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	<title>nonverbale Kommunikation &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>nonverbale Kommunikation &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Mehr Ironie, bitte!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Duell]]></category>
		<category><![CDATA[Spitzenkandidat]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsumfrage]]></category>
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		<category><![CDATA[nonverbale Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Sollmann]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlentscheidung]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit dem Berater und Coach Ulrich Sollmann über sein Internetprojekt www.charismakurve.de und die Interpretationsmöglichkeiten der Körpersprache von Angela Merkel und Gerhard Schröder.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Interview mit dem Berater und Coach Ulrich Sollmann über sein Internetprojekt www.charismakurve.de und die Interpretationsmöglichkeiten der Körpersprache von Angela Merkel und Gerhard Schröder.</p>
<p><!--break--></p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Herr Sollmann, die &#8220;Charismakurve&#8221; untersucht die öffentliche Wirksamkeit von Angela Merkel und Gerhard Schröder anhand ausgewählter Bilder. Was haben Sie bislang rausfinden können?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Das Projekt<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> zeigt, dass das Internet schnell, direkt und weltweit reagiert und sich dabei eigenständig entwickelt. Es passieren unvorhergesehene Dinge. Absichten, wie bspw. bestimmte Zielgruppen wie Parteien und andere Institutionen zu erreichen, gingen nicht oder selten auf. Unsere Website bildet Trends der Online-Bewertung des Charismas von Schröder und Merkel ab, setzt aber auch eigene Zeichen. Inzwischen gibt es mehr als 47.000 Zugriffe. 85 % kommen aus Deutschland und Europa, 15 % aus dem außereuropäischen Bereich. Hinsichtlich der Bewertung der Bilder durch die User lässt sich festhalten, dass Schröder positiver und charismatischer eingeschätzt wird als Merkel und politische Ereignisse, wie bspw. die Vorstellung des Kompetenzteams, sich auf das Ergebnis auswirken.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie unterscheiden sich die Ergebnisse im Internet von den Umfragewerten der Spitzenkandidaten aus den anderen Medien?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Der Zeitfaktor, nämlich die Unmittelbarkeit von Einschätzung und Ergebnis, macht das Internet spannend. Umfragen in den anderen Medien brauchen viel länger, bis sie ihre Ergebnisse veröffentlichen können. Ein weiterer Unterschied ist das Feedback und die hierdurch angeregte Interaktion. Auch wenn dieser Aspekt noch einiger Reflexion bedarf. Zum Inhalt folgendes: die Umfragen zum Thema in den Medien unterscheiden in der Regel nicht zwischen der persönlichen Ausstrahlung und der Verkörperung von Macht bei den Kontrahenten. In so weit sind die Ergebnisse dieser Umfragen unspezifisch und im Grunde genommen nicht aussagekräftig, um handlungsanleitende Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen zu ziehen.<br />
                            <br />Die Ergebnisse der Online-Befragung dürfen aber nicht nur für sich gesehen werden. Sie müssen immer auf den politischen Kontext sowie die anderen Medien bezogen gesehen werden. Letztendlich, und das werden wir hoffentlich in unserer Auswertung zeigen können, gewinnt das Internetprojekt durch die spezifizierte Unterscheidung zu den anderen Medien eine eigene, interessante Aussagekraft, da sich die User interaktiv beteiligen und an konkreten Bildern Bewertungen abgeben können.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Aus den Ergebnissen der Charismakurve können konkrete Verbesserungsvorschläge an die Kandidaten abgeleitet werden. Glauben Sie Frau Merkel oder Herr Schröder lassen sich diesbezüglich coachen?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Die User differenzieren deutlich ihre Empfehlungen zur Verbesserung der Performance. Ebenso beziehen sie sich auf die jeweils neue Entwicklung der aktuellen Bilder von Schröder und Merkel im Netz. Ich glaube nicht, dass die Politik schon so weit ist, solche Empfehlungen aufzugreifen. Sie täte aber m.E. gut daran, dies zu tun.<br />
