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	<title>Martin Hohmann &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Martin Hohmann &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Jüngere Generation muss entlastet werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Junge Union]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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		<category><![CDATA[Martin Hohmann]]></category>
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		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/PhilippMissfelder.jpg" alt="Philipp Mißfelder" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Philipp Mißfelder, ist am 2. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/PhilippMissfelder.jpg" alt="Philipp Mißfelder" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Philipp Mißfelder, ist am 2. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe CDU-Freunde und -Gegner, liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüße ich<br />
zum Chat Philipp Mißfelder, Junge-Union-Vorsitzender, live vom Parteitag<br />
der CDU in Leipzig. Guten Tag also nach Leipzig und die Frage, können<br />
wir loslegen, Herr Mißfelder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ja, gerne</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Mißfelder, Sie wollen eine steuerfinanzierte Grundrente, für<br />
den Rest sollen die Bürgerinnen und Bürger selbst sorgen. Das<br />
klingt nach dem passenden Konzept zur eingeschränkten Versorgung<br />
mit künstlichen Hüftgelenken bei der älteren Bevölkerung,<br />
die Sie mal propagiert haben. Die junge CDU scheint auf dem Weg in eine<br />
neue, mehr in Arm und Reich gespaltene Gesellschaft zu sein &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Uns geht es um die Zukunft. Kein Rentner von heute hat zu befürchten,<br />
dass seine Versorgung, seine Rente grundsätzlich in Frage gestellt<br />
wird. Mir geht es um die junge Generation in unserem Land, die auch ein<br />
Anrecht auf soziale Sicherung und Spitzenmedizin heute und in 30 Jahren<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Menge Fragen auf einmal:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rudolf</b>:<br />
Wie sollte die Privatvorsorge organisiert werden. Wie sieht es in diesen<br />
Punkt mit Verbraucherschutz aus? Sind Private Vorsorgeverfahren schon<br />
jetzt sicher als staatliche? Das heißt, der Einzahler bekommt die<br />
monatlichen Investitionen tatsächlich wieder ausgezahlt? Warum wurde<br />
dieses System dann nicht schon viel früher eingeführt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
1. Private Vorsorge: Die Beitragslast bei der Rentenversicherung liegt<br />
dauerhaft über dem, was ein heute 20Jähriger, aber auch ein<br />
50Jähriger schultern kann, wenn er zusätzlich privat vorsorgen<br />
muss, weil durch die negative demografische Entwicklung unser umlagefinanziertes<br />
System ad absurdum geführt wird. In Zukunft wird es wesentlich mehr<br />
private Rentenangebote geben. Also muss sich auch der Verbraucherschutz<br />
verbessern. Dies ist einer der nächsten Schritte, die es zu diskutieren<br />
gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Junge Union ist mit ihrem Rentenkonzept &quot;steuerfinanzierte Grundrente&quot;<br />
auf dem Parteitag ja erst einmal gescheitert. Und jetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Das Thema bleibt aktuell gerade vor dem Hintergrund, dass der demografische<br />
Wandel bis zu einer möglichen Regierungsübernahme der CDU im<br />
Jahre 2006 weitere Probleme angehäuft werden. Ein Systemwechsel wird<br />
dann zwar noch schwieriger sein, ist aber unumgänglich, wenn die<br />
jüngere Generation nicht dauerhaft mehrfach belastet werden soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>robert</b>:<br />
Hallo Philipp, kannst Du mir erklären, wie ich der Union glauben<br />
kann, dass sie wirklich Reformen durchführen will, die diesen Namen<br />
verdienen. Ich bin da mehr als skeptisch, weil ich nicht daran glaube,<br />
dass die Damen und Herren, die 16 Jahre lang an der Regierung waren ohne<br />
Entscheidendes voranzubringen, jetzt plötzlich die Kraft und den<br />
Willen dazu haben sollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
In den 16 Jahren von Helmut Kohl als Kanzler ist Deutschland so gut wie<br />
selten zuvor regiert worden. Trotzdem muss man auch selbstkritisch anmerken,<br />
dass die Problematik des demografischen Wandels unterschätzt und<br />
größtenteils ausgeblendet worden ist. Die Probleme haben wir<br />
in den vergangenen Jahren ausführlicher denn je diskutiert. Unser<br />
Erkenntnisdefizit haben wir durch Herzog ausgeglichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ju</b>:<br />
In Berlin streiken die Studierenden. Was ist die Position der Jungen Union<br />
dazu? Was machen die Hochschulgruppen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und noch eine Frage hinterher:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>magga</b>:<br />
Wie will die junge Union (und die CDU) sich für eine Verbesserung<br />
der Situation an den Universitäten einsetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Die JU und der Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) unterstützen<br />
die Studenten bei ihren Protesten. Gerade wir Jüngere haben ein Anrecht<br />
auf funktionierende Bildungsinstitutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt konkret in Berlin zum Beispiel: Schluss mit den Sparmaßnahmen<br />
