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	<title>Krisengebiet &#8211; politik-digital</title>
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		<title>„In Afghanistan wird gekämpft, getötet und gestorben“</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Oct 2008 15:49:35 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Christian Thiels war am 21. Oktober zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de.  Der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zuständig für die Themen Verteidigung und Äußeres, stellte sich den zahlreichen Fragen zur Lage der  Bundeswehr in Afghanistan.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Christian Thiels war am 21. Oktober zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de.  Der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zuständig für die Themen Verteidigung und Äußeres, stellte sich den zahlreichen Fragen zur Lage der  Bundeswehr in Afghanistan.<!--break--></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen, liebe Leser, zum tagesschau-Chat. Heute zu Gast bei uns: Christian Thiels, Korrespondent hier im ARD-Hauptstadtstudio und verantwortlich für Verteidigung. In den kommenden 60 Minuten stellt er sich Ihren Fragen rund um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Vielen Dank, Christian Thiels, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Wir beginnen mit der ersten Frage.
</p>
<p><b></b></p>
<p>
<b>Flitzer:</b> Wie oft sind Sie schon in Afghanistan gewesen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich war acht Mal in Afghanistan. Ein sehr spannendes und an vielen Stellen wunderschönes Land.
</p>
<p>
<b>Redondo:</b> Wie lange muss die Bundeswehr Ihrer Einschätzung nach noch mindestens in Afghanistan bleiben? Kann man das in Jahren abschätzen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Das kann man nicht abschätzen. Ich bin kein Prophet. Aber wenn die Bundesregierung an ihrer Strategie festhält, können wir schon von einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren ausgehen.
</p>
<p>
<b>Klaus:</b> Ist Ihrer Meinung nach die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan richtig?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Meine persönliche Meinung spielt da keine Rolle. Ich fürchte, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Alternative zur Verlängerung dieses Einsatzes gibt.
</p>
<p>
<b>Gudrun:</b> Was denken Sie: Was passiert mit Afghanistan, wenn alle Truppen abgezogen sind? Wann könnte das sein?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Im Idealfall können die Afghanen selbst für Sicherheit sorgen und im schlimmsten Fall versinkt das Land wieder in Chaos und Bürgerkrieg.
</p>
<p>
<b>logojan:</b> Kann nicht humanitäre Hilfe mehr bewirken als militärische?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Auf jeden Fall geht das Eine nicht ohne das Andere. Humanitäre Hilfe kann nur dann richtig wirken, wenn das Umfeld sicher ist. Dazu braucht man zur Zeit wohl auch Militär.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das war die Frage, die die meisten User schon Vorfeld als interessanteste bewertet haben. Hier kommt die Nummer zwei unserer &quot;Top Ten&quot;:
</p>
<p>
<b>UH-1D:</b> Hat nicht auch die viel kürzere Ausbildung von Unteroffizieren und das Lösen vom Prinzip &quot;immer eine Stufe höher Ausbilden&quot; einen Einfluss auf die steigenden Gefallenenzahlen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Ausbildung der Soldaten für den Afghanistan-Einsatz ist auch im internationalen Vergleich sehr, sehr gut. Trotzdem kann keine Ausbildung der Welt die Soldaten auf alles vorbereiten.
</p>
<p>
<b>Demos:</b> Wie erleben die Soldaten vor Ort die Situation?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Für die Soldaten ist das ein Krieg, in dem sie stehen. Für sie ist es unwichtig, wie die Politik das nennt.
</p>
<p>
<b>RheinhessenAZ:</b> Ausbildung und Ausrüstung sind Schlüsselbegriffe in der Diskussion um den Einsatz. Wie fühlen sich die Soldaten im Einsatzgebiet ausgerüstet und ausgebildet? Sind sie auch dann noch zufrieden, wenn die Kamera aus und das Mikrofon weg sind?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Soldaten sind nicht hundertprozentig zufrieden mit ihrer Ausrüstung, vor allem gibt es zu wenig gepanzerte Fahrzeuge. Das sagen die Soldaten inzwischen auch in die Kamera.
</p>
<p>
<b>afga:</b> Wie sind die deutschen Soldaten in Afghanistan geschützt?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Soldaten haben verschiedene gepanzerte Fahrzeuge. Manche sind nur sehr leicht geschützt, andere sehr stark gepanzert. Die Ausrüstung hat sich ansonsten in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Was es in Afghanistan für die Soldaten nicht gibt, wird vor allem aus politischen Gründen nicht zur Verfügung gestellt.
</p>
<p>
<b>Bacio:</b> Können unsere Soldaten ihre eigentliche Aufgabe, nämlich für die Sicherheit der Afghanen zu sorgen, überhaupt noch erfüllen, wenn sie nur noch mit dem Eigenschutz beschäftigt sind? Je mehr sie sich einigeln müssen, desto größer wird doch die Distanz zur Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Genau so ist es. Deshalb versucht die Bundeswehr auch verstärkt, afghanische Polizisten und Soldaten auszubilden. Aber der Kontakt zur Bevölkerung ist ansonsten immer eingeschränkter.
</p>
<p>
<b>lieselotta:</b> Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen deutschen Soldaten und den Hilfsorganisationen vor Ort aus?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Hilfsorganisationen wollen nicht direkt mit den Soldaten in Verbindung gebracht werden, weil sie Angst vor Anschlägen haben. Aber sie schätzen die Präsenz der Bundeswehr, weil sie eine Atmosphäre sicher stellt, in der die Hilfsorganisationen arbeiten können.
</p>
<p>
<b>Schekker:</b> Mein Eindruck ist, dass die Empörung in der deutschen Bevölkerung über den Verlust (so nennt man es doch militärisch) von deutschen Soldaten im Ausland gar nicht so groß ist. Haben sich die Deutschen schon daran gewöhnt, dass Soldaten im Einsatz auch fallen können? Teilen Sie diesen Eindruck?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Diesen Eindruck teile ich nicht. Bislang hat die Bundeswehr vergleichsweise wenig Gefallene zu beklagen. Ich bin aber sicher, dass die Empörung sehr groß sein wird, wenn plötzlich eine große Anzahl Soldaten getötet wird, z. B. bei einem Hinterhalt, wie ihn die Franzosen vor wenigen Wochen erlebt haben.
</p>
<p>
<b>Timo Haller:</b> Warum ist die Politik nicht &quot;Manns genug&quot;, endlich diesen Einsatz als Kriegseinsatz zu definieren, der er ja ist und der Truppe auch ein entsprechendes Mandat und Bewaffnung zu geben?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Streng juristisch ist es kein Kriegseinsatz und auf diese Position zieht sich die Politik zurück. Ob das ehrlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber wenn die Politik zugeben würde, dass in Afghanistan so etwas wie ein Krieg stattfindet, hätte das auch Folgen für Wahlkämpfe.
