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	<title>Net-Generation &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Net-Generation &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es gibt keine einheitliche Generation&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 May 2008 14:17:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 30. Mai war Rolf Schulmeister, Gründer des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg und Initiator des Studiengangs „Master of Higher Education“, zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. Er beantwortete unter anderem die Frage, ob es die so genannte &#34;Net Generation&#34; gibt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. Mai war Rolf Schulmeister, Gründer des Interdisziplinären Zentrums für Hochschuldidaktik der Universität Hamburg und Initiator des Studiengangs „Master of Higher Education“, zu Gast im e-teaching.org-Expertenchat. Er beantwortete unter anderem die Frage, ob es die so genannte &quot;Net Generation&quot; gibt.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<i>Moderator:</i><br />
Hallo und herzlich willkommen zum e-teaching.org<br />
Expertenchat. Heute können Sie Prof. Schulmeister von der Uni Hamburg Ihre<br />
Fragen zum Thema &quot;Gibt es eine Net-Generation&quot; stellen. Hier ist es jetzt 14<br />
Uhr. Herr Schulmeister, können wir starten?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ja gerne.</p>
<p><b>Gibt es Ihrer Ansicht nach eine Net-Generation?</b></p>
<p><i><br />
Moderator:</i> Zum Einstieg die ganz allgemeine Frage, die auch die Überschrift<br />
für den heutigen Chat ergab: Gibt es Ihrer Ansicht nach eine<br />
Net-Generation?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Nein, es gibt viele verschiedene Menschen, aber keine<br />
einheitliche Generation, die man mit einem einheitlichen Merkmal beschreiben<br />
kann.</p>
<p><i>Silf:</i><br />
Sie scheinen ja nicht der These anzuhängen, dass die<br />
Net-Generation anders lernt als vorangegangene Studentengenerationen. Woran<br />
machen Sie das fest?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich habe in dem Aufsatz etwa 45 empirische<br />
Untersuchungen analysiert und festgestellt &#8211; es kommen immer mehr<br />
Untersuchungen zu tage &#8211; ich habe dabei festgestellt, dass die neuen Medien<br />
bei den Kindern dem Spiel dienen, den Jugendlichen zur Kommunikation, und<br />
bei den Erwachsenen der Übergang vom Kommunizieren zum Lernen schwierig ist.<br />
Dies ist offenbar auch ganz verständlich, da das Hauptziel der Jugendlichen<br />
die Kommunikation mit den Peers ist. Das ist uns allen bekannt. Weniger<br />
bekannt war, dass sie ihre vielen Erfahrungen im Umgang mit dem Computer<br />
nicht auf das Lernen übertragen.<br />
<i><br />
mehmann:</i><br />
Dass die Net-Generation existiert, hat aber doch durchaus auch<br />
empirischen Bestand, oder? Wenn man an die ARD-ZDF-Online-Studien denkt, so<br />
wird ein starker Zuwachs der Nutzung multimedialer Inhalte klar. Das gesamte<br />
Freizeitverhalten ändert sich. Das muss doch Auswirkungen auf das Lernen<br />
haben.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Diese These wird immer wieder vertreten. Es ist aber<br />
ein Denkfehler enthalten. Die Tatsache, dass Jugendliche und Kinder heute<br />
viel mehr mit Medien zu tun haben, bedeutet nicht, dass sie dadurch geprägt<br />
sind. Es kommt auf das Motiv an, mit dem sie dieses Medium nutzen. Und sie<br />
nutzen diese Medien durchaus mit der gleichen Motivation, mit der<br />
Jugendliche früher die Kontakte mit Gleichaltrigen wahrgenommen haben. Wir<br />
sind ja auch nicht, nur weil wir mit dem HiFi aufgewachsen sind, eine HiFi<br />
