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	<title>Nahen-Osten &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Nahen-Osten &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Noch immer gibt es viele Hindernisse und zuviel Hass.&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jun 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Palästinenser]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensprozess]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Sinnhuber]]></category>
		<category><![CDATA[Nahen-Osten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dsinnhuber.jpg" alt="Dieter Sinnhuber" align="left" border="0" height="90" width="91" /></b><b><b>Dieter 
Sinnhuber</b>, ARD-Korrespondent in Tel Aviv (Israel) </b><b>zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de, am 
25. Juni 2003 aus Tel Aviv.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dsinnhuber.jpg" alt="Dieter Sinnhuber" align="left" border="0" height="90" width="91" /></b><b><b>Dieter<br />
Sinnhuber</b>, ARD-Korrespondent in Tel Aviv (Israel) </b><b>zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de, am<br />
25. Juni 2003 aus Tel Aviv.</b></span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"></p>
<p><span style="color: #000000"><b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute begrüßen wir den ARD-Korrespondenten<br />
Dieter Sinnhuber in Tel Aviv/Israel. Er chattet live aus Israel. Heute<br />
geht es hauptsächlich um den palästinensisch-israelischen Friedensprozess.<br />
Guten Tag Herr Sinnhuber! Kann es losgehen Herr Sinnhuber?</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Ja, gerne.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>okidoki:</b><br />
Sagen Sie Herr Sinnhuber, haben Sie nicht öfter Angst um Ihr Leben?<br />
Man weiß ja nie, wann es einen treffen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Gerade in den letzten Jahren sind die Gefahren immer näher auf unsereinen<br />
zugekommen. Ich erinnere mich vor allem an den tödlichen Anschlag<br />
beim Dolphinarium am Strand von Tel Aviv, vielleicht 350 Meter von meinem<br />
Hotelapartment entfernt. Kurz danach ein Anschlag in einer Straße,<br />
etwa 200 Meter.<br />
Insofern, manchmal fühlt man sich selbst bedroht. Die Gefährdung<br />
wurde unkalkulierbarer. Aber die Haltung der Menschen, mit denen man zusammen<br />
ist, überträgt sich auf einen selber.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>aleksbg:</b><br />
Herr Sinnhuber, glauben sie, dass dieser &#8221;teuflische Kreis&#8221; unter Palästinenser<br />
und Israelis endlich ein Ende findet? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Es gibt auf beiden Seiten genügend Menschen, die Frieden wollen,<br />
aber Jahrzehnte eines solchen Konflikts lassen sich nicht mit einem Schlag<br />
oder einer &quot;road map&quot; ausräumen. Letztlich bin ich skeptisch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>uipsi:</b><br />
Der Friedensprozess im Nahen Osten gewinnt wieder an Fahrt, lese ich.<br />
Stimmen sie dem zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Es gibt ein wenig Hoffnung, gerade, weil der US-Präsident viel persönliches<br />
Prestige damit verbindet. Aber die road map wird noch eine steinige Bergauf-Reise<br />
werden, wenn sie denn überhaupt angetreten wird. Noch immer gibt<br />
es viele Hindernisse und zuviel Hass.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Die wechselseitigen Angriffe und Anschläge zwischen Palästinensern<br />
und Israelis hören bis heute nicht auf. Was hat der Nahost-Friedensgipfel<br />
von Akaba Anfang Juni dann gebracht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Dazu nur einige Stichworte: Fundamentalistische Gruppen, die nach wie<br />
vor den Staat Israel von der Landkarte verschwinden lassen wollen, aber<br />
auch radikale Siedler. Dies nur zwei Beispiele. Zum Akaba-Gipfel: Seither<br />
sind gerade erst zwei Wochen vergangen. Und rasche Lösungen kann<br />
man, wie schon vorher erwähnt, nicht erwarten, nach 55 Jahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>thomas:</b><br />
In der Sure 5.51 steht: &quot;Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die<br />
Juden und die Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde, aber<br />
