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	<title>Obdachlosigkeit &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Obdachlosigkeit &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Streetwork digital: die Sofa-Hopper</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Paulina Fried]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Apr 2019 09:26:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[sofahopper.de]]></category>
		<category><![CDATA[Streetwork]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Mit der Plattform sofahopper.de helfen Streetworker Jugendlichen, die verdeckt obdachlos leben. Im Interview berichten die Sozialarbeiterin Sigrid Kästner und die Pädagogin Ines Fornaçon von der Off Road Kids Streetwork-Station Berlin über unsichtbare Obdachlosigkeit, das Konzept von sofahopper.de und die Vorteile von Chats für Hilfesuchende.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Gibt man den Begriff „Straßenkinder in Deutschland“ in die Online-Suchmaschinen ein, stößt man schnell auf das klischeehafte Bild des bunthaarigen, pöbelnden Punks, der aus sozial schwachen Verhältnissen kommt. Tatsächlich, das hat die über 20-jährige Arbeitserfahrung der <a href="https://offroadkids.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hilfsorganisation Off Road Kids</a> gezeigt, stammen die Ausreißer und Ausreißerinnen aber aus allen Gesellschaftsschichten, sind oft eher unauffällig, und fliehen vor traumatischen Erfahrungen wie familiären Zerwürfnissen, Vernachlässigung und Misshandlung in die Anonymität der Großstadt. Materielle Not spielt nur eine zweitrangige Rolle.</p>
<h3>Armes, reiches Deutschland</h3>
<p>Deutschland ist ein Staat, dessen soziales Netz, so wird zumindest häufig argumentiert, alle Bürgerinnen und Bürger auffängt. Trotzdem haben bundesweit etwa 37.000 junge Menschen unter 27 keinen festen Wohnsitz, ca. ein Fünftel von ihnen ist minderjährig. Ein Drittel der betroffenen Jugendlichen lebt sogar ausschließlich auf der Straße und ist damit obdachlos. Diese Zahlen gehen aus einer <a href="https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2017/25865_beierle_hoch_strassenjugendliche.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erhebung</a> hervor, die das Deutsche Jugendinstitut (DJI) 2017 veröffentlicht hat.</p>
<h3>Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt &#8230;</h3>
<p>Seit 1993 arbeitet Off Road Kids als einzige überregional tätige Hilfsorganisation für Straßenkinder in Deutschland. Neben Beratungsangeboten, Bildungs-, Integrations-, und Gesundheitsvorsorgeprogrammen, betreiben die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auch Streetwork. Das heißt, sie warten nicht auf Hilfesuchende, sondern gehen aktiv auf Kinder und Jugendliche zu, die in Deutschlands Großstädten auf der Straße leben. Diesem Arbeitsansatz liegt die Annahme zugrunde, dass die jungen Obdachlosen zwar den Wunsch haben, wieder von der Straße wegzukommen, ihnen aber die Informationen über Hilfeangebote fehlen.</p>
<h3>Digitalisierung der Streetwork: Sofa-Hopper 2.0</h3>
<p>Fester Wohnsitz hin oder her, ein Smartphone besitzen heutzutage die meisten Jugendlichen. Und damit auch den Zugang zum digitalen Portal der Off Road Kids, sofahopper.de, das es seit 2016 gibt. Über eine Chat-Funktion auf der Website können sich Jugendliche melden, die kurz davor sind, „zuhause rauszufliegen“ oder schon als Sofa-Hopper bei Bekannten aus dem Internet oder Freunden untergekommen sind.</p>
