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	<title>Kultur &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Gefährdet Social Media die kulturelle Identität?</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Nov 2017 16:41:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mit der Nutzung sozialer Medien vernetzen sich auf der ganzen Welt täglich immer mehr Menschen. Sie teilen Inhalte, treten in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/fdp-artikelbild.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" size-full wp-image-152941 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/hybride-kulturen.png" alt="fdp artikelbild" width="640" height="280" /></a>Mit der Nutzung sozialer Medien vernetzen sich auf der ganzen Welt täglich immer mehr Menschen. Sie teilen Inhalte, treten in direkten Kontakt und knüpfen sogar transkontinentale Freundschaften. Länderspezifisches Essen, Mode, Sitten und Bräuche werden miteinander geteilt. Dadurch wird die kulturelle Identität beeinflusst.</p>
<p>Zu Beginn stellt sich die Frage: Was ist kulturelle Identität? Hierfür ist es angebracht, zunächst die Worte <em>Kultur</em>  und <em>Identität</em> separat zu betrachten. Der britische Anthropologe Edward B. Tylor definiert <em>Kultur</em> als „ein komplexes Ganzes, welches Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetze, Sitten und andere Fähigkeiten und Gewohnheiten, erworben von den Mitgliedern der Gesellschaft, beinhaltet.“ <em>Identität</em> meint, laut den Pädagogen Peter Köck und Hanns Ott, die Übereinstimmung eines Individuums mit sich selbst. Es sei ein dynamisches Selbstkonzept, welches sich stets durch äußere Einflüsse verändere und neu formiere. Beide Definitionen zusammengeführt meint kulturelle Identität folglich die Übereinstimmung des Selbst mit sich selbst und den äußeren Faktoren, welche eine Gesellschaft ausmachen.</p>
<h3>Kulturelle Identität ist nicht statisch</h3>
<p>Der traditionelle Kulturbegriff, der einst von dem einflussreichen Philosophen Johann Gottfried Herder geprägt wurde, ist längst überholt und nicht mehr alltagstauglich. Jenes Modell besagt nämlich, dass Kulturen – ähnlich wie Kugeln – ihren Schwerpunkt in sich selbst tragen und nach außen hin klare Grenzen vorweisen. Jede Kultur sei demnach homogen und durch eine eindeutige kulturelle Identität gekennzeichnet, so Herder. So wenig wie sich Kugeln vermischen können, können Kulturen miteinander verschmelzen. Herders Modell erlaubt den Gedanken an friedlich nebeneinander lebenden Kulturen, der Multikulturalität. Kulturen sind, laut seiner Theorie, statisch und unveränderbar.</p>
<p>Ein modernerer Ansatz ist das Konzept der hybriden Kulturen nach dem indischen Kulturwissenschaftler Homi K. Bhabha. Zentraler Gedanke seiner Theorie ist die Annahme, dass Kulturen zutiefst dynamisch und fluide sind und deren Veränderung stark von äußeren Faktoren abhängig ist. Beim Zusammentreffen von Kultur A und Kultur B entsteht demnach eine Schnittstelle – ein hybrider Raum – nämlich Kultur C. Kultur C als Mischung aus den beiden Ursprungsformen ist an sich ebenfalls sehr dynamisch und kann beispielsweise mit Kultur D gemeinsam einen neuen, hybriden Raum schaffen. Dies kann beliebig weitergeführt werden.</p>
<p>Die Theorie der hybriden Kulturen passt gut in unsere globalisierte, schnelllebige Welt und beeinflusst automatisch damit auch die individuelle Identität. Denn was wir essen, wie wir uns kleiden und Feste feiern, hat Einfluss auf die Formung unserer individuellen Identität. Die Entstehung neuer Kulturräume beeinflusst unsere Identität. Aber auch persönliche Erfahrungen, die wir beispielsweise in anderen Ländern gesammelt haben, fließen in unsere Kulturen mit ein und beeinflussen diese. So können zum einen Kultur und Identität als eine Art sich gegenseitig beeinflussende Pole betrachtet werden. Zum anderen kann festgehalten werden, dass die Identifikation mit der Kultur, die kulturelle Identität, ein stetiger Anpassungsprozess von äußeren und inneren Einflüssen ist.</p>