                            <br />Herkömmliche Verbesserungsvorschläge für ein TV-Duell bleiben eher auf der Ebene von Kamera- und Sprechtraining. Dies sind zwei Arbeits-Konzepte. Sie reichen aber nicht aus, will man das Zusammenspiel von Körpersprache, nonverbaler Wirkung, Persönlichkeit und Handlungsmustern gerecht werden. Und um die geht’s. Will man die ganze Person und den besonderen Streß beim TV-Duell gerecht werden. Nehmen Sie Stoiber 2002. Alle Welt wollte sehen, wie oft er wohl „äh“ sagen würde. Im 1. TV-Duell glänzte er ohne ein einziges „äh“ , kam aber nicht glaubhaft als Person rüber. Offensichtlich hatte er sich “gutes Benehmen vor der Kamera“ antrainieren lassen, was man natürlich sofort bemerkt.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Wie wichtig ist die Körpersprache der Kandidaten für die Wahlentscheidung des Wählers?</p>
<p>
                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Die Körpersprache bzw. nonverbale Wirkung der Kandidaten ist für die Wahlentscheidung von großer Bedeutung. Entscheidet man doch gerade beim TV-Duell zu einem großen Prozentsatz aufgrund der nonverbalen Botschaften wie Mimik, Gestik, Stimme usw.<br />
                            <br />Der eingeschränkte Blick auf die Körpersprache verfälscht jedoch das Wirkungsbild der beiden Kontrahenten. Der Königsweg ist die Analyse des Zusammenspiels von Körpersprache, nonverbaler Wirkung, Persönlichkeit und Handlungsmustern. In der Regel gewinnen die Menschen intuitiv und spontan ihren eigenen Eindruck, der wie eine Überzeugungsebene wirkt. Über diese kann der Politiker sich als Identifikationsangebot darstellen. Er wird dann von den Wählerinnen und Wählern mit seinem typischen Habitus wahrgenommen.<br />
                            <br />Würde man Körpersprache lediglich auf der deskriptiven Ebene belassen, kämen fotografische Aussagen über die Körpersprache der Kontrahenten einer subjektiven, wenn nicht gar einer moralisierenden Befindlichkeitszuschreibung gleich. Hierauf aufbauende Empfehlungen würden „gutes Benehmen“ als antrainiertes Verhalten entlarven. Ein solches goutieren die Wählerinnen und Wähler nicht.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was erwarten Sie an neuen Erkenntnissen im Hinblick auf das TV-Duell?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Das TV-Duell wird eine hohe Aufmerksamkeit bei den Medien und insbesondere bei den Wählerinnen und Wählern haben. Es hat in diesem Jahr zudem eine besondere Bedeutung dadurch bekommen, dass es nur ein TV-Duell gibt. Alles muß punktgenau getroffen werden. Jeder der Kontrahenten hat nur einen Schuß frei. Beide werden die Gelegenheit nutzen, um deutlich, nachdrücklich und persönlich überzeugend „zur Sache zu gehen“. In so weit kann man eine spannende Auseinandersetzung erwarten. Entscheiden wird aber die Kunst der Choreographie von Sachverstand, Souveränität und Verkörperung von Macht in der Gesprächsführung und nonverbalen Präsenz. Hierbei ist von besonderer Bedeutung wie der enorme Stress der Situation gemeistert wird. Eine sichere und souveräne Performance steht und fällt mit der Stresskompetenz in der direkten Konfrontation. Während Merkel wahrscheinlich auf sachliche Korrektheit und Überzeugung bauen wird, bei gleichzeitiger nachdrücklicher Abgrenzung von Schröder, wird Schröder hart an der Sache bleibend Merkel persönlich konfrontieren. Letztendlich wird derjenige der beiden punkten, der klar in der Sache, hart in der Konfrontation und überzeugend in der rhetorischen Wertschätzung ist.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Die Charismakurve ist ein reines Internetprojekt, das natürlich keine repräsentative Daten erheben kann. Dennoch, für wie valide halten Sie die Ergebnisse und gab es auch bereits Manipulationsversuche?<br />
                            <strong></p>
<p>Ulrich Sollmann:</strong><br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> zielt nicht auf eine empirisch-statistische Validität ab. Es geht in dem Projekt um die Wirkungsanalyse und die sorgsame und sparsame Steuerung derselben. Interessant ist für uns, wie die Website im Internet als selbstreferenziellem System wahrgenommen wird, Bedeutung bekommt und faktische Wirkung, d.h. Interaktion erzeugt. Das genaue Studium der Zugriffs-Statistik hilft uns dies zu ermitteln, ebenso die Analyse der Art und Weise wie die Website mit ihrem Inhalt thematisch aufgegriffen wird. Der Prozess im Internet läuft aber nicht von alleine, was vielleicht manche glauben mögen. Man muss Trends und Themen, die sich abzeichnen, aufzugreifen und zu kommunizieren. Dies ist wichtig, um Spielräume und Entwicklungsräume der Meinungsbildung auszuloten.<br />
                            <br />Insoweit ist<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> auch eine gesellschaftspolitische Kampagne, die das Ziel hat, das Zusammenspiel von Körpersprache, nonverbaler Kommunikation und persönlichen Handlungsmustern in der Politik als Thema zu platzieren, an dem man in Zukunft nicht mehr vorbeikommt. Zum Thema Manipulationsversuch: Es gab einen Manipulationsversuch einer Partei oder Unterstützergruppe, der aber durch die Analyse der Statistik schnell erkannt und abgefedert werden konnte.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Was empfehlen Sie oder die User den beiden Kandidaten hinsichtlich der Verbesserung ihrer Körpersprache?</p>
