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	<title>Menschenrechte &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Menschenrechte &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Neurotechnologie: Brauchen wir neue Menschenrechte?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anne Korn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jun 2017 08:09:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Neurotechnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Rasante Fortschritte in vielen Bereichen der Technologie machen es nötig, Rechte neu zu definieren und Gesetze neu zu schreiben, die klären, was erlaubt und was unangemessen ist. Anstatt auf neue Herausforderungen  nur zu reagieren, sollten wir uns frühzeitig überlegen, welche Rahmenbedingungen wir für neue Technologien schaffen. Anne Korn über die Notwendigkeit, die Menschenrechte angesichts zu erwartender neurotechnologischer Fortschritte zu erweitern.<i>  </i></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><em>„If in the past decades neurotechnology has unlocked the human brain and made it readable under scientific lenses, the upcoming decades will see neurotechnology becoming pervasive and embedded in numerous aspects of our lives and increasingly effective in modulating the neural correlates of our psychology and behavior“.</em><br />
<i></i></p>
<p><em> „Wie in den vergangenen Jahrzehnten die Neurowissenschaft das menschliche Gehirn entschlüsselt und lesbar gemacht hat, so wird die Neurotechnologie in kommenden Jahrzehnten allgegenwärtig und in zahlreiche Aspekte unserer Leben eingebunden werden und immer effektiver die neuralen Grundlagen unserer Psyche und unseres Verhaltens beeinflussen“ (Ienca &amp; Adorno, 2017).</em></p>
<p>Eine unheimliche Vorstellung: Unsere intimsten Gedanken sind nicht mehr privat. Es gibt Maschinen, die uns auf Knopfdruck in den Kopf schauen, unsere Gedanken für Andere sichtbar machen, unsere Entscheidungen voraussagen oder gar unsere Erinnerungen oder unsere Persönlichkeit verändern. Science Fiction – zum Glück!</p>
<p>Fiktionale Beispiele für Eingriffe in Gehirn- und Gedankenwelt gibt es zur Genüge. Wie etwa die dystopische Vision des <a href="http://www.aufbau-verlag.de/index.php/die-33-hochzeit-der-donia-nour.html">Hazem Ilmi</a>, in dessen Roman <i>Die 33. Hochzeit der Donia Nour</i> im Ägypten des Jahres 2048 das Ministerium für Sleepvertising Botschaften direkt in die Gehirne der auf Schritt und Tritt überwachten Menschen sendet und die Regierung es sofort mitbekommt, wenn man sich nicht strikt an die Gebetsvorgaben hält. Oder in einem 2015 bei Motherboard erschienenen <a href="https://motherboard.vice.com/en_us/article/what-happens-when-brain-implants-get-hacked">Artikel</a>, in dem das Gehirn gehackt, das Bankkonto leer geräumt und anschließend jede Erinnerung daran gelöscht wird.</p>
<p>Für Marcello Ienca und Roberto Andorno vom Institut für biomedizinische Ethik an der Uni Basel ist die Vorstellung von Übergriffen auf das menschliche Gehirn nicht mehr nur weit entfernte Zukunftsvision. Sie halten das Risiko für real genug, dass sie kürzlich in der Fachzeitschrift <a href="https://lsspjournal.springeropen.com/articles/10.1186/s40504-017-0050-1"><i>Life Sciences, Society and Policy</i></a>vier neue Menschenrechte vorschlugen: zum Schutz der kognitiven Freiheit, der mentalen Privatsphäre, der mentalen Integrität, sowie der psychologischen Kontinuität. Aber was hat es damit auf sich und ist das wirklich nötig?</p>
<h3>Das Recht auf kognitive Freiheit</h3>
<p>Hierbei geht es um die Freiheit des Einzelnen, Techniken wie Gehirnstimulation zu nutzen, um sich selbst in einen veränderten Geisteszustand zu versetzen – aber eben auch das Recht, dies zu verweigern und von Manipulation frei zu bleiben. Zum Beispiel, <a href="https://www.theguardian.com/science/2017/apr/26/new-human-rights-to-protect-against-mind-hacking-and-brain-data-theft-proposed">wie Ian Sample im <i>Guardian</i> erklärt</a>,  von Übergriffen durch Arbeitgeber, die der Meinung seien, schwache Stromstöße könnten die Gehirn- und somit die Arbeitsleistung ihrer Angestellten verbessern. <a href="https://futurezone.at/science/elektrisches-doping-mit-gleichstrom-zum-superhirn/78.669.218">Transkranielle Gleichstromstimulation</a> (tDCS) heißt das und die dazu nötige Hardware wird unter den Namen <a href="https://uk.foc.us/focus-go-flow-tdcs-brain-stimulator">Foc.us</a> oder <a href="http://www.thync.com/">Thync</a> bereits vermarktet oder von ganz Wagemutigen zur Verbesserung der eigenen Hirnleistung selbst <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hgFWEBwT6BE">gebaut</a>.</p>
<h3>Das Recht auf mentale Privatsphäre</h3>
<p>Der Schutz der mentalen Privatsphäre soll verhindern, dass die Gedanken eines Menschen ohne dessen Zustimmung gelesen werden können. Bei Facebook arbeitet offenbar bereits ein <a href="https://www.theguardian.com/technology/2017/apr/19/facebook-mind-reading-technology-f8">60-köpfiges Team</a> an der Entwicklung einer solchen Technologie, die menschliche Gedanken sichtbar machen kann.</p>
<p>„Es wäre möglich, dass jemand Informationen über eine Person sammelt, ohne dass die Person selbst überhaupt davon weiß“, <a href="https://motherboard.vice.com/en_us/article/how-hackers-could-get-inside-your-head-with-brain-malware">warnt der Forscher Howard Cizek</a>. „Wenn man in ein Onlineformular etwas eingibt, kann man sich zumindest noch die Frage stellen, ob man das wirklich so schreiben will. Hirnsignale sind dagegen unfreiwillig“.</p>
<h3>Das Recht auf mentale Integrität</h3>
<p>Das Recht zum Schutz vor „Brainhacking”. Also davor, dass Hacker das Gehirn fernsteuern oder ihm  gefälschte Signale senden. Forscher an der University of Washington in Seattle <a href="https://motherboard.vice.com/en_us/article/how-hackers-could-get-inside-your-head-with-brain-malware">befürchten</a>, dass Gehirn-Computer-Schnittstellen, sogenannte Brain-Computer-Interfaces oder BCIs, so missbraucht werden könnten. Diese Schnittstellen, die entweder über <a href="https://www.dasgehirn.info/entdecken/brain-computer-interface/kommunikation-per-badekappe-5774">nicht-invasives EEG</a> oder auch über <a href="https://www.dasgehirn.info/entdecken/brain-computer-interface/der-chip-im-gehirn-2772">Implantate</a> funktionieren, wurden bisher vor allem in <a href="http://www.spektrum.de/news/gehirn-computer-schnittstellen-werden-alltagstauglicher/1398145">medizinischen Zusammenhängen</a> genutzt, halten aber nun auch Einzug ins Gaming oder ins <a href="http://www.nielsen.com/us/en/solutions/capabilities/consumer-neuroscience.html">Neuromarketing</a>.</p>
<h3>Das Recht auf psychologische Kontinuität</h3>
<p>Es soll Menschen vor Übergriffen schützen, die ihren Sinn für Identität gefährden oder das Gefühl einer kohärenten Persönlichkeit stören könnten. Tiefenhirnstimulation ist bereits zur Behandlung vieler neurologischer Erkrankungen <a href="https://www.uniklinik-freiburg.de/neurologie/behandlung/bewegungsstoerungen/tiefe-hirnstimulation.html">zugelassen</a>, wirft aber <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3096836/">ethische Fragen</a> auf, z. B. wegen möglicher Nebenwirkungen wie Verhaltens-, Stimmungs- oder Wahrnehmungsänderungen, die Veränderungen der persönlichen Identität zur Folge haben könnten.</p>
<h3>Klingt gruselig. Aber wie realistisch ist das?</h3>
<p>Christiane Woopen, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, äußerte sich in einem <a href="https://www.dasgehirn.info/entdecken/brain-computer-interface/ich-wuerde-eine-hirn-computer-schnittstelle-nutzen-8161">Interview</a> zum Thema Hirn-Computer-Schnittstellen 2014 so: „Für Neurowissenschaftler dürfte es…vermessen klingen zu sagen, dass Hirn-Computer-Schnittstellen einen Menschen fremdsteuern können. Je mehr man sich mit dieser Technik auskennt, desto unwahrscheinlicher mag es einem vorkommen, dass gezielte Fremdsteuerungsprozesse auf komplexe Leistungen möglich sein könnten.”</p>
<p>Sicher wäre es voreilig, angesichts der voranschreitenden Neurotechnologie in Panik auszubrechen – vor allem nicht eingedenk der dadurch möglichen medizinischen Vorteile. Aber Woopen räumte ein dass „wir über die ethische Dimension solcher Szenarien nachdenken” sollten – und eben genau das ist auch das Anliegen der Forscher der Uni Basel.</p>
<p>„Das Gehirn ist die letzte Zuflucht der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung“, schreiben sie. „Wo der Körper leicht der Kontrolle und Dominanz durch andere unterworfen werden kann, ist unser Gehirn, wie auch unsere Gedanken, Meinungen und Überzeugungen, zum größten Teil von Zwängen durch andere frei.“</p>
<p>Damit das auch so bleibt, sei es nötig, gesetzliche und ethische Rahmenbedingungen zur Kontrolle der Neurotechnologie möglichst bald fest zu legen, um Missbrauch und ungewollte negative Konsequenzen zu vermeiden.</p>
<h3>Alles nach Recht und Gesetz?</h3>
<p>Das Gesetz und die Neurotechnologie seien sich ohnehin sehr nahe. Denn wo Letztere daran interessiert sei, die Hirnprozesse zu erforschen, die menschlichem Verhalten zugrunde liegen, sei das Gesetz daran interessiert, menschliches Verhalten zu regulieren. Genauere  Kenntnis des menschlichen Gehirns könne helfen,  Gesetze und  gesetzliche Vorgehen zu verbessern.  Wenn zum Beispiel neurale Bildgebungstechniken zu evidenzbasierteren Entscheidungen führten, oder wenn ein besseres Verständnis kriminaler Verantwortlichkeit zu gerechteren Urteilen führen oder  oder Wiederholungsgefahr verringern könnte.</p>
<p>Jedoch stellt sich dabei die Frage nach der Balance zwischen Privatsphäre und Sicherheit – und damit tun sich Gesetzgeber bekanntermaßen schwer. Die 2010 noch vom BGH kassierte Vorratsdatenspeicherung <a href="https://netzpolitik.org/2017/vorratsdatenspeicherung-ab-juli-schlecht-fuer-grundrechte-und-provider/">kommt jetzt doch</a> und in Großbritannien gilt seit Kurzem die umstrittene „<a href="http://www.independent.co.uk/voices/snoopers-charter-theresa-may-online-privacy-investigatory-powers-act-a7426461.html">Snoopers Charter</a>“, aka The Investigatory Powers Act, nach der Anbieter Kundendaten für zwölf Monate speichern und einer ganzen Reihe öffentlicher und Regierungsorganisationen zugänglich machen müssen. Pam Cowburn von der Open Rights Group bezeichnete das Gesetz, als es 2016 das britische Unterhaus passierte, als „<a href="https://netzpolitik.org/2016/eines-der-extremsten-ueberwachungsgesetze-das-je-in-einer-demokratie-verabschiedet-wurde/">eines der extremsten Überwachungsgesetze, das je in einer Demokratie verabschiedet wurde</a>“. Und die konservative Partei von Premierministerin Theresa May schrieb sich für die vorgezogene Wahl am 8. Juni dieses Jahres eine stärkere Kontrolle des Internets ins Wahlprogramm. Man dürfe Terroristen keinen Raum geben, in dem sie geschützt kommunizieren können. Dass dies unter Umständen auch die Datensicherheit, Privatsphäre und Redefreiheit aller übrigen Nutzer beschneidet, gilt dabei als vertretbares Risiko.</p>
<h3>Rechte zum Schutz vor Gedankenüberwachung?</h3>
<p>In dem eingangs erwähnten Motherboard-Artikel bemerkte Micah Lee von <i>The Intercept </i>zynisch, die Geheimdienste würden unsere Gehirne, wenn man sie ließe, sicher gern hacken. Und <a href="https://jafari.tamu.edu/">Rozbeh Jafari</a>, der Gehirnimplantate erforscht, weist darauf hin, dass wir schon jetzt bereitwillig unsere Privatsphäre aufgeben, um die Qualität der von uns genutzten Dienste zu verbessern – zum Beispiel durch Senden unserer Standortdaten an Google Maps oder das Aufzeichnen unseren Kaufverhaltens mit Hilfe von Kunden- und Kreditkarten. Ob wir mit unserer Privatsphäre auch so unbedarft umgehen, wenn es um unsere intimsten Gedanken geht?</p>
<p>Während es viele Menschen anhand der Massenüberwachung durch NSA, GCHQ und BND, die durch Edward Snowden 2013 bekannt wurde, ebenso gruselte wie angesichts dessen, was die <a href="http://www.pcadvisor.co.uk/how-to/security/what-does-google-know-about-me-tool-3592743/">Google-Suchmaschine</a> oder <a href="http://www.ibtimes.co.uk/what-does-facebook-secretly-know-about-me-how-do-i-find-out-1584225">Facebook</a> über uns wissen könnten, wurden Bedenken häufig mit der Formel beiseite gewischt, dass wer nichts zu verbergen habe, auch nichts befürchten müsse. Eine Meinung, die unglücklicherweise offenbar immer noch viele <a href="https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/datenschutz-ich-hab-doch-nix-zu-verbergen/">teilen</a>.</p>
<p>Angesichts anhaltender Sorglosigkeit, vor allem aber der Bereitwilligkeit vieler Regierungen, zunehmend schärfere Eingriffe in die <i>digitale</i> Privatsphäre ihrer Bürger zu erlauben, haben Ienca und Andorno also womöglich nicht Unrecht, wenn sie schreiben, dass man Menschenrechte, die unsere <i>mentale</i> Freiheit und Unversehrtheit  vor Dritten und manchmal auch vor uns selbst schützen, besser jetzt schon festschreibt – nur für alle Fälle.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/neuronen-hirnzellen-hirnstruktur-1773922/">Neurons</a> von geralt via pixabay <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 public domain</a></p>