nicht mit euch. Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört<br />
er zu ihnen und nicht mehr zu der Gemeinschaft der Gläubigen&quot;<br />
Sind friedenswillige Palästinenser gefährdet, speziell durch<br />
die Hamas?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Man muss sich nur die Eskorte ansehen, die der neue Staatsminister Dahlan<br />
braucht, der nun die Sicherheitsverantwortung für Teile des Gazastreifens<br />
und für Bethlehem übernehmen soll. Nicht zu reden von den so<br />
genannten &quot;Kollaborateuren&quot;, die nicht alle Friedensfreude sind<br />
und oft auch zu Spitzeldiensten erpresst werden. Ihr Leben steht häufig<br />
auf dem Spiel, viele wurden schon bestialisch ermordet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>perter:</b><br />
Die Palästinenser müssen ihre Institutionen demokratisch reformieren.<br />
Ist das nötig und möglich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Das ist dringend nötig, die Möglichkeiten sind beschränkt,<br />
denn es gibt eine Art von &quot;herrschender Klasse&quot; um Yassir Arafat<br />
herum, die autokratisch zu regieren gewohnt ist, auch Privilegien nicht<br />
abgeben will, und von denen viele zwar erfahrene Revolutionäre waren,<br />
aber das politische Geschäft nicht gelernt haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Manuel:</b><br />
Wie fanden Sie eigentlich die Übergabe Ararafats? Gelungen, oder<br />
hätte er es besser anstellen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Wenn Sie die Amtsübergabe an Mahmud Abbas meinen: Die hat er nie<br />
ernsthaft gewollt, und nach vielen übereinstimmenden Angaben macht<br />
er Abbas das Leben schwer. Arafat hält noch immer in vielen Dingen<br />
die Zügel in der Hand. Gerade heute erschien in einer israelischen<br />
Zeitung ein Auszug aus einem Protokoll von Akaba, in dem Mahmud Abbas<br />
selbst ansatzweise davon spricht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Was genau sagt denn das Protokoll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Ich kann den Wortlaut nicht zitieren, habe den Text nicht vor mir, aber<br />
daraus geht klar hervor, dass Arafat letztlich die Verbindlichkeit der<br />
road map nicht nur bezweifelt, sondern sie auch hintertreiben will, trotz<br />
öffentlicher gegenteiliger Beteuerungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
So, jetzt zu einem anderen Thema.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>OBerthold:</b><br />
Warum glauben Sie, dass Ariel Sharon fast im Stundentakt einander völlig<br />
entgegengesetzte Positionen zu den völkerrechtswidrigen Siedlungen<br />
vertritt, Herr Sinnhuber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Ich denke, das hat mehrere Gründe. Zunächst kann niemand bestreiten,<br />
dass Ariel Sharon einer der wichtigsten Motoren der Siedlungsbewegung<br />
war. Andererseits steht er nun unter sehr massivem Druck der USA, die<br />
anderen Mitglieder des Quartetts kann man da ruhig außer acht lassen.<br />
Dann die innenpolitische Kulisse: Seine eigene Partei stand überwiegend<br />
hinter dem Siedlungsausbau, zu seiner Koalition gehören Parteien,<br />
die die Siedlerinteressen direkt vertreten. Dazu die radikalen Rabbis<br />
aus den Siedlungen, die erst vor zwei Tagen sagten, die Aufgabe der Siedlungs-Idee<br />
wiederspreche göttlichem Gesetz. Als er zum erstenmal davon sprach,<br />
man könne 3,5 Millionen Palästinenser nicht ewig besetzt halten,<br />
ging ein Aufschrei durch die politische Rechte in Israel. Und die ist<br />
hier zur Zeit an der Regierung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>sinnzig:</b><br />
Israel will illegale jüdische Siedlungen auflösen. Was sagen<br />
die orthodoxen Juden dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:<br />
</b>Wenn ich die gerade zitierten 500 Siedlerrabbis als Sprecher der Orthodoxen<br />
nähme, hieße dies, sie setzten der Auflösung massivsten<br />
Widerstand entgegen. Aber die sind nicht repräsentativ für alle<br />
Orthodoxen. Die lautesten Widerständler sind die nationalreligiöse<br />
Orientierten und rechtsradikale Parteien, die Forderungen bis hin zur<br />
Aussiedlung der Araber erheben. Eine Gruppe von Rabbis rief vor einigen<br />
Tagen die arabischen Nachbarländer dazu auf, den Palästinensern<br />