bei bankrottem Stadthaushalt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Wir fordern bei Kürzungen in den Haushalten, den Bildungsetat nicht<br />
anzutasten, da gerade hier die Zukunft des Standorts Deutschlands und<br />
unserer Wissensgesellschaft auf dem Spiel steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>amy3</b>:<br />
Und warum wollen alle CDU-regierten Länder Studiengebühren von<br />
500€ pro Semester einführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Studiengebühren sind dann sinnvoll, wenn sie direkt an der Universität<br />
und ausschließlich für deren Ausbau eingesetzt werden. Wenn<br />
Studiengebühren allerdings in den allgemeinen Haushalt fließen,<br />
ist dies eine Studenten-Steuer. Die wird es mit der JU und der CDU nicht<br />
geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch ein Kommentar zum Thema Rente und die Erfolge von 16 Jahren Helmut<br />
Kohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
Dazu kommt noch, dass diese Helden 16 Jahre einem Blüm hinterhergedackelt<br />
sind und ihm alles geglaubt haben, was er gesagt hat. Taschenrechner gibt<br />
es aber nun schon längerer Zeit und der demographische Wandel ist<br />
auch nicht über Nacht gekommen. Wenn eine Partei so blind einzelnen<br />
Führungsleuten nachrennt muss man sich schon fragen, ob eine solche<br />
Partei nicht &#8211; frei nach Baring &#8211; strukturell und personell mit der Situation<br />
überfordert ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Richtig ist, dass von allen Parteien die Probleme, die einhergehen mit<br />
dem demografischen Wandel, nicht wahrgenommen worden sind. Norbert Blüm<br />
personifizierte die falsche Aussage &quot;Die Rente ist sicher&quot;.<br />
Dies war ein Fehler.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peter-pan-15</b>:<br />
Herr Missfelder, im Zuge des CDU Parteitages habe ich immer mehr den Eindruck<br />
gewonnen, dass die Union auf Konfrontationskurs mit der SPD gehen möchte.<br />
Im Grunde würde ich dies begrüßen, doch meinen Sie, dass<br />
dies auch das Scheitern des Vorziehens der Steuerreform wert ist? Wäre<br />
es in der Situation, in der sich Deutschland befindet nicht ratsamer,<br />
diesen Parteienstreit aufzuschieben und konstruktiv-objektiv miteinander<br />
zusammenzuarbeiten? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Es gibt keine Blockadehaltung der Union. Dort, wo es sinnvoll ist, den<br />
Konsens zu suchen, tun wir dies. Beispielsweise bei der Steuerreform.<br />
Es gibt keine Blockade bei Steuerentlastungen, die seriös gegenfinanziert<br />
sind. Eine allein durch Schulden finanzierte Steuerreform wird von der<br />
Union nicht mitgetragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tyriz</b>:<br />
Dazu auch von mir eine Frage: Es kommt mir immer öfter so vor, als<br />
betreibe die Union eine Art Prinzipopposition. Egal was vorgeschlagen<br />
wird, wir sind dagegen. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Aufgabe der Opposition ist es, die Regierung zu kontrollieren. Dinge,<br />
die in eine vollkommen falsche Richtung laufen, werden daher unsere Zustimmung<br />
nicht finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tyriz</b>:<br />
Aber nicht allem zu widersprechen. Kontrolle bedeutet doch auch, richtiges<br />
auch als richtiges stehen zu lassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
bestes Beispiel: Einwanderungsgesetz (peinlich, peinlich, peinlich)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Das Zuwanderungsgesetz hat große Schwächen. Es begrenzt nicht<br />
die Zuwanderung, sondern breitet neue Schwierigkeiten im Bereich der Integrationspolitik.<br />
Die Union ist grundsätzlich zu einer Einigung mit der Regierung bereit,<br />
wenn es wirklich ein Steuerungs- und Begrenzungsgesetz gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Experten streiten sich zwar ein bisschen, aber prinzipiell sagen alle,<br />
Zuwanderung ist gut für die demografische Entwicklung. Und deren<br />
kritische Lage haben Sie ja nun erkannt, sagen Sie. Warum also nicht dem<br />
Gesetz zustimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Oberste Priorität hat für uns eine aktive Familienpolitik. Zuwanderung,<br />
wenn sie nicht auf hochqualifizierte Fachkräfte setzt, bringt mehr<br />
Probleme für den Sozialstaat als Lösungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Realist</b>:<br />
damit die Gesellschaft noch mehr vergreist, wird das Zuwanderungsgesetz<br />
gestoppt, obwohl in ein paar Jahren die Arbeitskräfte fehlen, bedenkt<br />
das diese CDU der Senioren und Nationalisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
Sie weichen aus!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ich weiche nicht aus. Ungezügelte Zuwanderung hat seit Anfang der<br />
90er Jahre unseren Sozialstaat sehr stark zusätzlich belastet. Der<br />
Arbeitskräftemangel ist ein zentrales Problem, was vor allem über<br />
Bildungspolitik, Förderung von Familien und zielgenauer Zuwanderung<br />
gelöst werden kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle</b>:<br />
Wie bewerten sie die Debatte um Hohmann und dass einige in der CDU nicht<br />
zufrieden sind mit dem Parteiausschluss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Der Fall Hohmann ist abgeschlossen. In der Union gibt es keinen Platz<br />
für denjenigen, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>CSHaverkamp</b>:<br />
Herr Mißfelder, weshalb setzt die CDU ihren Hohmann Kurs fort. Die<br />
Rede ist dumm, aber nicht antisemitisch. Ein jüdischer Freund hat<br />
