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	<title>Menschenwürde &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Menschenwürde &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Die Ankunft der Netzpolitik im Bundestag &#8211; Digitale Presseschau 7/2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Feb 2014 15:58:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Diese Woche wurde der netzpolitische Diskurs durch die offizielle Einsetzung des Ausschusses für Digitale Agenda durch den Deutschen Bundestag einigermaßen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Woche wurde der netzpolitische Diskurs durch die offizielle Einsetzung des Ausschusses für Digitale Agenda durch den Deutschen Bundestag einigermaßen dominiert. Die Erwartungen an den neuen Ausschuss sind groß. Unsere Presseschau beinhaltet darüber hinaus einige Themenschwerpunkte, die auch im neuen Ausschuss diskutiert werden müssen. Peter Schaar appelliert etwa an die Verantwortung der Politik zur Wahrung der Grundrechte im digitalen Zeitalter. Die Idee eines „deutschen Internets“ soll auch im Ausschuss diskutiert werden, wie CDU und SPD betonten. Hannes Grassegger überlegt, ob wir bald mit Visum surfen müssen.</p>
<h3 id="docs-internal-guid-4d69dcf0-5847-8592-3bf8-784861aa2cc8">Video der Woche</h3>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://www.youtube.com/watch?v=TnDd5JmNFXE" title="Reclaim Our Privacy" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/TnDd5JmNFXE?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
Unser Video der Woche ist der animierte Kurzfilm „Reclaim our Privacy“ der Initiative „La Quadrature du Net“, der sich gegen Überwachung richtet und zum politischen Aktivismus anregt.</p>
<h3><a href="http://www.tagesspiegel.de/themen/agenda/digitale-agenda-wie-die-grosse-koalition-das-neuland-aufteilen-will/9460612.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einsetzung des Ausschusses für Digitale Agenda im Deutschen Bundestag</a></h3>
<p>Gestern wurde der lang angekündigte Ausschuss für Digitale Agenda offiziell im Deutschen Bundestag eingesetzt. Am Tag davor fanden bereits zwei Pressekonferenzen der Regierungsfraktionen statt. Der <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2014-02/jens-koeppen-ausschuss-digitale-agenda" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ausschussvorsitzende</a> Jens Koeppen, sowie der <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2014-02/lars-klingbeil-ausschuss-digitale-agenda" target="_blank" rel="noopener noreferrer">netzpolitische Sprecher der SPD</a>, Lars Klingbeil, durften die Einsetzung mit Gastbeiträgen in der ZEIT begleiten. Christian Tretbar <a href="http://www.tagesspiegel.de/themen/agenda/digitale-agenda-wie-die-grosse-koalition-das-neuland-aufteilen-will/9460612.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">beleuchtet</a> im Tagesspiegel die personelle Besetzung des Ausschusses, samt seiner dahinter stehenden Interessenverbände, sowie die Zuständigkeitsbereiche des ADA in Konkurrenz mit anderen Ausschüssen. Patrick Beuth lässt in der ZEIT auch die <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2014-02/ada-ausschuss-digitale-agenda-ausblick" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Opposition</a> in Person von Konstantin von Notz (Bündnis90/Die Grünen) zu Wort kommen.</p>
<h3><a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastbeitrag-parlamente-muessen-unsere-grundrechte-verteidigen-seite-all/9470034-all.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenschutz und Datensicherheit zur Verteidigung der Grundrechte</a></h3>
<p>Mit einem Artikel zur Bekämpfung des <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/technologischer-totalitarismus-warum-wir-jetzt-kaempfen-muessen-12786805.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„technologischen Totalitarismus“</a> machte letzte Woche der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), von sich reden. Das Handelsblatt sammelt die Antworten auf Schulz und bringt zusätzlich einen Beitrag des langjährigen Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, der für eine Novellierung des Datenschutzes im digitalen Zeitalter plädiert. Schaar begreift die freie Entfaltung der Persönlichkeit aus der europäischen Grundrechtsperspektive der Menschenwürde und appelliert an die Politik, diese Grundrechte zu schützen: „Die Parlamente müssen auch die Regeln und Konzepte definieren, mit denen der Grundrechtsschutz gewährleistet werden soll.“ Daher spricht er sich für die Definition von roten Linien gegen Überwachung durch Geheimdienste, <a href="http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/dossier-politik/vorratsdatenspeicherung-geschichte-100.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorratsdatenspeicherung</a> und gegen Missbrauch persönlicher Daten durch Unternehmen aus.</p>
<h3><a href="http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/das-ende-des-internets-1.18239023" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die „Fragmentierung des Internets“ durch nationalisierte Netze?</a></h3>
