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	<title>Landespolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Landespolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Ein NPD-Verbot muss gut vorbereitet sein&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span class="fett">Am Montag, den, 9. Juli, war Harald Ringstorff,
Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach überdie Wirtschaft
im Bundesland, über Probleme mit der NPD und darüber,
wie die große Koalition auf Landesebene funktioniert.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span class="fett">Am Montag, den, 9. Juli, war Harald Ringstorff,<br />
Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach überdie Wirtschaft<br />
im Bundesland, über Probleme mit der NPD und darüber,<br />
wie die große Koalition auf Landesebene funktioniert.</span><!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Freunde Mecklenburg-Vorpommerns,<br />
liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tagesschau-Chat.<br />
Gast ist heute der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern,<br />
Harald Ringstorff (SPD). Das Land regiert der promovierte Chemiker<br />
zusammen mit der CDU. Im Gegensatz zum Bund kann Herr Ringstorff<br />
allerdings auch Rot-Rot gut &#8211; von 1998 bis 2006 bestimmte eine Koalition<br />
aus PDS und SPD in Schwerin die Politik. Viele Probleme sind die<br />
gleichen geblieben, noch immer liegen die neuen Länder wirtschaftlich<br />
hinter den alten zurück. Leuchtturm-Politik, Tourismusförderung,<br />
Investitionsförderung &#8211; sind das die Instrumente, wie man den<br />
Osten zukunftstauglich macht? Natürlich sind den Themen wie<br />
immer keine Grenzen gesetzt. Jetzt einen schönen guten Tag<br />
nach Schwerin! Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, dass Sie<br />
Zeit für den Chat haben und gleich die Frage: Alles technisch<br />
ok, können wir beginnen?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Ich denke, wir können beginnen.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://politik-digital.de/salon/photos/hringstorff85x.jpg" alt="Hans-Gert Pöttering" height="120" width="85" /><br />
<i>Harald Ringstorff</i><br />
<i>Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommern</i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Starten wir damit: Zwei Fragen zum<br />
Thema Jung und Alt:</p>
<p><b>Luibk:</b> Wie wollen Sie die Abwanderung junger Menschen<br />
aufhalten? Und wie bekommt man das Problem in den Griff, in altersschwachen<br />
Regionen die Infrastruktur aufrechtzuerhalten (Straßen/Abwasserkanal)?</p>
<p><b>teichtier</b>: Wenn man Medienberichten glauben darf,<br />
wandern ja vor allem junge, gut ausgebildete Menschen aus dem Osten<br />
ab, vor allem Frauen. Wie kann Mecklenburg-Vorpommern für diese<br />
Gruppe attraktiver werden?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Es ist tatsächlich ein<br />
Problem aller ostdeutschen Bundesländer, dass es einen Bevölkerungsverlust<br />
gibt, der aus einem Abwanderungsüberschuss besteht. Es wandern<br />
also mehr Leute ab, als zuwandern. Es ist auch richtig, dass, wie<br />
es in der Frage schon anklang, mehr junge Menschen abwandern als<br />
ältere. Zum zweiten gibt es einen Sterbeüberschuss. Die<br />
Zahl der Geburten ist nach der Wende stark rückläufig<br />
gewesen und bewegt sich jetzt auf bundesdeutschem Durchschnittsniveau.<br />
Tatsache ist auch, dass mehr junge Frauen als Männer abgewandert<br />
sind. Inzwischen gehen die Wanderungsverluste zurück. Das hat<br />
sicherlich damit zu tun, dass im eigenen Land zunehmend attraktivere<br />
Arbeitsplätze angeboten werden können. Zum Beispiel in<br />
der Medizintechnik, in der Biotechnologie, aber auch im Informations-<br />
und Kommunikationssektor. Und &#8211; was für junge Leute auch sehr<br />
wichtig ist &#8211; das Einkommensniveau steigt, wenn auch langsam. Durch<br />
weitere Anstrengungen zur Ansiedlung neuer Firmen und weitere Förderung<br />
junger, vor allem technologieorientierter Firmen, wird Mecklenburg-Vorpommern<br />
zunehmend attraktiver. Einzelnen Firmen gelingt es schon, aus Mecklenburg-Vorpommern<br />
abgewanderte junge Leute wieder zurück zu holen durch das Angebot<br />
attraktiver Arbeitsplätze. </p>
<p><b>Heathcliff:</b> Moderne Infrastruktur, niedrigere Mieten<br />
und Lebenshaltungskosten (zum Beispiel sind Versicherungen im Osten<br />
vielfach billiger): Ist daher ein niedrigeres Lohngefüge nicht<br />
gerechtfertigt?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Ich glaube nicht, dass die Lebenshaltungskosten<br />
insgesamt wesentlich niedriger sind im Osten. Sicherlich sind die<br />
Mieten in einigen Teilen des Ostens niedriger und auch Dienstleistungen<br />
sind teilweise kostengünstiger, aber Energiekosten, Wasser-,<br />
Abwassergebühren sind fast flächendeckend im Osten teurer,<br />
sodass man nicht generell von niedrigeren Lebenshaltungskosten im<br />
Osten sprechen kann. Allerdings, wenn ich Hamburg mit Schwerin vergleiche,<br />
kommt man sicherlich in Schwerin mit 10 Prozent weniger Einkommen<br />
genauso gut hin wie in Hamburg mit 10 Prozent mehr.</p>
<p><b>pfanni:</b> Auf welche Wirtschaftsbereiche hat sich<br />
Mecklenburg-Vorpommern spezialisiert? </p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Mecklenburg-Vorpommern hat seine<br />
traditionellen Wirtschaftszweige fit gemacht für die Zukunft.<br />
Da haben wir einmal die maritime Verbundwirtschaft mit hochproduktiven<br />
Werften, eine moderne Hafeninfrastruktur mit zunehmend besseren<br />
Hinterlandanbindungen und einem schon beachtlichen Netzwerk von<br />
Zulieferfirmen. Ein zweites traditionelles Standbein ist der Tourismus.<br />
Wir sind Tourismusland Nummer eins im Deutschlandtourismus und haben<br />
in diesem Bereich eine Infrastruktur auf neuestem Stand, die, verbunden<br />
mit besten naturräumlichen Voraussetzungen &#8211; sauberster Luft,<br />
sauberstem Wasser und vielfältigen kulturellen Angeboten &#8211;<br />
immer mehr Gäste anzieht. Das dritte traditionelle Standbein<br />
ist die Landwirtschaft. Sie ist hochproduktiv, die produktivste<br />
in ganz Deutschland. Auf Basis dieser Primärproduktion in der<br />
Landwirtschaft hat sich eine sehr moderne und wettbewerbsfähige<br />
Ernährungsgüterindustrie bei uns angesiedelt. Neue Standbeine<br />
sind die Biotechnologie und Medizintechnik. Hier existiert ein Netzwerk<br />
„Biocon-Valley&quot;, aber auch die Informations- und Kommunikationstechnologie<br />
bietet inzwischen viele Arbeitsplätze. Außerdem hat sich<br />
das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zum Ziel gesetzt, Gesundheitsland<br />
Nummer eins in Deutschland zu werden und dazu einen Masterplan entwickelt.
</p>
<p>
<b>matu.:</b> Die Ansiedlung neuer Firmen passiert doch<br />
letztendlich nur im Speckgürtel und in den großen Städten<br />
an der Küste, was ist mit den ländlichen Gebieten wo teilweise<br />
Dörfer fast leer stehen?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Es trifft natürlich zu,<br />
dass entlang der neuen Infrastruktur sich Firmen besonders gern<br />
ansiedeln, beispielsweise an der A20 oder der A24. Aber auch in<br />
ländlichen Regionen tut sich einiges. Als Beispiel nenne ich<br />
die Gießerei Torgelow im Uecker-Randow-Kreis, die eine rasante<br />
Entwicklung nimmt. Außerdem befinden sich Standorte der Ernährungsgüterindustrie<br />
durchaus auch im ländlichen Raum. Und die Landwirte selbst<br />
haben ein neues Standbein entdeckt: Die Produktion alternativer<br />
Energien (Biogas, Biodiesel).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch ist der Wettbewerb zwischen den<br />
Ländern ja noch nicht per Föderalismuskommission verankert.<br />
Aber hier schon die Frage:</p>
<p><b>Leopoldus: </b>Was für einen Vorteil sehen Sie<br />
in Mecklenburg-Vorpommern im direkten Vergleich gegen Bayern?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Zurzeit sehe ich noch keine<br />
Vorteile, wenn ich von einem absehe: der Küstenlage. Bayern<br />
besitzt keine Hafenstandorte. Hafenstandorte sind für viele,<br />
gerade exportorientierte Firmen von immensem Vorteil, insbesondere<br />
dann, wenn sie Großanlagen bauen wie beispielsweise die Firma<br />
Liebherr Großkrananlagen oder die Firma Nordex in Rostock<br />
Windkraftanlagen. Außerdem wüsste ich nicht, dass Bayern<br />
1500km Küstenlinie mit herrlichen Sandstränden hat. Aber<br />
im Prinzip ist es sicherlich noch so, dass wir noch weitere Anstrengungen<br />
unternehmen müssen, um wirtschaftlich weiter voran zu kommen.<br />
Noch sind wir Nehmerland im Länderfinanzausgleich, wie der<br />
gesamte Osten. Darüber täuschen auch einige schon vorhandene<br />
Leuchttürme nicht hinweg.
</p>
<p>
<b>chatter:</b> Wie lange muss der Westen noch dem Osten<br />
mit Strukturhilfen unter die Arme greifen? Von der Infrastruktur<br />
her (vor allem Straßen) liegt der Osten schon vor dem Westen,<br />
wenn man sich die maroden Verkehrswege einmal ansieht.
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff: </b>Ich weiß nicht, ob das<br />
überall zutrifft, das der Osten schon vor dem Westen liegt,<br />
aber eine vernünftige Infrastruktur ist natürlich Voraussetzung<br />
für Firmenansiedlungen. Und ich erinnere daran, dass Bayern<br />
über 30 Jahre Nehmerland im Länderfinanzausgleich war.<br />
So lange sind wir es noch nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das ist jetzt ein bisschen ein Blick<br />
in die Glaskugel, aber wer sollte eine fundierte Schätzung<br />
abgeben können, wenn nicht ein Praktiker aus der Politik:</p>
<p><b>Stralsunder:</b> Welchen Zeitrahmen sieht die Politik<br />
in Mecklenburg-Vorpommern bis sich der Osten und der Westen Deutschlands<br />
wirtschaftlich auf Augenhöhe begegnen können?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Ich glaube, die Frage kann<br />
man nur schwer beantworten, denn auch im Westen bestehen große<br />
Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Bis 2019 gilt noch<br />
der Solidarpakt II und ein Solidarpakt III wird es nicht geben.<br />
Sicherlich werden dann etliche Regionen in Ostdeutschland mit Regionen<br />
im Westen gleichgezogen haben. Das gilt aber nicht für den<br />
Osten insgesamt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Thema Tourismus:</p>
<p><b>matu.: </b>Der Nachteil am Tourismus ist aber leider,<br />
dass er stark saisonbedingt schwankt. Im Sommer zu wenig Arbeitskräfte<br />
im Winter zu viel.
