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	<title>Krisenkommunikation &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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		<title>Crowdsourcing: Digitaler Aktivismus gegen Korruption und Gewalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Aug 2016 13:19:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Über Crowdsourcing können weltweit Daten und Ideen gesammelt und geteilt werden. Viele digitale Initiativen beweisen, wie diese Synergien zu mehr Meinungs- [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ushadihi-Annual-Meetup-Kopie.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-150015 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ushadihi-Annual-Meetup-Kopie.png" alt="Jahrestreffen Ushahidi" width="633" height="420" /></a>Über Crowdsourcing können weltweit Daten und Ideen gesammelt und geteilt werden. Viele digitale Initiativen beweisen, wie diese Synergien zu mehr Meinungs- und Informationsfreiheit führen. Die Open-Source-Software „Ushahidi“ wurde bereits in 90.000 Projekten eingesetzt und zeigt anhand von vielen Beispielen, wie sich normale Bürger online für mehr Transparenz und Sicherheit einsetzen und so zu digitalen Aktivisten werden.</p>
<p><strong> </strong>Nach den arabischen Revolutionen stellte sich die Welt vor, wie soziale und digitale Medien in Zukunft Autokratien zu Demokratien umwandeln könnten. Etwa fünf Jahre später wissen wir, dass das so nicht stimmt. Eine digitalisierte Gesellschaft bedeutet zunächst, dass mehr Menschen auf Informationen zugreifen und sich selbst aktiver mitteilen können. In Ländern, wo traditionelle Medien von wenigen, einflussreichen Personen kontrolliert werden, ermöglichen digitale Wege alternative Informationskanäle, die jedoch auch von undemokratischen Regierungen für eigene Zwecke missbraucht werden können. Unzensiert Meinungen teilen, kritisieren und Proteste organisieren – ohne soziale Medien hätten die demokratischen Bestrebungen in Ländern wie Ägypten, Tunesien oder Jemen wohl trotzdem kaum ihre ganze Kraft entfalten können.</p>
<h3>„Ushahidi“: digitales Krisenmanagement</h3>
<p>Crowdsourcing ist ein Schlüsselbegriff für dieses neuen Informationszeitalter. Der Begriff steht für die Bündelung von Wissen und Ideen von vielen Menschen über das Internet. Es ist eine Art moderne Arbeitsteilung, die zunächst vor allem in der Wirtschaft genutzt wurde. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von gesellschaftlichen und sozialen Projekten, die von der sogenannten „Schwarmintelligenz“ profitieren.</p>
<p>Auf der Open-Source-Software „<a href="https://www.ushahidi.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ushahidi</a>“ basieren viele Crowdsourcing-Plattformen. Die Software wurde wegen der blutigen Auseinandersetzungen nach den kenianischen Präsidentschaftswahlen 2007 ins Leben gerufen, bei denen etwa 1.500 Menschen ums Leben kamen. Per E-Mail und SMS konnten Augenzeugen melden, wo gerade Gewalt stattfand.</p>
<figure id="attachment_150043" aria-describedby="caption-attachment-150043" style="width: 207px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Sinsai-OpenStreetMap-nach-Japan-Erdbeben.png"><img decoding="async" class=" wp-image-150043" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Sinsai-OpenStreetMap-nach-Japan-Erdbeben.png" alt="crisis mapping" width="207" height="222" /></a><figcaption id="caption-attachment-150043" class="wp-caption-text">Kriseninformationen nach Erdbeben in Japan</figcaption></figure>
<p>Die Meldungen wurden zunächst von Mitarbeitern verifiziert, meist in Kooperation mit lokalen Journalisten und NGOs, und anschließend in einer Karte bei Google Maps eingefügt und für jeden sichtbar gemacht. Das Ziel: mehr Transparenz und Sicherheit. Mehr als 45.000 Kenianer nutzen die Software, um Gefahrenzonen zu melden.</p>
