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	<title>Nike Wessel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Nike Wessel &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Jungpolitiker für mehr gemeinsamen Druck auf Mutterparteien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/jungpolitiker_fuer_mehr_gemeinsamen_druck_auf_mutterparteien-170/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Nike Wessel, Sprecherin der Grünen 
Jugend, und Johannes Vogel, Vorsitzender der JuLis, waren am 12. 
September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale für 
politische Bildung. Die Ausbildung junger Menschen, Studiengebühren 
und die Praktikumsproblematik standen im Mittelpunkt der Diskussion.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Nike Wessel, Sprecherin der Grünen<br />
Jugend, und Johannes Vogel, Vorsitzender der JuLis, waren am 12.<br />
September zu Gast im Live-Duellchat der Bundeszentrale für<br />
politische Bildung. Die Ausbildung junger Menschen, Studiengebühren<br />
und die Praktikumsproblematik standen im Mittelpunkt der Diskussion.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe<br />
Politik-Interessierte, herzlich willkommen im Live-Duellchat der<br />
Bundeszentrale für politische Bildung. Heute chatten wir mit<br />
der Sprecherin der Grünen Jugend, Nike Wessel, und dem Vorsitzenden<br />
der Julis (Junge Liberale), Johannes Vogel. Im oberen Feld werden<br />
die beiden Politiker befragt, in dem unteren Feld werden die Fragen<br />
und Kommentare der Chatterinnen und Chatter abgebildet. Wir freuen<br />
uns auf Ihre Kommentare und Fragen, die Sie gerne an die beiden<br />
Duellanten richten können. Herzlich willkommen Frau Wessel<br />
und Herr Vogel, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Johannes Vogel:</b></b> Ja.
</p>
<p>
<b><b>Nike Wessel:</b></b> Ja.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Die Grünen wollen<br />
ja schon seit Jahren das Cannabis legalisiert wird, aber bisher<br />
ist, obwohl sie an der Regierung sind, noch nichts passiert. Wie<br />
positionieren Sie sich in dieser Frage? Frau Wessel, bitte!
</p>
<p>
<b><b>Nike Wessel:</b></b> Das bleibt weiterhin ein ganz wichtiges<br />
Thema von uns. Es ist sehr schade, dass in der letzten Legislaturperiode<br />
nur weitere Straffreiheit ausgebaut wurde und wir werden uns weiterhin<br />
dafür einsetzen. Ich habe große Hoffnung, dass auch mit<br />
anderen Jugendorganisationen an dem Thema gearbeitet wird. Der Ansatz<br />
der jungen Liberalen &quot;bekifft-ficken.de&quot; hat seinen Charme.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Vogel, wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das war ein etwas pointierter Ansatz eines Landesverbandes.<br />
Grundsätzlich bin ich auch für die Legalisierung des Cannabis<br />
und würde mich freuen, wenn wir in den kommenden Jahren zu<br />
einer Legalisierung kommen würden. Leider muss man sich als<br />
politische Jungendorganisation erstmal in der eigenen Organisation<br />
durchsetzen und dann kann man die Realität verändern.<br />
Wir arbeiten weiter daran, das erstmal in der FDP mehrheitsfähig<br />
zu machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Inwiefern weicht Ihre Position von<br />
der Position Ihrer jeweiligen Mutterpartei in Bezug auf die Legalisierung<br />
von Cannabis ab?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Wir JuLis sind für die Legalisierung, weil<br />
ich glaube, dass die bisherige Unterscheidung von legalen und illegalen<br />
Drogen an dieser Stelle recht willkürlich ist, und auch weil<br />
der Jugendschutz und Fragen wie verantwortungsvoller Konsum nach<br />
einer Legalisierung besser behandelt werden könnten. Die FDP<br />
teilt das bisher leider nicht und ist für die Beibehaltung<br />
der jetzigen Gesetzeslage.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Grundsätzlich sind wir schon sehr nah mit den<br />
Grünen in dem Thema gekommen, wir hätten aber z.B. für<br />
die nächste Legislatur den großen Wunsch, das nicht nur<br />
der SPD zu überlassen und z.B. den Posten der/s Drogenbeauftragten<br />
von unserer Partei zu besetzen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum Thema Studiengebühren:<br />
Wie stehen Sie zum Thema Studiengebühren? Soll es beim gebührenfreien<br />
