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	<title>Medientheorie &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Medientheorie &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Identität im Kontext von Medienkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:44:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
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		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">Die Beschäftigung mit dem Begriff Identität        boomt &#8211; in vielen Disziplinen wird sie geführt und entsprechend        unübersichtlich ist das Feld mittlerweile geworden. Das Buch        &#8222;Medienidentitäten&#8220; will mit der Unübersichtlichkeit        aufräumen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die Beschäftigung mit dem Begriff Identität boomt – in vielen Disziplinen wird sie geführt und entsprechend unübersichtlich ist das Feld mittlerweile geworden. Das Buch „Medienidentitäten“ will mit der Unübersichtlichkeit aufräumen.<!--break--></p>
<p>Bei der Untersuchung des Begriffs Identität stellt man schnell fest, da man bei diesem Forschungsgegenstand interdisziplinär vorgehen muss. Es gibt keine geschlossene Theorie, sondern mehrere übergeordnete Herangehensweisen, deren Ursprung sehr vielfältig ist und die aus zahlreichen Disziplinen kommen. Die Rolle der Identität in einer globalisierten Welt ist vielgestaltig. Ganz besonders dann, wenn der Einfluss der Medien berücksichtigt wird. Identität und Medien sind fast nicht mehr zu trennen. Diesem spannenden Feld versucht das von Carsten Winter, Tanja Thomas und Andreas Hepp herausgegebene Buch „Medienidentitäten“ gerecht zu werden. Aufgrund der aktuellen Diskussionen rund um die Identität verdient dieser Sammelband gegenwärtig eine genauere Betrachtung.<br />
Auf rund 400 Seiten kommen namhafte Experten zu Wort, die in fünf Abschnitten erklären, wie die zentralen Diskurse um den Begriff der Medienidentität in der Medien- und Kommunikationswissenschaft aussehen und wie die Vielschichtigkeit dieses Feldes deutlich zu machen ist. Nach einer Einleitung wird zuerst die Theorie angesprochen, danach werden mediale Angebote aufgeführt, im nächsten Schritt werden Alltagsbeobachtungen wie Talkshows, Soap Operas und andere populäre Phänomene empirisch analysiert. Schließlich werden die Chancen und Risiken angesprochen, die sich beispielsweise in politischen Protestplakaten, Globalisierungskritik oder Fanidentitäten ausdrücken.<br />
In der Einleitung diskutieren die Herausgeber die Frage, woher der Boom der Identitätsforschung in den Medienwissenschaften kommt und erörtern die Diskussionsfelder der kulturellen Identität und der Medien. Schließlich kommen die Autoren auf die theoretischen und empirischen Positionen des Bandes zu sprechen, die hier kurz umrissen werden sollen.<br />
Die Theoriediskussionen beginnen mit einem Beitrag von Friedrich Krotz, der Medien als Konstitution von Identität untersucht Dabei greift er auf die Theorie des symbolischen Interaktionismus zurück und plädiert für eine mediale Durchdringung der alltäglichen Lebenswelt. Carsten Winter widmet sich der konfliktären Artikulation von Identität im Kontext der Globalisierung von Medienkulturen, während Kurt Imhoff das Zusammenwirken von Öffentlichkeit und Identität betrachtet. Andreas Hepp beendet den Theorieexkurs mit der Frage der Deterritorialisierung: ihm geht es dabei vorrangig um die ethnischen, kommerziellen und politischen Aspekte von Medienidentitäten in Zeiten der Globalisierung. Nachdem die Theoriediskussionen eine differenzierte Einführung in das Thema ermöglichen, widmen sich weitere Autoren konkreten Identitätsangeboten in den Medien. Diese Beispiele sind rundweg passend und einwandfrei analysiert, doch entfalten sie oft erst auf den zweiten Blick ihre wahre Wirkung. Denn es ist überraschend, wenn man als Leser zuerst ein wenig irritiert von der Zeitschrift „Kolonie und Heimat“, der österreichischen Mediensituation am Beispiel des Atomkraftwerks Temelin in Tschechien oder der Darstellung von Dresdnern in Stadtvideos zu lesen bekommt. Nicht weit entfernt ist der Weg von den Identitätsangeboten hin zu den Medienidentitäten im Alltag. Nach