<p>Spätestens seit dem Einsatz während des Erdbebens in Haiti in 2010 ist „Ushahidi“ international bekannt. Die Software ist kostenfrei, wurde inzwischen in etwa 90.000 Projekten weltweit verwendet und erreichte mit 6.5 Millionen Beiträgen etwa 20 Millionen Menschen. Das sogenannte „Mapping“ ist ein einfaches Werkzeug mit großer Wirkung: Vorfälle oder Missstände, die oft im Nichts verlaufen würden, werden dokumentiert, kartographiert und veröffentlicht. Unter anderem wurden nach dem Erbeben in <a href="http://www.sinsai.info/?l=de_DE" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Japan 2011 auf einer Karte Kriseninformationen</a> veranschaulicht und Hilfe koordiniert sowie bei den Wahlen 2015 in <a href="https://www.ushahidi.com/blog/2011/03/30/using-the-ushahidi-platform-to-monitor-the-nigeria-elections-2011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nigeria Augenzeugenberichte zu Wahlbetrug</a> erfasst.</p>
<h3>Drei Initiativen für mehr Meinungs- und Informationsfreiheit</h3>
<p>In einer im April veröffentlichten Studie der Deutschen Welle (DW) Akademie zum Thema „<a href="http://www.dw.com/en/study-advancing-freedom-of-expression/a-19117154" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Advancing Freedom of Expression</a>“ werden 16 Initiativen vorgestellt, die digitale Technologien benutzen, um Meinungs- und Informationsfreiheit zu verbessern.  Viele dieser Initiativen basieren auf Crowdsourcing und nutzen die Software Ushahidi. Sie beweisen, dass digitaler Aktivismus zu mehr Transparenz, öffentlicher Debatte und Beteiligung führen kann.</p>
<p>Eine der Initiativen ist „<a href="http://www.followthemoneyng.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Follow the Money</a>“ aus Nigeria. Seit 2012 nutzt sie datenjournalistische Formate, um Hilfsgelder zu verfolgen und Korruption zu bekämpfen. Um sicher zu gehen, dass Hilfsgelder von der Regierung vergeben und ihr Ziel erreichen, arbeitet „Follow the Money“ auf digitalen und traditionellen Wegen. Im engen Kontakt mit Gemeinden informiert sie die ländliche Bevölkerung über versprochene Gelder und recherchiert über deren Einsatz. Die Ergebnisse der Recherchen &#8211; Interviews, Fotos und kurze Videos – werden direkt auf die „Follow the Money“ Website gestellt und anschließend in sozialen Medien geteilt. Seit ihrer Gründung konnte die Initiative in vielen Orten Nigerias dafür sorgen, dass Hilfsgelder dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden. Einer der größten Erfolge gelang nach der schweren Bleivergiftung im Staat Zamfara im Norden Nigerias in 2010, wo „Follow the Money“ sicherstellte, dass das <a href="http://www.followthemoneyng.org/how-we-tracked-700-million-ngn-to-savebagega/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">versprochene Budget von umgerechnet 2.65 Millionen US-Dollar für die Säuberung der Umwelt und Gesundheitsversorgung von Kindern eingesetzt wurde</a>.</p>
<p>Für mehr Transparenz und Gerechtigkeit im Gesundheitssystem setzt sich die Initiative „<a href="http://meraswasthyameriaawaz.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mera Swasthya Meri Aawaz</a>“ (My Health My Voice) in Indien ein. Im Staat Uttar Pradesh im Norden Indiens müssen Frauen in Entbindungskliniken oft Gebühren für eine Behandlung zahlen, obwohl diese laut Gesetz kostenlos ist. Über eine kostenlose Handynummer können Betroffene ihren Fall anonym melden. Das interaktive Sprachausgabesystem ist direkt mit Ushahidi verbunden – so werden die Fälle der Frauen direkt auf einer Karte sichtbar gemacht.  Eine Zeitleiste und Karte visualisiert, wo und für welchen Service nach wie viel Geld gefragt wurde. Diese Informationen dienen nicht nur den Frauen selbst als Hilfe gegen Abzocke in der Klinik, sondern werden als Kontrollinstanz von Gemeindeorganisationen, Frauenverbänden und Regierungsbeamten wahrgenommen. Illegale Geldforderungen in der Region sind seit der Gründung zurückgegangen.</p>
