<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kopftuchstreit &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/kopftuchstreit/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Kopftuchstreit &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Deutschland sollte endlich eine gesteuerte und gezielte Einwanderung bekommen.</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/deutschland_sollte_endlich_eine_gesteuerte_und_gezielte_einwanderung_bekommen-269/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/deutschland_sollte_endlich_eine_gesteuerte_und_gezielte_einwanderung_bekommen-269/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuchstreit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/deutschland_sollte_endlich_eine_gesteuerte_und_gezielte_einwanderung_bekommen-269/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte 
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und<br />
wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im<br />
ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute Marieluise Beck, die<br />
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und<br />
Integration. Können wir loslegen, Frau Beck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Beck, im Vermittlungsausschuss wird derzeit zwischen Union und Rot-Grün<br />
über das Zuwanderungsgesetz verhandelt. Ihre Parteichefin Angelika<br />
Beer hat gefordert: &quot;die wesentlichen Bestandteile&quot; des rot-grünen<br />
Gesetzentwurfes müssten erhalten bleiben, sonst werde das ganze Vorhaben<br />
platzen. Sehen Sie das auch so und wo ist die Grenze für Sie, hinter<br />
die man nicht zurückfallen darf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die Grenze wird grob dort markiert, wo es eine Verschärfung<br />
und Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Ausländerrecht gäbe.<br />
Allerdings, muss man sich in Erinnerung rufen, weshalb dieses neue Gesetz<br />
überhaupt gemacht wurde. Deutschland sollte endlich eine gesteuerte<br />
und gezielte Einwanderung bekommen, damit wir den Herausforderungen einer<br />
modernen Gesellschaft gewachsen sind. Wer fordert den Anwerbestop aufrechtzuerhalten,<br />
negiert den eigentlichen Impuls für dieses Gesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>soso</b>:<br />
Die Debatte im Bundesrat zum Einwanderungsgesetz war peinlich für<br />
die Politik und der Sache schädlich. Wie haben sie sich dabei gefühlt<br />
und was denken sie in der Sache darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck:</b> Ich habe als Zuschauerin dem Drama im Bundesrat beigewohnt.<br />
Als &quot;Ausländerbeauftragte&quot; bin ich sehr wohl vertraut damit,<br />
dass gerade Ausländerthemen immer wieder als Folie herhalten müssen<br />
für politische Auseinandersetzungen, bei denen es eigentlich um Machtfragen<br />
geht. Das finde ich sehr bedauerlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
Wie will man Chancengleichheit für Migrantinnen und Migranten herstellen,<br />
wenn Politik und Gesellschaft diese nach wie vor als unbeliebte aber für<br />
den Bedarfsfall nützliche Humanressource betrachten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie treffen den Kern des Problems mit ihrer Einschätzung.<br />
Ich bin fest davon überzeugt, dass Integration nur gelingen kann,<br />
wenn wir den Migrantinnen und Migranten echte Angebote machen, zu unserer<br />
Gesellschaft dazuzugehören. Das bedeutet vor allem, Chancen zu eröffnen<br />
in Bildung und Ausbildung, in Zugängen zu gesellschaftlichen Institutionen<br />
und mit einer Haltung, die gleichzeitig kulturelles und religiöses<br />
Anderssein respektiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kerner</b>:<br />
Aber wollen Ausländer dazu gehören? Sie schotten sich doch ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Das halte ich für ein gut gepflegtes Vorurteil, das<br />
bedauerlicherweise oft von jenen geäußert wird, die den Einwanderern<br />
nicht wirklich die Türen in unserer Gesellschaft öffnen wollen.<br />
Nach meinen Erfahrungen überschätzen wir als Aufnahmegesellschaft,<br />
wie viele kleine Demütigungen, Kränkungen und Zurückweisungserfahrungen<br />
