politik zu gehen. Die Piraten versteht sie als die Partei, die zurück zu den Wurzeln der Politik kehrt, die nach Antworten auf die Frage sucht, wie wir zusammenleben und wie möglichst viele Menschen möglichst glücklich werden können: „Wir sind jung und unerfahren &#8211; darin liegt unsere Stärke. Wir hinterfragen festgefahrene Konzepte, überprüfen sie auf ihre Notwendigkeit und modernisieren“. Der Politikstil der Piraten sei von Transparenz und Mitbestimmung geprägt &#8211; auch weit über die Grenzen der Partei hinaus.</p>
<p>Zum Bundesparteitag in Offenbach am vergangenen Wochenende zieht die Piratin ein positives Fazit. Sie sei selbst überrascht gewesen, wie sachlich und effizient dieser abgelaufen sei: „Wir haben uns zu sehr vielen Themen außerhalb unseres Kerns im Bereich Netzpolitik positionieren können. Und das unter verstärkter Beobachtung! Das hat mir gezeigt, dass die Piratenpartei erwachsen wird“, resümiert Weisband. Als ihr politisches Steckenpferd bezeichnet sie das Thema Aufklärung. Immanuel Kants „Sapere aude!“ lässt grüßen. Dazu gehöre das Feld der Transparenz genauso wie Bildung, die ihr besonders am Herzen liegt. Diese ist für Weisband der Grundstein der Piratenpolitik, da das Internet sehr viel von dem verändere, „was und wie wir lernen sollten und können“. Kindern müssten in einer Schule der Zukunft in erster Linie zwei Kompetenzen vermittelt werden: Informationen zu finden und sie zu bewerten. Da die Menschheit mit dem Netz über eine riesige Wissensressource verfüge, müsse es zur menschlichen Kernkompetenz werden, diese auch effektiv zu nutzen. Seitdem die umtriebige Piratin vor einiger Zeit in einem anonymen Anti-Suizid-Chat als Beraterin gearbeitet hat, versteht sie die Notwendigkeit von Anonymität im Netz und setzt sich dafür ein. Ebenso engagiert sie sich für die Möglichkeiten, das Netz zu nutzen, um demokratische Beteiligung zu erzielen. Neben der Ausarbeitung von Konzepten zum demokratischen Diskurs gehört dazu auch die Verbesserung des LiquidFeedback-Systems. Öffentlichkeit und Medien werfen den Piraten vor, eine männerdominierte Partei zu sein, in der Frauen grundsätzlich benachteiligt seien. Wie positioniert sich Marina Weisband in der Geschlechterdebatte?</p>
<p>Aus ihrer Sicht ist es lächerlich, eine Quote als Lösung für den niedrigen Frauenanteil in der Piratenpartei heranzuziehen. „Wir sind eine basisdemokratische Partei. Eine Quote könnten wir nur in den Vorständen einführen. Was würde das bringen? Vorstände haben in der Piratenpartei kaum etwas zu sagen. Das wäre billige Symbolpolitik“. Das eigentliche Problem sei, dass weniger Frauen als Männer in die Partei einträten. Das liege daran, dass politische Parteien gemeinhin weniger Frauen als Männer in ihren Reihen hätten. Andererseits lägen die Wurzeln der Piraten im IT-Bereich, in dem traditionell weniger Frauen aktiv seien. Dass Frauen in diesen Kreisen seltener sind, sei ein gesellschaftliches Problem. „Natürlich versucht die Piratenpartei das zu lösen. Zum Beispiel durch Frauen, die als Beispiel dienen wollen und zeigen, dass man sich als Frau bei uns sehr wohl fühlen kann“. Wichtiger aber sei die Förderung einer geschlechtsneutralen Erziehung, die das Potenzial jedes Kindes, von Mädchen und Jungen gleichermaßen, entfalten lasse. Und wer sonst als Marina Weisband selbst ist ein besseres Beispiel dafür, dass es Frauen auch ohne Frauenquote bis ganz oben in der Piratenpartei schaffen können?</p>
<p><strong>Bildnachweis:</strong> Foto von Marina Weisband by <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Marina_Weisband_Portrait.jpg&amp;filetimestamp=20111006165536" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bastian Bringenberg (CC BY 3.0)</a></p>
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		<title>Internet-Freiheit macht nicht frei</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lena Herzog]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 17:28:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