<h3>Gefährdung der kulturellen Identität durch Social Media?</h3>
<p>Jeder kennt die Situation: Man ist in einem anderen Land und lernt dort lebende Menschen kennen. Um nach dem Zusammentreffen weiterhin miteinander in Kontakt bleiben zu können, verbindet man sich über Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter. Fortan bekommt man die Möglichkeit, Beiträge dieser Personen zu sehen und somit auch einen Einblick in andere Kulturen zu erhalten. Ist die kulturelle Identität tatsächlich gefährdet, wenn Nutzer sozialer Medien in aktive oder passive Interaktion mit Menschen aus der ganzen Welt treten?</p>
<p>Der Ethnologe Nils Zurawski stellt in seinem Werk „Virtuelle Ethnizität“ zunächst fest, dass eine Wechselwirkung zwischen der Online- und der Offline-Welt besteht: Selbstgewählte Identitäten aus dem Internet werden in die Offline-Welt integriert. Aber auch Inhalte aus der analogen Welt finden Zugang zu der Online-Welt. Bezogen auf die oben dargestellte Situation bedeutet dies: Eine Person kann die eigene kulturelle Identität auf den Social Media Plattformen präsentieren, also Werte aus dem Offline-Bereich online stellen. Genau dieselbe Person kann aber auch Beiträge zur kulturellen Identität anderer Personen konsumieren und in seine eigene analoge Welt übertragen. Somit beeinflussen soziale Medien sehr wohl die kulturelle Identität einer Person oder sogar einer Gemeinschaft. Dies muss nicht zwangsläufig mit einem Verlust der eigenen kulturellen Identität einhergehen. Vielmehr bietet das Zusammenspiel des kulturellen Austausches aus der Online- und Offline-Welt eine gute Voraussetzung für die Entwicklung einer großen Anzahl kleinster hybrider Räume. So kann eine Person aus Dänemark sich mit einer Person aus Thailand aktiv vernetzen und kulturell austauschen. Sie erschaffen in ihrer Interaktion einen hybriden Raum – die dänisch-thailändische Kultur. Natürlich ist der hybride Raum zutiefst dynamisch, wandlungsfähig und meistens temporär angesetzt. Aber sowohl die Person aus Dänemark, als auch die Person aus Thailand werden durch ihre gemeinsame Interaktion beeinflusst und können den Einfluss in die Offline-Welt übertragen.</p>
<h3>Hybride Kulturen im Social Media</h3>
<p>Die Vernetzung über soziale Medien hebt die Entstehung hybrider Kulturen auf eine andere Ebene. Während vorher Menschen nur offline miteinander in Kontakt getreten sind und sich ausgetauscht haben, kann dies nun auch digital geschehen. Die Quantität steigt hierbei enorm: Durch die passive Interaktion (beispielsweise wenn eine Person öffentlich postet und eine andere Person die Posts nur wahrnimmt, aber nicht direkt darauf reagiert) ist die Informationsflut auf sozialen Medien bei weitem größer als im analogen Leben.</p>
<p>Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die vermehrte Nutzung sozialer Medien zwar eine Veränderung in der Umgangsweise der Menschen miteinander provoziert und demnach auch die kulturelle Identität auf eine neue Art beeinflusst. Veränderung bedeutet jedoch nicht automatisch Verschlechterung oder sogar Bedrohung der kulturellen Identität. Vielmehr kann festgehalten werden, dass sich nach wie vor Menschen mit ihrer eigenen kulturellen Identität zusammenfinden und austauschen. Die Entstehung neuer hybrider Räume findet nun jedoch nicht nur offline statt, sondern auch online. Welche tiefgehenden Veränderungen in der kulturellen Identität dieser Wandel mit sich bringt, bleibt eine spannende Frage, die in der Zukunft weiter erörtert werden muss.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://unsplash.com/photos/lgGZmLaWavE?