<figure id="attachment_150042" aria-describedby="caption-attachment-150042" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Mera-Swasthya-Meri-Aawaz“.png"><img decoding="async" class="wp-image-150042 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Mera-Swasthya-Meri-Aawaz“.png" alt="Karte von Mera Swasthya Meri Aawaz" width="960" height="434" /></a><figcaption id="caption-attachment-150042" class="wp-caption-text">Karte von Mera Swasthya Meri Aawaz</figcaption></figure>
<p>Ein letztes Beispiel, die „<a href="http://harassmap.org/en/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HarrasMap</a>“ in Ägypten, zeigt seit 2010, wie Online-Aktivismus gegen sexuelle Belästigung und Gewalt vorgeht. Via E-Mail, SMS oder Twitter können Menschen direkt melden, wo es zu einer sexuellen Belästigung oder einem Übergriff gekommen ist. Die Meldungen sind anonymisiert und werden direkt auf einer <a href="http://harassmap.org/en/what-we-do/the-map/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Karte</a> markiert. Neben digitalem Engagement lebt die Initiative von seinen über 1.500 Freiwilligen, die auf den Straßen Ägyptens für mehr Bewusstsein gegen sexuelle Übergriffe eintreten. Mit der „HarassMap“ wird so ein praktisches Werkzeug geschaffen, sogenannte „Safe Areas“ aufzuzeichnen. Allerdings geht es den Initiatoren um mehr: als gesellschaftliches Kollektiv ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt setzen und somit soziale und legale Konsequenzen von Belästigung bewirken. Während im ersten Jahr noch 42 Meldungen pro Monat eingingen, waren es zwischen 2014 und 2015 nur noch 50 Meldungen pro halbes Jahr.</p>
<h3>Digitale Wege für mehr Aktivismus?</h3>
<p>Drei Initiativen, die gegen Korruption und Gewalt kämpfen. Drei Beispiele, wie normale Bürger zu digitalen Aktivisten werden können. Die Initiatoren haben Wege gefunden, mit lokalen Herausforderungen umzugehen. Zwar boomt die Zahl von Handy-Nutzern im globalen Süden, jedoch bleiben Internetzugänge rar. Da in Nigeria nur 15% der Bevölkerung Internetzugang haben, half sich „Follow the Money“ mit einem Radiosender und gedruckten Materialien in lokale Sprachen, um mehr Menschen mit ihren Informationen zu erreichen.</p>
<p>Sowohl „Follow the Money“ als auch „HarassMap“ gehen direkt auf Menschen auf der Straße zu und sensibilisieren sie für Themen wie Korruption und sexuelle Gewalt. „Mera Swasthya Meri Aawaz“ berücksichtigt die hohe Zahl an Analphabeten unter Frauen und arbeitet mit einem interaktiven Sprachausgabesystem, bei dem die Anrufer weder lesen noch schreiben können müssen.</p>
<p>Es gibt viele Dinge, die digital einfacher funktionieren: die Vernetzung von Menschen, das Teilen und Veranschaulichen von Informationen oder das Erreichen eines internationalen Publikums. Trotzdem kämpfen viele Initiativen mit ähnlichen Problemen: es braucht ausreichend mobile Geräte vor Ort, die Menschen müssen von dem Projekt wissen und eine Motivation haben, den Service langfristig zu nutzen. Für den Benutzer ist es wichtig, dass Informationen schnell und vereinfacht abrufbar sind, trotzdem müssen Meldungen sorgsam und besonnen auf Richtigkeit überprüft werden. Ein Thema bleibt auch die Reichweite der Initiativen. Der Durchschnittsnutzer der Angebote ist laut Deutsche Welle zwischen 15 und 35 Jahren, männlich und lebt in der Stadt.</p>
<h3>Fazit: Reichweite vergrößern</h3>
