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	<title>Margret Johansen &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Margret Johansen &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Ich kann nur hoffen, dass die EU das fatale Bild von Uneinigkeit als Lehre für die Zukunft betrachtet.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jherbell]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mjohannsen.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a></b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Dr. 
Margret Johannsen</b></a><b>, wissenschaftliche Mitarbeiterin 
am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität 
Hamburg <a href="http://www.ifsh.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(IFSH)</a>, </b><b>waram 
3. April 2003</b><b> zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mjohannsen.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a></b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Dr.<br />
Margret Johannsen</b></a><b>, wissenschaftliche Mitarbeiterin<br />
am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität<br />
Hamburg <a href="http://www.ifsh.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(IFSH)</a>, </b><b>waram<br />
3. April 2003</b><b> zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator:</b> Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute begrüßen wir Frau Dr. Johannsen.<br />
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Friedensforschung<br />
und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). Wir haben<br />
eine Stunde Zeit, Frau Johannsen sitzt in Hamburg. Sind Sie bereit und<br />
kann es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie waren kurz nach den Anschlägen am 11. September 2001 bereits<br />
bei uns im Chat. Sie sagten damals: &quot;Die UNO muss mit stärkeren<br />
Kompetenzen ausgestattet werden, die Entwicklungspolitik muss mit Konfliktpräventionsfähigkeiten<br />
ausgestattet werden. Zum Beispiel finanziert Deutschland Krisenpräventionen<br />
im Rahmen des Auswärtigen Amtes und des Entwicklungsministeriums<br />
mit 80 Millionen DM. Die Bundeswehr kostet 40 Milliarden &#8211; das ist ein<br />
enormes Missverhältnis.&quot; Jetzt sagte Außenminister Fischer,<br />
die Bundesregierung plane größere Verteidigungsausgaben, damit<br />
Europa international eine stärkere Rolle spielen könne. Ist<br />
das aus Ihrer Sicht ein sinnvoller Weg der Regierung Schröder zur<br />
Lösung internationaler Konflikte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Nein. Größere Verteidigungsausgaben sollten keine Priorität<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kritische_Stimme:</b><br />
Ohne Frage ist der Krieg im Irak schrecklich, allein schon wegen der zivilen<br />
Opfer. Aber ist es nicht auch moralisch verwerflich einen grausamen Diktator<br />
wie Hussein ungestört walten zu lassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
In der Tat ist das ein Dilemma. Ich denke nur, dass man den Irak hätte<br />
eindämmen können und die Opposition unterstützen, so dass<br />
ein Regimewechsel von innen eine Chance gehabt hätte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wer hat Ihrer Meinung nach zu wenig für einen Regimewechsel getan?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich denke, es liegt auch am Versagen der arabischen Regime in der Region<br />
vor. Diese hätten mehr tun können, um diesen Krieg zu vermeiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ralf2:</b><br />
Glauben Sie, dass die Unterstützung des Irakischen Volkes für<br />
Saddam Hussein echt ist, oder ist es nur eine antiamerikanische Haltung?<br />
Will das irakische Volk Freiheit und Demokratie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich denke, dass man augenblicklich Patriotismus beobachten kann. Das ist<br />
weniger Unterstützung für Saddam, als vielmehr die Auffassung,<br />
dass Irak den Irakern gehört.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MiriamS:</b><br />
Hätte das Regime die Chance auch genutzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich denke, man muss zugeben, dass auch Diktatoren sich manchmal sehr lange<br />
an der Macht halten können. In diesem Fall muss man abwägen.<br />