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unsplash.com</a> by <a href="https://unsplash.com/@sydneylens" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Paul Carmona</a> <a href="https://unsplash.com/license" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Zwischen neuen Chancen und alten Grenzen: Gehörlose im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Mahler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2016 08:34:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-150387 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/barrier-gates-280628_640x314_CC0_by_Ben_Kerckxvia_pixabay.jpg" alt="Schranke auf einem Weg im Wald, barrier gates by Ben_Kerckx CC0 via Flickr" width="640" height="314" />Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und Vereine waren deshalb für sie lange Zeit die einzigen Orte, in denen sich ihnen diese Welt auftat. Mit dem Internet hat sich das geändert: Das Netz beeinflusst nicht nur die Kultur der Gehörlosen. Dass deren Herzstück, die Gebärdensprache, auch beim Videochat eingesetzt werden kann, ist für taube Menschen inzwischen sogar der Hauptgrund, online zu gehen. Doch bei allem Fortschritt: Taube Menschen treffen auch online immer noch auf alte Barrieren.</p>
<p>Inzwischen klingen die Buchstaben schon fast banal: WWW, weltweites Netz. Dabei schafft das Internet manchmal sogar weit mehr, als die eine Welt zu verbinden: Manchmal eröffnet es regelrecht neue Welten. Zum Beispiel für Gehörlose.</p>
<p>Denn dass im Analogen oft Welten zwischen Hörenden und Gehörlosen liegen, erfahren taube Menschen alltäglich: Anders als für Hörende ist es für Gehörlose ohne Dolmetscher alles andere als einfach, jemanden auf der Straße mal kurz anzusprechen und nach dem Weg zu fragen oder einkaufen zu gehen. Verständnisprobleme sind immer vorprogrammiert. Eigentlich besitzen taube Menschen mit der Gebärdensprache eine perfekte Möglichkeit sich mitzuteilen und zu verständigen. Aufgrund eines von der hörenden Mehrheitsgesellschaft bestimmten Kommunikationssystems sind Gehörlose jedoch de facto immer auf andere Mitglieder der eigenen Minderheit angewiesen, um sich austauschen zu können. Lange Zeit waren deshalb Gehörlosenschulen und eigene Vereine praktisch <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die einzigen Örtlichkeiten der Gehörlosengemeinschaft</a>, in denen sich ihnen die weithin unerreichbare Welt der Alltagskommunikation erschloss.</p>
<p>Mit dem Internet ist ein neuer Ort dazugekommen, der – wie bei Hörenden auch – die menschliche Kommunikation teilweise sogar überflüssig gemacht hat: Wer nach einer Straße sucht, fragt einfach schnell Google-Maps. Und wer shoppen oder eine Reise buchen will, kann dies mit wenigen Klicks auch zuhause online erledigen. Für Gehörlose ist das nicht nur genauso bequem wie für Hörende. Es bedeutet für sie auch, im Alltag ohne Dolmetscher weniger mit Verständigungsschwierigkeiten konfrontiert zu sein. „Das Internet ermöglicht Gehörlosen also eine stärkere Individualisierung. Es schafft Unabhängigkeit“, erklärt Andreas Bittner. Bittner ist nicht nur selbst taub, sondern auch Dozent am <a href="https://www.reha.hu-berlin.de/lehrgebiete/gsd/lehre-und-studium/ds" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deaf-Studies-Lehrstuhl der Humboldt-Universität in Berlin</a>. Für ihn steht fest: „Es hat durch das Internet einen großen Wandel für Gehörlose gegeben.“</p>
<h3>Das Internet prägt die Kultur der Gehörlosen mit</h3>
<p>Seit den 1990er Jahren gibt es etwa eigene Webseiten für die sprachliche Minderheit. Der spätertaubte Bernd Rehling gehört dabei zu den „Dinosauriern“ des Deaf Internet (Gehörlosen-Internet), wie er sich selbst nennt. Er hat 1997 das Portal <a href="http://taubenschlag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">taubenschlag.de</a> mitgegründet, das Informationen aus der Deaf World bündelt. Seine Motivation beschreibt er so: „Im Internet habe ich gerade für Hörgeschädigte eine große Chance gesehen, um Informationen zu bekommen, zu kommunizieren und zu lernen.“ Und der 73-Jährige sieht die Chancen auch zu einem guten Stück erfüllt, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die eigenständige Kultur der Gehörlosen: „Es gibt kulturelle Angebote für Gehörlose wie nie zuvor. Die wären überregional ohne das Internet kaum zugänglich, ja, viele gäbe es gar nicht.“ Erst durch das Internet seien ausländische Impulse wie die Deaf Poetry Slams in Deutschland schnell verbreitet worden. Auch das Entstehen einer selbstbewussten Jugendkultur habe das Netz beschleunigt. Und durch Online-Veröffentlichungen finden lokale Angebote wie Museumsführungen für Gehörlose überhaupt erst ein breites Publikum, so Rehling.</p>