die &quot;Rückkehr&quot; zu ermöglichen. Hintergedanke: Wo die<br />
Palästinenser leben, ist Groß-Israel, oder wie eine andere<br />
Parole lautet: &quot;Jordanien ist Palästina&quot;. Also, das kann<br />
man aber nicht alles mit den verschiedenen Strömungen der Orthodoxie<br />
gleichsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:<br />
</b>Was sagt die Friedensbewegung zur Auflösung der Siedlung und<br />
dem Widerstand der orthodoxen Juden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Die Friedensbewegung in Israel &#8211; im übrigen ja nicht ein ganz einheitlicher<br />
Block &#8211; ist durch die Folgen der jüngsten &quot;Intifada&quot; so<br />
geschwächt worden, dass sie zeitweise kaum mehr wahrzunehmen war.<br />
Natürlich setzt sie sich seit vielen Jahren vehement für die<br />
Einstellung des Siedlungsbaus und den Rückzug aus den Siedlungen<br />
ein. Sie erhebt übrigens die genauesten Daten über die Zahl<br />
der Siedler und der Siedlungen und Außenposten, so genau, dass ihre<br />
Gegner ebenso wie die Amerikaner und die israelische Regierung dieses<br />
Material benutzen &#8211; zu unterschiedlichen Zwecken natürlich. Und den<br />
Widerstand lehnt sie natürlich schärfstens ab. Dieser Widerstand<br />
wird im übrigen auch nicht von allen Siedlern in gleicher Weise unterstützt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>finis84:</b><br />
Wie ist die Stimmung unter den israelischen Jugendlichen? Tendieren diese<br />
zum Frieden oder stehen sie hinter der Liquiditäts-Taktik von Sharon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Zunächst zur israelischen Bevölkerung insgesamt: Es ist sehr<br />
widersprüchlich. Mehr als 60 Prozent sind für den Abbau von<br />
Siedlungen, etwa die gleiche Zahl will einen Ausgleich mit den Palästinensern,<br />
aber die Popularitätsrate von Ariel Sharon wird zur Zeit weniger<br />
wegen seiner Politik gegenüber den Arabern angekratzt, sondern vielmehr<br />
wegen der scharfen Sparmaßnahmen in der Sozialpolitik, die hier<br />
noch viel schärferen Widerspruch hervorrufen als in Deutschland.<br />
<br />
Und was die Jugend angeht: Die Zahl der Wehrdienstverweigerer steigt,<br />
auch derer, die nicht in den Palästinensergebieten dienen wollen,<br />
aber die Zahl der &quot;refusniks&quot; ist relativ gering. Ansonsten<br />
ist eher eine Tendenz abzulesen, von all dem nicht so viel hören<br />
zu wollen und das Leben zu genießen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Bevor wir zum Konflikt zurückkehren, hier ein kurzer Exkurs in die<br />
Innenpolitik: Gibt es in Israel auch eine Art &quot;Agenda 2010&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Sicher, diese &quot;Agenda 2010&quot; gibt es, sie ist erst vor kurzem<br />
durch das Parlament gegangen, nach schweren Auseinandersetzungen, und<br />
die hiesige Einheitsgewerkschaft ist trotz des parlamentarischen Ergebnisses<br />
noch immer punktuell am Streiken. Die Arbeitslosenrate liegt knapp über<br />
der deutschen, und die Einschnitte sind massiver als jene, über die<br />
zur Zeit in Deutschland gestritten wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Zurück zu den Friedensaktivisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>OBerthold:</b><br />
Sind die Internationalen Friedensaktivisten von ISM, zu denen ja auch<br />
die vor einigen Wochen im Gazastreifen getötete Rahel Corie gehörte,<br />
eher eine Randerscheinung der Intifada oder spielen sie eine wichtige<br />
Rolle in der Bekanntmachung der Vorgänge in den besetzten Gebieten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
ISM wird, zumindest in Israel, kaum wahrgenommen, wenn, dann eher als<br />
Störfaktor. In den Palästinensergebieten ist ihre Bedeutung<br />
zwar höher, aber es ist nicht zu übersehen, dass sie ein sehr<br />
&quot;buntes Völkchen&quot; sind. Israel hat schon viele nicht mehr<br />
wieder einreisen lassen. Hier ist die Empfindlichkeit gegenüber ausländischer<br />
Kritik insgesamt massiv gewachsen. Auch gegenüber Journalisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Der Frieden ist also alles andere als gesichert. Nun ein paar Fragen zum<br />
Arbeiten vor Ort&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>esgrgesrg:</b><br />
Herr Sinnhuber, wie verhält es sich mit der Pressefreiheit in Israel<br />