dies bestätigt, als ich ihn fragte. 2. Weshalb werde diejenigen,<br />
die für Hohmann gestimmt haben, nicht auch aus der Fraktion ausgeschlossen,<br />
denn auch sie, Merkels Logik zufolge, unterstützen Grundsätze<br />
die mit der CDU nicht vereinbar sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Es ist falsch, wenn man denjenigen in der Union, die Kritik am Verfahren<br />
geübt haben, Antisemitismus unterstellt. Herr Hohmann wurde ausgeschlossen,<br />
um ein deutliches Signal zu geben: Antisemitismus darf in unseren Parteien<br />
und gerade bei deren Vertretern keinen Platz haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edmund</b>:<br />
Was halten sie persönlich von der Hohmann-Affäre. Wie ist die<br />
Stimmung in der Jungen Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Die JU unterstützt den Beschluss der BT-Fraktion. Sicherlich gab<br />
es vielerorts Kritik am Verfahren. Trotzdem war dies die richtige Entscheidung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eine kritische<br />
Frage</b>: Guten Tag, Herr Mißfelder. Ich habe nur eine Frage<br />
und hoffe, dass Sie diese beantworten, obwohl sie, zumindest für<br />
die CDU, nicht mehr aktuell ist: Warum sollte ein Bürger die CDU<br />
wählen, obwohl diese immer noch keine klare Stellung zu den Verfehlung<br />
ihres ehemaligen Ehrenvorsitzenden Helmuth Kohl bezogen hat, der einem<br />
Ehrenwort mehr Bedeutung beimisst als seinem Schwur auf das Grundgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Aus den Fehlern der Spendenaffäre hat die CDU die Konsequenzen gezogen.<br />
Helmut Kohls Lebenswerk bleibt dadurch aber unangetastet. Ohne ihn hätte<br />
es die Deutsche Einheit nicht gegeben und auch nicht die europäische<br />
Einigung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube, das beantwortet die Frage nicht ganz. Man kann ja auch persönlicher<br />
fragen: Wie stehen Sie zu Helmut Kohl und seinem Vorgehen?<br />
Da kommt die Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eine kritische<br />
Frage</b>: Herr Missfelder, es geht nicht um sein Lebenswerk. Das<br />
bleibt unbestritten. Aber was ist mit den Prioritäten, die er gesetzt<br />
hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>amy3</b>:<br />
Wenn nicht mal der CDU-Nachwuchs Kritik an Kohl üben kann, wie lange<br />
soll dieser Kult noch betrieben werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jalu</b>:<br />
Welche Konsequenzen hat die CDU daraus gezogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Dies ist überhaupt kein Thema. Ich habe großen Respekt vor<br />
Helmut Kohl. Ich bin dankbar für Frieden und Freiheit in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>EDesperados</b>:<br />
Trotzdem hat er gegen das Gesetz gehandelt&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Nein, hat er nicht. Die Staatsanwaltschaften haben alle Ermittlungen eingestellt.<br />
Auch politische Gegner Helmut Kohls müssen akzeptieren, dass wir<br />
in einem Rechtstaat leben, der Vorverurteilungen nicht zulässt. Genug<br />
Vergangenheitsbewältigung&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ju</b>:<br />
Du hast ja durchaus Zuspruch für Deine Hüftgelenk-Aussage bekommen.<br />
Würdest Du das noch mal machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>detmar_k</b>:<br />
Herr Mißfelder, hat Sie ihre Äußerung über Hüftgelenke<br />
altern lassen? Sie wurden ja ganz schön in die Mangel genommen&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Mit dem Thema Generationengerechtigkeit ist die JU untrennbar verbunden.<br />
Mir ging es nicht darum, älteren Menschen Angst zu machen, sondern<br />
auf ein Problem in 30 oder 40 Jahren hinzuweisen. Meine Formulierung bedaure<br />
ich. Das Thema bleibt jedoch aktuell.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich würde es nicht so hart formulieren, aber die Frage, wie man Inhalte<br />
vermittelt, bleibt ja:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WORKER</b>:<br />
Können Sie verstehen, dass sich meine Oma von einem 24jährigen<br />
Bübchen nicht so gerne vorschreiben lassen will, ob sie Anspruch<br />
auf ein neues Hüftgelenk hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ihre Oma hat nichts zu befürchten, da ich gerne und auch zu Recht<br />
über meine Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung für<br />
ihre medizinische Versorgung einzahle. Die Frage ist nur: Wer zahlt für<br />
uns, wenn wir mal alt sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zwergi Ö</b>.:<br />
Hallo Philipp! Wie hat die JU Basis den Generationenkrieg verkraftet?<br />
Stehen die JUler noch hinter Dir?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Auf dem Deutschlandtag vor ein paar Wochen gab es große Unterstützung<br />
für den Kurs des JU-Bundesvorstandes. In meiner Amtszeit sind zum<br />
ersten Mal seit 20 Jahren die Mitgliederzahlen der JU gestiegen. Dies<br />
zeigt, dass wir unsere Stellung als größter politischer Jugendverband<br />
Europas ausbauen konnten. Und zwar über ein Sachthema und nicht auf<br />
Kosten anderer Personen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hildegard<br />
Müller</b>: Philipp, warum dringt man nur mit populistischen<br />
Aussagen wie die Hüftgelenk-Nummer an die Öffentlichkeit? Denn<br />
sonst hört man ja nicht so viel von Dir.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Nächste Frage, Hildegard.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Matthias Zuerl</b>:<br />
Hallo Philipp, wie stehst du zum Gottesbezug im europäischen Verfassungsvertrag:<br />
