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	<title>Lewinsky-Affäre &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Lewinsky-Affäre &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Das Netz, der Ermittler, der Präsident und seine Praktikantin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christoph Bieber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Bill Clinton]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Starr]]></category>
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		<category><![CDATA[Monica Lewinsky]]></category>
		<category><![CDATA[Starr-Report]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsbericht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
Der Starr Report beschreitet neue Wege bei der Vermengung von Fernsehen und Internet. Das umfangreiche
Material über Präsidenten und seine Praktikantin wird so allmählich zum neue Infotainment-Format: das &#34;Hyperserial&#34;</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Der Starr Report beschreitet neue Wege bei der Vermengung von Fernsehen und Internet. Das umfangreiche<br />
Material über Präsidenten und seine Praktikantin wird so allmählich zum neue Infotainment-Format: das &quot;Hyperserial&quot;</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Der Starr Report auf dem Weg zum &quot;Hyperserial&quot;</b></span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Als am 11. September 1998 das amerikanische Repräsentantenhaus den<br />
Untersuchungsbericht zur Lewinsky-Affäre im Internet veröffentlichte, brach in<br />
den analogen wie digitalen Blätterwäldern das große Rauschen aus. Die Adresse<br />
<a href="http://www.house.gov/icreport">www.house.gov/icreport</a> führe zum &quot;Medienereignis des Jahrzents&quot; (taz), der<br />
Schriftsteller Stewart O´Nan erkannte darin den &quot;ersten historisch bedeutsamen<br />
Einsatz des World Wide Web&quot;, Entertainment Weekly bezeichnete den Bericht als<br />
&quot;herausragende Satire und Anzeige für Altoid-Pfefferminztabletten&quot;, das<br />
amerikanische Online-Magazin <a href="http://www.denizine.com/">Denizine</a> schließlich<br />
klassifizierte das HTML-Konvolut als &quot;größte frei zugängliche Porno-Site&quot;.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die nachfolgende Fernseh-Demütigung Bill Clintons durch die Übertragung der<br />
Video-Aufzeichnungen des Verhörs sowie die Veröffentlichung weiterer<br />
Materialien aus Kenneth Starrs Aktenschränken sorgte für die kontinuierliche<br />
Eskalation der Affäre, die schließlich in der formellen Einleitung des<br />
Impeachment-Verfahrens gegen den US-Präsidenten zu münden scheint.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Und auch in der deutschen Presse-Landschaft sorgt der Starr Report noch immer<br />
für Nachbeben. Drehte sich die Diskussion zunächst um die Trennung von<br />
Öffentlichkeit und Privatheit, geriet bald die Zukunft eines durch das<br />
Internet herausgeforderten Journalismus in den Mittelpunkt und inzwischen<br />
breitet sich allmählich<br />
Verwunderung und Bestürzung ob der Langlebigkeit der Affäre und der Paralyse<br />
der amerikanischen Politik aus.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Lebensdauer und die Reichweite der &quot;Zippergate&quot;-Affäre wurden zu einem<br />
nicht unbeträchtlichen Teil gerade durch die ausführliche Online-Publikation<br />
des Berichts erhöht. Eine aktuelle Betrachtung der Ereignisse muß daher auf<br />
mehr als nur die simple &quot;Ver-Öffentlichung&quot; durch den Sonderermittler Starr<br />
eingehen, sondern auch die Vielfalt der Online-Reaktionen erfassen, die den<br />
ursprünglichen Bericht in einem Sammelsurium aus Entgegnungen, Ergänzungen,<br />
Persiflagen, Kommentaren und Analysen haben aufgehen lassen &#8211; und<br />
selbstverständlich fehlen auch nicht die kommerziellen Trittbrettfahrer, die<br />
