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	<title>Naturkatastrophe &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Naturkatastrophe &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Daddeln für Darfur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Melching]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 May 2010 17:07:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
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					<description><![CDATA[Man muss über Zäune klettern und sich vor Grenzbeamten verstecken: Das Online-Multiplayer-Game &#34;<a href="http://www.frontiers-game.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frontiers</a>&#34; versetzt den Spieler in die Rolle eines Flüchtlings, der das Elend seiner Heimat hinter sich lassen will. Ziel: Europa. Eine österreichische Künstlergruppe hat mit diesem ethischen Ego-Shooter eine interessante Frage aufgeworfen: Sind Computerspiele vielleicht doch nicht so böse, wie oft behauptet wird?
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss über Zäune klettern und sich vor Grenzbeamten verstecken: Das Online-Multiplayer-Game &quot;<a href="http://www.frontiers-game.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frontiers</a>&quot; versetzt den Spieler in die Rolle eines Flüchtlings, der das Elend seiner Heimat hinter sich lassen will. Ziel: Europa. Eine österreichische Künstlergruppe hat mit diesem ethischen Ego-Shooter eine interessante Frage aufgeworfen: Sind Computerspiele vielleicht doch nicht so böse, wie oft behauptet wird?</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<b>Spielen für eine bessere Welt?</b>
</p>
<p>
Spiele können die Welt verändern und das haben sie auch schon, sagt Linda Breitlauch, Professorin an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf: &quot;Spiele sind eine neue Kunstform, sowohl aus ästhetischer, dramaturgischer als auch kultureller Sicht. Geschichten können auf ganz andere Weise erzählt werden, Konflikte intensiver dargestellt werden.&quot; Der Spieler könne die Konsequenzen bestimmter Handlungen selbst erleben, Entscheidungssituationen ließen ihn reflektieren, so die Expertin gegenüber politik-digital.de. Leider gebe es noch Vorbehalte, ähnliche Budgets in Spiele zu investieren wie in Schulbücher.
</p>
<p>
<b>Tiefgehendere Informationsverarbeitung</b>
</p>
<p>
Linda Breitlauch steht mit ihrer Meinung in der Fachwelt keineswegs alleine da. So kommt eine Studie vom Hans-Bredow-Institut zu dem Schluss, dass Computerspiele nicht nur Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken, sondern sich auch zur nachhaltigen Wissensvermittlung eignen: &quot;Eine hohe Motivation und Involvierung der Spieler haben den Effekt, dass die im Spiel erlebten Erfahrungen bei den Spielern länger gespeichert bleiben&quot;, heißt es in der <a href="http://www.medienpaed.com/15/lampert0903.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a>.
</p>
<p>
Auch Anja Hawlitschek vom Fraunhofer-Institut für digitale Medientechnologie hebt in ihrer <a href="http://www.spielbar.de/neu/wp-content/uploads/2009/06/hawlitschek_spielend_lernen.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wissenschaftlichen Untersuchung</a> hervor, das aktives Handeln in einem Computerspiel zu einer tiefer gehenden Verarbeitung von Informationen führt: Der Spieler müsse Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch zu nutzen wissen.
</p>
<p>
<b>Lernen mit Half-Life 2</b>
</p>
<p>
Computerspiele, die nicht nur dem Spaß an der Freude dienen, sind nichts grundsätzlich Neues: &quot;Wir haben es mit ernsten Spielen in dem Sinne zu tun, dass diese Spiele einen ausdrücklichen und sorgfältig durchdachten Bildungszweck verfolgen und nicht in erster Linie zur Unterhaltung gedacht sind. Das heißt nicht, dass ernste Spiele nicht unterhaltsam sind oder sein sollten&quot;, schrieb Clark C. Abt bereits 1971 in einer ersten Definition des Begriffs &quot;Serious Game&quot;. Frontiers ist nicht das erste &quot;ernsthafte&quot; Spiel. Aber es ist eines der ersten, das mit ansprechender Grafik daherkommt. Das Spiel nutzt die bekannte Half-Life 2-Engine &#8211; genau wie das als &quot;Killerspiel&quot; verrufene Counter-Strike.