-Generation, oder diejenigen, die mit dem Kofferradio aufgewachsen sind,<br />
eine Kofferradio-Generation.</p>
<p><i>mehmann:</i><br />
Nachfrage: Glauben Sie, dass Jugendliche nicht durch die<br />
Nutzung neuer Medien geprägt sind? Ernsthaft?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Glaube ich ernsthaft. Ich glaube, die Jugend nutzt<br />
die Medien mit ihren Lebenseinstellungen. Und nur die Wenigsten sind<br />
ernsthaft der Sucht verfallen. Die Meisten nutzen die Medien mit ihren<br />
eigenen Lebensmotiven, zu den Zwecken, die sie auch ohne Medien haben, also<br />
Freundschaft oder Kontakt.</p>
<p><i>RUBeL:</i><br />
Sicher müssen Studierende spezielle Studien-Kompetenzen mit<br />
Medien erwerben, ebenso wie wissenschaftliches Schreiben. Aber sie tun sich<br />
leichter, sind unbefangener als Ältere bei der Einarbeitung in ein LCMS<br />
[Anm. der Redaktion: Learning Content Management System] usw. M.E. doch eine<br />
Generationenfrage!<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist vollkommen richtig. Das betrifft aber nicht<br />
nur die Jüngeren, sondern auch die Älteren, die schon länger mit Computern<br />
arbeiten, insbesondere wenn sie mit Computern aufgewachsen sind. Ich benutze<br />
Computer seit 1976. Es ist richtig, dass, wer längere Zeit mit Geräten<br />
umgeht, diese auch besser beherrscht. Dies ist allerdings eine triviale<br />
Erkenntnis, die dummerweise nicht bedeutet, dass die Kompetenz zur Nutzung<br />
der Funktionen dieser Medien damit wirklich gewachsen ist. Es lässt sich<br />
feststellen, dass selbst bei Jugendlichen, die häufig mit Computern<br />
arbeiten, die Kompetenz zur Beurteilung ihrer Suchergebnisse oder der<br />
Information nicht gestiegen ist. Im Gegenteil, es gibt Gruppen, die die<br />
Glaubwürdigkeit des Wissens, das aus dem Internet kommt, zu hoch<br />
einschätzen.</p>
<p><i>supporter:</i><br />
Es gibt natürlich auch schon viele ältere Menschen, die<br />
das Netz nutzen. Aber die Nutzung ist doch ganz schön unterschiedlich: Die<br />
Senioren mailen und halten Kontakt zur Familie, junge Menschen versuchen im<br />
Netz neue Leute kennen zu lernen.</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist richtig, es ist immer wieder<br />
feststellbar. Noch gibt es Unterschiede zwischen den Altersstufen. Aber es<br />
ist in den letzten fünf Jahren offensichtlich geworden, dass die<br />
Unterschiede zu den Älteren nivelliert werden. Also, die etwas leichtere<br />
Zugangsweise führt dazu, dass sich auch die Älteren an die Medien wagen, mit<br />
denen sie nicht aufgewachsen sind.</p>
<p><i>Uuf:</i><br />
Müsste man nicht, anstatt über ganze Generationen zu<br />
diskutieren, die Zielgruppenfrage wieder in den Vordergrund stellen? Ist<br />
diese Zielgruppe nicht in jedem Studiengang grundverschieden und durch<br />
Kriterien wie Sozialisation geprägt?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Völlig richtig. Genau das ist die Hauptthese meiner<br />
Entgegnung auf die Thematik der Net-Generation. Das ist die Frage, die wir<br />
uns immer wieder stellen: Das ist die Diversität. Es wird brisant werden<br />
dadurch, dass wir in allen Bereichen feststellen, dass die sozialen<br />
Unterschiede die Chancen determinieren, also auch die Bildungschancen. D.h.<br />
die so genannte soziale Kluft, die digitial divide, ist eines der<br />
wichtigsten Themen, wenn wir über Verschiedenheit reden. Das hat PISA<br />
gezeigt, das zeigt auch die Diskussion der Hochschulpolitik nach Bologna und<br />
das zeigt auch die Diskussion des Themas „Gibt es eine Net-<br />
Generation?&quot;</p>
<p><i>Lara:</i><br />
