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	<title>Linksextremismus &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Linksextremismus &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Extreme im Netz: Links vor Rechts</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rita Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 10:11:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassungsschutz]]></category>
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		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Verfassungsschutzbericht 2009 erhält das Thema Rechtsextremismus ein eigenes Unterkapitel zum Bereich Internetaktivität. Das gibt es für die Linksextremen nicht. Dabei nutzen sie das World Wide Web schon viel länger als die Rechten. politik-digital.de hat sich das Netzverhalten der Linksextremen einmal näher angeschaut.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Verfassungsschutzbericht 2009 erhält das Thema Rechtsextremismus ein eigenes Unterkapitel zum Bereich Internetaktivität. Das gibt es für die Linksextremen nicht. Dabei nutzen sie das World Wide Web schon viel länger als die Rechten. politik-digital.de hat sich das Netzverhalten der Linksextremen einmal näher angeschaut.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Das Spinnennetz<br />
</b>
</p>
<p>
Bereits 1991 entwickelten Linksextreme in Deutschland ein überregionales verschlüsseltes Mailboxsystem, genannt &quot;SpinnenNetz&quot;. In weiterer Folge entstand daraus das älteste linksextreme Info-Portal <a href="http://www.nadir.org/nadir/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nadir</a>. Bereits 2004 wurde die Zahl der Internetseiten mit linksextremistischen Inhalten vom Verfassungsschutz auf 1200 geschätzt. Zum Vergleich: Der Verfassungsschutzbericht 2009 zählt 1000 deutschsprachige Web-Auftritte bei den Rechten. Die Linksextremen seien den Rechten im Internet &quot;um vier bis fünf Jahre&quot; voraus, sagt Rudolf van Hüllen, ehemaliger Referatsleiter Linksextremismus beim Bundesamt für Verfassungsschutz, im Gespräch mit politik-digital.de.
</p>
<p>
<b>Traditionalisten versus Autonome<br />
</b>
</p>
<p>
Laut van Hüllen gebe es zwei verschiedene Typen von Linksextremen im Internet: Zum einen seien dies die &quot;Traditionalisten&quot;, gefestigte Organisationen, die hauptsächlich Ausgaben linker Zeitungen im Internet &quot;spiegeln&quot; würden. So zum Beispiel die Seite der <a href="http://www.dkp.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutschen Kommunistischen Partei (DKP)</a> oder der <a href="http://www.mlpd.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD)</a>, auf denen die <a href="http://www.dkp-online.de/uz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zeitungsartikel</a> und <a href="http://www.mlpd.de/themen/flugblatter/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Archive</a> ihrer Parteiorgane zu finden sind.
</p>
<p>
Den anderen Typus bilden die sogenannten &quot;Autonomen&quot;, unabhängige anarchistische Splittergruppen. Im Vergleich zu den Traditionalisten achten sie auf Anonymität im Netz. Hauptsächlich stellen die Autonomen Aktions- und Bündnisportale ins Netz, wie zum Beispiel die Aktionsplattform <a href="http://www.antifa-berlin.de/1mai2010/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&quot;Bündnis Berliner Antifa-Gruppen gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai 2010 in Berlin&quot;</a>.
</p>
<p>
<b>Globale Mobilisierung<br />
</b>
</p>
<p>
Viele linksextreme Gruppen im Internet seien Bestandteile von internationalen Netzwerken, so van Hüllen weiter. Eines der weltweit größten linksorientierten Informationsforen sei das Internetportal <a href="http://www.indymedia.org/de/index.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Indymedia</a>. Laut dem <a href="http://www.im.nrw.de/sch/416.htm/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Innenministerium Nordrhein-Westfalen</a> richtet sich das Portal &quot;vor allem an linksalternative und linksextremistische Nutzer und Konsumenten&quot; und will eine &quot;Gegenöffentlichkeit zu den kommerziellen Medien schaffen will&quot;. Neben der Dokumentation vergangener Aktionen werden auf dem <a href="http://de.indymedia.org/index.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">deutschen Ableger</a><a href="http://de.indymedia.org/index.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> des Portals</a> unter anderem Ortsangaben rechtsradikaler Konferenzen inklusive Namen und Wohnorte der Initiatoren veröffentlicht.
