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	<title>Massenmedien &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Massenmedien &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Das Entstehen einer neuen, digitalen Öffentlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan-Malte Hunfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2020 08:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Unser Verständnis von Öffentlichkeit hat sich im Zuge der Digitalisierung und besonders mit dem Aufkommen von sozialen Netzwerken entscheidend gewandelt. “Die” Öffentlichkeit hat nie dagewesene Feedbackmöglichkeiten entwickelt und aus der Masse an neuen und traditionellen Informationsquellen kann sich jeder seine ganz eigene “private” Öffentlichkeit zusammenbauen. Inwiefern können bestehende Öffentlichkeitstheorien die neue Realität des Plattformzeitalters greifen und welche Auswirkungen hat “die” neue Öffentlichkeit für unsere Demokratie?</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Im <a href="https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-162874/">ersten Text</a> dieser Reihe ging es um das Wechselverhältnis vom politischen zum Medienakteur<br />
in der Mediendemokratie. Es wurden vier Paradigmen aufgezeigt und anhand einer Social Media Sphäre erweitert. Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/politik-als-inszenierung-162957/">zweite Text</a> befasste sich mit der politischen Kommunikation in der Mediendemokratie. Es zeigte sich, dass klassische Inzenierungsmechanismen und -strategien der<br />
Mediendemokratie auch in der durch das Internet immer stärker geprägten Gesellschaft nicht<br />
obsolet geworden sind. Beide Texte haben gemein, dass sie ein gewisses<br />
Öffentlichkeitsverständnis voraussetzen. Der dritte Text wird sich daher diesem Verständnis<br />
widmen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Bei dem Begriff ‘Öffentlichkeit’ handelt es sich um einen diffusen Themenkomplex. Bis heute wurde sich nicht auf eine einheitliche Definition geeinigt &#8211; auch da der Öffentlichkeitsbegriff je nach Kontext für sehr verschiedene Gegebenheiten herhalten muss.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine der verbreitetsten Verständnisse von ‘Öffentlichkeit’ stammt vom Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas. In seiner Habilitationsschrift &#8216;Strukturwandel der Öffentlichkeit&#8217; beschreibt Habermas all jenes als “öffentlich”, was eine wie auch immer gestaltete Gruppe betrifft. Öffentlichkeit ist demnach durch die “Unabgeschlossenheit des Publikums” (Habermas) gekennzeichnet.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine wichtige Rolle spielen dabei die Medien: Klassische Massenmedien dienen als Teil der öffentlichen Sphäre dazu, die politische Sphäre zu überwachen und der Gesamtheit der Rezipient*innen zugänglich zu machen. Niklas Luhmann schrieb hierzu: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Medien“.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Im Kontext zu politischen Themen ist oft von politischer Öffentlichkeit die Rede. Der Begriff beschreibt ein kollektives Gut, welches nach einem Aushandlungsprozess zwischen mehreren Sprecher*innen als &#8216;herrschende&#8217; Meinung angesehen wird. Politische Öffentlichkeit ist jedoch nicht automatisch die Summe aller individuellen Meinungen der Bevölkerung. Erst, wenn Einstellungen zu gesellschaftlichen Fragen von bedeutenden Akteur*innen, Gruppen oder Institutionen als herrschende Meinung angesehen werden und diese ihre Verbreitung in den Massenmedien finden, wird von der Meinung der politischen Öffentlichkeit gesprochen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Nach diesem Verständnis sind Öffentlichkeit und (Massen-) Medien voneinander abhängig. ‘Die Öffentlichkeit’ verfügt über mehr oder weniger dieselben Wissensbestände &#8211; vorausgesetzt die oder der Einzelne informiert sich über das Tagesgeschehen. Das Einschalten der Tagesschau um 20 Uhr hatte so auch über Jahre eine rituell anmutende Tradition für viele Bundesbürger*innen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Mit dem Aufkommen des Internets im Allgemeinen und den sozialen Netzwerken im Besonderen änderte sich nun die Grundvoraussetzung. Prinzipiell jede*r kann heute auf Twitter, Facebook, YouTube und Co. einen Distributionskanal für eigene Botschaften finden und sich etwa mit politischen Gleichgesinnt*innen austauschen oder mit politischen Gegner*innen streiten. Ganz neue Mechanismen sind dafür verantwortlich, dass Informationen viral gehen, die in klassischen Medien keine Erwähnung finden. Gleichzeitig wird die Äußerung in den Sozialen Medien selbst zur Nachricht, wie besonders erfolgreich das “Zerstörungsvideo” des YouTubers Rezo gezeigt hat.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Aber auch für den politischen Akteur selbst ändert sich Grundlegendes. So ist der klassische Weg vom politischen Akteur über die Medienakteure zur Öffentlichkeit nicht mehr zwingend notwendig und einst übliche Verhaltensweisen verlieren vor einem digitalen Hintergrund ihren Sinn. Exemplarisch deutlich wurde dies mit dem Umgang der durch Rezo geäußerten Kritik. Auf ein Online-Video mit einem elfseitigem PDF zu reagieren, ein Antwortvideo und dessen Veröffentlichungszeitpunkt anzukündigen und diesen dann kommentarlos verstreichen zu lassen<br />
und den öffentlichen Überlegungen von Annegret Kramp-Karrenbauer Meinungsäußerungen im Internet möglicherweise einzuschränken zeigte die Überforderung der Union mit diesem neuen Phänomen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Dabei bringt das Internet auch ganz neue Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit mit sich. War es notwendig, Pressemeldungen zu veröffentlichen, um eigene Botschaften und Narrative zu verbreiten, kann dies heute beispielsweise von einem charismatischen Sprecher auch in eine Kamera gesagt und im Internet verbreitet werden. Teile der Öffentlichkeit sehen das Statement und verbreiten es gegebenenfalls weiter. Die Massenmedien können auch einen Anteil hierbei leisten. Sie sind jedoch nicht zwingend notwendig und können ohne weiteres Umgangen werden. Dies hat jedoch zur Konsequenz, dass die Öffentlichkeit deutlich heterogener wird. Es ist eine gesellschaftliche Fragmentierung in den sozialen Netzwerken zu beobachten. Die oder der Nutzer*in baut ihre oder sich seine eigene “Öffentlichkeit” aus ganz verschiedenen Quellen zusammen. So ergänzt sie oder er die eigenen Informationsquellen durch Distributionskanäle von<br />
beispielsweise Human Rights Watch oder Pro Asyl und verfügt so über andere Wissensbestände, wie ein andere*r Nutzer*in, die oder der Kanäle der Identitären Bewegung folgt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Vor diesem Hintergrund scheint es angebracht, ein neues Öffentlichkeitsverständnis zu formulieren. Einige Autor*innen haben sich daran versucht. Bei zwei besonders brauchbaren Reformulierungen handelt es sich um die Netzwerköffentlichkeit und die persönliche Öffentlichkeit.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Konzept der Netzwerköffentlichkeit geht davon aus, dass sich im Internet Suböffentlichkeiten bilden, die als Gruppe über ganz eigene Wissensbestände verfügen. Es handelt sich dabei um einen weiteren Kommunikationsraum neben der massenmedial geprägten Öffentlichkeit. In den Netzwerköffentlichkeiten wird sich mit Gleichgesinnt*innen ausgetauscht und spezifische Informationen und Sichtweisen werden verbreitet. Besonders soziale Bewegungen wie beispielsweise Fridays For Future oder Ende Gelände bei Umweltthemen oder auch die Identitäre<br />
Bewegung bauen über Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Co. ihre eigenen Netzwerköffentlichkeiten auf und schaffen so auch Mobilisierungsräume.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Politische Akteure werden durch Netzwerköffentlichkeiten autarker. Technische und ökonomische Barrieren zum Publizieren sind durch das Internet und seinen Möglichkeiten um einiges niedriger, also noch vor einigen Jahren.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Während das Konzept der Netzwerköffentlichkeit den Schwerpunkt auf das neue Verhältnis zwischen politischem Akteur und Teil- bzw. Gegenöffentlichkeiten legt, konzentriert sich das<br />
Konzept der persönlichen Öffentlichkeit primär auf die Nutzer*in. Während in einer Vorinternetzeit sie oder ihn Informationen nach Kriterien der gesellschaftlichen Relevanz erreichten, sucht sie oder er sich im Internet Inhalte nach Kriterien der persönlichen Relevanz. Digital können Informationsquellen nach eigenen Bedürfnissen selbst zusammengestellt werden, indem man Zeitungen, Nachrichten oder Magazinen in den Sozialen Netzwerken folgt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Gleichzeitig richtet sich die persönliche Öffentlichkeit an ein Publikum aus sozialen Kontakten, wie beispielsweise Freund*innen, Bekannte, Kollegen*innen oder Familienmitglieder. Diese können Familienmomente auf Facebook verfolgen, Online-Videos über die Interessen der Nutzer*in auf YouTube ansehen oder Meinungen auf Twitter nachlesen. Eine &#8216;große&#8217; Öffentlichkeit wird in der Regel nicht angestrebt, obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben sind.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Zudem ist persönliche Öffentlichkeit durch einen wechselseitigen Austausch und durch Dialog gekennzeichnet. Nutzer*innen können miteinander kommunizieren, ohne sich zu kennen oder auch nur gesehen zu haben – etwa indem sie eigene oder fremde Inhalte kommentieren oder andere Reaktionen hierauf zeigen. Selbst Spitzenpolitiker*innen werden so für den*die Nutzer*in nahbarer, wenn sie etwa auf Kommentare zu eigenen Inhalten wiederum selbst eingehen. Somit verschwindet in der persönlichen Öffentlichkeit allmählich das massenmediale Sender-Empfänger-Modell.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>All dies bringt ganz neue gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Während Personen wie<br />
beispielsweise Ken Jebsen seit Jahren das Verbreiten von teils antisemitischen Verschwörungsmythen als Geschäftsmodell für sich entdeckt haben, schaffen es soziale Bewegungen, wie die Fridays For Future Bewegung, gewisse Kreise für abstrakte Entwicklungen<br />
und Folgen zu sensibilisieren. Das Angebot an möglichen Informationsquellen wird für alle größer und größer. Aber wie erreichen Informationen und Narrative eine Social Media Welt die Rezipient*innen? Damit befasst sich der <a href="https://www.politik-digital.de/news/neue-gatekeeper-163460/">nächste Teil</a> dieser Reihe.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@simonshim?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Simon Shim</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-4"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Social Media: Bleibt die EU in der Brüssel-Blase?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Franziska Wiesner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2014 10:56:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Europäisches Parlament]]></category>
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					<description><![CDATA[Die EU als Nischenthema? Was wissen EU-Bürger über die Europapolitik? Welche Abgeordneten stehen für welche Positionen und wie können Social [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/flagge2.jpg"><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/flagge2-630x275.jpg" alt="flagge2" width="630" height="275" class="alignleft size-large wp-image-143278" /></a>Die EU als Nischenthema? Was wissen EU-Bürger über die Europapolitik? Welche Abgeordneten stehen für welche Positionen und wie können Social Media bei der Informationsweitergabe helfen? Das Social Media-Team des Berliner Informationsbüros des Europäischen Parlaments macht fleißig Werbung, nutzt Facebook, Twitter und andere Social Media-Kanäle, aber die Reichweite lässt zu wünschen übrig. Eine Podiumsdiskussion zum Thema.<br />
Dass YouTube-Stars und die Bloggerszene soziale Medien erfolgreich zur Informationsbereitstellung und Selbstdarstellung nutzen, ist Teil ihres Selbstverständnisses. Doch ist es auch für Institutionen wie das Europäische Parlament eine Chance, sich und ihre Arbeit glaubwürdig und transparent in den sozialen Medien darzustellen? Um diese und andere Fragen kreiste eine Podiumsdiskussion mit <a href="http://www.janalbrecht.eu/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MdEP Jan Philipp Albrecht</a> (Die Grünen) und <a href="http://foederalist.blogspot.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Europa-Blogger Manuel Müller</a>, moderiert von dem <a href="http://www.hamburger-wahlbeobachter.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Social Media-Experten und Politikberater Martin Fuchs</a>.<br />
In der Diskussion wurde das Dilemma offenkundig: Institutionen wie das Europäische Parlament können zwar die Social Media-Kanäle wie  <a href="https://twitter.com/EPinDeutschland" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter</a> nutzen, stoßen aber schnell an die Grenzen der Reichweite. Der Grund dafür ist nicht die<a href="http://politik-digital.de/filter-bubble-algorithmen-und-kein-ausweg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Filter Bubble</a>, sondern die „<a href="http://one-europe.info/keeping-the-brussels-bubble-closed" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brussels Bubble</a>“.</p>
<h3>Ist die EU zu klein für ein Nischenthema?</h3>
<p>Die Präsenz der EU-Politik in den deutschen Massenmedien ist gering. Könnte eine Gegenöffentlichkeit durch Soziale Medien die Lösung sein? Die Diskutanten waren sich einig darin, dass die Themen des Europäischen Parlaments nur eine begrenzte Anzahl an Personen interessieren und erreichen. Die gesamte deutsche Öffentlichkeit ist nur schwer über europäische Themen zu informieren. Mit Twitter und Facebook ist zwar eine direkte Verbindung zwischen Bürgern und Institution, in Einzelfällen auch Abgeordneten, möglich. Aber dafür ist die proaktive Hinwendung vonseiten der Bürger zu diesen Kanälen nötig. Ein Zugang, den bislang vor allem fachlich Interessierte nutzen – das Zielpublikum bürgt zwar für eine hohe inhaltliche Qualität, aber spricht nur einen personell begrenzten Kreis an.<br />