<p>Crowdsourcing ist das Inbild von modernem Informationsmanagement. Viele Stimmen und Meldungen fügen sich online zu einem großen Informationspool zusammen. In Krisen- und Katastrophensituation kann das „Mapping“ von Gefahrenzonen viele Leben retten. Andere Initiativen bekämpfen so ein korruptes System, in dem sie mit gesammeltem Wissen mehr Transparenz und Druck auf ihre Regierungen erzeugen. Die hohe Zahl von Menschen ohne Internetzugang zeigt jedoch auch, dass es weiterhin traditionelle Wege braucht, um Menschen zu informieren und mobilisieren. Das Informationspotenzial dieser Initiativen ist also enorm, jetzt braucht es Ideen, um mehr Menschen den Zugang zu ihnen zu ermöglichen.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/whiteafrican/6789923767/in/photolist-bm18Ma-7G1Kkb-5W3yr5-9GxMUL-5W3zK9-5rX2ED-5W3zAw-6BNJ1r-8oPG6V-82QhyU-6BSQ9J-69skFf-69sbwG-69oiJM-5VYfkx-5VYNDa-8ohd2F-69ofVF-dZuK5D-agJtTE-5VYg6r-8Pwpaa-agFF1t-8NXR8R-69sdMW-6BNHAR-8PwjfK-5W3yBA-dy9Vap-69s7FA-agFFwt-nTdrVE-5VYgbF-4TkmUh-6BNHFV-7mioKu-7wKUQQ-69ssKh-oazcS5-8Pwj1z-8Pznch-e2jdfQ-5VYeQT-7G1Knh-9eVaA1-69o6HP-9aEkmp-dM7nLr-69nSzR-agJtYo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ushahidi 2012 Annual Meetup</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/whiteafrican/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erik (HASH) Hersman</a> via <a href="https://www.flickr.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0 </a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Soziale Medien als Krisenmanager</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Aug 2016 15:30:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Es ist eine Hassliebe: Twitter und Facebook, die uns in Krisensituationen zeigen, dass unsere Freunde und Familie in Sicherheit sind [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/PaixPourParis.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149951 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/PaixPourParis.png" alt="Trauer nach dem Paris-Anschlag" width="640" height="384" /></a>Es ist eine Hassliebe: Twitter und Facebook, die uns in Krisensituationen zeigen, dass unsere Freunde und Familie in Sicherheit sind und gleichzeitig vor Fehlinformationen überlaufen. Sie vergewissern und verunsichern &#8211; und sind inzwischen fester Bestandteil von modernem Krisenmanagement.</p>
<p>Dass Twitter und andere Instant-Messenger uns im Sekundentakt über jede neue Entwicklung in Krisensituationen wie Anschlägen oder Naturkatastrophen auf dem Laufenden halten, ist nicht neu. Mit Kurznachrichten von maximal 140 Zeichen, die jeder von überall verschicken kann, setzen sich in Gefahrensituationen oft Lawinen von Augenzeugenberichten, Spekulationen und Meinungen im Netz frei. Diese Tweets enthalten häufig Informationen, von denen JournalistInnen und andere Medien noch gar nichts wissen. Neu ist also nicht die Tatsache, dass soziale Medien für moderne Berichterstattung essenziell geworden sind &#8211; jedoch aber die Debatte über die Risiken und Herausforderung ihrer Nutzung, die seit Nizza und München neu entfacht ist.</p>
<h3>ReputatioLab: So twittert die Welt während eines Terroranschlags</h3>
<p>In einer detaillierten Analyse untersuchte das französische “<a href="http://www.reputatiolab.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ReputatioLab</a>“, wie sich Krisenmeldungen über Twitter entfalten und wie dabei Gerüchte und Falschmeldungen entstehen. Das „ReputatioLab“ steht unter der Leitung des Kommunikationswissenschaftlers <a href="http://www.reputatiolab.com/nicolas-vanderbiest-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nicolas Vanderbies</a>t. Für die Analyse wertete der Forscher sämtliche Tweets aus, die während und nach den Attentaten von Charlie Hebdo, Paris, dem Thalys Zug und Nizza veröffentlicht wurden. Die Auswertungen zeigen, dass sich der Informationsfluss und die Stimmungslage der Twitter-Nutzer in sechs verschiedene Phasen einteilen lassen.</p>