		<category><![CDATA[Evgeny Morozov]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/morozov01.png" align="left" height="137" width="180" />Während es in der arabischen Welt brodelt und der Begriff „Facebook-Revolution“ in aller Munde ist, verweist einer hartnäckig auch auf die dunkle Seite der Internet-Freiheit: Der Blogger und Journalist Evgeny Morozov zeigt sich wenig euphorisch und warnt vor zunehmender Überwachung, Zensur und Propaganda. Bei einem Zwischenstopp in Berlin traf politik-digital.de ihn für ein Interview.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-6708" title="Evgeny Morozov" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/evgeny_morozov.png" alt="" width="171" height="137" />Während es in der arabischen Welt brodelt und der Begriff „Facebook-Revolution“ in aller Munde ist, verweist einer hartnäckig auch auf die dunkle Seite der Internet-Freiheit: Der Blogger und Journalist Evgeny Morozov zeigt sich wenig euphorisch und warnt vor zunehmender Überwachung, Zensur und Propaganda. Bei einem Zwischenstopp in Berlin traf politik-digital.de ihn für ein Interview.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der aus Weißrussland stammende Evgeny Morozov forscht aktuell als Gastdozent an der Stanford University im kalifornischen Palo Alto. Bekannt wurde er Anfang dieses Jahres durch sein Buch „The Net Delusion: The Dark Side of Internet Freedom“, in dem er darlegt, warum das Internet und soziale Netzwerke seiner Ansicht nach nicht die befreiende Rolle einnehmen können, die ihnen oft zugeschrieben wird, und in dem er unter anderem die Existenz einer Twitter- Revolution im Iran mit Zahlen widerlegt.Zuletzt führte er einen öffentlichen Disput mit dem bekannten Journalisten und Publizisten Jeff Jarvis über die in dessen Buch „Public Parts: How Sharing in the Digital Age Improves the Way We Work and Live“ geäußerten Thesen. Morozov warf Jarvis in einem Beitrag für das Magazin The New Republic (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/netzdiskurs-das-elend-der-internetintellektuellen-11504372.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsch</a> / <a href="http://www.tnr.com/print/article/books/magazine/96116/the-internet-intellectual" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Englisch</a>) u.a. eine oberflächliche Betrachtungsweise des Spannungsverhältnisses von Privatsphäre und Öffentlichkeit vor, woraufhin Jarvis <a href="http://www.buzzmachine.com/2011/10/13/a-bad-review-of-me/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine ausführliche Replik schrieb</a>.</p>
<p>Der 27-jährige Morozov <a href="http://neteffect.foreignpolicy.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bloggt auf Net Effect</a> für das US-Magazin Foreign Policy und schreibt für verschiedene Medien, darunter für die New York Times, das Wall Street Journal, die Financial Times und den britischen Guardian. Sein Hauptinteresse gilt den neuen Technologien und ihrem Einfluss auf die Gesellschaft. Der Netz-Skeptiker versucht die Rolle des Internet als „Revolutions-Maschine“ zu relativieren und warnt zugleich vor dessen Missbrauch durch autoritäre Regime. Als Aktivist in der NGO <a href="http://www.tol.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transitions Online</a> reiste er einige Jahre durch Europa, Weißrussland und Zentralasien und traf Aktivisten und Blogger. Dabei erkannte er laut eigenen Angaben die dunklere Seite des Internet und „dass Regierungen oft viel schlauer sind als Aktivisten“. Mit der Zeit stellte er sich die Frage, wie das Internet und Technologien mit Geschichte und Kultur verbunden sind.</p>