<p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Nationales-Internet-Projekt des Iran: Zensur oder Schutz?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/nationales-internet-projekt-des-iran-zensur-oder-schutz-150299/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Sep 2016 05:23:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150301" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg" alt="Internet Halal, Iran" width="640" height="352" /></a>Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen Bevölkerung weiterhin zensierte Anbieter und Netzwerke aus dem Ausland – wie Facebook, YouTube und Twitter. Durch das nationale Datennetzwerk sollen Online-Sperren noch größere Auswirkungen auf den realen Alltag im Iran haben. Die kürzlich zelebrierte Einweihung des „nationalen Internet“ im Iran stößt auf internationalen Aufschrei – die universellen Menschenrechte der Informations- und Meinungsfreiheit seien in Gefahr.</p>
<p>Die erste Phase des nationalen Internet im Iran leitete der iranische Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie, Mahmoud Vaezi, <a href="http://en.mehrnews.com/news/119304/Iran-launches-National-Information-Network" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ende August 2016</a> ein. Das auf den Iran beschränkte Datennetzwerk umfasst in dieser Phase Websites und Dienste von Regierungsstellen sowie von lokalen Behörden. Der Plan ist keineswegs neu: Seit 2010 arbeitet die iranische Regierung an dem Nationales-Internet-Projekt. Anfänglich ging die Regierung sogar von einer Implementierung bis 2015 aus. Heute wird ein nationales Datennetzwerk kaum mehr vor 2019 erwartet.</p>
<h3>Landesweit Surfen im Internet Halal</h3>
<p>Das unberechenbare World Wide Web soll an die digitale Leine genommen werden. Ein sauberes und reines Internet heißt die Maxime, kurz: Internet Halal. Das arabische Wort „Halal“ bedeutet so viel wie „zulässig“ und gestattet nur Online-Inhalte, die nach islamischem Recht erlaubt sind. Nicht nur Staatspräsident Hassan Rouhani, sondern vor allem auch Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei spricht sich für ein kontrollierbares Internet aus. Ein nationales, sicheres und reines Internet soll es also sein. Für die Regierung liegen die Vorteile auf der Hand: technisch gesehen bedeutet es, einen Zugewinn an <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Iran-stellte-erste-Phase-seines-nationalen-Internets-vor-3307868.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheit</a> gegenüber Hacker-Angriffen sowie schnellere und preiswertere Breitbandverbindungen zu schaffen. Aber nicht nur der Technologiesektor, sondern auch die Wirtschaft schlage Profit, da durch die Unabhängigkeit zum World Wide Web mehr Arbeitsplätze in nationalen Projekten generiert werden können.</p>
<p>Dass manche Argumente auf Seiten der iranischen Regierung „nicht ganz ohne Substanz“ seien, meint auch Politikwissenschaftler Dr. Marcus Michaelsen. Seit Jahren forscht und publiziert er zum digitalen und politischen Wandel im Iran und hält fest: „Immerhin war der Iran Ziel eines der ersten internationalen Cyberangriffe auf eine zentrale staatliche Infrastruktur. Durch Sanktionen und Isolation des Landes hat die iranische Regierung die Bedeutung von eigenständiger Beherrschung von Technologie schätzen gelernt.“ Dass der Drang nach Sicherheit ein historisch gewachsenes Resultat der iranischen Regierung auf internationale Konflikte ist, bezweifelt auch der iranische Geflüchtete und Internetsicherheit-Forscher Amir Rashidi nicht. Amir Rashidi studierte Software Engineering im Iran, floh nach der umstrittenen Wahl 2009 als Aktivist nach Italien und arbeitet nun seit zwei Jahren in New York bei der Menschrechtsorganisation <a href="https://www.iranhumanrights.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Campaign for Human Rights in Iran</a>. Auf technischer Ebene sieht Rashidi das gesamte Projekt vielmehr als eine Art „nationales Intranet“, also wesentlich „kleiner dimensioniert im Sinne eines internen Netzes, das vor fremden Eingriffen geschützt werden soll.“ Auch Rashidi bestätigt den Vorteil der technischen Schnelligkeit und Kosteneinsparung, während er das Problem der virtuellen Kontrolle auf einer ganz anderen Ebene sieht: „Wir Iraner vertrauen der Regierung nicht.“</p>
<h3>Internetzensuren im Iran: technische Sicherheit vs. digitale Apartheid</h3>
<p>Auch wenn iranische Stimmen – wie die des ersten Vize-Präsidenten Irans, Eshagh Jahangiri – beteuern, dass das nationale Internet <a href="http://parstoday.com/de/news/iran-i14122-nationales_internet_in_iran_in_betrieb_genommen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">keine Einschränkung</a> für den Informationszugriff bedeutet, sehen dies Menschenrechtsverteidiger anders. Für die britische Menschenrechtsorganisation <a href="https://www.article19.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Article 19</a> passen internationale Standards der Informations- und Meinungsfreiheit, nach <a href="http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Art. 19, UN Menschenrechtskonvention</a>, nicht zum Konzept eines nationalen Datennetzwerkes. In ihrem Anfang 2016 erschienenen <a href="https://www.article19.org/data/files/medialibrary/38315/The-National-Internet-AR-KA-final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Report</a> zum nationalen Internet-Projekt sehen sie den Schutz der Online-Anonymität und das Recht auf Privatsphäre in Gefahr. Auch bei Reporter ohne Grenzen (<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ROG</a>) steht der Iran auf der Liste der „<a href="http://12mars.rsf.org/wp-content/uploads/EN_RAPPORT_INTERNET_BD.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Feinde des Internet</a>“. ROG befürchtet seit Jahren ein zweigeteiltes Internet, eine Art „<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung/internet-experte-ohne-anklage-in-haft-rog-befuerchtet-digitale-apartheid/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitale Apartheid</a>“, in der die Bevölkerung lediglich Zugang zu gefilterten Online-Inhalten hat, während Regierung und religiöse Anführer, wie Ayatollah Ali Khamenei, keine Einschränkung haben.</p>
<p>Auch Michaelsen sieht Gefahren in dem Aufbau eines nationalen Datennetzwerks: „In jedem Fall birgt das Projekt Risiken für den freien Zugang zu Informationen, weil Verbindungen zum World Wide Web besser eingeschränkt, überwacht und gefiltert werden können.“ Kontrolle und Unterdrückung sind besonders aufgrund vergangener Menschenrechtsverletzungen im Iran ein brisantes Thema. So kam es bereits in der Vergangenheit zu Festnahmen von <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/deutsche-journalisten-in-iran-haft-fuer-die-pressefreiheit-1.1053773" target="_blank" rel="noopener noreferrer">JournalistInnen</a> und <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-05/iran-instagram-models-schleier-strafverfahren-festnahme" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Models</a>. Aufsehen erregte auch der Fall eines <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107781865/Haeftling-soll-nationales-Internet-im-Iran-aufbauen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iranischen Internet-Experten</a>, der ohne Anklage inhaftiert wurde und im Gefängnis als Programmierer für die iranische Regierung arbeiten musste.</p>
<p>Amir Rashidi betont in dem Zusammenhang, dass die Regierung einfach Angst habe vor den westlichen Lebensweisen und Selbstinszenierungen, wie sie durch Instagram, Facebook und Co. ermöglicht werden. Aber wie kommt die Regierung erst an die Leute, die sie verhaften will? „Die Taktik und die gesamte Hacker-Technik der Regierung ist unglaublich simpel“, meint Rashidi. Ob erzwungene Informationen durch InformantInnen oder einfachste Hacking-Angriffe auf Accounts von Störenfrieden des „Halal“ Internet – „die Möglichkeiten der Regierung sind so unglaublich einfach, aber effektiv“, so Rashidi.</p>
<h3>Rouhani und der virtuelle Alltag im Iran</h3>
<p>In der Islamischen Republik Iran haben sich mit Amtswechsel auch virtuelle Regierungsziele verändert: unter Mohammad Chatami und Mahmud Ahmadinedschad wurden bereits Online-Inhalte in großem Umfang gefiltert. Michaelsen stellt aber den entscheidenden Unterschied nach den Wahlen 2009 fest: Nachdem die Bevölkerung soziale Netzwerke und digitale Kommunikation zur Protestförderung nutzte, „hat die iranische Regierung ihre Versuche, das Internet zu kontrollieren und zu überwachen, eindeutig verschärft.“ Nicht nur Amir Rashidi floh zu dieser turbulenten Zeit aus dem Iran, sondern <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/flucht-aus-iran-ueber-die-grenze-und-in-den-westen-a-663465.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tausende reformorientierte IranerInnen</a>. Für Rashidi „hat alles unter Ahmadinedschad begonnen. Die Regierung wurde immer nervöser“ &#8211; es ging schon lange nicht mehr nur um die Zensur von Pornographie und Religiösem. Die politische Online-Nutzung nahm ein neues Ausmaß an. Dabei erinnert sich Rashidi vor allem an ein Video, welches die Regierung möglichst schnell aus dem Netz nahm. Darin sah man inmitten der Aufstände eine tote Frau, die zur „<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/tote-iran-demonstrantin-neda-die-ikone-des-protests-a-631670.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ikone des Protests</a>“ wurde.</p>
<p>Zur Wahl Rouhanis 2013 kamen vor allem bessere technische Möglichkeiten auf Regierungsseite zu tragen. Michaelsen berichtet, dass der Internetverkehr in „kritischen Momenten <a href="https://iranwire.com/en/features/1653" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verlangsamt</a>“ wurde und Rouhani seitdem seinem „<a href="http://politik-digital.de/news/kurswechsel-im-iran-ein-tweet-in-richtung-freiheit-133173/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlversprechen</a> von mehr Informationsfreiheit im Internet“ nicht nachgekommen sei. Aus der Distanz betrachtet, stellen wir uns darunter extreme Einschränkungen im Alltag der iranischen Bevölkerung vor. Die deutschgebürtige Iranerin Zonai (25) berichtet aber, dass alle ihre Verwandten und Bekannten im Iran Instagram und Facebook haben. Dem Geo-Blocking im Iran lässt sich einfach über Virtual Private Networks (VPN) oder Tor entkommen. Diese technischen Lösungen sind aber im Gegensatz zu einer Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken im Iran nicht erlaubt. Die Umgehung der Zensur via Proxys steht sogar <a href="http://www.heise.de/ct/artikel/Iran-Der-Machtkampf-um-Informationen-2566400.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unter Strafe</a>. „Über Sanktionen machen sich meine Verwandten keine Gedanken oder es ist ihnen auch gar nicht so bewusst“, erzählt Zonai. Um Kontakt zu halten, schreibt die Studentin keine E-Mails, sondern nutzt Instagram und chattet über die unzensierte App Telegram mit ihren Verwandten im Iran. Auch Rashidi freut sich, dass Telegram mittlerweile mit 20 Millionen NutzerInnen im Iran als populärste Messaging-App fungiert.</p>
<h3>Twitter Halal?</h3>
<p>Auch Twitter ist seit der Wahl 2009 für die iranische Bevölkerung ohne Umwege nicht mehr zugänglich. Repressionen und Propaganda waren die Folge der intensiven Nutzung von Twitter als Informations- und Organisationstool während der Proteste. Die Politiker bleiben aber unbeirrt: im Zuge ihrer eigenen Internetfreiheit twittern Rouhani, Khamenei und Co. – und das sogar über mehrere Accounts und Sprachen. Ausgerechnet die Gegner der virtuellen Welt führen mehrere Accounts auf verschiedenen Netzwerken, wobei sie damit doch theoretisch im Internet Halal niemand in ihrem eigenen Land erreichen dürften. Auch spielte <a href="https://smallmedia.org.uk/media/projects/files/IranVotes_2016.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter in der Parlamentswahl 2016</a> eine wichtige Rolle, weshalb Rashidi der Auffassung ist: „Twitter wird die erste Plattform sein, die die Regierung wieder entblockt. Da bin ich mir sicher.“</p>
<p>Starke Interessendivergenzen bei zensierten Online-Diensten, die bekommt Zonai vor allem zwischen den Altersgenerationen mit: „Die jungen Leute wollen mehr Freiheiten haben, aber die Älteren haben einfach mehr Macht.“ Aber auch insgesamt kann sich Zonai nicht vorstellen, dass irgendwer im Iran ein nationales Intranet, geschweige denn Internet, begrüßen würde. Aus westlicher Perspektive scheinen die Einschnitte in die Menschenrechte alle anderen Vorteile in den Hintergrund zu drängen. Michaelsen betont aber auch, dass das ganze Projekt „von doppeldeutigen Zielstellungen geprägt“ sei, da die Datenspeicherung von Regierung und Administration innerhalb des eigenen Landes „auch ein legitimes Ziel“ ist. In einer Hinsicht gibt auch Rashidi zumindest eine kleine Entwarnung: „Rouhani weiß, dass es keine nationale Entkopplung geben kann, und er will auf keinen Fall eine digitale Isolation von der restlichen Welt – aber ja, Kontrolle will er schon.“</p>
