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	<title>Nachhaltigkeitsfaktor &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Nachhaltigkeitsfaktor &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Gesetzliche Eingriffe in die Tarifhoheit sind nicht erforderlich</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Müntefering]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeitsfaktor]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/m%FCntefering_neu.jpg" alt="Franz Müntefering" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Franz Müntefering, war am 3. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/m%FCntefering_neu.jpg" alt="Franz Müntefering" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Franz Müntefering, war am 3. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir den SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering im ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Er wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Zeit naht, wo der Vermittlungsausschuss Ergebnisse liefern wollte.<br />
Nun hieß es, die Bundesregierung wolle beim Thema Kündigungsschutz<br />
deutlich auf die Union zugehen. Der soll künftig erst ab 10 Beschäftigten<br />
gelten, bisher waren es 5. Im Gegenzug müsse die Union auf Änderungen<br />
bei der Tarifautonomie verzichten. Hört sich doch wie ein vernünftiger<br />
Kuhhandel an &#8211; oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Gesprochen wird über alles, aber es gibt keine Vereinbarung, die<br />
verbindlich ist, solange nicht alles vereinbart ist. Wie beim Puzzle &#8211;<br />
wenn ein Stück fehlt, stimmt das ganze Bild nicht mehr. Also: Noch<br />
ist nichts entschieden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Kanzler sagt nun, es müsse eine Lösung gefunden werden,<br />
die die Balance zwischen zentralen Verhandlungen und tariflicher Notwendigkeit<br />
einhalte. Wie steht die SPD nun zur Öffnungsklausel? Zwischen den<br />
Aussagen gibt es doch einen Widerspruch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Wenn sie die Frage der Tarifhoheit meinen? Sie ist grundgesetzlich verankert<br />
und steht nicht zur Disposition. Praxis ist aber auch heute schon, dass<br />
in Betrieben, die Existenzprobleme haben, es Sondervereinbarungen gibt,<br />
im Einvernehmen beider Tarifparteien. Diese freiwillige Regelung macht<br />
jede gesetzliche überflüssig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Streit</b>: DGB-Chef<br />
Michael Sommer und Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sind mit dem<br />
gemeinsamen Versuch gescheitert, drohende gesetzliche Eingriffe in die<br />
Tarifautonomie zu verhindern. Sind ihre Vermittlungsbemühungen damit<br />
gescheitert und wer ist Schuld an dem Scheitern &#8211; DGB oder BDA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich war nicht dabei, bedauere aber das Scheitern. Für den Vermittlungsausschuss<br />
hat das aber keine Konsequenzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius Knaak</b>:<br />
Die Union will Unternehmen per Gesetz mehr Abweichungen vom Tarifvertrag<br />
ermöglichen. Bisher lehnen sie eine Aufweichung der Tarifautonomie<br />
ab &#8211; bleibt es dabei oder wird es bei den Verhandlungen einen Kompromiss<br />
geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Tarifhoheit liegt bei den Tarifparteien. Sie haben auch die Hoheit,<br />
die Modalitäten für Abweichungen von den vereinbarten Verträgen<br />
zu beschließen. Das tun sie und das klappt in aller Regel auch gut.<br />
Noch mal: Gesetzliche Eingriffe sind nicht erforderlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Stichwort Nachhaltigkeitsfaktor:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Olpe</b>: Erst wird der demografische Faktor nach ihrem ersten Wahlsieg<br />
1998 wieder gestrichen, jetzt wird er hektisch wieder eingeführt.<br />
Warum wechseln Sie den Kurs?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Menschen leben länger. Das ist gut so. Bedeutet aber auch, dass<br />
länger Rente gezahlt werden muss. Im Gegensatz zur Lebenszeit ist<br />
die Lebensarbeitszeit in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Das passt<br />