Wird sich nicht erst später zeigen, ob es eine Net-Generation<br />
gibt? Z.B. weil die jetzige Studi-Generation ein ganz anderes Verhältnis zur<br />
Informationsverfügbarkeit entwickelt?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Die Grundthese ist doch, dass es eine Generation<br />
in diesem Sinne gar nicht geben kann, sondern nur verschiedene Gruppen.<br />
Darum wird sich die Gruppe der nächsten Generation auch nicht als<br />
geschlossene Gruppe empfinden. Eine zweite These ist die, dass es immer<br />
selbstverständlich und alltäglich ist, wie man in der Umgebung lebt, in der<br />
man aufwächst. Währenddessen besagt die These der Net-Generation das<br />
Gegenteil, dass sie etwas anderes seien, beispielsweise veränderte Hirne<br />
hätten, eine andere Kultur, eine andere Psyche usw. Und das ist widerlegt<br />
worden. Ich habe in meinem Aufsatz auch deutlich gemacht, dass auch<br />
Versuche, bspw. Multitasking als Merkmal einer Generation zu bezeichnen,<br />
verkehrt wären, weil es einfach ein Gewöhnungsprozess ist. Ebenso kann man<br />
nicht sagen, dass die Ungeduld im Umgang mit diesen Geräten nur einer<br />
Generation zukommt. Jedem Benutzer erscheint ein älteres Gerät als<br />
langsam.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Über den<br />
Begriff der Generation allgemein</b><br />
<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Noch zweimal generell zu Generationenfrage:</p>
<p><i>lenzen:</i><br />
Glauben Sie denn, dass es überhaupt schon eine &quot;Generation&quot;<br />
gegeben hat, die als solche gelabelt wurde? Es ist ja auch schwer, von der<br />
„68er Generation&quot; oder der „89er Generation&quot; oder von der „Generation Golf&quot;<br />
zu reden.</p>
<p><i>Lou:</i><br />
Gibt es dann auch keine 68er Generation, keine Baby Boomer<br />
usw.? Generation bedeutet ja nicht, dass alle gleich sind.</p>
<p><i><b>Rolf Schulmeister:<br />
</b></i>Generation als Metapher ist etwas anderes, als<br />
eine Behauptung über eine Kohorte von Menschen, die einen Zeitraum von 20<br />
bis 30 Jahren abdecken. Ich habe auch die Kohorte geschichtswissenschaftlich<br />
untersucht und festgestellt, dass die 68er-Generation immer eine Minderheit<br />
gewesen ist.</p>
<p><i>joker:</i><br />
Ok, es gibt nicht die Net-Generation. Treumann (2007) hat<br />
sieben Nutzertypen, was die Diversität bestätigt. Trotzdem scheint dies eine<br />
andere Diversität zu sein, als vor zehn Jahren. Und wie kann diese<br />
Diversität beim Lehren/Lernen aufgenommen werden?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Es ist eigentlich ein uraltes Problem der<br />
Pädagogik. Seit der Zwergschule redet die Pädagogik über innere<br />
Differenzierung im Unterricht. Das Hauptthema, über das wir heute<br />
diskutieren, ist nicht die Generation, sondern die Verschiedenheit. Man<br />
stellt immer wieder fest, dass alle Benutzer der Neuen Medien in<br />
verschiedene Gruppen zerfallen. Aus Gründen der Motivation, der<br />
Sozialisation, der Kognition, des Lernstils, der interkulturellen Herkunft,<br />
der ethnischen Herkunft usw. Die Pädagogik reagiert darauf mit innerer<br />
Differenzierung. In der Hochschule reden wir vom offenen Lernen und von<br />
offenen Lernsituationen, um dieser Verschiedenheit gerecht zu werden. Leider<br />
fehlen in vielen Bereichen die Mittel, dies auch umzusetzen.</p>
<p><b>Nutzug<br />
von Medien und Diensten durch Studierende</b><br />
<br />
<i></i>
</p>
<p>
<i>mhz:</i><br />
Mehrere hunderttausend Studis sind bei StudiVZ aktiv. Was<br />
machen die da eigentlich? Gibt es da empirische Daten? Meine Vermutung:<br />