Erststudium bleiben?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich finde, es sollte den Hochschulen ermöglicht<br />
werden, eigenverantwortlich über nachgelagerte Studiengebühren<br />
bis zu einer gewissen Obergrenze frei zu entscheiden. Ich glaube,<br />
dass so die Finanzausstattung der Hochschulen verbessert werden<br />
kann und dies auch ein logischer Bestandteil von mehr Autonomie<br />
der einzelnen Hochschulen und somit mehr Wettbewerb untereinander<br />
ist. Entscheidend ist, dass weiterhin für jeden oder jede unabhängig<br />
von finanziellen Ausstattung des Elternhauses möglich ist.<br />
Hier ist insbesondere die Möglichkeit der nachgelagerten Bezahlung<br />
entscheidend.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Die grüne Jugend ist klar für ein gebührenfreies<br />
Studium und in jedem Fall gegen Studiengebühren. Wir sind übrigens<br />
auch für unentgeltliche Kindergartenplätze. Für uns<br />
ist Bildung und ein freier Zugang hierzu eine Grundbedingung, um<br />
soziale Gleichheit zu sichern.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Für unentgeltliche Kindergartenplätze<br />
sind wir auch ganz entschieden. Ich glaube, es ist aber sinnvoller,<br />
die Elementarpädagogik für alle kostenlos anzubieten und<br />
dafür für ein gutes Studium an einer gut ausgestatteten<br />
Uni einen gewissen Eigenbetrag zu verlangen.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Die Universitäten sind jetzt schon vom Staat<br />
zu wenig ausgestattet. Es ist überhaupt nicht sicher, dass<br />
die jetzt erhobenen Studiengebühren auch direkt den Unis zugute<br />
kommen. Wir haben jetzt schon zu wenig Studierende und eigentlich<br />
müsste es in einem wirtschaftlich so starken Land wie Deutschland<br />
auch möglich sein, sozial und für alle offen, ein Bildungs-<br />
und Hochschulsystem zu finanzieren. Das alte Beispiel Schweden:<br />
Dort wird erheblich mehr für die Bildung ausgegeben, ohne dass<br />
die Studierenden bezahlen müssen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Für eine soziale ausgeglichene Bildungslandschaft<br />
sind wir, glaube ich, alle. Der internationale Vergleich zeigt uns<br />
aber, dass Studiengebühren hier schlicht und ergreifend hier<br />
kein Problem darstellen müssen. In Deutschland, einem der wenigen<br />
Länder ohne Studiengebühren, ist der Zusammenhang zwischen<br />
finanziellen Background des eigenen Elternhauses und dem eigenen<br />
Bildungserfolg so hoch wie fast nirgendwo. Dass in der Vergangenheit<br />
die Einnahmen aus Studiengebühren oft direkt in die Länderhaushalte<br />
geflossen sind, ist völlig unverantwortlich, aber doch kein<br />
Argument gegen Studiengebühren, sondern vielmehr dafür,<br />
politisch dafür zu sorgen, dass das Geld bei den Unis bleibt<br />
und zusätzlich dazu die staatliche Finanzierung ausgebaut wird.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Da wir dennoch viel zu wenig Absolventinnen haben,<br />
gibt es kein Argument dafür, dass Zahlen für ein Studium<br />
es in irgend einer Weise besser oder attraktiver macht, in Deutschland<br />
zu studieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nena hat dazu eine Frage: Was ihr wollt,<br />
sagt ihr deutlich, doch wie ihr eure Forderungen umsetzen wollt,<br />
würde mich interessieren.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wir sind für eine klare Erhöhung des Bildungshaushalts.<br />
Rot-Grün hat hier schon um 30% erhöht, und in der nächsten<br />
Legislaturperiode müsste es noch mehr werden. Dazu kommt aber<br />
auch eine umfassende Reform an den Universitäten selbst. Auch<br />
dort muss Bürokratie abgebaut werden und man muss sicher auch<br />
noch einmal über die Zuständigkeiten der Länder und<br />
eine grundsätzliche Föderalismusreform nachdenken.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Grundsätzlich versuchen wir Druck auf unsere<br />
Mutterpartei auszuüben, damit diese nach einem möglichen<br />
Wahlsieg hart verhandelt und unsere klaren Schwerpunkt für<br />
eine bessere Bildung und Forschung im Wahlprogramm auch gegenüber<br />
dem zukünftigen Koalitionspartner durchsetzt. Ich bin sehr<br />
zuversichtlich, dass dies auch gelingt, schließlich haben<br />
