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	<title>Oswald Metzger &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Oswald Metzger &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Politikfrei ist jetzt angesagt&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 May 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Oswald Metzger]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ometzger.jpg" alt="Oswald Metzger" align="left" height="100" width="80" />tacheles.02: Chat mit Oswald Metzger</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ometzger.jpg" alt="Oswald Metzger" align="left" height="100" width="80" />tacheles.02: Chat mit Oswald Metzger</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chatter und Chatterinnen, herzlich willkommen im tacheles.02<br />
Chat. Heute ist Oswald Metzger, Haushaltsexperte der Grünen, Gast im<br />
Chat von tagesschau.de, politik-digital.de und tagesspiegel.de. Der<br />
Chat beginnt um 20.15 Uhr und endet um 21.15 Uhr. Sie können bereits<br />
jetzt ihre Fragen stellen. Sie werden dann an unseren Gast<br />
weitergeleitet</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Liebe Chatter und Chatterinnen &#8211; jetzt geht es los: hier die erste Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mark:</b> Herr<br />
Metzger, wie stellen Sie sich Ihre politische Zukunft vor? Oder ist das<br />
Thema für Sie jetzt endgültig erledigt? Sie sind ja nicht auf einem<br />
aussichtsreichen Platz auf der Landesliste gelandet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b> Politikfrei ist jetzt angesagt. Ich habe auch die Direktkandidatur in meinem Heimatwahlkreis aufgegeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dotcom:</b> Ist es nicht ein bisschen bitter, so von der eigenen Partei abserviert zu werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Zunächst die rationale Antwort: wer kandidiert, muss auch verlieren<br />
können. Das ist Demokratie. Emotional bin ich natürlich schwer<br />
enttäuscht, weil ich leidenschaftlich gern Volksvertreter bin. Und dann<br />
schmerzt so ein Abgang.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernst:</b> Was glauben Sie eigentlich, wie groß ihr Verlust für die grüne Bundestagsfraktion sein wird, wenn Sie nicht mehr da sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Soll ich mich jetzt als unersetzbar einstufen? Bei den Grünen gibt&#8217;s<br />
auch andere Leute mit Substanz in der Finanzpolitik, Christine Scheel<br />
zum Beispiel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cris: </b>Herr Metzger, wer wird eigentlich nach Ihnen die grüne Haushaltspolitik machen? Gibt es so eine Art adäquaten Nachfolger?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Oswald Metzger:<br />
Aspiranten gibt es einige. Seit Metzger haben die Grünen gemerkt, dass<br />
man mit Finanzpolitik eine gute Performance haben kann. Es gibt Leute,<br />
aber die sollen sich selber outen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>franziska:</b> Und was werden Sie jetzt machen? Radfahren, die süddeutsche Landschaft genießen? Mal ehrlich, können Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b> Radfahren wohl, aber nur zum Abnehmen. Ich habe in der Bundestagszeit zwei Konfektionsgrößen zugelegt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Gibt es da Parallelen zu einem Parteikollegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b> Fischer hat seine Beziehungskrise weggelaufen. So an den Nerv geht mein Abgang aus der Bundespolitik nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>easily:</b><br />
Herr Metzger: Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit im Bundestag.<br />
Respekt auch vor Ihrer Entscheidung: Glauben Sie, dass diese anders<br />
ausgefallen wäre, wenn Sie vorher eine Woche Urlaub gemacht hätten &#8211;<br />
eine Woche Abstand vom politischen Alltag ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ich hadere nicht mit meinem Vorgehen. Es war wohl überlegt. Der Angriff<br />
