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	<title>Lissabon Vertrag &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Lissabon Vertrag &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Europäisches TV-Duell: Mutiges Experiment wird von ARD/ZDF gefährdet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Mar 2014 14:47:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mit dem Vertrag von Lissabon (2009) wurde der Einfluss des Europäischen Parlaments auf die Wahl des EU-Kommissionspräsidenten gestärkt. Die Parteienverbände [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/juncker_schulz.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-large wp-image-138469 alignnone" alt="juncker_schulz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/juncker_schulz-630x420.jpg" width="630" height="420" /></a>Mit dem Vertrag von Lissabon (2009) wurde der Einfluss des Europäischen Parlaments auf die Wahl des EU-Kommissionspräsidenten gestärkt. Die Parteienverbände dürfen nun eigene Kandidaten für diesen entscheidenden Posten aufstellen, die sogar in einem TV-Duell gegeneinander antreten werden. Doch die Übertragung des Duells bleibt den nationalen Rundfunkanstalten überlassen. Johannes Hillje von den Europäischen Grünen sieht in der Ungleichbehandlung der Kandidaten im deutschen Fernsehen die ganze Idee bedroht.<br />
Der anstehende Europawahlkampf könnte der &#8220;europäisierteste&#8221; seiner Art seit den ersten Wahlen zum Europäischen Parlament 1979 werden. Zwar sind Europawahlen weiterhin die Summe von 28 nationalen Wahlen – mit nationalen Kandidaten, Parteien und Wahlsystemen –, doch eine entscheidende Neuheit gibt in diesem Jahr: Die europäischen Parteienverbände haben europaweite Spitzenkandidaten nominiert, die sie in das Rennen um den Posten des EU-Kommissionspräsidenten schicken. Das neue Verfahren sieht vor, dass der Europäische Rat, d. h. die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten, auf Basis des Wahlergebnisses einen Nachfolger für den amtierenden Präsidenten José Manuel Barroso vorschlagen. Dieser Vorschlag muss anschließend von der Mehrheit des Europäischen Parlaments unterstützt werden.<br />
Als Spitzenkandidaten nominiert wurden bisher der Luxemburger Jean-Claude Juncker von der Europäischen Volkspartei (u. a. CDU), Martin Schulz von der Sozialdemokratische Partei Europas (u. a. SPD), der Belgier Guy Verhofstadt von der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (u. a. FDP), Ska Keller und der Franzose José Bové als Spitzendou der Europäischen Grünen Partei (u. a. Bündnis 90/Die Grünen) und der Grieche Alexis Tsipras von der Europäischen Linke (u. a. Die Linke).<br />
Diese neue Personalisierung der Wahlen nahmen das Europäische Parlament, die europäischen Parteien und die Europäische Rundfunkunion (u. a. ARD/ZDF) zum Anlass, um sich auf einen mutigen und richtigen Schritt zu verständigen: Am 15. Mai 2014 werden die EU-Spitzenkandidaten im ersten europäischen TV-Duell gegeneinander antreten &#8211; eine Art Eurovision Song Contest der Politik.</p>
<h3>Mut zu mehr Öffentlichkeit</h3>
<p>Mutig war diese Entscheidung aus zweierlei Hinsicht: Erstens wird demokratisch folgerichtig angenommen, dass die Staats- und Regierungschefs einen dieser Spitzenkandidaten nach der Wahl für das Amt des Kommissionspräsidenten vorschlagen werden. Jedoch haben insbesondere konservative Politiker wiederholt betont, dass es zwischen diesen beiden Posten keinen “Automatismus” gebe. Selbst als Juncker bei seiner Kandidatenkür vor knapp zwei Wochen sagte, <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2107504/Merkels-halbgarer-Europawahlkampf?bc=sts;suc&amp;ipad=true">&#8220;Ich will Präsident der nächsten Kommission sein&#8221;,</a> relativierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Zusammenhang zwischen Spitzenkandidatur und Kommissionspräsidentschaft noch bei der selben Veranstaltung. Dadurch wird deutlich: Hier spielt sich auch ein Duell zwischen den Institutionen ab – Europäisches Parlament gegen Europäischer Rat. Das Ganze könnte zur Glaubwürdigkeitskatastrophe für die EU werden, wenn keiner der Teilnehmer des TV-Showdowns, der schon jetzt offiziell als <a href="http://www3.ebu.ch/sites/ebu/contents/news/2014/03/eurovision-creates-telleurope.html">&#8220;EU Commission Presidential Debate&#8221;</a> angepriesen wird, für Barrossos Posten vorgeschlagen wird.<br />
