<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Multistakeholder-Modell &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/tag/multistakeholder-modell/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Thu, 12 Jun 2014 17:35:38 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>Multistakeholder-Modell &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>#eurodig: Der Weg ist das Ziel?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/eurodig-der-weg-ist-das-ziel-140355/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/eurodig-der-weg-ist-das-ziel-140355/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jakob Werlitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jun 2014 17:35:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[NETmundial]]></category>
		<category><![CDATA[Nils Muznieks]]></category>
		<category><![CDATA[EuroDIG]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Brengelmann]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[European Dialogue on Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Fadi Chehadé]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internetdialog]]></category>
		<category><![CDATA[eco]]></category>
		<category><![CDATA[Internetgovernance]]></category>
		<category><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[ISOC]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Jeannette Hoffmann]]></category>
		<category><![CDATA[Internetpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kathy Brown]]></category>
		<category><![CDATA[Multistakeholder-Modell]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Rotert]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=140355</guid>

					<description><![CDATA[Zum siebten Mal treffen sich seit heute beim European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG), einer der wichtigsten europäischen Konferenzen im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-140356" alt="eurodig" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/eurodig.png" width="640" height="318" /></a>Zum siebten Mal treffen sich seit heute beim European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG), einer der wichtigsten europäischen Konferenzen im Bereich der Internet Governance, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Unter dem Motto “Digital Society at stake &#8211; Europe and the future of the Internet“ werden zentrale Herausforderungen und Entwicklungen diskutiert. Bei der Auftaktveranstaltung offenbarten sich trotz insgesamt großer Einigkeit auch erste Konfliktlinien.<br />
Das Internet ist frei und offen für jeden. Diese Eigenschaft ist es, die Internet-Governance als  naheliegende, ja fast schon unumgängliche Spielwiese für Multistakeholder-Modelle auszeichnet. So sahen das auch die Initiatoren des diesjährigen <a href="http://politik-digital.de/eurodig-2014-in-berlin/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a> und erklärten das Thema kurzerhand zum Schwerpunkt des Events sowie der heutigen Eröffnungsveranstaltung. Der EuroDIG solle keine der üblichen Top-down-Konferenzen sein, sondern ein Forum für verschiedene Stimmen und Interessengruppen bieten.<br />
In den Reihen der Ausrichter und ihrer wohlsortierten Podiumsgäste war man sich weitestgehend einig, dass nicht zuletzt auch wegen der guten Erfahrungen bei der <a href="http://netmundial.br/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETMundial</a> in São Paolo der Multistakeholder-Ansatz ein zentrales Element der Internetpolitik sein müsste. Im Hinblick auf die internationale Konferenz im April dieses Jahres sprach beispielsweise Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft eco, von einem Kick-Off-Event. Bereits <a href="http://politik-digital.de/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in einem Interview</a> im Vorfeld des EuroDIG  hatte der Gastgebervertreter auf die große Bedeutung von Gleichberechtigung und Mitsprache der Zivilgesellschaft in internationalen Foren hingewiesen.<br />
<b>„The Internet is different“</b><br />
Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte in seiner Eingangsrede, dass sich die  grundlegende Struktur des Internets in der Art und Weise widerspiegeln müsse, wie wir politische Entscheidungen debattieren und treffen. Regieren und Dialog seien, so Steinmeier, besser vereinbar, als das auf den ersten Blick vielleicht erscheine. Das Internet dürfe keinesfalls ein rechtliches Vakuum darstellen. In seiner halbstündigen Rede warf der SPD-Minister außerdem Themen wie die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Internet 4.0, die Vorteile für die Beteiligung an Demokratie, Zugangschancen und Medienbildung auf. Begleitet von rund 20 als Edward Snowden maskierten Zuschauern kam er außerdem auf den tiefen Vertrauensverlust gegenüber der Bundesregierung und den USA im Zuge der NSA-Affäre zu sprechen. Dieses gelte es nun wiederherzustellen. Denn auch in der globalisierten Welt würden die Nationalstaaten eine wesentliche Rolle einnehmen. Was die globale Überwachung betreffe, ginge es um die richtige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit. Die Angst vor einem „Big Brother“-Staat oder Daten sammelnden Unternehmen müsse international gelöst und unter allen Beteiligten verhandelt werden: „A global challenge can only have global solutions“, so Steinmeier.<br />
Auch die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes lobte per Videobotschaft ausgiebig den Multistakeholder-Ansatz des Treffens und hob seine Bedeutung für die Internetpolitik  hervor. Die internationale Internet-Governance dürfe nicht in fragmentierten Gruppen diskutiert werden, sondern müsse im Dialog und Austausch erfolgen. Dies, so die Kommissarin für die Digitale Agenda, entspräche unserem demokratischen Werteverständnis. Danach komme  es darauf an, Gleichheit im Zugang und Vielfalt in den Positionen gleichermaßen zu gewährleisten.<br />
<b>Wo sind die Stakeholder?</b><br />
Gespräche auf Augenhöhe, Integration verschiedener Interessen, Gleichberechtigung aller Teilnehmer &#8211; zumindest auf symbolischer Ebene waren sich die Eingangsredner allesamt einig. Einzig den Realitätstest mochten die schönen Worte nicht so recht bestehen. Beim <a href="http://www.eurodig.org/eurodig-2014/programme-overview/opening-plenary" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anschließenden Panel</a> durfte das gut gemischte Publikum einer eher homogenen Teilnehmergruppe aus  hochrangigen Vertretern staatlicher Ministerien oder internationaler Organisationen dabei zuhören, wie ausgehend von der NETmundial und dem viel beschworenen Multistakeholder-Modell über die Zukunft der Internet-Governance diskutiert wurde. Wo sind die Vertreter aller Stakeholder und warum waren auch Frauen auf dem Podium so stark unterrepräsentiert? &#8211;  Fragen, die vom Publikum aufgeworfen wurden. Die dünne Antwort lautete, man unterliege diplomatischen Zwängen und wolle sich verbessern.<br />
