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	<title>Leapfrogging &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Leapfrogging &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digitale Start-Ups in Afrika: Profitieren die Menschen wirklich?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Constantin Estorff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2019 10:26:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Die Neugründungen von vornehmlich digitalen Start-Ups sind für immer mehr afrikanische Länder eine höchst relevante Entwicklung. Und dieser Aufschwung ist auch aus Sicht der Entwicklungshilfe interessant. Dieser Artikel widmet sich der Frage, ob die Menschen in Afrika tatsächlich von den Start-Ups profitieren. Dafür haben wir unter anderem mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gesprochen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Potential kann man schon aus den<a href="http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie310_Afrika_Marshallplan.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Statistiken</a> herauslesen: Von der 1,2 Milliarden großen Bevölkerung ist derzeit die Hälfte jünger als 25 Jahre, jährlich werden schätzungsweise mehr als 20 Millionen neue Arbeitsplätze benötigt. Mit einem 53-prozentigem Anstieg gegenüber dem Vorjahr konnten 2017 rund <a href="https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=mehr-geld-fuer-startups-in-afrika,did=1895068.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">560 Millionen Dollar</a> Risikokapitalzufluss in den subsaharischen Raum verzeichnet werden. In Kenia, Ghana und Nigeria befinden sich dabei die führenden Start-Up-Hubs. Doch bei all dem Hype – die Frage nach dem tatsächlichen Profit für die Menschen im subsaharischen Raum sollte auf jeden Fall gestellt werden.</p>
<h3>Vorsprung durch Innovation</h3>
<p>Im Zusammenhang mit Start-Ups in Entwicklungsländern hört man häufig einen Schlagbegriff: <a href="https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/leapfrogging-41469" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Leapfrogging</em></a><em>. </em>Gemeint damit ist das Überspringen „klassischer“ Entwicklungsschritte, vornehmlich durch innovative neue Möglichkeiten. Ein Beispiel dafür könnte <em>WeFarm </em>sein, ein Peer-to-Peer-Netzwerk zur Wissensverbreitung zwischen Bauern. Es kann damit zumindest teilweise den teuren Bau klassischer Schulen ersetzen. Man könnte hier auch <em>M-Pesa</em> nennen, ein System zum bargeldlosen Zahlungsverkehr. Es ist vor allem in Westafrika beliebt, schließlich kann man damit sicher sein, dass das bei einem Handel erhaltene Geld auch echt ist. So können illegale Geldgeschäfte effektiver bekämpft werden. Beispiele wie diese lassen sich vielerlei finden. Der positive Effekt für die Menschen sei damit gezeigt, könnte man meinen. Aber man sollte die versteckten Kosten nicht übersehen.</p>
<h3>Wer gewinnt hier eigentlich?</h3>
<p>Auf den ersten Blick ist die Ausgangslage für unternehmenslustige Afrikaner*innen gut: Die Märkte sind trotz der Bemühungen der <a href="https://au.int/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Afrikanischen Union</a> (AU) und kleinerer Verbände häufig noch in hohem Maße regionalisiert. Die Bedürfnisse der afrikanischen Menschen sind aus westlicher Sicht häufig schwer nachzuvollziehen. Dementsprechend gibt es in gewisser Weise einen Schutz vor Konkurrenz. <em>Jumia</em> konnte sich zum Beispiel mit speziellen Transportketten gegen Amazon durchsetzen.</p>
<p>Doch sind die größten Unternehmen –darunter die hier genannten– nur scheinbar „afrikanische“ Unternehmen. Tatsächlich sind sie meisten Unternehmen entweder im Besitz globaler Konzerne oder zumindest in den Führungsebenen von weißen, nicht afrikanisch-stämmigen Personen durchsetzt. So wird <a href="https://www.rocket-internet.com/companies/jumia" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jumia</a> in Portugal entwickelt, während einer der Hauptbesitzer das Berliner Unternehmen <em>Rocket Internet SE</em> ist. Mit anderen Worten: erstens wird zwar der Gewinn in (Ost-)afrika gemacht – die Steuern aber in Europa bezahlt. Zweitens werden die hochbezahlten Jobs zumeist nicht von den Afrikaner*innen belegt, die somit von ihrem eigenen Aufschwung oft wenig mitbekommen. Bei den anderen hier genannten Unternehmen sieht es leider nicht viel anders aus.</p>
<p>Man könnte daran anknüpfend viel über <a href="http://www.bpb.de/apuz/146971/kolonialismus-und-postkolonialismus?p=all" target="_blank" rel="noopener noreferrer">den neuen Kolonialismus</a> und dessen lange bisher wenig aufgearbeitete Tradition schreiben – aber um es kurz zu halten kann man dieses große Problem auch auf zwei kleinere Probleme herunterbrechen.</p>