<h3><a href="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/sofahopper.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-162083" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/sofahopper.png" alt="sofahopper" width="224" height="298" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/sofahopper.png 451w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/06/sofahopper-225x300.png 225w" sizes="(max-width: 224px) 100vw, 224px" /></a>politik-digital.de: Wie entstand die Idee für die Online-Plattform sofahopper.de?</h3>
<p>Die Idee kam von den Streetworkern selbst, weil sie auf der Straße immer weniger Jugendliche angetroffen haben. 2002 waren es noch 40 Minderjährige im Monat, heute sind es gegen Null. Das Problem von obdachlosen jungen Menschen hat sich ja aber nicht einfach durch ein Wunder aufgelöst. Die Jugendlichen sind jetzt eher verdeckt obdachlos. Das Ziel unserer virtuellen Streetworkstation ist also, diese verdeckt Obdachlosen zu erreichen und sie ins Hilfesystem zu integrieren.</p>
<h3>Was heißt es „verdeckt obdachlos“ zu sein?</h3>
<p>Das heißt, die jungen Obdachlosen sind jetzt weniger auf der Straße unterwegs. Dadurch, dass sie bei Bekannten auf dem Sofa schlafen, sind für die Gesellschaft sozusagen unsichtbar. Aufgrund der digitalen Kommunikationsmittel ist es nicht mehr unbedingt nötig auf die Straße zu gehen und zu fragen: „Wo kriege ich was zu essen her?“. Das kann jetzt alles über WhatsApp geklärt werden.</p>
<h3>Erreichen Sie mit sofahopper.de eine andere Zielgruppe als mit der klassischen Streetwork?</h3>
<p>Ja, es sind nicht mehr nur unsere altbekannten „Straßenköter“, die schon lange auf der Straße sind und viel Erfahrung mit Jugendhilfe haben. Die Gruppe der Hilfesuchenden ist größer und heterogener geworden. Vorher haben wir auch nie die Gastgeberinnen und Gastgeber erreicht. Die melden sich jetzt auch bei uns und fragen, wie sie dem jungen Menschen, der auf ihrer Couch schläft, helfen können. Wir kriegen jetzt sogar Anfragen von Studierenden und Azubis, die keine Wohnung finden.</p>
<h3>Wie viele Anfragen bekommen Sie pro Jahr?</h3>
<p>2017 und 2018 hatten wir pro Jahr ca. 200 Anfragen. 2019 haben wir bis jetzt schon 74, 30 davon nur im Monat April. Das liegt daran, dass wir unter anderem Google Ads benutzt haben. Wenn man jetzt „Obdachlos – was kann ich tun?“ googelt, stößt man relativ schnell auf uns.</p>
<h3>Braucht es weiterhin analoge Mittel, um Wissen über das Portal zu verbreiten?</h3>
<p>Es braucht beides. Die analogen Mittel, die wir nutzen, sind Interviews, Postkarten, Flyer und Werbeaktionen. Die meisten Jugendlichen kommen aber durch eigene Recherche auf uns.</p>
<h3>Haben Sie Probleme mit Fake-Anfragen?</h3>
<p>Fast nie. Wir staunen immer darüber wie wenig Spam wir kriegen. Wenn wir jetzt überall in der Stadt Plakate von sofahopper.de hängen hätten, wäre das vielleicht anders.</p>
<h3>Warum nutzen Sie die Chat-Funktion?</h3>
<p>Die Chatfunktion ist anonym und niedrigschwellig. Die Hürde, einen Anruf zu machen oder eine Beratungsstelle aufzusuchen, ist viel höher. Manchmal fragen wir auch: „Darf ich dich anrufen?“. Viele sagen dann: „Ne, mir ist Chat lieber.“ Außerdem funktioniert die Chatfunktion auch asynchron. Das heißt, die Hilfesuchenden können uns anchatten. Auch wenn wir gerade nicht da sind, kriegen sie erst mal eine automatisierte Antwort und später dann Rückmeldung. Oft kommen die Anfragen in der Nacht, denn da kommen die Krisen. Das ist eben das schöne – die Jugendlichen können uns zu jeder Tages- uns Nachtzeit schreiben und sich sicher sein: Wir melden uns zurück!</p>
<h3>Haben Sie vor, die Plattform auszubauen, also zum Beispiel eine App zu entwickeln?</h3>
<p>Ja, solche Ideen stehen im Raum. Wir können uns auch gut vorstellen in Zukunft mit Influencern zu arbeiten und diese zu animieren, für sofahopper.de Werbung zu machen. Damit würden wir genau die Zielgruppe erreichen.</p>