&#8211; werden Sie in Ihrer Arbeit behindert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:<br />
</b>Grundsätzlich nein, oder &quot;im Prinzip&quot; nein. Es gibt<br />
natürlich Hindernisse, die einem das Arbeiten schwer machen. Zum<br />
Beispiel Fahrten in den &quot;territories&quot;, wie die Palästinensergebiete<br />
im israelischen Sprachgebrauch heißen. Straßensperren, penible<br />
Überprüfungen, Verzögerungen, Schwierigkeiten vor allem<br />
für unsere palästinensischen Kamerateams, für die es häufig<br />
einen riesigen Zeitaufwand bedeutet, vom Süden des Westjordanlandes<br />
in den nördlichen Teil zu kommen, und Ähnliches. Auch ist die<br />
Stimmung uns gegenüber nicht immer sehr freundlich, aber direkte<br />
Behinderung gibt es nicht. Probleme haben vor allem unsere palästinensischen<br />
Freunde / Mitarbeiter &#8211; manchmal auch von Seiten der von Arafat beherrschten<br />
Autonomiebehörde, die einen anderen Begriff von Journalismus haben<br />
als der im Westen übliche.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Manuel:</b><br />
Nachfrage: Wurden Sie schon mal bedroht, etwas nicht zu veröffentlichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Nein, das ist mir bisher nicht passiert, aber ich muss korrekterweise<br />
auch hinzufügen, dass Israel / Palästinensische Gebiete nicht<br />
mein ausschließlicher Arbeitsplatz ist, ich also nicht ständig<br />
hier bin. Mir selbst, wie gesagt, ist es noch nicht widerfahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Speziell eine Frage an Sie als Deutscher&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>überdenwolken:</b><br />
Haben Sie das Gefühl, dass Sie als ausländischer Korrespondent<br />
von der Bevölkerung und den Politikern anders behandelt werden, als<br />
die Einheimischen? Wenn ja, werden Ihre Reportagen bewusst von einzelnen<br />
Personen gelenkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:<br />
</b>Der Wunsch besteht natürlich, jede Seite, jede Interessengruppe<br />
versucht, uns zu beeinflussen, uns einzuspannen. Deshalb ist es für<br />
uns dringend nötig, uns den Platz &quot;zwischen den Stühlen&quot;<br />
zu sichern, uns nicht für Zwecke der Agitation einspannen zu<br />
lassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>willy<br />
M: </b>Aber es wird intensiv versucht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Ja, natürlich. Israel setzt dabei die erfahreneren &quot;Profis&quot;<br />
im Umgang mit den Medien ein, die Palästinensische Seite ist durch<br />
die Tatsache und die Betonung der &quot;militärischen&quot; Unterlegenheit<br />
immer erst einmal im Vorteil, und schreckliche Bilder von verwundeten<br />
Kindern oder Toten werden zum Teil auch in schamloser Weise benutzt, um<br />
uns in eine parteiische Ecke zu treiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Noch einmal ein Bezug zur Innenpolitik, aber dieses Mal deutsche Innenpolitik.<br />
Danach zurück nach Israel&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Sarah:</b><br />
Was hat denn die israelische Presse zum Todesflug von Möllemann gesagt?<br />
Und welche Ansicht haben die verschiedenen Gesellschaftsgruppen über<br />
den Fall Friedmann? Gibt es über diese Themen einen öffentlichen<br />
Diskurs?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Das sind Themen, die hier letztlich keine Rolle spielen. Herrn Möllemanns<br />
Wahlkampf-Eskapaden bekam zwar Herr Westerwelle hier mal ziemlich unverblümt<br />
zu hören, aber ansonsten interessiert das hier kaum. Und die Friedman-Geschichte<br />
&#8211; wie immer man zu ihr stehen mag &#8211; findet zwar Erwähnung, aber nicht<br />
in einem ausgeprägt deutsch-jüdischen Kontext, dass es zu Spannungen<br />
führen könnte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>OBerthold:</b><br />
Um den Zaun, der Israelis und Palästinenser trennen soll, ist es<br />
etwas still geworden. Geht der Bau indessen ungebremst weiter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Der Zaun wird weiter gebaut, aber er wird auch in der israelischen Politik<br />
als &quot;zweischneidiges&quot; Schwert empfunden, also ist der Nachdruck<br />
beim Bau nicht so groß, wie erwartet. Denn gerade im Kontext mit<br />
