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	<title>Opposition &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Opposition &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Netzpolitischer Einspruch – Jimmy Schulz (FDP)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jimmy Schulz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jan 2014 11:22:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Mit 80 Prozent der Sitze im Bundestag und einer neuen „Digitalen Agenda“ im breiten Rücken wird sich die Große Koalition in die Netzpolitik stürzen. Bleibt neben Projekten wie der „Netzallianz Digitales Deutschland“ überhaupt noch Platz für andere Stimmen? In unserer Reihe „Netzpolitischer Einspruch“ kommen die restlichen 20 Prozent zu Wort, sowie all jene Stimmen, die keinen Sitz im Bundestag haben.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Jimmy Schulz und seine Partei, die FDP, sind nicht im neuen Bundestag vertreten. Also hat der Netzpolitiker jetzt einen liberalen Verein für Netzpolitik gegründet. Das Credo: „Reclaim the Net – das Internet gehört uns allen.“<br />
Digitalisierung und globale Vernetzung revolutionieren Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung, Politik. Diese Veränderungen erfassen alle Lebensbereiche, manche spürbar, manche kaum wahrnehmbar. Deswegen ist es eine der zentralen Aufgaben von Politik und allen, die Politik machen, sich mit diesen Veränderungen zu beschäftigen, sie zu verstehen. Dort, wo sich Fehlentwicklungen aufzeigen, sollte Politik gegensteuern, dort, wo Chancen nicht genutzt werden, sollte sie Türen öffnen.<br />
Diesen Prozess will der neu gegründete Verein <a href="http://www.load-ev.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">LOAD</a> begleiten und mit gestalten.</p>
<blockquote>
<p>&#8220;Das Internet ist ein Versprechen von Freiheit. LOAD ist der Zusammenschluss von Menschen, die sich gemeinsam für den Schutz dieser Freiheit einsetzen.&#8221;</p>
</blockquote>
<p>So steht es in der <a href="http://load-ev.de/gruendungserklaerung.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gründungserklärung</a> des Vereins.<br />
Auf den bemerkenswerten <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/abschied-von-der-utopie-die-digitale-kraenkung-des-menschen-12747258.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beitrag von Sascha Lobo</a> mit der Schlussfolgerung: „Das Internet ist kaputt.“ kann man resigniert reagieren oder eben mit dem Anspruch: &#8220;Dann reparieren wir es halt!&#8221; Es lohnt sich, dafür gemeinsam zu kämpfen.<br />
Das ist die Haltung von LOAD. Das freie und offene Internet ist eine der größten Errungenschaften unserer Zeit. Liberal denkenden und netzpolitisch interessierten Menschen bietet LOAD eine Plattform für Gedankenaustausch und Diskussion.<br />
Das Internet gehört weder Firmen noch Staaten, es gehört uns allen.</p>
<blockquote>
<p>&#8220;reclaim the net!&#8221;</p>
</blockquote>
<p>Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/95284782@N06/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">marsmet548</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a><br />
<strong><a href="http://politik-digital.de/?s=%22netzpolitischer+einspruch%22" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier gibt es weitere Beiträge der Reihe “Netzpolitischer Einspruch”</a></strong><br />
<img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" alt="CC-Lizenz-630x110" width="407" height="71" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div>
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		<title>Netzpolitischer Einspruch &#8211; Halina Wawzyniak (Die Linke)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Morgenroth]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2014 12:34:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mit 80 Prozent der Sitze im Bundestag und einer neuen „Digitalen Agenda“ im breiten Rücken wird sich die Große Koalition [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit 80 Prozent der Sitze im Bundestag und einer neuen „Digitalen Agenda“ im breiten Rücken wird sich die Große Koalition in die Netzpolitik stürzen. Bleibt neben Projekten wie der „Netzallianz Digitales Deutschland“ überhaupt noch Platz für andere Stimmen? In unserer Reihe „Netzpolitischer Einspruch“ kommen die restlichen 20 Prozent zu Wort, sowie all jene Stimmen, die keinen Sitz im Bundestag haben. Halina Wawzyniak (Die Linke) gibt die „Marschrichtung“ ihrer Partei vor: keine Vorratsdatenspeicherung und ein starker parlamentarischer Internet-Ausschuss.<br />
<iframe hcb-fetch-image-from="http://www.youtube.com/watch?v=r6v9SSpMvww&amp;feature=youtu.be&amp;hd=1" title="Halina Wawzyniak" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/r6v9SSpMvww?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe><br />
<a href="http://politik-digital.de/halina-wawzyniak-anwaeltin-des-netzes/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Halina Wawzyniak</a> (*1973) ist Juristin und netzpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. Für ihre Partei <a href="http://politik-digital.de/digitale-buergersprechstunde-mit-halina-wawzyniak-die-linke/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">vertritt sie den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin.</a> Sie ist Mitglied des Parteivorstands und war Obfrau der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“. Wawzyniak wird ihre Partei voraussichtlich im Internet-Ausschuss vertreten.<br />
Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/95284782@N06/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">marsmet548</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a><br />
<strong><a href="http://politik-digital.de/?s=%22netzpolitischer+einspruch%22" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier gibt es weitere Beiträge der Reihe “Netzpolitischer Einspruch”</a></strong><br />
<img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101.png" alt="CC-Lizenz-630x110" width="407" height="71" /></p>
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		<title>Weißrussland: Opposition und Zensur in einer Diktatur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jan 2014 14:27:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Weißrussland gilt als letzte Diktatur Europas. Eine mögliche Öffnung in Richtung Europa liegt in weiter Ferne, und auch um die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Belarus_bearb.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-135912" alt="Andrea Wong" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Belarus_bearb-630x420.jpg" width="630" height="420" /></a>Weißrussland gilt als letzte Diktatur Europas. Eine mögliche Öffnung in Richtung Europa liegt in weiter Ferne, und auch um die Meinungsfreiheit im Internet ist es in der ehemaligen Sowjetrepublik schlecht bestellt. Seit einer Gesetzesänderung im Januar 2012 haben viele Regimekritiker sich aus dem Netz zurückgezogen. Ein Überblick über die aktuelle Situation.<br />
Während die Opposition in <a href="http://politik-digital.de/die-russische-regierung-hat-den-informationskrieg-im-internet-verloren/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Russland</a> das Internet aktiv für die politische Meinungsbildung nutzt und sich dieser Trend auch in der <a href="http://politik-digital.de/ukraine-vernetzung-im-namen-des-protests/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ukraine</a> rasant entwickelt, fehlt es in der ehemaligen Sowjetrepublik Weißrussland an einem organisierten Widerstand. Wer sich gegen die Regierung stellt, muss mit großen Schwierigkeiten rechnen, so der Osteuropa-Experte Denis Friedrich von der Freien Universität Berlin. Der Politikwissenschaftler stammt selbst aus der ehemaligen Sowjetrepublik und ist Mitglied der <a href="http://www.dbg-online.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsch-belarussischen Gesellschaft</a> sowie des gemeinnützigen Vereins <a href="http://human-rights-belarus.org/wp/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Menschenrechte in Belarus e.V.</a>, der sich für die Menschenrechte in seiner Heimat einsetzt.<br />
Regierungsgegnern werden Aufstiegschancen im Beruf verwehrt, ebenso kommt es vor, dass sie von Universitäten ausgeschlossen werden. Ganz zu schweigen von erfolgreichen Parteiführern und Präsidentschaftskandidaten der Opposition, die mit hohen Gefängnisstrafen rechnen müssen. Wie Alexander Kasulin, der im Jahr 2006 gegen den seit 1998 regierenden Alexander Lukaschenko antrat. Er wollte Lukaschenkos Wiederwahl nicht akzeptieren und wurde wegen „schweren Rowdytums“ zu fünfeinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. 2008 kam er jedoch unter Druck der Europäischen Union wieder frei. Auch die Präsidentschaftswahlen 2010 gingen mit Gewalt und Repressionen einher. Nikolaj Statkewitsch war einer der Kandidaten und sitzt noch immer im Gefängnis, zwei weitere Kandidaten leben im Exil.</p>
<h3>Ein isoliertes Land</h3>