<h3>Können Sie eine Zwischenbilanz ziehen?</h3>
<p>Es war eine richtig gute Idee die sofahopper.de zu gründen! Wir erreichen bundesweit wahnsinnig viele Jugendliche, die wir auf der Straße nicht mehr antreffen würden. Aus den dünn besiedelten Räumen kommen weniger Anfragen als aus den Ballungsgebieten. Das liegt daran, dass es da noch Wohnungen gibt, nicht so wie in Berlin, Hamburg und Co.</p>
<p>Das Interview führte <a href="https://politik-digital.de/user/pfried/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Paulina Fried</a></p>
<p><strong>Titelbild:</strong>  <a href="https://unsplash.com/@kellysikkema?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Kelly Sikkema</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
<p><strong>Bild:</strong> Reichweite sofahopper.de by Off Road Kids Stiftung</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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		<title>Down and out, on the Road</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:43:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlosigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Down and out, on the Road</b>The Homeles in American History</b> <p>Wie in Europa so gab es auch in den nordamerikanischen Kolonien schon im 17. Jahrhundert Obdachlosigkeit. Während hierzulande aber der Dreißigjährige Krieg große Zahlen von Menschen entwurzelte, war die Zahl der Obdachlosen in Nordamerika bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein noch sehr begrenzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Down and out, on the Road</strong><br />
The Homeles in American History<br />
Wie in Europa so gab es auch in den nordamerikanischen Kolonien schon im 17. Jahrhundert Obdachlosigkeit. Während hierzulande aber der Dreißigjährige Krieg große Zahlen von Menschen entwurzelte, war die Zahl der Obdachlosen in Nordamerika bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein noch sehr begrenzt. Erst die dann einsetzende Industrialisierung ließ die Anzahl der Obdachlosen langsam ansteigen.<br />
Noch einschneidender war der amerikanische Bürgerkrieg, an dessen Ende 1865 sich eine lang andauernde Hochphase der Obdachlosigkeit anschloß. Dafür gibt es viele Gründe: neben den sich periodisch wiederholenden wirtschaftlichen Rezessionen, die immer wieder neue Menschen auf die Straßen spülten, lagen die Gründe im nunmehr gut ausgebauten Einsenbahnnetz, das die jetzt &#8220;Hobos&#8221; oder verächtlich &#8220;Tramps&#8221; genannten Obdachlosen schwarzfahrend zur Fortbewegung nutzten und in der (im Krieg gemachten) Erfahrung vieler Männer mit dem Lagerleben. Viele Bürger in den ländlichen Gebieten trafen zum ersten Mal auf Obdachlose, deren Anblick bis dahin nur in den großen Städten alltäglich gewesen war, &#8211; und reagierten verstört. Gruselgeschichten von gewalttätigen &#8220;Tramps&#8221; füllten die Gazetten. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl der Obdachlosen langsam wieder ab.<br />
Erst die New-Deal-Regierung Roosevelts unternahm kurzzeitig große Anstrengungen der Fürsorge für Obdachlose (die allerdings abebbten, als erste Erfolge eintraten &#8211; nicht zuletzt deshalb, weil politische &#8220;pressure groups&#8221; für Obdachlose nicht existierten). Bis dahin war die Fürsorge immer eine lokale Angelegenheit gewesen, und die Politik schwankte zwischen Repression (Verurteilung wegen Landstreicherei, Zwangsarbeit) einerseits und Hilfe andererseits. Die Kultur der USA ist stark protestantisch geprägt, wozu Überzeugungen gehören, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied sei, und dass Armen nur nach genauer Prüfung ihrer &#8220;Würdigkeit&#8221; gegeben werden solle. Gleichwohl haben sich immer Bürger gefunden, die in Anbetracht der Not &#8211; speziell wenn diese massenhaft auftrat &#8211; halfen ohne mißtrauische Prüfung der Bedürftigen.<br />
