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	<title>Lehrer &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Zwischen Politik und Praxis: Was bedeutet Qualität in der Schule? </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexa Schaegner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jul 2017 08:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Das deutsche Bildungssystem hat Schwachstellen. Darüber herrscht inzwischen bundes- als auch landespolitische Einigkeit. Schwieriger wird es dann, wenn es darum geht, was sich verändern soll und wer eigentlich für die Veränderung zuständig ist. Offene und breite Diskurse darüber sind bisher bundesweit kaum wahrnehmbar.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Nach dem schlechten Abschneiden Baden-Württembergs bei der IQB-Bildungsstudie, einer regionalen Version des PISA-Tests, steht die Grün-Schwarze Landesregierung unter Zugzwang.  Die Antwort des Kultusministeriums Baden-Württemberg auf den Reformbedarf ist das vergangene Woche vorgestellte <a href="http://www.km-bw.de/,Lde/Startseite/Service/28_06_2017+Qualitaetskonzept+Bildungssystem/?LISTPAGE=344894" target="_blank" rel="noopener noreferrer">“Qualitätskonzept für das Bildungssystem Baden-Württembergs</a>”. Darin setzt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann verstärkt auf Qualitätsstandards, Kontrollmechanismen und klarere Zuständigkeiten. Wenige Antworten hingegen gibt das Konzept noch auf die wichtigen, wenn nicht entscheidenden Fragen: Wofür steht eigentlich Qualität in der Schule, wer entscheidet darüber und welche Anforderungen müssen erfüllt werden?</p>
<p>Deswegen haben wir mit dem Freiburger Realschullehrer, Bildungsreferenten und Blogger Dejan Mihajlovic über das Konzept gesprochen und ihn gefragt, was Politik leisten muss, um zeitgemäße Bildung möglich zu machen.</p>
<p><strong>Herr Mihajlovic, Sie sind Lehrer an einer Freiburger Realschule und engagieren sich innerhalb und außerhalb Ihres Unterrichts auf vielfältige Weise für zeitgemäße Bildung. Zum grundlegenden Verständnis: Was bedeutet zeitgemäße Bildung für Sie? </strong></p>
<p>Unter zeitgemäßer Bildung verstehe ich, dass man Inhalte und Ziele von Bildung den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen entsprechend immer wieder neu anpasst. Während der digitale Wandel in einem zunehmenden Tempo alle u.a sozialen, wirtschaftlichen, politischen Lebensräume durchdringt, bleiben die (Hoch-)Schulen davon weitestgehend unberührt. Junge Menschen werden dadurch immer weniger auf die Welt mit den bereits existierenden und immer komplexer werdenden Herausforderungen vorbereitet.</p>
<p><strong>Gestern wurde ein ”Qualitätskonzept für das Bildungssystem Baden-Württemberg” vorgestellt um die “Schulqualität” durch “Bildungsmonitoring” und “datengestützte Schulentwicklung&#8221; zu verbessern. Was verstehen Sie unter Schulqualität? </strong></p>
<p>Unter Schulqualität verstehe ich, dass Schüler_innen die notwendige Unterstützung und maximale Förderung in allen Bereichen des menschlichen Daseins erhalten. Und das in einem Rahmen, in dem sie sich möglichst frei entwickeln können und wohl fühlen. Inwiefern das durch Bildungsmonitoring und datengestützter Schulentwicklung gelingen kann, wird sich zeigen. Auffallend bei der Vorstellung des Qualitätskonzepts erschien mir die vom Kultusministerium häufige Nutzung des Begriffs “Qualität”. In der kurzen Pressemitteilung habe ich ihn ganze 21 Mal gezählt. Auch dass man das eigene Konzept Qualitätskonzept nennt, ist natürlich legitim. Vielleicht sollte ich mich ebenfalls Qualitätslehrer nennen.</p>
<p><strong>Für die Umsetzung von “professionellem Bildungsmonitoring” und “datengestützter Schulentwicklung” plant das Ministerium das “Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung” sowie das “Institut für Bildungsanalyse” einzurichten. Sind das adäquate Maßnahmen um strukturellen Schwachstellen des Bildungssystems in Baden-Württemberg zu begegnen?</strong></p>
<p>Dass es strukturelle Schwachstellen im Bildungssystem Baden-Württembergs gibt, darüber scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein. Eine schlankere und übersichtlichere Struktur klingt dabei nach einem vernünftigen Ansatz. Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass so eine Schlankheitskur im Bildungssystem nicht selten darauf abzielt, den finanziellen Gürtel etwas enger zu schnallen. Deshalb bin ich auch darauf gespannt, welche Sprache die Zahlen am Ende der Umstrukturierung sprechen werden. Eine strukturelle Schwachstelle, die ich weiterhin unverändert sehe, ist der hierarchische Aufbau des Bildungssystems. Mit steigender Komplexität der Probleme wird kollaboratives Arbeiten auf Augenhöhe für nachhaltig erfolgreiche Lösungen immer notwendiger. Und für mich klingen die geplanten Umstrukturierungen nach mehr Kontrolle und nicht nach mehr Zusammenarbeit. Daten wurden übrigens auch in der Vergangenheit erhoben. Die Schwierigkeiten liegen bei der Interpretation und den daraus abgeleiteten Lösungsansätzen.</p>