es für viele Migrantinnen in unserer Gesellschaft gibt und damit<br />
produzieren wir zum Teil den Rückzug, den wir dann beklagen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard.jpg" alt="Marieluise Beck" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Migros</b>:<br />
Heißt integrieren Deutsch-werden? Und wie werde ich deutsch? Wo<br />
fängt das an und wo hört das auf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Chapeau. Es gibt nicht den Ausländer und es gibt nicht<br />
den Otto-Normaldeutschen, der als Maßstab für vollzogene Integration<br />
herhalten könnte. Moderne Gesellschaften sind pluralistisch, das<br />
heißt es gibt lesbische, heterosexuelle, asiatisch aussehende, schwarze,<br />
jüdische, christliche, atheistische, muslimische, buddhistische Menschen,<br />
jeweils unter den Deutschen und auch unter den Migranten. Gemeinsam Basis<br />
für das Deutschsein sind die Grundwerte der Verfassung und die Rechtsordnung.<br />
Kulturelle und religiöse Differenz, sind von den klugen Verfassungsvätern<br />
und -Müttern explizit geschützt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Veronika</b>:<br />
Wie können Sie als Ausländerbeauftragte überhaupt Einfluss<br />
nehmen auf die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
Ausländern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die schärfste Waffe der Migrationsbeauftragten ist<br />
das Wort. Wie ich höre, hat auch der Bundespräsident keine anderen<br />
Instrumente in der Hand oder im Mund. Es geht immer um Aufklärung,<br />
Ausleuchten des Fremden und Unbekannten, Dialog, sich Kennenlernen, Einschätzen<br />
können, was das Fremde oder die Fremden mitbringen oder durch ihre<br />
Symbole vermitteln wollen. Kurz gesagt, es gibt keine Alternative zu einer<br />
aufklärenden Debatte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zum &quot;Deutschsein&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pauöli</b>:<br />
Aber jede Gesellschaft und jeder Staat muss doch klare Grenzen haben,<br />
sonst macht das Staatsbürgerrecht ja keinen Sinn mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie haben vollkommen Recht. Es geht mit der Staatsbürgerschaft<br />
um die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die Eintrittsbedingungen in<br />
eine Nation sind klar definiert, sei es durch Geburt oder bei den Einbürgerungen<br />
durch Aufenthaltszeiten, Sprachkenntnisse und die Sicherung des eigenen<br />
Lebensunterhaltes plus die Anerkennung der Verfassungswerte und des Rechtsstaates<br />
als gemeinsame Grundlage für die Zugehörigkeit zu einer Nation.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UmsÖ</b>:<br />
Die Franzosen sind ganz &quot;natürlich&quot; stolz auf ihr Land.<br />
Sollten die Deutschen das auch sein und entspannter damit umgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Angesichts der unfassbaren Ereignisse, die durch den deutschen<br />
Faschismus in die Welt getragen worden sind, fällt es schwer, umstandslos<br />
stolz auf dieses Land und damit seine Geschichte zu sein. Anders als in<br />
Frankreich mit seiner republikanischen Tradition und einem unbefangenen<br />
Patriotismus ist nach der deutschen Geschichte das Verhältnis zur<br />
Nation gebrochener. Es geht in Deutschland immer darum, die dunklen und<br />
die hellen Seiten der eigenen Geschichte gemeinsam auszuleuchten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare zu Staatsbürgerschaft und Deutsch-Sein:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student nl</b>:<br />
Ich sehe es nicht mehr wirklich ein, den Kopf einzuziehen, denn ich meine,<br />
ein Deutscher kann stolz darauf sein, wie er mit seiner Geschichte umgeht,<br />
anders als die Japaner z.B., deren Präsident das Grab eines Kriegsverbrechers<br />
ehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
apropos Deutsch-Sein: Teile unserer Gesellschaft sollten es akzeptieren,<br />
dass der Gedanke vom Deutsch-Sein aufgrund der Abstammung in die Geschichte<br />
gehört. Für eine überfällige Errungenschaft des Staatsbürgerschaftsgesetztes<br />
halte ich die Tatsache, dass deutsche Staatsbürgerschaft nun aufgrund<br />