Nils Muznieks, Menschenrechtskommissar im Europäischen Rat, wies zu Recht darauf hin, dass die Internet Governance der Entwicklung hinterherhinke. “We are moving too slowly”. In Zeiten umfassender Überwachung und des Datensammelns durch Unternehmen seien Gesetzgeber und Justiz gleichermaßen gefordert, Gesetze und Rechtsprechung an die veränderten Umstände anzupassen. Gleichzeitig würde die Mehrebenen-Politik und die vielen aufeinander abzustimmenden Verantwortungsbereiche, insbesondere in der EU, es schwierig machen, adäquate und angemessene Politik und Gesetze zu machen.<br />
Ob Multistakeholder-Ansätze hier eine Lösung böten, mehr Beteiligung und effektive Politik zu vereinbaren, wurde im Weiteren durchaus in Frage gestellt. Gerade Moderatorin <a href="http://politik-digital.de/jeanette-hofmann-nicht-alle-europaeer-finden-datenschutz-wichtiger-als-das-recht-auf-meinungsfreiheit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jeanette Hofmann</a> konfrontierte die Teilnehmer immer wieder mit berechtigter Kritik. So sollte <a href="http://politik-digital.de/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dirk Brengelmann</a>, Vertreter des deutschen Außenministeriums, auf die Einwände seitens der zivilgesellschaftlichen Akteure am viel umjubelten Abschlusspapier der NETmundial antworten. Dieser verwies allerdings lediglich auf die ungewohnte Situation der Regierungen und lobte ansonsten das positive Ergebnis.<br />
<b>Alle sind gleich, manche sind gleicher</b><br />
Fadi Chehadé, Präsident und CEO der internationalen Internetbehörde ICANN, hingegen appellierte an die Beteiligten, den ewigen Konflikt zwischen multilateralen und Multistakeholder-Konzepten zu überwinden. Diese würden sich nicht ausschließen, sondern zunehmend nebeneinander bestehen und  ineinander fließen. Für ihn sei die NETmundial bereits schon deshalb ein großer Erfolg, weil sie die internationale Politik strukturell bereichert habe &#8211; nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder in den Worten Chehadés: „The process was the outcome“. Dabei wollte es Jeanette Hofmann allerdings nicht bewenden lassen. Vereinbarungen dürften nicht immer nur von einem Papier in das nächste nt übergehen, sondern müssten langfristig auch in konkreten Maßnahmen münden.<br />
Ein weiterer Kritikpunkt, dass nämlich einzelne Interessengruppen überproportionalen Einfluss geltend machen oder für ihre Ziele instrumentalisieren könnten, blieb allerdings weitestgehend unbeantwortet.<br />
Nichtsdestotrotz schien unter den Vortragenden die Begeisterung für Multistakeholder-Modelle ungebrochen. Auch Kathy Brown, CEO der ISOC, wies in ihrem abschließenden Kommentar auf die erstaunliche Energie bei Multistakeholder-Konferenzen hin. Zusammenarbeit und Gleichberechtigung entsprächen der Natur des Internets: Menschen kommen zusammen und vernetzen sich. Dass auch die etablierten Akteure auf der NETmundial Abstriche machen mussten, wertete sie als Zeichen dafür, dass diese nicht mehr ohne weiteres in der Lage seien, ihre Interessen durchzusetzen, sondern Kompromisse mit neuen Akteuren eingehen müssten.<br />
<b>Das Erreichte zählt</b><br />
Die Bedeutung entsprechender Foren und Konferenzen wird sich künftig vor allem daran bemessen, ob die gemeinsam erzielten Ergebnisse einen konkreten Niederschlag auf die Politik haben. Die Zeit, in der die Multistakeholder-Foren lediglich eine bunte Spielwiese seien, wie sie Kathy Brown beschrieb, sollte besser früher als später überwunden werden. Denn auch wenn der Weg noch so erfreulich und erstrebenswert scheint, in der Politik zählt letztlich eben auch das Erreichte. Michael Rotert hatte zu Beginn darauf hingewiesen, dass die Ideen von der NETmundial weiter voran- und eingebracht werden müssten. Sie dürften nicht einfach versickern. Genau das ist dem EuroDIG zu wünschen: dass „Multistakeholder“ nicht zum Buzzword verkommt, sondern zu einem maßgeblichen und auch effektiven Element internationaler Politik. Dass sich Vereinbarungen und Roadmaps irgendwann in Gesetzen, Beschlüssen und Verträgen wiederfinden. Europa könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der EuroDIG ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.<br />
Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/35237099579@N01" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr/Mike Lee</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/eurodig-der-weg-ist-das-ziel-140355/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Michael Rotert zum EuroDIG: „Auf einem guten Weg“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg-139385/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg-139385/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2014 14:45:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[eco]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<category><![CDATA[Multistakeholder-Modell]]></category>
		<category><![CDATA[EuroDIG 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Freies Internet]]></category>
		<category><![CDATA[NETmundial]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=139385</guid>

					<description><![CDATA[In der vergangenen Woche fand die internationale Multistakeholder-Konferenz zur Kontrolle und Verwaltung des Internets „Netmundial“ in São Paulo statt. Neben einem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/EuroDIG-2.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139407" alt="EuroDIG 2" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/EuroDIG-2.png" width="636" height="300" /></a>In der vergangenen Woche fand die internationale Multistakeholder-Konferenz zur Kontrolle und Verwaltung des Internets „Netmundial“ in São Paulo statt. Neben einem Appell zum Schutz der Privatsphäre und gegen Überwachung sprach man sich auch für ein globales und offenes Internet aus. Vom 12. bis 13. Juni folgt nun mit dem EuroDIG die bedeutendste europäische Zusammenkunft zur Gestaltung des Internets, die in diesem Jahr in Deutschland unter dem Motto „Multistakeholder dialogue &#8211; a broken model or next level democracy?“ stattfinden wird. Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender des offiziellen Gastgebers eco &#8211; Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V., beantwortet Fragen zum EuroDIG und zur Zukunft der Internetgovernance.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Herr Prof. Rotert, bereits Ende 2013 setzten sich im sogenannten <a href="http://www.w3.org/2013/10/montevideo.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Montevideo Statement</a> zentrale Organisationen, die sich mit der Verteilung der Internet-Ressourcen befassen, für eine Internationalisierung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ein. Am 14. März dieses Jahres gaben die USA bekannt, dass sie die Aufsicht über die (ICANN) aufgeben werden.<br />
