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	<title>Medienkritik &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Zwischen medialen Mythen und Gender Bias – ADHS jenseits der Klischees</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Noomi Lucia Blumenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 14:07:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><span class="TextRun SCXW126752907 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8">ADHS wird nach wie vor überwiegend mit Jungen und Männern in Verbindung gebracht. Bei Mädchen und Frauen bleibt die Störung deshalb oft unerkannt oder wird fehldiagnostiziert – eine Wahrnehmung, die auch durch mediale Darstellung</span><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8">en</span><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8"> begünstigt wird.</span></span><span class="EOP SCXW126752907 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW254355215 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">Da steht es nun, schwarz auf weiß: Aufmer</span><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">k</span><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Und ich bin vor allem eins: erstaunt. Ein paar Monate zuvor wurde mir der Verdacht von einer behandelnden Psychologin mitgeteilt. Auch das, zu meiner Überraschung. Ich hatte es einige Zeit vorher selbst vermutet und sogar einen Termin bei einem Psychiater gefunden. Dieser sprach fünfzehn Minuten mit mir, sah sich meine Grundschulzeugnisse an und konkludierte schließlich: es könne keine ADHS vorliegen, es scheine ich sei in der Schule konzentriert gewesen. Ich verließ die Praxis eingeschüchtert und beschloss mir keine Gedanken mehr darüber zu machen.</span></span><span class="EOP SCXW254355215 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW53393461 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Bei meiner zweiten Diagnostik teilte man mir mit, dass Mädchen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> und Frauen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> mit ADHS unter anderem oft nicht diagnostiziert werden, weil sie weniger negativ auffallen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">, z.B. in der Schule.</span> <span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Das war ein Augenöffner. </span><span class="NormalTextRun CommentStart SCXW53393461 BCX8">Trotzdem relativierte ich während </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">de</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">r Anamnese</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> sämtliche </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">meiner</span> <span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Aussagen und Selbstbeschreibungen und verließ den Raum unsicher.</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> Als ich den Befund in der Hand hielt, konnte ich es nicht glauben. Als ich es meinen Freund*innen erzählte, konnte ich es noch immer nicht glauben. Ich </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">glaubte und verstand es erst,</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> als ich begann </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">die Geschichte der Diagnose zu recherchieren und </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">die Berichterstattung zu </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">analysier</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">en</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> und feststellte, wie eingeschränkt der mediale, gesellschaftliche und medizinische Blick auf ADHS lange war und noch immer ist.</span></span><span class="EOP SCXW53393461 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW75016895 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW75016895 BCX8">Stereotypen und Gender Bias</span></span><span class="EOP SCXW75016895 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">Wie die meisten Menschen, bin ich mit einem sehr stereotypen Bild von ADHS aufgewachsen. Bereits in meiner Kindheit festigte sich das Bild vom im Unterricht störenden Jungen, der nicht stillsitzen kann, Lehrer*innen gegenüber frech oder sogar aggressiv ist und deswegen wahrscheinlich mindestens eine Klassenstufe wiederholen muss. Im Gegensatz zu diesen Stereotypen kann ADHS sehr unterschiedlich aussehen. Die Symptome müssen bereits im Kindesalter präsent sein, in mehreren Lebensbereichen auftreten und die Betroffenen im Alltag einschränken. Sie dürfen ebenfalls durch kein anderes Krankheitsbild erklärt werden. Hohe Impulsivität bzw. geringe Impulskontrolle, geminderte Aufmerksamkeit, aber starke Schübe von Hyperfokus bei Themen und/oder Aktivitäten, die von persönlichem Interesse sind, motorische Hyperaktivität &amp; exekutive Dysfunktion, welche sich z.B. in Schwierigkeiten mit (Selbst-)Organisation oder Prokrastination zeigen können – doch das sind klinische Beschreibungen. Die Erfahrung von ADHS beschreiben Betroffene oft als einen konstanten Chaos im Kopf oder eine immerwährende Unruhe.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Der Grund für die teils zwar wahren, aber irreführenden Stereotypen und den damit einhergehenden, fehlenden Diagnosen bei Mädchen und Frauen liegt unter anderem in der Historie von ADHS.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wissenschaftler*innen gingen lange davon aus, dass ADHS eine Störung ist, die nur im Kindesalter vorliegt und sich auswächst. Sie ist daher erst seit 1992 mit der damals aktuellen Version der </span><i><span data-contrast="auto">International Classification of Diseases</span></i><span data-contrast="auto"> (ICD 10) bei Erwachsenen diagnostizierbar. Gegenstand der Forschung waren bis in die achtziger Jahre Kinder, und vor allem Jungen. Die Geschichte der Ausgrenzung von Frauen aus der medizinischen und psychiatrischen Forschung ist auch </span><a href="https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Frauen-in-der-Medizin-Darum-werden-sie-haeufig-benachteiligt-,medizin284.html"><span data-contrast="none">heutzutage</span></a><span data-contrast="auto"> ein großes Problem. Patriarchale Sozialisation und geschlechtsbezogene Vorurteile wie Erwartungen </span><i><span data-contrast="auto">(Gender Bias)</span></i><span data-contrast="auto"> verändern sowohl die Präsentation als auch die Wahrnehmung von ADHS-Symptomen bei Mädchen und Frauen: sie internalisieren ihre Unruhe eher, sind besser in der Lage Verhalten zu kaschieren oder zu maskieren – sich sozial anzupassen. Sie neigen zu Höflichkeit und Zurückhaltung und behalten Probleme eher für sich. Die Erfahrung von der Norm abzuweichen wird schambehaftet, der Selbstwert leidet. Natürlich wird diese Erfahrung nicht nur von Frauen und Mädchen gemacht, generell hat ADHS eine hohe </span><a href="https://adhs-deutschland.de/begleitstoerungen/die-begleiterkrankungen-bei-adhs-assoziierte-stoerungen-oder-komorbiditaeten"><span data-contrast="none">Komorbidität</span></a><span data-contrast="auto"> mit psychischen, wie physischen Krankheiten und Störungen. Kinder mit ADHS haben in bis zu 30% der Fälle eine Rechen- oder Leserechtschreibschwäche. Bis zu 50% der Erwachsenen mit ADHS leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Depression oder einer Angststörung, auch Bluthochdruck ist dreimal so häufig. Das Stereotyp, nur Jungen oder Männer seien betroffen, teilt sich ADHS mit der Autismus-Spektrum Störung. Und nicht nur das, die beiden Diagnosen konnten bis 2013 nicht simultan gestellt werden, da man davon ausging, sie würden einander ausschließen. Mittlerweile ist dies widerlegt und Studien vermuten, dass die beiden eine </span><a href="https://www.medicalnewstoday.com/articles/audhd#overview"><span data-contrast="none">hohe Komorbidität</span></a><span data-contrast="auto"> aufweisen können.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ob anerzogenes Verhalten, gesellschaftliche Erwartungen oder Komorbiditäten, meistens wird </span><span data-contrast="auto">eine</span><span data-contrast="auto"> ADHS als zugrunde liegende Problematik nicht erkannt, </span><a href="https://www.focus-gesundheit.de/magazin/gender-health-gap-adhs-wird-bei-frauen-oft-uebersehen"><span data-contrast="none">insbesondere bei Mädchen und Frauen</span></a><span data-contrast="auto">. Aber wie passt das zu den aktuellen Debatten um die sogenannte </span><i><span data-contrast="auto">„Modediagnose“</span></i><span data-contrast="auto"> ADHS?</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW72491651 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW72491651 BCX8">Über- oder Unterdiagnostiziert?</span></span><span class="EOP SCXW72491651 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">Egal ob in Artikeln, Podcasts oder Reportagen – momentan wird viel über ADHS berichtet und diskutiert. Im </span><a href="https://www.swr.de/swrkultur/leben-und-gesellschaft/streit-um-adhs-ist-die-krankheit-eine-versteckte-begabung-forum-2025-01-31-100.html"><span data-contrast="none">SWR Kultur Forum</span></a><span data-contrast="auto"> wurde erst Ende Juli die Frage gestellt, ob es sich bei der Diagnose um </span><i><span data-contrast="auto">„eine Krankheit oder eine versteckte Begabung“</span></i><span data-contrast="auto"> handle und in der </span><a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/adhs-krankheit-astrid-neuy-lobkowicz-e022255/?reduced=true"><span data-contrast="none">Süddeutschen Zeitung</span></a><span data-contrast="auto"> spricht die Ärztin Astrid Neuy-Lobkowicz darüber, dass sie pro Monat 350 Anfragen zu einer Diagnostik bekäme. Oft kommt die Frage, oder gar Behauptung auf, es handle sich bei ADHS um eine </span><a href="https://www.3sat.de/kultur/kulturplatz/kulturplatz-vom-29-maerz-2025-100.html"><span data-contrast="none">Modediagnose</span></a><span data-contrast="auto">. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sieht man sich die Daten aus den 2000er und 2010ern an, lässt sich eine vermehrte Häufigkeit von Diagnosen feststellen. So stieg zwischen 2009 und 2014 laut </span><a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/adhs-in-deutschland-trends-in-diagnose-und-medikamentoeser-therapie-a54340f8-3a0f-4c2e-bc8f-56ba5d5fd14e"><span data-contrast="none">einer Auswertung von Krankenkassendaten</span></a><span data-contrast="auto"> die Menge an Diagnosen bei 18–69-Jährigen von 0,2 auf 0,4 Prozent. Ebenso fand eine in der </span><i><span data-contrast="auto">Cambridge University Press</span></i><span data-contrast="auto"> veröffentlichte </span><a href="https://www.cambridge.org/core/journals/bjpsych-open/article/attentiondeficit-hyperactivity-disorder-diagnoses-and-prescriptions-in-uk-primary-care-20002018-populationbased-cohort-study/E0818CCAE895FF273C7448756CFB0066"><span data-contrast="none">Studie</span></a><span data-contrast="auto"> aus dem Jahr 2023 einen Anstieg an ADHS-Diagnosen in fast allen Altersgruppen in den Jahren 2000 bis 2018 in England.</span><br />