Diesen zu erweitern ist das Ziel. Die Vorteile der sozialen Medien sind augenscheinlich: Sie ermöglichen den direkten und zeitnahen Kontakt, der dem User das Gefühl gibt, dabei zu sein und gehört zu werden. Abgeordnete, die sich aktiv auf den Plattformen bewegen, können zu realen Bezugspersonen innerhalb von anonymen Institutionen werden und Vertrauen aufbauen. Ein Problem, mit dem das Europäische Parlament als übergeordnete internationale Institution generell zu kämpfen hat. Zu der Gesichtslosigkeit der riesigen Institution kommt der vorherrschende Euroskeptizismus als erschwerender Faktor hinzu.</p>
<h3>Katzen-Bilder sind auch keine Lösung</h3>
<p>Interessierte gibt es trotzdem – und vielleicht auch solche, die diese Informationen passiv aufnehmen würden, wenn sie leicht zugänglich wären. Aufbereitetes Wissen könnte ein Grundverständnis für die Arbeitsweise des Parlaments schaffen. Da Katzenbilder und Infotainment nicht zum Image und Inhalt des Europäischen Parlaments passen, müssen andere Methoden zur Verpackung der auf den ersten Blick eher trockenen und langwierigen Prozesse gefunden werden. In der Diskussion wurden Interviews, Hintergrundberichte und erklärende Videos als für die Öffentlichkeit interessante Formate angeregt. Die Öffnung der „Black Box“ EU-Parlament wäre ein Erfolg versprechender Weg. Die Brüssel-Blase muss angepiekst werden, darin waren sich die drei Experten einig.<br />
Überwunden werden können die Zugangshürden gleichwohl nur durch Multiplikatoren. Nötig wäre der Schritt aus den Social Media heraus in die Massenmedien. Diese sind durch ihre Reichweite zur Verbreitung der europäischen Themen prädestiniert.<br />
Derzeit berichten Massenmedien über EU-Politik jedoch lediglich mit Fokus auf die Länderkonflikte – und nicht auf die Arbeit innerhalb des Europaparlaments. Für die Berichterstatter scheint es schwierig zu sein, die Arbeitsprozesse der europäischen Institutionen in griffige Schlagzeilen zu verpacken. Das Konsenssystem und die fehlenden festen Zeiten für Entscheidungen sowie die auf verschiedene Personen und Gremien verteilten Kompetenzen erschweren die Vermittlung.<br />
Hierzu müssten die Fraktionen ihre Standpunkte besser kommunizieren oder auch auf Bundes- und Landesebene die europäischen Themen mit einbinden. Dabei könnte die Personalisierung von Themen durch einzelne Abgeordnete helfen – bespielsweise über soziale Medien. Denkbar wäre das Mittel der Satire wie in der „<a href="http://heuteshow.zdf.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Heute Show</a>“ oder in der britischen Politik-Sitcom „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yes_Minister" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Yes Minister</a>“. Interessant ist auch das inzwischen abgeschlossene Projekt <a href="http://www.eurobubble.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Eurobubble</a>“. Langfristig müsste aber ein allgemeines Umdenken in der Haltung der EU-Bürger zur Europapolitik das angestrebte Ziel sein. Denn an der fehlenden Akzeptanz werden auch soziale Medien nichts ändern.</p>
<h3>Brückenschlag und Umdenken</h3>
<p>In der Bereitstellung <a href="http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/content/20140327IFG40008/html/Twitteropolis-interactive-map-to-the-European-Parliament-on-Twitter?utm_campaign=engagor&amp;utm_content=engagor_MjMyMTY5Mg==&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=twitter" target="_blank" rel="noopener noreferrer">informativer Inhalte</a> nutzt das Europäische Parlament die Social Media-Kanäle schon vorbildlich, stößt aber an Grenzen in der Vermittlung. Ein Brückenschlag zwischen politischen Institutionen und Bürgern durch Social Media wäre möglich, so das Fazit der Diskussionsrunde. Aber um auch die Massen zu erreichen, braucht es die Unterstützung durch Massenmedien und ein Umdenken der breiten Öffentlichkeit.<br />
Bild: Flagge: <a href="https://www.flickr.com/photos/robdeman/2390666040" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rock Cohen</a>, Twitter-Button: <a href="https://www.flickr.com/photos/ntr23/4399780178" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ntr23</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>„Im Zweifel für den Zweifel“? Internet und Freiheit &#8211; Digitale Presseschau 13/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Mar 2014 15:31:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Zweifel ist nicht erst seit Descartes eine Triebfeder der Moderne. Strittig ist nur seit je her, welcher der richtige [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Zweifel ist nicht erst seit Descartes eine Triebfeder der Moderne. Strittig ist nur seit je her, welcher der richtige Zweifel ist. Eine genaue Prüfung und Abwägung ist unabdingbar, so dass der Zweifel ein elastischer Zweifel bleibt: <a href="http://www.uni-marburg.de/fb03/politikwissenschaft/pi-nip/publikationen/zombieneu/maerzzombie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Nur nicht verzweifeln!“</a>  Auch und gerade im Umgang mit dem Internet. Dieses war bislang ein Medium, das auf einer freiheitlichen Idee fußte – nie war dieser Impetus mehr bedroht als heute. Gegen diese Bedrohungen regt sich kein signifikanter Protest. Ist also das freie Internet nur noch eine Illusion? Warum es aber nach wie vor gilt, um die Freiheit zu streiten und zu kämpfen, lesen Sie in unserer Presseschau.</p>
<h3 id="docs-internal-guid-4d69dcf0-5847-8592-3bf8-784861aa2cc8">Video der Woche</h3>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=Xf3Qy7jG1uY<br />
Das Video der Woche stammt aus der Reihe „Elektrischer Reporter“. Es werden so unterschiedliche Themen behandelt, wie die Nationalisierung des Internets, ein Projekt der Aufarbeitung der Vergangenheit auf Twitter sowie die immer beliebter werdende Ökonomie des Teilens.</p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/zukunft-des-internets-freies-netz-eine-illusion-1.1921160" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Illusion freies Netz</a></h3>
<p>Mit der Zukunft des Internets beschäftigt sich ein Artikel von Sandro Gaycken: „Ein neues digitales Zeitalter kündigt sich an.“ Dies ist jedoch nicht pathetisch zu verstehen – Gaycken beschreibt die Zersplitterung des freien Internets in fünf Ideologien, je nach politischem System und gesellschaftlicher Wertschätzung von Freiheit und Grundrechten. Diese Zersplitterung könne katastrophale Ergebnisse zeitigen, aber in aufgeklärten Gesellschaften auch zur Weiterentwicklung des Netzes beitragen.</p>
<h3><a href="http://www.carta.info/71237/kryptographie-freie-software-dezentralisierung-vorhut-oder-letztes-aufgebot/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Überwachung: Wo bleibt die Demokratie?</a></h3>
<p>Das Ende der Illusionen leitet auch Jürgen Drommert auf Carta ein. Nicht nur bei der Überwachung, sondern auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen gebe es „kein Protestpotential im Land“. Alternativen, sich etwa gegen Überwachung zur Wehr zu setzen, werden darauf folgend in drei Schritten beschrieben: Kryptographie, freie Open-Source-Software und Dezentralisierungen im Internet.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-internet-der-zukunft-wir-muessen-fuer-die-freiheit-kaempfen-12860165.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Für die Freiheit</a></h3>
<p>Ein weiteres Plädoyer für die Rückeroberung des von Unfreiheit bedrohten freien Internets, liefert Mathias Müller von Blumencron. Einerseits müsse darauf geachtet werden, dass Konzerne, deren Geschäftsmodell auf der Verwertung von Daten beruht, nicht zu mächtig werden – andererseits müsse auch Sorge dafür getragen werden, dass gesetzliche Regulierungen nicht zu rigide werden, sodass freiheitliche Potentiale nicht ausgebremst werden: „Das Internet braucht Freiheit, Toleranz und den Mut, sich unbequemen Veränderungen zu stellen – und sie auszuhalten.“</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-it-projekt/die-eu-und-die-digitale-revolution-ich-bin-nicht-naiv-und-europa-darf-es-auch-nicht-sein-12860365.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gegen die Naivität</a></h3>
<p>Die europäische Kommissarin für Digitale Agenda Neelie Kroes argumentiert in ihrem neuesten Beitrag gegen eine skeptizistische Verfallsgeschichte der digitalen Revolution und begreift diese als „Chance, das europäische Sozialmodell zu retten.“ Gegen Rückzug, Protektionismus und Begrenzung präsentiert sie ihre Vision einer digitalisierten Zukunft.</p>
<h3 class="western" style="margin-bottom: 0cm"><a href="http://www.intmag.de/2014/03/tom-standage/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der historische Kontext von Social Media</a></h3>
<p>Der britische Journalist Tom Standage gab dem InternetMagazin ein Interview über sein neustes Buch, das versucht Social Media in einen historischen Kontext zu setzen, der bis in die Antike zurückreicht. Was uns das über unsere Gegenwart aussagt? Entscheiden Sie selbst!<br />
Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>„Point of no return“ für ein (un-)freies Internet? &#8211; Digitale Presseschau 11/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Mar 2014 15:07:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[„At the crossroads of life there are no signposts“, hieß es bei Chaplin. Bei vielen Themen über das Internet stehen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„At the crossroads of life there are no signposts“, hieß es bei Chaplin. Bei vielen Themen über das Internet stehen wir an einem Scheideweg, dessen Richtung zukünftige Entscheidungen vorbestimmen wird. Dieser Gedanke kann einerseits in Bezug auf die Technologie gedacht werden, die ab einem gewissen Grad der Eigengesetzlichkeit unumkehrbar wird – dieser Gedanke hat aber auch eine politische Dimension, das ist die Dimension der Krise. Durch internationale Verordnungen und Abkommen, etwa bei der momentan verhandelten europäischen Datenschutz-Grundverordnung oder dem TTIP-Abkommen, werden ebenso politische Weichenstellungen vorgenommen. Hier stellt sich nur die Frage: Gibt es einen „Point of no return“ für ein (un-)freies Internet?</p>
<h3 id="docs-internal-guid-4d69dcf0-5847-8592-3bf8-784861aa2cc8">Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=YgnnEOTOepU" title="Ukraine: Verschwörungsvideos in den sozialen Netzwerken - wochenwebschau #31" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/YgnnEOTOepU?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Wie in heutigen Revolten und Bürgerkriegen üblich, gibt es auch von der Krise in der Ukraine mit dem Mythos des Authentischen umwobene, verwackelte Amateurvideos, die in Sozialen Netzwerken und Blogs rege Verbreitung finden. Die <a href="http://wochenwebschau.tumblr.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wochenwebschau</a> von Radio Bremen analysiert mit Konrad Weber vom <a href="http://socialmediawatchblog.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Social Media Watchblog</a> eines dieser Videos. Die vermeintlich „unprofessionellen“ Videos, die als Alternative zur Berichterstattung durch Massenmedien angepriesen werden, sind in Wahrheit oft hochprofessionelle Machwerke.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-it-projekt/digitale-agenda-machtprobe-mit-silicon-valley-12842407.html?printPagedArticle=true" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenschutz in Europa?</a></h3>
<p>Das Europäische Parlament stimmte am vergangenen Mittwoch dem Entwurf der EU-Kommission zur Datenschutz-Grundverordnung vom Januar 2012 zu. Das europäische Gesetzesvorhaben zum Datenschutz, das die Richtlinie von 1995 ablösen soll, wird eines der wichtigsten der kommenden Jahre werden. Von der Datenschutz-Grundverordnung hängt ab, ob wir über die Spuren, die wir im Internet hinterlassen, wieder das Verfügungsrecht erhalten werden und somit ein Stück digitale Autonomie und Freiheit. Nun muss aber noch der Ministerrat der Europäischen Union dem Entwurf zustimmen. Die FAZ-Redakteure Uwe Ebbinghaus, Stefan Schulz und Thomas Thiel berichten ausführlich über die damit verbundenen Lobbykämpfe und die Verweigerungshaltung der deutschen Regierung innerhalb dieser Verhandlungen.<br />
Zum selben Thema erschien, ebenfalls in der FAZ, ein Interview mit dem Grünen-Politiker <a href="https://twitter.com/JanAlbrecht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jan-Philipp Albrecht</a>, der den <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-it-projekt/interview-mit-jan-philipp-albrecht-das-wichtigste-ueber-die-datenschutzreform-der-eu-12841473.html?printPagedArticle=true" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Entwurf der Datenschutz-Grundverordnung für das Europäische Parlament</a> maßgeblich mit ausarbeitete.</p>
<h3><a href="http://www.egovernment-computing.de/projekte/articles/437258/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitale Agenda</a></h3>
<p>Die Große Koalition arbeitet derzeit ihre Digitale Agenda aus. (Wir dokumentieren dies auf <a href="http://bundestag-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bundestag-digital.de</a>). Philipp Müller macht sich über die konkrete Ausgestaltung der Agenda Gedanken sowie darüber, wie „neue Strategiekonzepte in Politik und Verwaltung“ aussehen müssten. Er fordert ein zusammenführendes Verständnis des „Zusammenspiel[s] zwischen der strukturellen Logik und den Gestaltungsräumen, [das] für [eine] Informationsgesellschaft kennzeichnend ist […].“</p>
<h3><a href="http://netzwertig.com/2014/03/10/fortgesetzter-wachstumsmotor-oder-destruktive-kraft-ueber-die-frage-was-technologie-mit-der-welt-macht/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Technologie und Gesellschaft</a></h3>
<p>Martin Weigert geht der Frage nach, ob das Verhältnis zwischen Technologie und Gesellschaft heute weiterhin ökonomisch gedacht wird – also in dem Sinne, dass „die effektivste Problemlösung auch die wünschenswerteste ist.“ Welche Folgen das für unsere Gesellschaft haben könnte, ist auf netzwertig.com nachzulesen.</p>
<h3><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/geisteswissenschaften-das-denken-muss-nun-auch-den-daten-folgen-12840532.html?printPagedArticle=true" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalisierung und (Geistes-)Wissenschaft</a></h3>
<p>In eine ähnliche Richtung, hier jedoch aus der Sicht der Wissenschaft, geht die neue Reihe zum Verhältnis von Geisteswissenschaften und digitaler Revolution. Den Auftakt macht ein Artikel von Hans Ulrich Gumbrecht, der argumentiert, dass technologische Neuerungen auch eine Veränderung des Denkens darüber erfordern: „Bevor wir davon träumen dürfen, die Folgen der elektronischen Revolution zu steuern oder wenigstens abzufedern, müssen wir neue Instrumente der Analyse erfinden, um ihre Strukturen und Prozesse überhaupt zu erfassen – früh genug, um zu vermeiden, dass die wachsende Unabhängigkeit und Eigengesetzlichkeit dieser neuen Welt unumkehrbar wird.“</p>