Wer sein ganzes Volk umbringt, den muss man daran hindern. Aber ein solcher<br />
Fall lag nicht vor.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zur Rolle der UNO:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Janette:</b><br />
Die USA haben im Kalten Krieg die UNO geschaffen. Warum versuchen sie<br />
sie jetzt zu entwerten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Weil sie der Auffassung sind, dass sie ihre Interessen an der UNO vorbei<br />
besser realisieren können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JuliaB:</b><br />
Welche Reformen in der UNO sind nötig, damit die UNO wieder ein wirksames<br />
Instrument zur Wahrung des Friedens wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Eine ganze Reihe von Reformen wären nötig. Das Problem ist,<br />
dass eine fundamentale Reform gegen eine Veto-Macht nicht möglich<br />
ist. Darum kann man nur hoffen, dass die USA erfahren, dass sie viele<br />
Probleme, z. B. den Kampf gegen den Terrorismus, nicht alleine lösen<br />
können. Aber eine wichtige Reform wäre, der Weltorganisation<br />
die Aufsicht über verhängte Zwangsmaßnahmen zu übergeben.<br />
Aber auch hier: Gegen eine Veto-Macht ist auch dies nicht durchzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Leila23:</b><br />
Werden nicht langsam die USA mit ihrem unbegrenzten Hegemonialstreben<br />
bald zur größten Gefahr für den Frieden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:<br />
</b>Das könnte man so sehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Angelika:</b><br />
Nach den Anschlägen am 11.9. auf das World Trade Center haben die<br />
USA besonnen reagiert und internationale Verbündete für den<br />
Kampf gegen den Terror gesucht. Warum jetzt dieser Alleingang?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Den 11.9 kann man in seiner Wirkung auf das Sicherheitsgefühl in<br />
den USA gar nicht überschätzen. In dem Moment, als die USA sahen,<br />
dass der Fall Irak in Europa anders beurteilt wird als in den USA, sahen<br />
sie sich veranlasst, einen Alleingang zu unternehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mal zur Rolle der UN ein Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Leila23:</b><br />
Ist die UNO als Organ für die kollektive Sicherheit wertlos geworden?<br />
Sie scheint nur für humanitäre Maßnahmen angefordert zu<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Nein. Die UNO besteht ja nicht nur aus dem Sicherheitsrat. Ihre sozialen<br />
und entwicklungspolitischen Aufgaben sind im Sinne einer Präventionspolitik<br />
von großer Wichtigkeit. Außerdem: Der Sicherheitsrat war schon<br />
einmal während des Kalten Krieges blockiert. Das muss ja nicht so<br />
bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sehen Sie da echte Chancen der Veränderung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Augenblicklich nicht. Ich glaube aber, dass die vorige Administration<br />
in Washington diese Art von Alleingang nicht unternommen hätte. Und<br />
immerhin: Es gibt in den USA eine große Macht, die Öffentlichkeit.<br />
Mit ihnen, mit den kritischen Kräften muss man sich verbünden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Carlisle:</b><br />
Wie beurteilen Sie &#8211; ganz kurz &#8211; die Kluft zwischen tatsächlichem<br />
Geschehen und amerikanischer Berichterstattung derzeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Die Kluft ist riesig. Nur so lässt sich erklären, dass große<br />
Teile der Bevölkerung einen direkten Zusammenhang zwischen dem 11.9.<br />
und dem Irak unter Saddam sieht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Mehrere Fragen zur Nachkriegssituation im Irak:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bndagent21:</b><br />
Ist es überhaupt Möglich, eine Demokratie nach unserem westlichen<br />
Verständnis in Irak zu etablieren? Und kann man die Ausgangsposition<br />
der mit Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg bezüglich der Einstellung<br />
zu Diktatoren überhaupt vergleichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich bin da sehr skeptisch. Mehrere Gründe. Die USA sind nach 1945<br />
in Deutschland rasch als „Überbringer der Demokratie“<br />
akzeptiert worden, weil die größere Gefahr im Osten gesehen<br />
wurde, und weil sie aus dem gleichen Kulturbereich herrühren. Das<br />
