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	<title>Nachrichtenportal &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Nachrichtenportal &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Nachrichtenanbieter trotzen der Zensur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sebastian Drescher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 17:36:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Internetsperren]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
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					<description><![CDATA[Gefiltert, zensiert, überwacht: Weltweit nehmen staatliche Eingriffe im Internet zu. Damit schränken sie die Meinungsfreiheit der betroffenen Nutzer ein und bedrohen den freien Austausch von Informationen. Eine Studie zeigt, wie internationale Nachrichtenanbieter gegensteuern und ihre Inhalte trotz Zensur und Sperren zugänglich machen.  
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gefiltert, zensiert, überwacht: Weltweit nehmen staatliche Eingriffe im Internet zu. Damit schränken sie die Meinungsfreiheit der betroffenen Nutzer ein und bedrohen den freien Austausch von Informationen. Eine Studie zeigt, wie internationale Nachrichtenanbieter gegensteuern und ihre Inhalte trotz Zensur und Sperren zugänglich machen.  </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
Seit dem Aufkommen des Rundfunks machen Nachrichten nicht mehr vor Landesgrenzen halt. Das missfiel schon den Nationalsozialisten, die den Konsum ausländischer Rundfunksender gesetzlich verboten und Radioempfänger verteilten, die so schlecht waren, dass der Empfang ausländischer Sender schwierig wurde. Während des Kalten Krieges bauten die USA ein Kurzwellennetz auf, mit dem die russische Version der &quot;Voice of America&quot; trotz sowjetischer Versuche, das Signal zu stören, die dortige Bevölkerung erreichte. Heute ist der Kampf um Meinungshoheit und Zensur wohl brisanter denn je und hat sichmehr und mehr ins Internet verlagert. </p>
<p>Hier gehen Nachrichten in Sekundenschnelle um den Globus, sind jederzeit von überall abrufbar &#8211; zumindest in Ländern, in denen Informationsfluss noch nicht von einer staatliche Zensurmaschinerie gefiltert wird. Genau das aber ist laut der <a href="http://opennet.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open-Net-Initative </a>(ONI) inwzischen bereits in rund 40 Ländern der Fall. Von Armenien über die Türkei bis Vietnam werden Inhalte gefiltert und geblockt. Dabei geht es nicht nur um gesellschaftliche Tabuthemen wie Glücksspiel, Pornographie oder Drogenmissbrauch, oft sind es politische Inhalte und oppositionelle Meinungen, die zensiert werden.
</p>
<p>
Davon betroffen sind neben lokalen Online-Zeitungen, Blogs und Sozialen Medien auch internationale Nachrichtenanbieter wie die Deutsche Welle, CNN oder BBC. Deren Inhalte, die online in 28 Sprachen abrufbar sind, werden immer wieder Ziel staatlicher Zensoren. Zu massiven Eingriffen kommt es insbesondere im Iran und in China, die beide über effektive Filtersysteme verfügen. Unter anderem ermöglichen die &quot;Chinesische Firewall&quot; und ihr iranisches Pendant es, durch die Kontrolle der Internet-Service-Provider (ISPs) den Zugriff auf ausländische Webseiten zu unterbinden. Allerdings können Nutzer in den betroffenen Ländern mit dem Einsatz sogennanter &quot;Circumvention tools&quot; die Sperren überlisten. Die Nutzung solcher Werkzeuge wird inzwischen auch von internationalen Medienkonzernen  gefördert, um potenziellen Lesern weiterhin den Zugang zu ermöglichen. Das <a href="http://www.globalcentres.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Canada Centre for Global Studies</a> und die <a href="http://www.utoronto.ca/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">University of Toronto </a>haben vor einigen Tagen eine Studie veröffentlicht, in der die Möglichkeiten solcher &quot;Umgehungs-Werkzeuge&quot; untersucht werden.
