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	<title>Open Content &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Open Content &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Open Access wird sich einbürgern&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotopen_access_wird_sich_einbuergernquot-119/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Humboldt-Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span style="font-size: x-small">Am 
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang 
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für 
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit 
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open 
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-size: x-small">Am<br />
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang<br />
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für<br />
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit<br />
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open<br />
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b><!--break--> </p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Professor Wolfgang Coy, Professor für Informatik<br />
an der Humboldt Universität zu Berlin. Einen schönen guten<br />
Herr Professor Coy und vielen Dank, dass Sie Zeit für uns haben.<br />
Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was genau ist denn unter dem Begriff<br />
Open Access eigentlich zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access ist der Versuch, wissenschaftliche<br />
Literatur über das Internet weltweit und frei zugänglich<br />
zu machen.</p>
<p><b>HU-Student:</b> Welchen Nutzen verspricht sich die<br />
Humboldt-Universität von Open Access?</p>
<p><b>Wolfgang Coy:</b> Die Humboldt-Universität hofft<br />
damit die vielfältige wissenschaftliche Aktivität ihrer<br />
Mitarbeiter deutlich zu machen. Des Weiteren versuchen wir international<br />
und national sichtbar zu sein. Dahinter steht eine grundsätzliche<br />
Frage, nämlich WER soll Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen<br />
haben. Insbesondere geht es darum, wissenschaftliche Arbeit, die<br />
mit öffentlichen Mitteln erstellt wurde, der Öffentlichkeit<br />
zurück zu geben. Der deutsche Steuerzahler hat ein direktes<br />
Recht dazu. Aber wir Wissenschaftler sind auch der Ansicht, dass<br />
wir etwas für die anderen Länder tun sollten. Zudem sind<br />
elektronische Veröffentlichungen im Regelfall viel schneller<br />
als gedruckte Veröffentlichungen.
</p>
<p>
<b>ulfi:</b> Was genau erhoffen Sie sich durch den freien<br />
Zugang zu Informationen im Internet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir hoffen auf das Interesse möglichst<br />
vieler Leser und damit einer breiten Diskussion dessen, was wir<br />
veröffentlichen.
</p>
<p>
<b>HU-Student:</b> Blicken Sie mal in die Zukunft: Wird<br />
Open Access und Open Content die Wissenschaft nachhaltig verändern?<br />
Wie wird das ihrer Meinung nach aussehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Unbedingt! Die Kosten herkömmlicher<br />
Druckpublikationen und der beschränkte Markt hat die Wissenschaft<br />
bislang eher beschränkt. Mit den elektronischen Formen kommen<br />
wir in eine neue Ära. Es wird viel mehr veröffentlicht<br />
und die Leser sorgen hoffentlich dafür, dass das Wichtige aus<br />
diesen Publikationen herausgefiltert wird.
</p>
<p>
<b>Zucchero:</b> Ist Open Access nur für wissenschaftliche<br />
Literatur?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Überhaupt nicht. Denken sie<br />
an Blogs, in denen jeder seine Meinung äußern kann und<br />
manches auch gelesen wird. In der Wissenschaft ist das nicht anders.<br />
Nur: Wissenschaftliche Literatur wird entweder als Self-Archive<br />
veröffentlicht oder in den Archiven der Open Access-Bewegung<br />
in ähnlicher Weise wie in Zeitschriften, nämlich in einem<br />
Peer-Review-Prozess. Das heißt, dass andere Wissenschaftler<br />
die Veröffentlichung lesen und begutachten und eventuell ablehnen,<br />
bevor sie erscheinen kann. Wissenschaftliche Literatur ist also<br />
gefiltert im Gegensatz zu Blogs.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Sind die Professoren offen gegenüber<br />
einer Publikation über Open Access oder sind ihnen klassische<br />
Publikationsmedien lieber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das hängt vom Gebiet ab. Tatsächlich<br />
sind die Publikationskulturen in den verschiedenen Wissenschaften<br />
sehr verschieden. In den Naturwissenschaften und Technikwissenschaften<br />
sind kurze Aufsätze in Zeitschriften oder Tagungsbänden<br />
vorherrschend. Bei den Geisteswissenschaftlern sind es eher Bücher.<br />
Während die Naturwissenschaftler die elektronischen Publikationen<br />
sehr begrüßen, sind die Geisteswissenschaftler etwas<br />
zurückhaltend. Das Ganze hängt von zwei großen Randbedingungen<br />
ab: Erstens müssen die Wissenschaftler das System kennen lernen<br />
(die meisten sind ja neugierig) und zweitens ist es eine Altersfrage.<br />
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat eine Umfrage vor einem Jahr<br />
gemacht, wo sich über 80% positiv zu Open Access geäußert<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sieht es denn in der deutschen<br />
Hochschullandschaft aus? Gibt es neben der Humboldt-Universität<br />
weitere Universitäten, die Open Access befürworten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja. Die Bielefelder Uni war vor<br />
uns, andere haben sich angeschlossen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft<br />
empfiehlt Open Access. Die Max-Planck-Gesellschaft empfiehlt Open<br />
Access, die Helmholtz-Gemeinschaft empfiehlt Open Access. Also alle<br />
großen Forschungsorganisationen stehen hinter dieser Idee.
