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	<title>M-Pesa &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Digitale Start-Ups in Afrika: Profitieren die Menschen wirklich?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Constantin Estorff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2019 10:26:07 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Die Neugründungen von vornehmlich digitalen Start-Ups sind für immer mehr afrikanische Länder eine höchst relevante Entwicklung. Und dieser Aufschwung ist auch aus Sicht der Entwicklungshilfe interessant. Dieser Artikel widmet sich der Frage, ob die Menschen in Afrika tatsächlich von den Start-Ups profitieren. Dafür haben wir unter anderem mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gesprochen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Potential kann man schon aus den<a href="http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie310_Afrika_Marshallplan.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Statistiken</a> herauslesen: Von der 1,2 Milliarden großen Bevölkerung ist derzeit die Hälfte jünger als 25 Jahre, jährlich werden schätzungsweise mehr als 20 Millionen neue Arbeitsplätze benötigt. Mit einem 53-prozentigem Anstieg gegenüber dem Vorjahr konnten 2017 rund <a href="https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=mehr-geld-fuer-startups-in-afrika,did=1895068.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">560 Millionen Dollar</a> Risikokapitalzufluss in den subsaharischen Raum verzeichnet werden. In Kenia, Ghana und Nigeria befinden sich dabei die führenden Start-Up-Hubs. Doch bei all dem Hype – die Frage nach dem tatsächlichen Profit für die Menschen im subsaharischen Raum sollte auf jeden Fall gestellt werden.</p>
<h3>Vorsprung durch Innovation</h3>
<p>Im Zusammenhang mit Start-Ups in Entwicklungsländern hört man häufig einen Schlagbegriff: <a href="https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/leapfrogging-41469" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Leapfrogging</em></a><em>. </em>Gemeint damit ist das Überspringen „klassischer“ Entwicklungsschritte, vornehmlich durch innovative neue Möglichkeiten. Ein Beispiel dafür könnte <em>WeFarm </em>sein, ein Peer-to-Peer-Netzwerk zur Wissensverbreitung zwischen Bauern. Es kann damit zumindest teilweise den teuren Bau klassischer Schulen ersetzen. Man könnte hier auch <em>M-Pesa</em> nennen, ein System zum bargeldlosen Zahlungsverkehr. Es ist vor allem in Westafrika beliebt, schließlich kann man damit sicher sein, dass das bei einem Handel erhaltene Geld auch echt ist. So können illegale Geldgeschäfte effektiver bekämpft werden. Beispiele wie diese lassen sich vielerlei finden. Der positive Effekt für die Menschen sei damit gezeigt, könnte man meinen. Aber man sollte die versteckten Kosten nicht übersehen.</p>
<h3>Wer gewinnt hier eigentlich?</h3>
<p>Auf den ersten Blick ist die Ausgangslage für unternehmenslustige Afrikaner*innen gut: Die Märkte sind trotz der Bemühungen der <a href="https://au.int/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Afrikanischen Union</a> (AU) und kleinerer Verbände häufig noch in hohem Maße regionalisiert. Die Bedürfnisse der afrikanischen Menschen sind aus westlicher Sicht häufig schwer nachzuvollziehen. Dementsprechend gibt es in gewisser Weise einen Schutz vor Konkurrenz. <em>Jumia</em> konnte sich zum Beispiel mit speziellen Transportketten gegen Amazon durchsetzen.</p>
<p>Doch sind die größten Unternehmen –darunter die hier genannten– nur scheinbar „afrikanische“ Unternehmen. Tatsächlich sind sie meisten Unternehmen entweder im Besitz globaler Konzerne oder zumindest in den Führungsebenen von weißen, nicht afrikanisch-stämmigen Personen durchsetzt. So wird <a href="https://www.rocket-internet.com/companies/jumia" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jumia</a> in Portugal entwickelt, während einer der Hauptbesitzer das Berliner Unternehmen <em>Rocket Internet SE</em> ist. Mit anderen Worten: erstens wird zwar der Gewinn in (Ost-)afrika gemacht – die Steuern aber in Europa bezahlt. Zweitens werden die hochbezahlten Jobs zumeist nicht von den Afrikaner*innen belegt, die somit von ihrem eigenen Aufschwung oft wenig mitbekommen. Bei den anderen hier genannten Unternehmen sieht es leider nicht viel anders aus.</p>