<p>Über die „Fragmentierung des Internets“ durch nationale Begrenzung schreibt Hannes Grassegger in der Neuen Zürcher Zeitung. Die Idee eines „deutschen Internets“ durch die Deutsche Telekom AG machte schon vor einigen Wochen die Runde und wurde als „Schlandnetz“ verlacht, soll jedoch auch Thema im neuen Ausschuss für Digitale Agenda werden. Wie sieht dann die Zukunft des internationalen Datenverkehrs aus? Müssen wir bald mit Visum surfen? Oder sollten wir an Alternativen zum Internet, wie wir es jetzt kennen, mitarbeiten? Dass auch die Diskussion über Überwachung im Zuge des NSA-Skandals größtenteils als <a href="http://www.freitag.de/autoren/peter-nowak/vorsicht-feind-hoert-mit" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„nationaler Souveränitätsdiskurs“</a> geführt wird, weist in eine ähnliche Richtung, wie Peter Nowak im Freitag ausführt. Dieser Diskurs endet zudem nicht selten im antiamerikanischen Ressentiment.</p>
<h3><a href="http://futurezone.at/netzpolitik/anonymitaet-ist-oft-nur-reine-schimaere/50.096.691" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anonymität im Internet</a></h3>
<p>Statt den zahlreichen Diskussionen über Transparenz widmet sich das neue Buch von Inge Brodnig mit dem Titel <a href="http://www.brodnig.org/buch-der-unsichtbare-mensch" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Der unsichtbare Mensch“</a> dem Thema Anonymität im Internet. Die Autorin gab futurezone.at ein Interview, in dem sie die Widersprüche der Anonymität zwischen Gesellschaft, Individuum und Staat beschreibt: „Anonymität ist oft nur reine Schimäre“. Hat das Spiel mit den digitalen Identitäten ein Ende?<br />
Bild: Screenshot Video<br />
<a href="http://politik-digital.de/4-berliner-hinterhofgespraech-ist-digital-besser-demokratie-und-buergerbeteiligung-im-netz/cc-lizenz-630x110/" rel="attachment wp-att-130752"><img decoding="async" alt="CC-Lizenz-630x110" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" width="407" height="71" /></a><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Menschen, nicht Reproduktionsabfall</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/menschen-nicht-reproduktionsabfall-3843/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Apr 2008 17:25:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Embryonen]]></category>
		<category><![CDATA[Hubert Hüppe]]></category>
		<category><![CDATA[Nabelblutstammzellen]]></category>
		<category><![CDATA[Stichtag]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenwürde]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Freitag, 11.4.08, war Hubert Hüppe, CDU-Bundestagsabgeordneter, von 13.30 bis 14.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Ergebnisse der Stammzelldebatte im Bundestag, seine Enttäuschung über die beschlossene Stichtagsverschiebung und die umstrittene Frage der Menschenwürde von Embryonen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag, 11.4.08, war Hubert Hüppe, CDU-Bundestagsabgeordneter, von 13.30 bis 14.30 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Ergebnisse der Stammzelldebatte im Bundestag, seine Enttäuschung über die beschlossene Stichtagsverschiebung und die umstrittene Frage der Menschenwürde von Embryonen.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Ich begrüße ganz herzlich Hubert Hüppe. Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe:</b> Ja, sehr gerne!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/hhueppe300x_0.jpg" height="193" width="151" />
</p>
<p align="center">
<i>Hubert Hüppe (CDU)</i>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Der<br />
Bundestag hat abgestimmt. Sind Sie jetzt sehr enttäuscht oder<br />
haben Sie mit dem Ergebnis schon gerechnet und sich darauf<br />
eingestellt?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>:<br />
Ich habe zwar damit gerechnet, aber trotzdem bin ich natürlich<br />
über das Endergebnis sehr enttäuscht, denn tatsächlich<br />
ist das eingetreten, was wir schon 2002 befürchtet haben: Die<br />
Menschenwürde wird in der Forschung weiter relativiert und die<br />
Tür zur tötenden Embryonenforschung ist wieder ein Stück<br />
weiter aufgemacht worden. Auf der anderen Seite &#8211; auch wenn es kein<br />
richtiger Trost ist &#8211; war ich doch über die Zustimmung unseres<br />
Antrages erfreut, weil wir mehr als doppelt so viel Stimmen bekommen<br />
haben wie wir an Unterstützungsunterschriften vorher hatten. Und<br />
letztendlich hatte der Antrag der Kollegin Flach auf Abschaffung des<br />
Stichtages mehr Gegenstimmen als unser Antrag.
</p>
<p>
<b>chariti theou:</b> Herr Hüppe, der Stichtag<br />
wurde nun zum ersten Mal verschoben. Ich könnte mir vorstellen,<br />
dass in fünf bis zehn Jahren die gleiche Debatte wieder ansteht.<br />
Was wird dann passieren?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: In der Tat habe ich diese<br />
Befürchtung auch. Denn wer einmal verschiebt, dem glaubt man<br />
nicht. Und in der Tat ist ja das eingetreten, was wir 2002 schon<br />
befürchtet hatten: Dass bald &#8211; wie diese Debatte heute gezeigt<br />
hat &#8211; weitere Stammzelllinien von neu getöteten Embryonen<br />
eingefordert werden. Deswegen wird der Hunger nach neuen Zellen<br />
wahrscheinlich nur zeitweise gestillt sein. Aber es wird &#8211; wenn die<br />
Forschung weiterhin so erfolglos bleibt wie jetzt und in den letzten<br />
zehn Jahren &#8211; schwerfallen, abermals mit der Heilung von<br />
Krankheiten zu argumentieren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Kurze Konkretisierung für alle,<br />
die sich gerade zuschalten und noch keine Zeit hatten, die neuesten<br />
Nachrichten zu verfolgen:
</p>
<p>
<b>Eike:</b><br />
Guten Tag Herr Hüppe, wie haben Sie heute im Bundestag<br />
abgestimmt?