</p>
<p>
<b>Ulfi:</b> Was hat die Tatsache, dass verschiedene<br />
Universitäten Open Access unterstützen für einen<br />
Einfluss auf das Studieren beziehungsweise auf die Studenten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Studenten haben Zugang zu vielen<br />
Publikationen aus dem eigenen Haus, die sie sonst nicht gesehen<br />
hätten. Die Humboldt-Universität hat bereits 1261 Dissertationen<br />
und 273 Habilitationen, sowie 111 Magister- und Diplomarbeiten als<br />
Open Access veröffentlicht. Die hätte sonst niemand gesehen.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sind denn alle Wissenschaftler der Humboldt-Universität<br />
damit einverstanden? Wie motiviert man die Professoren zu Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich nicht. Wissenschaftler<br />
sind sich niemals einig. Aber es werden immer mehr, die ihre Veröffentlichungen<br />
als Open Access zugänglich machen.
</p>
<p>
<b>acw:</b> Was genau ist der Unterschied zwischen Open<br />
Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access bezieht sich auf wissenschaftliche<br />
Veröffentlichungen, die entweder in einem Repository nach einem<br />
Peer-Review-Prozess stehen oder als Self-Archiving veröffentlicht<br />
werden. In beiden Fällen handelt es sich um Open Content, aber<br />
im ersten Fall ist die Kontrolle durch andere Wissenschaftler gegeben.<br />
Open Content ist dagegen eine Lizenz. Unser Repository heißt<br />
„edoc-Server“ (www.edoc.hu-berlin.de). Das hat den Vorteil,<br />
dass unser Rechenzentrum sowohl die langfristige Archivierung garantiert,<br />
wie auch die nötigen Metadaten hinzufügt. So dass diese<br />
Veröffentlichungen weltweit leicht gefunden werden können.
</p>
<p>
<b><b>paula:</b></b> Kann ich einfach alle<br />
meine Publikationen ins Netz stellen und das dann Open Access nennen<br />
oder sind noch andere Kriterien erforderlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> In diesem Falle wäre das Self-Archiving.<br />
Bei Open Access wird typischerweise erwartet, dass es einen Begutachtungsprozess<br />
gibt (Peer-Review).
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Können Sie erfolgreiche Beispiele<br />
für Open Content im Internet nennen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich die Gutenberg-Server,<br />
aber auch unser edoc-Server.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Wie umgehen Sie Urheberrechte/Datenschutzrechte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gar nicht. Die Idee ist, dass die<br />
Wissenschaftler ja über ihr eigenes Copyright verfügen,<br />
wenn sie etwas unter Open Access veröffentlichen. Das bedeutet,<br />
dass sie sich mit den Verlagen einigen müssen, wenn das auch<br />
gedruckt werden soll. Das ist in den letzten Jahren leichter geworden.<br />
Häufig gibt es bei gedruckten Veröffentlichungen Schutzzeiten<br />
von sechs Monaten bis zwei Jahren, die aber jeweils ausgehandelt<br />
werden müssen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wer berät denn Wissenschaftler beim<br />
&quot;Self-Archiving&quot;? Ich kann mir vorstellen, dass da leicht<br />
rechtliche Probleme entstehen können.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich kann es keine Probleme<br />
geben: Wer seine eigenen Sachen veröffentlicht, hat auch die<br />
Rechte. Ansonsten steht auf den edoc-Servern meist ein Hinweis,<br />
wie man mit den Verlagen reden muss &#8211; falls dies die Frage war.
