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	<title>Manipulation &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Manipulation &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Rhetorik im digitalen Zeitalter &#8211; eine Frage der Glaubwürdigkeit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Aug 2018 09:33:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Digitalisierung, die inzwischen in nahezu allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft einen Wandel ausgelöst hat, macht auch vor der Kunst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Barack-Obama-Rede.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-155089 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Barack-Obama-Rede-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Die Digitalisierung, die inzwischen in nahezu allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft einen Wandel ausgelöst hat, macht auch vor der Kunst und Wissenschaft der Überzeugung nicht halt. Sprache und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, haben sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Kommunikation ist schneller, unmittelbarer und so vielleicht auch manipulativer geworden. Softwareentwickler arbeiten inzwischen schon an eigenen Argumentationssystemen, die sich mit dem Menschen messen können. Im Interview mit politik-digital.de spricht Prof. Dr. Till über die Rolle der Rhetorik in der digitalen Gesellschaft, die Gefahren von Manipulation im Netz und welche Bedeutung die Glaubwürdigkeit des Redners dabei hat.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Foto-Prof.Dr_.Till_.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155062 " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Foto-Prof.Dr_.Till_-305x413.jpg" alt="" width="152" height="206" /></a></p>
<p>Prof. Dr. Dietmar Till studierte und promovierte an der Eberhard Karls Universität in Tübingen und ist dort seit dem Wintersemester 2011/12 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Rhetorik. Neben seinen Hauptarbeitsgebieten der Geschichte und Theorie der Rhetorik ist er Experte für Propagandaforschung und politische Rhetorik. Als Gastwissenschaftler lehrte er auch in den USA, zuletzt 2016 an der University of Washington in Seattle. Er arbeitet am Tübinger Seminar für Allgemeine Rhetorik, dem europaweit einzigen Universitätsinstitut für Rhetorikforschung. Als Autor hat er ebenfalls zahlreiche Bücher, Aufsätze, Rezensionen und Artikel publiziert, in denen er sich u.a. mit den Transformationen der Rhetorik auseinandersetzte.</p>
<p></div></div>
<h3>politik-digital.de: In den letzten Jahren hat die Digitalisierung in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft erheblich an Bedeutung gewonnen. Inwiefern lässt sich solch eine digitale Transformation auch im Bereich der Rhetorik beobachten? Und welche Elemente der antiken Rhetoriklehre sind auch heute noch zeitgemäß?</h3>
<p>Die antike Rhetorik geht von ganz einfachen Gegebenheiten aus: Es wird mündlich kommuniziert und face-to-face, d.h. Redner und Publikum sind gleichzeitig präsent. Gesprochen wird frei, also ohne Manuskript und andere Hilfsmittel, und ohne technische Verstärkeranlagen wie Mikrofone und Lautsprecher. Heute geschieht Kommunikation vor allem mediengestützt. Das ist keine neue Entwicklung, wenn man überhaupt an die Entwicklung der Schrift denkt und dann natürlich an den Buchdruck und Gutenberg im 15. Jahrhundert. Man sagt ja manchmal, dass die von Luther angestoßene Reformation ohne die Entwicklung des Buchdrucks nicht möglich gewesen wäre.</p>
<p>Die Frage der Medienrhetorik hat also eine historische Tiefendimension, das sollte man nicht vergessen, wenn man von der Medienrevolution unserer Tage spricht. Natürlich gibt es eine digitale Transformation auch im Bereich der Rhetorik, die neue Bedingungen schafft. Man muss nur etwa an Wahlkämpfe denken, in denen etwa soziale Medien heute eine ganz zentrale Rolle spielen. Politikerinnen und Politiker können damit Wählerinnen und Wähler gezielt ansprechen – und durch die Daten unserer Facebook-Konten wissen sie auch, bei wem es sich überhaupt lohnt. Das wird mittlerweile nicht nur in den USA, sondern auch in deutschen Wahlkämpfen gemacht. Digitale Medien sind also ein mächtiges und zugleich kostengünstiges Mittel der Wählerbeeinflussung. Andererseits haben die vielen Videos auf Plattformen wie Youtube auch zu so etwas wie einem Revival der klassischen Rede geführt. Man konnte das schon bei Obama sehen. Seine Reden wurden teilweise regelrechte Youtube-Hits. Und die Digitalität ermöglicht auch interessante Medienmixe, wie man wiederum beim späten Obama studieren konnte: Die Internet-Fassung seiner letzten „State of the Union“-Rede wurde von zahlreichen Statistiken, Bildern und Zitaten begleitet, gestaltet in einer Art Split-Screen-Technik: links Obama, rechts die Selbst-Kommentare zu der eigenen Rede. Wir werden in den kommenden Jahren viele weitere solcher Medienhybride sehen.</p>
<p>Welcher Begriff der wichtigste aus der antiken Rhetorik für heute ist? Ich denke, das Ethos. Die klassischen Autoren verstanden darunter die Glaubwürdigkeit und das Image eines Redners. In einer immer komplexeren Welt, die wir alle nur noch bruchstückhaft verstehen können, wird Glaubwürdigkeit zur entscheidenden Währung. Die zentrale Frage unserer Zeit ist ja: Wem können wir trauen, was stimmt, was nicht, was ist erfunden und was gefälscht?</p>
<h3>politik-digital.de: Glauben Sie, dass die Vielzahl an ungefilterten Beiträgen, denen wir heutzutage in sozialen Netzwerken begegnen und die dabei teilweise bewusst Stimmungsmache betreiben, dazu beitragen, dass die Grenze zwischen Manipulation und Rhetorik, also dem Versuch der argumentativen Überzeugung, immer mehr verschwimmt?</h3>