<p>Nach und nach entfernte er sich vom Fokus auf autoritäre Staaten, um sich mehr mit kulturellen Fragen zu beschäftigen, wie mit dieser: „Was bedeutet das Internet und wie können wir ihm einen Sinn geben?“ Morozov ist viel unterwegs, hält Vorträge auf der ganzen Welt und macht sich sein eigenes Bild der entsprechenden Länder. In der vergangenen Woche war er zu Gast als Redner beim internationalen <a href="http://www.wissen-und-macht.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Symposium „Wissen und Macht“</a> im Deutschen Technikmuseum Berlin. Mit politik-digital.de sprach er dort über die Rolle des Internet, über den Einfluss von Facebook und seine persönliche Arbeit. Eindringlich warnt Morozov davor, dass die Art und Weise, wie Konzerne alle Arten von intellektuellem, kulturellem und rhetorischem Kapital mobilisieren, um ihre Aktivitäten normal erscheinen zu lassen, genau das ist, was ihre Macht und Gefahr für uns ausmacht.</p>
<p align="center"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/morozov02.png" alt="" width="250" height="173" /></p>
<p align="center"><strong>Lena Herzog (politik-digital.de) im Gespräch mit Morozov<br />
</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Herr Morozov, Sie schreiben über die dunkle Seite der Internet-Freiheit. Hat die Freiheit im Internet denn ihrer Meinung nach auch positive Aspekte und Vorteile?<br />
</strong></p>
<p>Zuerst einmal muss ich klar stellen, dass der Untertitel meines Buches, „The Dark Side of Internet Freedom“, sich nicht auf die Freiheit der Inhalte im Internet bezieht, sondern auf das Grundsatzprogramm des US-Außenministeriums. Ich kritisiere ganz einfach Hillary Clintons Ansichten von Internet-Freiheit, ich kritisiere nicht die Freiheit, E-Mails zu senden, an wen auch immer. Die positiven Aspekte des Internet sind, dass es Zugang zu Informationen ermöglicht und die Kommunikation mit anderen Menschen erleichtert. Die offenkundigste Nutzung des Internet liegt in der sozialen Mobilisierung und der Suche nach Informationen, die Regierungen oder andere öffentliche Akteure nicht preisgeben wollen. Aber es gibt auch Grenzen der Nutzung, und diese sind: Propaganda, Überwachung und Zensur. Wir müssen sicher gehen, dass wir all diese negativen Aspekte minimieren. Daran habe ich in den vergangenen Jahren gearbeitet.</p>
<p><strong>Wie denken Sie, können die Leute wahren Einfluss auf die Demokratie erlangen, wenn das nicht durch das Internet möglich ist?<br />
</strong></p>
<p>Ich habe nicht gesagt, dass das nicht durch das Internet versucht werden soll. Es ist alles eine Frage der sinnvollen Technologie, entsprechender Instrumente und Netzwerke. Die wesentliche Frage ist, wie wir Zugang zur politischen Welt bekommen können, ohne trivialen Lösungen zu verfallen, die das Internet bietet. Ich befürchte, dass viele Leute sich entscheiden werden, eine Facebook-Gruppe zu gründen, obwohl andere Optionen verfügbar sind, weil Facebook cool, billig und kosteneffizient ist. Für mich ist die wichtigste Frage, inwiefern das Internet seine eigenen Lösungen vorschlägt und ob die Menschen diese nutzen werden. Wenn es das tut, dann wird exakt die Art von falschem ideologischen Bewusstsein dahinter stecken, das uns nach Instrumenten greifen lässt, nicht etwa weil wir sie benutzen müssen, sondern weil unsere Umwelt uns denken lässt, dass diese Instrumente perfekt geeignet sind.</p>
<p><strong>Denken Sie also, dass es nötig ist, zu den „altmodischen“ Mitteln zu greifen, um eine Revolution herbeizuführen?<br />
</strong></p>
<p>Ich sage nicht, dass das nötig ist. Ich sage nur, dass die Anwendbarkeit dieser Methode und Strategie vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Umwelt geprüft werden muss. Man kann nicht feststellen, ob das Internet passend oder unpassend dafür ist, indem man nur das Internet selbst betrachtet. In einigen Fällen gehen bereits bestehende soziale Gruppen auf Facebook oder Twitter, um ihre Projekte voranzutreiben. In manchen Fällen wird man Leute erleben, die sich bisher nicht an öffentlichen Diskussionen beteiligt haben und die im Internet Gleichgesinnte finden, mit denen gemeinsam etwas Größeres entwickeln und sich für ihre Themen einsetzen. Das ist auch in Ordnung, aber es muss immer im Kontext beurteilt werden. Kontextualisierung im Hinblick auf das Internet ist so eine Art größeres Ziel von mir. Ich möchte zeigen, dass Technologie und das Internet selbst, so einflussreich es ist, nicht die Aktionen vorschreiben sollten. Die Taten müssen aus einem tatsächlichen Engagement der Gesellschaft hervorgehen.</p>