</p>
<p>
<b>Gordon:</b> Ist Open Access mit &quot;creative commons&quot;<br />
vergleichbar?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Creative Commons ist eine Lizenz.<br />
Open Access ist ein soziales System. Beides hängt zusammen,<br />
aber Creative Commons kann viele andere Fragen betreffen, z.B. Filme,<br />
Bilder, Musik etc.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In der Ankündigung dieses Chats<br />
wurde auch auf die „Berlin Declaration“ hingewiesen.<br />
Hierzu eine Nachfrage von hintz:
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Was ist die &quot;Berlin Declaration&quot;?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Open Access-Bewegung beruht<br />
auf zwei Startdokumenten: Der „Budapester Erklärung“<br />
und der „Berliner Erklärung“. In beiden haben Wissenschaftsorganisationen<br />
den Willen erklärt, Open Access einzuführen und zu propagieren.<br />
Später hat der WSIS, eine UNO-Konferenz, ebenfalls die Nutzung<br />
von Open Access weltweit vorgeschlagen. Es handelt sich also um<br />
eine globale Bewegung.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sie sagen: Der Steuerzahler hat ein<br />
direktes Recht darauf. Das stimmt aus moralischer Sicht &#8211; muss sich<br />
da gesetzlich nicht auch noch einiges ändern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich nicht. Wenn Wissenschaftler<br />
öffentlich bezahlt werden, gehören die Ergebnisse ihrer<br />
Forschung auch der Öffentlichkeit. Historisch haben wir den<br />
Wissenschaftlern große Freiräume bei der Verwertung eingeräumt.<br />
Das war aber eher eine praktische Frage. Mehr und mehr verlangen<br />
die Universitäten und Hochschulen an Patentauswertungen und<br />
Veröffentlichungen beteiligt zu werden. Das wäre eher<br />
der Normalfall.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Welche Rolle spielt die Politik, um Open<br />
Access voran zu bringen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie behindert Open Access durch<br />
die mögliche Abschaffung des Paragraphen 52a des Urheberrechtsgesetztes.<br />
Dort wird die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Material<br />
gesetzlich geregelt. Wenn diese Vorschrift fällt, wird die<br />
Verbreitung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen erheblich<br />
beschränkt. Es wäre schön, wenn die Politiker sich<br />
über die Bedeutung von Open Access klar würden.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wie beurteilen Sie staatliche Förderung<br />
von Open Access Journals wie z.B. die Digital Peer Publishing Initiative<br />
in Nordrhein-Westfalen? Braucht Open Access Förderung oder<br />
ist es besser, wenn das Publizieren in E-Journals selbstorganisiert<br />
passiert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftliche Veröffentlichungen<br />
wurden schon immer von den Hochschulen und den Fördermittelgebern<br />
gefördert. Natürlich ist auch der Betrieb von Server und<br />
die Wartung nicht kostenlos. Das ist der Beitrag, den die öffentliche<br />
Hand leisten muss. Nur bisher haben die Verlage diese Gelder kassiert.<br />
Jetzt stecken wir sie in unsere eigene Infrastruktur.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Mit Open Access ist ja kein<br />
Geld zu verdienen. Denken Sie, dass sich das trotzdem durchsetzen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftler werden von der Öffentlichkeit<br />
bezahlt. Sie sind froh, wenn sie gelesen werden und nicht auch noch<br />
für die Publikation bezahlen müssen (was gelegentlich<br />
vorkommt: Druckkostenzuschuss).
