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	<title>Libanonkrieg &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Libanonkrieg &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Der Libanonkonflikt in Video-Warblogs und Web 2.0</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Während der Libanonkonflikt immer aufs neue eskaliert, bilden sich im Netz neue Formen für den Umgang mit der Krise. Kriegsgegner und Propagandisten, aber auch Nachrichtenangebote entdecken den Nutzen von Web 2.0 für ihre Zwecke.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Sonne geht auf in der Wüste. Junge Männer binden sich in Zeitlupe ihre Schnürsenkel, im Hintergrund spielt ruhige Musik. Doch dann starten Kampfjets in der Morgensonne, explodieren Bomben in Gegenden, die offensichtlich von Zivilisten bewohnt sind. Und die jungen Männer, die Soldaten sind, bahnen sich ihren Weg durch Städte, die in Trümmern liegen. Im Hintergrund singt jemand: „Brothers in arms“.</p>
<p>Doch nicht nur wie<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Wahd2piIr4Q&amp;feature=PlayList&amp;p=BB8C6A9D2201568E&amp;index=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Filme wie dieser</a>, die aus der Propagandaabteilung des israelischen Militärs stammen, sondern auch Friedensaufrufe finden sich auf der Videoplattform YouTube<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/results?search_type=search_videos&amp;search_sort=relevance&amp;search_query=Israel%2BLebanon%2BStop%2BWar&amp;search=Search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zuhauf</a>. Zahlreiche Videos tragen die Titel: „Stop the War“. Und nicht nur Aufnahmen aus dem Libanon fordern ein Einschreiten der Vereinten Nationen, sondern auch Videos von Demonstrationen aus aller Welt. Mit diesen Videos sprechen die Netizens eine deutliche Sprache. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah hat sich im Netz eine Bewegung formiert, die neue Beteiligungsformen des Internet in ihrem Sinne nutzt. Während die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/extremismus/hkirchner_intifada.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cyberintifada</a> noch vor einigen Jahren vor allem die Störung und Zerstörung israelischer Websites zum Ziel hatte, also auf der technischen Ebene agierte, zeigen sich durch die<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/pbihr_grundlagen_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web 2.0-Angebote</a> neue Möglichkeiten auf der inhaltlichen Ebene aktiv zu werden. Durch neue Technologien und technische Vereinfachung haben sich interaktive Plattformen entwickelt, von denen flickr.com, youtube.com und wikipedia.org nur die bekanntesten sind.</p>
<p>                            <strong>Meinungen weltweit verbreiten</strong></p>
<p>Natürlich werden diese Plattformen auch von Usern genutzt, die in Krisengebieten wie dem Nahen Osten leben. Dort sind diese Angebote oftmals eine willkommene Chance, weltweit mit einer hohen Anzahl an Usern zu kommunizieren und Meinungen zu verbreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Videoplattform YouTube zu den Schlagworten Lebanon und Israel und War über 1000 Videos anzeigt. Unter ihnen finden sich nicht allein Friedensaufrufe wie das eingangs beschriebene Video, sondern auch<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mMt5oKwrxiQ&amp;mode=related&amp;search=" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nachrichtenmitschnitte</a> und Korrespondentenberichte, minutenlange Statements von muslimischen Gemeindevertretern und kurze Animationsfilme. Einer davon<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Jj_b5f5mbv4&amp;mode=related&amp;search" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beschreibt</a> die Gewaltspirale im Nahen Osten kurz aber eindeutig und stellt am Ende die Frage „Was würdest DU tun??“</p>
<p>Die Grenze zwischen Betroffenheit und Propaganda ist bei YouTube jedoch durchaus fließend, wie die Videos des Nutzers „Obession: The Movie“ deutlich machen. Unter diesem Namen versucht ein Regisseur, für seinen zumindest fragwürdigen Film über Islamismus und Terror eine Vertriebsfirma zu suchen. Er hat zahlreiche<br />
                            <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uHbV5CSj51I" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beiträge</a> zum „Krieg des radikalen Islams gegen des Westen“ auf die YouTube-Plattform hochgeladen. Hier sprechen sich scheinbar seriöse Experten klar für die Bekämpfung des Terrors aus. Unter dem Titel „Hitler and the Mufti“ werden die Wurzeln des islamischen Terrors mit Hitlers Antisemitismus in direkten Zusammenhang gestellt. Originalaufnahmen von einem Treffen Hitlers mit dem Mufti von Jerusalem sollen hierfür als Beweis dienen. Kategorisierungen der Videos und der Nutzer, die sie bei YouTube hochladen, fallen bei dieser Vielzahl an Videos schwer. Klar ist: Sowohl die libanesische Seite als auch die israelische nutzen die Plattform für ihre<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,429579,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">propagandistischen</a> Interessen.</p>
<p>Neben diesen politischen und den allgemeinen Konflikt beleuchtenden Inhalten bieten die Web 2.0-Plattformen ebenfalls die Möglichkeit, Alltagssituationen zu schildern. Auf der Suche nach den<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wissensgesellschaft/web20/cjordan_tagging_060803.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tags</a> Israel, Lebanon und War zeigt die Fotoplattform flickr.com 5.928 Bilder, die unter jedem dieser drei Begriffe eingeordnet sind. Viele dieser Bilder zeigen Kriegssituationen, Hubschrauber über Beirut, zerstörte Gebäude. Zwischen diesen Fotografien findet sich jedoch auch ein erstaunliches Foto unter dem Titel “Life goes on”. Ein Brautpaar schreitet über eine menschenleere Straße. Der Bräutigam scheint nicht glücklich, doch der Fotograf vermutet wohl richtig: „Er spiegelt die momentane Stimmung in der Stadt wieder “. Darüber hinaus merkt der Fotograf an, dass er, während er das Foto aus einem fahrenden Auto schoss, sich so schnell wie möglich in Sicherheit<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/manunited/195923873/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bringen wollte</a>.</p>
<p>                            <strong>&#8220;Wie ein echtes Kriegskorrespondentenfoto&#8221;</strong></p>
<p>Klare Worte finden sich auch unter den anderen gefundenen Bildern: “Wir haben lange genug zugeschaut, es ist Zeit zu handeln und das Schweigen zu brechen. Es geht nicht darum, ob man Muslim oder Jude ist. Es geht darum, ein Mensch zu sein. Wir alle leiden, wir alle bluten und wir alle verdienen es, in Frieden<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/moayadphoto/205594792/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu leben</a>.” Die Sorge um einen Fotografen, der ein zerstörtes öffentliches Gebäude fotografiert hat, wird deutlich anhand der Kommentare unter diesem Bild: „Bitte pass auf dich auf, mein Freund. Ich finde dein Foto ganz erstaunlich. Es sieht aus wie ein echtes<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/photos/codernoir/196001323/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriegskorrespondentenfoto</a>, aber bitte riskiere nicht dein Leben. Sei stark!“</p>
<p>Derzeit sind die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Libanon bei YouTube und Flickr sehr prominent vertreten. Wenn das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon tatsächlich Bestand hat, werden diesen Krieg bald andere Wörter und Bilder ablösen. Doch der Nahe Osten wird wohl immer ein Thema sein &#8211; nicht nur bei YouTube und Flickr.<br />
                            </p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
„Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd“. Bereits Bismarck stellt Kriege als Ausnahmesituationen, als Zeiten der Lüge, dar. Arthur Ponsonby betont sogar die Notwendigkeit der Lüge: In Kriegszeiten sei „die Erklärung der Wahrheit ein Verbrechen“.</p>
<p>Wie können angesichts dieser Lügenszenarien Journalisten agieren, deren erklärtes Ziel es ist, wahrheitsgemäß zu berichten? Die saloppe Antwort eines Regierungssprechers lautet: „Die oberste Regel im Krieg ist: niemals lügen. Die zweite: nie die ganze Wahrheit sagen“.
</p>
<p>
Was für den Journalismus angesichts seiner politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen eine große Herausforderung zu sein scheint, könnte für Warblogs leichter zu realisieren sein: eine authentische Kriegsberichterstattung. So verhilft der jüngste Konflikt zwischen Israel und Libanon den Online-Kriegstagebüchern einmal mehr zum Ruhm.</p>
<p><b>Eine Bandbreite an Stimmen und Meinungen</b>
</p>
<p>
Ähnlich wie 2003 im Irak tauschen sich derzeit im Nahen Osten viele Menschen online über den Krieg aus. Die aktuelle Warblog-Szene in der Krisenregion entwickelt sich dabei unter anderen Voraussetzungen als etwa die irakischen Kriegstagebücher. Am Nahostkonflikt sind vor allem Länder beteiligt, in denen zahlreiche Menschen über einen Internetanschluss verfügen. So präsentieren sich hier nicht nur einige vereinzelte Warblogger, sondern eine ganze Bandbreite an Stimmen und Meinungen wird im Internet laut. Kann dieses Potpourri an subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungsberichten eine Alternative zur Berichterstattung traditioneller Onlinemedien sein? Worin unterscheiden sich die Angebote?
