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	<title>Paul Kirchhof &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Paul Kirchhof &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher werden.&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Steuerrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /> 
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen, 
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /><br />
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen,<br />
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe SteuerzahlerInnen und Chat-Interessierte, herzlich willkommen im<br />
tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de und<br />
von sueddeutsche.de. Heute ist Paul Kirchhof ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen, Experte für radikale Steuerreformen, Professor an der Universität<br />
Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter. Können wir beginnen, Herr Kirchhof?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof:</b><br />
Jawohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Deutschen schaffen es nicht einmal kleine Reformen in Gang zu bringen<br />
&#8211; warum sollte dann eine große Steuerreform funktionieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Deutschen haben vor 15 Jahren eine große Reform geschafft. Bei<br />
der Wiedervereinigung Deutschlands hat die Welt den Atem angehalten, weil<br />
es uns gelungen ist, zwei Staaten friedlich wieder zu vereinen. Seitdem<br />
sind wir etwas erschöpft, aber inzwischen haben wir uns erholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julious Knaak</b>:<br />
Lässt sich diese Mega-Aufgabe überhaupt in einem einzigen großen<br />
Schritt umsetzen, oder geht das nur langfristig über viele einzelne<br />
Phasen? Werden die Menschen von so vielen Reformen nicht überfordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich meine, wir sollten es &#8211; was die Steuerreform angeht &#8211; in einem großen<br />
Schritt tun, weil vor allem die Fülle von Subventions- und Ausnahmeregelungen<br />
abzubauen ist. Wer heute ein Steuerprivileg genießen kann, wird<br />
den Verlust dieses Privilegs nur hinnehmen, wenn er sicher ist, dass alle<br />
anderen ihre Privilegien auch hergeben müssen und das durch Subventionsabbau<br />
erreichbare Mehraufkommen an Steuererträgen insgesamt durch Absenkung<br />
der Steuersätze an die Allgemeinheit der Steuerpflichtigen zurückgegeben<br />
wird. Er verliert also sein Privileg, ist aber durch den niedrigeren Steuersatz<br />
begünstigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Steuerprivilegien: Politiker setzen auf Rasenmäherkürzungen,<br />
da sie nicht glauben, einzelne Subventionen gegen die Lobbys abschaffen<br />
zu können. Ein gangbarer Weg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der sukzessive Abbau von Steuervergünstigungen wäre die zweitbeste<br />
Lösung, weil er zwar den Einstieg in ein vereinfachteres und privilegienfeindliches<br />
Steuerrecht bietet, der Vereinfachungseffekt aber gegenwärtig noch<br />
nicht spürbar ist, weil wir noch alle Ausnahmetatbestände weiterhin<br />
anwenden müssen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>spd_leipzig</b>:<br />
Das Steuersystem in Deutschland ist zwar kompliziert, aber dafür<br />
gerecht &#8211; sehen Sie das nicht auch so? Die vielen Ausnahmen sind ja nicht<br />
über Nacht entstanden, sondern entwuchsen einer langen Rechtstradition.<br />
Jede Ausnahme konnte ja auch zum Zeitpunkt der Entstehung mal begründet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich halte das Gegenteil für richtig. Jede Ausnahme ist grundsätzlich<br />
ein Privileg. Der verfassungsmäßige Gleichheitssatz wehrt sich<br />
gegen Sondertatbestände und Bevorzugungen, wenn der eine Steuerpflichtige<br />
in einem Ausnahmetatbestand weniger Steuern zahlen muss, hat dafür<br />
der andere entsprechend mehr zu bezahlen. Das ist ungerecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt bei Ihrem Modell: Keinerlei Ausnahmen, keine Eigenheimzulage,<br />
keine Pendlerpauschale etc?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Keine Ausnahmen keine Eigenheimzulage keine Pendlerpauschale, aber der<br />
Steuerpflichtige wird dadurch nicht schlechter gestellt, weil die Steuersätze<br />
entsprechend dem Subventionsabbau verringert werden. Ihn trifft also grundsätzlich<br />
die gleiche Steuerlast, unabhängig davon, ob er ein Haus baut, ob<br />
er pendelt oder in der Nacht arbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Welt wird immer komplizierter – da brauchen wir auch komplexe<br />
Steuergesetze. Wird ein einfaches Steuerrecht einer differenzierten sozialen<br />
Wirklichkeit gerecht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher<br />