ist im Irak anders. Dort gelten sie als imperiale Großmacht, deren<br />
Message erst einmal abgelehnt wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Hat die US-Regierung die Situation im Irak also falsch eingeschätzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Es scheint so, aber: Möglicherweise ist dies der US-Regierung egal.<br />
Man kann ja auch versuchen, neue Strukturen gegen den Willen der Bevölkerung<br />
zu implantieren. Immerhin: Das irakische Volk ist es ja gewöhnt,<br />
sich zu unterwerfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julian:</b><br />
Ist nach einem Sieg der USA über Irak dauerhafter Frieden überhaupt<br />
realistisch. Was muss dafür getan werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich denke, dass man einiges tun kann. Erforderlich ist, dass sehr rasch<br />
eine legitime, irakische, und damit vom Volk akzeptierte eigene Regierung<br />
die politischen Geschäfte übernimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bndagent21:<br />
</b>Ist also die Gefahr vorhanden, dass lediglich eine &quot;Pseudo-Regierung&quot;<br />
wie in Afghanistan etabliert wird und Bagdad und die Ölfeder unter<br />
Kontrolle hat, der Rest des Landes jedoch im Chaos und Bürgerkrieg<br />
versinkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:<br />
</b>Auszuschließen ist dies nicht. Aber: Ich glaube nicht daran.<br />
Dafür ist dies Land mit seinem enormen potenziellen Reichtum zu wichtig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freeman:</b><br />
Wird &quot;Frieden im Irak&quot; nicht als wirtschaftspolitisches Instrument<br />
der Nationen missbraucht, die dort Aufträge für den Wiederaufbau<br />
bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ja, so ist die Welt. Aber: Wenn der Irak wieder aufgebaut wird und die<br />
Menschen eine Chance bekommen, ein würdiges Leben in Sicherheit zu<br />
führen, dann sollte man dies begrüßen, auch wenn andere<br />
daran verdienen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ralf2:</b><br />
Gesetzt den Fall, die Irakische Regierung wird ausgelöscht. Entsteht<br />
dann ein Machtvakuum oder werden die USA die Position einer Regierung<br />
einnehmen? Wenn ja, gibt das einen &quot;Aufstand des Volkes&quot; in<br />
den arabischen Ländern, weil die USA die Region politisch zu gestalten<br />
versuchen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich vermute, dass die USA zunächst einmal eine Administration einsetzen<br />
werden, die sich entweder auf zivile oder militärische Macht stützt.<br />
Ich würde es für richtig halten, wenn der Sicherheitsrat einen<br />
Hohen Repräsentanten einsetzen würde, der eine irakische Zivilregierung<br />
einsetzt, ihr auch Weisungen erteilen kann und einen politischen Systemwechsel<br />
in Gang setzt, der mittelfristig die politische Macht den Irakern überantwortet.<br />
Dafür sollte sich die EU in der UNO einsetzen: Für einen politischen<br />
Wiederaufbau, neben dem materiellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Haben Sie damit folgende Frage bereits beantwortet oder wollen Sie noch<br />
etwas ergänzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bndagent21:<br />
</b>Geben Sie doch mal eine Prognose ab, wie der Irak ordnungspolitisch<br />
nach dem Krieg aussieht? Also unter dem Protektorat der Uno steht, unter<br />
amerikanischer Verwaltung? Was halten Sie am wahrscheinlichsten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich fürchte, es wird zunächst unter amerikanischer Verwaltung<br />
sein. Zumindest aber werden die USA ihre Truppen keinen Befehlshaber unterstellen,<br />
der seine Autorität von der UNO bezieht. Aber diese Truppen lassen<br />
sich ja in eine Peace Keeping Force umwandeln. Jedenfalls ist es nötig,<br />
dass nach Kriegsende amerikanische Truppen für einen begrenzten Zeitraum<br />
im Irak bleiben. Die Europäer und die Deutschen können in vielen<br />
anderen Gebieten Hilfe leisten, es muß keine militärische Hilfe<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freeman: </b>Welche<br />
Einstellung haben die den Irak umgebenden Länder zur USA und ihrem<br />
Willen, den Nahen Osten zu &quot;demokratisieren&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Hier muss man unterscheiden zwischen den Regimen und den Menschen. Die<br />