</p>
<p>
<b>hh12345:</b> &quot;Deutschland und unsere Freiheit werden am Hindukusch verteidigt&quot;, wird oft gesagt. Ich kann das ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Inwiefern ist die Sicherheitslage hier von der in Afghanistan abhängig?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Afghanistan war jahrelang ein Land, in dem internationale Terroristen ausgebildet wurden und ihre Anschläge vorbereitet haben. Auch Anschläge in Großbritannien zum Beispiel. Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Afghanistan und auch Pakistan eine Brutstätte für diesen Terrorismus sind.
</p>
<p>
<b>Samson:</b> Hallo, Herr Thiels. Denken Sie, dass die Bundeswehr seinen Bündnispartnern gegenüber in der Pflicht steht, auch Truppen in den stärker umkämpften Süden Afghanistans zu schicken? Bzw. denken Sie, dass die deutschen Soldaten hierzu überhaupt über die nötige Ausrüstung bzw. Ausbildung verfügen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Der Druck auf die Bundesregierung wird zunehmen, die Bundeswehr auch in den Süden zu schicken. Länder wie Kanada und die Niederlande tragen dort die Hauptlast der Kämpfe. Grundsätzlich könnten auch deutsche Soldaten Kampfeinsätze durchführen. Sie sind dafür ausgebildet und auch ausgerüstet. Die Kanadier haben sich zum Beispiel deutsche Panzer geliehen, um sie in Afghanistan einzusetzen.
</p>
<p>
<b>Ergo:</b> Wie beurteilen Sie die Polizeiausbildung durch deutsche Polizisten? Laut Medienberichten sind wohl sehr wenige Beamte vor Ort.
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Ausbildung ist an sich gut, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es sind tatsächlich viel zu wenig Ausbilder vor Ort und diese müssen mit wenig geeigneten Polizeirekruten arbeiten. Die Kurse sind zudem viel zu kurz, um effektiv zu sein. Da muss noch sehr, sehr viel geschehen.
</p>
<p>
<b>Sanchez:</b> Welche Rolle spielt die EU in Afghanistan?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Eine zu kleine. Die EU hat bspw. die Polizeiausbildung übernommen. Aber wirklich viel geschehen ist trotzdem nicht. Den größten Teil der Ausbildung von Polizei und Armee schultern nach wie vor die Amerikaner, die auch das meiste Geld nach Afghanistan pumpen.
</p>
<p>
<b>wolf:</b> Warum ist es nicht möglich, die Kräfte und finanzielle Mittel so zu bündeln, dass in Afghanistan der Bevölkerung sinnvoll geholfen werden kann? Das von den Politikern oft propagierte &quot;Afghan First Programm&quot; &#8211; welches in der Realität nicht existiert &#8211; sollte von allen GO, NGO und der NATO verinnerlicht und umgesetzt werden. Jede Verdienstmöglichkeit für die afghanischen Menschen, entzieht diesen und deren Familien den Einfluss der Taliban und sichert das Leben unserer Soldaten in AFG.
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> In dem Punkt haben Sie sicher Recht. Das Problem ist nur häufig, dass sehr viel Geld durch Korruption überhaupt nicht bei den Afghanen ankommt.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Bei der Bundeswehr wird immer von Transformation gesprochen. Ist die Bundeswehr soweit mit der Transformation, um Terrorismus erfolgreich bekämpfen zu können oder müsste die Bundeswehr noch sehr viel lernen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Bundeswehr hat wenig Erfahrung mit der Bekämpfung von Terrorismus. Sie muss da noch sehr viel lernen. Das könnte sie vor allen Dingen von den Briten. Denn die haben in Nordirland jahrzehntelang mit Anschlägen und terroristischen Aktivitäten zu tun gehabt.
</p>
<p>
<b>Zweifler:</b> Ist das Ganze nicht ein Teufelskreis? Seit dem 11. September 2001 werden so viele militärische Aktionen mit der Abwehr der Terrorgefahr begründet. Auf der anderen Seite rufen diese Aktionen immer neue Reaktionen der Terroristen hervor. Wo wird diese Spirale von Gewalt und Gegengewalt hinführen? Wie mein Chatname schon sagt, zweifele ich daran&#8230;
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Gute Frage. Mit Militär allein wird man den Terrorismus nicht besiegen können. Wichtiger wäre es, für die Menschen in Afghanistan eine konkrete Lebensperspektive zu schaffen. So kann man dem Terrorismus möglicherweise den Boden entziehen. Die Gleichung &quot;Mehr Militär gleich mehr Sicherheit&quot; geht so sicher nicht auf.
</p>
<p>
<b>versus:</b> Herr Thiels, was erwarten Sie von der deutschen Medienlandschaft? Welchen Stellenwert haben sie bezüglich der Berichterstattung über den deutschen Afghanistan-Einsatz?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die deutschen Medien müssen versuchen, ein möglichst realistisches Bild vom Afghanistan-Einsatz zu zeichnen. Dazu gehört auch die Ehrlichkeit, Kämpfe und Tote zu benennen und nicht nur das Bauen von Brücken und das Bohren von Brunnen zu zeigen. Die Leser, Zuschauer oder Hörer sollten sich so ihre eigene Meinung bilden können, ob sie diesen Einsatz für sinnvoll halten oder nicht.
</p>
<p>
<b>Interessiert:</b> Wie sähe eine solche Lebensperspektive Ihrer Meinung nach aus? Wo liegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten Afghanistans, neben dem Drogenanbau?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Afghanistan war Jahrhunderte lang ein wichtiger landwirtschaftlicher Faktor in der Region. Schon jetzt werden mit landwirtschaftlichen Exporten beachtliche Umsätze erzielt &#8211; auch abseits des Drogenhandels. Diese Rolle könnte Afghanistan in Zukunft verstärken.
</p>
<p>
<b>cgs:</b> Herr Thiels, was hat sich in Afghanistan, sowohl positiv als auch negativ, verändert, seit die Bundeswehr dort im Einsatz ist?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels: </b>Positiv ist sicher, dass es an vielen Stellen konkrete Verbesserungen für das Leben der Menschen gegeben hat. Zum Beispiel, dass die Wasserversorgung, die medizinische Versorgung und der Aufbau der Infrastruktur deutliche Fortschritte gemacht haben. Auch können viele Kinder zur Schule gehen, die früher nicht zur Schule gehen konnten. Aber natürlich gibt es auch viele Rückschläge. Ungelöst ist vor allem die Frage, wie in Afghanistan Arbeitsplätze für eine ganze Generation junger Menschen geschaffen werden können.