ja oder nein? Und warum, wenn ja!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Zum Gottesbezug ein klares Ja.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Liebe Chatter, leider<br />
müssen wir den Chat wegen technischer Probleme fünf Minuten<br />
vor der Zeit beenden. Herr Mißfelder hätte gerne noch diese<br />
und andere Fragen ausführlicher beantwortet. Herzlichen Dank, Herr<br />
Mißfelder, dass Sie sich die Zeit genommen haben! Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen schönen Tag!</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hohmann-Affäre: CDU-Basis rebelliert im Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hohmann-affaere-cdu-basis-rebelliert-im-netz-2703/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mwendler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Hohmann]]></category>
		<category><![CDATA[Affäre]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Ausschluss Martin Hohmanns aus der Unionsfraktion löst im Internetforum der Partei weiter erhebliche Kritik aus. Diese richtet sich gegen die Parteiführung und das gesellschaftliche Meinungsklima.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Ausschluss Martin Hohmanns aus der Unionsfraktion löst im Internetforum der Partei weiter erhebliche Kritik aus. Diese richtet sich gegen die Parteiführung und das gesellschaftliche Meinungsklima.<!--break--><br />
</p>
<p>
Nach dem Ausschluss Martin Hohmanns aus der Unionsfraktion am 14. November muss er auf einem Einzelplatz rechts hinten im Parlament Platz nehmen. Während für die Fraktion das Thema beendet ist, schwappen die Emotionen im Internet-Forum der<br />
<a href="http://www.cdu.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Partei</a> hoch. Unter mehr als 2000 Beiträgen trifft man auf die absurdesten Meinungen. Voller Wut kritisieren die meisten Diskussionsteilnehmer den Verlauf der öffentlichen Debatte. So wie &#8216;Doth&#8217;, der einen der wenigen Verteidiger des Fraktionsausschlusses angreift: &quot;Lies Dir doch mal die Rede durch (auch wenn die Systemmedien sie nicht drucken), dann wüsstest Du, dass Hohmann &#8216;die Juden&#8217; nicht direkt als &#8216;Tätervolk&#8217; bezeichnet hat.&quot; Grund genug für viele Diskussionsteilnehmer, sich unter dem Motto: &quot;man darf ja wohl noch sagen&#8230;&quot;, zu ereifern.</p>
<p><b>Noch immer ein Tätervolk</b><br />
<br />
&#8216;Bürger 2003&#8217; zum Beispiel möchte gerne &quot;Reichskristallnacht&quot; sagen – wie zu seiner Schulzeit 1983. Statt dessen müsse er von der &quot;Reichspogromnacht&quot; sprechen. &quot;Das zeigt das gestörte Verhältnis zur Geschichte in Deutschland und wie krank dieses Land ist.&quot; Ein anderer Nutzer bereichert das Forum mit einer &quot;freien, unmanipulierten&quot; Umfrage unter seinen drei Enkeln (8,6 und 3 Jahre). Nach einem Fotovergleich des &quot;ungedienten Struck&quot; mit General Günzel in der Lokalzeitung hatten sich die Kinder &quot;ungezwungen eine gute und richtige Meinung&quot; gebildet: sie waren &quot;zu 100% für Hohmann&quot;. Thorsar zufolge sind &quot;die Israelis/Juden kein deut besser als irgendwelches Volk auf diesem Planeten.&quot; Im Gegenteil hätten sie aus dem &quot;3. Weltkrieg&quot;, in dem sie &quot;1963 mit Hilfe der Amerikaner Israel erobert und seitdem ein Volk systematisch vernichtet&quot; hätten, nichts gelernt. Schlussfolgerung: &quot;Die Juden waren nicht nur ein Tätervolk in der Vergangenheit, sie beweisen durch ihre Taten sogar, dass Sie nicht daran interessiert sind, dies zu ändern.&quot;
</p>
<p>
<b>Abschalten als Methode</b><br />
<br />
Die Liste des verbreiteten Unsinns ließe sich noch seitenlang fortsetzen. Als erste Reaktion hat die CDU &quot;Öffnungszeiten&quot; (von 9.30-16.30 Uhr) für das Forum eingeführt. &quot;Wir müssen schließlich kontrollieren, ob Beiträge mit rechtsradikalem Hintergrund eingestellt werden&quot;, erklärt Arne Delfs von der Pressestelle der Partei. Ein Mitarbeiter kümmere sich darum und lösche entsprechende Postings. Wie in der Politik will die CDU auch im Forum eine ganz klare Abgrenzung zwischen konservativem Gedankengut und rechtsradikalen Ideen erreichen. Ob das gelingt, ist fraglich. Zumindest die Beispiele des CDU-Forums lassen Zweifel zu. Eine inhaltliche Reaktion der Pressestelle oder gar der Parteiführung auf die Forumsbeiträge erfolgt nicht.
</p>
<p>
Auch an anderen Stellen im Internet wird versucht, die Auswirkungen der Hohmann-Affäre durch Löschen zu minimieren. Zunächst wurde der Link von Martin Hohmanns<br />
<a href="http://www.martinhohmann.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Homepage</a> zum<br />
<a href="http://www.a-k-c.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeitskreis Konservativer Christen</a> entfernt. Am 13. November schließlich wurden alle Inhalte von der Seite der Nationalkonservativen genommen, da &quot;in Deutschland bei bestimmten Themen die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet&quot; sei, wie es dort jetzt heißt. Wer sich dennoch ein Bild vom Denken dieses Gremiums machen möchte, findet im<br />
<a href="http://www.archive.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet-Archiv</a> eine<br />
<a href="http://web.archive.org/web/20011005012454/a-k-c.de/Grundsatzliches/grundsatzliches.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Grundsatzresolution</a>. Kernforderung der hessischen Gruppe: Kampf gegen Schröders &quot;sozialistische Republik&quot; durch eine &quot;brutalstmögliche Kampagne zur Erhaltung unseres Vaterlandes&quot;.