wir die besseren Argumente auf unserer Seite.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> CDU-FDP 4 Future&gt; @Sommerrauschen:<br />
Sehe ich genauso, wie kann also Hochschulabsolventen besser beim<br />
Berufseinstieg geholfen werden? Ein Großteil fängt als<br />
Praktikanten an. Ist da nicht auch die Politik dran Schuld?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich glaube, das Hauptproblem hier liegt bei der<br />
aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt und diese ist durch die<br />
wirtschaftliche Misere ausgelöst. Gerade deshalb, weil sich<br />
die katastrophale Situation ja auch insbesondere auf junge Menschen<br />
auswirkt, die dann keine Perspektive haben mit einem Job selbstbestimmt<br />
ins Leben zu starten, machen wir uns Gedanken, wie wir die grundsätzlichen<br />
strukturellen Probleme lösen können. Sobald das gelungen<br />
ist, werden mehr junge Leute auch wieder die Möglichkeit haben,<br />
nach Schule, Studium oder Ausbildung direkt einen Job zu finden<br />
und nicht als Praktikant zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Gerade zum Thema Praktika haben wir als Grüne<br />
Jugend einen unserer zwei inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt. Unter<br />
dem Thema &quot;Lasst Euch nicht ausbeuten&quot; setzen wir uns<br />
dafür ein, z.B. einen Mindestlohn für die Zeit der Ausbildung<br />
und des Praktikums gesetzlich festzulegen. Und das Argument, nur<br />
die schlechte Lage am Arbeitsmarkt wäre für die Praktika<br />
verantwortlich, widerlegt zum Teil schon, dass selbst 1999 &#8211; als<br />
der Arbeitsmarkt noch viel weniger umkämpft war- Ausbildungsplätze<br />
abgebaut und unentgeltliche Praktika immer mehr in Mode kamen. Deshalb<br />
ist meine Meinung, dass es sehr wichtig ist, dass an den Universitäten<br />
zum Teil praxisnah gelehrt wird, dass aber auch Betriebe und Firmen<br />
ehrlicher und nachhaltiger ausbilden.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Sicherlich sind Praktika in den letzten Jahren<br />
ein allgemeiner Trend gewesen. Das ist ja auch nicht unbedingt schlecht,<br />
schließlich bietet ein Praktikum die Möglichkeit, Erfahrungen<br />
zu sammeln und in verschiedene Bereiche hereinzuschnuppern. Das<br />
Problem heute ist doch, dass junge Leute monatelang Praktika machen<br />
müssen und nicht, wie eigentlich nötig, im Anschluss eine<br />
feste Anstellung finden. Dieses Problem wird sich leider überhaupt<br />
nicht durch einen Mindestlohn für Praktika lösen lassen.<br />
Außerdem halte ich es allgemein nicht für besonders realistisch,<br />
dass die Politik einfach mal eben beschließen könnte,<br />
das die Unternehmen einen Mindestlohn zu zahlen haben. Das würde<br />
nur dazu führen, dass weniger Praktikumsplätze existieren.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Das Problem beim Thema &quot;Praktikum&quot; ist vor<br />
allen Dingen, dass es sich auch wieder nur bestimmte junge Leute<br />
leisten können, lange, zum Teil ein Jahr lang, unentgeltlich<br />
zu arbeiten. Was dazu kommt, ist, dass sich die Idee eines &quot;Reinschnupperns&quot;<br />
in einen Beruf in der Zeit des Praktikums längst zu einem,<br />
für viele Firmen wichtigen Teil an unbezahlter, qualifizierter<br />
junger Arbeitskräfte ausgemacht hat. Die Forderung nach einem<br />
Mindestlohn würde den Wildwuchs in diesem Bereich stark eingrenzen<br />
und mehr dazu führen, dass deutlich sind: das sind Minijobs<br />
oder halbe Stellen und das ist wirklich qualitativ gute Ausbildung.<br />
Es gibt bei aller Kritik gute Beispiele in Unternehmen im Wirtschaftsbereich.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Und genau aus dem Grund, dass es sich viele junge<br />
Leute nicht leisten können, längere Zeit unbezahlte Praktika<br />
zu machen, müssen wir endlich wieder genügend Arbeitsplätze<br />
für diese jungen Leute schaffen. Nur so schaffen wir doch,<br />
eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes und selbstverwirklichendes<br />
Leben. Das geht nur, wenn wir die grundlegenden Strukturprobleme<br />
auf dem Arbeitsmarkt und beim Wirtschaftswachstum lösen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sollten Ihrer Meinung nach in Zukunft<br />
die Kompetenzen in der Bildungspolitik aufgeteilt werden?