<p>Um ein vielfaches verbessert habe sich auch der Informationserwerb, sagt der pensionierte Lehrer. So würden zumindest einige öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen 90 Prozent ihres Angebots untertiteln. Und über das Live-Streaming kämen Gehörlose nun sofort an aktuelle Informationen. Zum Medium schlechthin sei für Gehörlose der Video-on-demand-Dienst Netflix geworden: Dort werden alle Filme und Serien ausnahmslos untertitelt. Und selbst Facebook ermöglicht jetzt Werbetreibenden – wenn auch primär aus Rücksicht auf mobile Nutzer und deren Klickzahlen – <a href="https://www.facebook.com/business/news/updated-features-for-video-ads" target="_blank" rel="noopener noreferrer">automatisch Untertitel in Videos einzubauen</a>. Eine wichtige Entwicklung, schließlich nimmt dort die Zahl der Videos im Newsfeed rasant zu. Und Andreas Bittner vom Berliner Deaf-Studies-Lehrstuhl bestätigt, dass durch das Internet Gehörlosen so grundsätzlich mehr Informationen zugänglich gemacht werden: „Man bekommt stärker mit, was in der hörenden Gesellschaft passiert.“</p>
<h3>Das barrierefreie Netz gibt es noch nicht</h3>
<p>Trotzdem gibt es auch online immer noch starke Einschränkungen für Gehörlose. <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">So rufen schon jetzt 53 Prozent der Mehrheitsgesellschaft mindestens einmal wöchentlich audiovisuelle Inhalte im Netz auf, um sich zu informieren. </a>Werden diese in Zukunft nicht überall barrierefrei angeboten, wird die Kluft zwischen Hörenden und Gehörlosen bei der Informationsbeschaffung wieder zunehmen, die sich durch die <a href="http://www.deutsche-gesellschaft.de/fokus/tagesspiegel-inklusion-im-fernsehen-untertitel-ersetzen-keine-gebaerden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gestiegene Zahl an Untertiteln im Fernsehen</a> gerade langsam vermindert. Momentan sehen sich laut einer aktuellen Studie der Rheinischen Fachhochschule Köln 76 Prozent der Gehörlosen ausgebremst, wenn es um audiobasierte Inhalte im Netz geht.</p>
<p>Andreas Bittner von der HU Berlin sieht aber auch unabhängig davon noch lange kein barrierefreies Netz. Zu tun habe das mit der Schriftsprache, von der es natürlich im Internet ebenfalls nur so wimmelt. So wie sie von der Mehrheitsgesellschaft gebraucht wird, unterscheidet sich die Schriftsprache von der Gebärdensprache nicht nur durch die fehlende visuelle Ausdrucksweise. Für taube Menschen ist sie auch deshalb nur mit Mühe zu verstehen, weil ihr eine andere Grammatik zugrunde liegt. Bittner: „Deutsche Schriftsprache ist wie eine Fremdsprache für deutsche taube Menschen.“ Eine entscheidende Rolle für Gehörlose spiele daher auch im Internet ihre Schriftsprachkompetenz. Und die brauche es oft schon zum Verstehen von Untertiteln, so der Deaf-Studies-Experte. „Erst die Gebärdensprache wäre ein wirklicher Vorteil“, findet Bittner. „Doch die ist im Internet noch die absolute Ausnahme.“ Das gilt auch für die <a href="http://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Leichte Sprache“</a>. Gehörlose profitieren also bislang – abhängig von ihrer Schriftsprachkompetenz – unterschiedlich stark von den Vorzügen des Internet.</p>
<h3>Deaf World: Gehörlose können jetzt auch in die Ferne mittels Gebärdensprache kommunizieren</h3>