</p>
<div style="text-align: center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/censorednews_0.jpg" title="Zensierte Nachrichten" align="top" height="289" width="400" />
</div>
<p>                         <br />
(Von Zensur betroffene Nachrichtenanbieter) </p>
<p>
Die Studie mit dem Titel <a href="http://munkschool.utoronto.ca/downloads/casting.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&quot;Casting a Wider Net&quot;</a> bezieht sich exemplarisch auf ein Pilotprojekt der <a href="http://www.bbc.co.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC</a>, das seit 2009 die Zensur seiner Inhalte in China und Iran dokumentiert, und versucht, die Nutzung alternativer Zugangsmöglichkeiten voranzutreiben. Ein zentrales Ergebnis der Fallstudie ist, dass Blockaden oft nicht vorhersehbar sind und einer schnellen Reaktion bedürfen. Dabei reiche es manchmal schon, auf alternative Nachrichtenangebote hinzuweisen: So wie bei der iranischen Präsidentschaftswahl 2009, als sowohl die <a href="http://www.bbc.co.uk/persian/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">persische Version der Webseite</a> als auch der persische TV-Kanal der BBC komplett geblockt wurden, der Internet-Live-Stream der BBC aber weiterhin erreichbar war. Um auch geblockte Inhalte für Nutzer zugänglich zu machen, unterstützt die BBC vor allem die Nutzung von Web-Proxies, die einen anonymen Netzzugang ermöglichen und die Kontrolle der Internetprovider umgehen. Die BBC nutzt zur Bereitstellung der Web-Proxies die freie Software <a href="http://psiphon.ca/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&quot;Psiphon&quot;</a>. Mithilfe Sozialer Netzwerke wie Twitter, E-Mail-Verteiler oder alternativer, unzensierter Nachrichtenformate weist das Technik-Team der BBC potenzielle User auf die Umgehungsmöglichkeiten hin. Oft gleicht das einem Katz- und Mausspiel mit den Kräften der Zensur: Denn ist die Adresse eines Web-Proxies den Zensoren bekannt, wird diese ebenfalls gesperrt, und ein neuer Zugangskanal muss verbreitet werden. Dank dieser Technik können immer wieder aktuelle Nachrichten in zensierten Ländern zugänglich gemacht werden. Als die chinesischen Zensoren 2010 <a href="http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-11962520" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Meldungen zur Nobelpreisverleihung</a> an Lui Xiabo sperrten antworteten die BBC und andere Online-Medien mit der Bereitstellung von Proxy-Zugängen. Trotz aller Erfolge der Maßnahmen könne so jedoch nur eine relativ kleine, wenn auch interessierte Leserschaft, erreicht werden. Dem Großteil der Nutzer bleibe die alternativen Zugangsmöglichkeiten unbekannt, so die Autoren der Studie.   </p>
<p>Die Umgehung staatlicher Firewalls ist indes nicht nur ein Ärgernis für internationale Medienkonzerne, sondern wie in Zeiten des Kalten Krieges fast ein Politikum. Im Februar diesen Jahres erklärte Hillary Clinton in einer <a href="http://itmanagement.earthweb.com/netsys/article.php/3925011/Clinton-Outlines-Internet-Freedom-Agenda.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rede zur Internetfreiheit</a> das Thema zur Sache des US-Außenmisiteriums und warnte andere Staaten vor Zensur und Eingriffen in die Meinungsfreiheit. Und auch die Umgehung der Netzsperren wird inwischen staatlich gefördert. So hat der US-Kongress in den vergangenen zwei Jahren 45 Millionen Dollar für die Entwicklung und Verbreitung der &quot;Umgehungs-Werkzeuge&quot; <a href="http://www.ethanzuckerman.com/blog/2010/02/22/internet-freedom-beyond-circumvention/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bereitgestellt</a>. Damit zahlt der amerikanische Steuerzahler für die Umgehung von Sperren, die teilweise erst mithilfe des <a href="http://netzpolitik.org/2011/opennet-report-uber-export-von-netzzensur-technologien/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Exports amerikanische Überwachungs- und Zensurtechnik</a> aufgebaut werden konnten.
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Damals war die Ebbe, heute ist die Flut</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/offentlich-rechtliches-internet/netzkulturinterview_pleitgen-shtml-2454/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jun 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Öffentlich-Rechtliches Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
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					<description><![CDATA[Fritz Pleitgen ist seit dem 1. Januar 2001 Vorsitzender des ARD. Nach seiner Tätigkeit als ARD-Auslandskorrespondent und Studioleiter war er von 1988 bis 1993 Chefredakteur Fernsehen des WDR. Später war er dort als Hörfunkdirektor beschäftigt und ist seit 1995 Intendant des WDR.
                    Mit politik-digital sprach er über die Zukunft der Internetaktivitäten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Fritz Pleitgen ist seit dem 1. Januar 2001 Vorsitzender des ARD. Nach seiner Tätigkeit als ARD-Auslandskorrespondent und Studioleiter war er von 1988 bis 1993 Chefredakteur Fernsehen des WDR. Später war er dort als Hörfunkdirektor beschäftigt und ist seit 1995 Intendant des WDR.<br />