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://www.frontiers-game.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/Screenshot_Frontiers_0.jpg" alt="Screenshot Frontiers" title="Screenshot Frontiers" height="237" width="320" /></a>
</div>
<p></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Die UN spielt mit</b>
</p>
<p>
Während Frontiers über Jahre entwickelt wurde (und noch lange nicht fertig ist), gibt es auch eine Reihe einfacher browser-basierter Spiele. Diese sind zwar grafisch deutlich weniger ausgereift, dafür aber ist der Zugang sehr viel unkomplizierter. So können Internetnutzer zum Beispiel die <a href="http://www.darfurisdying.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wasserversorgung eines sudanesischen Flüchtlingscamps </a>organisieren. Dabei müssen sie vagabundierende Milizen umgehen und sich verstecken, um sicher zum Brunnen in der Wüste zu gelangen.
</p>
<p>
Wem das zu einfach ist, der kann versuchen, bei &quot;<a href="http://www.stopdisastersgame.org/en/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stop Disasters!</a>&quot; die Schäden von Naturkatastrophen einzudämmen. Hinter dem Spiel  steht übrigens die UN-Organisation &quot;<a href="http://www.unisdr.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Strategy for Disaster Reduction</a>&quot; (ISDR).
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="center">
<a href="http://www.stopdisastersgame.org/en/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/Screenshot_Stop_Disasters__1.jpg" alt="Screenshot Stop Disaster" title="Screenshot Stop Disaster" height="237" width="319" /></a>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat zum Thema &#8220;Tsunami-Frühwarnsystem&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_zum_thema_quottsunamifruehwarnsystemquot-177/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_zum_thema_quottsunamifruehwarnsystemquot-177/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Jörn Lauterjung]]></category>
		<category><![CDATA[Naturkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami-Frühwarnsystem]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Der Tsunami 2004 kam unerwartet 
und hinterließ eine Spur der Verwüstung: Breite Küstenregionen 
in Südostasien wurden zerstört – rund 220.000 Menschen 
kamen in den Fluten um. Was ist eigentlich ein Tsunami? Gibt es 
Schutz vor einem Tsunami? Wie funktioniert ein Frühwarnsystem? 
Am Freitag, den 26. August, stand Tsunami-Experte Dr. Jörn 
Lauterjung von 11 bis 12 Uhr für Fragen rund um das Thema Tsunami 
zur Verfügung – im Live-Chat des Bundesministeriums für 
Bildung und Forschung. Der Chat wurde von sueddeutsche.de und politik-digital.de 
unterstützt.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Der Tsunami 2004 kam unerwartet<br />
und hinterließ eine Spur der Verwüstung: Breite Küstenregionen<br />
in Südostasien wurden zerstört – rund 220.000 Menschen<br />
kamen in den Fluten um. Was ist eigentlich ein Tsunami? Gibt es<br />
Schutz vor einem Tsunami? Wie funktioniert ein Frühwarnsystem?<br />
Am Freitag, den 26. August, stand Tsunami-Experte Dr. Jörn<br />
Lauterjung von 11 bis 12 Uhr für Fragen rund um das Thema Tsunami<br />
zur Verfügung – im Live-Chat des Bundesministeriums für<br />
Bildung und Forschung. Der Chat wurde von sueddeutsche.de und politik-digital.de<br />
unterstützt.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
Es gibt keinen direkten Schutz vor den Flutwellen.<br />
Effektive Frühwarnsysteme sind im Falle eines Tsunamis die<br />
einzige Möglichkeit, Menschenleben zu schützen. Am Donnerstag,<br />
den 25. August, wurden die ersten Mess-Bojen des neuen deutsch-indonesischen<br />
Tsunami Early Warning System (TEWS) von Bundesministerin Edelgard<br />
Bulmahn und ihrem indonesischen Amtskollegen Kusmayanto in Hamburg<br />
präsentiert. Das System kommt ab Oktober 2005 in der geologisch<br />
kritischsten Zone des Indischen Ozeans zum Einsatz – dem Sunda-Bogen.<br />
Dr. Lauterjung ist Forscher am GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam.<br />
Das Zentrum ist maßgeblich an der Konzeption und am Aufbau<br />
des Tsunami-Frühwarnsystems für Indonesien beteiligt.