die schlüpfrige Materie als Werbeträger für eindeutige Web-Angebote nutzen.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Diese unübersichtliche Gemengelage hat es inzwischen mehr als problematisch<br />
werden lassen, von einer Instrumentalisierung oder gar &quot;Vergewaltigung des<br />
Mediums Internet&quot; zu sprechen &#8211; der Starr Report ist längst von einer<br />
Dokumentensammlung mit investigativem Anspruch zu einem vielfach verwobenen<br />
&quot;Hypertextkörper&quot; mutiert.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Woraus besteht nun die seit Anfang September stetig und mit wechselnder<br />
Intensität um je neue &quot;Körperteile&quot; erweiterte Datenmenge?<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Waren die präsidentellen<br />
<a href="http://www.whitehouse.gov/WH/New/html/clinton9-12.html">&quot;rebuttals&quot;</a> aus dem Weissen Haus<br />
lediglich ein matter Reflex auf die detailreichen Starr-Aufzeichnungen, hat<br />
sich inzwischen ein kleiner Kosmos von guten und schlechten, informativen und<br />
verwirrenden, privaten wie kommerziellen Web-Sites entwickelt. So verhilft<br />
etwa die Nischen-Suchmaschine gomonica.com zum Einstieg in die Welt von Bill,<br />
Monica, Kenneth und anderen Mitwirkenden. Unter der Adresse starrsearch.com<br />
bereitet eine &quot;Lesehilfe&quot; den umfangreichen Berichtstext nach Schlagworten<br />
häppchenweise auf und erlaubt auch statistische Auswertungen nach<br />
Worthäufigkeiten.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Offenbar hat die besonders die Form der Aufbereitung des Berichts mit Hilfe<br />
ausführlicher Erzählpassagen (&quot;narratives&quot;) eine literarische Weiterführung im<br />
Web herausgefordert: So hat das renommierte digitale Erotikmagazin<br />
<a href="http://www.nerve.com/JacksNaughtyBits/StarrReport/">nerve°</a> den Text auf die Passagen der<br />
&quot;sexual encounters&quot; von Bill und Monica beschränkt, inzwischen buhlt auch eine<br />
erste auf dem Untersuchungsbericht basierende &quot;<a href="http://www.worldleader.com/erotica">erotic novel</a>&quot;, um die Gunst der<br />
Leser.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Allerdings findet im Netz auch eine journalistische Auseinandersetzung mit dem<br />
Thema statt, und dies auf breiter Front: Renommierte Eckpfeiler politischer<br />
Online-Nachrichtenservices wie <a href="http://www.cnn.com/ALLPOLITICS/resources/1998/lewinsky">allpolitics.com</a><br />
oder die Microsoft-Publikation <a href="http://www.slate.com/">Slate</a> haben dem Starr Report ausführliche Analysen und<br />
Kommentare gewidmet. Ein echtes Web-Glanzlicht liefert das &quot;Clinton/Starr<br />
Transcript&quot; &#8211; das New Yorker Online-Magazin<br />
<a href="http://www.feedmag.com/essay/es112_master.html">&quot;Feed&quot;</a> hat das Verhör des Prasidenten in<br />
einen Chat-Room verlegt und liefert mit einem köstlichen Mitschnitt den<br />
augenzwinkernden Ausblick auf den investigativen Journalismus von übermorgen.<br />
Nicht zuletzt hat die umstrittene Veröffentlichung der Story über eine<br />
außereheliche Beziehung des republikanischen Abgeordneten Henry Hyde durch das<br />
kalifornische Online-Magazin <a href="http://www.salonmagazine.com/news/1998/01/23list.html">&quot;Salon&quot;</a><br />
eine handfeste Debatte um<br />
journalistische Ethik vom Zaun geborchen, die zudem den wachsenden<br />
Konkurrenzkampf zwischen Offline- und Online-Medien unstreicht.<br />
In diesem Daten-Dschungel ist ein &quot;Über-Blick&quot; schlichtweg nicht mehr möglich,<br />
stattdessen finden die Online-Leser ganz verschiedene Einstiege in ein Gewebe<br />
aus Texten ganz unterschiedlicher Provenienz. Deren eigentlicher Mittelpunkt<br />
bezieht sich auf den vom &quot;Autorenteam&quot; um Kenneth Starr vorgegebenen &quot;plot&quot;,<br />
zieht eine große Zahl von Lesern an, hat längst ein komplexes Eigenleben<br />