</p>
<p>
<b>Sanchez:</b> Könnten die deutschen Soldaten in AFG nicht zukünftig eine Sonderrolle einnehmen? Eine etwaige Fusion von Militär und Entwicklungshelfer? Das würde doch einiges erleichtern. Außerdem genießen die Deutschen in AFG doch recht gutes Ansehen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll wäre, Militär und zivile Entwicklungshilfe zu vermischen. Alle Entwicklungshelfer, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass eine solche Vermischung ihre Arbeit nur schwerer machen würde, denn es würde sie zum Ziel von Anschlägen machen.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Zu den Lebensumständen: Herr Thiels, wenn Sie mir ein Bild von Afghanistan malen sollten. Was wäre auf dem Bild zu sehen? Krieg oder Frieden? Bevölkerung oder Soldaten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Wahrscheinlich würde dieses Bild etwas von allem enthalten, aber wenn es ein Wunschbild wäre, dann wären dort überhaupt keine Soldaten mehr zu sehen.
</p>
<p>
<b>querbeet:</b> Was auf der einen Seite als Terrorismus bezeichnet wird, nennt die andere Freiheitskampf. Wäre nicht eine differenziertere Berichterstattung angezeigt, damit wir die Lage objektiver beurteilen können?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich weiß nicht, was es mit Freiheitskampf zu tun hat, wenn kleine Kinder bei einem Anschlag zerfetzt werden.
</p>
<p>
<b>Mel:</b> Sind eigentlich immer noch Entführungen an der Tagesordnung? Wie bewegen Sie sich als Korrespondent in Afghanistan?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Es gibt nach wie vor Entführungen, sogar eine richtige Entführungsindustrie. Doch die trifft vor allem die Afghanen selbst. Als Korrespondenten sind wir entweder gemeinsam mit Militär unterwegs oder möglichst unauffällig in zivilen Fahrzeugen und ohne irgendwelche militärische Begleitung. Doch das ist nicht überall möglich, obwohl es einen deutlich besseren Eindruck von Land und Leuten vermittelt.
</p>
<p>
<b>Adger:</b> Herr Thiels, schadet die Haltung der deutschen Politik in Afghanistan zur Rolle der Bundeswehr und die Beurteilung des Konflikts der Stellung Deutschlands bei den Verbündeten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Zumindest werden die Deutschen bei den Verbündeten immer kritischer beäugt. Der Druck auf Deutschland wird vor allem nach den US-Wahlen deutlich zunehmen. Eine Sonderrolle wird Deutschland nicht mehr gestattet sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Stichwort US-Wahlen:
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Welche Auswirkung hätte die Wahl von Obama?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Obama hat schon während des Wahlkampfs sehr deutlich gemacht, dass er von den Europäern ein stärkeres Engagement in Afghanistan erwartet. Damit meint er nicht nur, aber auch, Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir kommen noch einmal zurück auf die Rolle als Korrespondent vor Ort:
</p>
<p>
<b>cgs:</b> Herr Thiels, in wie weit können sich Journalisten frei bewegen in Afghanistan? Stichwort &quot;eingebettete Journalisten&quot;.
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Es gibt Regionen, in denen man sich als Korrespondent relativ frei bewegen kann. Voraussetzung dafür ist, dass man sich bei den örtlichen Stammesführern &quot;angemeldet&quot; hat. Allerdings gilt das nicht für alle Regionen. Wenn man als &quot;eingebetteter Journalist&quot; mit dem Militär unterwegs ist, muss man immer wissen, dass man nur die eine Seite kennen lernt. Und da gilt es auch, besonders kritisch zu sein.
</p>
<p>
<b>Howdy Howdy:</b> Sind Sie zum Eigenschutz bewaffnet, wenn Sie unterwegs sind? (Ich meine in Afghanistan, nicht in Berlin ;-))
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Nein, ich bin nicht bewaffnet. Ich bin ja kein Soldat oder Polizist. Übrigens trage ich auch in Berlin keine Waffe.
</p>
<p>
<b><br />
christian:</b> Wie verständigen Sie sich dort &#8211; Urdu, Persisch, Paschtu?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Mit Übersetzer. Denn mein Paschtu oder Dari ist ein bisschen &quot;eingerostet&quot;. 😉
</p>
<p>
<b>Sascha Keth:</b> Wie fühlt man sich, so nahe an der Front der Taliban?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Es ist sehr spannend. Wenn man sieht, welche Probleme die Bevölkerung hat, dann relativiert das viel von dem, über was wir uns in Deutschland aufregen.
</p>
<p>
<b>Howdy Howdy:</b> Haben Sie manchmal Angst?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Eigentlich nicht. Natürlich gibt es Situationen, in denen einem schon mulmig wird. Aber wenn man aus solchen Regionen der Welt berichtet, muss man sich auf die Arbeit konzentrieren und hat wenig Zeit, ständig über die Risiken nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Haben Sie es schon erlebt, dass einzelne aus der Bevölkerung Hass oder Wut auf Sie als Deutschen hatten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Hass nicht, aber Feindseligkeit habe ich schon erlebt. Etwa, wenn Kinder Steine auf Bundeswehrfahrzeuge werfen. Ich persönlich habe mit den Afghanen bislang nur sehr positive Erfahrungen gemacht. Ein sehr gastfreundliches Volk.
</p>
<p>
<b>Adger:</b> Nir Rosen hat sich (nicht unumstritten) bei den Taliban &quot;embedden&quot; lassen und für den Rolling Stone von dort berichtet. Was halten Sie von dieser Art der Berichterstattung?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich habe einen Kollegen, der etwas ähnliches gemacht hat. Ich glaube, dass es zum ganzen Bild dazu gehört, auch die Motive von denjenigen zu beleuchten, die für Anschläge verantwortlich sind.
</p>
<p>
<b>cgs:</b> Herr Thiels, was war Ihre außergewöhnlichste Erfahrung, die Sie bislang aus Afghanistan mitnehmen werden?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Das die Menschen sehr offen, sehr freundlich und ungewöhnlich kommunikativ sind. Konkret habe ich ein sehr langes, intensives Gespräch mit einem Offizier der afghanischen Armee geführt, der die Lage in seinem Land ausgesprochen realistisch und keineswegs besonders optimistisch beschrieben hat.
</p>
<p>
<b>Herold:</b> Wie wird die Anwesenheit der Bundeswehr von dem größten Teil der afghanischen Bevölkerung Ihrer Ansicht nach beurteilt?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Sehr schwere Frage, denn den größten Teil der Bevölkerung kenne ich ja nicht. Aber es gibt Umfragen, die belegen, dass zumindest eine Mehrheit der Befragten die Präsenz der Deutschen  als sehr positiv wahrnimmt.