einem Beitrag, der sich unter anderem der theoretischen Analyse kultureller Identität in den Cultural Studies widmet, liefert der Autor konkrete Beispiele: so wird sehr differenziert über die Identitätskonstitution italienischer Migrantenjugendlicher und über Talkshows und Daily Soaps gesprochen. Nach all diesen Beispielen werden Risiken und Potenzialen von Medienidentitäten dargestellt. Lothar Mikos erörtert die Risiken der öffentlichen Selbstdarstellung im Fernsehen, beispielsweise bei „Big Brother“, und widmet sich der durch die Medien ausgelösten Identitätsarbeit. Horst Niesyto und Peter Holzwarth beschäftigen sich mit der Jugendforschung im Bereich der Videoproduktionen als Möglichkeit interkultureller Kommunikation. Christian Wenger untersucht die Identitätsstiftung in Fangemeinden am Beispiel der Star-Trek-Fans und Jeffrey Wimmer und Sebastian Haunss diskutieren politische Fragen der Liberalisierung des Welthandels und Protestplakate und ihre Wirkung in Bezug auf die kollektive Identität sozialer Bewegungen.<br />
Die Schwerpunktsetzung vieler Beiträge auf zeitgenössische Medienanalysen und besonders in den Cultural Studies bedeutenden Themen wie Soaps oder Talkshows helfen dem Leser, die Verknüpfungen von Theorie und Praxis herzustellen. Auch wenn die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Identitätsbildungsprozessen als alltägliches Problem empirisch einleuchtend daherkommt, kann der Prozess der Identitätsbildung mit seinen Ausmaßen schnell allzu mächtig erscheinen. Doch nicht nur die gutsortierte Literaturliste und die beeindruckende Zahl der Mitwirkenden machen diesen Sammelband zu einer wichtigen Quelle in Sachen Medienidentität. Vor allem die Zusammenführung der verschiedensten Themen und der gelungene Überblick, der dadurch entsteht. Die Diskussionen rund um den Begriff der Identität haben sich seit Georg Simmel und George Herbert Mead exponentiell vervielfacht und sind unübersichtlicher und verstreuter geworden. Das Buch „Medienidentitäten“ bietet durch eine gelungene Zusammenfassung zugleich auch fortgeschrittenen Interessenten einen aufschlussreichen Einblick in die Identitätsdiskussionen der letzten Jahre.</p>
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		<title>Auf den Spuren einer kritischen Netzkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Geert Lovink]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Internetaktivist]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Amsterdam]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2">Die Aufsatzsammlung <em>Dark Fiber        - Auf den Spuren einer kritischen Internetkultur</em> bringt die        Arbeiten von Geert Lovink aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus        in einer bunt schillernden magical-mystery-tour zu Papier. Albert        Meirer hat diesen Klassiker der Netzkritik gelesen und für        politik-digital.de rezensiert.</font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;">Die Aufsatzsammlung <em>Dark Fiber &#8211; Auf den Spuren einer kritischen Internetkultur</em> bringt die Arbeiten von Geert Lovink aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus in einer bunt schillernden magical-mystery-tour zu Papier. Albert Meirer hat diesen Klassiker der Netzkritik gelesen und für politik-digital.de rezensiert.</span><!--break--></p>
<p class="normal">Der virtuelle Veteran Geert Lovink hat schon manches erlebt. Zumindest im Vergleich zu unser einem, der ein Leben führt, voller &#8220;beklemmender Kleinlichkeit (&#8230;), Beinahe-Engagement, fortgeschrittenem Desinteresse, (&#8230;) elektronischer Einsamkeit, IKEA als kulturellem Ideal und Formen kollektiver Enttäuschung (&#8230;) in einer Gesellschaft ohne Ideen mit einem Netz ohne Eigenschaften&#8221;. So beschrieben von Lovink und Kollektiv in den frühen 80ern im losen Verbund der agentur bilwet. Nachzulesen in der Aufsatzsammlung Dark Fiber, die Lovinks Arbeiten aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus in einer bunt schillernden magical-mystery-tour auf Papier gebracht hat. Intellektuelle und Aktivisten der Piratenradio und Hausbesetzer-Szene in Amsterdam fanden sich einst zu bilwet (Agentur zur Förderung der illegalen Wissenschaft) zusammen. Später war Lovink unter anderem Herausgeber der Medienkunst-Zeitschrift &#8220;Mediamatic&#8221;, eine treibende Kraft hinter dem utopisch anmutenden Projekt der offenen Stadt Amsterdam, de digitale Stad. Des Weiteren war er einer der maßgeblichen Initiatoren der Mailinglist nettime, die 1995 ans Netz ging; auch als Gegen-Öffentlichkeit zur neoliberalen &#8220;kalifornischen Ideologie&#8221; des Magazins &#8220;wired&#8221;.</p>