Zweitens besteht zum Leid der EU-Demokratie eine europäische Öffentlichkeit nur in Ansätzen. Insbesondere fehlt es an einem europäischen Mediensystem, das einen Diskurs in einem europäischem Rahmen ermöglichen würde. EU-Politik und -Politiker erhalten in den meisten nationalen Medien Europas nur geringe Aufmerksamkeit. Wie viele Zuschauer werden sich also für das TV-Duell interessieren? Und als Grundvoraussetzung: Wie viele nationale öffentlich-rechtliche Sender werden die Debatte live ausstrahlen? Diese Entscheidung obliegt nämlich den nationalen Rundfunkanstalten direkt und ist wie der Eurovision Song Contest kein Selbstläufer.<br />
Der Mut von Europäischem Parlament und Parteien scheint allerdings von vielen Rundfunkanstalten belohnt zu werden. France Télévision, die RAI aus Italien, ITV aus Spanien und selbst die BBC (Vereinigtes Königreich) wollen das TV-Duell live ausstrahlen. Doch ausgerechnet ARD und ZDF planen einen &#8220;deutschsprachigen Sonderweg&#8221; und wollen nur Schulz und Juncker zu eigenen TV-Duellen am 8. Mai (ARD) und am 20. Mai (ZDF in Kooperation mit ORF) einladen. Das wahre europäische TV-Duell am 15. Mai wird dann, so der letzte Stand, auf Phoenix gezeigt und somit wahrscheinlich ein deutlich kleineres Publikum erreichen.</p>
<h3>Vorauswahl im deutschen Fernsehen</h3>
<p>Diese Pläne von ARD und ZDF sind aus mindestens zwei Gründen für die europäische Demokratie ein Schlag ins Gesicht: Erstens, weil Juncker und Schulz gleich zweimal im ARD/ZDF “Primetime”-Format ihre Ideen dem deutschen Publikum präsentieren können, während die anderen europäischen Spitzenkandidaten keine vergleichbare Bühne angeboten bekommen. Doch die anderen Parteien – insbesondere Grüne, Liberale und Linke – werdenden <a href="http://www.pollwatch2014.eu">aktuellen Umfragewerten</a> zufolge entscheidend für eine Mehrheitsbildung im Europäischen Parlament sein. Somit kommt ihnen auch eine Schlüsselrolle in der Bestimmung des Kommissionspräsidenten zu. Die Spitzenkandidaten dieser Parteien und deren Positionen dem gemeinen deutschen TV-Zuschauer vorzuenthalten und lediglich bei dem kleinen Spartensender von ARD und ZDF, Phoenix mit einem Marktanteil von etwa 1 Prozent, auszustrahlen, ist unfair gegenüber den Wählerinnen und Wählern und eigentlich unvereinbar mit einer pluralistischen Demokratie. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ein weiteres Streitgespräch mit den Spitzenkandidaten der deutschen Parteien geplant ist, denn diese sind schließlich nur ein Bestandteil der europäischen Parteien.<br />
Der zweite Grund ist, dass die deutsche Öffentlichkeit – zugespitzt gesagt – an dem Experiment &#8220;europaweites TV-Duell&#8221; damit nicht teilnehmen wird. Aus gesellschaftlicher Sicht sind nicht nur die Sendungen an sich, sondern auch die Vorberichte (&#8220;Interesse wecken&#8221;) und Analysen (&#8220;Einordnung&#8221;) von Relevanz. Und hierbei hat das TV-Duell aus europäischer Sicht im Vergleich zum Eurovision Song Contest eine wirkliche Stärke: Während beim Pop-Duell Länder gegeneinander antreten, konkurrieren beim TV-Duell grenzüberschreitende politische Programme miteinander. Nach dem TV-Duell werden Sozialdemokraten aus Italien, Belgien und Polen Martin Schulz zum Gewinner erklären, während Grüne aus Finnland, Deutschland und Spanien Ska Keller oder José Bové feiern werden.<br />