<p>Diese Grenze war tatsächlich nie so ganz trennscharf, vor allem dann, wenn man in die Praxis blickt. Aber: Die Rhetorik geht von zwei Grundannahmen aus: Erstens, dass es beim Überzeugen primär um die auf ein bestimmtes Publikum passenden Argumente geht; zweitens, dass es immer ein Freiheitsmoment gibt, ich also als Zuhörer einer Rede immer die Möglichkeit habe, für mich zu entscheiden, dass mich ein Argument eben nicht überzeugt – und ich etwa Rückfragen habe etc. Letzteres grenzt Rhetorik von der Propaganda ab. Ein entscheidender Vorteil rhetorischer Überzeugungsverfahren besteht also darin, dass sie einen rationalen Kern haben. Begründetheit garantiert nicht zuletzt die relative Langfristigkeit und Stabilität von Überzeugungen. Nur so ist politisches Handeln ja überhaupt möglich. Und nur ein solches primär argumentatives Verfahren ermöglicht es Gesellschaften und Gruppen, wichtige Themen so zu erörtern, dass dabei nachhaltige und belastbare Lösungen herauskommen. Insofern könnte man auch sagen, dass eine der Stärken der Rhetorik darin liegt, dass sie Konfliktlagen kommunikativ befrieden kann.</p>
<h3>politik-digital.de: Es wird zwischen „weißer“, also offener Propaganda, die sich auf eine bestimmte Quelle zurückführen lässt, und „schwarzer Propaganda“ unterschieden, die versteckter und manipulativer agiert und dessen Zielgruppe sich der Beeinflussung nicht bewusst ist. Sind Sie der Ansicht, besonders diese manipulative Form stellt heutzutage, vielleicht sogar noch stärker als früher, eine Bedrohung dar? Inwiefern lassen sich die Ursachen dafür in der Digitalisierung und der Art der Kommunikation im World Wide Web finden?</h3>
<p>Das würde ich ganz klar bejahen. Wir alle kennen Fotografien aus der Stalin-Ära, in der, mal der eine, mal der andere Parteigenosse, der eben gerade in Ungnade gefallen war, aus dem Foto rausretuschiert wurde. Meistens sieht man noch die Kanten, wo mit Schere oder Messer geschnitten wurde. Heute sind diese Techniken der Bildmanipulation äußerst raffiniert geworden – neuerdings gibt es ja nicht nur eine Manipulation von Einzelbildern, sondern auch ganzen Filmen, in denen dann z.B. Köpfe und Körper von Personen reinkopiert werden können. Hier wird bewusst mit der Annahme operiert, dass Bilder Evidenzeffekte generieren, also hohe Glaubwürdigkeit haben. Hinzu kommt in den sozialen Medien der ganze Komplex der social bots, der Trolle und der gefälschten Identitäten, siehe den Skandal um Facebook und Cambridge Analytica im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf.</p>
<p>Das Publikum der antiken Reden hatte es unendlich einfacher: Man konnte die Person, die sprach, sehen und sich einen eigenen Eindruck aus erster Hand verschaffen. Das ist in unserer Medienrealität nicht mehr möglich. Und hier schließt sich natürlich der ganze Komplex von Ethos und Glaubwürdigkeit an. Wenn die Gesellschaften unserer Welt es nicht schaffen, Mittel zu entwickeln, mit denen die einzelnen Kommunikatoren im Netz identifiziert und authentifiziert werden können, werden wir womöglich dunkle Zeiten erleben.</p>
<h3>politik-digital.de: Die Justizministerin Barley warnt aktuell vor einer zunehmenden sprachlichen Verrohung und einer Veränderung der Debattenkultur, bei der immer wieder aufs Neue Grenzen überschritten werden und bewusst Angst geschürt werden soll. Wie wirkt sich das Ihrer Ansicht nach auf die Qualität (politischer) Debatten aus? Und wie weit kann ein rhetorisch geschulter Blick dabei helfen, sich im Wirrwarr an Informationen und Meinungen zurechtzufinden?</h3>
<p>Das Internet wurde ja einmal zum Heilsbringer stilisiert, und noch vor wenigen Jahren hat man auch die damals aufkommenden sozialen Medien als Medien der Diskussion gefeiert. Das hat sich nun ins vollkommene Gegenteil verkehrt, und das stimmt so natürlich auch nicht ganz. Ich erlebe auf Twitter beides: Diskussionen (im Rahmen dessen, was in den 240 Zeichen möglich ist), aber auch viel Destruktives. Insofern würde ich mir hier mehr Differenzierung wünschen.</p>
<p>Aber Ministerin Barley thematisiert natürlich einen wichtigen Punkt. Populisten etwa nutzen soziale Medien wie Facebook und Twitter dazu, den gesellschaftlichen Konsens in vielen Punkten in Frage zu stellen, etwa im Bereich der Erinnerungspolitik. Sie testen ganz bewusst die Grenzen des Sagbaren aus und versuchen auf diese Weise am gesellschaftlichen Konsens zu rütteln. Aber man muss auch sagen: Sie treffen auf eine wehrhafte Bürgergesellschaft, die sich das nicht gefallen lässt. Insofern würde ich sagen, dass hier nicht alles verloren ist. Tatsächlich halte ich social bots für eine viel größere Gefahr als die Internet-Tweets einer Beatrix von Storch.</p>
<p>Das Problem sozialer Medien ist nicht zuletzt, dass es Echtzeitmedien sind. Das ist einerseits schön, denn es bringt Menschen ja tatsächlich zusammen und erzeugt wenigstens ein Gefühl von Nähe, andererseits profitiert eine Sachdiskussion immer von Entschleunigung, Ruhe und nachdenklichem Abwägen der Argumente. Die Medienlogik von Twitter und Facebook widerspricht dem und begünstigt die schnellen Aufreger, Provokationen und Tabubrüche. Es geht dabei natürlich auch um Aufmerksamkeit, die sich leicht erzielen lässt, wenn sich Populisten dieser Medienlogik bedienen. Ich glaube, dass wir als Gesellschaft lernen müssen, die Vor- und Nachteile bestimmter Kommunikationsformen für bestimmte Themen zu erkennen. Und wir brauchen eine Diskussion über so etwas wie „kommunikativen Anstand“ – wie wir mit Menschen diskutieren, die wir nicht als Person leibhaftig vor uns haben. Das geht dann in den Bereich der Ethik hinein und ist auch eine Bildungsaufgabe.</p>
<h3>politik-digital.de: Im Juni hat IBM eines seiner neuesten Projekte vorgestellt: eine Argumentationssoftware, die den Namen „Project Debater“ trägt. Im ersten direkten Vergleich mit dem Menschen, bei der zwei erfahrene Redner in einer freien Debatte gegen die KI antraten, lautete das Ergebnis unentschieden. Einen eigenen Standpunkt darlegen, diesen im Laufe einer komplexen Diskussion weiter zu entwickeln und argumentativ auf einen Gegner einzugehen &#8211; schien das nicht bisher noch eine Fähigkeit zu sein, die exklusiv dem Menschen zugeschrieben werden konnte? Stellt der „Project Debater“ jetzt eine ernstzunehmende Konkurrenz dar?</h3>
<p>Das IBM-Projekt begeistert und verstört mich zugleich tief. Und allzu viel wissen wir ja auch gar nicht, vor allem nicht darüber, wie universell die argumentativen Fähigkeiten des „Project Debater“ sind. Es gibt ja Themen, über die sich leichter und Themen, über die sich schwerer debattieren lässt. Vor allem im Bereich von ethischen Fragestellungen ist die Frage, was das ‚bessere Argument‘ ist, nicht einfach auf Basis von Wissen zu entscheiden.</p>