<p class="normal"><strong>Get informed or die trying</strong></p>
<p class="normal">Lovink ist darüber hinaus auch ein Weltreisender in Sachen Konferenzen und Vorträge, sowie kompetentem Eintreten für freie und sinnvolle Kommunikation jenseits von kommerzieller Verflachung oder staatlicher Zensur. Der Stil seiner Artikel ist stets offen, dialogisch, von Mailing-Listen inspiriert und praxisnah. Sein Engagement und seine Leidenschaft wirken ansteckend und verführen zum Widerspruch, zum Nachlesen, zur Reflexion. Manchmal geraten die vielgestaltigen Texte zu wahrhaft hybriden Gewittern an Metaphern und Theoremen. &#8220;Hybrid zu werden ist nicht die Wahl einer Generation, es ist eine technokulturelle Bedingung. Hybridität ist weder eine Ideologie noch ein Ziel. Sie ist schmutzige digitale Wirklichkeit. (&#8230;) Doch an einem bestimmten Punkt hören Taktik und Hybridität und andere Serenaden auf die Welt und ihre Komplexität, und es müssen Entscheidungen getroffen werden. Hier endet die Geschichte der transitorischen taktischen Medien nach 1989, und andere Dimensionen öffnen sich.&#8221; Auch in dieser Hinsicht darf man auf DARK FIBER III gespannt sein, das Lovink derzeit in Berlin verfasst.</p>
<p class="normal"><strong>Offene Stadt oder Hochsicherheits-Kaufhaus</strong></p>
<p class="normal">Vielstimmig und lesenswert sind all die Fallstudien von alternativen, selbst-organisierten Medienprojekten jenseits der Marktlogik. Hier berichtet der Autor lebensnah und analytisch von all den subversiven Strategien und soften Micro-Kämpfen. Auch von Niederlagen, Ausverkauf und Marginalisierung, jedoch ohne in einen Kult des Scheiterns zu verfallen. So bekommt man einige scharf gezeichnete close-ups einer Zeit zwischen cyber-utopia, dot.com-mania, new-economy-crash und business-as-usuall. &#8220;Die Kritik an der neo-liberalen Agenda wurde auf die emotionale Intelligenz-Ebene von Gruppen, die sich vom freien Handel bedroht fühlen reduziert. Hier wurde kein Wort über die Vernachlässigung sozialer Probleme, (&#8230;) Probleme von Bildung und Erziehung und dem Niedergang der Öffentlichkeit verloren, ein zentraler Begriff wenn wir den Ursprung und die Essenz des Internets verstehen wollen.&#8221;</p>
<p class="normal"><strong>&#8220;www.j´accuse.com&#8221;, die gesunde Wut der &#8220;virtuellen Intellektuellen&#8221;</strong></p>
<p class="normal">&#8220;Schnelle Expansion des Medienuniversums geht einher mit einer Implosion der Imagination. Während Horden junger Geschäftsleute die &#8220;digitale Revolution&#8221; in sich hineinlöffeln (&#8230;) sieht die kulturelle Situation in Wirklichkeit recht anders aus. Abgesehen von den aggressiven Informations-Eliten nahm das intellektuelle Klima einen defensiven Charakter an.&#8221; Die post-euphorische Phase der Netzkultur ermöglichte Lovink eine &#8220;schöpferische Zerstörung der Postmoderne&#8221;, im Sinne einer Abkehr sowohl von infantilem Technik-Fetischismus als auch von zwanghaften New-Age-Ökonomismus. Aber auch eine Überwindung melancholischer Ästhetizismen und düsterer Visionen geschlossener Bestimmtheit. &#8220;Das interaktive Design scheint den Kampf gegen die Schnittstellendumpfheit verloren zu haben. Es ist Lichtjahre entfernt von Bauhaus-Imperativen (&#8230;) ästhetischer Qualität, eingebettet in ein breites Spektrum sozialer, kultureller und politischer Voraussetzungen.&#8221; Den Kampf gegen die Dumpfheit gibt der Autor aber keineswegs verloren, denn er beharrt auf der Kraft des Negativismus, des kritischen Humanismus und der skeptischen Reorganisation sozialer Netzwerke und Bewegungen. Er entwickelte mit anderen aus der Praxis heraus einen komplexen begrifflichen Werkzeugkasten der sogenannten &#8220;taktischen Medien&#8221;, einer sich stets neu reorganisierenden Arbeitsweise kritischer Kulturpraxis an der Schnittfläche von Wissenschaft, Kunst und Politik.</p>