entwickelt und ist so allmählich zu einer eigenständigen Textsorte mutiert &#8211;<br />
sie trägt die Züge eines ersten populären Online-Romans.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Diese in den USA zunehmend Verbreitung findende Einschätzung hat auch schon zu<br />
ersten Versuchen einer &quot;textuellen Analyse&quot; geführt &#8211; Annalee Newitz zieht das<br />
Konzept der Intertextualität zur Einordnung des Reports heran (New York Press,<br />
7.-13. Oktober 1998). Sie stellt zunächst eine Verbindung des Starr Reports<br />
mit der Telefonsex-Novelle &quot;Vox&quot; von Nicholson Baker her &#8211; Monica Lewinsky hat<br />
dem Präsidenten das Buch in einem &quot;jetzt berühmt-berüchtigten Moment&quot; (Newitz)<br />
geschenkt. Über diesen textuellen Querverweis gelangt die Autoren zu dem<br />
Schluß, daß der &quot;Starr Report zeigt, wie die 90er Jahre der Entwicklung neuer<br />
Formen massenmedial vermittelter Sexualität Vorschub geleistet haben. Einer<br />
Sexualität, die die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, zwischen<br />
Sex und Nicht-Sex in Frage stellt.&quot; Der unterhaltende Wert des Starr Reports<br />
ergebe sich somit aus dem &quot;Drama um juristische Spitzfindigkeiten&quot; und der<br />
Frage, ob Clinton seinen &quot;präsidentellen Hintern durch ein juristisches<br />
Schlupfloch quetschen kann&quot;.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Offenbar kommen Impulse für eine weitergehende Analyse des noch immer eifrig<br />
fortgeschriebenen &quot;Starr Hypertext&quot; derzeit eher aus der Literatur- als aus<br />
der Politikwissenschaft. Aufschlußreich könnte auch das Konzept des<br />
&quot;<a href="http://web.mit.edu/jhmurray/www/HOH.html">Hyperserial</a>&quot; sein, das Janet Murray entwickelt hat &#8211; sie ist Direktorin des<br />
&quot;Program in Advanced Interactive Narrative Technology&quot; am Massachussetts<br />
Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Dieses Erzählformat gründet auf das<br />
sukzessive Zusammenwachsen alter und neuer Medienumgebungen und kombiniert<br />
erzähltechnische Anleihen aus Fernsehsendungen mit den<br />
Darstellungsmöglichkeiten des Internet. Ein Hyperserial besteht laut Murray<br />
etwa aus &quot;Tagebucheinträgen, Fotoalben, telefonischen Nachrichten, aber auch<br />
aus Dokumenten wie Geburtsurkunden, juristischen Materialien oder<br />
Scheidungsunterlagen&quot;. Der Clou des Hyperserials liegt jedoch im<br />
multiperspektiven Zugang zur eigentlichen Story: &quot;Auch kleinere Charaktere<br />
werden zu potentiellen Protagonisten ihrer eigenen Geschichten, und bieten<br />
somit alternative Handlungsstränge, die den ursprünglichen plot erweitern.&quot;<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Streifzug durch die Web-Welt des Starr Hypertextes bestätigt bereits<br />
jetzt, nur fünf Wochen nach der digitalen Erstveröffentlichung des<br />
Untersuchungsberichtes, daß zahlreiche Elemente eines &quot;Hyperserials&quot; vorhanden<br />
sind &#8211; ein stetig wachsendes &quot;virtuelles Autorenteam&quot; bastelt für eine große<br />
Lesergemeinde am weitverzweigten Online-Storyboard um Ermittler, Präsident und<br />
Praktikantin. Wie diese Geschichte enden wird, ist noch lange nicht klar, die<br />
nächsten Kapitel werden es zeigen &#8211; und die werden offline wie online<br />
geschrieben.</span></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Infoholiker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christoph Bieber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Lewinsky-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Matt Drudge]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
Der Netz-Journalist Matt Drudge hat die Lewinsky-Affäre erst ins
Rollen gebracht. Ein Portrait des digitalen <i>enfant terrible</i>.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Der Netz-Journalist Matt Drudge hat die Lewinsky-Affäre erst ins<br />