Regime werden sicherlich keine demokratischen Reformen zulassen wollen,<br />
die sie selbst gefährden. Die &quot;Demokratisierung&quot; nach amerikanischen<br />
Muster wird von der Bevölkerung nicht für glaubwürdig gehalten.<br />
Dafür gibt es auch kein einziges positives Beispiel in der Region.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine Nachfrage zur Situation im &quot;Nachkriegs-Irak&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Clarrissa:</b><br />
Ist eine stabile Regierung bei der ethischen zerstrittenen Vielfalt im<br />
Irak überhaupt möglich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ja, aber nur, wenn z.B. die Kurden im Nordirak das Mindestmaß an<br />
Autonomie sich bewahren können, das sie in den letzten Jahren aufgebaut<br />
haben. Ich glaube grundsätzlich nicht, dass ethnische Vielfalt der<br />
Stabilität zuwiderläuft. Wenn das so wäre, gäbe es<br />
weltweit nur noch Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MiriamS:</b><br />
Was denken einfache irakische Leute zu dem Thema? Einige wollen ja den<br />
USA vertrauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:<br />
</b>Der einfache irakische Mensch will vermutlich wie jeder andere<br />
anständig leben, seine Meinung sagen können und nicht um sein<br />
Leben fürchten. Mit einer Besatzung könnte er sich vermutlich<br />
arrangieren, warum auch nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zur Entwicklung der Weltpolitik eine Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freeman:</b><br />
&quot;Frieden im Irak&quot; bedeutet ja nicht gleich Frieden in der Welt.<br />
Haben die USA mit diesem &quot;Präventivkrieg&quot; eine neue Legitimation<br />
erreicht, auch in anderen Brennpunkten auf der Welt einzuschreiten, die<br />
ihren Interessen (mehr oder weniger objektiv) entgegenstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Eine Legitimation haben sie nicht erreicht, jedenfalls keine völkerrechtliche.<br />
Aber: sie betrachten diesen Krieg wie auch den Krieg gegen den Terrorismus,<br />
als &quot;gerechten Krieg&quot;. Das ist ihre eigene Legitimation.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zum Völkerrecht:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mausi:</b><br />
Ich halte den Krieg im Irak nicht für völkerrechtswidrig. Es<br />
wurde eine Abrüstung des Iraks vereinbart. Hussein hat sich nicht<br />
daran gehalten, also ist der Waffenstillstand hinfällig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich sehe das anders. Auf jeden Fall hätte nach dem Ende der Kampfhandlungen<br />
der Neubeginn von Kampfhandlungen vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen werden<br />
müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Xuxo:</b><br />
Würde eine Verweigerung von Überflugsrechten nicht nur mehr<br />
Tohuwabohu anrichten (und seinerseits Verträge brechen)? Und: Muss<br />
man/frau tatsächlich zum Schluss kommen, dass die gegenwärtige<br />
Gewährung dieser Rechte als deutsche Beteiligung an einem Angriffskrieg<br />
im Sinne des Grundgesetzes zu bewerten ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:<br />
</b>Ich sehe das so. Aber ich bin ja auch keine Bundeskanzlerin,<br />
sondern Wissenschaftlern. Da habe ich es sicher leichter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Antigonos:</b><br />
Hallo, Frau Dr. Johannsen. Nicht nur die UNO sondern auch die EU ist durch<br />
den Irakkrieg gespalten. Welche Auswirkungen sehen sie auf den Prozess<br />
der europäischen Einigung? Ist eine gemeinsame europäische Friedenspolitik<br />
in weite Ferne gerückt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich kann nur hoffen, dass die EU das fatale Bild von Uneinigkeit als Lehre<br />
für die Zukunft betrachtet. Es hat ja jetzt den Anschein, als ziehe<br />
die EU bei der Nachkriegsordnung des Irak an einem Strang. Also: ein Licht<br />
der Hoffnung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heino: </b>Schröder<br />
fordert in seiner heutigen Regierungserklärung den weiteren Ausbau<br />
der EU zu einer Sicherheits- und Verteidigungsunion. Was kann Europa weltpolitisch<br />
zur Konfliktlösung beitragen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Europa sollte seine Stärken ausspielen, und nicht in einen hoffnungslosen<br />