</p>
<p>
<b>buraQ:</b> Herr Thiels, finden Sie, dass es eine richtige Entscheidung der Regierung war, überhaupt einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zu starten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Grundsätzlich finde ich es richtig, dass Deutschland den Afghanen helfen will. Aber mir ist der zivile Wiederaufbau zu wenig betont worden. Soll heißen, es wird immer noch viermal soviel für Militär, wie für zivile Projekte ausgegeben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine Frage zum Selbstmordanschlag in Afghanistan, bei dem gestern zwei Bundeswehrsoldaten starben:
</p>
<p>
<b>Ekko:</b> Was denken Sie, wenn Sie die Reaktionen der deutschen Politiker nach so einem Anschlag hören? Sind es nicht immer die gleichen, gebetsmühlenartig wiederholten Luftblasen? Was glauben Sie: Wie kann man erreichen, dass die Politik angemessen auf die sich in Afghanistan verschlimmernde Lage reagiert?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Indem man das Thema öffentlich immer wieder diskutiert und der Politik nicht durchgehen lässt, dass sie die Lage am Hindukusch schön redet. Tatsächlich hat sich in diesem Punkt auch in den vergangenen Monaten etwas getan. Von Kampf wollte vor einem Jahr noch niemand reden.
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Warum spricht die Presse nicht von Krieg? Schließlich sind wir dort im Krieg?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Weil es rein formal kein erklärter Krieg ist. Aber ich will mich nicht mit juristischen oder semantischen Haarspaltereien rausreden. Wenn wir über Afghanistan berichten, beschreiben wir sehr deutlich, dass dort gekämpft, getötet und gestorben wird.
</p>
<p>
<b>Delta:</b> Wie betrachten Sie die Akzeptanz des Einsatzes in der (deutschen) Bevölkerung? Wird er überhaupt wahrgenommen? Wird der Sinn verstanden? Wie steht es Ihrer Meinung nach im Allgemeinen um die Akzeptanz der Bundeswehr in der BRD?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Bundeswehr hat grundsätzlich ein gutes Image. Vor allem dann, wenn sie in Deutschland, zum Beispiel bei der Oderflut, konkret hilft. Den Einsatz in Afghanistan lehnt ja eine große Mehrheit der Deutschen ab. Das liegt sicher auch daran, dass die Politik ihn zu wenig erklärt und auch nicht ehrlich mit den Risiken umgeht.
</p>
<p>
<b>Ackermann:</b> Wir reden hier immer von der Ausrüstung der Soldaten. Fühlen Sie sich von der ARD gut ausgerüstet für den Einsatz in Afghanistan?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die ARD geht sehr behutsam mit Reisen in Krisengebiete um. Ich persönlich bin in speziellen Kursen vorbereitet worden &#8211; nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch bei einem britischen Anbieter. Unsere Ausrüstung ist auf unsere Aufgabe als Korrespondent ziemlich gut abgestimmt. Ich kann mich nicht wirklich beklagen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Zurück zur Information der Bürger über den Afghanistan-Einsatz:
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Warum kümmern sich deutsche Politiker um die Wünsche der Afghanen und nicht um die Wünsche der deutschen Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Politik setzt die Schwerpunkte, die sie für richtig hält. Glücklicherweise haben wir Wahlen, bei denen jeder Bürger mit seinem Kreuzchen klar machen kann, ob er diese Schwerpunkte richtig oder falsch findet.
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Sind Sie mit dem Vorgehen der Amerikaner in Afghanistan einverstanden?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Amerikaner sind nicht nur für Bombenangriffe und zivile Opfer verantwortlich, sondern sie leisten auch den größten Teil der Ausbildung von Armee und Polizei. Das befürworte ich sehr. Aber die Art und Weise, wie sie offenbar bewusst den Tod vieler Unschuldiger in Kauf nehmen, muss man heftig kritisieren.
</p>
<p>
<b>julian: </b>Wie muss sich die Zusammenarbeit mit Pakistan ändern, um die Terroristen in den Grenzgebieten besser verfolgen zu können?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ohne Pakistan wird sich die Lage in Afghanistan niemals beruhigen. Europa und auch Deutschland müssen viel mehr an konkreter Entwicklungshilfe in Pakistan leisten, um den Menschen in den Regionen, wo der Terror seine Zufluchtsstätte hat, eine Lebensperspektive abseits von Terrorismus zu bieten.
</p>
<p>
<b>Herold: </b>Wie sieht die Information der afghanischen Bevölkerung über das Geschehen in ihrem Land aus?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> In Afghanistan gibt es eine ganze Reihe von Radiostationen und Fernsehsendern, dazu auch diverse Zeitungen. Das wichtigste Medium ist aber das Radio, weil kaum jemand einen Fernseher hat und viele Menschen schlicht nicht lesen und schreiben können.
