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	<title>Neoliberalismus &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Neoliberalismus &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Rahmenbedingungen des geglückten Lebens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:45:39 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Johano Strasser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><b>Rahmenbedingungen des geglückten Lebens</b><b>Lesbare Kritik an der Globalsierung und an der dahinterstehenden Ideologie des Neoliberalismus: es gibt sie tatsächlich!</b></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rahmenbedingungen des geglückten Lebens</strong><strong>Lesbare Kritik an der Globalsierung und an der dahinterstehenden Ideologie des Neoliberalismus: es gibt sie tatsächlich!</strong><br />
<img decoding="async" src="/buchbesprechungen/buecher/images/strasserbuch.jpg" alt="Leben oder Überleben" width="85" height="140" align="left" />Noch ein Buch über die Globalisierung? Gewiß! Aber eines, das ansetzt bei dem ganz alltäglichen Unbehagen vieler, die zwar im Wohlstand leben, aber doch in Arbeit und Freizeit zu wenig Glück und Zufriedenheit erfahren. Als Grund für dieses Unbehagen sieht <a href="/buchbesprechungen/buecher/autorjstrasser.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Johano Strasser</a>, anders als eine überbordende Ratgeberliteratur es nahelegt, nicht individuelles Versagen, sondern kollektive Verirrungen und Fehlsteuerungen, die durch die neoliberale Ideologie bedingt seien.<br />
<strong>Neoliberale Ideologie</strong><br />
Deren Inhalte sind bekannt: immer mehr Bereiche der Gesellschaft sollen marktförmig organisiert werden, der Mensch soll sein Leben marktkonform organisieren. Das verkürzte und verengte Menschenbild des homo oeconomicus, des egoistischen Nutzenkalkulierers ist das ideologische Element des Neoliberalismus, das zur Natur des Menschen und zum Ziel historischer Entwicklung erhoben wird. Zur Krise der Arbeitsgesellschaft bemerkt er, dass in Zukunft von den drei Gratifikationen der Arbeit nicht mehr Geld und soziale Anerkennung, sondern die persönliche Befriedigung immer wichtiger werden wird. In seiner Sorge um das individuelle Glück des Menschen kommt Strasser schnell bei der Politik an: die Krise des Politischen hat ihre Ursache in der Logik sogenannter Sachzwänge, der sich etablierte Politiker ideenlos unterwerfen, so dass die Unterschiede zwischen rechts und links immer geringer werden. Wie er überzeugend darlegt, kann es eine Demokratie ohne Politik, d.h. ohne konkurrierende Modelle gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht geben. Demokratie nur in der Wahl zwischen Personen zu sehen, ähnlich der Auswahl zwischen zwei Produkten im Laden, erzeugt eine Gefahr für die Demokratie selbst. Die Eliten wollen nämlich die Politik am liebsten in abgehobenen Gremien fernab demokratischer Kontrolle machen.<br />
<strong>Gefahren und Chancen </strong><br />
Eine Hälfte des Buches untersucht die Gefahren des Totalitarismus der Ökonomie, eines technischen Fortschritts ohne menschliches Gesicht und einer Aushöhlung der Demokratie. Die andere Hälfte aber zeigt Chancen und Wege auf, wie durch günstige gesellschaftliche Rahmenbedingungen Glück und sozialer Zusammenhalt gefördert werden können. Stichworte hierbei sind: Arbeit und Muße, bürgerschaftliches Engagement, Bildung ohne ökonomische Blickverengung, Erhaltung öffentlicher Räume und des Sozialstaates, Respekt menschlicher Rhythmen.<br />
<strong>Lob der Form</strong><br />