</p>
<p>
<b>Hubert<br />
Hüppe</b>: Ich habe natürlich für meinen Antrag<br />
gestimmt, den ich den Kolleginnen und Kollegen gestellt habe. Der<br />
besagt, dass wir die embryonale Stammzellforschung nicht brauchen und<br />
deswegen die Einfuhr von embryonalen Stammzellen, für die<br />
Embryonen getötet worden sind, verboten hätten. Ansonsten<br />
habe ich den Antrag auf völlige Freigabe von Frau Flach, MdB,<br />
abgelehnt. Gleiches gilt für den Antrag Röspel und anderer,<br />
der eine Verschiebung des Stichtages vorgesehen hat und der jetzt<br />
eine Mehrheit im Bundestag gefunden hat. Wäre noch der Antrag<br />
von Frau Hinz abgestimmt worden, der zumindestens keine Erweiterung<br />
der Einfuhr von embryonalen Stammzellen vorgesehen hat, hätte<br />
ich dort mit Ja gestimmt.
</p>
<p>
<b>Blastozyste:</b> Wie bewerten Sie die<br />
Stichtagsverschiebung?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Die Stichtagsverschiebung ist<br />
für mich die sogenannte ethische Wanderdüne. Sie ist<br />
inkonsequent und unbegründet und es ist für mich<br />
unverständlich, dass auch der ein oder andere jetzt dafür<br />
gestimmt hat, der noch vor sechs Jahren gegen jeglichen Import<br />
gestimmt hat, denn heute gibt es viel mehr Argumente gegen die<br />
embryonale Stammzellenforschung als 2002, wo man noch große<br />
Hoffnungen hegte. Inzwischen gibt es auch viel mehr Fortschritte in<br />
der sogenannten adulten Stammzellenforschung. Und es gibt viel mehr<br />
Alternativen, wie zum Beispiel &quot;Nabelblutstammzellen&quot;, die<br />
nicht nur ethisch unproblematisch gewonnen werden können sondern<br />
darüber hinaus auch heute schon Menschen retten, die krank sind.
</p>
<p>
<b>onmis:</b> Aber zwingt die Entscheidung des<br />
Bundestages Forscher nicht, ins Ausland zu gehen? Gute Forschung ist<br />
nur mit ,,frischen&quot; Embryonen möglich.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Nein, niemand wird gezwungen,<br />
ins Ausland zu gehen. Aber das ist auch nicht die entscheidende<br />
Frage. Denn wenn wir alles zulassen wollten, was Forscher im Ausland<br />
machen, dann müssten wir hier auch zulassen, dass Embryonen<br />
geklont werden oder dass wir sogar Mischwesen aus Mensch und Kuh<br />
schaffen, wie das im letzten Monat in Großbritannien passiert<br />
ist. Die Menschenwürde ist auch dann unantastbar, wenn sie im<br />
Ausland angetastet wird. Übrigens sind die neuesten Ergebnisse<br />
nicht mit den neuesten Zellen entwickelt worden, sondern im Vergleich<br />
mit den ersten embryonalen Stammzellen, die überhaupt produziert<br />
worden sind und auch nach Deutschland importierbar sind. Wenn diese<br />
Zellen nichts brächten, dann muss man sich fragen, warum allein<br />
in diesem Jahr noch fünf Importgenehmigungen von sogenannten<br />
alten embryonalen Stammzellen erteilt worden sind.
</p>
<p>
<b>Christian Heinemann:</b> Inwiefern wird Ihrer Ansicht<br />
nach die Menschenwürde bei der Verwendung menschlicher<br />
Stammzellen verletzt?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Für embryonale<br />
Stammzellen muss man Embryonen töten, die durch künstliche<br />
Befruchtung entstanden sind. Zum Teil muss man Embryonen, die man auf<br />
Vorrat eingefroren hat, wieder auftauen und sie sich noch ein paar<br />
Tage weiterentwickeln lassen, bis sie so groß sind, dass man<br />
ihnen Stammzellen entnehmen kann. Wenn aber &#8211; wie meine Auffassung<br />
ist &#8211; der Embryo auch schon Mensch ist und ich ihn töte, dann<br />
würde ich ja dem Objekt der Menschenwürde die Existenz<br />
entziehen und das ist vielleicht der schlimmste Verstoß gegen<br />
die Menschenwürde. Bei adulten Stammzellen dagegen entnehme ich<br />
einem bereits geborenen Mensch Zellen aus dem eigenen Körper.<br />
Hierfür muss kein Mensch getötet werden. Es gibt zahlreiche<br />
Therapien, und heute gibt es schon Tausende von Menschen, die dieser<br />
Anwendung der adulten Stammzellen ihr Leben verdanken. Darüber<br />
hinaus gibt es auch Stammzellen im Nabelschnurblut, die therapeutisch<br />
sehr vielversprechend sind und mit denen man auch heute vor allem<br />
Kindern das Leben retten könnte. Deswegen setze ich mich zum<br />
Beispiel dafür ein, dass das Geld nicht für die erfolglose<br />
embryonale Stammzellenforschung ausgegeben wird, sondern dass man zum<br />
Beispiel eine bundesweit zugängliche öffentliche<br />
Stammzellbank aus Nabelschnurblut schaffen würde, zu der jeder<br />
Patient Zugriff hätte.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die folgende Frage wurde von den<br />
Lesern vorab zur wichtigsten Frage gewählt:
</p>
<p>
<b>PaulWest:</b> Warum sind acht Stammzellen für<br />
Sie schon ein Embryo und damit Mensch?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Für mich sind es zunächst<br />
einmal keine acht Stammzellen, sondern hier handelt es sich um ein<br />
Embryo der schon viel älter ist. Denn man &quot;gewinnt&quot;<br />
aus einem Embryo 100-200 Stammzellen. Aber für mich gibt es<br />
keine andere logische Grenze als die Verschmelzung von Ei und<br />
Samenzelle, bei dem individuelles Leben entstanden ist. Bei dem<br />
feststeht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, ob man rote,<br />
schwarze oder blonde Haare hat und vieles mehr. Und man entwickelt<br />
sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch. Und wenn ich heute<br />
frage, ob ich ihn nicht mit acht Tagen freigeben darf, wird der<br />
nächste vielleicht fragen, warum nicht nach fünfzehn Tagen,<br />
nach drei Monaten oder vielleicht noch später. Im Übrigen<br />
war das ja offensichtlich auch mal die Meinung des Deutschen<br />
Bundestages, der Anfang der 90er Jahre mit ganz ganz großer<br />
Mehrheit das Embryonenschutzgesetz in Deutschland beschlossen hat,<br />
denn wenn es kein Mensch wäre sondern nur Reproduktionsabfall,<br />
dann stellt sich in der Tat die Frage: Warum brauchen wir überhaupt<br />
irgendwelche Einschränkungen?