</p>
<p>
<b>Eigene Netzwerke statt Facebook &amp; Co<br />
</b>
</p>
<p>
Bisher konnte der Verfassungsschutz noch keine bedeutenden Aktivitäten von Linksextremen in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook messen. Es wird angenommen, dass die Aktivisten eigene Bündnisportale und Netzwerke gegenüber kommerziellen Seiten bevorzugen würden. Diese selbst angelegten Aktions-Seiten würden oft von linksorientierten Gewerkschaften oder Parteien unterstützt und so den uninformierten Nutzern eine scheinbare Seriosität vermitteln, so van Hüllen. Daher müssten Linksradikale, im Gegensatz zu den <a href="/rechtsradikale-im-internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rechtsextremen</a>, keine Umwege über soziale Netzwerke machen. Viele linksextreme Internetseiten seien außerdem schwerer aufspürbar, da sie meist nach der Durchführung einer Kampagne von den Initiatoren wieder gelöscht würden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Gästebuch von Sebnitz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/das-gaestebuch-von-sebnitz-858/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ehebecker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sebnitz]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelles Gästebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Republik lernt sich im Netz kennen: nachdem die &#34;Alten Medien&#34; die
Spirale der Entrüstung bis zum Anschlag angezogen haben, tobt nun
ein verbaler Kampf zwischen Ost und West, links und rechts im Gästebuch der Stadt Sebnitz. Der Tod des kleinen Joseph wird zum medialen Selbstläufer
und im Internet trifft sich, was nicht zusammenwachsen will.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Republik lernt sich im Netz kennen: nachdem die &#8220;Alten Medien&#8221; die<br />
Spirale der Entrüstung bis zum Anschlag angezogen haben, tobt nun<br />
ein verbaler Kampf zwischen Ost und West, links und rechts im Gästebuch der Stadt Sebnitz. Der Tod des kleinen Joseph wird zum medialen Selbstläufer<br />
und im Internet trifft sich, was nicht zusammenwachsen will.<!--break--><br />
Was ist der Unterschied zwischen Ossis und Serben? Die konnte man wenigstens bombardieren,<br />
um sie zu zivilisiertem Verhalten zu zwingen!&#8221;<br />
&#8220;Wenn das so weiter geht bauen wir wieder &#8216;ne Mauer, aber so hoch das in Frankreich Schatten<br />
ist. Manchmal frag ich mich echt was ihr Wessis ohne uns Ossis gemacht habt. Ihr seid doch alle<br />
Euren Boulevard-Medien verfallen.&#8221;<br />
Dies sind noch zwei der harmloseren Einträge aus dem<br />
<a href="http://www.oberelbe.de/gastbuch/gbsebn.htm" target="_new" rel="noopener noreferrer">Internet-Gästebuch</a> der<br />
sächsischen Stadt <a href="http://www.sebnitz.de/" target="_new" rel="noopener noreferrer"> Sebnitz</a>. Dort tobt parallel<br />
zur massenmedialen Berichterstattung über die Ermittlung, Verhaftung und Freilassung von<br />
Tatverdächtigen im Fall des ums Leben gekommenen Joseph nicht nur ein &#8220;Gesinnungskrieg&#8221;<br />
zwischen Rechts- und Linksextremen, sondern vor allem zwischen Ossis und Wessis.<br />
Die mediale Inszenierung des Falls, der nach drei Jahren vor allem durch die mittlerweile in<br />
Kritik geratene Beharrlichkeit der Eltern und die Sensationssucht der Boulevardmedien in den<br />
Fokus des öffentlichen Interesses gerückt ist, beschleunigt die Handlung des Dramas. Nachdem<br />
zunächst die Skandalisierung erfolgte, das hektische Handeln der Justiz gezeigt wurde und so<br />
die holzschnittartigen Ritualen der Politprominenz provoziert wurden, steht jetzt das Internet<br />
im Mittelpunkt. Dabei sind die Ereignisse im neuen Medium nicht nur Gegenstand der<br />
Berichterstattung, sondern auch wieder Teil der Entwicklung im Fall &#8220;Joseph&#8221;.<br />
Die Äußerungen im Internet-Gästebuch sind zum Teil volksverhetzend, gewaltverherrlichend und<br />
angesichts des Todes eines Kindes auch geschmacklos. Es scheint fast so als ob die &#8220;Alten<br />
Medien&#8221; aufgrund der pietätlosen Äußerungen des &#8220;Volksmundes&#8221; im Internet-Gästebuch die Nase<br />
über das &#8220;Neue Medium&#8221; rümpfen und sich freuen, weiter an der Skandalschraube drehen zu können.<br />
Ein willkommener Nebenkriegsschauplatz ist eröffnet. Anstatt inne zu halten und das eigene<br />
Handeln zu hinterfragen, bei dem zum Teil Verdächtigungen und Vermutungen ungeprüft in den<br />