<span data-contrast="auto">Eine andere aktuelle</span> <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0165032725008638?via%3Dihub"><span data-contrast="none">Studie</span></a> <span data-contrast="auto">im </span><i><span data-contrast="auto">Journal of Affective Disorders </span></i><span data-contrast="auto">konnte hingegen keinen Anstieg in der globalen Prävalenz von ADHS seit 2020 feststellen. Sie merkt ebenfalls an, dass es aufgrund der Covid-19 Pandemie und unzureichenden, hochqualitativen Studien zur Thematik schwer ist, aussagekräftige Ergebnisse zur Prävalenz von ADHS zu erzielen. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Was jedoch in den in den letzten zehn Jahren enorm anstieg, ist die </span><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/pravalenz-von-adhs-weltweit-nicht-angestiegen-nachfrage-nach-diagnostik-schon-20ea2623-4957-4438-aecf-bf28fe14e127"><span data-contrast="none">mediale Aufmerksamkeit</span></a><span data-contrast="auto"> für ADHS: zwischen Januar und Mai 2014 wurden global 5.775 Artikel zu ADHS veröffentlicht, im gleichen Zeitraum 2024 waren es 25.080 Artikel.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW23475743 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW23475743 BCX8">Einsamkeit, trotz Aufmerksamkeit</span></span><span class="EOP SCXW23475743 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Die größere gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit ermöglicht es Betroffenen </span><span class="NormalTextRun CommentStart SCXW254402997 BCX8">einfacher an Informationen zur Störung kommen, somit</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> beginnen</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> bisherige Stigmata </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">sich zu lösen</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> und die Menge an Menschen, die vermuten unter ADHS zu leiden, steigt. </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Die Autor</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">*innen der Studie des </span></span><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Journal </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">of</span> <span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Affective</span> <span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Disorders</span> </span><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">vermuten dies ebenso. Somit verlängern sich Wartelisten, bis sie geschlossen werden – ein relevanter Aspekt der ohnehin bereits bestehenden medizinischen- und vor allem psychiatrischen Unterversorgung: Kosten müssen entweder vollständig oder teils selbst erbracht werden, nur eine Minderheit des medizinischen Fachpersonals ist auf ADHS spezialisiert und behandelt, wie bereits erwähnt, oftmals unter einem Gender Bias. Der Prozess zur Diagnose und Behandlung, wie z.B. durch Medikation ist dadurch stark erschwert, in den meisten Fällen dauert es Jahre von eine</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">m</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> Ver</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">dacht</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> bis zur Behandlung.</span></span><span class="EOP SCXW254402997 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW105178728 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">Von </span><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">Verklärung</span> <span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">und</span><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8"> Veränderung</span></span><span class="EOP SCXW105178728 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">ADHSler*innen können durch ihre unkonventionelleren Denkweisen oft sehr kreativ und energiegeladen sein und besondere Problemlösungs-Kompetenzen aufweisen. Viele wollen diese Eigenschaften nicht missen und sich insbesondere nach einer späten Diagnose bestärken, ihr Sein frei und ohne Scham ausleben. Begleitet wird dies durch einen Perspektivwechsel, den Betroffene momentan zunehmend für sich schaffen. Statt ADHS als Störung zu bezeichnen, wird sie dem Konzept der Neurodivergenz zugeschrieben, dies</span><span data-contrast="auto"> lehnt </span><span data-contrast="auto">an das wesentlich ältere, </span><i><span data-contrast="auto">soziale Modell von Behinderung</span></i><span data-contrast="auto">, welches theoretisiert, dass psychische oder physische Einschränkungen bzw. Behinderungen durch soziale und gesellschaftliche Umstände erst zu Einschränkungen werden. So sieht das Konzept der Neurodivergenz neurobiologische Abweichungen nicht als krankhaft, sondern als Teil menschlicher Vielfalt. Der Begriff ist nicht neu, bereits 1998 schrieb der Journalist Harvey Blume im Atlantic zu Neurodiversity. Im Spektrum der Neurodiversität liegen ADHS, Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie und Dyspraxie.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sowohl das soziale Modell von Behinderung als auch Neurodivergenz werden von Betroffenen wie Wissenschaftler*innen diskutiert, insbesondere weil es Einschränkungen gibt, die Betroffene unabhängig von ihrer Umwelt beeinträchtigen. Die Konzepte werden allerdings auch als sinnvoll erachtet um psychiatrische, medizinische und gesellschaftliche Institutionen und Normen zu kritisieren und (Selbst-)Akzeptanz zu stärken.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Auch die Berichterstattung zu ADHS legt ihr Augenmerk auf diese Wandlung und die neu gefundene Bestärkung der Identifikation mit Neurodivergenz, interpretiert diese jedoch als </span><i><span data-contrast="auto">„Hype“</span></i><span data-contrast="auto"> um die Störung – eine fehlgeleitete Konklusion. Der Spiegel beschreibt in einem gleichnamigen, aktuellen </span><a href="https://www.spiegel.de/kultur/adhs-diagnose-wie-der-hype-um-hyperaktivitaet-zu-steigenden-zahlen-fuehrt-a-c0060b55-88e5-40fc-9656-a4afd662ce04"><span data-contrast="none">Artikel</span></a> <i><span data-contrast="auto">„die neue Attraktivität“</span></i><span data-contrast="auto"> der Diagnose. Dort liegt die Problematik; obwohl Betroffene ihre Erfahrungen mit ADHS zu leben, ADHSler*innen </span><i><span data-contrast="auto">zu sein</span></i><span data-contrast="auto">, von Scham befreien und positives darin sehen, vielleicht sogar Vorteile finden, lässt nicht darauf schließen, die Diagnose würde als etwas Begehrliches gesehen. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der aktuellen medialen Berichterstattung und Atmosphäre legen dies allerdings nahe. Man könne so weit gehen, es als neustes ADHS-Stereotyp zu sehen – etwas womit man sich gerne und leicht identifiziert, eine beliebte Gruppenzugehörigkeit. Die Wahrnehmung und Verbreitung von ADHS in Kultur und Gesellschaft sollte auch medial analysiert werden, doch das muss scharfsinnig und emphatisch geschehen. Denn wenn eine ADHS bei vielen Betroffenen, zumeist Frauen, erst im Erwachsenenalter erkannt wird, und dies nur nach einem langen Weg des Ungewissen und Scham, kann die Diagnose wirklich so populär sein?</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Titelbild unter Public Domain:<br />
Der Struwwelpeter: Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug Tafel 2, 1858, Heinrich Hoffmann</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-3"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div>
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		<title>Medienkritik: &#8220;Dem Presserat müssten ein paar Zähne wachsen!&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2015 16:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Pressekodex]]></category>
		<category><![CDATA[Presserat]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Flug 4U9525]]></category>
		<category><![CDATA[Medienethik]]></category>
		<category><![CDATA[Oscar Tiefenthal]]></category>
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					<description><![CDATA[In den vergangenen Tagen wurde vielfach Kritik am Umgang der Medien mit dem Absturz des German Wings-Flugzeugs und an der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Newsroom.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-145246" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Newsroom.jpg" alt="Newsroom" width="640" height="280" /></a>In den vergangenen Tagen wurde vielfach Kritik am Umgang der Medien mit dem Absturz des German Wings-Flugzeugs und an der Berichterstattung über den Co-Piloten laut. politik-digital.de bat den Leiter der Evangelischen Journalistenschule in Berlin, Oscar Tiefenthal, um seine Einschätzung zu Medienkritik, Pressekodex und die Aufgaben des Presserates gesprochen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Hat Sie die heftige Kritik an der Berichterstattung – insbesondere der Ursachen des Absturzes der German Wings-Maschine – durch a) die Leser und b) andere Journalisten überrascht?</p>
<p><strong>Oscar Tiefenthal:</strong> Nein, es hätte mich eher überrascht, wenn Leser und Journalisten nicht reagiert hätten. Wir haben mittlerweile ja die Dauer-Medienkritik in Echtzeit. Das tut manchmal weh, damit müssen wir erst angemessen umzugehen lernen</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Rührt die Kritik primär aus der Art und Weise, wie über den Absturz berichtet wurde, oder stand eine Medien- und Medienethik-Debatte schon länger an? Wo ist diese Kritik Ihres Erachtens berechtigt, wo übertrieben? Beschädigt die Journalismus-Diskussion und -kritik die Glaubwürdigkeit des Journalismus insgesamt?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Die Kritik ist immer dann berechtigt, wenn in der Berichterstattung die nötige Rücksicht und Distanz auf die Würde von Opfern und Angehörigen fehlt. Das hat es auch diesmal gegeben und ist nicht zu entschuldigen. Die Debatte wird dann scheinheilig, wenn man so tut, als ob die Medien allein die Gatekeeper der Privatsphäre von Opfern oder mutmaßlichen Tätern seien. Die Diskussion etwa um die Namensnennung des Co-Piloten war absurd. Die französische Staatsanwaltschaft hat den Namen herausgegeben, daraufhin wurde Andreas Lubitz weltweit in zahlreihen Medien etwa der „New York Times“ genannt. Das halte ich für legitim. Der manchmal leider schon reflexhaften Journalismuskritik auf Twitter und Facebook müssen wir uns offen stellen, das dient der Glaubwürdigkeit.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wo ist Kritik an Sensationsjournalismus Ihres Erachtens berechtigt? Wo ist eine Entrüstung über journalistische Fehlleistungen aber selbst Katalysator eines &#8220;Empörungskarusells&#8221;?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Die Sensation ist mindestens ebenso eine Mutter des Journalismus wie die Suche nach der Wahrheit. Das mag uns nicht gefallen, aber die Neugier auf das Tragische ist eine sehr menschliche Eigenschaft, die ganz offenbar nicht auf Journalisten beschränkt ist. Auch bei tragischen Unglücken dieser Tragweite, ist es die Hauptaufgabe der Medien fortwährend und sorgfältig die Faktenlage zu klären und nicht wild durcheinander zu spekulieren. Wenn es in TV-Sondersendungen mehr um Vermutungen und weniger um Fakten geht, da<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/10_tiefenthal.oscar_.jpg"><img decoding="async" class="  wp-image-145235 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/10_tiefenthal.oscar_-305x218.jpg" alt="10_tiefenthal.oscar_" width="199" height="142" /></a>nn ist die Kritik an dieser Art von Berichterstattung sehr berechtigt. Ferner müssen insbesondere die Persönlichkeitsrechte von Opfern und Angehörigen respektiert werden. Dazu ist eine hohe Sensibilität bei der Auswahl von Filmausschnitten oder Fotos geboten. Dieses Feingefühl scheint bei einigen Medien gestört zu sein, wenn zum Beispiel das Elternhaus von Andreas Lubitz gezeigt wird. Auch die Angehörigen des Co-Piloten verdienen Respekt und Rücksichtnahme.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"> Nach Stationen in den Redaktionen der Bildzeitung, der Welt am Sonntag und dem Nordkurier war <strong>Oscar Tiefenthal </strong>Geschäftsführer von vier Regionalverlagen. Seit 2009 leitet er die <a href="http://www.evangelische-journalistenschule.de/content/profil" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Evangelische Journalistenschule</a> in Berlin. </div></div>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Glauben Sie, dass die aktuelle Diskussion die Fronten nur verhärtet oder sehen Sie einen positiven Effekt auf die zukünftige Berichterstattung? Glauben Sie, dass aus dem Fall 4U9525 neue Standards der Berichterstattung hervorgehen werden? Wird es einen &#8220;offeneren&#8221; oder &#8220;strikteren&#8221; Umgang mit Persönlichkeitsrechten geben?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Es geht nicht um neue Regeln, es geht um die Beachtung der vorhandenen gesetzlichen und berufsethischen Regeln, etwa aus dem Pressekodex. Regelungsbedarf durch den Gesetzgeber sehe ich nicht.</p>
