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	<title>Philipp Greiner &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Philipp Greiner &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Merkel immun gegen Berlusconis Altherren-Charme&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 15:41:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 15.4.08, war Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent in Rom,  zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Er sprach über Berlusconis Sieg bei den Parlamentswahlen, Korruptionsvorwürfe, italienische Politikverdrossenheit und Müllentsorgungsprobleme in Neapel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 15.4.08, war Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent in Rom,  zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Er sprach über Berlusconis Sieg bei den Parlamentswahlen, Korruptionsvorwürfe, italienische Politikverdrossenheit und Müllentsorgungsprobleme in Neapel.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich<br />
willkommen zum tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Mein Name<br />
ist Ulrich Bentele, ich werde diesen Chat in der kommenden Stunde moderieren. Unser<br />
Gast heute ist aus Rom zugeschaltet: Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent.<br />
Herr Greiner, kann es losgehen?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Ja, gerne.
</p>
<div align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/pgreiner250x.jpg" height="222" width="177" />
</div>
<div align="center">
<br />
<i>Philipp Greiner (ARD-Korrespondent)<br />
</i>
</div>
<p>
<b>Moderator</b>: Wie haben Sie die<br />
Wahlnacht erlebt?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
&quot;Nacht&quot; im engeren Sinne war kurz. Bis elf abends haben wir die<br />
italienischen Medien verfolgt und so gegen sechs waren die ersten<br />
&quot;Live-Auftritte&quot; in den deutschen Radiomagazinen.</p>
<p><b>seba:</b> Warum wählen die Italiener<br />
eigentlich immer wieder Herrn Berlusconi?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Naja, abwechselnd<br />
wählen sie ihn ja auch nicht.</p>
<p><b>Martin:</b> Laufen zurzeit eigentlich<br />
noch Gerichtsverfahren gegen Berlusconi?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Ja, es gibt noch<br />
eins, soweit ich weiß. Und sorry an seba. Ernsthaftere Antwort: Weil das<br />
Mitterechts-Lager ihn aufstellt- die denken wohl, sie haben keinen<br />
Zugkräftigeren. </p>
<p><b>Moderator</b>: Welche Vorwürfe gegen<br />
Berlusconi stehen denn noch im Raum?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>:<br />
&quot;Korruption&quot;- das ist ein Verfahren im Zusammenhang mit dem Handel<br />
mit Filmrechten. Dieser Prozess war aber schon vor der Wahl ausgesetzt, und<br />
solange Herr Berlusconi im Amt ist, wird er wohl auch nicht wieder aufgenommen.</p>
<p><b>nora<br />
barnacle:</b> Herr Greiner, ist das verfügbare<br />
politische Personal in Italien so verbraucht oder sind die Italiener so<br />
politikverdrossen, dass sie zum dritten Mal Berlusconi wählen? </p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
&quot;Verdrossenen&quot; gehen wohl gar nicht wählen. (Das waren diesmal knapp<br />
20 Prozent &#8211; für Italien ist das viel.) Und Veltroni wäre für die nationale<br />
Politik relativ frisch gewesen, obwohl er auch schon Minister in Rom war. </p>
<p><b>Huschke:</b> Wie kommt es, dass die<br />
konservativen Kräfte in Italien sich nur auf diesen Medienmenschen Berlusconi<br />
einigen konnten?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
habe ich mich auch schon gefragt, und mit dieser Frage bin ich auch mal im<br />
&quot;Corriere della sera&quot; zitiert worden. Das war zwar nur auf Seite 11,<br />
aber ich war trotzdem sehr stolz, in der Zeitung zu stehen. Es hängt aber wohl<br />
mit seinem Reichtum und seiner mittlerweile erwiesenen Wirksamkeit auf die<br />
Wähler zusammen. Mit dem Reichtum hat er sich eine eigene Partei basteln<br />
können.</p>
<p><b>manila:</b> Nachfrage: Was waren denn jetzt die ausschlaggebenden<br />
Gründe für die Berlusconi-Wahl (nach der damaligen Abwahl)?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Ein<br />
Grund: Das schlechte Bild, das die Prodi-Regierung abgegeben hat. Viel Streit<br />
zwischen den Koalitionsparteien und wenig erkennbare, effiziente<br />
Regierungsarbeit. Anderer Grund: Viele wollten &#8211; egal von welcher Seite, links<br />
oder rechts &#8211; eine stabile Regierung mit deutlicher Mehrheit; für die war es<br />
logisch, den in den Umfragen vorn Liegenden zu wählen. Es gibt noch mehr<br />
Gründe.</p>
<p><b>Velbert:</b> Was wird denn jetzt aus Romano Prodi?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Der hat sinngemäß<br />
gesagt, er wird jetzt hauptberuflicher Opa.</p>
<p><b>ts:</b> Wie erklären Sie sich das<br />
schlechte Abschneiden der &quot;Regenbogen-Linke&quot;?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Der<br />
wird die Hauptschuld an dem erwähnten vielen Koalitions-Gezänk gegeben.<br />
Außerdem gehören dazu einige Kommunisten, die man wohl ohne zu viel zu werten<br />
als allzu orthodox oder &quot;altlinks&quot; bezeichnen kann. Und dann war auch<br />
nicht ganz klar, wofür dieses Bündnis, zu dem auch die Grünen gehörten, denn<br />
nun genau steht.