<p>Man könnte daran anknüpfend viel über <a href="http://www.bpb.de/apuz/146971/kolonialismus-und-postkolonialismus?p=all" target="_blank" rel="noopener noreferrer">den neuen Kolonialismus</a> und dessen lange bisher wenig aufgearbeitete Tradition schreiben – aber um es kurz zu halten kann man dieses große Problem auch auf zwei kleinere Probleme herunterbrechen.</p>
<h3>Reicht Unternehmergeist alleine?</h3>
<p>Erstens: Wenn man den <a href="https://twitter.com/RobertAlai/status/1034132720153243648/photo/1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berichten</a> unzähliger afrikanischer Gründer*innen und jenen vom <a href="https://www.weforum.org/agenda/2019/07/impact-investors-favour-expats-over-african-entrepreneurs-here-s-how-to-fix-that/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weltwirtschaftsforum</a>, Glauben schenkt, ist ein Problem der strukturelle Rassismus. Die Risikokapitalfirma <em><a href="https://vilcap.com/wp-content/uploads/2017/06/VC_Breaking_the_Pattern.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Village Capital</a></em>, hat vor einiger Zeit festgestellt, dass 90% der Investments in den afrikanischen digitalen Finanzsektor an Start-Ups gehen, die einen oder mehrere Gründer*nnen aus Europa oder Nordamerika haben. Während die Inverstor*innen in ihnen bekannte Geschäftsmodelle und Firmenpraktiken investieren, entgegnen afrikanische Gründer*innen häufig, dass vor Ort aufgrund anderer Gegebenheiten andere Vorgehensweisen besser passen.</p>
<p>Im BMZ ist man sich dieser und ähnlicher Probleme selbstverständlich bewusst, Stichwort „<a href="http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie310_Afrika_Marshallplan.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marshall-Plan für Afrika</a>“. Laut einer Sprecherin versuche das BMZ mit unterschiedlichen Projekten, einen möglichst großen Teil der afrikanischen Wirtschaft zu stützen. So werden mit <em><a href="http://www.bmz.de/de/mitmachen/Wirtschaft/Make_IT/index.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Make-IT </a></em> die Rahmenbedingungen für afrikanische Start-Ups verbessert, indem ein besserer Zugang zu Risikokapital ermöglicht werde, oder geholfen werde, Innovation, Markterfahrung sowie nationale und internationale Sichtbarkeit zu verbessern. Durch <em><a href="https://www.bmz.de/de/zentrales_downloadarchiv/Presse/AfricaGrow-Fonds.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AfricaGrow</a> </em>werden dann Investitionslücken für mittelständische Unternehmen gestopft. Mit einem ähnlichen Programm sticht auch die NGO “<a href="https://www.1millionstartups.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">1millionstartups</a>” hervor, die ihre umfangreichen Förderungsangebote für Start-Ups an die Dienlichkeit für die <a href="https://sustainabledevelopment.un.org/?menu=1300" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SDG</a>s, also die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen knüpft. Jedoch wird gegen die rassistischen Tendenzen gegenüber Gründer*innen an sich direkt wenig unternommen. Die Bemühungen zielen eher darauf ab, dass es erfolgreiche afrikanische Gründungen <strong>trotz</strong> des Rassismus geben kann.</p>
<h3>Wer zuerst zugreift, behält</h3>
