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		<title>Chinas Sonderweg und Deutschlands Feigenblatt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lukas Böhm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2014 13:20:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im September könnte mit dem chinesischen Internetkonzern Alibaba der größte Börsengang aller Zeiten anstehen. Das befeuert auch im Westen die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Feigenblatt-Brücke-Format-1.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-141681" alt="Feigenblatt Brücke Format 1" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Feigenblatt-Brücke-Format-1-630x275.jpg" width="630" height="275" /></a>Im September könnte mit dem chinesischen Internetkonzern Alibaba der größte Börsengang aller Zeiten anstehen. Das befeuert auch im Westen die Suche nach Alternativen zu den dauergescholtenen US-Internetkonzernen. Allerdings taugt das Beispiel des größten E-Commerce Marktes der Welt für Europa nicht als Vorbild.<br />
Google, Apple, Facebook, Amazon. Sie wissen, was jetzt kommt. Das mit den Datenkraken, NSA-Kooperationen, windigen Änderungen der AGBs, der „Dienst gegen Daten“-Philosophie, Big Data. Und am Ende erklären wir Ihnen, warum das Silicon Valley demnächst auch in Ihrem Wohnzimmer die Möbel umstellt. Metaphorisch zumindest. Und an den Geschäftspraktiken dieser vier Konzerne gibt es ja weiß Gott auch eine Menge zu kritisieren. Da diese Artikel mittlerweile Auoren wie Leser eher ermüden, heute mal eine andere Perspektive.<br />
Die Marktmacht der vier US-Unternehmen erscheint vielen KonsumentInnen im Westen quasi als gottgegeben. Dasselbe gilt für die damit verbundene Abhängigkeit von den USA. Auch wenn diese offensichtlich ist, vergessen wir zu oft: Sie gilt nicht überall.</p>
<h3>Googles Marktanteil in China unter zwei Prozent</h3>
<p>Es gibt nämlich durchaus digitale Märkte, in denen keines dieser Unternehmen richtig Fuß gefasst hat und das bis auf Weiteres wohl auch nicht tun wird. Besser gesagt, es gibt <i>den</i> digitalen Markt, den <a href="http://ystats.com/uploads/report_abstracts/1097.pdf">größten der Welt</a>: Asien, und hier vor allem China. Das Reich der Mitte, mit der größten Bevölkerung weltweit, betreibt eine äußerst restriktive Politik gegen ausländische IT-Unternehmen. Das hängt damit zusammen, dass die Zentralregierung Chinas die IT-Wirtschaft als einen der <a href="http://german.china.org.cn/china/2012-07/22/content_25977892.htm">strategisch wichtigen Wirtschaftszweige</a> erkannt hat – und mit Verweis auf chinesische Sicherheitsinteressen den Zugang erschwert.<br />
Und das zeigt Wirkung. Fast zu allen uns bekannten Anwendungen und Anbietern gibt es in China ein einheimisches Pendant. Statt bei Amazon kaufen ChinesInnen bei taobao, das angeschlossene Zahlsystem heißt nicht PayPal, sondern Alipay. Twitter heißt hier Weibo. In China wird zudem nicht gegoogelt, sonder ge-baidut. Google brachte es dagegen in China im ersten Quartal 2014 nur auf einen Marktanteil von <a href="http://www.komdat.com/blog/suchmaschinen-marktanteile-q1-2014">1,65 Prozent</a>. WhatsApp heißt in der chinesischen Variante WeChat, beziehungsweise Wēixìn (was so viel wie „kleine Nachricht“ bedeutet) und arbeitet zudem mit offenen Programmierschnittstellen (APIs). Das bedeutet, dass eine Großzahl weiterer Services und Funktionen anderer Anbieter an WeChat andocken kann.<br />
Warum es für China kaum Nachteile hat, ausländischer Technik und ausländischen Anwendungen den Zutritt zu erschweren, zeigt sich bei einem Vergleich der Nutzerstatistiken. WeChat kratzt aktuell an der Marke von <a href="http://www.techinasia.com/wechat-438-million-active-users-q2-2014/">440 Millionen</a> aktiven Nutzern. Zum Vergleich: WhatsApp hat weltweit etwa <a href="http://blog.whatsapp.com/613/500000000">500 Mio. Nutzer</a>. Die chinesische Amazon-Alternative taobao rangiert laut dem Webanalysetool Alexa weltweit sogar auf <a href="http://www.alexa.com/siteinfo/taobao.com">Platz neun</a> – und damit sogar einen Platz vor <a href="http://www.alexa.com/siteinfo/amazon.com">Amazon</a>.</p>