des Jus Soli erreicht werden kann. Der Gedanke vom &quot;deutschen Blut&quot;<br />
gehört endgültig aufs Abstellgleis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Zu student nl: Es geht bei der Haltung gegenüber Deutschland<br />
nicht um individuelle Schuldgefühle, die eine zweite und dritte Nachkriegsgeneration<br />
zu Recht zurückweist. Es geht allerdings dennoch, um ein historisches<br />
Bewusstsein, dass die Nation, zu der wir als Bürgerinnen und Bürger<br />
gehören, eine Geschichte hat, die wir nicht negieren können,<br />
und die gleichzeitig auch Verpflichtungen für unsere Haltung und<br />
Handlungen, jetzt, bedeuten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kommentar<br />
zu Gunnar</b>. Sie haben ja Recht. Das Absurde in Deutschland war,<br />
dass bis zur Staatsbürgerschaftsrechtsreform im Jahr 2000 Ausländer<br />
in deutschen Kreissälen geboren wurden. Rein statistisch wäre<br />
die Zahl der Ausländer in Deutschland deutlich niedriger, wenn wir<br />
wie andere republikanische Staaten das Jus Soli (Geburtsrecht) früher<br />
eingeführt und Einbürgerungen erleichtert hätten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur folgenden Frage: Haben Sie da Erfahrungen, vielleicht im Austausch<br />
mit den Ausländerbeauftragten anderer Länder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pontek</b>:<br />
Wieso haben andere Staaten denn nicht dieses Problem, so haben sich die<br />
Kolonialmächte in ihrer Blütezeit auch nicht gerade mit Ruhm<br />
bekleckert. Gewiss ist die deutsche Schuld eine besondere, aber gerade<br />
in Sachen Rassismus ist bspw. die USA (Sklavenhandel etc.) auch nicht<br />
gerade ein Vorbild, aber mit Patriotismus hat dort keiner Probleme!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Um diese schwierige Frage zu beantworten, muss man vermutlich<br />
etwas tiefer in die deutsche Geschichte und in die Frage der Nationenbildung<br />
einsteigen. Die USA und Frankreich &#8211; deren Nationenbildung fand eindeutig<br />
auf der Basis von allgemeinen Bürgerrechten statt und machte damit<br />
ein Angebot an alle Bürger, sich mit dem eigenen &quot;Vaterland&quot;<br />
zu identifizieren &#8211; während zeitgleich im mitteleuropäischen<br />
Raum, der jetzt Deutschland ist, noch viele Kleinstaaten plus das Königsreich<br />
Preußen und das Kaiserreich Österreich existierten. Deutschland<br />
verstand sich deswegen lange Zeit als Kulturnation, zusammengehalten durch<br />
Sprache und Kultur, und der positive Rückgriff auf allgemeine Werte,<br />
wie die Bürgerrechte fand nicht statt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Halstuch</b>:<br />
In Berlin werden Kopftücher für Lehrerinnen nicht verboten,<br />
lese ich. In Baden-Württemberg wird eifrig an einem Gesetz gearbeitet.<br />
Diese Uneinheitlichkeit ist verwirrend und verunsichert. Sollten sie da<br />
nicht ein Machtwort sprechen?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich kann ihnen nur zustimmen. Ich finde auch, dass man<br />
politische Entscheidungen viel öfter mir übertragen sollte,<br />
dann hätten wir nicht so ein Durcheinander im Föderalismus.<br />
😉 </p>
<p>
Angesichts der Tatsache, dass die Schulpolitik in die Hoheit der Länder<br />
fällt und es sich bei der Kopftuchfrage um eine schulische Angelegenheit<br />
handelt, können in den Ländern unterschiedliche Gesetze gemacht<br />
werden. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil die<br />
Grundlagen für eine solche Gesetzgebung deutlich markiert: wenn man<br />
sich entscheidet, die Institution Schule säkular werden zu lassen,<br />
das heißt religiöse Symbole und Inhalte aus dem Ort Schule<br />
verbannt, dann muss das alle Religionen in gleichem Maße treffen.<br />
Die Alternative ist das Zulassen von Vielfalt. Grenzen bestehen dort,<br />
wo religiös-politisch missioniert wird. Ich gehe davon aus, dass<br />
der Versuch der Kultusministerin Schavan, diese Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts<br />
zu umgehen und die christlich, jüdischen Symbole als &quot;normal&quot;,<br />
die islamischen als nicht-zugehörig, zu definieren, verfassungsrechtlich<br />
nicht standhalten wird.