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier treffen eine ganze Reihe von<br />
Fragen zur Religion ein, es folgt eine Auswahl:
</p>
<p>
<b>Ihr Benutzername:</b> Hallo Herr Hüppe. Sollten<br />
Ihrer Meinung nach religiöse Argumente in der Diskussion<br />
berücksichtigt werden? Wenn ja, warum?<b> </b>
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Religion gehört zu<br />
unserer Gesellschaft und selbst in der Präambel unseres<br />
Grundgesetzes wird auf Gott Bezug genommen. Von daher gehört es<br />
natürlich auch in diese Debatte: Allerdings muss man nicht<br />
katholisch oder evangelisch sein, um gegen die embryonale<br />
Stammzellenforschung zu sein. Zum Beispiel hat heute auch Volker Beck<br />
von den Grünen für unseren Antrag gesprochen, der nicht<br />
gerade als religiöser Fundamentalist verschrien ist und Frau<br />
Knoche (Linkspartei) hat heute als Frauenpolitikerin gegen die<br />
embryonale Stammzellenforschung gesprochen. Der deutsche Frauenrat<br />
hat sich sogar einstimmig gegen eine Stichtagsverschiebung<br />
ausgesprochen.<b> </b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Aber dort wurde nicht religiös<br />
argumentiert!
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Nein, es wurde frauenpolitisch<br />
argumentiert, weil man Angst hat, dass zukünftig Frauen als<br />
Eizelllieferanten missbraucht werden, wie es ja zum Teil im Ausland<br />
schon passiert. Auch ich habe nicht religiös argumentiert<br />
sondern aus Sicht der Menschenrechte, obwohl ich eine religiöse<br />
Überzeugung habe.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Bleiben wir noch kurz beim Kapitel<br />
Religion &#8211; das ist wie gesagt ein Anliegen vieler User im Chat.
</p>
<p>
<b>Herbert:</b><br />
Ist es erlaubt in einer rationalen Debatte religiös zu<br />
argumentieren?
</p>
<p>
<b>Hubert<br />
Hüppe</b>: Ich glaube, dass es natürlich erlaubt ist,<br />
religiös zu argumentieren, weil es zu unserer Gesellschaft<br />
gehört und das Gewissen und die Verantwortung des Einzelnen<br />
natürlich mitprägt, wobei heute in der Debatte religiöse<br />
Argumente eher seltener der Fall waren und komischerweise auch<br />
häufiger von denen angeführt worden sind, die eher für<br />
die Erweiterung der embryonalen Stammzellforschung sind.
</p>
<p>
<b>harry hirsch:</b> Kann man rational überhaupt<br />
mit religiös verbinden?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ja, aber das spielt bei dieser<br />
Debatte keine entscheidende Rolle, weil &#8211; wie gesagt &#8211; die Debatte<br />
gar nicht religiös geführt wurde. Es ist rational, wenn man<br />
beweisen kann, dass die embryonale Stammzellforschung für die<br />
Heilung des Menschen nichts beigetragen hat, dass es weltweit nach<br />
zehn Jahren noch nicht mal irgendeine klinische Studie gibt. Und wenn<br />
man trotzdem so viel Zeit für diesen kleinen Forschungsbereich<br />
investiert &#8211; und auch so viel Geld &#8211; dann glaube ich, ist das<br />
wesentlich irrationaler als mein Standpunkt.
</p>
<p>
<b>Wunderlich:</b> Sie argumentieren den Beginn<br />
menschlichen Lebens anhand seines Potentials herbei. Immerhin nisten<br />
sich bei einer natürlichen Befruchtung 70% der befruchteten<br />
Eizellen gar nicht erst ein und werden vom Körper ausgestoßen.<br />
Verstößt die Natur (Gott?) da nicht auch gegen Ihre<br />
Auffassung von Embryonenschutz?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Entscheidend ist nicht, wie<br />
viele Embryonen überleben und wie viele sterben. Der menschliche<br />
Akt des Tötens widerspricht der Menschenwürde. Wäre es<br />
so, dass die Überlebensrate entscheidend für die<br />
Menschenwürde des Einzelnen wäre, dann wäre ja die<br />
Menschenwürde von Neugeborenen in Entwicklungsländern<br />
geringer einzustufen als bei uns, weil dort die Kindersterblichkeit<br />
nach der Geburt wesentlich höher ist als hier. Somit kann man<br />
aus meiner Sicht dieses Argument nicht gelten lassen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Zum christlichen &quot;C&quot; der<br />
CDU zwei User-Fragen, die ich direkt hintereinander stelle, bitte<br />
beide gleich beantworten, lieber Herr Hüppe!