Für wie hoch halten Sie derzeit die Gefahr einer nationalstaatlichen Fragmentierung des Internets?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Ich halte diese Idee generell nicht für realistisch, denn selbst wenn Daten national bleiben, könnten sie theoretisch abgefangen werden, nämlich immer dann, wenn z.B. der Provider einer anderen Jurisdiktion unterliegt oder die Datenleitungen einem ausländischen Carrier gehören. Sollte man trotzdem versuchen, teure Umwege zu verwenden, nur um „national“ zu bleiben, würden bei keinerlei Sicherheitsgewinn die dadurch entstehenden Mehrkosten auch noch auf die Endverbraucher abgewälzt.<br />
Vielleicht hilft ja hier auch eine Selbstverpflichtung der Provider, Daten national zu lassen, wenn immer es möglich ist. Nur so kann man natürlich kein Gesetz formulieren. ICANN ist eine technische Gruppierung, die im Zweifelsfall durch eine neue Technik obsolet wird, und noch ist nicht sicher, ob ICANN das Angebot der US-Regierung überhaupt umsetzen kann. Zu einer Fragmentierung des Internet trägt diese Entwicklung egal in welche Richtung nicht bei.<br />
<figure id="attachment_139409" aria-describedby="caption-attachment-139409" style="width: 179px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-139409     " alt="rotert" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/rotert.png" width="179" height="250" /><figcaption id="caption-attachment-139409" class="wp-caption-text">Michael Rotert ist seit 2000 Vorstandsvorsitzender des <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CDMQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.eco.de%2F&amp;ei=M7lfU6jSBYfUsgbc44HwCQ&amp;usg=AFQjCNHnaJZFGIfUl4E2Z5LZMCKYlzbVeg&amp;sig2=ZjmnoZinYf6JGdSHh9NziA&amp;bvm=bv.65636070,d.Yms" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eco &#8211; Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.</a>. Der Professor am Fachbereich Informatik der Hochschule Karlsruhe berät u.a. die Europäische Kommission sowie die Vereinten Nationen (UN) und ist Gründungsmitglied mehrerer Internet-Organisationen wie der Internet Society.</figcaption></figure><br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Was könnte diese Entwicklung für internationale Multistakeholder-Gremien wie den „European Dialogue on Internet Governance“ (<a href="http://www.eurodig.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EuroDIG</a>) oder auch andere Gremien bedeuten?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Das Internet ist ein globales Medium und EuroDIG wie auch andere Gremien treten genau für die Erhaltung der Globalität ein, und zwar unter Beteiligung aller Teilnehmergruppierungen. Ein Multistakeholder-Ansatz aber lebt vom Konsens, auch in dieser Frage. Eine mögliche Übereinkunft könnte aber auch Verschlüsselung auf allen Ebenen heißen. Auch wenn es technisch zwar möglich wäre, bedarf es hier doch noch einiger Anstrengungen, damit ein Verschlüsselungsansatz massentauglich ist. Da wären dann auch noch technische Gremien gefragt.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Welche Interessengruppen sollten an einem Multi-Stakeholder Modell teilhaben? Sollten Regierungen eine zentrale Rolle spielen? Welche Rolle sehen Sie für die Wirtschaft und für die Zivilgesellschaft?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> In einem Multistakeholder-Modell haben alle Beteiligten die gleichen Rechte und/oder die gleiche Stimme. Eine ideale Besetzung bestünde z.B. aus Zivilgesellschaft, Regierung, Wissenschaft und Wirtschaft. Je nach Thematik können diese Gruppen auch noch feiner untergliedert werden, z.B. Verbraucherschutzverbände innerhalb der Zivilgesellschaft. Bei der Gesetzgebung muss natürlich der Staat eine zentrale Rolle spielen, aber Konsultationen der anderen Stakeholder können dabei sicher nicht schaden, hat sich doch gezeigt, dass die Gesetzgebung in Bezug auf das Internet den technischen Möglichkeiten oft hinterher läuft.<br />
Selbstverpflichtungen der Wirtschaft innerhalb vom Staat gesetzter Leitplanken, um Rechtssicherheit zu schaffen, wäre optimal. Die „Zivilgesellschaft“ ist mir hier zu allgemein, wählt doch diese ihre Vertreter in das Parlament. Hier wären im Einzelfall entsprechende Untergruppierungen der Zivilgesellschaft gefragt.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Welchen Einfluss könnte der EuroDIG auf den Datenschutz, die Meinungsfreiheit sowie den freien Informationsfluss weltweit bzw. in Europa haben?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Auch wenn bei EuroDIG keine verbindlichen Verträge verhandelt werden, besteht dennoch Einfluss. Hat man sich auf allgemeine Grundsätze aus den genannten Bereichen geeinigt, so können bzw. werden damit Empfehlungen an die jeweiligen Einrichtungen/Nutzer gegeben. Selbst bei einer teilweisen Umsetzung entsteht dadurch eine Dynamik bei allen Beteiligten und auf allen Ebenen. Das Weiterreichen von EuroDIG-Empfehlungen an das globale Internet Governance Forum (<a href="http://www.intgovforum.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IGF</a>) geschieht jetzt schon und beeinflusst durchaus globale Diskussionen. Sanktionieren können durchaus die Verbraucher, nämlich z.B. indem sie Provider oder Dienste meiden, die sich nicht an die abgesprochenen Grundsätze halten. So ist z.B. der wirtschaftliche Verlust nach den Snowden-Veröffentlichungen durchaus bei amerikanischen Cloud-Anbietern spürbar.<br />
Allgemein ist der Einfluss natürlich dann am größten, wenn es um Themen geht, die man nicht unbedingt in Gesetze fassen kann, weil diese nicht durchsetzbar wären oder weil das Gesetzgebungsverfahren länger dauert als die Technologieentwicklung. Selbstverpflichtungen, auf die man sich geeinigt hat, können derartige Schwachstellen in der Gesetzgebung kompensieren.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Ganz generell: Welche Erwartungen haben sie an den „EuroDIG“ 2014?<br />