<p>Das Zweite Problem ist eines von Haben und Nicht-Haben. Egal, ob man ihn befürwortet oder bekämpft, in einer Sache ist man sich in der Wissenschaft einig: Der Kapitalismus funktioniert ohne Eigentum nicht. Viele besitzen kaum mehr als ihr eigenes Land oder können sich nur mit Rücküberweisungen gerade über Wasser halten. Zum Investieren bleibt jedoch nicht viel über – wenn diese Möglichkeit überhaupt bekannt ist. Hingegen gibt es aus dem Ausland umso mehr Geld. Das ist ein Problem, weil die Afrikaner*innen, wenn sich nicht investieren, letztendlich nicht von den Renditen ihres eigenen Wachstums profitieren können und sich eine vom Kapitalbesitz geprägte Mittelschicht nur langsam entwickeln kann. Außerdem fehlt dadurch häufig auch ein für Start-Ups wichtiger Faktor: lokale <a href="https://www.weforum.org/agenda/2019/07/impact-investors-favour-expats-over-african-entrepreneurs-here-s-how-to-fix-that/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Start-Up-Angel</a>, die an einer auch für Afrika nachhaltigen Unternehmensentwicklung arbeiten und im besten Fall das Problem der ethnisch selektiven Investitionen aktiv bekämpfen könnten. Laut eigener Aussagen arbeitet das BMZ speziell in diesem Sinne über Make-IT mit lokal gewachsenen Start-up-Netzwerken wie dem <em><a href="https://abanangels.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">African Business Angel Network</a>, <a href="https://www.afrilabs.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Afrilabs</a></em> oder <em><a href="https://www.jokkolabs.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jokkolabs</a></em> vor Ort zusammen.</p>
<p>Zudem wurden laut der Sprecherin des BMZs „z.B. Policy Hackathons in Nigeria unterstützt, die dazu geführt haben, dass die Regierung ein entsprechendes Rahmenwerk geschaffen hat, das <a href="http://www.med.gov.my/portal/document/files/Booklet%20NEF.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">National Framework for Innovation and Entrepreneurship</a>.“ Dies ist ein Erfolg, weil zahlreichen Berichten von Gründer*innen zufolge viele Regierungen nur wenige Anstrengungen in eine aktive Innovationspolitik setzen würden. So scherzt man gerne über das durchaus erfolgreiche kenianische „Savannah Valley“, es existiere nicht wegen der Regierung, sondern trotz der Regierung.</p>
<h3>Also doch China als Vorbild nehmen?</h3>
<p>Für eine aktivere Innovationspolitik, die gegebenenfalls eine selektiveren Außenwirtschaftspolitik bedeuteten würde, fehlen leider jedoch häufig die Mittel bei den Regierungen. Zudem leiden die meisten afrikanischen Staaten unter einer sehr ungleichen Vermögensverteilung, innerhalb derer die Reichsten ihre Gelder eher versuchen außer Land zu schaffen, statt sie lokal zu investieren. Zwei wichtige Voraussetzungen für einen schnellen Aufstieg wie dem Chinas, nämlich die Mittel durch äußerst hohe Rückinvestitionen und die relativ gleiche Vermögensverteilung, sind so oftmals nicht gegeben. Ein Marshallplan für Afrika, der seinem Original näher käme, müsste deswegen zumindest die Regierungen mit mehr Eigenkapital ausstatten, statt „nur“ Förderprogramme zu betreiben.</p>
<div class="_3bJ2H CHExY">
<p class="_1l8RX _1ByhS"><strong>Titelbild:</strong> Mkimemia at English Wikipedia. &#8211; Transferred from en.wikipedia to <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4022744">Commons</a>.,</p>
</div>
<p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Digitale Entwicklungshilfe – Neue Netze eröffnen neue Wege</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan Raab]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jun 2016 14:00:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das Internet verbreitet sich über den Globus. Auch Afrika wurde längst von den Dynamiken der Digitalisierung erfasst. Informations- und Kommunikationstechnologien [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/regenbogen-natur-afrika-ökologisch-509500-by-wjgomes-via-pixabay-licensed-under-cc0-e1466696843651.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-149602" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/regenbogen-natur-afrika-ökologisch-509500-by-wjgomes-via-pixabay-licensed-under-cc0-e1466696843651-630x276.jpg" alt="regenbogen-natur-afrika-ökologisch-509500 by wjgomes via pixabay licensed under cc0" width="630" height="276" /></a>Das Internet verbreitet sich über den Globus. Auch Afrika wurde längst von den Dynamiken der Digitalisierung erfasst. Informations- und Kommunikationstechnologien werden zu einem wichtigen Wachstumsfaktor und eröffnen neue Möglichkeiten in der Entwicklungspolitik.</p>