<h3 class="western" style="margin-bottom: 0cm"><a href="http://www.deutschlandfunk.de/sendereihe-rathaus-2-0-was-aus-den-grossen-versprechen-des.676.de.html?dram:article_id=275702" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Government in Kommunen</a></h3>
<p>Was ist eigentlich aus den großen Versprechen des E-Government in Kommunen geworden, wenn nach wir vor das Folgende in Deutschland gilt?: „Egal ob man in Deutschland einen Umzug plant oder die Geburt eines Kindes anmelden will: Jedes Mal ist der Gang aufs Amt nötig.“ Dazu läuft gerade eine spannende Radiosendereihe im Deutschlandfunk.<br />
Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Interview Teil II: Innovationen erwünscht? Die Einbeziehung der Leser</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/interview-teil-ii-innovationen-erwuenscht-die-einbeziehung-der-leser-128398/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 14:32:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Deutschland Land der Innovationen? Im Medienbereich wohl eher weniger. Aber wie sollte sich das deutsche Pressewesen im digitalen Zeitalter verändern? [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ScaarAT-CC-BY-SA-3.0.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-128399" alt="ScaarAT (CC BY-SA 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ScaarAT-CC-BY-SA-3.0-630x420.jpg" width="630" height="420" /></a>Deutschland Land der Innovationen? Im Medienbereich wohl eher weniger. Aber wie sollte sich das deutsche Pressewesen im digitalen Zeitalter verändern? Antworten finden sich im zweiten Teil des Interviews mit Kommunikations- und Medienwissenschaftler Leif Kramp.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Viele Printverlage wie die Frankfurter Rundschau bangen um ihre Existenz. Das Problem: die Verzahnung der Online- und Printausgabe. Gibt es wirklich eine Krise der Massenmedien oder handelt es sich eher um eine Krise der traditionellen Geschäftsmodelle?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Das Ende der Massenmedien ist noch nicht in Sicht, auch wenn kleinere Journalismusprojekte wie eigenständige Nachrichtenwebsites selbständiger Journalisten oder gemeinnützige Projekte wie u.a. <a href="http://www.vocer.org/de/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">VOCER</a> an Bedeutung gewinnen. Die großen Medienorganisationen werden auf absehbare Zeit die Stützpfeiler des Journalismus bleiben. Insbesondere in Deutschland gibt es auch keinen Grund zur Hysterie: Die Schicksale von „Frankfurter Rundschau“ oder der „Financial Times Deutschland“ sind keine akuten Folgen der aktuellen Krise der Verlagswirtschaft, sondern diese Titel schwächelten aus betriebswirtschaftlicher Perspektive schon seit vielen Jahren. Dennoch wird es neue, spezialisierte Geschäftsmodelle für Journalismus brauchen, welche die derzeit noch weitgehend alternativlose Erlösstruktur aus Anzeigen- und Vertriebseinnahmen ergänzen – nicht aber ersetzen. Die durch den digitalen Wandel vorangetriebene Flexibilität der Mediennutzung zwingt Medienhäuser dazu, nicht nur redaktionell, sondern auch bei der Vermarktung von Journalismus zu experimentieren. In Zukunft werden viele neue Modellvarianten ausprobiert werden, von diversen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paywall" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Paywall-Konzepten</a> über zugeschnittene Premium-Dienste für bestimmte Zielgruppen bis zur Verbindung von Journalismus und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Standortbezogene_Dienste" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Location Based Services</a>.<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Dr. Leif Kramp</strong> ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler sowie Historiker und arbeitet als Forschungskoordinator am ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Zuletzt erschienene Publikationen: <strong>„Journalismus in der digitalen Moderne“</strong> (gem. hrsg. mit Leonard Novy, Dennis Ballwieser und Karsten Wenzlaff) und <strong>„Innovationsreport Journalismus“</strong> (gem. mit Stephan Weichert).</div></div><br />
<strong>politik-digital.de:</strong> In den USA hat die <a href="http://www.huffingtonpost.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Huffington Post</a> als Onlinezeitung im Stile eines Polit-Weblogs sehr großen Erfolg. Hier wird oftmals der Leser zum Autor von Beiträgen. 2012 erhielt das Onlinemagazin sogar <a href="http://politik-digital.de/online-journalismus-the-huffington-post-und-politico-mit-pulitzerpreis-ausgezeichnet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">als erste kommerzielle Onlinezeitung den Pulitzerpreis</a>. Man gewinnt den Eindruck, dass in Deutschland kein Platz für Innovationen ist und dass die meisten großen Medienhäuser nicht mehr als Onlineausgaben der Printtitel anbieten. Warum gibt es (noch) keine deutsche „Huffington Post“?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Die Genese der „Huffington Post“ ist eine sehr spezielle und lässt sich nur schwerlich auf den deutschen Markt projizieren. Die HuffPo verdankt ihre Relevanz jenen Bloggern, die sich jahrelang vielfach aus Unzufriedenheit über die Qualität des US-amerikanischen Politikjournalismus unbezahlt engagierten, bis der Medienkonzern AOL die Blog-Zeitung kaufte und nun einen internationalen Expansionskurs vorantreibt, der auch sehr bald nach Deutschland führen soll. Bisher sind hierzulande Versuche der Verlage gescheitert, eine Onlinezeitung als eigenständige Marke zu installieren, wie die Beispiele <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Netzeitung" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Netzeitung“</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zoomer.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Zoomer“</a> gezeigt haben. In Deutschland ist ein unabhängiges Start Up, wie es einst Arianna Huffington gründete, eher unwahrscheinlich, da die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem überregionalen Journalismus verhältnismäßig hoch ist. Etwas anders verhält es sich im Lokalen: Dort gab es in einigen Regionen bereits erfolgreiche Gründungen unabhängiger kommerzieller Alternativmedien, die sich in Opposition zu den etablierten Lokalzeitungen schon seit längerem am Markt behaupten.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Eine Ausnahme ist die Wochenzeitung „Der Freitag“, die seit ihrem Relaunch vor einiger Zeit versucht, die <a href="http://www.freitag.de/community" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Community stärker in ihren Online-Auftritt einzubeziehen</a>. Und das offenbar mit Erfolg. Wie sehr muss sich ein Medienunternehmen auf die Leser einlassen?<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-128352" alt="Leif Kramp" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg" width="150" height="244" /></a><br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Das geschieht beim „Freitag“ sehr erfolgreich deshalb, weil seit Jahren konsequent signalisiert wird, dass ernstzunehmende Meinungsbeiträge der Nutzer nicht nur auf der Website der Zeitung geduldet, sondern besonders gelungene Texte sogar für den Abdruck in der Zeitung gegen Honorar ausgewählt werden. Redaktionen sollten verschiedene Wege ausprobieren, ihre Nutzer stärker an sich zu binden. Journalisten können beispielsweise über soziale Netzwerke, Twitter etc. Kontakt mit Nutzern aufnehmen, sie können sich an den Diskussionen der Nutzer mittels der Kommentarfunktion unter ihren Beiträgen beteiligen, sie können sich aber auch erreichbar und ansprechbar zeigen, ob nun in einem „Open Newsroom“ oder per E-Mail. Dabei geht es nicht darum, sich blind den Wünschen der Nutzer zu unterwerfen, sondern vielmehr um die Bereitschaft, offen für Anregungen und Kritik zu sein, und das nicht nur im Nachhinein, sondern schon während des journalistischen Arbeitsprozesses. Auch Journalisten müssen sich heutzutage das Vertrauen der Nutzer immer wieder neu verdienen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Der Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datenjournalismus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenjournalismus</a> ist zurzeit in aller Munde. Handelt es sich nur um einen kurzfristigen Hype oder ist die Auswertung von Daten die Zukunft des Journalismus?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Daten journalistisch zu verarbeiten und für den Nutzer zu verdeutlichen – zum Beispiel durch Info-Graphiken – gehört schon lange zum Tagesgeschäft in den Redaktionen. Mit digitalen Medientechnologien haben Journalisten aber nun Werkzeuge an der Hand, die es ermöglichen, ihrer Vermittlungsfunktion noch besser nachzukommen, weil sie erstens hochkomplexe Datenbestände verarbeiten und zweitens diese interaktiv veranschaulichen können. Solche Instrumente zu beherrschen, ist freilich nicht voraussetzungsfrei, sondern erfordert in der Regel fortgeschrittene Kenntnisse statistischer Verfahren und bestimmter Software-Anwendungen. Deshalb ist Datenjournalismus vor allem als Teamarbeit von Journalisten und Informatikern ein wachsendes und angesichts der zunehmenden Komplexität verfügbarer Daten auch ein immer wichtigeres Tätigkeitsfeld im digitalen Journalismus.<br />
Bilder: ScaarAT (CC BY-SA 3.0), Leif Kramp</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Interview Teil I: Zukunft der Medienhäuser – der Journalismus am Scheideweg</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/interview-teil-i-zukunft-der-medienhaeuser-der-journalismus-am-scheideweg-128348/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 10:41:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Klassischer Journalismus ist jetzt schon retro. Neue Formen drängen auf den Markt und lassen den traditionellen Journalisten alt aussehen. Ein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Alexander-Zell-CC-BY-NC-SA-3.0.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-128350" title="Alexander Zell (CC BY-NC-SA 3.0)" alt="Alexander Zell (CC BY-NC-SA 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Alexander-Zell-CC-BY-NC-SA-3.0-630x419.jpg" width="630" height="419" /></a>Klassischer Journalismus ist jetzt schon retro. Neue Formen drängen auf den Markt und lassen den traditionellen Journalisten alt aussehen. Ein Interview mit Kommunikations- und Medienwissenschaftler Leif Kramp über die Zukunft von Medienorganisationen und Veränderungen im Journalismus.<br />
Mit dem Internet, den sozialen Medien und der Weiterentwicklung mobiler Kommunikation hat die Digitalisierung die Medienbrache maßgeblich verändert. Der neu entstandene Markt birgt Chancen, aber auch Risiken. Fest steht: Der traditionelle Journalismus und die herkömmlichen Geschäftsmodelle der Presseverleger haben ausgedient. Heute muss ein Redakteur nicht nur Textprofi sein, sondern gleichzeitig auch Communty-Manager und am besten über Programmierkenntnisse verfügen. Und die Medienhäuser? Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, neue Geschäftsmodelle entwickeln und neue Strukturen finden zu müssen, um den immer anspruchsvolleren Leser für sich zu gewinnen. Das Buch &#8220;Journalismus in der digitalen Moderne&#8221; (Springer VS Verlag) befasst sich sowohl mit den Veränderungen in traditionellen Medienhäusern als auch mit dem Wandel des klassischen Journalismus. Mit wissenschaftlichen Beiträgen und journalistischen Erfahrungsberichten schafft es das Buch, die Thematik anschaulich und praxisnah zu beschreiben und dem Leser Probleme und Chancen dieser Entwicklung zu verdeutlichen.<br />
Im zweiteiligen Interview erklärt einer der Herausgeber, der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Leif Kramp, warum der Journalismus am Scheideweg steht und die Medienhäuser umdenken müssen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Herr Kramp, Sie sind Kommunikations- und Medienwissenschaftler am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen und Mitherausgeber des Buches „Journalismus in der digitalen Moderne“. Zu Beginn eine ganz generelle Frage: Ist die Digitalisierung gut oder schlecht für den Journalismus? Und wie sieht es mit der Wirkung auf die Medienhäuser aus?<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc">Dr. Leif Kramp ist Kommunikations- und Medienwissenschaftler sowie Historiker und arbeitet als Forschungskoordinator am ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Zuletzt erschienene Publikationen: „<strong>Journalismus in der digitalen Moderne</strong>“ (gem. hrsg. mit Leonard Novy, Dennis Ballwieser und Karsten Wenzlaff) und „<strong>Innovationsreport Journalismus</strong>“ (gem. mit Stephan Weichert).</div></div><br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Weder das Internet noch die Digitalisierung insgesamt gefährden den Journalismus per se. Im Gegenteil: Journalismus kann aus dem Vollen schöpfen. Niemals war die Reichweite größer, und niemals standen vielfältigere Darstellungsformen zur Verfügung. Eigentlich ist die digitale Moderne also ein Segen für den Journalismus. Woran es aber hapert, ist die Wertschöpfung. Journalismus ist am Ende des Tages nicht nur eine hehre Aufgabe, sondern in der Regel auch ein Geschäft, das Journalisten ernähren und eine gute Rendite erzielen soll. Noch immer wird händeringend nach effektiven Geschäftsmodellen gesucht, um die bestehenden Strukturen des Pressewesens vor dem Hintergrund des digitalen Medienwandels aufrechtzuerhalten. Die Medienhäuser haben zwar ihre Schwierigkeiten, sinkende Anzeigen- und Vertriebserlöse zu kompensieren, ziehen daraus aber zum Teil die falschen Schlüsse und lassen die Redaktionen und damit das Personal dafür bluten. Dabei lautet das Gebot der Stunde, in Journalismus zu investieren und ihn nicht durch vorschnelle Sparmaßnahmen zu schwächen.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Auf welche Veränderungen müssen sich Journalisten im digitalen Zeitalter einstellen? Was bedeuten diese für die nächste Generation von Journalisten, auch wirtschaftlich gesehen?<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-128352" alt="Leif Kramp" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/kramp_4c-e1366386424530.jpg" width="150" height="244" /></a><br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Journalismus hat auf allen wesentlichen Ebenen gesellschaftlicher Kommunikation an Relevanz verloren. Journalisten müssen sich ihre ehemalige Exklusivstellung bei der gesellschaftlichen Selbstverständigung heute mit einer Vielzahl weiterer Kommunikatoren teilen – aus der PR, der Politik oder aus den Reihen der Bürger. Sie alle haben – und viele nutzen – die Möglichkeit, die Plattformen und Kanäle des Netzes für ihre Kommunikationszwecke einzusetzen. Für Journalisten bedeutet das, sich stärker auf einen Dialog einzulassen statt sich allein auf den Vertrieb fertiger journalistischer Produkte zu konzentrieren. Je mehr Akteure an der Kommunikation und Informationsverbreitung in der digitalen Sphäre beteiligt sind, desto stärker ist auch die Sortier- und Einordnungsfunktion des Journalismus gefordert. Ohne die sozialen Medien, ohne intensive Verlinkung zu externen Inhalten und ohne die Anreicherung journalistischer Beiträge mit zusätzlichen Dokumenten wie beispielsweise Quellenmaterial kommt ein solcher transparenterer, dialogischer und kontextueller Journalismus nicht aus. Das steht nicht im Widerspruch zu den weiterhin geltenden journalistischen Tugenden, sondern überträgt sie auf die Ansprüche nach mehr Interaktion, aber auch besserer Orientierung im digitalen Zeitalter.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Geht es mit dem Journalismus den Bach runter oder befindet er sich am Scheideweg? Wie wichtig sind dabei innovative Ideen von Journalisten bzw. Medienhäusern?<br />