</p>
<p>
Der 13. und 30. Juli 2006 sind ereignisreiche Tage im Nahen Osten. Das schlägt sich auch in den Medien nieder: Am 13.07. dominieren die Berichte über den ersten Großangriff der Israelis auf Beirut und Umgebung. Gut zwei Wochen später erregen die Bomben auf die libanesische Ortschaft Kana weltweite Aufmerksamkeit. Die Onlineausgaben von Süddeutscher Zeitung und Spiegel reagieren mit einer umfangreichen dossierartigen Berichterstattung, die sie noch am selben Tag online stellen.<br />
<br />
Die Warblogger hingegen scheinen es mit der Aktualität weniger genau zu nehmen. Viele der Autoren posten nicht mehr am gleichen Tag einen Beitrag zu den Geschehnissen. Häufig bieten sie erst Tage später ausführliche Berichte an. Hinsichtlich der Aktualität laufen die Onlinemedien den Warblogs deswegen wohl den Rang ab.</p>
<p><b>Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten</b></p>
<p>Nicht jedoch in der Berichterstattung: sie ist gekennzeichnet durch die Wiedergabe von persönlichen Eindrücken. Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten, die teilweise schonungslos offen gelegt werden. So berichtet das Warblog<br />
<a href="http://anecdotesfromabananarepublic.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anecdotes from a Banana Republic</a> aus Beirut vor Ort in Kana. Die Bloggerin beschreibt, was er in den Trümmern der zerstörten Häuser gesehen hat: „Babyfotos, …, Handtaschen, …, Joghurtbecher, …, Berge von Mathematik- und Französisch-Hausaufgaben.“ Doch nicht immer sind die Augenzeugenberichte derart emotional besetzt, teilweise liefern sie auch nebensächliche Informationen: „Der Strom fiel für einige Sekunden aus“, schreibt der gleiche Blogger beispielsweise kurz nach Kriegsbeginn aus der libanesischen Hauptstadt.
</p>
<p>
Die Onlinemedien der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel hingegen berufen sich selten auf Augenzeugen als Quellen. Überwiegend werden dort offizielle Quellen wie Regierungen, Polizei oder Armee zitiert. Überhaupt dominiert die neutrale Art der Berichterstattung die traditionellen Onlinemedien. Die Analysen bei SZ und Spiegel Online zeichnen sich dadurch aus, dass sie den aktuellen Konflikt auf globaler Ebene erläutern und neben Reaktionen aus Europa, Amerika und Russland auch die Folgen für Börse und Tourismus zur Sprache bringen.
</p>
<p>
Diese Zusammenhänge bieten Warblogs nicht, sie geben Überblicksdarstellungen auf einer individuellen Ebene. Die Erfahrungswelt der Warblogger – und damit auch ihre Analyse – ist subjektiver. Der Konflikt wird in seinen Konsequenzen für den eigenen Alltag oder den der Landsleute analysiert. Durch diesen individuellen Bezug vieler Kriegstagebücher wirken ihre Beschreibungen emotional und wenig distanziert. Die Blogger verleihen dem mit ihren Insider-Informationen ein menschliches Gesicht. Das Warblog<br />
<a href="http://muqata.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Muqata</a> etwa berichtet über getötete israelische Soldaten und listet diese namentlich auf. Doch damit nicht genug: Sogar Ort und Datum ihrer Begräbnisfeiern werden veröffentlicht. „Seine Beerdigung findet um 16.30 Uhr auf dem Kiryat Sha’ul Militärfriedhof statt.“
</p>
<p>
<a href="/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2">Weiter zu Teil 2 &gt;&gt;</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet (Teil 2)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2-3652/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b></p>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.<!--break-->
</p>
<p>
<br />
Insgesamt bieten die untersuchten Onlinemedien weniger Nutzerservice. Meist stellen sie nur Links zu internen Angeboten (Foren, Umfragen, Dossiers) her und verweisen nicht auf externe Berichte. Ganz anders die Warblogs: Hier werden Medienberichte aus verschiedenen Ländern verlinkt, darunter Israel und Libanon, Deutschland und die USA. Der Nutzer erhält dadurch einen guten Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven.</p>
<p>Diese werden noch stärker in den Kommentaren der Blogger akzentuiert. Subjektivität und Persönlichkeit gelten im Allgemeinen als Stärke der Weblogs und auch die israelischen und libanesischen Warblogger vertreten ihre Meinungen mit deutlichen Worten. Der Warblogger Gash beispielsweise verurteilt „Israels willkürliche Ungesetzlichkeit, beim Gemetzel an Zivilisten“ und bezeichnet die Israelis als „blutrünstige Bastarde.“ Auch Ironie und Zynismus sind beliebte Stilmittel. Sie machen die Blog-Kommentare eingänglich. Der Nutzer sollte sich jedoch bewusst sein, dass hier Meinungen transportiert werden, die auch Beleidigungen nicht scheuen. So wird Im Warblog Anecdotes from a Banana Republic nach dem Vorfall in Kana zynisch resümiert: „Die EU ist &#8216;geschockt&#8217; und &#8216;bestürzt’ über das Massaker. Geschockt? Bestürzt? Etwa so wie ‘Jimmy, ich bin bestürzt, dass du mit deinem brandneuen Fahrrad gegen einen Baum gefahren bist’ oder wie ‘Bobby Sue, ich bin bestürzt, dass du diese Kekse nicht mit deiner Schwester teilen willst’.“ Die Journalisten von SZ und Spiegel Online geben wesentlich moderatere Kommentare. Zwar werden auch hier Meinungen transportiert, aber es wird auf ausreichende Begründung und die Vermeidung von Beleidigungen wert gelegt.</p>
<p><b><br />
In Warblogs werden die Ereignisse individuell aufbereitet</b></p>
<p>Auch bei der Präsentation von Informationen unterschieden sich beide Angebotsformen deutlich. Während die großen Onlinemedien auf die üblichen journalistischen Darstellungsformen wie Nachrichte, Reportage und Kommentar zurückgreifen, werden in den Warblogs die Ereignisse zum Teil individuell und künstlerisch aufbereitet. Der Künstler Mazen Kerbay etwa verarbeitet die Kriegsereignisse auf seinem Kerblog in Bildern und Gedichten. Über Kana schreibt er: “Vor 2000 Jahren, in Kana, verwandelte Jesus Wasser in Wein. Heute, in Kana, verwandelten die israelischen Streitkräfte Kinder in Asche.“</p>
<p>Es geht hier aber nicht darum, zu entscheiden, welches Angebot lesenswerter ist. Sowohl die klassischen Medien als auch Warblogs zeigen Stärken und Schwächen. Die traditionellen Medien punkten mit Vollständigkeit und Aktualität; Warblogs zeichnen sich vor allem durch Augenzeugenberichte und persönliche Statements aus.</p>
<p>Wer einen umfassenden Einblick ins Kriegsgeschehen wünscht, sollte einen Medienmix aus beiden Formaten wählen. Warblogger können die Medien durchaus auch ergänzen: Sie können zusätzliche Informationen liefern und als &#8216;Watchdogs’ der Medien fungieren, indem sie fehlerhafte Medienberichte korrigieren oder kritisieren. Das zeigt auch das jüngste Beispiel von manipulierten Bildern aus dem brennenden Beirut: ein Fotograph der Nachrichtenagentur Reuters hatte einige Bilder aus der libanesischen Hauptstadt digital bearbeitet, um sie dramatischer wirken zu lassen. Reuters stellte diese Bilder online – die Fälschung flog erst durch einige Blogger auf. Sie konnten nachweisen, dass die Bilder manipuliert worden waren. Reuters suspendierte daraufhin den Fotographen und entfernte die Bilder.</p>
<p><a href="/edemocracy/netzkultur/jsommerhaeuser_warblogsimlibanon_060817_teil1.shtml"><br />
&lt;&lt; Zurück zu Teil 1</a></p>
<p>Der Artikel basiert auf einer Analyse, die die Autorin für politik-digital.de erstellt hat. Sie hat an zwei Tagen die Berichterstattung der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) und von Spiegel Online mit den Meldungen von zwölf ausgewählten Warblogs verglichen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Friedensbewegung unterstützt diesen Krieg&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_friedensbewegung_unterstuetzt_diesen_kriegquot-131/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Libanon]]></category>
		<category><![CDATA[Libanonkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Chaim Schneider]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Freitag, 4. August, war Richard 
Chaim Schneider, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zum 
Konflikt im Libanon, der Stimmung vor Ort und zum möglichen 
Einsatz deutscher Soldaten im Libanon.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Freitag, 4. August, war Richard<br />
Chaim Schneider, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zum<br />
Konflikt im Libanon, der Stimmung vor Ort und zum möglichen<br />
Einsatz deutscher Soldaten im Libanon.<!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-chat. Der Nahost-Konflikt zwischen Israel<br />
und dem Libanon spitzt sich immer mehr zu. Unser Gast ist heute<br />
Richard C. Schneider, der für die ARD täglich aus Tel<br />
Aviv berichtet. Wir danken ihm herzlich, dass er sich auch in dieser<br />
für ihn sehr stressigen Situation die Zeit zum chatten nimmt.<br />
Hallo und guten Tag nach Tel Aviv, Herr Schneider! Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>DuDo:</b> Wie ist denn die Stimmung in Israel?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, die Menschen machen<br />
sich natürlich große Sorgen, aber sie wollen auf alle<br />
Fälle durchhalten, weil sie ein Ende des Terrors aus dem Norden<br />
wollen.
