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	<title>Patrick Leclercq &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Patrick Leclercq &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ich denke, dieser Konflikt wäre absolut vermeidbar gewesen&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Mittwoch, 02. August, 
war Patrick Leclercq, ARD-Korrespondent im Libanon, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er berichtet 
live aus Beirut über die israelischen Angriffe auf den Libanon, 
die Situation der Bevölkerung und mögliche Lösungen 
des Konfliktes.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Mittwoch, 02. August,<br />
war Patrick Leclercq, ARD-Korrespondent im Libanon, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er berichtet<br />
live aus Beirut über die israelischen Angriffe auf den Libanon,<br />
die Situation der Bevölkerung und mögliche Lösungen<br />
des Konfliktes.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator: </b>Zu Gast im tagesschau-Chat<br />
ist heute der ARD-Korrespondent Patrick Leclercq. Er berichtet für<br />
das Erste tägliche aus der Krisenregion Beirut. Von dort aus<br />
ist er uns jetzt telefonisch zugeschaltet. Herr Leclercq telefoniert<br />
von einer konventionellen Telefonleitung aus und das mitten im Krieg<br />
&#8211; technische Probleme sind also möglich. Guten Tag, Herr Leclercq,<br />
können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Mr. Sony:</b> Sind Sie dort, wo Sie sich gerade befinden,<br />
in akuter Gefahr oder in relativer Sicherheit?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Wir sind in relativer Sicherheit, wir sind in<br />
Beirut selber. Wir wohnen in Westbeirut in einem Hotel, das schon<br />
im Bürgerkrieg viele Journalisten beherbergt hat. Wir hatten<br />
schon seit mehreren Tagen keine schweren Bombardierungen mehr, dass<br />
Kampfgeschehen spielt sich ca. zwei Stunden Fahrzeit im Süden<br />
ab und seit zwei Tagen auch wieder im Norden.
</p>
<p>
<b>zaphod:</b> Wie realistisch ist Israels Behauptung,<br />
die Infrastruktur der Hisbollah sei zerstört?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich glaube, das hat eher damit zu tun, dass<br />
der Ministerpräsident Olmert seine Leute, sein Volk beschwichtigen<br />
will. Ich glaube nicht, dass es der israelischen Armee bisher tatsächlich<br />
gelungen ist, den Großteil der Hisbollah zu entwaffnen, so<br />
wie Olmert in einem Interview behauptet hat. Die Hisbollah hat sehr<br />
viele Verstecke. Das können Häuser sein oder auch Bunker<br />
oder auch natürliche Höhlen. Außerdem muss man davon<br />
ausgehen, dass der Nachschub trotz zahlreicher Luftangriffe der<br />
Israelis weiter funktioniert.
</p>
<p>
<b>malla: </b>Israels Armee hat die ersten Verluste zu<br />
beklagen. Wie lange werden wohl die Israelis hinter den Entscheidungen<br />
ihrer Regierung stehen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das ist eine ganz ausgezeichnete Frage, weil<br />
in vergangenen Kriegen das eine wichtige Rolle gespielt hat. Ich<br />
persönlich glaube, dass die Zeit für die israelische Regierung<br />
abläuft, weil die Verluste verglichen mit ähnlichen Kampfhandlungen<br />
doch sehr hoch sind.
</p>
<p>
<b>Benjamin Stierl:</b> Werter Herr Leclercq, denken<br />
Sie, dass dieser Konflikt vermeidbar gewesen wäre?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich denke, er wäre absolut vermeidbar gewesen.<br />
Israel hat nach meiner Meinung völlig überreagiert. Man<br />
hätte sicher auch auf den Verhandlungsweg zu einer Lösung<br />
kommen können.
</p>
<p>
<b>Lahcene:</b> Warum werden die schrecklichen Bilder,<br />
die auf Al Jazeera zum Beispiel zu sehen sind, nicht auch bei uns<br />
gezeigt? Das würde die Menschen vielleicht mal wachrütteln<br />
zwischen Trendwende am Arbeitsmarkt und Rechtschreibregeln. Warum<br />
verurteilen die Journalisten (wenn schon nicht die Politiker) das<br />
israelische Vorgehen nicht auf das Schärfste. Die westliche<br />
Welt macht sich absolut unglaubwürdig, wenn sie über Demokratie<br />
und Menschenrechte spricht!
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Zu den Bildern: Wir haben klare Richtlinien,<br />
was wir zeigen und was wir nicht zeigen. Man muss immer bedenken,<br />
dass auch bei uns Kinder und Menschen vor dem Fernseher sitzen,<br />
die schockiert werden, wenn wir alles Bildmaterial zeigen würden.<br />
Wir versuchen deshalb, so viel wie möglich zu zeigen, aber<br />
trotzdem die Würde auch des toten Menschen noch zu wahren.<br />
Was die Reaktion der internationalen Politik angeht, bin ich der<br />
falsche Ansprechpartner.
</p>
<p>
<b>mateo:</b> Lieber Herr Leclercq, wieso können<br />
sich die Vereinten Nationen auf keine Verurteilung Israels einigen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Wenn sie sich mit der Geschichte der VN näher<br />
befassen, werden sie feststellen, dass diese Institution schon immer<br />
stark fraktioniert und interessenorientiert war. Es geht nicht immer,<br />
wie man annehmen könnte, um das Wohl der Menschen, sondern<br />
oft schlichtweg um politische Interessen.
</p>
<p>
<b>MRauchfuss:</b> Herr Leclercq, wie hoch schätzen<br />
Sie die Gefahr ein, dass Syrien und/oder der Iran direkt in den<br />
Konflikt interveniert?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Gefahr ist groß, weil beide Länder<br />
für den Fall eines Angriffs Gegenmaßnahmen angekündigt<br />
haben. Syrien hat seine Armee bereits in Alarmbereitschaft versetzt.<br />
Dadurch, dass Israel immer wieder direkt an der syrisch-libanesischen<br />
Grenze angreift, kann man leider nicht ausschließen, dass<br />
sich der Konflikt plötzlich ausweitet.
</p>
<p>
<b>Christian:</b> In wie weit ist das harte israelische<br />
Vorgehen für einen dauerhaften Frieden in der Region kontraproduktiv?
</p>
<p>
<b>Manfred Jelting:</b> Was müsste aus Ihrer Sicht<br />
passieren, um ein dauerhaften Frieden in der Region zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Kontraproduktiv ist das Vorgehen deshalb, weil<br />
mit den Angriffen, den Verlusten in der eigenen Familie ganze Generationen<br />
neuer Widerstandskämpfer auf den Weg gebracht werden. Eine<br />
Lösung im Nahen Osten kann nur erreicht werden, wenn das Palästinenser-Problem<br />
befriedigend für die arabische Seite gelöst wird.