<p><strong>politik-</strong><strong>digital.de:</strong> Wie vermittelt die Evangelische Journalistenschule die journalistische Sorgfaltspflicht? Welchen Umgang mit Spekulationen und Mutmaßungen empfehlen Sie Ihren SchülerInnen in solchen Extremsituationen wie nach dem Absturz der GermanWings-Maschine?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Wir vermitteln sowohl die juristischen als auch die Grundlagen des Pressekodex sehr intensiv. Vor Beginn des Seminartages wird bei uns täglich 30 Minuten in der „Morgenzeit“ vorwiegend über berufsethische Fragen diskutiert.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie gehen (Nachwuchs-)Journalisten mit einer &#8220;Echtzeit-Medienkritik&#8221; um, die das Internet mit seinen reichweitenstarken (sozialen) Kanälen ermöglicht?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Sehr bewusst, aufmerksam und sensibel, ist mein Eindruck. Es gibt ein großes Diskussionsbedürfnis über diese Art an neuartiger Medienschelte im Netz.</p>
<p><strong>politik-digital.de: </strong>Welche Rolle spielt der Pressekodex heute noch in der Ausbildung der Journalisten? Gibt es interne Diskussionen über den Kodex? Ist er noch zeitgemäß?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Der Pressekodex ist wichtig und die Arbeit des Presserates kann nicht hoch genug bewertet werden. Es wäre allerdings nicht schlecht, wenn dem Tiger auch ein paar Zähne wüchsen und schneller auf Beschwerden reagiert würde. Eine öffentliche Rüge, die dann im Zweifel ignoriert wird, ist nicht gerade eindrucksvoll. Die Zuständigkeit des Presserates sollte ausdrücklich auf Online, Hörfunk und Fernsehen ausgeweitet werden. Dazu muss der Presserat seine Zusammensetzung überdenken und der Pressekodex erheblich angepasst und präzisiert werden.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie sollte man in unserer beschleunigten (Medien-)Welt mit dem Druck der schnellsten Nachricht umgehen? Gibt es bei solchen Ereignissen einen größeren Druck auf die Redaktionen durch die internationale Konkurrenz? Wenn ja, wie wirkt sich das aus?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Es ist vielmehr die Gleichzeitigkeit und scheinbare Gleichwertigkeit von Nachrichten, die uns heute zu schaffen macht. Der klassische Nachrichtenjournalismus ist mausetot. Heute geht es wesentlich mehr um Themensetzung, Hintergrund, Analyse und Einordnung von Nachrichten.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Glauben Sie, dass die zunehmende Zahl an freiberuflichen und prekär beschäftigten Journalisten die Zunft spaltet, wodurch die gegenseitige Kritik von „freien“ und festangestellten Journalisten aneinander befeuert wird?</p>
<p><strong>O.T.:</strong> Wir wären als Journalisten sehr schlecht beraten, wenn wir dieses Spalterspiel mitspielen. Allerdings haben aus meiner Sicht die Gewerkschaften bei der Vertretung der Interessen von Freien weitgehend versagt. Sonst müsste es eine Organisation wie Freischreiber nicht geben.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/noodlepie/8142794458/in/photolist-7GGHT4-p5kGE-dp7A9k-cxkKN-6NHo4J-p5kM1-dp7zWK-5ybv9z-8JUA1-EsZ5f-dpxX6U-71NL19-6NHo4y-rM3QLi-yMVn4-9X8Yrh-Gri4B-7JNRQ9-77Apnj-6Xn5fK-ve5wk-79dJKx-2vDTy-5pgSvN-5pbMdv-9AoPeT-f8wovJ-dZY5ZU-bE8snY-f8ppSZ-5erdaf-fNp21Z-pZmzUA-pXrbFN-qynQtK-e3ABUQ-pR9T4B-dcT2Ej-7PZQLJ-ptHFAu-7JJW92-qzTbaG-4qKAnZ-e7sUPx-6ckxZR-7FQtK6-57fRpi-7dcHvu-62g8XE-87DxmM" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Graham Holliday</a></p>
<p>Porträt:<a href="http://www.evangelische-journalistenschule.de/startseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Evangelische Journalistenschule</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Buchrezension: „Die gehetzte Politik“ &#8211; Gehetzt, aber nicht hoffnungslos</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 15:58:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Bernhard Pörksen]]></category>
		<category><![CDATA[Medienlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Krischke]]></category>
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					<description><![CDATA[Rast die deutsche Politik durch die Veränderungen in der Medienlandschaft ins Verderben? In 27 Gesprächen mit Politikern, Journalisten, Lobbyisten und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marius-Werner-cc-by-nc-sa-3-0.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-127225" alt="Marius Werner (cc by-nc-sa 3.0)" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Marius-Werner-cc-by-nc-sa-3-0-630x422.jpg" width="630" height="422" /></a><br />
Rast die deutsche Politik durch die Veränderungen in der Medienlandschaft ins Verderben? In 27 Gesprächen mit Politikern, Journalisten, Lobbyisten und Intellektuellen wird der Frage auf den Grund gegangen, welche Rolle die veränderte Medienlandschaft dabei spielt. Dabei fällt auf: Nicht alles ist gut, aber es ist auch nicht alles schlecht.<br />
Was geschieht mit der Politik unter dem Druck einer Echtzeitberichterstattung? Wenn jedes noch so alte Zitat ausgegraben und in Sekundenschnelle um die Welt geschickt werden kann? Wenn selbst unausgereifte Gedanken aus der letzten, im kleinen Kreis geführten Diskussionsrunde prompt im Internet zu finden sind?<br />
Nichts Gutes, befürchten Bernhard Pörksen und Wolfgang Krischke im Vorwort der neu erschienenen Interviewsammlung „Die gehetzte Politik“, die 27 Gespräche mit Politikern, Journalisten, Lobbyisten und Intellektuellen umfasst. Die Interviews führten 23 Tübinger Studierende. Angesichts der medialen Beschleunigung im Verbund mit immer komplexer werdenden Sachfragen im Bereich der Finanzpolitik drohe die Politik heute zu verflachen. Denn wo keine Zeit mehr zur Reflexion der bestehenden Verhältnisse und zum Entwickeln alternativer Handlungskonzepte bleibe, wird ein Abgeordneter anfällig für Pauschallösungen. „Politik besteht heute zu 5 Prozent aus Entscheidungsfindung und zu 95 Prozent aus Entscheidungsvermarktung“, kritisiert der Philosoph Richard David Precht. Sind die Online-Formen der Berichterstattung und Kommunikation so etwas wie der Sargnagel einer guten, gemeinwohlorientierten Politik?<br />
<strong>Das Internet ist Schuld – oder?</strong><br />
So düster und medienpessimistisch die Thesen des Vorwortes auch sein mögen: bestätigt werden sie durch die nachfolgenden Interviews nicht. Ja, das Internet bewirke einen „permanenten Rechtfertigungsdruck“, so der Journalist Stefan Niggemeier, der vor allem für seinen medienkritischen BILDblog bekannt ist. „Die Nachrichtenprozesse haben sich drastisch beschleunigt“, pflichtet zudem der ehemalige stellvertretende Sprecher der Bundesregierung Thomas Steg bei. Und es stimmt auch, dass in den Online-Medien ein rauer Umgangston herrscht, der den Boulevardmedien in nichts nachsteht: „Das Internet bietet atemberaubende Möglichkeiten. Die gibt es aber nur im Paket mit oft unglaublicher Härte und Bösartigkeit, bedingt durch die Anonymität, die im Netz möglich ist“, sagt Daniel Cohn-Bendit, Co-Fraktionsvorsitzender der Grünen im Europaparlament.<br />
Trotzdem überwiegt der Optimismus – und das nicht nur bei solchen Akteuren wie der Piratin Marina Weißband, bei der man Internet-Enthusiasmus ja quasi von Berufs wegen erwarten kann. Auch der ehemalige CDU-Politiker Christian von Boetticher erhofft sich vom Internet eine Emanzipationsleitung: weg von der bisherigen Geltungshoheit der klassischen Medien. Bisher sei ein Politiker von deren „Willkür“ abhängig gewesen, weil sie entschieden, welcher Ausschnitt aus einem Interview gesendet oder wie eine Presseerklärung präsentiert würde. „Durch die Internetplattform Facebook oder über das Online-Videoportal YouTube zum Beispiel kann ich plötzlich […] den Wählern zeigen, was ein Fraktionsvorsitzender eigentlich den ganzen Tag macht.“<br />
Unrecht hat er damit nicht. Wenn Nachrichtensendungen beispielsweise wieder einmal zum Bild leerer Plenarsitze die alte Mär von den faulen Abgeordneten wiederkäuen, die alles Mögliche, aber nicht ihre Arbeit machten. Heute können Politiker diesem Vorwurf begegnen, indem sie „über Facebook und Twitter an den traditionellen Gatekeepern vorbei ihre Leistungen und Standpunkte dem Publikum direkt darstellen“, so Thomas Steg, der ehemalige stellvertretende Regierungssprecher.<br />
Über die faszinierenden Gespräche mit so polarisierenden Persönlichkeiten wie Thilo Sarrazin, Stéphane Hessel oder Paul Nolte über das Spannungsfeld von Politik, Medien und Wirtschaft hinaus bietet der Band daher auch einen ganz erstaunlichen Befund: Mehrheitlich verbinden Praktiker wie Intellektuelle mit dem Internet große Hoffnungen. Um es mit den Worten des leider jüngst verstorbenen Widerstandskämpfers und Diplomaten Stéphane Hessel zu sagen: „Sie haben heute so viele Möglichkeiten, um sich zusammenzutun und gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen.“<br />
<em>Bernhard Pörksen, Wolfgang Krischke (Hrsg.): „Die gehetzte Politik – Die neue Macht der Medien und Märkte“; erschienen im Herbert von Halem Verlag 2013; Preis: 19,80 €</em><br />
Bild: Marius Werner (cc by-nc-sa 3.0)<br />
<img decoding="async" class=" wp-image-123958 alignnone" alt="CC-BY-SA" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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		<title>Digitale Presseschau &#8211; KW 21</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/digitale-presseschau-kw-21-5260/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2011 18:31:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerforum 2011]]></category>
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					<description><![CDATA[<a href="/digitale-presseschau-kw-21"><img src="/sites/politik-digital.de/files/logo-linkliste.png" align="left" height="82" width="75" /></a>Beschleunigungsgesellschaft auf dem Vormarsch, Kritik an  Abstimmungspraxis im Bundestag, BürgerForum 2011 auf der Zielgeraden und der Klimakiller Internet - Dies und mehr in der Digitalen Presseschau.        