</p>
<p>
<b>Haber:</b> Inwiefern ist ein normales Leben in Israel<br />
noch möglich?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Im Norden kaum noch. Da<br />
leben die Menschen überwiegend in den Bunkern, die Straßen<br />
sind wie leergefegt. Die Geschäfte sind zumeist geschlossen.<br />
In Tel Aviv aber z.B. ist das Leben völlig normal, als ob es<br />
keinen Krieg gäbe.
</p>
<p>
<b>Lula:</b> Wie ist denn die persönliche Belastung<br />
für Sie und Ihr Team? Bleiben Sie uns gesund!
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Erst einmal vielen Dank.<br />
Die Belastung ist wirklich sehr groß. Wir arbeiten alle fast<br />
17, 18 Stunden täglich.
</p>
<p>
<b>bitola:</b> Hallo Herr Schneider, müssen Sie<br />
für Ihre Berichte auch in den Libanon reisen oder halten Sie<br />
sich zurzeit nur in Israel auf?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ich bin nur in Israel und<br />
ich kann gar nicht in den Libanon. In der ARD sind die Berichtsgebiete<br />
aufgeteilt. Wir hier im Studio Tel Aviv sind für Israel, die<br />
palästinensischen Gebiete und Zypern zuständig, Studio<br />
Kairo für die meisten arabischen Länder, also auch für<br />
den Libanon. Wir werden nur hinter der israelischen Armee sozusagen<br />
in den Süden Libanons &quot;nachrücken&quot;, um von dort<br />
zu berichten.
</p>
<p>
<b>tomb:</b> Die Hisbollah droht mit Raketenangriffen<br />
auf Tel Aviv. Für wie realistisch halten Sie diese Drohung?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, die Hisbollah hat noch<br />
immer jede ihrer Drohungen wahr gemacht. Insofern muss man auch<br />
diese Drohung ernst nehmen.
</p>
<p>
<b>vivalet:</b> Wie sieht es denn mit dem Raketenbeschuss<br />
durch die Hisbollah aus? Hat der überhaupt ein wenig abgenommen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein, er nimmt weiter zu.<br />
Inzwischen gab es ja Tage mit über 200 Raketen auf Israel.
</p>
<p>
<b>Manfred Kohl:</b> Eine weitere Frage: Wieso gelingt<br />
es der israelischen Armee nur so schleppend, die Hisbollah-Milizen<br />
aus dem Südlibanon zu vertreiben und damit das Bedrohungspotential<br />
für Israel zu minimieren?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Es gibt zwei Gründe.<br />
Der eine: Die Armee will eigene Verluste so weit wie möglich<br />
vermeiden. In Israel kippt die Stimmung schnell, wenn zu viele eigene<br />
Soldaten sterben müssen. Der zweite Grund: Die Hisbollah ist<br />
sehr viel besser ausgerüstet und trainierter als etwa die Palästinenser.<br />
Sie haben das Training überwiegend vom Iran erhalten.
</p>
<p>
<b>Visiter:</b> Ist man denn in Tel Aviv irgendwie darauf<br />
vorbereitet, dass es möglicherweise &quot;bald &quot; auch<br />
dort zu Raketenangriffen kommt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, die meisten Häuser<br />
haben einen Bunker oder einen Stahlsicherheitsraum. Ansonsten warten<br />
die Menschen ab. Man ist Krieg hier gewöhnt.
</p>
<p>
<b>Barbara:</b> Zu den Raketen: Woher beziehen Sie Ihre<br />
Informationen? Welche Möglichkeiten haben Sie, diese zu überprüfen?<br />
Ich habe beobachtet, dass die Angaben in der ARD meist weit unter<br />
denen der israelischen Medien liegen.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Wir versuchen uns an die<br />
klassischen journalistische Regeln zu halten: Zwei unabhängige<br />
Quellen. Wenn das nicht möglich ist, dann sprechen wir im Konjunktiv<br />
oder sagen: &quot;Nach israelischen Angaben&quot;, &quot;nach Angaben<br />
der Hisbollah&quot;. Wir versuchen, möglichst nicht der Propaganda<br />
irgendeiner Seite aufzuliegen.
</p>
<p>
<b>tilly:</b> Wie lange werden die Israelis noch hinter<br />
ihrer Regierung stehen?
</p>
<p>
<b>SiLo:</b> Hallo Herr Schneider, in wiefern steht denn<br />
das israelische Volk noch hinter ihrer Regierung bzw. wie lange<br />
&quot;spielt&quot; sie da noch mit. Immerhin hat die israelische<br />
Armee bis jetzt nicht viel erreicht.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Soweit man das im Augenblick<br />
sagen kann, wird das Volk noch lange hinter der Regierung stehen.<br />
Man will die Bedrohung der Hisbollah ein für allemal loswerden.<br />
Denn man weiß auch: Dahinter steckt der Iran. Und der Iran<br />
will eine Atombombe. Und vor dieser Bedrohung hat man noch mehr<br />
Angst. Man sieht diesen Kampf jetzt über den Tag hinaus als<br />
Existenzkampf an.
</p>
<p>
<b>femba:</b> Halten Sie einen Einsatz deutscher Soldaten<br />
in der Region für möglich? Wie ist die Meinung dazu in<br />
Israel?
</p>
<p>
<b>Yak:</b> Wie stehen die israelischen Staatsbürger<br />
&quot;auf der Straße&quot; einer eventuellen Beteiligung deutscher<br />
Soldaten an einer Friedens- oder Schutztruppe gegenüber?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> In Israel hat man damit<br />
keine Probleme. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte gestern<br />
sogar ausdrücklich, dass er eine Beteiligung deutscher Soldaten<br />
begrüßen würde, da Deutschland ein guter Freund<br />
und Partner ist.
</p>
<p>
<b>ginjoe:</b> Gestern wurde im ZDF-Auslandsjournal behauptet,<br />
iranische Milizen hätten einen Radarposten in Beirut besetzt,<br />
um das Kriegsschiff zu markieren, das von einer Cruise Missile der<br />
Hisbollah getroffen wurde. Was ist da dran?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das können wir von<br />
hier aus nicht überprüfen. Das kann vielleicht mein Kollege<br />
in Beirut, Patrick Leclercq herausfinden.
</p>
<p>
<b>Enrique:</b> Was passiert aber, falls die Hisbollah<br />
Ihre Drohung war machen sollte und Tel Aviv von Raketen getroffen<br />
wird? Ist dann die Gefahr einer Ausweitung des Krieges unumgänglich<br />
für den Staat Israel. Besteht nicht dann die Gefahr, dass eine<br />
Eskalation des Krieges beginnt, in der die angrenzenden Länder<br />
wie Syrien und der Iran sich aktiv in den Krieg einmischen? Sozusagen<br />
eine neue Stufe der Gewalt.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nun, sicher ist, dass Israel<br />
seine Angriffe intensivieren würde. Noch mehr Ziele im Libanon<br />
würden angegriffen, keine Frage. Ob man auch Syrien angreifen<br />
würde? Im Augenblick versucht die Armee alles, um Syrien NICHT<br />
in den Krieg zu ziehen. Schwer zu sagen, im Augenblick.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Beiträge mit ähnlicher<br />
Richtung:
</p>
<p>
<b>Haber:</b> Haben die Bilder von toten Libanesen in<br />
Tel Aviv Bestürzung ausgelöst?
</p>
<p>
<b>Pauline:</b> Ich habe einige israelische Freunde (alle<br />
um die 23) und ich muss sagen, dass ich es finde zum Teil erschreckend<br />
finde, wie teilnahmslos alles hingenommen wird. Sie bereiten sich<br />
mental darauf vor demnächst eingezogen zu werden, aber gleichzeitig<br />
geht auch einfach das ganz normal Leben weiter. Wie schätzen<br />
Sie das Mitgefühl der Israelis für die libanesische Bevölkerung<br />
ein?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das Mitgefühl ist auf<br />
die eigenen Bürger konzentriert. Man sieht die eigenen Toten,<br />
die eigenen Verletzten, die Menschen, die seit Wochen in den Bunkern<br />
leben müssen im Norden. Übrigens alles Zivilisten. Insofern<br />
hält sich das Mitgefühl in Grenzen für die libanesischen<br />
Zivilisten. Allerdings: In der israelischen Presse gibt es natürlich<br />
viele Stimmen, die fragen, ob die Militärtaktik richtig ist.<br />
Ob man die Hisbollah nur so bekämpfen kann. Dass man sie bekämpfen<br />
muss, wird kaum in Zweifel gestellt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es geht um Zensur &#8211; noch mal zwei Fragen<br />
im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Dosenfutter:</b> Welche Art von Zensur findet in den<br />
israelischen Medien statt und welche Informationsquellen nutzen<br />
Sie, um eine objektive Berichterstattung zu ermöglichen?