<strong>Michael Rotert:</strong> Nachdem in Brasilien im April 2014 bei der <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=2&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CD4QFjAB&amp;url=http%3A%2F%2Fnetmundial.br%2F&amp;ei=2blfU6O9BIeRswbLnYCgCg&amp;usg=AFQjCNHlmceSXtZSYSIRBAeaZTjaZzwzBw&amp;sig2=6Cpu67FhFCABnGqX2Z6MBw&amp;bvm=bv.65636070,d.Yms" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netmundial</a> erstmalig in einem Multistakeholder Prozess ein Manifest erarbeitet wurde, welches aus Prinzipien besteht und das auch eine Roadmap für die Zukunft enthält, könnte ich mir vorstellen, diese Papiere zu „europäisieren“ und auf unsere wirtschaftliche Umgebung anzupassen.<br />
Generell erhoffe ich mir natürlich eine Ausweitung des Multistakeholder-Ansatzes in Europa und in Deutschland im Besonderen. Nur eine „digitale Agenda“ ohne Beteiligung der anderen Stakeholder reicht da sicher nicht, und je nach Empfehlungen aus dem EuroDIG 2014 kann dann sicher auch bei uns noch „nachgebessert“ werden. Trotzdem glaube ich, dass wir in Deutschland bereits auf einem sehr guten Weg sind, aber auf jeden Fall gibt es noch deutliches Verbesserungspotential, zumindest in der Kommunikation untereinander.<br />
Bild: <a href="http://visibleearth.nasa.gov/view.php?id=55167" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NASA</a> (<a href="http://visibleearth.nasa.gov/useterms.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Terms of Use</a>)<br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="378" height="66" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/michael-rotert-zum-eurodig-auf-einem-guten-weg-139385/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dirk Brengelmann zur Internet Governance: „Regierungen in einer besonderen Verpflichtung“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung-139157/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung-139157/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Florian Schmitt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2014 13:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[NETmundial]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<category><![CDATA[Multistakeholder-Modell]]></category>
		<category><![CDATA[EuroDIG 2014]]></category>
		<category><![CDATA[Freies Internet]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=139157</guid>

					<description><![CDATA[Heute beginnt das „Global Multistakeholder Meeting on the Future of Internet Governance“ (NETmundial) in São Paulo, wo eine Woche über [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Multistakeholder-Skal.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139174" alt="Multistakeholder-Skal" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Multistakeholder-Skal.jpg" width="629" height="303" /></a><br />
Heute beginnt das „Global Multistakeholder Meeting on the Future of Internet Governance“ (NETmundial) in São Paulo, wo eine Woche über die Zukunft des freien Internets und über eine Neuregulierung der Internet Governance diskutiert wird. Um diese Fragen wird es auch auf dem „European Dialogue on Internet Governance“ (EuroDIG) in Berlin vom 12. bis 13. Juni 2014 gehen. Der Sonderbeauftragte für Cyber-Außenpolitik der Bundesregierung, Dirk Brengelmann, gibt im Interview Auskunft über die Ziele der Bundesregierung.<br />
<strong>politik-digital.de: </strong> Herr Brengelmann, bereits Ende 2013 setzten sich im sogenannten <a href="//www.w3.org/2013/10/montevideo.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Montevideo Statement</a> zentrale Organisationen, die sich mit der Verteilung der Internet-Ressourcen befassen, für eine Internationalisierung der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) aus. Am 14. März dieses Jahres gaben die USA bekannt, dass sie die Aufsicht über die ICANN aufgeben werden. Auf verschiedenen internationalen Konferenzen wird in diesem Jahr über eine Neuregulierung der Internet Governance diskutiert. Was verspricht das Auswärtige Amt sich von einer Diskussion auf europäischer Ebene im Rahmen des <a href="www.eurodig.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„EuroDIG“ 2014</a>?<br />
<strong>Dirk Brengelmann:</strong> Ziel der Debatte ist insbesondere ein intensiver Austausch unter sogenannten „like-minded“ über die verschiedenen europäischen Positionen der beteiligten Stakeholder, also Regierungen, internationale Organisationen, Privatsektor, Zivilgesellschaft, technische Gemeinschaft und Wissenschaft, zu Fragen der Internet Governance. Die Diskussion ist dabei nicht auf technische Aspekte beschränkt, sondern bezieht zum Beispiel auch weitere rechtliche Rahmenbedingungen und Menschenrechte, entwicklungspolitische Fragen, wirtschaftliche Entwicklung und Innovation mit ein.<br />
Diese europäische Perspektive kann dann auf dem globalen <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum (IGF)</a> im September in Istanbul vorgestellt und weiterentwickelt werden.<br />
Bei der Entwicklung einer europäischen Perspektive spielt der „EuroDIG“ eine wichtige Rolle, der 2014 erstmals in Deutschland ausgerichtet und von der Bundesregierung tatkräftig unterstützt wird: Gleich zwei Ministerien beteiligen sich daran. Das Auswärtige Amt ist Gastgeber. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das in der Bundesregierung auch die Federführung für das Thema Internet Governance hat, übernimmt die Schirmherrschaft.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Viele Akteure sprechen sich derzeit für einen Ausbau des Multistakeholder-Modells der Internet Governance aus. Es gibt jedoch keine direkten Vorbilder dafür. Wie könnte dieser Ansatz weiter entwickelt werden?<br />
<figure id="attachment_139159" aria-describedby="caption-attachment-139159" style="width: 183px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CA-B_Bild_lang.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-139159  " alt="CA-B_Bild_lang" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CA-B_Bild_lang-305x400.jpg" width="183" height="240" /></a><figcaption id="caption-attachment-139159" class="wp-caption-text">Dirk Brengelmann ist seit August 2013 Sonder­beauf­­­­trag­­ter für Cyber-Außenpolitik des Auswärtigen Amts. Davor war er bei der NATO, in den Botschaften in Port-au-Prince, London und Washington, im Kanzleramt sowie als Refe­rat­sleiter für Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Auswärtigen Amt tätig.</figcaption></figure><br />
<strong>Dirk Brengelmann</strong>:<strong> </strong>Dies ist ein iterativer Prozess, die meisten Konferenzen zu Internet-relevanten Themen finden aber schon heute in Multistakeholder-Foren statt, siehe das IGF, siehe <a href="http://netmundial.br/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NETMundial in São Paulo</a>, aber auch durch Rückkopplung – zum Beispiel zwischen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen (NROs). Im Übrigen werden Multistakeholder-Modelle bereits vielfach angewendet: Hierzu gehören die Selbstregulierungsorganisationen des Internets, die die eingangs zitierte Montevideo-Erklärung abgegeben haben.<br />