<p><strong>Wie wir alle wissen, sammeln und speichern Konzerne wie Facebook und Google zahllose Daten, die wir ihnen bei unserer Internetnutzung übermitteln. Bisher haben wir uns hauptsächlich darüber unterhalten, wie autoritäre oder totalitäre Regime diese Daten missbrauchen können. Sehen sie auch von diesen Konzernen selbst eine Gefahr für unsere Freiheit ausgehen?<br />
</strong></p>
<p>Es gibt verschiedene Gründe, weshalb diese Konzerne bedrohlich für uns sein können. Teilweise sammeln sie sehr viele Daten und es ist klar, dass diese Daten irgendwo auftauchen werden und uns gefährlich werden können. Sicherheit ist großartig, wenn wir sie nicht auf eine einzige Karte setzen. Facebook weiß so viel über uns und gibt so viele Informationen über uns preis, dass wir das Thema Datenschutz für immer vergessen werden können. Deshalb macht die Tatsache, dass Facebook so mächtig ist, es so bedrohlich. Der Fehler von Facebook liegt darin, dass sie die Daten nicht vernichten bzw. löschen. Hinzu kommt, dass diese Firmen unser Verhalten beeinflussen, sie formen unsere Erwartungen und Ideologien. Die Idee, für die Mark Zuckerberg jetzt wirbt, ist die des partiellen Teilens. Das wird als cool angepriesen, als etwas, das relevant für das Internet-Zeitalter ist. Aber wenn man genau darüber nachdenkt, ist es nur ein Euphemismus für eine Überwachung durch den großen Bruder. Die Tatsache, dass partielles Teilen uns als etwas völlig Normales erscheint, sollte erforscht werden. Die Art und Weise, wie diese Konzerne alle Arten von intellektuellem, kulturellem und rhetorischem Kapital mobilisieren, um ihre Aktivitäten normal erscheinen zu lassen, ist genau das, was ihre Macht und Gefahr für uns ausmacht. Es ist die scheinbare Normalität, die sie erzeugen, und das stört mich persönlich sehr.</p>
<p><strong>Sollten nun also Regierungen Auflagen für Facebook oder Google machen?<br />
</strong></p>
<p>Ja. Ich glaube nur nicht, dass wir schon an einem Punkt angelangt sind, an dem wir intellektuell so weit sind, zu wissen, wie diese Auflagen aussehen sollen. Es gibt zwar bereits Regelungen zum Beispiel im Sinne des Datenschutzes. Es ist nicht so, dass Regierungen komplett übersehen, dass es Regelungsbedarf gibt, aber sie denken, dass sie für bestimmte Themen nicht das intellektuelle Kapital besitzen und nicht den Hintergrund haben, um zu verstehen, wie soziale Personalisierung funktioniert, Facebooks neue Timeline aussieht oder das neue Gesichtserkennungsprogramm in Drittanbieter integriert werden wird. Das ist alles sehr kompliziert und es ist sehr einfach, dieses Gebiet überzuregulieren, besonders in Europa. Das ist etwas, was ich nicht möchte. Ich möchte sicher stellen, dass diese Konzerne neue Anwendungen entwickeln und neue Plattformen aufbauen können. Ich will aber auch sicher gehen, dass sie nicht damit davon kommen, dass sie Dinge behaupten, die weder wir noch politische Entscheidungsträger verstehen. Mein ganzes Projekt geht in einem gewissen Sinne darum, zu versuchen, diese Entscheidungsträger, Journalisten und Intellektuelle zu einer kritischeren Einstellung gegenüber diesen Konzernen zu bewegen.</p>
<p><strong>Was planen Sie als nächstes?<br />
</strong></p>
<p>Ich fühle mich gut damit, dass ich einen gewissen Einfluss auf die öffentliche Debatte über Technologie und das Internet besitze. Nächstes Jahr werde ich ein neues Buch veröffentlichen und ich schreibe Buchkritiken und Aufsätze. Im Englischen gibt es leider das Wort „Publizist“ nicht, auf Deutsch hat es eine viel bessere Bedeutung. Ich sehe mich selbst irgendwo in diesem Bereich, als ein öffentlich agierender Intellektueller. Welches Projekt ich als nächstes verfolge? Mir einen Bart wachsen lassen!</p>
