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		<title>Der Algorithmus als Richter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Schuchmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jul 2016 10:13:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Automatisierte Justiz – ein Projekt aus den Niederlanden zeigt, wie es gehen kann und hat damit Erfolg. Der Robo-Richter ist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/download1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-149739 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/download1.jpg" alt="Frau mit Justizapp" width="640" height="280" /></a>Automatisierte Justiz – ein Projekt aus den Niederlanden zeigt, wie es gehen kann und hat damit Erfolg. Der Robo-Richter ist wohl nur eine Frage der Zeit. Sind Justizirrtümer damit eine Sache der Vergangenheit?</p>
<p>Menschliche Entscheidungen sind häufig intuitiv und leicht beeinflussbar. Wir sind schlecht darin, Wahrscheinlichkeiten korrekt zu beurteilen und über- bzw. unterschätzen daher gerne Risiken. Wird zum Beispiel anhaltend über Terror berichtet, neigen wir dazu, unser eigenes Anschlagsrisiko grob zu überschätzen. Auch orientieren wir uns an gewissen Fixpunkten, unabhängig von ihrer tatsächlichen Relevanz. Man denke nur an den Impuls, etwas zu kaufen, weil es stark reduziert ist, ganz abgesehen von der Angemessenheit des Original- bzw. vermeintlichen Schnäppchenpreises. Während man in solchen Fällen vielleicht noch von einer gewissen Korrelation zwischen Preis und Qualität ausgehen kann, lässt sich ein solcher Anker-Effekt auch bei gänzlich unabhängigen Werten feststellen.</p>
<p>So wurden Richter_innen in einem Versuch gebeten zwei, den Probanden unbekannterweise gezinkte, Würfel zu werfen, deren Summe immer nur drei oder neun war. Anschließend präsentierte man ihnen einen fiktiven Fall von Ladendiebstahl mit der Frage, ob sie ein Strafmaß höher oder niedriger als die gerade gewürfelte Summe aussprechen würden. Solche, die eine Summe von neun gewürfelt hatten sprachen sich im Schnitt für eine Strafe von 8 Monaten aus. Die, deren Summe drei gezeigt hatte, im Mittel für 5 Monate. Nun kann man argumentieren, dass diese Tendenz zu Fehleinschätzungen uns vermehrt nur in solchen Momenten beeinflusst, in denen wir nicht ernsthaft nachdenken. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich solche Willkür nicht unterbinden lässt.</p>
<h3>Scheidung per Algorithmus</h3>
<p>Zumindest in vergleichsweise simplen Entscheidungsprozessen könnten Algorithmen hier Abhilfe schaffen. Ein Pilotprojekt bildet das niederländische System Rechtswijzer (übersetzt soviel wie: „Wegweiser zum Recht“), ein komplett automatisierter Streitschlichtungsservice. Derzeit bietet das Portal Lösungen in Scheidungsangelegenheiten und bei Beschwerden zu Online-Käufen an. Module zur Schlichtung von Mietstreitigkeiten sowie zur Konfliktlösung am Arbeitsplatz sollen folgen. Nutzer_innen des Systems füllen umfangreiche Fragebögen zu unter anderem ihrer Vermögenssituation, Bildungsstand und gemeinsamen Kindern aus, auf Basis derer ein Algorithmus dann einen Lösungsvorschlag macht. Angeblich schalten nur fünf Prozent der Nutzer_innen darüber hinaus noch menschliche Richter_innen ein.</p>
<p>Vorteile solcher Schlichtungsalgorithmen sind neben der Reduktion der gerade genannten Willkür auch die Vereinheitlichung von Gebühren – so zahlen Paare 100€ für die Nutzung des Portals und weitere 360€, wenn menschliche Schlichter_innen eingeschaltet werden sollen. In Deutschland sind Rechtsanwaltskosten zwar klaren Regelungen unterworfen, steigen aber proportional mit dem Streitwert der Scheidung, der sich aus Einkommen und Vermögen der Parteien zusammensetzt. Ein Wert von unter 100€ oder auch 460€ ist so kaum erreichbar. Durch eine Vereinheitlichung per Algorithmus würden Scheidungen also jeden das Gleiche kosten – ob Fixkosten allerdings gerechter sind als proportional steigende, sei dahingestellt. Was außer Frage steht ist, dass eine Vereinheitlichung der Entscheidungskriterien, unabhängig von menschlichen Launen, zu bevorzugen ist.</p>