<strong>politik-digital.de:</strong> Welche Interessengruppen sollten an einem solchen Multi-Stakeholder Modell teilhaben? Sollten Regierungen eine zentrale Rolle spielen? Welche Rolle sehen Sie für die Wirtschaft und für die Zivilgesellschaft?<br />
<strong>Dirk Brengelmann: </strong>Grundsätzlich sollten sich alle Interessengruppen in Entscheidungsprozesse einbringen können. Für bestimmte Fragen stehen aber Regierungen in einer besonderen Verpflichtung: So haben Regierungen etwa in den Vereinten Nationen (VN) noch eine spezielle Rolle. Gleiches gilt für die nationale Gesetzgebung.<strong><br />
</strong><br />
<strong>politik-digital.de:</strong>  In Brasilien wurde ein <a href="http://netmundial.br/hlmc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">inter-ministerielles Multi-Stakeholder-Kommittee</a> kreiert. Wäre so etwas von Seiten der Bundesregierung ebenfalls denkbar?<br />
Bei welchen Themen beabsichtigt die Bundesregierung eine Diskussion mit anderen Stakeholdern? Bei welchen Themen ist eine Beratung durch andere Stakeholder vorgesehen bzw. notwendig?<br />
<strong>Dirk Brengelmann: </strong>Auch in Deutschland gibt es bereits jetzt einen intensiven Austausch. Das BMWi hat für NETMundial in São Paulo beispielsweise ein Vorbereitungstreffen bzw. eine Videokonferenz mit den anderen Stakeholdern organisiert und auch sonst richtet es solche Gesprächsrunden zu wichtigen Fragen oder vor wichtigen Konferenzen zu Internet Governance aus. Das Auswärtige Amt pflegt ebenfalls einen engen Austausch, unter anderem in Form von Runden Tischen mit den IKT-Verbänden sowie mit NROs zum Thema „Internet und Menschenrechte“.<strong><br />
</strong><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Who-Runs-the-Internet-graphic.png"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-139165" alt="Who-Runs-the-Internet-graphic" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Who-Runs-the-Internet-graphic-630x407.png" width="630" height="407" /></a><br />
<strong>politik-digital.de:</strong>  Wie schätzen Sie die Bedeutung des „NETmundial“ in São Paulo für die weitere Entwicklung der Internet Governance ein?<br />
<strong>Dirk Brengelmann:</strong>  Die Konferenz ist wichtig für den Austausch zu globalen Internetprinzipien und einem Fahrplan für die Weiterentwicklung der Internet Governance. Sie wird allerdings keinen Abschluss der Debatten herbeiführen können. Ein wesentliches Signal dürfte sein, dass die verschiedenen Stakeholder, aber auch das Gastgeberland Brasilien in die weitere Diskussion eng eingebunden werden sollten, wenn es um die Globalisierung von ICANN und die Ausbuchstabierung des Angebots seitens der USA geht, ihre Aufsichtsfunktion über IANA aufzugeben.<br />
<strong>politik-digital.de</strong>: Im <a href="https://wikileaks.org/netmundial-outcome/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„NETmundial Executive Stakeholder Committee (EMC) Outcome Document“</a> heißt es:<br />
<em>„All the organizations, forums and processes of the Internet Governance ecosystem are expected to commit to implementing, as well as explicitly adhere, to all the principles agreed in NETmundial.“</em><br />
Inwiefern könnte beim „EuroDIG“ sowie der europäischen IGF-Initiative eine Internetcharta für Grundrechte, Datenschutz und Rechtsstaatlichkeit formuliert werden?<br />
<strong>Dirk Brengelmann</strong>: Noch steht das Ergebnis von NETMundial nicht fest; danach wird es noch das Treffen der Freedom Online Coalition in Tallinn geben, beides wird in die Diskussion beim EuroDIG einfließen. Für uns sind Datenschutz, Rechtstaatlichkeit und der Schutz der Privatsphäre wichtige Prinzipien.<br />
<strong>politik-digital.de</strong>: Die Europäische Kommission hat sich bereits am 12. Februar 2014 in die Debatte eingemischt, unter anderem <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-142_de.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fordert sie</a> <em>„a set of principles of Internet governance</em>“. Die Europäische Union ist institutioneller Partner des „Euro DIG“. Welches Signal soll damit gegeben werden?<br />
<strong>Dirk Brengelmann</strong>: Die EU leistet wesentliche Arbeiten in diesem Bereich, unter anderem durch die Europäische Cybersicherheitsstrategie, die Europäische Digitale Agenda oder die zitierte Kommissionsmitteilung zur Internet Governance. Die Mitgliedstaaten sind an einigen dieser Arbeiten beteiligt, diese fließen auch in unsere nationalen Politiken und die der anderen EU-Mitgliedstaaten ein. Insofern beeinflussen sie auch die europäische Perspektive, sozusagen in beide Richtungen.<br />
Bilder: oben: <a href="https://www.flickr.com/photos/ttc_press/5088486967/in/photolist-8KDPTV-8Cvuj7-9w7QW1-9w7RzL-cXXqUw-cXXqVW-dcKB5G-dcKyKe-evrDec-7xxQgi-7KWeAc-8KDQDT-8CseXP-8Cvmpb-8KGQWJ-8CvkYN-bzV9EW-8CvjBj-hxDiFh-hxCRCY-hxCzWB-hxEgBz-hxEbgK-hxEfcv-hxEchc-eveU6u-eveUhY-7KWTHz-7L1ury-hxCPPY-hxCJn5-hxDm6h-hxCvdt-hxEeBH-7KZRuW-7L17f9-7KZPXJ-7KWmvv-7L16xm-7L1xcY-7KVNpn-7L15ps-7KZEaS-7L19yq-7L1FjU-7KW3Sx-7KWnnV-7KWjHV-7KZzc5-7KZNXU" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tactical Technology Collective</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 2.0</a>) ; Portät: © <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/Koordinatoren/Cyber-AP/Uebersicht_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auswärtiges Amt</a>; unten: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Who-Runs-the-Internet-graphic.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lynnalipinski</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-SA 3.0</a>)<br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/dirk-brengelmann-zur-internet-governance-regierungen-in-einer-besonderen-verpflichtung-139157/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Human Rights and Internet Governance: Die neue Publikation des Collaboratory</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory-123375/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory-123375/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julia Solinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 15:16:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[MIND]]></category>
		<category><![CDATA[Multistakeholder-Modell]]></category>
		<category><![CDATA[Internet und Gesellschaft Co:llaboratory]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
		<category><![CDATA[ITU]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://politik-digital.de/?p=123375</guid>