Gleichzeitig planen die Veranstalter des TV-Duells, Fragen der Bürgerinnen und Bürger mittels Social Media in die Sendung einfließen zu lassen. Schon jetzt gibt es eine eigene <a href="https://www.facebook.com/eurovisiondebate">Facebookseite für die Debatte.</a> All dies wird in Deutschland vermutlich wenig Aufmerksamkeit bekommen. Für ein Massenpublikum ist der geplante Sendeplatz also schlichtweg ungeeignet. Ein Armutszeugnis für ein Land, das die europäische Integration in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich vorangetrieben hat. Vor allem auch deshalb, weil bei bei vielen Politikfeldern, die bisher &#8220;europäisch integriert&#8221; wurden, die Bürgerinnen und Bürger nicht an erster Stelle standen.<br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/european_parliament/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">European Parliament</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-ND 2.0)</a></p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Gegen große staatliche Beteiligungen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/gegen-grosse-staatliche-beteiligungen-4263/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ctekoning]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2009 19:47:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Lissabon Vertrag]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Silvana Koch-Mehrin]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl 2009]]></category>
		<category><![CDATA[Europaparlament]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 20.02.09 war Silvana Koch-Mehrin, FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl 2009, zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit
politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen der Chatter zur Europapolitik ihrer Partei, zur Funktionsweise der EU oder der momentanen Finanzkrise.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 20.02.09 war Silvana Koch-Mehrin, FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl 2009, zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit<br />
politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen der Chatter zur Europapolitik ihrer Partei, zur Funktionsweise der EU oder der momentanen Finanzkrise.<!--break--><b></b><br />
<b></b></p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich Willkommen beim<br />
tagesschau-Chat. Heute chatten wir mit Silvana Koch-Mehrin,<br />
FDP-Präsidiumsmitglied und Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der<br />
Europawahl. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für die Diskussion mit den<br />
Usern von tagesschau.de und politik-digital.de nehmen. Frage nach<br />
Brüssel: Frau Koch-Mehrin, können wir starten?<b> </b>
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Guten Tag auch von meiner Seite, starten wir, gerne!
</p>
<p><a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll478-magnifier_pos-1.html" onclick="windowOpen('/interaktiv/chat/chatprotokoll478-magnifier_pos-1.html',820,700,1,1);return false;" title="Zur Fotostrecke des Beitrages [neues Fenster]"><br />
</a></p>
<p>
<b>Moderator</b>: In den letzten Wochen ist viel<br />
über den Höhenflug der FDP geschrieben worden: Bis zu 18 Prozent in den<br />
Umfragen, gestiegener Einfluss in den Bundesländern. Doch heute scheint<br />
die FDP wieder in der Realität anzukommen: Erst wird mit einer Blockade<br />
des Konjunkturpakets II im Bundesrat gedroht, heute Vormittag hat die<br />
FDP klein beigegeben und für die Vorschläge der Großen Koalition<br />
gestimmt. Sieht so Machtzuwachs der Liberalen aus?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Wir haben immer gesagt, dass wir nicht blockieren werden, weil wir<br />
glauben, dass ein Passieren besser ist als ein Paket, das mit anderen<br />
Mehrheiten zustande kommt und möglicherweise weitere Steuererhöhungen<br />
(Kfz-Steuer) enthält.
</p>
<p>
<b>hausmann</b>: Wie kann die FDP trotz des offensichtlichen Scheiterns dieses Systems weiterhin neoliberale Positionen vertreten?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Das System der sozialen Marktwirtschaft ist nicht gescheitert. Die FDP<br />
steht für freie Märkte im Sinne der sozialen Marktwirtschaft. Wir<br />
wollen keine Anarchie der Märkte, sondern faire Wettbewerbsbedingungen.