Während in den Jahren 1945-1975 die Obdachlosigkeit zu einem Randproblem geworden war, das vor allem eine umgrenzte Gruppe älterer Männer betraf, nahm in den 80er Jahren die Obdachlosigkeit wieder rasant zu. Auch änderte sich ihr Gesicht: Zwar hatten Schwarze (und vereinzelte Frauen) immer zu den Obdachlosen gehört, doch sind heute mehr Frauen und mehr Angehörige von Minderheiten denn je obdachlos. Auch, und das ist vielleicht das Bedrückendste der von Kusmer dargelegten Statistiken, sind Obdachlose heute wesentlich ärmer als vor einer oder zwei Generationen, als es noch kleine, oft saisonale Jobs für Obdachlose gab, die es ihnen ermöglichten, ein simples Zimmer oder zumindest ein Bett in einer Sammelunterkunft zu bezahlen. Heute bleibt nur noch die Suppenküche, das Betteln auf der Straße und, wenn überhaupt, der &#8220;welfare check&#8221;. Zudem sind in der Ebbe-Zeit der Obdachlosigkeit in der 50er-70er Jahren viele städtische Wohngebiete mit preiswertem, sehr einfachem Wohnraum, in denen sich Obdachlose konzentrierten (&#8220;skid row&#8221;), &#8220;saniert&#8221; worden, wodurch erschwinglicher Wohnraum ersatzlos vernichtet wurde.<br />
Will er die Geschichte von Städten und Gemeinden schreiben, bedient sich der Historiker verschiedener Quellen wie z.B. Volkszählungen, Steuerakten, Adreßbücher, Kataster. Das meiste davon liegt für Obdachlose nicht vor, denn diese haben keinen Wohnsitz, zahlen keine Steuern etc., lediglich Polizei und Justiz sowie caritative Organisationen und Kommunen hinterlassen gewisse Akten, die Auskunft über Obdachlose geben, wozu manchmal noch Selbstzeugnisse treten.<br />
Kenneth Kusmer, Professor für Geschichte in Philadelphia und Spezialist für Stadtgeschichte der USA, hat eine bemerkenswerte Arbeit vorgelegt, in der er verschiedene Quellen nutzt und in eine große Übersicht integriert. Dabei verweilt er nicht nur auf der Ebene des Zusammentragens von Fakten über Wirtschaftskrisen, Übernachtungszahlen Obdachloser oder deren Verurteilung durch Gerichte. Vielmehr erarbeitet er parallel eine Mentalitätsgeschichte der Haltung der Mehrheit der Bevölkerung zu den Obdachlosen und Armen. Dabei fällt ihm auf, dass häufig die Arbeiterklasse, also Menschen, die selbst zumeist eine bescheidene und auch abstiegsgefährdete Existenz führen, am meisten Solidarität mit den sozial Abgestürzten zeigen. Aber auch viele aus dem Bürgertum gaben und geben Bettlern oder engagierten sich bei der Eröffnung von Suppenküchen, oft durchaus zum Mißfallen der Fürsorge-&#8220;Profis&#8221;, also der Sozialarbeiter, die besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert häufig einen kontrollierenden und disziplinierenden Ansatz verfolgten.<br />
Mentalitätsgeschichtlich ist die interessanteste Periode &#8211; die Kusmer meisterhaft beleuchtet &#8211; die Zeit von 1865 bis zum ersten Weltkrieg, die Zeit, in der die Masse der US-Bürger überhaupt Bekanntschaft mit Obdachlosen macht. Als Reaktion folgt eine Phase der Angst vor Obdachlosen und deren Verfemung, dann Gewöhnung bis hin zu Anzeichen von Verständnis und teilweise Solidarität. Kusmer analysiert dazu Presseartikel, Romane, &#8220;Hobo&#8221;-Gedichte und die ersten Filme bis zu Chaplins &#8220;The Kid&#8221;. Wo es möglich ist, stellt er dem medialen und orbrigkeitlichen Bild des Obdachlosen die Realität gegenüber. Auch eher unerwartete Themen schneidet er an wie die Sexualität der Obdachlosen oder die Rolle der (wenigen) obdachlosen Frauen. Wiewohl er in den Obdachlosen zuerst Opfer sieht, vergißt er doch nie, dass sie, auch in der Not, selbst ihr Leben gestalteten, ja dass manche &#8211; vor allem junge Männer &#8211; das ungebundene Leben selbst wählten, um einem ungeliebten familiären Umfeld und insbes. unerträglichen Arbeitsbedingungen der Fabriken des 19. Jahrhunderts zu entkommen.</p>