<p>Von unschätzbarem Wert für alle tauben Menschen sind dagegen die Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten, die das Netz bietet. Welche große Rolle die Vernetzung für sie spielt, beweist allein schon Achim Feldmann: Er hat lange vor Facebook und Co 1995 mit gehoerlos.de das erste Diskussionsforum für taube Menschen in Deutschland gegründet: „Ich wollte, dass die Gehörlosen weniger isoliert sind. Zuvor mussten sie erst in die nächste Großstadt fahren, um sich mit anderen Gehörlosen zu unterhalten. Das hat Zeit und Geld gekostet.“ Zwar nutzten Gehörlose damals auch Faxgeräte oder seit 1975 schon Schreibtelefone, um in die Ferne zu kommunizieren. Mit einem schnellen Chat vermögen diese Geräte aber freilich nicht mitzuhalten. Mehr noch: Heute können auf Skype, Whatsapp oder per Email auch Videos verschickt werden. Und damit wird der Austausch in Gebärdensprache über Entfernungen hinweg möglich. „Das ist ein Quantensprung in der Entwicklung“, findet auch taubenschlag.de-Gründer Rehling. „Gehörlose können jetzt weltweit Kontakte pflegen, sogar in ihrer Muttersprache.“</p>
<p>Tatsächlich bietet das Internet die Chance, dass der Bedeutung der Gebärdensprache für taube Menschen auch bei der Kommunikation in die Ferne noch Rechnung getragen wird: Weil die Gebärdensprache die Gehörlosengemeinschaft überhaupt erst stiftet, gilt sie als <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Herzstück der Gehörlosenkultur“</a>. Das bedeutet, dass sogar Gehörlose die Gebärdensprache lernen oder weiter pflegen, denen ein Cochlea-Implantat das Hören und Verstehen der Lautsprache ermöglicht. Sie wollen damit ihrer Gemeinschaft treu bleiben. Florian Lothmann, Leiter der erwähnten Studie aus Köln, hat in seiner Umfrage von 2015 sogar folgendes festgestellt: Die gebärdensprachliche Kommunikation räumlich unabhängig einsetzen zu können, ist für Gehörlose inzwischen sogar der Hauptgrund, das Internet zu nutzen und nicht die erleichterte Informationsbeschaffung. Doch überraschenderweise war das nicht immer so.</p>
<h3>Neue Möglichkeiten im Netz trafen zunächst auf alte Nutzungsgewohnheiten</h3>
<p>Eine Studie der HU Berlin aus dem Jahr 2012 zur Nutzung sozialer Medien durch Gehörlose zeigt, dass der Trend, die Gebärdensprache zu pflegen, online erst verzögert eingesetzt hat. So ergab die Studie damals folgendes Bild: Von 106 befragten Gehörlosen und einigen wenigen Schwerhörigen setzte nur eine Person ausschließlich auf Video-Chats. Dagegen gaben umgekehrt mehr als 61 Prozent der Befragten an, sich dort nur schriftlich mit anderen auszutauschen und damit sogar ganz auf das Gebärden zu verzichten. Die Übrigen nutzten beide Möglichkeiten. Studienleiterin Laura Schulze hatte ferner festgestellt, dass es bei der Wahl des Netzwerks keinen Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft gibt: Auch bei den befragten Gehörlosen waren die meisten bei Facebook angemeldet. Und das, obwohl es seit 2007 ein visuell orientiertes Netzwerk gegeben hatte, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Hörschädigung abgestimmt war.</p>
<p>Andreas Bittner vom Deaf-Studies-Lehrstuhl erklärt diese Ergebnisse mit ausgeprägten alten Nutzungsgewohnheiten, die erst mit der Zeit zurückgegangen sind. Noch heute kommunizierten ältere Gehörlose teils immer noch lieber per Fax als sich etwa via Skype in ihrer Muttersprache mit anderen auszutauschen – „weil sie es so gewohnt sind.“ Technikaffinität und digitale Nutzungsgewohnheiten sind also offenbar ausschlaggebender als die Nähe zur eigenen Muttersprache. „Und ich denke: Wenn man die Gebärdensprache über Video und Webcam einsetzt, zeigt man gleichzeitig sehr viel von sich persönlich, der ganze Mensch in seiner Verfassung ist dann sichtbar“, so Bittner. Wenn Gehörlose also im Internet ihre Muttersprache einsetzen wollen, ist das – anders als bei Hörenden – zwangsläufig mit Sichtbarkeit verbunden. Und setzt damit – genau umgekehrt zu den Hörenden, die problemlos auch unsichtbar kommunizieren können – immer die Überwindung einer gewissen Hemmschwelle voraus.</p>
<h3>Die Muttersprache liegt bei tauben Menschen inzwischen auch online  im Trend</h3>
<p>Dass Video-Nachrichten inzwischen im Trend liegen, hängt für Deaf-Studies-Experte Andreas Bittner auch damit zusammen, dass die technischen Voraussetzungen dazu immer besser geworden sind: Videonachrichten setzen geeignete Endgeräte, schnelles Internet, gute Videoqualität und ausreichendes Datenvolumen voraus. Bittner: „Ist das alles erfüllt, schafft das zusätzliche Anreize, die Gebärdensprache auch digital einzusetzen.“ Gerade bei gehörlosen Jugendlichen führen die neuen Videochatmöglichkeiten nach Angaben der <a href="http://www.gehoerlosen-jugend.de/allesueberdgj/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Deutschen Gehörlosen Jugend e.V.“</a> dazu, dass diese sich ihrer Muttersprache stärker bewusst werden.</p>