StudiVZ ist eine riesige Partnerbörse.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich habe dazu keine Daten und würde auch nicht gerne<br />
Vermutungen dazu anstellen. Das sollte vielleicht Psychologen vorbehalten<br />
bleiben. Aber Sie haben einen richtigen Hinweis gemacht, dass deutlich wird,<br />
dass nach wie vor die Kommunikation auch für über Zwanzigjährige ein<br />
wichtiges Thema ist. Und dass auch für diese Gruppe von Menschen die<br />
Kommunikation mit den neuen Medien wichtiger ist als das Lernen.</p>
<p><i>Lou:</i><br />
Spricht nicht für die Net-Generation, dass heute auf sozialen<br />
Plattformen die Art von virtuellen Lerngemeinschaften entstehen, die man<br />
früher vergeblich versucht hat künstlich zu initiieren? Rolf</p>
<p><i>Schulmeister:</i><br />
Es spricht nicht für die Net-Generation, es spricht<br />
für einige wenige Studierende, die erkannt haben, dass man in diesen<br />
Gemeinschaften sinnvoll miteinander umgehen, Informationen austauschen kann,<br />
vielleicht auch lernen kann. Aber auch nur vielleicht. Denn viele dieser<br />
Gemeinschaften bestehen nur im Austausch. Der größte Teil, von denen, die<br />
sich daran beteiligen, entspricht dem Typ des LURKERs. Also die Leute, die<br />
von dem Wissen anderer profitieren, aber nicht dazu beitragen wollen.</p>
<p><i>Lou:</i><br />
Anmerkung zu den LURKERn: Profitieren nicht am Ende doch jene,<br />
die Wissen aufarbeiten und bereitstellen mehr als die passiven<br />
Konsumenten?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist völlig klar. Diejenigen, die Wissen<br />
konstruieren, haben natürlich die Nase vorn. Diejenigen, die Wissen nur<br />
rezipieren, da bleibt unklar, was sie davon rezipieren. Aber für manche<br />
Zwecke der Kommunikation und der Kooperation beim Lernen ist es<br />
ausgesprochen unglücklich, wenn einige Lernende nicht zu den Lernprozessen<br />
beitragen, weil dann die Last nur bei den Wenigen liegt, die diesen Vorgang<br />
aktiv tragen.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Ein Kommentar:</p>
<p><i>Lara:</i><br />
Meine wenig computeraffine Schwester organisiert zu meiner<br />
Verwunderung in einem Lehramtsstudium viel über StudiVZ. Da geht es um<br />
Inhalte, nicht (nur) um Geschwätz.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ja. Es gibt in StudiVZ die Möglichkeit, geschlossene<br />
Gruppen zu organisieren, die sich mit Lerninhalten auseinandersetzen. Das<br />
ist aber noch selten der Fall. Man sieht aber auch, dass andere Medien, in<br />
denen aktive Teilhabe gefördert wird, wenig genutzt werden, zum Beispiel die<br />
Möglichkeit für Kommentare in Weblogs.<br />
<i><br />
heikoidensen:</i><br />
Wie ist die Rolle der Lehrenden in den vernetzten<br />
Lernprozessen? Moderator? Coach? Lernbegleiter?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich weiß ja nicht, was die drei Begriffe alles<br />
konnotieren. Ich verstehe Moderator und Lernbegleiter als das Gleiche. Ich<br />
kenne Leute, die unter Coach nichts anderes verstehen als Lernbegleiter. Um<br />
es konkret zu beschreiben: Ich verstehe meine Rolle als Moderator so, dass<br />
ich die Entstehung der selbstständigen Lernprozesse der Studierenden von<br />
vorne bis hinten erkennen und damit auch begleiten kann. So kann ich am Ende<br />
der Arbeit genau wissen, wie die Studierenden zu ihren Ergebnissen gekommen<br />
sind, welche Schritte sie gemacht haben und dass ich ihnen in allen Stufen<br />
dieses Prozesses geholfen habe.</p>
<p><i>heikoidensen:</i><br />
Hat sich die Art und Weise des Diskurses durch die<br />
vernetzten Lern- und Kommunikationsweisen fundamental geändert &#8211; Stichwort<br />
Diskurskritik? Nicht nur über die neuen Medien, sondern mittels der neuen<br />