Rollen gebracht. Ein Portrait des digitalen <i>enfant terrible</i>.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">&quot;Information will frei sein.&quot; &#8211; Der von John Perry Barlow<br />
geprägte Satz ist für Matt Drudge offenbar Gesetz. Wie niemand<br />
sonst steht der Nachrichten-Newcomer und Herausgeber des berühmt<br />
-berüchtigten <a href="http://www.drudgereport.com/">Drudge Report</a><br />
für den Ausbruch und die Zuspitzung eines Konfliktes zwischen<br />
Offline- und Online-Welt,in dem es um nichts Geringeres zu gehen<br />
scheint als um die Zukunft des Journalismus.+<br />
</span></span>
</p>
<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="120">
<tbody>
<tr>
<td width="120"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/archiv/koepfe/drudge/images/drudge.jpg" alt="Matt Drudge?" border="1" height="143" hspace="0" vspace="0" width="120" /></td>
<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#e0e0e0"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,Helvetica; color: #333333"><br />
			Matt Drudge?</span></td>
</tr>
<tr>
		</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Deutschland erst durch die Erstveröffentlichung der <a href="http://www.spiegel.de/netzweltarc/jump.phtml?channel=netzweltarc&amp;rub=02&amp;cont=themen/clinton_affaere.html">Clinton-Lewinsky-Affäre</a><br />
ins Blickfeld geraten, hat Matt Drudge seit 1996 für einigen Aufruhr in der alten und neuen amerikanischen<br />
Medienszene gesorgt.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dem bleichen, stets leicht zerknittert wirkenden gefährlichsten <a href="http://www.penthousemag.com/promo/drudge/">Journalisten Amerikas</a> waren bereits einige<br />
&quot;scoops&quot; geglückt: So konnte er 1996 als erster die Wahl von Jack Kemp zum &quot;running mate&quot;<br />
des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole vermelden, berichtete im Januar 1997<br />
über die Gagenforderungen von US-Comedystar Jerry Seinfeld und schlug im August die großen<br />
TV-Networks im Rennen um die Erstveröffentlichung des Todes von Lady Di &#8211; um ein paar Minuten.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Allerdings hat sich Drudge auch kapitale Fehlschläge geleistet, die maßgeblich zu seinem<br />
Ruf eines ebenso schlampigen wie skrupellosen Boulevardjournalisten und Gerüchtekochs<br />
beitrugen. Sein Hinweis auf eine Tätowierung Bill Clintons gehört ebenso ins Reich der<br />
Spekulation wie die Meldung vom Super-Merger der verfeindeten Firmen Netscape und Microsoft.<br />
Die gefährlichste Online-Ente war jedoch die Anschuldigung, der Clinton-Berater Sidney<br />
Blumenthal schlage seine Frau. Daraus resultierte eine Verleumdungsklage in Höhe von<br />
30 Millionen Dollar &#8211; doch der eilfertige &quot;Internet-Reporter&quot; erhält dabei Rückendeckung<br />
vom konservativen Center for the <a href="http://www.cspc.org/">Study of Popular Culture</a>,<br />
das auch das &quot;Matt Drudge Information Center&quot; unterhält. Die Klage aus<br />
dem Weissen Haus bereitet Drudge denn auch wenig Grund zur Sorge &#8211;<br />
schließlich kennt er die Spielregeln der Informationsgesellschaft nur<br />
zu gut: Der Fall Blumenthal ist für ihn eine ständig sprudelnde Quelle<br />
der Aufmerksamkeit.<br />
Überhaupt zelebriert Matt Drudge eine neuartige &quot;Lebensform in der<br />
Informationswelt&quot;: </span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Sein kleines Appartment in Los Angeles ist angefüllt mit mehreren Computern, Fernsehern<br />
und Telefonleitungen &#8211; der Umgang mit den exorbitanten Datenmengen, die auf<br />
unterschiedlichen Kanälen in seine Schaltzentrale strömen, hat bei vielen einen<br />
bleibenden Eindruck hinterlassen. Das &quot;geekatorium&quot; versorgt den &quot;Infoholiker&quot;<br />