<p>Weißrussland hat knapp 9,5 Millionen Einwohner und grenzt an Polen, die Ukraine, Russland, Lettland sowie Litauen. Von den Regenten der ehemaligen Sowjetrepubliken ist der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko der einzige, der noch an der sowjetischen Ordnung festhält. Nach seiner Wahl zum Präsidenten Weißrusslands führte er sowjetische Staatssymbole wieder ein, distanzierte sich vom Westen und den Reformen in den ehemaligen Sowjetrepubliken, die das Ergebnis der KSZE/OSZE-Prozesse und der <a href="http://www.osce.org/de/mc/39518" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Charta von Paris für ein neues Europa</a> 1990 waren. Die Welle von Privatisierungen in Weißrussland ebbte im Jahr 1994 mit dem Amtsantritt Lukaschenkos ab. Die letzten Präsidentschaftswahlen 2010 läuteten die vierte Amtszeit Lukaschenkos ein. Das Land ist innerhalb Europas isoliert; wirtschaftlich und politisch hängt es immer noch stark von Russland ab.<br />
Lukaschenko geht seit einem Jahrzehnt gezielt gegen regierungskritischen Politiker und Medien vor und hat die Opposition im eigenen Lande mehr oder weniger „ausgeschaltet“. Der ehemalige deutsche Außenminister Guido Westerwelle <a href="http://www.n-tv.de/politik/EU-droht-mit-weiteren-Schritten-article5635386.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nannte</a> Lukaschenko öffentlich den „letzten Diktator Europas“. 1997 <a href="http://eeas.europa.eu/delegations/belarus/eu_belarus/political_relations/index_en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">stoppte</a> die EU die Unterzeichnung des ausgehandelten Partnerschafts- und Kooperationsabkommens (PKA) mit Weißrussland. Der Grund: Lukaschenko hatte eine Reihe umstrittener Referenden durchgesetzt. So konnte er seine Befugnisse als Präsident ausweiten und die des Parlaments einschränken. Außerdem führte er die Todesstrafe wieder ein. Um weiterhin Druck auf das Regime auszuüben, verhängte die EU 2012 Sanktionen gegen Weißrussland. Das Auslandsvermögen der weißrussischen Führungsmitglieder, darunter auch von Präsident Lukaschenko, wurde <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-verschaerft-sanktionen-gegen-weissrussland-und-praesident-lukaschenko-a-823432.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eingefroren.</a><br />
Dennoch unterhält Deutschland heute weiterhin kulturelle, politische und wirtschaftliche <a href="http://www.minsk.diplo.de/Vertretung/minsk/de/Startseite.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beziehungen</a> zu Weißrussland. Wie der Belarus-Experte Friedrich betont, gibt es in Weißrussland eine starke Zivilgesellschaft und eine Vielzahl qualifizierter Arbeitskräfte. Allerdings bedürfe es dringender Reformen, sowohl im Bildungssystem als auch in der Wirtschaft. Die Öffnung Weißrusslands gegenüber der EU würde das Land wirtschaftlich stärken und die Lebensstandards der Bevölkerung erhöhen. Dass das politische System für Andersdenkende verschlossen bleibt, liege unter anderem auch an der Mentalität der Machthaber.</p>
<h3>Zensur und Kontrolle im Internet</h3>
<p>Neue Weltanschauungen und Erwartungen entstehen dabei durch einen ständigen Informations- und Meinungsaustausch. Bekanntlich übernehmen die Medien diese Rolle. In Anbetracht der Tatsache, dass <a href="https://netzpolitik.org/2013/alarmierender-bericht-von-index-on-censorship-zu-meinungsfreiheit-und-uberwachung-des-internet-in-belarus/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">4,4 Millionen Weißrussen,</a> also knapp die Hälfte der Bevölkerung, Zugang zum Internet hat und die Zahl der Nutzer von Jahr zu Jahr wächst, stellt das Internet eine effektive Kommunikationsplattform dar. Allerdings hat die Regierung auch hier vorgesorgt.Vor zwei Jahren, am 6. Januar 2012, trat ein Gesetz in Kraft, das die Meinungsfreiheit im Internet massiv einschränkt. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass jede Person, die das Internet in einem öffentlichen Internet-Café oder über eine gemeinsame Leitung nutzt, sich ausweisen muss und dass die entsprechenden Surfprotokolle für ein Jahr gespeichert werden müssen, berichtet das Datenschutzportal <a href="https://www.unwatched.org/EDRigram_10.1_Weissrussland_uebt_starke_Internetzensur_aus" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unwatched.org.</a><br />
Das Gesetz hatte zur Folge, dass wichtige Informationsträger, die in der Vergangenheit Verbrechen und Missstände des Regimes aufgedeckt hatten, aus dem Netz gegangen sind. Dazu gehören die Facebook-Gruppe „Verbrecher in Zivil gesucht“ und diverse Blogs von Regimekritikern. Die Internetprovider müssen für das Surfverhalten und die Aktivitäten ihrer Kunden Rechenschaft ablegen. Jedem Unternehmen, das seine Inhalte nicht auf weißrussischen Servern hostet, wird die Internetpräsenz verweigert, heißt es weiter auf der Website von unwatched.org. Rechtsträgern und Unternehmern, die gegen das Gesetz verstoßen, drohen Bußgelder.<br />
Denn die Provider sollen die Nutzung ausländischer Websites überwachen und den Behörden regelmäßig darüber berichten. Die staatliche Aufsichtsbehörde für Elektronische Kommunikation hat zudem eine Liste zu sperrender Seiten erstellt. „Websites wie die Nachrichtenseiten Charter97 und Belaruspartisan sowie der Blog des Humoristen Yauhen Lipkovich, die der Regierung oder dem Präsidenten kritisch gegenüber stehen, befinden sich bereits auf der Sperrliste“, heißt es auf unwatched.org. Mitarbeiter in öffentlichen Verwaltungen haben keinen Zugang zu diesen Seiten, vom privaten PC aus sind sie aktuell aber noch erreichbar.<br />
Nicht zuletzt aufgrund dieser Bestimmungen befindet sich Weißrussland nicht nur im Jahresbericht <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/docs/enemies_of_the_internet_2013_01.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Feinde des Internets“</a> der Organisation Reporter Ohne Grenzen (ROG) auf der Liste jener Staaten, die „unter Beobachtung“ stehen, sondern nimmt zudem im <a href="http://www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2013/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Index der Pressefreiheit 2013</a> Platz 157 von insgesamt 178 Ländern ein. Reporter ohne Grenzen bezeichnet die Lage im Land seit Jahren unverändert als „besorgniserregend“.<br />
Ob das Land sich irgendwann dem Westen öffnen wird? „Das weiß ich nicht“, sagt Denis Friedrich. „Aber es kann schneller kommen, als man denkt. Eine Modernisierung der weißrussischen Wirtschaft ist aber nur in Zusammenarbeit mit den Ländern der EU möglich.“<br />
2011 hatte Weißrussland vor einem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-06/weissrussland-pleite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Staatsbankrott</a> gestanden. Die Inflation war so stark angestiegen, dass der Euro rund 7.000 weißrussische Rubel wert war. Die Menschen protestierten auf den Straßen und zerrissen demonstrativ Rubelnoten. Belarus entkam dem finanziellen Aus nur dank eines <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/bankrott-abgewendet-klammes-weissrussland-erhaelt-millionenkredit/6008982.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">millionenschweren Kredits</a> der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Beziehungen zu Russland sind jedoch seit einigen Monaten <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/916236.kein-happy-end-im-kali-krimi.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">angespannt.</a> Der Grund war die Verhaftung des russischen Oligarchen Wladislaw Baumgertner. Letzterer soll Weißrussland Verluste in Höhe von 100 Millionen Dollar beschert haben. Zwar wurde Baumgertner Ende November wieder freigelassen, doch die Situation zwischen den Bruderstaaten bleibt belastet. Ob die Verschlechterung der Beziehungen zu Russland jedoch eine Öffnung in Richtung Europa nach sich zieht, steht in den Sternen.<br />
Bild: (C) <a href="http://www.andreawong.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Andrea Wong</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Ukraine: Vernetzung im Namen des Protests</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Dec 2013 10:37:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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					<description><![CDATA[Seitdem das Assoziierungsabkommen mit der EU vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch verweigert wurde, gewinnt das Internet als Mittel der politischen Kommunikation [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ukraine-Proteste31.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-135682" alt="Ukraine Proteste3" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ukraine-Proteste31.jpg" width="640" height="401" /></a></b>Seitdem das Assoziierungsabkommen mit der EU vom ukrainischen Präsidenten Janukowitsch verweigert wurde, gewinnt das Internet als Mittel der politischen Kommunikation an Bedeutung. Die Facebook-Seite EuroMaydan, vor knapp einem Monat eröffnet, verzeichnet mittlerweile 163.000 Fans.<br />