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Können sich deutsche Soldaten unzensiert über die Meinung der deutschen Bevölkerung informieren? Werden deutsche Programme dorthin übertragen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ja. Die deutschen Soldaten können sich völlig frei zum Beispiel im Internet informieren. Außerdem werden sehr viele deutsche Fernsehsender auch in Afghanistan in den Lagern gesehen. Nur das Radioprogramm ist von der Bundeswehr.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> So klar scheint die Ablehnung der Deutschen des Afghanistan-Einsatzes gar nicht zu sein: In einer (nicht repräsentativen) Umfrage unter unseren Lesern haben 51 Prozent geantwortet, die Bundeswehr solle sich aus Afghanistan zurückziehen, 49 Prozent haben dagegen gestimmt. Herr Thiels, überrascht Sie das?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Das überrascht mich nicht, denn unsere Web-User sind in der Regel anders und besser informiert als der Durchschnittsbürger.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die Zeit ist fast um, wir kommen zur letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Andi:</b> Wie sehen Sie die Chancen, dass Afghanistan später mal wieder ein souveräner Staat wird?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Afghanistan ist ein souveräner Staat. Aber ihre Frage zielt ja darauf, ob Afghanistan einmal ohne ausländische Hilfe auskommen wird. Ob mit oder ohne Militär &#8211; der Weg wird noch ein sehr, sehr langer sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die 60 Minuten sind schon wieder um. Vielen Dank, Christian Thiels, und vielen Dank, liebe Leser, für Ihre Fragen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Nicole Diekmann, tagesschau.de.</i></p>
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		<item>
		<title>Links, zwo, drei, vier (Kalenderwoche 12)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 10:38:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Kuba]]></category>
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					<description><![CDATA[Endlich Computer für Kuba, „Troll“-Überfälle auf Blogs und Provider
als Hilfspolizei: Die interessantesten Links in Sachen Internet und Politik
aus dieser Woche.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich Computer für Kuba, „Troll“-Überfälle auf Blogs und Provider<br />
als Hilfspolizei: Die interessantesten Links in Sachen Internet und Politik<br />
aus dieser Woche.<!--break--> </p>
<p class="MsoPlainText">
&nbsp;
</p>
<p class="MsoPlainText">
<a href="http://futurezone.orf.at/it/stories/263087/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><o:p>Polens Ex-Premier gegen E-Voting</o:p></a><a href="http://futurezone.orf.at/it/stories/263087/"></a><br />
Ex-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski contra Online-Stimmabgabe: Internet sei nur für<br />
pornosehende Biertrinker
</p>
<p class="MsoPlainText">
<o:p></o:p><a href="http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/369835/index.do" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Endlich Computer für Kubaner</a><br />
Kuba hebt Computerverbot auf, Toaster gibt´s aber erst ab<br />
2010
</p>
<p class="MsoPlainText">
<o:p></o:p><a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3198777,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogger berichten aus Tibet</a><br />
Erfahrungsberichte von Touristen und Aktivisten aus dem Krisengebiet
</p>
<p class="MsoPlainText">
<o:p></o:p><a href="http://online.wsj.com/public/article/SB119845369610047739-HO4rhgbfFJlXp5fI2DSFMz9FJjo_20080122.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Clinton-Kampagne von &quot;Trolls&quot; überfallen</a><br />
Überfall der „Trolls“ auf Blogs der Clinton-Kampagne,<br />
Diskussionsforum „Daily Kos“ wehrt sich
</p>
<p class="MsoPlainText">
<o:p></o:p><a href="http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/provider-als-content-cops/?src=TE&amp;cHash=29d6a2d7c9" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Provider als Hilfspolizei</a><br />
Online-Anbieter sollen<br />
Tauschbörsen den Internetzugang kappen</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/presseschau/links-zwo-drei-vier-kalenderwoche-12-3815/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Ulrike von Pilar über &#8216;Ärzte ohne Grenzen&#8217;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ulrike_von_pilar_ueber_039aerzte_ohne_grenzen039-257/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Krisengebiet]]></category>
		<category><![CDATA[Spende]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrike von Pilar]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfsorganisation]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Ärzte ohne Grenzen]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="fett">
Am Donnerstag, 06. Januar, war Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin 
der Hilfsorganisation &#34;Ärzte ohne Grenzen&#34; von 13 
bis 14 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen über den Einsatz 
von &#34;Ärzte ohne Grenzen&#34; in der Tsunami-Katastrophenregion 
und anderen Krisengebieten sowie über den Umgang mit Spendengeldern</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"><br />
Am Donnerstag, 06. Januar, war Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin<br />
der Hilfsorganisation &quot;Ärzte ohne Grenzen&quot; von 13<br />
bis 14 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen über den Einsatz<br />
von &quot;Ärzte ohne Grenzen&quot; in der Tsunami-Katastrophenregion<br />
und anderen Krisengebieten sowie über den Umgang mit Spendengeldern</span><!--break--><br />
<span class="fett"><br />
<br />
Moderator:</span> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Ulrike von Pilar,<br />
Geschäftsführerin der Hilfsorganisation &quot;Ärzte<br />
ohne Grenzen&quot;, zu Gast. Herzlich Willkommen Frau von Pilar.<br />
Ulrike von Pilar: Vielen Dank, dass ich kommen konnte!<br />
Moderator: „Ärzte ohne Grenzen“ haben zu so genannten<br />
freien Spenden aufgerufen, da für das Seebeben genug Geld aufgelaufen<br />
sei. Das können viele nicht verstehen: Wie kann man genug Geld<br />
haben ?</p>
<p>Ulrike von Pilar: Zuerst möchte ich mal sagen, dass wir von<br />
der Großzügigkeit der Spender völlig überwältigt<br />
worden sind und sehr dankbar sind für diese ungeheure Großzügigkeit.<br />
Wir haben in den ersten 10 Tagen nach dem Seebeben mehr als 30 Millionen<br />
Euro an Spenden erhalten. Das ist fast doppelt so viel wie wir im<br />
Jahr 2003 eingenommen haben. Aber als medizinische Nothilfeorganisation<br />
sind wir vor allem in den ersten Monaten nach einer Katastrophe<br />
tätig. Und die großen Programme, die wir im Moment in<br />
der Region haben, sind zumindest für diese erste akute Phase<br />
völlig finanziert. Wie weit wir darüber hinaus auch im<br />
Wiederaufbau tätig sein werden, ist im Moment überhaupt<br />
nicht abzusehen. Und deshalb wollten wir unseren Spendern das auch<br />
ehrlich mitteilen.</p>
<p>
<span class="fett">manne dumke:</span> Frau Pilar, was machen Sie<br />
mit eigentlich mit all dem Geld? Wird es eine Art Liste geben in<br />
der man nachlesen kann wofür Sie das ganze Geld ausgeben?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Es wird auf jeden Fall<br />
Berichte geben, darüber, wie das Geld ausgegeben worden ist.<br />
Übrigens kann man bereits jetzt erste Angaben dazu auf unserer<br />
Homepage finden. Im Moment werden von den Spenden in erster Linie<br />
medizinisches Material und Mittel zur Wasseraufbereitung sowie natürlich<br />
Personal wie auch Transportkosten unter anderem für die in<br />
Aceh eingesetzten Hubschrauber finanziert.
</p>
<p>
<span class="fett">Bertram:</span> Ihre Organisation lehnt weitere<br />
zweckgebundene Spenden für Asien ab. Welche andere Region benötigt,<br />
ihrer Meinung nach, ebenso finanzielle Unterstützung? <img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/images/zzz_platzhalter.jpg" align="right" height="4800" width="6" />
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Dazu würde ich<br />
gerne zuerst sagen, dass wir nur zweckgebundene Spenden für<br />
diese Regionen für unsere Organisation ablehnen. Das gilt natürlich<br />
nicht für andere Organisationen. Die Regionen die weiterhin<br />
am stärksten unsere Unterstützung benötigen sind<br />
im Moment vor allem Dafur, Kongo, Uganda wie auch die Länder<br />
Westafrikas und viele andere, nicht zu vergessen Tschetschenien.<br />
„Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet international in<br />
ca. 80%  aller Länder.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Da stark nachgefragt, im Doppelpack:
</p>
<p>
<span class="fett">berthold:</span> Frau von Pilar, wie verwenden<br />
Sie &quot;überschüssige&quot; zweckgebundene Spenden?