Vieles von dem Gesagten kann man auch anderswo lesen, aber nirgendwo in so konzentrierter und lesbarer Form. Fernab von akademischem Stil oder Polemik zeichnet Strasser ein klares Bild von der gesellschaftlichen Lage. Rezensenten loben Strassers Mut zur Utopie und Optimismus. Solches Lob zeigt, wie tief die Hoffnung vieler schon gesunken ist, denn er ist ein Realist, der Gefahren und Hoffnungen gleichermaßen bedenkt &#8211; und ein gut informierter, gut lesbarer Autor mit ausgewogenem Urteil und humanistischem Antrieb. Einfach lesenswert!<br />
Johano Strasser: Leben oder Überleben. Wider die Zurichtung des Menschen zu einem Element des Marktes. Zürich (Pendo) 2001.<br />
&nbsp;</p>
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		<title>Arbeit und menschliche Würde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Oskar Negt]]></category>
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		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenwürde]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><b>Arbeit und menschliche Würde</b></p><p><b>Eine Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung</b></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arbeit und menschliche Würde</strong><br />
<strong>Eine Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung</strong><br />
Bei den meisten Menschen in Deutschland dürfte ein eher flaues Gefühl aufkommen, wenn von Globalisierung die Rede ist. Und das, obwohl sich die Befürchtungen, die sich mit der Debatte um den &#8220;Standort Deutschland&#8221; verbanden, nicht bewahrheitet haben: Deutschland ist weiterhin ein Hauptexportland. Im Welthandel sind es die ohnehin schon ärmsten Länder, die weiter an Boden verloren haben. Die Globalisierung hat also das Auseinanderdriften von Arm und Reich gefördert. Und doch sind die Sorgen der erfolgreichen und reichen Deutschen begründet, sagt uns Negt, der die Globalisierung nur für ein neues Gewand des alten Kapitalismus hält, welcher seit dem Ende des &#8220;realen Sozialismus&#8221; nicht nur in alle Erdteile ausgreift, sondern der auch bei uns auf eine nur marktförmig strukturierte Wirtschaft und Gesellschaft drängt.<br />
Negt unternimmt die philosophisch begründete Analyse und Kritik des reifen Kapitalismus und seiner Globalisierung. Dabei greift er vor allem auf Kant und Marx, aber auch auf Max Weber, Hegel, Adorno, Foucault und Aristoteles zurück. Er unterscheidet &#8211; in der Tradition Karl Mannheims &#8211; Ideologie von Utopie. Globalisierung und Neoliberalismus sind für Negt eine Ideologie, weil sie die wahren Machtverhältnisse verschleiern und das Aktivwerden Betroffener bzw. Benachteiligter verhindern. Andere haben deswegen den Neoliberalismus hingegen als &#8220;Utopie&#8221; bezeichnet (Pierre Bourdieu). Doch Negt sieht sich wohl in der Tradition der Renaissanceutopisten Campanella, Morus und Bacon, die er anerkennend würdigt, nicht zuletzt, weil diese den Rückgang des Volumens fremdbestimmter Arbeit postuliert haben. Die Utopie ist ein Bild, das transformierend auf die Gesellschaft einwirkt.<br />
Die Welt des ungezügelten Kapitalismus ist geprägt durch eine weiter wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern und auch zwischen den Schichten innerhalb der Länder, eine Kluft, die Gewalt und Konflikte begünstigt. Betriebswirtschaftliches Denken allein ist für die von Negt eingeforderte gesamtgesellschaftliche &#8220;Ökonomie des ganzen Hauses&#8221; untauglich. Die Arbeitslosigkeit, die Deutschland in der 90er Jahren pro Jahr 180 Milliarden DM (und damit mehr als der Aufbau der Neuen Bundesländer) gekostet hat, ist für ihn ein Akt der Barbarei:<br />
&#8220;Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt. Sie ist ein Anschlag auf die körperliche und die seelisch-geistige Integrität, auf die Unversehrtheit der davon betroffenen Menschen. Sie ist Raub und Enteignung der Fähigkeiten, &#8230; in Gefahr sind zu verrotten und schwere Persönlichkeitsstörungen hervorzurufen.&#8221;<br />