Seit vier Wochen finden in der Hauptstadt der Ukraine Proteste statt. Auslöser für die massenhaften Kundgebungen in Kiew ist die Nicht-Unterzeichnung des Freihandels- und Assoziierungsabkommens mit der EU. Die Demonstranten fordern einen klaren EU-Kurs der Ukraine und den Rücktritt des pro-russischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. An der Spitze der Opposition steht der Weltboxmeister Witalij Klitschko, dem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/merkel-klitschko-ukraine">Angela Merkel</a> ihre Unterstützung zugesprochen hat.</p>
<h3>Warum das Assoziierungsabkommen scheiterte</h3>
<p>Viele Ukrainer verbinden mit dem Assoziierungsabkommen bessere Lebensstandards. Es ist das umfangreichste Freihandelsabkommen, das die EU jemals mit einem Land ausgehandelt hat. Das Abkommen ist „im Prinzip eine Vorbereitung auf einen Beitritt, wenn es diesen jemals geben sollte“, erklärt Dr. <a href="http://ecfr.eu/content/profile/C257">Stefan Meister</a> vom European Council on Foreign Relations in einem Interview mit politik-digital.de.<br />
Ein weiterer Faktor erschwert die Unterzeichnung des Abkommens.  Es ist so angelegt, dass die Ukraine zwischen zwei Nachbarn entscheiden müsste, da eine Integration mit der von Russland geführten Zollunion und das EU-Freihandelsabkommen einander ausschließen, so Stefan Meister. Eine solche Entscheidung wäre für die Ukraine nicht nur fatal, sie ist auch kaum realistisch. Auf Russland könnte die Ukraine ohne vorherige umfassende Strukturreformen dauerhaft nicht <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-machterhalt-janukowitsch">verzichten</a>. Das Land steht vor dem <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/ukraine-machterhalt-janukowitsch" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Staatsbankrott</a>, und am Montag traf Janukowitsch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, um mit ihm über mögliche finanzielle Zuwendungen zu sprechen. Von der EU hingegen ist keine Finanzspritze zu erwarten.<br />
Eine Revision des Assoziierungsabkommens stellt die EU zudem nicht in Aussicht, beteuert Osteuropa-Experte Meister. Dies sei ein fertig ausgehandeltes Abkommen, das als Musterabkommen für die anderen postsowjetischen Ländern dienen sollte. Das Ziel der EU sei an erster Stelle „die Kombination ökonomischer und politischen Reformen wie im Assoziierungsabkommen, weil das wiederum eine Implementierung von Antikorruptionsmaßnahmen, von mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Demokratie bedeutet.“<br />
Insbesondere unter dem aktuellen Präsidenten Janukowitsch hat sich die Ukraine in den letzten Jahren immer mehr von der EU entfernt. Die Reformen, die eine Annäherung mit der EU möglich machen würden, wurden auf die lange Bank geschoben. Heute ist der Reformbedarf in der Ukraine groß und die Wirtschaft bedarf einer dringenden Modernisierung. Wichtige Transformationsträger wie europäische Investoren ziehen sich aus der Ukraine jedoch zurück. Die Volkswirtschaft stagniert seit 2012.<br />
Bohdan Danylyshyn ist ehemaliger Wirtschaftsminister der Ukraine (2007-2010), der seit 2010 im politischen Asyl in der Tschechischen Republik lebt. Er betonte jüngst bei einer <a href="https://dgap.org/de/node/24646">Expertendiskussion</a> in der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik, wie wichtig die EU für die Ukraine sei. Denn das Land könne nur mithilfe der EU modernisiert werden. Die Entscheidung, das Assoziierungsabkommen nicht zu unterzeichnen, sei eigentlich nicht von Präsident Janukowitsch, sondern von mächtigen Oligarchen, die eigene wirtschaftliche Interessen in Russland verfolgen, getroffen worden, unterstrich Danylyshyn.<br />
„Das Land hat Geld, das sich allerdings in den Händen einiger weniger konzentriert“, bestätigt Stefan Meister. Die EU müsse sich mit der Frage beschäftigen: „Wie kann die Zivilgesellschaft in die Monitoringprozesse von Rechtsangleichungen einbezogen werden, um dann tatsächlich auch Druck aus der Gesellschaft für Reformprozesse in der Ukraine zu schaffen?“</p>
<h3>Einfluss der Zivilgesellschaft über das Internet?</h3>
<p>Durchaus ein geeignetes Instrument, um die Zivilgesellschaft zu erreichen, ist das Internet, und auch bei der Politikgestaltung spielt es heute eine unbestreitbare Rolle. In der Ukraine existiere allerdings keine so große Internetgemeinschaft wie in Russland, die mobilisiert werden könnte, bekräftigt Stefan Meister. So gibt es bislang nur wenige Online-Plattformen, die den Usern die Möglichkeit zum Meinungsaustausch und zur Politikgestaltung geben könnten, wie dies <a href="http://politik-digital.de/die-russische-regierung-hat-den-informationskrieg-im-internet-verloren/">in Russland</a> intensiv praktiziert wird. Auch ist die Zahl der Internet-User relativ gering. Nach Angaben des <a href="http://ain.ua/2013/02/12/112128">staatlichen Statistikkomitees</a> beträgt sie ca. 5 Millionen in einem Land mit mehr als 45 Millionen Einwohnern.<br />
Unlängst haben auch die ukrainischen Politiker begriffen, dass das Internet eine nützliche Plattform für Eigen-PR sein kann. Immer mehr Politiker richten sich eigene Blogs ein. Näher seien sie dem Volk dadurch aber nicht gekommen, <a href="http://focus.ua/politics/136536/">schreibt</a> das ukrainische Online-Magazin focus.ua. Lediglich das <a href="/Users/Stefan%20Meister/AppData/Local/Microsoft/Windows/Temporary%20Internet%20Files/Content.Outlook/IEHQHBAH/blog.tymoshenko.ua">Blog</a> der ehemaligen Ministerpräsidentin und Oppositionsführerin Julia Timoschenko rage durch seinen persönlichen Stil heraus. Ihren ersten Eintrag machte sie am 30. August 2009 mit folgenden Worten: &#8220;Das bin ich – Julia Timoschenko. Heute starte ich mein Blog. Man sagt, dass Roosevelt die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat dank Radio, Kennedy dank Fernsehen, Obama dank Internet“. Darauf bekam sie 5.203 Kommentare. Ihr letzter Eintrag stammt vom 4. Juni 2011, seit August 2011 ist Julia Timoschenko wegen angeblicher Steuerhinterziehung in Haft.<br />
Der <a href="/Users/samveli/Downloads/twitter.com/Prezident_UA">Twitter-Account</a> von Wiktor Janukowitsch hat lediglich 850 Follower.  Was nicht weiter verwunderlich ist, denn der Ton seiner Tweets ist unpersönlich, seine Nachrichten auf dem Kurznachrichtendienst gehen über offizielle Verlautbarungen kaum hinaus. Es fehlt ein echter Dialog zwischen Bürgern und Präsident. Die ukrainischen Politiker können aber nicht umhin, den Umgang mit dem Internet zu intensivieren, denn die ukrainische Internetgemeinschaft wächst stetig, empfahl focus.ua bereits im Jahr 2010.</p>
<h3>Facebook wird zur Online-Plattform für politische Kommunikation</h3>
<p>Doch seit 2013 ändert sich die Lage rasant. Facebook entwickelt sich zunehmend zur bevorzugten Online-Plattform für politische Kommunikation. Das gescheiterte Assoziierungsabkommen scheint die Internetgemeinschaft zusammengeschweißt zu haben. Erst am 21. November 2013 gegründet, verzeichnet die Facebook-Seite <a href="https://www.facebook.com/EuroMaydan">EuroMaydan</a>, benannt nach dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Kiews, wo die Proteste stattfinden, nach knapp einem Monat 163.000 Fans und erreicht regelmäßig 155.000 Menschen. Täglich kommen knapp 1.200 neue Fans hinzu. Und auch die Facebook-Seite von <a href="https://www.facebook.com/YuliaTymoshenko">Julia Timoschenko</a> kann seit dem Beginn der Demonstrationen einen deutlichen Zuwachs verzeichnen.<br />
Laut <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/ukraine">Facebook-Statistik</a> sind unter den ukrainischen Politikern, die Facebook als politische Kommunikationsplattform aktiv nutzen und über knapp 50.000 Fans verfügen, <a href="https://www.facebook.com/Tigipko">Serhij Tihipko</a>, der ehemalige Wirtschaftsminister und stellvertretende Premierminister, gefolgt von <a href="https://www.facebook.com/Nikolay.Azarov">Nikolaj Azarov</a>, dem Premierminister der Ukraine. <a href="http://www.socialbakers.com/facebook-pages/325342617543094/in-ukraine">Wiktor Janukowitsch</a> selbst hat nur etwa 4.000 Fans.</p>
<h3>Regierung behindert Online-Journale</h3>
<p>Doch die staatlichen Behörden sind auch erfolgreich darin, die Arbeit der regierungskritischen Online-Journale zu behindern. Nach dem Amtsantritt von Präsident Wiktor Janukowitsch hat sich die Position der Ukraine auf der Rangliste der Pressefreiheit, die <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/gipfel-der-oestlichen-partnerschaft-eu-muss-pressefreiheit-einfordern/">Reporter ohne Grenzen</a> (ROG) regelmäßig veröffentlichen, deutlich verschlechtert: von Platz 89 im Jahr 2009 auf Platz 126 im Jahr 2013. Einschüchterungsversuche richten sich inzwischen auch gegen die ROG-Vertreterin in der Ukraine, Oksana Romanjuk. Anfang Oktober stellten Hacker ihre E-Mail-Korrespondenz sowie die Inhalte ihrer privaten Festplatte ins Internet, berichtet ROG.<br />
Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen ruft die Europäische Union auf, ihr Augenmerk auf die mangelnde Pressefreiheit in der Ukraine zu richten, auch wenn der Abschluss eines Assoziierungsabkommens vorerst auf Eis liegt. „Es reicht nicht aus, dass die EU bessere Handelsbeziehungen und Justizreformen zur Bedingung für eine Annäherung macht. Ebenso stark muss sie sich für kritische Journalisten einsetzen, deren Arbeit in der Ukraine immer stärker behindert wird“, fordert ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.<br />
Am 15. Dezember gab der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle <a href="https://twitter.com/StefanFuleEU/status/412159313747390464">per Twitter bekannt</a>, die Verhandlungen mit der Ukraine über das <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/assoziierungsabkommen-auf-eis">Assoziierungsabkommen</a> seien beendet, solange es keine klare Verpflichtung zur Unterschrift gebe. Die Proteste auf dem Maydan gehen derweil weiter und die Forderungen nach dem Rücktritt des Präsidenten werden immer lauter.<br />
&nbsp;<br />
Bild: Ivan Bandura (CC BY 2.0)<br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Die russische Regierung hat den Informationskrieg im Internet verloren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Irena Sargsyan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Oct 2013 15:41:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Unter Führung von Alexej Nawalny, dem Sprecher der russischen Opposition, demonstrierten am Sonntag tausende Regierungsgegner auf den Straßen von Moskau. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Russland.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-134149" alt="Russland" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Russland.jpg" width="640" height="427" /></a>Unter Führung von Alexej Nawalny, dem Sprecher der russischen Opposition, demonstrierten am Sonntag tausende Regierungsgegner auf den Straßen von Moskau. Sie forderten die Freilassung von politischen Gefangenen, der Punkband Pussy Riot und der Umweltschützer von Greenpeace. Für die Opposition gibt es nur sehr begrenzte Möglichkeiten, breite Massen zu erreichen, zumal das russische Fernsehen durch die Regierung kontrolliert wird. Das ist einer der Gründe, warum die Opposition in Russland sich seit Längerem im Internet formiert<b>.  </b><br />
Die Proteste der russischen Opposition nach Wahlen sind mittlerweile zur Tradition geworden: 2011 nach den Parlamentswahlen, 2012 nach den Präsidentschaftswahlen und im September 2013 nach der Bürgermeisterwahl für Moskau. Die letzte Demonstration hat am vergangenen Sonntag stattgefunden. Neuwahlen bewirkten die Proteste der vergangenen Jahre jedoch nicht, dafür 400 neue politische Gefangene und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Kann man also sagen, die Opposition in Russland ist gescheitert?<br />
Klaus Segbers ist Professor für Internationale Beziehungen und Osteuropastudien an der Freien Universität Berlin und Gründer des „Center for Global Politics“, er meint nein: „Es wäre nicht richtig, zu sagen, dass die Opposition nichts erreicht hat“. Es habe in jedem Fall innerhalb und außerhalb Russlands eine sehr viel stärkere Aufmerksamkeit in den Medien gegeben, damit habe man schon mal „etwas erreicht“. Und es gab das denkwürdige Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl in Moskau, bei der Oppositionsführer Nawalny 27 Prozent der Stimmen erhalten hat. „So etwas haben wir im putinischen Russland sehr selten, wenn überhaupt, gesehen.“, erklärt Klaus Segbers. Die Opposition stelle für die gegenwärtige Regierung zwar vielleicht keine systeminterne oder eine systemexterne ernste Herausforderung dar, sie sei aber auch nicht zu schwach, um das Regime zumindest in eine gewisse Unsicherheit zu versetzen.</p>
<h3>Das seltsame politische System Russlands</h3>
<p>In Russland herrscht ein hybrides Regime, ein Mischsystem, das Züge einer Demokratie mit denen einer Autokratie verbindet. Hier laufen Wahlen teilweise offen und fair ab, teilweise sind sie gesteuert. Das Problem in solchen Regimen sei es, so Segbers, aber vor allem, dass die Parteien vor den Wahlen keinen Zugang zu den Medien bekommen, um die Bevölkerung mit ihren Ideen und Positionen vertraut zu machen. Daher haben die oppositionellen Parteien eine pragmatische Lösung gefunden: Das Internet bietet ein großes, breites Spektrum und operiere relativ frei. „Das ist sicherlich das Medium, in dem die Oppositionsströmungen und- stimmen am ehesten Gehör finden mithilfe ihrer Netzwerke“.<br />
Vor jeder anstehenden Demonstration kursieren Aufrufe zur Teilnahme in den sozialen Netzwerken, auf Facebook, <a href="http://vk.com/">VKontakte.ru</a>, <a href="http://www.odnoklassniki.ru/">Odnoklassniki.ru</a>, aber auch in Navalnys <a href="http://navalny.livejournal.com/">Livejournal</a>, das Regierungsgegner aktiv nutzen, sowie auf privaten Bloggerseiten. Die User werden aufgefordert, die Meldungen zu teilen und zu verbreiten. Obwohl der Opposition der Zugang zu den meisten relevanten Fernseh- und Radiosendern verwehrt bleibt, schafft sie es mithilfe des Internets dennoch, mehrere tausende Menschen auf die Straßen zu bringen.<br />
Der amerikanische Politikexperte Sam Greene konstatierte sogar 2011 in einem Interview mit dem US-Auslandssender <a href="http://inotv.rt.com/2012-01-26/Rossijskoe-pravitelstvo-proigrivaet-oppozicii-v">Voice of America</a>, die russische Regierung habe den Informationskrieg im Internet verloren, denn der Opposition gelinge es, das Internet effektiv zur Mobilisierung der Menschen und Finanzierung von Demonstrationen zu nutzen. Das gilt bis heute und beschreibt die Situation im Jahr 2013 sogar noch besser, bestätigt Segbers.<br />
Nach Angaben der Internet-Zeitung „<a href="http://www.bizhit.ru/index/users_count/0-151">Bizhit.ru</a>“ (Business &amp; Internet) nutzten im vergangenen Jahr ca. 50 Millionen Russen täglich das Internet. Damit rangiert Russland auf dem ersten Platz in Europa und überholte sogar Deutschland. Der russische Abgeordnete und Leiter des Wahlkampfteams von Oppostionsführer Nawalny, Leonid Volkov, war einer der ersten, der dieses Potenzial erkannte und im Jahr 2011 zusammen mit vier ehrenamtlichen Programmieren die Plattform <a href="http://www.democratia2.ru">„Demokratie-2“</a> ins Leben rief.  „Demokratie-2“ gibt den Bürgern die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern und Gleichgesinnte zu finden“, erklärte Leonid Volkov nach der Gründung der Online-Plattform 2011 der russischen Tageszeitung  <a href="http://www.vedomosti.ru/opinion/news/1388102/gorizontal_vlasti">Vedemosti</a>.<br />
Dabei schließen die Gründer der Plattform eine Beteiligung von Regierungsvertretern der Partei Einiges Russland nicht aus. Im Gegenteil, sie seien eingeladen, sich mit den systemkritischen Parteien auszutauschen. „Wenn die Regierungsvertreter daran nicht teilnehmen, werden wir auch ohne sie ganz gut klar kommen. Dann brauchen sie sich aber nicht wundern, wenn sich hinter der Fassade des öffentlichen Schweigens eine vielschichtige zivile Macht herausbildet.“</p>
<h3>Das Internet als Mittel der Politikgestaltung</h3>
<p>In den vergangenen zwei bis drei Jahren sind weitere Online-Plattformen der Regierungsgegner entstanden: Die virtuelle Republik <a href="https://alterrussia.ru/">„Alter Russia“</a> wurde 2011 gegründet als eine demokratische Plattform für Debatten und Initiativen der Bürger. Hier gibt es keine politische Zensur und die Regeln der Politik-„Correctness“ müssen nicht eingehalten werden. Jeder registrierte Nutzer kann Gesetzesvorschläge bzw. Ergänzungen zu den vorhandenen Gesetzen der Russischen Föderation vorlegen. Die Vorschläge, für die sich die Mehrheit der Wähler entscheidet, bekommen den Status eines Gesetzes in der virtuellen Republik. Erklärtes Ziel der Gründer ist es, dass die zuständigen staatlichen Instanzen die „Gesetze“ aufgreifen werden.<br />
Auf der Plattform <a href="http://www.putinavotstavku.org/">„Putin muss gehen“</a> gründeten verschiedene Oppositionsführer 2011 das Projekt „Das politische Netz der direkten elektronischen Demokratie“. Im Rahmen dieses Projekts werden Unterschriften von Bürgern gesammelt, die die Ziele des Netzwerks teilen. Ihnen geht es um die Durchführung echter demokratischer Wahlen, die Errichtung eines demokratischen, sozialen Rechtsstaats und letztendlich um den Rücktritt Vladimir Putins. Die Zahl der Unterschriften, die den Rücktritt Vladimir Putins fordern, beläuft sich bisher auf 150.000.<br />
Doch die Regierung will sich die Möglichkeit, das Internet aktiv zur Politikgestaltung zu nutzen, nicht nehmen lassen, und hat ihre eigenen Plattformen etabliert. So zum Beispiel <a href="http://www.democrator.ru/">„Demokrator“</a>, die bereits 2010 gegründet wurde. Hier können sich die Bürger über soziale Probleme austauschen und ihre Anliegen an die Staatsorgane schicken.</p>
<h3>Die uneinige Opposition</h3>
<p>Unstrittig  aber bleibt, dass die Opposition im Internet bekannter ist und über eine stark entwickelte Bloggerszene verfügt. Präsident Wladimir Putin selbst hatte einst seine politischen Gegner als <a href="http://www.dradio.de/aktuell/1901001/">„Horde von Internetnutzern</a> ohne Programm und Führung“ kritisiert. Nicht ganz ohne Grund.<br />