</p>
<p>
<b>fembo:</b> Deutsche Soldaten im Libanon? Können<br />
Sie einschätzen, wie diese Möglichkeit in Israel aufgenommen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich glaube, Israel hätte damit aus nachvollziehbaren<br />
Gründen ein großes Problem. Man muss sich vorstellen,<br />
deutsche Soldaten versuchen, mit Waffen israelische Bodentruppen<br />
im Südlibanon aufzuhalten. Das wäre ja dann ein mögliches<br />
Szenario. Nach meiner Meinung wäre die Bundesregierung schlecht<br />
beraten, wenn sie sich auf einen solchen Ansatz einließe.
</p>
<p>
<b>SaLaBe:</b> Wieviel hat die USA zur Aggressivität<br />
von Israel beigetragen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die USA hat weitgehend überwiegend das Waffenarsenal<br />
gestellt und stellt es noch. Außerdem hat der amerikanische<br />
Präsident mit seiner Parole vom Kampf gegen den internationalen<br />
Terrorismus sicher auch die israelische Regierung dazu motiviert,<br />
so stark auf die Entführung der beiden Soldaten im Libanon<br />
zu reagieren.
</p>
<p>
<b>corzi:</b> Was halten Sie von der Vermutung, dass<br />
Bush auf diese Weise letztendlich an den Iran rangehen will? Bleiben<br />
Sie uns gesund!
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Danke für den Gruß. Das spielt sicher<br />
mit eine ganz entscheidende Rolle. Ich glaube aber, dass auch Iran<br />
ein Interesse hat, die Sache am köcheln zu halten, um eben<br />
sozusagen ein Faustpfand zu haben im Hinblick auf das im August<br />
ablaufende Ultimatum.
</p>
<p>
L<b>e Clercq:</b> Ich betrachte mich als ein Freund des<br />
israelischen Volkes. Aber wie lang kann die Welt noch zuschauen,<br />
wie eine demokratisch gewählte Regierung (unter dem Schutz<br />
der USA) Völkerrecht am laufenden Band missachtet?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Dazu kann man sachlich feststellen, dass es in<br />
den letzten Jahrzehnten sehr viele UN-Resolutionen gab, die nicht<br />
umgesetzt wurden. Dann ist die Folgerung zulässig, dass sich<br />
daran wenig ändern wird.
</p>
<p>
<b>Meinecke:</b> Gibt es Neuigkeiten darüber, was<br />
den Verdacht gegenüber Israel betrifft, sie würden geächtete<br />
biologische oder chemische Waffen gegen die Zivilbevölkerung<br />
einsetzten.?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Wir wissen &#8211; bestätigt von internationalen<br />
Ärzten &#8211; von so genannten Cluster-Bombs, d.h. Splitterbomben.<br />
Die wurden von Israel auch schon 1982 während der so genannten<br />
Operation &quot;Galiläa&quot; eingesetzt. Von biologischen<br />
oder chemischen Bomben ist mir persönlich nichts bekannt.
</p>
<p>
<b>che:</b> Wann werden Sie Nasrallah interviewen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> So bald er mir sagt, wo er steckt. Es gibt keine<br />
klaren Hinweise, wo er sich aufhält. Es gibt seit Wochen das<br />
Gerücht, er könne in der iranischen Botschaft hier in<br />
Beirut sein. Sicher ist wohl, dass er jede Nacht woanders schläft.
</p>
<p>
<b>Mr. Sony:</b> Wie beschaffen Sie Ihre Informationen<br />
vor Ort? Nutzen Sie beispielsweise auch die vielzitierten Warblogs,<br />
oder spielen diese aus Ihrer Sicht noch keine Rolle?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Warblogs spielen natürlich eine Rolle,<br />
genauso wie Bildmaterial, das im Internet auftaucht. Entscheidend<br />
für uns ist, ob wir die Informationen gegen checken, also verifizieren<br />
können. Aber selbstverständlich werden alle Quellen genutzt.
</p>
<p>
<b>caburger:</b> Was können wir in Deutschland tun,<br />
statt nur ohnmächtig und entsetzt zuzuschauen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das ist eine Frage, die ich nur so beantworten<br />
kann: Es sollte möglichst viel Information über das Leid<br />
der Menschen verbreitet werden, besonders über die Situation<br />
der Kinder und der alten Menschen. Dann entsteht möglicherweise<br />
ein humaner Druck, der die politisch Handelnden zum Überlegen<br />
bringt.
</p>
<p>
<b>mm02:</b> Wie muss man sich die Hisbollah eigentlich<br />
vorstellen? Sind das normale berufstätige Männer? Wie<br />
ich gelesen habe, organisiert die Hisbollah sogar die Müllabfuhr.<br />
Das klingt merkwürdig für eine so genannte &quot;Terrororganisation&quot;.
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Hisbollah hat ihre Wurzeln in der letzten<br />
Invasion 1982, der so genannten Operation &quot;Galiläa&quot;.<br />
Damals fing sie als Hilfsorganisation an und hat z.B. die Müllabfuhr,<br />
die Schulen, Krankenhäuser sowie Heime im Süden Beiruts<br />
während dieser Kriegssituation am Leben gehalten. Ich kenne<br />
selber Mitglieder der Hisbollah, die im Privatleben völlig<br />
normalen Berufen nachgehen, wie Handwerker, Händler, selbst<br />
Ingenieure, die aber in einer solchen Situation dann auch zur Waffe<br />
greifen.
</p>
<p>
<b>skyluke:</b> Wie beurteilen Sie die Informationspolitik<br />
der Hisbollah? Ist sie schon so professionell, wie es den Eindruck<br />
hat &#8211; mit fingierten Nachrichten?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die ist absolut professionell. Hisbollah hat<br />
ja auch einen nach wie vor &#8211; trotz vieler Bombardierungen &#8211; funktionierenden<br />
Propagandasender mit dem Namen &quot;al-Manar&quot;, übersetzt<br />
&quot;der Leuchtturm&quot;. Wir haben dieses Programm bei uns ständig<br />
laufen, weil bis ins kleinste Detail über den letzten Stand<br />
der Kämpfe informiert wird. Natürlich sollte man davon<br />
ausgehen, dass viele Informationen so nicht unbedingt stimmen. Aber<br />
die Hisbollah ist insgesamt, was den Propagandakrieg angeht, ausgezeichnet<br />
aufgestellt.