</p>
<table border="0" cellpadding="2" width="146">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">
			Erschienen am 19.11.2003
			</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
			<i><br />
			<a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
			</i></p>
<p>			<i><br />
			<a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
			</i><br />
			
			</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" noshade="noshade" size="1" width="390" />
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hohmann hat Chance zur Klarstellung nicht genutzt.</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hohmann-hat-chance-zur-klarstellung-nicht-genutzt-270/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Schäuble]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Hohmann]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsch%E4uble%202003_neu.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Fraktionsvize der CDU/CSU, Wolfgang Schäuble</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 11. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsch%E4uble%202003_neu.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Fraktionsvize der CDU/CSU, Wolfgang Schäuble</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 11. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute den Vizevorsitzenden<br />
der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Wolfgang Schäuble. Herzlichen<br />
Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Schäuble, kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Die EU wächst in Zeiten leerer Kassen<br />
und internationaler Spannungen. Welche Rolle muss Deutschland dabei spielen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich denke, wir sollten mit anderen<br />
zusammen Vorreiter sein, dass die Reform der EU in Richtung auf eine klarere<br />
Struktur der europäischen Entscheidungen gelingt und zugleich auch<br />
für die Erweiterung, weil der Beitritt unserer Nachbarn im Osten<br />
für uns politisch und auf längere Sicht auch wirtschaftlich<br />
von Vorteil ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>a propos</b>: Wann hat die EU ihre Grenze erreicht, was die<br />
Anzahl der Mitglieder betrifft? Je mehr desto besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Wolfgang<br />
Schäuble</b>: Nein, nach meiner Überzeugung kann Mitglied<br />
der EU nur werden, wer nicht nur die Voraussetzungen wirtschaftlich und<br />
demokratisch erfüllt, sondern wer auch innerhalb der geografischen<br />
Grenzen Europas liegt. Überschreiten wir diese Grenzen, werden wir<br />
nicht genügend Zusammenhalt schaffen, der Voraussetzung für<br />
das Gelingen der europäischen Einigung ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dennis Raab</b>: Wie stehen Sie zu einem EU-Beitritt der<br />
Türkei??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich finde, es wäre besser,<br />
wenn wir mit der Türkei eine besondere Form enger Partnerschaft vereinbaren<br />
könnten. Eine volle Mitgliedschaft der Türkei stößt<br />
auf das Problem, dass wir damit über die Grenzen Europas hinausgehen<br />
würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Flint</b>: Warum kommt dann die Türkei überhaupt<br />
in Frage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Weil wir seit den 60er Jahren<br />
der Türkei Hoffnung gemacht haben, können wir jetzt nicht einfach<br />
einseitig die Verhandlungen aufkündigen. Im Übrigen haben wir<br />
ein Interesse an einer engen Zusammenarbeit mit der Türkei und auch<br />
daran, dass sich die Türkei weiter im Sinne einer stabilen, rechtstaatlichen<br />
Demokratie entwickelt und verlässlicher Partner des Westens bleibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Eupos</b>: Es gebe &quot;Verzögerungen in der Praxis&quot;,<br />
sagte Außenminister Abdullah Gül. Die Defizite würden<br />
jedoch rasch ausgeräumt &#8211; die Regierung sei entschlossen, das Land<br />
schnell auf EU-Niveau zu bringen. Glauben sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich glaube das. Aber es räumt<br />
meine Bedenken gegen eine volle Mitgliedschaft der Türkei nicht aus.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/schauble_ard.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Aber ist das nicht gerade ein Grund dafür,<br />
die Türkei aufzunehmen, um besser Einfluss nehmen zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>:<br />
Ich denke mit einer engen Partnerschaft, die wir mit der Türkei vereinbaren<br />
sollten, könnten wir der besonderen Rolle der Türkei als Partner<br />
des Westens und als Brücke der islamischen Welt besser gerecht werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Neues EU-Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Mikael</b>: Wie lange sollen noch solch kleine Länder<br />
wie Luxemburg und zukünftig Malta eine für ihre Einwohnerzahl<br />
zu bedeutende Stimme in der EU haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Entwurf für eine europäische<br />
Verfassung sieht ein doppeltes Stimmenrecht vor, nämlich nach der<br />
Zahl der Einwohner und nach der Zahl der Staaten. Damit hat ein Land wie<br />
Deutschland auch einen größeren Einfluss als beispielsweise<br />
Luxemburg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Gelbfüßler</b>: Wie stehen sie zum derzeitigen<br />
Eu-Ratspräsidenten Berlusconi? Ich finde, er ist eine Schande für<br />
Europa. Sie auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ratspräsident ist der jeweilige<br />
Regierungschef des Landes, das für ein halbes Jahr den Vorsitz in<br />
der EU hat und der ist in seinem Land demokratisch gewählt. Das Problem<br />
kann aber für die Zukunft dadurch gelöst werden, dass in dem<br />
erwähnten Verfassungsentwurf die Wahl eines eigenen Präsidenten<br />
für den europäischen Rat vorgesehen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Funk</b>: Was halten Sie davon, die Sozialstandards innerhalb<br />