mit dem Rohstoff für seine Arbeit &#8211; Drudge setzt sich freiwillig einer Informationsflut<br />
aus, die andere umgehend in die Flucht schlagen würde und auch bei <a href="http://www.salonmagazine.com/june97/media/media970627.html">Journalistenkollegen</a> Ehrfurcht auslöst .<br />
Die gleichzeitig laufenden Fernseher zeigen CNN, MSNBC oder andere Nachrichtenkanäle,<br />
dazwischen quäken Talk-Radio und Polizeifunk &#8211; Drudge klickt sich in diesem Infogewitter<br />
durch die Web-Sites amerikanischer Tageszeitungen oder wirft einen Blick auf seinen<br />
elektronischen Hochleistungs-Briefkasten, der täglich mit vierstelligen Eingangszahlen<br />
zu kämpfen hat.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dieses &quot;Leben in der Information&quot; kennzeichnet den Arbeitsstil von Matt Drudge und<br />
verleiht ihm die Aura eines prototypischen Internet-Reporters. Der Online-Kollege<br />
<a href="http://www.wired.com/news/news/culture/story/9829.html">Steve Silberman</a> sieht in<br />
Drudge gar die Verkörperung des Internet: &quot;Drudge was the Internet &#8211; a walking homunculus<br />
of alt.fan-dom, conspiracy sniffing, and &quot;unofficial&quot; celeb-dish Web sites. Matt Drudge<br />
was the future, an embodiment of a frantic, redundantly networked world in which everyone<br />
knows everything at once &#8211; even things that aren&#8217;t true.&quot;<br />
Drudge versendet die Resultate seiner Informationssucht per e-mail, plaziert sie auf seiner<br />
vielgelesenen Web-Site und bietet sie zusätzlich über den Online-Dienst AOL an. Dabei nutzt<br />
Drudge, häufig als &quot;Ein-Mann-Medien-Imperium&quot; bezeichnet, die medialen Eigenheiten<br />
des Internet: Er nimmt die Tatsache ernst, daß jeder Netzteilnehmer zugleich Sender<br />
und Empfänger sein kann &#8211; und baut sich so ein virtuelles Korrespondentennetz auf.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Nur auf diese Weise kann der als &quot;Einzelkämpfer&quot; apostrophierte Drudge in den<br />
Informationsfluten bestehen &#8211; als Spitze eines Eisbergs aus Neugier, Gerüchten,<br />
Indiskretionen, Lügen und Wahrheiten. So kassiert er die Lorbeeren für die Erfolge<br />
gemeinschaftlicher Enthüllungen, muß aber auch bei Fehlern den Kopf hinhalten.<br />
Das Beispiel Drudge scheint in den USA bereits Schule zu machen. Neben zahlreichen &#8211;<br />
zuweilen bösen &#8211; <a href="http://dir.yahoo.com/News_and_Media/Journalism/Journalists/Drudge__Matt___Drudge_Report/Parodies/">Parodien</a>,<br />
gibt es auch ganz ernsthafte Nachahmer. Doch Camille Paglia, die in ihrer Online-Kolumne den &quot;kühnen, unternehmerischen,<br />
informationsorientierten Aussenseiter&quot; Drudge gar als erfrischendes &quot;rolemodel&quot; für<br />
langweilige amerikanische Einheitsstudenten sieht, dürfte gar nicht gefallen, was<br />
<a href="http://www.lukeford.com/">Luke Ford</a> veranstaltet. Der 32jährige Kalifornier stilisiert sich als<br />
&quot;Matt Drudge der amerikanischen Sex-Industrie&quot; und führt den noch jungen Online-Journalismus<br />
in die nächsten  <a href="http://www.feedmag.com/frames.html?url=%27article/document25.shtml">Untiefen</a><br />
</span></span>
</p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Damit wäre die Frage nach der Übertragbarkeit des Modells Drudge aufgeworfen: Der Erfolg seiner<br />
Rolle als &quot;Informationsschleuder&quot; ist aufgrund einer festen Einbindung in elementare Strukturen<br />
des Internet mit der &#8211; inhaltlichen wie technischen &#8211; Leistungsfähigkeit der medialen Umgebung<br />
verbunden. Matt Drudge konnte sich in den USA vor allem deshalb schnell innerhalb der<br />
Medienwelt positionieren und etablieren, weil er sich ähnlich wie ein Virus in einer immer<br />
besser funktionierenden Wirtsumgebung eingenistet hat. Und bislang scheint nur die<br />
amerikanische Online-Szene ausreichend groß und gefestigt, um einen &quot;Infoholiker&quot;<br />