</p>
<p>
<span class="fett">Joerghell:</span> Was machen Sie jetzt nach<br />
dem Stopp mit Spenden, die speziell auf das Beben ausgeschrieben<br />
sind?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Im Moment wissen wir<br />
nicht, wie hoch genau unsere Ausgaben für diese Katastrophe<br />
sein werden. Unsere Budgets steigen täglich, demnächst<br />
dann hoffentlich eher wöchentlich. In sofern kann man diese<br />
Frage im Moment nicht beantworten, es wird sicher einige Monate<br />
dauern und so lange werden wir auf jeden Fall in der Region arbeiten.<br />
Nur als Beispiel: Wir haben inzwischen über 300 Tonnen an Material<br />
in die Region geschickt. Das alleine verschlingt natürlich<br />
riesige Summen. Wir werden uns aber verpflichten Spenden auch zurück<br />
zu überweisen, an Spender, die das möchten, und wir werden<br />
dann nach dem Ende der akuten Katastrophenphase die medizinische<br />
Situation in der Region evaluieren und feststellen, wie weit eine<br />
Beteiligung von „Ärzte ohne Grenzen“ an weiteren<br />
medizinischen Programmen notwendig ist. Wir werden uns immer bemühen<br />
besonders für Gruppen der Bevölkerung, die eher kaum Zugang<br />
zu einer vernünftigen Grundversorgung haben, da zu sein.
</p>
<p>
<span class="fett">MarkScholtz:</span> Ich habe an „Ärzte<br />
ohne Grenzen“ gebunden an die Flutkatastrophe gespendet. Seit<br />
letzter Woche geben Sie durch die Meiden bekannt, dass man entweder<br />
allgemein Spenden soll, oder an andere Hilfsorganisationen. Kann<br />
ich meine Spende nachträglich neutraler für Sie machen,<br />
auf dass Sie das Geld woanders einsetzen können, wo es auch<br />
sinnvoll ist? Was passiert mit dem überschüssigen Geld,<br />
was Sie vielleicht für die Flutkatastrophe nicht mehr ausgeben?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Das wäre uns eine<br />
große Freude. Viele Spender wissen ja nicht, dass sie mit<br />
ihrem Stichwort uns verpflichten (was ja auch richtig ist) das Geld<br />
in der Katastrophenregion auszugeben. Viele Spender haben uns geschrieben,<br />
dass sie sowieso erwartet hätten, dass wir das Geld in jedem<br />
Fall dort einsetzen, wo es am nötigsten ist, auch wenn das<br />
vielleicht nicht in jedem Fall Asien wäre. Insofern, ja, man<br />
kann ihre Spende jetzt umwidmen und wir bedanken uns dafür.<br />
Wir wären Ihnen auch dankbar für eine E-Mail mit Datum<br />
der Überweisung, Name und Adresse in dieser Sache. Und nur<br />
zu Ihrer Information: genau das versuchen wir mit vielen anderen<br />
Spendern zu erreichen, indem wir sie kontaktieren und dann überlegen,<br />
ob man die Spende umwidmen kann oder ob der Spender es doch vorzieht,<br />
das Geld zurückzuerhalten und es einer andere Organisation<br />
zur Verfügung stellt, was wir völlig verstehen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zwei Fragen mit ähnlichem<br />
Tenor:
</p>
<p>
<span class="fett">tom:</span> „Ärzte ohne Grenzen“<br />
ist vom DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen)<br />
mit dem Spendensiegel ausgezeichnet (eine Art Prüfsiegel).<br />
Prüfkriterium sind auch die Verwaltungsausgaben. Wie viel Prozent<br />
der Einnahmen werden für die Verwaltung in ihrer Organisation<br />
aufgebraucht?
</p>
<p>
<span class="fett">Dan41:</span> Wie viel von dem Geld kommt an<br />
&#8211; wie viel verschwindet in der Verwaltung?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> International hat „Ärzte<br />
ohne Grenzen“ sich selber Regeln gesetzt. Und die Regel bezüglich<br />
der Verwaltungskosten heißt, dass wir nicht mehr als 20% der<br />
Einnahmen in Verwaltung und Werbung und Fundraising investieren<br />
dürfen. In Deutschland liegen die Verwaltungskosten seit Jahren<br />
bei 15 % für Werbung, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit<br />
und Fundraising. Die reinen Verwaltungskosten liegen ungefähr<br />
bei 4 %. Diese Ausgaben und unsere Finanzberichte werden zudem regelmäßig<br />
von Wirtschaftsprüfern überprüft
</p>
<p>
<span class="fett">Randolfine:</span> Wie kann ich mich anders<br />
als durch Geld engagieren?
</p>
<p>
Ulrike von Pilar: Das ist in solchen Katastrophensituationen in<br />
der Tat nicht so einfach, da die Art der Arbeit, die wir vor Ort<br />
leisten erfahrene und sehr kompetente Mitarbeiter aus verschiedenen<br />
Berufssparten erfordert. Natürlich in aller erster Linie Ärzte<br />
und medizinisches Personal, aber auch z.B. Logistiker und Verwaltungsfachleute.<br />
Insofern ist das in den Projekten für unerfahrene freiwillige<br />
Mitarbeiter nicht möglich. Wir haben aber immer wieder ehrenamtliche<br />
Mitarbeiter wie auch Praktikanten und Studenten, die uns in unserem<br />
Berliner Büro helfen. Aber im Moment sind die Kapazitäten<br />
da beschränkt. Manchmal machen freiwillige Helfer auch Informationsstände<br />
auf lokalen Veranstaltungen, das geht aber nur in Absprache mit<br />
dem Berliner Büro. Besonders wichtig erscheint mir aber, dass<br />
engagierte Menschen, die unsere Arbeit unterstützen wollen,<br />
mit dazu beitragen, dass die vergessenen Krisen und Konflikte nicht<br />
noch mehr in Vergessenheit geraten. Wer spricht heute noch von Tschetschenien<br />
oder Uganda?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wir wechseln das Thema und<br />
kommen auf die konkrete Arbeit von „Ärzte ohne Grenzen“<br />
zu sprechen:
</p>
<p>
<span class="fett">hugo:</span> Die Arbeit bei &quot;Ärzte<br />
ohne Grenzen&quot; ist für das medizinische Personal in den<br />
Krisenregionen sicherlich nicht leicht. Hat Ihre Hilfsorganisation<br />
Schwierigkeiten Ärzte zu finden oder gibt es genügend<br />
Bewerber?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Es gibt viele Mediziner,<br />
die gerne mit uns arbeiten würden, und die auch die den hohen<br />
Anforderungen genügen. Aber: Es ist in Deutschland außerordentlich<br />
schwierig, besonders für Ärzte, sich in ihren Kliniken<br />
oder Praxen für humanitäre Einsätze freistellen zu<br />
lassen. Auch deswegen, weil man sich bei „Ärzte ohne<br />
Grenzen“ in aller Regel für mindestens 9 Monate verpflichten<br />
sollte.<br />
Wir appellieren daher immer wieder an die verantwortlichen Chefärzte,<br />
das humanitäre Engagement als einen wesentlichen Aspekt der<br />
Arbeit eines Mediziners anzusehen. Leider kann man nur selten sagen,<br />
dass die Erfahrung in humanitären Projekten der Karriere förderlich<br />
oder hoch angesehen ist. Das ist auch deswegen sehr bedauerlich,<br />
weil ich noch nie einen Mediziner oder eine Krankenschwester getroffen<br />
habe, die nicht in hohem Maße von ihrer humanitären Erfahrung<br />
profitiert hätte, auch wenn die Einsätze oft sehr hart<br />
sind. Insofern suchen wir immer kompetente Mediziner, Pflegekräfte<br />
aber auch Techniker, die diese Herausforderung annehmen können<br />
und dann möglichst  auch für ein paar Jahre mit uns<br />
arbeiten können. Denn erfahrenes Führungspersonal für<br />
diese sehr schweren Projekte gibt es nie genug. Mehr Informationen<br />
dazu gibt es auf unserer Homepage www.aerzte-ohne-grenzen.de.