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Beschleunigungsgesellschaft auf dem Vormarsch, Kritik an  Abstimmungspraxis im Bundestag, BürgerForum 2011 auf der Zielgeraden und der Klimakiller Internet &#8211; Dies und mehr in der Digitalen Presseschau.</p>
<p><a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1457635/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Verödung der Öffentlichkeit?</strong></a></p>
<p>Einen sehr erfrischenden und geistreichen Essay von Reinhard Mohr sendete der Deutschlandfunk. Die durch das Internet beförderte Beschleunigung der weltweit verfügbaren Informationen habe nicht nur die Medien selbst und ihren Gebrauch tiefgreifend verändert, sondern die Struktur der Öffentlichkeit, die Willensbildung und Entscheidungsprozesse. Mohr befürchtet, dass aus dem Zusammenspiel von forcierter Mediengesellschaft und Stimmungsdemokratie ein fortschreitender Verlust der allgemeinen Urteilsfähigkeit resultieren könnte. Große Teile der Gesellschaft würden längst im Liveticker-Rhythmus schwingen.</p>
<p><a href="http://blog.abgeordnetenwatch.de/2011/05/27/bundestag-kein-bedarf-an-transparenten-abstimmungen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Willkür im Bundestag?</strong></a></p>
<p>Im eigenen Blog weist abgeordnetenwatch.de auf eine parlamentarische Praxis hin, die reformbedürftig scheint. So müssten die meisten Abstimmungen im Deutschen Bundestag „nicht namentlich“ erfolgen, sondern durch bloßes Handheben oder Aufstehen. Zudem werde über die Anwesenheit der Abgeordneten öffentlich nicht Buch geführt. Um dies zu ändern und größere Transparenz für die Öffentlichkeit zu schaffen, reichte Dieter Klemke von der Organisation <a href="http://www.diebuergerlobby.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diebuergerlobby.de</a> eine Petition beim Deutschen Bundestag ein, um die Einführung eines E-Votings zu prüfen. Diese wurde jedoch erst gar nicht zugelassen!</p>
<p><a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15092671,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>BürgerForum 2011 auf der Zielgeraden</strong></a></p>
<p>Auf der Online-Präsenz von Deutsche Welle geht Kay-Alexander Scholz auf das unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff stehende BürgerForum 2011 ein. Im daran teilnehmenden Landkreis Teltow-Fläming wurde am vergangenen Samstag, wie in den 24 weiteren Regionen, <a href="http://bund.buergerforum2011.de/index.php?page=infopage&amp;id_page=49&amp;menucontext=40" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ein Bürgerprogramm erstellt</a>. politik-digital.de hatte im Vorfeld bereits <a href="/buergerforum-2011-demokratiefoerdernd" target="_blank" rel="noopener noreferrer">darüber berichtet</a>. Zuletzt gab es bei Telepolis auch einen <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/34/34721/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">interessanten Erfahrungsbericht</a> von Susanne Krüger, die Online-Moderation beim BürgerForum 2011 war. Das bundesweite Bürgerprogramm ist <a href="http://bund.buergerforum2011.de/index.php?page=viewcompiler_tasks&amp;id_view=10&amp;menucontext=74" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mittlerweile beschlossen</a> worden und wird am morgigen &#8220;Tag der Demokratie&#8221; im ehemaligen Bundestag in Bonn an Bundespräsident Christian Wulff überreicht.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-05/internet-proteste-demokratie" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Die Macht von Volkes Stimme</strong></a></p>
<p>Michael Seemann schreibt bei Zeit Online, dass sich die Bürger so langsam der Macht ihrer Stimme bewusst würden und mitregieren wollten. Dabei referiert er u.a. auf die aktuellen Proteste in Spanien, die keinem politischen Lager und keiner Organisation entsprängen. Durch die dank Internet mögliche direkte Kommunikation verändere sich der Diskurs. Die politische Meinungsbildung erreiche eine Komplexität, der politische Institutionen nicht mehr gerecht werden könnten und die sie zu delegitimieren drohe, solange die Politik nicht mehr Transparenz und Mitbestimmung zuließe.</p>
<p><a href="http://netzwertig.com/2011/05/23/der-ungeliebte-kontrollverlust-internet-am-scheideweg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Internet am Scheideweg</strong></a></p>
<p>In seinem Artikel bei netzwertig.com zeigt sich Martin Weigert besorgt, dass die Zeit des verhältnismäßig freien, demokratischen und offenen Internet bald vorbei sein könnte und die Befürworter eines kontrollierten und regulierten Internet die Oberhand gewinnen. So paradox es auch klingen mag: Dieser Entwicklung könnten nur die Global Player der Internetbranche, wie Google, Twitter und Facebook, entgegensteuern, die allzu oft wegen ihrer Marktdominanz oder auch Privatsphäre- und Datenschutzverstöße kritisiert werden. Denn nur sie würden als Gegenpol zu staatlicher Regulation die einzige echte, weil finanzkräftige Lobby für eine freie und gegen eine härter kontrollierte digitale und vernetzte Zukunft bilden, so Weigert.</p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/internet-aktivist-zimmermann-im-gespraech-der-zugang-fuer-alle-ist-in-gefahr-1.1101413" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Internet-Zensur</strong></a></p>
<p>In einem Interview mit Alex Rühle von sueddeutsche.de kritisiert der Netz-Aktivist Jérémie Zimmermann von der französischen Bürgerrechtsorganisation <a href="http://www.laquadrature.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">La Quadrature du Net</a> die Versuche der Politik, das Internet stärker zu regulieren. Dazu gehören für ihn u.a. Zensurbestrebungen in Frankreich und das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ACTA-Handelsabkommen</a>. Dessen Realisierung mit staatlicher Zustimmung mache Internetfirmen zu einer privaten Urheberrechts-Polizei und –Justiz. Als positives Gegenbeispiel nennt er z. B. eine Gesetzesregelung aus Brasilien, die nur die unmittelbar Verantwortlichen für illegale Handlungen im Netz strafrechtlich belange.</p>
<p><a href="http://www.welt.de/wissenschaft/article13391627/Wie-das-Internet-zum-Klimakiller-wird.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Klimakiller Internet</strong></a></p>
<p>Ulrich Clauß merkt auf Welt Online an, dass IT- Lobbyisten sich allzu oft mit dem Umweltschutz brüsteten. So werbe Google schon seit längerem mit dem Begriff der Green-IT, also der umweltschonenden Datenverarbeitung. Die Realität sehe jedoch anders aus: Denn die Energieerzeugung für den Betrieb der Datentechnik sei noch immer und überwiegend konventioneller Natur und verursache erhebliche Umweltlasten. Zugleich stellt Clauß jedoch fest, dass öffentliche Förderprogramme wie „IT2Green“ auf Anklang in der Wirtschaft treffen würden und es dort einen ökologischen Wertewandel gebe.</p>
<p><a href="http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:gastkommentar-des-innenministers-das-internet-braucht-nicht-immer-gleich-gesetze/60056634.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Absage an neue Internet-Gesetze</strong></a></p>
<p>In einem Gastkommentar für die Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland resümiert Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, dass das Netz neuer Regelungen im Interesse von Meinungsfreiheit und Datenschutz bedürfe. Doch anstatt neue Gesetze zu fordern, setzt er vermeintlich auf eine verstärkte Selbstregulierung von Internet-Nutzern und –Wirtschaft. Denn in einer freiheitlichen Demokratie solle der Staat erst dort eingreifen, wo es wirklich nötig ist. Ob dies mehr als nur Lippenbekenntnisse sind, wird sich aber erst noch zeigen müssen.</p>
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		<title>Wir sind das Netz: Kommentar des Autors</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[investigativer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Pornographie]]></category>
		<category><![CDATA[Waffenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Wikinews]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderpornographie]]></category>
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					<description><![CDATA[<strong>Die auf politik-digital.de       erschienene <a href="bonin050913.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Besprechung</a> des Buches       &#8220;Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie       Software die Welt verändern&#8220; von Sonja Bonin kommentiert       der Autor Erik Möller.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die auf politik-digital.de erschienene <a href="bonin050913.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Besprechung</a> des Buches “Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern“ von Sonja Bonin kommentiert der Autor Erik Möller.<!--break--> </strong><br />
Kritisch merkt Sonja Bonin an, dass im Buch die alten Medien<br />
&#8220;verteufelt&#8221; werden, und die &#8220;klassischen Medien mit nichts anderem als Zensur und Manipulation beschäftigt zu sein scheinen.&#8221;<br />
Zweifellos haben Medien in der Vergangenheit fantastische<br />
Aufklärungsarbeit geleistet. Nicht umsonst findet sich im ersten Kapitel eine Vorstellung der Undercover-Journalistin Nellie Bly, die Ende des 19. Jahrhunderts die furchtbaren Zustände in einem amerikanischen Irrenhaus aufdeckte. Auch die Arbeit Günter Wallraffs wird beispielhaft beschrieben, ebenso nehme ich Bezug auf frühe Untergrundmedien wie Samisdat und auf Pioniere der Medientheorie.<br />
Eine ausführliche Geschichte des investigativen Journalismus würde ich auch gerne einmal lesen &#8211; Buchtipps nehme ich dankbar entgegen. Doch diese vereinzelten Erfolge zu sehr in den Vordergrund zu stellen, wäre grob irreführend in einer Welt, in der Krieg, Hunger, Epidemien, Umweltzerstörung, Genozid, Totalitarismus, religiöser Fundamentalismus und die Bedrohung durch Megatonnen-Wasserstoffbomben und biologische Waffen nach wie vor existieren. Resignation oder gar Selbstzufriedenheit sind nicht angebracht. Der schöne Schein muss zerschlagen werden, die Arroganz und Naivität der eigenen gefühlten Sicherheit muss einem globalen Problembewusstsein weichen.<br />