In unserer Gesellschaft sieht Negt eine Aufspaltung in zwei Realitäten: zum einen die Realität derer, die gesicherte und auskömmliche Arbeit haben, zum anderen diejenigen,die aus dieser Welt ausgeschlossen sind. Diese zweite Realität, ist laut Negt für die in der ersten Realität Befindlichen kaum nachvollziehbar.<br />
Warum aber wird nicht statt der Arbeitslosigkeit nützliche Arbeit finanziert? Weil Arbeitslosigkeit und Armut in ihren sozialpsychologischen Folgen zentrale Faktoren der Systemstabilisierung seien! An pragmatische Lösungen für das Problem der Arbeitslosigkeit glaubt Negt nicht. Die Bewältigung dieses Krisenherdes sei nicht anders zu leisten als durch schwerwiegende Eingriffe in die bestehenden Macht- und Wirtschaftsstrukturen. Nötig sei ein Paradigmenwechsel hin zu den Bedürfnis- und Interessenstrukturen lebendiger Menschen als Ausgangspunkt der Betrachtung und der Veränderung.<br />
Als Träger des Widerstandes sieht Negt vor allem die Gewerkschaften, deren gesamtgesellschaftliche Verantwortung &#8211; man könnte sagen: deren Utopiefähigkeit &#8211; er beschwört. Als Kernforderung zur Umgestaltung der Gesellschaft sieht Negt die Verkürzung der Arbeitszeit an. Zeitnot halte überholte Herrschaftsstrukturen aufrecht. Denn Bildungsprozesse, die Voraussetzung für Mündigkeit und selbstgesteuerte gesellschaftlich-politische Aktivität sind, bedürfen der Zeit. Die durch Arbeitszeitverkürzung Entlasteten würden dadurch von Gefangenen einer gesellschaftlichen Maschinerie zu &#8220;assoziierten und kooperativen Produzenten, &#8230; die den überwiegenden Teil ihrer Sozialphantasie und ihrer Arbeitsenergie auf politische Gemeinwesenarbeit konzentrieren.&#8221; Allerdings übersieht Negt nicht die Fallen einer vergrößerten Freizeit: durch ein erhöhtes Konsum- und Unterhaltungsangebot drohe sich die für Bildung und menschliche Beziehungen gewonnene Zeit wieder der Taktvorgabe technischer Apparate und ihrer Inhalte zu unterwerfen.<br />
Die Begrenzung und Steuerung der Technik ist ein weiteres Anliegen Negts, ebenso wie die Kritik an seinen Soziologenkollegen Ulrich Beck und Anthony Giddens, denen er zu geringe Abgrenzung zum Neoliberalismus und damit Ausbeutbarkeit ihrer Konzepte (Risikogesellschaft, Individualisierung) vorwirft. Bemerkenswerte psychologische Einsichten gelingen Negt bei seiner Analyse der seelischen Lage Langzeitarbeitsloser und bei seiner Nachzeichnung der psychischen Mechanismen der deutschen Einheit.<br />
Negts Buch ist von einem tiefen humanistischen Antrieb und Sorge um die Menschenrechte aller geprägt. Es könnte auch betitelt sein : &#8220;Die geistige Situation der Zeit&#8221;, denn es kommt dem Wunsch nach Orientierung entgegen. Die Berichte vom Weltsozialgipfel in Porto Alegre zeigen uns, dass diese Zeit zu Ende geht. Immer mehr Menschen sagen: &#8220;There must be an alternative &#8211; Eine andere Welt ist möglich!&#8221; Gewiß fehlt noch der Konflikt, in dem eine neue Bewegung auch in Deutschland einen ersten Sieg gegen die Neoliberalen erzielen könnte. Aber der kann schnell kommen, etwa beim Versuch, das Gesundheitssystem in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu verwandeln.<br />
Eigentlich paßt Negts Buch perfekt in die Zeit, aber seine Länge macht es für arbeitende Menschen schwer verdaulich. Wer andere Kritiker des Neoliberalismus (wie Bourdieu oder André Gorz) oder Ethiker (Hans Jonas) gelesen hat, wird zudem finden, dass Negts Buch nicht viel Neues enthält. Seine konkreten sozialpolitischen Forderungen &#8211; Arbeitszeitverkürzung und eine verbesserten Grundsicherung &#8211; liegen schon länger auf dem Tisch. Es handelt sich um bekannte, aber wichtige und hochaktuelle politische Gedanken in akademisch ausgearbeiteter Form.<br />