<strong>Leif Kramp:</strong> Der Journalismus ist eine Profession am Scheideweg, weil Entscheidungsträger auf verschiedenen Ebenen mit einer fundamentalen Unsicherheit konfrontiert sind. Wir erleben zurzeit eine aufklaffende Schere zwischen einer tariflich abgesicherten Belegschaft mittleren Alters, die bei traditionellen Medien beschäftigt ist und einem schlechter bezahlten, meist jüngeren und hauptsächlich für Online-Medien arbeitenden Journalistenprekariat. Um diese Differenzen zu überwinden und den sozialen Zündstoff zu entschärfen, braucht es Mut an vielen Stellen: Gesellschafter müssen den journalistischen Kern ihrer Marken stärken, auch wenn dies zeitweise schlechte Jahresabschlüsse nach sich zieht; Chefredakteure müssen an der Schnittstelle zwischen Geschäftsführung und Redaktion die Handlungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter sichern und ihnen Freiräume verschaffen, in denen Neues ausprobiert und Unkonventionelles zugelassen wird; und der einzelne Journalist – ob freischaffend oder angestellt – muss sich einlassen auf die Veränderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt – was einfacher gesagt ist als getan, solange Kosten- und Arbeitsdruck auf einem lasten. Es gibt also viele Stellschrauben, an denen gedreht werden muss.<br />
Bilder: Alexander Zell (CC BY-NC-SA 3.0), Leif Kramp</p>
<div><img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></div>
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		<title>Veränderungen der politischen Kommunikation – Teil II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Schumacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Sep 2012 13:58:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Vowe]]></category>
		<category><![CDATA[Forschergruppe Politische Kommunikation in der Online-Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2013]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Citizens]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[online-Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[„Man kann Wahlen nicht durch das Internet gewinnen, aber man kann sie durch das Internet verlieren“. Diese These vertritt Professor [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/veraenderungen-der-politischen-kommunikation-teil-ii/change/" rel="attachment wp-att-120787"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-120787" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Change-630x472.jpg" alt="" width="630" height="472" /></a>„Man kann Wahlen nicht durch das Internet gewinnen, aber man kann sie durch das Internet verlieren“. Diese These vertritt Professor Gerhard Vowe von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Im zweiten Teil des Interviews mit dem Kommunikationswissenschaftler geht es um die Wirkung des Internets auf die Politik, den Wandel der Massenmedien und den Trend für die Bundestagswahl 2013.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Herr Prof. Vowe, am Beispiel USA sieht man, welche Wirkung das Internet auf die Politik haben bzw. inwieweit die Politik zum Beispiel über soziale Netzwerke erfolgreich einen Wahlkampf führen kann. Wie hat sich die politische Kommunikation generell in den letzten Jahren entwickelt? Sind auch eindeutige Tendenzen für Deutschland erkennbar?</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/veraenderungen-der-politischen-kommunikation-teil-1/prof-vowe-2/" rel="attachment wp-att-120636"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-120636" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Prof-Vowe1-e1346318179820.jpg" alt="" width="162" height="200" /></a><strong>Gerhard Vowe:</strong> Generell verändert sich die politische Kommunikation vor allem dadurch, dass die traditionellen Grenzen zwischen Massenkommunikation, Gruppenkommunikation, interpersonaler Kommunikation und Computerkommunikation verschwimmen. Früher war das alles scharf getrennt. Heute haben sich große Überschneidungsflächen herausgebildet, die öffentliche Kommunikation prägen. Am anschaulichsten wird das an einem Smartphone. Ich lese einen Artikel auf Spiegel-Online, gebe ihn mit einem Kommentar von mir meinem Facebook-Freundeskreis bekannt, bekomme dann eine wütende Reaktion von jemanden, die ich beantworte, nachdem ich einige Fakten in einer wissenschaftlichen Datenbank recherchiert habe. Und das alles ohne Medienbruch und mit ganz niedrigen Schwellen!</p>
<p>Diese Veränderungen betreffen selbstverständlich nicht nur die politische, sondern auch die ökonomische und die wissenschaftliche und weitere Kommunikation. Sie stellt öffentliche Kommunikation auf eine völlig neue Basis. Darauf müssen alle reagieren, auch die traditionellen Massenmedien.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Sie befassen sich in Düsseldorf insbesondere mit dem Thema Online-Medien. Auch soziale Netzwerke, wie YouTube, Facebook &amp; Co gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung, zum Beispiel war YouTube Informationslieferant für ausländische Medien während des arabischen Frühlings. Welche Entwicklungen beobachten Sie?</p>
<p><strong>Gerhard Vowe:</strong> Wir erleben derzeit, wie die Leitfunktion im Medienbereich in den Online-Bereich wandert. Die Online-Medien – von Nachrichtenseiten bis zu den sozialen Netzwerken – geben mittlerweile den Ton und den Takt an. Dies hat Auswirkungen auf die klassischen Medien: Auch die Tageszeitung wird hektischer, auch das Fernsehen wird hypertextueller. In einer Online-Welt verstärkt sich der Faktor der Kommunikation mit anderen medial vermittelt über soziale Netzwerke. Von daher werden die klassischen Massenmedien und auch ihre Netzableger an Bedeutung verlieren. Das bedeutet nicht, dass sie ohne Bedeutung sind; dies zeigt sich konkret daran, dass z.B. in Videoplattformen ein Großteil der politisch bedeutsamen Clips aus Schnipsel aus den klassischen Massenmedien beruht.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Könnten Online-Medien wie soziale Netzwerke klassische Massenmedien wie Zeitung und Fernsehen irgendwann ablösen?</p>
<p><strong>Gerhard Vowe:</strong> Die traditionellen Medienanbieter müssen doppelt fahren: Ökonomisch und publizistisch sind die klassischen Angebote nach wie vor von großer Bedeutung. Denken Sie an die Reichweite der großen TV-Vollprogramme oder an die Auflagen der großen Zeitungen – nicht zuletzt der BILD-Zeitung. Und nach wie vor werden hier Themen gesetzt und Meinungen beeinflusst. Aber ein großer Teil des Geschäfts und des publizistischen Einflusses wandert ins Netz und evtl. dann zu anderen Anbietern. Auch hier gilt es also, ein Zugleich von Flexibilität und Stabilität zu sichern, wie es ja z.B. zum Ausdruck kommt in einer Dachmarke wie „Spiegel“ oder „Tagesschau“, die dann sowohl im klassischen Medienbereich präsent ist wie auch (mit Namenszusätzen) im Online-Bereich. Dies ist in vielen Fällen durchaus von Erfolg gekrönt, selbst wenn sich dies über lange Strecken nicht rechnet und hier viel Lehrgeld bezahlt werden muss. Aber noch werfen die klassischen Angebote genug ab, um auch einige Experimente im Online-Bereich wagen zu können.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Immer mehr Politiker richten sich Twitter- und Facebook-Accounts ein. Könnte dieser Trend hinsichtlich der Bundestagswahl 2013 explodieren oder ist damit  nicht zu rechnen? Was halten Sie davon, wie soziale Medien in der politischen Kommunikation in Deutschland eingesetzt werden?</p>
<p><strong>Gerhard Vowe:</strong> Man kann Wahlen nicht durch das Internet gewinnen, aber man kann sie durch das Internet verlieren. Es geht darum, im Netz präsent zu sein und da die zwei bis drei Prozent zu erreichen, die am Ende eventuell die entscheidenden Prozent sind, um in den Bundestag zu kommen oder um an der Regierung beteiligt zu werden. Das ist das Zünglein an der Waage. Natürlich kriegt man durch das Netz nicht die Reichweiten, die erforderlich sind, um allgemein und nachdrücklich seine Botschaften zu verbreiten. Aber wenn man im Netz nicht präsent ist, bekommt man bestimmte Wählergruppen gar nicht mehr zu fassen, die man fast nur noch über soziale Netzwerke erreicht. Wenn eine Partei oder ein Politiker im virtuellen Raum nicht greifbar ist, dann ist das so, als wenn man in ganzen Städten nicht plakatiert hätte. Dann fragen sich alle: Was ist denn mit denen los?</p>
<p>Hinzu kommt: Von einer professionellen Netzpräsenz geht das Signal von Dynamik und Modernität aus – das strahlt auch auf den ganzen Wahlkampf aus. Das alles wissen die Parteien und deshalb ist mit einer weiteren Verstärkung des Online-Wahlkampfs 2013 zu rechnen. Auch weil jetzt alle in den USA sind und den dortigen (Online-)Wahlkampf studieren.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Info:</strong> Dr. Gerhard Vowe ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit der Gründung 2011 ist er außerdem Sprecher der Forschergruppe „Politische Kommunikation in der Online-Welt“.<br />
Innerhalb der Forschergruppe betreut er mit Dr. Marco Dohle die Projektgruppe <strong>„Ursachen und Konsequenzen der Wahrnehmung politischer Einflüsse von Online-Medien“</strong></div></div><strong>politik-digital.de:</strong> Inwieweit sehen Sie Chancen für die etablierten Parteien, mithilfe des Internets ihre interne Kommunikation zu organisieren, also das Verhältnis von Spitze und Basis anders zu gestalten?</p>
<p><strong>Gerhard Vowe:</strong> Auch Parteimitglieder haben sich stark geändert. Die Erwartungen an die organisationsinterne Kommunikation sind hoch gesteckt. Mitglieder wollen gefragt und gehört werden, sie wollen mit-entscheiden, mit-gestalten. Interne Gruppen wollen sich schnell und ohne großen Aufwand abstimmen und innerhalb der Partei Unterstützer mobilisieren. Und Sympathisanten müssen bei der Stange gehalten werden. Für alles das bietet das Internet enorm leistungsfähige Möglichkeiten. Die Piratenpartei hat mit Liquid Feedback Zeichen gesetzt, da müssen die anderen mithalten. Und dann findet man eben auch bei SPD-Versammlungen eine Twitter-Wall, auf der die Anwesenden ihrem Unmut Luft machen. Auch hier wird viel geklingelt und zum Fenster raus gepredigt, aber auch dadurch verschieben sich die Erwartungen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Es wird viel diskutiert über die Sinnhaftigkeit von politischen Online-Formaten. Dabei soll gerade die Jugend damit für politische Inhalte begeistert werden. Aber kann man über das Netz Jugendliche wirklich für Politik begeistern? Wen kann man überhaupt erreichen? Und wen nicht?</p>
<p><strong>Gerhard Vowe:</strong> Die Möglichkeiten, über das Internet politisches Interesse zu wecken, sind sehr begrenzt. Denn das Internet ist ja noch viel mehr als andere Medien auf die Eigenaktivität der Nutzer ausgerichtet. Da entscheidet jeder sehr viel mehr selbst, was er macht und was er nicht macht mit dem jeweiligen Medienangebot. Das politische Interesse spielt also eine entscheidende Rolle dabei, ob jemand politische Inhalte im Netz nutzt. Und politisches Interesse ist bei einem großen Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbstverständlich vorhanden. Das hängt eng mit der Bildung zusammen und je höhere Bildungsabschlüsse die Leute haben, desto größer wird auch das politische Interesse. Vielleicht nicht Interesse an der Politik der Parteien und Verbände – aber Interesse an bestimmten politischen Themen und an politischen Entscheidungen. Dabei zeigen sich in Befragungen deutliche Unterschiede.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wen kann man überhaupt erreichen? Und wen nicht?</p>
<p><strong>Gerhard Vowe:</strong> Wir finden eine gut erkennbare Gruppe von etwa 15 Prozent der Bevölkerung, die Digital Citizens. Die haben in ihrer politischen Kommunikation ein markant anderes Nutzungsmuster entwickelt: Sie wickeln ihre gesamte politische Information, Diskussion und Partizipation über das Netz ab. Das sind im Wesentlichen jüngere Jahrgänge, und sie haben ein bestimmtes Muster an Einstellungen: Sie sind parteipolitisch ungebunden, sie haben keine traditionelle Orientierung. Sie entscheiden sich flüchtiger, sie entscheiden sich von Wahl zu Wahl. Sie sind politisch interessiert und sie sind davon überzeugt, dass sie mit ihrer politischen Aktivität etwas erreichen.</p>
<p><em><strong><a href="http://politik-digital.de/veraenderungen-der-politischen-kommunikation-teil-1/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.</a></strong></em></p>
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		<title>WikiLeaks und die Medien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 17:24:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Guantanamo]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>
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					<description><![CDATA[<a target="_blank" href="http://www.wikileaks.ch/" rel="noopener noreferrer"><img width="480" height="281" align="left" src="/sites/politik-digital.de/files/wikileaks01.png" /></a>Vergangenen Sonntag begann WikiLeaks mit der Veröffentlichung der „<a target="_blank" href="http://wikileaks.ch/gitmo" rel="noopener noreferrer">The Guantanamo Files</a>“. Der Spiegel <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/thema/guantanamo_dokumente_2011/" rel="noopener noreferrer">berichtete in seiner Online-Ausgabe</a> ausführlich darüber. Ein Beweis für die Vitalität des Whistleblowers? Oder einer seiner letzten Coups?  