<p>Titelbild: Internet Halal, Iran von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Jan Malinowski (Europarat): &#034;Kontrolle über die Wahrung der Menschenrechte im Internet ist unvermeidlich&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Idelberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jun 2014 15:12:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Rolle spielen die Menschenrechte in der Internet Governance? Wie kann ihre Einhaltung im Internet sichergestellt werden? Und welche Aufgabe [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><i><b><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_teilnehmer_jan.jpg"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-141187" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_teilnehmer_jan.jpg" alt="eurodig_teilnehmer_jan" width="639" height="280" /></a></b></i><br />
Welche Rolle spielen die Menschenrechte in der Internet Governance? Wie kann ihre Einhaltung im Internet sichergestellt werden? Und welche Aufgabe hat der Europarat dabei? Auf dem diesjährigen EuroDIG beantwortete Jan Malinowski, beim Europarat zuständig für die Informationsgesellschaft, diese und weitere Fragen rund um das Thema Menschenrechte im Internet.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i> <em>Im April hat der Europarat die Charta der Menschenrechte und Prinzipien für das Internet <em>veröffentlicht</em>, einen <a href="http://www.coe.int/t/informationsociety/Rights%20of%20Internet%20Users/Draft%20Council%20of%20Europe%20Guide%20on%20Human%20Rights%20for%20Internet%20Users.pdf">Leitfaden</a> der Menschenrechte für Internetnutzer. Was ist das Ziel dieses Leitfadens?</em></p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><b>Jan Malinowksi:</b> Das Ziel war es, Internetnutzern in sehr einfacher Form zu veranschaulichen, welche Rechte sie im Internet aus Sicht der Menschenrechte haben. Zum Beispiel, wenn sie Allgemeinen Geschäfts- und Nutzungsbedingungen zustimmen, die meist knapp gefasst und schwierig zu verstehen sind.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de: </b></i><em>Welche sind die zentralen Punkte des Leitfadens?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowksi:</b> Zunächst ist es wichtig zu wissen: Die Empfehlungen sind zwar nicht bindend für die 47 Mitgliedsstaaten des Europarats, aber sie basieren auf den Menschenrechten, die online wie offline gelten. Einer der wichtigsten Aspekte ist das Recht auf Meinungsfreiheit, der zweite ist das Recht auf Privatsphäre. Aber es gibt noch eine weitere wichtige Feststellung: Es müssen wirksame Rechtsmittel vorhanden sein und diese müssen für alle Europäer, deren Menschenrechte verletzt werden, zugänglich sein.</p>
<p style="text-align: left;">Die Idee dahinter ist, dass der Rechtsweg in einem vernünftigen Verhältnis zum Anliegen stehen muss. Es kann keine Regel werden, dass man für kleinere Rechtsfälle mit US-Konzernen den weiten Weg an kalifornische Gerichte gehen muss. Auch die Zahl der Rechtsfälle am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die das Internet betreffen, nimmt stetig zu. Dabei könnten viele Angelegenheiten auf lokaler oder nationaler Ebene im Dialog mit dem Netzbetreiber verhandelt und gelöst werden. Man kann mit seinem Anliegen natürlich auch zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen, aber das ist nicht der Zweck des Gerichts, nicht alles sollte dort landen.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Das Subsidaritätsprinzip sollte gelten und es sollte ein Wiki für Informationen genutzt werden&#8221;</p>
</blockquote>
<figure id="attachment_140670" aria-describedby="caption-attachment-140670" style="width: 244px" class="wp-caption alignright"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_jan_malinowski.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-140670  " style="border: 0.5px solid black;" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig_jan_malinowski-305x201.jpg" alt="View Point, Europe's first human rights talkshow : Freedom of expression, decade under attack." width="244" height="161" /></a><figcaption id="caption-attachment-140670" class="wp-caption-text"><strong>Jan Malinowski</strong> ist Leiter des Ressorts Informationsgesellschaft im Generaldirektorat des Europarats. Der polnische Jurist arbeitet seit mehreren Jahren für den Europarat in Straßburg und ist in seiner Funktion u.a. mitverantwortlich für kürzlich verabschiedete Konventionen zu Datenschutz und Internetkriminalität.</figcaption></figure>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i> <em>Wie kann das in der Praxis aussehen? Wenn nicht alle User mit ihren Anliegen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen sollen, wohin dann?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski: </b>Zuerst sollten Sie das Gespräch mit der Gegenseite auf lokaler Ebene suchen, wer immer das in der jeweiligen Situation ist, sei es der Internetanbieter oder eine Behörde. Im Europarat können wir uns aber auch vorstellen, dass europaweit und kollaborativ nützliche Informationen in einem Wiki zusammengetragen werden. Menschen könnten dort über ihre Erfahrungen schreiben, vor allem über die Instrumente und Rechtsmittel, auf die sie zurückgegriffen haben. Außerdem sollte man auf einer solchen Plattform Informationen über die jeweils zuständigen Verbtraucherberatungen und Bürgerbeauftragten finden, die einem praktische Unterstützung in der Angelegenheit geben können. Das sollte aber eine Bottom-up-Initiative sein, so etwas kann nicht von höchster Ebene geleistet werden. Wir können nicht alle Informationen und Adressen im Detail für ganz Europa auflisten. Im Idealfall kommt das von den Bürgern selbst, die sagen: „Ich weiß das, und so läuft es ab.“</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Der Europarat spricht sich eindeutig für Netzneutralität aus&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Ein Punkt in dem Leitfaden empfiehlt, dass jeder Europäer Zugang zum Internet haben sollte und auf alle dort veröffentlichten Informationen. Vor diesem Hintergrund kann man nur sehr schwer gegen Netzneutralität argumentieren. Spricht sich der Europarat für Netzneutralität aus?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Wir arbeiten zurzeit an einem Text zur Netzneutralität, wir befinden uns in der finalen Phase der Verhandlungen. Ich hoffe, dass der Text im September oder Oktober verabschiedet werden kann.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Können Sie bereits sagen, welche Position der Europarat in dem Text einnehmen wird</em>?</p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski: </b>Er spricht sich eindeutig für Netzneutralität aus. Das Ministerkomitee<span style="font-size: xx-small;"> </span>hat in der Vergangenheit bereits vielfach klar <a href="http://hub.coe.int/web/coe-portal/search?cmd=search&amp;format=&amp;groupId=0&amp;keywords=net+neutrality&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Position für Netzneutralität</a><span style="font-size: xx-small;"> </span>bezogen. Er hat auch eine <a href="https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=1678287" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erklärung<span style="font-size: xx-small;"> </span>zur Netzwerkneutralität</a> verabschiedet, auf die sich alle 47 Mitgliedsstaaten verständigt haben. In dieser Deklaration wird grob dargestellt, welche Vorkehrungen zu treffen sind, um die Einhaltung der Menschenrechte im Internet zu gewährleisten<span style="font-size: xx-small;"></span>. So soll ein möglichst ungehinderter Internetzugang für alle sichergestellt werden. Das Datenverkehrsmanagement ist nur zur Sicherstellung der Netzwerksicherheit erlaubt und muss strikten Richtlinien folgen.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de: </b></i><em>Wie beurteilen Sie das so genannte Google-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das dem Einzelnen ein Recht auf Vergessen im Internet zuspricht<span style="font-size: xx-small;"></span>?</em></p>
<p style="text-align: left;">Man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen. Das Google-Urteil ist eine Auslegung des Rechts durch den EuGH und wird an den obersten Gerichtshof Spaniens zurückgespielt. Dieser muss den Fall unter Berücksichtigung des EuGH-Urteils neu auslegen. Wir wissen noch nicht, wie es genau angewendet werden wird. Es gibt noch einige offene Fragen: Was bedeutet das Urteil künftig für das spanische Gesetz? Welche Folgen wird es auf die Balance zwischen Privatsphäre und Meinungsfreiheit haben?</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Was bedeutet das Urteil denn für die EU-Mitgliedsstaaten? Müssen sie es berücksichtigen?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinwoski: </b>Ja. Sofern die Richtlinie und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union in diesem spezifischen Rahmen interpretiert wurden, muss diese Interpretation von den Mitgliedsländern angewendet und befolgt werden. Dabei müssen aber auch die Auswirkungen auf die Gesetzgebung des jeweiligen Landes bedacht werden.</p>
<p style="text-align: left;">Der EuGH hat ganz klar festgestellt, dass in Fällen wie in dem gegen Google Fragen der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sowie Fragen des öffentlichen Interesses tangiert sind. Das Urteil gibt nicht jedem Europäer das Recht, Suchergebnisse entfernen zu lassen. Es gibt Informationen, die in die Öffentlichkeit gehören.</p>
<p style="text-align: left;">Als Beispiel kann der Fall des <span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.humanrightseurope.org/2014/06/france-court-backs-paris-match-publisher-over-prince-albert-of-monaco-article-sanction/">Prinzen von Monaco gegen Paris-Match</a></span></span> genannt werden, in dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Ende das Urteil des obersten Gerichtshofs von Monaco aufhob. Der Straßburger Gerichtshof hat am Ende die Verletzung des Rechts auf Meinungsfreiheit des Magazins Paris Match über das Recht auf Privatsphäre des Prinzen gestellt. In jedem Fall, der vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gelangt, müssen also verschiedene Aspekte, wie Meinungsfreiheit, Privatsphäre und öffentliches Interesse gegeneinander abgewogen werden.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Artikel 8 der Europäischen Menchenrechtskonvention räumt den europäischen Bürgern das Recht auf Privatsphäre im Nachrichtenverkehr ein.&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i><i> </i><em>In den einzelnen EU-Staaten finden wir unterschiedliche Werte und Einstellungen gegenüber dem Datenschutz. Dieser hat zum Beispiel in Deutschland einen viel größeren Stellenwert als etwa in Großbritannien. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit für den Europarat mit den zum Teil weit auseinanderliegenden Positionen zwischen den Ländern um?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Das muss man auf mehreren Ebenen beantworten. Auf der ersten Ebene haben wir <a href="http://dejure.org/gesetze/MRK/8.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention</a>, der das Privatleben schützt und den europäischen Bürgern das Recht auf Privatsphäre im Nachrichtenverkehr einräumt. Mögliche Ausnahmen davon müssen im Gesetz bereits berücksichtigt und mit bestimmten Beschränkungen versehen werden. In einer demokratischen Gesellschaft muss eine Einschränkung dieses Schutzes und Rechts immer begründet werden und verhältnismäßig sein.</p>
<p style="text-align: left;">Für ein gemeinsames Verständnis im Europarat haben wir das <span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://conventions.coe.int/Treaty/en/Treaties/Html/108.htm">Übereinkomme</a></span></span>n zum Schutz der Menschen bei der automatischen Verarbeitung personenbezogener Daten. Mit diesem haben sich die Mitgliedsstaaten auf gewisse Rahmenbedingungen und eine Mindestanforderung geeinigt, die auch außerhalb Europas angewendet werden kann. Wir befinden uns gerade in dem Prozess, diese in Kooperation mit der Europäischen Union zu aktualisieren und den heutigen Gegebenheiten anzupassen. Im Fall des Verdachts, dass die aktuelle Situation in einem Land unter den Mindeststandard gefallen ist oder dass Bürger in diesem Land exzessiver staatlicher Überwachung ausgesetzt sind, kann dieser Fall vor den EuGH gebracht werden. Zurzeit gibt es zum Beispiel den Fall „<span style="color: #000080;"><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.ccc.de/de/updates/2014/gchq-egmr">Big Brother Watch“ gegen Großbritannien am EuGH</a></span></span>: Darin geht es um die Frage, ob die britischen Videoüberwachungsmaßnahmen die Menschenrechte respektieren. Der Fall wird als richtungsweisend angesehen und soll deshalb schnell abgeschlossen werden. Mit seinem Urteil wird der EuGH eine klare Orientierung vorlegen, wie solche Überwachungsmaßnahmen aus menschenrechtlicher Perspektive zu bewerten sind.</p>