					<description><![CDATA[Am 14. November wurde die mittlerweile vierte Ausgabe von MIND (Abkürzung für &#8220;MultiStakeholder Internet Dialog&#8221;) des Internet &#38; Gesellschaft Collaboratory [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory/mindbaku2_1/" rel="attachment wp-att-123376"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123376" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/mindbaku2_1.jpg" alt="Alice Munyua, Wolfgang Kleinwaechter, Markus  Kummer, Nicolas Seidler und Joy Liddicoat am IGF Baku" width="630" height="308" /></a><br />
Am 14. November wurde die mittlerweile vierte Ausgabe von MIND (Abkürzung für &#8220;MultiStakeholder Internet Dialog&#8221;) des <a href="http://www.collaboratory.de/w/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</a> veröffentlicht. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft antworten darin auf den Beitrag von Shirin Ebadi, in dem die Nobelpreisträgerin den Zugang zum Internet als indirektes Menschenrecht proklamiert.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"> <em><strong>Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</strong></em> (kurz: Colab) ist eine offene Experten- und Interventionsplattform mit dem Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven mit relevanten Stakeholdern zu diskutieren.<br />
<em><strong>MIND</strong></em> steht für „Multistakeholder Internet Dialog“ und ist der Titel der seit Mai 2011 erscheinenden Zeitschrift des Collaboratory, die unter einem festgelegten Thema Beiträge verschiedener Stakeholder versammelt. Herausgeber ist Wolfgang Kleinwächter.</div></div>
<p>Datenschutz oder Überwachung? Selbstreguliert oder national gesteuert? In den Augen von Shirin Ebadi sind solche Entscheidungen über das Internet weder Expertensache noch Luxusproblem, sondern Gegenstand der Menschenrechtsdebatte. Sie führt ein Beispiel aus ihrem Heimatland an: 2009 wurde über das Internet ein Video verbreitet, auf dem zu sehen war, wie iranische Militärs in eine friedlich demonstrierende Menschenmenge schossen und dabei eine junge Frau trafen. Während in den 80er Jahren die Exekution von 12.000 politischen Gefangenen noch lange Zeit von der Regierung verschwiegen werden konnte, ging der Tod von „Neda“ in Sekundenschnelle um die Welt. Die Menschenrechtsaktivistin Ebadi glaubt: „Once people are informed about an event, they will not stay indifferent“; der Arabischen Frühling gibt ihr Recht.</p>
<h3>Debatte zwischen allen Beteiligten</h3>
<p>Mit zunehmender Bedeutung steigt aber auch die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung des Internet. Wobei die Rede von „dem einen“ Internet bereits irreführend ist: eher müsste man von einem Netzwerk der Netzwerke sprechen. Gerade weil es sich um ein technisch frei gewachsenes Gefüge handelt und sich Deregulation als innovationsförderlich erwiesen hat, ist die Etablierung einer nationalstaatlichen Rechtsordnung umstritten. Das von den Vereinten Nationen eingesetzte <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum (IGF) </a>versammelt all die Akteure, die stattdessen ein Multi-Stakeholder-Modell vorziehen. Das bedeutet, dass Staaten, Wissenschaftler, zivilgesellschaftliche und Wirtschaftsakteure gemeinsam über das Ausmaß der Internetregulierung beraten.<br />
Der Aufbau der Publikation spiegelt dieses Verständnis wider: Jede Akteursgruppe ist mit drei Beiträge vertreten, welche die Verbindung von Internet und Menschenrechten aus ihrer Perspektive beleuchten. Besonders lesenswert ist der Beitrag von Raúl Echeberrria, Vorsitzender der Lateinamerikanischen und Karibischen Internet Adress-Registrierungsstelle LACNIC. Wie er verdeutlicht, kann Meinungsfreiheit im Internet nicht nur durch autoritäre Regime, sondern auch durch Eigentumsrechte und Sicherheitsbedenken beschnitten werden.</p>
<h3><a href="http://politik-digital.de/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory/mind4/" rel="attachment wp-att-123420"><img decoding="async" class="wp-image-123420 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MIND4-630x933.jpg" alt="" width="227" height="336" /></a>Letzter Stop vor der ITU</h3>
<p>Zudem ist die Publikation „Human Rights and Internet Governance“ hochaktuell, denn schon in drei Wochen könnte sich die Zukunft des Internet entscheiden. Vom 3. bis zum 14. Dezember versammeln sich Vertreter der 193 UN-Mitgliedsstaaten zur „World Conference on International Telecommunications“ (WCIT-12) in Dubai. Veranstalter ist die <a href="http://www.itu.int/en/Pages/default.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internationale Telekommunikationsorganisation (ITU)</a>, eine Sonderorganisation der UN. „Dubai ist einerseits nicht, andererseits sehr ernst zu nehmen.“, sagte Wolfgang Kleinwächter beim Treffen der IGF-Arbeitsgruppe des Collaboratory am 19. November in Berlin. Angesichts dessen, dass die verschiedenen Akteure allesamt ihren eigenen Prinzipienkatalog vorgelegt haben, wäre eine Magna Charta zwar wünschenswert, allerdings werden in der ITU nur Regierungsvorschläge gehört. Deshalb wird der Professor für Internetpolitik auf der Konferenz auch keine Vorschläge machen oder abstimmen, sondern lediglich als Ohr der deutschen Zivilgesellschaft agieren können. Kleinwächter, der MIND herausgibt, sieht in einem staatenzentrierten Entscheidungsverfahren eine Gefahr für das Multi-Stakeholder-Modell und für die Freiheit des Internet überhaupt. Die neue Ausgabe von MIND ist auch ein Versuch, die Politik auf diesen Punkt hinzuweisen.</p>
<p><a href="http://www.collaboratory.de/w/MIND_4_-_Human_Rights_and_Internet_Governance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MIND #4: &#8220;Human Rights and Internet Governance&#8221; gibt es hier</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-121978 alignleft" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory-123375/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Paradigmenwechsel in der Gestaltung des Internet?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-in-der-gestaltung-des-internet-5439/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-in-der-gestaltung-des-internet-5439/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Drescher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 17:12:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
		<category><![CDATA[Co:llaboratory]]></category>
		<category><![CDATA[Bertrand de La Chapelle]]></category>
		<category><![CDATA[MIND]]></category>
		<category><![CDATA[Multistakeholder-Modell]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/paradigmenwechsel-in-der-gestaltung-des-internet-5439/</guid>