<p class="normal"><strong>Globaler Dorftrottel oder kollektive Intelligenz</strong></p>
<p class="normal">Tatsächlich war zur Zeit der Jahrtausendwende, als Dark Fiber zuerst in englischer Sprache erschien, der Höhepunkt neo-liberaler Hegemonie bereits überschritten, erste Risse deuteten sich an. Der Hyperinvestition folgte der Crash, der manchem ganz die Lust am Internet verdarb. Niemals, niemals, betont Lovink, hätten die Konzerne das Internet erfunden; es sei eine kulturelle Errungenschaft. Dennoch, die transnationalen Konzerne haben es durchdrungen und reorganisiert. Es wurde zur informellen Infrastruktur des beschleunigten globalen High-Tech-Kapiltalismus ausgebaut. &#8220;Ihr mögt nicht an der Ökonomie interessiert sein, doch die Ökonomie ist an Euch interessiert.&#8221; Diese Umwälzung der raum-zeitlichen Dispositive behandelt Lovink in zwei Kapiteln zu den &#8220;Zeitkriegen des 21. Jahrhunderts&#8221; sowie zu den verschiedenen neuen Formen der englischen Sprache auf unserem Planeten, den so genannten „englishes“. Sicherlich weist diese globale Vernetzung menschlicher Praxis über alle bestehen Formen der Unterdrückung, Armut, Unwissenheit und Ausbeutung hinaus. Digitale Güter, digitales Wissen strebt seinem Wesen nach auf das Teilen, auf grenzenlose Verteilung, auf kostenlose Vervielfältigung hin. Lovink plädiert daher für den Kampf gegen alle Formen &#8220;künstlicher Knappheit&#8221;, die nur durch staatliche Kontrolle oder fieberhaft koordinierte Strategien der Konzerne aufrechterhalten werden können. Er erarbeitet in diesem Kontext eine Fülle möglicher Tätigkeitsfelder für Netzaktivistinnen.</p>
<p class="normal"><strong>Illusionen oder Utopien</strong></p>
<p class="normal">Post-modernes rhetorisches Irrlichtern über „Simulacren“ oder digitaler Entkörperlichung sind Lovinks Sache nicht. Er reist lieber engagiert und analog über Grenzen und an Ränder und berichtet in mehreren spannenden Artikeln von seinen Erfahrungen in Albanien, Taiwan und Dehli. &#8220;Es entsteht eine digitale proletarische Klasse&#8221;, erzählt ihm die indische Medien-Aktivistin Shuddha Sengupta.<br />
Zum einen eine proletarisierte globale Call-Center-, Paket-Zusteller- und Reinigungs-Armee, die zu Hungerlöhnen vergleichsweise banalem Schaffen im Umfeld der digitalen Globalisierung ausgeliefert ist. Zum anderen eine durch die Monopol-Bildungen in der New-World-Order-Economy zunehmend proletarisierte Mind-Workers-Class. Ein zunehmend vernetztes und bewußtes &#8220;Cognitariat&#8221;. Und siehe da, darüber hinaus machen nicht mehr nur „Daten-Dandys“ online Zoff. Nein, auch normale Supermarkt-Angestellte bilden Kommunikations-Guerillas. Analoge Proletarier aller Couleurs machen digitalen Stunk jenseits langweiliger Gewerkschafts-Seminare. Sogar Arme, Unterdrückte, Ungehörte in aller Welt entdecken das Netz als Potential wahrhaftiger Kommunikation. Tja, all diese werden es sein, die das Netz wieder politischer und spannender machen, wetten?</p>
<p class="normal"><strong>&#8220;Angst und Verlangen des Netzwerks&#8221;</strong></p>
<p class="normal">Viele der aktuellen Debatten um das Netz lassen sich mit Hilfe der praxeologischen Werkzeuge Lovinks entmystifizieren und besser begreifen. Seien es die Kritik an Google, Phantasmen einer digitalen europäischen Renaissance oder der Wunsch nach einer &#8220;Kultur-Flatrate&#8221;. Sei es die Fassungslosigkeit angesichts gröberer &#8220;Infrastrukturprobleme&#8221; in Bangalore oder die Visionen eines virtuellen &#8220;creative archive&#8221;. Technik-pessimistische und technik-euphorische Erzählungen unserer Tage müssen so nicht mit dem Verweis auf vergangene Erfahrungen als belanglose mediale Kasperliaden abgetan werden. Durch Lovinks kritische Theorie &#8220;in Richtung einer politischen Ökonomie der Netzwerke&#8221; können sie als Modus und Ausdruck gesellschaftlicher Wandlungsprozesse wahrgenommen und gehandhabt werden.</p>
<p class="normal">