Arbeit und menschliche Würde, von Oskar Negt, Göttingen (Steidl) 2002, 2. Aufl.</p>
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		<title>Die digitale Wirtschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rbarbrook]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jan 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Dr. Richard Barbrook lehrt an der 
                      Westminster University in London Hypermedia Studies und ist dort Leiter des 
                      Hypermedia Research Centres. Der Autor der Medienbuch-Klassiker 'Media Freedom' und 'The Californian Ideology' ist einer der führenden Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystem aus linkspolitischer Sicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dr. Richard Barbrook lehrt an der<br />
                      <a href="http://www.wmin.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Westminster University</a> in London Hypermedia Studies und ist dort Leiter des<br />
                      <a href="http://www.hrc.wmin.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hypermedia Research Centres</a>. Der Autor der Medienbuch-Klassiker &#8216;Media Freedom&#8217; und &#8216;The Californian Ideology&#8217; ist einer der führenden Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystem aus linkspolitischer Sicht.<!--break-->
                    </p>
<p>Das Netz ist die Technikikone unseres Zeitalters.<br />
                    <em><br />
                      <a href="http://www.wired.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wired</a><br />
                    </em>, das aus Kalifornien stammende Computermagazin, prophezeit eine Form der Markwirtschaft, wie man sie sonst nur aus neo-klassischen Wirtschaftslehrbüchern kennt. Mit seinen Behauptungen hat das e-Zine globalen Bekanntheitsgrad erworben. Jeder wird in der Lage sein, im Cyberspace ohne Einschränkungen zu kaufen und zu verkaufen. Die Nationalstaaten werden den elektronischen Kommerz nicht mehr kontrollieren können, da er sich ohne Hindernisse über die Ländergrenzen hinwegsetzen kann. Das Netz wird für die ganze Welt den amerikanischen Traum vom großen Geld wahr werden lassen. Diese neoliberale Fantasie aus dem kalifornischen Hi-Tech-Paradies hat mystische Dimensionen angenommen. Durch Freigabe der angeblich natürlichen Gesetze immanent im unregulierten Kapitalismus werden die neuen Informationstechnologien zur Geburt einer neuen Rasse von &#8220;post-humans&#8221; (Post-Menschen) führen: Cyborg-Kapitalisten als Befreier vom einengenden Fleisch. Wie viktorianische Fabrikbesitzer glauben die Hi-Tech-Neoliberalen, dass ihr Selbstinteresse den Gipfel der Darwinistischen Evolution darstellt.</p>
<p>Die kalifornische Ideologie ist die Fantasie der &#8216;virtuellen Klasse&#8217;: Der Westküstenunternehmer und -pioniere, die darauf hoffen, ihren Reichtum aus dem Netz zu gewinnen. Natürlich sind auch die Europäer nicht immun gegen den Einfluss des kalifornischen Traums. Seit dem Untergang des Stalinismus haben viele Intellektuelle eine postmoderne, nihilistische Haltung angenommen, die zum Neoliberalismus keine Alternative bietet. Einige Linke gaben sich gar der masochistischen Freude hin, alle Formen technologischer Innovation als Triumph kapitalistischer Herrschaft zu erklären. Diesen Pessimisten zufolge ist das Anliegen der Arbeiterklasse im Cyberspace verloren gegangen. Jedoch ist der Hi-Tech-Neoliberalismus, der von der kalifornischen Ideologie verfochten wird, selbst ein Versuch, die Prometheusche Macht menschlicher Kreativität zu kontrollieren. Die breitere Verfügbarkeit von Kapital und Material hat, seit Verbesserung der globalen Kommunikation, und allein auf die monopolistische Kontrolle des Wohlstands basierend, die sozialen Kräfte unterlaufen. Vor allem macht die ständige technologische Innovation den Erfolg auf dem Markt zunehmend von den Fähigkeiten und dem Enthusiasmus der Arbeitnehmer abhängig. In der digitalen Wirtschaft ist somit nichts wertvoller als menschliche Genialität.</p>