auf Platz zwei gegen Kuhn sollte mich auf Platz sechs gegen Özdemir<br />
besser positionieren. Die sieben Stimmen Unterschied waren ja knapp<br />
genug. Und auf acht wollte ich nicht mehr antreten, weil ich als<br />
Leistungsträger in der Fraktion besser platziert werden wollte als bei<br />
den zwei letzten Wahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Stichwort Finanzpolitik: war die vorher bei den Grünen unbeliebt eine &#8211; Art Stiefkind grüner Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ja, in der Tat hatten die Grünen für die harten Themen lange kein<br />
Feeling. Ich habe mit einer ökologischen Vokabel &#8211; der Nachhaltigkeit &#8211;<br />
den Kampf gegen die Staatsverschuldung. Zum Thema in der<br />
Oppositionszeit gemacht. Wir waren dann lange vor Eichel für<br />
Haushaltskonsolidierung, für eine Absage an kreditfinanzierte<br />
staatliche Wohltaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Was verstehen sie genauer unter Nachhaltigkeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Eine Gesellschaft darf nicht zulasten der nachfolgenden Generationen<br />
leben. Wie in der Umweltpolitik, wo der Satz &quot;wir haben die Erde von<br />
unseren Kindern und Enkeln geborgt&quot; herkommt, muss auch klar sein, dass<br />
die materielle Grundlage des Staates nicht auf schulden gegründet sein<br />
kann. Denn die Zinsen fressen jeglichen Gestaltungsspielraum künftiger<br />
Generationen auf. Und sie treiben die Steuern und Abgaben in die Höhe</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>stefanhome.de: </b>Ihre größten Miss-/Erfolge?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Misserfolg: den Schwachsinn bei den 325-€-Jobs nicht verhindert zu<br />
haben. Der größte Erfolg: die komplette Tilgung der 100 Milliarden DM<br />
UMTS-Erlöse angeregt und dann mit Eichel durchgesetzt zu haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Apropos Schulden: Rückführung der Staatsverschuldung, wie wollten sie das machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
wir brauchen Strukturreformen in den sozialen Sicherungssystemen. Die<br />
Arbeitslosenhilfe als eigenständiges steuerfinanziertes<br />
Sicherungssystem muss in die Sozialhilfe integriert werden. Das schafft<br />
bei Arbeitsfähigen Anreize zur Arbeitsaufnahme und entlastet die<br />
öffentlichen Haushalte. In der Krankenversicherung durch<br />
Basisversicherung und durch eigenverantwortlich zusätzlich versicherte<br />
Wahlleistungen. Die Abschaffung der Kassenärztlichen Vereinigungen als<br />
Selbstbedienungsläden der Mediziner. Ein Bonussystem für die Leute, die<br />
Vorsorgeuntersuchungen machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Warum sind die Reformen nicht durchgesetzt worden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Der Begriff Reformstau war d e r Begriff in der Endphase der<br />
Kohl-Administration. Wir haben bei der Staatsverschuldung<br />
kontinuierlich die Schulden abgebaut, eine Steuerrefom für Wirtschaft<br />
und Steuerpflichtige gemacht und bei der Rente die erste Systemänderung<br />
seit den Bismarckschen Sozialversicherungen eingeführt. Das ist eine<br />
Menge für eine Legislaturperiode, jedenfalls war&#8217;s für die SPD<br />
ausreichend. Ich hätte mir gewünscht, dass vor 18 Monaten nicht<br />
Reformpause verkündet worden wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wie geht&#8217;s nach dem 22.September weiter mit den Reformen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ich glaube, dass Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt werden,<br />
egal wer regiert. Und bei der Rente wird &#8211; nicht zuletzt wegen des<br />
Verfassungsgerichtsurteils bis Ende 2004 die nachgelagerte Besteuerung<br />
kommen. Die Gesundheitsreform wird das schwierigste Thema, weil alle &#8211;<br />
auch Gutinformierte und Gebildete &#8211; im Zweifelsfall ohnmächtige<br />
Patienten sind, die Angst davor haben, im Krankheitsfall nicht die<br />