</p>
<p>
<b>Junner2003:</b> Sie sprachen zuvor vom Tourismus als<br />
zweites Standbein. Dies wird immer gern als Wirtschaftsfaktor Mecklenburg-Vorpommerns<br />
dargestellt. Da diese Branche sehr saisonbedingt ist, kann man doch<br />
nur gemäßigt von einem Arbeitnehmer-fördernden Prozess<br />
dieser Branche sprechen, oder?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Es ist so, dass der Tourismus<br />
immer noch saisonbedingt ist, aber es gelingt uns zunehmend, die<br />
Saison zu verlängern durch Angebote für Gesundheitstourismus,<br />
aber auch durch kulturelle Angebote. Auf dem Weg zum Gesundheitsland<br />
Nummer eins wollen wir die Saisonabhängigkeit noch weiter verringern.<br />
Inzwischen kann man allerdings in Mecklenburg-Vorpommern auch schon<br />
Ski fahren, wenn auch nur in der Halle. Sicherlich ist es so, dass<br />
Mecklenburg-Vorpommern vom Tourismus allein nicht leben kann. Ich<br />
habe den Tourismus auch nur als eines von drei traditionellen Standbeinen<br />
der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern genannt. Trotzdem sehen<br />
wir im Tourismusbereich noch weiteres Entwicklungspotenzial. Gerade<br />
auch in ländlichen Regionen.</p>
<p><b>Ossi Online:</b> Wie sehen Sie denn Mecklenburg-Vorpommern<br />
im Vergleich mit den anderen Ost-Bundesländern? Steht es gut<br />
da oder eher nicht?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Ich glaube, Mecklenburg-Vorpommern<br />
steht recht gut da, obwohl die Ausgangsposition nicht besonders<br />
gut war. Es gelingt uns zunehmend, unsere Wirtschaftsstruktur zu<br />
verbreitern, wir haben ein starkes Wachstum in der gewerblichen<br />
Wirtschaft, der Infrastrukturausbau ist gut vorangekommen und es<br />
ist uns zum Beispiel gelungen, im Jahr 2006 einen ausgeglichenen<br />
Haushalt vorzulegen, was auch in den kommenden Jahren der Fall sein<br />
wird. Einen ausgeglichenen Haushalt haben außer Mecklenburg-Vorpommern<br />
bisher nur Bayern und Sachsen vorgelegt.</p>
<p><b>Dunstger:</b> Was halten Sie von dem Modell eines Oststaates,<br />
beziehungsweise Nordstaates, in dem mehrere ostdeutsche Bundesländer<br />
zusammengelegt werden?</p>
<p><b>labben1,:</b> Was halten sie von einem Nordstaat mit<br />
Hamburg als Hauptstadt?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Beide Fragen sind schon sehr<br />
häufig diskutiert worden, bisher gibt es keine Mehrheiten in<br />
der Bevölkerung für derartige Vorhaben. Ich weiß<br />
nicht, ob sich das in der Perspektive ändern wird. Wir unternehmen<br />
Anstrengungen, um Mecklenburg-Vorpommern als eigenes Bundesland<br />
zu erhalten, sind aber dabei, stärker mit anderen Bundesländern<br />
zu kooperieren um zu Kosteneinsparungen zu kommen. So wird es zum<br />
Beispiel demnächst eine gemeinsame Sitzung von Kabinettsmitgliedern<br />
der Hansestadt Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern<br />
geben, um über weitere Kooperationsmöglichkeiten zu reden.<br />
Oder, um es an einem ganz konkreten Beispiel festzumachen: Die norddeutschen<br />
Ministerpräsidenten haben gemeinsam ein Gespräch bei Minister<br />
Tiefensee gehabt, um die wichtigsten Verkehrsprojekte in gesamt<br />
Norddeutschland vorzustellen und für ihre schnelle Realisierung<br />
zu werben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vielleicht mal allgemeiner gefragt:<br />
Sind 16 Bundesländer nötig oder geht es auch mit weniger?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Ich nehme an, dass es auch<br />
mit weniger gehen würde. Dazu muss es aber politische Mehrheiten<br />
geben und die sehe ich zurzeit nicht.
</p>
<p>
<b>academili:</b> Sie regieren ja im Kleinen in einer<br />
Großen Koalition &#8211; wie fällt Ihr Vergleich mit der Bundesregierung<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Wir regieren noch nicht so<br />
lange in der Großen Koalition wie im Bund in dieser Konstellation<br />
regiert wird. Bisher läuft die Regierungsarbeit bei uns weitestgehend<br />
unaufgeregt und konfliktfrei und ich hoffe im Interesse des Landes,<br />
dass das auch so bleibt. Sicher müssen in solch einer Konstellation<br />
beide Koalitionspartner auch kompromissfähig sein.</p>
<p><b>heartCore:</b> Warum haben Sie die Zusammenarbeit mit<br />
der Linken abgebrochen? Denken Sie, dass diese Mecklenburg-Vorpommern<br />
nicht vorwärts gebracht hat? Dabei ist doch unter dieser Legislaturperiode<br />
die Arbeitslosigkeit beispielsweise zurückgegangen oder?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Es trifft zu, dass die Arbeitslosigkeit<br />
insbesondere zum Ende der letzten Legislaturperiode zurückgegangen<br />
ist und dass wir in der Koalition mit der PDS erfolgreich Investorenwerbung<br />
betrieben und einige wichtige Reformvorhaben angestoßen haben.<br />
Trotzdem waren wir der Meinung, dass man zum Regieren in Mecklenburg-Vorpommern<br />
stabile Mehrheiten braucht und Rot-Rot hätte derzeit nur eine<br />
Stimme Mehrheit.
</p>
<p>
<b>jakobine:</b> Seit 2006 sitzen Abgeordnete der rechtspopulistischen<br />
NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern &#8211; wie geht das Landesparlament<br />
damit um? Behindern die NPDler Ihre Arbeit?<br />
dickn: Wie erklären Sie sich den Erfolg der NPD und wie sieht<br />
Ihre Strategie aus, diesen zu hemmen?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Es ist in der Tat so, dass<br />
einige Abgeordnete der NPD im Landtag sitzen und versuchen, die<br />
parlamentarische Arbeit zu stören. Es gibt einen Kompromiss<br />
der demokratischen Parteien zum Umgang mit der NPD, um nicht auf<br />
deren Provokationen hereinzufallen. Der NPD ist an spektakulären<br />
öffentlichen Auftritten gelegen. Sacharbeit in Ausschüssen<br />
wird nicht geleistet. Es gibt im Land zunehmend Bündnisse gegen<br />
Rechts, die Landesregierung hat beschlossen, Zentren für Demokratie<br />
und Toleranz einzurichten, um die Arbeit gegen die NDP zu unterstützen.<br />
Es ist so, dass die NPD versucht, ihre Kräfte jeweils auf ein<br />
Bundesland zu konzentrieren und so nach und nach in die Parlamente<br />
mehrerer Bundesländer einzuziehen. Ich hoffe, dass durch entschlossenes<br />
Handeln aller Demokraten in der nächsten Legislaturperiode<br />
keine NPD-Abgeordneten mehr im Landtag sitzen werden.</p>
<p><b>JoergT:</b> Sind Sie dafür, die NPD zu verbieten?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Es ärgert mich schon, dass<br />
die NPD auch Steuergelder erhält. Sie ist eine Partei, die<br />
die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen will, das<br />
wird ganz offen ausgesprochen. Ein neues Verbotsverfahren muss jedoch<br />
sehr gut vorbereitet werden. Ein zweites Scheitern darf es in diesem<br />
Punkt nicht geben.</p>
<p><b>Moderator:</b> Aber Sie befürworten ein zweites<br />
Verbotsverfahren?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Wenn es gut vorbereitet ist<br />
und die Fachleute zu der Auffassung kommen, dass das Risiko des<br />
Scheiterns entsprechend klein ist, bin ich der Auffassung, dass<br />
ein zweiter Anlauf gewagt werden sollte.</p>
<p><b>walserfamily:</b> Sind Sie der Meinung, dass die demokratischen<br />
Parteien sich einig genug sind um dieser „Bedrohung&quot;<br />
entschlossen zu begegnen? Oder könnte man hier noch mehr zusammenarbeiten?
</p>
<p>
<b>Harald Ringstorff:</b> Ich habe schon gesagt, dass<br />
die demokratischen Parteien in Mecklenburg-Vorpommern in dieser<br />
Frage sehr eng zusammenarbeiten. Allerdings muss man noch mehr darauf<br />
aufmerksam machen, dass es sich bei der NPD tatsächlich um<br />
eine Bedrohung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung<br />
handelt.</p>
<p><b>ThomasHH:</b> Sie haben eine lange Erfahrung als Regierungschef<br />
einer rot-roten Koalition. Sehen Sie dafür auch eine Chance<br />
auf Bundesebene, möglicherweise ergänzt durch die Grünen?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Diese Chance sehe ich auf Bundesebene<br />
nicht. Vor allen Dingen die außenpolitischen Positionen der<br />
Linken sind mit unseren Positionen nicht vereinbar und würden<br />
Deutschland außenpolitisch in die Isolation treiben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das betont auch Außenminister<br />
Steinmeier immer wieder. Glauben Sie nicht an eine Kompromissfähigkeit<br />
der Linken? So was kommt ja manchmal erst mit dem ersten konkreten<br />
Angebot.<br />
Harald Ringstorff: Ich kenne keine solchen Kompromissangebote der<br />
Linken und ich halte nicht viel von Diskussionen nach dem Motto<br />
„Wenn der Pott nun aber ein Loch hat &#8230;&quot;.