<p><strong>Stichwort Daten. Dem Konzept zufolge sollen sich sowohl Unterrichtspraxis als auch Lehrerfortbildung künftig an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Daten orientieren. Bildungsprozesse zu dokumentieren und auf “Wirksamkeit zu überprüfen” klingt doch erst einmal sinnvoll oder? Wo genau liegt das Problem bei diesen Maßnahmen?</strong></p>
<p>Ich begrüße es, „dass sich die Unterrichtspraxis künftig am aktuellen Stand der Wissenschaft und auf der Grundlage abgesicherter Erkenntnisse ausrichtet“. Vielleicht beschleunigt das die notwendigen Reformen im bestehenden Schulsystem, die zeitgemäße Bildung ermöglichen. Was ich bisher nicht erkennen kann, ist die Einbindung des Potentials aller Lehrenden. Das wertvolle Wissen und die kostbaren Erfahrungen des Kollegiums müssen über persönliche Lernnetzwerke ausgetauscht und weiterentwickelt werden. Diese Qualität kann kein Zentrum oder Institut erreichen. Unterricht ist ein komplexer Mikrokosmos, der meiner Meinung nach durch keinen Umfragebogen erfasst und verstanden werden kann. Deshalb erscheinen mir sowohl Monitoring als auch Fortbildungen nur systemisch sinnvoll und wirksam. Die Maßnahmen bezüglich der Bildungsprozesse, die das neu geschaffene Institut für Bildungsanalysen ergreifen soll, ähneln im Übrigen stark dem Aufgabenbereich vom Landesinstitut für Schulentwicklung, das nun aufgelöst wird.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="/wp-content/uploads/2020/06/IMG_2354.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-152724" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/IMG_2354.jpg" alt="IMG_2354" width="183" height="189" /></a>Dejan Mihajlovic ist Realschullehrer, Bildungsreferent bei d64 &#8211; Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. und stellvertretender Vorsitzender des Migrantinnen- und Migrantenbeirats in Freiburg. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf der Frage nach der zukünftigen Gestaltung der Bildung. Hierbei liegen ihm besonders die Themen Partizipation und Bildungsgerechtigkeit am Herzen.</div></div>
<p><strong>Die Daten für die Erstellung von “Qualitätsstandards” für Unterrichtspraxis und Fortbildungen, sollen unter anderem aus “Vergleichsarbeiten” stammen. Zentrale Klassenarbeiten für alle Schularten also, anhand derer “Transparenz bei den Schülerleistungen” hergestellt werden soll.</strong></p>
<p><strong>Dazu:</strong></p>
<p><strong>Ist die Leistung von SchülerInnen ein guter Indikator um die Qualität von Unterricht zu bewerten? </strong></p>
<p>Mit dem Begriff Qualität lässt sich gut werben. Mir ist er zu schwammig und setzt einen Konsens voraus, den weniger Menschen teilen als man allgemein vermutet. Es gibt sicherlich Merkmale für erfolgreichen Unterricht. Als erfolgreich würde ich ihn bezeichnen, wenn die Ziele der Lehrenden und Lernenden gleichermaßen erreicht werden konnten. Für mich geht es dabei aber mehr um Kommunikation als um Zahlen.</p>
<p><strong>Ist die Standardisierung von Leistungen zu Vergleichszwecken sinnvoll?</strong></p>
<p>Mit kritischem Blick in eine Zukunft, in der alles, was automatisiert werden kann, automatisiert werden wird, machen Leistungsstandards bei Menschen für mich weder für das einzelne Individuum, die Gesellschaft noch die Wirtschaft einen Sinn. Als Verfechter des vier K-Modells des Lernens, bin ich überzeugt, dass junge Menschen dazu befähigt werden müssen, unbekannte Hürden in einem sich ständig wandelndem Feld zu meistern. Statische Größen wie Leistungsstandards sind dabei nicht zielführend. Fähigkeiten wie Kreativität und kritisches Denken nehmen dabei an Bedeutung zu. Das können aus meiner Sicht Standardisierungen nicht leisten.</p>
<p><strong>Sie haben drei Wünsche frei. Was wünschen Sie sich von der baden-württembergischen Bildungspolitik für zeitgemäße Bildung?</strong></p>
<p>Ausreichend finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen, um sich als Schule mit den sich ständig wandelnden Herausforderungen in einem nicht endenden Prozess weiterzuentwickeln, mit dem Ziel, mündige und als Mensch gefestigte Generationen am Ende der Schulzeit verabschieden zu können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Titelbild by:</strong> <a href="https://unsplash.com/@djmalecki" target="_blank" rel="noopener noreferrer">David Malecki</a> on <a href="https://unsplash.com/@djmalecki?photo=fw7lR3ibfpU" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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		<item>