<p style="text-align: left;"><div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong>Europarat</strong></p>
<p style="text-align: left;">Der <a href="http://www.coe.int/de/web/about-us/who-we-are" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Europarat</a> ist eine 47 Staaten umfassende Institution, die sich mit gesamteuropäischen Fragen insbesondere zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Europas beschäftigt. Er wird oft mit dem Europäischen Rat und dem Rat der Europäischen Union verwechselt, obwohl keine strukturellen Verbindungen existieren.</div></div>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Wie funktioniert die Wechselwirkung zwischen dem EuGH und den 47 Mitgliedsstaaten des Europarats?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Der Europäische Gerichtshof ist unabhängig von den Mitgliedsstaaten. Bevor die Mitgliedsstaaten sich im Europarat auf einen Standard festlegen, einigen sie sich grundsätzlich darüber, was sie in der jeweiligen Angelegenheit machen können und sollten. Die Einschätzung des Europarats zu einzelnen Artikeln der Europäischen Menschenrechtskonvention ist für den EuGH aber nicht verbindlich, während umgekehrt Urteile des EuGH für die Mitgliedsstaaten bindend sind.</p>
<p style="text-align: left;"><em><strong>politik-digital.de: </strong>Wie kann das Recht auf Privatsphäre im Internet praktisch umgesetzt werden? Nehmen wir an, dass ein Suchergebnis in Großbritannien zu Recht entfernt wurde, aber bei Google Deutschland weiter zu finden ist. Bisher steht mir als Nutzer frei, welche Ländersuchmaschine von Google ich benutze. Welche Mechanismen brauchen wir, um Urteile wie das gegen Google wirksam anzuwenden?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Das dürfte sehr schwierig sein, und das Beispiel zeigt zugleich, dass es nicht in der alleinigen Verantwortung von Google liegt, Inhalte zu entfernen oder unauffindbar zu machen. Wenn Informationen im Internet zu finden sind, die dort von Anfang an nicht stehen sollten, ist dafür nicht Google verantwortlich. Google sollte aber alle seine ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, solche Ergebnisse mit Hilfe seiner Algorithmen in der Liste der Suchergebnisse weit unten zu platzieren. Gleichzeitig können Herausgeber Inhalte mit dem Hinweis „nicht-indexieren“ versehen, damit diese nicht von Suchmaschinen gefunden werden. Die Inhalte, die in die Öffentlichkeit gelangt sind, können im Nachhinein bei Bedarf zurückgezogen oder mit einem Verfallsdatum versehen werden, falls sie nicht als historischer Beleg für ein Ereignis dienen.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Ich halte die Kontrolle über die Wahrung der Menschenrechte im Internet für unvermeidlich.&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i> <em>Wie würden sie die derzeitige Situation der Menschenrechte im Internet beurteilen? Wo stehen wir in Europa?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Der Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland hat im April einen <a href="http://www.theguardian.com/law/2014/apr/14/europe-rule-law-crisis-council-thorbjorn-jagland-report-ukraine" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bericht </a>zum Zustand der Demokratie, der Menschenrechte und des Rechtsstaats  vorgelegt. In diesem drückt er seine Befürchtungen aus, dass Gesetze hier und dort entstehen, die dem Recht auf Meinungsfreiheit im Internet zuwider laufen. Allerdings nennt er keine Länder beim Namen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich würde über das, was Jagland schreibt, hinausgehen: Wir haben bislang keinen Kontrollmechanismus, mit dem sich zuverlässig sagen lässt, welches Land auf einem gutem Weg ist und welches nicht. Was wir haben, sind die Standard setzenden Aktivitäten des Europarats. Die entsprechenden Dokumente haben immer eine Präambel, die das jeweilige Problem identifiziert. Nach den Snowden-Enthüllungen hat das Ministerkomitee des Europarats zum Beispiel eine <a href="https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=2074317&amp;Site=CM" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="color: #000080;">Erklärung zu digitaler Verfolgung und anderen Überwachung</span>stechnologien</a> abgegeben – zu der Frage, wie die Menschenrechte davon betroffen sind. Diese Dokumente des Europarats zeigen Probleme auf, die angesprochen werden müssen, und haben damit Signalwirkung.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de</b></i><em><b>:</b> Sowohl die Türkei als auch Russland sind Mitglieder im Europarat. In beiden Ländern, insbesondere in der Türkei, gab es in den vergangenen Monaten immer wieder heftige Diskussionen über Zensur und die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Ist das im Europarat Thema?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Im Fall der Türkei wurde das Problem auf nationaler Ebene gelöst. Das türkische Verfassungsgericht entschied, dass das Blockieren von Twitter und YouTube verfassungswidrig war. Hätte das Gericht anders entschieden, wäre der Fall vielleicht vor den EuGH gekommen. Es wäre dann die Aufgabe des EuGH gewesen zu entscheiden, ob die Sperren die Menschenrechte verletzen. Wir haben also mit dem EuGH eine sehr starke Kontrollinstanz, die jedoch erst im Nachhinein auf Ereignisse reagieren kann. Außerdem müssen zuerst alle nationalen Rechtsmittel ausgeschöpft sein, bevor der EuGH angerufen werden kann. Eine Reaktion geschieht daher immer zeitlich verzögert.</p>
<p style="text-align: left;">Doch der Europarat diskutiert zurzeit Möglichkeiten, die es uns erlauben, schneller auf Besorgnis erregende Situationen zu reagieren. Die Mitgliedsstaaten haben sich grundsätzlich auf die Einrichtung einer Plattform geeinigt, auf der Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen und von glaubwürdigen gesellschaftlichen Organisationen gesammelt werden sollen, wenn es Handlungsbedarf bei Verstößen gegen die Meinungsfreiheit in den Mitgliedsländern gibt. Zurzeit befinden wir uns noch in der Planungsphase, am Ende wird dem Ministerkomitee<span style="font-size: xx-small;"> </span>ein Entwurf zur Zustimmung vorgelegt.</p>
<p style="text-align: left;"><i><b>politik-digital.de:</b></i><em> Bis dato existiert kein Kontrollsystem, das die Situation der Menschenrechte im Internet kontrolliert. Für die Sicherheit in Europa haben wir die OSZE. Wäre es nicht gut, eine vergleichbare Kontrollinstanz für die Achtung der Menschenrechte im Internet zu haben?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinowski:</b> Ich halte die Kontrolle über die Wahrung der Menschenrechte im Internet für unvermeidlich. Es ist nur die Frage, wer wann und wie kontrollieren wird. Ich persönlich glaube, dass eine starke Kontrollinstanz lieber früher als später eingeführt werden sollte. Sie kann jedoch kein Gericht ersetzen. Aber wir brauchen eine vorgelagerte Kontrollinstanz, die fähig sein muss, schnell auf Probleme zu reagieren, damit Verletzungen der Menschenrechte im Internet nicht andauern und damit eine neue Situation nicht zu Verletzungen derselben führt. Ich denke, dass der Europarat diese Aufgabe übernehmen sollte, weil er die Institution für Menschenrechte in Europa ist.</p>
<p style="text-align: left;"><em><b>politik-digital.de:</b> Hat der Europarat bis heute irgendwelche Anstrengungen unternommen, eine solche Kontrollinstanz unter seiner Regie einzuführen?</em></p>
<p style="text-align: left;"><b>Jan Malinwoski:</b> Generalsekretär Jagland hat die Schaffung einer Kontrollinstanz als notwendig bezeichnet. Die Diskussion um die Wahrung von Menschenrechten im Internet wird immer intensiver geführt. Wir müssen uns um die Folgen von Menschenrechtsverletzungen kümmern. Über kurz oder lang wird es dazu Vorschläge geben. Das Ministerkomitee<span style="font-size: xx-small;"> </span>des Europarats hat Mitte Mai den Bericht des Generalsekretärs geprüft und hatte keinerlei Einwände. Nun muss der Europarat Vorschläge machen, wie die Empfehlungen des Generalsekretärs konkret umgesetzt werden können.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Das Interview führten Felix Idelberger und Simone Jost-Westendorf.<br />
</em></p>
<p style="text-align: left;">Fotos: <a href="http://www.eco.de">Eco</a> hat die Rechte am Teaserbild und das Profilfoto wurde uns vom <a href="www.coe.int">Europarat </a>gestellt.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>#eurodig: Der Weg ist das Ziel?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jun 2014 17:35:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zum siebten Mal treffen sich seit heute beim European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG), einer der wichtigsten europäischen Konferenzen im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140356" alt="eurodig" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig.png" width="640" height="318" /></a>Zum siebten Mal treffen sich seit heute beim European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG), einer der wichtigsten europäischen Konferenzen im Bereich der Internet Governance, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Unter dem Motto “Digital Society at stake &#8211; Europe and the future of the Internet“ werden zentrale Herausforderungen und Entwicklungen diskutiert. Bei der Auftaktveranstaltung offenbarten sich trotz insgesamt großer Einigkeit auch erste Konfliktlinien.<br />
Das Internet ist frei und offen für jeden. Diese Eigenschaft ist es, die Internet-Governance als  naheliegende, ja fast schon unumgängliche Spielwiese für Multistakeholder-Modelle auszeichnet. So sahen das auch die Initiatoren des diesjährigen <a href="http://politik-digital.de/eurodig-2014-in-berlin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a> und erklärten das Thema kurzerhand zum Schwerpunkt des Events sowie der heutigen Eröffnungsveranstaltung. Der EuroDIG solle keine der üblichen Top-down-Konferenzen sein, sondern ein Forum für verschiedene Stimmen und Interessengruppen bieten.<br />
In den Reihen der Ausrichter und ihrer wohlsortierten Podiumsgäste war man sich weitestgehend einig, dass nicht zuletzt auch wegen der guten Erfahrungen bei der <a href="http://netmundial.br/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETMundial</a> in São Paolo der Multistakeholder-Ansatz ein zentrales Element der Internetpolitik sein müsste. Im Hinblick auf die internationale Konferenz im April dieses Jahres sprach beispielsweise Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft eco, von einem Kick-Off-Event. Bereits <a href="http://politik-digital.de/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in einem Interview</a> im Vorfeld des EuroDIG  hatte der Gastgebervertreter auf die große Bedeutung von Gleichberechtigung und Mitsprache der Zivilgesellschaft in internationalen Foren hingewiesen.<br />
<b>„The Internet is different“</b><br />
Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte in seiner Eingangsrede, dass sich die  grundlegende Struktur des Internets in der Art und Weise widerspiegeln müsse, wie wir politische Entscheidungen debattieren und treffen. Regieren und Dialog seien, so Steinmeier, besser vereinbar, als das auf den ersten Blick vielleicht erscheine. Das Internet dürfe keinesfalls ein rechtliches Vakuum darstellen. In seiner halbstündigen Rede warf der SPD-Minister außerdem Themen wie die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Internet 4.0, die Vorteile für die Beteiligung an Demokratie, Zugangschancen und Medienbildung auf. Begleitet von rund 20 als Edward Snowden maskierten Zuschauern kam er außerdem auf den tiefen Vertrauensverlust gegenüber der Bundesregierung und den USA im Zuge der NSA-Affäre zu sprechen. Dieses gelte es nun wiederherzustellen. Denn auch in der globalisierten Welt würden die Nationalstaaten eine wesentliche Rolle einnehmen. Was die globale Überwachung betreffe, ginge es um die richtige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit. Die Angst vor einem „Big Brother“-Staat oder Daten sammelnden Unternehmen müsse international gelöst und unter allen Beteiligten verhandelt werden: „A global challenge can only have global solutions“, so Steinmeier.<br />
Auch die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes lobte per Videobotschaft ausgiebig den Multistakeholder-Ansatz des Treffens und hob seine Bedeutung für die Internetpolitik  hervor. Die internationale Internet-Governance dürfe nicht in fragmentierten Gruppen diskutiert werden, sondern müsse im Dialog und Austausch erfolgen. Dies, so die Kommissarin für die Digitale Agenda, entspräche unserem demokratischen Werteverständnis. Danach komme  es darauf an, Gleichheit im Zugang und Vielfalt in den Positionen gleichermaßen zu gewährleisten.<br />
<b>Wo sind die Stakeholder?</b><br />