Europa zu harmonisieren und so etwas wie eine einheitliche soziale Grundsicherung<br />
zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das halte ich nicht für<br />
gut. Ich denke, die Verhältnisse in den einzelnen Ländern, die<br />
Familienstrukturen, die sozialen Systeme usw. sind so unterschiedlich,<br />
dass wir das nicht in Europa harmonisieren sollten. Europa gelingt besser,<br />
wenn wir die notwendige Einheit mit der Bewahrung der Vielfalt verbinden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Angela Merkel hat nachdrücklich &quot;Ja&quot;<br />
gesagt zum Verfassungsentwurf des Europakonvents: Stoiber und Koch hatten<br />
massive Vorbehalte. Wie ist die Stimmung in der Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wir sind uns in der Union einig,<br />
dass dieser Entwurf gegenüber dem heutigen Zustand eine klare Verbesserung<br />
ist. Natürlich könnten wir uns zusätzliche Verbesserungen<br />
vorstellen, und es bleibt abzuwarten, wie viel davon noch in der Regierungskonferenz<br />
durchzusetzen ist. Das ist die gemeinsame Position von Merkel, Stoiber<br />
und Koch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Miss Agrarsubvention</b>: Wo sollen die Kompetenzen des erwähnten<br />
Ratspräsidenten liegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Ratspräsident hat den<br />
Vorsitz des Rats. Unser Wunsch ist, dass möglichst bald diese Aufgabe<br />
mit dem Kommissionspräsidenten verbunden wird und das dieser vom<br />
EU-Parlament gewählt wird. Aber dafür gibt es im Moment noch<br />
keine Mehrheit in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gelbfüßler</b>: Sollte die EU &#8211; trotz der wirtschaftlichen<br />
Chancen &#8211; nicht kritischer mit Russland und Putin umgehen? Stichwort:<br />
Tschetschenien, Yukos, Medienfreiheit,&#8230;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Wolfgang<br />
Schäuble</b>: Doch. Deswegen hat die CDU/CSU-Fraktion heute<br />
auch eine Debatte im Bundestag beantragt über die Lage in Russland.<br />
Gerade weil wir an guten Beziehungen zu Russland interessiert sind, dürfen<br />
wir die Augen nicht vor Problemen verschließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Kritiker sagen, es sei dem Verfassungskonvent<br />
nicht gelungen, die außenpolitischen Interessen Europas zu definieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das war auch nicht seine Aufgabe.<br />
Der Verfassungskonvent sollte eine Ordnung entwerfen, wie europäische<br />
Entscheidungen zustande kommen. Die Verständigung über die Inhalte<br />
also auch in der Außenpolitik ist Sache des Europäischen Rats,<br />
der Kommission und des Parlaments. Man hätte sich allerdings wünschen<br />
können, dass die europäischen Regierungen in letzter Zeit einiger<br />
gewesen sind.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/chatter.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="left" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>user03</b>: Guten Abend, Herr Dr. Schäuble. Existiert<br />
Ihrer Ansicht nach noch das, was früher der „deutsch-französische<br />
Motor der europäischen Einigung“ genannt wurde und, falls ja,<br />
wie würden Sie das heute nennen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich würde es immer noch<br />
Motor nennen und er existiert auch noch. Man muss allerdings darauf achten,<br />
dass er von anderen nicht als der Versuch missverstanden wird, sie zu<br />
bevormunden. Das ist in letzter Zeit nicht immer gut gelungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Welche Rolle spielt Polen dabei künftig<br />
&#8211; als wichtiger Neuer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Polen ist von den neuen Mitgliedern<br />
das größte Land. Deswegen hat es eine zentrale Rolle, wenn<br />
die Erweiterung insgesamt gelingen soll. Im Übrigen öffnet Polen<br />
den Blick der Europäer auch für unsere neuen Nachbarn weiter<br />
im Osten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Aurora</b>: Was &#8211; wenn die Union im Erweiterungskurs scheitert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich hoffe, dass die Erweiterung<br />
gelingt. Aber es wird auch immer wieder Rückschläge geben. Das<br />
war in der Vergangenheit so und dann muss man gegebenenfalls in Krisen<br />
nach neuen Lösungen suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>DeutzR</b>: Herr Schäuble, sind Sie der Meinung, dass<br />
die neue EU Verfassung durch eine Volksbefragung bestätigt wird,<br />
oder ist die Meinung der Bevölkerung in dieser Frage unwichtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die Meinung der Bevölkerung<br />
ist immer wichtig. Die Frage ist, ob sie sich besser in Wahlen oder in<br />
Abstimmungen zum Ausdruck bringt. Beides ist demokratisch. Wer den Verfassungsentwurf<br />
einmal liest, wird Zweifel haben, ob die Bevölkerung in einer Volksabstimmung<br />
wirklich bereit ist, sich mit den Einzelheiten zu beschäftigen. Deshalb<br />
halte ich die repräsentative Demokratie für besser als plebiszitär.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Ist es nicht so, man traut dem Bürger<br />
darüber keine Entscheidung zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wer sich die Abstimmungsbeteiligung<br />
der Volksabstimmungen in der Schweiz anschaut, kann feststellen, dass<br />
sie sehr viel geringer ist als die Wahlbeteiligung bei uns. Es geht nicht<br />
darum, was man dem Bürger zutraut, sondern es geht darum, wie die<br />
demokratische Willensbildung am besten funktioniert. Bei den Wahlen zum<br />
EU-Parlament wird eine relativ geringe Wahlbeteiligung vor allem damit<br />
erklärt, dass es nicht um die Frage einer Regierung, also um die<br />
Wahl von Personen dafür geht. Das ist meines Erachtens ein Argument,<br />
dass das Interesse an der Mehrzahl an Wahlen größer ist als<br />
an Abstimmungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>JoernW1984</b>: Herr Schäuble, müssten die europäischen<br />
Bürger nicht mehr Rechte erlangen, um Europa nach deren Sinne zu<br />