<p>Trotzdem kann Andreas Bittner der Schriftform nach wie vor etwas abgewinnen. Und zwar was das Verhältnis zu Hörenden angeht: „Wenn man nur schreibt, merkt man nicht zwangsläufig, ob jemand hörend ist oder nicht. Und auch wenn Gehörlose in der Schriftform nicht immer grammatisch perfekt sind: Der Kontakt zu Hörenden wird erleichtert.“ So gaben von den 241 Gehörlosen, die in der bereits genannten Studie der Rheinischen Fachhochschule befragt wurden, zwei Drittel an, durch das Internet sogar häufiger mit Hörenden zu kommunizieren. Den digitalen Austausch in Schriftform hält der taube Softwareentwickler Achim Feldmann dabei vor allem in der Arbeitswelt für wichtig: „Die Selbstständigkeit von Gehörlosen am Arbeitsplatz hat dadurch zugenommen. Und damit auch die Verantwortung und das Selbstbewusstsein.“ Aufgrund der Unabhängigkeit von Dolmetschern zieht Feldmann im Kontakt mit hörenden Arbeitskollegen Emails sogar <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Relay-Dienst" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Relay-Diensten</a> vor.</p>
<h3>Filter Bubble: Auch online trennen Gehörlose und Hörende oft noch Welten</h3>
<p>Doch konnte das Internet auch insgesamt dabei helfen, die Welten zwischen Gehörlosen und Hörenden wegzuräumen? Führen die neuen digitalen Kontaktmöglichkeiten beide Seiten stärker zusammen? Bernd Rehling bringt es mit Blick auf die sozialen Netzwerken so auf den Punkt: „Wie alle Nutzer schmoren auch Gehörlose dort im eigenen Saft, gründen also Gruppen zu ihren Interessengebieten und tauschen Informationen aus der Gehörlosenwelt aus.“ Die taube Lippenleserin und Inklusionsaktivistin Julia Probst hält Rehling dabei für eine Ausnahme: <a href="https://twitter.com/einaugenschmaus?lang=de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Probst hat auf Twitter mehr als 34.000 Follower</a>, hauptsächlich Hörende. Doch bei allen sprachlichen Barrieren und, in ihren Augen, nach wie vor ungenügender Inklusion im Netz, sieht die 34-Jährige selbst die Lage weniger pessimistisch: „Das Internet spielt eine wichtige Rolle, das Verständnis von Gehörlosen und Hörenden zu verbessern – auch wenn es nicht immer gelingt. Und es hat sich auch schon etwas verändert, aber eher bei Menschen, die schon immer offener waren.“</p>
<p>Denn bei allem technischen Fortschritt bleiben zwischen Hörenden und Gehörlosen in der Regel unterschiedliche Interessen und Denkweisen bestehen. Schon allein aufgrund ihrer visuellen Ausrichtung nähmen Gehörlose manches ganz anders wahr als Hörende, so Bernd Rehling. Das beginne schon bei Witzen und höre längst noch nicht bei einem unterschiedlichen Zugang zu Musik und Literatur auf. Rehling: „Nach anfänglicher Begeisterung brechen Kontakte zwischen hörenden und gehörlosen Jugendlichen daher meistens schnell ab – es sei denn, die Hörenden erlernen die Gebärdensprache und begeben sich in die deaf world. Solche Kontakte lassen sich dann aber besser real als im Internet pflegen.“</p>
<p>So viel das Internet also auch für Gehörlose verbessert haben mag: Mentalitätsunterschiede lassen sich eben dann doch nicht mal eben schnell wegdigitalisieren.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/barrier-gates-walking-pfad-natur-280628/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Barrier Gates von Ben Kerckx via Pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Gamescom 2012: Südkoreas Begeisterung für Spiele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Schumacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Aug 2012 14:53:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Republik Korea ist bei der diesjährigen Computerspielmesse Gamescom vom 15. bis 19. August in Köln offizielles Partnerland. Ein Grund [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/gamescom-2012-suedkorea-und-seine-begeisterung-fuer-spiele/newshour-koreanisches-maedchen/" rel="attachment wp-att-120138"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-120138" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Newshour-koreanisches-maedchen-630x420.jpg" alt="" width="630" height="420" /></a><br />