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		<title>Netzaktivist  mit Wut und Herz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Drescher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 17:40:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Netzaktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten. Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Urbach]]></category>
		<category><![CDATA[Telecomix]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/urbach_5.jpg" align="left" height="104" width="155" />Stephan Urbach ist Pirat, Datenfreund und Kommunikationshelfer im Arabischen Frühling. Vor allem aber will der Berliner Netzaktivist Freiheit - für Menschen, Computer und Daten. Ein Porträt. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-6718" title="Stephan Urbach" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/stephan_urbach.png" alt="" width="185" height="121" />Stephan Urbach ist Pirat, Datenfreund und Kommunikationshelfer im Arabischen Frühling. Vor allem aber will der Berliner Netzaktivist Freiheit &#8211; für Menschen, Computer und Daten. Ein Porträt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stephan Urbach ist derzeit eine gefragter Gesprächspartner. Nicht etwa weil er als Pirat unter Piraten haust und einer seiner Mitbewohner bald ins Berliner Parlament einziehen wird. Für Aufsehen sorgte er vielmehr als &#8220;Revolutionshelfer&#8221; im Arabischen Frühling. Als das Mubarak-Regime im Januar dieses Jahres Ägypten vom Netz nahm, solidarisierten sich weltweit Internetnutzer, um die isolierten Aktivisten wieder zurück ins Netz zu holen. Mit dabei auch das Kollektiv <a href="#home" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telecomix</a>, in dem Stephan Urbach seit 2009 aktiv ist. Er und andere Telecomix-Agenten, wie sich die Netzaktivisten selbst nennen, bauten via Telefon oder Analog-Modems alternative Verbindungen auf und erhielten schon nach kurzer Zeit Nachrichten aus Ägypten. Telecomix sei so etwas wie eine Werkstatt für das globale Internet. Wenn irgendwo die freie Kommunikation unterbrochen wird, werde man aktiv. &#8220;Freiheit ist der Normalzustand, den es wiederherzustellen gilt&#8221;, findet der 31-Jährige – und meint damit vor allem die Freiheit zu kommunizieren. Er ist der Überzeugung, dass der Freiheitsgrad einer Gesellschaft am Freiheitsgrad ihrer Kommunikationsnetze gemessen werden soll.</p>
<p>Seit dem Sommer konzentrieren sich Urbach und seine Kollegen, die unter anderem aus Schweden und Frankreich stammen, auf Syrien. Die Auseinandersetzung zwischen oppositionellen Kräften und dem autoritärem Regime hat dort bislang mehr als 3.000 Menschenleben gefordert. Berichte aus unabhängigen Quellen gibt es wenige, denn das Regime zensiert und überwacht das Internet. Die Kommunikationshelfer von Telecomix unterstützen oppositionelle Stimmen, indem sie über Verschlüsselungstechniken informieren, Verbindungen zu sicheren IRC-Chats und Proxy-Servern anbieten und die Nachrichten aus Syrien im Netz verbreiten. Infolge der Ereignisse in Syrien ist der arbeitslose Urbach in den vergangenen Monaten zum <a href="http://www.spreeblick.com/2011/08/31/telecomix-its-all-about-fun/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vollzeitaktivisten</a> geworden. Ein Hacker sei er aber nicht: &#8220;Programmieren ist für mich harte, körperliche Arbeit&#8221;. Stattdessen redet er: mit Aktivisten aus Syrien, mit den anderen Mitgliedern des Netzwerkes, mit Journalisten, die Kontakte oder Informationen wollen. Was ihn dabei antreibt, sind die Geschichten, die er zu verbreiten hilft. Wie die von Muhammad, einem 20-jährigen Freiheitskämpfer aus Syrien, dem er ein <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-08/interview-syrien-aktivist" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview in der Zeit</a> vermittelte. Sein größtes Erfolgserlebnis sei aber eine E-Mail gewesen. Darin