bestmögliche Medizin zu bekommen. Schwierig werden auch die notwendigen<br />
Reformen am Arbeitsmarkt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>easily:</b> Weshalb ist es Ihrer Meinung nach so schwer, Forderungen wie &quot;Abschaffung&quot; oder Reformen im Gesundheitswesen durchzusetzen ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ehrliche Antwort: weil Politiker d i e Besitzstandswahrer schlechthin<br />
sind. Im Bundestag hocken viele Leute, die immer noch glauben, das Volk<br />
würde ehrliche Antworten nicht vertragen. Ich bin vom Gegenteil<br />
überzeugt. Vielen Wählerinnen und Wählern wäre Ehrlichkeit das<br />
wichtigste Kriterium für die Wahl von Politikern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>easily:</b><br />
Gesundheitspolitisch gäbe es nach Ihren Äußerungen für eine<br />
schwarz-grüne Koalition mehr Übereinstimmung als bei einer rot-grünen ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b> Da ist wahres dran. Allerdings müssen sie sehen, dass in unserem Laden nicht alle so denken, wie Oswald Metzger.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Was denken die anderen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger: </b>Katrin<br />
Göring-Eckardt, parlamentarische Geschäftsführerin unserer Fraktion,<br />
hat vor wenigen Wochen ein mit der SPD kompatibles Modell in die<br />
Diskussion gebracht: Beitragsbemessungsgrenze erhöhen, was nichts<br />
anderes heißt, als mehr Geld ins System bringen ohne die<br />
Eigenverantwortung und die Absahner in Medizin und pharmazeutischer<br />
Industrie zu berücksichtigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tralala: </b>Was würden sie für den Arbeitsmarkt vorschlagen? Wie steht es mit dem grünen Konzept für die nächste Legislaturperiode?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ich würde im Niedriglohnsektor wieder eine Pauschalsteuer für die<br />
325-€-Jobs einführen, das Günstigkeitsprinzip im Tarifrecht abschaffen,<br />
bei befristeten Beschäftigungsverhältnissen deregulieren und den<br />
Rechtsanspruch auf Teilzeit abschaffen. Das schafft in Verbindung mit<br />
einer Reduzierung von Transfairleistungen für Arbeitsfähige mehr<br />
Flexibilität am Arbeitsmarkt. Der Katalog ist nicht abschließend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kellner: </b>Was<br />
sind für sie die Knackpunkte am Arbeitsmarkt? Die jetzige Strategie der<br />
Regierungskoalition scheint ja gescheitert? Oder können wir noch auf<br />
ein Wunder hoffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Vor den Wahlen passiert hier überhaupt nichts mehr. Danach wird es<br />
spannend, ob tatsächlich die Arbeitslosenhilfe abgeschafft wird. Ich<br />
glaube, diese Reformen hängen stark von den politischen Mehrheiten ab.<br />
Weil da gibt&#8217;s zwischen den großen Volksparteien die wesentlichsten<br />
Unterschiede.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Reformen am Arbeitsmarkt- ein heißes Eisen: Wie ist ihrer Meinung nach die Rolle der Gewerkschaften?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ver.di und IG-Metall sind in großen Teilen strukturkonservativ. Deshalb<br />
bremsen sie Reformen. Und deshalb macht die SPD seit 18 Monaten auch<br />
keine Strukturreformen mehr, weil sie eine Bringschuld gegenüber den<br />
Gewerkschaften hat, denen sie bei der Rentenreform mit dem Verzicht auf<br />
die paritätische Finanzierung der Riester-Rente eine heftige Zumutung<br />
serviert hatte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Ist der Einfluss der Gewerkschaften denn so groß?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
In der SPD-Fraktion sind fast alle Abgeordneten auch<br />
Gewerkschaftsmitglieder. Ein Beispiel ist die gerade verabschiedete<br />
Regelung beim Tariftreuegesetz. Da hat Klaus Wiesehügel als<br />
Gewerksschaftsboss in der SPD-Fraktion die Verhandlungen geführt.<br />