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie stehen Verlage zu Open Access/Open<br />
Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ursprünglich feindselig. Inzwischen<br />
haben die Verlage gemerkt, dass sie sehr wohl eine Archivfunktion<br />
wahrnehmen mit gedrucktem Material, dass sie sehr wohl mit Büchern<br />
Geld verdienen. Seitdem ist die Situation entspannter und es zeigt<br />
sich die Möglichkeit, dass Verlage und Open Access miteinander<br />
leben können.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden dadurch nicht die wissenschaftlichen<br />
Verlage gefährdet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Internet gefährdet ALLE<br />
ökonomischen Strukturen &#8211; wenn die Verantwortlichen nicht neu<br />
über ihr Geschäft nachdenken. Es gibt sehr wohl Geschäftsmodelle,<br />
bei denen Verlage verdienen können. Aber möglicherweise<br />
nicht vorzugsweise mit wissenschaftlichen Aufsätzen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Will Open Access den Verlagen komplett<br />
das Wasser abgraben oder sehen Sie eine Chance für &quot;Arbeitsteilung&quot;?
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Wie durchsetzungsfähig schätzen<br />
Sie Open Access ein gegenüber dem etablierten (Verlags-)Publikationswesen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Perspektive liegt sicher in<br />
einem Miteinander. Das ist schon durch die unterschiedliche Publikationskultur<br />
in den Wissenschaften begründet. Wissenschaftler wollen niemandem<br />
&quot;das Wasser abgraben&quot; sondern sie wollen gelesen werden.<br />
Und da haben elektronische Publikationen deutlich mehr Zugriffe<br />
als gedruckte Publikationen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Welches Interesse haben denn die Verlage,<br />
einer elektronischen Publikation zuzustimmen? Die möchten doch<br />
ihre Print-Produkte verkaufen. Wenn alles offen im Netz steht, bestellt<br />
doch z.B. sicher niemand mehr den gedruckten Tagungsband?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Geschäft mit dem Tagungsband<br />
besteht darin, am Anfang der Tagung den Tagungsband, der mit der<br />
Teilnahmegebühr bezahlt ist, zu verteilen. Danach gibt es kein<br />
Geschäft mehr mit Tagungsbänden. Die elektronische Fassung<br />
bleibt aber für alle leicht zugänglich. Das Verlagsgeschäft<br />
kann zwei Wege verfolgen: Die Erstveröffentlichung für<br />
etwa sechs Monate und die Archivfunktion für Bibliotheken.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Bei aller Sympathie für freie Inhalte:<br />
Wissenschaftliche Qualitätssicherung kostet Geld &#8211; woher soll<br />
das künftig kommen, wenn den Verlagen die Vermarktungsgrundlage<br />
entzogen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die wissenschaftliche Qualitätssicherung<br />
durch Gutachter ist bislang eine unbezahlte Tätigkeit der Wissenschaftler.<br />
Soll heißen, sie wird aus öffentlichen Mitteln bezahlt.<br />
Das soll so bleiben.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Offen publizieren ist die eine Sache. Wie<br />
aber kann die Auffindbarkeit dieser Publikationen auch sicher gestellt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Da hat die elektronische Publikation<br />
im Open Access-Archiv einen eindeutigen Vorteil. Solche Publikationen<br />
werden mit Metadaten versehen, nach denen mit Suchmaschinen gesucht<br />
werden kann. Das ist bei gedruckten Publikationen viel schwieriger.
</p>
<p>
<b>Wiebke Oeltjen:</b> Wer gibt die Metadaten zu den<br />
Veröffentlichungen beim edoc-System ein? Die Autoren, Bibliothekare,<br />
anderes Fachpersonal?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Alle. Das soll heißen, die<br />
Autoren können Vorschläge machen. Aber die Betreuer des<br />
Repository ergänzen diese.