<h3>Reicht Unternehmergeist alleine?</h3>
<p>Erstens: Wenn man den <a href="https://twitter.com/RobertAlai/status/1034132720153243648/photo/1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berichten</a> unzähliger afrikanischer Gründer*innen und jenen vom <a href="https://www.weforum.org/agenda/2019/07/impact-investors-favour-expats-over-african-entrepreneurs-here-s-how-to-fix-that/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weltwirtschaftsforum</a>, Glauben schenkt, ist ein Problem der strukturelle Rassismus. Die Risikokapitalfirma <em><a href="https://vilcap.com/wp-content/uploads/2017/06/VC_Breaking_the_Pattern.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Village Capital</a></em>, hat vor einiger Zeit festgestellt, dass 90% der Investments in den afrikanischen digitalen Finanzsektor an Start-Ups gehen, die einen oder mehrere Gründer*nnen aus Europa oder Nordamerika haben. Während die Inverstor*innen in ihnen bekannte Geschäftsmodelle und Firmenpraktiken investieren, entgegnen afrikanische Gründer*innen häufig, dass vor Ort aufgrund anderer Gegebenheiten andere Vorgehensweisen besser passen.</p>
<p>Im BMZ ist man sich dieser und ähnlicher Probleme selbstverständlich bewusst, Stichwort „<a href="http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie310_Afrika_Marshallplan.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marshall-Plan für Afrika</a>“. Laut einer Sprecherin versuche das BMZ mit unterschiedlichen Projekten, einen möglichst großen Teil der afrikanischen Wirtschaft zu stützen. So werden mit <em><a href="http://www.bmz.de/de/mitmachen/Wirtschaft/Make_IT/index.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Make-IT </a></em> die Rahmenbedingungen für afrikanische Start-Ups verbessert, indem ein besserer Zugang zu Risikokapital ermöglicht werde, oder geholfen werde, Innovation, Markterfahrung sowie nationale und internationale Sichtbarkeit zu verbessern. Durch <em><a href="https://www.bmz.de/de/zentrales_downloadarchiv/Presse/AfricaGrow-Fonds.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AfricaGrow</a> </em>werden dann Investitionslücken für mittelständische Unternehmen gestopft. Mit einem ähnlichen Programm sticht auch die NGO “<a href="https://www.1millionstartups.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">1millionstartups</a>” hervor, die ihre umfangreichen Förderungsangebote für Start-Ups an die Dienlichkeit für die <a href="https://sustainabledevelopment.un.org/?menu=1300" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SDG</a>s, also die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen knüpft. Jedoch wird gegen die rassistischen Tendenzen gegenüber Gründer*innen an sich direkt wenig unternommen. Die Bemühungen zielen eher darauf ab, dass es erfolgreiche afrikanische Gründungen <strong>trotz</strong> des Rassismus geben kann.</p>
<h3>Wer zuerst zugreift, behält</h3>
<p>Das Zweite Problem ist eines von Haben und Nicht-Haben. Egal, ob man ihn befürwortet oder bekämpft, in einer Sache ist man sich in der Wissenschaft einig: Der Kapitalismus funktioniert ohne Eigentum nicht. Viele besitzen kaum mehr als ihr eigenes Land oder können sich nur mit Rücküberweisungen gerade über Wasser halten. Zum Investieren bleibt jedoch nicht viel über – wenn diese Möglichkeit überhaupt bekannt ist. Hingegen gibt es aus dem Ausland umso mehr Geld. Das ist ein Problem, weil die Afrikaner*innen, wenn sich nicht investieren, letztendlich nicht von den Renditen ihres eigenen Wachstums profitieren können und sich eine vom Kapitalbesitz geprägte Mittelschicht nur langsam entwickeln kann. Außerdem fehlt dadurch häufig auch ein für Start-Ups wichtiger Faktor: lokale <a href="https://www.weforum.org/agenda/2019/07/impact-investors-favour-expats-over-african-entrepreneurs-here-s-how-to-fix-that/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Start-Up-Angel</a>, die an einer auch für Afrika nachhaltigen Unternehmensentwicklung arbeiten und im besten Fall das Problem der ethnisch selektiven Investitionen aktiv bekämpfen könnten. Laut eigener Aussagen arbeitet das BMZ speziell in diesem Sinne über Make-IT mit lokal gewachsenen Start-up-Netzwerken wie dem <em><a href="https://abanangels.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">African Business Angel Network</a>, <a href="https://www.afrilabs.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Afrilabs</a></em> oder <em><a href="https://www.jokkolabs.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jokkolabs</a></em> vor Ort zusammen.</p>