Medien als Werkzeuge: Wer spricht? Was ist eine Quelle? Wahrheit? Oder:<br />
Schwarmdenken? Kollaborative Wissens- und Diskursnetzwerke?<br />
Autorenschaften?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich halte das zum jetzigen Zeitpunkt eher für<br />
eine Hoffnung, denn eine Realität. Die Chancen für Diskurse sind durch die<br />
Vernetzung gestiegen, einfach weil es mehr Kontakte dadurch gibt. Aber die<br />
Qualität der Diskurse ist durch das Medium bis heute noch behindert. Man<br />
kann in Präsenzsituationen einmal durch die zusätzlichen nonverbalen und<br />
paralinguistischen Signale, die man erhält, intensiver aufeinander eingehen<br />
und feststellen, an welchen Stellen Diskurse notwendig sind. Und man kann im<br />
unmittelbaren Umgang auch besser prüfen, wann man in den Diskurs einsteigen<br />
und wie lange man ihn durchhalten muss. Andererseits hat das Medium durch<br />
die Persistenz der Kommunikation die Chance, im asynchronen Modus einen<br />
langfristig wertvollen Diskurs zu fördern.</p>
<p><b>Einsatz von Medien in der<br />
Lehre</b></p>
<p><i>phlo:</i><br />
Wie sieht für Sie eine ideale Verknüpfung von Internet,<br />
Lehrenden und Lernenden aus?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Diese Frage führt wieder zurück auf die Frage der<br />
Diversität. Es gibt keine ideale Lösung. Es gibt Situationen, in denen die<br />
Medien nur im Präsenzunterricht auftreten, und es gibt Situationen, in denen<br />
die Medien den Präsenzunterricht ersetzen. Die Verschiedenheit der<br />
unterschiedlichen didaktischen Szenarien begründet sich auch durch<br />
unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen, unterschiedliche Inhalte,<br />
und es begründet sich durch die unterschiedliche Position im Curriculum. Es<br />
gibt also verschiedene Szenarien. Jedes Szenario braucht eine andere<br />
Konstellation für das Verhältnis von Präsenz und virtuellem Lernen.<br />
<i><br />
phlo:</i><br />
Während wir darüber diskutieren, ob es möglich ist Laptopklassen<br />
einzurichten, gibt es sie durch Initiativen, wie OLPC (Anm. der Redaktion:<br />
One Laptop per Child) oder Intel&#8217;s Classmate doch schon in Entwicklungs- und<br />
Schwellenländern. Werden wir überholt?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Wenn wir die Kritik in den USA an No Child Left<br />
Behind sehen, haben wir noch viel zu tun. Das Echo ist nicht durchweg<br />
positiv. Es war ein Propagandaplan, der nur wenigen Schulen geholfen hat.<br />
Dasselbe gilt für die Versuche, die von Microsoft oder Intel usw. gemacht<br />
wurden. Das sind Experimente. Die, wenn sie gut wissenschaftlich untersucht<br />
werden, sicherlich interessante Ergebnisse erbringen können, aber für die<br />
Breite nichts erbracht haben.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Nun die Frage, die in unserer Vorab-Phase die meisten Stimmen<br />
bekam:<br />
<i><br />
Ich:</i><br />
Ist es nicht ganz normal, dass Computer für Schule und Uni nur als<br />
Mittel zum Zweck genutzt werden? Ein Buch lese ich ja privat auch anders und<br />
aus anderen Gründen als für den Unterricht.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Genau, das hatten wir aber schon so ähnlich<br />
beantwortet. Kinder, die mit Geräten aufwachsen, werden diese auch benutzen.<br />
Für meine Generation war der Fernseher neu. Da haben wir über den Nutzen des<br />
Schulfernsehens diskutiert. Natürlich gab es Kinder, die exzessiv Fernsehen<br />
nutzten. Es muss sich in jeder Epoche wieder eine Ethik entwickeln, der<br />
Umgang mit Innovation herauszubilden. Und wir sind gerade dabei, dieses<br />