		<title>Junglehrer-Chat aus Baden-Württemberg mit Kultusministerin Marion Schick</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Jan 2011 13:52:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 24. Januar 2011 chattete die baden-württembergische Kultusministerin Marion Schick in einem geschlossenen Chat mit den Lehrkräften im Land, die ihren Dienst zu Schuljahresbeginn in Baden-Württemberg angetreten haben. Eine Stunde lang war die Kultusministerin offen für Fragen, Kritik und Anregungen, um sich ein Bild darüber machen zu können, wie der Einstieg ins Berufsleben und der Start an der Schule gelungen ist. <a href="http://base.talk42.de/talk42front/templates/bawuechat/index.php?cr=756816231" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier</a> können Sie das vollständige Transkript zu dem Chat einsehen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 24. Januar 2011 chattete die baden-württembergische Kultusministerin Marion Schick in einem geschlossenen Chat mit den Lehrkräften im Land, die ihren Dienst zu Schuljahresbeginn in Baden-Württemberg angetreten haben. Eine Stunde lang war die Kultusministerin offen für Fragen, Kritik und Anregungen, um sich ein Bild darüber machen zu können, wie der Einstieg ins Berufsleben und der Start an der Schule gelungen ist. <a href="http://base.talk42.de/talk42front/templates/bawuechat/index.php?cr=756816231" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier</a> können Sie das vollständige Transkript zu dem Chat einsehen.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>&#8220;Ansehen der Lehrer muss steigen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jun 2008 15:38:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Philologenverband]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz-Peter Meidinger]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrer]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, den 24. Juni 2008, war Heinz-Peter Meidinger, Schulleiter und Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über nötige Reformen im Bildungssystem, das Image des Lehrberufes und Eignungstests für Lehrer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, den 24. Juni 2008, war Heinz-Peter Meidinger, Schulleiter und Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über nötige Reformen im Bildungssystem, das Image des Lehrberufes und Eignungstests für Lehrer.<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Die Schüler in<br />
Deutschland starten in diesen Tagen in die Sommerferien, aber haben<br />
sich Lehrer und Bildungspolitiker eigentlich eine Pause verdient?<br />
Kanzlerin Merkel hat die „Bildungsrepublik Deutschland&quot;<br />
ausgerufen &#8211; endlich oder wieder einmal? Seit Jahrzehnten preist<br />
die Politik die Bildung als höchstes Gut im rohstoffarmen<br />
Deutschland &#8211; die Zuständen an den Schulen und die Leistungen<br />
der Schüler im internationalen Vergleich zeigen allerdings viel<br />
Mittelmaß und wenig Spitzenleistung. Für Kinder aus<br />
Familien ohne Bildungshintergrund und aus armen Schichten wird die<br />
Chance zum Aufstieg immer schwieriger, dabei müssten doch gerade<br />
sie mehr von der Schule bekommen. Was kann und muss heute Schule<br />
leisten? Dazu ist unser Gast heute Heinz-Peter Meidinger,<br />
Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und Schulleiter in<br />
Deggendorf. Herzlichen Dank Herr Meidinger, dass Sie Zeit für<br />
den Chat haben. Wir starten damit:</p>
<p><b>Pennaeler:</b> Was kann<br />
man dagegen tun, dass die Hauptschulen zu &quot;Restschulen&quot;<br />
werden?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/hmeidinger_klein.jpg" alt="Heinz-Peter Meidinger" height="212" width="250" /><br />
<i>Heinz-Peter Meidinger</i>
</div>
<p></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Es ist ganz wichtig, dass Hauptschulen eine enge<br />
Verbindung zu den späteren Berufsfeldern, also zu Firmen<br />
aufbauen. Eine Hauptschule ist dann erfolgreich, wenn sie ihre<br />
Absolventen gut auf Arbeitsplätzen unterbringt. Erfolgreiche<br />
Hauptschulen tun dies.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das löst in<br />
strukturschwachen Gebieten &#8211; zum Beispiel im Osten Deutschlands &#8211; das<br />
Problem aber nicht.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Im Osten Deutschlands gibt es inzwischen keine<br />
Hauptschulen mehr, dort existiert eine Art Zweigliedrigkeit: neben<br />
dem Gymnasium Mittelschulen, Regelschulen und Sekundarschulen. Auch<br />
da sollten allerdings verschiedene Abschlüsse angeboten werden.<br />
Man muss der Wirtschaft den Vorwurf machen, dass sie für viele<br />
Berufsbilder keine Hauptschüler mehr einstellt, obwohl sie dafür<br />
eigentlich geeignet wären.</p>
<p><b>Klassen-Kämpfer:</b><br />
Die PISA-Ergebnisse für Deutschland sind desaströs und es<br />
zeichnet sich im Bildungssektor keine Besserung ab? Was verhindert<br />
Ihrer Meinung nach echte (und schnelle!) Reformen im deutschen<br />
Bildungswesen? Ist der Föderalismus der Hemmschuh? Oder sind es<br />
verkrustete Denkmuster bei Lehrern, Bildungspolitikern und<br />
Kultusministerkonferenz?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Da muss ich zunächst einmal deutlich<br />
widersprechen. Bei PISA 2006 ist Deutschland im Bereich der<br />
Naturwissenschaften sogar in das beste Viertel der Teilnehmerländer<br />
vorgestoßen. Trotzdem haben wir natürlich weiter<br />
Reformbedarf. Gott sei Dank haben sich die Länder in der<br />
Kultusministerkonferenz auf gemeinsame Reformen verständigt:<br />
Bildungsstandards, Frühförderung, zentrale<br />
Abschlussprüfungen, bessere Integration von Migrantenkindern im<br />
Schulsystem.