</p>
<p>
Hier sehen Sie das Transkript des Live-Chats:
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hallo und herzlich Willkommen beim<br />
Live-Chat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung<br />
(BMBF) zum Thema &quot;Tsunami-Frühwarnsystem&quot;. Unser<br />
heutiger Gast ist Dr. Jörn Lauterjung, Forscher am GeoForschungsZentrum<br />
(GFZ) in Potsdam. Das Zentrum ist maßgeblich am Aufbau eines<br />
Frühwarnsystems für den Indischen Ozean beteiligt. Wir<br />
haben in den folgenden 60 Minuten Zeit, Herrn Lauterjung zu befragen.<br />
Die Moderatoren nehmen jetzt Ihre Fragen entgegen! Herr Lauterjung,<br />
sind Sie bereit für diesen Live-Chat?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, natürlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gestern wurden im Hamburger Hafen unter<br />
Beisein von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und ihres<br />
indonesischen Amtskollegen Kusmayanto die ersten Komponenten eines<br />
neuen Frühwarnsystems übergeben. Das Projekt unter dem<br />
Namen &quot;Tsunami Early Warning System&quot;, kurz &quot;TEWS&quot;,<br />
basiert unter anderem auf einer besseren Mess-Infrastruktur. Die<br />
ersten neuen Mess-Bojen sind nun zur Verschiffung bereit gemacht<br />
worden. Herr Lauterjung, in welcher Weise hilft das GeoForschungsZentrum<br />
(GFZ) in Potsdam an der Einrichtung dieses Systems?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Zum einen koordinieren wir<br />
das gesamte Projekt. Das TEWS besteht aus mehreren Komponenten.<br />
Einmal aus einem landgestützten Seismometernetz zur Erkennung<br />
von Erdbeben und aus ozeanographischen Instrumenten zur Erkennung<br />
einer Tsunamiwelle im Ozean. Die Messbojen sind ein wesentlicher<br />
Teil der Ozeaninstrumentierung und wurden am GFZ Potsdam entwickelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit einer verbesserten Messtechnik<br />
alleine ist es vermutlich nicht getan. Die Bundesregierung hat rund<br />
45 Millionen Euro für ein besseres Vorwarnsystem bereitgestellt.<br />
Wofür soll der Etat ausgegeben werden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Der Etat wird zunächst<br />
ausgegeben für die Instrumentierung, den Aufbau eines Frühwarnzentrums<br />
in Jakarta und für Maßnahmen, die wir mit Capacity Building<br />
bezeichnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und hier die erste Frage des Nutzers<br />
Jochen S.:
</p>
<p>
<b>Jochen S.:</b> Wiegt ein solches System die Menschen<br />
nicht in trügerischer Sicherheit? Ist nicht denkbar, dass ein<br />
Tsunami entsteht, der nicht durch das System erfasst werden kann?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das System ist nicht ausgelegt,<br />
die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Die Frage ist vielmehr eine<br />
andere. Die Katastrophe am 26. Dezember hat gezeigt, dass die Region<br />
um den Indischen Ozean überhaupt nicht auf eine solche Katastrophe<br />
vorbereitet war. Ein Frühwarnsystem, wie es jetzt aufgebaut<br />
wird, ist ein Teil einer Gesamtmaßnahme. Damit soll den Menschen<br />
bewusst gemacht werden, dass sie in einer geologisch gefährdeten<br />
Region leben und dass es Möglichkeiten gibt, sich darauf vorzubereiten.<br />
Das Frühwarnsystem selbst ist ein Teil dieser Gesamtmaßnahme,<br />
die im Wesentlichen zum Ziel hat, in der Region katastrophenvorbeugende<br />
Maßnahmen zu initiieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine Nachfrage zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Fisch:</b> Ist ein Warnsystem vor Ort, das die Menschen<br />
auf die Gefahr hinweist, ohne eine Panik auszulösen, nicht<br />
mindestens ebenso wichtig wie eine ausgeklügelte Infrastruktur,<br />
die den Tsunami früh anzeigt?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Beides ist gleich wichtig<br />
und soll im Laufe der nächsten Jahre erreicht werden.
