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	<title>Michael F.G. Schmidt &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Michael F.G. Schmidt &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Das Virus lässt sich nicht auslöschen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_virus_laesst_sich_nicht_ausloeschenquot-155/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelgrippe]]></category>
		<category><![CDATA[Michael F.G. Schmidt]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Sonntag, den 26. Februar 2006, war Professor 
Michael F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und 
Molekularbiologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität 
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Virologe beantwortete Fragen 
zur Vogelgrippe und zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer 
Pandemie.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Sonntag, den 26. Februar 2006, war Professor<br />
Michael F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und<br />
Molekularbiologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität<br />
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Virologe beantwortete Fragen<br />
zur Vogelgrippe und zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer<br />
Pandemie.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Bericht-aus-Berlin-Zuschauer, liebe tagesModerator: Liebe<br />
Bericht-aus-Berlin-Zuschauer, liebe tagesschau.de-Leserinnen und<br />
Leser, herzlich willkommen zum tagesschau-Chat zum Bericht aus Berlin.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich Professor Michael<br />
F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und Molekularbiologie<br />
<br />
am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität<br />
Berlin. Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie sich heute die Zeit<br />
genommen haben. Starten wir hiermit:
</p>
<p>
<b>Sonntag:</b> Besteht die Chance, den Virus weltweit<br />
auszulöschen oder müssen wir ab heute ständig mit<br />
der Gefahr leben.
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Der Virus, oder: das Virus,<br />
lässt sich nicht auslöschen. Wir werden bestimmt einige<br />
Jahre damit zu tun haben. Die Hoffnung besteht, dass es mit der<br />
Zeit an Aggressivität verlieren wird, denn auch zu früheren<br />
Zeiten hat es ähnliche Seuchen gegeben, die sich mit der Zeit<br />
moderiert haben.
</p>
<p>
<b>AlexP: </b>Guten Tag Hr. Dr. Schmidt, ist es denn<br />
sinnvoll sich für zu Hause für den Fall einer Pandemie<br />
mit Mundschutz der Klasse FFP1 oder mehr auszurüsten?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist zunächst Unsinn.<br />
Ich rate davon ab, in diese Richtung Investitionen zu tätigen,<br />
weil völlig offen ist, ob wirklich und wann eine Pandemie zu<br />
erwarten ist.
</p>
<p>
<b>Delia: </b>Wie ist ein Rhythmus von ca. 30 Jahren<br />
für Pandemien zu erklären?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Dafür gibt es keine<br />
wissenschaftliche Erklärung. Dieser zeitliche Rhythmus basiert<br />
einzig und allein auf den Beobachtungen von durch Influenza-Viren<br />
verursachten Seuchen im letzten Jahrhundert. Die bekanntesten Pandemien<br />
sind 1890, 1918, 1957, 1968 und 1977 gewesen. Das ist alles was<br />
wir hierzu wissen.
</p>
<p>
<b>sebastian-glas-m?: </b>Guten Tag, ich sehe einerseits<br />
die Feuerwehrleute, die in weißen Overalls und mit Atemschutz<br />
Tiere abtransportieren, aber gleichzeitig heißt es, man könne<br />
bedenkenlos am Strand spazieren gehen. Angenommen, quasi alle Vögel<br />
wären H5N1 infiziert, besteht dann ein erhöhtes Risiko,<br />
durch Kot an den Schuhsohlen, der in die Wohnung getragen wird?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Man muss sich vorstellen,<br />
dass das Virus nur an ganz wenigen Stellen in unserem Land auftreten<br />
wird. Das Virus ist zudem sehr labil, es wird nach wenigen Stunden,<br />
bzw. Tagen (abhängig von der Temperatur) inaktiviert. Die Schutzanzüge<br />
der Sicherheitskräfte vor Ort dienen dazu, Tröpfcheninfektionen<br />
oder Infektionen mit Staubpartikeln zu verhindern, die beim Hantieren<br />
mit diesen toten Tieren in unmittelbarer Nähe des eigenen Körpers<br />
theoretisch möglich ist. Vom Kot geht nur Gefahr aus, wenn<br />
man unglücklicherweise eine größere Menge dieses<br />
Materials in den Nasen-Rachenraum befördern würde.