</p>
<p>
<b>samo:</b> War es Ihr Ernst, dass auch weitere G8-Gipfel<br />
in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden sollten? Fanden Sie die Bilder<br />
von Polizeiaufgebot und Demonstranten denn so vorteilhaft für<br />
das Bundesland?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Es sind viele Bilder von friedlichen<br />
Demonstranten und von der schönen Küste Mecklenburg-Vorpommerns<br />
in die Welt gegangen. Daran ändert auch nichts, dass es vor<br />
Beginn des Gipfels bei der Sonnabend-Demonstration in Rostock Ausschreitungen<br />
gegeben hat. Es hat sowohl im Vorfeld des Gipfels als auch während<br />
des Gipfels und danach Journalistenreisen durch Mecklenburg-Vorpommern<br />
gegeben, durch die unser Bundesland international bekannter geworden<br />
ist. Lieber wäre es mir natürlich gewesen, wenn Gewaltbilder<br />
überhaupt nicht über den Bildschirm gegangen wären,<br />
das heißt, es wäre mir lieber gewesen, wenn alles friedlich<br />
verlaufen wäre.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Bemerkung von:
</p>
<p>
<b> ui</b>: &#8230;und Bilder von Tornados, die friedliche<br />
Demonstranten fotografieren wollten.<br />
<b><br />
Moderator:</b> Und Frage von:</p>
<p><b>kaulomart:</b> Inwiefern waren Ihnen die Maßnahmen<br />
zum Einsatz der Bundeswehr rund um Heiligendamm während des<br />
G8-Gipfels im Vorhinein bekannt und wie weit haben Sie ihnen zugestimmt?</p>
<p><b>Harald Ringstorff:</b> Es sind keine Tornados eingesetzt<br />
worden, um Demonstranten zu filmen oder Kfz-Kennzeichen festzustellen.<br />
Die Tornados sind eingesetzt worden, um Erddepots und Veränderungen<br />
der Oberflächenstruktur sichtbar zu machen. Das war, glaube<br />
ich, wichtig, denn nach dem 11. September 2001 ist gerade bei solchen<br />
politischen Veranstaltungen wie dem G8-Gipfel höchste Alarmstufe<br />
angesagt. Weil man mit terroristischen Anschlägen rechnen muss.<br />
Zu den konkreten Hilfeersuchen an die Bundeswehr hat es keine Kabinettsbefassung<br />
gegeben.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das war&#8217;s, die tagesschau-Chat-Stunde<br />
ist schon wieder vorbei. Das Protokoll mit allen Fragen und Antworten<br />
folgt zum Nachlesen und für alle, die den Chat nicht verfolgen<br />
konnten in Kürze auf den Seiten www.tagesschau.de und www.politik-digital.de.<br />
Vielen Dank an alle User für Ihr Interesse und noch einmal<br />
vielen Dank nach Schwerin an Ministerpräsident Ringstorff!<br />
Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag lädt Kanzlerin Angela<br />
Merkel zum Nationalen Integrationsgipfel nach Berlin. Wir haben<br />
aus diesem Anlass die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün<br />
zum Chatten eingeladen und freuen uns, wenn Sie ab dreizehn Uhr<br />
dabei sind. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen allen<br />
Beteiligten noch einen schönen Abend!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bleibt alles anders?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/bleibt_alles_anders_0-30/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampagne]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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		<item>
		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
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		<category><![CDATA[Machtwechsel]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Bis zu 100 Euro Strafe für notorische Raucher&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bis_zu_100_euro_strafe_fuer_notorische_raucher-489/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bis_zu_100_euro_strafe_fuer_notorische_raucher-489/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 May 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtraucherschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Lompscher]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span class="fett"> Am Weltnichtrauchertag, 31. Mai, umriss die
Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de ihren Gesetzesentwurf zum
Nichtraucherschutz.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span class="fett"> Am Weltnichtrauchertag, 31. Mai, umriss die<br />
Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de ihren Gesetzesentwurf zum<br />
Nichtraucherschutz.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Herzlich willkommen<br />
im tagesschau-Chat. Der Diskussion mit Rauchern, Nichtrauchern und<br />
allen am Polit-Streit um den blauen Dunst Interessierten stellt<br />
sich heute die Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei.PDS).<br />
Herzlichen Dank, Frau Senatorin, dass Sie zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind. Noch eine Bemerkung: Heute gibt es leider keine Webcam,<br />
ich kann aber versichern, Frau Lompscher sitzt persönlich hier<br />
(nichtrauchend). Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Katrin Lompscher: </b> </b>Ja.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kLompscher85x.jpg" alt="Katrin Lompscher" height="120" width="85" /><br />
<i>Katrin Lompscher, <br />
Berliner Gesundheitssenatorin </i>
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Grundsätzliches:
</p>
<p>
<b>Teichtier:</b> Greift ein derartig weitgehendes Rauchverbot,<br />
wie Sie es vorschlagen, nicht in das Selbstbestimmungsrecht des<br />
Menschen ein?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Diese Frage hätte ich<br />
eher am Ende der Diskussion erwartet. Bisher werde ich eher mit<br />
Fragen konfrontiert, die die Ausnahmen zu weit gehend finden. Und<br />
ich antworte dann immer, dass Grund- und Freiheitsrechte auch schützenswert<br />
sind. Und deshalb Gesundheitsschutz und Persönlichkeitsschutz<br />
annähernd gleich behandelt werden müssen. Die Privatsphäre<br />
wird geschützt bleiben. Und nach jetzigem Arbeitsstand wird<br />
es auch zumutbare Ausnahmen geben. Das Hauptziel des Nichtraucherschutzes,<br />
einen weitgehenden Gesundheitsschutz für Nichtraucher zu erreichen,<br />
wird dennoch verfolgt.
</p>
<p>
<b>tzu: </b>Zerstören Sie nicht auch ein Stück<br />
Lebensqualität, wenn Sie Raucher in Hinterzimmer verbannen?<br />
Man kann ja Rücksicht auf Nichtraucher nehmen, aber Aussperren<br />
grenzt ja schon fast an Diskriminierung.
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Das Problem liegt darin, dass<br />
die Feinstaubbelastung in Innenräumen sehr groß ist,<br />
wenn dort geraucht werden kann. Deshalb ist die Gegenfrage wichtig:<br />
Inwieweit werden Nichtraucher in ihrem Grundrecht auf Gesundheitsschutz<br />
beeinträchtigt, wenn sie keine Möglichkeit haben, sich<br />
vor Passivrauchen zu schützen. Ergänzend möchte ich<br />
auf zum Teil auch selbst erlebte internationale Erfahrungen verweisen,<br />
dass umfassende Rauchverbote zum Beispiel in Italien und den USA<br />
dort der Lebensfreude keinen Abbruch tun. Und um es noch mal klarzustellen:<br />
Im Berliner Gesetz wird es um Rauchverbote in Innenräumen gehen.
</p>
<p>
<b>redemptor:</b> Was halten Sie persönlich eigentlich<br />
von Rauchern?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Raucher sind auch Menschen.<br />
Gelegentlich rauche ich selbst und weiß daher den Wert von<br />
Toleranz und Rücksichtnahme zu schätzen.
</p>
<p>
<b>Obi Wan: </b>Warum immer Verbote, Verbote, Verbote:<br />
Kann man auf die Einsicht der Raucher nicht zählen?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Bevor die Gesetzgebung zum<br />
Nichtraucherschutz in Angriff genommen wurde, gab es den Versuch,<br />
mit freiwilligen Vereinbarungen den Nichtraucherschutz zu stärken.<br />
Und es ist in manchen anderen gesellschaftlichen Fragen &#8211; zum Beispiel<br />
bei der Gurtpflicht &#8211; auch am Anfang notwendig gewesen, eine gesetzliche<br />
Vorgabe zu machen, bevor sich das richtige Verhalten gesamtgesellschaftlich<br />
durchgesetzt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu den Ausnahmen, die Sie ja schon<br />
erwähnt haben:
</p>
<p>
<b>MelT:</b> Wenn in Hinterzimmern geraucht wird, müssen<br />
die Bedienungen doch auch mitrauchen. Ist dann nicht der Arbeitsschutzgedanke<br />
verfehlt?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Wir haben in Berlin nicht die<br />
Möglichkeit, gesetzliche Regelungen zum Arbeitsschutz zu treffen,<br />
weil das Bundesangelegenheit ist. Der Bund hat angekündigt,<br />
nach Vorliegen der Ländergesetze nochmals über eine Anpassung<br />
des Arbeitsschutzrechtes nachdenken zu wollen. Nach aktueller Rechtslage<br />
kann zumindest kein nichtrauchender Angestellter gezwungen werden,<br />
in Raucherräumen zu bedienen. Mir persönlich wäre<br />
eine Regelung, nach der in Raucherräumen generell nicht bedient<br />
werden darf, eindeutig lieber.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt, wer raucht, für<br />
den gilt Selbstbedienung?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Das würde ich mir wünschen.<br />
Das können wir auf Landesebene aber nicht regeln. Im Übrigen<br />
kann ich mir vorstellen, dass auch rauchende Gäste künftig<br />
überwiegend im Nichtraucher-Gastraum sitzen werden, und den<br />
Raucherraum nur aufsuchen werden, wenn es nicht mehr anders geht.<br />
Dann ist es auch kein Problem, für den kurzen Ausflug zum Beispiel<br />
das Getränk einfach selbst mitzunehmen.
</p>
<p>
<b>annalena: </b>Wie können sie mir als Gesundheitssenatorin<br />
erklären, dass ausgerechnet in Sportvereinsräumen weiter<br />
geraucht werden darf?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Eine interessante Besonderheit<br />
stellen Vereinsgaststätten dar. Es geht also nicht um normale<br />
Sportvereinsräume, sondern lediglich um gastronomische Einrichtungen<br />
innerhalb von Sportanlagen. Vor diesem Hintergrund haben wir in<br />
unserem Entwurf der Gleichstellung von Gaststätten Vorrang<br />
eingeräumt.
</p>
<p>
<b>Elim:</b> Ist in Biergärten Rauchen erlaubt?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Solange der Biergarten nicht<br />
im Innenraum ist. Im Ernst: Es sind keine gesetzlichen Vorschriften<br />
für Rauchverbote in Außenbereichen geplant.
</p>
<p>
<b>Azim:</b> Denken Sie an die Eingrenzung der Zigarettenautomaten?<br />
Schließlich ist Deutschland fast das einzige Land, das diese<br />
Automaten an öffentlichen Straßen aufstellt.
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Vor dem Hintergrund, dass der<br />
Bundestag gerade ein Gesetz beschlossen hat, nach dem die Abgabe<br />
von Tabakerzeugnissen nur noch an Personen über 18 Jahren erfolgen<br />
darf, wäre eine Einschränkung oder besser Abschaffung<br />
von Zigarettenautomaten angesagt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sehen Sie Chancen, dass das durchsetzbar<br />
ist?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Angesichts der vehementen Äußerungen<br />
der Tabakindustrie und auch der Automatenhersteller wäre das<br />
nur durchsetzbar, wenn Bund und Länder an einem Strang ziehen.<br />
In Berlin unterstützen wir Kampagnen, die Zigarettenautomaten<br />
im Umfeld von Schulen zumindest verbannen &#8211; und hier sind entsprechende<br />
Selbstverpflichtungen denkbar.
</p>
<p>
<b>Rollo:</b> Wenn bei Ihnen die Tabaklobby anklopft,<br />
wie äußert sich das?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> In der Regel handelt es sich<br />
um gut situierte Herren &#8211; wenige Damen &#8211; die, wie jeder andere,<br />
der ein berechtigtes Anliegen hat, einen Termin mit mir bekommen<br />
können. In den bisher geführten Gesprächen wurden<br />
die gegenteiligen Standpunkte ausgetauscht und dann haben wir uns<br />
freundlich verabschiedet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie schätzen Sie das ein? Haben<br />
die Tabak-Lobbyisten heute einen schwereren Stand als früher?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Nach meinem Eindruck ganz klar<br />
ja. Weil sich das gesellschaftliche Klima auch verändert hat.<br />
Es gibt in Deutschland inzwischen eine eindeutige gesellschaftliche<br />
Mehrheit für den Nichtraucherschutz. Und dies hat auch die<br />
Tabakindustrie zur Kenntnis zu nehmen.
</p>
<p>
<b>Rolf Wolf: </b>Schießt sich der Staat mit dem<br />
Rauchverbot nicht selbst ins Bein? Weniger Rauchmöglichkeiten,<br />
weniger verkaufte Zigaretten, also auch weniger Einnahmen aus der<br />
Tabaksteuer&#8230;
</p>
<p>
<b>Sphaira:</b> Es ist mir unverständlich, wie man<br />
Tabaksteuer kassieren kann und dann die Gefährdung von Nichtrauchern<br />
anprangert &#8211; staatlich organisierte und geförderte Eingriffe<br />
in die körperliche Unversehrtheit? Ich würde zudem gerne<br />
wissen, wie viel Prozent die durch Rauchen verursachte Feinstaubbelastung<br />
im Verhältnis zu anderen, vom Menschen verschuldeten Umweltbelastungen<br />
ausmacht.