</p>
<p>
<b>hasouneh:</b> Was können Sie über die Angaben<br />
der Todesopfer der Hisbollah-Kämpfer in den israelischen Medien<br />
sagen. Realistisch?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Hisbollah selber gibt bisher keine Zahlen<br />
über tote Kämpfer heraus. Was die israelischen Angaben<br />
angeht, denke ich: Die sollte man mit Vorsicht genießen, eben,<br />
weil wir uns in einem Krieg befinden.
</p>
<p>
<b>noway:</b> Welcher Erfolg für Israel ist im Höchstfall<br />
durch die Militäroperationen überhaupt denkbar? Die Hisbollah<br />
wird dadurch wohl kaum zerschlagen oder dauerhaft neutralisiert<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Gute Frage. Maximal die Einrichtung einer Pufferzone,<br />
die von internationalen Truppen überwacht wird. Man muss aber<br />
davon ausgehen, dass es trotzdem immer wieder Angriffe auf den Staat<br />
Israel geben wird. In den siebzigern und Anfang der achtziger Jahre<br />
war das die PLO, dann folgten die Amman-Milizen, jetzt ist es die<br />
Hisbollah &#8211; und wer weiß, wer es in 10 Jahren ist.
</p>
<p>
<b>MarkusNRW:</b> Sehr geehrter Herr Leclercq, wie stehen<br />
Sie zu der Aussage von Ex-Außenminister Fischer, der sich<br />
derzeit im Iran aufhält, der Iran könne eventuell als<br />
Vermittler ins Kriegsgeschehen eingreifen? Ich wünsche Ihnen<br />
und Ihrem Team alles Gute und bleiben Sie gesund!
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich bedanke mich auch für mein Team und<br />
glaube, Herr Fischer hat Recht. Der Iran war und ist der Pate oder<br />
der Ziehvater der Hisbollah, nicht nur militärisch, sondern<br />
mindestens genauso wichtig ideologisch. Wenn der Iran die Hisbollah<br />
auffordert, etwas zu tun, dann hat das den Charakter eines Befehls.
</p>
<p>
<b>marnie:</b> Guten Morgen. Denken Sie, dass die Hisbollah<br />
durch ein &quot;Absägen&quot; der oberen Führungsebene<br />
entscheidend geschwächt würde oder würde sich innerhalb<br />
kürzester Zeit eine neue Führungsebene ergeben und die<br />
Kämpfe aufgrund der Autonomie der einzelnen Kampftruppen gleichermaßen<br />
weitergehen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Es hat in der Vergangenheit mehrere Führer<br />
der Hisbollah gegeben. Nicht alle waren sicher so charismatisch<br />
wie Hassan Nassrallah. Aber angenommen, er käme ums Leben wie<br />
seine Vorgänger, würde das die ideologische und militärische<br />
Kampfkraft der Hisbollah meiner Meinung nach nicht schwächen.<br />
Es würden sich andere Führungskräfte finden. Auf<br />
der Operationsbasis gingen die Kämpfe weiter wie bisher.
</p>
<p>
<b>rttr:</b> Wie ist die Stimmung unter der christlichen<br />
Bevölkerung des Libanon &#8211; pro oder contra Israel/Hisbollah?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die Stimmung war zu Beginn der Kämpfe eher<br />
gegen die Hisbollah und ihr Vorgehen. Durch die hohe Zahl an Toten<br />
Libanesen und die hohen materiellen Schäden und auch die Angriffe<br />
selbst auf den christlichen Teil des Landes ist diese Stimmung gekippt.<br />
Die Libanesen empfinden sich insgesamt im Krieg als Opfer, auch<br />
die Christen, so dass im Moment die Hisbollah eher profitiert.
</p>
<p>
<b>basti007:</b> Wie wird Israel auf einen Beschuss Tel<br />
Avivs reagieren? Droht dann ein wirklicher Krieg?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ja, ich denke, wenn das passieren sollte, würde<br />
sicher die komplette Kriegsmaschinerie ausgelöst. Im Moment<br />
kann man sagen, dass &quot;nur&quot; begrenzt militärisch vorgegangen<br />
wird.
</p>
<p>
<b>StBKK:</b> Kann man als westlich aussehender Mensch<br />
in Beirut unbehelligt auf die Strasse gehen? Ist der Hass gegen<br />
die USA und alles westliche groß? Wird differenziert zwischen<br />
USA und Europa oder Deutschland?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Beirut ist traditionell eine Weltstadt wie London<br />
oder Paris. Es ist für Europäer und selbst für Amerikaner<br />
völlig unproblematisch, sich in Beirut zu bewegen oder zu leben.<br />
Es ist nur in den südlichen Vororten, die überwiegend<br />
schiitisch sind und die auch von der Hisbollah kontrolliert werden,<br />
nicht ratsam für Ausländer, sich allein dort zu bewegen.<br />
Das war aber auch schon lange vor dem Krieg so.
</p>
<p>
<b>andreasw:</b> Wären sie derzeit lieber an einem<br />
anderen Ort als Korrespondent tätig? Wie würden sie ihr<br />
persönliches Verhältnis zum Libanon beschreiben?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich habe ein, glaube ich, sehr persönliches<br />
Verhältnis zum Libanon. Es ist in unserem Berichtsgebiet mein<br />
Lieblingsland. Ich habe hier seit Jahrzehnten sehr viele Freunde,<br />
nicht nur in Beirut, auch in anderen Teilen des Landes. Ich kann<br />
sagen, ich fühle mich hier wohl, so komisch das unter diesen<br />
Umständen klingen mag. Und ich hoffe nur, dass den Libanesen<br />
ihr schönes Land nicht ganz kaputt gemacht wird.
</p>
<p>
<b>nummer5:</b> Fangen die kriegerischen Auseinandersetzungen,<br />
die wir jetzt sehen, nicht schon in den Köpfen der Kinder an?<br />
Woher kommt diese Bildung?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das ist leider so der Fall. Und ist eben entsprechend<br />
beschädigt.
</p>
<p>
<b>Burgund:</b> Ich vermute, dass es auf beiden Seiten<br />
eine Menge Menschen gibt, die diesen Konflikt in keiner Weise befürworten.<br />
Stimmt das? Und haben diese Menschen denn keinen Einfluss?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Das stimmt, das sind insbesondere die jungen<br />
Leute, die eigentlich auf beide Seiten ihr Leben in Ruhe leben wollen,<br />
auch entsprechend einem Beruf nachgehen wollen. Sie haben nur das<br />
Pech, auch auf beiden Seiten, Opfer eines Konfliktes zu sein, der<br />
die Welt seit über 50 Jahren immer wieder beschäftigt.<br />
Und wo die internationale Gemeinschaft noch immer keine Lösung<br />
gefunden hat.