<table width="204" border="0" cellspacing="0" cellpadding="6" align="left">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" bgcolor="#FFCC00" width="189"><strong>Buch-Info</strong><br />
Kenneth Kusmer:<br />
Down and out, on the Road.<br />
The Homeles in American History.<br />
Oxford u.a. (Oxford Univ. Press) 2002</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Kusmer betont als Quintessenz seiner Studie, dass Obdachlose sich kaum vom arbeitenden Durchschnittsamerikaner unterscheiden. Sie sind nur ärmer! Behauptungen, Obdachlose seien überwiegend psychisch krank und deswegen kaum integrierbar in die Gesellschaft, weist er zurück. Als ermutigenden Mentalitätswandel hält er fest, dass es in den USA nie so viele Menschen gegeben hat, die sich für die Rechte Obdachloser einsetzten, wie heute.<br />
Als Autor steht Kusmers mit seiner Sympathie für Obdachlose auf dem US-amerikanischen Buchmarkt nicht allein da, wenngleich er in besonderer Weise durch historische Tiefenschärfe beindruckt (<a href="#1">1</a>).<br />
Die letzte große Welle der Obdachlosigkeit erlebte Deutschland infolge des Bombenkriegs im 2. Weltkrieg und durch die anschließende Vertreibung von 10 Millionen Menschen aus dem deutschen Osten und Ostmitteleuropa. Durch große Anstengungen wurde hierzulande in den 50er Jahren der benötigte Wohnraum geschaffen, überwiegend durch die Privatwirtschaft (Versicherungen z. B. legten ihre Gelder damals vorrangig in Wohnimmobilien an). In den USA wüteten &#8211; vom 1865 beendeten Bürgerkrieg abgesehen &#8211; niemals solche Kriege. Vielmehr muß die hohe Obdachlosigkeit dort als ein Signum der für die Mehrheit typischen Mobilität angesehen werden &#8211; der räumlichen aber vor allem sozial-beruflichen Mobilität. Einer Mobilität, die die Möglichkeit zum Aufstieg eröffnet, aber auch das Risiko des Abstiegs im Falle von familiären, gesundheitlichen oder geschäftlichen Unglücksfällen in sich birgt. Kusmer bemerkt interessanterweise, dass es in den USA Einwanderergruppen &#8211; wie z.B. Juden und Italiener &#8211; gab, die trotz relativer Armut größeren Zusammenhalt bewahrten und aus deren Kreisen sich kaum Obdachlose rekrutierten, da deren Arme als Bettler oder Gelegenheitsarbeiter in ihre Familien und Wohnviertel integriert blieben. Staatliche soziale Netze hingegen sind in den USA offenbar nicht dicht genug geknüpft, um Arme vor der Obdachlosigkeit zu bewahren.<br />
Fazit: Eine sehr gelungene, detailreiche, umfassende Geschichte der Obdachlosigkeit, einer Erscheinung, die zu dem gehört, was ein deutscher Autor schon vor 50 Jahren die &#8220;Kehrseite der USA&#8221; genannt hat.</p>
<table width="146" border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div align="center">Erschienen am 14. 02. 2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>1. Siehe z.B. die Buchhinweise auf: <a href="http://www.anotherwaytohelpthehomeless.com/notably_new.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.anotherwaytohelpthehomeless.com/notably_new.htm</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wohnungslos ins Internet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/wir-sind-offliner/wissensgesellschaftsketter_wohnungslos_ins_internet_061214-shtml-3142/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sketter]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Dec 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wir sind Offliner]]></category>