<p>Vor über zweihundert Jahren waren die Langeweile und Disziplin des Fabrik-Systems als einzige Methode des materiellen Wachstums akzeptiert. Schließlich lebten Arbeiter unter dem Fordismus weitaus besser, als die aristokratische Schicht im Mittelalter. Als aber die Konsumgesellschaft keine Neuigkeit mehr war, fingen viele Menschen an, nach etwas zu suchen, das über das Geld hinaus ging. So fordern Arbeiternehmer seit den 60ern mehr Autonomie im Beruf und mehr Freiheit im Privatleben. Auch die Neoliberalisten haben dem traditionellen Konservatismus den Rücken gekehrt und nutzen Kommerzialisierung und Privatisierung, um jenen Aspirationen wieder Leben einzuhauchen. Zum Beispiel werden den talentierten Arbeitnehmern der Hi-Tech-Industrie Versprechen gemacht, dass auch sie die Möglichkeit haben, ihre eigene Firma zu gründen und die Unabhängigkeit, die mit dem Reichtum kommt, genießen zu können.</p>
<p>Der Hi-Tech-Neoliberalismus ist jedoch ein falscher Traum für die meisten Menschen. In den USA sinkt der Durchschnittslohn seit zwanzig Jahren. In der EU ist die Massenarbeitslosigkeit zum permanenten Phänomen geworden. Selbst die wenigen Glückspilze der &#8220;virtuellen Klasse&#8221; können sich nicht komplett von den sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Spätkapitalismus abschotten, indem sie sich in ihren eingezäunten Vorstädten und ihrem verschlüsselten Cyberspace verstecken. Vor allem liefert die freie Marktwirtschaft keine Lösung zum Problem der Entfremdung vom Arbeitsplatz. Im Neoliberalismus drückt sich individuelle Autonomie nur noch durch Deals-Machen aus und nicht durch die Anfertigung nützlicher und schöner Artefakte. Die Geschichte von Computer und Hypermedia ist voller trauriger Episoden, in denen Ingeneure und Künstler ihre Kreativität an die Mühlen der Bürokratie geopfert haben. Anstelle der kalifornischen Ideologie brauchen wir heute ein fundierteres Verständnis vom Netz und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Denn anstatt technischer Ausdruck des Neoliberalismus zu sein, demonstriert die digitale Wirtschaft die Notwendigkeit der Schaffung einer neuen, auf das 21. Jahrhundert zugeschnittenen, sozialdemokratischen Ordnung.</p>
<p>Die Ursprünge des Internet selbst weisen auf die Märchenqualität der kalifornischen Ideologie hin. Weit davon entfernt, ein Produkt der freien Markwirtschaft zu sein, wurde das Internet als Teil eines riesigen Militärprogramms von amerikanischen Steuerzahlern finanziert, um der Bedrohung des sowjetischen Sputnik-Satelliten entgegenzutreten. Wie viele Erfindungen im Kalten Krieg hätte auch das Internet ein offizielles Geheimnis bleiben können. Als es aber an den Universitäten entwickelt wurde, eigneten sich die Akademiker und Studierenden die neue Technologie für ihre eigenen Zwecke an. Von Online-Diskussionsgruppen über elektronische Post &#8211; die beliebtesten Bestandteile des Netzes wurden von Enthusiasten entwickelt. Angezogen vom nicht-kommerziellen Ethos begannen andere, das Internet als eine neue Art von Gemeinschaftsmedium weiter auszubauen. Selbst heutzutage wird über die Hälfte des Materials im Internet von Amateuren bereitgestellt. Und obwohl die kommerziellen Unternehmer einen Großteil der Hardware entwickelt haben, waren sie die letzten, die das große Potential des Netzes erkannten. Der Grund dafür, dass Microsoft und andere Firmen Billionen von Dollars in das Netz investieren, liegt darin, dass sie aufholen und mithalten müssen mit der weitverbreiteten Nutzung des Netzes durch staatlich subventionierte Institutionen und der Do-it-yourself-Kultur (DIY-Kultur).</p>