lenken? Würde durch die Stärkung der EU-Bürger nicht auch<br />
die Identifikation zur EU gestärkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Rechte der Bürger beantworten<br />
die Frage noch nicht, wie diese Rechte wahrgenommen werden. Bei 450 Millionen<br />
Bürgern müssen wir immer einen Weg finden, um zu Entscheidungen<br />
zu kommen. Das ist die Aufgabe von Verfassungen und Institutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Miss Agrarsubvention</b>: Denken Sie nicht, dass es an der<br />
Zeit wäre, Öffentlichkeitsarbeit für die EU zu betreiben?<br />
Dann wäre die Wahlbeteiligung vermutlich auch höher</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die EU gibt viel Geld für<br />
Öffentlichkeitsarbeit aus. Das Ergebnis ist bescheiden. Wichtiger<br />
ist, dass durch eine klare Kompetenzordnung die Menschen besser verstehen<br />
können, wer eigentlich was entscheidet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b><a title="Hohmann" name="Hohmann"></a>Moderator</b>: Wir bekommen viele Fragen zum Thema Hohmann,<br />
also Themenwechsel:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BDIler</b>: Der Schlussstrich unter die Affäre um Martin<br />
Hohmann soll den rechten Flügel in der Union schützen. Ist das<br />
nötig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: So stimmt das nicht. Worum es<br />
geht ist, dass wir klar machen wollen, dass jeder Ansatz von Antisemitismus<br />
mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>danman_java1:</b> Herr Schäuble, die Union handelt &#8211;<br />
zu spät?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein. In einer so schwierigen<br />
Frage ist es besser, man denkt erst nach, diskutiert, spricht auch mit<br />
den Betroffenen und entscheidet dann. Wir haben das sorgfältig und<br />
zügig getan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Engelen</b>: Die Trennung von dem Abgeordneten Hohmann musste<br />
sein, damit die Konservativen nicht in den Verdacht geraten, rechtsradikal<br />
zu sein. Wer denkt denn das überhaupt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich weiß nicht, ob das<br />
jemand denkt. Aber gelegentlich hat man in manchen Veröffentlichungen<br />
schon den Eindruck, dass Patriotismus schon unter einen Generalverdacht<br />
gestellt wird. Dagegen wehren wir uns.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>funk</b>: Wie kommt Ihre Partei eigentlich dazu, so einen<br />
Salonfaschisten wie Hohmann ausgerechnet im Bereich Zwangsarbeiterentschädigung<br />
einzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Kollege Hohmann war Mitglied<br />
im Innenausschuss, der für diese Fragen zuständig ist und er<br />
hat aber nach der Auffassung aller Kollegen bisher gute Arbeit geleistet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Wird die Fraktion dem Ausschluss geschlossen<br />
zustimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die Frage kann ich besser am<br />
Freitag beantworten. Heute haben wir eine sehr intensive und ernsthafte<br />
Diskussion geführt. Aber entschieden wird am Freitag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Wenn nicht geschlossen, wird das dann Frau<br />
Merkel schaden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein, Meinungsfreiheit gehört<br />
zu den Grundwerten der Demokratie. In der DDR hatten wir immer 100 % Ergebnisse.<br />
Der Wert davon ist bekannt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Aurora</b>: Herr Schäuble, wie kommt es überhaupt<br />
zu solchen Aussagen von Politikern allgemein? Ist das Unwissenheit oder<br />
pure Dummheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wenn wir mit den Auffassungen<br />
des Kollegen uns einverstanden erklären können, bräuchten<br />
wir nicht über seinen Ausschluss zu entscheiden. Welches Motiv er<br />
für seine Rede hatte, ist uns leider nicht wirklich klar geworden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>yuppiedeadhead</b>: Herr Schäuble, wie viele solcher<br />
rechten Schläfer gibt es noch im Bundestag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich glaube, dass die Rede von<br />
Herrn Hohmann ein Einzelfall ist. Das Problem von Schläfern ist allerdings,<br />
dass man es immer erst hinterher weiß.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Haben Sie das Gefühl, dass das Thema<br />
differenziert genug diskutiert wurde oder hatten Sie den Eindruck, dass<br />
die SPD das nun zum politischen Gegenschlag nutzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das Thema ist in unseren eigenen<br />
Reihen und in großen Teilen der Öffentlichkeit sehr ernsthaft<br />
diskutiert worden. Dass der politische Gegner so etwas auch zum eigenen<br />
Vorteil nutzt, gehört zum Alltag des politischen Wettbewerbs. Im<br />
Übrigen kann ich verstehen, dass die SPD in ihrer fast trostlosen<br />
Lage an jeden Strohhalm zu klammern versucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>m-28-SW</b>: Weshalb sollte dann nicht jemand wie Herr Hohmann<br />
seine freie Meinung sagen dürfen, auch wenn sie unappetitlich ist,<br />
sondern wird deshalb als Berufspolitiker &quot;gekündigt&quot;? Ein<br />
Ausschluss ist gleich einem Berufsverbot &#8211; &quot;Meinungsfreiheit&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Eine politische Gemeinschaft,<br />
Partei und Fraktion, muss darauf bestehen, dass es gewisse gemeinsame<br />
Grundpositionen gibt, mit Berufsverbot hat das nichts zu tun. Hohmann<br />
bleibt Bundestagsabgeordneter, nur wird er beim nächsten Mal nicht<br />
mehr als CDU Kandidat gewählt werden können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>ewtrfdff</b>: Man kann gegen das sein, was Herr Hohmann gesagt<br />
hat &#8211; nichtsdestotrotz war die Union in der Vergangenheit ja immer bemüht,<br />
auch die rechten Positionen in der Partei zu halten, um sie im demokratischen<br />
Grundkonsens zu halten und sie nicht abdriften zu lassen. Beispiele gibt<br />