Medienkreislauf eingespeist wurden, wird weiterhin der Entrüstungsspirale gefolgt. Zu der<br />
alten Absprache der Medien, dass an dem Fall Neo-Nazis beteiligt waren und von der<br />
schweigenden Mehrheit gedeckt werden, kommt nun die Empörung über den offenen und unzensierten<br />
Schlagabtausch im Netz.<br />
Nicht zuletzt durch die Berichterstattung in Presse und Fernsehen sind die Zugriffe auf das<br />
Sebnitzer Gästebuch von vermutlich 17 im Jahr auf 17,8 pro Minute hochgeschnellt und liegen<br />
mitlerweile insgesamt um die 100 000. Das digitale Deutschland trifft sich momentan am Rande<br />
der sächsischen Schweiz und jeder schaut mal rein. Traffic ist Trumpf und kein Spruch zu<br />
dumm, um nicht zur Schau gestellt zu werden. Neben der offenen Verhöhnung der Familie des<br />
Opfers &#8220;Abdulla und seine 2 Schlampen ab nach Irak oder lebenslang ins Zuchthaus&#8221; und den<br />
nicht minder harmlosen Kampfansagen an die &#8220;Nazi-Brut&#8221; im Osten wird schnell die Werbung für<br />
&#8220;Handytaschen&#8221; oder das Bekenntnisse zu einem Fußballclub geposted.<br />
Die Problematik mit virtuellen Pinnwänden ist <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/nf/0,1518,105282,00.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">nicht neu</a>.<br />
Nicht zum ersten Mal werden vor allem die unkontrollierten und ungepflegten Gästebücher von<br />
Kommunen und Institutionen missbraucht. Die Alternativen lauten abschalten oder zensieren.<br />
Auch die Stadt Sebnitz hatte zwischenzeitlich die Seite gesperrt, aber unter dem Hinweis,<br />
dass die &#8220;Diskussion&#8221; von der Polizei beobachtet werde, wieder freigeschaltet. Unterdessen wurde auf der Homepage des Schauspielers <a href="http://www.herbert-meurer.de/" target="_new" rel="noopener noreferrer"><br />
Herbert Meurer</a>, der sich für eine solidarische und demokratische Netzöffentlichkeit<br />
engagiert, unter <a href="http://www.usp2.de/forum/index.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">www.krisenloesung.de</a><br />
ein alternatives Diskussionsforum eingerichtet.<br />
So fordern die überraschten Besucher des Sebnitz-Gästebuches einerseits immer wieder die<br />
permanente Säuberung der Einträge oder verlangen anderseits die Sicherung der aufgrund des<br />
Traffics nicht mehr sichtbaren Äußerungen. Und in der Tat handelt es sich hier um ein<br />
deutsches Zeitdokument einer in sich gespaltenen Republik in dem Vorurteil und Selbstmitleid,<br />
Wessis und Ossis, Linksextreme und Rechtsradikale (West wie Ost), Normalos, Voyeure sowie<br />
wirklich betroffene und couragierte Mitbürger ungebremst und ungefiltert aufeinander treffen.<br />
Und das ist in dieser Unmittelbarkeit in keinem andern Medium denkbar. Dabei dürfte einerseits<br />
die Konfrontation mit dem offen Hass und der bedrohlichen Präsenz von Rechtsextremen in der<br />
Öffentlichkeit (Ost) und andererseits mit der Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit (West)<br />
für so manchen gesamtdeutschen Nischenbewohner ein Schock sein. Aber vielleicht ist gerade<br />
das ein erster Schritt, um die so viel beschworene Zivilgesellschaft zu beleben.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Sebnitz 2.0</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/die-netzjournaille/sebnitz_2_0-846/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ehebecker]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Netzjournaille]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelles Gästebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sebnitz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
Ossis gegen Wessis, Linke contra Rechte - der Krieg der Meinungen
um den &#34;Fall Joseph&#34; tobte im virtuellen Gästebuch der Stadt
Sebnitz, bis das Forum geschlossen wurde. Die politik-digital-Autoren
Eike Hebecker und Christoph Bieber verstehen und kommentieren die
Netzereignisse als Echo auf mediale und reale Verwerfungen im Lande.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Ossis gegen Wessis, Linke contra Rechte &#8211; der Krieg der Meinungen<br />
um den &quot;Fall Joseph&quot; tobte im virtuellen Gästebuch der Stadt<br />
Sebnitz, bis das Forum geschlossen wurde. Die politik-digital-Autoren<br />
Eike Hebecker und Christoph Bieber verstehen und kommentieren die<br />