Übrigens: ich habe gegen das Tariftreuegesetz gestimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>julia: </b>Geht nicht Vielen die jetzige Realität schon viel zu weit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Da ist schon was dran. Denn die politische Linke, aber auch eine Reihe<br />
von Grünen, haben recht sozialromantische Vorstellungen von der<br />
Wirklichkeit</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>easily: </b>Erklären Sie mir, wie eine Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit sich auf den Arbeitsmarkt auswirken würde ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger: </b>Der<br />
heutige Rechtsanspruch, den wir geschaffen haben, bringt keiner jungen<br />
Frau einen Teilzeitjob. Denn solange ein Arbeitgeber Männer als<br />
Alternative hat, wird er den Mann jeder Frau vorziehen, die noch keine<br />
Kinder hat, weil er ansonsten damit rechnen muss, dass die Frau nach<br />
kurzer Zeit den Rechtsanspruch auf Teilzeit geltend macht. Ist mit<br />
diesem Gesetz also den Frauen geholfen? Wir müssen doch eher die<br />
Vereinbarkeit von Familie und Beruf dadurch stärken, dass wir<br />
bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote schaffen, statt den<br />
Arbeitsmarkt weiter zu regulieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wie sehen denn genau die Unterschiede zwischen den &quot;großen &quot;Volksparteien aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger: </b>Wenn<br />
ich flapsig antworte, würde ich sagen: es gibt zwei sozialdemokratische<br />
Volksparteien. Denn alle Sozialgesetze wurden in der Vergangenheit von<br />
SPD und CDU/CSU geschaffen. Beide Volksparteien haben bei sozialen<br />
Themen Angst vor der Wahrheit: ewig war die Rente sicher, als sich<br />
längst viele jüngere aus der gesetzlichen Rente verabschiedeten, weil<br />
sie nicht mehr an das Märchen von Norbert Blüm glaubten. Alle<br />
Krankenversicherungsreformen wurden bis vor kurzem von beiden<br />
Volksparteien gemeinsam beschlossen, aus dem Grund brauchst man kleine,<br />
reformfreudige Koalitionsparteien, die den großen Parteien Beine<br />
machen, weil sie die Probleme offen benennen und Reformen verlangen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Ein anderes &quot;heißes&quot; Thema, oder? Airbusbeschaffung und Minister Scharping<br />
ernst: Hat nun Verteidigungsminister Scharping mit der Finanzierung der Militärflugzeuge die MdBs getäuscht oder nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Er hat das Budgetrecht gebrochen, den Haushaltsausschuss hintergangen.<br />
Der Haushaltsauschuss wollte am 20. März Geld für etwa 40 Flugzeuge<br />
bewilligen und auf keinen Fall Schadensersatz für 73 Maschinen<br />
bezahlen. Scharping hat genau das Gegenteil gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>christine:</b> Wie hätte Herr Scharping nach ihrer Meinung die Militär-Airbusse finanzieren sollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Oswald Metzger:<br />
In zwei Tranchen. 5,1 Mrd. € stehen in diesem Jahr zur Verfügung. Dafür<br />
kann die Regierung Rechtsverpflichtungen eingehen. Im nächsten Jahr hat<br />
der Bundestag dann die freie Entscheidung, ob er die restlichen 4,5<br />
Mrd. € bewilligt, die für die zweite Tranche benötigt werden oder ob er<br />
das nicht tut. Durch den Schadensersatzanspruch nimmt Scharping dem<br />
Parlament dieses Recht ab. Das darf die Regierung nach unserer<br />
Verfassung nicht, weil nur das Parlament Ausgabenermächtigungen<br />
erteilen darf, nicht die Regierung. Das ist eine wichtige bürgerliche<br />
Errungenschaft der Freiheitskämpfe im 18. und 19. Jahrhundert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Und welche Konsequenzen werden jetzt folgen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Morgen steht ein Abwahlantrag gegen Scharping auf der Tagessordnung des<br />
Bundestags. In namentlicher Abstimmung werden SPD und Grüne den<br />
Minister im Amt halten, wohl manche mit geballter Faust in der Tasche.<br />