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Die erste Frage zum Thema Tabaksteuer:<br />
Mit der gleichen Argumentation könnte man Branntweinsteuer<br />
oder Glücksspielsteuer moralisch verwerflich finden. Letztlich<br />
bietet auch die Höhe der steuerlichen Belastungen eine Möglichkeit,<br />
den Gebrauch einzuschränken. Aber da Nichtraucherschutz inzwischen<br />
ein anerkanntes politisches Ziel ist, wird der Einnahmerückgang,<br />
der möglicherweise entstehen wird, zu billigen sein. Entscheidend<br />
für die Gesellschaft sind die Gesundheitskosten, die durch<br />
verbesserten Nichtraucherschutz reduziert werden können. Und<br />
zum Thema Feinstaubbelastungen in Innenräumen nur so viel:<br />
Alle Messungen, die in Innenräumen vorgenommen worden sind,<br />
belegen, dass, wenn dort geraucht wird, eine signifikant höhere<br />
Schadstoffbelastung besteht. Und die Inhaltsstoffe des Tabakrauchs<br />
sind auch erheblich gefährlicher als die anderer Feinstaubarten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal konkret:
</p>
<p>
<b>Joe Camel:</b> Rauchfreie Gaststätten in Berlin<br />
sind okay, aber das schadet doch den Wirten, wenn es nicht in allen<br />
Bundesländern so ist, oder?
</p>
<p>
<b>Kay:</b> Was passiert mit der kleinen „Eckkneipe&quot;?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die vermutlich nur einen Raum hat 🙂
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Nach meinem jetzigen Kenntnisstand<br />
werden sich die Regelungen der Bundesländer stark ähneln.<br />
Deshalb gehe ich nicht davon aus, dass Berlin Wettbewerbsnachteile<br />
haben wird, und ich glaube auch nicht, dass rauchende Gäste<br />
jetzt von Berlin extra nach Nordrhein-Westfalen fahren würden.<br />
Berlin hat ja auch noch andere Stärken. Und was die Eckkneipe<br />
angeht, glaube ich, dass kleine Gruppen, die kurz vor dem Lokal<br />
stehen werden, auch zu Belebung des Straßenbildes beitragen<br />
können. 🙂
</p>
<p>
<b>Herbert54:</b> Gibt es auch Strafen für Gäste,<br />
die in Kneipen verbotenerweise rauchen?
</p>
<p>
<b>WolfWiese: </b>Welche Möglichkeiten werde ich<br />
konkret haben, vor Ort zu reagieren, wenn doch geraucht wird und<br />
Hinweise nicht auf Einsicht stoßen?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Ergänzung zur letzten<br />
Frage: Ich verweise auf einen neuen Trend, den ich vor kurzem amüsiert<br />
zur Kenntnis genommen habe: Smirting &#8211; von Flirten und Smoke &#8211; sei<br />
groß im Kommen. Und es gäbe einen großartigen Aufhänger<br />
für entsprechende Kontaktaufnahme.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> O.k., bitte erst mal noch Antwort auf<br />
die beiden schon geposteten Fragen, dann kommen wir da noch mal<br />
darauf zurück.
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Fahrlässiges oder vorsätzliches<br />
Rauchen in Rauchverbots-Bereichen wird künftig als Ordnungswidrigkeit<br />
behandelt. Sie kann mit Bußgeldern bis zu 100 Euro geahndet<br />
werden. Allerdings nach unserem Entwurf erst ab dem 1.Juli 2008.<br />
Mit dieser Regelung verbinden wir auch die Erwartung, dass es in<br />
der Einführungsphase eine gesellschaftliche Kommunikation über<br />
die neue Rechtslage geben wird, dass also Gäste und auch Gastwirte<br />
sich zunächst einmal miteinander verständigen und erst,<br />
wenn das nicht von Erfolg gekrönt sein sollte, mit staatlichen<br />
Sanktionen reagiert wird.
</p>
<p>
<b>peterkowalske:</b> Damit wäre das Bußgeld<br />
höher, als wenn ich zum Beispiel in einer „30 Zone&quot;<br />
55 km/h fahre. Ist Rauchen tatsächlich so gefährlich,<br />
um ein Bußgeld bis zu 100 Euro zu rechtfertigen?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Der Bußgeldrahmen beträgt<br />
5 bis 100 Euro. Und das höchste Bußgeld wird sicher künftig<br />
nur für notorische Ignoranten des Rauchverbots heranzuziehen<br />
sein. Aber dass Rauchen und auch Passivrauchen gesundheitsgefährdend<br />
sind und tödlich sein können, dürfte unstrittig sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar von:
</p>
<p>
<b>ferdi.krieg: </b>Als Infarkt- und Bypasspatient plädiere<br />
ich selbstverständlich für viel größere Geldbußen.
</p>
<p>
<b>Paul H: </b>Ich lebe in Kalifornien. Wir haben hier<br />
weit reichende Regulierungen, um die Gesundheit von Passivrauchern<br />
zu schützen. So darf man zum Beispiel weder in geschlossenen<br />
Gebäuden rauchen, die öffentlich zugänglich sind,<br />
noch innerhalb von zwanzig Fuß eines Einganges zu einem solchen<br />
Gebäude. Wird das Berliner Gesetz auch diese Regelung einschließen,<br />
um aktiv die Gesundheit von Nichtrauchern zu schützen?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> An dieser Stelle kann ich nur<br />
wiederholen, dass wir die Rauchverbote auf Gebäude und vollständig<br />
umschlossene Räume beschränken werden. Ein Grund dafür<br />
ist, dass die Schadstoffbelastung der Außenluft durch Tabakrauch<br />
nicht gesundheitsgefährdende Ausmaße erreicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur Kenntnis mal zwei Kommentare. Zu<br />
Kalifornien und überhaupt:
</p>
<p>
<b>Kay:</b> Traumhafte Zustände!!!
</p>
<p>
<b>M-Schmurdy: </b>Ich finde das Raucherschutzgesetz<br />
ziemlich übertrieben. Ich rauche seit September 1996, und wenn<br />
ich Rauchen will, dann mache ich das auch! Und dass man im Warteraum<br />
einer Arztpraxis nicht Rauchen darf und auch anderswo, ist doch<br />
völlig klar. Aber dass ich im Zug bei einer mehrstündigen<br />
Zugfahrt nicht mehr Rauchen darf, halte ich für unzumutbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage, wie wird man den Raucher<br />
in der Kneipe los:
</p>
<p>
<b>WolfWiese:</b> Das beantwortet leider nicht meine<br />
Frage. Was werde ich also konkret tun können? Rufe ich das<br />
Ordnungsamt an und die machen dann an einem der nächsten Abende<br />
einen Besuch in Zivil? Oder macht man ein Foto und benennt Zeugen?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Sanktionsmöglichkeiten<br />
werden, wie gesagt, erst ab 1.Juli 2008 bestehen. Bis dahin empfehle<br />
ich Ihnen und uns allen, Konflikte verbal zu lösen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wäre meine Nachfrage gewesen:<br />
Wie sieht es mit dem Wirt aus?
</p>
<p>
<b>juergen72: </b>In Dublin kostet rauchen im Pub nicht<br />
nur für den Raucher, sondern auch für den Wirt etwa 1000?<br />
Euro &#8211; funktioniert gut.
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Die Gastwirte und sonstige<br />
Betreiber von Einrichtungen werden nach unseren Vorstellungen dann<br />
ordnungswidrig handeln, wenn sie die Kennzeichnungspflichten nicht<br />
erfüllen, bzw. wenn sie keine geeigneten Maßnahmen ergreifen,<br />
um Verstöße gegen das Rauchverbot zu unterbinden. Nach<br />
meiner Auffassung ist es nicht gerechtfertigt und zudem in Deutschland<br />
auch rechtlich nicht durchsetzbar, die Gastwirte für rauchende<br />
Gäste haftbar zu machen.
</p>
<p>
<b>berliner5:</b> Es wird also keine Stelle geben, wo<br />
ich Verstöße melden kann? Also wie beim Ladenöffnungsgesetz:<br />
Verstöße interessieren keinen.
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Das ist eine Fehlinterpretation<br />
meiner bisherigen Aussagen. Die zuständigen Verwaltungsbehörden<br />
werden die Bezirksämter sein. Sanktionen gegen Raucher in Rauchverbotszonen<br />
werden sicher nicht im Nachgang zu verhängen sein. Aber die<br />
Gastwirte werden ein elementares Interesse daran haben, die geltenden<br />
gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten, weil sie andernfalls ihre<br />
Gewerbeerlaubnis aufs Spiel setzen.
</p>
<p>
<b>Exil-Hamburger:</b> Finden Sie es nicht ein wenig<br />
verlogen, überall das Rauchen zu verbieten, aber es Rauchern<br />
zuzumuten, an jeder Supermarktkasse minutenlang vor blinkender Zigarettenwerbung<br />
stehen zu müssen?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Für diese Frage bin ich<br />
dankbar. Weil Gesundheitsschutz es erfordern würde, dass über<br />
weitergehende Maßnahmen wie Werbeverbote und Einschränkung<br />
der Verkaufsstellen für Tabakerzeugnisse nachgedacht werden<br />
muss. Aber ich möchte auch noch einmal klar stellen: Wir verbieten<br />
nicht das Rauchen, sondern wir verbessern den Gesundheitsschutz<br />
für Nichtraucher.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zwei Kommentare:
</p>
<p>
<b>Vanimperials:</b> Zigarettenwerbung gehört auch<br />
verboten!
</p>
<p>
<b>IGMe: </b>Ich arbeite selber bei einer Krankenkasse.<br />
Wir bieten auch Kurse zur Raucherentwöhnung an. Es wird langsam<br />
Zeit, dass Raucher nicht mehr so viel Freiraum haben, dann fällt<br />
ihnen das Aufhören auch leichter.
</p>
<p>
<b>manno:</b> Mit größter Sorge sehe ich aus<br />
sehr direkter Position das meines Erachtens äußerst süchtige<br />
Rauchen von Schülern, das trotz rauchfreier Schule und unabhängig<br />
von jeglichen Altersgrenzen stattfindet. Nun findet Rauchen an Schulen<br />
eben verstärkt in schlecht einsichtigen Ecken oder Toiletten<br />
statt. Leider rauchen auch meist die Eltern der Schüler derart<br />
mit, dass Sanktionen häufig untergraben oder wirkungslos werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Setzt man vielleicht nicht wirklich<br />
da an, wo es notwendig ist?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Wenn man Kinder und Jugendliche<br />
davon abhalten will, mit dem Rauchen anzufangen, dann muss man sie<br />
stark machen gegen vermeintliche Gruppenzwänge. Dann muss man<br />
ihnen auch die Gefahren verdeutlichen. Und dies in einer Atmosphäre,<br />
die nicht von Verboten und Bestrafungen geprägt ist, sondern<br />
einfach zeigt, dass Rauchen uncool ist. Deshalb liegt der Schwerpunkt<br />
meiner Meinung nach beim Umgang mit diesem Thema in Schulen und<br />
Jugendeinrichtungen. Und um vielleicht einen falschen Eindruck zu<br />
vermeiden: Bisherige Präventionsbemühungen zeigen durchaus<br />
Wirkung. Wir haben in Berlin &#8211; und sicher im Bundesgebiet insgesamt<br />
&#8211; seit Jahren Rückgänge beim Anteil der Jugendlichen,<br />
die noch rauchen. Zunehmendes Problem ist eher der Anteil weiblicher<br />
Raucherinnen in höheren Altersgruppen, was sich unter anderem<br />
in steigenden Lungenkrebserkrankungen bei Frauen ab 35 niederschlägt.<br />
Wenn wir also über Raucherentwöhnungen reden, dann wäre<br />
das eher die richtige Zielgruppe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Thema Vorbildfunktion der Politik:
</p>
<p>
<b>Gideon Müller:</b> Warum bitte reden genau die<br />
Politiker über ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden,<br />
die dies jedoch selber tun?