</p>
<p>
<b>CG:</b> Können Sie als CDU-Politiker denn<br />
überhaupt noch guten Gewissens in der CDU bleiben?
</p>
<p>
<b>rabenstefan:</b> Herr Hüppe, sehen Sie ihre<br />
Verantwortung gegenüber dem Leben eines Embryonen auch in dem<br />
&quot;C&quot; ihrer Partei begründet &#8211; die<br />
Kirche streitet ja ebenfalls lautstark gegen die<br />
Stammzellenforschung. Wenn ja, was sagen Sie zu Parteikollegen mit<br />
einer weniger christlichen Meinung?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich bin noch in der CDU, weil<br />
ich hoffe, dass ich für meinen Standpunkt dort weiterhin werben<br />
kann. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich enttäuscht bin,<br />
dass hier die Union nicht geschlossener ist, denn auf dem<br />
Bundesparteitag der Union hatte noch eine große Mehrheit<br />
beschlossen, dass der Mensch schon mit Verschmelzung von Ei und<br />
Samenzelle entstanden ist und von daher zu schützen ist. Wenn<br />
man aber sagt, dass menschliches Leben entstanden ist und trotzdem<br />
dazu kommt, dass man es für die Forschung nutzen darf, dann ist<br />
dies schon sehr schwierig noch mit dem C zu verbinden. Aber in meiner<br />
Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der CDU hat die Mehrheit der<br />
Abgeordneten gegen eine Verschiebung des Stichtags gestimmt und das<br />
macht mir Hoffnung.
</p>
<p>
<b>Embryonenmensch:</b> Sehr geehrter Herr Hüppe,<br />
zuerst: Danke für ihr Engagement in der Debatte! Auch wenn<br />
kritische BioethikerInnen diese Abstimmung sicher als schwarzen Tag<br />
für die Menschenwürde und als Sieg der Forschungsfreiheit<br />
sehen werden. Laut eben vorliegenden Ergebnissen auf der<br />
Bundestagswebseite haben bei der CDU/CSU-Fraktion 102 Abgeordnete mit<br />
&quot;Ja&quot; für eine Stichtagsverschiebung gestimmt gegenüber<br />
113 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung und sieben nicht abgegeben<br />
Stimmen. Ein relativ ausgeglichenes Ergebnis im Vergleich zur<br />
Abstimmung 2002, bei der noch gut 60 Prozent der CDU/CSU Abgeordneten<br />
gegen einen Import embryonaler Stammzellen gestimmt haben &#8211; gegenüber<br />
36 Prozent Befürwortern. Wie beurteilen Sie das aktuelle<br />
Abstimmungsverhalten in Ihrer Fraktion vor dem Hintergrund des<br />
Druckes von Forschungsministerin Schavan und Bundeskanzlerin Angela<br />
Merkel? Hatte dieser Druck Ihrer Ansicht nach einen erheblichen<br />
Einfluss auf das Abstimmungsverhalten?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Also ich kann nicht<br />
ausschließen, dass es auch Kolleginnen und Kollegen gab, die<br />
sich möglicherweise haben davon beeindrucken lassen, dass die<br />
Kanzlerin und die eigene CDU-Ministerin sehr für eine<br />
Stichtagsverschiebung geworben haben. Trotzdem muss man sagen, dass &#8211;<br />
wenn Ihr Ergebnis stimmt &#8211; immerhin mehr als die Hälfte der<br />
Fraktion eine andere Meinung haben und man muss dann genau<br />
analysieren wie das bei den verschiedenen Abstimmungen gelaufen ist.<br />
In der Kürze der Zeit kann ich das jetzt noch nicht sagen, aber<br />
zum Beispiel hat die Junge Union Deutschlands ganz eindeutig gegen<br />
die Stichtagsverschiebung Stellung bezogen. Unter anderem auch ihr<br />
Bundesvorsitzender, der Mitglied des Deutschen Bundestages ist. Und<br />
es macht mir Hoffnung wenn gerade die Jugendorganisation der Union so<br />
geschlossen für den Wert des Lebens und der Menschenwürde<br />
eintritt. Auf jeden Fall werde ich weiter für eine Mehrheit<br />
kämpfen und mich mit dem jetzigen Ergebnis nicht abfinden.
</p>
<p>
<b>CG:</b> Sehr geehrter Herr Hüppe, ist das<br />
Ergebnis der Abstimmung nicht ein großer Schlag gegen die<br />
gesamte Pro-Life-Bewegung? Wie schätzen Sie nun die Gefahr ein,<br />
dass das Embryonenschutzgesetz als nächstes fällt?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: In der Tat ist es eine<b><br />
Ni</b>ederlage für die Lebensschutzbewegung und in der Tat<br />
muss man Angst haben, dass die sogenannte ethische Wanderdüne<br />
weiterzieht. Es gab ja jetzt auch schon Stimmen wie die des<br />
Landesvorsitzenden der SPD im Saarland Maas, die jetzt die Tötung<br />
von Embryonen auch in Deutschland zulassen wollen. Ich hoffe, dass<br />
die, die sich für den Lebensschutz engagieren, sich auch in die<br />
Parteien begeben, denn nur dort kann man den politischen Einfluss<br />
geltend machen.