Ich selber bin morgen bei einem Bewerbungsgespräch in Zürich und komme<br />
deshalb um die Gewissensentscheidung herum. Vom Gefühl her hätte ich<br />
dem Abwahlantrag gern zugestimmt, wahrscheinlich hätte ich mich aber<br />
der Stimme enthalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Warum enthalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Weil die eigentliche Entscheidung in der Sache erst im Juni im<br />
Haushaltsausschuss ansteht. Wenn das zwischenstaatliche Abkommen von<br />
allen Partnerstaaten unterzeichnet ist, muss Scharping noch einmal in<br />
den Haushaltsausschuss, ehe der Bestellvertrag mit der Industrie<br />
abgeschlossen wird. Da kann der Ausschuss immer noch die Sache zu Fall<br />
bringen. Ich bin wild entschlossen, den Industrievertrag zu stoppen,<br />
wenn dort Schadensersatz für 73 Flugzeuge zugesichert wird. Dafür werde<br />
ich in meiner Fraktion kämpfen. Sollten die Grünen das mehrheitlich<br />
anders sehen, werde ich trotzdem dagegen stimmen. Dann hat meine<br />
Fraktion nur noch die Möglichkeit, mich als Haushaltssprecher<br />
abzulösen, um die Mehrheit für Scharping im Ausschuss zu sichern. Ich<br />
bin gespannt, ob die Grünen das tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Ein politischer Drahtseilakt für sie. Verstehen das die Wähler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger: </b>Geradlinigkeit<br />
ist für mich kein Fremdwort. Beim Budgetrecht hört für mich als<br />
leidenschaftlicher Parlamentarier die Loyalität mit der eigenen<br />
Regierung auf und die Grünen sind nicht als Machtopportunisten gewählt<br />
worden, sondern eher als konstruktive Rebellen. Das darf man nie<br />
vergessen, weil Parteien wie die Grünen ansonsten auch am 22. September<br />
bei der Bundestagswahl den Wählerschwund nicht aufhalten können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Ein aktuelles Beispiel deutscher Politik: CDU Spendenskandal.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>katrin:</b> Im heißen Wahlkampf muss die CSU die Aussagen Schreibers fürchten. Heiße Luft oder ernsthafte Gefahr für die CSU?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b><br />
Ich habe den Eindruck, dass Schreiber ein geschwätziger<br />
Selbstdarsteller ist. Wenn an der CSU-Nummer was dran wäre, dann müsste<br />
er Fakten nennen. Das tut er nicht. Außerdem schaden Spendenaffären<br />
allen Parteien. Die Durchschnittswähler machen keine Unterschiede mehr<br />
&#8211; nach dem Motto: Politik ist eh ein schmutziges Geschäft. Die<br />
Reaktion: immer mehr gehen gar nicht mehr wählen, differenzieren nicht<br />
mehr!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernst:</b> Was<br />
halten Sie eigentlich vom derzeitigen Wahlkampf, es wird ja nur noch<br />
auf die beiden Kanzlerkandidaten polarisiert, Inhalte scheinen ja kaum<br />
eine Rolle zu spielen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger: </b>Inhalte<br />
müssen aber von Parteien kommen. Inzwischen mimt ja selbst die FDP nur<br />
noch die Personality-Nummer mit Westerwelle als Kanzlerkandidat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Eine abschließende persönliche Frage: Bewerbungsgespräch in Zürich? Bei einer Bank?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b> Irrtum. Aber mehr verrate ich nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Gemeinde, vielen Dank für ihre zahlreichen und spannenden<br />
Fragen. Leider ist die Zeit abgelaufen und es waren zu viele Fragen, so<br />
dass nicht alle weitergeleitet werden konnten. Ganz herzlichen Dank an<br />
unseren Gast Oswald Metzger.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oswald Metzger:</b> Ich bedanke mich. Mir hat&#8217;s Spaß gemacht und ich habe vor allem selber getippt &#8211; deshalb die vielen orthografischen Fehler.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Die tacheles.02-Chat Reihe würde sich freuen, wenn sie wieder mit unseren Gästen chatten.</span></p>
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