nicht zueinander. Es sind deshalb verschiedene Maßnahmen nötig.<br />
Das Renteneintrittsalter muss faktisch steigen und es muss eine gerechte<br />
Balance geben zwischen den aktiven und der Rentnergeneration. Was wir<br />
jetzt vorschlagen, ist deutlich weitegehender als die seinerzeit von der<br />
heutigen Opposition vorgeschlagene Regelung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber das wussten Sie doch 1998 auch schon.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Man kann auch klüger werden. Die 98er Regelung hätte allerdings<br />
bei weitem auch nicht gereicht und man hätte jetzt ohnehin nachsteuern<br />
müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dre</b>: Warum<br />
wollen sie den anhaltenden Trend zur Frühverrentung stoppen? Die<br />
Wirtschaft nutzt dieses Mittel doch sehr intensiv?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Lebensarbeitszeit ist nicht mehr ausreichend lang. Die Menschen gehen<br />
im Schnitt mit 21 in den Beruf und mit rund 59 aus dem Arbeitsleben heraus.<br />
38 Lebensarbeitsjahre ist aber deutlich zu wenig. Leider hat das alles<br />
auch dazu geführt, dass die 45- und 55-Jährigen am Arbeitsmarkt<br />
fast keine Chance mehr haben. Das kann so nicht bleiben. Wir müssen<br />
möglichst nahe an das gesetzliche Renteneintrittsalter von 65 heran.<br />
Die Wirtschaft macht Personalpolitik indirekt mit den Mitteln unserer<br />
Sozialsysteme. Das spricht auch gegen die beschriebene Entwicklung der<br />
letzten Jahre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Thema Steuerreform:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>eilig</b>: Kommt es in der Frage der Steuersenkung bei den Verhandlungen<br />
im Vermittlungsausschuss zu einem Kompromiss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Das weiß man heute nicht. Auf jeden Fall gibt es die kleine Steuerreform,<br />
die für den 1.1.2004 beschlossen ist. Fraglich ist, ob die Union<br />
einverstanden ist, die Steuerreform, die für 2005 vorgesehen ist,<br />
ein Jahr vorzuziehen. Das wäre gut. Eine Familie mit 2 Kindern könnte<br />
dann ab Januar monatlich 3137 Euro Einkommen haben, ohne dass sie steuern<br />
zahlen müsste. Anders ausgedrückt: Diese Familie müsste<br />
im nächsten Jahr 2004 rund 2840 Euro Lohnsteuer weniger zahlen als<br />
im Jahre 1998, als die SPD Regierung begann. Das ist schon eine gewaltige<br />
und positive Entwicklung. Ich hoffe, die CDU/CSU besinnen sich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dre</b>: Kann der<br />
Abbruch der Gespräche zwischen DGB und der Wirtschaft die Verhandlungen<br />
zwischen Bundesregierung und Opposition im Vermittlungsausschuss von Bundestag<br />
und Bundesrat zusätzlich belasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das glaube ich Ihnen so nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Es ist keine Frage von Glauben. Die Fakten sind wie oben beschrieben.<br />
Abweichungen von Tarifverträgen müssen in bestimmten Situationen<br />
möglich sein. Sie sind es aber auch heute schon und es gibt eine<br />
ausgedehnte Praxis dazu. Die, die Tarifhoheit aushebeln wollen, wollen<br />
wohl die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften entscheidend schwächen.<br />
Ich bin sicher, mit einer solchen Parzellierung und Individualisierung<br />
bei der Vertretung der Arbeitnehmerinteressen wäre niemandem gedient.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard2.jpg" alt="Franz Müntefering" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Neheimer</b>: Bei<br />
den Grünen hält der Ärger über das Angebot von Bundeskanzler<br />
Schröder (SPD) an, China die stillgelegte Hanauer Plutonium-Fabrik<br />
zu verkaufen. Wie wollen sie da vermitteln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich empfehle keine Schnellschüsse. Wir warten ab, bis der Kanzler<br />
aus China zurück ist und wir Einzelheiten über dieses Thema<br />
dann erfahren. Es muss sich keiner mit schnellen Antworten beeilen: Vor<br />
Weihnachten gibt es sicher keine Beschlüsse mehr dazu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bay9975</b>: Hallo,<br />
Herr Müntefering, ist es mit dem Grundgesetz Art. 3 vereinbar, das<br />