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wikileaks.ch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/wikileaks01.png" alt="" width="288" height="169" align="left" /></a>Vergangenen Sonntag begann WikiLeaks mit der Veröffentlichung der „<a href="http://wikileaks.ch/gitmo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Guantanamo Files</a>“. Der Spiegel <a href="http://www.spiegel.de/thema/guantanamo_dokumente_2011/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtete in seiner Online-Ausgabe</a> ausführlich darüber. Ein Beweis für die Vitalität des Whistleblowers? Oder einer seiner letzten Coups?</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Veröffentlichungen_von_WikiLeaks" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die ansehnliche Liste</a> der WikiLeaks-Veröffentlichungen ist um einen erhellenden Eintrag reicher. Als geheim deklarierte Dokumente der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joint_Task_Force_Guantanamo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Joint Task Force Guantanamo</a> dokumentieren vor allem <a href="http://www.freitag.de/politik/1116-keine-gnade-kein-entkommen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Willkür</a> der verantwortlichen US-Politiker und -Militärs im Umgang mit Fakten und Gefangenen. Es reichte für viele Gefängnisinsassen schon aus, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, um über Jahre inhaftiert zu werden. Auch Kinder sowie alte und psychisch kranke Menschen befanden sich darunter. In vielen Fällen erfolgte lediglich eine lückenhafte, ja bisweilen desaströse Beweisführung. So wurde z. B. ein 14-jähriger afghanischer Junge eingesperrt, nur weil er mutmaßlich Wissen über lokale Talibanführer besaß. Für Guido Strack, Vorsitzender beim <a href="http://www.whistleblower-netzwerk.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Whistleblower-Netzwerk e.V.</a>, erinnert die aktuelle WikiLeaks-Veröffentlichung daran, welcher Schandfleck das in der Weltöffentlichkeit fast vergessene Guantanamo für die USA und auch deren jetzigen Präsidenten ist. „Dem gerade frisch ins Rennen gegangenen Wahlkämpfer Obama, der sich ja schon in Sachen Bradley Manning (Anm. d. Red.: Der US-Soldat wurde im Mai 2010 verhaftet, weil er interne Berichte und Videomaterial an WikiLeaks weitergegeben haben soll.) durch ein <a href="http://youtu.be/5uhKYQo5AqQ" target="_blank" rel="noopener noreferrer">musikalisches Ständchen</a> an seine nicht eingehaltenen Versprechungen in Sachen Whistleblower-Schutz erinnern lassen musste, kann dies nicht recht sein.“</p>
<p align="center"><strong><iframe src="http://www.youtube.com/embed/TO8IJmrPKLM" width="480" height="390" frameborder="0"></iframe></strong><strong><br />
</strong></p>
<p align="center"><strong>Bericht von Al Jazeera über die Guantanamo-Papiere<br />
</strong></p>
<p>WikiLeaks leistete also einmal mehr einen weiteren wichtigen Beitrag für Transparenz und Aufklärung nach einem gravierenden Fehlverhalten von Politik und Militär. Doch das Medienecho fiel im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen weitaus geringer aus. Für den Medienpädagogen Thomas Pfeiffer, Betreiber des Blogs <a href="http://webevangelisten.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Webevangelisten</a>, ist das nicht verwunderlich. Die Geschichte von Guantanamo müsse nach den WikiLeaks-Enthüllungen nicht neu geschrieben werden: „Dass die Internierung im Karibiklager aufgrund von Mutmaßungen und vagen Angaben stattfand (100-Dollar-Scheine oder eine Casio-Uhr reichen für einen Terrorismusverdacht), war schon vorher bekannt. Insofern ist das eher eine Geschichte in der Art wie ‚Hund beißt Mann‘ &#8211; keine große Meldung wert.“ Seit einigen Monaten schon kämpft die Whistleblowing-Plattform mit Problemen. Und das in vielerlei Hinsicht. Da wäre z. B. das Gerichtsverfahren gegen WikiLeaks-Chef Julian Assange, der wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung von Großbritannien an Schweden ausgeliefert werden soll.</p>
<p>Laut Markus Heidmeier, der für das <a href="http://blog.zeit.de/leaks-blog" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leaks-Blog</a> bei Zeit Online schreibt, scheint die personelle Fixierung auf den starken Motor Julian Assange für die Etablierung von WikiLeaks zwar wichtig gewesen zu sein, doch „jetzt könnte sich diese in eine sehr unpraktische Abhängigkeit verkehren.“ Heidmeier sieht außerdem ernsthafte Infrastruktur-und Finanzprobleme beim Whistleblower. Ein Beleg für diese Vermutung ist, dass die „Dropbox“ von WikiLeaks seit mehreren Monaten nicht mehr genutzt werden kann, mittels der anonym Dokumente hochgeladen werden konnten. Der OpenLeaks-Mitbegründer Daniel Domscheit-Berg <a href="http://news.orf.at/stories/2041493/2041469" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bestätigte unterdessen</a>, dass er und andere ehemalige WikiLeaks-Unterstützer Hard- und Softwarekomponenten wie die Funktion zum anonymen Dokumenten-Upload bei ihrem Weggang entfernt und mitgenommen hätten. Nachschub an frischem Material gab es also schon längere Zeit nicht mehr.</p>
<p align="center"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/wikileaks02.jpg" alt="" width="480" height="309" /></p>
<p>Darüber hinaus scheint die bisherige Strategie von WikiLeaks, exklusive bzw. autorisierte Medienpartner mit der Aufbereitung von Material für die Berichterstattung zu betrauen, <a href="http://www.nytimes.com/2011/04/27/world/guantanamo-files-wikileaks-loses-control-of-some-secrets.html?_r=3&amp;pagewanted=1&amp;partner=rss&amp;emc=rss" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unterlaufen zu werden</a>. So gelang es der bei WikiLeaks (wohl vor allem wegen negativer Berichterstattung über Julian Assange) in Ungnade gefallenen Zeitung New York Times, in den Besitz der Dokumente zu gelangen und diese dem britischen Guardian sowie dem US-Radionetzwerk NPR zuzuspielen. Die New York Times und der Guardian publizierten die Auswertung der Papiere daraufhin in ihren Montagsausgaben, noch bevor WikiLeaks seinen Medienpartnern die Freigabe zur Veröffentlichung erteilt hatte. <a href="http://meedia.de/details-topstory/article/der-kontrollverlust-von-wikileaks_100034487.html?tx_ttnews" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das führte u.a. dazu</a>, dass der Spiegel das Thema aus zeitlichen Gründen nicht mehr rechtzeitig in seiner aktuellen Print-Ausgabe platzieren konnte. Aber warum auch sollte eine einzelne Plattform wie WikiLeaks darüber bestimmen können, wann, wie und wo geleakte Informationen der Öffentlichkeit präsentiert werden?</p>
<p>Guido Strack erwähnt gegenüber politik-digital.de, es gebe Anzeichen dafür, dass WikiLeaks schon lange im Besitz der Guantanamo-Files gewesen sei und keine sonderliche Dynamik hinsichtlich der Veröffentlichung neuer Leaks demonstriert habe. Da stellt sich die Frage, ob es ein Zeichen von Neutralität und Transparenz ist, dass das Material zunächst zurückgehalten und dann nur an exklusive Partner weitergegeben werden sollte? Wohl kaum. Für WikiLeaks scheint dieses Verhalten jedoch eine Überlebensstrategie zu sein, um eine möglichst große öffentliche Aufmerksamkeit und damit auch ein Höchstmaß an Spenden zur finanziellen Absicherung zu generieren. Aus Sicht von Thomas Pfeiffer hat WikiLeaks das grundsätzliche Problem, dass es „nur“ ein Stichwortgeber ist. Die eigentliche Arbeit übernehmen Medien wie Spiegel, Guardian und New York Times: Sie sichten das Material, werten es aus und bereiten es mediengerecht auf. „WikiLeaks ist dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung lediglich der Zulieferer, der Handlanger, der die Rohstoffe liefert“, so Peiffer. Wie wichtig die mediale Aufmerksamkeit für WikiLeaks bei der Generierung von Spenden ist, belegt der in dieser Woche veröffentlichte <a href="http://wauland.de/files/2010_Transparenzbericht-Projekt04_de.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vorläufige Transparenzbericht 2010</a> der Wau-Holland Stiftung. Darin wird das Spendenaufkommen für WikiLeaks dokumentiert. Immer dann, wenn es zu besonders spektakulären Veröffentlichungen kam, stieg die Spendenbereitschaft wie erwartet erheblich an. Dabei handelt es sich jedoch wohl nicht um einen langwährenden Automatismus. Für Thomas Pfeiffer liegt es in der Systematik der WikiLeaks-Enthüllungen, dass sie sich selber abnützten. Um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, müsse WikiLeaks sich jedes Mal überbieten.</p>
<p>„Jede neue Enthüllung muss noch sensationeller und schockierender sein als die davor. Das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein.“ Derzeit scheint das WikiLeaks-Konzept jedoch noch aufzugehen – auch dann, wenn Julian Assange operativ nicht viel beitragen kann. Laut Dr. Christoph Bieber, Politikwissenschaftler und stellvertretender Vorsitzender von pol-di.net e.V, „spricht das zumindest für die Anwesenheit von arbeitsfähigen Strukturen sowie funktionierenden Verbindungen zu professionellen Medienpartnern, die die Guantanamo-Dossiers auswerten durften.“ Und Guido Strack fügt hinzu, dass die Konkurrenz, also andere Leaking-Plattformen, bisher eher noch in den Kinderschuhen bzw. in verzögerten Entwicklungsphasen steckten, was zeige, dass das Metier durchaus seine Tücken habe. Er sieht den Verdienst von WikiLeaks vor allem darin, die Themen Transparenz, öffentliche Kontrolle und Whistleblowing stärker auf die weltweite Agenda gesetzt zu haben. „Damit hat WikiLeaks sicherlich auch einen Anstoß für die Umwälzungen im arabischen Raum gegeben“, so Strack.</p>
<div style="text-align: center;" align="center"><iframe src="http://www.youtube.com/embed/TsIpuw7wN3k" width="480" height="390" frameborder="0"></iframe></div>
<div style="text-align: center;" align="center"></div>
<div style="text-align: center;" align="center"></div>
<div style="text-align: center;" align="center"><strong> </strong></div>
<p style="text-align: center;"><strong>WikiLeaks-Doku: Rebellen im Netz</strong></p>
<p>Transparente und demokratische Strukturen bei dem Whistleblower selbst lassen aber auch weiterhin zu wünschen übrig: Zwar sei eine gewisse Intransparenz hinsichtlich der Quellen zwangsläufig. Allerdings gebe es Bedarf an mehr Transparenz hinsichtlich der Organisations- und Finanzierungsformen, erläutert Markus Heidmeier. Auf die Frage von poltitik-digital.de, ob die Plattform möglicherweise einseitig politisch motiviert wäre, bemerkt Heidmeier, dass jetzt eine starke Diversifizierung durch WikiLeaks z. B. in den Bereichen Finanzwelt, Energieunternehmen und Rüstungskonzerne wichtig wäre. Dazu bedarf es jedoch entsprechender Eingaben durch Informanten, die zurzeit nicht möglich sind. Es bleibt abzuwarten, wie sich WikiLeaks zukünftig im aufkeimenden Wettbewerb mit anderen Whistleblower-Plattformen wie OpenLeaks schlagen wird. Eine Prognose ist derzeit schwierig. Festzuhalten bleibt bei aller Kritik jedoch der große Verdienst von WikiLeaks, in großem Stil darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass die Transparenz staatlichen Handelns eine Grundvoraussetzung für eine moderne Demokratie ist. Seitdem gibt es vermehrt Diskussionen über das Whistleblowing und es werden Maßnahmen zum Schutz von Informanten erörtert. An WikiLeaks gebe es genauso wenig zu kritisieren wie am Spiegel oder am Guardian, so Thomas Pfeiffer. Sie publizieren Dokumente von öffentlichem Interesse. WikiLeaks sei nur der Hiob. „Ihn auszuschalten ändert nichts an den schlimmen Nachrichten, die er ja nur überbringt. Die Engländer sagen dazu: &#8216;Don&#8217;t kill the messenger.&#8217;“</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Blogs können Massenmedien kontrollieren</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/blogs-koennen-massenmedien-kontrollieren-3620/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[BILDblog]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, 17. Oktober, war Stefan Niggemeier, Diplom-Journalist und Mitbegründer des BILDblog, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er erklärte, ob der Deutsche Pressrat noch wirkungsvoll ist und wie Weblogs Massenmedien beeinflussen können.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, 17. Oktober, war Stefan Niggemeier, Diplom-Journalist und Mitbegründer des BILDblog, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er erklärte, ob der Deutsche Pressrat noch wirkungsvoll ist und wie Weblogs Massenmedien beeinflussen können.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Guten Tag und herzlich willkommen im<br />
tagesschau-Chat. Heute zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist Stefan<br />
Niggemeier, freier Medienjournalist und Bildblogger – jenes<br />
Blog, das durch seine kritischen &quot;Notizen über eine große<br />
deutschen Boulevardzeitung&quot; zum meistgelesenen Weblog in Deutschland<br />
avancierte. Wir wollen im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital<br />
heute über Missstände im Journalismus chatten, Kontrollinstanzen<br />
wie den Deutschen Presserat hinterfragen und über die Möglichkeiten<br />
von kleinen Weblogs diskutieren, im großen Medienkonzert mitzuspielen.<br />
Herr Niggemeier, können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ich bin bereit und gespannt.<br />
Hallo zusammen!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/sniggemeier85x.jpg" alt="Stefan Niggemeier" height="120" width="85" /><br />
<i>Stefan Niggemeier, <br />
Medienjournalist</i>
</p>
<p>
<b>Maddin: </b>Warum gibt es zu wenig richtig investigativen<br />
Journalismus in Deutschland, warum werden nur Agenturmeldungen als<br />
Neuigkeiten verbreitet?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Vor allem natürlich, weil<br />
es billiger ist. Es kostet viel mehr Geld, selbst zu recherchieren,<br />
als Agenturmeldungen einzukaufen. Erschwerend kommt aber auch eine<br />
gewisse Bequemlichkeit hinzu. Manchmal habe ich schon auch das Gefühl,<br />
dass deutsche Journalisten nicht einmal fünf Minuten investieren,<br />
selbst etwas nachzugucken.