Netzereignisse als Echo auf mediale und reale Verwerfungen im Lande.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das<br />
virtuelle Gästebuch der sächsischen Kleinstadt Sebnitz, die durch den<br />
&quot;Fall Joseph&quot; in die Schlagzeilen geraten ist, wurde am 4. Dezember bis<br />
auf weiteres aus dem Netz genommen, nachdem es vierzehn Tage lang mit<br />
rechts- wie linksextremistischen Parolen befeuert worden war. Im<br />
Strudel der virtuellen Wirrköpfe und digitalen Demagogen sind die<br />
wenigen nachdenklichen und räsonierenden Beiträge besorgter Bürger<br />
weitgehend untergegangen.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auf<br />
den Web-Seiten der Kommune schaukelten sich einerseits xenophobische<br />
Hetztiraden &#8211; vor allem, aber nicht ausschließlich gegen die Familie<br />
Abdullah &#8211; und linksradikale Gewaltaufrufe (&quot;Tötet das Nazipack&quot;) zu<br />
einer für viele Beobachter schockierenden Welle aus Hassgefühlen,<br />
Ignoranz und Dummheit hoch. Andererseits trafen Vorurteile und<br />
Selbstmitleid unter „Ossis“ und „Wessis“ in noch nie da gewesener Härte<br />
aufeinander. Die beiderseitige Bekundung, die Mauer wieder hoch ziehen<br />
zu wollen, gehörte dabei noch zu den harmloseren Drohungen. Hier<br />
scheinen sich über zehn Jahre angestaute und nicht bewältigte Probleme<br />
der Wiedervereinigung eruptionsartig Bahn gebrochen zu haben.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Vor<br />
dem Hintergrund einer derartigen Auseinandersetzung im öffentlichen<br />
Raum des Internet verweist die immer wieder problematisierte Frage des<br />
Verhältnisses der Deutschen zu ihren ausländischen Mitbürgern und die<br />
bisweilen peinlich anmutende Diskussion um eine kulturelle Identität<br />
vor allem darauf, dass sich Deutsche in Ost und West weitgehend fremd<br />
geblieben sind und nach wie vor mit Misstrauen begegnen. Ausländerhass<br />
und Naziparolen sind dabei ebenso Mittel und Medium wie demonstrativer<br />
Antifaschismus und symbolisches „Gutmenschentum“.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ebenso<br />
wie die mediale Berichterstattung im &quot;Fall Joseph&quot; dem Generalverdacht<br />
von rechtsradikalen Tätern im Osten verfallen ist und mit Sebnitz eine<br />
ganze Region in Sippenhaft genommen hat, verfahren auch die hetzenden<br />
Schreihälse und selbsternannten Saubermänner im Gästebuch. Sie springen<br />
auf den Themenzug auf, nutzen die öffentliche Aufmerksamkeit und<br />
liefern quasi die „O-Töne“ zu den Szenarien, die in den Medien<br />
entworfen werden.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das<br />
&quot;Ereignis sebnitz.de&quot; scheint in mehrfacher Hinsicht Premierencharakter<br />
zu haben. Erstmals wurde ein öffentliches Gästebuch im Internet zum<br />
Austragungsort einer bundesweit beachteten digitalen Debatte. Aber<br />
warum? Aus welchem Grund wird eine randständige Homepage eines<br />
ostdeutschen Provinzstädtchens zum Schauplatz einer relativen Neuheit,<br />
der Nutzung eines &quot;öffentlichen Ortes&quot; als kommunikativem Kampfplatz<br />
für ideologische Extrempositionen und einem Resonanzboden für die<br />
Befindlichkeit einer in sich gespaltenen Republik?<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Drei nur scheinbar einfache Erklärungsversuche bieten sich an.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Erstens.</b><br />
Das Netz wirkt als Ventil &#8211; wer nicht auf die Straße gehen will oder<br />
gehen kann, echauffiert sich heute eben digital und heizt die<br />
fremdenfeindliche Stimmung als „Adi“, “Anonymus“ oder „Helmut Kohl“ an.<br />
Anders gesagt: Wer e-mails schreibt, wirft keine Steine mehr. Neben der<br />
augenscheinlichen Naivität dieser Aussage ist hier auf die<br />
Besonderheiten der digitalen Anonymisierung hinzuweisen. Denn die von<br />
vielen Schreiberlingen selbstgewählte Vermummung führt zu einer<br />
gewissen „Entwertung“ solcher Beiträge, mögen sie auch noch so ekelhaft<br />
und rassistisch sein. Das Fehlen einer &#8211; wenn man so will –<br />
„demokratischen Identität“ macht das laute Schrei(b)en im Gästebuch zu<br />
einem nicht-öffentlichen Protest. Hier, in diesem besonderen Fall, wäre<br />
dem Hamburger Medienforscher Knut Hickethier beizupflichten, der<br />
digitale Proteste stets mit dem Drücken der Lösch-Taste kontrollieren<br />