Denn ohne Zweifel für jeden kritischen Medienbeobachter stellt die<br />
massive Machtkonzentration der Medien in den Händen weniger eine<br />
Bedrohung für die freie Meinungsbildung dar. Diese Feststellung, die im Buch auch empirisch untermauert wird, als &#8220;naiv&#8221; oder abgedroschen abzukanzeln, sehe ich als Beispiel für die tatsächlich naive Präferenz für eine Scheinwelt, in der offensichtliche Probleme mit kindlicher Insistenz geleugnet oder ausgeblendet werden.<br />
Deshalb habe ich im ersten Kapitel dann auch Themen genannt, die ganz konkret in den traditionellen Medien zu kurz kommen, vom internationalen Rüstungshandel über den Alltag in Entwicklungsländern zur politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme der Ölindustrie, etwa bei der Unterstützung für Diktatoren und Todesschwadronen. Es fällt mir auf, dass diese Liste im ersten Kapitel bisher in keiner Rezension aufgegriffen worden ist.<br />
Das zeigt mir schon deutlich, dass es hier auch um Tabus geht. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere Leser eine solche Aufzählung im Wortsinne &#8220;peinlich&#8221; finden dürfte, sich also wirklich unangenehm berührt fühlt. Wer aber beim Lesen einer Liste verschwiegener Probleme Bauchschmerzen bekommt, sollte sich einmal fragen, woher dieses Gefühl stammt &#8211; und ob es nicht mitunter deckungsgleich mit den Interessen der Problemverursacher ist.<br />
Wer den tatsächlichen Einfluss und &#8220;Bias&#8221; der Medien auf solider<br />
empirischer Basis verstehen und ergründen möchte, dem empfehle ich als Einstiegslektüre &#8220;Manufacturing Consent&#8221; von Noam Chomsky. Kein anderes mir bekanntes Buch zeigt mit derartiger Akribie &#8211; detaillierte Tabellen vergleichen, mit wie vielen Zeitungszentimetern welches Thema behandelt wird &#8211; wie zumindest die amerikanischen Medien systematisch bestimmte Themen ignorieren. Und wer eine Prise medialer Realität in Deutschland möchte, der gebe doch einfach einmal bei news.google.de die Phrase &#8220;notwendige Reformen&#8221; ein: beeindruckend, wie viele Medien der Tages- und Wochenpresse sich diese ganz und gar nicht objektive Darstellung zu eigen machen. Auch ein bisschen googeln nach der &#8220;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&#8221; fördert Interessantes zu Tage.<br />
Sicherlich kann mein Buch hier nur Denkansätze liefern. Ich halte es<br />
aber umgekehrt für höchst naiv und gefährlich, sich nicht eingehend mit dieser Problematik zu befassen. Genau darin liegt die Hauptgefahr für die &#8220;Civil Society&#8221; &#8211; und nicht in den von der Rezensentin im nächsten Satz genannten Themen:<br />
&#8220;Probleme wie Pornographie und Waffenhandel im Internet werden nur am Rande gestreift.&#8221;<br />
Dann streife ich sie jetzt einmal etwas ausführlicher. Zunächst einmal<br />
ist Pornographie für Erwachsene legal. Man kann sie mögen oder nicht, aber unsere moderne Gesellschaft akzeptiert sie schon seit langem. Das gilt sogar in den prüden USA, wo die Zugangsbeschrän-kungen lockerer gehandhabt werden als in Deutschland.<br />
Was die Wirkung von Pornographie auf Kinder und Jugendliche angeht, so habe ich mich bereits in der Vergangenheit intensiv mit der Thematik befasst, unter anderem in Vorträgen vor der Humanistischen Union in Mainz und dem Kongress der European Federation of Sociology in Berlin. Dabei referierte ich auf der Basis einer von mir durchgeführten Analyse die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung der vergangenen 30 Jahre. Die Zusammenfassungen können auf meiner Homepage nachgelesen werden (<a href="http://scireview.de/efs/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">scireview.de/efs/,</a> <a href="http://scireview.de/vortrag/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">scireview.de/vortrag/</a>).<br />
Um es kurz zu machen &#8211; die Beweislage, dass ein Kind oder ein<br />
Jugendlicher durch das Betrachten eines (gewaltfreien) Sexualakts<br />
irgendeinen Schaden nimmt, ist mit Verlaub gesagt äußerst dürftig.<br />
Insofern weigere ich mich, mir die Problematisierung der Pornographie als Ganzes zu eigen zu machen. Wenn die Autorin an Kinderpornographie dachte und &#8220;Pornographie&#8221; schrieb (ein häufiger Fehler), ist die Sachlage natürlich anders.<br />
Aber auch hier pflege ich eine differenzierte und kritische Ansicht, die<br />
sich z.B. in meinen Artikeln &#8220;Computer sind Waffen&#8221; und &#8220;Kinder sind<br />
Pornos&#8221; niederschlug, in denen ich über eine Tagung der damals noch &#8220;Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften&#8221; genannten Institution berichtete (<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4147/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Link 1;</a> <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4158/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Link 2</a>).<br />
Zunächst einmal wird das Thema massiv seitens der Politik<br />
instrumentalisiert, um Zensur und Kontrollen, gerade im Internet,<br />
durchzusetzen. Da es sich um ein Tabuthema handelt, ist es ideal dazu geeignet. Und das Beste: Man kann danach sagen, die Bürger hätten es ja so gewollt &#8212; schließlich haben die Medien zuvor durch eine oftmals hysterische und sachlich falsche Berichterstattung für Stimmung gesorgt.<br />
Natürlich ist die sexuelle Misshandlung von Kindern ein grauenvolles<br />
Delikt. Das gleiche gilt übrigens für die nichtsexuelle Misshandlung von Kindern, die bis auf wenige Ausnahmefälle weit geringere Aufmerksamkeit erfährt. Weder kriminologische Untersuchungen noch therapeutische Erfahrungen bestätigen jedoch das Vorurteil, die Situation habe sich durch das Internet signifikant verschlimmert. Was sich zweifellos erhöht hat, ist die Verbreitung kinderpornographischer Inhalte. Das hängt aber auch nicht allein mit dem Internet zusammen, sondern insgesamt mit dem technologischen Fortschritt, etwa der Möglichkeit, Tausende von Bildern auf eine DVD zu brennen.<br />
Die These, die Verbreitung von Kinderpornographie führe zwangsläufig zu höheren Inzidenzraten sexueller Delikte, ist bislang ohne Beleg. Man könnte sogar umgekehrt spekulieren, dass die große Verfügbarkeit von kinderpornographischem Material im Gegenteil die Nachfrage nach neuem Material senkt, da die pädophilen Konsumenten nicht wie zuvor direkt mit Produzenten in Kontakt treten müssen, sondern sich z.B. in Peer-to-Peer-Netzen Fotos und Videos herunterladen. Eine Analogie zu anderen Inhalten wäre geschmacklos, aber nicht falsch. Die Probleme mit der &#8220;Anfix-Hypothese&#8221;, Konsumenten von Kinderpornographie steigerten<br />
sich zu immer härteren Materialien, habe ich im Übrigen in den o.g.<br />
Artikeln diskutiert.<br />
Schließlich bin ich der Meinung, dass man auch darüber reden können muss, was Kinderpornographie eigentlich ist: Nacktfotos von 13jährigen? Gewalttätige sexuelle Misshandlungen von kleinen Kindern? Virtuelle 3D-Bilder oder Photoshop-Ergebnisse, bei deren Produktion kein Kind zu Schaden kam? Leider werden diese völlig verschiedenen Arten kinderpornographischer Inhalte oft in der Presse gleichgestellt. Wenn man realisiert, dass Pädophile auch eigene Fantasien einfach als Geschichten niederschreiben, oder sich im Katalog Babyfotos ausschneiden können, wird klar, wie absurd diese Vermischung ist.<br />
Natürlich ist es abartig, wenn Erwachsene kleine Kinder sexuell begehren oder gar Gewaltfantasien hegen. Es muss aber doch immer an allererster Stelle die Frage stehen: Wie können Kinder am besten vor sexueller Misshandlung geschützt werden? Ich glaube nicht, dass Medien oder Politik ein ernsthaftes Interesse daran haben, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach besteht die Antwort nicht in einer verschärften Zensur des Internet.<br />
Wir müssen verstehen, warum Pädophile pädophil sind, und wie sie durch Therapie von der Misshandlung von Kindern abgehalten werden können. Dass die dafür notwendige Versachlichung des Themas nicht stattfindet ist wiederum primär das Verschulden der Medien. Statt dessen fördern sie eine &#8220;Schwanz-ab&#8221;-Mentalität, die dann wiederum von der Politik mit entsprechenden Gesetzentwürfen nach Schily-Manier beantwortet werden kann.<br />
So traurig das Thema ist, das nachfolgende Beispiel der Rezensentin<br />
entlockte mir dann doch ein leichtes Schmunzeln: &#8220;Waffenhandel im<br />
Internet&#8221;. (Witzig: die Rezension auf politik-digital.de ist derzeit in<br />
Google an erster Stelle für diese Suchabfrage.) Man sollte vielleicht<br />
doch einmal einen Blick auf die Liste der größten Rüstungsexporteure der Welt werfen und sich die Frage stellen, woher etwa Saddam Hussein seine chemischen Waffen bekam, für deren Gebrauch er jetzt vor Gericht steht.<br />
Rüstungskontrolle ist gerade in Deutschland zu allererst ein ganz und<br />
gar innenpolitisches Thema, das mit dem Internet nun wirklich nicht viel zu tun hat. Das ist offensichtliche Stimmungsmache, und diese zu<br />
übernehmen, ohne das um Größenordnungen bedeutsamere Thema<br />
Rüstungsexport (und Umgehung von Exportkontrollen) auch nur<br />
anzuschneiden (schon ein Hinweis etwa auf die immer noch ausstehende Ächtung von Landminen durch die USA oder den florierenden globalen Kleinwaffenhandel hätte ja genügt), ist genau das, was mir die Rezensentin unterstellt: &#8220;naiv und unkritisch&#8221;. Wer wissen will, wie schamlos auf dem internationalen Parkett mit Waffen und Söldnern Handel betrieben wird, dem empfehle ich die Lektüre z.B. von &#8220;Private Warriors&#8221; von Ken Silverstein.<br />
Ich lasse mir viele Vorwürfe machen &#8212; etwa Tabulosigkeit, Zynismus,<br />