Die Republik Korea ist bei der diesjährigen Computerspielmesse Gamescom vom 15. bis 19. August in Köln offizielles Partnerland. Ein Grund für politik-digital.de, das Technik- und &#8220;Gamingland&#8221; Südkorea einmal genau zu betrachten: Zwischen Technikwahnsinn und dem Kulturgut Videospiele könnte Deutschland vielleicht noch etwas von Südkorea lernen.</p>
<p>Samsung und LG, zwei südkoreanische Unternehmen, deren Erfolg viel mehr Aussagekraft hat, als man zunächst denkt. Sie stehen für die Technikfixiertheit eines Landes, das nur ein Drittel so groß ist wie Deutschland, aber mehr Einwohner hat als Spanien. Dass zwei der international größten Technologie-Unternehmen aus Südkorea stammen, ist kein Zufall. Wenn man durch die schillernde Metropole Seoul streift, dann mag das auf der Hand zu liegen, einige Kilometer weiter östlich in der tiefsten Provinz jedoch würde man die digitale Begeisterung der gesamten Bevölkerung nicht auf Anhieb erkennen.</p>
<p><strong>&#8220;Early Adopters&#8221; im Land der Morgenstille</strong></p>
<p>Ob Megacity oder Einöde, Südkorea gilt als technikversessen. <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/digitale-revolution-schulen-in-korea-schaffen-buecher-aus-papier-ab-a-840959.html">Wie Spiegel Online kürzlich berichtete</a>, fängt diese Begeisterung schon in der Schule an, wo zukünftig gebundene Bücher, Stifte und Kreidetafeln durch E-Books, virtuelle Tastaturen und digitale Whiteboards ersetzt werden sollen. Die Kinder in Südkorea werden also schon früh auf Technologie getrimmt. Aktuelle technische Spielereien wie Smartphones und Tablets sind nicht nur Status-Symbole, sondern &#8220;Must-haves&#8221; in einer Generation, die als &#8220;Early Adopters&#8221;, also Menschen, die die neuesten technischen Errungenschaften nutzen, bezeichnet wird.</p>
<p>Der Staat fördert die Begeisterung für Technik, wo immer er kann. So ist Südkorea beispielsweise beim Thema Breitband-Internetanschluss führend auf der Welt: Fast 100 Prozent der Koreaner verfügen über einen solchen Anschluss. Selbst in den entlegensten Provinzen gibt es Highspeed-Internet. Die koreanischen Kinder leben buchstäblich in der Online-Welt, ob zu Hause, in der Schule oder in der U-Bahn. Smartphones, Tablets &amp; Co sind nicht mehr wegzudenken aus dem Leben der Südkoreaner. Ähnliches gilt auch für Computer- bzw. Videospiele.</p>
<p><strong>Computerspiele als Kulturgut und Wettkampfdisziplin?</strong></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/gamescom-2012-suedkorea-und-seine-begeisterung-fuer-spiele/starcraft-championship-in-seoul-cyrus-sarivar/" rel="attachment wp-att-120139"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-120139" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Starcraft-Championship-in-Seoul-cyrus-sarivar-305x228.jpg" alt="" width="305" height="228" /></a><br />
Das ist in Deutschland anders: Zwar sind Computer- bzw. Videospiele seit 2008 <a title="Artikel:" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/jetzt-offiziell-computerspiele-sind-kultur-a-572152.html">offiziell als Kulturgut anerkannt</a>, doch haben sie hierzulande längst noch nicht den Stellenwert von Filmen, geschweige denn von Musik, Theater oder Büchern. In der Politik wird nach wie vor viel über die Kulturrelevanz von Computerspielen diskutiert. Das größte Problem dürfte die pauschale Gleichsetzung von Computerspielen mit &#8220;Killerspielen&#8221; sein. Die Argumentation von Kritikern, die Spiele seien oft gewaltverherrlichend, betrifft jedoch nur wenige Ausnahmen.</p>