<p>Die Limitationen einer solchen Plattform sind allerdings schnell erreicht. Nur in Streitsituationen zwischen zwei Parteien, in denen es um eindeutig kalkulierbare Variablen geht, kann ein Algorithmus einen Lösungsvorschlag abgeben. Ist ein Prozess zu komplex oder beispielsweise eine richterliche Auslegung einer bestimmten Beweislage gefragt, könnte man aber dennoch von der preisreduzierenden Dimension einer zumindest Teilautomatisierung bestimmter Formalien profitieren.</p>
<h3>Zukunft der Justiz?</h3>
<p>Andererseits scheint es nur eine Frage der Zeit, bis lernende Algorithmen in der Lage sind, Urteile über weniger eindeutige Verhältnisse zu fällen. Vorstellbar ist, dass mittelfristig eine Umkehr der Verhältnisse stattfindet: anstatt, dass der Algorithmus Jurist_innen unterstützt, unterstützen diese den Algorithmus, füttern ihn mit Meinungen und menschlichen Einschätzungen und lassen ihn ansonsten walten.</p>
<p>Natürlich wäre so ein Algorithmus aber nur so gut wie seine Programmierer_innen und die zugrundeliegenden Daten. Brächte man einem Algorithmus beispielsweise bei, Entscheidungen auf Basis historischer Urteilssprechungen zu fällen, würden systematische Fehler in dieser Datenbank konsequenterweise auch von der Maschine übernommen. Hindernisse dieser Art sind aber keineswegs unüberbrückbar. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz vollautomatisierter Gerichtsurteile ist vorstellbar, insbesondere, wenn sie schrittweise eingeführt wird – in diesem Sinne ist Rechtswijzer nicht nur ein Wegweiser zum Recht, sondern auch ein Wegweiser in die Zukunft.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://unsplash.com/photos/Trs-x4A3z1w" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frau mit Smartphone</a> via <a href="https://unsplash.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unsplash</a> von <a href="https://unsplash.com/@bchild311" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Benjamin Child</a>,<br />
<a href="https://pixabay.com/en/smartphone-mobile-phone-app-icon-569515/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smartphone</a> via <a href="https://pixabay.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a> von <a href="https://pixabay.com/en/users/geralt-9301/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">geralt</a>, <span class="licensetpl_attr">licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, </span>[bearbeitet]</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Lycos: Polizei chattet mit</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/lycos-polizei-chattet-mit-3699/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jan 2008 09:20:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Internetwache]]></category>
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					<description><![CDATA[„Internetwache – Straftaten melden“ - mit diesen Worten macht das Internetunternehmen Lycos  derzeit seine jugendlichen Nutzer auf die neuste Errungenschaft zur Erhöhung der Sicherheit in Chats aufmerksam. Selbstmordankündigung, Verabredungen zu Verbrechen im Internet, Gewaltandrohung im Chat - ein Polizei-Notruf-Button soll helfen. Guido Karl, Verantwortlicher für Online-Services der Polizei und Mitarbeiter des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen, zweifelt derzeit noch an der Praktikabilität des Vorhabens.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Internetwache – Straftaten melden“ &#8211; mit diesen Worten macht das Internetunternehmen Lycos  derzeit seine jugendlichen Nutzer auf die neuste Errungenschaft zur Erhöhung der Sicherheit in Chats aufmerksam. Selbstmordankündigung, Verabredungen zu Verbrechen im Internet, Gewaltandrohung im Chat &#8211; ein Polizei-Notruf-Button soll helfen. Guido Karl, Verantwortlicher für Online-Services der Polizei und Mitarbeiter des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen, zweifelt derzeit noch an der Praktikabilität des Vorhabens.<!--break--></p>
<p>
Lycos beansprucht für sich mit dieser neuen <a href="http://de.worldsbiggestchat.com/bridge/" target="_blank" title="Lycos-Stellungnahme" rel="noopener noreferrer">Funktion</a> eine Vorreiterrolle in Sachen Jugendschutz und Sicherheit unter den kommerziellen Chatanbietern in Deutschland.