möchte und öffentliches Aufbegehren nur „auf der Straße“ für zulässig<br />
hält. Dabei muss immerhin der „reale Körper“ dem Protest Ausdruck und<br />
Authentizität verleihen. Die bedächtigeren und demokratisch gesinnten<br />
Diskutanten prangerten daher auch die Anonymität an und versahen ihre<br />
Beiträge demonstrativ mit der „wahren“ Identität, um ihnen<br />
Authentizität und Gewicht zu verleihen.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Zweitens.</b><br />
Das digitale Gästebuch stellt ein Zwitterwesen aus den Mechanismen der<br />
Berichterstattung in den alten Medien und den Optionen des Mediums<br />
Internet dar. Dabei treten vor allem die negativen Folgen einer<br />
ungefilterten und unmoderierten Öffentlichkeit hervor. An dieser Stelle<br />
liegt vielleicht eine Deutungsmöglichkeit, die zumindest den<br />
zweifelhaften „Boom“ der Website erklären könnte. Nüchtern &#8211; sofern<br />
möglich &#8211; wäre zunächst einmal festzuhalten, dass die &quot;Sebnitz-Site&quot;<br />
unter aufmerksamkeitsökonomischen Gesichtspunkten äußerst erfolgreich<br />
war. Sie stand im Fokus des öffentlichen Interesses, auf die Meldungen<br />
in den einschlägigen Online-Medien folgte die überregionale Presse und<br />
auch das Fernsehen hat sich der Story angenommen. Das Internet wirkt<br />
als Themen-Reservoir für die alte Medienwelt, nicht nur „Moorhuhn“ und<br />
„Big Brother“ lassen grüßen. Online wird vieles nachvollzogen, was die<br />
Inszenierung der Boulevardmedien vorgibt. Nur hier sind die<br />
Artikulationen nicht mehr zu kontrollieren, sie werden nicht mehr durch<br />
den – wenn auch bescheidenen – massenmedialen Filter gejagt. Der Preis<br />
einer absoluten Redefreiheit ist die absolute Niveaulosigkeit vieler<br />
Einträge, die es zu ertragen gilt.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Drittens.</b><br />
Das Netz ist zum Ort eines echten politischen Diskurses geworden, der<br />
eine argumentative, rationale Auseinandersetzung mit der Thematik<br />
ermöglicht. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Allein schon der<br />
verschwindend geringe Anteil „normaler“, „ergebnisorientierter“<br />
Einträge im Sebnitzer Gästebuch macht diese Hoffnung zunichte. Zudem<br />
sind dort auch nicht die richtigen Akteure (Betroffene/Beteiligte,<br />
Sachverständige, Politiker) vertreten, um eine sachliche, vernünftige<br />
Diskussion zu führen. Stattdessen sind es in der Mehrzahl mediale<br />
Trittbrettfahrer, die durch tendenziöses Halb- oder Nichtwissen das<br />
digitale Gästebuch der Stadt besudeln. Andererseits scheint hier<br />
erstmals ungebremst und ungefiltert zusammen zu kommen, was in einer<br />
„bürgerlichen“ und massenmedialen Öffentlichkeit nicht zusammengehört.<br />
Sender und Empfänger, Berichterstatter und ihre Phänomene, O-Ton und<br />
Kommentar sowie Wessis und Ossis, Linksextreme und Rechtsradikale (West<br />
wie Ost), Normalos, Voyeure sowie wirklich betroffene und couragierte<br />
Mitbürger. Und das ist in dieser Unmittelbarkeit in keinem andern<br />
Medium denkbar. Das hohe „Empörungspotenzial“ ist dabei vor allem in<br />
der digitalen Verkoppelung realen und medialer Nischen zu sehen.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der<br />
&quot;Erfolg&quot; in Hits und Visits ist selbstverständlich nur vordergründig,<br />
er verkehrt sich durch die dubiose Basis eines nicht aufgeklärten<br />
Todesfalles selbstverständlich ins Gegenteil: das ohnehin schon<br />
ruinierte Image des Städtchens wird durch das digitale Wüten der<br />
Netzidioten und -chaoten nicht besser. Doch aus welchem Grund?<br />
Scheinbar herrscht der Glaube, auch die Netzdiskussion habe &quot;in<br />
Sebnitz&quot; stattgefunden. Doch dem ist nicht so, &quot;sebnitz.de&quot; ist zum im<br />
Wortsinn &quot;virtuellen Treffpunkt&quot; für eine &#8211; nicht nur deutsche &#8211; Szene<br />
geworden, die ihrer fremdenfeindlichen Einstellung durch die digitalen<br />
Kommentare tumben Ausdruck verleiht.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Was<br />
also tun? Die &quot;klassische&quot; Form des Aufstands der Anständigen, die<br />
Lichterkette, wurde ob der unsicheren Verhältnisse in und um Sebnitz<br />
abgesagt. Ist eine Verlagerung der gutmenschlichen Gegenaktion ins Netz<br />
a la &quot;www.sebnitz-ist-sauber.de&quot; der richtige Weg? Vermutlich nicht,<br />