<h3>Afrika wächst und die Welt zusammen</h3>
<p>Die Welt sei ein Dorf mit 100 Einwohnern. Davon wären 10 Europäer, 16 Afrikaner und 60 Asiaten. Würden wir dieses Dorf im Jahre 2050 wieder besuchen, so würden darin schon 133 Menschen leben. Von ihnen wären 10 nach wie vor Europäer, 74 Asiaten und schon 33 Afrikaner. Es zeigt sich, die Bevölkerung im Süden wächst immer weiter. Bis 2050, lauten die Prognosen, wird die Bevölkerung in Afrika sich auf fast zwei Milliarden Menschen verdoppeln.</p>
<p>Dies stellt die Entwicklungszusammenarbeit und das Wachstum in den Ländern im globalen Süden vor große Herausforderungen. Aber die Bevölkerung wächst nicht nur, sie wächst auch zusammen. Das Internet spielt eine immer wichtigere Rolle im Leben der Menschen. Mittlerweile besitzt die Mehrheit der Afrikaner zwar immer noch keinen Computer oder hat regelmäßigen Zugang zu Elektrizität; Smartphones als Kommunikationsmittel und digitales Endgerät sind aber sehr verbreitet. Im Durchschnitt besitzen 24% der Weltbevölkerung ein Smartphone. In den Entwicklungsländern sind dies bereits 35% und die Zahl nimmt weiter zu. Verfügten im Jahre 2000 gerade einmal 2% der Afrikaner &#8211; vornehmlich Behörden &#8211; über Telefone, besitzen heute schon über 650 Millionen Afrikaner ein Smartphone.</p>
<p>Diese digitale Durchdringung ermöglicht neue Wege in der Entwicklungspolitik. „Die Unterzeichnerstaaten haben es sich zum Ziel gesetzt durch effiziente Telekommunikation, die friedlichen Beziehungen untereinander, die Zusammenarbeit von Mensch und Wirtschaft sowie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.“ Die internationale Fernmeldeunion, die zweitälteste internationale Organisation neben dem Roten Kreuz, setzt sich seit 1865 für die gleiche Teilhabe aller Staaten und ihrer Bewohner am technischen Fortschritt ein. Dazu zählt unter anderem, die Standards zu harmonisieren und auf diese Weise eine geregelte, friedvolle Zusammenarbeit zu fördern. Genau an dieser Stelle setzt die Entwicklungspartnerschaft Deutschlands mit ausgewählten zentralafrikanischen Staaten an. Ziel des Projektes „Digitales Afrika“ ist es, die zunehmende Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für die Entwicklungsarbeit zu nutzen und Wachstumsimpulse zu setzten. Nach Berechnungen der Weltbank steigert jede Erhöhung der digitalen Vernetzung um 10 Prozentpunkte, das Wirtschaftswachstum um 1,12 Prozentpunkte.</p>
<h3>Gute Ideen brauchen gute Vernetzung</h3>
<p>Das Projekt <a href="http://www.bmz.de/de/mitmachen/Wirtschaft/Strategische_Partnerschaft_Digitales_Afrika/index.jsp">„Digitales Afrika“</a> fördert den Ausbau und die Verbreitung der IKT-Netzwerke. Dies geschieht zum einen durch die finanzielle Unterstützung lokaler Anbieter, zum anderen durch die Vernetzung von Ideen, Ressourcen und Knowhow. „Ich komme heute nicht mehr mit dem Geldbeutel und bohre ein paar Brunnen. Wir exportieren Innovationen, Knowhow und Technologiepartnerschaft“, erläuterte Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller.</p>
<p>Vernetzung und Austausch stehen im Vordergrund der Zusammenarbeit. Auf regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen sollen junge afrikanische Gründer die Möglichkeit erhalten, Netzwerke und Kooperationspartner für ihre Ideen zu gewinnen. Zeitgleich sollen europäische Unternehmen dabei unterstützt werden, in den digitalen afrikanischen Markt zu investieren. Dazu gehören Gutachten und Beratung sowohl für europäische als auch für lokale Unternehmer. Ganz im Sinne des <a href="http://www.oecd.org/dac/effectiveness/42564567.pdf">Aktionsplan von Accra</a> aus dem Jahre 2008 wird die eigenständige und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung durch die Förderung von lokalen Unternehmern betont.</p>