Pathos und den übermäßigen Gebrauch von Passiven. Naiv und unkritisch zu sein gehört nicht dazu. Auch nicht bei den Entwicklungen, die ich bespreche. Ich habe im Buch beispielsweise sehr deutlich gemacht, dass ich mir unter einer Medienrevolution mehr vorstelle als<br />
Pubertäts-Tagebücher oder einfallsloses Wiederkäuen von Nachrichten bestehender Medien. Und es dürfte wohl keinen anderen ausführlichen Artikel über GNU/Linux im Netz geben, der als Beispiel für die mitunter zu findende idiotische Verblendung innerhalb der Open-Source-Bewegung ein Foto einer öffentlichen Verbrennung von Microsoft-Handbüchern zeigt und auch einzelne Fanatiker beim Namen <a href="http://www.humanist.de/erik/rza/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nennt</a>.<br />
Ganz wie beim oben angesprochenen Thema investigativer Journalismus wäre es aber grob irreführend, etwa den gerichtlich nachgewiesenen massiven und wiederholten Monopolmissbrauch durch Microsoft und die von wahnwitzigen Patenten auf einfachste Mechanismen ausgehende Bedrohung für Entwickler freier Software nicht in aller Klarheit und Deutlichkeit zu dokumentieren. Es geht dabei niemals um blinde Verteufelung, sondern wieder um die Zerstörung von schönen heilen Scheinwelten.<br />
Auch an Wikipedia habe ich schon viel harte Kritik geübt, meist jedoch<br />
in Form konstruktiver Lösungsvorschläge, da das Projekt dafür in der<br />
Regel offen ist. Trotzdem ist es z.B. bemerkenswert, dass es auch nach fast 5 Jahren immer noch nicht den schon sehr früh beschworenen Peer-Review-Mechanismus für Artikel gibt. Die Qualität der Artikel hat eine enorm große Schwankungsbreite, und manchmal ist der Einfluss von Lobbygruppen deutlich spürbar. Wikipedia ist in dieser Hinsicht jedoch sehr selbstkritisch. So findet sich etwa in der englischen Ausgabe ein harter Text mit dem Titel &#8220;Criticism of Wikipedia&#8221;, der auch Außenseiterpositionen ausführlich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Criticism_of_Wikipedia" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wiedergibt</a>.<br />
Schließlich begleite ich auch das von mir initiierte Projekt Wikinews<br />
analytisch und habe versucht, Stärken und Schwachstellen auszuloten. Um es ganz klar zu sagen: Ich bin weder mit der Technik noch mit den Inhalten von Wikinews zufrieden &#8212; wir müssen hier noch deutlich besser werden, um eine Alternative darzustellen. Ob das mit diesem Modell überhaupt möglich ist, wage ich noch nicht zu prognostizieren. Ich finde aber Wikinews persönlich spannender als viele andere Bürgerjournalismus-Projekte, die auf sachliche Richtigkeit, Objektivität und Stil oft wenig Wert legen.<br />
Und zur nahe liegenden Frage, warum ich als Autor nicht selbst die<br />
&#8220;Geschenke-Ökonomie&#8221; für die Veröffentlichung meines Buches nutze: ganz einfach &#8211; weil sie noch nicht existiert. Gerade in Deutschland mangelt es an der Verbreitung der dazu erforderlichen elektronischen<br />
Zahlungssysteme, wie aber auch an Plattformen, die zur Verbreitung und Bewertung von freien Inhalten genutzt werden könnten. Dieser Wandel vollzieht sich nur sehr langsam, und je aufwändiger ein Werk ist, desto schwieriger ist es, von klassischen Verwertungsmodellen Abstand zu nehmen. Die Entscheidung für eine freie Lizenz etwa ist nicht allein mir überlassen &#8211; der Verlag möchte da ein Wörtchen mitreden. Wir verhandeln hier schon seit einiger Zeit über eine beiderseitig akzeptable Lösung und werden hoffentlich bald zu einer Übereinkunft kommen.<br />
Vor fünf jahren ging ich davon aus, dass die neue Ökonomie der<br />
Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit schon viel früher entstehen wird.<br />
Während es vor allem in den USA einige beeindruckende Erfolgsgeschichten gibt (vielleicht Material für ein neues Buch oder zumindest eine tiefgreifendere Analyse), kann von einer eigenständigen Ökonomie noch kaum eine Rede sein. Ob diese möglich ist, wird sich zeigen. Ich bin davon überzeugt, bin aber auch bereit, meine Ansichten zu revidieren. Auch alternative Vorschläge existieren, bei denen kein Teenager wegen &#8220;Raubkopien&#8221; ins Gefängnis wandern muss &#8212; etwa die &#8220;Kultur-Flatrate&#8221;, eine monatliche Abgabe, die zur freien Nutzung von Inhalten aller Art ermächtigen würde und deren Gesamtsumme entsprechend eines intelligenten<br />
Schlüssels verteilt würde.<br />
So schwierig es manchmal ist, einen gewissen Optimismus gönne ich mir dennoch. Das mag man für naiv halten &#8212; oder aber auch staunend feststellen, wie unterschiedlich die Welt 2005 doch schon von der Welt 1985 ist, und dass uns möglicherweise noch weitaus tiefgreifendere Umwälzungen in den nächsten 20 Jahren bevorstehen. Wikipedia ist das beste Beispiel dafür, wie fundamental Neues praktisch aus dem Nichts entstehen kann. Im letzten Kapitel habe ich deutlich gemacht, dass es kaum möglich ist, realistische Prognosen über positive oder negative Technikfolgen abzugeben.<br />
Optimismus ist deshalb natürlich nicht unbedenklich. Solange man ihn als Chance auf positive Veränderung begreift und nicht als ihre<br />
Unvermeidlichkeit (und damit als Rechtfertigung für die eigene<br />
Untätigkeit), halte ich ihn dennoch für eine sehr gesunde und<br />
motivierende Geisteshaltung.<br />
Mit dieser Replik möchte ich im Übrigen keineswegs den insgesamt<br />
positiven Ton der Buchbesprechung ins Gegenteil interpretieren. Vielmehr ist es mir wichtig, deutlich zu machen, dass ich mir der verschiedenen Problem- und Spannungsfelder durchaus bewusst bin und ich auch keineswegs schon jubelnd dabei bin, die Revolutionsfahne zu hissen. Den kritischen Blick zu schärfen, sowohl für die &#8220;neue Welt&#8221; als auch für die alte, das ist eines der Anliegen meines Buches.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Täglicher Schrott in den Medien&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/taeglicher-schrott-in-den-medien-3316/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 May 2007 21:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Informatik]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
Joseph Weizenbaum, Ex-Professor des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist zum  Grand Seigneur“ der kritischen Informatik avanciert. Im Interview mit Ulrich Hottelet nimmt er Stellung zu  ethischen und faktischen Grenzen von Informationstechnologien.
</p>
<p>
&#160;
</p>
<p>
 ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Joseph Weizenbaum, Ex-Professor des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist zum Grand Seigneur“ der kritischen Informatik avanciert. Im Interview mit Ulrich Hottelet nimmt er Stellung zu ethischen und faktischen Grenzen von Informationstechnologien.<br />
&nbsp;<br />
&nbsp;<br />
Weizenbaum mahnt seit den 60er Jahren den<br />
kritischen Umgang mit Computern und die Verantwortung des Wissenschaftlers<br />
für sein Tun an. Damals wurde er mit dem von ihm entwickelten<br />
Dialogprogramm Eliza weltweit bekannt.<br />
<strong>politik-digital.de: Sie mahnen seit langem mehr Verantwortung der Informatiker<br />
für ihr Tun und dessen Folgen an. Wie kann man gewährleisten,<br />
dass Informatikern bereits während ihres Studiums diese gesellschaftliche<br />
Verantwortung nahegebracht wird und sie zum Reflektieren angehalten<br />
werden?</strong><br />
Weizenbaum: Da bin ich ziemlich pessimistisch.<br />
Es ist ja nicht einfach. Es wird zwar viel darüber geredet,<br />
aber letztlich herrscht an den Universitäten und in der gesamten<br />
Gesellschaft eine unkritische Haltung vor. Die Entschuldigung lautet:<br />
Weil wir nicht wissen können, wie unsere Arbeit genutzt wird,<br />
gibt es keine Grenzen dafür. Aber die Schwierigkeit, dabei<br />
eine deutliche Linie zu zeichnen, bedeutet nicht, dass man überhaupt<br />
kein Urteil fällen kann.</p>
<p class="fett"><strong>Sie kritisieren das Internet wegen seiner Desinformationsflut.<br />
Wie kann man da gegensteuern? Viele Weblogs zum Beispiel bieten<br />
inhaltlich kaum Qualität&#8230;</strong></p>
<p>Der Meinung bin ich auch.</p>
<p class="fett"><strong>Wie kann man aber beim Gegensteuern gewährleisten,<br />
dass die Meinungsfreiheit gewahrt bleibt?</strong></p>
<p>Ich denke, das ist nicht<br />
wesentlich anders als beim Schrott, dem wir täglich in den<br />
Medien begegnen. Ich kann mich an keinen Bericht in den Medien über<br />
ein Thema erinnern, in dem ich mich sehr gut auskenne, der keine<br />
groben Fehler enthielt. Nie! Egal, ob es die New York Times oder<br />
die Bildzeitung war. Dann kommt auch noch die Frage nach der Relevanz:<br />
Was hat das mit meinem Leben zu tun? Es gibt keine Qualitätskontrolle<br />
im Internet, aber ich weiß auch nicht, ob sie möglich<br />
ist. Ich bin täglich im Internet und ich bin immer wieder tief<br />
beeindruckt, was ich dort finde, was mir so wertvoll ist. Man muss<br />
aber bei der Nutzung selbst in der Lage sein, eine Frage zu stellen.<br />
Das ist wie in der Physik. Man muss der Natur eine Frage stellen.<br />
Eine gute Frage hat auch immer eine Hypothese.</p>
<p class="fett"><strong>Der Optimismus früherer Zeiten, dass der Computer<br />
in der Lage sein wird, menschliche Sprache komplett zu verstehen,<br />
ist ja abgeflaut. Wieviel muss er denn verstehen, um eine nützliche<br />
Schnittstelle zum Menschen zu haben?</strong></p>
<p>Dazu möchte ich zwei<br />
Sachen sagen. Die führenden Kräfte in der Künstlichen-Intelligenz-Community<br />
– ich nenne sie die künstliche Intelligentsia, Leute<br />
wie Norman Minsky und Hans Moravek – in den führenden<br />
Institutionen denken ganz anders: Jeder Aspekt der Realität<br />
ist berechenbar und natürlich können wir einen künstlichen<br />
Menschen bauen. Es wird schwer daran gearbeitet, Roboter herzustellen.<br />
Der Begriff Verstehen ist sehr kompliziert. Im engen Kontext kann<br />
der Computer da schon heute viel leisten, zum Beispiel bei der Hotelreservierung,<br />
wo es ein beschränktes Vokabular gibt, oder bei Hotlines.</p>