werden. Je mehr Einzeltatbestände das Gesetz regelt, desto mehr kann<br />
der Steuerpflichtige diesem Einzeltatbestand durch Steuergestaltung ausweichen.<br />
Der Bürger gewinnt dann nicht das Gefühl, dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er wirtschaftlich erfolgreich war, sonder dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er sich steuertaktisch ungeschickt verhalten habe. Zu dem Ärger<br />
der Steuerzahlung tritt ein intellektueller Selbstvorwurf. Das ist unerträglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube wir brauchen hier ein wenig Erklärung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dk_man23</b>:<br />
Sie sprechen von Einzeltatbeständen &#8211; sehen Sie Steuerpflichtige<br />
als Verbrecher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Tatbestand ist die gesetzliche Bezeichnung für den Grund, weswegen<br />
ein Steuerpflichtiger belastet wird. Ein Tatbestand ist das Einkommen,<br />
ein weiterer der Umsatz, ein weiterer die Erbschaft. Das alles sind schöne<br />
wirtschaftliche Erfolge &#8211; nicht vorwerfbare Verhalte.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zur Frage der Gerechtigkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>glucomat</b>:<br />
Aber es gibt doch auch wirklich benachteiligte Steuerzahler, zum Beispiel<br />
Pendler oder Familien oder Kranke etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei der großen Steuerreform mit großer Deutlichkeit<br />
die besonderen Bedürfnisse der Familien zu berücksichtigen haben.<br />
Das Familienrecht verpflichtet die Eltern, ihre Kinder aus ihrem Einkommen<br />
zu unterhalten. Deswegen können die Eltern über diesen Anteil<br />
des Einkommens, der den Kindern gehört, nicht verfügen &#8211; auch<br />
nicht für Zwecke der Steuerzahlung verfügen. Dieser Einkommensteil<br />
darf deshalb bei der Besteuerung der Eltern nicht belastet werden. Das<br />
ist heute im Kinderfreibetrag grundsätzlich anerkannt, das Problem<br />
ist die Höhe dieser Freibeträge. Es genügt heute nicht<br />
mehr, dass das Kind ernährt und bekleidet wird, es will auch in einem<br />
Verein Sport treiben, ein Musikinstrument lernen, Fremdsprachen in Auslandsreisen<br />
erproben, seine Fertigkeiten an modernen Computern verbessern. All das<br />
kostet das Geld der Eltern. Deswegen müssen wir die Kinderfreibeträge<br />
deutlich erhöhen. Noch besser wäre es, den Eltern ein angemessen<br />
hohes Kindergeld zu bezahlen, weil die Steuerentlastung für die Familien<br />
mit geringen Einkommen kaum wirkt, denn diese zahlen sowieso keine Einkommenssteuer,<br />
benötigen aber die Unterstützung für ihre Kinder am dringendsten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen zum Problem Durchsetzbarkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Das von Ihnen vorgeschlagene Konzept bekommen Sie nie durch. Auch nicht<br />
bei einer anderen Regierungsmehrheit. Sie kennen doch die Realpolitik<br />
&#8211; warum machen Sie dann so einen Vorschlag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andreas singer</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Prof. Kirchhof, wie groß ist Ihrer Meinung nach<br />
die Chance, dass sich die Politik gegen die Lobbygruppen durchsetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Singer setzt also schon voraus, dass die Politik Ihr Konzept will.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bereitschaft zur Reform in Deutschland hat sich in den letzten drei<br />
Jahren grundlegend verändert. Während anfangs auch ein kleiner<br />
Reformvorschlag meist auf prinzipielle Ablehnung gestoßen ist, besinnen<br />
sich heute die Abgeordneten und die politischen Parteien im Bundestag<br />
auf ihre Kernaufgabe, dem Menschen das einfache und maßvolle Steuerrecht<br />
zu garantieren. Die parlamentarische Demokratie ist in Deutschland erkämpft<br />
worden, damit der Steuerzahler selbst &#8211; repräsentiert durch seine<br />
Abgeordnete &#8211; über die Steuerlast entscheide und schon durch dieses<br />
Verfahren der Selbstentscheidung, die gleichmäßige und maßvolle<br />
Steuerlast gewährleistet sei. Dieser demokratische Ursprungsgedanke<br />
bleibt so faszinierend, dass er dem Parlament von heute die Kraft zu einer<br />
Grundsatzerneuerung vermittelt.<br />
Dies wird gegenwärtig glücklicherweise auch von vielen Interessengruppen<br />
so gesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Wie könnte man denn Unterstützung für Ihren Vorschlag organisieren?<br />
Es gibt da ja sehr gegensätzliche Interessen der Interessensvertreter<br />
und Lobbys&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Reform wird davon abhängen, wie groß die Reformbereitschaft<br />
der Abgeordneten im deutschen Bundestag und der Landesregierungen im deutschen<br />
Bundesrat ist. Deswegen sollte jeder Reformwillige, diesen politischen<br />