</p>
<p>
<b>rohe_m:</b> Halten sie es für wahrscheinlich,<br />
dass es in absehbarer Zeit zu einer erneuten, eventuell länger<br />
andauernden Waffenruhe kommt, weil sie von Condoleeza Rice angesprochen<br />
wurde?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Es wird in den nächsten Wochen zu einer<br />
Waffenruhe kommen. Sie wird sicher auch eine gewisse Zeit anhalten,<br />
allein aus dem Grunde, dass beide Konfliktparteien sich erst einmal<br />
genug geschwächt haben. Das heißt aber nicht, dass in<br />
der Zukunft solche Auseinandersetzungen nicht mehr stattfinden werden.
</p>
<p>
<b>Lucks:</b> Sehr geehrter Herr Leclercq, inwiefern<br />
ist dieser Konflikt ein anderer, als der Krieg Israels von 1982<br />
und die Okkupation bis 2002? Wodurch unterscheiden sich die Konflikte?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Der ganz große Unterschied ist dieses Mal,<br />
dass Libanesen selbst gegen Israel kämpfen. Das heißt,<br />
dass der Rückhalt im Libanon durch ein solches Vorgehen völlig<br />
anders ist als z.B. damals für die PLO, die ja im Prinzip im<br />
Libanon und im Beirut nichts zu suchen hatte.
</p>
<p>
<b>supertobi:</b> Halten sich denn noch israelische Kollegen<br />
im Libanon auf? Falls ja: Wie wirkt sich denn das unsägliche<br />
Leid dort auf ihre Arbeit aus?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Ich persönlich habe noch keine getroffen,<br />
kann mich aber erinnern, dass das in früheren Zeiten durchaus<br />
der Fall war. Das Problem dürfte dieses Mal für israelische<br />
Kollegen die Einreise sein. Syrien würde sie mit Sicherheit<br />
zurückweisen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Woher bekommen israelische Journalisten<br />
ihre Informationen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Die israelischen Journalisten befinden sich sozusagen<br />
auf den Spuren der israelischen Armee. Sie müssen sich also<br />
vorstellen, dass sie praktisch den israelischen Soldaten nachrücken<br />
oder auch &quot;embedded&quot; sind und sich so ihre Informationen<br />
beschaffen.
</p>
<p>
<b>Mischa-E</b>: Ständige Auseinandersetzungen mit<br />
radikalen Palästinensern, jetzt ein Krieg mit der Hisbollah<br />
im Libanon: Syrien und der Iran sind nicht weit von einer Beteiligung<br />
entfernt. Wie weit kann Israel noch gehen und wie weit werden die<br />
USA das mittragen?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Israel wird immer soweit gehen, wie es meint,<br />
dass es notwendig ist, um seine Sicherheit zu gewährleisten.<br />
Sicherheit ist das große Stichwort, wenn man die Politik Israels<br />
verstehen will.
</p>
<p>
<b>ojo:</b> Wird in ihrem Arbeitsalltag von einer der<br />
Seiten, oder beiden Seiten, versucht, auf Ihre Berichterstattung<br />
Einfluss zu nehmen? Wenn ja, in welcher Form?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Hier im Libanon findet keinerlei Zensur statt<br />
im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern. Das war übrigens<br />
schon immer so. Es gibt wahrscheinlich im Libanon die beste Presse<br />
in der arabischen Welt. Auflagen gibt es, z.B. wenn wir Einrichtungen<br />
der Hisbollah filmen wollen oder wenn wir uns in einem Gebiet bewegen<br />
wollen, das von der Hisbollah kontrolliert wird.
</p>
<p>
<b>Swann:</b> Haben Sie Informationen, inwieweit die<br />
Zivilbevölkerung aus dem Süden Libanons geflohen ist?<br />
Wird diese Flucht möglicherweise von Dauer sein?
</p>
<p>
<b>Patrick Leclercq:</b> Es sind im Moment rund eine Million Menschen.<br />
Man muss in diesem Zusammenhang, glaube ich, inzwischen von einer<br />
Vertreibung sprechen. Es gibt Kollegen, die der Ansicht sind, dieses<br />
sei ein auf Dauer angelegtes Szenario für den Süden des<br />
Libanon. Ich persönlich glaube und hoffe das nicht. Ich denke,<br />
die Menschen werden in einigen Wochen in ihre Dörfer zurückkehren<br />
können. Allerdings: Die Dörfer sind großteils zerstört<br />
und die Infrastruktur auch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 hochinteressante Minuten<br />
tagesschau-Chat mit dem ARD-Korrespondent Patrick Leclercq. Wir<br />
bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben und bitten um Verständnis,<br />
dass wir nicht alle Fragen berücksichtigen konnten. Besonderer<br />
Dank gilt Patrick Leclercq, der sich trotz der schwierigen Umstände<br />
Zeit für uns genommen hat.
</p>
<p>
<b><b>Patrick Leclercq:</b></b> Ich bedanke mich auch für<br />
das große Interesse. Wir bekommen ja die Stimmungslage in<br />
Deutschland nur zum kleinen Teil mit. Deshalb ergibt sich für<br />
mich aus den Fragen ein hochinteressantes Bild.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<!-- Content --><br />
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs auf der Suche nach neuen Feindbildern.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotseit_dem_fall_des_eisernen_vorhangs_auf_der_suche_nach_neuen_feindbildernquot-158/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ahaeming]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, den 10. Februar, war Patrick 
Leclercq zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Nahost-Korrespondent der ARD 
in Kairo beantwortete den Chat-Teilnehmern Fragen zu den ägyptischen 
Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, er sprach über die 
Strategie des iranischen Präsidenten und das alltägliche 
Miteinander von Christen und Moslems.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Freitag, den 10. Februar, war Patrick<br />
Leclercq zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Nahost-Korrespondent der ARD<br />
in Kairo beantwortete den Chat-Teilnehmern Fragen zu den ägyptischen<br />
Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, er sprach über die<br />
Strategie des iranischen Präsidenten und das alltägliche<br />
Miteinander von Christen und Moslems.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett">Moderator:</span></span></span><br />
Herzlich willkommen aus dem ARD-Hauptstadtstudio zum tagesschau-Chat.<br />
Unser heutiger Chat-Gast ist uns aus Kairo zugeschaltet. Ich begrüße<br />
ganz herzlich Patrick Leclercq, den Nahost-Korrespondenten der ARD.<br />
Thematisch soll sich in der kommenden Stunde alles um den Karikaturen-Streit<br />
und dessen Auswirkung auf die Weltpolitik drehen.