</p>
<p><b>Online-Straftaten  &#8211; Internetwache?</b></p>
<p>
Mit der Integration des Alarmbuttons in den Chats betritt das Unternehmen tatsächlich neue Pfade. Bei Gefahr in Verzug müssen die Jugendlichen nicht erst einen Moderator kontaktieren, sondern können sich mit einem Klick direkt mit der <a href="https://www.polizei-nrw.de/internetwache/Start/" target="_blank" title="Internetwache NRW" rel="noopener noreferrer">Internetwache der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen </a>verbinden. Dort können Chatter, die ihr Leben oder Eigentum bedroht sehen, die eine Verabredung zu einer Straftat beobachten oder Selbstmorddrohungen von anderen Nutzern empfangen, dieses mittels eines Online-Formulars direkt der Polizei melden.<br />
Chatter werden aufgefordert, fragwürdige oder bedrohliche Passagen mitzuschneiden und in das Formular einzufügen. Nach der Angabe persönlicher Daten und der Quelle der Informationen müssen die Jugendlichen nur noch die Datenschutzrichtlinien und die Hinweise zu strafrechtlichen Bestimmungen lesen, verstehen und deren Kenntnisnahme bestätigen, und schon geht die Meldungen bei einem der Mitarbeiter der Internetwache NRW ein.<br />
Diese ist 24 Stunden am Tag erreichbar und steht nicht nur den Kunden von Lycos, sondern jedem Internetnutzer zur Verfügung.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/080122_internetwache_nrw.jpg" alt="Internetwache NRW" title="Internetwache NRW" height="369" width="400" />
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Keine deutschlandweite Internetwache</b>
</p>
<p>
Guido Karl, <a href="http://k11.de/blog/" target="_blank" title="Blog K11" rel="noopener noreferrer">Blogger</a> und Verantwortlicher für die Internetwache, äußerte sich in einem Telefoninterview mit politik-digital.de grundlegend positiv zu der Initiative von Lycos, hält sie aber für nicht gut durchdacht.<br />
Die Internetwache NRW ist nur eine von derzeit zehn deutschlandweit. Laut Karl ist Ihre Zuständigkeit nur auf Straftaten in Nordrhein-Westfalen beschränkt, für eine Anzeige von einem in Hamburg lebenden Chatter ist die von Lycos verlinkte Internetwache daher gar nicht zuständig. Die  Online-Services der Polizei sind Ländersache, ein zentrales Angebot für ganz Deutschland gibt es bisher nicht.<br />
Bedenken, dass die Möglichkeit zur Online-Anzeige für Scherze missbraucht werden könnte hat Guido Karl nicht. Insgesamt werde der Service der Polizei von den Nutzern sehr ernst genommen. Die Zahl der Falschmeldungen liegt derzeit bei unter einem Prozent.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia</b>
</p>
<p>
Auch andere Chatanbieter zeigen Eigeninitiative in Sachen Jugendschutz. Im November 2007 schlossen sich  Lycos,  AOL Deutschland, Knuddels und die RTL Interactive GmbH zu der  Initiative <a href="http://www.fsm.de/inhalt.doc/PM_2007-11-05_Chat.pdf" target="_blank" title="FSE" rel="noopener noreferrer">„Freiwillige Selbstkontrolle der Chatbetreiber“</a>  zusammen. Unter dem Dachverband der <a href="http://www.fsm.de/" target="_blank" title="FSE" rel="noopener noreferrer">„Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter“</a> (FSE)  haben sie sich das Ziel gesetzt, durch einen freiwilligen Verhaltenskodex den Kinder- und Jugendschutz im Internet verbessern und die Sicherheit in Chats zu erhöhen.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Verhaltenscodex</b>
</p>
<p>
Mit der Unterzeichnung des <a href="http://www.fsm.de/inhalt.doc/Verhaltenssubkodex_Chat.pdf" target="_blank" title="Verhaltenssubkodex PDF" rel="noopener noreferrer">Verhaltenskodex für Chatanbieter</a>  verpflichen sich die Mitglieder zur Einhaltung bestimmter Maßnahmen. Der Kodex sieht unter anderem eine Moderation aller Chats in den stark von Jugendlichen frequentierten Zeiten zwischen 10.00 und 22.00 Uhr vor.  Eine weitere Initiative ist eine von den Anbietern gemeinsam gepflegte „Bad-Word-Liste“  jugendgefährdender Worte, die nicht im Chat genutzt werden dürfen und ein entsprechender Filter.  Auch die Einführung von Sanktionen gegen User, die gegen die Chat-Regeln verstoßen und die Entwicklung von technischen Möglichkeiten zur eindeutigen Identifizierung der einzelnen Nutzer sind im Kodex vorgesehen.</p>
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