Verantwortungsträgern bewusst machen, wie hoch seine Reformerwartungen<br />
sind und wie groß seine Enttäuschung bei einem Scheitern der<br />
Reformvorhaben sein wird.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof2.jpg" alt="Der &quot;Chatroom&quot; im ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Wie realistisch ist eigentlich ein radikal vereinfachtes Steuerrecht,<br />
wenn man die notwendigen Übergangsregeln einbezieht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der Übergang vom alten zum neuen Recht ist ein schwieriges Problem,<br />
das große juristisch handwerkliche Anstrengungen verlangt. Der Bürger<br />
vertraut auf das ihm bisher vertraute Gesetz, hat seine Dispositionen<br />
etwa bei der Altersvorsorge oder bei einer Betriebsgründung auf das<br />
geltende Steuerrecht eingerichtet. In diesem Vertrauen ist er auch von<br />
Verfassungswegen schutzwürdig. Deswegen muss die Reform der Einkommensbesteuerung<br />
durch ein Einführungsgesetz ergänzt werden, das schonende Übergänge<br />
vom alten zum neuen Recht regelt. Ein solches Gesetz ist machbar. Auch<br />
hier werden Schwierigkeiten im Detail die Bereitschaft zum großen<br />
Wurf nicht hemmen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Das Steuerkonzept der FDP &#8211; auch nur drei Steuersätze &#8211; müsste<br />
Ihnen eigentlich gefallen. Ist das Konzept der Liberalen stimmig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Das Konzept der Liberalen setzt sich zum Ziel, möglichst alle Ausnahmen<br />
zu beseitigen und dementsprechend die Steuersätze zu senken. Diese<br />
ist der allein richtige Weg. Er verdient Unterstützung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Ihr Konzept finden Sie doch besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unser Konzept bezieht die Reform der Körperschaftssteuer, also die<br />
Einkommensbesteuerung der Kapitalgesellschaften, in die Gesamtreform mit<br />
ein. Damit entfallen die gleichheitswidrigen Belastungsunterschiede zwischen<br />
der Besteuerung des Einzelkaufmanns, der Personengesellschaft (zum Beispiel<br />
der KG) und der Kapitalgesellschaft (zum Beispiel der GmbH). Außerdem<br />
erlaubt ein konsequenter Subventionsabbau die Absenkung des Spitzensteuersatzes<br />
auf 25 Prozent. Entscheidend ist, dass jeder Mensch in seinem wirtschaftlichen<br />
Erfolg des Einkommens gleich besteuert wird und er die Steuerlast nicht<br />
dadurch verringern kann, dass er rechtlich eine bestimmte Organisationsform<br />
wählt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal konkret dazu eine Frage von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>taxman</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Professor, wie lösen Sie das Problem, dass es<br />
Unternehmern möglich ist, einen Teil privater Aufwendungen in den<br />
steuerlich relevanten Bereich zu verschieben (z.B. Kfz-Nutzung), Arbeitnehmern<br />
dagegen bei Ihrem Modell nicht mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir nennen diese Probleme die gemischten Aufwendungen, also Zahlungen<br />
des Steuerpflichtigen, die sowohl seiner beruflichen Sphäre als auch<br />
dem <br />
Privatleben zu Gute kommen. Er erwirbt ein Auto, ein Telefon, einen Computer,<br />
den er jeweils beruflich und privat nutzt. In unserem Vorschlag dürfen<br />
diese gemischten Aufwendungen grundsätzlich nicht abgezogen werden,<br />
weder durch den Betriebsinhaber noch durch den Arbeitnehmer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es tut sich was in Reichenhall: Die Runde dort legt Wert darauf, dass<br />
Sie die Anrede vergessen hat, also: &quot;Sehr geehrter Herr Kirchhof,<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POLIS Reichenhall</b>:<br />
Was glauben Sie: Ist ein Steuer-Weltbild, wie es die SPD-Leipzig gerade<br />
vertreten hat, Ausdruck von Dummheit, Unfähigkeit oder was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei jeder Ausnahme zunächst die historischen Gründe<br />
prüfen müssen, die zu dieser Ausnahme geführt haben, dann<br />
zu untersuchen haben, ob diese Gründe noch heute genügen. Die<br />
Steuerfreiheit der Nachtzuschläge zum Beispiel sind 1940 vom damaligen<br />
Reichsfinanzminister eingeführt worden, als die meisten Menschen<br />
draußen im Krieg waren, man deshalb zu Hause Steueranreize brauchte,<br />
um die viele Arbeit durch wenige Hände zu erledigen. Heute haben<br />
wir das gegenteilige Problem. Wir haben zu viele Hände für zu<br />
wenig Arbeit. Deswegen muss dieser, ehemals berechtigte Freibetrag entfallen.<br />
Allerdings muss die dadurch verursachte Minderung des Lohns arbeitsrechtlich<br />
ausgeglichen werden. Den gerechten Lohn definiert nicht das Steuerrecht,<br />
sondern das Arbeitsrecht.<br />
Wenn wir alle Sonderegeln in dieser Weise prüfen, werden wir feststellen,<br />