</p>
<p>
<b>&quot;Das Bildungswesen ist unterfinanziert&quot;</b></p>
<p><b>Moderator</b>: Noch mal sehr grundsätzlich,<br />
bevor die Detaildiskussion kommt:</p>
<p><b>volltoll:</b> Macht man<br />
nicht einen Fehler, wenn man sich auf die endlose Diskussion über<br />
pädagogische Konzepte einlässt, solange bei den<br />
maßgeblichen Politikern keine Bereitschaft besteht, die<br />
Grundprobleme des deutschen Schulwesens auch nur zu diskutieren? Das<br />
wichtigste dieser Probleme ist doch, dass es in unserer merkwürdigen<br />
„Bildungsrepublik&quot; (Angela Merkel) schlicht an der Bereitschaft<br />
mangelt, auch das dringend benötigte Geld für unseren<br />
wichtigsten Rohstoff auszugeben. Der deutsche Bildungsetat liegt<br />
deutlich unter dem OECD-Durchschnitt! Die Folgen sind riesige Klassen<br />
und überforderte Lehrer, die zum großen Teil mit 50 Jahren<br />
reif für den Ruhestand sind.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Sie haben Recht, das deutsche Bildungswesen ist klar<br />
unterfinanziert. Allerdings ist ja nicht Frau Merkel, sondern die<br />
Länder sind gefordert. Hier gilt es, politischen Druck<br />
aufzubauen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das Problem Geldmangel existiert<br />
seit vielen Jahrzehnten &#8211; warum ist es bislang nicht gelungen, diesen<br />
politischen Druck zu erzeugen?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Es ist so, dass erst durch den PISA-Schock in<br />
Deutschland deutlich geworden ist, dass wir an unseren Schulen<br />
Probleme haben. Von der Analyse bis zur Problembehebung dauert es<br />
gerade in Deutschland leider ziemlich lange. Allerdings ist Bildung<br />
zum Top-Thema geworden, Politiker wissen, mit Bildung kann man Wahlen<br />
verlieren (Hessen). Deshalb habe ich Hoffnung, dass der Bildungsetat<br />
in allen Ländern mittelfristig deutlich aufgestockt<br />
wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Kommentar von:</p>
<p><b>Schnirk:</b><br />
Ich glaube, dass es bereits vorhandene Lösungen gibt, die unser<br />
Bildungssystem extrem verbessern könnten. Da unsere Politiker<br />
aber nicht bereit sind, ein wenig Geld in die Hand zu nehmen und<br />
Personal einzustellen, bleibt alles beim Alten. Ich unterrichte in<br />
Klassen mit 35 SchülerInnen und arbeite im Schnitt 80 Stunden<br />
und mehr in der Woche.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Wir haben natürlich neben der Unterfinanzierung<br />
auch das Problem des Lehrermangels. Derzeit wären viele<br />
Bundesländer durchaus bereit, mehr Lehrer einzustellen,<br />
allerdings finden sich kaum Bewerber. Dies ist nicht zuletzt eine<br />
Folge einer völlig verfehlten Personalplanung der<br />
Kultusbehörden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wie lange dauert es, um<br />
dieses Problem zu beheben?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Zum einen steigen derzeit die Studienanfängerzahlen<br />
im Lehramt wieder an. Allerdings gilt dies nicht für den Bereich<br />
der Naturwissenschaften. Entscheidend wird sein, inwieweit das Image<br />
des Lehrberufs wieder so verbessert werden kann, dass sich viele<br />
geeignete junge Leute dafür entscheiden.</p>
<p><b>Amish:</b><br />
Die Lehrerausbildung ist auch nicht mehr zeitgemäß,<br />
geschweige denn die Bezahlung. Wer geht schon freiwillig für<br />
einen Grund- und Hauptschullehrergehalt in eine Hauptschule?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich glaube, dass das Gehalt noch nie der<br />
hauptentscheidende Grund dafür war, Lehrer zu werden. Sie haben<br />
zwar Recht, dass Grund- und Hauptschullehrer besser bezahlt werden<br />
müssen, insbesondere steht ihnen auch ein Beförderungsamt<br />
zu. Wichtiger ist allerdings, dass das gesellschaftliche Ansehen<br />
dieses Lehrerberufs wieder steigt. Und dazu können alle etwas<br />
beitragen: Politik, Medien, und jeder einzelne von uns.