<p>In der ersten Phase besteht ein recht neutraler Informationsaustausch. Kurz nach den ersten Schüssen oder einer Explosion weiß noch niemand, was gerade passiert. Es geht um Fakten, keine Spekulationen. Zum Beispiel von <a href="https://twitter.com/BWBreaking" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BW Breaking News</a> in Nizza: „<a href="https://twitter.com/BWBreaking/status/753734832908369920" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mindestens 60 Tote und mehr als 100 Verletzte auf der Promenade der Engländer</a>“. In der zweiten Phase folgen emotionale Beiträge. Nach den Paris-Anschlägen lautete ein Tweet von <a href="https://twitter.com/BayouSarr" target="_blank" rel="noopener noreferrer">@Bayou Sarr</a> „<a href="https://twitter.com/BayouSarr/status/665325087109726210?ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Un Carnage &#8230; Choqué , écœuré, abasourdi et triste …#Catastrophique</a>“ (Ein Blutbad…schockiert, angewidert, benommen und traurig…#Katastrophal). Die dritte Phase nennt sich „Transitionsphase“ und zeigt eine Vermengung der ersten beiden Phasen: faktische und emotionsgeladene Tweets. Informationen und neue Meldungen fließen schneller als zuvor.</p>
<p>In der vierten Phase findet eine Rationalisierung der Geschehnisse statt: die Menschen fangen an, das Ausmaß des Schreckens zu begreifen. Oft gibt es inzwischen verifizierte Informationen von der Polizei oder anderen offiziellen Stellen. Die Menschen fangen an, sich zu organisieren. In Paris, Nizza und München wurde der Hashtag #offenetür geteilt. Diese Phase charakterisiert sich also meistens durch ein positives Gefühl von Zusammenhalt und Solidarität. In der fünften Phase mischen sich verschiedene Interessen ins Geschehen. Einerseits Interessen an den genauen Umständen und Hintergründen zu den Gewalttaten: wer, was, warum und mit welchen Konsequenzen? Leider gibt es aber auch genug Menschen, die diesen Moment im Eigeninteresse nutzen: zum Beispiel tweeten Leute unter den umlaufenden Hashtags, um die eigene Follower-Anzahl zu erhöhen und sich selbst zu vermarkten. Zuletzt folgt eine Phase der „Desorganisation“, in der Gegenmeinungen laut werden. Nach Charlie Hebdo war das in der sechsten Phase „JeNeSuisPasCharlie“ oder nach Nizza wurde das #PrayforNice als zu religiös kritisiert. Auch Verschwörungstheorien nehmen zu, wie vom Nutzer <a href="https://twitter.com/La_Pollice" target="_blank" rel="noopener noreferrer">@La_Pollice</a>, der die Amerikaner, die durch ihr beherztes Eingreifen ein Massaker im Thalys-Zug verhindern konnten, als <a href="http://www.apple.com/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spione</a> bezeichnete.</p>
<h3>Sind wir auf Twitter alle Journalisten?</h3>
<p>Die Analyse von ReputatioLab zeigt: trotz des Wankelmuts von sozialen Medien scheint es Muster zu geben, die sich in der Kommunikation von Krisensituationen wiederholen. Welchen Mehrwert haben Twitter und Co. aber für die Verbesserung von Krisenmanagement?  Laut Bundesinnenministeriums gibt es vier Grundsätze in der <a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2008/Krisenkommunikation.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Krisenkommunikation</a>: Schnelligkeit, Wahrhaftigkeit, Verständlichkeit und Konsistenz. Abgesehen vom Tempo der Meldungen, die im Fall von Terroranschlägen im Minutentakt veröffentlicht werden, erfüllen Soziale Medien diese Kriterien kaum. Im Gegenteil: nach dem Terrorakt von Nizza und dem Amoklauf in München wurde besonders viel Kritik an der Masse der Falschinformationen und Inkonsistenz der Aussagen laut. Jeder kann das Netz mit Informationen fluten. Das ist Segen und Fluch zugleich.</p>