auch wenn das Gewaltpotenzial geringer sein mag. Aber vielleicht gibt<br />
es doch Möglichkeiten, wie die extremistische Diskussionstätigkeit<br />
eingedämmt werden kann. Die eifrigen Gästebuch-Schreiber wollen nur zum<br />
Teil ihrer &quot;Gesinnung&quot; Ausdruck verleihen, sie wollen auch am &quot;Event&quot;<br />
sebnitz.de teilnehmen. Sicher ist die Schließung des Gästebuches ein<br />
Mittel. Ohnehin ist es der Stadt hoch anzurechnen, dass sie das<br />
Tagebuch nach seiner ersten kurzfristigen Schließung wieder geöffnet<br />
hat und trotz des drohenden Imageverlustes bis zum Montag online<br />
beließ. Die Motive hierfür lagen vor allem darin, andere<br />
Online-Adressen im Landkreis Oberelbe zu schützen, auf die die<br />
Diskussion überzugreifen drohte, erklärte ein Vertreter der<br />
Stadtverwaltung auf Anfrage. Darüber hinaus hatte der Staatsschutz aus<br />
Ermittlungsgründen darum gebeten, die Seite offen zu halten, um die<br />
extremistischen Schreihälse an einem zentralen Ort überwachen zu<br />
können.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Da<br />
den Schreibern aber bewusst gewesen sein dürfte, dass die Website unter<br />
einer verschärften Beobachtung von Polizei und Verfassungsschutz stand,<br />
dürften hier keine überragenden Erkenntnisse zu erwarten sein. Das<br />
Szenario erinnert vielmehr an die realen Kundgebungen von<br />
rechtsextremen Organisationen. Sie werden letztendlich unter Auflagen<br />
genehmigt, von der Polizei geschützt, von Gegendemonstranten attackiert<br />
und beschimpft. Das ganze Szenario wird dann vom Staatsschutz bzw.<br />
allen beteiligten Parteien fein säuberlich auf Video gebannt und<br />
ausgewertet.<br />
</span></span>
</p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Was<br />
bleibt, ist außer der Gewissheit, dass sich solche Ereignisse bei<br />
gegebenem Anlass auf jeder politischen, kommunalen oder<br />
institutionellen Homepage wiederholen können, vor allem die Erkenntnis,<br />
dass der „Fall sebnitz.de“ den Mechanismen von realem Protest auf der<br />
Straße in frappierender Weise ähneln. Nötig wären vor allem der Schutz<br />
und die Hervorhebung diskursorientierter Beiträge und damit der<br />
Versuch, eine politische Artikulation und Partizipation von Bürgern im<br />
Netz zu institutionalisieren und dahin zu lenken, wohin sie gehört: an<br />
einen erst noch zu schaffenden öffentlich-rechtlichen<br />
Kommunikationsraum im Netz.</span></span></p>
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		<title>Xtreme Surfin&#039;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[swieboldt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Vermummte Autonome, die  auf
Polizeiformationen Steine werfen oder kahl geschorene Neonazis, die die Reichskriegsflagge durch die Städte
tragen...  <br />
Sieht so der gängige Auftritt von Extremisten aus? Inzwischen haben sie ihr
Betätigungsfeld erweitert und das Internet für sich entdeckt.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Vermummte Autonome, die  auf<br />
Polizeiformationen Steine werfen oder kahl geschorene Neonazis, die die Reichskriegsflagge durch die Städte<br />
tragen&#8230;  <br />
Sieht so der gängige Auftritt von Extremisten aus? Inzwischen haben sie ihr<br />
Betätigungsfeld erweitert und das Internet für sich entdeckt.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Internet tummeln sich weltweit 250 Millionen Menschen, und es werden täglich immer mehr.<br />
Hierzulande surfen ungefähr zehn Millionen Nutzer über die Datenautobahn. Entweder weil sie<br />
einkaufen wollen, weil sie Informationen suchen oder einfach, um sich die Zeit zu vertreiben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Den technologischen Fortschritt und die zunehmende Verbreitung des Netzes machen sich aber<br />
auch Leute zu Nutzen, deren Gedankengut man eher in längst vergangenen Zeiten vermuten würde.<br />
Deutschtümelnde und andere Blut-und-Boden-Fanatiker oder aber auch Autonome und selbst<br />
ernannte &quot;Tschekisten&quot; greifen seit ein paar Jahren gezielt auf das Internet zurück.<br />
Diese Entwicklung ist nahe liegend: Das Internet ist dezentral organisiert und weltweit<br />
nutzbar. Da es keine einheitliche Rechtslage in den unterschiedlichen Ländern gibt, können<br />
Extremisten ihre Propaganda relative problemlos im Ausland ins Netz stellen, ohne dafür<br />