</p>
<p>
<b>&quot;Zentralisierung ist nicht die Lösung der Probleme&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Nochmal Kommentar von:</p>
<p><b>Schnirk:</b><br />
In Hessen wird zurzeit alles eingestellt, was nicht bei drei auf den<br />
Bäumen ist. Ob das der richtige Weg ist, mag ich bezweifeln.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich gebe Ihnen Recht, dass bei der Lehrereinstellung<br />
auf Qualität zu achten ist. Ich bin dagegen, dass wir jetzt alle<br />
Bewerber unabhängig von ihrer Qualifikation auf Beamtenstellen<br />
einstellen, obwohl Lehrermangel herrscht. Soweit möglich,<br />
sollten geeignete Nachqualifizierungsmöglichkeiten genutzt<br />
werden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Noch<br />
ein Kommentar:</p>
<p><b>Amish:</b> In<br />
Rheinland-Pfalz werden sogar Studierende, die erst kurz vor dem 1.<br />
(!!!) Staatsexamen stehen, als Vertretungslehrer eingestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Thema Geld und &quot;Bildungsrepublik Deutschland&quot;:</p>
<p><b>Flips:</b><br />
Klar ist Bildung Ländersache. Was halten sie denn von der<br />
stärkeren Beteiligung / Einmischung des Bundes, den Frau Merkel<br />
jetzt ja offensichtlich anstrebt?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich persönlich glaube, dass eine Zentralisierung<br />
der Bildungspolitik nicht der Schlüssel zur Lösung der<br />
Probleme ist. Was wir brauchen, ist ein echter Bildungswettbewerb im<br />
Föderalismus, den hatten wir nämlich bisher nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Also wäre die Antwort auf diese Frage aus Ihrer Sicht ein klares<br />
nein?</p>
<p><b>starlight:</b> Glauben Sie, dass ein weniger<br />
föderalistisches Bildungssystem, in dem die Entscheidungen vom<br />
Bund getroffen werden können, besser wäre?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich bin ein Anhänger des Föderalismus,<br />
allerdings heißt das auch, dass sich die Länder auf<br />
gemeinsame Standards und gemeinsame Bildungsinhalte verständigen<br />
müssen.<br />
Wenn dies gelingt, funktioniert auch der<br />
Bildungsföderalismus. Zentralismus birgt immer die Gefahr der Nivellierung nach unten.
</p>
<p>
<b>Meier:</b> Wie<br />
soll dieser Wettbewerb ins Leben gerufen werden?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Entscheidend ist, dass die Karten offen auf den Tisch<br />
gelegt werden. Ich meine den Ländervergleich im Rahmen von PISA,<br />
der ja vielen Ländern klare Hausaufgaben aufgibt. Es ist Aufgabe<br />
der Wähler, zu beobachten, ob die Landesregierungen ihre<br />
Hausaufgaben erledigen.
</p>
<p>
<b>Lehrer sollten Eignung in Tests beweisen</b></p>
<p><b>Elb:</b> Um nochmal auf die<br />
Lehrerausbildung zu sprechen zu kommen: Wäre nicht hier der<br />
Ansatzpunkt, um die deutschen Schulen qualitativ zu verbessern? In<br />
vielen Fällen sind Lehramtsstudiengänge nichts anderes als<br />
ein Magister- oder Bachelorstudiengang, dem man das eine oder andere<br />
Fachdidaktikseminar hinzugefügt hat. Wäre eine losgelöste<br />
Lehrerausbildung in eigenen Studiengängen nicht die sinnvollere<br />
Alternative?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Im Lehramtsstudium muss die Integration von<br />
Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft erfolgen.<br />
Dies ist nicht überall gelungen. Neben der Reform der<br />
Lehrerausbildung halte ich allerdings die Frage der Lehrerauswahl &#8211;<br />
also wie kann es gelingen, geeignete Bewerber zu finden &#8211; für<br />
ganz entscheidend. Ich bin für Eignungsfeststellungsverfahren<br />
für angehende Lehrer auf freiwilliger Basis. Es gibt<br />
Untersuchungen, die nachweisen, dass rund ein Drittel der<br />
Studienanfänger im Lehramt grundlegende dafür erforderliche<br />
Persönlichkeitsmerkmale nicht mitbringt. Darauf muss man<br />
reagieren.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Wie könnte so eine Prüfung (Eignungsfeststellungsverfahren)<br />
aussehen? Ein Gespräch beim Schulpsychologen?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Es gibt erste Ansätze an einzelnen Universitäten,<br />
z.B. in Zürich und Paderborn. Die sind sehr unterschiedlich, und<br />
das reicht von so genannten Assessmentcenter bis hin zu ausgefeilten<br />
psychologischen Fragebögen. Wichtig ist, dass dieses<br />
Eignungsfeststellungsverfahren durch intensive Beratung begleitet<br />
wird.</p>
<p><b>pr:</b> Wäre es<br />
sinnvoll, einheitliche Standards in allen Bundesländern für<br />
die Lehrerausbildung zu schaffen?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Da haben Sie vollkommen Recht. Es gibt zwar<br />
Vereinbarungen in der Kultusministerkonferenz, ich fürchte aber,<br />
dass wir im Zuge der Umstellung auf Bachelor und Master noch größere<br />
Unterschiede in der Lehrerausbildung zwischen den Ländern und<br />
zwischen einzelnen Universitäten bekommen als bisher. Es ist ein<br />
Witz, dass der Einsatz eines französischen Lehrers an einer<br />
deutschen Schule besser geregelt und einfacher ist, als der Wechsel<br />
eines deutschen Lehrers von einem Bundesland zum anderen.</p>
<p><b>Pepe:</b><br />
Was halten sie davon, Lehrer in den Schulferien zu Fortbildungen zu<br />
verpflichten?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Diese Möglichkeit gibt es bereits. Allerdings<br />
halte ich nach wie vor viel davon, dass Lehrer von sich aus sich für<br />
Fortbildungen motivieren und melden. Ansonsten wird nicht viel dabei<br />
herausspringen.