</p>
<p>
<b>Honesty:</b> Kann das Medikament Tamiflu den Virus<br />
bekämpfen oder verringert es nur die Vermehrung der Viren im<br />
Körper?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Beides ist richtig. Dadurch,<br />
dass Tamiflu die Vermehrung bei dem Budding-Prozess der neu gebildeten<br />
Virus-Partikel inhibiert, wird die Anzahl theoretisch verbreitbarer<br />
Viruspartikel drastisch reduziert und damit dem Virus die Ausbreitung<br />
blockiert.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Was bedeutet Budding-Prozess?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Budding ist die Ausschleusung<br />
von Viruspartikeln aus der infizierten Zelle. Man muss sich vorstellen,<br />
dass eine von einem Viruspartikel infizierte Zelle der Lungenschleimhaut<br />
in der Lage ist, bis zu 5.000 neue Viruspartikel zu bilden. In Gegenwart<br />
von Tamiflu sind diese 5.000 Viruspartikel in der infizierten Zelle<br />
gefangen und können dem umliegenden Gewebe keinen Schaden mehr<br />
zufügen.
</p>
<p>
<b>Andreas G: </b>Hallo, man nennt es immer Geflügelpest<br />
&#8211; kann dieses Virus nach jetzigem Erkenntnisstand auf alle Vogelarten<br />
übergreifen? Wenn ja, wäre eine Verbreitung auf dem großen<br />
Festland (Asien und Europa) gar nicht mehr zu stoppen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Interessanterweise kann<br />
sich das H5N1-Virus nicht in allen Vogelarten gleichermaßen<br />
vermehren. Zum Beispiel wächst es in Tauben außerordentlich<br />
schlecht. Das H5N1 ist vor allen Dingen auf Wasservögel spezialisiert,<br />
die das Virus allerdings auch auf Hausgeflügel übertragen<br />
können. Im Gegensatz zum Wassergeflügel, das das Virus<br />
sehr oft tolerieren kann ohne zu erkranken, hat das Virus im Hausgeflügel<br />
fatale Folgen &#8211; es bringt das Hausgeflügel (insbesondere Hühner)<br />
innerhalb von 24 bis 48 Stunden um.
</p>
<p>
<b>Tobias H:</b> Es gibt doch seit vielen Jahren großes<br />
Vogelsterben / Geflügelpest! Theoretisch hätten diese<br />
Viren damals auch mutieren können. Warum lenkt man jetzt so<br />
eine große Aufmerksamkeit auf die diesjährige Welle?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das liegt einfach daran,<br />
dass das jetzt verbreitete H5N1-Geflügelpest-Virus unglücklicherweise<br />
sehr viel leichter in der Lage zu sein scheint, auch auf Menschen<br />
übergehen zu können. Frühere Geflügelpest-Viren<br />
waren in der Natur ebenso weit verbreitet und haben auch je nach<br />
ihrer genetischen Zusammensetzung zu empfindlichen Schäden<br />
in der Geflügelwirtschaft geführt.
</p>
<p>
<b>JpH: </b>Wie wahrscheinlich ist denn mit einer Übertragung<br />
des Virus auf den Menschen zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Die Vergangenheit hat gezeigt,<br />
dass das Virus prinzipiell in der Lage ist, auch in den Menschen<br />
einzudringen, dies ist allerdings nur möglich, wenn die Betroffenen<br />
einer sehr hohen Virusdosis ausgesetzt waren.
</p>
<p>
<b>Shanghai:</b> Warum sind die in der Türkei erkrankten<br />
Kinder verstorben? Haben sie keinen Zugang zu Medikamenten? Ist<br />
Ihnen in der Sache etwas bekannt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Es ist zu vermuten, dass<br />
in diesen Fällen zu spät erkannt worden ist, woran diese<br />
Kinder erkrankt waren und zudem ist anzunehmen, dass Tamiflu kaum<br />
verfügbar war oder zu spät gegeben wurde.