Die oppositionellen Kräfte sind stark zerklüftet und alles andere als einig in ihren Zielen. Professor Segbers erklärt dieses Phänomen mit den großen Egos der oppositionellen Akteure: „Diesen Personen mit ihren stark entwickelten Egos fällt es viel leichter, jeweils eine eigene neue Organisation zu gründen, als in schon bestehenden Organisationen miteinander zu kooperieren. Das ist nicht nur ein Phänomen der Perestroika-Generation, sondern scheint auch auf die neuere Generation zuzutreffen, z.B. auf Xenia Sobchak und Alexej Nawalny“. Dabei brauche die Bevölkerung Alternativen, die nicht nur ein überzeugendes Programm haben, sondern auch ein „mediengängiges charismatisches Gesicht“, so Segbers. Und das gibt es seit einem Jahr.<br />
Um die zahlreichen oppositionellen Kräfte zusammenzubringen und die Proteste besser zu koordinieren, war die Idee entstanden, einen Koordinationsrat der Opposition zu gründen. Im März 2012 wurden die ersten demokratischen Wahlen im Internet organisiert. Es beteiligten sich 82.000 systemkritische Bürger daran und wählten aus 200 Kandidaten 45 Vertreter in den Koordinationsrat. Dieses Organ vertritt bis heute die Interessen der Opposition legitim nach außen und fordert nach wie vor die Durchführung von Neuwahlen sowie Wahl- und Gerichtsreformen. Der Blogger Alexej Nawalny wurde damals mit mehr als 43.000 Stimmen zum Wahlsieger gekrönt. Die Wähler sahen in ihm wohl denjenigen, der das Zeug hat, etwas zu verändern. Den erstaunlichen Erfolg mit 82.000 abgegebenen Stimmen aus aller Welt bezeichnete der amerikanische Journalist <a href="http://world.time.com/2012/10/23/russias-opposition-gets-its-act-together-electronically-for-now/">Simon Schuster</a> damals als das „wahrscheinlich größte Experiment auf dem Gebiet der Internet-Demokratie“.</p>
<h3>Nawalny oder Putin?</h3>
<p>Vorher hatte es in der politischen Arena in Russland kaum Persönlichkeiten mit Führungsambitionen gegeben, die breite Bevölkerungsmassen mitreißen konnten. Mit dem Auftreten von Alexej Nawalny scheint sich das geändert zu haben. Nawalny sei durchaus im Stande, mit Vladimir Putin Schritt zu halten. An rhetorischen Fähigkeiten und guter Medienausstrahlung mangele es ihm nicht, meint Segbers. Gleichzeitig habe Nawalny, genauso wie Putin, ein relativ breit aufgestelltes Programm und versuche sehr unterschiedliche Wählergruppen anzusprechen. Nawalny sei der erste Oppositionspolitiker, der zudem einen gewissen russischen Nationalismus und eine wenig freundliche Rhetorik gegenüber Emigranten aus Zentralasien bediene. Nawalny habe durchaus das Potenzial, sich zum Herausforderer Putins zu entwickeln, glaubt Segbers.<br />
Jedoch stand Nawalny bereits mehrere Male vor Gericht. Er wurde unter anderem der Veruntreuung <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-verurteilt-kreml-kritiker-nawalny-wegen-veruntreuung-a-911727.html">bezichtigt</a>. Heute ist er zwar auf Bewährung frei, doch könnte Nawalny nach einem entsprechenden Gerichtsurteil völlig von der politischen Bühne verdrängt werden, zumindest bis 2026, wie die Internet-Zeitung <a href="http://www.vedomosti.ru/politics/news/17941651/vybory-na-starosti-let#ixzz2ixFoJ9td">Vedomosti</a> berichtet. Nawalny selbst <a href="http://www.firstnews.ru/articles/navalnyy-otbilsya-dokazatelstvami-po-chernogorii/">bestreitet</a>, jemals gesetzeswidrig gehandelt zu haben.</p>
<h3>Die Lage der Opposition</h3>
<p>Nach der Wiederwahl Putins zum Präsidenten 2012 wurden das <a href="http://www.n-tv.de/politik/Putin-stutzt-die-Revolution-article6459101.html">Demonstrationsrecht</a> verschärft und <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Komplettueberwachung-Russischer-Geheimdienst-erhaelt-vollstaendige-Kontrolle-im-Internet-1982856.html">Internetkontrollen</a> ausgeweitet. Oppositionsführer müssen sich mit lästigen Gerichtsverhandlungen herumschlagen. Der Spielraum der Opposition verengt sich immer mehr. Doch das sei nur ein Teil des Problems, erklärt Professor Segbers: „Die Zivilgesellschaft muss sich durchsetzen. Wenn die Opposition in Russland es nicht schafft, sich ihre Rechte zu nehmen, dann ist sie offenbar nicht stark genug“. Das Problem liege also nicht nur darin, dass die Herrschenden die Macht nicht abgeben wollen, sondern ein Problem liege in der unzureichenden Reife und Entwicklung der Gesellschaft.<br />
Doch Fakt ist auch, dass die Mehrheit der russischen Bevölkerung für eine dritte Amtszeit Putins stimmte. <a href="http://www.dw.de/putin-verliert-an-zustimmung-in-russland/a-16784741">Laut Umfragen</a> verliert er allerdings mehr und mehr an Zustimmung unter seinen Wählern. Denn es gebe dringenden Reformbedarf in Russland, so Segbers. Der russische Präsident wird in Zukunft wohl auch unpopuläre Entscheidungen treffen müssen: Reformen bei der Rente, beim Militär und beim Haushalt können nicht länger hinausgezögert werden. Hinzu kommt, dass aufstrebende Fachkräfte in der Verwaltung und in Großkonzernen rasant aufsteigen, aber ihr Potenzial bislang nicht ausschöpfen können, da die alten Oligarchen die Türen verschlossen halten. Sollte sich Putin hier nicht eiligst einmischen, könnten die erfolgreichen Fachleute von heute zu einer sehr starken und siegreichen Opposition von morgen werden.<br />
&nbsp;<br />
Bild: Valya Egorshin ( CC BY 2.0 )<span style="font-size: 14px;padding-left: 2px">  </span><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /><br />
&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hacker kapern Homepage des iranischen Rundfunks</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/hacker-kapern-homepage-des-iranischen-rundfunks-4404/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 09:38:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Opposition]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Situation nach den Präsidentschaftswahlen im Iran eskaliert. Auch in der digitalen Welt: Hacker griffen jetzt die Seite des iranischen Rundfunks an und legten sie lahm.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Situation nach den Präsidentschaftswahlen im Iran eskaliert. Auch in der digitalen Welt: Hacker griffen jetzt die Seite des iranischen Rundfunks an und legten sie lahm.<!--break--></p>
<p>
Um die oppositionellen Proteste einzudämmen, wurde die Berichterstattung von staatlicher Seite rigoros unterbunden, TV-Stationen geschlossen, die Mobilfunkkommunikation gestört und oppositionelle Internetseiten geblockt. Nun ist den Gegnern dieser Zensurmaßnahmen offenbar ein Husarenstück gelungen.
</p>
<p>
Wie der <a href="http://techpresident.com/blog-entry/bringing-down-irans-state-run-media" target="_blank" title="http://techpresident.com/blog-entry/bringing-down-irans-state-run-media" rel="noopener noreferrer">Online-Dienst Techpresident.com </a>berichtet, sind möglicherweise Josh Koster (Chong and Koster) und seinem Team aus Washington D.C. dafür verantwortlich, dass die <a href="http://www.IRIB.ir" target="_blank" title="www.IRIB.ir" rel="noopener noreferrer">Seite des Rundfunks der Islamischen Republik Iran</a> temporär nicht erreichbar war. Die Aktivisten haben für ihren Angriff offenbar die Applikation Page Reboot verwendet, die sonst gerne bei Last-Minute-Geboten auf Ebay Anwendung findet. Eingebunden in die Aktion war ein weit verzweigtes Netzwerk, das über Twitter informiert wurde.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Keinen Schreihals-Wettbewerb mit dem lauten Guido veranstalten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keinen-schreihals-wettbewerb-mit-dem-lauten-guido-veranstalten-141/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Fritz Kuhn]]></category>
		<category><![CDATA[Energiepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Opposition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 22. Mai, war Fritz Kuhn, 
Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, zu Gast im tagesschau-Chat. 
Er stellte sich den Fragen der User zu der zukünftigen politischen 
Profilierung der Grünen, der Energiepolitik und inhaltlichen 
Schnittmengen mit der CDU.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 22. Mai, war Fritz Kuhn,<br />
Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, zu Gast im tagesschau-Chat.<br />
Er stellte sich den Fragen der User zu der zukünftigen politischen<br />
Profilierung der Grünen, der Energiepolitik und inhaltlichen<br />
Schnittmengen mit der CDU.<!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Chatter, heute<br />
heißt unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio Fritz Kuhn. Er ist<br />
Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. In dieser Funktion<br />
ist Herr Kuhn sozusagen Universalist und daher sind auch Fragen<br />
aus allen relevanten politischen Bereichen erwünscht. Wie immer<br />
sortieren wir die Fragen. Herr Kuhn, kann es losgehen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Klar kann es losgehen.