		<category><![CDATA[Offliner]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzugang]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kluft]]></category>
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					<description><![CDATA[(Artikel) Wer keine Wohnung hat, besitzt in der Regel wenig Geld, von Hardware, DSL-Zugang und Laptop ganz zu schweigen. Immer mehr Initiativen ermöglichen jenen Zwangs-Offlinern den Zugang zum Internet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(Artikel) Wer keine Wohnung hat, besitzt in der Regel wenig Geld, von Hardware, DSL-Zugang und Laptop ganz zu schweigen. Immer mehr Initiativen ermöglichen jenen Zwangs-Offlinern den Zugang zum Internet.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Bernd wohnt um die Ecke, gleich neben dem verlassenen Kiosk. Bernd ist 46 Jahre alt und seit 11 Jahren obdachlos. Und Bernd wird diese Zeilen wahrscheinlich nie lesen, denn Bernd ist ein Offliner.</p>
<p>Es sind nicht nur die Älteren in unserer Gesellschaft, denen der Zugang zum Internet &#8211; zur Online–Gemeinde &#8211; oft schwer fällt und dadurch auch oft verwehrt bleibt. Es sind auch diejenigen betroffen, denen aufgrund ihrer ökonomischen Situation die Mittel fehlen, um an der interaktiven Wissensgesellschaft zu partizipieren. Es gibt allerdings Projekte und Einrichtungen, die es den sogenannten Offlinern ermöglichen, sich in die Welt der Onliner einzuwählen.</p>
<p class="fett">Wohnungslos-in-berlin.de</p>
<p>In vielen großen Städten stellen mittlerweile zahlreiche öffentlich Institutionen kostenfreie Internetzugänge zur Verfügung. Adressen jener gemeinnützigen Einrichtungen finden sich, klar, im Internet. So beispielsweise die Homepage von „<br />
                            <a href="http://www.wohnungslos-in-berlin.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wohnungslos in Berlin</a>“, die einen detaillierten Überblick über die Angebote öffentlicher Bibliotheken, Jugend- und Familienzentren sowie universitären Einrichtungen liefert. Andere Anbieter richten sich noch gezielter an die ökonomisch Schwachen in unserer Gesellschaft: Der Berliner Verein „<br />
                            <a href="http://www.die-stuetze.com/html/internetcatfe.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Stütze e.V.</a>“ beispielsweise betreibt ein Internetcafe für Wohnungslose und einkommensschwache Männer und Frauen. Der Verein bietet neben einem umfangreichen Weiterbildungsangebot im Bereich elektronische Medien und Internet auch eine spezielle Informationsplattform für Wohnungslose.</p>
<p>Ergänzend zu diesem Angebot „auf der Straße“ gibt es aber auch Einrichtungen, die sich durch direkte Ansprache und unmittelbare räumliche Nähe an die Offliner wenden. So gibt es mittlerweile viele Heime für Wohnungslose, die über eigene Computerräume mit persönlicher Betreuung verfügen. Ein Beispiel für eine solche Einrichtung ist das „<br />
                            <a href="http://www.hausweissenburg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Haus Weissenburg</a>“ in Düsseldorf. Der gleiche Träger betreibt auch ein Heim für geistig Behinderte, in dem den Bewohnerinnen und Bewohnern ein<br />
                            <a href="http://hausmichael.skmd.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Computerraum mit Internetzugang</a> zur Verfügung steht.</p>
<p class="fett">Online-Hilfe zur Selbsthilfe</p>
<p>Keinen Internetzugang zu haben, erscheint im Vergleich zu Wohnungslosigkeit das kleinere Problem zu sein. Die Frage, wie man Betroffene online erreicht, geradezu grotesk. Allerdings gibt es mittlerweile viele Informationen für Wohnungslose online – und teilweise sogar aussschließlich online. Im Jahr 2001 veröffentlichte die Stadt Berlin einen Kälte-Wegweiser mit Übernachtungs- und Aufwärmplätzen nur im Internet. Aber auch andere Hinweise für Obdachlose sind auf verschiedenen Internetseiten wie beispielsweise<br />