<h3>China ist in der Digitalisierung voraus</h3>
<p>China ist der größte E-Commerce Markt der Welt. Und das gigantische Land, das ohne Zweifel Defizite bei Demokratie, Meinungsfreiheit und Minderheitenrechten aufweist, ist auf einem relevanten Gebiet den westlichen Demokratien voraus: Die Digitalisierung ist hier schon <a href="http://www.merics.org/fileadmin/templates/download/china-monitor/China_Monitor_No_15.pdf">weiter vorangeschritten</a> als in den meisten europäischen Ländern. Der mobile Internetzugriff in China lag 2013 bei 83 Prozent der Gesamtzugriffe (zum Vergleich Deutschland: 45 Prozent). Aus der schieren Macht eines solchen Marktes erklären sich auch die ernstzunehmenden (weil nutzerstarken) Alternativen zu den ewigen „Magic Four“ des Silicon Valley.<br />
Aus Sicht des chinesischen Staates ergibt es gleich mehrfach Sinn, das Netz nicht aus der Hand zu geben: Einerseits erwachsen in dem gut geschützten und gleichzeitig gigantischen Markt Produkte, die mit einer großen heimischen Nutzerbasis ins Ausland exportiert werden können – so beginnt <a href="http://meedia.de/2014/08/28/vor-dem-boersengang-unglaublicher-gewinnsprung-fuer-internet-gigant-alibaba/?utm_campaign=NEWSLETTER_MITTAG&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email">Alibaba (der Konzern hinter taobao)</a>, Marktanteile in Südafrika, Indonesien und Indien zu erobern, und er <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Chinesische-Online-Handelsplattform-Alibaba-expandiert-nach-Europa-173895.html">schielt auch nach Europa</a> und in die <a href="http://www.it-times.de/news/alibaba-expandiert-im-us-amerikanischen-e-commerce-markt-99292/">USA</a>. Andererseits stellt das Internet die chinesischen Zensoren vor eine wahre Mammutaufgabe. Um dieser zu begegnen, wird das Internet in manchen Regionen von Zeit zu Zeit auch mal <a href="http://winfuture.de/news,48294.html">ganz abgeschaltet</a>.</p>
<h3>Mikroblogs genießen mehr Vertrauen als die Medien</h3>
<p>Denn im chinesischen Internet erwächst eine Parallelgesellschaft, die im Analogen nicht existieren kann. Zu groß sind die Redekontrollen und sozialen Zwänge, in die die staatlich verordnete Parteitreue ihre BürgerInnen treibt. Widerstand ist in China digital. Das <a href="http://www.merics.org/fileadmin/templates/download/china-monitor/China_Monitor_No_5_gesamt.pdf">Vertrauen der ChinesInnen</a> in Online-Aktivisten und ihre Mikroblogs ist um ein Vielfaches höher als das in die staatlichen Medien. Oder, wie es der chinesische Medienwissenschaftler Hu Yong ausdrückt: „Wer im Netz nicht über die Regierung lästert, ist politisch inkorrekt“.<br />
Das ist dann auch die chinesische Interpretation des Begriffes „Cyber Security“. Während wir im Westen dabei über die Verhinderung von Straftaten und Datenschutz nachdenken, ist in China vor allem die Sicherheit des Staates vor seinen eigenen BürgerInnen damit gemeint. Mit diesem Argument und dem Verweis auf die Besonderheit der Volksrepublik in eigentlich allen Bereichen – Bevölkerung, Regierungsform, Wirtschaftssystem – werden Restriktionen vom Rest des Weltmarktes auch als irgendwie dazugehörig angesehen.</p>
<h3>Die Digitale Agenda glaubt noch an die DeMail</h3>