</p>
<p>
<b>durruti:</b> Hallo Herr Kuhn! Welche Existenzberechtigung<br />
hat die Grüne Partei noch, nachdem sie alle ihre demokratischen<br />
und pazifistischen Grundwerte aufgegeben hat?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn: </b>Das sehe ich überhaupt nicht.<br />
Die Grünen sind die einzige ökologische Partei in Deutschland.<br />
Wir haben ein sehr weit reichendes Konzept gerechter Globalisierung<br />
und klare Vorstellungen, wie man den Sozialstaat gerechter und tragfähiger<br />
machen kann. In Baden-Württemberg haben 12 Prozent der Wähler<br />
an unserer Existenzberechtigung nicht gezweifelt.
</p>
<p>
<b>June24:</b> Im Moment macht es den Eindruck, dass<br />
die Grünen sich zu jedem gerade in den Medien präsenten<br />
Thema äußern, ohne dadurch jedoch an Boden zu gewinnen.<br />
Das wirkt ein wenig hilflos. Finden Sie sich als Opposition etwa<br />
nicht zurecht?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Wir hatten eine Zeit gebraucht, den<br />
Rollenwechsel von der Regierung zur Opposition hinzukriegen, aber<br />
jetzt sind wir ganz in der Opposition angekommen. Natürlich<br />
setzen wir Schwerpunkte, etwa mit einem Thema wie „weg vom<br />
Öl“, also der ökologischen Modernisierung.
</p>
<p>
<b>Sozialdemokrat2:</b> Werter Herr Kuhn, denken Sie,<br />
dass es problematisch ist, dass die Grünen mit ihrer Arbeit<br />
als Oppositionspartei wesentlich weniger Erfahrung haben als zum<br />
Beispiel die FDP?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn: </b>Wenn man die grüne Parteigeschichte<br />
kennt, dann stimmt es ja nicht. In Baden-Württemberg sind wir<br />
seit 25 Jahren in der Opposition und haben dazu beigetragen, das<br />
Land auch aus dieser Rolle heraus zu verändern. Einen Schreihals-Wettbewerb<br />
mit dem lauten Guido werden wir allerdings nicht veranstalten.
</p>
<p>
<b>maico:</b> Meiner Meinung nach haben sich die Grünen<br />
überlebt. Was bleibt, wird das Flaschenpfand sein.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Da irren Sie sich, lieber maico. Die<br />
ökologische Fragestellung ist nach meiner festen Überzeugung<br />
eine Jahrhundertfragestellung, so wie das Thema soziale Gerechtigkeit<br />
für die SPD im ausgehenden 19. Jahrhundert.
</p>
<p>
<b>phil4ya:</b> Lieber Herr Kuhn, die große Koalition<br />
trifft eine umstrittene Entscheidung nach der anderen. Trotzdem<br />
ist es im Lager der Opposition erstaunlich ruhig. Insbesondere von<br />
den Grünen ist wenig zu hören. Welche Maßnahmen<br />
strebt Ihre Partei an, um wieder an Profil zu gewinnen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Die große Koalition versinkt<br />
gegenwärtig im Steuerchaos und mit der Mehrwertsteuererhöhung<br />
wird sie zum Jahreswechsel den Aufschwung kaputt machen. Ich glaube<br />
schon, dass deutlich wird, dass die grüne Opposition hier dagegen<br />
hält.
</p>
<p>
<b>TobiH:</b> Die FDP hat jüngst einen Vorstoß<br />
in die Umweltpolitik gewagt. Macht den Grünen diese Wende in<br />
der FDP-Politik Sorgen? Verlieren sie mit ihren wichtigsten politischen<br />
Themen auch ihre Rolle als Oppositionspartei? Vielen Dank.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Lieber TobiH, der FDP-Parteitagsbeschluss<br />
macht mir keinerlei Sorgen. Wer sagt, er wolle mehr umweltpolitische<br />
Kompetenz, aber gleichzeitig wie die FDP den Widereinstieg in die<br />
Atomkraft fordert und die Abschaffung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes,<br />
der zeigt, dass er von Ökologie soviel versteht, wie eine Kuh<br />
vom Vier-Finger-Pfeifen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie wollen die Grünen diese Kritik<br />
an der FDP nach außen kommunizieren &#8211; nach deren Parteitag<br />
kürzlich hörte man wenig&#8230;
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn</b>: Wir stellen dies überall in Redaktionsgesprächen<br />
und politischen Diskussionen natürlich vor, was die FDP beschlossen<br />
hat. Und ich bin mir sicher, dass die FDP mit ihrem halbgaren Beschluss<br />
kein ökologisches Land gewinnen kann.
</p>
<p>
<b>regiolf:</b> Oft thematisiert wurden mögliche<br />
Koalitionen mit der Union. Sehen Sie hier tatsächlich eine<br />
vergleichbare politische Schnittmenge wie mit der SPD?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Die politische Schnittmenge mit der<br />
SPD ist derzeit sicherlich größer. Dennoch kann Schwarz-Grün<br />
eine politische Option für meine Partei werden. Dies hängt<br />
allerdings von den Inhalten ab. Noch immer hat die Union massive<br />
Modernisierungsdefizite in der Ökologie, beim Verbraucherschutz<br />
und auch bei integrationspolitischen Fragen. Nur wenn sie diese<br />
Defizite überwindet, macht Schwarz-Grün einen Sinn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In 25 Jahren ist vielleicht das letzte<br />
AKW abgeschaltet &#8211; ist das ein guter Zeitrahmen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich würde mich sehr freuen, wenn<br />
es wirklich gelingt, das Atomausstiegsgesetz umzusetzen. Überall<br />
in der Welt schaut man genau hin, ob Deutschland diesen Ausstieg<br />
wirklich schafft. Ich bin überzeugt, dass es geht und auch<br />
auf eine klimafreundliche Art und Weise geht. Mit einer Union, die<br />
andauernd wieder einsteigen will in die Atomkraft, könnten<br />
wir allerdings nicht koalieren.
</p>
<p>
<b>Habermaaß:</b> Welche Opfer würden Sie<br />
für eine Koalition mit der CDU auf Landesebene bringen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich würde da nicht von Opfern<br />
reden. Entscheidend ist, dass unsere Kernthemen, Ökologie,<br />
Verbraucherschutz, auch Integration und Schutz von Minderheiten<br />
in einer Landeskoalition vorangebracht werden. Dazu kommt ein Thema<br />
wie die Kinderpolitik und die Bildungsreform. Erst auf der Basis<br />
der Erfolge, die man erzielt, kann man bewerten ob Kompromisse,<br />
die man eingehen muss, akzeptabel sind oder nicht.
</p>
<p>
<b>Herr Fiebig: </b>Mein Problem mit den Grünen<br />
hatte ich in den letzten Jahren eher mit den wirtschaftspolitischen<br />
Entscheidungen. Jetzt, wo die FDP auf einmal die Ökologie &quot;neu<br />
entdeckt&quot;, ist für mich die Frage: Welche der Oppositionsparteien<br />
tritt für wirkliche Veränderung in der Arbeitsmarkt- und<br />
Wirtschaftspolitik ein? Haben die Grünen da Vorstellungen,<br />
die über die Energiepolitik hinausgehen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Unter dem Leitbegriff &quot;Grüne<br />
Marktwirtschaft&quot; haben wir eine wirtschaftspolitische Konzeption,<br />
die dem Marktgeschehen einen klaren ökologischen und sozialen<br />
Rahmen setzt. Dazu gehört auch, dass wir mehr Wettbewerb anstatt<br />
bestehender Monopole brauchen und auch wirklich verbesserte Chancen<br />
gerade für junge Leute, eine Existenz zu gründen. Lassen<br />
Sie sich doch unser Thesenpapier zur grünen Marktwirtschaft<br />
unter <a href="http://www.gruene-bundestag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gruene-bundestag.de</a><br />
runterladen.
</p>
<p>
<b>Zuhörer82:</b> Deutschlands Vorreiterrolle im<br />
Atomausstieg könnte sich jedoch auch als finanzielles Desaster<br />
erweisen. Wie ist das mit Nachhaltigkeit ihrer Politik zu vereinen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich bezweifle, dass der Atomausstieg<br />
ein finanzielles Desaster werden wird. Im Gegenteil. Wenn wir jetzt<br />
volle Kanne einsteigen in mehr Energieeffizienz und in die Erneuerbare<br />
Energietechniken, dann werden wir z.B. im Export dieser Energietechnik<br />
viel Geld verdienen. Man kann mit grünen Ideen schwarze Zahlen<br />
schreiben.
</p>
<p>
<b>Mik:</b> Finden Sie es wirklich sinnvoll, die Atomkraftwerke<br />
abzuschalten, obwohl es bisher und auch in näherer Zukunft<br />
keine wirkliche Alternative gibt? Ich fürchte, in wenigen Jahren<br />
werden wir Strom aus Frankreich und Osteuropa zukaufen müssen&#8230;
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Es gibt jede Menge Alternativen. Wichtig<br />
ist insbesondere, dass wir viel effektiver mit Strom und Wärme<br />
umgehen können. Wir müssen die Wirkungsgrade der Stromerzeugung<br />
steigern und schließlich haben wir mit Sonne, Wind, Wasser<br />
und Biomasse ein riesiges Potential Erneuerbarer Energien. Ganz<br />
persönlich will ich sagen: Ich halte die Atomkraft für<br />
zu gefährlich, um sie verantworten zu können.