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Das pluralistische System der Länderhoheit macht<br />
in vielen Dingen sicher Sinn und hat seine Traditionen, doch wie<br />
wir zur Zeit an jeder deutschen Uni &#8211; durch die Einführung<br />
von Bachelor und Master &#8211; gemerkt haben, sind längst europäische<br />
Richtlinien in unserem System und es ist dringend notwendig, dass<br />
die Kompetenzen zwischen Land und Bund geklärt werden und sich<br />
Deutschland, meiner Meinung nach, klar darauf konzentriert, ein<br />
Wissenschafts- und Bildungsland in der EU und international zu werden.<br />
Dort liegt für mich ein großes Stück, wie die Zukunft<br />
auch für Arbeitsplätze hier aussehen könnte.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich bin klar für einen Bildungsföderalismus.<br />
Das heißt, dass die Länder ihre bisherigen Kompetenzen<br />
in der Bildungspolitik behalten und wir nicht zu bundeseinheitlichen<br />
Standards übergehen, weil diese dann oft nur zu einem Einheitsbrei<br />
auf niedrigen Niveau führen würden. Grundsätzlich<br />
glaube ich, dass einzelnen Bildungsstätten, also jeder einzelnen<br />
Schule und Hochschule, viel mehr Autonomie geben müssen. So<br />
könnten diesen dann um das beste Konzept für die individuelle<br />
Förderung jedes Einzelnen wetteifern. Jeder sucht sich dann<br />
das Modell aus, welches am besten zu ihm passt. So werden wir ganz<br />
unterschiedliche pädagogische Konzepte in einem Wettbewerb<br />
haben, was dann wiederum das Gesamtniveau der Bildung in Deutschland<br />
erhöht.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wichtig ist bei der Kompetenzentflechtung, dass es<br />
weniger Mischbereiche zwischen Land und Bund gibt und dass z.B.<br />
für alle verbindlich ist, dass Bildung von Lehrmittelfreiheit<br />
bis zu Studiengebühren kostenlos ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir noch einmal zur Arbeitsmarktpolitik:<br />
Welche Rolle sollte die Politik bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen<br />
übernehmen?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich glaube, das Problem beim Mangel der Ausbildungsplätze<br />
ist im Grundsatz dasselbe wie bei den Arbeitsplätzen allgemein.<br />
Wir müssen durch eine Politik, die der Marktwirtschaft wieder<br />
traut, den Rahmen für mehr Bildungs- und Ausbildungsplätze<br />
schaffen. Das geht durch eine Steuerreform als eine dynamische Impuls<br />
für mehr Wirtschaftswachstum und Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt,<br />
damit sich dieses auch auswirkt zusätzlich können wir<br />
glaube ich durch eine Reform der beruflichen Bildung noch etwas<br />
für die spezielle Attraktivität von Ausbildung für<br />
Unternehmen tun.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Wie schon beim Thema Praktikum kann nicht immer die<br />
schlechte Konjunktur dafür verantwortlich gemacht werden, dass<br />
Betriebe Unternehmen sich entziehen und nicht oder schlecht ausbilden.<br />
Viele Unternehmer haben den Zukunftsblick verloren und hoffen, dass<br />
sie auf dem Arbeitsmarkt früher oder später die Arbeitnehmer<br />
finden, die sie brauchen, aber selbst nicht ausgebildet haben. Das<br />
System kann auf Dauer nicht funktionieren.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Natürlich ist nicht nur die Konjunktur für<br />
alles verantwortlich aber die Dramatik von 5 Millionen Arbeitslosen<br />
zeigt doch wohl, wo der Kern all unser Probleme liegt. Und das müssen<br />
wir endlich ändern, damit junge Menschen wieder mehr Perspektiven<br />
haben. <b></p>
<p>Moderator:</b> Zum Thema Generationengerechtigkeit: Besteht<br />
nicht die Gefahr, dass angesichts unserer Altersstruktur in der<br />
Gesellschaft eine Politik für junge Leute kaum noch Mehrheiten<br />
findet?
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Ich hoffe nicht. Aber sollte es zu einem solch<br />
&quot;klientelistischen&quot; Agieren der jeweiligen Altersschichten<br />
bedauerlicher Weise jemals kommen, steigt die Gefahr hierfür<br />
logischerweise von Jahr zu Jahr. Deshalb ist es ja gerade so wichtig,<br />
dass wir die Probleme der aktuellen Generationengerechtigkeit nicht<br />
länger vor uns her schieben. Ich glaube, dass sehen wir als<br />
politische Jugendvereinigungen aber alle relativ ähnlich.