</p>
<p>
<b>moritz-cm:</b> Da auch jetzt tote Vögel im oder<br />
am Bodensee gefunden worden sind, wollte ich fragen, ob das auch<br />
Auswirkungen auf die Wasserversorgung haben kann?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist gänzlich ausgeschlossen,<br />
weil zu einer Infektion Milliarden von Viruspartikeln des Typs H5N1<br />
erforderlich wären. Solche Virusmengen sind nur in unmittelbarer<br />
Nähe infizierter Tiere möglich. Im Seewasser wären<br />
etwaige Viruspartikel derart verdünnt und infolge ihrer Instabilität<br />
schon nach kurzer Zeit zerstört.
</p>
<p>
<b>Rita Koch: </b>Kann man unbedenklich in Gewässern<br />
baden, wenn dort kranke Tiere gefunden wurden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist absolut möglich.<br />
Es gibt keinerlei Infektionsrisiko, wenn man den Badefreuden nachgeht.
</p>
<p>
<b>Anton Weigl:</b> Wenn ich im Geschäft Eier kaufe,<br />
so haftet an diesen gelegentlich noch etwas Kot, manchmal auch kleine<br />
Federn. Besteht hieraus ein Infektionsrisiko?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist nur eine rein theoretische<br />
Möglichkeit, die aber in der heutigen Praxis ausgeschlossen<br />
werden kann, denn erstens legen infizierte Tiere keine Eier mehr,<br />
zweitens gibt es ohnehin keinerlei H5N1 in unseren Geflügelbeständen.
</p>
<p>
<b>FranziskaFranke:</b> Wie kann es denn sein, dass nun<br />
plötzlich das Virus hier auftritt, obwohl die Zugvogelsaison<br />
noch gar nicht begonnen hat? Oder ist die Vogelgrippe schon länger<br />
im Land, ohne dass es jemand bemerkt hätte?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das Virus ist nach Rügen<br />
eingetragen worden von Vogeltrupps, die vorzeitig aus dem Baltikum<br />
und aus Westrussland ein Ortsverlagerung vorgenommen haben. Über<br />
diese &#8211; wahrscheinlich Singschwäne und Möwen &#8211; ist diese<br />
Infektion in den Wildvogelbestand dieser Region getragen worden<br />
und hat sich, dort langsam weiter verbreitet. Ein weiterer Eintrag<br />
von H5N1-Viren durch den beginnenden Vogelzug ist keineswegs ausgeschlossen.<br />
Deshalb sollte niemand überrascht sein, wenn dies Virus in<br />
den nächsten Wochen und Monaten an weiteren Stellen unseres<br />
Landes, oder der Nachbarländer, nachgewiesen wird.
</p>
<p>
<b>Tyrael: </b>Stimmt die Vermutung, dass eine für<br />
uns gefährliche Mutation eher im asiatischen Raum auftreten<br />
wird?
</p>
<p>
<b>flyaway: </b>Ich habe gehört, dass das Virus<br />
nur in der Schleimhaut von Atemwegen von Schweinen so mutieren kann,<br />
dass es für Menschen gefährlich werden kann und dass daher<br />
die gemeinsame Haltung von Geflügel und Schweinen, wie sie<br />
in Asien weit verbreitet ist, besonders kritisch ist. Stimmt das<br />
und wenn ja, warum?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Zur ersten Frage: Es ist<br />
anzunehmen, dass eine potentielle Pandemie ihren Ursprung in Südostasien<br />
nehmen wird, weil nur dort die sozio-ökonomischen Gegebenheiten<br />
eine häufigere Infektion von Menschen ermöglichen. Dass<br />
sich in unserem Land jemand mit H5N1 infizieren wird, halte ich<br />
für extrem unwahrscheinlich, weil wir nicht mit infizierten<br />
Hühnern in der Küche zusammenleben. Zur zweiten Frage:<br />
Schweine scheinen bei dem H5N1-Virus keine Rolle zu spielen. Vielmehr<br />
müssen wir befürchten, dass die entscheidenden Mutationen<br />
nur auftreten werden, wenn das Virus in einem Menschen, der sich<br />
unglücklicherweise infiziert hat, Gelegenheit zur Vermehrung<br />
erhält, wobei (wie bei Influenza A-Viren immer der Fall) hier<br />
ein Übungsfeld für erfolgreiche Mutationen gegeben ist.<br />
Wenn eine Mutation erfolgt, die dem Virus erlaubt, bei einer erneuten<br />
Infektion Menschen viel leichter zu befallen als anfangs, ist möglicherweise<br />
der erste Schritt zur Pandemie gelungen. Wegen dieses Zusammenhangs<br />
ist es immens wichtig, jegliche Infektionen von Menschen auszuschließen.<br />
Das gelingt in unseren Regionen sicher leichter als in der Osttürkei,<br />
in China oder in Thailand.