<p>Zwar mangelt es auf dem afrikanischen Kontinent nicht an eigenen Ideen und mutigen Gründern, häufig fehlt jedoch die Möglichkeit, diese Ideen umzusetzen. Zwar ist das Smartphone immer omnipräsenter im afrikanischen Alltag, häufig fehlt es aber an Computern, Internetleitungen oder sogar einfach an Elektrizität. Aus diesem Grund sind in den letzten Jahren verschiedene Hubs entstanden, die hier Abhilfe schaffen sollen. Beispiele für solche Einrichtungen sind etwa das <a href="http://www.iceaddis.com/">Iceaddis</a> auf dem Campus der Universität von Adis Abeba, Äthiopien, der <a href="http://www.iceaddis.com/">Active Space</a> in Kamerun oder aber das erste Hub seiner Art in Afrika, das <a href="http://ihub.co.ke/">IHub</a> in Nairobi. In Ländern wie Kamerun, wo nur etwa 3% Zugang zum Internet haben, sind solche Einrichtungen von besonderer Bedeutung, da sie Zugang zu digitaler Infrastruktur ermöglichen. Zudem bieten viele dieser digitalen Zentren auch Weiterbildungsangebote und Möglichkeiten, das im Studium erlernte anzuwenden. Auf diese Weise wird eine Brücke zwischen Studium und Beruf ermöglicht. Nicht zuletzt wird durch das Zusammentreffen der verschiedenen jungen Unternehmer der kreative Gedankenaustausch gefördert. Mittlerweile sind über ganz Afrika mehr als 119 dieser Technikhubs entstanden mit steigender Tendenz. Vernetzt sind diese digitalen Ideenwerkstätten durch das <a href="http://afrilabs.com/">Afrilab</a>, welches deren gegenseitigen Austausch und die Zusammenarbeit koordiniert.</p>
<h3>Von der Idee zum eigenen Unternehmen</h3>
<p>Obwohl diese Begegnungsstätten ein hohes kreatives Potenzial aufweisen, stehen sie selber vor großen Herausforderungen. In vielen Fällen, sofern die Regierung diese nicht unterstützt, handelt es sich bei vielen Hubs selbst noch um Startups. Um sich finanzieren zu können und langfristig zu bestehen, sind viele von ihnen dazu übergegangen, ihren Fokus auf die Erforschung neuer Dienste zu legen und diese dann anzubieten. In Zukunft soll neben Sponsoren vor allem die Forschung eine wichtige finanzielle Grundlage für diese digitalen Ideenwerkstätten werden.</p>
<p>Afrika ist ein junger Kontinent mit vielen jungen, frischen Ideen. Leider werden diese viel zu selten wahrgenommen. Aus diesem Grund bieten die Hubs eine erste Anlaufstelle, um die eigenen Ideen bekannt und potentielle Investoren darauf aufmerksam zu machen. Die Hauptaufgabe der digitalen Zentren liegt vor allem in der Beratung und Vermittlung von Ideen, Knowhow und Ressourcen. In vielen Fällen sind die Investitionssummen der kleinen Startups viel zu gering, um bedeutende Investoren davon zu überzeugen. Daher fördern Unternehmen wie <a href="http://www.88mph.ac/">88mpH</a> des Informatikers Paul Graham neue innovative Ideen. Zwischen 2011 und 2014 unterstützte das Unternehmen bereits 36 Startups in Kenia und Südafrika erfolgreich dabei, sich auf dem Markt zu etablieren.</p>
<h3>Global im Netz für regional vor Ort</h3>
<p>Selbst in den entlegensten Gebieten, wo es häufig selbst an Zugang zu Elektrizität oder sauberem Trinkwasser fehlt, verfügen die Menschen über digitale Endgeräte. In einem Erdteil, in dem Regionen noch immer von Analphabetismus, Armut, schlechter Infrastruktur und mangelnder Bildung geprägt sind, eröffnet das digitale Zeitalter neue Möglichkeiten. Ganz nach den Grundsätzen <a href="http://iotmanifesto.org/">des IoT-Manifests</a> soll der Fortschritt dem Menschen dienen und eine win-win-win-Situation für alle Beteiligten schaffen. Open-Source Systeme lassen sich an die Bedürfnisse der einzelnen Regionen und ihrer Nutzer anpassen und werden von diesen angenommen.</p>