wie Matt Drudge durchfüttern zu können.</span></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Eine interaktive Farce</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/eine_interaktive_farce-719/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[adersch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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		<category><![CDATA[Bill Clinton]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Große Politik wird in den USA zur Zeit nur im
Internet betrieben</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Große Politik wird in den USA zur Zeit nur im<br />
Internet betrieben</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Während die Menschen in Rußland gerade von einer<br />
existentiellen Wirtschafts- und Staatskrise<br />
heimgesucht werden, dreht sich auf der politischen<br />
Bühne Amerikas alles nur noch um die<br />
Monika-Lewinsky-Affäre. Diese findet ihren Höhepunkt<br />
in der Online-Version des Starr-Berichts, in dem<br />
peinlich genau nachzulesen ist, wie Bill und Monika es<br />
miteinander tun. &quot;Politik verdirbt den Charakter&quot; schrieb<br />
Eugen Sierke 1882 und wenn man&#8217;s gar so moralisch<br />
nimmt, dann hat Bill Clinton eben einen schlechten<br />
Charakter. Who cares? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Ist diese Affäre denn schon Grund genug, wochenlang<br />
nichts anderes zu tun, als eine Bettgeschichte aus<br />
demselben zu reißen und die beiden Akteure auf die<br />
politische Bühne zu zerren? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Man könnte ja jetzt ganz böswillig behaupten, daß<br />
dieses Land seit Wochen faktisch ohne politisches<br />
Tagesgeschäft auskommt. Das ist enorm. Wo bleibt<br />
der zwingende Grund für die so eingehende<br />
Beschäftigung von Sonderermittler Starr und dem<br />
amerikanischen Parlament mit der Promiskuität Bill<br />
Clintons? Ist denn der Kausalnexus zwischen Bett und<br />
Politik überhaupt vorhanden? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Politisch ist die ganze Angelegenheit aber irgendwie<br />
doch, denn der Untersuchungsbericht bewirkt im<br />
Internet genau das, was die große Politik schaffen soll:<br />
Sie bewegt die Massen. Und: Jeder kann mitreden.<br />
Wann kann der amerikanische Durchschnittsbürger<br />
sonst schon mal von sich behaupten, politisch auf dem<br />
neusten Stand der Dinge zu sein? Im Moment ist er&#8217;s.<br />
Dazu tragen pikante Details en masse bei, die durch<br />
das reichweitenstarke Medium Internet an den Mann<br />
und an die Frau gebracht werden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Kenneth Starr gebraucht das Internet als Folie, um am<br />
Stimmungsbarometer zu drehen; das bisher hohe<br />
Ansehen Clintons in der amerikanischen Öffentlichkeit<br />
empfindlich zu treffen. Und mehr noch: Mit dem<br />
Onlinegang des Untersuchungsberichts liest die ganze<br />
Weltöffentlichkeit im Kanon mit. Dies sind grobe Miiel,<br />
die tatsächlich nichts auslassen. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Hier wird ein Medium vergewaltigt, daß jedermann mit<br />
dem nötigen Know-How bedienen und gestalten kann,<br />
ohne daß es von Objektiven geprüft worden ist. Und<br />
ach, in Rußland konstatiert der neue Ministerpräsident<br />
Primakov vor der Duma, sein erstes Ziel sei der &quot;Erhalt<br />
der Einheit Rußlands&quot;, den er gefährdet sieht, aber das<br />
ist ja nur die kleine Politik.</span></p>
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		<title>Zoten für alle Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[pglotz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Lewinsky-Affäre]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Was die live übertragene Mondlandung fürs
Fernsehen war, ist der Starr-Report für das