</p>
<p>
<b>sorge:</b> Meine Schwester hat schon im November Tamiflu<br />
für die ganze Familie besorgt. Damals sagte mir die Hausärztin,<br />
dass Tamiflu ungeeignet sei, weil das Virus doch anders aussehen<br />
werde bei einer Pandemie. Jetzt fällt der Name Tamiflu in den<br />
Medien und die Bevölkerung soll damit versorgt werden. Was<br />
ist richtig?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Tamiflu funktioniert bei<br />
allen Influenza-A-Viren, so auch beim H5N1-Virus, oder daraus abgeleiteten<br />
Formen, oder Mutanten. Nur wenn Tamiflu sehr lange genutzt worden<br />
ist, und viele Leute es eingenommen haben, könnte es passieren,<br />
dass das Virus beginnt, sich daran zu gewöhnen und sich wiederum<br />
langsam so verändert, dass Tamiflu immer schlechter wirkt und<br />
das Virus resistent gegen Tamiflu wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt konkret: Tamiflu sollte<br />
man nicht auf eigene Verantwortung nehmen, sondern nur auf Anweisung<br />
eines Arztes?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das ist richtig. Tamiflu<br />
sollte nur auf ärztliche Anordnung genommen werden. Wichtig<br />
ist, dass man bei gravierenden Grippe-Symptomen möglichst bald<br />
den Arzt aufsucht. Nicht prophylaktisch nehmen.
</p>
<p>
<b>mick1723:</b> Ist die ganze Sache mit der Vogelgrippe<br />
nicht einfach nur reine Panikmache der Medien, genauso wie bei BSE,<br />
nach einem Jahr wird keiner mehr darüber sprechen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Es ist zu hoffen, dass der<br />
Zuschauer die Berichterstattung in den Medien nicht in erster Linie<br />
als Panikmache versteht, sondern daraus lernt, was tatsächlich<br />
durch dieses Virus bewirkt werden kann und wie man sich sinnvollerweise<br />
gegen eine Infektion mit H5N1 schützen kann. Weiterhin ist<br />
es wichtig, aus der Berichterstattung zu lernen, dass im Moment<br />
für den Menschen in Deutschland keinerlei Bedrohung besteht,<br />
dass vor allen Dingen Geflügelprodukte und Eier ebenso gut<br />
sind, wie sie es immer waren und es also keinerlei Infektionsrisiko<br />
gibt, wenn man solche Produkte verzehrt. Es ist sehr wichtig, dass<br />
man sich dies zu Herzen nimmt, denn, wer auf die Berichterstattung<br />
mit solcherlei Panik reagiert, schadet unserer Wirtschaft und sich<br />
selbst auf empfindliche Weise.
</p>
<p>
<b>Sonntag:</b> Reagiert &quot;die Politik &quot; Ihrer<br />
Meinung nach richtig auf die momentane Situation?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich finde die Politik hat<br />
hervorragend reagiert, ob nun SPD oder CDU-regierte Bundesländer<br />
betroffen waren oder sind. Die positiven Ergebnisse sprechen für<br />
sich: obwohl das Virus in Rügen gehäuft aufgetreten war,<br />
ist es gelungen, eine massenhafte Verseuchung der umliegenden Gegenden<br />
und Länder zu verhindern und vor allen Dingen sicher zu stellen,<br />
dass Wirtschaftsgeflügelbestände bisher nicht betroffen<br />
sind. Glücklicherweise gibt es auch keine Infektionen von Menschen<br />
mit dem H5N1, was bestimmt auch darauf zurückzuführen<br />
ist, dass die Menschen aus der Berichterstattung gelernt haben,<br />
infizierte, verendete Tiere nicht zu berühren oder gar erkrankte<br />
Tiere zur Pflege mit nach Hause zu bringen.