</p>
<p>
<b>JKWTAL:</b> An diesen Nichtraucherschutz glaube ich<br />
erst, wenn Herr Müntefering und Herr Struck (und natürlich<br />
auch die anderen Raucher in der Regierung) mal eben die fünf<br />
Minuten nach draußen vor den Reichstag gehen, um dort zu rauchen.<br />
Auch wenn die Herren ein „Einzelbüro“ haben, in<br />
dem sie eventuell rauchen können: Die Raumpflegerin muss auch<br />
dort arbeiten!
</p>
<p>
<b>Bleistift:</b> Frau Lompscher, was halten Sie von<br />
Politikern, die vor öffentlichen Fernsehkameras rauchen, wie<br />
zum Beispiel Gerhard Schröder oder Franz Müntefering?<br />
Kommt die Politik hier nicht unglaubwürdig rüber?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Vielleicht wäre es unglaubwürdiger,<br />
wenn sie heimlich rauchen würden. Für die Glaubwürdigkeit<br />
der Politik ist entscheidend, dass sie die Maßstäbe,<br />
die sie für andere setzt, auch für sich selbst einhält.<br />
Ich arbeite seit Jahren in einem rauchfreien Büro und halte<br />
das aus eigener Erfahrung absolut für zumutbar, für die<br />
kleine Schwäche nach draußen zu gehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur Berliner Kneipe bzw. Bar:<br />
Ein neues Schild und alles ist wieder gut?
</p>
<p>
<b>NurzuBesuch:</b> Wird es grundsätzliche Ausnahmen,<br />
zum Beispiel explizite Raucherbars geben?
</p>
<p>
<b>r. wenk:</b> Wird es in Zukunft vermehrt „private<br />
Raucherclubs &quot; geben, welche früher ganz normale Kneipen<br />
waren?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> In Berlin sind keine Raucherbars<br />
oder andere Rauchergaststätten vorgesehen. Dass sich aus dieser<br />
künftigen Regelung neue Veranstaltungsorte privater Trägerschaft<br />
entwickeln, halte ich für unwahrscheinlich. Weil auch diese<br />
vermutlich dem Gaststättenrecht unterliegen werden. Und damit<br />
hat das im Prinzip keine Entwicklungsmöglichkeit.
</p>
<p>
<b>Azim:</b> Ich finde sämtliche Maßnahmen<br />
zum Nichtraucherschutz sehr lobenswert. Allerdings finde ich die<br />
Maßnahmen zur Eindämmung des öffentlichen Alkoholmissbrauchs<br />
im Vergleich wirklich lächerlich. Werden Sie in Zukunft etwas<br />
in der Richtung unternehmen, oder ist in Deutschland die Alkohollobby<br />
stärker als die Zigarettenlobby?
</p>
<p>
<b>Katrin Lompscher: </b> Ich bedanke mich für diese<br />
Frage. Inhaltlich stehe ich ihrem Anliegen durchaus nahe. Obwohl<br />
es auch hier notwendig ist, zwischen Genuss und Missbrauch zu unterscheiden.<br />
Aber wir haben ein handfestes juristisches Problem: Passivrauchen<br />
macht nachweislich krank. Passivtrinken nicht. Und damit fehlt die<br />
Rechtsgrundlage für ein ähnliches Vorgehen. Ungeachtet<br />
dessen unterstütze ich politische Initiativen, die die Alkoholprävention<br />
verbessern und zum Beispiel Alkohol-Werbeverbote in die öffentliche<br />
Diskussion bringen. Solange aber nicht nur der Tatort, sondern auch<br />
die Bundesliga mit Biersponsoren arbeitet, scheint mir hier ein<br />
größeres Problem zu bestehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Chat-Zeit ist vorbei. Vielen<br />
Dank an alle User für Ihr Interesse. Vielen Dank noch mal Frau<br />
Senatorin, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.
</p>
<p><b>Katrin Lompscher: </b> Auf Wiedersehen und danke für<br />
die interessante Diskussion.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Boykott: SPD antwortet nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jspreen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 May 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft 2007]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Kandidatenwatch.de]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[(Artikel) Kandidatenwatch lässt Bürger fragen und Politiker antworten. Im Bremer Wahlkampf weigert sich die SPD allerdings, auf derselben Plattform wie rechtsextreme Parteien zu diskutieren. Doch nicht alle SPDler halten sich an den Boykott, wie Julia Spreen beobachtete.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>(Artikel) Kandidatenwatch lässt Bürger fragen und Politiker antworten. Im Bremer Wahlkampf weigert sich die SPD allerdings, auf derselben Plattform wie rechtsextreme Parteien zu diskutieren. Doch nicht alle SPDler halten sich an den Boykott, wie Julia Spreen beobachtete.<!--break--></p>
<p class="normal">
&nbsp;
</p>
<p class="normal">
Die Während die Onlinekampagnen der Parteien zum Bremer Bürgerschaftswahlkampf kaum Neues oder Interaktives enthalten, findet am Rande des Wahlkampfes eine Debatte über den ‚richtigen‘ Umgang mit rechtsextremen Parteien auf unabhängigen und überparteilichen Internetplattformen statt.</p>
<p><span class="fett">Die Kommunikationsplattform „Kandidatenwatch&quot;</span></p>
<p>Das Internetportal<br />
<a href="http://www.kandidatenwatch.de/bremen-435-0.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kandidatenwatch</a> hat zum Ziel, Politik transparenter zu machen – und bedient sich dafür eines simplen und dennoch effektiven Konzepts: Bürger können ihren Kandidaten und Abgeordneten online Fragen stellen, die dann ebenfalls über das Internet von den Politikern beantwortet werden und öffentlich einsehbar sind. Die Idee zu diesem Projekt stammt von der Bürgerinitiative „<br />
<a href="http://www.mehr-demokratie.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mehr Demokratie e.V.</a>&quot; und wird heute von der Parlamentwatch GmbH betrieben. Bei inzwischen fünf Landtagswahlen sowie bei der vergangenen Bundestagswahl kam Kandidatenwatch als Orientierungshilfe im Wahlkampf zum Einsatz. Das Projekt finanziert sich über Kooperationspartner, in Bremen die Heinrich-Böll-Stiftung, sowie aus Beiträgen der Kandidaten. Für 60 Euro können diese Ihr Profil erweitern, ein Foto und ihre Termine veröffentlichen und ihre eigene Website verlinken.<br />
<br />
<span class="fett"><br />
<br />
SPD kritisiert die Teilnahme rechtsextremer Parteien</span></p>
<p>Am 26. März 2007 wurde Kandidatenwatch für die Bremer Landtagswahl freigeschaltet. Bereits im Vorfeld kündigte der Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat<br />
<a href="http://www.jens-boehrnsen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jens Böhrnsen</a> an, sich nicht an dem Internetportal zu beteiligen, sollten dort auch rechtsextremen und faschistischen Parteien ein Forum bekommen. Als Folge zog Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft, seine bereits zugesagte Schirmherrschaft für das Projekt zurück. Auch SPD-Fraktion und Landesorganisation unterstützten den Boykott. Demokraten, so argumentieren die Politiker, sollten sich nicht neben rechtsextremen Vereinigungen präsentieren und damit den Eindruck eines normalen demokratischen Miteinanders erwecken.</p>
<p>Die Kritik begründet die SPD mit grenzwertigen Aussagen des Bundesvorsitzenden der NPD, Udo Voigt, zum Zweiten Weltkrieg. Trotz des Moderationskodexes schaltete das Kandidatenwatch-Kuratorium während des Berliner Landtagswahlkampfes eine Antwort mit sehr eigener Geschichtsauffassung zunächst frei und entfernten den Beitrag erst nachträglich. Die Forderung der SPD, Wählervereinigungen wie DVU, Republikanern und „Bremen muss leben&quot; von der Onlineplattform auszuschließen, lehnt Kandidatenwatch ab: Allen zur Wahl zugelassenen Parteien und Kandidaten solle eine Plattform geboten werden.</p>
<p><span class="fett">Dem Boykott fehlt die einheitliche Linie</span></p>
<p>Die Linkspartei folgt dem Beispiel der SPD und beteiligt sich ebenfalls nicht an der Onlinekommunikation. Die übrigen Parteien stellen ihren Kandidaten die Entscheidung frei, ziehen es generell aber vor, der radikalen Argumentation rechter Parteien eine inhaltliche Alternative entgegenzusetzen.</p>
<p>Innerhalb der boykottierenden Parteien fehlt die einheitliche Linie: Während einige SPD-Kandidaten auf Anfragen mit einer Standardantwort reagieren, in der sie die Gründe für die Nicht-Teilnahme darlegen und auf Möglichkeiten der direkten Kontaktaufnahme verweisen, antworten andere gar nicht.<br />
<a href="http://www.kandidatenwatch.de/helga_ziegert-424-10223.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Helga Ziegert</a> , DGB-Regionsvorsitzende, brach ausnahmsweise den Streik, als sie auch inhaltlich auf die Fragen einging. Bisher folgte keiner der SPD-Kandidaten diesem Beispiel; lediglich ein für die Linkspartei kandidierender Parteiloser antwortete ebenfalls auf Nutzerfragen.</p>
<p><span class="fett">Antwortverhalten der Parteien</span></p>
<p>Kandidatenwatch verläuft durchaus erfolgreich: In den ersten vier Wochen nach der Freischaltung verzeichneten die Initiatoren ca. 130.000 Seitenzugriffe, was in etwa 36.000 Nutzern entspricht. Insgesamt wurden in den ersten fünf Wochen 216 Fragen gestellt, von denen 101 beantwortet wurden. An die DVU und die Republikaner richteten sich dabei 7% der Fragen, während auf die etablierten Parteien SPD, CDU, Grüne, FDP und Linkspartei 85% der Fragen entfielen. Die meisten Anfragen bekamen die Kandidaten der CDU; knapp die Hälfte dieser Fragen wurde beantwortet. Auf die meisten Fragen gingen die Kandidaten der FDP und einiger kleiner Parteien ein, die bisher beinahe jede Frage beantwortet haben. 25 der 289 Kandidaten erweiterten ihr Profil und beteiligten sich so an den Kosten von Kandidatenwatch.</p>
<p>Die Bremer Bevölkerung scheint also Gesprächsbedarf zu haben – und auch die SPD zeigte sich trotz Kandidatenwatch-Boykott dialogbereit: Die Idee von Jens Böhrnsen, ein Portal ausschließlich für demokratische Parteien aufzubauen, scheiterte in diesem Wahlkampf aber an der mangelnden Zeit. Unter der Annahme, dass das Internet weiterhin an Bedeutung für die Informationsbeschaffung der Wähler gewinnt, werden die Parteien der Beteiligung an Online-Kommunikationsportalen kaum ausweichen können und bei weiterem Boykott Alternativen anbieten müssen.<br />
</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bremenwahl im Netz: Parteien üben noch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/bremenwahl-im-netz-parteien-ueben-noch-2434/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 May 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft 2007]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
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		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
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					<description><![CDATA[(Artikel) Am 13. Mai 2007 wählt Bremen seine neue Bürgerschaft. Der Online-Wahlkampf im kleinsten Bundesland ist überraschend aktiv. Abgesehen von den Grünen bieten die Parteien jedoch keine Möglichkeiten zum direkten Dialog. Unabhängige Portale haben die besseren Angebote.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>(Artikel) Am 13. Mai 2007 wählt Bremen seine neue Bürgerschaft. Der Online-Wahlkampf im kleinsten Bundesland ist überraschend aktiv. Abgesehen von den Grünen bieten die Parteien jedoch keine Möglichkeiten zum direkten Dialog. Unabhängige Portale haben die besseren Angebote.<!--break--></p>
<p class="normal">
&nbsp;
</p>
<p class="normal">
Die Bremer Parteien haben den Online-Wahlkampf seit der Bürgerschaftswahl 2003 zum Standard gemacht und sich damit dem Trend auf Bundes- und Länderebene angeschlossen. Alle Parteien bieten zur Bürgerschaftswahl 2007 Informationen zu den Spitzenkandidaten, ihrer Organisation, sowie Downloads ihrer Wahlprogramme, Termine und Presseerklärungen. Jedoch gehen die Seiteninhalte selten über reine Informationsangebote hinaus.