Internet ­ die große Medien-Wende</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Was die live übertragene Mondlandung fürs<br />
Fernsehen war, ist der Starr-Report für das<br />
Internet ­ die große Medien-Wende</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Große Medien-Wenden (wie die, die von den<br />
beweglichen Lettern des Johannes Gutenberg<br />
ausgelöst wurde) setzen sich in vielen revolutionären<br />
Einzelschritten durch, die die Zeitgenossen nicht sofort<br />
als revolutionär erkennen. Das ist heute nicht anders<br />
als zu Gutenbergs Zeiten. Am vergangenen<br />
Wochenende war es so weit: Die Publikation des<br />
Starr-Reports im Internet ist einer der großen<br />
Durchbrüche in die Computer-Galaxis. Das Internet<br />
wird zum Massenmedium.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Nachdem bekannt geworden war, dass der mit bizarren<br />
Details aus dem Intimleben von Präsident Clinton<br />
gespickte 445- Seiten-Wälzer des Oberanklägers<br />
Kenneth Starr auf Beschluss des Kongresses ins Netz<br />
gestellt worden sei, verwies das Leitmedium unserer<br />
Zeit ­ immer noch das Fernsehen ­ gebannt auf den<br />
neuen Konkurrenten, das Netz der Netze, den großen<br />
Prototyp künftiger Punkt-zu-Punkt-Kommunikation: das<br />
Internet.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die CNN-Korrespondentin Sandy Crowley blätterte<br />
aufgeregt in den Intranet-Seiten des Kongresses,<br />
öffnete Hyperlinks und meldete bald darauf, der Report<br />
läge auch auf der Homepage von CNN. Damit begann<br />
der break-through day: Mit 340 000 Zugriffen in der<br />
Minute meldete CNN einen neuen Rekord. Bald hatten<br />
4 Millionen Menschen allein auf den Server des<br />
Kongresses zugegriffen. Fotokopierläden machten<br />
Extragewinne; sie verlangten 40 Dollar für eine Kopie<br />
des Dokuments. Ein Wunder, dass das Netz nicht<br />
zusammenbrach. Am Ende hatten sich unendlich viel<br />
mehr Menschen die Information, nach der sie gierten,<br />
besorgt, als dies auf konventionellem Wege geschehen<br />
wäre. Wer lässt sich solche ­ dazu noch anrüchige ­<br />
Papierstapel schon per Post ins Haus schicken?  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Kein Zweifel, dass der Kongress eine bewusste<br />
Entscheidung getroffen hatte. Schon vor einiger Zeit<br />
hatte man mit einem vergleichbaren Coup schlagartig<br />
Publizität erreicht: Man stellte 39 000 Seiten<br />
Geheimdokumente der Zigaretten-Industrie ins Netz.<br />
Auch hier war das, was man früher ,die Auflage&quot;<br />
nannte, sensationell: 500 000.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die Amerikaner sind Medienoptimisten. Sie halten den<br />
Menschen für aufklärbar. Endlich seien die Bürger, so<br />
Christopher Feola vom American Press-Institute, nicht<br />
mehr auf die traditionellen Medien angewiesen, um sich<br />
ihr eigenes Urteil in einem so schwer wiegenden<br />
Prozess wie einem (möglichen)<br />
Amtsenthebungsverfahren gegen einen Präsidenten zu<br />
bilden. Die Publikation des Starr-Reports im Internet ist<br />
ein Ausfluss des amerikanischen Radikalismus in<br />
Sachen Meinungsfreiheit.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Natürlich hat diese Entscheidung des Kongresses<br />
auch scharfe Kritik ausgelöst. Es sei mehr als pervers,<br />
die Sexgewohnheiten eines Menschen ­ und sei es der<br />
amerikanische Präsident ­ minutiös zu dokumentieren<br />
und dann millionenfach zu verbreiten. Die erotischen<br />
Abenteuer Bill Clintons als primäre Quelle unmittelbar<br />
verfügbar zu machen, und zwar für neugierige<br />
Erotomanen genauso wie für die zuständigen<br />
Staatsanwälte oder Saddam Hussein, sei eine ganz<br />
und gar verwerfliche Zerstörung der Privatsphäre. Die<br />
neuartige Technik der computervermittelten<br />
Kommunikation fördere die Demokratie nicht etwa,<br />