<p>Zudem wurden laut der Sprecherin des BMZs „z.B. Policy Hackathons in Nigeria unterstützt, die dazu geführt haben, dass die Regierung ein entsprechendes Rahmenwerk geschaffen hat, das <a href="http://www.med.gov.my/portal/document/files/Booklet%20NEF.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">National Framework for Innovation and Entrepreneurship</a>.“ Dies ist ein Erfolg, weil zahlreichen Berichten von Gründer*innen zufolge viele Regierungen nur wenige Anstrengungen in eine aktive Innovationspolitik setzen würden. So scherzt man gerne über das durchaus erfolgreiche kenianische „Savannah Valley“, es existiere nicht wegen der Regierung, sondern trotz der Regierung.</p>
<h3>Also doch China als Vorbild nehmen?</h3>
<p>Für eine aktivere Innovationspolitik, die gegebenenfalls eine selektiveren Außenwirtschaftspolitik bedeuteten würde, fehlen leider jedoch häufig die Mittel bei den Regierungen. Zudem leiden die meisten afrikanischen Staaten unter einer sehr ungleichen Vermögensverteilung, innerhalb derer die Reichsten ihre Gelder eher versuchen außer Land zu schaffen, statt sie lokal zu investieren. Zwei wichtige Voraussetzungen für einen schnellen Aufstieg wie dem Chinas, nämlich die Mittel durch äußerst hohe Rückinvestitionen und die relativ gleiche Vermögensverteilung, sind so oftmals nicht gegeben. Ein Marshallplan für Afrika, der seinem Original näher käme, müsste deswegen zumindest die Regierungen mit mehr Eigenkapital ausstatten, statt „nur“ Förderprogramme zu betreiben.</p>
<div class="_3bJ2H CHExY">
<p class="_1l8RX _1ByhS"><strong>Titelbild:</strong> Mkimemia at English Wikipedia. &#8211; Transferred from en.wikipedia to <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4022744">Commons</a>.,</p>
</div>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Das &#8216;e&#8217; in e-Learning steht für experience</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/elearning-brueckner-shtml-2456/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Dec 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[politik-digital sprach während der diesjährigen 
                      Online-Educa mit Gunnar Brückner, Chief Learning Officer (CLO) des 
                      United Nations Development Programme (UNDP) / Learning Resources Center, New York. Herr Brückner ist verantwortlich für die interne Weiterbildung von ca. 5000 Mitarbeitern, die in 140 Länder-Vertretungen des UNDP arbeiten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>politik-digital sprach während der diesjährigen<br />
                      <a href="http://www.online-educa.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Educa</a> mit Gunnar Brückner, Chief Learning Officer (CLO) des<br />
                      <a href="http://www.undp.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">United Nations Development Programme</a> (UNDP) / Learning Resources Center, New York. Herr Brückner ist verantwortlich für die interne Weiterbildung von ca. 5000 Mitarbeitern, die in 140 Länder-Vertretungen des UNDP arbeiten.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was hat UNDP bewogen, e-Learning einzusetzen?</p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Wenn man bedenkt, dass unsere Mitarbeiter auf der ganzen Welt in 140 Ländern verteilt sind, und unsere Zentrale in New York sitzt, war es zunehmend teuer und unbefriedigend, sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, wenige Mitarbeiter für Seminare nach New York einfliegen zu lassen. Außerdem arbeiten Mitarbeiter teilweise in aktuellen Krisengebieten und können nicht einfach zur Weiterbildung das Land verlassen. Das alte Weiterbildungssystem konnte nur wenige, ausgesuchte Mitarbeiter erreichen, das war zu hierarchisch und zu zentral organisiert. Durch die Einführung einer ganz neuen Lernkultur haben wir dank der Nutzung des Internets unsere Weiterbildungsmaßnahmen dezentralisieren können. So können wir auch besser auf spezifische kulturelle Gegebenheiten eingehen, da die Menschen vor Ort ihr Lernen jetzt mit- bzw. selbstbestimmen können.</p>