</p>
<p>
<b>glaeubiger:</b> Hallo Herr Leclercq, diese Woche sind<br />
&quot;Spiegel&quot; und &quot;Focus&quot; in Ägypten verboten<br />
worden, wegen des Titelthemas Karikaturen-Streit. Wie schätzen<br />
Sie diese Maßnahme der ägyptischen Regierung ein?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist eine vorübergehende<br />
Maßnahme. Sie wurde ergriffen, um den Fundamentalisten keine<br />
zusätzliche Munition zu liefern.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Wie hat sich die Lage in den<br />
vergangenen Tagen verändert? Eher Beruhigung oder eher zunehmende<br />
Eskalation? Oder beides?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Nach meiner Beobachtung<br />
hat sich die Lage beruhigt, und das wird sich auch die nächsten<br />
Tage so fortsetzen.
</p>
<p>
<span class="fett">dann:</span> Herr Leclercq, wie stark sind die<br />
Ressentiments der Bevölkerung in Wirklichkeit? Stichwort Medienwirkung.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Moslems sind tatsächlich<br />
schwer getroffen. Die bildhafte Darstellung des Propheten ist ein<br />
klarer Verstoß gegen alle Regeln. Das versteht der kleine<br />
Mann auf der Straße nicht.
</p>
<p>
<b>huslah:</b> Was denken Sie über die Karikaturen<br />
des Propheten. Dürfte ich Ihre Meinung hören?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Man sollte sie ganz<br />
einfach weglassen. Das erfordert der Respekt vor der anderen Religion.
</p>
<p>
<b>kirchenaustreter: </b>Wieso rasten die Menschen immer<br />
gleich so aus? Hier in Europa dauert es z.B. ziemlich lange, bis<br />
mal demonstriert wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube, dass ein<br />
großer Teil der weltweiten Demonstrationen von halbstaatlichen<br />
Stellen organisiert wurde.
</p>
<p>
<b>Burgund:</b> Wenn man die Berichte über die Proteste<br />
aufmerksam verfolgt, kommt man zu dem Schluss, dass wohl viele der<br />
Protestierenden zusätzlich aufgestachelt werden. Wer schürt<br />
diese Proteste? Mit welchem Ziel? Wird hier eine &quot;Strategie<br />
der Spannung&quot; verfolgt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Proteste werden<br />
von Fundamentalisten in allen islamischen Ländern genutzt,<br />
um ihre Ziele, nämlich rein religiös ausgerichtete Staaten,<br />
weiter zu forcieren. Die Provokation war also ein willkommener Anlass.
</p>
<p>
<b>Firework:</b> Herr Leclercq, herrscht denn auch derzeit<br />
keine Vergebungsbereitschaft bei den Moslems? Ich muss auch dazu<br />
sagen, dass ich so manch einen Moslem verstehen kann: Über<br />
heilige Dinge macht man keine Witze oder Karikaturen.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es gibt DIE Moslems<br />
genauso wenig wie DIE Christen oder DIE Hindus. Ein großer<br />
Teil der Muslime ist friedlich gestimmt und man sollte sich nicht<br />
von den Demonstranten irritieren lassen.
</p>
<p>
<span class="fett">Dino:</span> Für wie groß halten<br />
sie den Einfluss von Mahmud Ahmadinedschad im Nahen Osten? Speziell<br />
bezogen auf die Fragestellung, wie sehr er die aufgeheizte momentane<br />
Stimmung durch den Karikaturenstreit für seine Ziele nutzen<br />
kann.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Sein Einfluss steigt<br />
täglich, weil er als geschickter Propagandist die Defizite<br />
des Westens zu nutzen weiß, z.B. was die Palästinafrage<br />
angeht.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Gibt es auch kritische, reflektierte<br />
Stimmen in den Medien der so genannten arabischen Welt? Wenn ja<br />
&#8211; aus welchem Spektrum und mit welchem Inhalt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die gibt es natürlich<br />
in den Reihen der Intellektuellen, Künstler, bis hinein in<br />
die hohe arabische Geistlichkeit.
</p>
<p>
<b>yavuzph:</b> Herr Leclercq, haben die Pressemitteilungen<br />
der islamischen Verbände in Europa und auch aus Deutschland<br />
Auswirkungen auf die Muslime in den betroffenen Ländern? Oder<br />
werden diese überhaupt nicht wahrgenommen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> In den überregionalen<br />
Zeitungen und auch in den Medien, die überregional und international<br />
arbeiten, finden solche Stimmen selbstverständlich Beachtung.<br />
Auch die Vielzahl an arabischen Nachrichtenkanälen reflektiert<br />
durchaus solche Stellungnahmen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Aber bekommen die einfachen<br />
Demonstranten auf der Straße diese Stimmen überhaupt<br />
mit?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Demonstranten auf<br />
der Straße sind in der Regel sicher nicht an versöhnlichen<br />
Tönen interessiert, sondern wollen erst mal ihren Unmut und<br />
ihre Wut zum Ausdruck bringen. Sie sind aber nur ein kleiner Teil<br />
der arabischen Welt.
</p>
<p>
<b>randolph: </b>Wieso regen die Muslime sich eigentlich<br />
nicht so auf, wenn im Namen ihres Glaubens Unschuldige in die Luft<br />
gejagt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Frage ist völlig<br />
berechtigt, wird aber spätestens seit der Regelmäßigkeit<br />
solcher Anschläge im Irak auch hierzulande immer lauter gestellt.<br />
Selbst im Irak gibt es jetzt diese Diskussion.
</p>
<p>
<b>liggelow: </b>Wie empfinden Sie die Situation jetzt<br />
persönlich als Journalist? Ist man Ihnen gegenüber zurückhaltender<br />
oder aggressiver?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Für mich persönlich<br />
hat sich bisher nichts geändert. Man muss allerdings sicher<br />
in einigen unserer Berichtsgebiete in Zukunft noch etwas vorsichtiger<br />
und umsichtiger vorgehen.
</p>
<p>
<b>tobias1: </b>Herr Leclercq, ich habe folgende Stellungnahme<br />
gehört: &quot;Der Islam ist die größte Bedrohung<br />
für den Weltfrieden und es besteht die Gefahr eines 3. Weltkrieges<br />
&quot;. Teilen Sie diese Auffassung?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das halte ich für<br />
sehr unüberlegt &#8211; derartige Bedrohungsszenarios zeugen nicht<br />
von sehr viel Überlegtheit und auch Verständnis für<br />
andere Teile dieser Welt.