bezogen auf die Medien zu tun. Aber wie ich feststelle, werden diese Medien<br />
für die Zwecke genutzt, die dem Entwicklungsstand der Kinder und<br />
Jugendlichen entsprechen. Insofern kann man von einer Alltäglichkeit und<br />
Selbstverständlichkeit im Umgang mit diesen Medien ausgehen.<br />
<i><br />
Gast 22:</i><br />
In welchen Bereichen soll man denn Computer in der Schule / in<br />
der Uni benutzen? Wo ist der von Ihnen gesehene Mehrwert?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Mehrwert ist eine andere Frage, die wiederum<br />
differenziert beantwortet werden muss: Ökonomisch, Zeitersparnis, mehr<br />
Information. Es gibt aber auch Mehrwert durch Multimedia und es gibt einen<br />
Mehrwert, den man als didaktisch bezeichnet, wenn er für das Lernen Vorteile<br />
bietet. Solche Vorteile sehe ich beispielsweise in dem Bereich, in dem ich<br />
arbeite, der Gebärdensprache. Ich habe willkürlichen Zugriff auf Filme, eine<br />
visuelle Sprache. Naturwissenschaftler sehen einen Mehrwert darin, dass es<br />
Experimente in anderen Ländern gibt, auf die sie über das Internet zugreifen<br />
können, so genannte entfernte Labore. Andere wiederum, wie die<br />
Sprachwissenschaftler, holen sich einen Mehrwert daraus, dass sie auf<br />
Originalsprachdaten jederzeit Zugriff haben. Der Mehrwert ist also nach der<br />
Art der Inhalte, der Lernziele und dem Anlass des Lernens zu<br />
differenzieren.
</p>
<p>
<b>Medienkompetenz als Voraussetzung für Lehren und Lernen</b><br />
<br />
<i><br />
Toschko:</i><br />
Sind Sie der Meinung, dass schon in den Grundschulen Umgang mit<br />
den Internet gelernt werden muss?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Da die Sechsjährigen bereits zu Hause mit<br />
Computern umgehen, sollte der Computer auch bereits in der 1. Klasse einen<br />
Platz finden. Ob das in einer so genannten Computerecke oder Laptopklasse<br />
stattfindet, das muss noch herausgefunden werden.</p>
<p>Soma: Was muss sich an den Schulen und Unis verändern, damit der Transfer<br />
von Medienkompetenz gelingt?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Man kann feststellen, dass wir für unsere zukünftigen<br />
Hochschullehrer eine wichtige Aufgabe haben. Sie müssen von vornherein in<br />
Lehre und Lernen die neuen Medien einbeziehen. Sie müssen selber Kompetenz<br />
im Umgang mit diesen Medien demonstrieren. Dies gilt insbesondere für die<br />
Lehre in den Schulen &#8211; nicht nur in Informatik &#8211; weil wir feststellen, dass<br />
die Schüler aus den Schulen &#8211; wenn sie in die Hochschule kommen &#8211; kein<br />
Verlangen danach haben, die Medien für das Lernen einzusetzen. Diese<br />
Voraussetzung ist aber bereits in der Schule zu legen.</p>
<p><i>AlexaHof:</i><br />
Also zählt es für die Medienkompetenz einer Person nicht<br />
nur, mit den neuen Medien umgehen zu können? Man muss also noch ein tieferes<br />
Verständnis dafür entwickeln?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Die Neuen Medien sind ja nur Träger von<br />
Information und Wissen, das, worauf es eigentlich ankommt, sind eben Wissen<br />
und Information. Und da haben wir ein semantisches Problem. Wie beurteilen<br />
wir dieses Wissen und was fangen wir damit an? Dasselbe gilt für die<br />
Kommunikation. Wir können diese Geräte für die eingelebte Kommunikation<br />
nutzen. Aber wenn wir einen Diskurs führen, müssen wir Information und<br />
Kommunikation bewerten und beurteilen.<br />
<i><br />
sabbatical08:</i><br />
Der zentrale Lernstoff, der vermittelt werden muss, um<br />
junge Menschen den Computer sinnbringend einsetzen zu lassen, ist nicht<br />