</p>
<p>
<b>Aristarch:</b> Trotz<br />
Wahlpflicht sinkt die Wahlbeteiligung &#8211; ein Zeichen für die<br />
Politikverdrossenheit. Interessiert das irgendjemanden (Politiker oder so etwas<br />
wie eine APO) eigentlich?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Die Wahlpflicht ist<br />
de facto abgeschafft. Ich bin nicht ganz sicher, ob per Gesetz, oder ob das nur<br />
per Gewohnheitsrecht nicht mehr kontrolliert wird. Und die Wahlbeteiligung<br />
interessiert die Leute schon: Es war in den letzten Tagen viel vom<br />
&quot;astensionismo&quot; die Rede, der Enthaltung, die grassieren könnte. Man<br />
war dann froh, dass die 80 Prozent überschritten worden sind.
</p>
<p>
<b>Maiha:</b> Großen Anteil<br />
am Sieg der pdl hatte die Lega Nord. Wie stark wird ihr Einfluss in der neuen<br />
Regierung und was bedeutet ein möglicher verstärkter Föderalismus für Italien?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner: </b>Die Nord-Politiker äußern sich seit gestern Abend SEHR<br />
selbstbewusst. Sie sollen laut Berlusconi zwei der zwölf Ministerien kriegen.<br />
Verstärkter Föderalismus kann aus meiner (in der BUNDES-Republik Deutschland<br />
geprägten) Sicht nicht schaden. Zum Beispiel wäre &#8211; wenn man schon ein<br />
Zwei-Kammer-Parlament hat &#8211; so was wie der Bundesrat gescheiter als zwei<br />
gleichberechtigte Kammern.
</p>
<p>
<b>Corradina:</b> Wie kann<br />
man das erneute Erstarken der Lega Nord erklären?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
könnte sogar mit dem Müll in Neapel zusammenhängen, da hat man sich auch von<br />
der Mitte Italiens ab nach Norden ziemlich geniert. Und dann sind die so<br />
populistisch, dass sie bei schlichteren Menschen mit ihren Sprüchen ankommen.<br />
Außerdem die Wirtschaft, die auch im reichen Norden kriselt.</p>
<p><b>Kritiker:</b> Warum schaffen es die Italiener nicht, den Müll in Neapel<br />
zu beseitigen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Gute<br />
Frage. Altes Problem. Seit 20 Jahren ungefähr wird der Bau von Verbrennungsanlagen<br />
(oder auch erst mal Deponien) nach dem Sankt-Florians-Prinzip blockiert. Kein<br />
Ort will so was. Da sind übrigens die Grünen und die Linken nicht unschuldig.<br />
Und dann trennen die im Süden auch nicht so gern den Müll.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>ombelico:</b> Warum divergieren die Auslandssicht und Italiens Sicht auf<br />
Berlusconi so? Gibt es Länder, in denen Berlusconi weniger kritisch gesehen<br />
wird als z.B. in DE, FR oder UK?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Als<br />
Spötter oder Berlusconi-Feind würde ich sagen, dass wahrscheinlich<br />
halbverrückte afrikanische Despoten oder Bananenrepublikspräsidenten ihn gut<br />
finden. Aber: Alle Länder und ihre Berlusconi-Wahrnehmung kenne ich nicht so.<br />
Die Italiener haben jedenfalls &#8211; zu einem größeren Teil als ihre europäischen<br />
Nachbarn &#8211; vor dem Selfmade-Milliardär eher Respekt, als dass sie den Reichtum<br />
suspekt finden &#8211; und wenn er ihn manchmal mit nicht ganz legalen Mitteln<br />
erworben und gemehrt hat. Dann gibt es viele Italiener (sagen auch Italiener),<br />
die das selber auch so tun (würden).</p>
<p><b>HolgerT:</b> Was ist von Berlusconi zu halten &#8211; kann der wirklich wie<br />