</p>
<p>
<b>ertert:</b> Macht es Sinn, Warnungen per SMS oder<br />
Ähnlichem an die Gefährdeten zu übermitteln?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, das macht Sinn. Es werden<br />
im Moment verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie Warnmeldungen<br />
verbreitet werden sollen. Wir nennen das „Das Problem der<br />
letzten Meile“. Hier werden neben SMS auch Möglichkeiten<br />
der Verbreitung über Radio, Fernsehen und die gute alte Sirene<br />
oder auch die Nutzung von Lautsprechern in Moscheen diskutiert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum System selbst. Hierzu<br />
sind bereits einige Fragen eingegangen, die nach der genauen Funktionsweise<br />
und den Vorteilen des neuen Systems fragen:
</p>
<p>
<b>waldschrat:</b> Guten Tag Herr Lauterjung, es gibt<br />
ja bereits ein Frühwarnsystem im Pazifik. Warum wurde dieses<br />
existierende Modell nicht für den Indischen Ozean übernommen?<br />
Weil es von Japanern und Amerikanern stammt? Was sind die Vorteile<br />
des neuen Modells?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das Frühwarnsystem<br />
im Pazifik gibt es seit 30 Jahren und die Erfahrungen daraus fließen<br />
natürlich in das neue System ein. Trotzdem bietet das deutsche<br />
System eine Reihe von technischen Weiterentwicklungen gegenüber<br />
dem vorhandenen System im Pazifik.
</p>
<p>
<b>Klaus D.:</b> Das Warnsystem im Pazifik kann wohl<br />
etwa jeden fünften Tsunami registrieren und die betroffenen<br />
Gebiete warnen. Wie hoch wird die Quote beim TEWS sein?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Durch den Einsatz verschiedener<br />
Instrumente und einer Kombination dieser unabhängigen Messmethoden<br />
streben wir eine Fehlalarmquote von unter 20 Prozent an.
</p>
<p>
<b>ertert:</b> Welche Rolle spielt das Internet bei dem<br />
neuen Warnsystem?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Die Nutzung des Internets<br />
hängt stark von den vorhandenen Kommunikationsinfrastrukturen<br />
ab. Diese sind in Indonesien nicht mit Europa zu vergleichen. Trotzdem<br />
wird das Internet, wo vorhanden, zur Verteilung von Warnmeldungen<br />
eingesetzt.
</p>
<p>
<b>Werner:</b> Wie genau funktioniert das neue System<br />
überhaupt? Worin liegt der Unterschied zu bisherigen Systemen?<br />
Es gab doch eine Warnung der Amerikaner im Internet, die allerdings<br />
nicht registriert wurde. Wie sieht das amerikanische System aus?<br />
Warum wurde es nicht registriert?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Im Prinzip funktionieren<br />
alle Warnsysteme nach dem gleichen Grundsatz. Am Anfang steht die<br />
schnelle Lokalisierung eines Seebebens, das ein Tsunami auslösen<br />
könnte. Danach folgt die Messung ozeanographischer Parameter,<br />
um den Tsunami tatsächlich zu messen. Nach dieser Verifikation<br />
sprechen die Systeme dann eine Warnmeldung aus. D. h. das System<br />
besteht erst einmal aus einem dichten Seismometernetz zur schnellen<br />
Messung der Erdbeben. In Indonesien sollen 25 Stationen aufgebaut<br />
werden. Im Bereich der Ozeanographie sollen in den nächsten<br />
drei Jahren zehn Bojensysteme mit Ozeanbodendruckmessgeräten<br />
sowie 25 Küstenpegelstationen aufgebaut werden. Basierend auf<br />
den online übertragenen Daten dieser Instrumente wird eine<br />
Tsunami-Simulation berechnet, die die Grundlage für eine detaillierte<br />
Warnmeldung sein soll. Diese Warnmeldung soll die erwartete Wellenhöhe<br />
sowie den erwarteten Zeitpunkt des Eintreffens umfassen.