Gespräche auf Augenhöhe, Integration verschiedener Interessen, Gleichberechtigung aller Teilnehmer &#8211; zumindest auf symbolischer Ebene waren sich die Eingangsredner allesamt einig. Einzig den Realitätstest mochten die schönen Worte nicht so recht bestehen. Beim <a href="http://www.eurodig.org/eurodig-2014/programme-overview/opening-plenary" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anschließenden Panel</a> durfte das gut gemischte Publikum einer eher homogenen Teilnehmergruppe aus  hochrangigen Vertretern staatlicher Ministerien oder internationaler Organisationen dabei zuhören, wie ausgehend von der NETmundial und dem viel beschworenen Multistakeholder-Modell über die Zukunft der Internet-Governance diskutiert wurde. Wo sind die Vertreter aller Stakeholder und warum waren auch Frauen auf dem Podium so stark unterrepräsentiert? &#8211;  Fragen, die vom Publikum aufgeworfen wurden. Die dünne Antwort lautete, man unterliege diplomatischen Zwängen und wolle sich verbessern.<br />
Nils Muznieks, Menschenrechtskommissar im Europäischen Rat, wies zu Recht darauf hin, dass die Internet Governance der Entwicklung hinterherhinke. “We are moving too slowly”. In Zeiten umfassender Überwachung und des Datensammelns durch Unternehmen seien Gesetzgeber und Justiz gleichermaßen gefordert, Gesetze und Rechtsprechung an die veränderten Umstände anzupassen. Gleichzeitig würde die Mehrebenen-Politik und die vielen aufeinander abzustimmenden Verantwortungsbereiche, insbesondere in der EU, es schwierig machen, adäquate und angemessene Politik und Gesetze zu machen.<br />
Ob Multistakeholder-Ansätze hier eine Lösung böten, mehr Beteiligung und effektive Politik zu vereinbaren, wurde im Weiteren durchaus in Frage gestellt. Gerade Moderatorin <a href="http://politik-digital.de/jeanette-hofmann-nicht-alle-europaeer-finden-datenschutz-wichtiger-als-das-recht-auf-meinungsfreiheit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jeanette Hofmann</a> konfrontierte die Teilnehmer immer wieder mit berechtigter Kritik. So sollte <a href="http://politik-digital.de/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dirk Brengelmann</a>, Vertreter des deutschen Außenministeriums, auf die Einwände seitens der zivilgesellschaftlichen Akteure am viel umjubelten Abschlusspapier der NETmundial antworten. Dieser verwies allerdings lediglich auf die ungewohnte Situation der Regierungen und lobte ansonsten das positive Ergebnis.<br />
<b>Alle sind gleich, manche sind gleicher</b><br />
Fadi Chehadé, Präsident und CEO der internationalen Internetbehörde ICANN, hingegen appellierte an die Beteiligten, den ewigen Konflikt zwischen multilateralen und Multistakeholder-Konzepten zu überwinden. Diese würden sich nicht ausschließen, sondern zunehmend nebeneinander bestehen und  ineinander fließen. Für ihn sei die NETmundial bereits schon deshalb ein großer Erfolg, weil sie die internationale Politik strukturell bereichert habe &#8211; nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder in den Worten Chehadés: „The process was the outcome“. Dabei wollte es Jeanette Hofmann allerdings nicht bewenden lassen. Vereinbarungen dürften nicht immer nur von einem Papier in das nächste nt übergehen, sondern müssten langfristig auch in konkreten Maßnahmen münden.<br />
Ein weiterer Kritikpunkt, dass nämlich einzelne Interessengruppen überproportionalen Einfluss geltend machen oder für ihre Ziele instrumentalisieren könnten, blieb allerdings weitestgehend unbeantwortet.<br />
Nichtsdestotrotz schien unter den Vortragenden die Begeisterung für Multistakeholder-Modelle ungebrochen. Auch Kathy Brown, CEO der ISOC, wies in ihrem abschließenden Kommentar auf die erstaunliche Energie bei Multistakeholder-Konferenzen hin. Zusammenarbeit und Gleichberechtigung entsprächen der Natur des Internets: Menschen kommen zusammen und vernetzen sich. Dass auch die etablierten Akteure auf der NETmundial Abstriche machen mussten, wertete sie als Zeichen dafür, dass diese nicht mehr ohne weiteres in der Lage seien, ihre Interessen durchzusetzen, sondern Kompromisse mit neuen Akteuren eingehen müssten.<br />
<b>Das Erreichte zählt</b><br />
Die Bedeutung entsprechender Foren und Konferenzen wird sich künftig vor allem daran bemessen, ob die gemeinsam erzielten Ergebnisse einen konkreten Niederschlag auf die Politik haben. Die Zeit, in der die Multistakeholder-Foren lediglich eine bunte Spielwiese seien, wie sie Kathy Brown beschrieb, sollte besser früher als später überwunden werden. Denn auch wenn der Weg noch so erfreulich und erstrebenswert scheint, in der Politik zählt letztlich eben auch das Erreichte. Michael Rotert hatte zu Beginn darauf hingewiesen, dass die Ideen von der NETmundial weiter voran- und eingebracht werden müssten. Sie dürften nicht einfach versickern. Genau das ist dem EuroDIG zu wünschen: dass „Multistakeholder“ nicht zum Buzzword verkommt, sondern zu einem maßgeblichen und auch effektiven Element internationaler Politik. Dass sich Vereinbarungen und Roadmaps irgendwann in Gesetzen, Beschlüssen und Verträgen wiederfinden. Europa könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der EuroDIG ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/35237099579@N01" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr/Mike Lee</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>„Best of Online Activism“: Blogs in 14 Sprachen können sich für Auszeichnung bewerben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Feb 2014 14:31:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[The BOBs]]></category>
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					<description><![CDATA[Bereits zum zehnten Mal zeichnet die Deutsche Welle gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen Webseiten und Blogs aus, die sich im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bobs-2014_Milestoneposting_submitNow_600x240px.png"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-137250" alt="Bobs-2014_Milestoneposting_submitNow_600x240px" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bobs-2014_Milestoneposting_submitNow_600x240px-630x229.png" width="630" height="229" /></a>Bereits zum zehnten Mal zeichnet die Deutsche Welle gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen Webseiten und Blogs aus, die sich im Netz herausragend für Meinungsfreiheit, Menschenrechte und die Zivilgesellschaft einsetzen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 5. März.<br />
Aktivismus kann vieles heißen. Meist ist es zunächst die Haltung, etwas nicht hinnehmen zu wollen, die zum Aktivismus führt. Politischer Aktivismus will in der Regel bestimmten Zielen zur Durchsetzung verhelfen, etwas am Status Quo ändern. Im Internet gibt es zudem speziellere Formen des Aktivismus, etwa den sogenannten <a href="http://www.clicktivist.org/what-is-clicktivism/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Clicktivism</a>, bei dem außer Klicken im Grunde nicht viel zu tun ist. Doch es gibt auch online durchaus Formen des Aktivismus, bei denen eigene Initiativen gefragt sind.<br />
Solche werden nun zum zehnten Mal bei den <a href="https://thebobs.com/deutsch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bob Awards</a> der Deutschen Welle in Kooperation mit Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet. Die Jubiläumsausgabe der Bobs läuft noch bis zum 5. März. Bewerben können sich Projekte in 14 Sprachen. Die „Best of Online Activism“-Awards konzentrieren sich auf Webseiten, <a href="https://thebobs.com/deutsch/uber-die-bobs/219-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„die im Sinne der Meinungsfreiheit den offenen Diskurs im Internet vorantreiben und bereichern.“</a><br />
In den vergangenen Jahren wurden immer wieder internationale Blogger_innen ausgezeichnet, die kritisch über die gesellschaftliche Lage in ihren oft autokratisch geprägten Ländern berichten, und kritische Einblicke in die Gesellschaft vermitteln, die infolge staatlicher Zensur oder althergebrachter Mediensysteme sonst nicht sichtbar werden. Im Jahr 2013 wurde etwa das Blog der togolesischen Menschenrechtsaktivstin <a href="http://fabbikouassi.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fabbi Kouassi</a> ausgezeichnet, ebenso wie das Projekt des chinesischen Bloggers <a href="http://blog.sina.com.cn/lichengpeng" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Li Chengpeng</a>, sowie der Podcast von <a href="https://soundcloud.com/ichripodcasts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kambiz Hosseini</a>, der die aktuelle Lage der Menschenrechte im Iran thematisiert.<br />
Vorschläge für in diesem Sinne aktivistische Blogs, Facebook-Seiten, Youtube-Channels, Microblogs, Podcasts oder News-Seiten können auch online vorgeschlagen werden. Die Gewinner_innen werden von einer internationalen Jury ausgewählt, am 7. Mai bekannt gegeben und zur Preisverleihung zum <a href="http://www.dw.de/global-media-forum/home/s-30956" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Global Media Forum</a> in Bonn (30. Juni bis 2. Juli) eingeladen. Zusätzlich wird es eine Online-Abstimmung geben.<br />
Bild: <a href="https://thebobs.com/deutsch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsche Welle / The Bobs</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Zensur bekämpfen, Meinungsfreiheit schützen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Solinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Nov 2012 11:30:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[wefightcensorship.org]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Reporter ohne Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute startet das Internetportal wefightcensorship.org, mit dem die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen weltweit staatliche Zensur bekämpfen und die individuelle Meinungsfreiheit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/zensur-bekaempfen-meinungsfreiheit-schuetzen/wefightcensorship/" rel="attachment wp-att-123659"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-123659" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/wefightcensorship-630x385.jpg" alt="" width="630" height="385" /></a><br />
Heute startet das Internetportal wefightcensorship.org, mit dem die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen weltweit staatliche Zensur bekämpfen und die individuelle Meinungsfreiheit stärken will. Wie genau soll das funktionieren?</p>
<p>Immer mehr Menschen benutzen das Internet in totalitären Staaten zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen. Auf der anderen Seite arbeiten aber auch die staatlichen Zensurbehörden in diesen Ländern immer effektiver. Wurden zu Beginn des letzten Jahrzehnts nur zwölf Länder gezählt, die das Internet filterten und ungewünschte Beiträge sperrten, so wird die Zahl von Reporter ohne Grenzen heute, kaum zwölf Jahre später, auf 60 geschätzt. Eine Unterschriftenaktion für die Gleichberechtigung von Frauen im Iran? Von der Regierung aus dem Verkehr gezogen. Ein Video, das Polizeigewalt in Weißrussland dokumentiert? Wieder entfernt.</p>
<p>Auf diese Entwicklung reagiert Reporter ohne Grenzen nun mit der Internetseite wefightcensorship.org. Dort werden zukünftig Texte, Bilder und Videos gesammelt, die in bestimmten Ländern nicht in den Medien auftauchen oder für die ihre Urheber verfolgt werden. Schutzmechanismen wie der Internetdienst TOR (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Onion-Routing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Onion Routing</a>) sollen dafür sorgen, dass Benutzer und Belieferer der Seite unerkannt bleiben. „Diese Seite ist aber kein zweites Wikileaks“, stellt Matthias Spielkamp, Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen in einer Presseerklärung klar. „Wir veröffentlichen kein Rohmaterial, wir prüfen die eingereichten Informationen, und wenn wir Artikel oder Videos online stellen, erklären wir den Zusammenhang, in dem sie aufgetaucht sind und warum sie zensiert wurden.</p>
<p>Dass wefightcensorship.org vom ersten Tag an selbst auf den Schwarzen Listen stehen wird, ist den Machern durchaus bewusst. „Wir wissen, dass die Seiten von Reporter ohne Grenzen in vielen Ländern blockiert werden und ich fürchte, wefightcensorship.org wird da keine Ausnahme sein.“, sagte Pressesprecherin Ulrike Gruska gegenüber politik-digital.de. Neben den herkömmlichen Mitteln zur Umgehung von Netzsperren hofft Reporter ohne Grenzen daher vor allem auf die massenhafte Verbreitung der Seite durch das sogenannte „Spiegeln“: Die Seite ist bewusst so gestaltet, dass sie leicht kopiert und auf anderen Servern hinterlegt werden kann. „Je mehr Kopien an unterschiedlichen Orten es gibt, desto schwerer wird es sein, den Zugang zu wefightcensorship.org komplett zu blockieren.“, hofft Ulrike Gruska.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/zensur-bekaempfen-meinungsfreiheit-schuetzen/pikto_blau_wuerfel/" rel="attachment wp-att-123654"><img decoding="async" class="size-full wp-image-123654 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Pikto_blau_Wuerfel.gif" alt="" width="200" height="266" /></a>Das ist aber nicht das einzige Ziel: „In Ländern, in denen die Medien frei berichten,“, so die Pressesprecherin, „wollen wir das Bewusstsein dafür stärken, wie viel schwieriger die Situation in anderen Teilen der Welt ist und wie stark autoritäre Regime versuchen, Informationen zu unterdrücken.“ Dadurch soll auch indirekt auf die jeweiligen Regierungen Druck ausgeübt werden, auf Menschenrechtsverletzungen anderer Staaten außenpolitisch zu reagieren. Schließlich hat die UN im letzten Jahr den uneingeschränkten Zugang zum Internet als Teil der Meinungsfreiheit und somit zum Menschenrecht erklärt. Was könnte besser über den wahren Charakter einer Regierung aufklären, als eine Sammlung der von ihr verbotenen Nachrichten?</p>