der &quot;road map&quot;, der bis Ende 2005 einen endgültigen Status<br />
vorsieht, wird der Zaun oder die Mauer von vielen als Präjudiz einer<br />
endgültigen Grenzziehung gesehen, und das will man nicht &#8211; nicht<br />
aus irgendwelchen humanitären Gründen, sondern weil man sich<br />
hier Spielraum lassen will. Im übrigen kam die Idee nicht erst Herrn<br />
Scharon, sondern schon seinem Vorgänger Ehud Barak. Außerdem<br />
liegen dann viele der kleineren Siedlungen &quot;hinter dem Zaun&quot;,<br />
auf Palästinensergebiet, und so weit östlich, wie manche Siedler<br />
den Zaun am liebsten sähen, könnte auch eine noch viel weiter<br />
rechts orientierte Regierung nie bauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Die letzten 5 Minuten sind angebrochen. Noch 2 bis 3 Fragen&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Alberto:</b><br />
Eine Frage zur EU: Welche Rolle hat sie einzunehmen? Mittler oder Gegengewicht<br />
auf der Seite der Palästinenser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Mittler ist sicher die angestammte Rolle, aus israelischer Sicht ist sie<br />
ohnehin schon viel zu viel für die Palästinenser engagiert und<br />
trifft in Jerusalem häufig auf die kalte Schulter. Einseitige Parteinahme<br />
wäre sicher kontraproduktiv. Ansonsten spielt sie hier bei weitem<br />
nicht die Rolle, wie sie in der Berichterstattung in Deutschland wahrgenommen<br />
wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>finis84:</b><br />
Wie können wir Deutschen zu einer friedlichen Lösung des Konflikts<br />
beitragen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Im Grunde durch Fortsetzung der bisherigen Politik: Im Wissen um deutsche<br />
Verantwortung eine ausgewogene Position, wo man im Geheimen unter Freunden<br />
auch mal laut die Meinung sagen kann, aber offen nicht Partei ergreift.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Manuel:</b><br />
Wie sehen die Israelis auf der Straße die Meinungsverschiedenheiten<br />
zwischen Europäern und den USA? Ein Kurzer Bruderzwist oder das endgültige<br />
Ende einer Freundschaft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
In der allgemeinen Wahrnehmung hier spielen die Europäer wirklich<br />
eine nachgeordnete Rolle. Das hat sich zum Beispiel im Vorfeld des Irak-Krieges<br />
gezeigt. Ich habe mit nicht wenigen Menschen hier gesprochen, die zwar<br />
die europäische Position &#8211; die ja nicht einheitlich war &#8211; gut fanden,<br />
sich aber erst einmal darüber freuten, dass die potentielle<br />
Bedrohung Saddam dadurch beseitigt wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Eine letzte Frage zum Ausstieg. Worüber werden Sie das nächste<br />
Mal in der ARD berichten, Herr Sinnhuber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Im Augenblick planen meine Kollegin und ich &#8211; wir sind hier zu Zweit &#8211;<br />
Beiträge im Vorfeld des Besuches der US-Sicherheitsberaterin C. Rice<br />
und bereiten uns auf Beiträge vor für den Fall, dass der israelische<br />
Rückzug aus Teilgebieten tatsächlich kommt und die sogenannte<br />
&quot;hudna&quot;, ein Waffenstillstand der radikalen Palästinenserorganisationen,<br />
zustande kommt. Ansonsten &#8211; viele Aufgaben bringt der Alltag, der hier<br />
immer für Überraschungen, meistens schlimme, gut ist. Zudem<br />
sprechen wir gerade über einen Weltspiegel-Beitrag, aber vor ernsthafter<br />
Recherche lässt sich dazu noch nichts sagen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chatter, ein Stunde ist vorbei. Vielen Dank für Ihr Interesse,<br />
vielen Dank Herr Sinnhuber für`s chatten.<br />
Wir haben noch einen weiteren Chat in dieser Woche, auf die ich Sie hinweisen<br />
möchte: Morgen können Sie zwischen 17.00 und 18.00 Uhr mit dem<br />
Düsseldorfer Parteienforscher Ulrich von Alemann zum Thema Politik,<br />
Macht und Moral chatten. Wir freuen uns, wenn Sie wieder dabei sind und<br />
wünschen einen schönen Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Und ich danke für das große Interesse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Moderator:</b><br />
Ihnen noch einen schönen Abend.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>Dieter.Sinnhuber:</b><br />
Danke, auch zurück an Sie.</span></p>
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