<p>Normale BürgerInnen werden auf Twitter zu AktivistInnen, die Stellung beziehen und sich engagieren. Bei dem Paris-Attentat startete ein 15-Jähriges Mädchen den Hashtag <a href="https://twitter.com/recherchepariis" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#RechercheParis</a>, um die Suche nach Vermissten zu organisieren. Im Fall des verhinderten Attentats im Thalys Zug im August 2015 waren es die Meldungen eines Unbeteiligten, der die Welt über Neuigkeiten der Ereignisse auf dem Laufenden hielt. Der Twitter-Nutzer <a href="https://twitter.com/FreedomFilmLLC" target="_blank" rel="noopener noreferrer">@FreedomFilmLLC</a> saß selbst nicht im Zug, aber hatte einen mitreisenden Freund, von dem er Informationen erhielt, die er dann über Twitter &#8211; sozusagen per Livestream &#8211; teilen konnte. Erst nachdem der Zug am Bahnhof von Arras angehalten wurde, erschien eine erste Stellungnahme des Thalys und Berichte von Journalisten. Die Überwältigung des Attentäters war da bereits passiert und von @FreedomFilmLLC mit Fotos auf Twitter öffentlich gemacht.</p>
<h3>Gerüchte, Falschmeldungen und Katzenbilder</h3>
<p>Aber nicht alles ist gut und hilfreich, was in Ausnahmesituationen über Twitter und Facebook geteilt wird. Die meisten Hashtags sind sehr kurzlebig; innerhalb weniger Stunden kommen neue dazu und alte werden ersetzt. Den Überblick zu behalten ist manchmal gar nicht so leicht. In Nizza war es nach kurzer Zeit schwierig, Informationen über #Nice zu finden. Stattdessen wurden Informationen unter #AttentateNice oder #NiceAttentat weiter verbreitet. Gerade in Nizza und München gab es außerdem große Probleme mit Falschmeldungen, die im Netz kursierten. In Nizza war fälschlicherweise die Rede von Geiselnahmen im Buffalo Grill Restaurant und Meridian Hotel. In München spekulierte man über drei Täter und weitere Schüsse in der Innenstadt, was wiederum bei vielen Menschen Panik auslösten. ReputatioLab spricht in diesem Zusammenhang über einen Ansteckungseffekt. Mit nur einem Klick teilt man den Tweet einer anderen Person, den dann wiederum die eigenen Follower sehen und weiter teilen können. Das ist einfacher, schneller, aber auch oft unüberlegter als Mundpropaganda. Aus Annahmen und einzelnen Spekulationen über Schüsse werden im Netz schnell vermeintliche Tatsachen, obwohl der Ursprung eines Gerüchts oft auf wenige Personen zurückgeführt werden kann.</p>
<p>Falschinformationen, die im Netz kursieren, sind gefährlich. Für die Menschen selbst bedeuten sie Verunsicherung und Angst oder können sogar zu Fehlverhalten führen, beispielsweise die falschen Plätze zu meiden oder Massenpaniken zu erzeugen. Polizeiarbeit wird durch Gerüchte behindert, da sie aktiv dagegen steuern müssen, um weiteres Chaos zu verhindern. Städte, die von einem Attentat getroffen werden, befinden sich bereits im Ausnahmezustand. Wenn mehrere Polizeifahrzeuge zu einem Einsatz ausrücken, der sich als falsch herausstellt, könnten diese Kräfte an einer entscheidenden Stelle fehlen. In München laufen seit dem Amoklauf <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/amoklauf-in-muenchen--taeter-erschoss-sich-schon-um-20-30-uhr---kontakt-mit-polizisten-6977208.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ermittlungen</a> gegen die möglicherweise bewusste Streuung von Gerüchten, sowohl im Netz als auch per Anruf bei Polizeistationen. Jedoch ist nicht nur das Teilen von Falschmeldungen gefährlich, sondern auch die Verbreitung von echten Informationen kann die Ermittlungen der Polizei erschweren oder sogar benachteiligen. Um Diskussionen über aktuelle Ermittlungsstände zu vermeiden und den Attentätern nicht in die Hände zu spielen, wurden im Anschluss an die Brüssel-Anschläge unter dem Hashtag #BrusselsLockdown kurzerhand tausende <a href="http://www.bbc.com/news/world-europe-34897645" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Katzenbilder</a> von Twitter-Nutzern geteilt.</p>
<h3>Wie man mit den neuen Herausforderungen umgeht</h3>