</p>
<p class="fett">
Kaum interaktive Angebote auf den Partei-Websites
</p>
<p>
Die beiden Volksparteien<br />
<a href="http://www.spd-land-bremen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SPD</a> und<br />
<a href="http://www.cdu-bremen.de/index.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CDU</a> verweisen den Wähler mit seinen Fragen auf ein E-Mail-Kontaktformular. Während die SPD in Hamburg, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen längst eigene Blogs unterhält, scheint es den Bremer Parteigenossen trotz der anstehenden Wahl an entsprechendem Ehrgeiz zu fehlen. Auch der amtierende Bürgermeister<br />
<a href="http://www.jens-boehrnsen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jens Böhrnsen</a> (SPD) verzichtet auf interaktive Angebote. Der Kandidat der Bremer CDU,<br />
<a href="http://www.roewekamp.de/blog/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Thomas Röwekamp</a>, betreibt seit März 2007 immerhin ein eigenes Blog. Eine Kommentarfunktion sucht der Nutzer jedoch vergeblich.
</p>
<p>
Die Grünen hingegen schöpfen die Möglichkeiten des Internet besser aus: Auf der Seite<br />
<a href="http://www.bremens-alternative.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.bremens-alternative.de</a> setzen sie auf die Wirkung von Videoclips, die ohne moralischen Zeigefinger die Grundüberzeugungen der Partei vermitteln. Multikulturalismus, Geschlechtergleichberechtigung und gebührenfreies Studieren in Bremen sind die Themen. Auf animierten eCards schrecken Die Grünen auch vor Negative-Campaigning gegen die Große Koalition nicht zurück. Möglichkeiten für einen interaktiven Austausch muss der Nutzer jedoch auf den Websites der einzelnen Kandidaten suchen. Dort sind bei immerhin zwei grünen Kandidaten eigene Blogs mit Kommentarfunktion oder „Pinnwände“ zu finden.
</p>
<p>
Die Bremer FDP hat keine eigenen Angebote und wirbt stattdessen mit Werbebannern für den Wahl-O-Mat und das Portal kandidatenwatch.de. Ihr Spitzenkandidat<br />
<a href="http://www.magnus-buhlert.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Magnus Buhlert</a> schreibt bereits seit November 2006 ein eigenes Internet-Tagebuch, für Kommentare bittet jedoch auch er um eine E-Mail. Ganz anders Die Linke: Sie hat Mitte April 2007 einen<br />
<a href="http://www.dielinke-bremen.de/wahl_2007/blog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unterstützerblog</a> gestartet, in dem sie den Alltag ihres Spitzenkandidaten Peter Erlanson beschreibt. Schade nur, dass nicht der Kandidat selbst den Blog betreibt. Erlanson lässt auf seiner<br />
<a href="http://www.dielinke-bremen.de/wahl_2007/kandidateninnen/peter_erlanson/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internetseite</a> lieber den Videoclip einer Gewerkschaftsversammlung für sich sprechen.</p>
<p><span class="fett">Entscheidungshilfen kommen von unabhängigen Anbietern</span>
</p>
<p>
Auffällig viele Angebote zur Bürgerbeteiligung im Netz kommen derweil von partei-unabhängigen Organisationen und Institutionen: Die Landeszentrale für politische Bildung Bremen bietet unentschlossenen Wählern mit dem „<br />
<a href="http://www.wahl-o-mat.de/bremen/main_app.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahl-O-Mat Bremen</a>“ eine interaktive Entscheidungshilfe. Hier kann der Nutzer seine eigene Meinung mit den Parteipositionen vergleichen. Grundlegende Informationen zu den Parteien und zur demokratischen Wahl liegen jedoch mehrere Klicks entfernt. Dem setzt die Nautilus Politikberatung den<br />
<a href="http://www.wahlbegleiter.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlbegleiter Bremen</a> entgegen. Diese Partizipations- und Informationssoftware kann der Wähler kostenlos auf dem heimischen Computer installieren. Mithilfe einer im Browser angezeigten Leiste, ähnlich der Google-Toolbar, erhält er mit einem Klick Kontakt zu den Kandidaten, Informationen zu den Parteien, den Hintergründen der Wahl und den neuesten Nachrichten.
</p>
<p>
Wer seinen Kandidaten direkt befragen will, findet bei<br />
<a href="http://www.kandidatenwatch.de/bremen-435-0---1.html#statistik_alle" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kandidatenwatch.de</a> ein umfangreiches Angebot: Die Seite versammelt alle Kandidaten für Bremen und Bremerhaven mit je einem eigenen Frage-Antwort-Tool. Hier kann der Nutzer direkt an die Kandidaten stellen. Die neuesten Antworten der Kandidaten erscheinen auf der Startseite. An einer Antwortstatistik kann der Nutzer ablesen, wie dialogfreudig die Parteivertreter sind. Im Vergleich der Bundesparteien antworten demnach die Kandidaten der Bremer FDP am fleißigsten. Die Linke und die SPD dagegen haben beschlossen, die Seite zu boykottieren, da hier auch rechtsextremen Parteien wie der DVU und den Republikanern ein Diskussionsforum geboten wird (Mehr dazu im Artikel von Julia Spreen:<br />
<a href="/edemocracy/wahlkampf/bremen07_kandidatenwatch.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Boykott: SPD antwortet nicht</a>)</p>
<p>Einzigartig ist ein<br />
<a href="http://www.radiobremen.de/magazin/politik/wahl_2007/podcast/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Podcast</a> zur Bürgerschaftswahl von Radio Bremen. Bis zum Wahltag kann der Nutzer Hintergrundinformationen und Berichte zu den drei anstehenden Wahlen beziehen. Auf dem<br />
<a href="http://www.radiobremen.de/magazin/politik/wahl_2007/blog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlblog</a> findet er Berichte zu den aktuellen Wahlthemen und den Parteien und kann sie direkt kommentieren.
</p>
<p>
Dieses umfangreiche Informations- und Partizipationsangebot unabhängiger Anbieter hat jedoch auch eine Schattenseite: Die Bremer Parteien können sich mit ihrer Hilfe aus der Verantwortung stehlen, eigene Angebote zur Bürgerbeteiligung bereitzustellen. Auf lange Sicht ist dies jedoch keine Lösung.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kommentierte Linkliste zur Bremenwahl</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/kommentierte-linkliste-zur-bremenwahl-2781/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/presseschau/kommentierte-linkliste-zur-bremenwahl-2781/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 May 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft 2007]]></category>
		<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
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					<description><![CDATA[(Linksliste) Die kommentierte Linkliste bietet einen Überblick über interaktiven Angebote zur Wahl der Bremischen Bürgerschaft und zur Kommunalwahl in Bremen und Bremerhaven. Zusätzlich gibt es Fakten und Informationen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>(Linksliste) Die kommentierte Linkliste bietet einen Überblick über interaktiven Angebote zur Wahl der Bremischen Bürgerschaft und zur Kommunalwahl in Bremen und Bremerhaven. Zusätzlich gibt es Fakten und Informationen.<!--break--></p>
<p class="normal">
&nbsp;
</p>
<p class="normal">
<a href="http://www.bremische-buergerschaft.de/index.php?navi=aktuelles&amp;npoint=1,5,0" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Bremische Bürgerschaft</b><br />
</a><br />
<br />
Die Bremische Bürgerschaft stellt auf ihrer Internetseite Informationen zum Wahlsystem und zum Wahlablauf zur Verfügung. Interaktive Elemente fehlen.
</p>
<p>
<a href="http://www.juniorwahl.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Juniorwahl</b><br />
</a><br />
<br />
Parallel zur Bürgerschaftswahl finden in Bremen und Bremerhaven auch die Juniorwahlen statt: Mehr als die Hälfte aller weiterführenden Schulen im Land simuliert im Unterricht das Wahlgeschehen.
</p>
<p>
<a href="http://www.kandidatenwatch.de/bremen-435-0.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Kandidatenwatch</b><br />
</a><br />
<br />
Nutzer aus Bremen und Bremerhaven können den Kandidaten für die Bürgerschaft per E-Mail ihre Fragen stellen. Die Antworten der Kandidaten werden auf der Website veröffentlicht, zudem gibt es Informationen zu Programmen und Personen.
</p>
<p>
<a href="http://www.radiobremen.de/magazin/politik/wahl_2007/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Radio Bremen</b><br />
</a><br />
<br />
Radio Bremen begleitet die Bürgerschaftswahlen mit einem Wahlblog, vielen Informationen und einem Podcast.
</p>
<p>
<a href="http://www.uni-bremen.de/campus/campuspress/service/vorwahlanalyse.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Vorwahlanalyse</b><br />
</a><br />
<br />
Erstellt von Lothar Probst, Politologe an der Universität Bremen. Die Vorwahlanalyse beschreibt Besonderheiten des Bremer Wahlsystems, gibt einen Überblick über die Entwicklung der Parteienlandschaft und der politischen Stimmung in Bremen. Auch auf die Wahlkampftaktiken der einzelnen Parteien und ihre Chancen bei der Bürgerschaftswahl geht Probst ein.
</p>
<p>
<a href="http://www.janvonbroeckel.de/politik/bremenwahl2007/wahlaussagen-vergleich.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Wahlaussagen der Parteien im Vergleich</b><br />
</a><br />
<br />
Der Jurist Jan von Bröckel stellt auf seiner Homepage die Wahlaussagen von Bremer Parteien gegenüber. Berücksichtigt sind die Parteien, die auch im Bundestag vertreten sind.
</p>
<p>
<a href="http://www2.bremen.de/info/statistik/lw2007/startlw07.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Wahlen in Bremen</b><br />
</a><br />
<br />
Die Website des Statistischen Landesamt Bremen bietet einen Überblick über alle vergangenen Wahlen und die Wahlergebnisse.