</p>
<p>
<b>Walter</b>: Wieso verstummt bzw. unterstützt die FDP jetzt massive staatliche Interventionen, welche sie bis dato rigoros abgelehnt haben?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Das stimmt so nicht. Die FDP spricht sich nach wie vor gegen große<br />
staatliche Beteiligungen aus. Wir beziehen entschieden Position gegen<br />
Enteignungen. Richtig ist, dass wir dem Bankenrettungspaket zugestimmt<br />
haben, weil es darum ging, das Finanzsystem in Deutschland und weltweit<br />
am laufen zu halten.
</p>
<p>
<b>Lauenstein</b>: Welche Position hat die FDP zur Reform des Bankensystems?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Die Bankenaufsicht wie wir sie in Deutschland haben, hat nicht<br />
funktioniert. Das hat die FDP bereits bei der Einführung durch Hans<br />
Eichel beanstandet. Statt einer ineffektiven Doppelstruktur, wäre eine<br />
echte Bankenaufsicht angesiedelt bei der Bundesbank richtig. Außerdem<br />
wollen wir für die längst selbstverständlich international tätigen<br />
Finanzinstitute auch effiziente internationale Regeln.
</p>
<p>
<b>Halli</b>: Wie könnte liberale Politik aussehen, die gegen die Wirtschaftskrise hilft?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Statt mit Konjunkturpakteten ausgewählten Branchen zu helfen, würde die<br />
FDP mit einer deutlichen Steuer- und Abgabenentlastung allen Bürgern,<br />
aber vor allem denen mit kleineren und mittleren Einkommen mehr vom<br />
Geld, das sie selbst verdient haben, lassen. Die Bürger können ihr Geld<br />
dann frei für Konsum nach ihren eigenen Entscheidungen ausgeben. Vor<br />
allem ist eine solche Reform eine vertrauensbildende Maßnahme für den<br />
Wirtschaftsstandort Deutschland. 50 Prozent von Wirtschaft ist<br />
Psychologie, sagt man.
</p>
<p>
<b>Jakob R.</b>: Warum soll man<br />
im Jahr 2009 die FDP wählen? Mein Bauchgefühl sagt, dass die heutige<br />
Finanzkrise noch schlimmer wäre, wenn die Wirtschaftspolitik Ihrer<br />
Partei &#8211; Deregulierung der Märkte usw. &#8211; in den letzten Jahren<br />
fortgeführt worden wären.
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Zur Erinnerung: In den letzten zehn Jahren hat die FDP leider nicht auf<br />
Bundesebene regiert. 2009 sollte man die FDP wählen, weil wir die<br />
einzigen sind, die einen klaren Kompass in der Wirtschafts- und<br />
Steuerpolitik haben. Wenn die FDP regiert hätte, hätte es eine bessere<br />
Bankenaufsicht gegeben. Vor allem hätten wir die sprudelnden<br />
Steuereinnahmen in den guten Zeiten genutzt, um den Haushalt zu<br />
sanieren und die Bürger steuerlich zu entlasten.
</p>
<p>
<b>pat</b>: Sind Steuerentlastungen nicht ein recht unpräzises Mittel?
</p>
<p>
<b>jenser</b>:<br />
Wie soll das gehen? Steuern massiv senken und gleichzeitig die<br />
öffentlichen Finanzen nicht weiter zu verschulden, gerade wenn die<br />
Wirtschaft so rapide wegbricht?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Die FDP hat über 400 Vorschläge, wo Ausgaben beim Bund eingespart<br />
werden können (über 10 Milliarden Euro). Zusätzlich wäre ein einfaches<br />
und niedriges und deswegen gerechtes Steuersystem ein Anreiz für viele<br />
Aufträge und Dienstleistungen, die derzeit auf dem Schwarzmarkt<br />
erledigt werden, in die reale Wirtschaft zu überführen. Schätzungen<br />
sehen die Schattenwirtschaft bei 340 Milliarden Euro, wenn davon nur<br />
ein Teil wieder in die Realwirtschaft käme, wäre eine Steuerreform<br />
schon finanziert.
</p>
<p>
<b>pat</b>: Sind Steuerentlastungen nicht ein recht unpräzises Mittel?
</p>
<p>
<b><br />
Silvana Koch-Mehrin:</b> Ganz<br />
im Gegenteil, wir meinen, die Bürger wissen am besten selbst, wofür sie<br />
ihr selbst verdientes Geld ausgeben möchten. Ich sehe nicht den<br />
Vorteil, dass andere entscheiden, wohin mein Geld geht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nachfrage: Welche Ausgaben möchte die FDP streichen/reduzieren?