<p>Das Netz ist nicht der Vorläufer eines globalisierten, unregulierten Marktplatzes. Im Gegenteil: Seine profane Geschichte veranschaulicht die Vermischung von staatlichen, kommerziellen und sozialen Interessen innerhalb der sich herausbildenden digitalen Wirtschaft. Jeder Bereich will eine Rolle spielen und keiner kann ohne den anderen existieren. Zum Beispiel ist staatliche Intervention notwendig, um den Bau eines Breitband-Netzwerkes sicherzustellen, das alle Haushalte und Geschäfte verbindet. Überließe man dies unregulierten Wirtschaftskräften, würde der universelle Zugang zu den neuen Informationsangeboten nur sehr langsam zustande kommen. Auch kann das kommerzielle Potential des Netzes nur dann voll realisiert werden, wenn ein faseroptisches System bevölkerungsumspannend aufgebaut wird. Wie auch im Falle früherer Dienstleistungen werden profitable Online-Geschäfte nur durch staatliche Regulierung &#8211; oder gar staatlichen Besitz der digitalen Infrastruktur &#8211; florieren.</p>
<p>Darüber hinaus ist auch die Weiterentwicklung der DIY-Kultur notwendig. Wie die Geschichte des Netzes demonstriert, haben Hacking, Piraterie, Shareware und Open-Source-Systeme geholfen, die Einschränkungen von staatlichen und kommerziellen Interessen zu überwinden. Ob nun aus politischen oder profitorientierten Gründen &#8211; große Institutionen versuchen immer noch, ihre Eigentumskontrollen auf den Cyberspace zu übertragen. Dabei ist eines der Hauptanziehungspunkte des Netzes für die Benutzer, dass sie nicht streng kontrolliert werden von irgendwelcher öffentlichen oder privaten Bürokratie. Schon jetzt kann ein Teil der Bevölkerung das Netz zur Information, Bildung und Freizeit außerhalb der Einflusssphäre von Staat und Wirtschaft nutzen. Sobald das Breitband-Netzwerk steht, wird jeder die Möglichkeit haben, bei der Hi-Tech-Geschenkwirtschaft (hi-tech gift economy) mitzumachen. Viele der derzeitigen Netzbesucher laden sich nicht nur einfach Produkte anderer herunter. Sie wollen sich auch selber ausdrücken, zum Beispiel durch eine Homepage oder per Online-Konferenz. Im Gegensatz zu den traditionellen Medien ist das Netz nicht eine Vorstellung des passiven Konsums, sondern eine partizipative Aktivität.</p>
<p>Ironischerweise ist die DIY-Kultur auch eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklung eines erfolgreichen kommerziellen Sektors im Netz. Indem die Hi-Tech-Geschenkwirtschaft den Menschen ermöglicht, sich die Grundlagen des Hypermedia-Handwerks anzueignen, trägt sie dazu bei, eine bewanderte und innovative digitale Arbeiterschaft hervorzubringen. Allerdings ist es sehr schwierig, das Managementsystem der traditionellen Fabrikhalle auf die neuen Arbeiter und Arbeitsweisen zu übertragen. Die rapide Verbreitung von PCs und nun dem Internet ist Ausdruck des Wunsches vieler Menschen, den kleinlichen Kontrollen des Geschäfts oder Büros zu entkommen. Trotz der Unsicherheit von Kurzzeitarbeitsverträgen wollen sie die Unabhängigkeit des Handwerkerberufs, die im Prozess der Industrialisierung verloren ging, wiedererlangen. Wegen der rasanten technologischen Innovation sind die Facharbeiter der Hypermedia- und Computerindustrie prädestiniert dafür, ihre Ansprüche auf Autonomie zu behaupten.</p>