</p>
<p>
<a href="http://www.wahlbegleiter.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Wahlbegleiter Bremen</b><br />
</a><br />
<br />
Einmal installiert, bietet der unabhängige und überparteiliche Wahlbegleiter Bremen im Browserfenster einen Überblick über alle Parteiwebsites, Hintergründe und Neuigkeiten zur Bürgerschaftswahl. Dank Karikaturen und politischer Online-Spiele kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Herausgeber ist die Nautilus Politikberatung.
</p>
<p>
<a href="http://www.wahl-o-mat.de/bremen/main_app.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
<b>Wahl-O-Mat</b><br />
</a><br />
<br />
Mit dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung können Nutzer ihre politischen Einstellungen mit 30 Thesen aus den Wahlprogrammen der angetretenen Parteien vergleichen.
</p>
<p class="fett">
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/presseschau/kommentierte-linkliste-zur-bremenwahl-2781/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Persönlicher Datenschutz ist kein Thema</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-datenschutz-jpiegsa_big_brother_061026-shtml-2914/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother Award]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[(Artikel, 26. Oktober 2006) Engagierte Streiter aus Bürgerrechts-, und Datenschutzorganisationen wollen mit der Verleihung des BigBrotherAwards ein Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten schaffen. In Bielefeld wurde der Anti-Preis nun zum siebten Mal verliehen. politik-digital.de zeigt die „Gewinner“ der insgesamt fünf Kategorien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(Artikel, 26. Oktober 2006) Engagierte Streiter aus Bürgerrechts-, und Datenschutzorganisationen wollen mit der Verleihung des BigBrotherAwards ein Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten schaffen. In Bielefeld wurde der Anti-Preis nun zum siebten Mal verliehen. politik-digital.de zeigt die „Gewinner“ der insgesamt fünf Kategorien.</p>
<p><!--break--></p>
<p>&#8220;Herzlichen Glückwunsch! Der Gewinner des Big Brother Award 2006 in der Kategorie &#8220;Behörden &amp; Verwaltung&#8221; ist die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK).“ So ähnlich mag es geklungen haben, als am 20. Oktober die Gewinner der Big Brother Awards 2006 in Bielefeld bekannt gegeben wurden. Die Kultusministerkonferenz der Länder ist zu der Ehre gelangt, weil sie bundesweit einheitliche, lebenslang gültige Schüler-IDs einführen und so Daten von allen deutschen Schülern zentral speichern und auswerten möchte.</p>
<p>In mittlerweile 14 europäischen Ländern und in den USA, Kanada und Japan werden jährlich im Oktober die<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BigBrotherAwards</a> an die Vorreiter der Kontrollgesellschaft vergeben. Seit sieben Jahren auch in Deutschland. Engagierte aus Bürgerrechts-, Datenschutz-, und unabhängigen Netzorganisationen wollen mit dem „Anti-Preis“ Öffentlichkeit herstellen und durch Aufklärung über ihre Machenschaften zum Widerstand anregen.<br />
                            <br />
                            <strong><br />
                            <br />BigBrotherAward 2006: Die Preisträger</strong></p>
<p>Weitere Preisträger des<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2006" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Big Brother Award 2006</a> sind in der Kategorie Wirtschaft: SWIFT-Europe (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), die den US-Behörden seit fast fünf Jahren über sein US-amerikanisches Operation-Center die Daten internationaler Banktransaktionen zur Verfügung stellt und selbst innereuropäische Daten zur Sicherung auf die Server von SWIFT-USA speichert.</p>
<p>Gleich zwei Preise wurden dieses Jahr in der Kategorie Politik verliehen: Die Mitglieder des vierten Landtags von Mecklenburg-Vorpommern werden für die gesetzliche Erlaubnis zur verdachtsunabhängigen Tonaufzeichnung in der Öffentlichkeit geehrt. Die Bundes-Innenministerkonferenz erhielt einen Award für die Einrichtung einer zentralen &#8220;Anti-Terror-Datei&#8221;.</p>
<p>Der Technik-Award geht 2006 an die Philips GmbH. Phillips hat CD-Brenner auf den Markt gebracht, die ihre Seriennummer auf den Rohling schreiben und damit eine Rückverfolgbarkeit gebrannter CDs zum Brenner ermöglichen. Der Hersteller begründet dieses Vorgehen mit der Notwendigkeit, Raubkopierer ermitteln zu wollen. Bislang ist es in Deutschland aber nicht strafbar, Privatkopien seiner CDs zu erstellen.</p>
<p>Den Preis in der Kategorie Verbraucherschutz bekam der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) für die gemeinsame Warn- und Hinweisdatei der Versicherungsfirmen, in der umfangreiche Daten von Millionen von Bürgerinnen und Bürgern enthalten sind. Die Jury begründet die Preisvergabe damit, dass ohne Wissen der Betroffenen nach geheimgehaltenen Kriterien und ohne ausreichende rechtliche Grundlage eine Bewertung der Versicherten durchgeführt werde.</p>
<p>Erstmals konnten die bei der Verleihung anwesenden rund fünfhundert Zuschauerinnen und Zuschauer entscheiden, welcher der Preisträgerinnen und Preisträger den Publikumspreis erhalten solle. Mit knapp einem Drittel aller Stimmen war der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) für seine Warn- und Hinweisdatei der Gewinner.</p>
<p>                            <strong>Schwarzbuch Datenschutz</strong></p>
<p>Rena Tangens und padeluun vom Verein<br />
                            <a href="http://www.foebud.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FoeBuD e.V. (</a>Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.) gehören hierzulande von Beginn an zur Big Brother Gemeinde. Sie haben nun das Schwarzbuch Datenschutz herausgegeben, in dem alle deutschen Preisträger des BigBrotherAwards bis 2005 vorgestellt werden. Neben den Preisreden gibt es kompakte Informationen zur aktuellen Entwicklung im jeweiligen Fall.</p>
<p>Auf knapp 190 Seiten erfährt der Leser unter anderem von<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2005/.life/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Otto Schilys Datenschutzsünden</a>, über<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2002/.life/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Microsofts &#8220;Digital Rights Managements&#8221;</a>,<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2004/.local/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Videoüberwachung</a> bis hin zu<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2005/.cop/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">RFID-Schnüffelchips</a>. In den Beiträgen werden datenschutzrechtlich bedenkliche Fälle dargestellt wie beipielsweise von<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2005/.local/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schulen, die die Namen von Erstklässlern zu Werbezwecken weitergegeben</a> haben, von der<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2004/.work/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Videoüberwachung des Personals bei Lidl</a> und so weiter.</p>
<p>Die Fakten sind so aufbereitet, dass sie sowohl für Laien als auch für Spezialisten geeignet sind. Insbesondere Letztere wird das Namens- und Sachregister freuen.</p>
<p>Zweifelsohne hat die Big Brother Jury mit ihrer Arbeit die Öffentlichkeit erreicht und im Einzelfall auch Erfolge. Nur was ist davon geblieben? Das Maut-System<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2002/.tec/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Toll Collect</a> etwa gibt es nach wie vor. Es avanciert mittlerweile sogar zum<br />
                            <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0911/wirtschaft/0066/index.html?group=berliner-zeitung;sgroup=;day=today;suchen=1;keywords=Mautsystem%20als%20Exportschlager;search_in=archive;match=strict;author=;ressort=;von=;bis=;mark=exportschlager%20als%20mautsystem" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Exportschlager</a>. Gleiches gilt für Payback-Karten, elektronische Reisepässe und das Vorhaben der<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/econsumer/verbraucherschutz/jpiegsa_eGK051125.shtml">elektronischen Gesundheitskarte</a> von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.</p>
<p>Während in den 90er Jahren die letzte in Deutschland durchgeführte Volkszählung enorme Proteste hervorrief, weil als Ergebnis der „gläserne Bürger“ befürchtet wurde, werden<br />
                            <a href="http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_122688/Internet/Content/Nachrichten/Pressemitteilungen/2006/08/Volkszaehlungsrunde.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">neue Anläufe</a> hingegen kaum wahrgenommen. Auch mit neuen Möglichkeiten im Internet &#8211; Stichwort Web 2.0 &#8211; scheint die<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,443539,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sorglosigkeit im Umgang mit eigenen Daten</a> um sich zu greifen.</p>
<p>Scheinbar fehlt es an Bewusstsein und Verständnis für das Thema Datenschutz. Wie viel Prozent der Bevölkerung wissen eigentlich, wer George Orwell war? Steht sein Roman 1984 nicht nur auf den Lehrplänen der gymnasialen Oberstufe? Wie viele wissen, das „Huxleys Neue Welt“ mehr ist, als eine Musikhalle in Berlin Neuköln?</p>
<p>
                            <strong>Buch-Info</strong><br />
                            <br />Rena Tangens &amp; padeluun (Hg.)<br />
                            <br />Schwarzbuch Datenschutz<br />
                            <br />Ausgezeichnete Datenkraken der BigBrotherAwards<br />
                            <br />Mit einem Vorwort von Peter Glaser<br />
                            <br />broschiert, 192 Seiten, 13,90 Euro<br />
                            <br />Edition Nautilus<br />
                            <br />3894014946</p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Aktivisten aktivieren (Teil 2)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/landtagswahlen-2006-in-berlin-und-mecklenburg-vorpommern/die-aktivisten-aktivieren-teil-2-2531/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Sep 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Landtagswahlen 2006 in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[Wahlkampf@Internet.de – Zeitverschwendung oder Zukunftsmusik?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wahlkampf@Internet.de – Zeitverschwendung oder Zukunftsmusik?<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Wie stellen sich die Parteien angesichts dieser Ausgangslage im Internet da? Ein Streifzug durch die Netzlandschaften der Parteien suggeriert vor allem eines: Wir gewinnen! Das Prinzip ist stets das gleiche: Eine Betrachtung der Seiten der Landesverbände, Kampagnenseiten und – soweit vorhanden – der Portale der Spitzenkandidaten von SPD, CDU, Grünen, FDP, PDS und WASG in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigt, dass sich in den Internetredaktionen der Parteien ein gewisser Status Quo verfestigt hat.
</p>
<p>
Die Seiten der Parteien unterscheiden sich dabei deutlich hinsichtlich der Farben und wenig hinsichtlich des strukturellen Aufbaus. Alle Portale orientieren sich an der jeweiligen Kampagnenlinie, die Claims der Kampagne sind häufig auch Adresse der Kampagnenportale. Alle Seiten enthalten ähnliche Funktionalitäten, wie Hinweise zum Wahlprogramm, Kandidaten, Presseinformationen, Spendenaufrufe, Mitgliedsanträge und Kontaktformulare. Die Kampagnenseiten sind im Design der Kampagnenlinie gestaltet, die Kandidatenseiten weisen häufig große Fotos des Kandidaten nach amerikanischem Vorbild auf, was, so wissen wir es aus der Wahrnehmungspsychologie, emotionalisierend wirkt.
</p>
<p>
In Berlin wird neben der eigenen Parteimarke vor allem auf die Marke „Berlin“ gesetzt. Die Seite ist hier, dem Flair der Hauptstadt entsprechend, schillernd und farbenfroh. Die kleinen Parteien gehen vermutlich mit weniger Geld, dafür aber mehr Kreativität ans Werk. Die Seiten der kleinen Parteien sind unkonventioneller: die der kleinen Parteien des linken Spektrums dabei eher sophisticated, die der liberalen hingegen auch schon mal polarisierend bis reißerisch.