<p>Wie bei wohl allen neuen Technologien geht es hier um die Frage der Folgenabschätzung. IBM selbst betont ja nachdrücklich die dienende Seite der Software, die auf künstlicher Intelligenz aufbaut. Man kann sich aber auch ganz leicht vorstellen, dass diese Systeme missbraucht werden. Nicht zuletzt aus Film und Literatur sind wir mit solchen Dystopien ja vertraut. Man muss sich nur vorstellen, man verknüpft das System mit einem Facebook-Account und macht daraus, entsprechend eingestellt, so etwas wie einen Super-Social-Bot. Ich denke, dass Gesellschaften hier Vorsorge treffen müssen. Es muss ein Recht darauf geben, dass eine Person weiß, ob sie mit einer Maschine oder einem wirklichen Menschen argumentiert.</p>
<h3>politik-digital.de: IBMs Vision ist es, dass ihre Software den Menschen in Zukunft bei der Meinungsbildung zu verschiedenen, teilweise hochkomplexen, Themen unterstützt. Sehen Sie das als Chance oder Gefahr? Welche weiteren Anwendungsmöglichkeiten halten Sie für denkbar?</h3>
<p>Wie gesagt: Es ist natürlich beides. IBM betont in ihrer Öffentlichkeitsarbeit natürlich die positiven Seiten, etwa im Sinne von Arbeitserleichterung: In einer Rechtsanwaltskanzlei bereitet die Software bestimmte Vorgänge für den Anwalt vor etc. Umgekehrt wird das in manchen Bereichen auch Jobs kosten. Was mir allerdings komplett fehlt, ist die ganze ethische Reflexion darüber, was solche Systeme für eine Gesellschaft bedeuten, welches Potenzial und welche Gefahren sich ergeben. Hier müsste es unbedingt einen Ethikrat oder etwas Ähnliches geben. Denn die Gefahren sind dort handfest zu greifen, wo wir dann irgendwann nicht mehr wissen, ob wir mit einem Computer kommunizieren oder nicht.</p>
<p>Titelbild: 271277 via <a href="https://pixabay.com/de/obama-barack-obama-pr%C3%A4sident-mann-356133/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet.</p>
<p>Bild des Interviewpartners: © Thomas Susanka</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Das gekaufte Web – Wie wir online manipuliert werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[René Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2015 08:44:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Das gekaufte Web]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Firnkes]]></category>
		<category><![CDATA[ökonomische Interessen]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, um uns Nutzer zu manipulieren, scheinen grenzenlos. Das freie Netz ist die Spielwiese verschiedenster [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marionette2.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146826" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marionette2.jpg" alt="Marionette2" width="640" height="280" /></a>Die Möglichkeiten, die das Internet bietet, um uns Nutzer zu manipulieren, scheinen grenzenlos. Das freie Netz ist die Spielwiese verschiedenster Interessen, die unsere Meinung bilden oder Konsumwünsche erfüllen wollen. Michael Firnkes gibt in seiner neusten Veröffentlichungen einen tiefen Einblick in eine Welt, deren Entwicklungen mehr als nur einen bitteren Beigeschmack haben.</p>
<p>Die Internetökonomie wächst rasant. Allein der Markt für Onlinewerbung in Deutschland wird im Jahr 2015 Umsätze von voraussichtlich fast 6 Milliarden Euro erreichen. Das weckt Begehrlichkeiten einer ganzen Dienstleistungsindustrie. Autor Michael Firnkes ist Experte rund um Corporate Blogs sowie Blog- und Content-Marketing, seine aktuelle Veröffentlichung gibt einen tiefen Einblick in neue Arbeitsweisen und technische Möglichkeiten, die bei den Nutzern möglichst suggestiv Kaufambitionen schüren sollen.</p>
<p>Firnkes, der als exponierter Szene-Insider berichtet, beobachtet mit Argwohn die gegenwärtigen Entwicklungen im Netz. Seine Leitthese ist, dass die gegenwärtigen Informationsleistungen von Onlineangeboten durch bewusste Manipulationen von ökonomischen und fragwürdigen politischen Interessen pervertiert werden. Dies wirft konkrete medienethische Fragen auf, die anhand vieler Beispiele und Prognosen skizziert werden. Mit aller Deutlichkeit weist der Autor auf die Gefahren für unsere Demokratie hin.</p>
<h3>Redaktionelle und werbliche Inhalte verschwimmen</h3>
<figure id="attachment_146866" aria-describedby="caption-attachment-146866" style="width: 198px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/das-gekaufte-web-telepolis-9783944099088-3fa.png"><img decoding="async" class="wp-image-146866" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/das-gekaufte-web-telepolis-9783944099088-3fa-305x378.png" alt="das-gekaufte-web-telepolis-9783944099088-3fa" width="198" height="245" /></a><figcaption id="caption-attachment-146866" class="wp-caption-text">Firnkes, Michael: Das gekaufte Web &#8211; Wir wir online manipuliert werden. Verlag: Heinz Heise, 324 Seiten, 18,95 Euro (D) / 19,50 Euro (A), 2015, ISBN: 978-3-944099-08-8</figcaption></figure>
<p>Im Zentrum steht dabei die Kritik an der zunehmenden Aufweichung von journalistischen Prinzipien wie dem Trennungsgebot von werblichen und redaktionellen Inhalten. Der Trend zu immer mehr Konsum von Onlineangeboten steigert gleichzeitig den Hunger nach Content – immer mehr und immer schneller. Die Blogosphäre steht dabei im Fokus von Unternehmen und Agenturen, die mit allen Anstrengungen versuchen, die Blogger vor den Karren ihrer Werbemaßnahmen zu spannen. Das Problem ist, dass diese Vorgehensweise für die Werbeindustrie sowie für Blogger durchaus lukrativ ist und zugleich gegenseitige Abhängigkeiten schafft. Die Blogger verdienen gut, wenn sie das Spiel der Werbeagenturen mitspielen.</p>
<h3>Gekaufte Inhalte wohin das Auge schaut – ohne Kennzeichnungen</h3>