sondern zerstöre sie.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Diese Kritik ist falsch adressiert. Für ,pervers&quot; mag<br />
man erklären, dass das politische System der<br />
Vereinigten Staaten 40 Millionen Dollar dafür<br />
aufwendet, um einen Tugendterroristen wie Kenneth<br />
Starr in die Lage zu versetzen, das Privatleben des<br />
Präsidenten auszuforschen. Clinton ist ein tüchtiger<br />
Politiker und gleichzeitig ein untreuer Ehemann und<br />
geschmackloser Maniac. Besser so als umgekehrt.<br />
Das Interesse freier (und kapitalistisch organisierter)<br />
Medien am Privatleben prominenter Figuren der<br />
Zeitgeschichte kann man nur schwer unterbinden,<br />
wenn man die Meinungs- und Pressefreiheit nicht<br />
einschränken will. Dass man die Ausforschung des<br />
Privatlebens von Politikern aber auch noch mit<br />
Millionen von Dollar fördert, ist die falsche Konsequenz<br />
aus den schlechten Erfahrungen, die die USA im<br />
Watergate-Skandal gemacht haben. Vielleicht sollte<br />
man in Washington den Kerl in die Wüste schicken,<br />
der in seinem Bericht 164-mal das Kürzel ,Sex&quot;,<br />
64-mal den Begriff ,Genital&quot;, 62-mal das Wort ,Brüste&quot;,<br />
23-mal ,eine Zigarre&quot; und nur 15-mal den Terminus<br />
,Impeachment&quot; erwähnt hat.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Es macht aber keinen Sinn, das Internet zu<br />
verdammen, weil es auch fragwürdige Dokumente<br />
blitzschnell und millionenfach verbreiten kann. Mit Hilfe<br />
von Satelliten lassen sich Truppenbewegungen von<br />
Aggressoren schon im ersten Ansatz entlarven. Mit<br />
ihren Personalcomputern konnten oppositionelle<br />
Studenten die Brutalitäten der indonesischen Polizei<br />
zeitgleich ihren Kommilitonen in Berkeley übermitteln.<br />
Aber natürlich kann man mit Satelliten auch<br />
Industriespionage betreiben und Personalcomputer für<br />
Kinderpornografie benutzen. Gesellschaften sollten<br />
eine Kommunikationskultur entwickeln, die die<br />
Menschen befähigt, mit den schnellen Medien der<br />
Computer-Galaxis sinnvoll umzugehen. Die pathetische<br />
Verurteilung der neuen Medien aber nützt gar nichts.<br />
Ja, man kann sie sowohl zur Aufklärung als auch zur<br />
Desinformation benutzen. Das allerdings war bei den<br />
Einblatt-Drucken und den moralischen<br />
Wochenschriften nicht anders.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die modernen Gesellschaften müssen sich damit<br />
abfinden, dass sie inzwischen ,Medien&quot;, also<br />
technische Instrumente, geschaffen haben, die<br />
unendlich wirksamer sind als ihre Vorläufer in<br />
vergangenen Jahrhunderten. Das gilt für Cruisemissiles<br />
wie fürs Internet. Nicht Kulturkritik ist angesagt,<br />
sondern das systematische Bemühen um<br />
Medienkompetenz. Im Übrigen ist das amerikanische<br />
Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Bürger allemal<br />
demokratischer als der europäische Ekel vor der<br />
Neugier und dem Zerstreuungsbedürfnis der Menschen. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die politische Kultur wird von der großen<br />
Medien-Wende allerdings nachhaltig verändert, das ist<br />
wahr. Die Welt wird, ob wir das schön finden oder<br />
nicht, transparenter, die schweigenden, ehrfürchtigen<br />
Massen bekommen einen Rückkanal und werden<br />
freche Fragen stellen. Möglicherweise muss man<br />
Präsidenten wählen, die während ihrer Amtszeit die<br />
Badezimmer ihrer Amtssitze nur zum Baden benutzen.<br />
Wahrscheinlich wird in der Zukunft kommunikative<br />
Kompetenz wichtiger sein als Scharfsinn und Bildung.<br />
Es hat aber wenig Zweck, darüber zu greinen und zu<br />
jammern. Wenigstens das könnte man von Karl Marx<br />
gelernt haben: Auch die allermoralischsten Wünsche<br />
werden am ökonomischen Mechanismus und an der<br />
technischen Innovation zu Schanden.</span></p>
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