</p>
<p>
<b>Richard: </b>Sind die Dokumentenserver der Hochschulen<br />
eigentlich ausreichend erschlossen? Oder würde hier ein &quot;Meta“-Server<br />
benötigt, der die lokalen Angebote vernetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Beispielsweise die edoc-Server sind<br />
weltweit miteinander verbunden. Dies ist freilich noch verbesserbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden heute bereits Artikel, die frei<br />
zugänglich (z.B. über Google Scholar auffindbar) häufiger<br />
zitiert? Ist das die große Chance für Open Access, bei<br />
den Autoren beliebter zu werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Es gibt Untersuchungen, die das<br />
bestätigen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Gibt es Untersuchungen dazu, inwieweit<br />
sich bei elektronischen Publikationen die Zitation erhöht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Vorsichtig gesagt scheint das so<br />
zu sein. Es ist freilich so, dass Wissenschaftler meistens einen<br />
engen Bereich an Veröffentlichungen sehr gut im Blick haben.<br />
Das können gedruckte ebenso wie elektronische Publikationen<br />
sein. Höhere Zitattreffer kommen dann meistens durch Wissenschaftler,<br />
die Suchmaschinen benutzen. Es gibt in den einzelnen Wissenschaften<br />
zum Teil über 100 elektronische Journale, die im Peer-Review-Prozess<br />
begutachtet werden. Es gibt aber immer noch tausende von gedruckten<br />
Zeitschriften. Wir sind mit Open Access also erst am Anfang.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Wie sehen die Peer-Review-Kontrollen denn<br />
aus? Wer bestimmt, was ins Netz gestellt wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist im Prinzip das gleiche wie<br />
bei gedrucktem Material. Bei Zeitschriften ist das eine Redaktion,<br />
die auf akademische Gutachter zurückgreift. Bei Büchern<br />
ist es typischerweise der Lektor, der sich Gutachten erstellen lässt.<br />
Das geschieht elektronisch und gedruckt in gleicher Weise. Es gibt<br />
elektronische Zeitschriften, zu deren Herausgeber Nobelpreisträger<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Birgt Open Access/Open Content die Gefahr<br />
eines Qualitätsverlusts?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube nicht. Aber es ist klar:<br />
Wenn mehr veröffentlicht wird, muss die Qualität nicht<br />
unbedingt steigen. Es können aber auch interessante abweichende<br />
Meinungen erscheinen, die sonst vielleicht untergegangen wären.<br />
Letztlich liegt die Kontrolle im Kopf des Lesers.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Kann durch Open Access nicht<br />
auch jeder &quot;Schrott&quot; veröffentlicht werden, da es<br />
so einfach wird, seine Arbeiten zu publizieren? Gibt es irgendwelche<br />
Qualitätsstandards?
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie kann eine Qualitätssicherung<br />
im Zusammenhang mit Open Access/Open Content realisiert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Noch einmal: Die Qualitätsstandards<br />
sind bei elektronischen Zeitschriften die gleichen wie bei gedruckten<br />
Zeitschriften. Auch wenn sie es noch nicht festgestellt haben: Es<br />
gibt sehr schlechte gedruckte Aufsätze und Bücher.
</p>
<p>
<b>godzilla:</b> Kann ich als Nicht-Student auch meine<br />
wissenschaftlichen Arbeiten bei Ihnen auf diesem edoc-Server veröffentlichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Bei allen wissenschaftlichen Zeitschriften,<br />
ob gedruckt oder elektronisch publiziert, können alle Aufsätze<br />
eingereicht werden. Was die Redaktion damit macht, kann ich natürlich<br />
nicht vorhersagen. Wir veröffentlichen auf dem edoc-Server<br />
alle Dissertationen, die freilich schon durch eine sehr komplexe<br />
Begutachtung gegangen sind. Wir veröffentlichen auch Magister-<br />
und Diplomarbeiten, wenn sie mindestens mit Gut beurteilt wurden.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wissenschaftler sind daran interessiert,<br />
dass ihre Veröffentlichungen gelesen werden, d´accord.<br />
Aber möchten sie auch ihre Lehrskripte freigeben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie werden ja nicht dazu gezwungen.<br />
Aber ich kenne viele Kollegen, die das gern tun, denn der &quot;Marktwert&quot;<br />
einer Wissenschaftlerin steigt auch mit erfolgreicher Lehre.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Bleiben wir bei der Qualität: Online-Angebote<br />
würden auch ein Rating durch die Leser erlauben. Ist das sinnvoll<br />
bzw. gibt es bereits solche Initiativen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist sehr richtig und es gibt<br />
elektronische Journale, die den Lesern solche Beurteilungen vor<br />
der Veröffentlichung erlauben. Das Endurteil erfolgt dann trotzdem<br />
durch Gutachter. Aber man könnte sich natürlich auch Zeitschriften<br />
vorstellen, die allein von den Lesern herausgegeben werden. So gibt<br />
es eine Zeitschrift im Bereich Klimaforschung, die alle eingereichten<br />
Papiere öffentlich darstellt. Die Leser können ihre Kommentare<br />
schreiben und in einer zweiten Phase werden diese Artikel von den<br />
Gutachtern, die die Leserzuschriften kennen, begutachtet. Erst dann<br />
wird entschieden, ob der Artikel &quot;veröffentlicht&quot;<br />
ist. Ich halte das für ein sehr interessantes Verfahren &#8211; ein<br />
Stück Demokratisierung der Wissenschaft.