<p class="fett"><strong>In die Zukunft gesprochen: Sehen Sie eine Grenze der<br />
Verständnisfähigkeit für Computer und dafür,<br />
wo er sinnvoll eingesetzt werden kann und wo nicht?</strong></p>
<p>Ja, immer wenn es um Beurteilungsfähigkeit<br />
und Würde geht. Wo es Regeln geben muss, vielleicht aber keine<br />
festen Regeln. Ich bin erstaunt, dass viele nicht wissen, dass Menschen<br />
vieles nicht wissen. Das bedeutet, wir können es auch nicht<br />
programmieren und einer Maschine beibringen. Ich denke daran: Was<br />
passiert, wenn Sie eine Hand auf Ihrer Schulter spüren? Da<br />
muss ich doch fragen: Unter welchen Umständen spüre ich<br />
diese Hand? Was ist zuvor passiert? Das Gefühl dabei kann man<br />
unmöglich programieren. Wir müssen verstehen, dass der<br />
Mensch und seine Gefühle nicht berechenbar sind und dass jeder<br />
Mensch ein Sonderfall ist.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Die größte Tageszeitung – mit den meisten Fehlern&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/die-groesste-tageszeitung-mit-den-meisten-fehlern-537/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/die-groesste-tageszeitung-mit-den-meisten-fehlern-537/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Feb 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Watchblog]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Blogger]]></category>
		<category><![CDATA[Blogsprechstunde]]></category>
		<category><![CDATA[Bild-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[BILDblog]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Schultheis]]></category>
		<category><![CDATA[Medienjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/die-groesste-tageszeitung-mit-den-meisten-fehlern-537/</guid>

					<description><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<span class="fett">BILDblogger
Christoph Schultheis war am 6. Februar der erste Gast in der Blogsprechstunde
von politik-digital.de in Kooperation mit den Blogpiloten. Im Chat
ging es um Blogs als Wachhunde der Demokratie und BILDblog-Ausdrucke
in der BILD-Redaktionskonferenz.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<span class="fett">BILDblogger<br />
Christoph Schultheis war am 6. Februar der erste Gast in der Blogsprechstunde<br />
von politik-digital.de in Kooperation mit den Blogpiloten. Im Chat<br />
ging es um Blogs als Wachhunde der Demokratie und BILDblog-Ausdrucke<br />
in der BILD-Redaktionskonferenz.</span><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zur Blogsprechstunde mit BILDblogger Christoph Schultheis. Gleich<br />
um 16 Uhr geht es los, Sie können aber schon jetzt Ihre Fragen<br />
stellen. Vorab ein Hinweis in eigener Sache: Wir arbeiten mit Hochdruck<br />
an einem Relaunch von politk-digital.de. In den nächsten Wochen<br />
wird es ein neues Redaktionskonzept geben und auch ein neues Design,<br />
das hier im Chatraum schon zu sehen ist. Viel Spaß beim Chat!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, Christoph Schultheis ist schon<br />
bei uns im Büro eingetroffen, so dass es gleich los gehen kann<br />
&#8211; wir melden uns dann um Punkt 16 Uhr mit den ersten Fragen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, wir machen uns startklar, gleich<br />
geht es los. Punkt 16 Uhr: Willkommen zum Chat mit Christoph Schultheis.<br />
Können wir starten?
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ABlogs/chatschultheis1.jpg" height="240" width="300" />
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Gern.
</p>
<p>
<b>oli:</b> Wie kommen sie damit zu recht, morgens aufzustehen<br />
und schon wieder in die BILDzeitung gucken zu müssen. Ich hätte<br />
die ganze Nacht Albträume&#8230; P.S: Weiter so!
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Die BILD-Zeitung musste<br />
ich ja auch schon jeden Tag lesen, als ich noch als &quot;normaler&quot;<br />
Medienjournalist gearbeitet habe. Und einer muss es ja tun.
</p>
<p>
<b>Heringsfilet:</b> Wird BILDblog in Zukunft auch andere<br />
Medien ins Visier nehmen oder bleibt BILDblog bei der BILD? Wenn<br />
ja, mit welcher Begründung?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Wir haben das nicht geplant.<br />
Ich glaube, dass es sich durchaus lohnt auch andere Medien so zu<br />
beobachten wie wir BILD &#8211; ob den SPIEGEL oder die kleine Lokal-<br />
oder Regionalzeitung irgendwo in Deutschland, aber BILD ist nun<br />
mal die größte Tageszeitung &#8211; und leider auch die mit<br />
den meisten (und schlimmsten) Fehlern, Sinnentstellungen, Irreführungen<br />
und Verletzungen von Persönlichkeitsrechten oder journalistischen<br />
Standards.
</p>
<p>
<b>rantanplan:</b> Die BILDblogger sind ja Journalisten.<br />
Seid ihr in anderen Medien unkritischer?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Nein, wieso sollten wir?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vielleicht meldet der User sich ja<br />
gleich nochmal. Zur nächsten Frage:
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Ist die BILDzeitung nicht das Symbol für<br />
die nach 1945 neu erworbene Pressefreiheit, die, zugegeben übertrieben<br />
betrieben wird, aber die es in Anlehnung an die Unterdrückung<br />
der Presse im Dritten Reich geben muss. Kurz: Unzensiert, unabhängig<br />
und ungeniert als Flagge der Freiheit?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Puh&#8230; BILD als Aushängeschild<br />
für die Pressefreiheit&#8230;? Ich glaube, dass die Pressefreiheit<br />
in Deutschland natürlich auch BILD &quot;erdulden&quot; muss,<br />
aber ich könnte mir schönere (und sinnvollere) Aushängeschilder<br />
vorstellen.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ABlogs/chatschultheis2.jpg" height="240" width="300" />
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben sehr viele Fragen aus dem<br />
Bereich der Juristerei bekommen. Ich schlage vor, dass wir die bündeln.
</p>
<p>
<b>kai_d:</b> Zur Fotoaktion mit Kai Diekmann: Hat der<br />
euch eigentlich mit rechtlichen Schritten gedroht?
</p>
<p>
<b>daniel:</b> Lieber Herr Schultheis &#8211; hatten Sie denn<br />
schon einmal juristischen Ärger mit der BILD?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Nein. Wir arbeiten journalistisch<br />
sauber. Es gab schon mal kleinere Versuche, bei denen wir annehmen<br />
müssen, dass BILD auszutesten versuchte, ob und inwieweit wir<br />
angreifbar sind. Wir haben das an unseren Anwalt gegeben. Und danach<br />
ist das offenbar alles im Sande verlaufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben eine Nachfrage zu den angedeuteten<br />
Versuchen von Springer, rechtlich gegen das BILDblog vorzugehen:
</p>
<p>
<b>clarissa:</b> Was waren das für Versuche?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Kleinigkeiten, die was mit<br />
den Fotorechten zu tun hatten. Da wir aber der Ansicht sind, dass<br />
man gerade bei einer Zeitung, die so stark mit Bildern arbeitet,<br />
auch dokumentieren muss, WIE sie das tut, fallen unsere Ausrisse<br />
unter das Zitatrecht und gut. Schließlich nutzen wir unsere<br />
BILD-Ausrisse nie aus rein illustratorischen Gründen.
</p>
<p>
<b>EinLeser:</b> Wie viele Hinweise kommen durchschnittlich<br />
pro Tag von Lesern, die nicht direkt zu BILDblog gehören?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Die ungefähr 500 (!)<br />
Spammails nicht mitgezählt? Aber es dürften zwei bis drei<br />
Dutzend sachdienliche Hinweise pro Tag sein &#8211; unterschiedlichster<br />
Natur natürlich: Von &quot;Da-stimmt-doch-was-nicht&quot;-Mails<br />
bis hin zu vorrecherchierten, quasi vorgefertigten Hinweisen. Das<br />
ist natürlich ganz wunderbar, dass wir so mit unseren Lesern<br />
gemeinsam an und für BILDblog arbeiten. Wobei wir am Ende,<br />
nachdem wir die Hinweise nach-/gegenrecherchiert haben, natürlich<br />
immer noch entscheiden, was ins Blog kommt und was nicht. Denn nicht<br />
alles, was in BILD beklagenswert ist, steht hinterher auch in BILDblog.<br />
Manches erscheint uns zu kleinlich, anderes kriegen wir einfach<br />
nicht &quot;hart&quot;, wie man so sagt.
</p>
<p>
<b>franz:</b> Wieviele Leser hat der BILDblog?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Rund 45.000 (unique visitors)<br />
täglich. Danke der Nachfrage. 😉
</p>
<p>
<b>chrisse:</b> Man hört ja immer wieder, dass BILD<br />
die beste Schule für angehende Journalisten ist. Hätten<br />
Sie früher als angehender Journalist ein Praktikum bei der<br />
Zeitung gemacht?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Ich kenne viele sehr gute<br />
Journalisten, die nie bei BILD waren. (Das vorweg.) Aber nein. Die<br />
Zeitung, bei der ich ein Praktikum gemacht habe (und bei der ich<br />
so lange blieb, bis ich Redakteur geworden war &#8211; und keine Lust<br />
mehr hatte) war die &quot;taz&quot;.
</p>
<p>
<b>pfui:</b> Haben Sie schon vor dem Bloggen die BILD<br />
kritisch beobachtet? Oder ist die Idee erst entstanden, als man<br />
das Werkzeug &quot;Weblog &quot; schon hatte?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Selbstverständlich.<br />
Sowohl ich als auch mein BILDblog-Kollege Stefan Niggemeier haben<br />
auch in der &quot;taz&quot;, der &quot;Süddeutschen&quot;,<br />
der &quot;FAZ&quot; oder &quot;Berliner Zeitung&quot; aufgeschrieben,<br />
wenn wir fanden, dass das so nicht geht, wie BILD sich eines Themas<br />
annimmt. Als wir uns allerdings entschlossen, uns systematischer<br />
und intensiver mit BILD zu beschäftigen, stellten wir fest,<br />
dass ein Blog dafür natürlich ideal ist!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ABlogs/chatschultheis4.jpg" height="240" width="300" />
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Viele Fragen kommen zu den Reaktionen<br />
von BILD auf das Bildblog. Hier einige:
</p>
<p>
<b>Peter:</b> Haben Sie Informationen, wie ernst BILD<br />
das BILDblog nimmt? Werden BILDblog-Beiträge in BILD-Redaktionsberatungen<br />
ausgewertet?