<p><em><span style="font-family: 'mceinline'"><a href="https://www.torproject.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Zur Internetseite von TOR &#8211; The ONION Routing</a></span></em></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/zensur-bekaempfen-meinungsfreiheit-schuetzen/cc-lizens-305x53/" rel="attachment wp-att-123698"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Digitale Presseschau 33/2012</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/digitale-presseschau-332012-120267/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Schumacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Aug 2012 15:27:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Co:llaboratory]]></category>
		<category><![CDATA[Cyberwar]]></category>
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		<category><![CDATA[Christopher Lauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Angst und Terror verursacht im Internet: Sei es der mexikanische Drogenkrieg 2.0 oder die Angst der US-Abgeordneten vor Internetaktivisten. Dabei [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Angst und Terror verursacht im Internet: Sei es der mexikanische Drogenkrieg 2.0 oder die Angst der US-Abgeordneten vor Internetaktivisten. Dabei kann das Internet auch Menschen helfen, wie beim Thema Menschenrechte oder bei der Wahrheitsfindung im Fall Vatileaks. Dies und mehr in der heutigen Ausgabe der digitalen Presseschau. </p>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="http://www.youtube.com/watch?v=xpgHhV5JmsY" title="Bloggerstatements zum Thema &quot;Menschenrechte und Internet&quot;" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/xpgHhV5JmsY?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das Medium Internet hat dazu geführt, dass das Thema Menschenrechte immer weiter in den Fokus rückt. Seien es Onlinekampagnen wie Kony oder &#8220;nur&#8221; ein Blogeintrag einer jungen ägyptischen Freiheitsliebenden. Die Internet und Gesellschaft Co:llaboratory hat nun ein Video produziert, in dem Bloggerinnen und Blogger aus aller Welt ihre Erfahrungen zum Thema Menschenrechte und Internet geschildert haben.</p>
<p><a href="http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-netz-der-kartelle" title="Im Netz der Kartelle"><strong>Im Netz der Kartelle</strong></a></p>
<p>Mexiko &#8211; ein aufstrebendes Land, allerdings von der Drogenmafia mitregiert. Auch nach der Präsidentschaftswahl von Enrique Peña Nieto im Juli hat sich daran nicht viel geändert. In der Zeitung der Freitag hat Sonja Peteranderl diese Woche dargestellt, wie der mexikanische Drogenkrieg auf soziale Netzwerke ausgedehnt wurde. Dabei spielt nicht nur die Blogosphäre eine Rolle, es geht auch Killer, die Fotos von Opfern auf Facebook posten. Anonymität ist die letzte Hoffnung der mexikanischen Social-Media-Aktivisten.</p>
<p><a href="http://futurezone.at/netzpolitik/10693-trapwire-wikileaks-schuert-ueberwachungsaengste.php" title="TrapWire: Wikileaks schürt Überwachungsängste"><strong>TrapWire: Wikileaks schürt Überwachungsängste</strong></a></p>
<p>Wegen des Wirbels um den Haftbefehl für Mitbegründer Julian Assange wurde es in den letzten Monaten etwas still um die Aktivitäten von Wikileaks. Durch die jüngste Veröffentlichung ist Wikileaks aber wieder in aller Munde. Gegenstand des &#8220;Leaks&#8221; war die Überwachungs-Software Trapwire, die frühzeitig die Planung von Terrorattacken erkennen und jetzt in Großstädten in den USA und Großbritannien zum Einsatz kommen soll. Jakob Steinschaden erklärt auf der österreichischen Nachrichtenplattform Futurezone, dass die Informationen über Trapwire teilweise nicht korrekt oder veraltet sind, trotzdem könne Wikileaks von der medialen Aufmerksamkeit profitieren.</p>
<p><a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article108628371/Piraten-und-FDP-streiten-ueber-Mitbestimmung.html" title="Piraten und FDP streiten über Mitbestimmung"><strong>Piraten und FDP streiten über Mitbestimmung</strong></a></p>
<p>Liquid Feedback vs. New Democracy, oder besser gesagt Piratenpartei gegen die FDP. Welche Online-Beteiligungsplattform ist besser? Im Interview für Welt Online haben Manuel Bewarder und Thorsten Jungholt mit Christopher Lauer (Piraten) und Jimmy Schulz (FDP) nicht nur über die Stärken und Schwächen der beiden Plattformen gesprochen, sondern auch gefragt, warum die FDP den Piraten dankbar sein können.</p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/netzpolitik-nach-sopa-protesten-die-angst-der-us-abgeordneten-vor-dem-internet-1.1441464" title="Die Angst der US-Abgeordneten vor dem Internet"><strong>Die Angst der US-Abgeordneten vor dem Internet</strong></a></p>
<p>Für die USA ist es das Jahr der erfolgreichen Online-Proteste: Erst der &#8220;Stop Online Piracy Act“ (SOPA), dann der &#8220;Protect IP Act“ (PIPA). Beide scheiterten im Repräsentantenhaus beziehungsweise im Senat. Nicht verwunderlich ist daher, dass Matthias Kolb von der Süddeutschen Zeitung in seinem Artikel die Angst der US-Abgeordneten vor dem Internet beleuchtet. Nach SOPA und PIPA haben die Online-Aktivisten schon den nächsten Geheimvertrag der Regierung im Auge. Und dieses Mal hat es nichts mit dem Thema Urheberrecht zu tun.</p>
<p><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2012/08/viele-wahrheiten-im-fall-vatileaks/" title="Viele Wahrheiten im Fall Vatileaks"><strong>Viele Wahrheiten im Fall Vatileaks</strong></a></p>
<p>Die Klatschpresse war voll davon: ein Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. hat Informationen über den Vatikan verkauft und muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Auch der Journalist Gianluigi Nuzzi hat vertrauliche Dokumente über Umwege aus dem Vatikan geschleust und veröffentlicht. Resultat: Erschreckende Geschichten über Korruption, Vergewaltigung und Geldwäsche. Was ist aber an den Geschichten dran? Um das herauszufinden gibt es in Italien unlängst eine Facebook-Gruppe und eine Online-Petition. Giuseppe Paletta hat sich für den ZDF-Blog Hyperland die Suche der Italiener nach der Wahrheit im Fall Vatileaks etwas genauer angeschaut.</p>
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		<title>Co:llaboratory: Menschenrechte und Internet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/collaboratory-menschenrechte-und-internet-116884/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ralf Pauli]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 May 2012 16:05:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[re:publica]]></category>
		<category><![CDATA[Co:llaboratory]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf der Internetkonferenz re:publica hat das &#8220;Internet &#38; Gesellschaft Co:llabo-ratory&#8221; die Forschungsergebnisse seiner 5. Initiative &#8220;Menschenrechte und Internet&#8221; vorgestellt. politik-digital.de [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3><a href="http://politik-digital.de/collaboratory-menschenrechte-und-internet/colab5_cover/" rel="attachment wp-att-117181"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-117181" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Colab5_Cover-305x432.jpg" alt="" width="305" height="432" /></a>Auf der Internetkonferenz re:publica hat das &#8220;Internet &amp; Gesellschaft Co:llabo-ratory&#8221; die Forschungsergebnisse seiner 5. Initiative &#8220;Menschenrechte und Internet&#8221; vorgestellt. politik-digital.de sprach mit dem Leiter der Initiative Matthias Kettemann über den gesellschaftlichen Nutzen ihrer Arbeit.</h3>
<p>Die Publikation &#8220;Menschenrechte und Internet: Zugang, Freiheit und Kontrolle&#8221; ist das Ergebnis einer dreimonatigen Forschungsphase mit <a href="http://www.collaboratory.de/initiativen/05/experten" target="_blank" rel="noopener noreferrer">renommierten Experten aus verschiedenen Fachbereichen</a>. Es sucht Antworten auf die Frage, wie sich klassische Menschenrechte auf das Netz übertragen lassen und welchen Beitrag das Internet zur Durchsetzung von Menschenrechten leisten kann. Die vorläufigen Ergebnisse des rund 30-köpfigen Teams des <a href="http://www.collaboratory.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory</a> wurden Ende März mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und der Öffentlichkeit diskutiert. Nun liegt der Abschlussbericht der von Google Deutschland finanzierten Kollaborationsplattform vor, der im Rahmen der re:publica in Berlin vorgestellt wurde. <a href="http://cobase.collaboratory.de/w/Abschlussbericht_Menschenrechte_und_Internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Publikation behandelt eine Vielzahl relevanter Themen</a>, von der Zukunft der Internet Governance bis zu Formen legitimen Widerstands im Netz. politik-digital.de hat mit Matthias Kettemann, dem Leiter der 5. Initiative, über die Ergebnisse der Studie gesprochen, und darüber, was sie angestoßen hat.<br />
Über Ideen, die das Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory für seine 6. Initiative bewegen, sprachen wir mit Sebastian Haselbeck, den Community Manager des Co:llaboratory.</p>
<p><em>Dr. Matthias C. Kettemann ist der thematische Leiter der 5. Initiative des Co:llaboratory. Er arbeitet als Universitätsassistent am Institut für Völkerrecht der Universität Graz und ist Co-Chair der <a href="http://irpcharter.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Rights &amp; Principles Coalition</a>.  Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Internet Governance und dem Schutz der Menschenrechte im Internet. Er schreibt und publiziert zu Menschenrechten, Sicherheit und Internet.</em></p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Ziel des Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory ist es nach eigenen Angaben, Internet-Experten aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammenzubringen, die die Veränderungen der digitalen Welt analysieren und Nutzen formulieren können, den die Gesellschaft aus diesen Entwicklungen ziehen kann. Im Fall der 5. Initiative &#8220;Menschenrechte und Internet&#8221;: Was ist die Haupterkenntnis, die die Experten aus Ihren Analysen ziehen, und welchen Nutzen für die Gesellschaft versprechen Sie sich davon?</p>
<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Die Expertengruppe kam zu dem Schluss, dass das Internet nicht alles neu, aber vieles besser macht. Alle Menschenrechte, die offline gelten, gelten auch online. Das Rad muss nicht neu erfunden werden; es braucht nur bessere Stoßdämpfer. Gleichzeitig schafft das Internet neue Wege der Information und Räume für Kommunikation – auch neue öffentliche Räume – und ist ein Brennglas zur Fokussierung menschenrechtlichen Empörungs- und Engagementpotenzials. Wir merken gerade sowohl im nationalen als auch internationalen Kontext, wie wichtig es ist, diese Debatte zu führen. Das schließt auch mit ein, unaufgeregt über dieses Zusammenspiel zwischen Kommunikationstechnologie und Grundrechte zu sprechen, das in vielen politischen Bereichen eben auch für sehr viel Unsicherheit sorgt. Als Gesellschaft müssen wir offen über diese Veränderungen diskutieren.</p>
<p>Auch haben wir diskutiert, wie das Internet bei der Durchsetzung von Menschenrechten helfen kann, im nationalen wie im internationalen Kontext. Nicht nur, aber gerade in Ländern, die noch auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft sind, kann das Internet helfen, Rechte von Minderheiten besser durchzusetzen, indem es politische Teilhabe ermöglicht oder entlegenden Gemeinden hilft, sich zu vernetzen und zu organisieren. Probleme gibt es aber auch dort, wo man sie selten als solche betrachtet, also auch hier bei uns.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Die Initiative beschäftigte sich unter anderem mit dem Recht auf Internetzugang. Ist dieses Recht schon Realität?</p>