                    <br />Mit politik-digital sprach er über die Zukunft der Internetaktivitäten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.<!--break--></p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie schaut der Fahrplan für ARD.de nach der Intendantenkonferenz aus? Welche Angebote wird die ARD unter welchen domains in Zukunft anbieten?</p>
<p>
                    <strong>Pleitgen</strong>: Wie in Hörfunk und Fernsehen steht die ARD auch im Internet für verlässliche Information. Wir bauen unserere Angebote schrittweise aus.<br />
                    <a href="http://www.tagesschau.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tagesschau.de</a> wird zum hochaktuellen und tiefgründigen Nachrichtenportal entwickelt und stützt sich dabei auf das weltweit größte Korrespondentennetz. Die<br />
                    <a href="http://www.ard.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ARD.de</a> wird als Einstiegsportal zu allen online-Angeboten unseres Senderverbunds verfeinert, darüber hinaus erschließt und bündelt sie nach und nach attraktive Hörfunk- und Kulturangebote.<br />
                    <a href="http://www.das-erste.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das-erste.de</a> wird als umfassendes online-Angebot zum Ersten Deutschen Fernsehen weiter entwickelt. Bei<br />
                    <a href="http://www.das-erste.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">das-erste.de</a> können Nutzer beispielsweise per Webcam die Dreharbeiten zum Marienhof beobachten, sich über Sabine Christiansens Gäste informieren oder für ihre Kinder ein Malbuch mit Maus-Motiven herunterladen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Die ARD leitet ihren Funktionsauftrag aus der vierten Änderung des Rundfunkstaatsvertrages ab, die ausdrücklich &#8220;vorwiegend programmbezogene&#8221; Inhalte erlaubt. Der<br />
                    <a href="http://www.vprt.de">VPRT</a> und der<br />
                    <a href="http://www.bdzv.de/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BDZV</a> haben ihre Definition von &#8220;Programmbezogenheit&#8221;, u.a. mit dem Degenhart Gutachten, bereits gegeben. Wie sieht ihre Vorstellung von &#8220;programmbezogenen Informationen&#8221; aus?</p>
<p>
                    <strong>Pleitgen</strong>: Es ist behauptet worden, wir dürften lediglich Hörfunk- oder Fernseh-Angebote eins zu eins ins Internet übernehmen. Im Rundfunkstaatsvertrag steht etwas Anderes. Wir halten uns streng an den Gesetzestext, das heißt wir informieren programmbezogen. Dabei speisen wir uns aus dem reichen Fundus unserer eigenen Inhalte, die wir webspezifisch aufbereiten, und wir leiten an andere seriöse Quellen weiter.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Wie bewerten sie die Exklusivpartnerschaft zwischen dem ZDF und t-online, die ja nicht nur die Einblendung des Hinweises auf die geplante Internet-Domain<br />
                    <a href="http://heute.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">heute.t-online.de</a> in jeder Nachrichtensendung des ZDF sondern auch denprivilegierten Zugriff auf ZDF-Inhalten für t-online vorsieht? Ist Ähnliches auch für die ARD vorstellbar?</p>
<p>
                    <strong>Pleitgen</strong>: Das ZDF geht seinen Weg. Ich möchte das nicht bewerten. Wir setzen auf unseren Inhalte-Reichtum, unsere Glaubwürdigkeit und unsere Unabhängigkeit. Wir wissen von Infratest, dass die Zuschauer sich auf keine Nachrichtensendung so sehr verlassen wie auf die Tagesschau. Dieses Vertrauensverhältnis setzen wir nicht aufs Spiel.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Das duale Rundfunksystem mit dem an die öffentlich-rechtlichen Senderdelegierten Grundversorgungsauftrag entstand aus einer rundfunk-spezifischen Sondersituation. Im WWW haben wir es mit einer Flut von Angeboten und Meinungen zu tun. Eines &#8220;Vielfaltsgaranten&#8221; bedarf es &#8211; anders als beim oligolopolistischen Fernsehmarkt &#8211; im Netz nicht. Worin besteht die Notwendigkeit eines öffentlich-rechtlichen Angebots im Netz?</p>
<p>
                    <strong>Pleitgen</strong>: Damals war die Ebbe, heute ist die Flut an Informationen das Problem. Der Nutzer droht unterzugehen. Er kann weder alle Angebote überblicken noch ihre Qualität einschätzen. Gerade im Internet ist Vorsicht geboten. Es gibt hinterlistige online-Angebote. Manche greifen unbemerkt auf die Festplatte des Nutzers zu und bringen seinen Rechner dazu, teure 0190-Nummern anzuwählen. Öffentlich-rechtliche Anbieter sind unabhängig und haben keine kommerziellen Absichten. Sie lotsen durchs Internet helfen den Nutzern, das neue Medium souverän zu nutzen. Die Medienrechtler vom Hamburger Hans Bredow-Institut und vom Kölner Institut für Rundfunkökonomie haben außerdem eine Gefahr für die umfassende Meinungsbildung festgestellt: Wenn wir das Internet dem Markt überlassen, wird sich in diesem Massenmedium nicht die verfassungsrechtlich geforderte freie öffentliche Kommunikation entwickeln. Kommerzielle Anbieter allein können keine ausreichende publizistische Vielfalt sicherstellen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Werbung und e-Commerce sind den öffentlich-rechtlichen Anstalten laut Staatsvertrag verboten. Halten sie diese Regelung für richtig?</p>