<p>                            <strong>Ulrich Sollmann:</strong> Frau Merkel wird empfohlen energischer und kraftvoller aufzutreten, wie sie es z.B. in der Fernsehsendung „Berliner Runde“ getan hat. Sie wirkt dann überzeugender. Außerdem muss sie gerade in Stresssituationen noch selbstsicherer werden. Bundeskanzler Schröders Körpersprache wird oft als zu souverän empfunden. Er sollte sich nicht zu präsidial geben, sondern &#8211; wie beim Parteitag in Berlin &#8211; auch mal ironisch und mit Humor Sachverhalte interpretieren.</p>
<p>
                            <strong>politik-digital.de:</strong> Vielen Dank für das Gespräch.</p>
<p>Das Interview führte Steffen Wenzel</p>
<p class="fett">
<p class="fett">
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Impression Management im Wahlkampf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Neuwahlen zum Bundestag 2005]]></category>
		<category><![CDATA[nonverbale Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[persönliche Ausstrahlung]]></category>
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					<description><![CDATA[Politik braucht ein Gesicht, nämlich das Gesicht des Politikers, der diese Macht verkörpert. Das nichtkommerzielle Internetprojekt 
                            www.charismakurve.de untersucht die persönliche Ausstrahlung und die öffentliche Wirkung der Spitzenkandidaten von SPD und CDU, Gerhard Schröder und Angela Merkel und lädt zum mitmachen ein.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Politik braucht ein Gesicht, nämlich das Gesicht des Politikers, der diese Macht verkörpert. Das nichtkommerzielle Internetprojekt<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> untersucht die persönliche Ausstrahlung und die öffentliche Wirkung der Spitzenkandidaten von SPD und CDU, Gerhard Schröder und Angela Merkel und lädt zum mitmachen ein.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Je differenzierter, plastischer und nachhaltiger Politik in den Medien abgebildet ist, desto eher haben Politiker, die besagte Politik verkörpern, eine Chance zu einem „anfassbaren Politiker“ zu werden. Dieser sitzt dann, so könnte man meinen, schließlich neben dem Medienkonsumenten, sprich dem potentiellen Wähler, auf der Couch im Wohnzimmer vorm Fernseher. Beide sind sich auf eine seltsame Art und Weise vertraut, ohne sich jemals gesehen zu haben. Der Medienkonsument ist dabei der Überzeugung „Klar, den Politiker kenn ich doch“.</p>
<p>Politik gewinnt über die Inszenierung durch die Medien, sowie die persönliche Inszenierung der jeweiligen Politiker in den Medien an Glaubwürdigkeit und Authentizität. Politik wandelt sich zur gefühlten, erlebten Politik und politische Entscheidungen wirken auch wie Entscheidungen für oder gegen Personen.</p>
<p>
                              <strong>Überleben durch nonverbale Kommunikation</strong>
                            </p>
<p>Kompetenz gewinnen PolitikerInnen und Top-ManagerInnen dadurch, dass sie die Klaviatur des Zusammenspiels von nonverbaler Wirkung, Körpersprache, Persönlichkeit und Verhaltensmustern beherrschen. Sie lernen die Kunst: „ich selbst zu sein“ (als Persönlichkeit), „anders zu sein“ (im Rollenverhalten unterscheidbar) und „öffentlich zu sein“ (Öffentlichkeitskompetenz). Dabei wirken sie weniger durch einen antrainierten, spezifischen Verhaltens-Code, der eher die Qualität von „gutem Benehmen“ hat. Statt dessen überzeugen sie als Typus durch ihre persönliche Haltung, ihren individuellen Habitus. Je glaubwürdiger, d. h. in sich stimmiger der jeweilige Typus sich darstellt bzw. wahrgenommen wird, desto höher ist die persönliche Wirkfähigkeit im öffentlichen Feld der Politik. Je sensibler und bewusster diese Politiker und Manager sich sowohl ihrer Verhaltensmuster, als auch im Kern ihrer Persönlichkeit bewusst sind, desto anschlussfähiger sind sie im jeweiligen Kontext.</p>
<p>
                              <strong>Politiker als virtuelle Personen</strong>
                            </p>
<p>Es geht um die Person und die persönliche Ausstrahlung der Politiker. In der heutigen Mediengesellschaft lassen sich drei Arten von Personen unterscheiden: die natürliche Person, die öffentliche Person und die virtuelle Person.</p>