</p>
<p>
<b>Moest:</b> Ist es keine Doppelmoral, die embryonale<br />
Stammzellenerstellung nicht zu erlauben, mit dem Verweis auf das<br />
menschliche Leben, aber Abtreibungen zu erlauben?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich habe ja auch gegen die<br />
Freigabe der Abtreibung gestimmt. Ich habe auch mehrfach Anfragen und<br />
Initiativen zum Beispiel beim Thema Spätabtreibung &#8211; auch im<br />
Bundestag &#8211; gestartet und ich finde das natürlich auch nicht<br />
richtig, dass zum Beispiel bei behinderten Föten eine Abtreibung<br />
in Deutschland sogar bis zur Geburt möglich ist. Für mich<br />
ist allerdings unverständlich,  dass diese Argumentation,<br />
dass man &#8211; wenn man Abtreibung zulässt, auch die embryonale<br />
Stammzellforschung zulassen muss &#8211; von allen betrieben worden ist,<br />
die für diese Abtreibungsregelung gestimmt haben. Denn früher<br />
haben auch die, die für die jetzige Regelung der Abtreibung<br />
sind, gesagt dass man durch die Beratungsregelung besser das Leben<br />
schützen könnte als mit Strafrecht.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Einige kritische Nachfragen sind<br />
inzwischen eingetroffen:
</p>
<p>
<b>Taigabaer:</b> Ist, wenn es hart auf hart kommt, die<br />
Existenzberechtigung eines kranken erwachsenen Menschen nicht höher<br />
als die einer gefühls- und gedankenlosen Ansammlung von 200<br />
Zellen?
</p>
<p>
<b>felipe:</b> Wieso räumen Sie menschlichen<br />
Embryonen die volle Menschenwürde ein? Ich persönlich würde<br />
da eher von einer Art &quot;Vorwürde&quot; sprechen.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Also dieses Dilemma gibt es<br />
überhaupt nicht, denn diesem Kranken wird auch nicht dadurch<br />
geholfen, dass ein Embryo getötet wird. Im Gegenteil: Es ist<br />
viel Geld verbrannt worden für diese Forschung, an der noch kein<br />
Mensch genesen ist und von denen noch kein Kranker etwas hatte.<br />
Ansonsten geht es nicht um 200 Zellen sondern um einen Embryo, wie<br />
Sie und ich einer waren. Und wenn ich einmal anfange, abzuwägen,<br />
welcher Mensch denn die höhere Qualität hätte als der<br />
andere, dann wird es aus meiner Sicht noch in ganz anderen Bereichen<br />
Tabubrüche geben.
</p>
<p>
<b>CG:</b> Ist nun das Embryonenschutzgesetz in Gefahr?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ja, das Embryonenschutzgesetz<br />
ist in Gefahr und es wird unter Druck geraten, weil jetzt schon<br />
einige argumentieren, warum wir nicht in Deutschland auch eigene<br />
embryonale Stammzellen herstellen können &#8211; aus deutsch<b>en<br />
</b>Embryonen, damit das in der Hand von deutschen Forschern<br />
unter standardisierten Bedingungen stattfinden kann. Auf jeden Fall<br />
fing es auch in anderen Ländern erst mit kleinen Tabubrüchen<br />
an. Heute gibt es sogar Nachbarländer, in denen man im Rahmen<br />
der künstlichen Befruchtung sich sogar das passende Geschlecht<br />
des Embryo aussuchen kann und die anderen dann getötet werden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Kurze Information zu unserer<br />
Leser-Umfrage, die hier nebenbei live im Chat-Room lief. Wir haben<br />
gefragt: „Finden Sie, dass der Bundestag bei der<br />
Stichtagsverschiebung richtig entschieden hat?&quot; &#8211; 50 Prozent haben<br />
ja gesagt, 50 Prozent nein.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich nehme das Ergebnis zur<br />
Kenntnis. Es gibt auch aus diesem Jahr eine Infratest-Umfrage bei der<br />
über 60 Prozent meinen Standpunkt in der deutschen Bevölkerung<br />
teilen &#8211; aber für mich sind eigentlich in dieser Frage Umfragen<br />
nicht so wichtig, weil wenn ich meine, dass die Menschenwürde<br />
durch die embryonale Stammzellenforschung angetastet wird, dann würde<br />
ich auch dann dagegen stimmen, wenn 90 Prozent der Bevölkerung<br />
in Umfragen etwas anderes fordern.
</p>
<p>
<b>SoWhy:</b> Auf welcher (wissenschaftlichen) Grundlage<br />
basiert die Annahme, Stammzellen seien menschliches Leben? Und halten<br />
Sie auch die Pille danach für ein Mordwerkzeug? Oder die<br />
Spirale?
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Also ich lehne die Pille<br />
danach ab, weil sie darauf ausgerichtet ist, entstandenes<br />
menschliches Leben zu töten, gar keine Frage. Aber ich habe auch<br />
nicht gesagt, dass die Stammzelle menschliches Leben sei im Sinne<br />
eines ganzen Menschen, sondern der Embryo aus dem die Stammzelle<br />
stammt und der für die Stammzellforschung getötet wird. Und<br />
dass der Mensch individuell mit Verschmelzung von Ei und Samenzelle<br />
beginnt, ist einfach eine biologische Tatsache, die sogar von den<br />
meisten der Befürwortern für die jetzige Regelung heute so<br />
dargestellt wurde.</p>
<p><b>theScientist :</b> Guten Tag,<br />
Herr Hüppe. Sie stellen den Wert der Embryonen als menschliches<br />
Leben besonders heraus. Weniger christlich geprägte Menschen<br />
sprechen von einem Zellhaufen. Aber dessen ungeachtet: Warum betonen<br />
Sie nicht den Wert des Lebens der Menschen, denen vielleicht eines<br />
Tages durch eine Stammzelltherapie geholfen werden könnte?