</p>
<p>
<b>nummer5:</b> Ziehen Sie bitte eine Parallele zur Kriegsberichterstattung<br />
im Irak-Krieg &#8211; was fällt Ihnen auf? Gibt es Selbstzensur bei<br />
den israelischen Medien, wie es sie bei den amerikanischen gab?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Es gibt keine Zensur in<br />
Israel. Es gibt eine normale Militärzensur in Kriegszeiten,<br />
d.h., dass wir bestimmte Informationen nicht mehr verbreiten dürfen.<br />
Etwa, wo genau die Raketen einschlagen, um den Feind keine &quot;Hilfe&quot;<br />
zu geben für die nächsten Abschüsse. Zahlen von Gefallenen<br />
etc. müssen erst von der Armee freigegeben werden, ehe wir<br />
sie verwenden dürfen. Aber wir haben natürlich das Problem,<br />
dass wir mit der Armee nicht hinein können in den Südlibanon,<br />
dass manche Gebiete militärisches Sperrgebiet sind etc. Aber<br />
das ist normal. Irak-Krieg? Da war alles viel schwieriger für<br />
die Journalisten, weil es keine Infrastruktur einer freien Presse<br />
vor Ort gab, und man nur mit der Armee rein durfte und nichts überprüfen<br />
konnte.
</p>
<p>
<b>St1:</b> Ist in der israelischen Presse der Einsatz<br />
geächteter Waffen, wie z.B. Splitterbomben, ein Thema? Wurden<br />
die unerklärlich geschwärzten Leichen erwähnt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja, man diskutiert das.<br />
Fragt nach, ob das der Wahrheit entspricht. Die Armee verneint das.<br />
Man bohrt weiter nach. Es gibt sehr kritische Stimmen diesbezüglich.
</p>
<p>
<b>Nuf:</b> Israel betont dieser Konflikt sei einer mit<br />
der Hisbollah, nicht mit dem Volk des Libanons. Nun belaufen sich<br />
die Kriegsschäden auf mittlerweile über zwei Milliarden<br />
Dollar. Gibt es eine Diskussion in Israel über Reparationszahlungen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Nein. Gar nicht.
</p>
<p>
<b>Avi:</b> Wie ist die Haltung Israels in bezug auf<br />
die libanesische Opposition zur Hisbollah? Gibt es Unterstützungen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Es wird wenig darüber<br />
nachgedacht. Israel sagt: Es ist Aufgabe der Libanesen, sich mit<br />
der Hisbollah auseinanderzusetzen. Sie haben sich bislang von der<br />
Hisbollah terrorisieren lassen, vielleicht werden sie es jetzt begreifen,<br />
dass sie einen hohen Preis dafür zahlen müssen.
</p>
<p>
<b>Gregor: </b>Da man die Hisbollah wohl kaum mit politischen<br />
Mitteln schlagen kann, ist doch auch eine UN Truppe kein Garant<br />
für Sicherheit. Verhandeln funktioniert ja auch nicht, aufgrund<br />
der radikalen Sicht der Hisbollah. Wie sieht Israel da seine Zukunft?<br />
Muss Israel nicht zwangsläufig den Krieg bis zum &quot;bitteren<br />
Ende &quot; führen um die Hisbollah vollkommen auszuschalten?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Israel sagt ja, dass man<br />
den Krieg bis &quot;zum Ende&quot; führen will. Allerdings:<br />
Was das genau bedeutet, weiß eigentlich niemand mehr. Zu Beginn<br />
des Krieges hieß es: Wir müssen die Hisbollah vernichten<br />
und entwaffnen. Nun heißt es: wir müssen sie hinter den<br />
Litani-Fluss treiben. Die Armee merkt, dass es schwierig ist, gegen<br />
eine Guerilla-Taktik zu siegen.
</p>
<p>
<b>marktraeumung:</b> Sind die Drohungen Israels, die<br />
Infrastruktur im Libanon im Falle eines Raketenbeschusses von Tel<br />
Aviv weitestgehend zu zerstören, realistisch? Welches Szenario<br />
droht dann?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das ist realistisch. Keine Frage.
</p>
<p>
<b>SiLo: </b>Nach vier Wochen Krieg und ist der Raketenbeschuss<br />
der Hisbollah nicht zurückgegangen. Was glaubt die israelische Armee<br />
bis jetzt erreicht zu haben? Hat man die Hisbollah in irgendeiner Weise<br />
geschwächt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Sie behauptet das. Inwiefern das<br />
stimmt, können wir einfach nicht überprüfen. Was klar ist:<br />
Bewegliche kleine Abschussrampen für Raketen (meistens Lastwagen<br />
oder sogar aus Wohnungen heraus) sind natürlich schwer aufzuspüren.
</p>
<p>
<b>Andre:</b> Was wird nach Ihrer Meinung passieren, wenn sich<br />
der Iran aktiv und militärisch in den Konflikt einmischt, wie es<br />
angedroht wurde?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das wäre ein Szenario, das<br />
eine echte Katastrophe im Nahen Osten auslösen würde. Ich glaube<br />
allerdings nicht, dass der Iran das zum jetzigen Zeitpunkt machen wird.<br />
Im Augenblick hat Israel noch die besseren Waffensysteme.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei Fragen zusammen:
</p>
<p>
<b>nummer5: </b>Der Konflikt wird in Deutschland durch Protestaktionen<br />
der Libanesen begleitet (Karlsruhe / letzten Samstag) Was machen die Friedensaktivisten<br />
in Israel derzeit?
</p>
<p>
<b>Barbara:</b> Wie schätzen Sie die israelische Friedensbewegung<br />
ein? Ist sie nicht viel kleiner, als man das aus Europa manchmal erhofft?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Die Friedensbewegung unterstützt<br />
diesen Krieg, weil die Bedrohung der Hisbollah, des Iran sehr ernst genommen<br />
wird. Es kommt noch etwas dazu. Und zwar: Gerade weil man sich aus besetzten<br />
Gebieten zurückgezogen hat (Südlibanon, Gaza), wird die Reaktion<br />
Israels in Zukunft so &quot;brutal&quot; sein, weil nun eigenes Staatsgebiet<br />
angegriffen wird. Da kennt man kein Pardon. Es wirkt also paradox: Je<br />
mehr Gebiete man zurückgibt, desto härter reagiert man auf Angriffe.
</p>
<p>
<b>Yak:</b> Hier in Deutschland wird das Wort &quot;Krieg&quot;<br />
vermieden &#8211; von Konflikt oder Krise ist die Rede. Wie wird die &quot;Krise&quot;<br />
in Israel bezeichnet?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Als Krieg. Schlicht und geradeheraus.
</p>
<p>
<b>Styria:</b> Welche Informationen haben Sie über den<br />
Hisbollah-Angriff auf die Chemiefabrik? War das Zufall oder sollte hier<br />
ein chemischer GAU verursacht werden, der nur ausblieb, weil es sich offenbar<br />
um ein harmloses Reinigungsmittel handelte?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Schwer zu sagen. Dass die Hisbollah<br />
weiß, wo sich bestimmte &quot;weiche&quot; Ziele finden, ist klar.<br />
Auch, dass sie sie gerne treffen wollen. Aber ob das Zufall war oder Absicht,<br />
kann ich nicht sagen.
</p>
<p>
<b>koch:</b> Wie schätzen Sie die Stimmungslage in der<br />
arabischen Welt? Mir scheint die Gemüter waren im Karikaturen Streit<br />
erregter als jetzt.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja. Die moderaten Länder,<br />
also etwa Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien fürchten die Macht<br />
des Iran ebenso wie Israel. Natürlich sagen ihre Herrscher die &quot;richtigen<br />
Worte&quot; und verurteilen Israel, klar. Aber im Grunde haben sie ein<br />
ebenso großes Interesse, Teheran in Schach zu halten, wie Israel.<br />
Insofern gibt es da eine interessante &quot;stille Koalition&quot; zwischen<br />
Israel und diesen Ländern.
</p>
<p>
<b>Europe20: </b>Hat Israel das Potential der ausgehenden Bedrohungen<br />
vom Libanon in Relation zu Iran nicht deutlich falsch eingeschätzt.<br />
Nach den Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten und<br />
dem möglichen Potential bald in Besitz einer Atombombe zu sein, scheint<br />
der Fokus im Nahen Osten nun auf das &quot;kleinere&quot; Problem übergegangen<br />
zu sein?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Aus israelischer Sicht, ist das<br />
nicht das &quot;kleinere Problem&quot;, sondern Teil des &quot;Großen<br />
Problems&quot;. Wenn es gelingt die Hisbollah auszuschalten, dann hat<br />
man erst einmal Ruhe an der Nordgrenze. Auch für den Fall eines größeren<br />
direkten Konflikts mit dem Iran. Spätestens dann wären die Raketen<br />
aus dem Libanon dann keine zusätzliche Bedrohung mehr.
</p>
<p>
<b>eck:</b> Wie lange kann die israelische Armee diesen Krieg<br />
noch durchhalten?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Sehr lange. Die Armee hat große<br />
Reservoirs, auch finanziell.