es ja viele. Wo ist die Grenze, wo die Union solchen Leuten eben keine<br />
Angebote mehr machen will? Herr Hohmann hat ja vermutlich auch nicht gegen<br />
das Grundgesetz verstoßen, das kann also nicht die Meßlatte<br />
sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein, die Meßlatte ist<br />
für uns, dass auch das Missverständnis des Antisemitismus und<br />
des Rechtsradikalismus vermieden werden muss. Sonst würden unsere<br />
politischen Grundsätze unglaubwürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz</b>: Halten Sie es für realistisch, dass Herr<br />
Hohmann sich einer seinen politischen Vorstellung wie auch näher<br />
stehenden politischen Vereinigung anschließt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich hatte in der Debatte der<br />
Fraktionen heute den Eindruck, dass er am liebsten in der CDU bleiben<br />
würde. Deswegen spekuliere ich nicht darüber, was er machen<br />
wird, wenn das nicht mehr möglich ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Eine Frage nicht von uns, aber in eigener<br />
Sache:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gelbfüßler</b>: Wie beurteilen sie den Vorstoß<br />
dreier Ministerpräsidenten (Bayern, Sachsen, NRW) das öffentlich-rechtliche<br />
Rundfunksystem radikal zu reformieren? Wo liegen die stärken, wo<br />
die Defizite von ARD und ZDF? Und schließlich: brauchen wir eine<br />
Gebührenerhöhung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wenn wir an allen Ecken und Kanten<br />
sparen müssen, dann fällt mir schwer einzusehen, warum jetzt<br />
eine Gebührenerhöhung notwendig sein soll. Vielleicht muss auch<br />
in den Öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart werden. Wir haben<br />
ja sehr viel mehr öffentlich-rechtliche, als private Programme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Zurück zu Hohmann:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>JoernW1984</b>: Herr Schäuble, meiner Meinung nach müssten<br />
Personen, die solche Äußerungen machen, rechtlich verfolgt<br />
werden. Ist dies überhaupt möglich oder wird das gescheut?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich vermute nicht, dass sich<br />
Herr Hohmann strafbar gemacht hat. Aber das zu beurteilen ist Sache der<br />
Staatsanwaltschaft, die das von Amtswegen prüft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>S</b>: Was meint Herr Schäuble mit dem &quot;Missverständnis&quot;<br />
des Antisemitismus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Herr Hohmann hat gesagt seine<br />
Äußerungen seien nicht antisemitisch gemeint. Darüber<br />
kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber unsere Überzeugung<br />
ist, dass man insoweit nicht einmal zu Missverständnissen Anlass<br />
geben darf. Und die Chance, ausreichende Klarheit zu schaffen, hat er<br />
leider nach unserer Auffassung nicht genutzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Der Sprung zum Abschluss in ein weiteres Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Richter</b>: Herr Schäuble, was hätten Sie<br />
getan, wenn Ihre Partei im März an der Macht gewesen und mit wehenden<br />
Fahnen an Seite der Amerikaner in den Irak gezogen wäre? Waren Sie<br />
nicht erleichtert über die Oppositionsrolle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Unsere Position war von Anfang<br />
an, dass die USA nicht einseitig entscheiden sollten, sondern dass die<br />
Entscheidung im Weltsicherheitsrat liegen musste. Für diesen Fall<br />
hätten wir allerdings nicht von Vornherein jedes Mitwirken ausgeschlossen,<br />
weil es keinen Sinn macht, auf der einen Seite zu sagen, es muss gemeinsam<br />
entschieden werden, aber wir beteiligen uns unter keinen Umständen.<br />
Wahrscheinlich wäre auf diese Art die Chance größer gewesen<br />
den Krieg zu vermeiden und das wäre bestimmt das Beste gewesen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Und nun wieder in die EU:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BastianZ</b>: Denken Sie, dass das Subsidiaritätsprinzip<br />
in der EU in Zukunft eine Rolle spielen wird? Wie bewerten Sie die jetzige<br />
Situation? Trifft die EU-Kommission bzw. das Parlament wirklich nur die<br />
Entscheidungen, die auf niederer Ebene nicht zu entscheiden sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ohne das Subsidiaritätsprinzip<br />
wird die EU scheitern.Wenn wir alles in<br />
Europa vereinheitlichen, werden wir in Bürokratie ersticken. Leider<br />
haben das die in Brüssel noch nicht alle verstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz</b>: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der<br />
allgemeinen Wehrpflicht. Ist nicht angesichts der Gefahr einer Entsendung<br />
ins Ausland die Frage der Wehrgerechtigkeit nicht brennender als zuvor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Bei Auslandseinsätzen werden<br />
auch heute Wehrpflichtige nur eingesetzt, wenn sie sich freiwillig dazu<br />
bereit erklären. Das soll auch so bleiben. Die Wehrpflicht ist vor<br />
allem für die Territorialverteidigung notwendig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Herr Schäuble, fühlen Sie sich als<br />
Deutscher oder als Europäer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Sowohl als auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle<br />
für ihr Interesse und die zahlreichen Fragen. Es ist leider vieles<br />
noch ungefragt geblieben. Herzlichen Dank an Sie, Herr Schäuble.<br />
Das Transkript dieses Chats und aller anderen Chats finden Sie wie immer<br />
auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02. Noch einen<br />
Termin-Hinweis. Am 19. November kommt Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn wir Sie<br />
dann wieder bei uns im Chat begrüßen dürfen. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Abend!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich bedanke mich für eine<br />
sehr intensive und sachliche Diskussion.</span></p>
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