</p>
<p>
Interessant ist bei der Betrachtung aller Seiten allerdings gar nicht so sehr, was gezeigt wird, zumal sich die Seiten darin nicht wesentlich unterscheiden – sondern vor allem, was nicht gezeigt wird, denn mit den diesbezüglichen Erkenntnissen kann gleich einmal mit einigen Vorurteilen aufgeräumt werden, denn:
</p>
<ul>
<li>Die offiziellen Parteiseiten, die hier betrachtet worden sind, sind nicht lustig. Von Spaßwahlkampf keine Spur bei den Netzauftritten der hier betrachteten Parteien: Zwar findet sich hier und da der eine oder andere Verweis auf lustig anmutende E-Cards, insgesamt ist jedoch durchgehend ein seriöser, professioneller bis nüchterner Stil gewählt worden.</li>
<li>Die offiziellen Parteiseiten die hier betrachtet worden sind, enthalten keine offensiven Negative-Campaigning-Attacken (außer gegen rechte Parteien). Negative-Campaigning, so die Forschung, finden die Deutschen tatsächlich „negativ“. Negative-Campaigning-Seiten werden in deutschen Wahlkämpfen daher höchstens unter eigenen Domainnamen veröffentlicht, die auch eher nicht den offiziellen Kampagnenlinien entsprechen. Auf den offiziellen Seiten sucht man stigmatisierende Schlammschlachten jedenfalls vergebens.</li>
<li>Die offiziellen Parteiseiten, sind in diesem Wahlkampf erstaunlich wenig interaktiv. Vom guten alten Kontaktformular abgesehen wird von den interaktiven Möglichkeiten des Netzes insgesamt wenig Gebrauch gemacht. Chats – so darf angenommen werden – haben sich im Wahlkampf nicht etablieren können, weil damit letztlich eher Insider angesprochen werden als unentschlossene Wechselwähler. Zwar gibt es mittlerweile über hundert Parteiblogs, allerdings finden sich auf den Startseiten der offiziellen Portale eher keine oder nur dezente Hinweise dazu.</li>
</ul>
<p>
<b>Wahlkampf@Internet.de – Zeitverschwendung oder Zukunftsmusik?</b></p>
<p>Informationen über das Internet zu verbreiten hat für Politiker und Parteien einen nicht zu unterschätzenden Selbstdarstellungseffekt. Die Kehrseite ist allerdings: Schon ein unglücklich formulierter Halbsatz kann mit etwas Pech zum Skandal führen. Jede Form der Präsentation von Inhalten bietet diese potentielle Gefahr, aber das Netz lädt zum einfach Publizieren geradezu ein. Parteien und Politiker sehen sich also bei der Gestaltung von Webseiten stets mit einem Zielkonflikt konfrontiert: Einerseits soll keine Steilvorlage für einen Angriff gegeben werden, andererseits soll dennoch eine gewisse Transparenz gechaffen werden.
</p>
<p>
Allem Pessimismus zum Trotz, was die Überzeugungsmöglichkeiten politischer Kampagnenwebsites angeht,Wahlkampf ohne Internet wäre Parteisicht nicht nur unprofessionell, sondern ein Fehler,: Das Internet bietet eine kostengünstige Möglichkeit, große Informationsmengen selektierbar und zitierbar für Multiplikatoren bereitzuhalten. Bietet eine Partei solche Informationen nicht an, würde sie einen strategischen Nachteil gegenüber Mitbewerbern erfahren. In der politischen Berichterstattung ist für Journalisten Recherche ohne das Internet nicht mehr denkbar. Auch Parteimitglieder, Interessenten und Aktivisten, deren Stimme ziemlich sicher ist, wollen aktiviert werden und können ebenfalls als Multiplikator dienen. Die Bedeutung der persönlichen Kommunikation ist bei der Wahlentscheidung ebenfalls von großer Bedeutung. Hinzu kommen Imageeffekte, so dass man Parteien unter dem Strich heute auf keinen Fall raten sollte, auf durchdachte Netzauftritte zu verzichten.
</p>
<p>
Mit Blick auf die Partei-Websites in den hier betrachteten Wahlkämpfen sollte jede Partei sich die Frage stellen: Wen will ich, wen kann ich und – vor allem – wer will mich im Netz eigentlich erreichen?
</p>
<p>
In der Beantwortung dieser Frage könnte der Schlüssel zu mehr Effizienz in der Online-Kommunikation zwischen Parteien und Wählern liegen:Denn wie hat schon der niederländische Philosoph Baruch de Spinoza schon um 1650 festgestellt: Je mehr der Geist weiß, desto eher kann er sich selber leiten, sich Regeln setzen und vor allem sich unnützer Dinge enthalten.
</p>
<p>
<a href="/edemocracy/wahlkampf/mdiermann_onlinewahlkampflandtagswahlen2006_060907.shtml">Zurück zum ersten Teil</a>.
</p>
<p class="fett">
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Die Aktivisten aktivieren: Online-Wahlkampf 2006</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/landtagswahlen-2006-in-berlin-und-mecklenburg-vorpommern/die-aktivisten-aktivieren-online-wahlkampf-2006-2532/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Sep 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Landtagswahlen 2006 in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
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		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[Parteiseiten im Internet aktivieren Aktivisten, nicht mehr, nicht weniger – zu diesem Schluss kam die amerikanische Politikwissenschaftlerin Pippa Norris. Offensichtlich hält das die deutschen Parteien nicht davon ab, massive Internetpräsenz in Wahlkämpfen zu zeigen. Was bieten die Parteien im Landtagswahlkampf 2006 in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Parteiseiten im Internet aktivieren Aktivisten, nicht mehr, nicht weniger – zu diesem Schluss kam die amerikanische Politikwissenschaftlerin Pippa Norris. Offensichtlich hält das die deutschen Parteien nicht davon ab, massive Internetpräsenz in Wahlkämpfen zu zeigen. Was bieten die Parteien im Landtagswahlkampf 2006 in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin?<!--break--></p>
<p class="normal">
&nbsp;
</p>
<p class="normal">
Die Landtagswahlen in Berlin und die in Mecklenburg-Vorpommern stehen unter anderen Vorzeichen als bisher. Zum Beispiel, weil sie als erste wirkliche Testwahlen nach der Bundestagswahl gelten: Zwar lagen auch die Wahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt im März 2006 nach der Bundestagswahl, allerdings konnte man da noch nicht von einer Stimmungsprobe sprechen, weil sich überhaupt noch keine „Stimmung“ eingestellt hatte, so frisch war die Regierung Merkel im Amt. Jedoch unken auch diesmal die Demoskopen: Der Sommer war einfach zu gut, die Leute waren mit Fußball beschäftigt und hatten damit praktisch keine Gelegenheit, in sich hineinzuhorchen und Wechselstimmung zu spüren.
</p>
<p>
Kein Wechsel, das würde für Berlin eine Fortsetzung der rot-roten Koalition bedeuten, die sich bei dieser Wahl erstmals zur Wiederwahl stellen wird. Klaus Wowereit ist dabei bereits jetzt der „gefühlte“ Wahlsieger. Vorherrschende Themen der zu Ende gehenden Legislaturperiode sind die problematische Haushaltslage der Stadt Berlin, die Situation an den Berliner Schulen, Integration und der schwache Arbeitsmarkt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich eine rot-rote Koalition zur Wiederwahl.
</p>
<p>
Neu bei der bevorstehenden Wahl ist aber auch, dass die Parteiverbände in beiden Ländern dieses Mal ohne unterstützende Bundeskampagnen auskommen müssen – die Wahlen hatten bisher parallel zu den Wahlen im Bund stattgefunden, die durch die vorgezogenen Neuwahlen nun erst wieder 2009 anstehen, woraus sich folgende Kettenreaktion ergibt: Wo keine bundesweite Wahl, da keine bundesweiten Kampagnen und da auch keine gesteigerte Medienaufmerksamkeit für Politisches. Und – so steht es insbesondere mit dem Blick nach Rechts zu befürchten: Wo keine parallele Bundestagwahl, da eine desaströs niedrige Wahlbeteiligung. Das gilt vielleicht nicht so sehr für das politisch bewegte Berlin – für Mecklenburg-Vorpommern aber umso mehr.
</p>
<p>
<b>Wer nutzt die Angebote politischer Parteien im Netz?</b><br />
<br />
15, vielleicht 20 Jahre ist es her, da konnten die Moderatoren großer Samstag-Abend-Galas mit einem ernst in die Kamera gesprochenen „Hallo-ja-genau-sie-meine-ich,-sie auf-dem-braunen-Sofa,-nun-gucken-sie-mal-nicht-so-blöd“ noch so manchem einen Schrecken einjagen: Durchaus im Rahmen des Vorstellbaren, dass der charmante Mann, den ich dort im Fernsehen sehe, seinerseits sieht, mit wem er es auf der anderen Seite der Mattscheibe zu tun hat. Heute bringt man als Talkmaster diese Nummer nicht mal mehr im Kinderfernsehen glaubhaft rüber, aber als Medienmacher hat man heute trotzdem ziemlich klar auf dem Schirm, wer wann einschaltet. Marktforschung heißt das Zauberwort dazu und Mediaplanung lautet die Antwort der Werbebranche auf dieses Nachfragespektrum.
</p>
<p>
Wie sieht es aber mit der Mediaplanung im Internet aus? Lange stand zu befürchten, das dieser Bereich völlig vernachlässigt wurde, getreu nach dem Motto: Internet ist so günstig, da machen wir einfach mal alles was geht und das wird dann schon passen. Im Internet ist im Gegensatz zum Fernsehen nicht die Ressource Sendezeit knapp, sondern die Ressource Aufmerksamkeit und (Wähler-)Interesse.
</p>
<p>
Wer schon einmal zu Wahlkampfzeiten ein Praktikum bei einer Partei gemacht hat und sich wechselnden Namen in die wöchentlichen Chat mit dem Abgeordneten seines Wahlkreisesoder – schlimmer noch – mit dem Fraktionsvorsitzenden des Bundes- oder Landesverbandes seiner Partei eingeloggt hat, ahnt bereits, was Politikwissenschaftler in vielen Studien gezeigt haben: Das Internet, genauer gesagt die Angebote politischer Parteien im Netz, erreichen mit Nichten den unentschiedenen, mäßig interessierten Wechselwähler. Wer bei Rot, Grün, Schwarz oder Gelb vorbeisurft, weiß genau, was er tut – und in der Regel auch lange vor der Wahl, wen er wählt. So gerät das engagierte Fragenstellen der Parteipraktikanten zum Schaulauf, dessen vorrangige Ziele darin bestehen, dass der eigene Kandidat in der beschaulichen Öffentlichkeit des Netzes kein schlechtes Bild abgibt und auch mal die eine oder andere unbequeme Nachfrage wohlbekannter Quälgeister der (gern auch parteiinternen) Konkurrenz ignorieren kann.
</p>
<p>
Wie stellen sich die Parteien angesichts dieser Ausgangslage im Internet da?<br />
<a href="/edemocracy/wahlkampf/mdiermann_onlinewahlkampflandtagswahlen2006_060907_teil2.shtml">Lesen Sie weiter im zweiten Teil</a>.
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