</p>
<p>
<b>mr_raspberry:</b> Fehlt es den Medien an Fachjournalisten?<br />
Gerade wenn man in einem Bereich arbeitet (z.B. IT) fällt oft<br />
auf, dass ein Umstand nur unzureichend oder manchmal sogar falsch<br />
wiedergegeben wird. Und wie soll eine Kontrolle solch spezifischer<br />
Artikel durch den Presserat überhaupt möglich sein, denn<br />
eventuell wirkt durch die falsche Aussage ein Artikel sogar geschäftsschädigend.
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ja, bestimmt täte es den<br />
Medien gut, wenn es nicht nur Generalisten unter den Journalisten<br />
gäbe, die sich mit allem ein bisschen auskennen und mit nichts<br />
wirklich. Ich glaube, das ist schon deshalb wichtig, weil es auf<br />
Seiten von Lobbyorganisationen solche Spezialisierungen gibt. Da<br />
gibt es sicher ein ungutes Ungleichgewicht. Aber der Presserat ist<br />
bestimmt überfordert damit. Aber der ist ja schon mit kleineren<br />
Problemen überfordert 😉
</p>
<p>
<b>Wolf:</b> Der Deutsche Presserat beschäftigt<br />
sich ausschließlich mit Printmedien und verfügt über<br />
keine echten Sanktionsmittel. Für TV, Hörfunk und Internet<br />
gibt es sogar gar keine aktiven Kontrollinstanzen. Dabei sind Verstöße<br />
gegen Pressekodex und Presserecht in allen Medienformen an der Tagesordnung.<br />
Sollte man Medieninhalte nicht intensiver kontrollieren und Verstöße<br />
gegen Kodex und Recht härter sanktionieren, um ein Mindestmaß<br />
an Qualität zu sichern?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Klare Antwort: Ja. Aber sobald<br />
es dann an die Frage geht, wie genau das geschehen soll, wer kontrolliert<br />
und was die Sanktionen wären, wird es natürlich knifflig.<br />
Das System der freiwilligen Selbstkontrolle haben wir ja auch deshalb<br />
in Deutschland, weil es gute Gründe gibt, den Staat aus der<br />
Kontrolle der Medien herauszuhalten. Für TV und Radio gibt<br />
es Kontrollinstanzen; am größten ist der Bedarf wohl<br />
im Online-Bereich, wo man zum Beispiel sieht, dass die Trennung<br />
von Werbung und Redaktion fast gar nicht existiert.
</p>
<p>
<b>Plümmo:</b> Sind Blogs eine wirksamere Kontrollinstanz<br />
als der Presserat?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Alles ist eine wirksamere Kontrolle<br />
als der Presserat. Im Ernst: Ich glaube, die schärfste Waffe<br />
ist die Öffentlichkeit. Davon macht der Presserat kaum Gebrauch.<br />
Insofern können Blogs schon sehr wirksam sein, weil sie dafür<br />
sorgen, dass Fehler und Missstände von vielen Leuten wahrgenommen<br />
werden.
</p>
<p>
<b>jjev: </b>Braucht der Presserat ein eigenes Watchblog<br />
(wie Bildblog)?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier: </b>Sehr gute Idee. Bei Bildblog<br />
dokumentieren wir (quasi nebenbei) ja schon häufiger die Schwächen<br />
und Probleme des Presserates. Aber das wäre wunderbar, wenn<br />
sich jemand darauf spezialisieren würde. Und, jede Wette: Es<br />
hätte Wirkung!
</p>
<p>
<b>Gregor:</b> Wenn Sie beschreiben, dass richtige Recherche<br />
selbst für Massenmedien zu teuer ist, glauben Sie dann an die<br />
Möglichkeit, dass (private) Blogs eine Besserung bringen können?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier: </b>Gute Frage. Ersetzen können<br />
Blogs die Massenmedien nicht, und gerade die aufwändige Recherche<br />
ist zumindest theoretisch etwas, wo sie nicht mithalten können.<br />
Ich glaube aber, dass Blogs Massenmedien antreiben können,<br />
besser zu werden. Und wenn es darum geht, tatsächlich vor Ort<br />
zu sein, als Betroffener zu berichten oder in einem Spezialgebiet<br />
in die Tiefe zu gehen, da können Blogs schon eine Bereicherung<br />
sein. Und auch ein Ansporn für Massenmedien, sich nicht die<br />
Butter vom Brot nehmen zu lassen.
</p>
<p>
<b>weltbuehner</b>: Kann wirklich Kontroverses in den<br />
führenden Printmedien überhaupt thematisiert werden? Oder<br />
gibt es hier eine Art &quot;verordnete Selbstzensur&quot;, die dem<br />
einzelnen Journalisten vergleichsweise wenig Freiräume lässt?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Eine &quot;verordnete Selbstzensur&quot;<br />
würde ich nicht sagen, aber es gibt schon die Schere im Kopf.<br />
Am gefährlichsten ist wohl so eine Art Seilschaft unter den<br />
führenden Medien im Land, wo die Chefredakteure gegenseitig<br />
eine Art Nichtangriffspakt geschlossen haben. Medienkritik hat es<br />
seit ein paar Jahren &#8211; seit der großen Zeitungskrise mit vielen<br />
Entlassungen &#8211; besonders schwer. Die Überzeugung, dass es gut<br />
ist, wenn Medien sich gegenseitig kritisieren, hat es seitdem schwer.
</p>
<p>
<b>Michael: </b>Reagiert der Presserat eigentlich noch<br />
auf Kritik? Oder ist das eher eine eingefahrene Maschinerie, wo<br />
keiner dem anderen die Hand abhackt?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Nach meiner Erfahrung reagiert<br />
der Presserat auf Kritik nur genervt. Seine Mittel sind sehr begrenzt,<br />
und irgendwie hat er sich in dem Gefühl eingekuschelt, dass<br />
es gut und wichtig ist, dass es ihn gibt, und dass er lieber niemandem<br />
wirklich wehtut.
</p>
<p>
<b>herbaliser: </b>Wenn man dem Presserat &quot;Zahnlosigkeit&quot;<br />
bescheinigt, auf welche Weise sollte er denn Ihrer Meinung nach<br />
zubeißen können, damit es dem Gebissenen auch wehtut?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Wie gesagt: Vor allem schon<br />
durch Öffentlichkeit. Dadurch, dass die eigenen Entscheidungen<br />
viel detaillierter öffentlich gemacht werden, auch die vielen<br />
&quot;Hinweise&quot; und &quot;Missbilligungen&quot;, die ausgesprochen<br />
werden und die im Gegensatz zu &quot;Rügen&quot; nicht abgedruckt<br />
werden müssen. Wenn man im Detail zum Beispiel dokumentieren<br />
könnte, wie oft &quot;Bild&quot; gegen das Gebot verstößt,<br />
bei Selbstmorden extrem zurückhaltend zu berichten, hätte<br />
das schon eine Wirkung. Dafür bräuchte man noch nicht<br />
einmal über Geldstrafen o.ä. nachdenken.
</p>
<p>
<b>Janus:</b> Bild-Zeitung lesen, ja oder nein? Auf der<br />
einen Seite erfährt man so etwas, darüber, was ein Großteil<br />
der Bundesbürger liest und damit denkt; auf der anderen Seite<br />
unterstützt man mit dem Lesen (auch wenn es nur online ist)<br />
das System Bild-Zeitung.
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Lesen als Journalist: unbedingt<br />
ja! &quot;Bild&quot; hat immer noch über elf Millionen Leser<br />
täglich &#8211; das ist eine Größe, die sonst nur noch<br />
&quot;Wetten dass&quot; und Fußball erreichen. Man muss &quot;Bild&quot;<br />
als Journalist, Politiker, Unternehmer etc. lesen, um zu wissen,<br />
was diese Leute bewegt, welche Themen &quot;Bild&quot; setzt usw.<br />
Wenn man aber nicht beruflich davon betroffen ist: Finger weg von<br />
dem Blatt 🙂
</p>
<p>
<b>oportugues:</b> Machen Sie mit Ihrem gut gemeinten<br />
Bildblog nicht auch indirekt Werbung für die Bild-Zeitung?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Nein. In einem Punkt allerdings<br />
sind wir der Meinung von &quot;Bild&quot;: &quot;Bild&quot; ist<br />
wichtig, hat Macht und Einfluss. Diesen Eindruck verstärken<br />
wir vielleicht noch durch unsere Beschäftigung mit &quot;Bild&quot;.<br />
Nur insofern ist es vielleicht &quot;Werbung&quot;. Aber im übrigen<br />
würde ich es &quot;Aufklärung&quot; nennen: Weil wir doch<br />
zeigen, wie fehlerhaft, irreführend und verantwortungslos diese<br />
Zeitung ist.
</p>
<p>
<b>tomtom:</b> Haben Sie das Gefühl, dass sie bei<br />
der Bild-Zeitung eine Veränderung der journalistischen Arbeit<br />
erreicht haben. Falls nein, hoffen Sie auf längere Sicht diese<br />
Wirkung zu erzielen?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ich glaube nicht, dass wir<br />
da eine große Wirkung erreicht haben. Das ist aber auch nicht<br />
unser Ziel. &quot;Bild&quot; ist, wie sie ist, weil sie so sein<br />
will. Weil ihr die Wahrheit im Zweifelsfall egal ist. Wir zielen<br />
mit Bildblog nicht auf &quot;Bild&quot;, sondern die Leser, die<br />
Öffentlichkeit. Wollen deren Wahrnehmung von &quot;Bild&quot;<br />
verändern. Eine Ausnahme gibt es vielleicht doch: Wenn man<br />
sich Bild.de anguckt, gibt es da viel weniger Schleichwerbung als<br />
vor ein, zwei Jahren. Vielleicht haben wir daran mit unserer ausführlichen<br />
Berichterstattung zu dem Thema, doch auch einen Anteil .
</p>
<p>
<b>enigma:</b> Beim Studentenjob letzten Sommer am Fließband<br />
einer großen Firma lasen die Arbeiter um mich herum allesamt<br />
ernsthaft die Bild. Keiner würde die Zeitung anzweifeln oder<br />
hatte gar von Bildblog gehört. Wie kann man diese Hauptzielgruppe<br />
der Zeitung erreichen, um Bild zu schwächen? Für den Blog<br />
ist eine gewisse Grundbildung vonnöten, aber wer diese hat,<br />
wird sowieso keine Bild lesen&#8230;
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Das glaube ich nicht. &quot;Bild&quot;<br />
wird nicht nur von den Dummen gelesen. Heerscharen von Journalisten<br />
z.B. glauben, was in &quot;Bild&quot; steht, und schreiben es ab.<br />
Wie man die Masse der Leute erreichen kann, die vielleicht auch<br />
nicht im Internet unterwegs sind? Ich weiß es nicht. Aber<br />
es gibt Bildblog-Leser, die uns erzählen, wie sie einzelne<br />
Einträge ausdrucken und ihren Kollegen in der Mittagspause<br />
hinlegen. Es ist nicht völlig hoffnungslos.