</p>
<p>
<b>Totti84</b>: Können Sie Beispiele für die 10 Milliarden an Einsparungen nennen?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Zum Beispiel die Entwicklungshilfe für Länder wie China, die mit uns wirtschaftlich auf Augenhöhe konkurrieren.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Ein beliebtes Beispiel.
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Zusätzlich gibt die Bundesregierung viele Millionen für PR aus, wo sie<br />
ihre schlechte Politik (Gesundheitsfonds) besser verpacken will. Große<br />
Einsparungsmöglichkeiten gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit, sie<br />
ist inzwischen die größte Behörde der Welt.
</p>
<p>
<b>c.a.</b>:<br />
Einige der 400 Vorschläge sind aber auch in der Kritik, da sie pauschal<br />
kürzen und in der Krise insbesondere im Etat des Bundesministeriums für<br />
Arbeit und Soziales wildern wollen &#8211; hier aber die größten Kosten<br />
fällig werden, wenn es mehr Arbeitslose und Kurzarbeiter gibt. Wie<br />
passt das zusammen?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Viel<br />
Geld vom Staat hilft nicht immer viel. Wenn die Arbeitslosigkeit nicht<br />
über eine Riesenbehörde verwaltet würde, könnte man mit weniger Geld<br />
wesentlich effektiver Menschen in den Arbeitsmarkt zurück bringen.
</p>
<p>
<b>birkenfloh</b>: Wonach richtet sich denn der Kompass der FDP, außer nach Deregulierung?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Der klare Kompass unter dem Leitmotiv Freiheit und Verantwortung zieht<br />
sich durch alle Politikfelder bei den Bürgerrechten, wo wir uns ganz<br />
klar gegen einen Überwachungsstaat stellen. Bis hin zu einer<br />
ideologiefreien Umweltpolitik und einem Europa, das stark ist, weil es<br />
sich auf einige Politikbereiche konzentriert, aber keine<br />
alltagsregulierende Bürokratie ist.
</p>
<p>
<b>1234</b>: Was verstehen sie unter ideologiefreier Umweltpolitik?
</p>
<p>
<b>hdfgh</b>: Wird die FDP weiterhin auf Atomenergie setzen?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Es ist total falsch, sichere und moderne AKW`s abzuschalten ohne<br />
bessere Alternativen. Natürlich fänden auch wir es schön, wenn wir<br />
Energie allein aus erneuerbaren Quellen beziehen können. Aber bis dahin<br />
sollten wir ideologiefrei auch Kernenergie in den Energiemix<br />
einbeziehen.
</p>
<p>
<b>Consi86</b>: Im Juni gibt es ja<br />
Europawahlen &#8211; wie erreichen Sie, Frau Koch-Mehrin ganz konkret die<br />
Wähler in Deutschland? (Viele von meinen Kommilitonen wissen gar nichts<br />
von der Europawahl &#8211; spiegelt diese Unwissenheit Ihrer Meinung nach<br />
auch ein gewisses Desinteresse an Europa wider?)
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Als FDP sind wir schon immer eine Europapartei gewesen. Wir wollen die<br />
EU als Friedensgemeinschaft, mit Binnenmarkt und auch einer Verfassung.<br />
Aber wir sind auch der Ansprechpartner für mehr und mehr berechtigte<br />
Kritik an zu oft unsinnigen EU-Beschlüssen. Im Wahlkampf werden wir vor<br />
allem auf direkte Ansprache und Dialog setzen, weil meine Kollegen und<br />
ich ständig feststellen müssen, dass es eine große Distanz zwischen EU<br />
und den Bürgern gibt. Ich halte es für eine Bringschuld der Politik,<br />
diesen Abstand zu verringern.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Sollten<br />
weitere Übertragungen von Kompetenzen auf die EU nur durch<br />
Volksentscheid möglich sein &#8211; wie es etwa die CSU jüngst forderte?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Schon 2004, als tatsächlich etwas zu entscheiden war<br />
(Verfassungsvertrag), haben wir als FDP zweimal im Bundestag das<br />
Grundgesetz ändern wollen, (CSU war dagegen), um Referenden in<br />
Deutschland zu ermöglichen. Auch jetzt ist es wieder Teil unseres<br />
Wahlprogramms, dass bei einer neuen Vertragsgrundlage die Bürgerinnen<br />
und Bürger selbst abstimmen sollten.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Sie sagen, die EU sei keine &quot;richtige&quot; Demokratie. Wo sehen Sie die Defizite?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
In der EU fehlt die Gewaltenteilung. Es gibt keine Regierung und<br />
Opposition, dadurch fehlt klare Verantwortlichkeit und Kontrolle. Das<br />
demokratische Grundrecht freie und GLEICHE Wahl ist verletzt, weil etwa<br />
in Luxemburg zwölf mal weniger Bürger für einen Abgeordneten stimmen<br />
müssen als in Deutschland. Außerdem gibt es zu wenig Bürgerbeteiligung,<br />
so dass sich oft nicht sagen lässt, wer da eigentlich was im Namen der<br />
Bürger beschließt.