Thatcher als ganz neuer Mensch regieren, wie er versprochen hat?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Ich<br />
habe noch nicht mal verstanden (oder nicht mehr gut in Erinnerung), was er<br />
meinte, er werde Thatcher in ihrer zweiten Amtszeit nacheifern. Hat die sich so<br />
geändert nach der ersten? Berlusconi kann sich bestimmt ändern und ich könnte<br />
mir vorstellen, dass er mit Blick auf das Staatspräsidentenamt, das er<br />
angeblich anstrebt, versucht, auch bei seinen Kritikern populärer zu werden.<br />
Das hieße dann, dass er sich mäßigt. Mal schaun!<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>wolfi:</b> Was will Berlusconi mit der Aussage, er wolle wie Thatcher<br />
regieren, eigentlich sagen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Mir<br />
fällt dazu als erstes ein: Die Macht der Gewerkschaften brechen. (In<br />
Rechts-Regierungs-Zeiten gibt es in Italien üblicherweise mehr politisch<br />
motivierte Streiks.) Und: Wirtschaftsliberalismus, beispielsweise Lockerung des<br />
Kündigungsschutz und andere Maßnahmen zur Belebung des Arbeitsmarkts.</p>
<p><b>illy:</b> Wird die &quot;neue&quot; Regierung nun dringend<br />
notwendige Reformen in Angriff nehmen?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Das ist der Appell,<br />
den heute auch die Kommentatoren von links an sie richten. Die Mehrheiten hat<br />
sie schließlich. Symbolisch wird es damit beginnen, dass das Kabinett in Neapel<br />
tagt und so den Müll sozusagen höchstpersönlich wegschafft!</p>
<p><b>Heinrich 2.:</b> Was hat die Regierung<br />
Prodi eigentlich vor Ihrem Zusammenbruch bewegen können?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Nun, die<br />
Staatsfinanzen haben sich ein bisschen mehr in Richtung<br />
Euro-Stabilitäts-Kriterien bewegt als unter der vorigen Regierung Berlusconis.<br />
Über irgendeine Art Gleichstellungsgesetz &#8211; oder was Ähnliches wie die<br />
französischen PACS &#8211; ist immerhin diskutiert worden, im katholischen Italien<br />
ist das schon was.</p>
<p><b>WileyCoyote:</b> Hat Berlusconis<br />
Medienmacht eigentlich Einfluss darauf, dass er wiedergewählt wurde? Wie<br />
verhalten sich seine Sender nun wirklich politisch?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Mein<br />
Eindruck ist, dass mindestens zwei der drei Berlusconi-Programme hauptsächlich<br />
ihre Zuschauer verblöden. Aber wer nur dumme Quizze anguckt und ähnliches, ist<br />
weniger gut informiert; und wer weniger gut informiert ist, wählt eher<br />
populistische Politiker. Und zu denen rechne ich ihn. Es gibt aber auch eine<br />
linke Satire-Sendung auf einem Berlusconi-Kanal, die mindestens so oft<br />
Konservative durch den Kakao zieht wie Linkere.</p>
<p><b>abc:</b> Welche Rolle spielt für die<br />
Italiener denn die internationale Repräsentation des Landes, wenn sie jemanden<br />
wie Berlusconi immer wieder wählen?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Einerseits wird<br />
schon immer wieder in den italienischen Zeitungen berichtet, wenn der<br />
&quot;Economist&quot; usw. ihn fertigmachen. Andererseits gibt es dann auch so<br />
&#8216;ne Art Solidarisierungseffekt, so nach der Devise: Wir lassen uns auch unsere<br />
schlechten Politiker vom Ausland nicht noch schlechter machen!</p>
<p><b>Tru:</b> Und was mit der RAI &#8211; wie sehen<br />
die Kollegen dort den Machtwechsel und wie stark kann Berlusconi hier Einfluss<br />