<p>
                    <strong>Pleitgen</strong>: Egal, ob es im Staatsvertrag steht oder nicht: Wir sind Journalisten, keine Händler. Der E-Commerce ist nicht unser Geschäft, da braucht sich die private Internet-Wirtschat keine Sorgen zu machen. Dennoch müssen wir über die Finanzierung nachdenken. Einerseits wird von der ARD Qualität erwartet &#8211; auch im Netz. Andererseits muss die Rundfunkgebühr sozialverträglich bleiben. Unstrittig ist, dass wir alle für die öffentliche Kommunikation relevanten Informationen frei zugänglich anbieten. Aber wir brauchen auch eine reelle Chance, unser Angebot zu finanzieren. Ich bin sicher, dass dafür auch in Zukunft eine Lösung gefunden wird.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Ein Grundproblem der öffentlich-rechtlichen Sender ist die schwindende Akzeptanz der jüngeren Zuschauer. Schon im TV-Geschäft stehen sie im Spannungsfeld zwischen dem Vorwurf der Selbstkommerzialisierung und drohendem Akzeptanzverlust. Das Internet bietet viele Möglichkeiten, junge Zuschauer zu binden &#8211; Big Brother hat es vorgemacht. Wie weit dürfen ARD &amp; ZDF Ihrer Meinung nach im Internet gehen?</p>
<p>
                    <strong>Pleitgen</strong>: Das junge Publikum kann man auch begeistern, ohne Menschen in Containern zu beobachten. Das machen unsere jungen ARD-Radios vor, die außer vielen Hörern auch viele Internet-Surfer anziehen. Die Zahl der Zugriffe ist aber nicht das einzige Kriterium. Auch im Internet steht für uns die Qualität an erster Stelle. Wenn Kinder zu<br />
                    <a href="http://www.wdrmaus.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wdrmaus.de</a> oder Jugendliche zu<br />
                    <a href="http://www.dasding.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dasding.de</a> vom SWR surfen, bekommen sie Angebote, die für sie gemacht sind und nicht für kommerzielle Unternehmen. Das wissen auch viele junge Menschen zu schätzen.</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 20.06.2001</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Lerchenberg geht t-online</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/offentlich-rechtliches-internet/netzkulturoeffrech-shtml-2502/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jun 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Öffentlich-Rechtliches Internet]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor dem Hintergrund der Onlineaktivitäten von ARD und ZDF erhält die Frage des Auftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neue Brisanz.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Hintergrund der Onlineaktivitäten von ARD und ZDF erhält die Frage des Auftrags des öffentlich-rechtlichen Rundfunks neue Brisanz.<!--break-->
                    </p>
<p>Am 20. März diesen Jahres kündigten t-online und das am Mainzer Lerchenberg heimische ZDF an, ein gemeinsames Internet-Nachrichtenportal unter der Domain<br />
                    <a href="http://www.heute.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.heute.t-online.de</a> aufzubauen. So umstritten die Exklusiv-Kooperation vor allem hinsichtlich der journalistischen Unabhängigkeit des ZDF ist, so nachvollziehbar erscheint das betriebswirtschaftliche Kalkül der beiden Unternehmen.</p>
<p>Dem ZDF, bisher mit den US-Partnern Microsoft und NBC im Nachrichtenangebot<br />
                    <a href="http://www.zdf.msnbc.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.zdf.msnbc.de</a> affiliert, wird es bei der Kooperation vorwiegend um technische Kompetenz und Reduzierung der Kosten gehen. Dem börsennotierten Tochterunternehmen der Telekom, das bereits eine ähnliche Partnerschaft mit dem Springerverlag vereinbart hat, garantiert das mehrjährige Lizenzgeschäft im Gegenzug den exklusiven Zugriff auf dringend benötigte Inhalte.</p>
<p>Getreu dem Motto &#8220;besser spät als gar nicht&#8221; hat auch die ARD das Potenzial des Internets entdeckt. Im April beschlossen die ARD-Intendanten,<br />
                    <a href="http://www.ard.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.ard.de</a> als Einstiegsportal zu den bisher weitgehend unvernetzt nebeneinander existierenden Seiten der ARD, der Landesrundfunkanstalten und deren Radio- und TV-Sendungen weiterzuentwickeln. Einen Vorgeschmack auf das, was den Nutzer in Zukunft unter<br />
                    <a href="http://www.ard.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.ard.de</a> erwartet, ermöglicht seit dem 25. Mai der neue Dienst &#8220;Radio-Net&#8221;, mit dem man auf alle Live-Streams der ARD-Hörfunkprogramme zugreifen kann. Kompetenz in der Onlineberichterstattung will die ARD mit einem überarbeiteten Auftritt ihres Nachrichtenportals<br />
                    <a href="http://www.tagesschau.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.tagesschau.de</a> beweisen. Außerdem steht der Ausbau des programmorientierten Angebots<br />