</p>
<p>
<b>Thomas2006: </b>Wird die Verbreitung des Erregers<br />
H5N1 in den wärmeren Monaten im Frühjahr und Sommer zurückgehen<br />
bzw. der Erreger verschwinden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Davon ist auszugehen. Deshalb,<br />
und nicht nur deshalb, hoffen wir alle möglichst bald auf frühlingshafte<br />
Temperaturen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Welche Temperaturen werden für<br />
das Virus kritisch?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Schon bei Raumtemperatur<br />
von ca. 22 Grad Celsius verliert das Virus rapide an Infektionskraft.<br />
Ich scheue mich, hier genaue Zahlen zu nennen, weil dies von der<br />
genauen Umgebung der Viruspartikel abhängt (PH-Wert, Ionen,<br />
Detergenz).
</p>
<p>
<b>caburger:</b> Wieso hat sich der Erreger im Süden<br />
von Asien so gut halten können, wo es doch dort noch deutlich<br />
wärmer ist als bei uns?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das Virus hat sich in der<br />
Wildvogelpopulation, insbesondere in Wasservögeln gehalten.<br />
Es hält sich nicht etwa isoliert auf im Erdreich, oder in Seen<br />
oder im Wasser, sondern es hält sich in der Region innerhalb<br />
der Wasservögel und Wildvögel und wird von infizierten<br />
Tieren vor allen Dingen im direkten Kontakt an nicht-infizierte<br />
Tiere weitergegeben. Und hier tritt die Infektion insbesondere in<br />
Erscheinung wenn Wirtschaftsgeflügel &#8211; vor allen dingen Hühner<br />
&#8211; infiziert wurde, weil diese nach kurzer Zeit sterben.
</p>
<p>
<b>Jens M:</b> Ist davon auszugehen, dass der Virus im<br />
nächsten Winter wiederkommt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das ist durchaus möglich,<br />
weil das H5N1 in Wasservögeln relativ weit verbreitet zu sein<br />
scheint.
</p>
<p>
<b>Kleiber:</b> Bin grippegeimpft. Schützt mich<br />
das gegen das Virus?
</p>
<p>
<b>jörg heyn:</b> Ist es sinnvoll, sich jetzt noch<br />
gegen Grippe impfen zu lassen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Die Grippeimpfung ist unter<br />
allen Umständen ratsam, denn sie reduziert die Chance, dass<br />
sich im Falle einer Mischinfektion (normales Grippe-Virus plus H5N1-Virus)<br />
ein<br />
neuer Stamm bilden kann, der unter Umständen in der Lage ist,<br />
von Mensch zu Mensch überzuspringen. Die Grippeimpfung schützt<br />
natürlich nicht direkt vor einer Infektion mit H5N1, weil bei<br />
letzterem Virus völlig andere antigene Strukturen wirken als<br />
beim herkömmlichen humanen Grippevirus, gegen das wir mit Hilfe<br />
der Impfung einen Antikörperschutz verleihen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es wird unterschieden zwischen „hoch-pathogenem“<br />
und „niedrig-pathogenem“ H5N1-Virus. Können Sie<br />
uns den Unterschied kurz erklären?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich will es nicht molekular<br />
erklären. Aber man kann einfach sagen, dass das nicht pathogene<br />
Virus lediglich im Rachenraum leben kann und dort Schäden verursachen<br />
kann, wohingegen das hoch pathogene Virus sich im gesamten Körper<br />
ausbreiten kann und sogar das Gehirn befallen kann.