Medienkompetenz, sondern Quellenkompetenz &#8211; wie ist die Qualität einer<br />
Quelle zu beurteilen. Sehen Sie das auch so?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Das ist richtig, das ist die Definition, die<br />
Dieter Baacke aus Bielefeld mal formuliert hat und die heute noch in der<br />
Untersuchung der Bielefelder in dem Buch von Treumann und Meister et al.<br />
veröffentlicht wurde.</p>
<p><i>Moderator:</i><br />
Wie ist es denn Ihrer Erfahrung nach um die<br />
Quellenkompetenz der Studierenden bestellt? Rolf Schulmeister: Es hat eine<br />
sehr umfassende Untersuchung des University College London zusammen mit der<br />
British Library gegeben, die dieses Problem sehr gründlich untersucht hat.<br />
Danach sieht es nicht gut aus mit der Beurteilungskompetenz der<br />
Studierenden. Ich selbst kann nur über meine Studierende reden. Ich habe<br />
jetzt eine größere Untersuchung vor. Mich wundert aber, dass die<br />
Studierenden einem Menschen, der offensichtlich kompetent ist, Plagiate<br />
vorlegen.</p>
<p><i>Moderator:</i><br />
Ein Kommentar zur Quellenkompetenz:</p>
<p><i>freakofhouse:</i><br />
Also ich hab zu Beginn des Studiums einen Quellen-Kurs<br />
belegt, das war es. Da ging es den Lehrenden eher um die korinthenkackerisch<br />
richtige Zitierweise als um die Einschätzung der Qualität einer Quelle. Dann<br />
darf man sich doch nicht wundern.</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Völlig richtig, natürlich.</p>
<p><i>Moderator:</i><br />
Noch einmal zurück zur Diversität und<br />
Quellenkompetenz:<br />
<i><br />
AlexaHof:</i><br />
Aber basiert nicht jeder Studiengang &#8211; so verschieden diese<br />
auch sind &#8211; auf gewissen Grundkompetenzen? Ob ich nun Informatik, Biologie<br />
oder Germanistik studiere &#8211; die Kompetenz der Quellenkritik oder<br />
Quellenbewertung/ Recherche gehört doch unabhängig vom Fach zur<br />
Grundausstattung eines Studierenden. Ihre Meinung?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Ja und Nein. Einerseits kann man von so genannten<br />
heuristischen/methodischen Kompetenzen reden, die in allen Studiengängen<br />
gleich sind. Andererseits muss man in den Fächern mit unterschiedlich<br />
methodologisch strukturierten Inhalten umgehen. Und diese bedingen<br />
natürlich, dass man die Grundfertigkeiten auch variieren muss. Die neuen<br />
Studiengänge nach Bologna sehen ja hier einen Teil vor, den wir als<br />
Schlüsselkompetenzen oder Berufskompetenzen bezeichnen. Diese sollen in<br />
Zukunft verstärkt ausgebildet werden. Dafür sollen etwa 15 Prozent des ECTS<br />
vorgesehen werden.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Ist denn die Mehrheit der Lehrenden von der Medienkompetenz<br />
schon weit genug, um Computer-Unterricht anzubieten?<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Nein, also wir reden ja heute noch davon, dass wir<br />
noch immer die Fünf-Prozent-Hürde überspringen wollen. Ich denke, dass es<br />
wohl keinen Professor gibt, der nicht mit dem Computer umgehen kann. Aber ob<br />
er/sie sinnvolle Möglichkeiten erkannt hat, im Unterricht die Medien zu<br />
nutzen, das ist eine andere Frage.</p>
<p>derkieler: Was sind denn die wichtigsten (neuen) Schlüsselkompetenzen<br />
jetziger Studienanfänger? Rolf Schulmeister: Wie bereits gesagt, sollen ja<br />
jetzt die Schlüsselkompetenzen gefördert werden in der Annahme, das<br />
Studenten mit wenig Kompetenzen aus der Schule kommen. Ich hätte gerne<br />
Schlüsselkompetenzen wie Neugierde, Skepsis, forschendes Verhalten, mehr<br />
Geduld mit Ungewissheiten oder Unsicherheiten, das Warten auf die Wahrheit,<br />
da hätte ich gerne mehr davon.