                            <a href="http://www.wohnungslos-in-koeln.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wohnungslos-in-koeln.de</a> und<br />
                            <a href="http://www.wohnungslos-in-berlin.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wohnungslos-in-berlin.de</a> oder<br />
                            <a href="http://www.ofw-leitfaden.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.ofw-leitfaden.de</a> (Leitfaden für Obdachlose in Berlin) zu finden. Neben aktuellen Terminen, Adressen, nötigen Formularen zum Herunterladen, finden sich auch Online-Foren, in denen Wohnungslose ihre Situation reflektieren und sich austauschen sowie nützliche Tipps weitergeben können. In USA gibt es längst regelrechte<br />
                            <a href="http://view-sidewalk.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ikonen</a> der Blogger-Szene – Obdachlose, die von ihrem Leben<br />
                            <a href="http://thehomelessguy.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">erzählen</a>.</p>
<p>Aber nicht nur die Informationsbeschaffung oder der Austausch zwischen den Betroffenen steht im Mittelpunkt der Idee, Wohnungslosen den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Sie können so auch Kontakt zu Freunden und Verwandten halten. Die Initiatoren haben erkannt, wie wichtig es ist, an der modernen Wissensgesellschaft teilhaben zu können. Denn auch für diejenigen, die strukturell eher davon ausgeschlossen sind, sind Informationen der Bundesagentur für Arbeit oder die regionale und überregionale Tagespresse im Internet von Relevanz. Der Berliner Verein „Die Stütze e.V.“ beschreibt als Hintergrund für sein Engagement die immer wichtiger werdende Rolle von elektronischen Medien in unserer Gesellschaft und dass Teilhabe nur möglich ist, wenn man sich mit jenen Medien auch auskennt. Gerade für ökonomisch schwache Menschen ist der Umgang mit den neuen Medien wichtig, um die Ausgrenzung aus der Gesellschaft nicht weiter zu verschärfen und bestenfalls einen Wiedereinstieg zu ermöglichen.</p>
<p>Neben Wohnungslosen sind auch andere gesellschaftliche Gruppen von der Nichtteilhabe an der interaktiven Wissensgesellschaft betroffen. Gerade Kinder ökonomisch schwacher Familien sind von dieser Problematik tangiert. Dass die Anschaffungskosten für einen Computer oft die finanzielle Leistungsfähigkeit dieser Familien übersteigt, vereinfacht die Situation keineswegs. Allerdings gibt es im Internet Foren, in denen die kostenfreie Weitergabe von – zwar nicht der modernsten aber für die Zwecke der Internetnutzung ausreichenden – Hardware, angeboten und angefragt wird. Ein Beispiel für ein solches Forum ist „<br />
                            <a href="http://www.dhd24.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Der heiße Draht</a>“. Vielen Schulen bieten mittlerweile Computerkurse speziell für diese Zielgruppe an, zum Schulalltag gehören diese Initiativen allerdings keineswegs.</p>
<p>Die Spaltung der Gesellschaft in Onliner und Offliner scheint sich aufgrund eines immer größer werdenden so genannten abgehängten Prekariat weiter zu verschärfen. Die innergesellschaftliche Kommunikation sollte zwar nicht nur online stattfinden, dennoch müsste gewährleistet sein, dass das Individuum nicht allein wegen seiner wirtschaftlichen und sozialen Situation von der neuen medialen Kommunikation ausgeschlossen ist.</p>
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