</p>
<p>
<b>Das Image der Lehrer verbessern</b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Ok. Zum Image für Lehrer, das ich für ein ganz wichtiges<br />
Thema halte. (Das ist übrigens vermutlich der Rekord für<br />
die bislang längste Frage im Chat &#8211; und keine Aufforderung,<br />
den zu brechen, bitte!)</p>
<p><b>Daniel:</b><br />
Derzeit ist, denke ich, das Image des Lehrerberufs einfach schlecht.<br />
Das liegt nicht nur an teilweise ungenügenden Finanzierung, also<br />
mangelnder Ausstattung, sondern hauptsächlich an der<br />
&quot;problematischen&quot; Zielgruppe. Es ist leider traurige<br />
Realität, dass bei unterschiedlichen Schulformen (Gymnasium,<br />
Realschule, Hauptschule) und damit häufig verbunden auch der<br />
steigende Anteil sozial schwächerer Schichten (Deutsche wie<br />
Ausländer), die Arbeitsbedingungen für Lehrer deutlich<br />
absinken. Das Thema ist sehr komplex und bedarf einer<br />
Berücksichtigung vieler Faktoren, dabei kommt man schnell von<br />
&quot;Hölzchen auf Stöckchen&quot;. Das Problem ist<br />
einfach, dass niemand &#8211; vor allem kein Politiker &#8211; sich vor die<br />
Öffentlichkeit stellen kann und ausspricht, wie die Realität<br />
aussieht: Die Probleme fangen schon bei der Kinderstube der<br />
Heranwachsenden an. Wenn hier der Umgang sowohl unter den Kindern als<br />
auch den Lehrern gegenüber zivilisierter wäre, würde<br />
die Attraktivität des Berufs automatisch steigen. Von welchem<br />
Politiker kann man aber verlangen, sich hinzustellen und von dem Volk<br />
zu verlangen &quot;Erzieht Eure Kinder vernünftig!&quot;. Danach<br />
wäre man als Politiker womöglich sehr schnell aus dem<br />
Rennen. Mängel in der Ausbildung unserer Lehrer will ich an<br />
dieser Stelle nicht ausschließen, aber das heute schwierige<br />
Umfeld für Lehrer schafft einfach keine Anreize mehr, sich<br />
überhaupt für diesen Beruf zu entscheiden.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Zweifellos ist das pädagogische Umfeld in der<br />
Schule schwieriger geworden. Trotzdem warne ich davor, den<br />
Lehrerberuf und seine Belastungen zu negativ darzustellen. Ich kenne<br />
viele Lehrerinnen und Lehrer, die nach wie vor sich für ihren<br />
Beruf und für ihre Schüler einsetzen und begeistern können.<br />
Was ist Schuld am schlechten Lehrerimage? Wir machen leider die<br />
Erfahrung, dass alle Berufe, die zu einem überwiegenden Teil von<br />
Frauen ergriffen werden, in der gesellschaftlichen Anerkennung<br />
sinken. Das liegt wohl daran, dass Männer verstärkt in so<br />
genannte Karriereberufe strömen, und der Lehrerberuf dazu nicht<br />
mehr gerechnet wird. Aber natürlich haben auch Politiker und<br />
Medien dazu beigetragen (&quot;Schröders faule<br />
Säcke&quot;).</p>
<p><b>Moderator</b>:<br />
Kommentar von: </p>
<p><b>Karl Meier:</b><br />
Ich bin angehender Lehrer und fühle mich von der Uni überhaupt<br />
nicht richtig auf den Beruf vorbereitet.
</p>
<p>
<b>Richie:</b><br />
Ich denke, dass Image der Lehrer ist differenziert, je nach Person zu<br />
sehen. Ich kenne Lehrerinnen und Lehrer der Rütli-Schule in<br />
Berlin, die ihren schweren Job gern machen und ihn als<br />
Herausforderung begreifen. Genauso wie es LehrerInnen gibt, die ihren<br />
Job nicht gern machen. Genauso wird das bei den Schülerinnen und<br />
Schülern dann je nach Person anders wahr genommen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Thema Problemschulen &#8211; das ist hier in Berlin ein Problem:<br />
Eigentlich müsste es doch so sein: In den Schulen in den<br />
„Problemvierteln&quot; müssten viel mehr Lehrer pro Klasse<br />
vorhanden sein, als in den Schulen in den übrigen Stadtteilen.<br />
Das klingt zwar vielleicht &quot;ungerecht&quot;, macht aber doch<br />
Sinn, oder?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Schulen<br />
mit schwierigen Rahmenbedingungen brauchen zusätzliche<br />
Ressourcen.