</p>
<p>
<b>Dörte:</b> Wie kann das Warnsystem einen Tsunami<br />
von einer &#8216;normalen&#8217; Flutwelle unterscheiden? Wie wird einer Verwechslung<br />
vorgebeugt?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Durch den Einsatz verschiedener<br />
Messverfahren an Land und im Wasser können Tsunamis von normalen<br />
Tiden, Sturmwellen oder sogar vom Durchzug einer Tiefdruckfront<br />
unterschieden werden. Erst die Kombination eines gemessenen Erdbebens<br />
und eines Wellenereignisses führt zu einer Warnmeldung.Moderator:<br />
Da schließt sich logisch folgende Frage an:
</p>
<p>
<b>PlanetErde:</b> Kann das System bzw. sein Zustandekommen<br />
eine Vorbildfunktion auch für die Entwicklung von Warnsystemen<br />
gegen andere Naturkatastrophen (z. B. Orkane) übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, das ist vorgesehen.<br />
Das Warnsystem besteht nicht nur aus speziellen Instrumenten, sondern<br />
umfasst eine komplette Warnkette. Wir planen, das System so auszulegen,<br />
dass auch andere Sensornetzwerke oder Messinstrumente integriert<br />
werden können, so dass die Warnkette auch für andere Naturkatastrophen<br />
genutzt werden kann, z. B. für Vulkanausbrüche, Landrutschungen,<br />
Sturmfluten, Waldbrände oder auch menschengemachte Katastrophen.
</p>
<p>
<b>Dörte:</b> Wie werden die Bojen vor Ort eigentlich<br />
in Stand gehalten?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das deutsch-indonesische<br />
Projekt ist für fünf Jahre angelegt. Während dieser<br />
Zeit wird die Wartung sichergestellt. Wie ein zukünftiges Betreibermodell<br />
aussehen soll, befindet sich zurzeit in Diskussion.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu einem anderen Thema.<br />
Tsunamis und Frühwarnsysteme sind nicht nur auf nationaler<br />
Ebene zu betrachten.
</p>
<p>
<b>Gabi Fürll:</b> Wer betreut den Aufbau des Systems<br />
vor Ort? Werden lokale Wissenschaftler eingebunden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das Frühwarnsystem<br />
soll im ersten Schritt in Indonesien aufgebaut werden. Wir haben<br />
dazu die lokalen Partnerorganisationen, die auch in Zukunft den<br />
Betrieb sicherstellen sollen, eingebunden. Wir beginnen bereits<br />
jetzt mit der Ausbildung indonesischer Wissenschaftler und Ingenieure<br />
hier in Deutschland. Diese Maßnahme ist Teil des Capacity<br />
Buildings und kann vielleicht unter den Begriff Training on the<br />
Job laufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie ich gelesen habe, bieten Sie solche<br />
Kurse schon an?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Wir bieten seit über<br />
20 Jahren unter der Schirmherrschaft der UNESCO Trainingskurse für<br />
Seismologie und seismische Gefährdungseinschätzung an.<br />
Der diesjährige Trainingskurs, der Montag in Potsdam beginnen<br />
wird, schließt bereits die Tsunami-Thematik mit ein. Insgesamt<br />
sind sieben Teilnehmer aus Indonesien an dem Kurs beteiligt.
</p>
<p>
<b>Muhs:</b> Wie sind Ihre Erfahrungen bezüglich<br />
der Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Indonesien?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Deutschland hat seit über<br />
30 Jahren eine sehr gute wissenschaftlich-technische Kooperation<br />
mit Indonesien. Wir selber haben in den letzten zehn Jahren eine<br />
ganze Reihe von großen Projekten, u. a. den Aufbau eines Vulkanfrühwarnsystems<br />
auf dem Vulkan Merapi auf Java, erfolgreich durchgeführt.