<p>Die virtuelle Person meint die medial abgebildete inszenierte Person, sei es der Mann, die Frau auf der Straße, der Politiker, der Wirtschaftsboss oder der Promi. Diese virtuellen Personen werden in einem sich selbst regulierenden Identifikationsprozess in der öffentlichen Wahrnehmung als auch der Medienbühne zum Leben erweckt. Die Vielfalt der Medien spiegelt dabei die Vielschichtigkeit der einzelnen Person mit ihren jeweiligen Reaktions- und Verhaltensmustern in der Medienöffentlichkeit wieder.</p>
<p>Besonders unter Stress und hoher Belastung sind besagte Reaktions- und Verhaltensmuster deutlich wahrnehmbar und erkennbar. Ist jemand in der (medialen) Öffentlichkeit präsent und will er als Person Aufmerksamkeit und Bedeutung gewinnen, so erhöht sich, wie die Stressforschung erkannt hat, auf der Lebensebene das Stressniveau. Um sich in diesem Stressgeschehen bestmöglich zu behaupten greift der Mensch oft auf „alte Überlebensmuster“ zurück, die sich in seiner Lebensgeschichte für solche Situationen als persönlich brauchbar herausgestellt haben. Medien bilden diese Besonderheiten, sprich persönlichen Verhaltensmuster ab, ohne aber in der Regel sich hierüber und über die Bedeutung/Auswirkung derselben bewusst zu sein.</p>
<p>
                              <strong>Das Projekt</strong>
                            </p>
<p>Um an der Untersuchung der Verhaltensmuster mitzuwirken, kann sich jeder Nutzer wöchentlich an der Ermittlung der Werte beteiligen. Das Thema Körpersprache, persönliche Ausstrahlung und öffentliche Wirkung von Gerhard Schröder und Angela Merkel soll differenziert und kompetent beleuchtet werden. Zudem kann man beiden Spitzenkandidaten Empfehlungen zur Verbesserung der Öffentlichkeitskompetenz geben.<br />
                            <a href="http://www.charismakurve.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.charismakurve.de</a> führt Vertreter der Fachdisziplinen, die sich gezielt mit dem Thema „Person und Politik“ befassen, zusammen. Bis zum 18. September werden die Entwicklung der Charismakurve und die Ergebnisse der Bewertung wöchentlich aktualisiert bekannt gegeben.</p>
<p>
                              <strong>Der Autor des Textes ist Initiator des Projekts<br />
                              <a href="http://www.charismakurve.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">charismakurve.de</a>.</strong>
                            </p>
<p class="fett">Weiterführender Link zum Thema:</p>
<ul>
<li>
                                <strong><br />
                                  <a href="http://www.bschor.de/bb/content/view/15/60/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Impression Management</a><br />
                                </strong>
                              </li>
<li>
                                <strong><br />
                                  <a href="http://www.bilderrepublik.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bilderrepublik.de</a><br />
                                </strong>
                              </li>
</ul>
<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Knapp lebendig</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-bundestagswahl2002-knapplebendig-shtml-2774/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Sep 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Duell]]></category>
		<category><![CDATA[Spitzenkandidat]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationsmuster]]></category>
		<category><![CDATA[Körpersprache]]></category>
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					<description><![CDATA[Körpersprache und Kommunikation beim zweiten TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Körpersprache und Kommunikation beim zweiten TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <br />Körpersprache drückt sich im Verhalten der Menschen aus und ist ein wesentlicher Wirkfaktor in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Politische Macht wirkt über Entscheidungen, die getroffen werden, aber auch über die Kommunikation politischer Inhalte. Da sich diese Inhalte immer mehr angleichen, fällt es den WählerInnen immer schwerer trennscharfe Unterschiede festzustellen. Sie schauen daher deutlicher auf die Performance der Politiker, auf ihren nonverbalen Auftritt.</p>
<p>Das gelockerte Korsett des 2. TV-Duell (auch wenn die Regeln nicht geändert wurden) erleichterte den schnelleren Schlagabtausch der beiden Kontrahenten. Beide zeigten sich spontaner, kontaktfreudiger und angriffslustiger. Auch wenn Alice Schwarzer das Duell im anschließenden Kommentar als „fatal steril“ erlebt hatte und „die Kandidaten für plattgecoacht“ erklärte, sind aus körpersprachlicher Perspektive betrachtet eindeutige Kommunikationsmuster sichtbar geworden:</p>
<p>
                    <strong>Kanzler Schröder als Choreograph (Schröder)</strong><br />