Wettlauf mit den USA auf militärischem Gebiet eintreten, z. B. könnte<br />
Europa dem Irak helfen, eine Polizei aufzubauen, die der Bevölkerung<br />
Sicherheit vor Willkür und Anarchie bieten müsste. Auch die<br />
Erfahrungen mit verhandelter Rüstungskontrolle, und zwar in der gesamten<br />
Region des Nahen und Mittleren Ostens, wären eine wertvolle Investition.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Burger_King:</b><br />
Ist die Forderung nach einer Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik<br />
nicht ein weiterer Affront gegen die USA, weil es eine Schwächung<br />
der NATO bedeuten kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Nein, die USA mahnen ja größere Verteidigungsanstrengungen<br />
der Europäer an. Es ist ihnen eine Last, dass die Europäer nicht<br />
in der Lage waren, vor ihrer eigenen Haustür (Balkan) Konflikte beizulegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fritzchen:</b><br />
Angesichts der schweren Differenzen in der EU will Außenminister<br />
Joschka Fischer eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik<br />
notfalls mit einer kleinen Staatengruppe beginnen. Sollte die EU angesichts<br />
der ständigen Uneinigkeit lieber eine reine Wirtschaftsunion bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Nein, wenn die EU ein wirtschaftlicher Riese bleibt und ein politischer<br />
Zwerg, werden immer wieder Interventionen der USA auch dort erfolgen,<br />
wo die EU aus eigenem Interesse auch politisch tätig sein sollte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kalli:</b><br />
Haben die USA &quot;Angst&quot; vor einem starken Europa?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Nein, warum sollten sie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kiNgMoSEs:</b><br />
Ist politische Größe nicht gleichzusetzen mit militärischer<br />
Größe? Und wollen/brauchen wir das wirklich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Ich setze politische Größe nicht mit militärischer Größe<br />
gleich. Jedenfalls ist politische Größe auch mit dem möglich,<br />
was man Soft Power nennt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Frage zu Israel, bevor wir leider zur letzten Frage für<br />
heute kommen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schaf:</b><br />
Würde ein Sieg über den Irak eine sicherheitspolitische Entspannung<br />
für Israel bedeuten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:<br />
</b>Wenn ein Sieg über den Irak dazu führt, dass der politische<br />
Prozess im Israel-Palästina-Konflikt wieder aufgenommen wird und<br />
eine gerechte Lösung erkennbar wird, wäre dies der Stabilität<br />
der Region und auch ihrer politischen Öffnung förderlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hermanns:</b><br />
Ist denn die Regierung in Deutschland wirklich in der Lage und interessiert,<br />
eine Vormachtstellung mit einer neuen Art von Politik, also Soft Power,<br />
zu übernehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Soft Power verträgt sich nicht mit Vormachtstellung. Soft Power knüpft<br />
an den legitimen Interessen von Partnern an, anstatt sie zu überwältigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Frau Johannsen, dass Sie am Chat teilgenommen haben und vielen Dank<br />
an alle UserInnen für Ihr Interesse. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
allen noch einen schönen Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Margret Johannsen:</b><br />
Danke für die interessanten Fragen.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch ein Terminhinweis: Am Dienstag, den 8. April, ist Dr. Werner Hoyer,<br />
Fraktionsvize der FDP und außenpolitischer Sprecher, von 18.00 bis<br />
19.00 Uhr Gast im tacheles.02 Live-Chat. Wir würden uns freuen, wenn<br />
Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden<br />
Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.</span></p>
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					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_kann_nur_hoffen_dass_die_eu_das_fatale_bild_von_uneinigkeit_als_lehre_fuer_die_zukunft_betrac-311/feed/</wfw:commentRss>
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