<p>Die Manipulation im Onlinemarketing ist nach Firnkes von einer besonders perfiden Art geprägt, da sie immer öfter als journalistische Berichterstattung getarnt wird. Ohne die Beiträge als eine Werbeform zu kennzeichnen, werden scheinbar neutrale Informationen mit subtilen Werbebotschaften angereichert. Diverse Geschäftsmodelle sind mittlerweile notwendig für zahlreiche Onlinedienste, denn der Konsument bevorzugt Gratisangebote. Hier treten Interessenskonflikte auf, denn auch diese Dienste verursachen Kosten für die Betreiber. Um diese gegenfinanzieren zu können, sind viele Plattformen auf Werbeofferten angewiesen. Derweil entsteht auch Druck auf die Konkurrenz im Kampf um Klickzahlen und Verweildauer – sowie Einnahmen.</p>
<h3>Masse statt Klasse</h3>
<p>Um im Dickicht des Netzes Aufmerksamkeit zu generieren, werden auch fernab der Kommerzialisierungsstrategien manipulative Methoden angewendet. Ob eine provozierende Überschrift, einen effekthascherischen Teaser oder gar erfundene Inhalte. Dass der journalistische Kodex damit verletzt wird, ist offensichtlich. Doch wie kann sich qualitative Recherche in Zeiten knapper Ressourcen noch entfalten? Die Rahmenbedingungen erschweren das, was gemeinhin als Voraussetzung für vertrauenswürdigen Journalismus betrachtet wird: gewissenhafte unabhängige Recherche.</p>
<p>Unstillbarer Content-Hunger in einer schnelllebigen netzorientierten Informationsgesellschaft bietet das Einfallstor für eine Reihe an neuen Methoden. Auf der einen Seite stehen die PR-Spezialisten mit ihren vorgefertigten Texten bereit und bieten eine nicht uneigennützige Unterstützung an, um manipulative Inhalte bereit zu stellen. Auf der anderen Seite experimentieren IT-Experten mittlerweile an computergerierten Inhalten („Robo-Journalismus“), um auch die PR-Abteilung überflüssig machen zu können.</p>
<h3>Wem kann man noch Vertrauen?</h3>
<p>Gefälschte Produktbewertungen, pseudo-unabhängige Produktempfehlungen, gekaufte Facebook-Likes und Twitter-Follower und vieles mehr &#8211; die Liste möglicher Manipulationen ist lang. Die Lektüre des Buches ist daher ernüchternd. Denn selbst scheinbar vertrauenswürdige Plattformen wie die freie Enzyklopädie Wikipedia sind ständigen Manipulationsversuchen ausgesetzt. Ob durch Wirtschaft oder Politik, das Internet ist ein Kampfplatz für die möglichst optimale Selbstdarstellung.</p>
<p>Firnkes Leistung besteht vor allem darin, die gegenwärtigen technischen Entwicklungen in den kritischen Kontext mit dem demokratischen Web zu stellen. Begriffe wie <a href="http://politik-digital.de/news/big-data-datensammlung-fluch-oder-segen-145161/">Big Data</a>, <a href="http://politik-digital.de/news/filter-bubble-algorithmen-und-kein-ausweg-142731/">Filter Bubble</a>, das <a href="http://politik-digital.de/themen/internet-der-dinge-leben-in-der-smarten-welt-140764/">Internet der Dinge</a> oder die zahlreichen Marketingstrategien bilden ein Konglomerat, welches eine omnipotente Überwachung für die digitale Ökonomie gewährleistet. Am Ende ist der Benutzer – oder besser: sein Datenprofil – gefangen in einer Maschinerie, die jedem das Internet zuschneidet wie einen Maßanzug. Die kommerzielle Personalisierung beschneidet dabei die Freiheit jedes Nutzers: kein Beitrag ist mehr zufällig und jedes Produkt ist abgestimmt.</p>
<p>„Das gekaufte Web“ soll nach Auffassung des Verfassers jedoch keine pessimistische Zustandsbeschreibung mit noch deprimierender Prognose sein, sondern versteht sich als aufklärerisches Werk, welches Impulse zu einer notwendigen Diskussion geben möchte. Ein Plädoyer für den aufmerksamen Umgang mit neuen Medien, denn diese bestimmen unser Leben immer mehr mit. Abschließend stellt der Autor in seinem Buch acht Thesen vor, die uns zu mündigen Bürgern eines demokratischen Internets machen sollen. Doch können wir angesichts all dieser suggestiven Manipulationen auf uns selbst verlassen? Können wir die neuen Gatekeeper werden? Lässt sich das durchkapitalisierte Netz bändigen? Kann sich der Onlinejournalismus selbstverpflichten und einen alternativen Kodex hervorbringen? Sicher ist nur die Tatsache, dass wir die Entwicklungen wohl nicht aufhalten können, aber wir können sie beeinflussen. Statt Vogel-Strauß-Prinzip sei vorsichtiger Optimismus und kritisches Urteilen die Grundvoraussetzung für den mündigen Bürger in der digitalen Sphäre.</p>
<p>Das Buch verspricht eine kurzweilige wie erhellende Lektüre. Trotz des kompakten Hintergrundwissens ist es für Laien gut verständlich. Zweifelsohne kann der Autor damit einen wichtigen Diskussionsbeitrag vorlegen, den eine demokratische Gesellschaft um ihrer selbst willen zwingend führen muss.</p>
<p>Bild:<a href="https://pixabay.com/en/service/terms/#usage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 </a><a class="hover_opacity" href="https://pixabay.com/en/wooden-mannequin-wooden-mannequin-791720/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kaboompics</a></p>
<div>
<div> <img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></div>
</div>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Menschenexperiment Internet: Alles erlaubt?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jul 2014 10:31:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Beeinflussung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Rudder]]></category>
		<category><![CDATA[Experiment]]></category>
		<category><![CDATA[FTO]]></category>
		<category><![CDATA[ICO]]></category>
		<category><![CDATA[OKCupid]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Produktoptimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Sheryl Sandberg]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Big Data]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Zuckerberg]]></category>
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					<description><![CDATA[Beeinflussung droht an allen Ecken: von Politik, Werbeindustrie und Medien. Doch wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Beeinflussung und illegitimer [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/facebook_monster_cut.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-141220" alt="facebook_monster_cut" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/facebook_monster_cut.jpg" width="640" height="280" /></a>Beeinflussung droht an allen Ecken: von Politik, Werbeindustrie und Medien. Doch wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Beeinflussung und illegitimer Manipulation? Eine Antwort verlangt insbesondere das Internet, wo Manipulationen für den Nutzer oft nur schwer erkennbar sind. Internetdienste beteuern, mit ihren Experimenten nur die Verbesserung ihrer Dienste im Sinn zu haben. Doch heiligt der Zweck alle Mittel oder gibt es Grenzen?<br />