                    <br />Kanzler Schröder choreographiert, so wie man es von ihm als Medienkanzler gewohnt ist, mit charmantem Lächeln, ruhigen Gesten das zweite TV-Duell. Er steht in sich geerdet hinter seinem Pult und wendet sich während des Gesprächs in der Regel dem jeweiligen Gesprächspartner so zu, wie man es im Alltag üblicherweise macht., mit dem Blick und dem ganzen Körper und bleibt, so lange er zu jemandem redet, mit dem Blick bei diesem Menschen. Mal wiegt er nachdenklich den Kopf. Mal unterstreicht er durch seine differenzierte, ruhige Gestik seine Ausführungen. Während Mimik und Betonung den Feinschliff setzen. So spielt er nicht nur auf der Klaviatur der Möglichkeiten, sondern gewinnt auch durch den Ausdruck seiner Gesamtgestalt. Er strahlt souveräne Ruhe, aber auch Konsequenz aus, die er insbesondere durch das situative Wechselspiel von Betonung und Pausen regelt.</p>
<p>Auf der Beziehungsebene glänzt Schröder gleich von Anfang an durch die charmante Art und Weise, gleich mit seiner ersten Antwort die beiden Moderatorinnen zu sich ins Boot zu holen . Gleichzeitig stellt er dem Fernsehpublikum seine kritische Selbstreflexion unter Beweis. Er habe schließlich gerade durch die Zuschauerkritik nach dem ersten Duell persönlich viel gelernt. Er zeigt sich kooperativ und schwingungsfähig, lässt bei einer Unterbrechung seinem Kontrahenten mit einem freundlichen „Bitteschön“ weiterhin den Raum zum Reden. Spätere Attacken und Vorwürfe von Seiten Stoibers federt er persönlich ab, ohne sich persönlich zu ereifern und mit dem Herausforderer zu verhakeln. Statt dessen bietet Schröder Erklärungen und sorgt durch seine einfache und bildhafte Sprache für Transparenz. Richtet sich aber nicht selten gerade dabei an die beiden Moderatorinnen, nicht an Stoiber. Er unterbricht Stoiber, ohne seine Souveränität zu verlieren. Das schrödersche „darf ich auch mal“ lässt Stoiber schließlich sofort verstummen..</p>
<p>Schröder unterstreicht durch das feine Wechselspiel von Durchsetzungsstärke und „langer Leine“ seine Führungskompetenz. Gleichzeitig beugt er sich, wie er betont, der von ihm explizit gesuchten, gesellschaftlichen Legitimation. Humorvoll schließlich gratuliert er Stoiber zu dessen Schattenkabinett und korrigiert mit einem süffisanten Lächeln das stoibersche 63- DM-Gesetz.</p>
<p>Im Schlussstatement trumpft Schröder schließlich auf und besiegt Stoiber mit dessen eigenen Waffen, indem er aus dem Klischee des sogenannten Befürworters der Ich-AG schlüpft. Er wolle, und das sei Schröders tiefe Überzeugung, auch weiterhin aus der Kraft schöpfen, die er während der Flutkatastrophe bei den Menschen in ganz Deutschland erlebt hatte. Dabei spricht er bewußt nicht mehr in der Ich-Form , sondern ordnet sich dem allgemeinen „Wir“ unter. Dem „Wir“, das die Unionsparteien, im Sinne einer Unterscheidung zur SPD, zum Wahlkampfmotto gemacht hatten. Und das Stoiber im ersten Duell für sich pachten wollte.</p>
<p>
                    <strong>Stoiber: Angriffsspieler, aber keine Spielführer</strong><br />
                    <br />Der Herausforderer Stoiber steht aufrecht aber eher versteift mit gekrallten Händen an seinem Rednerpult. Man könnte annehmen, er hätte Angst, alleine auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Auch wenn er sich mit seinem Blick zu Schröder hin wendet, tut er dies lediglich mit den Augen, mit dem Kopf und nicht mit dem Rumpf. Er lächelt weniger, stellenweise noch im unpassenden Moment (z.B. beim Thema Krieg, Terroranschlag). Blickt er ernst, beherrscht seine tiefe Stirnfalte voller Skepsis und Widerspruch sein Gesicht. Mal blickt er indifferent, mal leicht abwesend mit schmalen zusammen gepreßten Lippen. Immer wieder blinzelt er. Und man weiß nicht, ob es das Licht ist, das ihn blendet oder der große Stress in den Augen, weil er der Aufforderung nachkommt, den Blickkontakt zu halten.<br />
                    <br />Auf der Beziehungsebene zeigt sich Stoiber bemüht zugewandt. Er will moderat und selbstsicher bleiben, scheint aber nicht genügend in sich selbst geerdet zu sein. Seine Sätze sind durchweg zu lang, zu kompliziert, gegen Ende des Duells zu schnell ausgesprochen. Er unterbricht Schröder und die Moderatorinnen, und erweist sich dabei als guter Kämpfer. Stoiber macht Schröder Vorwürfe. Er attackiert ihn, wirkt aber gelegentlich dabei wie ein Störer im Hintergrund, der nicht zum Zuge kommt.</p>
<p>Mal wirkt er dann wie ein Prediger, der überhaupt nicht auf die an ihn gerichteten Fragen antwortet. Stoiber ist nicht im Dialog mit Schröder, nicht im Dialog mit den Moderatorinnen, nicht im Dialog mit dem Publikum. Als Herausforderer folgt er seiner Strategie, nämlich Schröder zu attackieren, um sein Thema Arbeitslosigkeit zu besetzen. Und er kämpft gut! Seine gebremste Aggression zeigt er, indem er, mit seinen Händen am Pult festgekrallt, nur mit dem drohenden linken Zeigefinger auf Schröder zeigt. Er nennt aber dabei weder „Ross noch Reiter“. Schließlich kommt es kurze Zeit später beinah noch zu einer psychologischen Fehlleistung, zum Vergessen des Namens seines Gegenübers („&#8230;Herr Ministerpräsident a. D., Herr Kanzler,&#8230;Pause&#8230;äh &#8230;Schröder“).</p>