</p>
<p>
<b>Martin:</b> In Blogs wird häufig darüber<br />
diskutiert, mit welchen Stichworten ein gutes Ranking erreicht wird.<br />
Droht der Wissenschaft ebenfalls ein Wettbewerb um möglichst<br />
gute Platzierung in Suchmaschinen? Und schadet der den wissenschaftlichen<br />
Inhalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das gibt es doch jetzt schon. Es<br />
gibt gute Zeitschriften, es gibt sehr gute Zeitschriften und es<br />
gibt exzellente Zeitschriften. Wissenschaftler versuchen oft, in<br />
die letzte Kategorie zu kommen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Glauben Sie, dass der Open Content Gedanke<br />
sich auch bei Lehrmaterialien durchsetzen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich hoffe das sehr. Ein schönes<br />
Beispiel ist die Open Course Ware-Initiative des Massachusetts Institute<br />
of Technology, die viele Lehrmaterialien bereitstellt. Das kann<br />
alles umfassen. Von Texten, Powerpoint-Dateien bis zu Videomitschnitten.
</p>
<p>
<b>acw: </b>Lautet der nächste Schritt der Humboldt-Universität:<br />
Open Courseware?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir arbeiten daran.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Auch bei Open Access gibt es schwarze Schafe:<br />
Manche E-Journals werden mit großem Elan gelauncht und dümpeln<br />
dann doch nur dahin. Besteht die Gefahr, dass hier insgesamt die<br />
Glaubwürdigkeit elektronischer Publikationen geschädigt<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich sehe keine besonderen Probleme<br />
des elektronischen Publizierens in dieser Frage. Bei Modethemen<br />
werden auch schnell neue Druckjournale aufgelegt.
</p>
<p>
<b>lobotom: </b>Mal jenseits der Hoffnung auf eine einfachere,<br />
transparentere Veröffentlichungspraxis: Was sind die Probleme<br />
beim Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Hauptproblem besteht darin,<br />
Open Access zum Normalfall zu machen. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit<br />
geleistet werden. Aber es ist natürlich auch eine Frage der<br />
jeweiligen Ressourcen. Die Uni muss Server bereitstellen und Betreuung.<br />
Das geht nicht kostenfrei.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Wie erkenne ich, ob ein E-Journal auch<br />
nächstes Jahr noch besteht oder nur eine Eintagsfliege ohne<br />
Rückhalt in der Scientific Community ist?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Erfahrung.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Müssen mehr E-Journals gegründet<br />
werden, damit Open Access erfolgreich sein kann?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nicht zwingend. Aber ich glaube,<br />
dass mit der Ausweitung von Open Access viele neue Journals entstehen<br />
werden &#8211; immer dann wenn sich eine Community bildet, die eine eigene<br />
Zeitschrift betreiben will und kann.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Eine Nachfrage zum<br />
weltweiten Zugriff auf wissenschaftliche Inhalte von Martin:
</p>
<p>
<b>Martin:</b> Die Verlage und ihre Interessen sind die<br />
eine Seite. Spannend wird es doch auch in Hinblick auf die wissenschaftlichen<br />
Inhalte: Wie kann sichergestellt werden, dass der Zugang wirklich<br />
weltweit und frei ist? Gibt es da nicht bestimmte Regierungen, die<br />
kein allzu ausgeprägtes Interesse an freiem Wissensaustausch<br />
haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zensur ist sicher ein großes<br />
Problem. Zugang ein anderes großes Problem. Aber ich sehe<br />
mehr Möglichkeiten im Internet weltweiten Zugang zu erreichen,<br />
als mit Druckmedien.