</p>
<p>
<b>Michael:</b> Ich habe früher die Bücher<br />
von Günter Walraff in Bezug auf die Bildzeitung gelesen. Vergleicht<br />
man diese sehr alten Artikel und ihre Machart mit den Blogs von<br />
Ihnen, habe ich das Gefühl, dass Bild sich in seiner Berichterstattung<br />
nicht verändert hat. Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier: </b>Ja. Ich glaube, &quot;Bild&quot;<br />
ist weniger ideologisch als früher, etwas mehr pragmatisch.<br />
Aber was die Methoden angeht, die Art, wie &quot;Bild&quot; Tatsachen<br />
verdreht, da wundert es mich auch immer wieder, wie wenig sich anscheinend<br />
verändert hat. Was den Umgang mit Personen angeht, mit Persönlichkeitsrechten,<br />
mit Prominenten und Nicht-Prominenten, die Opfer von &quot;Bild&quot;<br />
werden, da hat sich wenig verändert.
</p>
<p>
<b>montagsmaler:</b> Was halten Sie vom Leserbeirat der<br />
Bildzeitung?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ein schöner PR-Gag.
</p>
<p>
<b>hemabe:</b> Warum werden auf Bildblog aber auch manchmal<br />
im privaten Blog keine Kommentare erlaubt?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ich sehe in meinem Blog, was<br />
nur ungefähr ein Zehntel so viel Leser hat wie Bildblog, wie<br />
viel Arbeit das macht, die Kommentare zu moderieren. Ich habe mehrere<br />
Verfahren, wo eine Firma gegen mich vorgeht, wegen Kommentaren,<br />
die Leute bei mir abgegeben haben. Das wäre extrem wichtig<br />
bei Bildblog, wo es ja auch fast immer um heikle Themen gibt, und<br />
extrem mühsam. Und am Ende weiß ich gar nicht, ob die<br />
Leser so viel davon hätten: Wer liest sich das wirklich durch,<br />
die Hunderte Kommentare, die oft unter Artikeln bei großen<br />
Medien stehen? Entsteht da wirklich eine fruchtbare Diskussion?<br />
Ich bin mir nicht sicher.
</p>
<p>
<b>John:</b> Finden Sie es problematisch, dass durch<br />
den Bildblog der Eindruck erweckt wird, dass all das was im Bildblog<br />
nicht erwähnt wird, seine Richtigkeit hat &#8211; obwohl es auch<br />
nur daran liegen kann, dass dem Bildblog für Recherchen Kapazitäten<br />
fehlten?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ja, wenn Leute das so wahrnehmen,<br />
ist das ein Problem. Ich zucke auch immer zusammen, wenn ich irgendwo<br />
lese &quot;Da werden alle Fehler von &quot;Bild&quot; aufgelistet&quot;<br />
oder so. Wir werden oft gefragt, was denn der schlimmste &quot;Bild&quot;-Fehler<br />
war. Und wir antworten immer: Im Zweifelsfall der, den wir gar nicht<br />
entdeckt haben. Gerade von den wirklich schlimmen Geschichten, wo<br />
irgendeinem Nicht-Prominenten unrecht geschieht, der sich aber nicht<br />
wehrt, erfahren wir ja oft nicht.
</p>
<p>
<b>guest: </b>Glauben Sie wirklich, dass Bildleser glauben,<br />
was in der Bild steht? Ist es nicht eher so, dass die Leute die<br />
Zeitung nur als Unterhaltung sehen?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ich bin sicher, dass &quot;Bild&quot;-Leser<br />
glauben, was in &quot;Bild&quot; steht. Wie gesagt: Journalisten<br />
glauben es. Politiker glauben es, und ändern sogar Gesetze<br />
deswegen. An der Leserbriefspalte in &quot;Bild&quot; sieht man,<br />
wie Leute es glauben. Bestimmt gibt es auch das Unterhaltungsbedürfnis,<br />
und ich glaube, dass &quot;Bild&quot;-Artikel über die bevorstehende<br />
Apokalypse durch Marsmenschen auch keine Massenpanik auslösen<br />
würde, sondern eher Massenschmunzeln. Aber auch da gibt es<br />
sicher Leute, die sagen: Gut, dass es eine Zeitung gibt, die uns<br />
die Wahrheit sagt über die Bedrohung durch Außerirdische.
</p>
<p>
<b>Philipp: </b>Könnten Sie sich vorstellen, sich<br />
mit BILD-Chef Kai Diekmann mal &quot;auf ein Bier&quot; zu treffen?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Klar. Ich kann mir nur nicht<br />
vorstellen, dass das irgendetwas ändern würde.
</p>
<p>
<b>mikethebike:</b> Oma sagt: Wenn das nicht stimmt,<br />
was in der Bild steht, wieso stand das dann auch in Tageszeitung<br />
xy? Womit sie nicht ganz unrecht hat. Ist das Problem nicht primär<br />
die Bild, sondern die anderen Medien, die dauernd ungeprüft<br />
abschreiben und Bild ständig zitieren?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Absolut. Wir schreiben das<br />
auch inzwischen häufig dazu, wenn andere Medien irgendwelchen<br />
Unsinn von &quot;Bild&quot; weiter tragen oder sogar noch weiter<br />
verdrehen.
</p>
<p>
<b>Rudi:</b> Wovon lebt eigentlich ein Blogger?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier: </b>In den meisten Fällen<br />
vermutlich von einem Beruf, der mit dem Bloggen nichts zu tun hat.<br />
Bei Bildblog leben wir inzwischen von Werbung. Das ist nicht üppig,<br />
aber es reicht. Und sogar mein privates Blog wirft inzwischen etwas<br />
Einnahmen durch Anzeigen ab.
</p>
<p>
<b>scp:</b> Wie schätzen Sie im Hinblick auf zahlreiche<br />
Abmahnungen und der Rechtsprechung des Hamburger Landgerichtes (insbesondere<br />
im Bezug auf die Call-In-TV Debatte), die Zukunft der Pressefreiheit<br />
in Deutschland ein? Darf man wirklich über alles berichten<br />
oder gilt das nur so lange, wie man sich einen guten Anwalt leisten<br />
kann?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Schwierig. Im Moment habe ich<br />
eher das Gefühl, dass man ohne Geld für den Anwalt sich<br />
sehr zurückhalten muss. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich<br />
die Rechtsprechung da noch ausdifferenziert. Natürlich ist<br />
es richtig, dass in Blogs nicht andere Gesetze gelten als sonst.<br />
Natürlich darf ich niemanden beleidigen oder Unwahres über<br />
ihn berichten. Aber ich habe auch das Gefühl, dass es im Moment<br />
in Deutschland zu leicht ist, auch nur unliebsame Berichte im Internet<br />
durch Abmahnungen zu unterdrücken.
</p>
<p>
<b>Mimi: </b>Wie fanden Sie die Reaktion der deutschen<br />
Print- und Online-Medien auf den &quot;Eva-Herman-Skandal&quot;?<br />
Hat sich hier nicht so etwas wie eine öffentliche Kontrollinstanz<br />
entwickelt (in Internetforen, Blogs, Leserkommentaren et cetera)?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Das ist schwierig in ein paar<br />
Sätzen zu beantworten. Aber tatsächlich ist es frappierend,<br />
wie massiv sich die Verteidiger von Eva Herman in Kommentaren, Foren<br />
etc. zu Wort gemeldet haben. Ich gebe zu, mir ist das in diesem<br />
Fall eher unheimlich, weil ich glaube, dass der Eindruck falsch<br />
ist, dass man in Deutschland einfach nichts über das Dritte<br />
Reich sagen darf. Aber es ist sicher gut, wenn Journalisten, die<br />
oft in einer eigenen Medienwelt leben, merken, wenn sich die Sicht<br />
in dieser Welt drastisch von der außerhalb unterscheidet.
</p>
<p>
<b>Gregor Keuschnig:</b> Gestern hat eine Politikerin<br />
(Frau von der Leyen) eine Laudatio auf eine noch aktive Journalistin<br />
(Frau Will) gehalten. Geht so was nicht schon zu weit?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Weiß ich nicht. Ist sicher<br />
nicht ideal. Andererseits passiert es ja in aller Öffentlichkeit.<br />
Da finde ich den Gedanken bedrohlicher, was Journalisten und Politiker<br />
im Verborgenen miteinander auskungeln.
</p>
<p>
<b>satyricon:</b> Hat das Bild des unabhängigen<br />
Journalisten noch viel mit der Realität zu tun &#8211; angesichts<br />
der zunehmenden Konzentration des Medienmarktes und der Gebundenheit<br />
von Medien an wirtschaftliche und politische Interessen?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Viel mit der Realität<br />
zu tun hatte das Bild des unabhängigen Journalisten vermutlich<br />
noch nie. Wirtschaftliche Zwänge, politische Einflüsse<br />
etc. gab es schon immer. Ja: Ich habe auch das Gefühl, dass<br />
das gerade eher schlechter als besser wird. Aber da bietet das Internet<br />
mit seinen Publikationsmöglichkeiten ja wirklich Alternativen.<br />
Früher hätten wir mit so was wie Bildblog nie 50.000 Leute<br />
täglich erreichen können. Die Chance, dass Dinge an die<br />
Öffentlichkeit kommen, die die klassischen Medien mehr oder<br />
weniger bewusst nicht veröffentlichen, steigt dadurch. Sowohl<br />
was die großen Skandale angeht, als auch &quot;kleine&quot;<br />
Dinge irgendwo vor Ort, die die Lokalzeitung lieber verschweigen<br />
würde.
</p>
<p>
<b>Lotus:</b> Viele PR-Agenturen haben längst erkannt,<br />
dass Redakteure aufwändige Recherchen aus unterschiedlichen<br />
Gründen vermeiden. Wie groß bewerten Sie die Gefahr,<br />
dass Berichterstattung zukünftig von dem Geschick bezahlter<br />
Öffentlichkeitsarbeit abhängt? Reicht es aus, an die Eigenverantwortlichkeit<br />
der Journalisten zu appellieren?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Die Gefahr ist sicherlich groß.<br />
Und natürlich reicht ein Appell an die Journalisten nicht aus.<br />
Sie müssen auch die Mittel bekommen, sich dem zu entziehen:<br />
Durch eine gute Ausbildung, gute Bezahlung, Zeit, Dinge nachzurecherchieren.
</p>
<p>
<b>Christoph B: </b>Halten Sie den Ansatz von Google<br />
für Richtig, eine Kombination von Blog und Nachrichtenübermittlung<br />
anzubieten, bei der Blogger, aber auch Betroffene selbst die News<br />
kommentieren können?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Das ist zwiespältig, das<br />
müsste man sehen, wie das in der Praxis funktioniert. Ich finde<br />
grundsätzlich die Idee nicht schlecht, dass Betroffene widersprechen<br />
können, wenn über sie in den Medien berichtet wird. Aber<br />
natürlich vergrößert das auch die Gefahr, dass die<br />
Leute desinformiert werden. Ich glaube, die beste Antwort darauf<br />
wäre, dass Medien selbst den Betroffenen die Möglichkeit<br />
zur Widerrede einräumen. Korrekturspalten einführen usw.
</p>
<p>
<b>mr_raspberry: </b>Haben die Nachrichtenagenturen zu<br />
viel Macht in der Medienlandschaft bekommen?
</p>
<p>
<b>metroskop:</b> Die Themen liegen doch massenweise<br />
auf der Straße &#8211; warum gibt es trotzdem in allen Medien so<br />
eine ungeheure dpa- und Bild-Hörigkeit?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ja, ich glaube, die Abhängigkeit<br />
von Nachrichtenagenturen ist viel zu groß, und Online wird<br />
das alles gerade noch schlimmer. Weil es so bequem ist: Man kauft<br />
sich die Inhalte ein, und kann ohne eigene journalistische Kompetenz<br />
ein Portal aufbauen, das aussieht wie eine eigene Nachrichtenseite.<br />
Noch schlimmer wird es, wenn sich da nicht nur Agentur- und schnell<br />
umstrickte &quot;Bild&quot;-Meldungen, sondern auch noch PR-Berichte<br />
mischen.
</p>
<p>
<b>Abul ben Bulatsch:</b> Haben anspruchsvolle Tageszeitungen<br />
in Deutschland eine Zukunft oder wird sich der Markt hier zum Nachteil<br />
der Pressefreiheit stark konzentrieren?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier: </b>Ich bin sicher, dass anspruchsvolle<br />
Tageszeitungen eine Zukunft haben (wobei es fast egal ist, ob die<br />
dann auf Papier erscheinen oder in irgendeiner Form digital). Ich<br />
glaube, dass genau das die Chance ist für die etablierten Medien:<br />
Dass sie dadurch, dass sie Leute beschäftigen, die sich auskennen,<br />
ihnen die Zeit geben, gründlich zu recherchieren, das ganze<br />
so redigieren, dass es verständlich und gut zu lesen ist, und<br />
das alles mit Inhalten, die relevant sind, dass sie dadurch ihre<br />
Existenzberechtigung beweisen.