</p>
<p>
<b>Imperor:</b> Halten Sie den Vertrag von Lissabon für eine gute Grundlage für die Europäische Union?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Der Lissabon Vertrag macht die EU etwas demokratischer, transparenter<br />
und effizienter, ist aber ein Kompromiss zwischen 27 Ländern und allen<br />
politischen Richtungen. Er kann nur ein Zwischenschritt sein.
</p>
<p>
<b>Lambertus</b>:<br />
Die EU ist eine supranationale Organisation, d.h., dass eine gewisse<br />
Souveränität den Mitgliedern erhalten bleiben muss. Die Demokratie<br />
(oder Bürgernähe) kann somit gar nicht verwirklicht werden. Sehen Sie<br />
das anders?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Wir sollten<br />
beginnen mit einer klaren Abgrenzung der Zuständigkeiten. Die EU<br />
beschließt, welche Inhaltstoffe in Schokolade sind, welche Glühbirnen<br />
verboten werden, wie viele Stunden Arbeitnehmer maximal arbeiten dürfen<br />
&#8211; das ist nicht mehr supranational, dass ist Innenpolitik.
</p>
<p>
<b>Wahlberechtigter</b>:<br />
Sie konstatieren eine große Distanz zwischen der EU und den Bürgern.<br />
Sollte das Europawahlrecht in Deutschland daher nicht so geändert<br />
werden, dass man nicht nur für Parteien, sondern auch für Personen<br />
stimmen kann?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Derzeit<br />
stimmt jedes Land nach nationalem Recht ab, was ich schlecht finde. Ich<br />
wünsche mir bei Europawahlen das gleiche Wahlrecht in allen EU-Ländern.<br />
Ich persönlich wäre dafür, auch Personen direkt wählen zu können. In<br />
anderen Ländern ist das auch möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Eine Frage zum Auftritt des tschechischen Staatspräsidenten &#8211; leidenschaftlicher EU-Skeptiker.
</p>
<p>
<b>green pepper</b>: Hallo Frau Koch-Mehrin. Wie bewerten Sie die Rede von Václav Klaus gestern im EP?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Václav Klaus hat die Probleme der EU drastisch auf den Punkt gebracht:<br />
Demokratiedefizit, Bürgerferne, sinkende Akzeptanz, zu viel Bürokratie,<br />
zu weitgehende Entscheidungen. Ich fand es albern, habe mich aber nicht<br />
gewundert, dass viele Kollegen dazwischen gerufen und den Saal<br />
verlassen haben. Damit hat Václav Klaus die Abgeordneten in ihrer<br />
Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen, vorgeführt.
</p>
<p>
<b>Zensurstaat-Ahoi?</b>:<br />
Der Lissabon-Vertrag hebelt aber auch das deutsche Grundgesetz aus, wie<br />
soll dies demokratisch sein? Zumal kein Bürger Deutschlands darüber<br />
abstimmen durfte!
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Der<br />
Lissabon-Vertrag verringert das Demokratiedefizit etwas, weil die<br />
nationalen Parlamente mehr Mitsprache erhalten, weil das europäische<br />
Parlament als die am meisten demokratisch legitimierte EU-Institution<br />
mehr Mitentscheidung bekommt und weil die Möglichkeit eines<br />
europäischen Bürgerbegehrens eingeführt wird.