</p>
<p>
<b>Löschzug:</b> Wie wichtig ist die internationale<br />
Kooperation zur Verhinderung von Tsunami-Katastrophen? Sollte man<br />
allgemein den weltweiten Katastrophenschutz nicht durch eine Aufwertung<br />
im Rahmen der UN verbessern?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Internationale Kooperation<br />
ist für den Erfolg unerlässlich. Deswegen hat die UN bereits<br />
Ende Januar 2005 die UNESCO damit beauftragt, die internationale<br />
Koordination für alle Frühwarnaktivitäten zu übernehmen.<br />
Auf vier bislang stattgefundenen Konferenzen wurden bereits konkrete<br />
Maßnahmen und Absprachen auf internationaler Ebene getroffen,<br />
um den Austausch von Daten und Warnmeldungen im Zusammenhang mit<br />
Naturkatastrophen zu organisieren. Dabei wird das Frühwarnsystem<br />
im indischen Ozean als Modellsystem herangezogen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch eine Bitte um Einschätzung<br />
der Möglichkeiten der internationalen Gemeinschaft:
</p>
<p>
<b>dk23:</b> Sollte es nicht einen Weltfond für<br />
die Errichtung solcher Systeme gerade in finanzschwachen Regionen<br />
geben?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Überlegungen zu solch<br />
einem Weltfond gibt es bereits. Es wurde ein sogenannter Multidonor<br />
Trust Fund eingerichtet. Die EU hat dafür 200 Millionen Euro<br />
bereit gestellt. Wichtiger als die Bereitstellung von Mitteln für<br />
die Installation ist allerdings die langfristige Bereitstellung<br />
von Mitteln für den Betrieb solcher Systeme.
</p>
<p>
<b>Ludger:</b> Herr Lauterjung, wie hoch waren die Kosten<br />
für die Entwicklung des Frühwarnsystems?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Die Bundesregierung hat<br />
Anfang 2005 einen Fluthilfetopf in Höhe von 500 Millionen Euro<br />
bereitgestellt. Aus diesem Geld wurden 45 Mio. Euro für das<br />
Tsunami Frühwarnsystem zur Verfügung gestellt. Das Projekt<br />
soll über einen Zeitraum von 5 Jahren laufen, wobei die technische<br />
Installation Anfang 2008 abgeschlossen sein soll.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur internationalen Koordination<br />
der Systeme:
</p>
<p>
<b>Gabi Fürll:</b> Grüße Sie Herr Lauterjung,<br />
wenn es mehrere Frühwarnsysteme im Pazifik gibt, wie werden<br />
die eigentlich koordiniert – stimmen die verschiedenen Länder<br />
sich ab?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung: </b>Die Frühwarnsysteme<br />
im Pazifik wurden vor 30 Jahren bereits auf Anregung der UNESCO<br />
ins Leben gerufen und werden seitdem von der UNESCO international<br />
eingebunden. Die internationale Abstimmung erfolgt also über<br />
die UNESCO, die auch in Zukunft die Koordinierung aller Frühwarnsysteme,<br />
die geplant sind, übernehmen soll.
</p>
<p>
<b>Muhs:</b> Welche umweltschutzpolitischen Maßnahmen<br />
müssten Ihrer Meinung nach von der Politik getroffen werden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Grundsätzlich ist die<br />
Gefährdung durch solche Tsunamis wie im Dezember letzten Jahres<br />
nicht zu verhindern. Was wir im indischen Ozean gelernt haben, ist,<br />
dass der Abbau von Korallenriffen z. B. vor Sri Lanka oder das Fehlen<br />
von Mangrovenwäldern in Indonesien zu einer höheren Verletzlichkeit<br />
der Gesellschaft und der Infrastrukturen geführt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einige Fragen adressieren auch ganz<br />
allgemein das Thema Tsunami. Hier die erste Frage zu diesem Thema:
</p>
<p>
<b>dk23:</b> Die Anzahl der Naturkatastrophen häuft<br />
sich bedrohlich – bekommen wir jetzt die Quittung für<br />
unser Verhalten und unseren Umgang mit der Natur oder wäre<br />
es ohnehin so gekommen?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Die Anzahl der Naturkatastrophen<br />
häuft sich statistisch gesehen nicht. Was in den letzten Jahren<br />
deutlich angestiegen ist, ist die Gefährdung menschlicher Siedlungsräume<br />
und Infrastrukturen durch die zunehmende Nutzung der durch Naturgefahren<br />
bedrohten Regionen.