<p>Immer dann, wenn in den Medien von Amokläufen berichtet wird, wie bei dem von Winnenden 2009, wird darauf verwiesen, dass der Täter &#8220;Ego-Shooter&#8221; gespielt hat. Auf diese Weise werden medial Vorurteile aufgebaut, gegen die Computerspiel-Liebhaber immer noch ankämpfen müssen. <a title="Zur Studie von Christopher Ferguson" href="http://www.tamiu.edu/~cferguson/LYOJPed.pdf">Laut einer Studie des Verhaltenspsychologen Christopher Ferguson</a> von der Universität Texas beispielsweise besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen realen Gewaltausbrüchen und sogenannten &#8220;Killerspielen&#8221;. Beim Thema Brutalität einiger Computerspiele muss man nur auf die von Filmen verweisen. Wohingegen das Argument der künstlerischen Freiheit bei Computerspielentwicklern aber sehr viel weniger zu greifen scheint als bei Filmregisseuren.</p>
<p>Südkorea könnte für Deutschland bei diesem Thema als Vorbild fungieren. Die Koreaner haben das &#8220;Gaming&#8221;, das Spielen von Strategie- und Sportspielen oder Ego-Shootern, längst als Subkultur und Kulturgut angenommen. Die junge koreanische Bevölkerung geht sogar noch einen Schritt weiter und verehrt &#8220;Gamer&#8221; wie Hollywoodstars: Zocken wird als berufliche Perspektive in Erwägung gezogen, Computerspiele werden als Sport aufgefasst. Selbst staatliche Fernsehsender können sich dem &#8220;Gaming&#8221;-Fieber nicht entziehen, so berichten sie regelmäßig live von nationalen und internationalen Wettkämpfen. In Südkorea haben Computerspiele folglich den Status einer Wettkampfdisziplin und einer Massensportart. Gamer werden von staatlicher Seite gar durch Steuererleichterungen bei Gewinnausschüttungen unterstützt, eine &#8220;Sportförderung&#8221; für Computerspieler gibt es hingegen auch in Südkorea nicht.</p>
<p><strong>Südkoreas Suchtproblem</strong></p>
<p>Obwohl als Kulturgut akzeptiert, sieht die südkoreanische Regierung das &#8220;Gaming&#8221; auch mit gemischten Gefühlen. Denn insbesondere die ärmere Bevölkerung verfällt zunehmend der Online-Spielsucht. Aus diesem Grund hat das koreanische Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus im Juni <a title="Artikel der Korea Times" href="http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2012/08/117_113963.html">ein System vorgestellt</a>, mithilfe dessen Eltern entscheiden können, wie lange ihre Kinder Onlinespiele spielen dürfen. Das &#8220;Game Hour Selection System&#8221; blockiert Spieleseiten im Internet, um so die Suchtgefahr einzuschränken. Damit ergänzt das neue System eine bereits bestehende Kontrollfunktion zum Abschalten von leicht süchtig machenden Onlinespiel-Webseiten zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens für Jugendliche unter 16 Jahren.</p>
<p>Videospielsucht ist also auch in Korea ein großes Thema in der Politik wie in der Gesellschaft. Doch auch wenn die Gefahr zweifellos besteht, sollte diese Erkenntnis nicht gegen das &#8220;Kulturgut Computerspiele&#8221; sprechen. Denn Sport und Filme können ein ähnliches Suchtpotential entfalten. Trotzdem schwebt ein Schatten über den Computerspielen. Der Grund dafür ist eine andere Perspektive der Gesellschaft bei der Betrachtung von Videospielen. Oft als &#8220;unnütze Zeitvertreibung&#8221; bezeichnet, werden Computerspiele nur selten als das angesehen, was sie oftmals sind: künstlerische Werke wie Musik, Film oder Theater.</p>
<p>Der Radiojournalist Christian Schiffer forderte unlängst auf dem Debattenportal des Deutschlandfunk, dass &#8220;weniger über Grafik als über Ästhetik gesprochen werden muss, weniger über die künstliche Intelligenz der Computergegner als darüber, welche politischen und gesellschaftlichen Botschaften das Spiel vermittelt&#8221;. Vielleicht kann das Beispiel Südkorea als weltweit fortschrittlichstes Gamerland dabei helfen, Spieler, Spielentwickler und -liebhaber anders einzuschätzen.</p>
<p><em>Anlässlich der Gamescom 2012 wird politik-digital.de in der kommenden Woche weitere Beiträge veröffentlichen, die sich mit dem Thema „Gaming&#8221; und Politik auseinandersetzen.</em></p>
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