<p>Zwar scheinen Behörden und Staat zunächst machtlos gegen diese Informationswut im Netz, aber inzwischen haben sie auch etwas entgegenzusetzten. Um Falschmeldungen im Keim zu ersticken, rief die Polizei München unmittelbar auf Twitter dazu auf, keine Gerüchte weiterzuverbreiten und <a href="https://twitter.com/polizeimuenchen/status/756862894147592192" target="_blank" rel="noopener noreferrer">drohte mit Konsequenzen</a>. Generell wurde die Arbeit der Münchner Polizei an diesem Abend hoch gelobt &#8211; im analogen und digitalen Sinne. Mit regelmäßigen Nachrichten für die Bürger sorgte sie dafür, Chaos und Panik zu begrenzen. Alle Meldungen wurden in verschiedenen Sprachen übersetzt.</p>
<p>Dennoch bleibt die Informationsverarbeitung in soziale Medien in Krisensituationen schwierig. Informationen sollen schnell fließen, aber dennoch glaubhaft sein. Twitter kann dabei vieles, was konventionelle Nachrichtenportale nicht können. Zum Beispiel Zusammenhalt beweisen, indem man mithilfe von Hashtags Solidarität mit möglichen Opfern, Angehörigen und Menschen vor Ort bekundet. Auch kann Twitter organisieren und koordinieren, was die Suche nach Vermissten oder nach Unterkünften in Paris, Nizza und München zeigte. Zuletzt nutzen wir das Netzwerk als schnelle Informationsquelle, das oft noch vor anderen Online-Medien Neuigkeiten bietet. Allerdings steht jeder Nutzer vor der Herausforderung, richtige von falschen Informationen zu unterscheiden und selbst verantwortungsvoll mit Hinweisen umzugehen.</p>
<p>Die meisten Menschen halten sich auch heute noch an traditionelle Medien, wie die Tagesschau, wenn sie sich gewissenhaft informieren wollen. Aber auch hier spielen soziale Netzwerke eine immer größere Rolle in der Nachrichtenverarbeitung und Verbreitung und auch das birgt Probleme in sich. Im Zuge des Attentats in München, wurde die teilweise ungefilterte und schnelle Verbreitung von Informationen aus sozialen Netzwerken durch traditionelle Medien im Nachhinein scharf kritisiert. In jedem Fall braucht es neben der Möglichkeit sich über soziale Medien zu informieren weiterhin Alternativen in der Krisenkommunikation, die möglichst schnell und effektiv viele Menschen, erreichen können. Und doch wird Twitter eine Schlüsselrolle in zukünftiger Krisenkommunikation spielen, als schneller, direkter und authentischer Informationskanal, auf den alle Menschen zugreifen können.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/the_apex_archive/22427762543/in/album-72157661209640592/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">15115_025 &#8220;Paix pour Paris&#8221;</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/the_apex_archive/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Apex Archive</a> via <a href="https://www.flickr.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-ND 2.0 </a></p>
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		<title>Information Warfare und Friedensjournalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Bei jedem neuen Krieg wird, oft von den Medien selbst,        die Frage nach der ihrer eigenen Rolle und die Beeinflussungstrategien        der Kriegsparteien thematisiert. Ein neues Buch versucht systematisch        alle Facetten der Krisenkommunikation zu beleuchten<p> &#8222;Stell dir vor, es gibt Krieg und keiner schaut zu.&#8220;        Unwahrscheinlich? Absolut.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Bei jedem neuen Krieg wird, oft von den Medien selbst, die Frage nach der ihrer eigenen Rolle und die Beeinflussungstrategien der Kriegsparteien thematisiert. Ein neues Buch versucht systematisch alle Facetten der Krisenkommunikation zu beleuchten</p>
<p>„Stell dir vor, es gibt Krieg und keiner schaut zu.“ Unwahrscheinlich? Absolut.<!--break--><br />
Im Zeitalter der „Mediokratie“ gehören die Medien als Beobachter genauso zu jeder kriegerischen Auseinandersetzung wie die Kriegsparteien und sind als propagandistisches Schlachtfeld schon metaphorischer Teil des Kriegsgeschehens selbst geworden. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Kommunikations-strategien der Kriegsakteure und die Kriegsberichterstattung?<br />