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		<title>Nie mehr leben ohne Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitale Stellvertreter im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Virtualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Dem Internet kann man nicht entkommen – eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben scheint ohne digitale Netze kaum mehr möglich. Umso wichtiger ist es daher, die bestehenden und aufkommenden Fragen mit soziologischen Methoden zu dechiffrieren. Denn das Netz ist längst keine mehrheitlich technische Angelegenheit mehr, sondern von genereller gesellschaftlicher Bedeutung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Dem Internet kann man nicht entkommen – eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben scheint ohne digitale Netze kaum mehr möglich. Umso wichtiger ist es daher, die bestehenden und aufkommenden Fragen mit soziologischen Methoden zu dechiffrieren. Denn das Netz ist längst keine mehrheitlich technische Angelegenheit mehr, sondern von genereller gesellschaftlicher Bedeutung.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Doch kulturelle Analysen greifen oft zu kurz, da die Technik nicht hinreichend tiefgehend berücksichtigt wird. Dabei ist es hilfreich, sich einige alltägliche Phänomene anzuschauen und aus der passenden Analyse zumindest Ansätze zu generalisieren und über die Zeit zu retten. Gehen sie nicht weit genug ins Detail, leiden sie unter einer vermeidbaren Unschärfe, die ihren Gebrauchswert absenkt. Die 2004 vom Autor verfasste Arbeit „Das Imaginäre im Internet“ ist ein erster Ansatz, dem entgegenzuwirken. Einige Ergebnisse dieser Arbeit sollen hier vorgestellt werden.</p>
<p>Vornehmlich geht es um die Digitalisierung, die die Vernetzung erst möglich gemacht hat. Des Weiteren ist die Imagination wichtig, denn der viel zitierte Begriff der Virtualität trifft das Problem nicht im Kern: unsere eigene Imaginationsleistung ist es, die uns Bilder auf dem Monitor sehen lässt. Ebenso bedeutend ist der Raumbegriff: durch den Verlust der Materialität wurde der bisher bekannte soziologische Raumbegriff schnell substanzlos, durch die Relevanz der neuen Räume aber nicht zwangsläufig bedeutungslos. Wichtig ist ein prozessualer Raumbegriff, der das „Wie“ des Entstehens von Räumen betont.</p>
<p>Verbindet man die Möglichkeiten der Digitalität mit den Prozessen der Imagination, so erweitert man das Gegenwärtige um einen Denk-Raum, eine Horizonterweiterung, die erst durch die digitalen Netze erwuchs. Dabei darf man nicht im Abstrakten verharren, sondern muss die Chance nutzen, um Lösungen für gegenwärtige Probleme zu formulieren. Es geht um generelle Fragen, die nicht zufällig wieder den Bogen schlagen zu den technischen Bedingtheiten, die nicht kurzsichtig abgehalftert werden dürfen. Es geht um Grundsatzfragen: Wer hat eigentlich die Kontrolle im Netz? Wer beschränkt oder erweitert die theoretischen wie praktischen Möglichkeiten? Wie groß ist der Einfluss auf die Individuen? Wie wird ihre Identität beeinflusst? Verbirgt sich eine soziale oder anderweitig relevante Kontrolle in den Tiefen der Digitalität? Es geht um die Möglichkeit der Verbindung von Soziologie und Digitalisierung, es geht um die Analyse gesellschaftlicher Prozesse, die niemanden mehr verschonen.</p>
<p>Dabei sollte man tunlichst darauf verzichten, Ergebnisse analoger Zeiten der Gegenwart überzustülpen oder die Entwicklungen gar zu ignorieren. Aus technischer Sicht sind Analyseformen, die für andere Medien entworfen wurden, ziemlich fehl am Platz, doch diese Erkenntnis verliert in anderen Disziplinen schnell an Schärfe. Es muss klar sein, dass das Internet allein schon aufgrund der Digitalität ein gänzlich anderes Medium mit gänzlich anderen Möglichkeiten ist. Besonders bedeutend ist in diesem Falle die Potenzierung der Individualisierung, die dem Internetnutzer beispielsweise die Macht gibt, nicht nur Rezipient, sondern auch Produzent zu sein. Das Netz bietet ein kollektives Imaginäres an, im Gegensatz zu den alten Massenmedien.</p>