					<description><![CDATA[Bis morgen findet in Nairobi das globale Internet Governance Forum (IGF) statt, wo Aspekte der internationalen Netzpolitik diskutiert werden. Zu Wort kommen dabei Vertreter aller gesellschaftlichen Bereiche - das IGF gilt als Vorbild für eine neue partizipatorische Politik. Einen Beitrag zur Debatte über Stärken und Risiken des sogenannten Multistakeholder-Modells liefert die MIND-Publikation &#34;Internet Policy Making&#34;.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bis morgen findet in Nairobi das globale Internet Governance Forum (IGF) statt, wo Aspekte der internationalen Netzpolitik diskutiert werden. Zu Wort kommen dabei Vertreter aller gesellschaftlichen Bereiche &#8211; das IGF gilt als Vorbild für eine neue partizipatorische Politik. Einen Beitrag zur Debatte über Stärken und Risiken des sogenannten Multistakeholder-Modells liefert die MIND-Publikation &quot;Internet Policy Making&quot;.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
MIND steht für Multistakeholder Internet Dialog – und der Name der vom Internet &amp; Gesellschaft <a href="http://collaboratory.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Co:llaboratory</a> herausgegebenen Publikationsreihe ist Programm: Thema des 80 Seiten starken englischsprachigen Magazins (<a href="https://sites.google.com/site/colabdev3000/publikationen/discussion-paper-series/MIND_Discuss_Papers_02_DE_final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Link zum PDF</a>) mit dem Titel &quot;Internet Policy Making&quot; ist das Multistakeholder Modell. Damit ist ein politisches Verfahren gemeint, bei dem alle betroffenen Gruppierungen beteiligt werden sollen. Nach diesem Ansatz sollten politische Entscheidungen nicht mehr ausschließlich von gewählten Volksvertetern, sondern auch unter Einbeziehung weiterer Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft getroffen werden. Es handelt sich also um eine Art permanenten Runden Tisch, der sich nach Bewältigung einer Krise nicht wieder auflöst, sondern sich dauerhaft eines politischen Themas annimmt.  Anwendung findet dieses Prinzip bisher fast ausschließlich in der Netzpolitik: seit 1998 in der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (<a href="http://www.icann.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ICANN</a>), der internationalen Verwaltung der Internetadressen und Domains, sowie seit 2006 im <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum</a> (IGF), das auf Initiative der Vereinten Nationen als Diskussionsplattform ins Leben gerufen wurde. </p>
<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/header_mind.jpg" title="MIND" align="left" height="266" width="212" />Dass das Modell seinen Ursprung in der politischen Steuerung des Internet fand, ist indes kein Zufall. &quot;Das Internet fordert einen neuen Ansatz der Politikgestaltung für eine globale Gemeinschaft von Milliarden von Menschen&quot;, schreibt <b>Bertrand de La Chapelle</b> im Einleitungstext des MIND-Magazins. Die politische Ordnung des seit dem 17. Jahrhundert etablierten Westfälischen Staatensystems, in dem ausschließlich souveräne Nationalstaaten die internationale Politik gestalten, sei überholt, argumentiert der Vordenker des Multistakeholder-Modells. Als globales System schaffe das Internet transnationale Kommunikationsnetzwerke, welche die Grenzen nationaler Politik- und Rechtssphären überschreiten und das Territorialitätsprinzip von Gesetzen aushebeln. Zudem würden private Akteure neue digitale Räume schaffen, in denen beispielsweise &quot;die mehr als 600 Millionen Facebook-Nutzer in erster Linie unter Facebook-Gesetz stehen (seinen Nutzungsbedingungen)&quot;, schreibt La Chapelle. Zur Gestaltung eines transnationalen Raumes, innerhalb dessen sich eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure vernetzen, miteinander kommunizieren, gemeinsam wirtschaften und global agierend Einfluss nehmen, brauche es daher neue adäquate politische Instrumente. La Chapelle fordert einen Paradigmenwechsel in der Politik: weg von traditionellen Formen der Regierungsarbeit hin zu einem inklusiven Modell, das die Partizipation aller Betroffener ermögliche. Dieser Ansatz könne existierende Regierungsstrukturen bereichern und Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung ausbauen &#8211; und damit auch demokratiefördernd wirken.  </p>
<p>Für eine erfolgreiche Umsetzung des Verfahrens müssten gewisse Prinzipien, Normen und Verfahrensweisen implementiert werden. Dazu gehörten unter anderem die Offenheit der Gremien für alle Interessierten, die Offenlegung aller Dokumente und die grundsätzliche Gleichberechtigung aller Teilnehmer, unabhängig von ihrer jeweiligen Stellung als Vertreter einer staatlichen Institution oder als Sprecher der Zivilgesellschaft. ICANN und IGF sind für La Chapelle die Laboratorien, in denen diese fundamentalen Prinzipien in die Praxis umgesetzt werden – mal mehr, mal weniger erfolgreich.
</p>
<p>
Unerwähnt lässt der Autor dabei nicht, dass ICANN über Entscheidungskompetenz verfügt, das IGF hingegen nicht. Das Forum dient bisher lediglich zum Austausch von Informationen und Stellungnahmen – und wird deshalb auch immer wieder zur Zielscheibe von Kritik. La Chapelle erkennt diese Herausforderungen und Fallstricke des Verfahrens zwar an – betont aber den Nutzen des Forums für den Prozess der politischen Entscheidungsfindung. Es geht ihm dabei nicht nur um Fragen der Netzpolitik, ein solches Modell könne auch in anderen Politikbereichen implementiert werden und mehr  Partizipation und Deliberation ermöglichen.  </p>
<p>Deliberativ ist auch das von <b>Wolfgang Kleinwächter</b> herausgegebene MIND-Magazin selbst. Den Vorschlag La Chapelles kommentieren jeweils drei Vertreter der vier Sphären Regierung und Verwaltung, Privatsektor, Zivilgesellschaft sowie technische und akademische Gemeinschaft und diskutieren Potenziale und Herausforderungen des Modells in der praktischen Anwendung. </p>
<p>Die französische Europaabgeordnete <b>Catherine Trautmann </b>problematisiert in ihrem Beitrag vor allem die Frage der politischen Legimität einer solchen globalen Steuerung des Internet. Diese Legimität könne sich nicht alleine aus privaten Interessen schöpfen, auch wenn diese von einer starken Zivilgesellschaft kontrolliert würden. Politische Autoritäten müssten innerhalb der globalen Steuerung des Internet nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Ganz ähnlich sieht das auch EU-Kommissarin Neelie Kroes, die sich jüngt mit Kritik an der Missachtung von Regierungsbeschlüssen in der ICANN <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/IGF-EU-Kommissarin-fordert-mehr-Einfluss-der-Regierungen-1350818.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zu Wort gemeldet hat</a>.