</p>
<p>
<b>MI6:</b> Stimmt es, dass auf Seiten der Hisbollah iranische<br />
Elitekämpfer stehen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das habe ich auch gehört,<br />
kann es aber nicht verifizieren von hier aus.
</p>
<p>
<b>captnpk1:</b> Liest man ausländische Medien, bekommt<br />
man eine vollkommen andere Sichtweise präsentiert. Denken Sie die<br />
Berichterstattung in deutschen Medien belichtet den Konflikt objektiv<br />
von zwei Seiten?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ich bekomme die deutschen Medien<br />
im Augenblick nur teilweise mit, da ich selbst so sehr in der eigenen<br />
Berichterstattung drin bin. Ich weiß aber aus der Vergangenheit,<br />
dass in Deutschland (ähnlich wie in anderen Ländern Europas)<br />
viele Kommentatoren sich zu Nahost äußern, die entweder noch<br />
nie hier waren, oder aber nur eine Seite kennen. Dadurch entstehen oft<br />
eigenartige Zerrbilder. Man geht in Deutschland immer wieder von einem<br />
Weltbild aus, das sehr &quot;europäisch&quot; ist: Zivilisierte,<br />
demokratische Staaten tragen einen Streit in einer ganz bestimmten Form<br />
aus. Das ist im Nahen Osten einfach anders. Allein der große und<br />
tiefe Einfluss der Religion verändert hier alles, das Denken, das<br />
Handeln. Viele Menschen in Europa begreifen das nicht wirklich.
</p>
<p>
<b>Radio-Karin:</b> Da ja in den Medien davon berichtet wurde,<br />
dass Sendeanlagen vom libanesischen Hisbollah-Fernsehen und auch diverse<br />
Radiosender getroffen wurden, stellt sich mir die Frage, inwiefern die<br />
Menschen im Libanon über die aktuellen Entwicklungen informiert werden.<br />
Geschieht dies nur mittels Flugblättern der Israelis oder gibt es<br />
in der Region noch aktive Sender?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das kann ich von hier aus nur<br />
schwer beurteilen. Soviel ich weiß, gibt es noch TV-Sender, die<br />
in Betrieb sind.
</p>
<p>
<b>Uri: </b>Spielen die von Deutschland an Israel gelieferten<br />
Waffen momentan eine Rolle?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein.
</p>
<p>
<b>Kobi: </b>Bekommen Sie terminologische Vorgaben der ARD<br />
Redaktion? Wenn ja, welche?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ja. Z.B. gibt es die Regelung,<br />
nicht von einem &quot;Krieg&quot; zu sprechen, sondern von einer &quot;kriegerischen<br />
Auseinandersetzung&quot; oder einem &quot;Konflikt&quot;. In der ARD-Aktuell<br />
Redaktion werden solche Vorgaben gemacht. &quot;Krieg&quot; wird nur auf<br />
einen Konflikt zwischen zwei Staaten und zwei Armeen angewendet.
</p>
<p>
<b>Nuf:</b> Will die israelische Regierung wirklich eine UN-Friedenstruppe,<br />
oder redet sie im Moment darüber, in der Gewissheit das die Einigung<br />
darüber noch ewig dauern wird und sie währenddessen ihren eigen<br />
Zielen nachgehen kann?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Israel will zum ersten Mal in<br />
seiner Geschichte tatsächlich eine internationale Truppe haben. Allerdings<br />
nur mit einem &quot;robusten Mandat&quot;, also mit der Erlaubnis, kämpfen<br />
und eingreifen zu können. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann<br />
ist sie unsinnig. Das zeigte sich ja schon seit Jahrzehnten mit der UNIFIL<br />
im Libanon. Diese Soldaten konnten und haben nichts verhindern können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Kompliment:
</p>
<p>
<b>yaakov: </b>Sehr geehrter Herr Schneider, ich bin deutscher<br />
Israeli in Jerusalem und verfolge Ihre Berichterstattung und muss sagen,<br />
dass ich sehr überrascht von der doch relativ ausgewogenen Betrachtung<br />
von Ihnen war.
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Vielen herzlichen Dank. Darum<br />
bemühe ich mich täglich.
</p>
<p>
<b>Andre:</b> Glauben Sie ernsthaft, dass sich die Hisbollah<br />
von einer UNO oder NATO Truppe entwaffnen lassen wird und freiwillig Ihre<br />
Existenzberechtigung damit abgibt?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Nein, ehrlich gesagt. Darum habe<br />
ich persönlich auch meine Zweifel, wie ein ernsthafter Waffenstillstand,<br />
der zugleich das Gesamtproblem lösen will, aussehen soll.
</p>
<p>
<b>mike2: </b>Wie beurteilen Sie die Leistungen der UNO-Beobachter<br />
an der israelisch-libanesischen Grenze in den letzten Jahren, besonders<br />
seit 2000? Hat es hier irgendwelche Erfolge gegeben, terroristische Aktivitäten<br />
zu unterbinden? Gab es nicht Berichte von Zwischenfällen in unmittelbarer<br />
Nähe der UNO-Stationen, die eigentlich nicht hätten passieren<br />
dürfen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Die UNIFIL war eine ziemlich hilflose<br />
Truppe. Es gab ja sogar den Fall, dass sie eine Entführung von drei<br />
israelischen Soldaten durch die Hisbollah nur ein paar 100 Meter von ihnen<br />
entfernt gefilmt hat, ohne einzugreifen. Israel hält nichts von der<br />
UNIFIL. Sie hat ja auch den Bunkerausbau der Hisbollah an der Grenze zu<br />
Israel nicht verhindert.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Noch mal zur Internationale Truppe:
</p>
<p>
<b>Eurovision:</b> Wie sollte diese Truppe aussehen? Wer sollte<br />
die LeadForce sein, wer soll Kontingente abstellen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Die Idee, eine Truppe unter NATO-Aufsicht<br />
abzustellen, finde ich persönlich am besten. Die UNO ist keine wirkliche<br />
&quot;Macht&quot;. Die NATO aber schon. Und wenn man die NATO angreifen<br />
würde (etwa der Iran), dann hat man es mit dem gesamten Westen zu<br />
tun. Das wäre vielleicht eine gute Abschreckung. Es würde vielleicht<br />
auch Israel eine gewisse &quot;Sicherheit&quot; geben, so dass die israelische<br />
Politik sich auch verändern könnte.
</p>
<p>
<b>anneo:</b> Denken Sie persönlich, dass das strikte<br />
Vorgehen Israels gegen die Hisbollah Milizen und die Bombardierung des<br />
Libanons zu dem Erfolg führen werden, den die israelische Bevölkerung<br />
sich erhofft bzw. verspricht?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Ich fürchte, nein.
</p>
<p>
<b>23456:</b> Wie kommt die Hisbollah an russische Raketen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Da kann ich nur Vermutungen anstellen.<br />
Vielleicht noch aus alten Beständen aus dem Kalten Krieg, illegaler<br />
Waffenhandel. Das kann sicher mein Kollege in Beirut besser beantworten.
</p>
<p>
<b>o20:</b> Wie geht es denn jetzt weiter: Was sind Israels<br />
Pläne für die nächsten 14 Tage?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider: </b>Nun, ich bin zwar im Lande der<br />
Propheten, aber das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten.<br />
Das werden mir weder Regierung noch Generalstab verraten.
</p>
<p>
<b>Zvonimir: </b>Melden sich nun auch Freiwillige zur Israelischen<br />
Armee? Kommen auch Ausländer dazu?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Reservisten werden eingezogen,<br />
ja. Ausländer? Wenn Sie Israelis meinen, die im Ausland leben, so<br />
ist das noch nicht der Fall. Diese kamen in der Vergangenheit immer erst<br />
dann zurück, wenn es wirklich &quot;ganz ernst&quot; wurde. So schlimm<br />
ist es aber noch nicht.
</p>
<p>
<b>saliva:</b> Von Ariel Sharon bekommt man hier in den Nachrichten<br />
nicht mehr viel mit. Liegt er immer noch im Koma oder hat sich sein Zustand<br />
wieder gebessert?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein, er ist im Koma und sein<br />
Zustand hat sich vor zwei Wochen noch weiter verschlechtert.
</p>
<p>
<b>Reg:</b> Ihr Kollege Patrick Leclercq hat vor ein paar Tagen<br />
erzählt, dass er alle möglichen Infoquellen nutzt, auch die<br />
so genannten &quot;Warblogs&quot;. Wie sieht das bei Ihnen aus?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein, wir benutzen die nicht.
</p>
<p>
<b>ali38:</b> Glauben Sie, dass Israel weiter existieren kann?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Das ist wirklich eine sehr ernste<br />
und schwere Frage. Es wird sehr darauf ankommen, wie die Welt mit der<br />
iranischen Bedrohung und dem internationalen Terrorismus umgehen wird.<br />
Israel ist stärker denn je in seiner Geschichte, aber auch gefährdeter<br />
denn je, denn die Waffenarsenale des Iran sind bestens gefüllt. Und<br />
eine Atombombe in den Händen von Ahmadinejad wird Israel zumindest<br />
nicht &quot;ruhiger&quot; machen.