</p>
<p></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wo endet die Gleichheit der Kulturen? Warum soll die christliche Kultur,<br />
die die deutsche Nation Jahrhunderte lang prägte und ja immer noch<br />
gelebt wird, nicht vorrangig vermittelt werden?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Wir haben in Deutschland eine sehr dramatische Erfahrung,<br />
wie über den Ausschluss einer Religion, nämlich der jüdischen,<br />
die dann sogar zu der künstlichen Definition einer Ethnie umgedeutet<br />
wurde, zunächst zu harten Diskriminierungen und dann zur Ausmerzung<br />
führte. Die Gleichheit der Religionen, die die Verfassungsväter-<br />
und mütter ins Grundgesetz geschrieben haben, ist eine historische<br />
Konsequenz aus diesem Teil der deutschen Geschichte. Das bedeutet jedoch<br />
nicht, dass wir eine christlich- abendländische Prägung, die<br />
wir zweifellos haben, verstecken sollten.</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Magenta</b>:<br />
Wie reagieren Schüler auf das Kopftuch? Gibt es dazu Untersuchungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Anders als die aufgeregte politische Debatte, sind in den<br />
Orten, wo es kopftuchtragende Lehrerinnen gibt, Schülerinnen und<br />
Schüler und auch Eltern deutlich gelassener mit dieser Frage umgegangen,<br />
als die ideologischen Vorturner. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Jahren<br />
kopftuchtragende Lehrerinnen und es sind keinerlei Konflikte aus diesen<br />
Schulen bekannt geworden. Es gab sogar Protestaktionen von Schülern,<br />
Schülerinnen und Eltern, nachdem einer kopftuchtragenden Referendarin<br />
die Weiterbeschäftigung untersagt wurde, weil sie ihre Lehrerin wiederhaben<br />
wollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wilhelms</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Beck, auch auf die Gefahr hin, dass Sie schon mal auf<br />
eine ähnliche Frage geantwortet haben: Wie wollen Sie mit dem Problem<br />
umgehen, dass die islamische Religion &#8211; in ihrer Entwicklung 600 Jahre<br />
rückständig &#8211; auf eine radikale Missionierung der christlich-jüdischen<br />
Welt aus ist? Ähnlich wie die Kreuzfahrer üben sich auch die<br />
heutigen radikalen Moslems nicht in Toleranz und gefährden unsere<br />
innere Sicherheit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt nicht die Christen und nicht die Moslems. Es gibt<br />
in der Tat höchst alarmierenden politischen Extremismus, der meint<br />
sich vom Islam ableiten zu können, sowohl in fundamentalistischen<br />
Staaten, wie Afghanistan unter den Taliban, Iran unter den Mullahs und<br />
zum Beispiel der Norden Nigerias. Doch ebenso wie das Christentum sich<br />
einen kulturellen Wandel nicht entziehen konnte, gibt es auch einen Islam,<br />
der die universellen Menschenrechte anerkennt, und damit auch demokratische<br />
und Gleichheitsgrundsätze. Wenn wir diese Ausdifferenzierung des<br />
Islam nicht wahrzunehmen bereit sind, verlieren wir jede Chance auf Dialog.<br />
Die Friedensnobelpreisträgerin dieses Jahres ist eine Muslime aus<br />
dem Iran.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>matze3</b>:<br />
Ich habe einen Bericht über die steigende Kriminalität bei russischen<br />
Aussiedlern gesehen. Dort scheint es ein zunehmendes Integrations-Problem<br />
zu geben. Wie wollen Sie diese Bevölkerungsgruppe stärker integrieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt leider keinen Instrumentenbaukasten &quot;Integration&quot;,<br />
wie den Arztkoffer. Trotz Sprachkursangeboten und Qualifikationsangeboten<br />
durch die Bundesanstalt für Arbeit, gibt es in der Tat viele Konflikte<br />
vor Ort mit Spätaussiedlern, die zu zunehmenden Anteilen mitreisende<br />
russische Familienmitglieder sind. Ich gehe davon aus, dass es keine Alternative<br />
zu dem sehr mühseligen Weg gibt, auch für diese Zugewanderten<br />
möglichst viele gesellschaftliche Chancen zu eröffnen, das heißt<br />
Zugänge zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen, damit sie selber<br />