<p>Kurz darauf, es geht jetzt um das Thema Arbeitslosigkeit, wird er während seiner dauerhaft wiederholten Vorwürfe von Frau Christiansen ausgebremst. Sie entzieht Stoiber das Wort, reicht es weiter an Schröder, um von ihm zu erfahren, was gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu tun sei. Stoiber, der gerade dieses Thema besetzen wollte, lässt sich die Verfügung über sein Thema einfach aus der Hand nehmen. Ist dies, so kann man sich berechtigter Weise fragen, die Auswirkung einer möglichen Retraumatisierung? Eine Folge der beschämend wirkenden Erfahrung aus dem Januar-Talk mit Frau Christiansen, als er sie Frau Merkel nannte.</p>
<p>Stoiber ist trotz einiger überzeugender Gesten unflexibel und reagiert eher in seinen alten Mustern. Im Schlussstatement wirkt er ungemein angespannt, wenn er gerade von Offenheit und Toleranz erzählt. Er wirkt wieder wie angeknipst und ist sich selbst nicht mehr treu. Denn ganz im Unterschied zum Wahlkampfmotto der Union, nämlich dem Teamgeist, dem „Wir“, verliert er sich in deutlich betonten Ich-Aussagen.</p>
<p>
                    <br />
                    <strong>Thema versus Kontakt</strong><br />
                    <br />Beide Kontrahenten zeigen sich körpersprachlich so wie sie sind. Stoiber will das Thema Arbeitslosigkeit besetzen und fährt die Strategie des Angriffs. Eine solche Art des Angriffs, wenn man Marketingstrategen Glauben schenkt, ist aber in den Wirtschaft nicht gerade beliebt , sondern eher verpönt. Angeblich könne man nämlich, so die Werbung, nur dann glaubwürdig punkten, wenn man deutlich und substantiell nach vorne schaut.</p>
<p>Schröder ruht sich hingegen nicht auf der Rolle des souveränen Staatsmanns aus, sondern zeigt sich als Gestalter der Situation im Studio. Er agiert als Choreograph. Dies gelingt ihm gerade aufgrund seines intuitiven Talents, sich auf Menschen und Situationen einlassen zu können. Man sieht es ihm an und man glaubt ihm.</p>
<p>Seine Strategie ist es, nicht an der Strategie festzuhalten, während Stoiber auf die geheime Regieanweisung fixiert bleibt, seiner Angriffsstrategie mit der „Themenwaffe“ Arbeitslosigkeit treu zu bleiben.</p>
<p>Beide Politiker zeigen sich als engagierte Menschen, als leidenschaftliche Politiker. Knapp lebendig, wie der Körperspracheexperte Samy Molcho sie im ZDF-Kommentar charakterisiert hat, konturieren sich die Kontrahenten nonverbal und kommunikativ so deutlich, dass die Umfrageergebnisse ganz im Unterschied zum ersten Duell klare Meinungsunterschiede aufzeigen. Menschen schauen auf die Anmutung von Politikern, wenn sie keine politischen Unterschiede mehr wahrnehmen können. Sie suchen nach Schlüsseltugenden wie Glaubwürdigkeit, Tatkraft, Führungsstärke usw. Sie suchen all das, was man wohl unter Authentizität fassen könnte. Im zweiten Duell spätestens haben sie gefunden, was sie suchten. Beide Kontrahenten waren insoweit authentisch, als sie sich nicht verstellt haben bzw. ihre Bemühungen , einen bestimmten Eindruck zu erwecken, nicht verbergen konnten.</p>
<p>Ulrich Sollmann arbeitet als Körperpsychotherapeut und Unternehmensberater in Bochum. Er ist Autor des Buches &#8220;Schaulauf der Mächtigen &#8211; was uns die Körpersprache der Politiker verrät&#8221;, dass im TB Knaur Verlag erschienen ist.</p>
<p></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 09.09.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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		<title>Die Bilanz des ersten TV-Duells</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Aug 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[75 Minuten Nachtduell in Berlin-Adlershof: Die erste Live-Fernsehdebatte deutscher Kanzlerkandidaten nach US-Vorbild blieb ohne eindeutiges K.O. und ohne rhetorische Triumphe. Doch der Schlagabtausch brachte Kontrast und war erstaunlich politisch. Ebenso erstaunlich: der defensive Stil des Bundeskanzlers. Für politik-digital analysiert Dr. Marco Althaus die Debatte von Herausforderer Edmund Stoiber und Amtsinhaber Gerhard Schröder.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>75 Minuten Nachtduell in Berlin-Adlershof: Die erste Live-Fernsehdebatte deutscher Kanzlerkandidaten nach US-Vorbild blieb ohne eindeutiges K.O. und ohne rhetorische Triumphe. Doch der Schlagabtausch brachte Kontrast und war erstaunlich politisch. Ebenso erstaunlich: der defensive Stil des Bundeskanzlers. Für politik-digital analysiert Dr. Marco Althaus die Debatte von Herausforderer Edmund Stoiber und Amtsinhaber Gerhard Schröder.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>Das Themen-Handling</strong><br />