<p>Das System <a href="http://www.safaricom.co.ke/personal/m-pesa">M-Pesa</a> des kenianischen Mobilfunkanbieters Safaricom ist ein Ergebnis des technischen Wandels in Afrika. In der afrikanischen Gesellschaft übernehmen traditionell die „Chaama“, Familienverbände, die Verwaltung der Finanzen. Sie entscheiden darüber, wie die Mittel verwendet werden sollen. Ohne diese Familienverbindungen waren größere Anschaffungen kaum möglich. Die Anwendung M-Pesa hingegen ermöglicht es, bequem online die eigenen Finanzen zu verwalten. Nach dem Prinzip eines Prepaid-handys wird der gewünschte Betrag eingezahlt und ist dann wie bei einem Girokonto frei verfügbar. Viele Kioske und Läden in Kenia und Zentralafrika bieten mittlerweile die Möglichkeit, auf diese Weise zu bezahlen. Aber auch Kredite von bis zu 12.500 US-Dollar sind möglich. Mittlerweile werden durch M-Pesa täglich etwa 1,6 Millionen Transaktionen im Wert von bis zu 50,6 Millionen US-Dollar getätigt.</p>
<p>Ein bestimmender Faktor Afrikas ist nach wie vor die Landwirtschaft. Mithilfe von Anwendungen wie <a href="https://www.mfarm.co.ke/">MFarm</a> erhalten Bauern zahlreiche Ratschläge, um ihren Ertrag zu steigern. Zudem haben die Landwirte die Möglichkeit, die Preise für ihre Erzeugnisse einzusehen, womit sie eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Zwischenhändlern erlangen. Leider bestimmen auch Unruhen und instabile Demokratien das Bild der afrikanischen Politik. Darum gründete eine Gruppe von Bloggern und Softwareentwicklern aus Kenia die Open Source Software „<a href="https://www.ushahidi.com/">Ushahidi“</a>, was übersetzt Zeugenaussage bedeutet. Erstmals kam die Software bei den dortigen Präsidentschaftswahlen 2007 zum Einsatz, um gewaltsame Ausschreitungen zu dokumentieren. Mittlerweile hat sich diese Software genau wie die anderen beschriebenen Projekte immer weiter verbreitert und findet nicht nur in Afrika großen Anklang.</p>
<h3>Bildung als Schlüssel zur Nachhaltigkeit</h3>
<p>Um den langfristigen Erfolg dieser und vieler weiterer Projekte zu sichern, ist langfristiges Denken nötig. Insbesondere die Bildung ist ein entscheidender Faktor, verfügen doch viele afrikanische Schüler über kaum Zugang zu höherer Bildung und viele afrikanische Schulen nur über mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten. <a href="http://get.mxit.com/">Mxit</a>, die afrikanische Variante des Whatsapp, spricht vor allem junge Afrikaner an. Zeitweise hatte die südafrikanische Kommunikationsplattform im Land mehr Nutzer als Facebook. Dabei geht es den Mxit-Usern nicht nur ums Chatten und Kommunizieren, sondern immer mehr Bildung wird über dieses Netz vermittelt. Denn nur wenige Schulen in ländlichen Regionen sind mit einer guten Bibliothek ausgestattet und gute Schulbücher sind oftmals nur schwer zu bekommen. Konzepte wie <a href="http://blog.paperight.com/">Paperight</a> machen es möglich, im nächsten Cybercafe die Schulbücher einfach auszudrucken. Mit <a href="http://live.fundza.mobi/about/">FunDZa</a> erhalten Smartphonebesitzer die Möglichkeit, bequem über Mxit zwischen einer Vielzahl an Büchern zu wählen, aber auch eigene kleine Texte und Werke zu veröffentlichen.</p>
<p>Afrika durchlebt eine neue Dynamik technischen Wandels. Eine junge Generation von Afrikanern bringt frische Ideen für das Afrika und die Welt von morgen mit. Viele Projekte wurden bereits erfolgreich umgesetzt und bieten eine langfristige Perspektive für Wachstum und Innovation auf dem Kontinent. Diese Ideen gilt es zu fördern und vor allem mit Bildung, Knowhow und Ressourcen zu unterstützen. Denn wie sagt ein afrikanisches Sprichwort: „Einer allein kann kein Dach tragen.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild:<a href="https://pixabay.com/de/users/wjgomes-547207/"> Wjgomes</a> via <a class="external" href="https://pixabay.com/">Pixabay</a> licensed <a class="external" href="http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/">CCO</a></p>
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