<p>Ebenso darf man nicht vergessen, dass fern von der hier geforderten Ausweitung einer soziologisch-digitalen Analyse bereits vor allem Prozesse, die wir politisch nennen, im Netz ihre Wirkung entfalten. Der Bezug zur Praxis ist ganz allgemein von immanenter Bedeutung, da Horizonte und Grenzen meist rasant durch die Technik ausgestaltet werden. Wenn man mehr und mehr mit der Praxis konfrontiert wird, mehr und mehr die Ebene der Theorie verlässt, um trotz alledem Theorie zu bilden, desto eher wird man Lösungen finden, die allen dienen und kein Selbstzweck sind. Und das bedeutet nicht, dass man sich beim Praxisbezug auf Anwendung, Statistik oder quantitative Forschung beschränkt. Die ständige Auseinandersetzung mit und die Teilnahme an Möglichkeiten und Milieus, letztlich also die Aushandlung der digitalen Machtfrage, muss eine Aufgabe der technikwissenschaftlichen Forschung sein.</p>
<p>Gerüstet mit zahlreichen Fragen und Ideen, versehen mit dem Werkzeug der theoretischen Analyse, sekundiert durch Empirie, gemessen in einem gerechten Tempo und mit der notwendigen Tiefenschärfe geht es schliesslich auf die Reise ins Netz. Die Analyse erfolgt stets in einer mehrfachen Form: sie nimmt sich den Weg der Kommunikation vor, die jeweiligen Inhalte, das Netz als Produkt sowie als soziale Institution. Es geht vor allem um das Symbolsystem, auf dem das Netz basiert. Sprachliche Kommunikation ist die mächtigste Form der Kommunikation im Internet. Und die maschinelle Sprachbesetzung ist oft mächtiger als der Mensch: wenn Kinder Kühe fortan nur noch als „lila“ erkennen, wird deutlich, wie machtvoll die Maschine ist – denn die Symbole wirken. Doch anstatt zusammen zu zucken, gibt es nur eine Lösung: die Auseinandersetzung mit dem Medium und die Ausgestaltung des Umgangs mit Symbolen und das Verbessern der Fähigkeit zur Kommunikation. Lässt man sich in das weiche Bett der blanken Rezeption fallen, degradiert man das Netz &#8211; und auch sich selbst. Die Passung der Cultural Studies hing nicht zuletzt davon ab, dass Kulturpessimismus wie in der Frankfurter Schule keinesfalls unterstützt wird. Auch deswegen wurden und werden in der eigenen Arbeit stets Bezüge zu Theoretikern hergestellt, deren Werke und Fundstücke sich deutlich von Kritischer Medientheorie und Systemtheorie abgrenzen. Erwähnt seien hier vor allem<br />
                            <a href="http://www.utb.de/katalog_suchen_detailseite.jsp?buchid=144" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Neil Postman</a>,<br />
                            <a href="http://www.utb.de/katalog_suchen_detailseite.jsp?buchid=144" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Marshall McLuhan</a>,<br />
                            <a href="http://www.zvab.com/angebote/vilem-flusser.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vilém Flusser</a>,<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dromologie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Paul Virilio</a> und<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Kunstwerk_im_Zeitalter_seiner_technischen_Reproduzierbarkeit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Walter Benjamin</a>. Die Orientierung bleibt somit qualitativ und interpretativ. Auch der Zugang über die strukturalistische Forschung bietet interessante Ansätze, ebenso wie die kritische Analyse in Hinblick auf digitale Machtverhältnisse. Mythen und Rituale verdienen ebenso eine kritische Betrachtung, denn schliesslich ist der vermeintlich stärkste Wunsch des Netzzeitalters, das Paradigma von der Gleichheit aller im Netz, parallel dazu wohl auch der grösste und langlebigste Mythos von allen.</p>
<p>Gewählt wurden für die Analyse schliesslich Beispiele, die jedermann aus dem Netzalltag vertraut sind: die Relevanz der Schrift wurde hier bereits kurz erwähnt, doch auch die Rolle des Mediums Internet im Medium Film wurde beleuchtet, ebenso wie Datenschutz und Datensicherheit, P2P, die Umkehrung der Erreichbarkeit am Beispiel der Handys und die Rolle der Identität. Letztere soll nun etwas genauer betrachtet werden.<br />
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Jenseits der &#034;Gutenberg-Galaxis&#034;?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/jenseits_der_gutenberg_galaxis-876/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nrieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gutenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Marshall McLuhan]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Die Linie führt vom Mainz des 15. Jahrhunderts direkt ins Silicon Vally: Der Grundstein zum