</p>
<p>
<b>harry hirsch:</b> Forschung betreibt man deswegen,<br />
weil man etwas herausfinden will (zum Beispiel, wie sich Stammzellen<br />
nutzen lassen) und nicht weil man schon weiß, wie etwas<br />
funktioniert.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich betone sehr wohl den Wert<br />
von zum Beispiel chronisch-kranken und behinderten Menschen. Deswegen<br />
engagiere ich mich nicht nur für den Schutz des ungeborenen<br />
Menschen sondern auch für Menschen mit Behinderung und deswegen<br />
bin ich auch behindertenpolitischer Sprecher meiner Fraktion und<br />
unter anderem auch im Bundesvorstand der Lebenshilfe für<br />
Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung. Es ist Realität,<br />
dass fast alle Behindertenverbände &#8211; unter anderem auch die<br />
Lebenshilfe &#8211; gegen die embryonale Stammzellforschung sind, weil sie<br />
Angst haben, dass wenn man einmal anfängt, die<br />
Forschungsfreiheit so absolut zu stellen, dass auch das Lebensrecht<br />
und die Menschenwürde eingeschränkt werden kann, es in<br />
anderen Bereichen weitergeht. So war zum Beispiel in der<br />
Bioethik-Konvention des Europarats gefordert worden, dass auch<br />
fremdnützige Forschung an nicht-einwilligungsfähigen<br />
Personen erlaubt werden soll. Deutschland hat dieses Abkommen nicht<br />
ratifiziert, weil wir gesagt haben, dass zum Beispiel so genannte<br />
geistig Behinderte, Altersdemente, Kleinkinder und andere, die in<br />
eine Forschung nicht einwilligen können, niemals als<br />
Forschungsobjekte missbraucht werden dürfen. Deswegen würde<br />
ich mich freuen, wenn alle, die heute so für die<br />
Forschungsfreiheit gesprochen haben, sich genau so dafür<br />
einsetzen würden, dass die, die heute krank sind, unter besseren<br />
Bedingungen gepflegt und therapiert werden und dass sie zum Beispiel<br />
auch Zugang zu Therapien haben, wie zum Beispiel Therapien mit<br />
adulten Stammzellen, wie es in anderen Ländern mit mehr Zugang<br />
zu Nabelschnurblutstammzellen schon längst der Fall ist. Wenn<br />
wir mal so viel Zeit im Deutschen Bundestag darüber reden<br />
würden, wie es Menschen in Heimeinrichtungen geht, die künstlich<br />
ernährt werden, um Pflegezeit zu sparen, dann wäre dieser<br />
Personenkreis sicherlich sehr dankbar.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war eine Stunde hier im<br />
tagesschau-Chat. Nochmals vielen Dank, Herr Hüppe, dass Sie sich<br />
Zeit genommen haben für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Dankeschön an unsere User<br />
für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen<br />
konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.
</p>
<p>
<b>Hubert Hüppe</b>: Ich bedanke mich auch und wenn<br />
Sie mich das nächste mal einladen und ich nicht so früh<br />
nach Hause muss und nicht so viele Termine habe, können wir auch<br />
mehrere Stunden diskutieren. Und allen noch einen schönen guten<br />
Tag (am Computer) &#8211; auch denen die nicht meine Meinung teilen.</p>
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		<title>Arbeit und menschliche Würde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><b>Arbeit und menschliche Würde</b></p><p><b>Eine Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung</b></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arbeit und menschliche Würde</strong><br />
<strong>Eine Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung</strong><br />
Bei den meisten Menschen in Deutschland dürfte ein eher flaues Gefühl aufkommen, wenn von Globalisierung die Rede ist. Und das, obwohl sich die Befürchtungen, die sich mit der Debatte um den &#8220;Standort Deutschland&#8221; verbanden, nicht bewahrheitet haben: Deutschland ist weiterhin ein Hauptexportland. Im Welthandel sind es die ohnehin schon ärmsten Länder, die weiter an Boden verloren haben. Die Globalisierung hat also das Auseinanderdriften von Arm und Reich gefördert. Und doch sind die Sorgen der erfolgreichen und reichen Deutschen begründet, sagt uns Negt, der die Globalisierung nur für ein neues Gewand des alten Kapitalismus hält, welcher seit dem Ende des &#8220;realen Sozialismus&#8221; nicht nur in alle Erdteile ausgreift, sondern der auch bei uns auf eine nur marktförmig strukturierte Wirtschaft und Gesellschaft drängt.<br />
Negt unternimmt die philosophisch begründete Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung. Dabei greift er vor allem auf Kant und Marx, aber auch auf Max Weber, Hegel, Adorno, Foucault und Aristoteles zurück. Er unterscheidet &#8211; in der Tradition Karl Mannheims &#8211; Ideologie von Utopie. Globalisierung und Neoliberalismus sind für Negt eine Ideologie, weil sie die wahren Machtverhältnisse verschleiern und das Aktivwerden Betroffener bzw. Benachteiligter verhindern. Andere haben deswegen den Neoliberalismus hingegen als &#8220;Utopie&#8221; bezeichnet (Pierre Bourdieu). Doch Negt sieht sich wohl in der Tradition der Renaissanceutopisten Campanella, Morus und Bacon, die er anerkennend würdigt, nicht zuletzt, weil diese den Rückgang des Volumens fremdbestimmter Arbeit postuliert haben. Die Utopie ist ein Bild, das transformierend auf die Gesellschaft einwirkt.<br />