Rentner den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen sollen, wenn<br />
doch jeder vor dem GG gleich ist? Wieso wird dann der Rentner in der Minderheit<br />
benachteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Der Beitrag zur Pflegeversicherung wird von den aktiven Arbeitnehmern<br />
fast zu 100% bezahlt, ist also eine Gleichbehandlung der Rentnerinnen<br />
und Rentner. Bisher hat der Bund als fiktiver Arbeitgeber der Rentner<br />
die Hälfte des Beitrages bezahlt. Und das soll sich nun ändern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>henrike</b>: Gibt<br />
es Streit zwischen den Gewerkschaften und der SPD, weil sie bei den Verhandlungen<br />
mit der Union eine Einigung finden müssen, aber die Gewerkschaften<br />
hart bleiben und sich quer stellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Entscheidung liegt bei der Politik. Aber ich sehe große Übereinstimmungen<br />
in Sachen Tarifhoheit zwischen uns und den Gewerkschaften, übrigens<br />
auch zu den Arbeitgeberverbänden. Die Ausnahme von Tarifverträgen<br />
funktioniert, wo das nötig ist, und darauf kommt es an. Prinzipienreiterei<br />
führt dabei nicht weiter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fridericus</b>:<br />
Der Union Orientierungs- und Konzeptlosigkeit vorzuwerfen, ist ja nach<br />
Leipzig keinesfalls haltbar. Im kommenden Jahr stehen Landtagswahlen in<br />
Thüringen und NRW, ihrem &quot;Stammland&quot; an. Sehen sie sich<br />
ohne Euphemismen und Polemik in der Lage, ihre Klientel zu mobilisieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Franz Müntefering</b>: Parteitage sind eines, die politische Lebenswirklichkeit<br />
das andere. Die Konzepte von CDU/CSU zu Steuern und Alterssicherung sind<br />
in der Praxis nur schwer kompatibel. Und CDU und CSU sind offensichtlich<br />
auch bei weitem nicht einer Meinung. Die SPD wird durch Handeln überzeugen,<br />
wir haben konkrete umsetzbare Gesetze vorgelegt und die Debatte um Erneuerung<br />
in dieser Gesellschaft mutig begonnen. Ich bin sicher, das kommende Jahr<br />
wird wieder besser, als dieses. Vor allem aber: Deutschland kommt auf<br />
einen guten Weg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ihr Ansehen in der SPD steigt und steigt. Bei der Basis ist manchmal laut<br />
Presseberichten im Gespräch über Sie schon vom &quot;roten Messias&quot;<br />
die Rede. Woher kommt die plötzliche Zuneigung? Sie exekutierend<br />
doch weiterhin die ungeliebten rot-grünen Reformen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich habe keine Zahlen über mein Ansehen in der Partei, habe aber<br />
gute Erfahrungen in den Kontakten dieser Monate. Ich glaube, ich bin exemplarisch<br />
für eine bestimmte Gruppe langjähriger Mitglieder und die Partei<br />
respektiert, dass ich offen und klar sage, dass ich bestimmte politische<br />
Instrumente anders beurteile als vor Jahren und dass das so sein muss,<br />
weil die Rahmenbedingungen sich verändert haben. Messias ist ein<br />
bisschen viel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oliKahn</b>: Wie<br />
bewerten sie einen Vorschlag der Unionsseite, wichtige Subventionen und<br />
Steuervergünstigungen wie die Eigenheimzulage oder die Pendlerpauschale<br />
im nächsten Jahr um 12 Prozent zu kürzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die SPD will die Eigenheimzulage abschaffen und die Entfernungspauschale<br />
halbieren. Dagegen wehren sich CDU/CSU. Gleichzeitig fordern sie Subventionskürzungen.<br />
Soviel zur Frage Glaubwürdigkeit. Koch/Steinbrück haben ihrerseits<br />
geringere Veränderungen bei den beiden genannten Subventionsbereichen<br />
vorgeschlagen. Ich hoffe, es kommt da etwas in Bewegung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sind die 12 Prozent realistisch oder ist mehr drin?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Es ist mehr drin. Aber CDU/CSU und auch FDP zögern. Sie reden Sonntags<br />
groß von Subventionskürzungen. Aber in der Praxis haben sie<br />
keinen Mut. Das sie gleichzeitig die Neuverschuldung des Bundes kritisieren,<br />
macht die Schizophrenie ihrer Argumente deutlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>OHje:</b> Der stellvertretende<br />
Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, warf Clement<br />
Versagen vor. Clement habe sich in zentralen Punkten nicht mit seiner<br />
Politik in der SPD-Fraktion durchsetzen können. Was soll mir als<br />
Bürger das sagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Das müssen Sie Herrn Merz fragen. Der redet gerne viel und laut.<br />
Wolfgang Clement macht einen guten Job. Manchmal streitet er in der Sache<br />
auch mit uns. Aber das gehört zum politischen Geschäft mit dazu.<br />
Niemand hat von Anfang an die Wahrheit auf seiner Seite. Diskussionen<br />
um den richtigen Weg sind immer hilfreich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edi_Berlin</b>:<br />
Multimilliardär Warren Buffet zahlt Vermögenssteuer, warum ist<br />
dieses Thema bei uns vom Tisch?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard3.jpg" alt="Chat-Runde" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die SPD hat jüngst auf unserem Parteitag sich noch einmal ausdrückliche<br />
gegen eine Vermögenssteuer ausgesprochen. Wir wollen aber in Sachen<br />
Erbschaftssteuer, wo ohnehin ab 2005 eine Neuerung fällig ist, prüfen,<br />
ob es eine begrenzte Anhebung geben sollte, allerdings mit Ausnahmen für<br />
die Situation von Generationenwechsel in Unternehmen. Und das Schonvermögen<br />
für Private, z.B. im Bereich Wohneigentum, müsste auch hoch<br />
genug bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rentenrudi</b>:<br />
Was halten sie vom Vorschlag der Grünen, die Vermögenssteuer<br />
wieder einzuführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Grünen sind fein, aber klein. Das wird wohl nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schwitz</b>: Ich<br />
bin SPD-Stammwähler &#8211; trotzdem, können sie verstehen dass es<br />
der Bevölkerung schwer fällt, ihnen glauben zu schenken, wenn<br />
ihre großen Maßnahmen dieser Tage Wiederherstellungen von<br />
Fehlern vor vielen Jahren sind, siehe &quot;Nachhaltigkeitsfaktor&quot;?<br />
Würde sie sich vertrauen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Rahmenbedingungen verändern sich dramatisch und schnell. Ich<br />
verweise auf Globalisierung, Europäisierung, demographischer Wandel,<br />
kein Wachstum seit 3 Jahren. Die Politik muss also handeln. Und das machen<br />
wir mit Augenmaß und Verantwortung. Wir sichern die Substanz des<br />
Sozialstaates und sorgen für nachhaltiges Wachstum und für Wohlstand.<br />
In den 90er Jahren ist in Deutschland zu viel liegengeblieben. Der damalige<br />
Nachhaltigkeitsfaktor war keinesfalls ausreichend für das, was heute<br />
fällig ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Aggrippina</b>:<br />
Wie werden Familien unterstützt? Ich habe drei ältere Schwestern<br />
und meine Mutter hat ihren Beruf aufgegeben &#8211; wegen uns. Wir alle bekommen<br />
von meinen Eltern ein Studium finanziert &#8211; wie entlohnen Sie das? Meine<br />
Mutter bekommt vielleicht nur eine geringfügige Rente, weil sie ja<br />
&quot;nicht gearbeitet&quot; hat, das ist eine Frechheit. Was sagen Sie<br />
dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Wir haben in unserer Zeit die Anrechnungszeiten für Kinder auf dem<br />
Rentenkonto der Mütter deutlich verbessert und wir haben dafür<br />
gesorgt, dass es wieder mehr BAföG gibt für jene, die darauf<br />
angewiesen sind. Trotzdem bleibt es nötig, Familien mit Kindern weitere<br />
Entlastungen zu geben. Unsere Steuerreform könnte dabei hilfreich<br />
sein. Das Thema Familie und Kinder bleibt aber im Zentrum der Politik<br />
und dazu gehört auch die Vereinbarkeit von Familie und Kinder und<br />
Beruf zu verbessern. Dafür tun wir eine ganze Menge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Olaffer</b>: Das<br />
Zuwanderungsgesetz hat große Schwächen. Es begrenzt nicht die<br />
Zuwanderung, sondern breitet neue Schwierigkeiten im Bereich der Integrationspolitik,<br />
sagt die Union. Wie verteidigen sie ihre Position?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Verhandlungen dazu laufen. Ich hoffe, das Gesetz kommt zustande. Im<br />
Bereich der Arbeitsmigration geht es vor allem um langfristige Regelungen.<br />