<p>Es entstehen ganz neue Kommunikationsformen, die vorher so nicht existierten. Es beschränkt sich nicht mehr auf Weiterbilden (&#8220;Training&#8221;), sondern verändert die gesamte Lernkultur der Organisation. Die Betonung verschiebt sich von &#8220;formal training&#8221; hin zu &#8220;informal learning&#8221;, wobei betont werden muss, dass &#8220;formal training&#8221; weiterhin seinen Platz im Lernangebot unserer Abteilung behalten wird. Informelles Lernen, bezogen auf das Lernen am Arbeitsplatz, ist all jenes Lernen, welches nicht im Detail von der Organisation vorgegeben ist, wie zum Beispiel ein Seminarplan oder auch nur eine Präsentation. Informelles Lernen orientiert sich an den unmittelbaren Bedürfnissen des Lerners und erfolgt eher unstrukturiert, genau zu dem Zeitpunkt, an dem es gebraucht wird. Die Herausforderung für eine &#8220;Lernende Organisation&#8221; besteht darin, möglichst viele Räume (real und virtuell) zu schaffen, damit informelles Lernen in viel größerem Umfang stattfinden kann als das normalerweise der Fall wäre.<br />
                    <br />Übrigens haben wir mit unserer &#8220;learning policy&#8221; andere UN-Organisationen wie etwa<br />
                    <a href="http://www.unhcr.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UNHCR</a> oder<br />
                    <a href="http://www.unfpa.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UNFPA</a> beeinflusst, die durch die positive Resonanz auf unser Experiment Elemente unsere &#8220;learning policy&#8221; in ihre Eigene übernehmen. Das ist ein großer Erfolg für uns, auf den ich sehr stolz bin.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Unterstützt e-Learning die Entwicklung einer neuen Lernkultur oder ist es nur eine neue Lerntechnik in neuem Marketingjargon &#8211; gleich dem Motto: &#8220;Alter Wein in neuen Schläuchen&#8221;?</p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Wir können uns in der Tat auf eine neue Lernkultur gefasst machen. Die jüngeren Generationen denken, fühlen und handeln schon jetzt signifikant anders als die heute Vierzigjährigen. E-Learning wird zum integralen Bestandteil des Lernens, und zwar immer und nicht nur während der Schulzeit. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass es nicht darum geht, eine wie auch immer geartete Lernerfahrung der traditionellen Art im Internet zu replizieren, sondern gänzlich neue Wege und Methoden des Lernens zu nutzen. SMS zum Lernen, Verknüpfung von GPS und Lernen und so weiter. Darin besteht heute eine ganz besondere Herausforderung an die e-Learning Industrie.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Kann durch den Einsatz von e-Learning der Wissensunterschied zwischen der sogenannten &#8220;ersten Welt&#8221; und der &#8220;dritten Welt&#8221; gemindert werden?</p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Ja. Die Diskussion wird kontrovers geführt aber ich gehöre zu denen, die sich ein &#8221;<br />
                    <a href="/archiv/globalisierung/wambui.shtml">leapfrogging</a>&#8220;, d.h. ein Überspringen von Entwicklungsschritten mit Hilfe des Internets vorstellen können. Ein Knackpunkt in dieser Diskussion ist die Schaffung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die den Zugriff auf diese modernen Technologien ohne staatliche Eingriffe ermöglichen. Projekte, deren Zielsetzung die Schaffung einer Informations- bzw. Wissensgesellschaft ist, sind in der Regel nützlicher als einseitig technische Projekte.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie lauten die gegenwärtigen Schlagwörter der e-Learning Debatten?<br />
                    </p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Schlagwörter in der internationalen Diskussion (daher meist in Englisch) sind die Konvergenz von Wissensmanagement und e-Learning; und immer noch &#8220;blended learning&#8221;, d.h. die Kombination von e-Learning mit klassischem Präsenzunterricht. Für mich persönlich ist &#8220;informal learning&#8221; ganz hoch auf der Tagesordnung. Ferner wird &#8220;just in time learning&#8221; im Unterschied zu &#8220;just in case learning&#8221; immer wichtiger und dabei spielen &#8220;learning objects&#8221; eine immer wichtigere Rolle. Aber das ist zugegebenermaßen nicht gerade neu. Lerning Objects sind so etwas wie klar definierbare Lernbausteine, aus denen sich Lernaktivitäten zusammensetzen. Nehmen wir zum Beispiel ein hypothetisches Online Modul zum Thema Feedback. Das setzt sich zusammen aus vielen Bausteinen: einem Einführungstext, einer Übersichtsgraphik, einem oder mehreren Texten zum Thema, einem Quiz am Ende und so weiter. Alle diese Bausteine könnten theoretisch für ein anderes Modul weiterverwandt werden oder könnten auch einzeln, also außerhalb des Feedback Moduls zum Lernerfolg eines Mitarbeiters beitragen, vorausgesetzt er/sie kann den richtigen Baustein zum genau richtigen Zeitpunkt finden. Das ist genau die Idee, die hinter UNDPs<br />