</p>
<p>
<b>ZUckerhut:</b> Warum ist denn der freie Zugang zu<br />
Inhalten für e-learning und e-teaching von besonderer Relevanz?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> e-learning sollte sich nicht auf<br />
einen eng zugeschnittenen Bereich beschränken. Die breite Nutzung<br />
des Internets ist sozusagen Basis von e-learning und e-teaching.<br />
Und da fügen sich elektronische Veröffentlichungen gut<br />
ein.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Ist die „Scholar-Suche“ bei<br />
Google das Paradebeispiel für Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wird unterschiedlich gesehen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie lange, meinen Sie, dauert es, bis sich<br />
die Publikationskultur an einer Hochschule ändert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zwei Generationen &#8211; von Doktoranden.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie beratungsintensiv ist die Publikation<br />
über OA? Wie werden Hochschullehrende an der Humboldt-Universität<br />
beraten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir haben das Glück, ein sehr<br />
aktives Rechenzentrum zu haben, das diesen Bereich aus Drittmitteln<br />
finanziert. Das ist leider kein allgemein umsetzbares Modell. Letztendlich<br />
kommt es darauf an, dass Menschen sich engagieren.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Sind andere Länder viel weiter und<br />
fortschrittlicher als Deutschland, was Open Access betrifft? Wenn<br />
ja, welche?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Großbritannien hat eine Vorreiterrolle<br />
gespielt, aber auch viele amerikanische Bibliotheken. Auch Skandinavien<br />
und Frankreich sind sehr weit. Das ist ein schöner internationaler<br />
Wettbewerb, von dem wir alle profitieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat die Politik dieser Länder<br />
dabei eine Rolle gespielt? Oder hat sich die Wissenschaftskultur<br />
in diesen Ländern selbst so schnell weiterentwickelt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Negativ könnte man sagen: Ohne<br />
die finanziellen Kürzungen der Bibliotheken wäre das Problem<br />
nicht so schnell klar geworden. Andererseits gibt es auch positive<br />
Impulse aus der Politik, z.B. die Bibliothèque Nationale<br />
in Paris.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer &quot;Kram&quot; fragt noch<br />
einmal zu den positiven Effekten von Open Access auf die Verlage:
</p>
<p>
<b>kram:</b> Kommen die Verlage vielleicht in einen positiv<br />
zu bewertenden Druck, die Bücher schneller als bisher zu drucken?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das kann ich nicht beurteilen. Es<br />
ist aber klar, dass in den wissenschaftlichen Verlagen diese Fragen<br />
diskutiert werden. Das kann zu besseren Arrangements führen.<br />
Ein schönes Beispiel ist die Veröffentlichung von kritischen<br />
Werkausgaben, die sich oft über Jahre oder Jahrzehnte ziehen<br />
kann. Hier können elektronische Zwischenergebnisse oder auch<br />
das Endprodukt ganz neue Wege der Publikation eröffnen. Interessant<br />
ist auch die Reaktion der Lexikon-Redaktionen auf die Wikipedia.<br />
So ist jetzt der Meyer online frei verfügbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Wenn der Bürger ein Recht auf freien<br />
Zugang zu den Publikationsinhalten hat &#8211; gibt es dann nicht auch<br />
ein Recht für Studenten, auf Vorlesungsmaterialien aller Hochschulen<br />
zuzugreifen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist eine interessante Frage.<br />
Prinzipiell finde ich &quot;ja&quot;. Man muss aber berücksichtigen,<br />
dass die Lehrenden ihr Material freiwillig herausgeben müssen.<br />
Es gibt ja gute Gründe, warum man etwas nicht breit streuen<br />
will. Und dazu das unsägliche Urheberrecht.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Steigen aufgrund von Open Access auch<br />
die Ansprüche und Erwartungen für wissenschaftliche Publikationen?<br />
Schließlich ist es jetzt leichter, sich einen guten Überblick<br />
zu verschaffen, die Recherche geht um ein Vielfaches schneller.<br />
Wird dann z.B. von Doktoranden auch mehr Output verlangt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wäre doch ein wunderschöner<br />
Nebeneffekt.
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Vorhin haben sie darauf hingewiesen,<br />
dass die zu veröffentlichenden Inhalte von Steuergeldern finanziert<br />
wurden. Das gilt ja auch für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nochmals: Ja. Es gibt aber keine<br />
Veröffentlichungspflicht für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Daniel Kämmerling:</b> Artikel 52a wird 2008<br />
voraussichtlich nicht mehr verlängert. Welche weitere Gefahren<br />
sehen Sie, wenn die Schrankenregelung abgeschafft wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Anarchie und Chaos.