einen integrierten Weg durch die deutsche Gesellschaft für lohnenswert<br />
erhalten, als einen desintegrierten, der Kriminalität, formal Drogenabhängigkeit<br />
und Gewalttätigkeit, bedeutet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
In vielen Städten ist eine Gettoisierung von einzelnen Stadtvierteln<br />
bereits Fakt. Duisburg-Marxloh oder das Rollberg-Viertel in Berlin-Neukölln<br />
&#8211; dort wohnen auch viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion.<br />
Der Berliner &quot;Tagesspiegel&quot; sprach gestern von &quot;no-go-areas&quot;.<br />
Die Politik sei hilflos, heißt es. Ist die Gettoisierung noch rückgängig<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich selber verwende den Begriff des Gettos nicht, weil<br />
er historisch klar definiert ist, als auch räumlich abgeschlossen.<br />
Ich halte es für treffender, von ethnischen Communities zu sprechen,<br />
deren Entstehung überall auf der Welt mit Migration verbunden ist.<br />
Man denke an Chinatown in New York oder das Holländische Viertel<br />
in Potsdam. Problematisch werden diese Communities dann, wenn sie sozial<br />
zerfallen, über extrem hohe Arbeitslosigkeit, miserable städtebauliche<br />
Verhältnisse, Unterbeschäftigung von Jugendlichen, Perspektivlosigkeit<br />
und fehlenden sozialintegrativen Angeboten. Insofern handelt es sich bei<br />
den Problemen, in den von Ihnen genannten Vierteln zumeist, neben den<br />
ethnischen Problemen, immer auch um soziale Probleme. Das konnte man übrigens<br />
in England, bei den gewalttätigen Revolten von jungen Migranten,<br />
deutlich lernen. Bei einer solchen Zusammenballung von Problemen, gibt<br />
es keine Alternative, als auch in diesen Räumen, Perspektiven auf<br />
Chancen der Teilhabe entgegenzusetzen durch Investitionen in Bildung,<br />
Anschluss zum Arbeitsmarkt und Stadtentwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman991</b>:<br />
Was sagen Sie zu der Angst Vieler, dass gerade in der heutigen Krisenzeit<br />
hohe Zuwanderung die Deutschen Probleme speziell auf dem Arbeitsmarkt<br />
vergrößert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Generell ist ökonomisch belegt, dass wir bisher durch<br />
die Zuwanderung wirtschaftlich profitiert haben. Sowohl in den Unternehmen<br />
als auch in den Sozialversicherungssystemen. Zuwanderung von Menschen,<br />
die auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Chance bekommen, ist in der Tat<br />
ein Problem. Nicht nur weil der Arbeitsmarkt ein zentraler Ort von Integration<br />
ist, sondern weil sonst auch Kosten entstehen. Wir wissen aber, dass es<br />
namhafte Bereiche auf dem Arbeitsmarkt gibt, die von deutschen Arbeitnehmern<br />
nicht mehr angenommen werden. Dazu gehören Pflege, Gastronomie, Haushalt.<br />
Gleichzeitig haben wir auch im hochqualifizierten Bereich Segmente des<br />
Arbeitsmarktes, bei dem gutqualifizierte Menschen fehlen und deren Nichtvorhandensein<br />
Arbeitsplätze kostet. So wissen wir inzwischen, dass jeder eingereiste<br />
IT- Fachmensch, drei Arbeitsplätze in Deutschland nach sich gezogen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hopi</b>:<br />
Wie lange muss ich mich in einem geeinten Europa noch entscheiden, ob<br />
ich Deutsche ODER Italienerin sein will &#8211; wann wird die doppelte oder<br />
die europäische Staatsbürgerschaft verwirklicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ist für Deutsche und Italiener bereits der Fall &#8211;<br />
seit einem Jahr.<br />
Innerhalb der EU gibt es eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit bei der<br />
Hinnahme von Doppelstaatsbürgerschaft.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat- und Politik- Interessierte, vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und die zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Frau Beck, dass Sie sich<br />
die Stunde Zeit genommen haben (es ist sogar etwas mehr geworden). Das<br />
Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/deutschland_sollte_endlich_eine_gesteuerte_und_gezielte_einwanderung_bekommen-269/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