</p>
<p>
<b>Golem</b>:<br />
Empfinden Sie nach einigen Jahren im Europaparlament die<br />
bundesdeutschen Politikdebatten nicht ein bisschen provinziell, bzw. zu<br />
eng gefasst. Schließlich steht die EU ja vor globalen Problemen?
</p>
<p>
<b>carlos: </b>Wann<br />
akzeptieren die Eurokraten das Nein der Bürger innerhalb der EU und<br />
warum wird am Vertrag/Verfassung immer noch weiter getüftelt ?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Nur in Irland konnten die Bürger abstimmen, es gab keine europaweiten<br />
Bürgerentscheidungen. Zum Verfassungsvertrag hatten Spanien und<br />
Luxemburg per Referendum mit ja gestimmt, in Frankreich und den<br />
Niederlanden gab es ein Nein. In der Schweiz haben gerade vor kurzem<br />
die Bürger sich FÜR eine Erweiterung des Schengen-Raumes ausgesprochen<br />
und damit klar FÜR eine EU-Errungenschaft.
</p>
<p>
<b>Golem</b>:<br />
Empfinden Sie nach einigen Jahren im Europaparlament die<br />
bundesdeutschen Politikdebatten nicht ein bisschen provinziell, bzw. zu<br />
eng gefasst. Schließlich steht die EU ja vor globalen Problemen?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Nicht als provinziell, aber ich würde mir wünschen, dass bei den<br />
Debatten in Deutschland die europäische Perspektive stärker<br />
berücksichtigt wird. Umgekehrt fehlt mir in der Europapolitik die<br />
politische Auseinandersetzung.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Eine Frage zu Ihrer persönlichen Leistungsbilanz:
</p>
<p>
<b>Fränk</b>: Was haben Sie in der laufenden Legislaturperiode im EU-Parlament getan?
</p>
<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>:<br />
Im Haushaltsausschuss bin ich vor allem mit der Reform der EU-Finanzen<br />
befasst, sowohl was die Einnahmen (keine EU-Steuer! Maximal 1 Prozent<br />
des BIP eines Landes als Beitrag zur EU), als auch was die Ausgaben<br />
angeht, wo ich nur zeitlich befristete will und eine Veränderung des<br />
EU-Haushaltes. Mehr als 40 Prozent geht immer noch in<br />
Agrarsubventionen, nicht mal 7 Prozent in Forschung und Bildung. Im<br />
Haushaltskontrollausschuss bin ich der Frage nachgegangen, warum<br />
eigentlich Nicht-Regierungs-Organisationen, deren Hauptzweck lobbying<br />
ist, von der EU dafür finanziert werden. ATTAC zum Beispiel hat<br />
EU-Gelder bekommen. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der<br />
drittgrößten Fraktion im Haus arbeite ich sehr stark mit meinen<br />
Kollegen an der politischen Meinungsbildung im Europaparlament. Und da<br />
wir keine parlamentarischen Geschäftsführer haben, befasse ich mich<br />
auch mit Personal-, Finanz- und jeder Menge anderer Aufgaben.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Zum Schluss das Ergebnis unserer Umfrage unter den Chat-Teilnehmern:<br />
Wir wollten wissen: Wird Guido Westerwelle der nächste Außenminister?<br />
Was schätzen Sie?
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<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Die Entscheidung treffen nur die Wähler und Guido Westerwelle.
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<b>Moderator</b>: 30 Prozent glauben er wird es, 70 Prozent galuben nicht daran.
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<p>
Das<br />
war eine gute Stunde tagesschau-Chat. Vielen Dank, liebe User für Ihre<br />
Fragen. Leider konnten wir nicht alle stellen. Das Chatprotokoll gibt<br />
es in Kürze auf tagesschau.de und politik-digital.de. Frau Koch-Mehrin,<br />
vielen Dank für Ihre Zeit. Grüße nach Brüssel!
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<p>
<b>Silvana Koch-Mehrin</b>: Herzlichen Dank, bis demnächst. Grüße ins Netz.
</p>
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&nbsp;</p>
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