</p>
<p>
<b>talentfrei23: </b>Herr Leclercq, empfinden Sie die<br />
Veröffentlichung dänischer Karikaturen in deutschen Medien<br />
als taktlos? Wird der Begriff Pressefreiheit hier verwendet, um<br />
über den Sachverhalt hinweg zu täuschen, dass möglicherweise<br />
seitens der Medien verantwortungslos gehandelt wurde?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Im Zuge der journalistischen<br />
Information kann man durchaus darüber diskutieren, auch in<br />
Deutschland zumindest die Anmutung solcher Karikaturen darzustellen.<br />
Allerdings muss dabei eine Einordnung stattfinden, damit die Verletzung<br />
der religiösen Gefühle der Muslime verhindert wird. Eine<br />
Veröffentlichung ganz alleine und unkommentiert, sozusagen<br />
1:1 halte ich für falsch.
</p>
<p>
<b>s.tustra:</b> Kann man eigentlich ein Ziel formulieren,<br />
auf das die Proteste ausgerichtet sind? Man hat nicht den Eindruck,<br />
als sei es mit einer Entschuldigung getan.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das Ziel sollte sicher<br />
auch in dieser Debatte auf allen Seiten die religiöse Toleranz<br />
sein. Leider scheint es mir so, dass sich doch einige fundamental<br />
religiöse und politische Richtungen einfach des Anlasses bedienen,<br />
um ihre Ziele zu verfolgen.
</p>
<p>
<span class="fett">Dino:</span> Gibt es einen nachweisbaren Zusammenhang<br />
zwischen der Rolle der gewaltbereiten Muslime und ihrer sozialen<br />
Stellung in der Gesellschaft? Sind es oft unzufriedene oder ärmere<br />
Menschen, oder sind sie aus allen sozialen Schichten?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist ein Zusammenhang,<br />
der ja schon am 11. September hergestellt wurde, der sicher im Kern<br />
auch nicht zu leugnen ist. Das zeigen auch die großen Demonstrationen<br />
in bettelarmen Ländern wie dem Jemen und anderswo.
</p>
<p>
<b>Apfelsaftschorle: </b>Wer demonstriert eigentlich<br />
täglich da? Die Menschen haben doch auch Arbeit und Familie<br />
wie in anderen Erdteilen und dadurch nur wenig Zeit für Demonstrationen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Zeit nehmen sie<br />
sich, weil die Beleidigung für sie eine sehr große ist<br />
und sie bis ins Mark getroffen sind.
</p>
<p>
<b>thorstenl:</b> Lässt die Tatsache, dass Muslime<br />
nie oder nur sehr selten gegen terroristische Aktivitäten,<br />
die im Namen des Islam geschehen, demonstrieren, den Schluss zu,<br />
dass es sich in Wirklichkeit nicht um die Beleidigung der Person<br />
Mohammed, sondern um einen Hass auf den Westen im allgemeinen dreht?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Erfahrungen früher<br />
aus der Kolonialzeit, später aber auch in der Palästinenserfrage<br />
und jüngst bei der Besetzung des Irak haben tatsächlich<br />
bei einem Teil der Bevölkerung in den arabischen Ländern<br />
zu einem eher negativen Bild des Westens geführt. Man sollte<br />
das aber nicht verallgemeinern sondern eher den Dialog suchen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wie soll ein solcher Dialog<br />
konkret aussehen? An was für Maßnahmen denken Sie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ein solcher Dialog<br />
findet im Moment beispielhaft schon auf der Ebene der Kirchen statt,<br />
z.b. wie ich weiß, in Deutschland sogar auf der Ebene der<br />
Gemeinden. Und auch hierzulande gibt es christliche Pfarreien, die<br />
dieses seit Jahren mit den Moslems praktizieren.
</p>
<p>
<span class="fett">costello:</span> Die Muslime sind bis ins Mark<br />
getroffen, sagen Sie. Aber eine reflektierte gesamtgesellschaftliche<br />
Diskussion ist nicht möglich? Das geht doch bei uns auch!
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Da haben Sie sicher<br />
recht. Sie müssen aber den arabischen Gesellschaften einfach<br />
noch Zeit geben.
</p>
<p>
<b>s.tustra: </b>Die nächste Reaktion in der Kette<br />
ist ja leider, dass die anti-islamistische Einstellung gerade in<br />
Deutschland gestärkt wird. Ist das den Demonstranten bewusst<br />
oder eventuell sogar beabsichtigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich denke, dass das<br />
den meisten Demonstranten nicht unbedingt bewusst ist. Ihre Möglichkeiten,<br />
sich darüber ein aktuelles Bild zu machen, sind im Regelfall<br />
auch eher begrenzt.
</p>
<p>
<b>yavuzph: </b>Glauben Sie persönlich daran, dass<br />
islamische Geistliche oder Großmuftis, Imame und Sheichs überhaupt<br />
noch einen theologischen oder persönlichen Einfluss auf Muslime<br />
und deren Denken haben? Zum Beispiel Al-Azhar-Uni?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ja, unbedingt. Fast<br />
täglich verlassen &quot;Fatwas&quot; Kairo und gehen in die<br />
ganze Welt.
</p>
<p>
<b>Neuhier: </b>Ist man in der arabischen Welt eigentlich<br />
auch in der Lage, zwischen dem, was eine Karikatur darstellt, und<br />
dem, was sie eigentlich ausdrücken will, zu differenzieren?<br />
(Es ging ja nicht um eine religiöse Darstellung Mohammeds,<br />
sondern um aus westlicher Sicht durchaus nachvollziehbare Kritik<br />
und Ängste).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Sobald es um die Darstellung<br />
des Propheten geht, setzt nach meiner Einschätzung jegliche<br />
Differenziertheit aus. Ein Moslem versteht das einfach nicht.
</p>
<p>
<b>interessierte:</b> Gab es eigentlich auch Proteste<br />
in den arabischen Ländern, als von höchster politischer<br />
Stelle der Holocaust geleugnet wurde? Oder wurde darüber nur<br />
nicht berichtet?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es wurde darüber<br />
nur wenig berichtet. Proteste größerer Art hat es meines<br />
Wissens nach nicht gegeben.
</p>
<p>
<b>Achim: </b>Ist es nicht vor diesem Gesichtspunkt &#8211;<br />
dass Sie die arabische Welt noch nicht für offen genug für<br />
eine gesellschaftliche Debatte halten &#8211; nicht gerade wichtig, dass<br />
&quot;der Westen &quot; seine Haltung zu zentralen Werten wie der<br />
Meinungsfreiheit bekräftigt bzw. verteidigt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich persönlich<br />
&#8211; das habe ich auch schon mehrfach gesagt &#8211; bin natürlich der<br />
Meinung, dass wir am Begriff der Meinungsfreiheit nicht rütteln<br />
sollten.
</p>
<p>
<b>johannsen: </b>Was, denken Sie, wird passieren, wenn<br />
die EU und die USA bewusst noch mehr solcher Karikaturen veröffentlichen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Dann werden die Proteste<br />
wieder aufflammen, weil hier vorausgesetzt wird, dass eine klare<br />
Absicht dahinter stecken würde.