Ein Raunen ging durch das Netz, als Ende Juni dieses Jahres bekannt wurde, dass <a href="http://www.zdnet.de/88197289/facebook-manipulierte-news-feed-tausender-nutzer-fuer-psychologisches-experiment/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook den Newsfeed von mehreren hunderttausend Nutzern für eine Studie manipuliert</a> hatte. Die Untersuchung hatte es zum Ziel, herauszufinden, wie Newsfeed-Beiträge mit negativem oder positivem Tenor den Nutzer in seinem eigenen Verhalten auf Facebook beeinflussen.<br />
Für dieses Experiment durfte sich Facebook ordentlich Schelte anhören: Neben <a href="http://www.zdnet.de/88197289/facebook-manipulierte-news-feed-tausender-nutzer-fuer-psychologisches-experiment/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ethischen Vorwürfen</a> zielte die Kritik ebenso auf die zweifelhaften Ergebnisse der Studie. Facebook handelte sich am Ende eine <a href="http://www.research-live.com/news/facebook-controversy-continues-with-complaint-to-ftc/4011929.article" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Untersuchung</a> durch die US-Handelskommission (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Trade_Commission" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FTC</a>) und die britische Datenschutzbehörde (ICO) ein. Doch weder die FTC noch das ICO haben ihre Ergebnisse bisher veröffentlicht und eine Stellungnahme darüber abgegeben, ob Facebook mit dem durchgeführten Experiment gesetzeswidrig gehandelt hat oder nicht.</p>
<h3>Facebook muss keine ernsthaften Folgen fürchten</h3>
<p>Gab es also nur eine kurzfristige und oberflächliche Entrüstung über die Studie, weil es aktuell <em>en vogue</em> ist, sich über Facebook zu empören und die Studie längst schon wieder durch andere Ereignisse verdrängt wurde? Ist eine Stellungnahme von Behördenseite nicht innerhalb eines Zeitraums zu bewerkstelligen, in dem das Ereignis den Menschen noch präsent ist? Denn eins ist sicher, bei aller Sorgfalt, die von einer Behörde bei ihrer Arbeit erwartet wird: Je mehr Zeit verstreicht, desto weniger Menschen werden sich für eine Stellungnahme interessieren, die einen zurückliegenden Aufreger thematisiert. Falls Facebook mit diesem Experiment gegen das Gesetz verstoßen hat, dann muss dieses Verhalten zeitnah bewertet und möglicherweise sanktioniert werden. Auch aus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Strafe#Psychologie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">psychologischer Perspektive</a> sollte eine Strafe erkennbar, d.h. zeitnah erfolgen.</p>
<h3>Experimentieren als Funktionsprinzip von Webseiten</h3>
<p>Unwahrscheinlich, dass Christian Rudder, Mitgründer der US-Datingplattform OkCupid, diese Gedanken hatte, als er Facebook in seinem gestrigen <a href="http://blog.okcupid.com/index.php/we-experiment-on-human-beings/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogeintrag</a> zur Seite sprang und offen eingestand: „Wir experimentieren mit Menschen“. Ob man sich bei Facebook in Palo Alto über so viel Unterstützung freut oder eher die erneute Aufmerksamkeit für das eigene Treiben missbilligt, ist leider nicht bekannt. Jedoch übernimmt Rudder die Argumentationsbasis von Facebook und erklärt, dass diese Art von Experimenten allein dem Zweck diene, den eigenen Dienst und somit das Nutzererlebnis für die User zu verbessern. Rudder bezeichnet dieses Vorgehen des ständigen „Experimentierens“ gar als Funktionsprinzip von Webseiten. Hat er Recht?</p>
<h3>Nutzer helfen bei Produktentwicklung</h3>
<p>Richtig ist, dass es inzwischen üblich ist, Online-Dienste oder Computerprogramme nicht mehr bis zur Marktreife zu entwickeln, sondern bereits lange vorher auf den Markt zu werfen, um sie zu testen. Schließlich weiß man nie, welche Idee das nächste große Ding sein könnte, und möchte häufig erst mal testen, ob der neue Dienst bei den Menschen ankommt. Denn erst mit dem vorzeigbaren Erfolg kommen die Investoren, die das nötige Geld in das Projekt pumpen, um es weiterzuentwickeln.<br />
Genauso läuft das bei existierenden Diensten, die an neuen Funktionen arbeiten. Facebook etwa <a href="http://www.techradar.com/news/world-of-tech/facebook-users-to-test-new-features-1091602" target="_blank" rel="noopener noreferrer">testet neue Funktionen</a> oder Designänderungen generell vorab an ausgewählten Nutzern, bevor es alle Accounts auf die Neuerungen umstellt. Diese Gruppe repräsentiert einen Querschnitt der Facebook-Community. Mit dieser Vorgehensweise findet das Unternehmen schnell heraus, wie gut eine neu erdachte Funktion oder Änderung bei seinen Nutzern ankommt. Bei negativer Rückmeldung kann es rechtzeitig reagieren und entweder vollständig auf die Funktion verzichten oder auf die Kritik der Nutzer eingehen und nachbessern. Es gibt also plausible Gründe für Experimente auf Webseiten, von denen wir alle profitieren. Für die Webseitenbetreiber ist die Weiterentwicklung ihrer Dienstes überdies existenziell, sonst können sie sich in die Reihe der <a href="http://politik-digital.de/vergessene-online-welten-teil-1-die-vz-netzwerke/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vergessenen Dienste</a> hinter AOL, Myspace, StudiVZ etc. eingliedern, die die letzten Trends verpasst haben. Wieso also der Aufschrei, wenn das Herumprobieren notwendig ist und alle so arbeiten?</p>
<h3>Sollte alles erlaubt sein, was technisch machbar ist?</h3>
<p>Das Argument „Produktentwicklung“ verfängt nicht so richtig. Sicher, jeder freut sich über neue sinnvolle Funktionen und wird der Annahme zustimmen, dass kein Programmierer alle Szenarien im Voraus durchdacht haben kann. Aber es gibt (ethische) Grenzen, die nicht durch das technisch Machbare gesetzt werden sollten, sondern durch Werte und Diskussionen über eben jene Grenzen.<br />