belangt zu werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch sind viele Nutzer leidenschaftliche Vertreter einer unbeschränkten Meinungsfreiheit,<br />
und so haben insbesondere amerikanische Bürgerrechtsgruppen die <a href="http://www.eff.org/blueribbon.html"><br />
&quot;Blue Ribbon Campaign&quot;</a> initiiert. Ihr Erkennungszeichen, ein blaues Band, symbolisiert<br />
den Schutz der Meinungsfreiheit. Besonders vehemente Vertreter dieser Gruppe &quot;spiegeln&quot;<br />
Homepages; sie kopieren bedrohte Seiten ganz oder teilweise, um sie selbst ins Netz zu<br />
stellen &#8211; allerdings ohne dass sie automatisch den Inhalt dieser Spiegelungen unterstützen.<br />
In den Genuss einer solchen Aktion kam beispielsweise &quot;radikal&quot;, eine in Deutschland<br />
verbotene Publikation aus dem linksextremen Milieu, die über einen niederländischen Server<br />
(<a href="http://www.xs4all.nl/">XS4ALL</a>) abrufbar war. Nachdem deutsche Online-Dienste auf<br />
Druck der Behörden den Zugang zu dem Server gesperrt hatten, spiegelten eifrige Betreiber<br />
anderer Homepages kurzerhand die &quot;radikal&quot;-Seiten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ähnliches widerfuhr dem Revisionisten Ernst Zündel, dessen rechtsextreme &quot;Zündelsite&quot; nach der<br />
Indizierung mehr als zwanzig Mal gespiegelt wurde. Zu den ersten Spieglern zählten<br />
amerikanische Studenten, die diese Homepage mit dem Hinweis &quot;ekelhaft&quot; etikettierten, sie<br />
aber trotzdem kopierten, weil sie jede Art von Zensur ablehnten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Schwerpunkt linksextremistischer Arbeit liegt in der Nutzung eigener und kommerziell<br />
betriebener Mailboxen und Newsgroups, daneben in der Archivierung politischer Forderungen.<br />
Dadurch erreichen sie eine optimale Verbreitung ihrer Propaganda und können bequem neue<br />
Mitglieder werben oder Mitstreiter besser mobilisieren. Symptomatisch ist das Internetprojekt<br />
&quot;nadir&quot; der so genannten &quot;Informationsgruppe Hamburg&quot;, die zur norddeutschen Autonomen-Szene<br />
zählt und mit der internationalen Vernetzung  der linksextremistischen Gemeinschaft eine<br />
&quot;linke Gegenöffentlichkeit&quot; kreieren will, um letztlich &quot;die herrschenden Verhältnisse<br />
umzustürzen und alle Ideologien, die diese stützen, anzugreifen&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><a title="pgp" name="pgp"></a><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Übriges tut die schnelle, jederzeit verfügbare Kommunikationsmöglichkeit via E-Mail, die<br />
dank verschiedener Verschlüsselungsverfahren für Strafverfolger und Verfassungsschützer<br />
nicht nachvollziehbar ist. Am gebräuchlichsten ist in diesen Kreisen das bekannte Programm<br />
&quot;Pretty Good Privacy&quot;, kurz: PGP. Es arbeitet mit zwei verschiedenen Schlüsseln &#8211; einem<br />
öffentlichen, Public Key genannt, und einem privaten, Secret Key &#8211; die beide zur Chiffrierung<br />
und Dechiffrierung benötigt werden. Der öffentliche Schlüssel geht an den Empfänger, der<br />
private bleibt beim Absender. Für eine chiffrierte Nachricht benutzt man dann den öffentlichen<br />
Schlüssel des Adressaten, der die Nachricht mit seinem privaten Schlüssel dechiffrieren kann.<br />
Die große Länge der verwendeten Codes garantiert dabei, dass die Nachrichten für Außenstehende<br />
nicht zu entschlüsseln ist. Ein andere Verschlüsselungsmethode bietet das<br />
Steganografie-Verfahren: Die Geheimnachricht wird dabei in einer Wirtsdatei versteckt, etwa<br />
einer Bilddatei, einem Ton- oder einem Videodokument &#8211; die Wirtsdatei wird durch dieses<br />
Verfahren nicht beeinträchtigt oder äußerlich verändert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In einem Bericht kommt das Bundesamt für <a href="http://www.verfassungsschutz.de/"><br />
Verfassungsschutz</a> zu dem Schluss: &quot;Linksextremisten präsentieren sich im WWW-Bereich<br />
relativ nüchtern. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Informationsvermittlung und der einfachen<br />
Nutzbarkeit des Angebots.&quot; Zusammenfassend stellen die Schlapphüte aus Köln fest: &quot;Die<br />
bisherige Entwicklung zeigt, dass dem Internet auch künftig eine besondere Bedeutung als<br />