                    <br />Inhaltlich gab es nichts Neues, aber das wurde auf relativ hohem Niveau diskutiert. Beide formulierten bei Themen wie Steuern, Schulden, Arbeitsmarkt, Energie, Zuwanderung, Bundeswehreinsatz oder Großer Koalition schnörkellos und unbürokratisch, und sie bezogen mehrmals klar Position. Politische Kontraste wurden deutlich sichtbar: Die Befürchtung, hier gehe es nur um einen Schönheits- oder Ähnlichkeitswettbewerb, traf nicht zu. Allerdings schossen die beiden Politiker öfter aneinander vorbei als aufeinander. Schröder präsentierte ein recht vollständiges Faktenarsenal seiner Gesetzgebungs- und Etatleistungen, leugnete aber Probleme nicht, gab sich einsichtig und machte die eigene Unzufriedenheit mit dem Erreichten deutlich. Immer wieder wies er auf Stoibers Mitverantwortung für 16 Jahre Kohl-Regierung hin, die Probleme ebenfalls nicht gelöst habe. Er zögerte nicht, kämpferische Töne auf der linken Saite anzuschlagen über Umverteilung, Solidarität und den wirkungsvollen Sozialstaat. Stoiber, der Angreifer, konzentrierte sich auf die Attacke und wich Nachfragen nach konkreten Lösungen meist aus. Das gewohnte Fakten-Feuerwerk des Bayern blieb aus. Er punktete durch einfache Schuldzuweisungen, häufigste Wörter: &#8220;schwerer Fehler&#8221;, &#8220;verhängnisvoller Fehler&#8221;, &#8220;katastrophaler Fehler&#8221; &#8220;verantwortungslos&#8221;. Dabei ritt er auf &#8220;seinen&#8221; Themen Steuern, Arbeitslosigkeit und Mittelstand auch an weniger passenden Stellen herum, vermied aber plumpe Rechthaberei. Stoiber blieb hölzern und umständlich bei den Fragen nach dem fehlenden Kompetenzteammitglied für Umweltfragen und nach der künftigen Rolle seiner Frau, die er allein als unterstützend definierte. Schröder witterte hier seine Chance im Gender-Gap, sprach ausführlich von Doris als &#8220;selbstbewusster Frau&#8221; und in eindeutiger Distanzierung dreimal von einem &#8220;Frauenbild, das nicht meines ist&#8221;.</p>
<p>
                    <strong>Dynamik und Schlagfertigkeit</strong><br />
                    <br />Von den starren Regeln profitierte klar Stoiber. Der Dialogmensch Schröder, der im informellen Pingpong sowohl im Interview, im Menschenbad wie im Plenarsaal besonders stark wirkt, schien im Korsett gefangen. Pro Einzelthema genügten Stoiber ein, zwei Stöße, um zu punkten, er musste bei Angriffen kaum im Detail nachlegen. Schnelle Gegenangriffe, ein blitzendes Vergeltungsschwert Schröders brauchte er kaum zu fürchten. Allerdings: Schröder brach die Regeln mehrmals, um trotzdem eine Replik abzugeben. Zuerst ließen Peter Kloeppel (RTL) und Peter Limbourg (N24) das durchgehen, wurden dann aber strenger. Im Streit um Mittelstand und Steuern blitzte Emotionalität auf: &#8220;Sie machen eine Umverteilung von unten nach oben&#8221;, warf Schröder Stoiber an den Kopf. Der konterte: &#8220;Herr Bundeskanzler, Sie sollten nicht die Unwahrheit sagen.&#8221; Er riet Schröder, mehr &#8220;in die Akten zu schauen&#8221;, damit Fehler wie bei der Körperschaftssteuer nicht passierten. Schröder: &#8220;Das ist schlicht falsch, was er gesagt hat.&#8221; Was die Akten angehe: &#8220;Sie sollten Sie nicht nur mit sich rumtragen, sondern auch lesen.&#8221; Stoiber: &#8220;Der Bundeskanzler tut immer so, als sei er die Inkarnation der sozialen Gerechtigkeit.&#8221; An anderer Stelle führte Stoiber als Beleg für seine Aufrichtigkeit ein altes Schröder-Zitat über sich selbst an: &#8220;Stoiber, der hält, was er verspricht, der zieht das durch&#8221;. Schröder grinste launig: &#8220;Das muss aber sehr lange her sein.&#8221; Ein Anflug von Humor.</p>
<p>
                    <strong>Ausstrahlung und Sympathiewerben</strong><br />
                    <br />Der Bayer setzte in der ersten Hälfte der Sendung auf eine Lächeloffensive, flirtete aber nicht mit der Kamera. Er suchte also nicht &#8211; wie teilweise Schröder &#8211; den direkten Blick in die Wohnzimmer. Er wirkte frisch, energisch und froh, bei diesem Duell zu sein. Die innere Einstellung strahlte nach außen: Man fühlte Stoibers Willen und Kraft. Diese überspielten Argumentations- und Sprachschwächen. Er versuchte erst gar nicht, Einfühlungsvermögen zu demonstrieren. Schröder verbarg den Charmeur und Kumpeltypen hinter der Maske des Staatsmanns. Er war der ernste Mann für ernste Zeiten, den Stoiber eigentlich darstellen wollte. Und er strahlte Macht aus. Dabei blieb die menschliche Wärme auf der Strecke, die er sonst ausstrahlt. Souverän