                    <a href="http://www.das-erste.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.das-erste.de</a> an.</p>
<p>Die Ankündigung der ARD, verstärkt Präsenz im Netz zu zeigen, bestätigt auf den ersten Blick bestehende Vorurteile aus der Rubrik &#8220;Die Öffentlich-Rechtlichen und der Puls der Zeit&#8221;. Schließlich steckt die private Konkurrenz, allen voran die RTL-Gruppe, schon seit Jahren Millionenbeträge in ihre Onlineaktivitäten und verknüpft Fernsehformate wie &#8220;Big Brother&#8221;, &#8220;Wer wird Millionär?&#8221; oder &#8221; TV-Total&#8221; geschickt mit dem Internet. Bei eingehenderer Beschäftigung mit der späten Erkenntnis der ARD interessiert jedoch nicht mehr nur, warum das alles so furchtbar lange dauert. Stattdessen erfährt eine viel grundlegendere Kontroverse neue Brisanz: Die Frage nach dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.</p>
<p>Die Bedeutung dieser Frage liegt in der Struktur des deutschen Rundfunksystems begründet, die im letzten halben Jahrhundert aus politischen und juristischen Entscheidungen entstanden ist. Davon ausgehend, dass bestimmte &#8220;Informationsgüter&#8221; vom Markt allein nicht hinreichend zur Verfügung gestellt werden, beschränkte sich der Staat nach Gründung der Bundesrepublik beim Rundfunk anders als beim Pressemodell nicht auf die Regulierung privater Anbieter. Vielmehr brachte der Gesetzgeber mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Akteur ins Spiel, der ob seiner Gebührenfinanzierung vom Markt weitgehend unabhängig sein sollte. Auch nach dem Ende der publizistischen Monopolstellung von ARD und ZDF durch die Zulassung privater Sender Mitte der 80er Jahre ist ihr Status ein besonderer. Denn seitdem fixiert das vom Bundesverfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil eingeführte Prinzip der &#8220;Grundversorgung&#8221; mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung den Verantwortungsbereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.</p>
<p>Anderthalb Jahrzehnte nach der medienpolitischen Wende ist die zunächst beargwöhnte Koexistenz zweier Rundfunksysteme einer Normalität gewichen, die der Fernsehzuschauer alltäglich in Form von schonungslosem Ideenklau bei Formaten, Präsentationsformen und Programmstrukturen vor Augen hat. Die<br />
                    <br />medienpolitischen Auseinandersetzungen jedoch dauern an. Vor allem der Bereich jenseits der Grundversorgung ist Anlass ausführlicher Diskussionen &#8211; also alle öffentlich-rechtlichen Angebote, die wie digitale Dienste, Spartenprogramme oder eben das Internet darüber hinausgehen, was als Grundversorgung definiert ist.</p>
<p>Der &#8220;natürliche Feind&#8221; einer öffentlich-rechtlichen Online-Expansion sind die Zeitungsverleger, organisiert im<br />
                    <a href="http://www.bdzv.de/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger</a> (BDZV), und die durch den<br />
                    <a href="http://www.vprt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation</a> (VPRT) vertretenen privaten Sender. Mit aufwendigen Angeboten und immensen Investitionen sind beide Gruppen im Internet präsent &#8211; und wehren sich gegen die gebührensubventionierte Konkurrenz. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Frage, ob ARD und ZDF mit ihren Internetplänen den ihnen verfassungsrechtlich und gesetzlich vorgegebenen Auftrag überschreiten. Das Diktum von der &#8220;3. Säule&#8221;, das für den langfristigen Ausbau des Internets zum Standbein neben Fernsehen und Radio steht, macht &#8211; obwohl vom ARD-Intendant Fritz Pleitgen längst zurückgenommen &#8211; die Runde. Nicht nur die Konkurrenz, auch die Politik ist alarmiert und die alte Forderung, die Aufgaben der Öffentlich-Rechtlichen durch einen engeren &#8220;Funktionsauftrag&#8221; einzuschränken, erfährt neue Aktualität.</p>
<p>Die Beschränkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf seine Kernaufgaben im (hoch-)kulturellen Bereich, ist eine Standardformel in dieser Diskussionen, in der sich nicht nur wirtschaftliche und standortpolitische Interessen gegenüber stehen, sondern auch grundverschiedene Annahmen über die Aufgaben des Staates in der Kommunikationsordnung. So steht hinter der Forderung, den Rundfunk durch einen radikalen Umbau der dualen Rundfunkordnung dem Wettbewerb zu öffnen, im Kern der Glaube an den ökonomischen Wettbewerb, der als freiheitliches Organisationsprinzip allein einer freiheitlichen Kommunikationsordnung entspräche.</p>
<p>Immer wieder wird von Gegnern der Internetpläne von ARD und ZDF darauf verwiesen, dass das Entstehen von Markt- und Meinungsmacht in den unhierarchischen Strukturen des Internets gar nicht möglich sei. Damit fiele die Notwendigkeit der &#8220;unverkürzten Darstellung der Meinungsvielfalt&#8221; &#8211; Kernpunkt dessen, was der &#8220;Grundversorgungsauftrag&#8221; der Öffentlich-Rechtlichen inhaltlich bedeutet &#8211; für das Netz weg.</p>