</p>
<p>
<b>Everton Lucero</b>, Mitarbeiter im brasilianischen Außenministerium, äußert in seinem Artikel &quot;Is there a political will?&quot; Kritik an den bisherigen Ergebnissen des IGF. Das Gremium sei nicht in der Lage gewesen, einen vernünftigen Koordinierungsmechanismus zu implementieren. In Abwesenheit eines internationalen Regimes hätten sich stattdessen kleine selektive und intransparente Gruppen mit ihren Ansätzen etabliert, bemängelt der Diplomat. Hier würden Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen, die teilweise weitreichende Auswirkungen hätten und die Einflussmöglichkeiten von Lobbygruppen erhöhten. Ein Beispiel sei das Anti-Counterfeit Trade Agreement (ACTA), das Maßnahmen zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzung festlegt und kommenden Samstag von den USA und Japan <a href="http://futurezone.at/netzpolitik/5170-erste-staaten-unterzeichnen-acta.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unterzeichnet</a> unterzeichnet wird. 
</p>
<p>
Direkte Partizipation, wie von La Chapelle gefordert, sei zwar wünschenswert, in der Praxis jedoch nur beschränkt umsetzbar, argumentiert <b>Peter Hellmonds</b> von Nokia Siemens Networks. Vor allem bei der Einbeziehung der über zwei Milliarden Internetnutzer stelle sich die Frage der Repräsentativität. So verfügen Experten aus der Netzgemeinschaft zwar über ausreichend Expertise und hätten sich durch transparenten und offenen Dialog mit anderen &quot;Netzbürgern&quot; ein gewisses Vertrauen erarbeitet, besäßen jeodch kein politisches Mandat. Tatsächliche politische Legimität hätten nur Volksvertreter, auch wenn es diesen wiederum oft an Fachwissen mangele. Multistakeholder-Modelle seien deshalb zwar eine willkommene Ergänzung, könnten aber die traditionellen Politikverfahren nicht ersetzen. </p>
<p>Grundsätzliche Unterstützung erhält La Chapelles Vorschlag von <b>Anriette Esterhuysen</b> von der <a href="http://www.apc.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Association for Progressive Communications</a>, einem internationalen Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen. Es sei jedoch nicht damit getan, einfach alle an einen Tisch zu bringen. Entscheidend sei es, die ungleiche Machtverteilung zwischen multinationalen Unternehmen, die über immense Ressourcen verfügen, und kleinen und mittelständischenUnternehmen sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren auszugleichen. Damit Demokratie tatsächlich gestärkt werde, brauche es Prinzipien und Prozeduren, die sich auf die Menschenrechte und das Interesse der Öffentlichkeit begründen. Zudem müssen Entscheidungen rückverfolgbar sein und es müsse eine stärkere Rechenschaftspflicht eingeführt werden, fordert die Südafrikanerin in ihrem Beitrag. </p>
<p>Einen aufschlussreichen Einblick in die Arbeitsweise eines zivilgesellschaftlichen Gremiums bietet  <b>Olivier M. J. Crépin-Leblond</b> in seinem Beitrag &quot;Bottom Up vs. Top Down: ICANN’s At Large in Internet Governance&quot;. Crépin-Leblond koordiniert die Arbeit des At-Large Advisory Committee (<a href="http://www.atlarge.icann.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ALAC</a>), in dem mehr als 100 Gruppen die Interessen der Nutzer innerhalb der ICANN vertreten, und berichtet von den Herausforderung bei der Arbeit mit Ehrenamtlichen. Beschränkte Ressourcen und die immense Informationsflut belaste viele von ihnen und führe nicht selten zu Burn-out-Syndromen. Es stelle sich außerdem die Frage, inwieweit die Teilnehmer tatsächlich im öffentlichen Interesse handeln würden. Eine Entlohnung des Zeitaufwandes könne dem entgegenwirken, sei aber selbst unter den Mitgliedern des Kommitees umstritten.
</p>
<p>
Einen Paradigmenwechsel, wie ihn La Chapelle in seinem Beitrag propagiert, sieht der Kommunikationswissenschaftler <b>William Drake </b>von der Universität Zürich in dem neuen Modell nicht. Vielmehr versteht er ihn als einen kritischen Beitrag im Rahmen der bisherigen Internetpoltik. Es gebe abseits der OECD, die sich 2008 für zivilgesellschaftliche Beteiligung bei netzpolitischen Themen öffnete, keine Anzeichen für eine Übernahme des Modells in anderen Insitutionen. So würden die meisten Entscheidungen noch immer ohne Berücksichtigung der verschiedenen Interessengruppen getroffen. Schuld an der geringen Attraktivität des Modells sei im Fall des IGF die interne Uneinigkeit über die Funktion des Forums, bei der ICANN sei vor allem die mangelnde Effizienz der Entscheidungsprozesse dafür verantwortlich. Außerdem beschränkten eine Reihe von internen Faktoren wie ein zu enger Teilnehmerkreis, die mangelnde Beteiligung der Entwicklungsländer sowie eingefahrene Hierarchien innerhalb der Teilnehmer die Arbeit der Gremien.
</p>
<p>
<b>Fazit</b><br />
Obwohl nicht alle Beiträge des Magazins gleichermaßen inhaltlichen Mehrwert bieten, da einige lediglich die Argumentation La Chapelles wiederholen, werden die Komplexität des Diskurses und die Interessenlagen der jeweiligen Beteiligten sehr gut deutlich. Damit leistet das MIND-Magazin einen aufschlussreichen Beitrag zur Debatte um die politische Gestaltung des Internet und reflektiert die bisherigen Erfahrungen mit dem Multistakeholder-Modell. Damit könnte das Diskussionspapier auch als Best-Practice-Bericht für eine Überführung des Modells in andere Politikbereiche dienen, beispielsweise zur Lösung der festgefahrenen Verhandlungen über eine weltweites Abkommen zum Klimaschutz. Der Bericht macht aber auch deutlich, dass es weit mehr bedarf als der bloßen Einberufung eines Runden Tisches – vor allzuviel Euphorie sollte also gewarnt sein. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-in-der-gestaltung-des-internet-5439/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