Die Welt des ungezügelten Kapitalismus ist geprägt durch eine weiter wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern und auch zwischen den Schichten innerhalb der Länder, eine Kluft, die Gewalt und Konflikte begünstigt. Betriebswirtschaftliches Denken allein ist für die von Negt eingeforderte gesamtgesellschaftliche &#8220;Ökonomie des ganzen Hauses&#8221; untauglich. Die Arbeitslosigkeit, die Deutschland in der 90er Jahren pro Jahr 180 Milliarden DM (und damit mehr als der Aufbau der Neuen Bundesländer) gekostet hat, ist für ihn ein Akt der Barbarei:<br />
&#8220;Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt. Sie ist ein Anschlag auf die körperliche und die seelisch-geistige Integrität, auf die Unversehrtheit der davon betroffenen Menschen. Sie ist Raub und Enteignung der Fähigkeiten, &#8230; in Gefahr sind zu verrotten und schwere Persönlichkeitsstörungen hervorzurufen.&#8221;<br />
In unserer Gesellschaft sieht Negt eine Aufspaltung in zwei Realitäten: zum einen die Realität derer, die gesicherte und auskömmliche Arbeit haben, zum anderen diejenigen,die aus dieser Welt ausgeschlossen sind. Diese zweite Realität, ist laut Negt für die in der ersten Realität Befindlichen kaum nachvollziehbar.<br />
Warum aber wird nicht statt der Arbeitslosigkeit nützliche Arbeit finanziert? Weil Arbeitslosigkeit und Armut in ihren sozialpsychologischen Folgen zentrale Faktoren der Systemstabilisierung seien! An pragmatische Lösungen für das Problem der Arbeitslosigkeit glaubt Negt nicht. Die Bewältigung dieses Krisenherdes sei nicht anders zu leisten als durch schwerwiegende Eingriffe in die bestehenden Macht- und Wirtschaftsstrukturen. Nötig sei ein Paradigmenwechsel hin zu den Bedürfnis- und Interessenstrukturen lebendiger Menschen als Ausgangspunkt der Betrachtung und der Veränderung.<br />
Als Träger des Widerstandes sieht Negt vor allem die Gewerkschaften, deren gesamtgesellschaftliche Verantwortung &#8211; man könnte sagen: deren Utopiefähigkeit &#8211; er beschwört. Als Kernforderung zur Umgestaltung der Gesellschaft sieht Negt die Verkürzung der Arbeitszeit an. Zeitnot halte überholte Herrschaftsstrukturen aufrecht. Denn Bildungsprozesse, die Voraussetzung für Mündigkeit und selbstgesteuerte gesellschaftlich-politische Aktivität sind, bedürfen der Zeit. Die durch Arbeitszeitverkürzung Entlasteten würden dadurch von Gefangenen einer gesellschaftlichen Maschinerie zu &#8220;assoziierten und kooperativen Produzenten, &#8230; die den überwiegenden Teil ihrer Sozialphantasie und ihrer Arbeitsenergie auf politische Gemeinwesenarbeit konzentrieren.&#8221; Allerdings übersieht Negt nicht die Fallen einer vergrößerten Freizeit: durch ein erhöhtes Konsum- und Unterhaltungsangebot drohe sich die für Bildung und menschliche Beziehungen gewonnene Zeit wieder der Taktvorgabe technischer Apparate und ihrer Inhalte zu unterwerfen.<br />
Die Begrenzung und Steuerung der Technik ist ein weiteres Anliegen Negts, ebenso wie die Kritik an seinen Soziologenkollegen Ulrich Beck und Anthony Giddens, denen er zu geringe Abgrenzung zum Neoliberalismus und damit Ausbeutbarkeit ihrer Konzepte (Risikogesellschaft, Individualisierung) vorwirft. Bemerkenswerte psychologische Einsichten gelingen Negt bei seiner Analyse der seelischen Lage Langzeitarbeitsloser und bei seiner Nachzeichnung der psychischen Mechanismen der deutschen Einheit.<br />
Negts Buch ist von einem tiefen humanistischen Antrieb und Sorge um die Menschenrechte aller geprägt. Es könnte auch betitelt sein : &#8220;Die geistige Situation der Zeit&#8221;, denn es kommt dem Wunsch nach Orientierung entgegen. Die Berichte vom Weltsozialgipfel in Porto Alegre zeigen uns, dass diese Zeit zu Ende geht. Immer mehr Menschen sagen: &#8220;There must be an alternative &#8211; Eine andere Welt ist möglich!&#8221; Gewiß fehlt noch der Konflikt, in dem eine neue Bewegung auch in Deutschland einen ersten Sieg gegen die Neoliberalen erzielen könnte. Aber der kann schnell kommen, etwa beim Versuch, das Gesundheitssystem in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu verwandeln.<br />
Eigentlich paßt Negts Buch perfekt in die Zeit, aber seine Länge macht es für arbeitende Menschen schwer verdaulich. Wer andere Kritiker des Neoliberalismus (wie Bourdieu oder André Gorz) oder Ethiker (Hans Jonas) gelesen hat, wird zudem finden, dass Negts Buch nicht viel Neues enthält. Seine konkreten sozialpolitischen Forderungen &#8211; Arbeitszeitverkürzung und eine verbesserten Grundsicherung &#8211; liegen schon länger auf dem Tisch. Es handelt sich um bekannte, aber wichtige und hochaktuelle politische Gedanken in akademisch ausgearbeiteter Form.<br />
Arbeit und menschliche Würde, von Oskar Negt, Göttingen (Steidl) 2002, 2. Aufl.</p>
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