Der zweite Band zum Thema „Krieg als Medienereignis“ versucht nach dem kasuistisch angelegten und zum Anlass des ersten Golfkrieges herausgegebenen ersten Teils nun einen breiten und systematischen Überblick über das noch wenig erschlossene Forschungsgebiet der „Kriegskommunikation“ zu geben.<br />
Gegliedert ist das Buch in die inhaltlichen Schwerpunkte der historischen Entwicklung der Krisenkommunikation sowie ihrer Betrachtung aus journalistischer sowie militärischer Perspektive.<br />
Die spannendsten Beiträge finden sich im Abschnitt zur militärischen Perspektive der Krisenkommunikation, für den zwei Praktiker für das Thema „Strategisches Informationsmanagement“ gewonnen werden konnten, einer davon Walter Jertz, der militärischen NATO &#8211; Sprecher während des Kosovo – Krieges. Die Autoren liefern einen interessanten und anschaulichen Einblick in die zentralistische Organisationsweise und die Kommunikationsstrategien des Militärbündnisses während militärischer Intervention. Ein zweiter Beitrag widmet sich den „Information Operations“ (früher „Information Warfare“) und den aktuellen Strategien des US &#8211; Militärs zur Instrumentalisierung der Medien und der Erlangung der Informationshoheit.<br />
Auch dem Internet und seiner Rolle in kriegerischen Auseinandersetzungen wird ein Kapitel gewidmet. War das Internet in Krisenzeiten anfänglich nur eine zusätzliche Quelle für (mehr oder weniger authentische) Informationen aus den Krisengebieten, hat es sich inzwischen auch zu einem Mittel und Objekt der Kriegsführung entwickelt. Militärische Strategien zum Angriff der gegnerischen Infrastruktur beziehen das Internet bereits lange mit ein. Das Internet ist aber auch bereits selbst zum propagandistischen Schlachtfeld geworden. So hat z.B. jugoslawische Regierung während der Kosovo – Intervention rund 1000 Studenten als „Webpropagandisten“ an die virtuelle Kriegsfront geschickt hat, um durch das Verbreiten von Exklusivinformationen an Journalisten, „Undercover“ &#8211; Teilnahme an Newsgroups und der Kontaktaufnahme zu ausländischen Antikriegsgruppen die öffentliche Meinung zu beeinflussen.<br />
Der Beitrag untersucht vor allem die Auswirkungen der Internetrevolution auf den Journalismus und sieht die Konsequenzen im Verlust des Deutungsmonopols der Massenmedien und dem Wechsel von einem Vermittler – Rolle der Journalisten hin zu einer Moderatoren &#8211; Rolle, deren Aufgabe es ist, den Medienkonsumenten Orientierung in der Quellenvielfalt und dem Informationsüberfluss zu geben.<br />
Das Buch bietet eine breite Einführung in das Problemfeld der Kriegskommunikation und stellt alle wesentlichen Aspekte umfassend dar. Die Perspektiven reichen vom geschichtlichen Abriss der Rolle der Medien in der modernen Kriegsführung über die militärischen Strategien der Medieninstrumentalisierung bis zur Diskussion des Konzeptes des Friedensjournalismus und der zunehmenden Tendenz zum „Militainment“ von Kriegsberichterstattung.<br />
Das Buch ist gemäß seinem Selbstverständnis als umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas vor allem akademisch ausgerichtet. Der Anschaulichkeit halber wären mehr als der eine Praktikerbeitrag eine auflockernde Ergänzung gewesen, andererseits liegt der Wert des Buches eben darin, sich von den durchaus zahlreich vorliegenden vor allem journalistischen Annäherungen an das Thema abzusetzen.<br />
<strong>Buchinfo:<br />
Martin Löffelholz (Hsg.), Krieg als Medienereignis II. Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert.<br />
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2004</strong></p>
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