war er, aber auch ungewohnt distanziert. Sonst fühlt er sich vor der Kamera wohl &#8211; hier nicht. Beherrscht, angespannt, besorgt, genervt, gehemmt &#8211; das blieben Schröders unterschwellige Attribute. Er gewann in der zweiten Hälfte der Sendung durch Einwürfe, spontane Reaktionen, klassenkämpferische Töne und ein gelegentliches listiges Schmunzeln. Schröders Schlussstatement über das bei der Flut sichtbar gewordene Engagement und den Gemeinsinn der Bürger, &#8220;einer der größten Schätze Deutschlands&#8221; setzte &#8211; zusammen mit Frieden und Arbeit &#8212; mit seiner Solidaritätsbotschaft den richtigen menschlichen Kontrapunkt zur eher technokratischen Aussage des Bayern. Hier vereinten sich sozialdemokratisches Pathos und persönliches Charisma mit der staatsmännischen Pose.</p>
<p>
                    <strong>Rhetorik, Gestik und Mimik</strong><br />
                    <br />Wer einen stotternden Stoiber erwartet hatte, wurde enttäuscht. Er formulierte prägnant, seine Sätze fanden ein geordnetes Ende, er bewies gewisse Eloquenz durch ein bewusstes Wirkenlassen seiner Anti-Botschaften. Sein Lächeln unterstrich die Souveränität eines Mannes, der sich seiner Sache sicher ist und weiß, das die Erwartungen an seinen Auftritt niedrig hängen. Doch reichte er weder an Schröders Eloquenz heran, noch konnte er den Sätze zerreißenden Stakkato- und Schnellredner in sich ganz bändigen. Er wirkte zwar nicht kühl und verbohrt, aber hinterließ auch keinen wirklich entspannten Eindruck. Normalerweise ist es Schröder, der im Rhythmus der Worte mit Händen und Füßen redet. Doch der beschränkte sich auf wenige Gesten vor der Brust &#8211; immerhin, im Gegensatz zu Stoiber nahm der Kanzler die Hände vom Tisch. Der Schlaks Stoiber klebte am Griff, wippte und wackelte dafür umso mehr mit dem ganzen Körper, hackte mit dem Kopf seine Attacken in die Luft. Kurios wirkte es, wenn Stoiber, den Kopf seltsam schräg gelegt und spitz lächelnd, Schröder direkt mit &#8220;Sie&#8221; ansprach, ihn dabei aber nicht ansah. Was den Kanzler wohl verwirrte, und auch Moderator Limbourg, der sich laut wunderte, warum er dauernd als &#8220;Herr Bundeskanzler&#8221; angesprochen werde. Die häufigen Äääähs begleiteten Stoiber auch zum Duell. Er griff immer wieder zu denselben Floskeln wie den Satzstarter &#8220;Ich sage Ihnen ganz offen&#8230;&#8221; Immerhin: Nur selten brachte er fragwürdigen Politikerjargon wie &#8220;Minuswachstum&#8221; oder verfiel in Stoiberesken wie &#8220;Deutschland ist ein großartiges Land, und die Bevölkerung ist eine großartige Bevölkerung&#8221;. Schröder erklärte seine Politik in äußerst simplen Sätzen, sein häufigstes Wort: &#8220;Machen&#8221;. Das klang nach Tatkraft und Exekutive, ein wenig nach der Diktion der Macht, aber auch unfreiwillig komisch in Sätzen wie: &#8220;Wir haben Kraft-Wärme-Kopplung gemacht.&#8221;</p>
<p>
                    <strong>Die Rollen: Angriff und Verteidigung</strong><br />
                    <br />Stoiber wurde seiner Rolle als Herausforderer gerecht und nutzte die Außenseiterchance. Er ließ keinen Zweifel an seinem Willen, anzugreifen und Themen an sich zu ziehen. Er blieb fast nie bei der Analyse stehen, sondern nutzte bei jeder Frage die Chance zum Angriff und behielt damit die Initiative. Er prangerte Fehler an und versuchte mehrmals, Schröder durch die direkte Ansprache und Provokation aus der Reserve zu locken. Damit zeigte er, dass er &#8211; zumindest unter diesen fixen Duellregeln &#8211; vor einer frontalen Konfrontation mit dem sehr schlagfertigen Schröder keine Angst hat. Er wirkte energisch, fast frech. Der Kanzler als Fernseh-Favorit verteidigte seine Bilanz souverän und dem Medium angemessen. Er nutzte die eingebauten Stärken der Verteidigerrolle. Denn Erhalten ist leichter als Gewinnen. Er ließ Stoiber an sich abarbeiten. Geschickt fing er Provokationen durch Stoiber und Moderatoren ab, indem er Kritik einräumte, nachgab, uminterpretierte. Er nutzte wenige, aber gezielte Gegenstöße, ohne sich zu exponieren. Er schien sich bewusst zurück zu halten. Doch durch die staatsmännische Defensive aus der Stärke des Amtes heraus hemmte er seine Talente als Angreifer. Er hätte Stoiber sicher rhetorisch dominieren können, wäre aber dabei ein hohes Risiko eingegangen. Das Ergebnis: Ein Patt. Das Unentschieden, das Stoiber vielleicht vom Gewinnen abhalten könnte.<br />
                    </p>
<p>Dr. disc. pol. Marco Althaus, M.A. (USA), Diplom-Politologe, ist Leiter der Pressestelle des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr.</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 26.08.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
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