OkCupid-Chef Rudder und Sheryl Sandberg, Leiterin des operativen Geschäfts von Facebook, sind sich offenkundig nicht bewusst (oder gestehen es nicht zu), dass ein Unterschied zwischen Produktentwicklung und Manipulation existiert. Die Grenzen sind wie so oft nicht absolut, aber eine Sensibilität für solche Feinheiten wären beiden zuzutrauen. Wieso ist es für die Facebook-Betreiber wichtig zu wissen, ob und wie die Laune der Nutzer von positiv bzw. negativ lautenden Beiträgen in ihrem Nachrichtenstrom beeinflusst wird? Facebook würde vielleicht ganz naiv entgegnen: „Weil wir unsere Nutzer zu &#8216;glücklichen&#8217; Menschen machen wollen“. Näher an der Wahrheit ist wohl, dass sie wissen wollen, auf welche Weise sie die Werbeumsätze steigern können. Das ist nicht per se verwerflich, denn irgendwie muss sich Facebook finanzieren, aber dann sollten diese Experimente nicht mit dem einzigen Argument der Produktoptimierung gerechtfertigt werden.</p>
<h3>Die Wünsche der User sind Facebook nicht egal</h3>
<p>„Facebook macht doch eh, was es will, und interessiert sich nicht für die öffentliche Meinung“, ist ein beliebtes fatalistisches Argument in Diskussionen über das größte soziale Netzwerk der Welt. Facebook ist mächtig. Facebook lässt sich tatsächlich nicht einfach von ein bisschen Gegenwind beeindrucken. Andererseits kann es sich selbst Facebook nicht leisten, dauerhaft die Bedürfnisse vieler Nutzer zu ignorieren. Lange Zeit vertrat Facebook-Chef Mark Zuckerberg das Mantra, möglichst alle persönlichen Informationen und Inhalte auf Facebook sollten für möglichst alle Besucher einsehbar sein. Nutzer mussten permanent ihre Privatsphäre-Einstellungen anpassen, weil Facebook bei Änderungen die Voreinstellungen meist auf ein Minimum reduzierte. Sicher wäre Zuckerberg dieser Strategie gerne treu geblieben, aber Facebook hat mittlerweile verstanden, dass es <a href="https://netzpolitik.org/2014/facebook-legt-ploetzlich-wert-auf-privatsphaere/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geschäftsschädigend wäre, dem Wunsch der Nutzer nach Privatheit</a> nicht nachzukommen.</p>
<h3>Nur schlechte PR führt zur Einhaltung von Datenschutz</h3>
<p>Von institutioneller Seite gab es übrigens doch noch eine Reaktion: Die Datenschutzbehörde des Vereinigten Königreichs hat an diesem Montag einen <a href="http://ico.org.uk/news/latest_news/2014/~/media/documents/library/Data_Protection/Practical_application/big-data-and-data-protection.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bericht</a> (englisch) zum gesetzeskonformen Umgang mit Big Data veröffentlicht. Eine erschreckende Erkenntnis der Datenschützer lautet, dass <a href="http://www.computerworlduk.com/news/it-business/3532916/ibm-and-nectar-are-role-models-in-icos-big-data-guidance/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">einzig und allein schlechte PR (wie das Bekanntwerden der Facebook-Userstudie) die Unternehmen dazu veranlasse, die Datenschutzgesetze einzuhalten</a>. Dementsprechend schreiben die Datenschützer den Medien eine wichtige Wächterfunktion zu. Ein weiterer Bestandteil des Berichts ist zudem die Forderung nach Richtlinien, die Kunden einen einfachen Zugang zu ihren Daten ermöglichen sollen. Diese Daten sollen die Kunden darüber hinaus woanders wiederverwenden oder verkaufen können. Wir müssen uns also in Geduld üben und vermutlich auf den nächsten Skandal warten, um zu sehen, ob und in welchem Maße sich die Internetunternehmen an solchen Richtlinien orientieren werden.<br />
Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/dkalo/4815259737/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dkalo</a> <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-SA 2.0)</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Biete Kerry, suche Nader</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Das knappe Rennen der Präsidentschaftskandidaten in den Vereinigten Staaten befördert eine Idee ins Rampenlicht, die sich „vote-swapping“ (to swap = tauschen, wechseln) nennt. Über Vermittlungswebseiten finden dabei Anhänger verschiedener Bewerber zueinander, um ihre Wählerstimmen über die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinweg zu tauschen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Das knappe Rennen der Präsidentschaftskandidaten in den Vereinigten Staaten befördert eine Idee ins Rampenlicht, die sich „vote-swapping“ (to swap = tauschen, wechseln) nennt. Über Vermittlungswebseiten finden dabei Anhänger verschiedener Bewerber zueinander, um ihre Wählerstimmen über die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten hinweg zu tauschen.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Der College-Student Michael Holms aus Florida hat ein Problem. Als überzeugter Anhänger von Ralph Nader, will er dem Verbraucheranwalt und Präsidentschaftskandidaten durch seine Wählerstimme mehr politisches Gewicht verschaffen. Aber sein Alptraum wäre es, wenn er damit dem von ihm ungeliebten Republikaner George W. Bush indirekt zum Wahlsieg verhelfen würde. Ein Scheinproblem? Keineswegs, denn der Ausgang der Präsidentenwahlen 2000 stand und fiel mit den abgegebenen Stimmen für Nader. Gerade diese fehlten dem demokratischen Kandidaten Al Gore letztlich zum Wahlsieg. In diesem Jahr könnten sie John Kerry den Sieg kosten.</p>
<p>
                            <span class="fett">Der Ausweg</span></p>
<p>Für Michael Holms heißt der Ausweg aus diesem Dilemma „vote-swapping“. Hinter dem Schlagwort verbirgt sich eine Partnerschaftsvermittlung der politischen Art, die schon bei der letzten Wahl für Wirbel sorgte und sich nun anschickt, möglicherweise Einfluss auf die Präsidentschaftswahl 2004 auszuüben.</p>
<p>                            <span class="fett">Die Prozedur</span></p>
<p>Das Verfahren ist simpel. So registriert sich Michael Holms dieses Jahr unter Angabe seines Bundesstaates und seiner Wahlpräferenz bei einer der sogenannten „swapping-sites“ (seit dem 20. September 2004 ist das Joint Venture<br />
                            <a href="http://www.votepair.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.votepair.org</a> online, eine weitere findet sich unter<br />