<p>Der Markt allein, sagt dagegen<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkultur/interview_pleitgen.shtml">Fritz Pleitgen</a>, der sich auf eine von der ARD mitfinanzierte Studie des Hamburger<br />
                    <a href="http://www.rrz.uni-hamburg.de/hans-bredow-institut/home.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hans-Bredow-Instituts</a> beruft, könne weder die &#8220;verfassungsrechtlich geforderte freie öffentliche Kommunikation&#8221; noch &#8220;publizistische Vielfalt&#8221; garantieren. Daher werde dem öffentlich-rechtlichen Engagement im Internet eine &#8220;Schlüsselrolle&#8221; zu Teil. Damit das Internet mehr werde als &#8220;ein virtueller Marktplatz für Händler und Dienstleister&#8221;, müssten ARD und ZDF, als von kommerziellen und politischen Interessen unabhängige &#8220;Lotsen&#8221; und &#8220;Mittler von verlässlichen Information&#8221; orientierungsstiftend in Erscheinung treten.</p>
<p>Die aktuelle Entwicklung des Internets scheint Pleitgens Einschätzungen zu bestätigen: Zwar kann von oligopolistischen Strukturen, einem Mangel an Übertragungswegen oder Defiziten der Meinungsvielfalt in der Tat nicht die Rede sein, wenn jeder Inhalte ins Netz stellen und aus einer Flut von Informationen wählen kann.<br />
                    <a href="http://www.jmm.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studien</a> aus den USA belegen jedoch, dass die Internetnutzer immer mehr Zeit auf den Seiten immer weniger Unternehmen verbringen. Während die US-Nutzer 1999,<br />
                    <a href="http://www.mediametrix.com/landing.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jupiter Media Metrix</a> zufolge, 50 Prozent ihrer Online-Zeit auf den Seiten von elf Unternehmen verbrachten, widmeten sie die selbe Zeit im März 2001 ausschließlich den Seiten vier großer Medienunternehmen, ganz vorne<br />
                    <a href="http://www.aoltimewarner.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AOL Time Warner</a>.</p>
<p>Doch neben der hehren Absichten, die Pleitgen für die ARD ins Felde führt, geht es auch ihm schlichtweg um die Zukunftsfähigkeit seines Senders, um Synergien und Marketing. Pleitgen schließt eCommerce und Werbung, die den öffentlich-rechtlichen Anstalten staatsvertraglich verboten sind, zwar aus, betont aber, dass über alternative Finanzierungsmöglichkeiten &#8211; wie zum Beispiel Zusatzangebote gegen Kostenerstattung &#8211; nachgedacht werden müsse. Alfred Biolek ist da schon einen Schritt weiter, denn bereits heute gelangt man über die Seiten der ARD auf den &#8220;alfredissimo! Shop&#8221;, dessen breites Angebot von für das Nachkochen unerlässlichen Ingredienzien bis zum &#8220;alfredissimo! Risottotopf&#8221; zu DM 136,89 reicht.</p>
<p>Beide Lager beziehen sich in der Kontroverse auf die Formulierungen des vierten Rundfunkänderungsstaatsvertrags vom Frühjahr 2000. Dieser sieht für die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet Angebote mit &#8220;vorwiegend programmbezogenem Inhalt&#8221; vor. Kern der scharfen Kritik des Bundesverbandes der Zeitungsverleger, der sich auf ein im März 2001 vorgestelltes Gutachten des Leipziger Rechtswissenschaftlers Prof. Degenhart stützt, ist, dass Internetdienste der Öffentlich-Rechtlichen mit Ausnahme des &#8220;Programmbezugs&#8221; rechtswidrig seien. Was allerdings &#8220;Programmbezug&#8221; bedeutet, ist unterschiedlich interpretierbar. Fritz Pleitgen nimmt jedenfalls für die Angebote der ARD in Anspruch, dass sie den staatsvertraglichen Vorgaben entsprächen. Für den VPRT-Präsidenten<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkultur/interview_doetz.shtml">Jürgen Doetz</a> sind die geltenden Bestimmungen im Rundfunkstaatsvertrag ohnehin unzureichend, um zu verhindern, dass sich ARD und ZDF im Online-Bereich breit machen. Deren Engagement hält er nicht nur für überflüssig, es werde auch zu &#8220;Wettbewerbsverzerrungen im höchst sensiblen Online-Markt&#8221; führen. Daher sei es durch entsprechende rechtliche und politische Bestimmungen auf das &#8220;notwendige Maß zu beschränken&#8221;, sagte Doetz Politik-Digital.</p>
<p>Ob es in Zukunft wirklich zu einem Bedeutungsverlust des klassischen Programmrundfunks zu Gunsten des Internet kommt, und inwieweit beide Medien<br />
                    <br />zusammenwachsen, ist ungewiss. Sicher ist nur das enorme Tempo, mit dem sich das Internet zum selbstverständlichen Bestandteil des Medienportfolios bundesdeutscher Haushalte entwickelt. Globale Allianzen zwischen traditionellen und neuen Medienunternehmen, Produkt- und Nutzungsdifferenzierung, neue Wertschöpfungsmöglichkeiten und Synergien bei Inhalten und Werbung &#8211; das sind die Herausforderungen, vor denen die etablierten Medien stehen. Dafür versuchen sie sich eine gute Marktposition und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sichern.<br />
                    <br />Auf die gesellschaftliche und politische Agenda gehören jedoch andere Fragen: Entstehen im Internet, das sich in einem heftigen Konsolidierungsprozess befindet, langfristig tatsächlich inhaltliche Defizite? Durch welche Akteure könnten diese ausgeglichen werden, und wie, wenn nicht durch Bioleks Bratpfannen, ließen sich von kommerziellen Interessen weitgehend unabhängige Informationsangebote im Netz finanzieren?</p>