                    <a href="http://208.36.136.215/undp/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">e-Learning-Tree</a> steckt, bei dem sich der Lerner an einem visuellen Baum orientiert, dann eine Entscheidung trifft, was er/sie lernen will, um dann durch einen Doppelklick ein Menu von Lernobjekten (Lernbausteinen) zu aktivieren, aus dem dann ausgewählt werden kann.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Gibt es Unterschiede zwischen der Debatte an Universitäten und in der freien Wirtschaft?<br />
                    </p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Ich sehe keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Debatten, aber möglicherweise ist meine Wahrnehmung geprägt von der Situation in den USA, wo sich die Universitäten traditionell eher dem unternehmerischen (&#8220;corporate&#8221;) Model unterordnen. Viele Universitäten sind &#8220;corporate ventures&#8221;, d.h. sie sind privatrechtlich und nach betriebswirtschaftlichen Regeln organisiert und beginnen, im Bereich e-Learning erste Erfahrungen zu sammeln, Allianzen zu schmieden &#8211; und diese auch wieder verwerfen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Geschäftsmodelle sind gerade en vogue und welche erfolgreich?<br />
                    </p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Ingesamt kann man davon ausgehen, dass sich der Markt zunehmend konsolidieren wird. Einige wenige Anbieter werden komplette Lösungen von A bis Z anbieten, aus denen sich der Kunde dann die passende Lösung für sich heraussucht. Nischenanbieter werden aber auch immer eine Chance behalten. Zunehmend werden im Modell der Komplettanbieter die Technologiedienste von den Inhalt- und Servicedienstleistungen verdrängt werden.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche technischen Entwicklungen werden e-Learning beeinflussen?<br />
                    </p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Mit der zunehmenden Verringerung von Breitbandproblemen (&#8220;broadband technology&#8221;) kann sich im Feld der sprachgesteuerten Anwendungen etwas tun. Sprachgesteuerte Anwendungen (&#8220;voice-enabled technology&#8221;) kombiniert mit Touchscreen-Technologie könnten auch im Bereich der Entwicklungsländer von Nutzen sein, aber ich sehe die Entwicklung noch nicht klar und würde diese Möglichkeit keinesfalls als den kommenden Trend bezeichnen.</p>
<p>                    <strong>politik-digital:</strong> Was hat es mit den Breitband-Technologien auf sich?<br />
                    </p>
<p>
                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Solange die Netzanbindung an und für sich noch so große Problem darstellt, kann man kurzfristig einfach noch nicht so viel erwarten. Der Benutzung von Simulationen im e-Learning wird in Abhängigkeit von der Breitband -Entwicklung sicher eine gute Zukunft blühen, obwohl auch hier das Geheimnis nicht in der Technologie an für sich liegt, sondern darin, den Lernenden ein Erlebnis zu verschaffen. Die Lernerfahrungen der Lernenden bzw. der Kunden wird in diesem Zusammenhang zum treibenden Faktor werden denn: Das &#8216;e&#8217; in e-Learning steht für<br />
                    <em>experience</em> &#8211; und nicht für<br />
                    <em>electronic</em> oder was auch immer!</p>
<p>                    <strong>politik-digital:</strong> Kann man feststellen, dass seit den<br />
                    <a href="/archiv/edemocracy/ny-links.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Terroranschlägen</a> auf New York und Washington und den Milzbrandattacken die Menschen Angst vor dem Reisen haben und daher e-Learning bevorzugen?</p>
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                    <strong>Gunnar Brückner:</strong> Man wird niemals gänzlich jede Form von sozialer Interaktion ersetzten können jedoch neue Formen finden, z.B. Chat und Instant-Messaging, die zum integralen Bestandteil unserer Kommunikation werden. Soziale Interaktionen wird es immer geben müssen, und meiner Erfahrung nach steigert das Vorhandensein von e-Learning diesen Bedarf sogar. Kollegen, die sich online treffen und mögen, werden Mittel und Wege finden, sich auch im realen Leben zu treffen. Gleichsam ist face-to-face Kommunikation von hoher Bedeutung bei der Formierung von erfolgreichen Lerngemeinschaften (&#8220;communities of practice&#8221;).</p>
<p>
                    <strong>politik-digital: </strong>Vielen Dank für das Gespräch!<br />
                    </p>
<p>Das Interview mit Gunnar Brückner führte Clemens Lerche.</p>
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