</p>
<p>
<b>Domenico: </b>Stimmt es, dass die Bilder der Karikaturen<br />
den Menschen in Ägypten nicht gezeigt werden? Das heißt,<br />
in den Medien, Zeitschriften etc.?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das stimmt so nicht.<br />
In Ägypten sind die Karikaturen in den letzten Wochen in einer<br />
großen Wochenzeitung abgedruckt worden und waren zu sehen.
</p>
<p>
<b>Bender-robot: </b>Dem Westen wird immer vorgeworfen,<br />
er würde mit zweierlei Maß messen. Die islamische Welt<br />
scheint das ja nun aber auch zu tun, sogar noch viel extremer. Was<br />
ist ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist sicher so,<br />
aber es wird uns nicht weiter führen, wenn wir jeweils nur<br />
immer Interesse daran haben, den anderen vorzuführen.
</p>
<p>
<span class="fett">jox:</span> Denken Sie, dass es zu immer mehr<br />
Konflikten zwischen den beiden Kulturkreisen kommen wird? Es gibt<br />
nun mal wirklich große Unterschiede!
</p>
<p>
<b>Feanor: </b>Besteht die Möglichkeit, dass es<br />
infolge dieser Glaubendifferenzen zu einem Flächenbrand im<br />
Nahen Osten kommt?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Den Krieg der Kulturen<br />
sehe ich bisher nicht. Mir scheint es eher so, dass man nach dem<br />
Zusammenbruch des eisernen Vorhangs schon seit Jahren verzweifelt<br />
auf der Suche nach neuen Feindbildern ist. Im Kern glaube ich aber<br />
an keinen Flächenbrand.
</p>
<p>
<b>Lord Knut:</b> Heißt Verteidigung der Meinungsfreiheit<br />
zwingend, dass wir uns auch künftig als &quot;frei &quot; betrachten,<br />
die religiösen Gefühle frommer Moslems zu verletzen? Bedeutet<br />
Zusammenrücken in einer globalisierten, vernetzten Welt nicht<br />
auch, stärker als bislang auf die Empfindungen anderer Kulturkreise<br />
Rücksicht zu nehmen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich rate in diesem<br />
Zusammenhang zu weniger Aufgeregtheit und Schaum vor dem Mund. Es<br />
ist bis zum heutigen Tage so, dass sich die meisten Menschen aus<br />
beiden Kulturkreisen durchaus eher freundschaftlich begegnen.
</p>
<p>
<b>frankfurter: </b>Wie tief ist Judenhass tatsächlich<br />
in den arabischen Gesellschaften verankert?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Durch die Gründung<br />
des Staates Israel gibt es in der arabischen Welt bis zum heutigen<br />
Tage große Ressentiments. Es sind eben die fundamentalistischen<br />
Hardliner, die versuchen, solche Stimmungen zu nutzen, um gegen<br />
den Staat Israel zu agitieren.
</p>
<p>
<span class="fett">jw:</span> Verstehen die Menschen denn, dass<br />
europäische Zeitungen selbstbestimmt entscheiden, was sie drucken?<br />
Dass also einzelne private Akteure provozieren und kein staatlicher<br />
Einfluss dahinter steckt. Sind Menschen in autoritärer Staaten<br />
in der Lage, hier zu differenzieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das ist von Land zu<br />
Land sicher verschieden. In einem Staat, wo die Meinungsfreiheit<br />
relativ groß ist, wie z.b. Libanon, verstehen das die Menschen<br />
sehr wohl. In anderen, die seit Jahrzehnten von Diktatoren regiert<br />
werden, natürlich nicht.
</p>
<p>
<b>FriendofJews: </b>Man muss sich nur mal die arabischen<br />
TV-Sender ansehen, da schaudert&#8217;s einen (soviel zur arabischen Meinungsfreiheit).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Durch Sender wie Al<br />
Jazeera und später auch Al Arabia hat sich da aber auch einiges<br />
geändert. Eine so umfassende und schnelle und unzensierte Berichterstattung<br />
wäre vor 15 Jahren noch völlig undenkbar gewesen.
</p>
<p>
<b>pokemon: </b>Wie schaut es denn mit der Entwicklung<br />
hinsichtlich der Ausübung christlichen bzw. jüdischen<br />
Glaubens z.B. im Iran, Saudi Arabien etc. aus? Wird diese Toleranz<br />
der Muslime auch diskutiert??
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das kann man mit einem<br />
klaren Nein beantworten.
</p>
<p>
<b>FriendofJews: </b>Hat das ganze Theater nicht auch<br />
etwas Positives darin, dass man sieht, was für ein Hass ans<br />
Tageslicht kommt, und wir wissen, woran wir eigentlich sind?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube nicht, dass<br />
dieser Hass tatsächlich so durchgängig ist. Ich lebe seit<br />
vielen Jahren in der Region und habe Erfahrungen, die eigentlich<br />
eine andere Sprache sprechen.
</p>
<p>
<b>mokassi: </b>Ist die Abbildung des Propheten im Koran<br />
tatsächlich verboten? Soweit ich weiß, gibt es zahlreiche<br />
Miniaturen, in denen der Prophet abgebildet wurde.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die Diskussion darüber,<br />
besonders wenn es in die Details geht, ist sicher kontrovers. Die<br />
allgemeine Auffassung aber sagt, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Philipp Ströhle:</b> Sie sind schon lange in<br />
dieser Region. War es abzusehen, dass es früher oder später<br />
zu solch einem &quot;Kampf der Kulturen &quot; kommen könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">GPK:</span> Wie lange noch zum &quot;Clash of<br />
Civilisations &quot;? Oder haben Sie wirklich Hoffnung, dass dieser<br />
verhindert werden kann? Wenn ja, wie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es ist in den letzten<br />
Jahren, insbesondere nach der Besetzung des Irak, zu einer Verschärfung<br />
der Kritik am Westen gekommen. Auch die Hilflosigkeit des Westens<br />
gegenüber dem Palästinaproblem hat sicher dazu beigetragen.<br />
Das hat bei vielen Menschen in der Region zur Flucht in die Religion<br />
geführt
</p>
<p>
<b>M.Bieniakonski: </b>Ist es überhaupt möglich,<br />
die islamische Welt als eine Einheit anzusehen, wie es in Medien<br />
häufig getan wird? Sollte man nicht viel stärker differenzieren<br />
zwischen Staaten wie Algerien und Iran?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Seit Nassers Versuch,<br />
einen arabischen Nationalismus zu installieren, ist es zweifellos<br />
so, dass sich viele arabische Staaten sehr weit auseinander entwickelt<br />
haben und es deshalb nur hilfreich sein kann, tatsächlich von<br />
Fall zu Fall zu differenzieren. Algerien ist da sicher ein sehr<br />
guten Beispiel, weil da die Bevölkerung sehr viele unterschiedliche<br />
Erfahrungen machen musste.