</p>
<p>
<b>Zur<br />
Institution Hochschule allgemein</b></p>
<p><i>phlo:</i><br />
Können die Universitäten denn mit der rasanten technischen<br />
Entwicklung überhaupt mithalten und somit gewährleisten, immer adäquate<br />
Lehrmittel zu Verfügung zu stellen.<br />
<i><br />
Rolf Schulmeister:</i><br />
Das war vor zwanzig Jahren &#8211; aus Preisgründen &#8211; viel<br />
schwieriger als heute. Heute ist in den Hochschulen die Offenheit gegenüber<br />
den Medien groß und die Preise sind günstig. Ich denke, es gibt keine<br />
Schwierigkeiten in dieser Hinsicht. Das Thema hat einen weiteren Aspekt: Es<br />
geht um Geräte und um Software. In dem Bereich, über den wir reden, also<br />
Web2.0, ist ja die Software kostenlos. Das Problem ist eher die Software,<br />
die wir für die Forschung brauchen. Da gibt es sehr spezielle und sehr teure<br />
Software.<br />
<i><br />
s.thurner:</i><br />
Ist nicht ein zentrales Problem, dass Hochschulen eher<br />
innovationsfeindlich sind, wenn es um die Reform der inneren Strukturen geht<br />
(&quot;der Muff von 1000 Jahren unter den Talaren&quot;) 😉 Rolf<br />
<i><br />
Schulmeister:</i><br />
Zu dem letzten Spruch habe ich eine sehr enge Verbindung;<br />
ich war anwesend, als das geschah. Aber: Hochschulen sind aus verschiedenen<br />
Gründen sehr träge Institutionen. Sie haben es einerseits mit Studiengängen<br />
zu tun, die über Jahrzehnte laufen sollen, zweitens haben sie einen<br />
verbeamteten Lehrkörper, drittens weil wir kein Evaluationssystem haben,<br />
viertens weil es keine Leistungsbelohnungssysteme gibt. Von daher ist<br />
verständlich, dass die Hochschulen ihre Innovation im Wesentlichen durch den<br />
immer wieder rein kommenden Nachwuchs beziehen.
</p>
<p>
<b>Zum E-Learning Markt<br />
allgemein</b></p>
<p><i>lottad:</i><br />
Der E-Learning Markt und der ganze<br />
Werkzeug-Instrumentarienkasten des E-Learnings ist total unübersichtlich.<br />
Ist eine Marktklärung und auch eine Etablierung von Standards in dem Bereich<br />
zu erwarten? Wünschen Sie das?</p>
<p><i>Rolf Schulmeister:</i><br />
Ich glaube nicht Letzteres. Es haben sich schon<br />
Marktführer herausgebildet. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, um die<br />
Übersichtlichkeit zu erhöhen, z.B. die von Baumgartner und meine. Es gibt<br />
auch Versuche, Standards zu entwickeln, beispielsweise die von IMS und<br />
<a href="http://www.e-teaching.org/glossar/ieee" onclick="popup('http://www.e-teaching.org/glossar/ieee/glossar_popup_view');return false;">IEEE</a>. Und die meisten Produzenten von Software orientieren sich auch an<br />
diesen Standards. Es gibt zwar auch Bereiche ohne Standards. Aber es ist<br />
davon auszugehen, dass auch diese bald geschlossen werden.<br />
<i><br />
Moderator:</i><br />
Das waren gut 70 Minuten e-teaching.org-Expertenchat. Vielen<br />
Dank an Herrn Schulmeister für seine Antworten und natürlich vielen Dank an<br />
unsere Nutzer für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht<br />
alle stellen konnten.</p>
]]></content:encoded>
					
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