digitalen Zeitalter wurde vor 550 Jahren gelegt. Johannes Gutenberg war es nämlich, der mit der
Erfindung des Buchdrucks die Grundlage zur Verbreitung der &#34;Verschriftlichung&#34; legte. Und auch in Zeiten
von &#34;livestreaming&#34; und &#34;voice-control&#34; ist das geschriebene Wort hochaktuell.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Die Linie führt vom Mainz des 15. Jahrhunderts direkt ins Silicon Vally: Der Grundstein zum<br />
digitalen Zeitalter wurde vor 550 Jahren gelegt. Johannes Gutenberg war es nämlich, der mit der<br />
Erfindung des Buchdrucks die Grundlage zur Verbreitung der &quot;Verschriftlichung&quot; legte. Und auch in Zeiten<br />
von &quot;livestreaming&quot; und &quot;voice-control&quot; ist das geschriebene Wort hochaktuell.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Kaum einer weiß es, doch anno 2000 begehen wir das <a href="http://www.gutenberg.de/" target="_new" rel="noopener noreferrer"><br />
Gutenbergjahr</a>. Anlass ist der 600. Geburtstag von Johannes Gensfleisch , besser bekannt unter dem<br />
Namen Johannes Gutenberg, der angesichts seiner weitgreifenden Entwicklungen im letzten Jahr zum &quot;Mann<br />
des Jahrtausends&quot; gewählt wurde. Schenkt man den Prognosen des 1962 publizierten Buches &quot;Die<br />
Gutenberg-Galaxis&quot; des kanadischen Medientheoretikers<br />
<a href="http://www.hans-hass.de/Energon/436_438_Ueber_Marshall_McLuhan.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">Marshall<br />
McLuhan</a> Glauben, so befänden wir uns am Ende der &quot;Buchgalaxis&quot; und am Anfang einer neuen<br />
Medien-Galaxis, in der das &quot;Phänomen&quot; Buch durch Fernsehen, Radio und Internet gänzlich an den Rand<br />
gespielt wurde. Doch McLuhan irrte, das Wort wehrt sich &#8230;<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der <a href="http://www.gutenberg.de/zeitgutb.htm" target="_new&quot;" rel="noopener noreferrer">Patriziersohn Johannes Gutenberg</a><br />
hat mit seiner Erfindung der einzelnen gusseisernen Lettern und der Verbesserung des mechanischen<br />
Drucks die Welt verändert, nein nicht nur verändert, sondern revolutioniert: auch wenn die Druckkunst<br />
schon Jahrhunderte vor Gutenbergs Geburt und ebenso das System der bewegbaren Lettern bereits um 1400<br />
bei den Chinesen entwickelt wurden. Jahrhunderte lang musste man sich auf das gesprochene Wort verlassen.<br />
Mit Gutenberg begann sich eine völlig neue Kultur zu entwickeln: Die Kultur des geschriebenen Wortes &#8211; die<br />
Massenliteralität.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Schreib- und Lesekunst war vor Gutenberg ein elitäres Gut. Nicht nur Analphabetismus, sondern auch<br />
die sehr hohen Preise für die kunstvoll in Handarbeit kopierten Schriften behinderten lange Zeit den<br />
Siegeszug der Schriftsprache. Im Mittelalter war die Voraussetzungen für das Lesen eines Textes nicht<br />
nur die Fähigkeit, Lesen zu können, und zugleich die Beherrschung der lateinischen Sprache, sondern<br />
auch die Möglichkeit Bücher und Schriften in ausreichendem Maß erschwinglich herzustellen. Gutenbergs<br />
Entwicklung der beweglichen Lettern und der Druckpresse machte die Vervielfältigung von bis zu 1500<br />
Exemplaren einer Schrift erstmals möglich. &quot;Ohne Gutenberg keine Reformation, keine Schulpflicht,<br />
keine Goethe-Ausgaben, keine Aufklärung, kein Quelle-Katalog und keine Zeitungen&quot;, wie es Jochen Hörisch,<br />
Professor für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Universität Mannheim treffend formuliert.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatte das Buch eine Monopolstellung inne. Über Jahrhunderte hinweg gab es<br />
nur eine Möglichkeit, Informationen, Nachrichten und Mitteilungen festzuhalten und für die Nachwelt zu<br />
sichern, nämlich in schriftlicher Form auf Pergament, Papier oder anderen äquivalenten Materialien.<br />
Laut<br />
<a href="http://www.nzz.ch/online/02_dossiers/dossiers1999/buchmesse99/buch991012dotzler.htm" target="_new" rel="noopener noreferrer"><br />