<p>Das chinesische Beispiel kann aber auch ein Lehrstück sein für die Bemühungen in Europa und Deutschland, ernsthafte Alternativen zu den in Misskredit geratenen amerikanischen Platzhirschen zu etablieren. Die <a href="http://politik-digital.de/digitale-agenda-das-hausaufgabenheft/">Digitale Agenda</a> der Bundesregierung nennt noch immer die <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-agenda-wuenschen-und-wollen-in-neuland-1.2096496">DeMail</a> als sichere Zukunftstechnologie „made in Germany“. Das hat ihr nicht nur den Spott der Netzgemeinde eingebracht, sondern kann auch mit Blick auf China nicht optimistisch stimmen: Das einzige Land der Welt, in dem sich (staatlich geförderte) Alternativen etablieren konnten, hat fast 1,4 Milliarden Einwohner. Es ist zudem nicht Teil eines größeren Binnenmarktes und kann ausländischen Mitbewerbern die Regeln für den Markteintritt gewissermaßen diktieren.<br />
Abgesehen davon, dass all diese vermeintlichen Erfolgsfaktoren auf Deutschland nicht zutreffen, werden in China Andersdenkende und Oppositionelle in bestenfalls noch als unfair zu bezeichnenden Gerichtsprozessen verurteilt und ganze Volksgruppen – zuletzt wieder wie beim traurigen <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/china-unruhen-100.html">Beispiel</a> der Uiguren – unterdrückt und diskriminiert. Dass sich Deutschland hiervon unterscheidet, wird kaum ein demokratisch gesinnter Mensch ändern wollen.<br />
Die Antwort auf den NSA-Skandal und Googles Monopol kann deswegen auch nicht in nationalen Alternativprogrammen liegen. Ideen wie Schlandnet und die bereits zitierte DeMail werden sich in Deutschland nicht als Alternativen etablieren. Was die bisherigen Kommentare zu diesen zwei Technologien angeht, ist das vielleicht auch gar nicht so schlecht: Man ist sich relativ einig, dass beispielsweise die <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-03/de-mail-sicher-bundesregierung">DeMail ein Einfallstor für Datendiebe</a> ist.</p>
<h3>Schluss mit den Egotrips</h3>
<p>Der deutsche Markt ist schlicht zu klein, um in ihm Alternativen zu global operierenden und optimierten Diensten reifen zu lassen. Selbstverständlich kann auch mal ein Start-Up aus Berlin den nächsten großen Wurf landen, aber es wird sich in der Marktwirtschaft (und damit ist diesmal nicht die chinesische gemeint) von Anfang an mit den Monopolen zu messen haben. Technologische Antworten auf die NSA-Affäre und echte Alternativen können, wenn überhaupt, auf europäischer Ebene entwickelt werden. Dafür braucht es umfassende und konzertierte Förderung sowie einen sicheren europäischen Rechtsrahmen – und keine feigenblatthaften Egotrips in der europäischen Kleinstaaterei.</p>
<h3>tl;dr</h3>
<ol start="1">
<li>Google, Amazon, Apple, Facebook sind nicht überall Marktführer: Die größte Ausnahme bildet China, wo es eine Vielzahl eigener Konzerne und Dienste gibt, die über große Userzahlen verfügen.</li>
<li>Chinas Erfolgsfaktoren hierfür sind vor allem ein erschwerter Marktzugang für ausländische Bewerber und staatliche Kontrolle im Internet.</li>
<li>Dass die chinesischen „Erfolgsfaktoren“ in Deutschland nicht gelten, ist ein weiterer Grund, Programmen wie DeMail oder Schlandnet eine Absage zu erteilen. Wenn überhaupt, können alternative Dienste nur auf europäischer Ebene entstehen.</li>
</ol>
<p>Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/schneiderstefan/">Stefan Schneider</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Zensur &#8211; wie geht das? Digitale Presseschau KW 01</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Jan 2013 15:39:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Das neue Jahr startet gleich mit einigen großen Fragen: Wem nützt eine verstärkte Regulierung des Internets, wer schuftet sich für [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das neue Jahr startet gleich mit einigen großen Fragen: Wem nützt eine verstärkte Regulierung des Internets, wer schuftet sich für unsere Hardware den Buckel krumm und welche Möglichkeiten eröffnen die riesigen Datenmengen, die permanent gesammelt werden? Außerdem erklärt unser Video der Woche die technische Seite von Internetzensur. Das und mehr in der ersten Presseschau des neuen Jahres.</p>