<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Ja, es gibt ein Recht auf Internetzugang. Nur so können nämlich in der heutigen Informationsgesellschaft alle Menschenrechte gewährleistet wären. Wichtig ist es dabei zu unterscheiden zwischen einem Recht auf Zugang zu Informationen und Bildung (das einen Zugang zum Internet mit einschließt) und einem Recht auf Internetanschluss. Für Deutschland haben die Experten gezeigt, dass ein Recht auf Internetzugang sich aus geltendem Recht ableiten lässt. Auch der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf freie Meinungsäußerung Frank la Rue, mit dem wir im Zuge der Initiative ein Interview geführt haben, bestätigt dies, indem er den Zugang zum Internet als ein Menschenrecht sieht.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Eine zentrale These ist, dass das Internet ein Katalysator für Menschenrechte darstelle. Werden heute politische und Bürgerrechte tatsächlich schneller umgesetzt als vorher?</p>
<p><strong><a href="http://politik-digital.de/collaboratory-menschenrechte-und-internet/matthiaskettemann/" rel="attachment wp-att-117234"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-117234" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MatthiasKettemann.jpg" alt="" width="132" height="122" /></a>Matthias Kettemann:</strong> Das Internet mindert radikal die Transaktionskosten für Kommunikation und Wissensverbreitung. Insofern ist Aktivismus heute einfacher als früher. Gerade im Bereich der dezentralen Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen hat das Internet enorme Hilfe geleistet. Es gibt viele Beispiele für sehr ausgefeilte internetbasierte Dienste, die es Menschen vor Ort einfach machen, Hilfe zu erhalten, Mitmenschen zu mobilisieren oder Verletzungen der Weltöffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Umsetzung oder Durchsetzung an sich ist jedoch komplizierter, da diese natürlich politischen Willens und an Grundrechten orientierter Rechtstsaatlichkeit bedarf. Wenn dies nicht gegeben ist, kann das Internet höchstens eines von vielen Mitteln sein, um eine Änderung auf dieser Ebene zu bewirken.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Nach Einschätzung des UNO-Sonderberichterstatters für Meinungsfreiheit wird das Internet als offener Kommunikationsraum siegen, weil die Staaten bei der Zensur nicht hinterher kommen. Teilt die Expertengruppe diesen Optimismus?</p>
<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> In großen Teilen ja, jedoch muss man im Auge behalten, dass kurz- und gar mittelfristig die Gefahr durch und Auswirkungen von staatlicher Zensur in manchen Bereichen unserer globalen Gemeinschaft sehr intensiv sein werden. Dabei handelt es sich um Entwicklungen, die oft erst ein Extrem erreichen, bevor sie wieder zurückgedrängt werden. Wir in der EU, den USA etc. als Hauptexporteure der Technologie und des Wissens, mit denen Zensur betrieben wird, sollten unsere eigene Politik und Technologiefirmen dabei strenger zur Verantwortung ziehen. Langfristig findet Freiheit aber immer ihren Weg.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie wurden die Ergebnisse der 5. Initiative auf dem 5. Internet Governance Forum Deutschland (IGF D) aufgenommen?</p>
<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Das Co:llaboratory war nicht explizit mit Ergebnissen dieser Initiative auf dem IGF-D. Es wurde jedoch zum Ende der Veranstaltung durchaus über Menschenrechtsfragen debattiert. Die Ergebnisse hatten wir in der Woche vor dem IGF-D bereits auf der re:publica vorgestellt. Den IGF-D haben wir vor allem dazu genutzt, die neue Ausgabe der MIND Diskussionspapierreihe zum Thema <a href="http://cobase.collaboratory.de/w/MIND_3_-_Grenzen_der_Internetfreiheit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">“Grenzen der Internetfreiheit”</a> vorzustellen, die von Prof. Kleinwächter herausgegeben wird. Man hat jedoch auf dem IGF gemerkt, wie sehr Grundrechtsdebatten in den Vordergrund rücken. Früher wurde viel über reine Governance-Prozesse gesprochen, es scheint einen Wandel zu geben, bei dem Internet Governance vermehrt vor allem anhand von Inhalten diskutiert wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Nach dem erfolgreichen Abschluss der 5. Initiative soll es weitergehen mit dem Co:llaboratory. politik-digital.de spracht mit dem Community Manager Sebastian Haselbeck über die Pläne für die Zukunft:</h3>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Für den Sommer ist bereits die 6. Initiative des Internet &amp; Gesellschaft Co:llaboratory geplant: Was verbirgt sich hinter dem Titel <a href="http://cobase.collaboratory.de/w/Initiative_Innovation_im_digitalen_%C3%96kosystem" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Innovation im digitalen Ökosystem&#8221;</a> und welche gesellschaftlichen Themen werden darunter behandelt?</p>
<p><strong>Sebastian Haselbeck:</strong> Wir wollen ergründen, wie sich das digitale Ökosystem Internet im speziellen (oder digitale Ökosysteme allgemeiner) gestalten, und welche Institutionen und Ansätze (in Bezug auf Märkte, Konventionen, Recht und Architektur) dafür notwendig sind, um gesellschaftlich wertvolle Entwicklungen zu fördern. Dabei soll auch untersucht werden, wie Grenzen im Netz überwunden werden können, und wie ein offenes, funktionierendes und inklusives Ökosystem Internet sichergestellt werden kann. Die Initiative will dabei aber über den Business-Rand hinaus schauen und das Internet vor allem auch als Raum für soziale und kulturelle Weiterentwicklung betrachten. Untersucht werden sollen dazu eben die notwendigen Rahmenbedingungen, aber auch die Hürden und mögliche Überwindung der Hürden für sozio-ökonomisches Entfaltungspotential in der digitalen Welt.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Das Co:llaboratory soll in Zukunft anders organisiert werden. Welche Neuerungen gibt es und was soll mit den Änderungen erreicht werden?</p>
<p><strong>Sebastian Haselbeck:</strong> Das Co:llaboratory befindet sich in konstanter Weiterentwicklung, es steht also nie still &#8211; anders organisieren ist somit Teil des Co:llaboratory, wir streben aber keine radikale Umorganisation an. Wir versuchen ständig, es zu adaptieren und Neues auszuprobieren. Viele unserer Formate und Prozesse funktionieren gut, andere weniger. Wir debattieren und evaluieren das gerade und wollen, soweit wir es für notwendig halten, noch im Herbst Verbesserungen an Formaten und Arbeitsprozessen vornehmen. Dazu gehört übrigens sowohl eine überarbeitete Website, die zu noch mehr Transparenz führen wird, als auch die diesen Monat beantragte Eintragung im Vereinsregister.</p>
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		<title>ESC: Bakus Blogger fordern politisches Bekenntnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ralf Pauli]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 May 2012 16:57:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Aserbaidschan]]></category>
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		<category><![CDATA[Eurovision Song Contest]]></category>
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					<description><![CDATA[Für die aserbaidschanische Opposition ist der Eurovison Song Contest (ESC) in Baku bislang ein Erfolg: Ihre Kritik am Regime findet [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/esc-bakus-blogger-fordern-politisches-bekenntnis/p1010175_slider/" rel="attachment wp-att-116661"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-116661" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/P1010175_slider.jpg" alt="" width="630" height="331" /></a>Für die aserbaidschanische Opposition ist der Eurovison Song Contest (ESC) in Baku bislang ein Erfolg: Ihre Kritik am Regime findet in den westlichen Medien seit Monaten ein breites Echo. Erstmals könnte die Gesellschaft freier werden, hofft Blogger Emin Milli. Ein Portät des Internetdissidenten.</p>
<p>Anfangs mag der Eindruck des Mannes noch nicht recht zu dem zynischen Humor passen, für den er 17 Monate lang eingesperrt war. Emin Milli wirkt aufgeräumt und abgeklärt, als er an diesem heißen Spätvormittag im Mai in einem mit Journalisten voll gepferchten Presseraum von <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reporter ohne Grenzen</a> in Berlin Mitte Platz nimmt. Gut möglich, dass Milli, der mit bürgerlichem Namen Abdullayev heißt, mittlerweile aus Routine so frei über die Umstände seiner Verhaftung redet. Jedenfalls spricht der Blogger über sich selbst wie von einer dritten Person, als wäre ein anderer und nicht er Opfer eines politischen Prozesses, von Einschüchterung und physischer Gewalt. Die Geschichte Millis beginnt mit zwei Eseln, die Aserbaidschan im Jahr 2008 für 42.000 US-Dollar das Stück aus Deutschland einführte. Milli und der befreundete Blogger Adnan Hajizade wunderten sich über den unerklärlich hohen Preis der Tiere und filmten eine inszenierte Pressekonferenz, auf der der deutsche Wunderesel seine Qualitäten anpreist. Den fünfminütigen Spot stellten sie samt englischen Untertiteln online.</p>
<p>Was harmlos gedacht war, kam &#8220;nicht gut bei den Machthabern an&#8221;, wie Milli einräumt, der derzeit in London zum Thema neue Medien und arabischer Frühling promoviert. An sich besitze Aserbaidschan zwar eine &#8220;gute satirische Tradition&#8221;, doch das Video, da ist sich Milli heute sicher, war lediglich der Anlass, die beiden in jener Zeit aktivsten Blogger des Landes in die Schranken zu weisen. Dabei spielte offenbar keine Rolle, dass sich bis zu jenem Zeitpunkt weder er noch Hajizade offen regimekritisch äußerten. Sie organisierten Jugendtreffen und Diskussionsrunden von Aserbaischanern, die im Ausland studiert hatten. In Aserbaidschan wohl ein ausreichender Grund, um das Missfallen des Regimes &#8211; und dessen Härte &#8211; auf sich zu ziehen. Sie wurden in einem Restaurant verprügelt, wegen Rowdytum angeklagt und zu zweieinhalb und zwei Jahren Haftstrafe verurteilt. Rückblickend ist Milli klar: Seine und Hajizades Verhaftung war &#8220;ein Signal&#8221; der autoritären Regierung nicht nur an ihn: &#8220;Die ganze Generation&#8221; sollte in Angst versetzt werden.</p>
<pre>[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Aaecvg7xCIk&amp;w=630&amp;h=350]Aufgrund dieses Videos wurde Milli zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.</pre>
<p>Dass Millis Geschichte heute so bekannt ist, liegt auch am Eurovision Song Contest, der am 26. Mai in Baku ausgetragen wird. Als der Regimekritiker 2009 verhaftet wurde, nahmen davon nur wenige internationale Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International Kenntnis, die <a href="http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-308-2009/zwei-blogger-haft?destination=suche%3Fwords-advanced%3Dmilli%26country%3D%26topic%3D%26node_type%3D%26from_month%3D1%26from_year%3D2009%26to_month%3D12%26to_year%3D2009%26page_limit%3D10%26form_id%3Dai_search_form%26search_x%3D21%26search_y%3D12" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Milli und Hajizade als gewaltfreie politische Gefangene</a> einstufte. Drei Jahre später muss Milli reihenweise Interview-Anfragen absagen, weil er der physischen Belastung neben dem Studium nicht gewachsen ist. Der Einladung nach Berlin durch die Bundestagabgeordnete der Grünen Viola von Cramon ist Milli dennoch gefolgt. Vielleicht, weil Milli sich ehrlich &#8220;freut&#8221; über die große Aufmerksamkeit für sein Land &#8211; vielleicht, weil keine anderes Land so gezielt über <a href="http://www.pressefreiheit-fuer-baku.de/index.php?id=603" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Menschenrechtsverletzungen und Pressfreiheit in Aserbaidschan</a> berichtet wie Deutschland. Eine Einschätzung, die auch die Machthaber um Präsident Ilcham Alijew in Baku teilen. Sie sehen in der kritischen Berichterstattung deutscher Medien eine „systematische Kampagne“ gegen ihr Land. Und starteten ihrerseits eine diffamierende Kampagne in ihren Staatsmedien gegen Deutschland.</p>
<p>Für Milli eine &#8220;phänomenale Geschichte&#8221; voller Absurdität &#8211; und einer der Beweggründe für den ehemaligen Büroleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Baku, im September als Schriftsteller nach Aserbaidschan zurückzukehren. Deutschland als Land der Prostituition und Korruption? Solche &#8220;Sowjetpropaganda im schlechtesten Stil&#8221; habe selbst für Aserbaidschaner Unterhaltungswert. Online würden die originellsten Schmähsendungen geteilt und spöttisch kommentiert, berichtet Milli. Doch kurz vor dem musikalischen Finale in Baku habe die Regierung eine &#8220;rote Linie&#8221; überschritten. Die Zeitung der Regierungspartei &#8220;Yeni Azerbaijan&#8221; hat sich &#8211; von den deutschen Medien weitgehend unbeachtet &#8211; zu einer Foto-Collage hinreißen lassen, die den Menschenrechtsbeauftragten Markus Löning, den deutschen Botschafter in Aserbaidschan Herbert Quelle und aserbaidschanische Oppositionsführer neben Adolf Hitler zeigen. Milli erklärt sich diese Stillosigkeit mit der Machtlosigkeit eines Regimes, das gewohnt ist, <a href="http://bit.ly/MtCCmF" target="_blank" rel="noopener noreferrer">jeden nur erdenklichen Ansatz von Kritik im eigenen Land skrupellos im Keim zu ersticken.</a></p>
<h3>Prominenz kein Schutz vor Gewalt</h3>