</p>
<p>
<b>putzi:</b> Die BILD hat ja vor kurzer Zeit wieder<br />
eine Korrekturspalte eingeführt &#8211; ein Erfolg, der auf BILDblog<br />
zurückzuführen ist?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> @Peter: Das ist etwas undurchsichtig.<br />
Außerdem ändert sich die &quot;offizielle&quot; Wahrnehmung<br />
von BILDblog.de durch BILD immer wieder. Mal sind wir ein &quot;Hobby&quot;,<br />
dann wieder ein ernst zu nehmendes, aber &quot;kommerzielles&quot;<br />
Angebot. Die &quot;Bild am Sonntag&quot; beachtet uns &quot;wohlwollend&quot;,<br />
bei BILD liegen wir &quot;unterhalb der Wahrnehmungsschwelle&quot;.<br />
Tatsache ist: Wir werden täglich bei BILD gelesen. Und angeblich<br />
bringen Redakteure auch schon mal BILDblog-Ausdrucke mit in die<br />
morgendliche Redaktionskonferenz. Aber so richtig wichtig ist uns<br />
das nicht, wie &quot;ernst&quot; uns BILD nimmt. Schließlich<br />
ist BILDblog nicht dazu da, BILD besser zu machen. DAS überlassen<br />
wir gern der BILD-Chefredaktion.
</p>
<p>
<b>Fred:</b> Wie finanziert sich der BILDblog?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war zu schnell, erst noch die Antwort<br />
zu putzi, Entschuldigung!
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> @putzi: Die Korrekturspalte<br />
ist kein Erfolg, sondern ein Deckmäntelchen. Ob es auf BILDblog<br />
zurückzuführen ist? Möglich. Aber schauen Sie sich<br />
doch mal an, was dort korrigiert wird: Das Alter von Dieter Bohlen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Jetzt zur Finanzierung, bitte.
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Okay. Nach wie vor ist es<br />
ein Mix aus &quot;Spenden&quot; (also Geld, das uns von Lesern einfach<br />
so geschenkt wird), Merchandise-Provisionen aus den BILDblog-Shops<br />
und Werbung. Die wird bei uns zur Zeit immer wichtiger. Ich hätte<br />
es mir vielleicht anders gewünscht. Aber wie es aussieht, kann<br />
uns Werbung tatsächlich am wahrscheinlichsten dauerhaft finanzieren.<br />
Und für alle, die keine Werbung mögen, haben wir einen<br />
Button &quot;Werbung ausblenden&quot;.
</p>
<p>
<b>heinz:</b> Ist es richtig, wenn ich annehme, dass<br />
Sie mit Ihrem Blog zur political correctness in Deutschland beitragen<br />
wollen? Wenn ja, ist es dann nicht auch die logische Konsequenz,<br />
dass Sie darauf achten, wer auf Ihrem Blog kommerzielle Anzeigen<br />
schaltet?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Political Correctness&#8230;<br />
Holla. Was die Werbeschaltungen anbelangt, haben wir dafür<br />
seit einiger Zeit einen professionellen Vermarkter. Der weiß<br />
im Grunde, was bei uns auf die Seite darf und was nicht. Im Einzelfall<br />
klären wir das schnell, was geht und was nicht.
</p>
<p>
<b>rantanplan:</b> Was ist eigentlich dein Lieblingsblog<br />
(außer Bildblog)?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> <a title="wirres" name="wirres"></a>Wirres.net. Bestens informiert,<br />
lustig, relevant und irrelevant. Und ein tolles Logo.
</p>
<p>
<b>Sarah:</b> BILDblog ist ein Medien-Watchblog und das<br />
erfolgreichste deutschsprachige Blog. Haben Blogs im politischen<br />
Diskurs vor allem Überwachungsfunktionen?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Nein. Ein Blog ist, was<br />
man daraus macht. Wer sich einfach nur via Blog mit seinen Freunden<br />
austauschen will: Warum nicht? Aber natürlich bieten Weblogs<br />
die Chance, ohne großen technischen und finanziellen Aufwand<br />
Öffentlichkeit herzustellen. Und natürlich ist es für<br />
uns zum Beispiel gut zu wissen, dass man mit einem Blog über<br />
Europas größte Tageszeitung aufklären kann.
</p>
<p>
<b>Timo Heuer:</b> Kann man sagen, wie viele (schwer<br />
wiegende) Fehler es durchschnittlich pro BILD-Ausgabe gibt?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Nein. Das hängt von<br />
der Tagesform der BILD-Redakteure ab &#8211; und natürlich von der<br />
Nachrichtenlage: Im Wahlkampf gab es für BILDblog leider mehr<br />
zu tun.
</p>
<p>
<b>questlove:</b> Wieso machen Sie nicht ein Gegenblatt<br />
zur BILD auf? Das könnte doch wirklichen Erfolg haben: Simple<br />
Inhalte vermitteln und alles etwas dramatisch dargestellt, dafür<br />
aber korrekt und richtig recherchiert! Das wäre doch eine Idee!
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Erstens: Zeitung ist &quot;old<br />
school&quot;. Zweitens: Eine Zeitung zu drucken, zu verkaufen, zu<br />
verteilen etc. ist sehr viel aufwändiger und teurer (!) als<br />
ein Weblog. Als wir anfingen, zahlten wir 3,50 Euro oder so pro<br />
Monat. Und inzwischen sind es, wegen der vielen Zugriffe, zwar ungefähr<br />
300 Euro. Aber das ist nichts im Vergleich zu den Herstellungskosten<br />
anderer &quot;klassischer&quot; Medien.
</p>
<p>
<b>Julia Sommerhäuser:</b> Herr Schultheis, was<br />
halten Sie von der in der Blogosphäre viel diskutierten Einteilung<br />
in A-List-, B-List- und C-List-Weblogs?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Kommt darauf an, nach welchen<br />
Kriterien da eingeteilt wird. Ich finde, dass sich unter den so<br />
genannten A-Bloggern in Deutschland tatsächlich eine Menge<br />
gute (manchmal auch relevante) Seiten finden. Und wenn plötzlich<br />
jemand Neues mit einem neuen Blog, einer guten Idee oder Ähnlichem<br />
auftaucht, hat er in der überschaubaren deutschen Blogger&quot;szene&quot;<br />
nach wie vor die Gelegenheit, binnen kurzer Zeit zum A-Blogger zu<br />
werden, wenn er will. Und sogar, wenn er nicht will.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was den Chattern noch auf den Nägeln<br />
brennt, ist die fehlende Kommentarfunktion beim BILDblog:
</p>
<p>
<b>Falk:</b> Warum gibt es beim Bildblog keine Kommentarfunktion?<br />
Kommentieren ist doch das Schönste beim Bloggen.
</p>
<p>
<b>jovelstefan:</b> Es gibt ja keine Kommentare (ich<br />
schätze zu viel Arbeit). Würdet ihr einen extern geleiteten<br />
Kommentarblog unterstützen?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Ja, uns fehlt die Zeit dazu.<br />
(Mehr siehe unter www.bildblog.de/faq.html) Und es gibt ja schon<br />
das von BILDblog unabhängige BILDBlogForum. Wenn aber jemand<br />
meint, er/sie müsse ein von BILDblog unabhängiges Kommentarblog<br />
aufmachen, werden wir ihn/sie nicht hindern &#8211; höchstens warnen.
</p>
<p>
<b>Peter:</b> Wird BILDblog irgendwann die gröbsten<br />
BILD-Verfehlungen als Druckwerk veröffentlichen?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Es gibt da momentan keine<br />
konkreten Planungen. Aber vorstellbar ist das für uns &#8211; insbesondere,<br />
weil sich damit ja auch eine andere Leserschaft ansprechen ließe.
</p>
<p>
<b>Sarah:</b> Wie groß ist die Chance, dass ein<br />
(nicht journalistisch tätiger) BILD-Leser gleichzeitig BILDblog<br />
liest? Was wisst ihr über die Soziologie der BILDblog-Leserschaft?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Wir wissen nichts. Aber<br />
im Ernst: Wir haben bislang noch keine Leserforschung betrieben,<br />
aber wenn wir die einlaufenden Mails irgendwie als repräsentativ<br />
verstehen, ist unsere Leserschaft sehr vielschichtig. Sicherlich<br />
viele aus dem akademischen Bereich, viele aus der Medienbranche,<br />
viele BILD-Mitarbeiter, aber auch zum Beispiel Fußball-, „Harry<br />
Potter“-, &quot;KiIlerspiele&quot;-Fans, die uns &#8211; nachdem<br />
wir mal über BILD-Ungereimtheiten in Sachen Fußball,<br />
Harry Potter oder ähnlichem berichtet hatten &#8211; treu bleiben.<br />
Wie viele BILD-Leser BILDblog hat, ist noch schwerer zu beurteilen.<br />
Wer liest schon BILD und gibt es zu? Wahrscheinlich ist der Prozentsatz<br />
unter den BILDblog-Lesern eher gering. Aber die Auseinandersetzung<br />
mit dem BILD-Leser findet, wie uns Mails immer wieder bestätigen,<br />
quasi außerhalb von BILDblog.de im Alltag statt. Das ist uns<br />
wichtig: Dass wer auch immer mal wieder eine Pro/Contra-BILD-Diskussion<br />
führen muss, Argumente gegen eine unkritische BILD-Lektüre<br />
hat. Und wir haben bislang rund 2000.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir langsam zum Ende, die Zeit<br />
ist schon fast um. Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>daniel:</b> Was machen Sie, wenn die BILD in einer<br />
utopischen Zukunft ehrenhaft wird?
</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Mich freuen und irgendetwas<br />
Neues!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> So, die Chatzeit ist leider schon vorbei.<br />
Das Transkript des Chats gibt es in Kürze auf www.politik-digital.de<br />
zum Nachlesen. Vielen Dank fürs Mitchatten! Ein Schlusswort<br />
vielleicht noch?
</p>
<p align="center">
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</p>
<p>
<b>Christoph Schultheis:</b> Der Hagebuttentee war der<br />
beste, den ich seit langem getrunken haben!</p>
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