bedankte sich ein junger Ägypter, dass er dank der Unterstützung von Telecomix endlich seinen Eltern schreiben konnte. Zumindest teilweise erfolgreich war auch die <a href="http://netzpolitik.org/2011/bluecoat-us-technologie-uberwacht-syrische-online-burger/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Veröffentlichung von Logdateien</a> syrischer Router durch Telecomix. Diese weisen angeblich nach, dass in Syrien Überwachungssoftware der US-amerikanischen Firma <a href="http://www.bluecoat.com/company" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bluecoat</a> eingesetz wurde. Die Forderung Urbachs nach einem &#8220;Exportverbot für Überwachungstechnologie&#8221;, fand jedoch wenig Unterstützung.</p>
<p>Urbachs Arbeitsplatz ist eine chaotische Wohnküche in Berlin-Friedrichshain. Während des Gesprächs blickt er immer wieder auf sein Macbook. Im Minutentakt kommen Nachrichten via IRC-Chat, Twitter, Jabber oder das Mail-Programm herein: Kommunikation auf allen Kanälen. Dabei mag Stephan Urbach Menschen eigentlich überhaupt nicht. Deshalb wäre er damals auch am liebsten in seinem Kellerzimmer im hessischen Hanau vor dem Bildschirm sitzen geblieben. Aber die Politik hat ihn herausgetrieben &#8211; zum Glück, möchte man fast sagen. Die ersten Netzsperren in den 1990er Jahren und später die restriktiven Anti-Terror-Gesetze haben ihn wütend gemacht, ihn politisiert. Die logische Konsequenz: Pirat werden. &#8220;Alle anderen waren zu verkrustet. Und wir hatten die Chance, etwas Neues zu machen, die Partei von Anfang an zu prägen&#8221;.</p>
<p>Wütend ist Urbach immer noch, über <a href="http://www.elektrischer-reporter.de/phase3/video/252" target="_blank" rel="noopener noreferrer">staatliche Überwachung</a> und auf die zunehmend paternalistische Politik: &#8220;Der Staat kann uns nicht alles verbieten. Wir müssen Fehler machen dürfen!&#8221; Statt neue Gesetze zu veranlassen, die den einzelnen entmündigen, solle die Politik lieber mehr Geld in Bildung investieren. Und natürlich in den weiteren Ausbau der Breitbandverbindung: &#8220;Es kann doch nicht sein, dass wir mitten in Berlin nur eine 3000er-Verbindung haben&#8221;.</p>
<p>Daten sind essentiell in Urbachs Welt. Daten seien frei, gehören keinem, und nichts und niemand dürfe den freien Fluss der Daten unterbrechen, <a href="http://datalove.me/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beschreibt der Datenliebhaber</a> seine Philosophie. Obwohl Urbach bekennendermaßen nicht viel von Datenschutz hält, will er mit der Post-Privacy-Bewegung und der datenschutzkritischen <a href="http://blog.spackeria.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spackeria</a> nichts <a href="http://stephanurbach.de/2011/03/warum-datalove-nicht-post-privacy-ist/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu tun haben</a>. &#8220;Alles, was man ins Netz stellt, ist öffentlich, Privat ist, was im Kopf ist. Sobald die Daten im Netz sind, gehören sie nicht mehr dir!&#8221;. Sensible Daten hätten deshalb grundsätzlich nichts im Netz zu suchen &#8211; genausowenig wie die Server von Versicherungen oder Krankenhäusern. Und wer bei Amazon einkauft und dort seine Kreditkartennummer hinterlässt? Selbst schuld. Mehr informelle Selbstbestimmung sei nötig, dazu fehle es aber vor allem vielen jungen Menschen noch an Wissen und Kompetenz.</p>
<p>Wo er die Bewegung und die Piratenpartei in zehn Jahren sieht? &#8220;Entweder, wir werden es großflächig verkacken und so wie alle anderen werden, oder wir schaffen es, Transparenz zu leben und die Menschen mit einzubeziehen&#8221;. Sinn und Zweck der Piratenpartei sei es auch, ihr technisches Elitenwissen zu teilen und anderen zugänglich zu machen. Daran seien die Nerds und Hacker bisher immer gescheitert. Und es gehe auch darum, menschlich zu bleiben: &#8220;In der Politik geht es noch viel zu viel um Macht und viel zu wenig um Mensch sein&#8221;.</p>
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