</p>
<p>
<b>Brucki:</b> Ist eine Tsunamie-Katastrophe auch in<br />
Europa denkbar?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, nicht nur denkbar, sondern<br />
in der Vergangenheit auch passiert. In diesem Jahr jährt sich<br />
zum 250. Mal das große Erdbeben vor Lissabon, das einen hohen<br />
Tsunami ausgelöst hat und Lissabon vollständig zerstört<br />
hat. Wir wissen aus der jüngeren Vergangenheit, dass es im<br />
Mittelmeerraum immer wieder zu kleineren lokalen Tsunamis durch<br />
so genannte Hangrutschungen im Mittelmeer gekommen ist. Das ist<br />
auch der Grund, warum die EU erst die Idee diskutiert hat, ein Tsunami-Frühwarnsystem<br />
für den Mittelmeerraum zu installieren.
</p>
<p>
<b>Nick:</b> Besteht die Möglichkeit, dass auch<br />
deutsche Küsten von einem Tsunami überflutet werden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das ist sehr unwahrscheinlich.<br />
Der norddeutsche Raum liegt in einer seismisch sehr ruhigen Zone.<br />
Außerdem ist die Nordsee ein relativ flaches Meer, in dem<br />
nicht mit Hangrutschungen zu rechnen ist. Allerdings hat es vor<br />
etwa 10.000 Jahren an der Westküste von Norwegen einen großen<br />
Hangrutsch gegeben, der zu einem Tsunami geführt hat. Dieser<br />
hat die Ostküste von England und Schottland heimgesucht. Mir<br />
ist nicht bekannt, dass durch diesen Tsunami auch die Nordseeküste<br />
Deutschlands betroffen war.
</p>
<p>
<b>Franz-Joseph:</b> Für wie wahrscheinlich halten<br />
Sie Vermutungen, dass Mythen wie die Sintflut auf Tsunami-Katastrophen<br />
in der fernen Vergangenheit zurückzuführen sind?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ganz auszuschließen<br />
ist eine solche Hypothese nicht. Ich würde sie für sehr<br />
unwahrscheinlich halten, weil die Überlieferungen der Bibel<br />
im Wesentlichen im östlichen Mittelmeerraum entstanden sind<br />
und dort solche verheerenden Tsunamis nicht festgestellt wurden.<br />
Der Mythos der Sintflut wurde in den letzten Jahren mit anderen<br />
Naturphänomenen, wie z. B. der Öffnung des Bosporus erklärt.
</p>
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<b>Moderator:</b> Wir kommen bereits zur letzten Frage:
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<b>Kabeljau:</b> Herr Dr. Lauterjung: Wie wird man eigentlich<br />
zu einem Tsunami-Experten?
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<b>Jörn Lauterjung:</b> Sicherlich durch die intensive<br />
Beschäftigung mit dem Thema seit Anfang des Jahres. Das GFZ<br />
Potsdam hatte gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen das<br />
Konzept des Frühwarnsystems entwickelt, das dann schließlich<br />
von der Bundesregierung akzeptiert wurde. Seit dieser Zeit bin ich<br />
Koordinator dieses Projektes und daher auch die intensive Beschäftigung<br />
mit dem Thema.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren, liebe<br />
Chatter und Chatterinnen. Sehr geehrter Herr Dr. Lauterjung! Herzlichen<br />
Dank für Ihre Teilnahme an dem Chat des Bundesministeriums<br />
für Bildung und Forschung. Leider konnten in der kurzen Stunde<br />
nicht alle eingehenden Fragen beantwortet werden. Das Transkript<br />
dieses Chats sowie weitere Informationen zum Thema Tsunami-Frühwarnsystem<br />
finden Sie auf der Website des Ministeriums unter der Adresse www.bmbf.de.<br />
Wir wünschen allen Beteiligten einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Informationen zum Tsunami<br />
gibt’s natürlich auch auf unserer Homepage unter <a href="http://www.gfz-potsdam.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gfz-potsdam.de</a>.<br />
Dort finden sich bereits auf der ersten Seite die entsprechenden<br />
Links.</p>
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