ausüben?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
RAI untersteht schon immer dem Parteien-Proporz. Es steht zu hoffen, dass es da<br />
&#8211; wie in der letzten Zeit &#8211; anteilig Pöstchen und Pfründe für alle Lager gibt.<br />
Ich gestehe, dass ich gar nicht auswendig weiß, wann da die nächsten wichtigen<br />
Positionen zu besetzen sind.</p>
<p><b>Moderator</b>: Es folgt eine kritischen<br />
Anmerkung eines Users:</p>
<p><b>dlongo:</b> Als Italiener muss ich hier einmal sagen, dass der Ausdruck<br />
&quot;die Italiener&quot; nicht ganz korrekt ist: So wie ich haben viele meiner<br />
Landsleute (60%)  nicht direkt<br />
Berlusconi gewählt oder bewundern ihn. Also es wäre besser zu sagen, &quot;die<br />
Berlusconi-Anhänger&quot;. In Deutschland sind ja auch nicht gleich alle für &quot;la<br />
Merkel&quot;. Zudem: auch Süditaliener trennen ihren Müll, auch wenn nicht<br />
direkt in 4 verschiedene Tonnen vor der Haustür (ähnlich wie auch im Flughafen<br />
München).</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zwei Fragen zusammen<br />
gefasst:</p>
<p><b>wolfi:</b> Wird eigentlich immer noch an<br />
einem neuen Wahlverfahren gearbeitet und was könnte das bei der jetzigen<br />
Konstellation für die kleinen Parteien bedeuten?</p>
<p><b>muhaha0815:</b> Gibt es schon konkrete<br />
Pläne, wie Berlusconi das Wahlrecht reformieren will? Wenn ja, wie sehen die<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
Kritik akzeptiere ich. Das war (wie manches Andere auch) unordentlich<br />
formuliert &#8211; &quot;die&quot; Italiener ist oft nur &quot;die Mehrheit der<br />
Italiener, die wählen gegangen sind&quot; usw. &#8211; Aber der Anteil am getrennt<br />
eingesammelten Müll in Süditalien ist nach amtlichen Erhebungen geringer als in<br />
der Mitte oder gar im Norden Italiens. Zum Wahlrecht: Da ist mir noch kein<br />
Entwurf bekannt. Und das wäre eines der Felder, bei<br />
denen sich zeigen wird, ob Berlusconi, so wie er es gestern Abend angekündigt<br />
hat, mit der Opposition zusammenarbeitet. Dann müssten sie alle gemeinsam<br />
überlegen, mit welchem System man die nächsten Jahrzehnte leben (und wählen)<br />
kann.</p>
<p><b>fm:</b> Wie sieht die Zukunft der italienischen Parteienlandschaft<br />
aus? Amerikanisches System?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Nicht<br />
ganz, denke ich. Immerhin ist zwischen den beiden großen Lagern die<br />
christdemokratische UDC nicht ganz zerrieben worden. Denkbar wäre zum Beispiel<br />
eine Situation wie in der Bundesrepublik in den 60er- bis 80er-Jahren, wo ja<br />
auch die kleine FDP mal mit der Union und mal mit der SPD regiert hat. Aber das<br />
ist keine Prognose. Da kommt die vorherige Frage nochmal ins Spiel: Das wird<br />
vom künftigen Wahlrecht abhängen.
</p>
<p>
<b>Herr Martin:</b> Warum ist<br />
die Parteienlandschaft in Italien eigentlich so relativ zersplittert &#8211;<br />
abgesehen von der jetzigen doch deutlichen Konzentration?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Zum<br />
Teil hängt das wohl mit persönlicher Eitelkeit der Parteichefs zusammen. Die<br />
sogenannten &quot;Sozialisten&quot;, die jetzt bei der Wahl völlig eingegangen<br />
sind, hätten sich gut auf die ganz Linke und die gemäßigte Linke verteilen<br />
können, aber dann wäre ihr Vorsitzender nicht so oft ins Fernsehen gekommen.