</p>
<p>
<b>escort:</b> Stimmt es, dass die Israelis den Hisbollah-Chef<br />
in einer Fernsehansprache nicht hören dürfen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Nein. Das ist falsch. Alle Ansprachen<br />
von Nasrallah werden sofort auch im israelischen Fernsehen ausgestrahlt<br />
und live analysiert.
</p>
<p>
<b>nIcKnIgHt:</b> Stehen Sie eigentlich mit den ARD-Korrespondenten<br />
in Beirut in ständiger Verbindung? Tauschen Sie sich aus? Funktionieren<br />
die Handy-Netze im Libanon überhaupt noch zuverlässig oder muss<br />
man auf andere Arten der Kommunikation zurückgreifen?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Patrick Leclercq und ich haben<br />
einmal miteinander telefoniert via Handy. Wir haben uns über ein<br />
paar Projekte unterhalten, die wir miteinander noch machen wollen, und<br />
haben uns kurz über die Situation ausgetauscht. Ansonsten versinken<br />
wir aber beide so sehr in Arbeit, dass nur wenig Zeit für Gespräche<br />
da ist.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>der T:</b> Gibt es in Israel das Gefühl, von der Europa<br />
(Deutschland) allein gelassen zu werden?
</p>
<p>
<b>Richard C. Schneider:</b> Von Deutschland nicht. Im Gegenteil.<br />
Von Frankreich, den skandinavischen Ländern und noch ein paar anderen:<br />
Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat zu einem<br />
hochbrisanten Thema. Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben<br />
und bitten jene um Verständnis, deren Frage wir heute nicht berücksichtigen<br />
konnten. Besonderen Dank an Richard C. Schneider, der sich für uns<br />
Zeit genommen hat. Herr Schneider, Ihnen gehört das letzte Wort.
</p>
<p><b>Richard C. Schneider:</b> Ich möchte mich bei allen<br />
Teilnehmern für das große Interesse bedanken. Ich fand das<br />
eine sehr spannende und kurzweilige Stunde. Ich hoffe, dass ich Ihnen<br />
in Zukunft in der ARD weiterhin die Situation so gut wie möglich<br />
&quot;rüberbringen&quot; kann. Jetzt fliege ich erst einmal für<br />
drei Wochen zurück nach Deutschland, um zu &quot;packen&quot;, da<br />
ich ab 1. September als neuer Studioleiter das Studio in Tel Aviv übernehmen<br />
werde. Vielen Dank und bis bald.</p>
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		<pubDate>Tue, 01 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Mittwoch, 02. August, 
war Patrick Leclercq, ARD-Korrespondent im Libanon, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er berichtet 
live aus Beirut über die israelischen Angriffe auf den Libanon, 
die Situation der Bevölkerung und mögliche Lösungen 
des Konfliktes.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Mittwoch, 02. August,<br />
war Patrick Leclercq, ARD-Korrespondent im Libanon, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er berichtet<br />
live aus Beirut über die israelischen Angriffe auf den Libanon,<br />
die Situation der Bevölkerung und mögliche Lösungen<br />
des Konfliktes.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator: </b>Zu Gast im tagesschau-Chat<br />
ist heute der ARD-Korrespondent Patrick Leclercq. Er berichtet für<br />
das Erste tägliche aus der Krisenregion Beirut. Von dort aus<br />
ist er uns jetzt telefonisch zugeschaltet. Herr Leclercq telefoniert<br />
von einer konventionellen Telefonleitung aus und das mitten im Krieg<br />
&#8211; technische Probleme sind also möglich. Guten Tag, Herr Leclercq,<br />
können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Mr. Sony:</b> Sind Sie dort, wo Sie sich gerade befinden,<br />
in akuter Gefahr oder in relativer Sicherheit?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Wir sind in relativer Sicherheit, wir sind in<br />
Beirut selber. Wir wohnen in Westbeirut in einem Hotel, das schon<br />
im Bürgerkrieg viele Journalisten beherbergt hat. Wir hatten<br />
schon seit mehreren Tagen keine schweren Bombardierungen mehr, dass<br />
Kampfgeschehen spielt sich ca. zwei Stunden Fahrzeit im Süden<br />
ab und seit zwei Tagen auch wieder im Norden.
</p>
<p>
<b>zaphod:</b> Wie realistisch ist Israels Behauptung,<br />
die Infrastruktur der Hisbollah sei zerstört?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich glaube, das hat eher damit zu tun, dass<br />
der Ministerpräsident Olmert seine Leute, sein Volk beschwichtigen<br />
will. Ich glaube nicht, dass es der israelischen Armee bisher tatsächlich<br />
gelungen ist, den Großteil der Hisbollah zu entwaffnen, so<br />
wie Olmert in einem Interview behauptet hat. Die Hisbollah hat sehr<br />
viele Verstecke. Das können Häuser sein oder auch Bunker<br />
oder auch natürliche Höhlen. Außerdem muss man davon<br />
ausgehen, dass der Nachschub trotz zahlreicher Luftangriffe der<br />
Israelis weiter funktioniert.
</p>
<p>
<b>malla: </b>Israels Armee hat die ersten Verluste zu<br />
beklagen. Wie lange werden wohl die Israelis hinter den Entscheidungen<br />
ihrer Regierung stehen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das ist eine ganz ausgezeichnete Frage, weil<br />
in vergangenen Kriegen das eine wichtige Rolle gespielt hat. Ich<br />
persönlich glaube, dass die Zeit für die israelische Regierung<br />
abläuft, weil die Verluste verglichen mit ähnlichen Kampfhandlungen<br />
doch sehr hoch sind.
</p>
<p>
<b>Benjamin Stierl:</b> Werter Herr Leclercq, denken<br />
Sie, dass dieser Konflikt vermeidbar gewesen wäre?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich denke, er wäre absolut vermeidbar gewesen.<br />
Israel hat nach meiner Meinung völlig überreagiert. Man<br />
hätte sicher auch auf den Verhandlungsweg zu einer Lösung<br />
kommen können.
</p>
<p>
<b>Lahcene:</b> Warum werden die schrecklichen Bilder,<br />
die auf Al Jazeera zum Beispiel zu sehen sind, nicht auch bei uns<br />
gezeigt? Das würde die Menschen vielleicht mal wachrütteln<br />
zwischen Trendwende am Arbeitsmarkt und Rechtschreibregeln. Warum<br />
verurteilen die Journalisten (wenn schon nicht die Politiker) das<br />
israelische Vorgehen nicht auf das Schärfste. Die westliche<br />
Welt macht sich absolut unglaubwürdig, wenn sie über Demokratie<br />
und Menschenrechte spricht!
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Zu den Bildern: Wir haben klare Richtlinien,<br />
was wir zeigen und was wir nicht zeigen. Man muss immer bedenken,<br />
dass auch bei uns Kinder und Menschen vor dem Fernseher sitzen,<br />
die schockiert werden, wenn wir alles Bildmaterial zeigen würden.<br />
Wir versuchen deshalb, so viel wie möglich zu zeigen, aber<br />
trotzdem die Würde auch des toten Menschen noch zu wahren.<br />
Was die Reaktion der internationalen Politik angeht, bin ich der<br />
falsche Ansprechpartner.
</p>
<p>
<b>mateo:</b> Lieber Herr Leclercq, wieso können<br />
sich die Vereinten Nationen auf keine Verurteilung Israels einigen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Wenn sie sich mit der Geschichte der VN näher<br />
befassen, werden sie feststellen, dass diese Institution schon immer<br />
stark fraktioniert und interessenorientiert war. Es geht nicht immer,<br />
wie man annehmen könnte, um das Wohl der Menschen, sondern<br />
oft schlichtweg um politische Interessen.
</p>
<p>
<b>MRauchfuss:</b> Herr Leclercq, wie hoch schätzen<br />
Sie die Gefahr ein, dass Syrien und/oder der Iran direkt in den<br />
Konflikt interveniert?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Gefahr ist groß, weil beide Länder<br />
für den Fall eines Angriffs Gegenmaßnahmen angekündigt<br />
haben. Syrien hat seine Armee bereits in Alarmbereitschaft versetzt.<br />
Dadurch, dass Israel immer wieder direkt an der syrisch-libanesischen<br />
Grenze angreift, kann man leider nicht ausschließen, dass<br />
sich der Konflikt plötzlich ausweitet.
</p>
<p>
<b>Christian:</b> In wie weit ist das harte israelische<br />
Vorgehen für einen dauerhaften Frieden in der Region kontraproduktiv?
</p>
<p>
<b>Manfred Jelting:</b> Was müsste aus Ihrer Sicht<br />
passieren, um ein dauerhaften Frieden in der Region zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Kontraproduktiv ist das Vorgehen deshalb, weil<br />
mit den Angriffen, den Verlusten in der eigenen Familie ganze Generationen<br />
neuer Widerstandskämpfer auf den Weg gebracht werden. Eine<br />
Lösung im Nahen Osten kann nur erreicht werden, wenn das Palästinenser-Problem<br />
befriedigend für die arabische Seite gelöst wird.