</p>
<p>
<b>undwarum?:</b> Denken Sie, dass Open Access für<br />
die Wissenschaft ein Vorläufer sein kann für eine generelle<br />
Form von Open Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube, dass Open Access ein<br />
Teil einer ganz großen Bewegung ist, nämlich möglichst<br />
viel im Netz frei anzubieten.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Nachfrage 52a: Inwiefern kommen dadurch<br />
Beschränkungen, wenn doch das Urheberrecht eigentlich bei den<br />
Autoren liegt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Für selbst erstellte Inhalte<br />
gibt es selbstverständlich keine Schranke. Es geht um die Nutzung<br />
von fremd erstellten Inhalten für die Lehre. Die Streichung<br />
des 52a wird zu unsäglichen Auseinandersetzungen über<br />
das angemessene Zitieren führen. In der Folge werden immer<br />
weniger fremde Materialien in den Unterricht eingeführt.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Sie haben ja eben erläutert, dass<br />
sich Print und Online bei der Qualität nichts vergeben &#8211; in<br />
beiden wird auch mal Quatsch verbreitet. Wie objektiv ist Peer Review<br />
eigentlich? Gibt es dazu Untersuchungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Peer-Review ist nicht objektiv und<br />
das ist gelegentlich untersucht worden. Aber wir haben keine besseren<br />
Formen bislang gefunden. Vielleicht ist die Einbeziehung der Leser<br />
ein Ausweg aus dem Qualitätsproblem des Peer-Review.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Ich schätze, ein Problem von Open Access<br />
wird sein, dass ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten immer<br />
noch mehr Wert für einen selbst hat als die elektronische Version<br />
im Internet. Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja das sehe ich auch so. Deshalb<br />
haben wir für unseren edoc-Server auch die Publishing-on-Demand<br />
Variante vorgesehen. Wenn jemand einen Text ausgedruckt haben möchte,<br />
kann er den &#8211; gegen Geld &#8211; drucken lassen.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Ist es vorstellbar, dass wir zukünftig<br />
Publikationsmechanismen aus der Blogosphäre auch in E-Journal-Beiträgen<br />
finden, z.B. ein Blogroll von E-Journals, die der Autor liest?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Warum nicht? Allerdings sehe ich<br />
den Platz nicht im E-Journal sondern eben in einem Qualitätsblog.<br />
Interessanterweise hat Vannevar Bush mit seinem Memex schon 1945<br />
ein solches Verfahren des &quot;Mitlesens&quot; vorgeschlagen. Man<br />
kann immer von anderen lernen &#8211; auch das Lesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer bezieht sich vermutlich<br />
auf die Verbreitung des Open Access-Gedanken:
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Was sind eigentlich ihre Hauptwidersacher?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Tradition und desinteressierte Ökonomie.
</p>
<p>
<b>anne:</b> Wohin geht Ihrer Meinung nach der langfristige<br />
Trend? Publikation nur noch über Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sagen sie doch so was nicht! Wir<br />
brauchen doch Bücher.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für<br />
Open Content und Open Access für Deutschland aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access wird sich an den Hochschulen<br />
und Universitäten als ein Publikationsstandard einbürgern.<br />
Das hat ökonomische Gründe &#8211; Bibliotheken verarmen -,<br />
ebenso wie technische Gründe &#8211; wir leben alle mehr und mehr<br />
im Internet. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass Bücher &quot;verschwinden&quot;.<br />
Die Technik ist einfach noch zu praktisch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Vielen Dank für Ihr Interesse und Dank an Herrn<br />
Professor Coy für den Chat! Das Protokoll des Chats finden<br />
Sie in Kürze auf <a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/www.e-teaching.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.e-teaching.org</a>.<br />
Unsere Bitte um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer<br />
Frage nicht berücksichtigen konnten. Unter der URL <a href="http://www.e-teaching.org/community" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.e-teaching.org/community</a><br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich bedanke mich auch, besonders<br />
bei den Fragestellern, die die wunden Punkte schnell herausgefunden<br />
haben.</p>
]]></content:encoded>
					
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