<p>Digitale Informations- und Kommunikationsmedien, allen voran das Internet, haben die Medienlandschaft schon jetzt sehr verändert. Sie fordern sowohl die eigentlichen Akteure als auch die Politik. Letztere erscheint angesichts des Tempos des Internets überfordert. Der medienpolitische Rahmen, in dem sich die Diskussion um öffentlich-rechtliche Netzaktivitäten abspielt, hinkt der Entwicklung chronisch hinterher und ist vielleicht mehr denn gefordert.</p>
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		<title>Medien, Markt und Meinungsmacht</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jun 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Öffentlich-Rechtliches Internet]]></category>
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					<description><![CDATA[Rundfunkpolitische Kontroversen, Debatten über Bestimmung, Ausgestaltung, Anspruch und Leistung der deutschen Rundfunkordnung sind so alt wie der Rundfunk selber. Weder die Klagen über die Trivialisierung und Kommerzialisierung der Medien noch parteiegoistische Forderungen von Politikern aller Couleur über die zukünftige Gestalt der Rundfunkordnung können darüber hinwegtäuschen, dass die bestehende Rundfunkordnung eine grundlegende und keineswegs unangefochtene Errungenschaft in der Nachkriegsgeschichte darstellt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rundfunkpolitische Kontroversen, Debatten über Bestimmung, Ausgestaltung, Anspruch und Leistung der deutschen Rundfunkordnung sind so alt wie der Rundfunk selber. Weder die Klagen über die Trivialisierung und Kommerzialisierung der Medien noch parteiegoistische Forderungen von Politikern aller Couleur über die zukünftige Gestalt der Rundfunkordnung können darüber hinwegtäuschen, dass die bestehende Rundfunkordnung eine grundlegende und keineswegs unangefochtene Errungenschaft in der Nachkriegsgeschichte darstellt.<!--break-->
                    </p>
<p>Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde Rundfunk im Public Service, also im Sinne eines &#8220;Dienstes an der Öffentlichkeit&#8221;, über alliierte Entscheidungen in den westdeutschen Besatzungszonen installiert. Unter der Zensur der alliierten Siegermächte wurde damals an der Entwicklung einer demokratischen Presse und eines freien Rundfunks gearbeitet. Ein gemeinsames Konzept gab es nicht, aber in jeder der Besatzungszonen entstanden mehrere Militärsender, die zu den Keimzellen der bundesdeutschen Rundfunkanstalten wurden.</p>
<p>Nach und nach übernahmen deutsche Mitarbeiter die jeweiligen Sendebetriebe. Mitarbeiter wie Gestalter der sich sukzessive von der alliierten Kontrolle lösenden Medienordnung waren sich ihres schweren Erbes bewußt. Die Nationalsozialisten hatten die Möglichkeiten des Rundfunks genau erkannt und ihn in den Dienst ihrer Propaganda gestellt. Leicht war es gewesen, den Rundfunk gleichzuschalten, da er in der Weimarer Zeit zentralistisch organisiert gewesen war.</p>
<p>Wohlwissend, dass die Besatzungsmächte keinen Zentralismus zugelassen hätten, fiel die Entscheidung für die föderale Grundstruktur der neuen Rundfunkverfassung. Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland wurde am 9. und 10. Juni 1950 durch die Intendanten der bis dahin sechs Rundfunkanstalten aus Hamburg (NWDR), Bremen (Radio Bremen), Frankfurt (Hessischer Rundfunk), Baden-Baden (Südwestfunk), Stuttgart (Süddeutscher Rundfunk) und München (Bayerischer Rundfunk) in Bremen gegründet.</p>
<p>Dem Beginn der Fernsehära ist es zu verdanken, dass sich die lose verbundenen jungen Hörfunkanstalten bald zu einem als föderalem Verbund organisierten Medienunternehmen entwickelten. Die Programmanteile für das gemeinsame, 1954 gestartete nationale Programm Deutsches Fernsehen wurden in einem Vertrag prozentual zur finanziellen Leistungskraft auf die einzelnen Anstalten verteilt. Damit war das Leitmotiv in der Geschichte der ARD, das Prinzip des Föderalismus, gesetzt und dem Gedanken an eine zentrale Produktionsstätte in der Hauptstadt oder eine einheitliche Organisation eine Absage erteilt.</p>
<p>Schwieriger als die interne Diskussion gestaltete sich von nun an die Auseinandersetzung mit der deutschen Politik, die, nachdem die BRD 1955 die volle politische Handlungsfähigkeit gewonnen hatte und die alliierten Vorschriften außer Kraft getreten waren, Morgenluft witterte. Um sich des unbequemen Journalismus der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu erwehren, betrieb Adenauer engagiert die Schaffung eines privatrechtlich verfaßten Bundesrundfunks mit möglichst direktem Zugriff durch die Regierung. Handstreichartig unterzeichneten er und sein Minister Fritz Scheffler am 25. Juli 1960 den Gesellschaftsvertrag einer &#8220;Deutschland-Fernsehen-GmbH&#8221;.</p>
<p>Die Sozialdemokratischen Länderchefs, durchaus beifällig von ihren CDU-Kollegen begleitet, klagten vor dem Bundesverfassungsgericht wegen Übergriffs in ihre Kulturhoheit. Das darauf folgende Urteil aus Karlsruhe schrieb Rundfunkgeschichte. Zum ersten Mal wurde verfassungsrechtlich festgestellt, dass der Rundfunk unter der Hoheit der Länder steht und er unter dem Primat der Meinungsfreiheit staatsfern organisiert werden muss.</p>