</p>
<p>
<b>Atemschutz: </b>Wie kann es eigentlich sein, dass<br />
die Stromlobby in der Politik so stark verankert ist, dass umweltschonende<br />
Blockheizkraftwerke von Privatpersonen nicht an öffentliche<br />
Stromnetze angeschlossen werden dürfen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Wir haben in Deutschland tatsächlich<br />
immensen Einfluss von wirtschaftlichen Lobbys. Die vier großen<br />
Energieerzeuger gehören ebenso dazu, wie marktbeherrschende<br />
Firmen in der chemischen oder der Pharmaindustrie. Die vier Energieerzeuger<br />
verlangen irrsinnig hohe Preise für Stromdurchleitung auf ihren<br />
Netzen. Ich verlange, dass die Bundesregierung hier echten Wettbewerb<br />
durchsetzt.
</p>
<p>
<b>Thomas Herz:</b> Herr Kuhn, wie sollte Ihrer Meinung<br />
nach Energie langfristig besteuert werden? Würden Sie beispielsweise<br />
Energie für Mobilität anders besteuern? Würden Sie<br />
direkte oder indirekte Besteuerung erwägen?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Zunächst geht es für mich<br />
darum, chancengerechte Besteuerung der verschiedenen Mobilitätssysteme<br />
zu erreichen. So ist der Flugverkehr gegenüber Straße<br />
und Schiene begünstigt. Bei der Ökosteuer halte ich es<br />
für wichtig, dass die vielen Ausnahmeregelungen, die es derzeit<br />
gibt, abgebaut werden. Das Beste, was wir in den letzten Jahren<br />
geschaffen haben, ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz.
</p>
<p>
<b>dominikholz:</b> Sind Sie eigentlich mit den Benzinpreisen<br />
zufrieden? Wenn es nach Ihnen ginge, wären die Preise wahrscheinlich<br />
noch höher. Eine ungerechtere Steuer als die Ökosteuer<br />
gibt es meiner Meinung nach nicht, da nicht die ganze Bevölkerung<br />
betroffen ist. Da ist die Mehrwertsteuer gerecht. Diese muss jeder<br />
bezahlen. Ich muss sagen, es macht keinen Spaß arbeiten zu<br />
fahren bei diesen Benzinpreisen. Bus und Bahnen sind auch keine<br />
Alternative im Dorf.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Die Ökosteuer ist im Vergleich<br />
zu den Energiepreiserhöhungen der letzten beiden Jahre marginal.<br />
Wir hatten vor 3 Jahren einen Ölpreis von 30 US-Dollar pro<br />
Barrel und liegen heute bei 70 US-Dollar. Die letzte Ökosteuererhöhung<br />
war vor drei Jahren. Damit wir uns klar verstehen: Ich freue mich<br />
nicht über die hohen Energiepreise, weil ich die sozialen und<br />
wirtschaftlichen Folgen kenne. Deswegen sagen wir Grüne: Weg<br />
vom Öl, auch durch intelligentere Autotechnik.
</p>
<p>
<b>Seppo:</b> Warum hat die Grüne Fraktion im Punkt<br />
der Endlager eine eher alte Position, die mit der SPD innerhalb<br />
der Koalition abgesprochen war, bezogen und nicht den radikaleren<br />
Weg Ihrer Umweltpolitiker eingeschlagen? Ist die grüne Bundestagsfraktion<br />
nicht noch zu sehr Regierungsfraktion?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Wir sind dafür, dass nach einem<br />
transparenten Suchverfahren in Deutschland ein Standort für<br />
ein atomares Endlager gefunden wird. Den Salzstock in Gorleben halte<br />
ich dafür nicht geeignet. Klar ist für uns auch, dass<br />
die Atomindustrie die Kosten für ein faires Standortsuchverfahren<br />
tragen muss. Der Streit in meiner Fraktion ging lediglich um die<br />
Frage, wie man das Verursacherprinzip am besten durchsetzen kann.
</p>
<p>
<b>David21:</b> Herr Beck hat die Grünen kürzlich<br />
mit Schlagworten wie &quot;neoliberal &quot; tituliert und in der<br />
Tat könnte man &#8211; was Themen und Klientel angeht &#8211; meinen, die<br />
Grünen sind heute eher eine linke FDP. Stört Sie dieser<br />
Eindruck?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Die Grünen sind keine neoliberale<br />
Partei. Das ist Quatsch mit Soße. Es gibt viele politische<br />
Fragestellungen, für die der Markt allein keine vernünftige<br />
Antwort finden kann. Wir brauchen politische Lösungen und brauchen<br />
auch einen Staat, der sie gegenüber der Wirtschaft durchsetzen<br />
kann. Deswegen haben wir mit der neoliberalen FDP nichts zu tun.
</p>
<p>
<b>mp3:</b> Zum Thema &quot;No-Go-Areas&quot;: Sie meinten<br />
ja, man müsste das Thema mehr skandalisieren anstatt es zu<br />
verschweigen. Wem ist denn mit der Ausrufung von Reisewarnungen<br />
geholfen? Stärkt das nicht eher die Position der Rechten?
</p>
<p>
<b>David21:</b> &quot;Die Welt zu Gast bei Freunden &quot;<br />
&#8211; Wie ist ihrer Meinung nach dem Rechtsextremismus in Deutschland<br />
&#8211; auch fernab der Fußball-WM &#8211; zu begegnen und was halten<br />
Sie von den Aussagen Heyes?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich finde es richtig, wenn wir ein<br />
real existierendes Problem auch wirklich benennen. Deswegen muss<br />
man Gefährdungen, die es in manchen Städten und Regionen<br />
Deutschlands gibt, öffentlich machen. Natürlich müssen<br />
die Politik und die Gesellschaft dann für diese Regionen auch<br />
Konzepte auf den Tisch legen, dass aus einer &quot;No-Go-Area&quot;<br />
eine &quot;Go-Area&quot; wird. Langfristig müssen insbesondere<br />
die CDU und die CSU aufhören, die bei uns lebenden Migranten<br />
und Migrantinnen zu diskriminieren, z.B. mit solchen Tests wie in<br />
Baden-Württemberg oder Hessen. Die CDU hat viel dazu beigetragen,<br />
dass sich die Rechten in Deutschland so stark fühlen können.<br />
Dies muss sich ändern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat die Union Schuld? Oder fängt<br />
das Thema nicht in den Familien an?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Natürlich hat so etwas viele<br />
Ursachen: soziale Ursachen, aber auch ideologische Ausgrenzung.<br />
Die alte Unionsthese, wonach das Boot voll sei und wir keine Migranten<br />
ins Land lassen sollten, hat viel zur ideologischen Vergiftung in<br />
Deutschland beigetragen. Aber natürlich muss auch in der Familie<br />
und in der Schule überall im Land gegen den anwachsenden Rassismus<br />
vorgegangen werden.
</p>
<p>
<b>Einsteiger: </b>Herr Kuhn, wenn Sie Bürgermeister<br />
in einer kleinen brandenburgischen Gemeinde wären: Was würden<br />
Sie tun, um Ihren Ort frei von Rechtsradikalen zu halten?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich würde versuchen, neben allen<br />
Unterstützungen, die man durch die Polizei und die Landespolitik<br />
bekommen kann, in vielen Versammlungen die Bürger zu überzeugen,<br />
dass der Rechtsradikalismus nicht akzeptabel ist und meiner Stadt<br />
auch wirtschaftlich schadet. Für Firmen, die sich fragen, wo<br />
sie sich niederlassen sollen, ist die Frage ob in der Gegend rechtsradikale<br />
Übergriffe sind oder nicht, inzwischen eine entscheidende Fragestellung.
</p>
<p>
<b>messias2k:</b> Mit Tests diskriminieren? Also, ich<br />
denke viele Leute, auch Sie Herr Kuhn, aber auch andere Politiker,<br />
wissen nicht, wie es tatsächlich auf den Straßen zugeht.<br />
Ich denke nicht, dass man mit Test jemanden diskriminiert. Wenn<br />
ich in den Urlaub fahre, informiere ich mich auch über das<br />
Land, das ist selbstverständlich für mich. Ich denke,<br />
man sollte von Einwanderern noch sehr viel mehr verlangen, wenn<br />
sie dies nicht freiwillig tun, dann eben Tests.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Die Tests in BaWü waren ja deswegen<br />
diskriminierend weil sie sich an muslimische Einwanderer allein<br />
richteten. Mit Fragen, die auch viele Deutsche nicht hätten<br />
beantworten können. Selbstverständlich müssen wir<br />
von Leuten, die hier auf Dauer leben wollen, auch Integrationsbereitschaft<br />
verlangen. Der Schlüssel der Integration ist für mich<br />
der Spracherwerb. So müssen alle Kinder, wenn sie in die Schule<br />
kommen, richtig gut deutsch können.