</p>
<p>
<b>David22:</b> Wie unterscheidet sich der Krankheitsverlauf<br />
einer &quot;H5N1-Grippe&quot; beim Menschen von einer normalen Grippe?<br />
Anders gefragt: Muss es erst zu einem Todesfall gekommen sein, bis<br />
das Virus nachgewiesen wird oder gibt es bereits vorher Anzeichen,<br />
die einen Arzt misstrauisch machen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich bin kein Humanmediziner<br />
und möchte denen nicht in die Parade fahren. Man sollte dazu<br />
die Homepage des Robert-Koch Instituts konsultieren. Als Nicht-Mediziner<br />
kann ich immerhin sagen, dass eine H5N1-Infektion zu gravierenden<br />
Veränderungen der Lunge führt, was eine furchtbare Lungenentzündung<br />
verursacht und dass sich das Virus auch in weiteren inneren Organen<br />
ausbreitet und dort Schäden verursacht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch sehr konkret:
</p>
<p>
<b>uwoltma:</b> Direkt über meinem Schlafzimmerfenster<br />
befinden sich mehrere Schwalbennester. Könnte das gefährlich<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Kann nicht gefährlich<br />
werden. Bisher sind noch keine H5N1-infizierten Schwalben festgestellt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>goofer: </b>Welche anderen Tiere außer Vögel<br />
können sich denn infizieren?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Prinzipiell können<br />
mit H5N1 eine ganze Reihe von Säugetieren infiziert werden.<br />
Dies ist allerdings vor allen Dingen in Laborexperimenten gelungen.<br />
Aus der Natur gibt es praktisch keine Belege für eine natürliche<br />
Infektion, beispielsweise von Katzen oder Hunden mit dem H5N1-Virus.
</p>
<p>
<b>Scrat: </b>Was fehlt dem H5N1-Virus noch, um von Mensch<br />
zu Mensch zu Mensch überspringen zu können? Und wie groß/klein<br />
ist dieser Schritt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das kann man nicht quantifizieren<br />
und man kann es auch nicht werten. Das ist ein Spiel der Natur,<br />
die über die verschiedensten Mutationen an den elf Genprodukten<br />
(Eiweißen) unter Umständen ein fatales Virus hervorbringen<br />
könnte. Einen Punkt kann man vielleicht doch spezifizieren:<br />
Grundvoraussetzung für die Menschengängigkeit eines solchen<br />
neuen Pandemie-Virus ist das Erlernen eines effizienten Andockens<br />
an den beim Menschen typischen Rezeptor, der sich zum Glück<br />
vom entsprechenden Rezeptor der Vögel unterscheidet.
</p>
<p>
<b>gert: </b>Immer mehr tote Vögel werden gefunden.<br />
Ist denn noch Laborkapazität vorhanden, all diese Funde ordnungsgemäß<br />
zu untersuchen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Sehr gute Frage. Es ist<br />
ein großes Problem, alle Tiere zu untersuchen. In der Tat<br />
werden im Wesentlichen Wasservögel angeschaut, die als Hauptüberträger<br />
des Virus gelten. Andere Vogelarten müssen erst einmal in die<br />
Warteschleife, weil es nicht genügend Personal für die<br />
aufwändigen Untersuchungen gibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren unsere 60 Minuten Chat zum<br />
Thema Vogelgrippe. Herzlichen Dank an Sie, Professor Schmidt, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Protokoll des<br />
Chats finden Sie zum Nachlesen auf www.tagesschau.de, www.berichtausberlin.de<br />
und www.politik-digital.de. Der nächste Chat ist für den<br />
Montag, dreizehnten März geplant. Dann stellt sich ab dreizehn<br />
Uhr Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul Ihren Fragen.<br />
Wir wünschen allen Beteiligten noch einen angenehmen Sonntagabend!
</p>
<p>Heute Abend hatten unsere Moderatoren mit sehr vielen Fragen zu<br />
tun. Leider konnten nicht alle an Herrn Prof. Schmidt weitergeleitet<br />
werden. Wir möchten jedoch auf das aktuelle Dossier zum Thema<br />
auf tagesschau.de hinweisen, wo auch eine Info-Hotline des Landwirtschaftsministeriums<br />
genannt wird. Zudem fragten sehr viele Nutzer nach Gefahr für<br />
Hund und Katze und mögliche Übertragungswege. Diese Frage<br />
wurde auch bereits im ersten unserer Chats mit Prof. Wieler ausführlich<br />
behandelt, ich empfehle das Transkript des Chats vom vergangenen<br />
Mittwoch. </p>
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