<p>Während die Neoliberalen nur den Erfolg für Wenige versprechen können, bietet das Wiederaufleben von handwerklichen Methoden eine Arbeitsweise, die die meisten kreativen Arbeiter auch innerhalb des kommerziellen Sektors übernehmen können. Schon jetzt sind die digitalen Handwerker dabei, die kulturellen und technischen Grenzen der Hyper-Medien so weit wie möglich auszudehnen. Entscheidend ist dabei, dass ihre Artefakte im Netz leicht reproduziert und vertrieben werden können. Zum ersten Mal können Handwerker auch Vorteile aus der ‚Economy of Scale&#8217; ziehen, etwas, was bis jetzt immer nur den Fabrikbesitzern vorbehalten war. Die momentane Wiederbelebung des Handwerkertums ist daher weit davon entfernt, in seine low-tech Vergangenheit zurückzufallen; vielmehr steht es für die ‚cutting edge&#8217; in der Entwicklung des Postfordismus.</p>
<p>Die Evolution des Kapitalismus spiegelt sich im Prozess des technologischen Fortschritts wieder. Während klassischer Liberalismus von Kohle und Metall abhängig war, produzierte der Fordismus elektromagnetische, sowie chemische Technologien. Am Ende des 20. Jahrhunderts wird nun behauptet, dass das Netz ein neues wirtschaftliches Paradigma erzeugt. Den Nutzen dieser neuen innovativen Technologie kann man aber nur voll ausschöpfen, wenn man auch die Arbeitsweise umstellt. Der Fordismus war nicht nur von der Erfindung des Motors und anderen Massengütern abhängig. Vor allem die Methode der Fließbandarbeit in der Produktion war für die Entstehung dieser Form des Kapitalismus grundlegend. Sogar die kalifornischen Ideologen vertreten die Ansicht, dass die Expansion des Netzes von der Unterordnung oder der Anpassung der Arbeiter durch unregulierte Märkte abhängt. Trotz ihres offenkundigen technologischen Determinismus akzeptieren sie vorbehaltlos, dass die Organisation der Arbeiterschaft im Zentrum der digitalen Wirtschaft steht.</p>
<p>In der Praxis verhindert der Hi-Tech-Neoliberalismus jedoch die Entwicklung einer gedeihenden digitalen Wirtschaft. Zum Beispiel kann nur eine kleine Minderheit das Glück haben, zur virtuellen Klasse zu gehören. Das kreative Potential der meisten Macher von Hypermedien wird immer noch durch die Produktionsmethoden des Fordismus eingeschränkt sein. Das ist der Grund, weswegen wir uns nicht von den einfach gestrickten Slogans aus Kalifornien einschüchtern lassen sollten. Stattdessen müssen wir versuchen, die Komplexität der Mischwirtschaft, die dem Postfordismus entspringt, zu begreifen. Vor allem müssen wir erkennen, dass menschliche Genialität die wichtigste Eigenschaft der sich herausbildenden digitalen Wirtschaft ist. Der Staat, kommerzielle Unternehmen und die DIY-Kultur haben dabei alle unterschiedliche Methoden, den Prometheuschen Geist menschlicher Kreativität freizusetzen. Unter dem Fordismus wurde der Fabrikarbeiter zu einer heroischen Figur, zur Verkörperung der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In der gegenwärtigen Gesellschaft hat der digitale Handwerker diese Rolle übernommen. Ob sie in der öffentlichen, Geld- oder Geschenkwirtschaft produktiv sind &#8211; digitale Handwerker repräsentieren die Zukunft, die um fachliche, kreative und autonome Arbeit kreist. Das Versprechen der digitalen Wirtschaft liegt nicht nur im praktischen Potential der neuen Informationstechnologien, sondern &#8211; viel wichtiger &#8211; in der Entstehung eines neuen Typus des Arbeiters. Deswegen sind die digitalen Handwerker die Pioniere einer, auf das 21. Jahrhundert zugeschnittenen, Sozialdemokratie.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 03.01.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p class="tidy-3">Ins Deutsche übersetzt von<br />
                    <a href="mailto:irobbers@politik-digital.de">Ines Robbers</a></p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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