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Eines der wichtigsten Politikfelder der Grünen<br />
war das Thema &quot;nachhaltige Politik&quot;. Das bedeutet, sich<br />
in allen Politikfeldern sich darum zu bemühen, dass an Morgen<br />
gedacht wird: bei der Umwelt, bei den Staatsfinanzen aber auch in<br />
der Frauen- und Familienpolitik, was hoffentlich dazu führt,<br />
dass Familie und Beruf besser vereinbar miteinander wird und wir<br />
auch mehr Kinder kriegen. Der derzeitige Wahlkampf hat allerdings<br />
schon gezeigt, dass das Thema Jugend an sich bei keiner Partei unter<br />
den vorderen Plätzen der Themen lag. Das ist eigentlich unverständlich.<br />
Deshalb haben wir als Grüne Jugend dafür eingesetzt, dass<br />
wir nun im Wahlprogramm von Bündnis 90/Grüne ein extra-Kapitel<br />
&quot;Jugend&quot; haben. Was sich allerdings auch in diesem Wahlkampf<br />
seltsamerweise entwickelt hat, ist die Idee, die PDS stehe für<br />
eine moderne und junge Linke, dabei ist diese Partei mit Abstand<br />
die mit den meisten Rentnern und den ältesten Ideen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das ist ja alles als Ansatz sehr löblich,<br />
aber leider konnten sich die Grünen damit ja offenbar nicht<br />
durchsetzen: Wir hatten in diesem Jahr mit einer Neuverschuldung<br />
des Staates von 39 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2005 einen<br />
neuen, bisher unerreichten Rekord. Darüber hinaus sind die<br />
Sozialsysteme Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung immer noch<br />
nicht grundlegend reformiert, was insbesondere die junge Generation<br />
belasten wird. Da müssen wir als junge Politiker darauf drängen,<br />
dass sich hier endlich etwas tut. Ich weiß aber, dass das<br />
nicht an der Grünen Jugend liegt 😉
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Ich bin natürlich etwas jung, möchte dennoch<br />
an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Hauptteil der Staatsschulden<br />
in der Regierungszeit mit FDP-Verantwortung angehäuft wurde.<br />
Daran sind natürlich auch die jungen Liberalen nicht schuld<br />
und ich bin mir sicher, wenn wir Jugendvertreter miteinander verhandeln<br />
würden, würde eine alternative und modernere Politik dabei<br />
herauskommen.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das stimmt. Wir sollten beim Thema Generationengerechtigkeit<br />
noch viel mehr als bisher gemeinsam unseren &quot;Seniorenorganisationen&quot;<br />
Druck machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Schluss noch eine Frage zum Politikverdruss:<br />
Wie wollen Sie die jungen Leute wieder für Politik interessieren?
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Ich bin mir sicher, für jede und jeden, die sich<br />
aufmerksam in ihrer Umgebung und unserer Gesellschaft umsehen, gibt<br />
es genügend Themen und Anstöße, sich einzubringen<br />
und zu interessieren. Ich widerspreche auch vehement dem Eindruck,<br />
unsere Generation sei politkmüder als andere. Die letzten Wahlkampfsommerwochen<br />
haben vom Baggersee bis zum Schulhof mir eigentlich nur Mut gemacht,<br />
dass es genug Interesse an Politik gibt.
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Das beste Argument, junge Leute für politisches<br />
Engagement zu gewinnen, ist, dass ansonsten die Alten alles alleine<br />
unter sich entscheiden. Es gibt so viele Themen die jeden Einzelnen<br />
betreffen und unsere Zukunft so stark beeinflussen, dass man in<br />
Gesprächen mit fast jedem oder jeder Gleichaltrigem schnell<br />
zu der Einigung kommt, dass wir uns als junge Generation da einfach<br />
nicht raushalten dürfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten Live-Chatduell<br />
der Bundeszentrale für politische Bildung, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse. Herzlichen Dank auch an Frau Wessel und Herrn Vogel,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Es sind viele Fragen und<br />
Kommentare übrig geblieben. Der nächste Chat findet morgen<br />
in der Zeit von 15.00 bis 16.00 Uhr statt. Den Fragen stellen sich<br />
dann die Vorsitzenden von Jusos und der Jungen Union, Philipp Missfelder<br />
und Björn Böhning. Wir freuen uns, wenn Sie auch morgen<br />
wieder dabei sind!
</p>
<p>
<b>Johannes Vogel:</b> Vielen Dank. Hat super Spaß gemacht, nur<br />
schade, dass wir nicht auf alle Fragen eingehen können. Aber<br />
jeder kann mich auch gerne persönlich anmailen. Einfach auf<br />
www.julis.de reingucken!
</p>
<p>
<b>Nike Wessel:</b> Vielen Dank fürs Mitlesen und Chatten. Nicht<br />
vergessen, am Sonntag zu wählen und wer persönlich noch<br />
Fragen hat, einfach an gruene-jugend.de schicken.</p>
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