</p>
<p>
<span class="fett">malve:</span> Wie gut sind die Ärzte in<br />
den Krisengebieten ausgestattet? Verfügen sie über den<br />
gleichen Standard, der uns bekannt ist, oder haben die Ärzte<br />
nur die nötigsten medizinischen Instrumente und Medikamente?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Also ehrlich gesagt<br />
sind wir sehr stolz, dass unsere Ärzte meistens zumindest die<br />
nötigste Ausrüstung haben, weil schon das nicht immer<br />
selbstverständlich und leicht zu erreichen ist. Wobei man gleich<br />
dazu sagen muss, dass für die Arbeit in Konflikten und Katastrophen<br />
in armen Ländern oft eine ganz andere Grundausrüstung<br />
nötig ist, als wir sie hier kennen. Aber den technischen Standard<br />
eines Kreisstadtkrankenhauses  kann man in solchen Situationen<br />
natürlich nicht zur Verfügung stellen. Zumal unsere lokalen<br />
Kollegen, die immer noch den größten Teil der medizinische<br />
Arbeit leisten, mit einer Ausrüstung arbeiten müssen,<br />
mit der sie umgehen können.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Nach einer solchen Katastrophe<br />
herrscht vor Ort ein riesiges Chaos. Wie findet sich eine Hilfsorganisation<br />
zurecht? Wo setzen Sie an?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> „Ärzte ohne<br />
Grenzen“ hat in fast allen vom Seebeben betroffenen Ländern<br />
schon gearbeitet oder war sogar vor Ort. insbesondere in den beiden<br />
am schwersten betroffenen Ländern Sri Lanka und Indonesien<br />
kennen wir die zerstörten Provinzen von unserer früheren<br />
Arbeit. Insofern konnten wir da sofort einsetzen und unsere alten<br />
Kontakte mobilisieren. Ansonsten setzten wir uns natürlich<br />
immer sofort sowohl mit den lokalen Autoritäten als auch mit<br />
eventuell vor Ort bereits existierenden Organisationen in Verbindung.<br />
Besonders wichtig ist z.B. für uns der Kontakt mit dem Internationalen<br />
Komitee des Roten Kreuzes, aber natürlich oft auch schlicht<br />
mit dem nächsten Krankenhaus.
</p>
<p>
<span class="fett">Schweiztourist:</span> Guten Tag. Mich interessiert<br />
sehr, ob und wie Ihre Organisation den logistischen Aufwand bewältigt.<br />
Denn selbst wenn Sie mehr Geld haben, als Sie bräuchten, muss<br />
das medizinische Gerät ja erst in das betroffene Gebiet gebracht<br />
werden, von Personal und Helfern ganz zu schweigen. Wo kommen in<br />
solchen Situationen die Unterkünfte her, wie wird der Nachschub<br />
von Medikamenten gewährleistet? Ich jedenfalls stelle es mir<br />
sehr chaotisch vor.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Wir haben in den letzten<br />
ca. 25 Jahren genau an diesem Problem heftig gearbeitet und haben,<br />
glaube ich, eine ganz gut funktionierende Logistik gerade auch für<br />
die Versorgung mit medizinischen Material aufgebaut. Die zentrale<br />
Idee unserer Logistik ist, dass wir an mehreren Orten in der Welt,<br />
vor allem an drei europäischen Flughäfen, vorgepackte<br />
Module haben, die Material für verschiedene Situationen enthalten.<br />
Z.B. gibt es einen so genannten Kit der Material für die medizinische<br />
Grundversorgung von 10.000 Menschen für 3 Monate &#8211; typischerweise<br />
für ein tropisches Land – enthalten. Von diesen Kits<br />
und Modulen gibt es um die 150, so zum Beispiel .auch ein Spezialmodul<br />
für chirurgische Operationen, für die Versorgung von Cholera-Patienten<br />
oder ein Hebammen-Kit. Ähnliches gibt es für die technische<br />
Ausrüstung eines Projekts, also Fahrzeuge, Computer, Funkausrüstung,<br />
Büromaterial, Zelte, Decken. Und das beantwortet dann vielleicht<br />
auch bereits ein wenig die Frage nach der Unterkunft. Es sind oft<br />
in den ersten Wochen wirklich Zelte, Matratzen und Schlafsäcke,<br />
aber es gibt dann immer einen Logistiker, der sich vorrangig um<br />
die Unterkunft und Versorgung der freiwilligen Helfer vor Ort kümmert.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zwei Fragen zu den Gefahren<br />
für die beteiligten Helfer:
</p>
<p>
<span class="fett">heidi:</span> Wie gefährlich ist es für<br />
die Ärzte sich in politisch instabilen Krisenregionen zu engagieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Randolfine:</span> Welche Gefahren bestehen<br />
für freiwillige Helfer in den Krisengebieten?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> „Ärzte ohne<br />
Grenzen“ versucht ganz besonders Menschen in Krisen und Konfliktsituationen,<br />