</p>
<p>
<b>turbotaste:</b><br />
An dieser Stelle ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn angehende<br />
Lehramtsstudenten erst einmal ein Praktikum an der ein oder anderen<br />
Schule absolvieren, sozusagen als pädagogische Hilfskraft;<br />
vielleicht sogar an verschiedenen Schulformen?</p>
<p><b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Das ist ein guter Vorschlag, der inzwischen in fast<br />
allen Bundesländern umgesetzt worden ist. Da gibt es<br />
Orientierungspraktika, die vor dem Studium abgelegt werden und<br />
studienbegleitende Praktika, im Grund- und Hauptstudium. Ich finde es<br />
auch wichtig, dass man nicht nur an seiner eigenen Schulform<br />
Erfahrungen sammelt, vielleicht sogar außerhalb der Schule in<br />
der Jugendarbeit von Kirchen, Sportvereinen etc.</p>
<p><b>Elternforum<br />
Bildung Dbr:</b> Was glauben Sie, sollten wir nicht mehr Personen<br />
unterschiedlicher Qualifizierung an den Schulen haben? Also mehr<br />
Lehrer, Assistent Teachers, Sozialarbeiter, Experten usw.?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Mit der Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium<br />
entwickelt sich diese Schulart immer stärker zur Ganztagsschule.<br />
An einer Ganztagsschule brauche ich zusätzliches Personal, für<br />
die Betreuung von Schülern. Leider gibt es dafür<br />
ausgebildetes Betreuungspersonal kaum.
</p>
<p>
<b>&quot;Bei schwierigen Kindern Eltern verstärkt mit einbeziehen&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zum Thema Schüler und Lehrer:</p>
<p><b>mango:</b><br />
Wie soll die Integration der Migrantenkinder genau ablaufen, werden<br />
dort nicht detaillierte Schulungen für die Lehrkräfte<br />
benötigt? In welcher Hinsicht sollen wir etwas beitragen, wenn<br />
tagtäglich Hunderte von Schülern keinen Respekt gegenüber<br />
ihren Lehrern haben?
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Die Integration von Migrantenkindern ist zunächst<br />
einmal ein gesamtgesellschaftliches Problem. In der Schule spiegeln<br />
sich die Versäumnisse einer völlig verfehlten bzw. nicht<br />
existenten Integrationspolitik. Trotzdem kann Schule natürlich<br />
gegensteuern. Zum einen benötigen wir mehr Lehrer mit<br />
Migrationshintergrund, die hier einen wertvollen Beitrag zur<br />
Integration der Schüler leisten können. Zum anderen setze<br />
ich große Hoffnungen in eine intensive Frühförderung<br />
vor der Schule. Kinder mit Migrationshintergrund sollten die deutsche<br />
Sprache soweit beherrschen, dass sie dem Unterricht folgen können,<br />
wenn sie eingeschult werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Das hilft allerdings erst in der Zukunft &#8211; und die frühe<br />
Förderung von kleinen Kindern ist immer noch nicht<br />
&quot;flächendeckend&quot; &#8211; pauschal gesagt. Wie hilft man den<br />
Lehrern, die heute Probleme mit schwierigen Schülern<br />
haben?</p>
<p><b>Heinz-Peter Meidinger</b>:<br />
Da gibt es ganz sicher kein Patentrezept. In dieser Frage können<br />
wir von anderen Ländern lernen, die in solchen Klassen oft<br />
mehrere Lehrer gleichzeitig einsetzen. Außerdem müssen bei<br />
schwierigen Kindern auch die Eltern verstärkt mit einbezogen<br />
werden.</p>
<p><b>müller:</b> Was halten Sie davon, Schüler<br />
als Betreuungspersonal auszubilden, wie es zurzeit in Rheinhessen<br />
umgesetzt wird (Projektname: SAMS)</p>
<p><b>Heinz-Peter Meidinger</b>:<br />
In bestimmten abgegrenzten Bereichen ist das durchaus sinnvoll. Zum<br />
Beispiel gibt es in vielen Ländern Tutoren-Systeme, bei denen<br />
sich ältere Schüler gezielt um jüngere Mitschüler<br />
kümmern. Schüler können allerdings Lehrer nicht<br />
ersetzen.</p>
<p><b>Moderator</b>:<br />
Dieses Statement ist schon ein paar Minuten her, passt aber zur<br />
Diskussion. Diese Entwicklung &#8211; in Berlin recht häufig &#8211; muss<br />
Lehrern doch eigentlich Angst machen.</p>
<p><b>lelloo:</b><br />
Also wir werden sicherlich in einen anderen Stadtteil ziehen, wenn<br />
unsere Kleine in die Schule kommt. Ich sehe da keine andere Chance.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Während bei den weiterführenden Schulen<br />
freie Schulwahl besteht, gilt im Grundschulbereich die so genannte<br />
Sprengel-Pflicht, das heißt, dass man sein Kind nur an einer<br />
bestimmten Grundschule anmelden kann. Dies führt dann zu dieser<br />
von Ihnen angesprochenen &quot;Fluchtbewegung&quot;. Ich<br />
bin durchaus der Auffassung, dass die Sprengel-Bildung zu überdenken<br />
ist. Wir haben in Frankreich zum<br />
Beispiel eine ganz extreme &quot;soziale Entmischung&quot; an<br />
Schulen, kurzum, an Schulen mit Migrantenanteil steigt dieser<br />
kontinuierlich an. Die Idee, Höchstgrenzen für<br />
Migrantenquoten einzuführen, halte ich allerdings auch für<br />
problematisch. Nur wenn Schulen durch Qualität überzeugen,<br />
und da gibt es auch viele Schulen mit hohem Migrationsanteil, können<br />
sie bestehen.