</p>
<p>
<b>mano a mano:</b> Was<br />
meinen Sie, welche Rolle die Opposition jetzt in der Regierung Berlusconi<br />
spielen kann?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Ich<br />
will nicht kleinlich sein, aber &quot;die Opposition in der Regierung&quot; &#8211;<br />
das wäre dann die Lega Nord. Die werden durchaus stören können; das sind die,<br />
die gerne mal &quot;zu den Gewehren greifen&quot; oder &quot;auf Rom<br />
marschieren&quot; wollen, wenn ihnen was nicht passt. Die Opposition links von<br />
der künftigen Regierung ist ziemlich machtlos, aber Berlusconi hat versprochen<br />
sie bei manchen Fragen, wo es angebracht ist (z.B. Wahlrecht), einzubinden.</p>
<p><b>Peloso:</b> Wie verstehen sich eigentlich Berlusconi und Merkel &#8211;<br />
besser als Prodi und Merkel?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Oh<br />
je: Ich habe keine Informationen über ein schlechtes Verhältnis Prodi/Merkel!<br />
Vielleicht wissen Sie das besser. Aber wenn ich an den Gesichtsausdruck denke,<br />
mit dem Frau Merkel die Handküsse französischer Präsidenten entgegennimmt,<br />
nehme ich an, dass sie gegen den<br />
Altherren-Charme des gelifteten Berlusconi ziemlich immun ist.</p>
<p><b>fm:</b> Welche Rolle spielte die Kirche bei diesen Wahlen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Etwa<br />
dieselbe wie sonst auch: Man schätzt den Einfluss katholischer Wahlappelle, die<br />
natürlich nicht offiziell von der Bischofskonferenz oder gar aus der Kurie<br />
kommen, auf rund drei Prozent. Da allerdings<br />
die Christdemokraten mit Ach und Krach den Einzug ins Parlament geschafft<br />
haben, als einzige der ganz- und mittel-kleinen Parteien, waren die drei<br />
Prozent (wenn&#8217;s stimmt) diesmal dann doch wichtiger als sonst.</p>
<p><b>Tulip:</b> Was ist eigentlich dran, dass<br />
Berlusconi Gesetze zu seinen Gunsten geändert hat &#8211; können Sie da ein Beispiel<br />
nennen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Bei<br />
Bilanzfälschung ist das Höchststrafmaß herabgesetzt worden, womit dann<br />
automatisch die Verjährungsfrist kürzer war; so war er aus dem Schneider. Beim<br />
Gesetz über den &quot;Interessenkonflikt&quot; (Unvereinbarkeit von<br />
wirtschaftlicher und politischer Tätigkeit) war die Formulierung so, dass Berlusconi<br />
zwar nicht mehr als Präsident von AC Mailand fungieren durfte, aber seine<br />
Medienunternehmen durfte er als Ministerpräsident behalten.</p>
<p><b>wolfi:</b> Wird Berlusconi versuchen,<br />
die unabhängige Justiz stärker in die Abhängigkeit der Regierung zu ziehen? Von<br />
Staatsanwälten scheint er keine hohe Meinung zu haben?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
war einer seiner letzten Klöpse im Wahlkampf: Staatsanwälte sollten &#8211; sagte er<br />
&#8211; alle paar Jahre zum psychologischen Test, wie unbelehrbare Verkehrssünder.<br />
Ich glaube aber, dass er in puncto Justizreform jetzt erst mal stillhalten<br />
wird. Schon seinem Image zuliebe.</p>
<p><b>fm:</b> Inwieweit kann Staatspräsident Napolitano die Politik<br />
Berlusconis beeinflussen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>:<br />
Wenig. Er kann Gesetze nicht unterzeichnen, die er für verfassungswidrig hält,<br />
wie Köhler. Das ist Berlusconi 2001 bis 2006 zweimal passiert, für italienische<br />
Verhältnisse war das oft. Und daher beide Male ziemlich peinlich. Da wird er<br />
wohl diesmal besser aufpassen.
</p>
<p>
<b>nora barnacle:</b> Welche<br />
Konsequenzen wird die Wiederwahl Berlusconis für Europa nach sich ziehen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
wird, glaube ich, nicht so schlimm. Bei den wenigen Äußerungen Berlusconis nach<br />
der Wahl war was dabei, was nach einer europafreundlicheren Außenpolitik als<br />
2001 bis 2006 klang. Und EU-Kommissar Frattini, den er zum Außenminister machen<br />
will, ist ja ein guter Europäer. Andererseits ist Berlusconi etwas<br />
unberechenbar. Aber warum sollte er uns nicht auch mal positiv überraschen?!</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Mit-Chatter, die<br />
Stunde ist fast um, Zeit für eine allerletzte Frage:
</p>
<p>
<b>Tedesco:</b> Auch wenn es<br />
schwer ist und allgemein: Welches Image hat Deutschland eigentlich in Italien?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>:<br />
Wahrscheinlich kennen Sie den Spruch: „Die Deutschen lieben die Italiener, aber<br />
sie achten sie nicht. Die Italiener achten die Deutschen, aber sie lieben sie<br />
nicht.&quot; Da ist was dran. Aber es gibt viele Italiener, die beispielsweise die<br />
Sauberkeit in deutschen Städten sehr schätzen, und die Stabilität unserer<br />
Regierungen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: So, das war<br />
unser Chat für heute. Vielen Dank an die User, die viele interessante Fragen<br />
gestellt haben. Leider konnten wir nicht alle davon berücksichtigen. Ein<br />
besonderer Dank geht an Herrn Greiner nach Rom! Schön, dass Sie sich die Zeit<br />
genommen haben! Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen Tag.</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Hat Spaß gemacht.<br />
Tschuldigung an &quot;abc&quot; &#8211; an der Frage habe ich vorbeigeredet, es aber<br />
zu spät gemerkt. Ciao aus Rom!</p>
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