                            <a href="http://www.defeatbushagain.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.defeatbushagain.com</a>). Dort wird ihm vom Computer ein Wähler aus einem anderen Staat vermittelt, der sich auf der Webseite als Kerry Anhänger registriert hat. Der Kniff dabei ist folgender: Der Anhänger Kerrys wählt in einem der sogenannten „safe states“. In diesen ist der Sieg für Bush oder Kerry bereits derart absehbar, dass er das Ergebnis mit seiner Stimme nicht mehr beeinflussen kann. Daher „tauscht“ er nun mit Michael Holms seine Präferenz und wählt am Wahltag dessen Favoriten Ralph Nader. Holms im „swing state“ Florida gibt dafür John Kerry seine Stimme.</p>
<p>                            <span class="fett">Vorteile für beide Tauschpartner</span></p>
<p>Beide Tauschpartner profitieren. Kerry hat in einem der entscheidenden „swing states“ eine zusätzliche Stimme erhalten. Michael Holms hingegen kann indirekt doch Nader wählen und muss nicht befürchten, Steigbügelhalter des politischen Gegners zu werden.</p>
<p>Das System funktioniert theoretisch sowohl im linken wie auch im rechten Lager, da neben den beherrschenden Kandidaten der Demokraten und Republikanern, noch Bewerber kleiner Parteien („third partys“) um Stimmen werben und damit für einen „vote-swapping“ in Frage kommen. Bei den Konservativen gilt dies für die Michael Peroutka (Constitution Party) und Earl Dogde (Prohibition Party) während für das linke bzw. liberale Lager neben Ralph Nader noch David Cobb (Green Party), Walt Brown (Socialist Party) und Michael Badnarik (Libertarian Party) landesweit antreten. Bisher wurden aber vornehmlich linksorientierte Swapping-Sites für Kerry eingerichtet, die sich unter dem Motto „Anybody but Bush!“ hauptsächlich an Nader Wähler, die eindeutig stärkste dritte Kraft, richten.</p>
<p>                            <span class="fett">Effekt nicht abschätzbar</span></p>
<p>Dennoch kann noch niemand den tatsächlichen Effekt des digitalen Stimmentausches für die kommende Präsidentschaftswahl vorhersagen. Bei den Wahlen 2000 wurden nach Schätzungen der Webseitenbetreiber jedenfalls insgesamt 16.024 digital vermittelte Tauschaktionen durchgeführt. Davon kamen 1.400 Teilnehmer aus dem Bundesstaat Florida. Das mag zunächst wenig scheinen. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass im Jahre 2000 Florida, als umstrittenster „swing state“, von George W. Bush mit knapp über 500 Stimmen gewonnen wurde, dann bekommt so eine Vermittlungsquote plötzlich Brisanz. Die diesjährige Wahl verspricht nämlich ähnlich hauchdünn auszufallen. Digitales „vote-swapping“ könnte also wahlentscheidend wirken.</p>
<p>Streit um ethische und rechtliche Probleme<br />
                            <br />So alt wie die Webseiten selbst, ist aber auch der Schlagabtausch darüber, ob „vote-swapping“ überhaupt ethisch wie rechtlich zulässig ist. Befürworter wie die ACLU (American Civil Liberties Union) pochen darauf, dass es weder verwerflich noch verboten sei, taktisch zu wählen. Diese Praxis werde selbst von Kongressabgeordneten gepflegt, die munter nach dem Motto „Ich stimme für dein Gesetz, wenn du mein Vorhaben unterstützt!“ (sog. „logrolling“) verfahren. Weiterhin führen sie ins Feld, dass dem tatsächlichen Wählerwillen am treffendsten entsprochen werde. Dieser wolle nämlich seinen favorisierten Kandidaten unterstützen, ohne dem politischen Gegner direkt in die Hände zu spielen, weil dem aussichtsreichen politisch näher stehenden Kandidaten am Ende die Stimme fehlen könnte. Sich in politischer Hinsicht abzusprechen, sei ja wohl auch durch das First Amendment der amerikanischen Verfassung zum Schutz der freien Rede gedeckt.</p>
<p>Für die Gegner des „vote-swappings“ handelt es sich bei derartigen Internetabsprachen schlichtweg um Manipulation des Wahlergebnisses durch unethisches Handeltreiben mit Wählerstimmen. Die Ablehnung ging bei den letzten Präsidentschaftswahlen so weit, dass der oberste kalifornische Wahlbeamte Bill Jones die in Kalifornien ansässige Tauschseite www.votexchange2000.com wegen angeblichen Wahlbetrugs und Verstoßes gegen mehrere Wahlvorschriften vor der Abstimmung vorübergehend schließen ließ. Die anschließende juristische Auseinandersetzung vor einem Bundesgericht verlor er allerdings. Dennoch haben unter anderem die Wahlkommissionen der Bundesstaaten Wisconsin und Washington für die aktuelle Wahl verlautbaren lassen, dass sie die Tauschpraxis in ihrem Bundesstaat für gesetzeswidrig halten.</p>
<p>                            <span class="fett">Keine Handhabe</span></p>
<p>Eine effektive Handhabe gegen derartigen Stimmentausch bleibt den Behörden jedoch kaum, da die Webseiten häufig nicht ihrem gerichtlichen Einflußbereich unterliegen.<br />
                            <br />Und die einzelnen Vereinbarungen der Wähler („vote pairings“) lassen sich nicht fassen. Derartige „Verträge“ sind weder rechtlich bindend, noch kann man wegen des Wahlgeheimnisses überprüfen, ob sich tatsächlich beide Partner an ihre Absichtserklärungen aus dem Internet gehalten haben.</p>
<p>Dieses Problem bleibt allerdings auch Michael Holms nicht erspart, wenn er seine Stimme am 2. November vertrauensvoll John Kerry geben sollte.<br />
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tausche Labour gegen Liberal</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/tausche_labour_gegen_liberal-729/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sfalk]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Unterhauswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Stimmentausch]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlsystem]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Neue Internetangebote bringen Farbe
in den grauen britischen Wahlkampf</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Neue Internetangebote bringen Farbe<br />
in den grauen britischen Wahlkampf</span></b><!--break--><br />
<b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<br />
</span></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Am 7. Juni 2001 wird in Großbritannien<br />
gewählt. Die Wahlen zum <a href="http://www.parliament.uk/commons/HSECOM.HTM" target="_new" rel="noopener noreferrer">House<br />
of Commons</a> (Unterhaus) versprechen wenig Aufregendes. &quot;Dr Feelgood&quot; Blair<br />
führt in allen Meinungsumfragen mit großem Abstand &#8211; Überraschungen<br />