<p>So wie im Fall des Journalisten Idrak Abbasov, der brutal zusammengeschlagen wurde, nachdem ihm der diesjährige <a href="http://www.indexoncensorship.org/awards-winners/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Index on Censorship Award</a> für investigativen Journalismus verliehen worden war. &#8220;Was glauben Sie&#8221;, fragt Milli die deutschen Journalisten, &#8220;würde mit Ihnen passieren, wenn Sie Bürger Aserbaidschans wären?&#8221; Auch die versuchte Erpressung der Journalistin Khadija Ismayilova mit heimlich gefilmten und öffentlich gemachten Sexvideos gehöre zur Realität vor Ort lebender Journalisten. Die Entblößung Ismayilovas sollte nach seiner Einschätzung einen Ehrenmord in ihrer Verwandtschaft provozieren.</p>
<p>Angst habe er dennoch nicht davor, unter diesen Voraussetzungen nach Aserbaidschan zurückzukehren. Denn Milli erkennt heute die Chance, in Aserbaidschan auf eine kritische Öffentlichkeit zu stoßen, die sich für Themen wie Korruption interessiert. Die Legitimation der Regierung schwinde. So könnten der ewig vorgeschobene Grenzkonflikt mit Armenien oder die erfolgreiche Mitgliedschaft im Europarat seit 2001 nicht länger über die mangelnde Rechtstaatlichkeit hinwegtäuschen. Vor allem, da der Öl- und Gasreichtum das Land nicht nur reicher gemacht, sondern ihm auch zu globaler medialer Aufmerksamkeit verholfen habe. Diese wiederum ermutige Journalisten, sich nicht einschüchtern zu lassen im Bestreben, die landesweit grassierende Korruption anzuprangern: Aserbaidschan zählt laut Transparency International <a href="http://www.transparency.org/news/feature/azerbaijan_out_of_tune" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu den vierzig korruptesten Ländern der Welt</a> &#8211; &#8220;Wo sonst in Europa&#8221;, fragt die derzeit prominenteste Journalistin Khadija Ismayilova in einem Beitrag des ARD-Weltspiegels vom Sonntag, könnte die Gattin des Präsidenten die Komitee-Vorsitzende des ESC sein, der Schwiegersohn als offizieller Teilnehmer das Land im Wettbewerb vertreten und die Baufirma der Präsidentenfamilie am Bau des millionenschweren &#8220;Crystal Palace&#8221; beteiligt werden, in dem der Wettbewerb ausgetragen wird?</p>
<h3>Bakus Blogger fordern von Musikern politisches Bekenntnis</h3>
<p>Dort wird sich am Samstag entscheiden, welches Land im kommenden Jahr den Eurovision Song Contest ausrichten &#8211; und dadurch große mediale Aufmerksamkeit erhalten wird. <a href="http://www.pressefreiheit-fuer-baku.de/index.php?id=573" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aserbaidschanische Blogger, Journalisten und Medienmacher</a> appellieren geschlossen an die Musiker, den Contest für ein politisches Bekenntnis zu nutzen. In einem früheren Interview mit Reporter ohne Grenzen forderte Milli dies ebenso. Heute gibt er sich zurückhaltender. Er wolle zwar den Kampf, den er früher mit zehn Studenten geführt habe, heute mit Hilfe der internationalen Medien weiterführen. Trotzdem wolle er, räumt Milli ein, &#8220;kein Held&#8221; sein. Letztlich sei seine Haftzeit nicht &#8220;die schlimmste Geschichte&#8221; in Aserbaidschan. Er sei im Gefängnis sogar anständig behandelt worden. Ihm geht es schlicht um die menschliche Würde &#8211; dort, wo er geboren wurde. Das fordern auch seine Landsleute: In den letzten Wochen kamen dort immer wieder einige Hundert Protestierende zusammen und skandierten &#8220;Azadlıq!&#8221; &#8211; Freiheit. Und natürlich würde Milli immer noch brennend interessieren, was es mit so teuren deutschen Eseln auf sich hat &#8211; aber das wäre wohl eher ein Thema für deutsche Journalisten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Internetaktivismus: &#8220;Den Bürgern der Revolution zuhören&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/internetaktivismus-den-buergern-der-revolution-zuhoeren-115920/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ralf Pauli]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 May 2012 09:28:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Blogger]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<category><![CDATA[Internetaktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leila Nachawati]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie schützen sich die Bürger Syriens vor brutaler Repression? Wie kann der Westen helfen? Im Interview mit politik-digital.de fordert die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/internetaktivismus-den-buergern-der-revolution-zuhoeren/leila-aktivistin_630x340/" rel="attachment wp-att-115985"><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-115985" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/leila-aktivistin_630x340.jpg" alt="" width="630" height="340" /></a><br />
Wie schützen sich die Bürger Syriens vor brutaler Repression? Wie kann der Westen helfen? Im Interview mit politik-digital.de fordert die spanische Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin Leila Nachawati Europa auf, den Stimmen der Revolution zu lauschen.</p>
<p>Dieser Termin steht bei allen international renommierten Bloggern fest im Terminkalender: Die Berliner <a href="http://re-publica.de/12/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;re:publica&#8221;</a> gilt als Europas größte Internet-Konferenz. Ein Schwerpunkt im Jahr 2012: Revolutionen &#8211; <a href="http://re-publica.de/12/track/revolt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;re:volt&#8221;</a>. Zu Wort kamen renommierte Blogger und Online-Aktivisten, Dissidenten sowie deren Unterstützer im Westen, die den Stimmen des Protestes weltweit Gehör verschaffen. Unter ihnen auch die spanische <a href="http://leilanachawati.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Menschenrechtsaktivistin, Bloggerin und Kommunikationsexpertin</a> Leila Nachawati.</p>
<p>Nachawati schreibt für Global Voices Online, Periodismo Humano und Al-Jazeera. Aufgrund ihrer syrischen Herkunft setzt sie sich auch für eine Ausweisung aller syrischen Botschafter aus den Mitgliedsstaaten der EU ein. Bislang ohne Erfolg. politik-digital.de sprach Leila Nachawati kurz vor ihrem Vortrag auf der &#8220;re:publica&#8221; über das Recht der syrischen Gesellschaft, sich gegen die brutale Repression zur Wehr zu setzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Ägypten und Tunesien haben die ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten erlebt. Wie steht es in diesen Ländern heute um die Bürgerrechte?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Die Bürgerrechte sind alles andere als gesichert. Revolutionen werden nämlich dann kompliziert, wenn eine Diktatur stürzt. Das klare Ziel lautet zunächst: Weg mit dem Regime! Doch sämtliche Ansätze der Zivilgesellschaft wurden in jahrzehntelanger Diktatur  zerstört. Es wird Jahre, vermutlich eine ganze Generation dauern, und viel Anstrengung im Bereich der Bildung kosten, bis die Bürger wirklich in die Institutionen vertrauen können. Ich finde es alarmierend, wenn die westlichen Medien manchmal von diesen Ländern bereits eine konsolidierte Demokratie erwarten. Keine Revolution kann von heute auf morgen ein bestehendes Unrechtsregime in eine stabile Demokratie wandeln.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Welche Akteure werden beim Aufbau demokratischer Strukturen besonderen Einfluss gewinnen?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Bis zu einem gewissen Punkt ist vorhersehbar, dass religiösen Parteien am ehesten Vertrauen entgegengebracht werden wird. Sie stellen die einzige bekannte Alternative zu den Regierungen dar, die niemals für den Schutz ihrer Bürger eingetreten sind, sondern im Gegenteil die Repression legitimiert haben. Auf der anderen Seite steht das Gesetz der Religion, bei dem nun viele Muslime Zuflucht suchen. Es ist für viele das einzig Verlässliche in einer Zeit, in der alles andere in Frage gestellt wird.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Der Westen unterstützt die Errungenschaften des Arabischen Frühlings. Gleichzeitig liefern <a title="Cyberrepression mit deutscher Technologie" href="http://politik-digital.de/cyberrepression-mit-deutscher-technologie/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">westliche Firmen immer noch Überwachungstechnologie</a> an die Autokraten der arabischen Länder. Haben wir es hier mit einem doppelten Standard zu tun?</p>
<p><strong>Leila:</strong> Das ist eine interessante Frage. Normalerweise konzentrieren wir uns auf diplomatische und politische Möglichkeiten der Isolierung. Die Unternehmerseite spielt aber ebenfalls eine Rolle, da diese Akteure oft auf eigene Faust agieren. Große Unternehmen unterstützen und erhalten die technologische Infrastruktur in Nahost und Nordafrika. In diesen Staaten stammt 80 Prozent der Technologie aus den USA. Nun scheint die USA Kontrolle über den Export von Spionagetechnologie ausüben zu wollen. Der entsprechende Vorstoß aus dem Weißen Haus könnte ein erster positiver Schritt sein.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Reichen diese Maßnahmen aus, um die Gewalt in Syrien zu beeinflussen?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Es muss viel mehr getan werden, da die extrem dramatische Situation in Syrien anhält. Durchschnittlich werden jeden Tag 100 Menschen getötet. Diese Zahlen sind ein Skandal. Was wir erreichen müssen ist ein Konsens in Europa, das Regime diplomatisch zu isolieren! Seit einem Jahr versuche ich mit einer Gruppe syrisch-spanischer Aktivisten der <strong>Asociación de Apoyo al Pueblo Sirio</strong>, die spanische Regierung zur Ausweisung des syrischen Botschafters zu bewegen. Doch die Mittel der Diplomatie und des wirtschaftlichen und politischen Drucks sind zu langsam, wenn man sich die drastische Zahl der geforderten Menschenleben vor Augen führt.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Dem syrischen Regime scheint &#8211; gemessen an seiner brutalen Vorgehensweise &#8211; am internationalen Ruf wenig gelegen zu sein. Bleibt schließlich nur die militärische Intervention, um Menschenleben zu retten?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Ich denke, dass das Regime<em> </em>sehr wohl auf internationale Legitimität bedacht ist. Damaskus hängt von ihr ab. Deshalb klammerst es sich mit aller Macht an Russlands Rückhalt. Ich persönlich befürworte keine militärische Intervention ab. Wie kann man einen Militäreinsatz fordern, während man selbst nicht von den Bombardements betroffen ist? Wir wissen, wie die NATO-Einsätze beginnen, aber nie, wie sie enden. Wie ich bereits sagte: Mich erstaunt, dass von militärischer Intervention gesprochen wird, noch bevor sämtliche diplomatische Mittel ausgeschöpft worden sind. Wir haben dabei versagt, die Isolierung diplomatisch, wirtschaftlich und politisch konsequent voranzutreiben.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Welche diplomatischen Mittel stehen überhaupt zur Verfügung?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Die Ausweisung aller syrischen Diplomaten! Denn die Botschafter aus Damaskus sind nicht Repräsentanten ihrer Bürger, sondern der diplomatische Arm der syrischen Diktatur in den jeweiligen Ländern des Westens. Baschar Al-Assad benötigt einen gewissen Grad an internationalem Rückhalt, da es sich in einer Phase totaler Delegitimierung befindet. Die Ausweisung aller syrischen Botschafter aus Europa wäre folglich ein tödlicher Schlag gegen das Regime und ich verstehe nicht, was noch kommen muss, damit sich unsere Regierungen endlich darauf verständigen, die Repräsentanten eines Regimes hinauszuwerfen, die brutal und beispiellos gegen ihre Bürger vorgehen.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Können Sie hinsichtlich des verbleibenden diplomatischen Spielraums optimistisch in die Zukunft blicken?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> In Anbetracht einer Regierung, die ausschließlich mit militärischer Gewalt auf die Forderungen seiner Bürger reagiert, fällt es schwer, optimistisch zu sein. Optimistisch kann man nur sein, wenn zu den Waffen der Vernunft gegriffen wird. Nicht jedoch, wenn ein Regime keine Grenzen kennt, und zügellos zu Folter und Mord greift &#8211; Wir sehen doch: Je verzweifelter das Regime ist, umso verachtenswerter seine Gräueltaten, umso zahlreicher seine Verbrechen. Was werden sie noch alles anrichten können, bevor sie stürzen? Diese Überlegung gibt wirklich keinen Anlass zu Optimismus!</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Wie können wir im Westen den Wandel unterstützen?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Vor Allem, indem wir konsequent sind. Dies müssen wir Bürger in Europa von unseren Regierungen und den Firmen verlangen, die unter deren Schirm agieren. Unsere Unterstützung muss den die Bürgern der Revolutionsländer gelten und nicht deren Regimes. Den Bürgern zuzuhören und nicht den illegitimen Regimes: Das wäre der erste Schritt. Wir können den Bloggern, den Aktivisten und den Nichtregierungsorganisationen unsere Stimme verleihen, wir müssen ihre Blogs und Homepages lesen, ihre Videos anschauen, ihren Gesprächen auf Facebook und Twitter folgen.</p>
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