McLuhan`s Theorie</a><br />
wandeln wir heute jedoch in einer anderen &quot;Medien-Galaxis&quot;, die Galaxis der audiovisuellen Medien.<br />
Das wird sicher niemand bestreiten wollen. 30 Jahre nach Veröffentlichung seines Buches ist ein Teil der<br />
Prognose eingetroffen: der Buchkultur ist ein Zeitalter des Bildes gefolgt. Doch in einem hat sich McLuhan<br />
geirrt. Die bösen AV-Medien, neuerdings noch unterstützt von der digitalen Variante, haben die Welt des<br />
Mediums Buch und der Schriftkultur nicht verdrängt &#8230;. neue Medien verdrängen die alten nicht, sie<br />
ergänzen diese und schreiben ihnen neue Rollen zu. Trotz Telefon schreiben sich die Leute noch<br />
Briefe, obwohl es das Fernsehen gib, existieren noch Theater und trotz Musik aus der Konserve gibt es<br />
noch Live-Konzerte.<br />
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</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Zeitalter von Internet und digitaler Vernetzung scheint es eine Renaissance der Verschriftlichung zu<br />
geben. Nichts anderes passiert doch täglich millionenfach, wenn sich Menschen e-mails schreiben, sich<br />
in Chats und Newsgroups dem geschriebenen Wort hingeben. Das mit zunehmender Weiterentwicklung der<br />
Bild- und Tonübertragung dieser Trend wieder abflauen könnte, sei dahingestellt. Es scheint jedoch<br />
sicher, dass alternative Möglichkeiten der Kommunikation dem Wort nichts anhaben können. Es ist<br />
resistent, einfach deshalb, weil es den Ursprung unserer gegenwärtigen Kommunikationsmedien darstellt.<br />
</span>
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<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Machen wir die Probe aufs Exempel. Vergleichen wir das Medium Buch mit den &quot;neuen Medien&quot; wie zum<br />
Beispiel dem Internet. Gutenberg zerlegte seine Texte in<br />
<a href="http://www.gutenberg.de/erfindun.htm" target="_new" rel="noopener noreferrer">einzelne Zeichen</a>, einzelne Lettern,<br />
die er dann wieder zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügte &#8211; ebenso arbeiten die<br />
Computerspezialisten &#8230; sie spalten Texte in Bits und Bytes, um das Datenwirrwarr dann wieder zu einem<br />
Gesamtgefüge zu verschmelzen.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine Technik, die den Begriff &quot;Text&quot; in der digitalen Welt neu definiert, ist der Hyperlink. Der<br />
Hyperlink, mit dessen Hilfe man mit einem Klick entweder auf einen Zusammenhang im selben Text,<br />
eine Zusatzinformation in einem anderen Dokument, ja auf einen weit entfernten Rechner irgendwo auf der<br />
Welt zugreifen kann, nimmt dem Text eine wichtige Eigenschaft, die ihn jahrhundertlang charakterisierte:<br />
die Eindimensionalität. Doch die Idee hinter der Verlinkung ist mindestens genauso alt, wie das Buch<br />
selbst, nur kleidete sich der Link in vordigitalen Zeiten in die elegante Formulierung Fußnote oder<br />
Verweis. Und um dem Hinweis zu folgen, musste der interessierte Leser selbst aktiv werden: die<br />
entsprechende Seite aufschlagen, oder sich ein weiterführendes Buch aus der Bibliothek holen&#8230;.<br />
Auch bei der Betrachtung von Suchmaschinen führt der Weg unweigerlich zurück zum Buch. Seitdem die<br />
Menschen lesen, gibt es Orientierungshilfen, &quot;Hinweisschilder&quot;, die sie durch den Dschungel der<br />
ungeheuren Flut an geistigen Ergüssen führen. Inhaltsverzeichnisse, Katalogisierungen, Lexika,<br />
alles kleine &quot;gutenbergianische&quot; Helfer.<br />
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</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eines ist sicher. Die digitalen Medien werden Bücher, Zeitschriften und Zeitungen nicht verdrängen.<br />
Neue Medien werden zwar auch weiterhin versuchen, dem Buch seinen Platz streitig zu machen, die Gutenberg-Galaxis jedoch hört<br />
nicht auf zu enden, da ist sich auch<br />
<a href="http://www.uni-mannheim.de/i3v/00032900/00958891.htm" target="_new" rel="noopener noreferrer">Hörisch </a>sicher.<br />
Am Anfang war das Wort. Am Ende auch.<br />
</span></p>
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