</p>
<p>
<b>yingyang:</b> Wenn man die Meinungs- und Kommentarseiten<br />
in den großen Tageszeitungen liest, bekommt man oft den Eindruck<br />
von uniformer &quot;Urteilsbildung&quot;, speziell zu brisanten<br />
Themen, die an deutsch-historisch bedingte Tabus rühren (Rechtsextremismus,<br />
Israelfeindlichkeit et cetera). Auf einer Blog-Seite eines &quot;Welt&quot;-Journalisten<br />
las ich kürzlich, dass man empfindlichen Karriereeinbußen<br />
rechnen muss, schreibt man abseits des politisch korrekten Mainstreams.<br />
Teilen Sie diese Ansicht? Ist die freie Meinungsäußerung<br />
in Gefahr, gegen andere (geringere) Rechtsgüter, wenn sie der<br />
Meinungsfreiheit im Wege stehen, aufgewogen zu werden?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ich weiß nicht, ob das<br />
wirklich so ist. Sicher gibt es viele Leute, die offenbar glauben,<br />
sie müssten sich anpassen, um erfolgreich zu sein. Aber ich<br />
habe auch das Gefühl, dass es viele Leute gibt, die gerade<br />
dadurch prominent sind und beachtet werden, dass sie sich darauf<br />
spezialisiert haben, gegen den Strom zu schwimmen. Henryk M. Broder<br />
ist ein Beispiel dafür. Ich bin oft anderer Meinung als er.<br />
Aber er ist auch ein Beleg dafür, dass es sich auszahlt, zu<br />
provozieren, Leute aus ihrer bequemen Haltung zu reißen. Das<br />
ist gut.
</p>
<p>
<b>Schabroenkel:</b> Sie haben in Ihrem Blog schon oft<br />
über Call-in-TV-Anbieter berichtet. Die augenfälligen<br />
Verstöße der Anbieter bestehen aber nach wie vor mit<br />
unveränderter Häufigkeit. Werden Sie sich weiter um dieses<br />
Thema kümmern, oder lassen Sie sich durch Abmahnungen etc.<br />
einschüchtern? Sehen Sie überhaupt eine Chance auf &quot;Besserung&quot;?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Ich bin auch bei dem Thema<br />
jemand, der unerschütterlich daran glaubt, dass es hilft, Dinge<br />
öffentlich zu machen. Das ist mühsam, insbesondere wenn<br />
die Kontrollinstanzen so träge verkrustete Bürokratien<br />
sind wie die Landesmedienanstalten. Also, einschüchtern lasse<br />
ich mich nicht. Im Gegenteil: Jede Abmahnung weckt bei mir auch<br />
die Lust, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Aber richtig<br />
ist auch: Wenn man mal sieht, wie teuer und zeitaufwändig es<br />
ist, sich mit solchen Rechtsstreitigkeiten rumzuschlagen, ist das<br />
schon ernüchternd.
</p>
<p>
<b>mikethebike:</b> Wissen Sie, ob auch andere (Boulevard-)Medien<br />
und Journalisten Bildblog nutzen, sozusagen als Vorinstanz, die<br />
aufzeigt, welche &quot;Fakten&quot; gleich aus einer Geschichte<br />
aussortiert werden kann? Oder besteht da eher kein Interesse, da<br />
eine Geschichte dadurch &quot;totrecherchiert&quot; werden könnte?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Das weiß ich nicht. Ich<br />
glaube, wir werden von sehr, sehr vielen Journalisten gelesen, gerade<br />
von denen, die viel mit Boulevardthemen zu tun haben. Es gibt auch<br />
einzelne Beispiele, wo die gerade daraus ein Thema gemacht haben,<br />
dass &quot;Bild&quot; falsch lag. Aber ob wir wirklich die Vorrecherche<br />
ersetzen können, wage ich zu bezweifeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist gleich um. Zeit für<br />
eine letzte Frage:
</p>
<p>
<b>rosid:</b> Warum hat Ihr Blog keine Katzenbilder?
</p>
<p>
<b>Stefan Niggemeier:</b> Die Kollegen hier sagen, ich<br />
muss erstmal die Frage erklären. &quot;Katzenbilder&quot; sind<br />
(oder waren) so der klassische Blog-Inhalt. Oder jedenfalls das,<br />
was Blog-Gegner glauben, woraus Blogs im Allgemeinen bestehen (von<br />
wegen: total irrelevanter privater Mist). Also: Ich hab Schafbilder<br />
im Blog! Schafbilder sind viel toller als Katzenbilder, weil Schafe<br />
viel toller sind als Katzen. Punkt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Stunde tagesschau-Chat ist leider<br />
schon wieder um. Wir bedanken uns bei unseren Usern für die<br />
zahlreichen Fragen und freuen uns, Sie beim nächsten Chat wieder<br />
begrüßen zu dürfen. Unser besonderer Dank gilt Stefan<br />
Niggemeier, der sich die Zeit genommen hat.</p>
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		<title>Zoten für alle Welt</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/zoten_fuer_alle_welt-965/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[pglotz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Was die live übertragene Mondlandung fürs
Fernsehen war, ist der Starr-Report für das
Internet ­ die große Medien-Wende</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Was die live übertragene Mondlandung fürs<br />
Fernsehen war, ist der Starr-Report für das<br />
Internet ­ die große Medien-Wende</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Große Medien-Wenden (wie die, die von den<br />
beweglichen Lettern des Johannes Gutenberg<br />
ausgelöst wurde) setzen sich in vielen revolutionären<br />
Einzelschritten durch, die die Zeitgenossen nicht sofort<br />
als revolutionär erkennen. Das ist heute nicht anders<br />
als zu Gutenbergs Zeiten. Am vergangenen<br />
Wochenende war es so weit: Die Publikation des<br />
Starr-Reports im Internet ist einer der großen<br />
Durchbrüche in die Computer-Galaxis. Das Internet<br />
wird zum Massenmedium.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Nachdem bekannt geworden war, dass der mit bizarren<br />
Details aus dem Intimleben von Präsident Clinton<br />
gespickte 445- Seiten-Wälzer des Oberanklägers<br />
Kenneth Starr auf Beschluss des Kongresses ins Netz<br />
gestellt worden sei, verwies das Leitmedium unserer<br />
Zeit ­ immer noch das Fernsehen ­ gebannt auf den<br />
neuen Konkurrenten, das Netz der Netze, den großen<br />
Prototyp künftiger Punkt-zu-Punkt-Kommunikation: das<br />
Internet.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die CNN-Korrespondentin Sandy Crowley blätterte<br />
aufgeregt in den Intranet-Seiten des Kongresses,<br />
öffnete Hyperlinks und meldete bald darauf, der Report<br />
läge auch auf der Homepage von CNN. Damit begann<br />
der break-through day: Mit 340 000 Zugriffen in der<br />
Minute meldete CNN einen neuen Rekord. Bald hatten<br />
4 Millionen Menschen allein auf den Server des<br />
Kongresses zugegriffen. Fotokopierläden machten<br />
Extragewinne; sie verlangten 40 Dollar für eine Kopie<br />
des Dokuments. Ein Wunder, dass das Netz nicht<br />
zusammenbrach. Am Ende hatten sich unendlich viel<br />
mehr Menschen die Information, nach der sie gierten,<br />
besorgt, als dies auf konventionellem Wege geschehen<br />
wäre. Wer lässt sich solche ­ dazu noch anrüchige ­<br />
Papierstapel schon per Post ins Haus schicken?  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Kein Zweifel, dass der Kongress eine bewusste<br />
Entscheidung getroffen hatte. Schon vor einiger Zeit<br />
hatte man mit einem vergleichbaren Coup schlagartig<br />
Publizität erreicht: Man stellte 39 000 Seiten<br />
Geheimdokumente der Zigaretten-Industrie ins Netz.<br />
Auch hier war das, was man früher ,die Auflage&quot;<br />
nannte, sensationell: 500 000.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die Amerikaner sind Medienoptimisten. Sie halten den<br />
Menschen für aufklärbar. Endlich seien die Bürger, so<br />
Christopher Feola vom American Press-Institute, nicht<br />
mehr auf die traditionellen Medien angewiesen, um sich<br />
ihr eigenes Urteil in einem so schwer wiegenden<br />
Prozess wie einem (möglichen)<br />
Amtsenthebungsverfahren gegen einen Präsidenten zu<br />
bilden. Die Publikation des Starr-Reports im Internet ist<br />
ein Ausfluss des amerikanischen Radikalismus in<br />
Sachen Meinungsfreiheit.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Natürlich hat diese Entscheidung des Kongresses<br />
auch scharfe Kritik ausgelöst. Es sei mehr als pervers,<br />
die Sexgewohnheiten eines Menschen ­ und sei es der<br />
amerikanische Präsident ­ minutiös zu dokumentieren<br />
und dann millionenfach zu verbreiten. Die erotischen<br />
Abenteuer Bill Clintons als primäre Quelle unmittelbar<br />
verfügbar zu machen, und zwar für neugierige<br />
Erotomanen genauso wie für die zuständigen<br />
Staatsanwälte oder Saddam Hussein, sei eine ganz<br />
und gar verwerfliche Zerstörung der Privatsphäre. Die<br />
neuartige Technik der computervermittelten<br />
Kommunikation fördere die Demokratie nicht etwa,<br />
sondern zerstöre sie.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Diese Kritik ist falsch adressiert. Für ,pervers&quot; mag<br />
man erklären, dass das politische System der<br />
Vereinigten Staaten 40 Millionen Dollar dafür<br />
aufwendet, um einen Tugendterroristen wie Kenneth<br />
Starr in die Lage zu versetzen, das Privatleben des<br />
Präsidenten auszuforschen. Clinton ist ein tüchtiger<br />
Politiker und gleichzeitig ein untreuer Ehemann und<br />
geschmackloser Maniac. Besser so als umgekehrt.<br />
Das Interesse freier (und kapitalistisch organisierter)<br />
Medien am Privatleben prominenter Figuren der<br />
Zeitgeschichte kann man nur schwer unterbinden,<br />
wenn man die Meinungs- und Pressefreiheit nicht<br />
einschränken will. Dass man die Ausforschung des<br />
Privatlebens von Politikern aber auch noch mit<br />
Millionen von Dollar fördert, ist die falsche Konsequenz<br />
aus den schlechten Erfahrungen, die die USA im<br />
Watergate-Skandal gemacht haben. Vielleicht sollte<br />
man in Washington den Kerl in die Wüste schicken,<br />
der in seinem Bericht 164-mal das Kürzel ,Sex&quot;,<br />
64-mal den Begriff ,Genital&quot;, 62-mal das Wort ,Brüste&quot;,<br />
23-mal ,eine Zigarre&quot; und nur 15-mal den Terminus<br />
,Impeachment&quot; erwähnt hat.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Es macht aber keinen Sinn, das Internet zu<br />
verdammen, weil es auch fragwürdige Dokumente<br />
blitzschnell und millionenfach verbreiten kann. Mit Hilfe<br />
von Satelliten lassen sich Truppenbewegungen von<br />
Aggressoren schon im ersten Ansatz entlarven. Mit<br />
ihren Personalcomputern konnten oppositionelle<br />
Studenten die Brutalitäten der indonesischen Polizei<br />
zeitgleich ihren Kommilitonen in Berkeley übermitteln.<br />
Aber natürlich kann man mit Satelliten auch<br />
Industriespionage betreiben und Personalcomputer für<br />
Kinderpornografie benutzen. Gesellschaften sollten<br />
eine Kommunikationskultur entwickeln, die die<br />
Menschen befähigt, mit den schnellen Medien der<br />
Computer-Galaxis sinnvoll umzugehen. Die pathetische<br />
Verurteilung der neuen Medien aber nützt gar nichts.<br />
Ja, man kann sie sowohl zur Aufklärung als auch zur<br />
Desinformation benutzen. Das allerdings war bei den<br />
Einblatt-Drucken und den moralischen<br />
Wochenschriften nicht anders.  </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die modernen Gesellschaften müssen sich damit<br />
abfinden, dass sie inzwischen ,Medien&quot;, also<br />
technische Instrumente, geschaffen haben, die<br />
unendlich wirksamer sind als ihre Vorläufer in<br />
vergangenen Jahrhunderten. Das gilt für Cruisemissiles<br />
wie fürs Internet. Nicht Kulturkritik ist angesagt,<br />
sondern das systematische Bemühen um<br />
Medienkompetenz. Im Übrigen ist das amerikanische<br />
Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Bürger allemal<br />
demokratischer als der europäische Ekel vor der<br />
Neugier und dem Zerstreuungsbedürfnis der Menschen. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die politische Kultur wird von der großen<br />
Medien-Wende allerdings nachhaltig verändert, das ist<br />
wahr. Die Welt wird, ob wir das schön finden oder<br />
nicht, transparenter, die schweigenden, ehrfürchtigen<br />
Massen bekommen einen Rückkanal und werden<br />
freche Fragen stellen. Möglicherweise muss man<br />
Präsidenten wählen, die während ihrer Amtszeit die<br />
Badezimmer ihrer Amtssitze nur zum Baden benutzen.<br />
Wahrscheinlich wird in der Zukunft kommunikative<br />
Kompetenz wichtiger sein als Scharfsinn und Bildung.<br />
Es hat aber wenig Zweck, darüber zu greinen und zu<br />
jammern. Wenigstens das könnte man von Karl Marx<br />
gelernt haben: Auch die allermoralischsten Wünsche<br />
werden am ökonomischen Mechanismus und an der<br />
technischen Innovation zu Schanden.</span></p>
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