Kommunikationsmedium im linksextremistischen Bereich zukommen wird.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Rechtsextreme verfügen über ein umfangreicheres Internet-Angebot. Das <a href="http://www.wiesenthal.com/"><br />
Simon Wiesenthal Center</a>, das sich mit seinem &quot;Digital Hate Report&quot; der Beobachtung der<br />
rechtsextremen Internetszene widmet, hat mehr als 1400 &quot;problematische Homepages&quot;<br />
identifiziert. Nach ihren Angaben hat sich die Zahl dieser Seiten innerhalb eines Jahres<br />
nahezu verdoppelt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dementsprechend findet man nicht nur die größeren rechtsextremen Parteien (DVU, NPD, die<br />
Republikaner) im Netz; daneben machen sich auch rechtsextreme Organisationen und einzelne<br />
Neonazis mit ihren Homepages breit. Wie ihre Antipoden vom linken Rand haben sie sich der<br />
Mitgliederwerbung, -mobilisierung und Propaganda verschrieben; ebenso nutzen sie die<br />
vielfältigen Kommunikations- und Verschlüsselungsmethoden zur ungestörten Vernetzung und<br />
Koordinierung ihrer Organisationen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Allerdings ist das Internet für sie insofern nützlicher, als sie auf diesem Wege vor allem<br />
junge Menschen ansprechen, die durch die Printmedien kaum zu erreichen wären. Auch Hemmungen<br />
normaler Menschen, sich dem Milieu zu nähern oder sich mit rechtsnationalen Ideen<br />
auseinanderzusetzen, werden nach Einschätzungen des Verfassungsschutzes somit unwichtiger.<br />
Darüber hinaus stellen Rechtsextreme ihre Seiten häufig über Server in den Vereinigten<br />
Staaten ins Netz. Dem Zugriff deutscher Behörden entzogen, können sie die ganze Palette ihrer<br />
Agitation anbieten. Üblicherweise finden sich dort Downloads gewaltverherrlichender<br />
Computerspiele mit rechtsextremen Hintergrund (z.B. &quot;Wolfenstein&quot; oder &quot;KZ Manager&quot;),<br />
Propagandaliteratur, darunter die Hitler-Bibel &quot;Mein Kampf&quot; und Texte so genannter<br />
Revisionisten, die den Holocaust wortreich leugnen, ferner Musik verbotener Skinhead-Bands<br />
mit einschlägigen Texten. Dazu gehören unter anderem die Seiten der<br />
&quot;Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei/Auslands- und Aufbauorganisation&quot;<br />
(NSDAP/AO) des zwischenzeitlich inhaftierten Gary Lauck oder die &quot;Zündelsite&quot; des bekannten<br />
deutsch-kanadischen Revisionisten Ernst Zündel.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In den USA konnte jedoch vor zwei Jahren die anonym ins Netz gestellte Seite  &quot;Der arische<br />
Ansturm&quot; stillgelegt werden. Dort waren neben der üblichen Propaganda auch präzise deutschsprachige<br />
Anleitungen zur Sprengstoffherstellung und zum Bombenbau zu finden. Die entsprechenden<br />
Chemikalien konnte die Polizei beim schließlich enttarnten Betreiber sicherstellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine Sonderkategorie stellen die Skinhead-Organisationen dar, die ja gerne allzuoft in eine<br />
Topf geschmissen werden. Viele der Sites konzentrieren sich weniger auf die offene<br />
Propagierung ihrer politischen Ziele; vielmehr bemühen sie sich um die<br />
Verbreitung der Szene-Musik und der entsprechenden Bekleidung. Jedoch gibt es auch hier<br />
Internationale Organisationen wie die neonazistische &quot;Hammerskin&quot;-Bewegung oder die<br />
&quot;Blood &amp; Honour&quot;-Bewegung, die bedeutendsten ihrer Art. Sie sind besonders mit der deutschen<br />
Szene verflochten und über US-Provider abrufbar. &#8211; Als besonders beunruhigend werten<br />
Verfassungsschützer die hohen Zuwachsraten solcher Seiten und deren besondere grafische und<br />
inhaltliche Qualität.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bezeichnend ist die erschreckend-optimistische Haltung von &quot;Blood &amp; Honour&quot;: &quot;Das Internet<br />
hat mehr zu unserer Vereinigung beigetragen als irgendein Pamphlet, das jemals gedruckt<br />
worden ist. Deine Waffenbrüder sind lediglich einen (Maus-) Klick entfernt! Obwohl die ZOG<br />
[gemeint ist die angeblich <b>z</b>ionist <b>o</b>ccupied <b>g</b>overnment,<br />
also zionistisch beherrschte Regierung] verzweifelt versucht, des unsichtbaren Imperiums<br />
des Nazi-Netzwerkes Herr zu werden, gibt es nur wenig, was sie tun können, um es zu stoppen.&quot;<br />
Dies bleibt abzuwarten.<br />
</span></p>
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