<h3>Video der Woche</h3>
<p>[youtube http://www.youtube.com/watch?v=LAUH5MbXc94&amp;feature=player_embedded;v=6ti2S7Py25w# w=630&amp;h=354]<br />
Welche Möglichkeiten zur Internetzensur es derzeit gibt, illustriert dieses Erklärvideo des Berkman Centers ganz einfach und nachvollziehbar &#8211; und einen Regenbogen gibt es auch.</p>
<h3><a href="https://www.taz.de/Regierungen-und-das-Internet/!108127/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wir regeln das schon</a></h3>
<p>Die Internetweise Constanze Kunz resümiert die fürs Erste gescheiterte Sitzung der internationalen Fernmeldeunion im vergangenen Dezember. Die Interessen der Regierungsoberhäupter gingen zu weit auseinander, um zu einer Einigung über allgemein gültige Richtlinien für das Internet zu gelangen. Besser so, sagt die Autorin, und plädiert für ein selbstgeregeltes Netz.</p>
<h3><a href="http://www.golem.de/news/konfliktfreie-rohstoffe-faire-computer-sind-in-weiter-ferne-1212-96598.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Faire&#8221; Computer sind in weiter Ferne</a></h3>
<p>Schön, dass wir uns alle über Nutzen und Notwendigkeit des Internets einig sind; dumm nur, dass die dazu notwendige Hardware unter zutiefst unfairen Bedingungen hergestellt wird, wie Jörg Thoma auf golem.de und der ZEIT online berichtet. Welchen Preis zahlen Arbeiter in China oder im Kongo für unser Online-Glück?</p>
<h3><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/big-data-wenn-daten-sprechen-1.1562758?null" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wenn Daten sprechen</a></h3>
<p>Eine umfassende und gut lesbare Einführung in Chancen und Risiken großer Datenmengen liefert Bernd Graff in der Süddeutschen Zeitung. &#8220;Besteht zwischen Bewegungsprofil und Schuhgröße womöglich ein Zusammenhang? Kann man durch die Auswertung von Tweets drohende Verarmung und Epidemien prognostizieren?&#8221;</p>
<h3><a href="http://www.tagesspiegel.de/wissen/open-access-eingeschraenkte-lehre/7579384.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Eingeschränkte Lehre</a></h3>
<p>Für Studierende sind sie nicht mehr aus dem Unialltag wegzudenken: Digitale Semesterapparate mit den wichtigsten Inhalten der Seminare, die über das Universitäts-Intranet abgerufen und gespeichert werden können. Doch das könnte bald vorbei sein: Die Wissenschaftsverlage gehen immer öfter gerichtlich dagegen vor. Fabian Soethof vom Tagesspiegel fürchtet um den unbürokratischen Zugang zu Wissen.</p>
<h3><a href="http://www.blog-cj.de/blog/2013/01/02/und-das-fernsehprogramm-gibt´s-gratis-dazu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Und das Fernsehprogramm gibt´s gratis dazu!</a></h3>
<p>Allerorts experimentieren Zeitungen mit neuen Bezahlmodellen, um an ihren Online-Inhalten etwas zu verdienen. Wie es nicht funktioniert, erläutert Christian Jakubetz auf seinem Blog am Beispiel der Braunschweiger Zeitung. Die hat jüngst ein Abonnementmodell eingeführt, das mit kostenlosem <a href="http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/119456-waz-mediengruppe-braunschweiger-zeitung-fuehrt-online-bezahlmodell-ein.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fernsehprogramm und Live-Ticker</a> überzeugen soll.</p>
<h3><a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2013/01/facebook-kauft-sich-freunde/#more-9689" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook kauft sich Freunde</a></h3>
<p>Facebook betreibt Lobbyarbeit &#8211; warum auch nicht. Die Ausmaße sind allerdings erschreckend. Detalliert und faktenreich zeichnet der ZDF-Blog Hyperland das Bild eines schnell groß gewordenen Unternehmens auf dem Weg zur Macht.</p>
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