für die oft die Versorgung zusammengebrochen ist, zu erreichen.<br />
Insofern ist diese Arbeit nie nur ein Spaziergang oder Ferientrip.<br />
Aber „Ärzte ohne Grenzen“ nimmt natürlich<br />
die Sicherheit der Mitarbeiter sehr ernst und insofern gibt es in<br />
jedem Projekt spezifische Regeln und Vorkehrungen, um diese Sicherheit<br />
soweit wie möglich zu garantieren. Natürlich gibt es in<br />
diesen schwierigen Situationen durchaus Aspekte, die das Leben der<br />
Mitarbeiter ein bisschen ungemütlich machen können. Das<br />
fängt oft schon an mit dem Klima und den Arbeitsbedingungen,<br />
das kann durchaus auch besondere Gesundheitsrisiken einschließen.<br />
Wir müssen uns alle regelmäßig impfen und uns in<br />
vielen Ländern z.B. um Malariaprophylaxe und Ähnliches<br />
kümmern. Da in vielen dieser Länder die Infrastruktur<br />
nicht gut funktioniert, kann es durchaus ein Problem sein, von einem<br />
Ort zum anderen zu gelangen. Ich war selbst im August während<br />
der Regenzeit in Dafur und es war schon manchmal extrem schwierig,<br />
durch die Schlammlöcher zu kommen, so dass man oft für<br />
25 Kilometer 3 bis 4 Stunden braucht.
</p>
<p>
<span class="fett">Clburk:</span> Liebe Frau von Pilar, als Diplom-Psychologe<br />
würde mich interessieren, inwiefern, sowohl für Opfer<br />
in Krisengebieten als auch wegen der außerordentlichen Belastungen<br />
der Helfer, auch eine psychologische Begleitung stattfindet.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Es gibt sowohl psychosoziale<br />
Projekte in vielen Krisengebieten wie auch eine psychologische Betreuung<br />
der Mitarbeiter.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wegen der starken Nachfrage<br />
nach aktiver Mitarbeit, hier der entscheidende Link:<br />
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/Mitarbeit.php
</p>
<p>
<span class="fett">schweiztourist:</span> Was ist mit dem Personal<br />
vor Ort, bekommen diese Leute Geld für ihre Arbeit?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Ja, die internationalen<br />
Mitarbeiter bekommen eine Aufwandsentschädigung und die Versorgung<br />
vor Ort. Aber hohe Gehälter gibt es bei uns nicht. Im Moment<br />
liegt die Eingangsstufe bei 600 Euro im Monat.
</p>
<p>
<span class="fett">Julius Roemmler:</span> Aus wie vielen Fachleuten<br />
besteht in der Regel ein &quot;Team&quot;, von denen wahrscheinlich<br />
mehrere in Katastrophengebiete geschickt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Die Teams haben ganz<br />
unterschiedliche Größe, aber es ist eigentlich immer<br />
ein Mediziner, ein Logistiker, ein Verwaltungs- und Finanzverantwortlicher,<br />
ein Projektleiter/in und dann eben ein oder mehrere erfahrene Pflegekräfte,<br />
die dann die lokalen Mitarbeiter anleiten und organisieren, wo das<br />
nötig ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Experten kritisieren, in der<br />
Krisenregion würden sich die einzelnen Hilfsorganisationen<br />
nicht gut genug miteinander abstimmen. Viele wollten alles machen<br />
und es gäbe zu viele Trittbrettfahrer. Wie ist ihr Eindruck?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Als wir vor acht Tagen<br />
in Aceh unsere Arbeit begonnen haben, gab es viel zu wenig Hilfsorganisationen,<br />
genau gesagt drei, soviel ich weiß. Da war das größere<br />
Problem zu den von der Katastrophe betroffenen Menschen zu gelangen,<br />
da die Transportwege zerstört sind. Inzwischen sind natürlich<br />
sehr viele Organisationen vor Ort. Und da in Aceh selbst so viel<br />
zerstört ist, ist schon deswegen die Koordination nicht immer<br />
einfach. Aber wir wissen zumindest ziemlich genau, was wir zu tun<br />
haben. Das hängt ganz von der Regierung ab, aber im Moment<br />
wissen alle Regierungen, dass sie die Hilfsorganisationen unterstützen<br />
müssen und tun das auch.
</p>
<p>
<span class="fett">distelfink:</span> Die Armeen dieser Welt helfen<br />
auch kräftig mit. Gibt es eine Zusammenarbeit und wie gestaltet<br />
die sich?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> In einer Naturkatastrophe<br />
wie dieser kann das Militär Dinge leisten, die andere nicht<br />
leisten können und gebraucht werden. Und dann sind wir auch<br />
in regelmäßigen Kontakt mit denen. Ansonsten ist ja ÄOG<br />
dafür bekannt, dass wir eine gesunde Distanz zum Militär<br />
halten.
</p>
<p>
<span class="fett">Stephan:</span> Wie kooperativ sind die Regierungen<br />
der betroffenen Länder, in denen Sie helfen?
</p>
<p>
<span class="fett">UVP:</span> Wie bewerten Sie die Medien, die<br />
fast nur mediengerecht präsentierbare Katastrophen beachten?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Wir setzen uns immer<br />
sehr dafür ein, dass auch über die vergessenen Krisen<br />
und Konflikte berichtet wird. Das ist natürlich nicht immer<br />
einfach. Aber im Moment sind ja wirklich alle Menschen so aufgewühlt<br />
und betroffen über das Ausmaß der Katastrophe in Asien,<br />
dass man vielleicht erst ab nächster Woche wieder erwarten<br />
kann, mehr über Dafur zu hören<span class="fett">.</span>
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Letzte Frage: Die Bundesregierung<br />
stellt 500 Millionen Euro zur Verfügung. Ist das nicht eine<br />
populistische Maßnahme? Mit einem kleineren Teil der Summe<br />
könnten womöglich viele neue Aids-Infektionen in Afrika<br />
verhindert werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Wir erwarten natürlich<br />
von der Bundesregierung, dass die Mittel für Aids Programme<br />
in Afrika gleichzeitig aufgestockt werden. Außerdem würde<br />
ich gerne noch betonen, dass viele Organisationen nach wie vor Spenden<br />
für Asien dringend benötigen und das wir deswegen Spendern,<br />
die für den Wiederaufbau in der Region spenden wollen empfehlen,<br />
diese Organisationen zu berücksichtigen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Unsere 60 Minuten Chat sind<br />
vorbei, vielen Dank für das große Interesse. Herzlichen<br />
Dank, Frau von Pilar, dass Sie sich die Zeit zum chatten genommen<br />
haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie gewohnt auf den<br />
Seiten der Veranstalter. Der nächste Chat findet am Dienstag,<br />
18. Januar um 13 Uhr statt. Chat-Gast ist dann CSU-Landesgruppenchef<br />
Michael Glos.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Ich bedanke mich für<br />
die interessierte Teilnahme und verabschiede mich bis zum nächsten<br />
Mal.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
	</channel>
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