</p>
<p>
<b>&quot;Durchlässigkeit nach oben ist verbesserungsfähig&quot; </b>
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Noch ein Problem im dreigliedrigen deutschen Schulsystem:</p>
<p><b>fosbos:</b><br />
Also, ich habe mein Abitur gerade über die Fachoberschule<br />
gemacht und bin von der Hauptschule auf diese gewechselt. Was mich<br />
dabei stört ist, dass es Schülern schwer gemacht wird, von<br />
der Hauptschule auf höhere Schulen zu wechseln, obwohl man auch<br />
bei mir festgestellt hat, dass ich durchaus fähig war, auf eine<br />
höhere Schule zu wechseln. Im Gegenteil, man hat mir sogar<br />
abgeraten, nach dem Abschluss auf eine weiterführende Schule zu<br />
gehen. Ich finde, in dem Bereich sollte etwas unternommen werden.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich stimme Ihnen zu, dass die Durchlässigkeit<br />
unseres Schulsystems nach oben verbesserungswürdig ist.<br />
Allerdings hat eine Studie kürzlich festgestellt, dass 30<br />
Prozent der Hauptschüler noch höhere Abschlüsse<br />
erreichen und 25 Prozent der Realschüler ebenso. Dieser Anteil<br />
lässt sich allerdings noch steigern.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Schluss noch die Top-Frage aus unserem &quot;Warteraum vor dem<br />
Chat&quot;: </p>
<p><b>chance:</b> Ich selbst musste lange Zeit unter<br />
einem schlechten Bildungs-/Schulsystem und unter Menschen, die für<br />
den Beruf des Lehrers nicht geeignet waren und sind, leiden. Vor<br />
allem der Beamten-Status lockt Menschen an, die eher ihr<br />
Sicherheitsbedürfnis befriedigen wollen, als sich<br />
leidenschaftlich einer Tätigkeit als Lehrer zu widmen. Daher<br />
meine Frage: Halten Sie es für sinnvoll, das Beamtentum im<br />
deutschen Bildungssystem abzuschaffen? Was würden Sie sonst<br />
vorschlagen, um einerseits zu verhindern, dass Personen, die<br />
menschlich und psychisch völlig ungeeignet sind, diesen Beruf<br />
ergreifen, und andererseits jene aus dem Lehrerberuf ausschließen<br />
zu können, bei denen sich die fehlende Eignung leider erst<br />
während der Tätigkeit herausstellt? Sollten nicht erst mal<br />
Leistungsfähigkeit und Eignung der Lehrer besser getestet<br />
werden, bevor Sie diesen Beruf ergreifen dürfen?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Eignungstest wurde ja schon einiges von Herrn Meidinger gesagt.<br />
Wie steht es mit dem Beamtentum?</p>
<p><b>Heinz-Peter Meidinger</b>:<br />
Ich bin ein Befürworter eines stärker leistungsorientierten<br />
Beamtentums. Das heißt, gute Lehrer sollten auch besser bezahlt<br />
werden. Der Beamtenstatus verhindert immerhin, dass in Deutschland<br />
das amerikanische Hire-and-Fire-Prinzip Einzug hält und er<br />
sichert die Unabhängigkeit des Lehrers gegenüber dem<br />
Schulleiter wie auch den Schülern und Erziehungsberechtigten.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Damit ist unsere Stunde tagesschau-Chat leider schon wieder vorbei.<br />
Vielleicht hat dieser Chat ja geholfen, das Interesse am Lehrerberuf<br />
zu steigern. Mein Name ist Wolfram Leytz. Herzlichen Dank, Herr<br />
Meidinger, dass Sie Zeit für den Chat gefunden haben. Das<br />
Chat-Protokoll gibt es in Kürze auf den Webseiten von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. tagesschau.de wünscht noch<br />
einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Heinz-Peter<br />
Meidinger</b>: Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern für die<br />
lebendige Diskussion, bei der auch ich dazugelernt habe. Einen<br />
schönen Nachmittag!</p>
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