</p>
<p>
<b>fembo:</b> Deutsche Soldaten im Libanon? Können<br />
Sie einschätzen, wie diese Möglichkeit in Israel aufgenommen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich glaube, Israel hätte damit aus nachvollziehbaren<br />
Gründen ein großes Problem. Man muss sich vorstellen,<br />
deutsche Soldaten versuchen, mit Waffen israelische Bodentruppen<br />
im Südlibanon aufzuhalten. Das wäre ja dann ein mögliches<br />
Szenario. Nach meiner Meinung wäre die Bundesregierung schlecht<br />
beraten, wenn sie sich auf einen solchen Ansatz einließe.
</p>
<p>
<b>SaLaBe:</b> Wieviel hat die USA zur Aggressivität<br />
von Israel beigetragen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die USA hat weitgehend überwiegend das Waffenarsenal<br />
gestellt und stellt es noch. Außerdem hat der amerikanische<br />
Präsident mit seiner Parole vom Kampf gegen den internationalen<br />
Terrorismus sicher auch die israelische Regierung dazu motiviert,<br />
so stark auf die Entführung der beiden Soldaten im Libanon<br />
zu reagieren.
</p>
<p>
<b>corzi:</b> Was halten Sie von der Vermutung, dass<br />
Bush auf diese Weise letztendlich an den Iran rangehen will? Bleiben<br />
Sie uns gesund!
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Danke für den Gruß. Das spielt sicher<br />
mit eine ganz entscheidende Rolle. Ich glaube aber, dass auch Iran<br />
ein Interesse hat, die Sache am köcheln zu halten, um eben<br />
sozusagen ein Faustpfand zu haben im Hinblick auf das im August<br />
ablaufende Ultimatum.
</p>
<p>
L<b>e Clercq:</b> Ich betrachte mich als ein Freund des<br />
israelischen Volkes. Aber wie lang kann die Welt noch zuschauen,<br />
wie eine demokratisch gewählte Regierung (unter dem Schutz<br />
der USA) Völkerrecht am laufenden Band missachtet?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Dazu kann man sachlich feststellen, dass es in<br />
den letzten Jahrzehnten sehr viele UN-Resolutionen gab, die nicht<br />
umgesetzt wurden. Dann ist die Folgerung zulässig, dass sich<br />
daran wenig ändern wird.
</p>
<p>
<b>Meinecke:</b> Gibt es Neuigkeiten darüber, was<br />
den Verdacht gegenüber Israel betrifft, sie würden geächtete<br />
biologische oder chemische Waffen gegen die Zivilbevölkerung<br />
einsetzten.?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Wir wissen &#8211; bestätigt von internationalen<br />
Ärzten &#8211; von so genannten Cluster-Bombs, d.h. Splitterbomben.<br />
Die wurden von Israel auch schon 1982 während der so genannten<br />
Operation &quot;Galiläa&quot; eingesetzt. Von biologischen<br />
oder chemischen Bomben ist mir persönlich nichts bekannt.
</p>
<p>
<b>che:</b> Wann werden Sie Nasrallah interviewen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> So bald er mir sagt, wo er steckt. Es gibt keine<br />
klaren Hinweise, wo er sich aufhält. Es gibt seit Wochen das<br />
Gerücht, er könne in der iranischen Botschaft hier in<br />
Beirut sein. Sicher ist wohl, dass er jede Nacht woanders schläft.
</p>
<p>
<b>Mr. Sony:</b> Wie beschaffen Sie Ihre Informationen<br />
vor Ort? Nutzen Sie beispielsweise auch die vielzitierten Warblogs,<br />
oder spielen diese aus Ihrer Sicht noch keine Rolle?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Warblogs spielen natürlich eine Rolle,<br />
genauso wie Bildmaterial, das im Internet auftaucht. Entscheidend<br />
für uns ist, ob wir die Informationen gegen checken, also verifizieren<br />
können. Aber selbstverständlich werden alle Quellen genutzt.
</p>
<p>
<b>caburger:</b> Was können wir in Deutschland tun,<br />
statt nur ohnmächtig und entsetzt zuzuschauen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das ist eine Frage, die ich nur so beantworten<br />
kann: Es sollte möglichst viel Information über das Leid<br />
der Menschen verbreitet werden, besonders über die Situation<br />
der Kinder und der alten Menschen. Dann entsteht möglicherweise<br />
ein humaner Druck, der die politisch Handelnden zum Überlegen<br />
bringt.
</p>
<p>
<b>mm02:</b> Wie muss man sich die Hisbollah eigentlich<br />
vorstellen? Sind das normale berufstätige Männer? Wie<br />
ich gelesen habe, organisiert die Hisbollah sogar die Müllabfuhr.<br />
Das klingt merkwürdig für eine so genannte &quot;Terrororganisation&quot;.
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Hisbollah hat ihre Wurzeln in der letzten<br />
Invasion 1982, der so genannten Operation &quot;Galiläa&quot;.<br />
Damals fing sie als Hilfsorganisation an und hat z.B. die Müllabfuhr,<br />
die Schulen, Krankenhäuser sowie Heime im Süden Beiruts<br />
während dieser Kriegssituation am Leben gehalten. Ich kenne<br />
selber Mitglieder der Hisbollah, die im Privatleben völlig<br />
normalen Berufen nachgehen, wie Handwerker, Händler, selbst<br />
Ingenieure, die aber in einer solchen Situation dann auch zur Waffe<br />
greifen.
</p>
<p>
<b>skyluke:</b> Wie beurteilen Sie die Informationspolitik<br />
der Hisbollah? Ist sie schon so professionell, wie es den Eindruck<br />
hat &#8211; mit fingierten Nachrichten?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die ist absolut professionell. Hisbollah hat<br />
ja auch einen nach wie vor &#8211; trotz vieler Bombardierungen &#8211; funktionierenden<br />
Propagandasender mit dem Namen &quot;al-Manar&quot;, übersetzt<br />
&quot;der Leuchtturm&quot;. Wir haben dieses Programm bei uns ständig<br />
laufen, weil bis ins kleinste Detail über den letzten Stand<br />
der Kämpfe informiert wird. Natürlich sollte man davon<br />
ausgehen, dass viele Informationen so nicht unbedingt stimmen. Aber<br />
die Hisbollah ist insgesamt, was den Propagandakrieg angeht, ausgezeichnet<br />
aufgestellt.
</p>
<p>
<b>hasouneh:</b> Was können Sie über die Angaben<br />
der Todesopfer der Hisbollah-Kämpfer in den israelischen Medien<br />
sagen. Realistisch?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Hisbollah selber gibt bisher keine Zahlen<br />
über tote Kämpfer heraus. Was die israelischen Angaben<br />
angeht, denke ich: Die sollte man mit Vorsicht genießen, eben,<br />
weil wir uns in einem Krieg befinden.
</p>
<p>
<b>noway:</b> Welcher Erfolg für Israel ist im Höchstfall<br />
durch die Militäroperationen überhaupt denkbar? Die Hisbollah<br />
wird dadurch wohl kaum zerschlagen oder dauerhaft neutralisiert<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Gute Frage. Maximal die Einrichtung einer Pufferzone,<br />
die von internationalen Truppen überwacht wird. Man muss aber<br />
davon ausgehen, dass es trotzdem immer wieder Angriffe auf den Staat<br />
Israel geben wird. In den siebzigern und Anfang der achtziger Jahre<br />
war das die PLO, dann folgten die Amman-Milizen, jetzt ist es die<br />
Hisbollah &#8211; und wer weiß, wer es in 10 Jahren ist.
</p>
<p>
<b>MarkusNRW:</b> Sehr geehrter Herr Leclercq, wie stehen<br />
Sie zu der Aussage von Ex-Außenminister Fischer, der sich<br />
derzeit im Iran aufhält, der Iran könne eventuell als<br />
Vermittler ins Kriegsgeschehen eingreifen? Ich wünsche Ihnen<br />
und Ihrem Team alles Gute und bleiben Sie gesund!
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich bedanke mich auch für mein Team und<br />
glaube, Herr Fischer hat Recht. Der Iran war und ist der Pate oder<br />
der Ziehvater der Hisbollah, nicht nur militärisch, sondern<br />
mindestens genauso wichtig ideologisch. Wenn der Iran die Hisbollah<br />
auffordert, etwas zu tun, dann hat das den Charakter eines Befehls.
</p>
<p>
<b>marnie:</b> Guten Morgen. Denken Sie, dass die Hisbollah<br />
durch ein &quot;Absägen&quot; der oberen Führungsebene<br />
entscheidend geschwächt würde oder würde sich innerhalb<br />
kürzester Zeit eine neue Führungsebene ergeben und die<br />
Kämpfe aufgrund der Autonomie der einzelnen Kampftruppen gleichermaßen<br />
weitergehen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Es hat in der Vergangenheit mehrere Führer<br />
der Hisbollah gegeben. Nicht alle waren sicher so charismatisch<br />
wie Hassan Nassrallah. Aber angenommen, er käme ums Leben wie<br />
seine Vorgänger, würde das die ideologische und militärische<br />
Kampfkraft der Hisbollah meiner Meinung nach nicht schwächen.<br />
Es würden sich andere Führungskräfte finden. Auf<br />
der Operationsbasis gingen die Kämpfe weiter wie bisher.