</p>
<p>
<span class="fett">sven:</span> Haben Sie Angst vor der Muslimbruderschaft,<br />
die eigentlich illegal ist, und trotzdem bei Ihnen in Kairo im Parlament<br />
sitzt? Der Einfluss dieser Organisation ist doch sehr groß<br />
und ihre antiwestliche Haltung seit 1928 nicht neu&#8230; Auch die Gewalt<br />
zur Wahl in Ägypten sagte da sehr viel aus: alte Methoden,<br />
alte Ziele.
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Es ist sicher so, dass<br />
bei tatsächlich richtig freien Wahlen die Moslembruderschaft<br />
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit bekommen würde.<br />
Wer denn nun von sich behauptet, die demokratischen Ziele hochzuhalten,<br />
muss dann auch dieses akzeptieren.
</p>
<p>
<b>Der Araber: </b>Was denken Sie, könnten die Karikaturen<br />
zu einer Eskalation im iranischen Atomstreit führen?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Die iranische Propaganda<br />
ist geschickt genug, um den Vorfall genau zu diesem Zweck auszunutzen.<br />
Wir haben es seit kurzem mit ideologisch hoch erfahrenen Revolutionswächtern<br />
zu tun.
</p>
<p>
<span class="fett">kocht:</span> Es gibt ja Hinweise darauf, dass<br />
die USA &#8211; wie vor dem Irakkrieg &#8211; auf geschickte Art und Weise zweifelhafte<br />
Beweise für den Bau einer iranischen Atombombe lanciert. Für<br />
wie wahrscheinlich halten Sie eine militärische Eskalation<br />
dieser explosiven Stimmung im Nahen Osten bzw. vor allem im Iran?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich glaube, dass uns<br />
die Frage der iranischen Atomanlagen bis hin zu einem militärischen<br />
Schlag trotz aller Dementis in der kommenden Zeit sehr wohl beschäftigen<br />
wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wir haben noch fünf Minuten.<br />
Schon jetzt eine Entschuldigung an dieser Stelle, dass wir nicht<br />
alle Fragen berücksichtigen können. Es liegen noch weit<br />
über hundert unbeantwortete Fragen vor&#8230;
</p>
<p>
<b>nina_S: </b>Wie erklären Sie sich, dass es in<br />
Ägypten gegenüber anderen Staaten der arabischen Welt<br />
die Lage so &quot;ruhig &quot; ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Das hängt ganz<br />
schlicht damit zusammen, dass der Sicherheitsapparat, sprich: Polizei<br />
und Militär, immer ein Auge auf mögliche Unruhen und Demonstrationen<br />
haben.
</p>
<p>
<b>adabartist: </b>Wie ist eigentlich die Resonanz in<br />
Israel zu diesem Thema: Gibt es eine grundsätzliche Stellungnahme<br />
zu Karikaturen aus den Reihe der Orthodoxie?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Da bitte Entschuldigung,<br />
das kann ich Ihnen aber hier aus der arabischen Welt nicht mit letzter<br />
Sicherheit beantworten.
</p>
<p>
<b>Lebesgue: </b>Sie sagten, dass man den arabischen<br />
Gesellschaften Zeit lassen sollte. Ist es aber überhaupt realistisch,<br />
dass in den arabischen Gesellschaften auch so etwas wie eine Aufklärung<br />
stattfinden wird?
</p>
<p>
<b>brians: </b>In meiner Zeitung stand geschrieben: Es<br />
gibt keine Aufklärungstradition im Islam. Stimmt das so?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Im Zuge der Globalisierung<br />
haben die arabischen Gesellschaften nach meiner Ansicht nur zwei<br />
Chancen: Sie müssen sich entweder mit diesen ganzen Fragen<br />
ab der Aufklärung intensiver beschäftigen oder sie werden<br />
zwangsweise auf einem der hinteren Plätze weltweit landen.
</p>
<p>
<b>apol: </b>Eine etwas provokative Frage: Wie erklären<br />
Sie sich, dass Sie auf der einen Seite behaupten, &quot;dass sich<br />
die meisten Menschen aus beiden Kulturkreise sich durchaus freundlich<br />
begegnen &quot;, Sie aber weiterhin schreiben, dass die Moslembruderschaft<br />
bei richtig freien Wahlen wohl eine Mehrheit der Stimmen bekommen<br />
würde (ich möchte hier auch noch auf den Wahlerfolg der<br />
Hamas in den Palästinensergebieten verweisen).
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Ich denke, das ist<br />
kein Widerspruch. Ein freundlicher Umgang miteinander ist die eine<br />
Seite, eine stramme religiöse Überzeugung muss dem nicht<br />
unbedingt widersprechen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Die Zeit ist fast um. Eine<br />
letzte Frage nach Kairo:
</p>
<p>
<b>ARD-Zuschauer:</b> Sie sind mit Peter Dudzik der wohl<br />
erfahrenste Kriegsberichterstatter der ARD. Aber warum haben Sie<br />
nun Ihren warmen und sicheren Chefredakteursposten wieder gegen<br />
die kugelsichere Weste eingetauscht? Was zieht Sie immer wieder<br />
in Krisengebiete? Ist es wirklich das sprichwörtliche Wasser<br />
aus dem Nil?
</p>
<p>
<span class="fett">Patrick Leclercq:</span> Nach vielen Jahren<br />
spannender Programm- und Verwaltungsarbeit in Deutschland ist, glaube<br />
ich, bei mir einfach wieder die Reporterneugier durchgebrochen &#8211;<br />
und das mache ich jetzt.
</p>
<p><span class="fett">Moderator:</span> Eine Stunde ist vorüber.<br />
Es liegen noch jede Menge Fragen vor, die aus Zeitgründen leider<br />
nicht mehr von Patrick Leclercq beantwortet werden können.<br />
Im Namen der User von tagesschau.de bedanke ich mich bei Herrn Leclercq,<br />
dass er sich die Zeit genommen hat. Den vielen Chat-Teilnehmern<br />
danke ich für die rege Diskussion.<br />
Unser nächster Chat ist am kommenden Donnerstag, den 16. Februar<br />
um dreizehn Uhr. Dann wird die FDP-Bundestagsabgeordnete und ehemalige<br />
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum tagesschau-Chat<br />
ins ARD-Hauptstadtstudio kommen.</p>
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