<p>Die Niederlage im Fernsehstreit bedeutete eine empfindliche politische Schlappe für die Regierung Adenauer. Die Verfassungsrichter hatten mit diesem ersten Rundfunkurteil klargestellt, daß alle zentralistischen Bestrebungen des Bundes im Rundfunkwesen zum Scheitern verurteilt sind und die Rundfunkhoheit den Ländern obliegt. Indem es die Veranstaltung von Rundfunksendungen zur &#8220;öffentlichen Aufgabe&#8221; erklärte, das bestehende Organisationsprinzip ausdrücklich sanktionierte, aber gleichzeitig unter bestimmten Voraussetzungen auch Gesellschaften privaten Rechts nicht von der Rundfunkveranstaltung ausschloss, bildete der Entscheid das Fundament der deutschen Rundfunkverfassung.</p>
<p>Auch nachdem das ZDF 1963 den Sendebetrieb aufnahm, blieb die ARD im Spannungsfeld der Politik. Von Seiten der CDU/CSU wurde ihr vorgeworfen, tendenziös zugunsten linker, sozialdemokratischer und &#8211; später &#8211; radikaler Positionen zu berichten. Mitte der Siebziger Jahre drohte die CSU, das Länderabkommen über die Koordinierung des Ersten Fernsehprogramms vom 17. April 1959 zu kündigen, falls &#8220;die Unausgewogenheit und zum Teil mangelnde Qualität des Gemeinschaftsprogramms der ARD&#8221; nicht behoben würden. Die bayerische Staatsregierung setzte ihre Kündigungsüberlegungen nicht in die Tat um, wohl auch, weil die Entwicklung der Kabeltechnik mit der Einführung privatrechtlicher Konkurrenz eine elegantere Möglichkeit versprach, dem beklagten Linkstrend der Öffentlich-Rechtlichen zu begegnen.</p>
<p>Die rege Gesetzgebungstätigkeit einzelner Bundesländer, die sich eine Neuordnung der Rundfunkordnung im Sinne eines geordneten Nebeneinanders von privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern zum Ziel gesetzt hatten, führten schließlich zu einer erneuten Bewährungsprobe der Kommunikationsordnung. Wieder war es das Bundesverfassungsgericht, dem dabei die entscheidende Rolle zu Teil wurde. In einem Normenkontrollverfahren gegen eines der ersten neuen Landesmediengesetze, dem niedersächsischen Landesrundfunkgesetz, entschieden die Karlsruher Richter 1984, dass dieses in seinen Grundlinien mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Dieses vierte Rundfunkurteil kam einem &#8220;medienpolitischen Urknall&#8221; (Bernhard Vogel) gleich. Die publizistische Monopolstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Bereich der elektronischen Medien war damit beendet. Das Prinzip der Grundversorgung mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung fungierte als inhaltliche Fixierung des Verantwortungsbereichs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. An die Privaten, RTL, Sat1 und die Sender der sogenannten zweiten und dritten Generation, werden seitdem reduzierte Anforderungen gestellt, die ihnen, auch um ihnen Entwicklungs- und Amortisationschancen zu geben, nur gewisse Grundstandards gleichgewichtiger Vielfalt abverlangten.</p>
<p>Die Höhe der Gebührenfinanzierung muss regelmäßig durch die Regierungen der Länder abgesegnet werden &#8211; und mit ebensolcher Regelmäßigkeit droht ARD und ZDF von hier Ungemach. Die Ministerpräsidenten Sachsens und Bayerns, Biedenkopf und Stoiber, schlugen in einem aufsehenerregenden Papier 1995 die Abschaffung des Ersten Deutschen Fernsehens und die Zurückführung der ARD auf ihre Landessender vor, falls die ARD ihre Rationalisierungsbestrebungen nicht intensiviere. Vor allem der Funktionsbereich jenseits der Grundversorgung war und ist Anlass ausführlicher Diskussionen. Die eine Seite fordert seither nachdrücklich, den Rundfunk durch einen radikalen Umbau der dualen Rundfunkordnung dem Wettbewerb zu öffnen.</p>
<p>Die anhaltenden medienpolitischen Kontroversen stehen für die Geschichte der deutschen Rundfunkpolitik zwischen Gesellschaft und Markt, föderalistischen Regelungszuständigkeiten und bundespolitischen Zugriffen, publizistischem und kommerziellen Wettbewerb, Kontrolle und Freiheit. Dieses System steht vor großen Herausforderungen. So stellt sich die Frage, inwieweit das duale Rundfunksystem der Bundesrepublik, in das der Grundversorgungsauftrag eingebettet ist, in seiner gegenwärtigen Ausprägung angesichts der zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Integration in Europa noch tragbar ist. Zwar hat sich die BRD die Existenz der öffentlich-rechtlichen Sender in einer Protokollnotiz zum Vertrag von Amsterdam sichern lassen. Ob allerdings die Grundversorgung in einer zukünftigen gemeinsamen Rundfunkordnung dauerhaft hinreichend Berücksichtigung findet, ist zweifelhaft. Gleichzeitig gilt es, Fehlentwicklungen und Reformbedarf im nach dem Public Service-Modell organisierten Rundfunk, Markt- und Medienmacht von bestimmenden Akteuren sowie Abhängigkeiten im privatwirtschaftlichen Rundfunk zu untersuchen.</p>
</p>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 20.06.2001</div>
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