</p>
<p>
<b>rttr:</b> Wie ist die Stimmung unter der christlichen<br />
Bevölkerung des Libanon &#8211; pro oder contra Israel/Hisbollah?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Stimmung war zu Beginn der Kämpfe eher<br />
gegen die Hisbollah und ihr Vorgehen. Durch die hohe Zahl an Toten<br />
Libanesen und die hohen materiellen Schäden und auch die Angriffe<br />
selbst auf den christlichen Teil des Landes ist diese Stimmung gekippt.<br />
Die Libanesen empfinden sich insgesamt im Krieg als Opfer, auch<br />
die Christen, so dass im Moment die Hisbollah eher profitiert.
</p>
<p>
<b>basti007:</b> Wie wird Israel auf einen Beschuss Tel<br />
Avivs reagieren? Droht dann ein wirklicher Krieg?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ja, ich denke, wenn das passieren sollte, würde<br />
sicher die komplette Kriegsmaschinerie ausgelöst. Im Moment<br />
kann man sagen, dass &quot;nur&quot; begrenzt militärisch vorgegangen<br />
wird.
</p>
<p>
<b>StBKK:</b> Kann man als westlich aussehender Mensch<br />
in Beirut unbehelligt auf die Strasse gehen? Ist der Hass gegen<br />
die USA und alles westliche groß? Wird differenziert zwischen<br />
USA und Europa oder Deutschland?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Beirut ist traditionell eine Weltstadt wie London<br />
oder Paris. Es ist für Europäer und selbst für Amerikaner<br />
völlig unproblematisch, sich in Beirut zu bewegen oder zu leben.<br />
Es ist nur in den südlichen Vororten, die überwiegend<br />
schiitisch sind und die auch von der Hisbollah kontrolliert werden,<br />
nicht ratsam für Ausländer, sich allein dort zu bewegen.<br />
Das war aber auch schon lange vor dem Krieg so.
</p>
<p>
<b>andreasw:</b> Wären sie derzeit lieber an einem<br />
anderen Ort als Korrespondent tätig? Wie würden sie ihr<br />
persönliches Verhältnis zum Libanon beschreiben?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich habe ein, glaube ich, sehr persönliches<br />
Verhältnis zum Libanon. Es ist in unserem Berichtsgebiet mein<br />
Lieblingsland. Ich habe hier seit Jahrzehnten sehr viele Freunde,<br />
nicht nur in Beirut, auch in anderen Teilen des Landes. Ich kann<br />
sagen, ich fühle mich hier wohl, so komisch das unter diesen<br />
Umständen klingen mag. Und ich hoffe nur, dass den Libanesen<br />
ihr schönes Land nicht ganz kaputt gemacht wird.
</p>
<p>
<b>nummer5:</b> Fangen die kriegerischen Auseinandersetzungen,<br />
die wir jetzt sehen, nicht schon in den Köpfen der Kinder an?<br />
Woher kommt diese Bildung?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das ist leider so der Fall. Und ist eben entsprechend<br />
beschädigt.
</p>
<p>
<b>Burgund:</b> Ich vermute, dass es auf beiden Seiten<br />
eine Menge Menschen gibt, die diesen Konflikt in keiner Weise befürworten.<br />
Stimmt das? Und haben diese Menschen denn keinen Einfluss?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das stimmt, das sind insbesondere die jungen<br />
Leute, die eigentlich auf beide Seiten ihr Leben in Ruhe leben wollen,<br />
auch entsprechend einem Beruf nachgehen wollen. Sie haben nur das<br />
Pech, auch auf beiden Seiten, Opfer eines Konfliktes zu sein, der<br />
die Welt seit über 50 Jahren immer wieder beschäftigt.<br />
Und wo die internationale Gemeinschaft noch immer keine Lösung<br />
gefunden hat.
</p>
<p>
<b>rohe_m:</b> Halten sie es für wahrscheinlich,<br />
dass es in absehbarer Zeit zu einer erneuten, eventuell länger<br />
andauernden Waffenruhe kommt, weil sie von Condoleeza Rice angesprochen<br />
wurde?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Es wird in den nächsten Wochen zu einer<br />
Waffenruhe kommen. Sie wird sicher auch eine gewisse Zeit anhalten,<br />
allein aus dem Grunde, dass beide Konfliktparteien sich erst einmal<br />
genug geschwächt haben. Das heißt aber nicht, dass in<br />
der Zukunft solche Auseinandersetzungen nicht mehr stattfinden werden.
</p>
<p>
<b>Lucks:</b> Sehr geehrter Herr Leclercq, inwiefern<br />
ist dieser Konflikt ein anderer, als der Krieg Israels von 1982<br />
und die Okkupation bis 2002? Wodurch unterscheiden sich die Konflikte?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Der ganz große Unterschied ist dieses Mal,<br />
dass Libanesen selbst gegen Israel kämpfen. Das heißt,<br />
dass der Rückhalt im Libanon durch ein solches Vorgehen völlig<br />
anders ist als z.B. damals für die PLO, die ja im Prinzip im<br />
Libanon und im Beirut nichts zu suchen hatte.
</p>
<p>
<b>supertobi:</b> Halten sich denn noch israelische Kollegen<br />
im Libanon auf? Falls ja: Wie wirkt sich denn das unsägliche<br />
Leid dort auf ihre Arbeit aus?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich persönlich habe noch keine getroffen,<br />
kann mich aber erinnern, dass das in früheren Zeiten durchaus<br />
der Fall war. Das Problem dürfte dieses Mal für israelische<br />
Kollegen die Einreise sein. Syrien würde sie mit Sicherheit<br />
zurückweisen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Woher bekommen israelische Journalisten<br />
ihre Informationen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die israelischen Journalisten befinden sich sozusagen<br />
auf den Spuren der israelischen Armee. Sie müssen sich also<br />
vorstellen, dass sie praktisch den israelischen Soldaten nachrücken<br />
oder auch &quot;embedded&quot; sind und sich so ihre Informationen<br />
beschaffen.
</p>
<p>
<b>Mischa-E</b>: Ständige Auseinandersetzungen mit<br />
radikalen Palästinensern, jetzt ein Krieg mit der Hisbollah<br />
im Libanon: Syrien und der Iran sind nicht weit von einer Beteiligung<br />
entfernt. Wie weit kann Israel noch gehen und wie weit werden die<br />
USA das mittragen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Israel wird immer soweit gehen, wie es meint,<br />
dass es notwendig ist, um seine Sicherheit zu gewährleisten.<br />
Sicherheit ist das große Stichwort, wenn man die Politik Israels<br />
verstehen will.
</p>
<p>
<b>ojo:</b> Wird in ihrem Arbeitsalltag von einer der<br />
Seiten, oder beiden Seiten, versucht, auf Ihre Berichterstattung<br />
Einfluss zu nehmen? Wenn ja, in welcher Form?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Hier im Libanon findet keinerlei Zensur statt<br />
im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern. Das war übrigens<br />
schon immer so. Es gibt wahrscheinlich im Libanon die beste Presse<br />
in der arabischen Welt. Auflagen gibt es, z.B. wenn wir Einrichtungen<br />
der Hisbollah filmen wollen oder wenn wir uns in einem Gebiet bewegen<br />
wollen, das von der Hisbollah kontrolliert wird.
</p>
<p>
<b>Swann:</b> Haben Sie Informationen, inwieweit die<br />
Zivilbevölkerung aus dem Süden Libanons geflohen ist?<br />
Wird diese Flucht möglicherweise von Dauer sein?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Es sind im Moment rund eine Million Menschen.<br />
Man muss in diesem Zusammenhang, glaube ich, inzwischen von einer<br />
Vertreibung sprechen. Es gibt Kollegen, die der Ansicht sind, dieses<br />
sei ein auf Dauer angelegtes Szenario für den Süden des<br />
Libanon. Ich persönlich glaube und hoffe das nicht. Ich denke,<br />
die Menschen werden in einigen Wochen in ihre Dörfer zurückkehren<br />
können. Allerdings: Die Dörfer sind großteils zerstört<br />
und die Infrastruktur auch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 hochinteressante Minuten<br />
tagesschau-Chat mit dem ARD-Korrespondent Patrick Leclercq. Wir<br />
bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben und bitten um Verständnis,<br />
dass wir nicht alle Fragen berücksichtigen konnten. Besonderer<br />
Dank gilt Patrick Leclercq, der sich trotz der schwierigen Umstände<br />
Zeit für uns genommen hat.
</p>
<p>
<b><b>Patrick Leclercq:</b></b> Ich bedanke mich auch für<br />
das große Interesse. Wir bekommen ja die Stimmungslage in<br />
Deutschland nur zum kleinen Teil mit. Deshalb ergibt sich für<br />
mich aus den Fragen ein hochinteressantes Bild.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
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