Wichtig ist mir auch eine verbesserte Integrationspolitik. Gerade die<br />
Städte und Gemeinden sind davor zum Teil vor außergewöhnliche<br />
Herausforderungen gestellt. Das nächste Frühjahr wird zeigen,<br />
ob eine gemeinsame Linie zwischen Koalition und Opposition möglich<br />
wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es hieß bislang, eine Einigung beim Zuwanderungsgesetz werde &quot;nahe&quot;<br />
am bereits vorliegenden Gesetzentwurf von Rot-Grün stattfinden &#8211;<br />
schließlich gibt es auch in der Union ein paar &quot;Freunde&quot;<br />
des Gesetzes. Stimmt das noch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Jedenfalls verstecken sie sich gut. Aber das Gesetz ist in Sachen Asyl,<br />
Arbeitsmigration und Integration so ausgewogen, dass auch CDU/CSU Politiker<br />
dem zustimmen können müssten. Frau Süßmuth war bekanntlich<br />
die Vorsitzende der Kommission, die die Grundlagen für dieses Gesetz<br />
geschaffen hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wollen Sie auch ein &quot;Plus&quot; beim Zuwanderungsgesetz, um zustimmen<br />
zu können &#8211; so wie Ihr Koalitionspartner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Was heißt &quot;Plus&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Grünen wollen eine Verbesserung der aktuellen Rechtslage.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Im Bereich humanitäre Regelungen und Arbeitsmigration sehe ich da<br />
keine Möglichkeiten der Ausweitung. In Sachen Integration kann uns<br />
die Gemeindefinanzreform helfen, die den Kommunen finanzielle Entlastungen<br />
bringen soll. Ich finde, man sollte das Gesetz jetzt nicht nach allen<br />
Seiten hin ausweiten, sondern versuchen, es umzusetzen. Und das wäre<br />
schon eine ganze Menge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rentenrudi</b>:<br />
In Berlin streiken die Studierenden, in Hessen und Niedersachsen auch.<br />
Die Politik des Sparens kommt nicht an, ein Vermittlungsproblem der Politik?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Sparen ist nie populär. Aber die Kassen sind leer und wir dürfen<br />
nicht über unsere Verhältnisse leben. Es bleibt allerdings dabei:<br />
Bildung und Forschung sind zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen<br />
Wohlstand. Deshalb haben wir auf Bundesebene auch diesen Etat in den vergangenen<br />
Jahren stark angehoben.</span>
</p>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Felix</b>: Angesichts<br />
der Unterfinanzierung der Universitäten im ganzen Land: Ist es nicht<br />
an der Zeit, das Hochschulwesen zur Bundesangelegenheit zu erklären?<br />
Wir steuern doch auf das amerikanische Hochschulsystem zu: Fünf herausragende<br />
Unis, der Rest ist grottenschlecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering:</b><br />
Wir haben eine Kommission zur Modernisierung bundesstaatlicher Ordnung<br />
eingesetzt. Dabei geht es um Chancen und Grenzen unserer föderalen<br />
Strukturen. Ich glaube, unsere Länder haben insgesamt eine gute Bildungs-<br />
und auch Hochschulpolitik gemacht und eine simple Zentralisierung würde<br />
keine automatische Besserung bedeuten. Wir müssen aber Wege finden,<br />
Hochleistungsuniversitäten und andere Bildungseinrichtungen zu haben<br />
und zu fördern.</span>
</p>
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nullhundertneunzig</b>:<br />
Ist Merkel die Herausforderin von Schröder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Noch ist nicht klar, ob sie am 11. Januar 2006 wieder zu einem Frühstück<br />
eingeladen wird und unterschreiben muss. Warten wir ab, was ihre Jungs<br />
so machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das war&#8217;s, vielen Dank Herr Müntefering, dass Sie sich die Zeit genommen<br />
haben! Vielen Dank an alle User für das Interesse und die vielen<br />
Fragen. Das tacheles02-team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag. Nächste Woche gibt es die nächsten Chats, unter anderem<br />
mit Paul Kirchhof und Edelgard Bulmahn.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben, wünsche einen schönen<br />
Tag &#8211; miteinander reden lohnt sich immer.</span></p>
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