werden nicht erwartet. Auch der Wahlkampf ist öde, seit Blair in einem klugen<br />
strategischen Schachzug jene die Briten spaltende europäische Frage durch<br />
ein erst nach den Wahlen geplantes Referendum von der Agenda des hemdsärmligen<br />
konservativen Herausforderers William Hague genommen hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Die politische Online-Landschaft in England hat da schon einiges mehr zu bieten.<br />
Angeregt durch die sites zum amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2000<br />
wie <a href="http://www.nadertrader.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.nadertrader.org</a><br />
oder <a href="http://www.votetrader.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.votetrader.org</a><br />
lässt sich in Großbritannien derzeit auf vier websites der Stimmentausch<br />
verabreden. Im britischen <a href="http://www.electoral-reform.org.uk/sep/votingsystems/systems.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">First-Past-The-Post-Wahlsystem</a><br />
(relative Mehrheitswahl im Einerwahlkreis) wird jener Kandidat aus den 659 Wahlkreisen<br />
in das Parlament entsandt, der die meisten Stimmen im Wahlkreis auf sich vereinigt<br />
&#8211; auch wenn dies weniger als 50 Prozent der in diesem Wahlkreis abgegebenen<br />
Stimmen sind. Alle anderen Stimmen sind &quot;verloren&quot;. Anhänger der wenig<br />
aussichtsreichen Liberaldemokraten im Wahlkreis Wimbledon schießen also<br />
ihre Stimme &quot;in den Wind&quot;, ebenso wie Unterstützer von Labour im Bezirk<br />
Kingston &amp; Surbiton: Hier haben Liberale die Tories bei den Unterhauswahlen<br />
1997 knapp geschlagen, benötigen also jede Stimme, und Labour spielt praktisch<br />
keine Rolle. Auf <a href="http://www.tacticalvoter.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.tacticalvoter.com</a><br />
können sich wahlberechtigte Bürger zum Stimmentausch registrieren<br />
lassen und werden über email miteinander in Kontakt gebracht. Auf diese<br />
Weise lassen sich die zwei normalerweise verlorenen Stimmen retten &#8211; Vertragstreue<br />
natürlich vorausgesetzt. In welchem Wahlkreis voteswapping Sinn macht,<br />
läßt sich auf der site online in Echtzeit feststellen. Unterstützt<br />
wird die mittlerweile von über 50.000 usern <a href="http://www.guardian.co.uk/Columnists/Column/0,5673,496383,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">besuchte<br />
Seite</a> durch die ehrwürdige <a href="http://www.electoral-reform.org.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Electoral<br />
Reform Society</a>, die seit 116 Jahren Wahlen in Großbritannien betreut<br />
und kommentiert. Vertreter der Gesellschaft haben wiederholt eine Reform des<br />
britischen Wahlsystems eingefordert und sehen in der online-Verabredung zum<br />
Stimmentausch eine ihrer zentralen Forderungen erfüllt: dass jede der abgegeben<br />
Stimmen zählt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Der Rockmusiker Billy Bragg ist Englands bekanntester bekennender Voteswapper:<br />
mittels der von ihm eingerichteten site <a href="http://www.votedorset.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.votedorset.org/</a><br />
versucht er, durch den Stimmentausch mit den Nachbargemeinden Mid Dorset und<br />
Poole North die knappe Mehrheit der Tories von lediglich 77 Stimmen bei den<br />
Wahlen von 1997 zu verhindern. Rund 700 Anträge sollen bereits vorliegen.<br />
Die obskure Seite <a href="http://www.stophague.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.stophague.com</a><br />
fordert Wählerinnen und Wähler in Kingston &amp; Surbiton und Wimbledon<br />
auf, mit vereinten Kräften den Torie-Sieg in ihrem Wahlkreis zu verhindern.<br />
Auch im politisch unruhigen <a href="http://www.votebasingstoke.f2s.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nordirland</a><br />
soll durch Stimmentausch mit Wählern aus Winchester verhindert werden,<br />
dass der als strammer Rechter geltende Kandidat Andrew Hunter nochmals ins Unterhaus<br />
einzieht, der lediglich eine einfache Mehrheit von 43 Prozent hält . Der<br />
<a href="http://users.eastlink.ca/%7Esrgl/election2001.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tactical<br />
Voting Wizard</a> zeigt, in welchem Wahlkreis taktisches Wählen überhaupt<br />
Sinn macht : Er nennt letzte Hochrechnungen für jeden Wahlkreis, auf deren<br />
Basis Entscheidungen gefällt werden können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Diese Sites kommen allesamt aus dem linken und liberalen Spektrum mit einem<br />
gemeinsamen Ziel: <a href="http://www.keepthetoriesout.co.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Keep<br />
the Tories out</a>. <a href="http://www.btinternet.com/%7Etorywatch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Torywatch</a><br />
stellt sicher, dass kein politisch inkorrektes Zitat eines Torie-Kandidaten<br />
der breiten Öffentlichkeit verborgen bleibt. Dahingehen haben die Konservativen<br />
das Internet als Medium für politische Kampagnen noch nicht für sich<br />
entdeckt. Insgesamt sind die britischen MP&#8217;s im Vergleich zu ihren deutschen<br />
Kollegen eher zurückhaltend in der Nutzung des aussichtsreichen Kommunikationskanals.<br />
Kaum ein Viertel der 659 britischen Parlamentarier hat eine eigene Homepage,<br />
darunter 88 Labour, 34 Tories, 24 Liberals und ein Vertreter der Scottish Nationals.<br />
In der Bundesrepublik hingegen haben alle Bundestagsabgeordneten einen eigenen<br />
Internetauftritt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Unterschiedlichen Schätzungen zufolge brachte taktisches Wählen<br />
Blair bei den <a href="http://www.times-archive.co.uk/news/pages/infotimes/politics/ballot97.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlen<br />
von 1997</a> bis zu 40 zusätzliche Sitze ein &#8211; ohne, dass im Vorfeld Absprachen<br />
zwischen einzelnen Individuen getroffen worden wären. Wählerinnen<br />
und Wähler wollten vor allem eins: den Wechsel nach 18 Jahren konservativer<br />
Regierung. </span></p>
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