</p>
<p>
<b>rrs123:</b> Hallo Herr Kuhn. Ist Fremdenfeindlichkeit<br />
in ihren Augen ein ostdeutsches Problem?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Nein, Fremdenfeindlichkeit gibt es<br />
in ganz Deutschland und in ganz Europa und es wäre auch falsch,<br />
es zu einem rein ostdeutschen Problem zu machen. Allerdings muss<br />
die gesamte Bundesrepublik sich natürlich schon die Frage stellen,<br />
wie man die Menschen in den neuen Ländern vor rechtsradikalen<br />
Übergriffen besser schützen kann.
</p>
<p>
<b>raffix: </b>Herr Kuhn, zurzeit bin ich noch Schüler<br />
und sehe ein großes Problem darin, dass in den Schulen nie<br />
über Rechtsextremismus gesprochen wird. Warum findet so etwas<br />
nicht Eingang in diverse Lehrpläne? Es gibt viele Themen, die<br />
die persönliche Einzigartigkeit betreffen und in Schulen praktisch<br />
nicht behandelt werden, wie bspw. Meinungsfreiheit, sexuelle Einstellung,<br />
etc.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich teile Ihre Einschätzung,<br />
dass die Länder Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Rassismus<br />
zum Gegenstand des Lehrplans machen müssen. Dies sollte eine<br />
dringende Konsequenz der aktuellen Diskussion sein. Für Berlin<br />
verlange ich, dass sich der Regierungschef Wowereit endlich mal<br />
selber drum kümmert, was an den Berliner Schulen los ist.
</p>
<p>
<b>Timo S.:</b> Und wie wollen Sie mit Ausländern<br />
verfahren, die sich ganz bewusst der Integration verweigern?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich bin überzeugt, dass wir allen<br />
Menschen in Deutschland klar machen können, dass Integration<br />
sein muss. Integration heißt Anerkennung zu bekommen, auch<br />
in der Verschiedenheit, aber Integration heißt auch Pflichten<br />
zu übernehmen und sich z.B. zu den Grundwerten unseres GG zu<br />
bekennen. Wir müssen den Dialog mit allen hier lebenden Menschen<br />
über diese Fragen endlich aufnehmen. Dialog geht aber nur unter<br />
der Prämisse: Ihr seid akzeptiert und erwünscht und nicht<br />
unter der Prämisse: Ihr seid unerwünscht.
</p>
<p>
<b>Eberle Achim: </b>In wie weit haben Sie Fremdenfeindlichkeit<br />
zu verantworten durch eine zu großzügige Zuwanderungspolitik?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Deutschland hat kein großzügige<br />
Zuwanderungspolitik, sondern hat jahrelang die Realität, dass<br />
wir ein Einwanderungsland sind, geleugnet. Erst mit dem Einwanderungsgesetz<br />
sind wir etwas realitätstauglicher geworden. Ich kann die in<br />
ihrer Frage zum Ausdruck kommende Überfremdungsangst nicht<br />
teilen. In der heutigen Welt sind die Länder erfolgreich, die<br />
nach einem klaren geregelten Verfahren Einwanderung zulassen. Denken<br />
sie an die USA.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat unsere Selbstdarstellung als perfekter<br />
WM-Gastgeber schon jetzt Risse bekommen &#8211; sowohl durch die Diskussion<br />
aber vor allem durch die jüngsten rechtsradikalen Übergriffe?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn: </b>Ich finde die Diskussion, wie sie<br />
jetzt von Herrn Heye losgetreten wurde, hilfreich. Denn sie wird<br />
dazu führen, dass sich die vielen Fußballbegeisterten,<br />
wenn sie irgendwo Fremdenfeindlichkeit wahrnehmen, einmischen werden.<br />
Ich finde es immer besser, man diskutiert vorher und nicht hinterher.<br />
Dass wir in Deutschland auch Rassismus haben, können wir nicht<br />
verbergen.
</p>
<p>
<b>Migrant:</b> Herr Kuhn, warum gibt es in Deutschland<br />
nicht die doppelte Staatsbürgerschaft? In vielen anderen europäischen<br />
Ländern ist die doch längst Normalität. So zum Beispiel<br />
in Großbritanien!
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Es gibt ja die Möglichkeit, doppelte<br />
Staatsbürgerschaft zu beantragen und zu bekommen, allerdings<br />
nach einem noch immer zu restriktiven Verfahren. Die CDU hat hier<br />
einfachere Regeln, wie sie in anderen Ländern möglich<br />
sind, immer hintertrieben.
</p>
<p>
<b>Atemschutz:</b> Der Fokus hat neulich getitelt: &quot;Die<br />
gescheiterte Integration in Deutschland &quot;. Gezielte Panikmache<br />
von Herrn Markwort? Schürt so etwas nicht das Klima gegen Integration?<br />
Mich hat das sehr geärgert!
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Die Integration in Deutschland ist<br />
nicht gescheitert, aber sie muss wirklich verbessert werden. Zwei<br />
Sachen stehen im Vordergrund: Erstens müssen wir den Menschen,<br />
die zu uns kommen, die gleiche Anerkennung zollen. Und zweitens<br />
müssen sie bereit sein, an unserem öffentlichen Leben<br />
teilzunehmen. Dazu gehört der Erwerb der deutschen Sprache.<br />
Kinder in der Grundschule, die nicht deutsch können, können<br />
sie auch nicht integrieren.
</p>
<p>
<b>C.B.: </b>Herr Kuhn, wie stehen die Grünen inzwischen<br />
zur Thematik der Cannabis-Legalisierung? Kann man einen Vorstoß<br />
Ihrer Partei erwarten und wie stehen Sie zum niederländischen<br />
Modell (kontrollierte staatliche Abgabe und Versteuerung)? Immerhin<br />
ist in den Niederlanden die Zahl der Cannabis-Konsumenten nach der<br />
Tolerierung / „Legalisierung“ erheblich gesunken.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Wir Grünen fordern in unserem<br />
Wahlprogramm die Legalisierung von Cannabis. Hauptgrund ist, dass<br />
im Verbot des Cannabisgebrauchs ein ideales Einfallstor liegt für<br />
Dealer, die dann mit harten Drogen nachsetzen. Ich will allerdings<br />
nicht verhehlen, dass mich persönlich neuere Studien, unter<br />
anderem aus den USA, sehr skeptisch machen, die sagen, dass regelmäßiger<br />
Cannabisgebrauch sowohl die Lernfähigkeit junger Menschen beeinträchtigt<br />
als auch die Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben an Schizophrenie<br />
zu erkranken, steigert. Als Vater zweier Söhne mache ich mir<br />
da meine Gedanken, ob wir mit unserer Forderung noch richtig liegen.
</p>
<p>
<b>durruti: </b>Und haben in sieben Jahren Regierung<br />
keinen Versuch gemacht, die Legalisierung durchzusetzen, oder?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Doch, wir haben es in zwei Koalitionsverhandlungen<br />
vorgeschlagen und vertreten, sind aber beim Koalitionspartner SPD<br />
mit dieser Forderung nicht weiter gekommen.
</p>
<p>
<b>mabest:</b> Warum hört man eigentlich so wenig<br />
über eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen,<br />
sagen wir mal bei 140 Km/h? Das wäre doch was für die<br />
Grünen.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Wir treten ein für vernünftige<br />
Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich sage voraus, dass die weitere<br />
Entwicklung des Ölpreises solche Geschwindigkeitsbegrenzungen<br />
herbeiführen wird. Vor allem, weil unsere Automobilindustrie<br />
noch immer zu lahm ist, wirklich verbrauchsarme Fahrzeuge auf den<br />
Markt zu bringen. Wir wollen nicht länger über das 3-Liter-Auto<br />
diskutieren, sondern wir wollen es sehen.
</p>
<p>
<b>horst55:</b> Als Elternteil muss man sich natürlich<br />
immer Gedanken machen, ob Drogen allgemein nicht besser illegal<br />
wären. Denken Sie nicht, dass eine Kriminalisierung neugieriger<br />
Jugendlicher schlimmer wiegt als ein disziplinierter Umgang in Verbindung<br />
mit Aufklärung?
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich glaube schon, dass Aufklärung<br />
und ein disziplinierter Umgang im Vordergrund stehen müssen.<br />
Die Legalisierungsforderung von Haschisch kommt ja auch daher, dass<br />
sie einem Jugendlichen schwer klar machen können, warum Alkohol<br />
eine Art national anerkannte Droge ist. während Haschisch-Gebrauch<br />
diskriminiert wird. Weiterhelfen wird nur eine offene Diskussion<br />
über Drogen in unserer Gesellschaft.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Vielen Dank an alle Teilnehmer für Ihre Fragen ? und die Bitte<br />
um Verständnis an jene, deren Fragen wir heute nicht berücksichtigen<br />
konnten. Besonderen Dank an Herrn Kuhn, ohne den es heute keinen<br />
Chat gegeben hätte. Der nächste tagesschau.de-Chat ist<br />
für den 31. Mai vorgesehen. Gast wird dann ab dreizehn Uhr<br />
der Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach sein.
</p>
<p>
<b>Fritz Kuhn:</b> Ich danke allen, die mitgemacht haben,<br />
für die präzisen Fragen und wer noch weiter diskutieren<br />
will, kann auch an mein Büro schreiben unter <a href="http://www.fritz-kuhn.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.fritz-kuhn.de</a>.<br />
Vielen Dank.</p>
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