dass es historisch durchaus manche Rechtfertigung für eine Ausnahme<br />
gegeben hat, <br />
diese aber meist nur kurzfristig trägt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>R. Berndt</b>:<br />
Gibt es ein (großes, ökonomisch starkes) Land, in dem ein solch<br />
einfaches Steuersystem erfolgreich angewandt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter-1337</b>:<br />
Wie sehen Sie ihr Modell im internationalen Vergleich &#8211; Irland, Frankreich,<br />
USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Zunächst einmal es hat in den USA die Reagan’sche Steuerreform<br />
gegeben, mit einem Wegfall aller Subventionen und einem Spitzensteuersatz<br />
von 28 Prozent. Der ökonomische Erfolg für die Privatwirtschaft<br />
wie für den Staat war überragend. Leider ist das amerikanische<br />
Steuerrecht heute wieder so kompliziert wie ehemals. Ein anderes Beispiel<br />
bietet Neuseeland, das mit einem radikal vereinfachten Steuerrecht einen<br />
gewaltigen Prosperitätsauftrieb organisiert hat. Zur Frage 2: Wenn<br />
wir in Deutschland ein einfaches und verständliche Steuerrecht mit<br />
einem Spitzensteuersatz von 25 Prozent haben werden, wird Deutschland<br />
ein Niedrigsteuerland im Weltvergleich. Alle hochqualifizierten Arbeitskräfte<br />
werden in Deutschland bleiben, leistungsfähige Menschen werden nach<br />
Deutschland kommen.<br />
Das Kapital wird vermehrt den deutschen Markt suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Welche Opfer müssten die Bürger eigentlich bei Ihrem Vorschlag<br />
erbringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bürger müssen bereit sein, sich vom vertrauten Recht und<br />
den liebgewordenen Besitzständen zu lösen. Dies ist aber letztlich<br />
kein echtes Opfer, weil die Bürger steuerlich nicht mehr belastet<br />
werden, sie aber ein wesentliches Stück Freiheit zurückgewinnen.<br />
Sie brauchen sich vor dem Steuerrecht nicht mehr zu verbiegen und zu verbeugen,<br />
werden bei der Steuererklärung nicht mehr überfordert <br />
und gewinnen die Sicherheit, dass die Steuerlast unausweichlich Ausdruck<br />
ihres persönlichen wirtschaftlichen Erfolges ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wenn sich Ihr Modell durchsetzen sollte, müssten einige zehntausend<br />
Steuerberater eigentlich arbeitslos werden. Bekommen Sie schon böse<br />
Briefe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Auch die Steuerberater werden gewinnen. Selbst der Steuerexperte kann<br />
seinen mit Mandanten bei ständig wechselndem Steuerrecht nicht mehr<br />
sachgerecht beraten. Er leidet darunter, dass er seinen Klienten eine<br />
Empfehlung geben muss, die steuerjuristisch klug, ökonomisch aber<br />
töricht ist. Außerdem vermehrt das unübersichtliche Recht<br />
die Haftungsfälle für den Steuerberater. Nach der Reform wird<br />
der Berater seine gleichschönen Honorare leichter verdienen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>reinhard</b>:<br />
Was noch fehlt, weil dies aus einer steuerlichen Vereinfachung allein<br />
noch nicht entsteht, ist ein &quot;Steuerungsmechanismus&quot; zur Belebung<br />
der Wirtschaft und damit des Arbeitsmarktes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ein vereinfachtes Steuerecht erlaubt es dem Unternehmer weniger über<br />
Steuern nachzudenken und mehr über sein Produkt und seinen Markt.<br />
Dadurch kann der Unternehmer erfolgreicher sein. Wir gewinnen Wirtschaftswachstum<br />
und damit letztlich auch Arbeitsplätze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Riker2k2</b>:<br />
Guten Morgen, die Herren. Herr Prof. Kirchhof, wie finden Sie es, dass<br />
es in der Öffentlichkeit so wirkt, als ob Ihre Vorschläge von<br />
Herrn Merz entwickelt wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unsere Vorschläge sind darauf angelegt, möglichst im Bundesgesetzblatt<br />
zu erscheine, also Allgemeingut zu werden. Deswegen sind wir über<br />
jeden Menschen, insbesondere über jeden Abgeordneten froh, der sich<br />
unsere Anregungen ganz oder teilweise zu Eigen macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, vielen Dank für das Interesse und die<br />
zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Herr Kirchhof, dass Sie sich die<br />
Stunde Zeit genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie<br />
alle anderen auch auf den Seiten der Veranstalter. Morgen stellt sich<br />
von 13.00 bis 14.00 Uhr Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn der<br />
Diskussion über Bildungskrise und Finanzmisere bei den Universitäten.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen Tag. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Schönen Dank. Ich war gerne hier.</span></p>
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